On Air - Der Blasmusik Podcast
Podcast rund um das Thema Blasmusik. Andy Schreck, selbst u.a. Dirigent und Lehrer für Musik an einem Gymnasium trifft sich mit Musikern, Dirigenten, Komponisten und Visionären um über Musik und das Leben zu sprechen und andere für neue Ideen zu begeistern.
On Air - Der Blasmusik Podcast
Hans-Reiner Schmidt - Zwischen Ernst Mosch und hr-Sinfonieorchester
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Hans-Reiner Schmidt ist ein wahrer musikalischer Wolpertinger. Er hat sich nie mit einer Sache zufrieden gegeben.
Der gebürtige Nordhesse hat Posaune an der Hochschule für Musik in Frankfurt am Main studiert. Begonnen hat seine Karriere im Rundfunk Orchester des Hessischen Rundfunks, darauf hin wechselte er nach einigen Jahren ins hr-Sinfonieorchester. Aber er hat sich nicht nur der Klassik verschrieben, sondern einfach der Musik, so war er auch mit Ernst Mosch und seinen Egerländer Musikanten auf Tour, hatte sein eigene Fernsehband, mit der er über 70 Sendungen bestritt, war Gastmusiker u.a. bei German Brass und Udo Jürgens und war Mitbegründer der Frankfurter Jazz-Big Band. 2009 legte er den Gründungsstein für die Brass Band Hessen und 2010 der Brass Band Frankfurt, die er auch beide heute noch leitet. Als viel gefragter Brasscoach ist er auf der ganzen Welt unterwegs, schreibt und arrangiert für die verschiedensten Besetzungen. Das er für das Euphonium auch noch viel getan hat, sei nur kurz am Rande erwähnt.
www.andyschreck.de
@andyschreck_
Die erwähnte Musik findet ihr wieder hier:
https://open.spotify.com/playlist/1iqJJBHixBrAAnTuBqWMXg?si=db612f1fb0224714
Aber für mich war eigentlich das Potenzial an Zeit und was ich hatte und Arbeit, die da reingesteckt werden musste, war wirklich am Limit. Also irgendwann muss man sich dann auch entscheiden, weil ein Tick mehr, es ist immer die Frage, noch eine Karte aufs Kartenhaus stellen, wird es vielleicht höher, aber es kann auch sein, dass es zusammenbricht. Und dann ist alles, alles, was man bis dahin geleistet hat, ist gefährdet im Land.
SPEAKER_01Herzlich willkommen beim OnAir, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Sandy Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Willkommen ihr Lieben bei der neuesten Folge und bevor ich über den Gaststunden unser Gespräch rede, möchte ich euch den Supporter nochmal vorstellen. Das ist wie immer Buffet Grampant. Buffet Gramp gehört zu den größten Instrumentenherstellern in Europa und hat von dem Blechblasinstrument bis zum Holzblasinstrument alles, was ihr euch vorstellen könnt. Wenn ihr sagt, ich suche ein neues Instrument, dann kann ich euch den Showroom in Geretz Reed nur ans Herz legen, denn da ist wirklich eine riesige Auswahl. Ganz einfach E-Mails schreiben, anrufen, Terminen machen, hinfahren, ausprobieren und als glücklicher Instrumentenbesitzer wieder nach Hause fahren. Mein aktueller Gast war eine Herzensangelegenheit von mir, denn ich kenne ihn jetzt schon auch seit 13 Jahren. Darf ab und zu mit ihm zusammenarbeiten, unter ihm spielen, habe ganz viel gelernt. Man könnte fast schon sagen, er ist so eine Art musikalischer Mentor für mich. Und auf der anderen Seite habe ich auch ganz, ganz großen Respekt vor seiner Leistung und vor seiner Arbeit. Unter anderem haben wir darüber gesprochen, wie Musik noch war, als es live im Radio stattgefunden hat, wie man als junger Mensch in ein Orchester kommt und das vielleicht mehr dazu gehört, als nur viel zu üben und gut zu spielen. Außerdem über die Zeit von Ernst Moschen, wie es überhaupt dazu kam, dass er seinen eigenen Titel da reingebracht hat und ganz, ganz vieles mehr, denn er hat eine riesige Karriere hinter sich, ist zwar pensioniert, aber deswegen nicht ruhelos. Und wenn ihr bis zum Schluss dranbleibt, dann erkläre ich nochmal, warum mein Gast mit ausschlaggebend ist, warum der Podcast so heißt wie er heißt. Ich wünsche euch jetzt viel Spaß. Mein heutiger Gast ist ein wahrer Wolpertänger der Blasmusik. Der gebürtige Nordhesser hat Posaun an der Hochschule für Musik in Frankfurt am Main studiert. Begonnen hat seine Karriere im Rundfunkorchester des Hessischen Rundfunks. Daraufhin wechselte er nach einigen Jahren ins Haller Sinfonieorchester. Aber er hat sich nicht nur der Klassik verschrieben, sondern einfach der Musik. So war er auch mit Ernst Mosch und seinen Egerländer-Musikanten auf Tour, hatte seine eigene Fernsehband, mit der er über 70 Sendungen bestritt, war Gastmusiker unter anderem bei German Bross und Udo Jürgens und war Mitbegründer der Frankfurter Jazz Big Band. 2008 legte er den Gründungsstein für die Brossband Hessen und 2010 der Brossband Frankfurt, die er auch weiter heute noch leitet. Als vielgefragter Bross-Coach ist er auf der ganzen Welt unterwegs, schreibt und arrangiert für die verschiedensten Besetzungen. Dass er für das Euphonium auch noch viel getan hat, sei nun kurz am Rande erwähnt, da wahrscheinlich das nur die Spitze des Eisbergs seines Schaffens ist, freue ich mich nun, Ihnen begrüßen zu dürfen, um noch mehr Einblicke zu bekommen und sage herzlich willkommen, Hans-Reiner Schmidt.
SPEAKER_00Ja, hallo Andi, wir können uns suchen, oder? Ja, natürlich. Wir kennen uns ja schon ein paar Tage länger. Seit 2008, glaube ich. Okay. Symphonisches Blasorchester Vorschwesser? Genau. Seitdem?
SPEAKER_01Das sind dann jetzt schon 13 Jahre.
SPEAKER_0013 Jahre. Ist auch schon wieder lang.
SPEAKER_01Das war echt lang, ja. Okay, Hans-Reiner, meine erste Frage, die ich jedem Gast stelle, ist, welches Stück hast du dir als letztes bewusst mal angehört?
SPEAKER_00Das wird jetzt, ja, da muss ich gleich zum Schluss von meinen Dienstjahren, glaube ich, hingehen. Und zwar war das mit dem Sinfonieorchester die letzten drei Konzerte, die wir hatten. Okay. Bevor ich in Pension gegangen bin in 2016. Alpensymphonie. Eine Alpensymphonie von Richard Strauß. Und es hat also gepasst, wie man so schön sagt, wie die Faust aufs Auge. Das waren drei richtig coole Konzerte. Wir hatten eine super Woche, weil da war natürlich alles am Start, was spielt, in der vorletzten Reihe, im Blech. Und tolle Konzerte mit meinem letzten Chef, den ich dann auch hatte, mit Andres Orozco. Und ja, das war so die Geschichte, die ich mir dann tatsächlich auch auf YouTube noch ein-, zweimal angeschaut habe. Und ja, ich denke, wir haben ganz ordentlich gespielt. Auf jeden Fall. Und ja, und zum Schluss gab es dann vom Meister Orozco den Blumenstrauß. Und wie man so schön sagt, einen klappst du von hinten und das war es dann. Da war die offizielle Ära am HR beendet.
SPEAKER_01Wie geht man in so ein Konzert rein?
SPEAKER_00Mit gemischten Gefühlen natürlich. Ich meine, man ist ja längere Zeit damit beschäftigt, wie wird es so ausgehen, so die letzten Wochen und Tage und und und als dann der Dienstplan bekannt wurde im Sommer, weil der, ich bin dann am, ich glaube, es war August, 22. August oder so, dann war bekannt, was gespielt wurde. Und dann habe ich gedacht, wow, das passt tierisch. Und das ganze Jahr war auch nochmal richtig interessant. Also wir hatten Heldenleben drauf und hatten Mozart-Treckwärm drauf, konnte ich mich nochmal austoben, auch mit der Bosaune. Und dann habe ich ja dann auch bei Heldenleben diese ganzen Nebeninstrumente mit dem Euphonium, Tenortuba und solche Geschichten gemacht. Es war nochmal drauf, erster Akt Valküre, wo ich Basstrompete gemacht habe. Und so auch jetzt nicht so eine Nummer, wo man sagt, nehme ich mal einfach mit. Aber ja, dafür, das war unser Job, das haben wir gerne gemacht. Und dann kam zum Abschluss eben die Alpensymphonie. Und das ist natürlich immer für Blechbläser ist es schon ein Aufhänger. Und da habe ich gedacht, wow, das Ding nimmt hier richtig cool, ein cooles Ende. Und ja, und dann hatte ich noch mein großes Kammerkonzert, Abschlusskonzert selbst organisiert im HR im Sendesaal. Mit, glaube ich, am Anfang waren es elf elf Mitwirkende aus dem Symphonieorchester. Zum Schluss waren es 85. Melt Tuber Quartet ist noch vorbeigekommen. Posaunisten aus ganz Deutschland waren da. Wir haben mit H.R. Brass nochmal dirigiert, mit einem Posaunen-Ensemble mit Leuten von uns, vom HR, von der Big Band, vom Symphonieorchester, von der Frankfurter Oper, von Gießen, vom Stadttheater und Bamberger Symphoniker. Also es war so ein richtiges Blechfestival zum Schluss. War cool. Voller Sendesaal. Ich weiß nicht, warst du da? Ach, guck mal. Dann habe ich sie jetzt praktisch nur für die Zuhörer gezählt.
SPEAKER_01Aber ich fand das super, vor allen Dingen die Posaunen, die dann hinten standen. Oder?
SPEAKER_00Bei Thanosure, ich meine, wie kann man anders, kann man anders gehen? Ich glaube nicht.
SPEAKER_01Wusstest du, dass die Posaunisten kommen? Also dass alle, dass die alles da war?
SPEAKER_00Ja, ja, ich weiß schon. Also ich wusste es und ich habe aber die Katze erst dann aus dem Sack gelassen, dann, als es dann soweit war, auch die Brassband, die gespielt hat, die Brassband Hessen. Und sagte, ja, die Posaunen sind ja so, ich macht euch keine Gedanken, die Posaunen werden dann im Ernstfall laut genug sein. Beim Thema.
SPEAKER_01Okay, wenn wir schon bei deinem letzten Stück der Karriere sind, weißt du noch dein erstes so im Dienst?
SPEAKER_00Also, du meinst jetzt im Sinfonieorchester. Da muss ich echt überleben. Ich glaube, es war zweiter Brahms. Damals wieder mit Inball, der als Gast da war. Genau. Ich glaube ja, in der alten Oper.
SPEAKER_01Auch ein schöner Einstieg für den Dienst.
SPEAKER_00Ist auch ein schöner, schöne Musik, tolle Geschichte, auch viel zu tun. Jetzt nicht, ist ein anderer Job wie bei Alpensymphonie, aber trotzdem auch relativ anspruchsvoll.
SPEAKER_01Cool. Du hast die Brassband schon erwähnt. Vor ein paar Wochen war ja das erste Konzert jetzt seit über einem Jahr, eineinhalb Jahre.
SPEAKER_00Wir haben das letzte Mal gespielt. Ich habe zwei Brassbands am Start. Wir haben ja das Brassband Forum Hessen mit Simon Dillmann und mir und noch anderen Vorständen. Aber Simon macht das ganze Management, verabredet sich mit mir, mit dem künstlerischen Leiter. Und da haben wir mit dem Brassband Forum zwei Bands am Start. Einmal die Brassband Hessen, die als erstes gegründet wurde, und zwei Jahre später noch die Brassband Frankfurt. Mit der Brassband Frankfurt hatten wir in 20 im Januar das letzte Konzert. Das war ein Welcome-Konzert 20 in Stadtallendorf, beim Philipp Schütz in der Stadtkirche. Und dann hat es lange gedauert, bis man wieder diese Klänge gehört hat. Und jetzt waren wir wieder mit der Brassband Hessen nach anderthalb Jahren Pause in Bad Vilbel. Bei den Burgfestspielen zu Gast. Und letztes Jahr wäre das zehnte Mal gewesen. Dadurch, dass es ausgefallen ist, war es dieses Jahr das zehnte Mal, dass wir da in Folge gespielt haben.
SPEAKER_01Wie war das für dich? Mal wieder vor Menschen?
SPEAKER_00Also das war natürlich ein sensationelles Erlebnis. Nicht jetzt nur für uns, sondern auch fürs Publikum. Also das hat man gespürt. Das war eine komplette, das war eine Symbiose, das war wirklich eine coole Angelegenheit. Und wir waren nicht sicher, ob man das wirklich so war, weil wir sind ja dann immer vier Tage zusammen in der Jugendherberge. Und dann war das natürlich mit Tests morgens und irgendwie und nochmal offiziell, damit man da wirklich alle mit einem sauberen, mit einem sauberen Schein nach Portville bekommt, weil man in der Brass-Band natürlich auch sehr engen Kontakt hat beim Spielen. Was einfach traditionell so vorgegeben ist. Und ja, aber unterm Strich hat sich es wirklich gelohnt. Die Band waren, die waren alle heiß zu spielen. Die Jungs und Mädels, die waren wirklich top vorbereitet. Es hat wirklich viel Spaß gemacht. Man hat gemerkt, auch die waren ausgehungert, weil einfach nichts mehr ging hier und da. Ich meine, irgendwann üben ist ganz schön, aber immer alleine und immer alleine auf dem Balkon stehen, ist halt auch irgendwann, das Thema hat sich irgendwann erledigt. Und das war schon, und das Publikum, dem hat man auch von dem ersten Ton und als die Musiker auch reingelaufen sind, das ist ja so ein Open-Air-Charakter, so ein Arena-Charakter, ne? In Bad Vilbel, in der Wasserburg. Und als die Musiker reingelaufen sind, habe ich schon hinter der Bühne gehört, tobend. Die Leute waren einfach und habe ich gemerkt, okay, das wird heute richtig gut. Und das war's.
SPEAKER_01Cool. Zur Brassband kommen wir später nochmal. Ich würde gerne ein bisschen chronologisch vorgehen. Mit sechs habe ich gelesen, ging es los mit der Musik.
SPEAKER_00Ja, ich war mit sechs Jahren, wenn das alles so ist, ja alles sehr lange her. Aber ich denke, Langzeitgedächtnis irgendwann funktioniert das am besten. Ich glaube, es war so mit sechs Jahren. Als ich im heimischen Posaunenchor Zeller Loshausen angefangen habe, der wurde neu gegründet. Und damals habe ich mit Flügelhorn angefangen. Und habe dann bin dann, glaube ich, mit acht oder neun über Tenorhorn und Posaune und sowas. Mal kurz auf Tuba gelandet und bin dann auf Posaune und auf Posaune und Tenorhorn hängen geblieben. Und habe dann auch schon angefangen, mit zehn Jahren in der Kapelle zu spielen, Blasmusik zu machen, Tanzmusik zu machen. Ich sah jetzt körperlich schon immer so ein bisschen so aus. Also ich war nicht gerade unterbelichtet, sagen wir mal so. Ich bin da locker als 14-, 15-Jähriger durchgegangen. Und wurde dann immer vom Schlagzeuger samstagsmorgens, bevor der Tonunterricht begann, bin ich abgeholt worden. Und dann war großes Ständchenspielen angesagt, etc. Und da bin ich dann in der Tat auch auf Posaune und Henoran, das war ideal. Schwäder hat man dann auch noch eine moderne Besetzung, wo ich E-Bass gemacht habe und so auch selber eine kleine Band schon gehabt habe und und und. Aber das Coole war, bei dem Switchen vom Posaunenchor auf diese Blaskapelle oder diese Schwalmstadt Tanz- und Blasorchester, hieß es. Das hatte damals die Leitung unter Emil D-Seifer. Das war eine Familie aus Sudetenland. Und die haben wirklich auch gerne Blasmusik gemacht. Und in der Kapelle, sage ich jetzt mal, in Anführungsstrichen, da waren eben auch richtig coole ältere Damen und Herren und vor allen Dingen Herren aus Militärorchestern. Das heißt, ich war relativ früh konfrontiert mit Notenlesen, Wiederholungszeichen, die alle Geschichten und und und, wenn was nicht lief, Anschiss links, rechts und so. Also das hat mir sehr geholfen zu der Zeit, weil ich kam dann irgendwann mit, hatte ich leider einen Unfall entschweren, wo ich nicht gleich mit 17, 18 anfangen konnte zu studieren, sondern erst mit 19, 20. Und dann hatte ich zu dem Zeitpunkt auch schon viel erlebt, was mir im Studium auch weitergeholfen hat. Also ja, also das ging alles dann relativ gut, weil ich habe nicht so viel Zeit verloren. Ja, so ging das los. Dann habe ich studiert, wie gesagt, und war immer mit Blechblasinstrumenten beschäftigt und war immer interessiert. Und ja, und dann hat das irgendwann dann im Rundfunkorchester geklappt, musste also Hessen nie verlassen. War das ein Plan? Das ist kein Plan. In der heutigen Zeit oder generell, wenn man studiert, weiß man erstmal nicht, wo man landet, weil man weiß nicht, wo wird eine Stelle frei wird. Bekommt man sie, das ist die entscheidende Stelle. Und am Tag X ist man wirklich so fit, dass man sie bekommt. Weil die Konkurrenz ist schon wirklich groß. Jeder möchte natürlich. Und die Stelle im Rundfunkorchester war schon relativ hoch und dann Symphonorchester, okay, klar. Und so ging das seinen Weg, dass sich Hessen nie verlassen musste. Das war einfach, ja, wie soll ich sagen, Schicksal, Glück, whatever, keine Ahnung.
SPEAKER_01War das so eine Traumstelle für dich?
SPEAKER_00Also das war, wie man so schön zu den Zeiten oder heute auch noch sagt, vielleicht eine 6 im Lotto. Weil man musste sich dann ums Finanzielle nicht mehr so viel Gedanken machen und konnte sich um die Musik kümmern und hat einfach gewisse Freiheiten gehabt. Und was man dann auch zusätzlich gemacht hat oder nicht, werden wir später vielleicht noch dazu kommen, da hat man sowieso noch viele Freiheiten und kann irgendwie die Zeit anders einsetzen oder wie man sie dann einsetzt. Aber erstmal ist der Grundstock so gelegt, dass man sich um die finanzielle Absicherung in Anführungsstrichen erstmal keine großen Sorgen mehr machen muss.
SPEAKER_01War für dich immer klar, dass du Musik als Beruf wählst?
SPEAKER_00Ja. Und das muss ich einfach mit ganz klarem Ja beantworten. Oder darf ich in dem Fall? Weil, also es war so, ich war, keine Ahnung, 13, 14. Mein Vater, Hans-Kurt Schmidt, hat ein Malermeistergeschäft gehabt in Willingshausen. Das ist die Großgemeinde Zeller, heißt der Ort, wo ich herkomme. Und ja, es war natürlich so, meine Schwester, sechs Jahre jünger, und und und, Malermeisterbetrieb und am Wochenende ein bisschen Tanzmusik machen und irgendwie so wäre auch natürlich finanziell überhaupt kein Problem gewesen. Aber für mich stand eigentlich ganz klar fest, dass ich das als Hauptberuf machen will. Und da haben meine Eltern auch richtig gut mitgezogen. Wir haben alles auf sich genommen. Der Bub ohne Führerschein, was soll man machen? Ich meine, wenn du mitten im Niemandsland, in Anführungsstrichen, groß wirst und du willst an die Nummer ran mitstudieren, dann musst du auch zu dementsprechend Lehrern gefahren werden oder wie auch immer. Weil wenn du in der Großstadt groß wirst, hast du die Möglichkeit mit der S-Bahn oder mit der Bahn irgendwie. Aber das war halt, und das haben die alles gemacht. Die haben mich auch mit der Tanzkapelle, da, mit der Blaskapelle und und und immer gefahren und nachts abgeholt und damit ich montags wieder pünktlich in the school war. Das war auch alles gut und und und, aber das war eine ganz wichtige Sache, dass meine Eltern das akzeptiert haben, dass ich eben kein Malermeister werde. Das ist aber nicht so selbstverständlich in der Tat. Das ist wirklich nicht selbstverständlich gewesen und da bin ich auch meinen Eltern wirklich, wirklich dankbar, dass die das mitgegangen sind, den Weg. Und das war ja jetzt auch während einem Studium, das war ja jetzt nicht so, dass man sagt, man studiert acht Semester und dann hat man sicher eine Stelle. Das ist ja nicht der Fall. Ich meine, du weißt ja auch, du bist ja auch vom Fach und kennst dich da aus, wie es da manchmal läuft. Ich meine, du kannst gut sein, wie du willst. Wenn in dem Moment keine Stelle frei ist, dann hast du keine Chance. Wenn die Stelle erst frei wird und du bist aus diesem sogenannten Zeitfenster draußen, dann hast du Pech gehabt. Das ist wie ein Apfel, der im richtigen Moment reif ist. Wenn der nicht gepflückt wird, dann kann man mit dem nichts Vernünftiges anfangen. Und wenn er nicht gepflückt wird, fällt er unten in Schlamm, verrottet und es passiert nichts mit ihm. Kein Mensch weiß mehr. Also der hat keinen Nährwert, sagen wir mal so. Und so ähnlich ist es bei uns auch. Also im richtigen Moment auf dem Tag X hinarbeiten, das Glück haben, dass eine Stelle frei ist, das Glück haben, dass man an dem Tag X richtig gut spielt, gegen die Kollegen und die Konkurrenten sich behaupten kann. Das ist so ein bisschen wie immer, wie ich sage, ja, wie läuft das denn beim Probespielen? Das ist eine ganz einfache Geschichte. Früher war es noch ein bisschen anders, aber irgendwann kam dann, also so in den 70er, 80ern, dann später, kam das so, dass man einen Vorhang hingehängt hat, weil es auch immer die Diskussion gab mit Frauen und Männern und so. War ja dann auch später nochmal ein Thema in München mit Epiconen, mit Münchener Philharmonikern. Da gab es ein bisschen Probleme, weil jemand gesagt hat, damals der Chefdirigent, will ich nicht. Will die nicht. Okay, gut. Und da hat man gesagt, okay, um das von vornherein auszuschließen, dass man da parteiisch wird, macht man Vorhang hin, egal wer da jetzt hinter steht, erste Runde auf jeden Fall hinter Vorhang. So, und dann kommt nach der ersten Runde, wer weiterkommt, wer die meisten Punkte einhat und wer nochmal gehört werden möchte, kommt weiter. In die zweite Runde, dritte Runde, vierte Runde. Manchmal wird abgebrochen, weil man dann sagt, okay, wir müssen hier jetzt nicht weitermachen, ist niemand dabei für uns. Aber wenn es gut läuft, bleibt man bis zum Schluss dabei und dann ist es wie beim Boxen, wie ich immer sage. Alle steigen in den Ring und der zum Schluss noch steht, der bekommt den Kranz umgehängt und hat quasi die Stelle. Und das ist natürlich alles, das zu planen, um auf deine Frage zurückzukommen, ist sehr schwer. Das kann man nicht. Also da sind so viele Zufälle, Schicksal, was auch immer dabei, wo man sagt, okay, man muss das Glück, ein älterer Kollege hat immer gesagt, ja, aber weißt du, man kann das Glück auch manchmal über Arbeiter zu zwingen, dass das zutrifft. Gut, da kann man glauben, muss man nicht glauben, aber du siehst schon, es gehört viel mehr dazu, als jeden Tag zu üben und so gut wie möglich zu sein, weil es gibt keine Garantie. Und ich kenne viele Leute, die fantastische Spieler sind. Frauen, Männer, Hornistinnen, Trompeter und Trompeterinnen, Posaunisten, Posaunistinnen, Tuba. Auch ein ganz großes Thema. Ja, aber die waren einfach zum verkehrten Zeitpunkt am verkehrten Ort. Das muss man einfach, also diese Zeitachse hat einfach nicht gestimmt. Und wie viele Grobenspiele hast du gemacht? Müsste ich jetzt wirklich scharf nachdenken. Ich glaube, es waren, keine Ahnung, fünf, sechs oder sowas. Also das ist noch relativ gut. Aber wie gesagt, das ist einfach, das kann auch anders ausgehen. Und das Wichtigste ist einfach, dass man selbst, wenn man zehn hat, einfach weiter an sich glaubt und zieht das Ding einfach durch. Weil man hat keine andere Chance. Kleine Story noch hier dazu, um auch wieder auf meinen Vater zu kommen, weil dann irgendwie hat er gemerkt, okay, viertes, fünftes Probespiel, was ja jetzt nicht wirklich viel ist. Aber sag mal, hast du dir auch mal was überlegt, wenn das nicht klappt? Sag ich, daran habe ich noch nicht. Und dann hatte ich einen Kumpels, zwei Stück, zwei, zwei Freunde aus dem Nachbardorf, aus Loshausen. Die haben mit mir da eben in dieser besagten Kapelle gespielt. Und die waren zu der Zeit schon beim Bundesgrenzschutz, den gab es noch, oder? Damals in Kassel. Und da war es so, die haben gesagt: Mensch, Leute, wie dich suchen wir hier? Willst du nicht? Das ist doch kein Problem. Guck mal, du bist ein super Bosaanist und und und. Und sage ich, ja, aber mit meinem Unfall und da habe ich da mit dem Bein und Schwerbehinderung, sage, das ist alles kein Problem, wenn du gut spielst, das kriegen wir schon hin. Sagt mein Vater, Das ist doch eine Alternative, Mensch, das müssen wir doch mal checken, ob das möglich ist. Weil das wäre zumindest mal, weil diese Existenzangst ist natürlich immer da. Und sage ich, okay, gut, machen wir. Gut, wäre da hingefahren nach Kassel. Das war auch ein super Gespräch mit dem damaligen Chef. Leider weiß ich den Namen nicht mehr. Und die zwei Kollegen waren auch freundlicherweise dabei, und mein Vater und ich, und irgendwie so. Und dann haben wir so, irgendwie sagt er, Mensch, Herr Schmidt, toll, was ist schon da alles? Die wären bei uns der richtige Mann hier in der Posaunen Section. Und dann wird man hier den Vertrag. Und der Mann gibt mir den Kugelschreiber in die Hand und hätte nur unterschreiben müssen. Und dann habe ich gedacht, nee, mach ich nicht. Mein Vater ist aus allen Wolken geflogen. Sag ich, ja, sowieso. Also der Chef, sag ich, sorry, aber ich kann jetzt nicht unterschreiben. Ich brauche das, sagt Herr Schmidt. Ich weiß genau, was ich mein. Nehmen Sie den Vertrag mit nach Hause und gucken Sie in aller Ruhe drüber, überschmeißen Sie noch ein paar Mal von links nach rechts und melden sich einfach wieder. Es gibt keinen Stress, überhaupt nicht, irgendwie, weil es ist Ihre Entscheidung. Wir hätten sie gerne, aber Ihre Entscheidung. Dann sind wir nach Hause gefahren nach dem Gespräch. Die Heimfahrt war relativ still zwischen Vater und mir. Kann ich mir vorstellen. Das war so ein bisschen irgendwie. Jetzt hat er den Fisch von der Leine gelassen und irgendwie hätten wir den nur noch reinholen müssen. Und dann sage ich, es tut mir leid, aber ich kann das nicht unterräumen. Ich will das eigentlich nicht. Also diese sichere Nummer ist okay, aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich bin kurz davor, um vielleicht doch noch was anderes zu schauen. Da kam wieder das Vertrauen von meinem Vater, dass er sagt, okay, dann mach das. Also immer mit dem Ding auch für mich, dieses Signal finanzielle Unterstützung, da muss man einfach auch mal drüber reden. Ich meine, das ist einfach tierisch wichtig.
SPEAKER_01Definitiv.
SPEAKER_00Weil mit ein bisschen BAföG kommst du da jetzt irgendwie, wenn du verschiedene Geschichten. Ja, auf jeden Fall war es so, dass er dann gesagt hat, okay, dann zieh die Nummer durch. Das hat sich erledigt gehabt und wir sind da auch freundlich auseinandergegangen mit den Kassler-Jungs. Das war alles gut. Ja, und dann hat das irgendwann, irgendwann hat es sich ausgezahlt, in Anführungsstrichen, und dann hatte ich das Glück, am HR zu landen, von der Frankfurter Musikhochschule, von der Eschersheimer Landstraße, einfach nur vier Haltestellen hoch zum HR, zum Dornbusch.
SPEAKER_01Wenn du deine Studienjahre jetzt so dir anschaust und du bist ja auch schon eine lange Zeit selber Dozent an der Hochschule, wie hat sich das verändert und wie haben sich Studenten verändert?
SPEAKER_00Also verändert hat sich natürlich durch dieses sogenannte digitale Zeitalter einiges. Das ist alles so schnelllebig geworden. Und auch die Unterrichtsmethoden, in Anführungsstrichen, weil heutzutage hat man sich ja, oder heutzutage hat man ja auf Klick, wenn man da irgendwas eingibt, alle Namen, die man sofort aufrufen kann, ein Masterclass in London, eine Masterclass in New York mit Schwa Lessy, eine Masterclass in Wien, eine Masterclass, überall auf der Welt kann man sich reinklicken und kann hören, wie die einzelnen Dozenten und Professoren da unterrichten und welcher Stil da unterrichtet wird und wie verschiedene Dozenten an verschiedene Probleme rangehen und und und. Also das war halt zu meiner Zeit noch eine komplett andere Nummer. Da war man weder weniger bei einem Lehrer eingeschrieben. Und ja, und das war's. Und wenn man das Glück hatte, war der Lehrer wie meiner, Professor Martin Göss, der jahrelang Solobusanist auch im Symphieorchester war, der dann später in Frankfurt und auch in Würzburg an der Hochschule unterrichtet hat. Gott sei Dank ein flexibler Mensch, in Anführungsstrichen, der genau gewusst hat, okay, ihr müsst einfach euch umhören, müsst gucken, was draußen in der Welt los ist. Das war wirklich mein großes Glück. Und die Chance habe ich natürlich auch genutzt, das habe ich auch relativ früh gecheckt, dass man einfach mal gucken, was da passiert, was da passiert. Weil nur dann kann man sagen, es ist wie mit dem Essen, okay. Überall gibt es berühmte Wiener Schnitzel oder auch vegetarische Gerichte. Aber selbst mit den gleichen Zutaten schmeckt jedes Gericht irgendwie doch wieder anders, weil verschiedene Menschen das zubereiten. Und so ist es eigentlich in der Musik auch. Man kann einem sagen, guck mal, spiel mal so, spiel mal so. Aber manchmal ist es, wenn der gleiche Satz von einem anderen Lehrer fällt, hat er eine andere Wirkung auf den Studenten. Das stimmt. Und dementsprechend geht es dann mal, weil ich habe Sachen erlebt, wo ich manchmal sage, okay, da kommen Leute, die haben jetzt irgendwie ein Problem mit, die haben da einen Knoten im Kopf und irgendwie so und und und. Und dann wird dieses Problem, was die haben in Anführungsstrichen, eigentlich mit den gleichen Worten erklärt, nur ein Wort ist anders unter Umständen.
SPEAKER_01Ja, und dann macht es Klick.
SPEAKER_00Und auf einmal macht es Klick, der Knoten ist gelöst und die fahren befreit nach Hause. Und das ist einfach das Ding, wo ich sage, okay, und das war früher ein bisschen anders. Da gab es halt auch Lehrer aus der älteren Generation, ohne jetzt Namen zu nennen, aber die waren stinksauer, wenn man irgendwo hingefahren ist. Zum anderen Unterricht, zum anderen Lehrer.
SPEAKER_01Das soll es heute noch geben.
SPEAKER_00Ja, es soll es heute noch geben, auch wieder ohne Namen zu nennen, aber es ist ja. Aber ich finde einfach auch die jungen Leute heutzutage, ohne diese, weil die sind eine gewisse Weltoffenheit durch digital gewohnt. Dann kann man sich nicht gegen wehren als Lehrer, finde ich. Man muss denen auch, man muss die alle über den Tellerrand rausgucken lassen. Und die können das und dann wird auch die Verantwortung ein bisschen verlagert vom Professor oder vom Unterrichtenden auf den Studenten. Das heißt, man kann nicht einfach sagen, der ist schuld. Du bist schuld, dass ich nichts geworden bin. Das funktioniert heute nicht mehr, finde ich. Weil man viel zu viele Möglichkeiten hat, sich auch kundig zu machen, was überall läuft.
SPEAKER_01Ich muss gerade nur daran denken, weil ich hatte eine Gesanglehrerin, die mir verboten hatte, woanders dahin zu gehen. Okay. Und einer aus unserer Klasse. Und den Namen möchte ich jetzt auch nicht. Aber ich weiß, dass einer aus der Klasse hat es gemacht nach dem vierten Semester und lief in der Abschlussprüfung dann nicht. Nicht ganz so toll.
SPEAKER_00Also das ist halt, ich sag mal, volle Punktzahl war nicht möglich.
SPEAKER_01Nee, und deswegen bin ich auch nicht gegangen, weil ich wusste, dass sie nachtragend ist und dann dachte ich, ich ziehe das jetzt einfach durch.
SPEAKER_00Das ist natürlich, ja, weißt du, es ist natürlich auch so, weil in unserem Job, wenn wir so gerade mit Blechbläsern unterwegs sind, da hat halt jeder sein eigenes Pult, wenn du spielst. Auch und das prägt natürlich auch. Das heißt, du hast da schon viele Alpha-Männchen. Definitiv. Oder sagen wir mal jetzt gendermäßig gerecht, Alpha-Tierchen am Start. Und das ist natürlich, jeder fühlt sich ein bisschen pissed off. Jetzt kann ich, ja, jetzt geht er da hin, weil ich dem nicht mehr gut genug bin als Lehrer und und und. Aber das Gegenteil ist der Fall. Weil die meisten, die mich anrufen, die mit mir gearbeitet haben, und und und das ist auch überhaupt kein Verhältnis, so Lehrer, Student, sondern das ist einfach, ich sage immer, ein kollegiales Miteinander. Dass man einfach, man muss natürlich schon aufpassen, dass das nicht so wird, dass die wirklich das Gefühl haben, die sind wirklich auf der Ebene schon. Also darum geht es nicht. Aber es geht einfach um einen vernünftigen Umgang miteinander. Dass man sagt, okay, wenn du das nicht spielen kannst, dann bist du einfach für mich, findest du nicht mehr statt, das funktioniert gar nicht. Oder dass man als Lehrer sagt, ich kann jetzt mit dir überhaupt nichts mehr anfangen. Ich weiß nicht, komm mit deinen Schwierigkeiten. Dann muss man doch so ehrlich sein und sagen, pass mal auf, ich komme mit dir nicht weiter. Probier es mal beim anderen Lehrer, ich kann dir Connections machen und ruf da mal an. Und genau das passiert im Augenblick bei mir. Ich habe verschiedene Freunde, die sich um verschiedene Leute kümmern mit verschiedenen Dings und selbst Leute, die gut spielen. Es hat noch nie geschadet, mal so den Bäcker, wie man früher die alten Leute immer gesagt hat, den Bäcker und den Metzger, den soll man immer mal wechseln. Sonst schmeckt es immer gleich. Und so ist es mit der Musik eigentlich auch. Gut und befruchtend ist es immer, wenn man mal wechselt, wenn man was Neues sieht. Und dann weiß man, was man am Alten gehabt hat und kann einfach auch die Vor- und Nachteile einfach zusammenfügen und findet dadurch vielleicht auch seinen eigenen Weg und wird ein Persönlichkeitsspieler, wie ich immer sage. Dass man sagt, ah, mir geht es immer so, wenn ich jemanden höre auf der Bosaune oder Euphonium, Tenor und Trompete, weiß ich relativ genau und schnell, wer da spielt. Also zumindest aus meinem näheren Umkreis, ja, und so. Und das heißt, dieses persönliche Spielen, da bin ich ein riesen Fan von. Dass man sich nicht, wie soll ich sagen, verbiegen muss und muss da jedem, man kann es eh nicht jedem recht machen. Es ist wie eine Musik oder wie auch beim Essen wieder, dem einen schmeckt das, der andere hört das gerne. Also man kann es nicht jemand. Wichtig ist, dass man eine persönliche Geschichte hat, Note hat und so spielt, dass man sagt, wiedererkennungswert, das ist so ein bisschen das Stichwort. Deswegen gibt es die guten Restaurants, deswegen können 50 Köche in Deutschland, super Köche, gut funktionieren und gut nebeneinander verdienen, weil jeder einen super Job macht, aber jeder einen anderen Job macht. Und bei der Musik ist es genauso.
SPEAKER_01Ist das aber in einem klassischen Orchester nicht manchmal auch gar nicht so verlangt, Persönlichkeitsspieler zu sein, weil doch, also ich habe das jetzt auch schon oft gerade von Psolotrompetern gehört, dass das dann nicht mehr so viel Spaß macht, weil man dann erwartet, dass es so klingt wie auf der Aufnahme XY und dass da gar nicht so viel Persönlichkeit mit reinschwingen können.
SPEAKER_00Ich weiß, was du wissen möchtest. Also da wird eigentlich bei Probespielen schon darauf geachtet, welche Flexibilität ein Spieler hat. Also der spielt erstmal so, dass man sagt, okay, das ist der sowieso, das ist die Nummer 17, die hat das, die hat das, die hat das, die Nummer 14, das, das, das, die 8, das, das, das, und, und, und. Dann wird abgewogen. Okay, was wollen wir? Was brauchen wir? Was gefällt uns? Gut, dann geht es vielleicht, die gehen die Diskussionen los. Okay. Ah, wenn es jetzt um eine Solotrompeterstelle zum Beispiel geht, Alpensymphonie. Okay. Ja, aber das war viel zu leise. Bei der 14, der hat gut gespielt, aber viel, viel zu leise. Okay, dann holen wir die 14 nochmal rein und fragen ihn, ob er das auch laut spielen kann. Oder bei der Nummer 14, das war nicht leise genug, der ist nicht an die Grenze nach unten gegangen. Bei Probespielstellen oder so. Und dann sagen wir, okay, dann holen wir den rein. Der soll das noch richtig leise spielen, auf Risiko, kurz vorm Wegbleiben. Mal gucken, was passiert. Und diese Flexibilität wird da eigentlich schon abgefragt. Aber das andere Ding ist, was so meine Erfahrung in Anführungsstrichen ist, gut, es kommen immer Dirigenten, die sagen, so will ich das haben, so will ich gespielt haben, und und und. Okay, this is unser Job. Da müssen wir so spielen, oder sollten wir so spielen. But es gibt auch genug Dirigenten, and vor allem gerade auch the last 10 years, younger Dirigenten and Dirigentin who salopped, what another. When we then speak, then sagen sie, wow! And then meists from the day. That he said, you can so spawn. Also, that he says, when manbiet and man is from the type so stark that man says, Guck mal, this is my angebot, and when it's a cleverer dirigent and it passt halbwegs in sein, then übernimmt er das, weil er dann die vorletzte Reihe auf seiner Seite hat. So funktioniert this Spiel im Riesenaquarium. Also das heißt, ich verstehe natürlich die Frage, wenn jetzt jemand kommt und dauernd nervt und geht das leiser und Artikulation mehr anstoßen oder weniger anstoßen und nicht so aggressiv und nicht so laut vor allen Dingen und weniger und und und es gibt natürlich immer so ein paar Sachen, wo wir anfällig sind. Das Blechbläser wäre nie gerne weggewunken, wenn es um Lautstärke geht. Definitiv, ja. Wobei ich die Erfahrung jetzt bei uns im Radiosymphonieorchester nie gemacht habe. Weil wenn es gut klingt, wird man nicht weggewunken. Weggewunken wird man eigentlich dann nur, wenn es irgendwie, ja, wie soll ich sagen, nicht ins Klammkonzept passt. Und das ist natürlich auch eine Qualitätsfrage letztendlich. Das muss man ehrlicherweise auch sagen. Also wir haben da immer gute Leute am Start gehabt, muss man schon sagen. Also wenn ich alleine in die Solotrompeter denke, wir hatten Reinhold Friedrich, Wolfgang Bauer, dann hat man unseren Bollasch, den Nemisch, der Ungar, der jetzt in Zürich ist. Dann war Jürgen Ellenson, der jetzt Professor in Würzburg an der Hochschule ist. Also wir waren mit Solotrompetern immer gut bestückt. Und auch Soloposaune, Tuba, David Clinton und und. Also das ist übrigens noch einer der letzten wirklichen Studenten von Arnold Jacobs.
SPEAKER_01Ehrlich?
SPEAKER_00Ja. Der hat in Chicago studiert. Und David war dann in der Reihe in Italien. Und da wurde es ein bisschen knapp mit irgendwie politisch. Da hängt ja immer alles an der Politik auch. Da ist irgendwie überhaupt nichts safe gewesen. Keine Ahnung, wie es heute ist. Und dann hat er den Weg nach Deutschland gefunden und hat, um zum Überleben bei German Hoffmann und seiner Ochsen vor der Blasmusik Polkas und Herrschon Walzer gespielt. Und hat dann irgendwie in, ich glaube, der ist, David ist 89, 88, keine Ahnung, irgendwie sowas. Hat er dann das Probespiel gewonnen und hat sich durchgesetzt durch wirklich, wirklich gute Tupisten. Also das meine ich eben ganz zurück nochmal um diesen Weg. Man weiß nie genau, wie der verläuft. Es gibt da keinen Fahrplan, wo man sagt, okay, wenn ich mit dem so und so Bus mit der 18 meinetwegen da aussteigt, dann bin ich auch da. Wenn es schlecht läuft, fährt der Tag an dem Tag der Bus nicht. Das heißt, du kommst da nicht an. Also das sind so bestimmte Sachen, die zusammenkommen müssen, damit es unterm Strich funktioniert.
SPEAKER_01Du hast vorhin schon so verschiedene Lehrertypen erwähnt und Probleme. Hattest du selber Probleme im Studium?
SPEAKER_00Ich hatte, gut, dadurch, dass ich aus der sogenannten Tanzmusik kam und Blaskapelle und und und, musste ich ansatztechnisch natürlich einiges auf Vordermann bringen, habe ich relativ früh erkannt. Hab mich dann auch mit den richtigen Leuten auch unterhalten. Zum Beispiel ein Studienkollegen von mir ist, Malte Burba.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_00Also es ist jetzt nicht so, dass man mit den Leuten, die jetzt so alle ihre Karriere gemacht haben, denke ich, wow, guck mal, da waren jetzt nicht nur No-Names dabei, da waren schon Leute. Und Malte war ja auch ein verrückter Typ. Der hat sich ja so früh schon Gedanken über Muskulatur und Ansatzgeschichten. Und das war der Erste, der unten bei uns im Blazerkeller in Frankfurt in der Hochschule saß und hat Muskulatur vom Spiegel trainiert. Nur Muskulatur ohne zu spielen und und und. Völlig, ja, das war irgendwie, habe ich schon gemerkt, okay, hier passiert was, was vielleicht gar nicht so unwichtig ist für manche. Und das weiß man ja auch aus Interviews, dass wirklich berühmte Kollegen, wie soll ich jetzt sagen, salopp gesagt, sich den Arsch arm retten lassen von ihm. Muss man wirklich sagen. Also da gibt es wirklich, könnte ich jetzt vier, fünf Namen sagen, wo man sagt, und das ist auch bekannt, dass er wirklich Leuten auch hilft und da auch keine große Nummer draus macht. Aber die Leute sind dann letztendlich so froh, dass das wieder alles funktioniert, dass sich jemand analysiert hat und es funktioniert und dann machen die selber Werbung. Also das ist natürlich eine coole Sache, dass man gar nicht selber dafür sorgen muss, dass der Ball größer wird, sondern die anderen pusten den auf. Das ist cool. Das heißt, die Arbeit ist gut, die man macht. So, und ich musste mich damals auch schon mich ein bisschen damit auseinandersetzen, ansatztechnisch, ohne jetzt zu weit ins Fachliche zu gehen, aber musste den umstellen. Ich habe zu wenig oben gehabt, zu wenig Oberlippe drin gehabt, etc. Und dann musste ich irgendwie über Flexibilitätsübungen und so, auch mit Spiegel auf der Marschgabel immer Mundwinkel beobachten, dass das wirklich, und das hat dann nach dem zweiten, dritten Semester hat es dann langsam Früchte getragen. Und wurde besser und besser und stabiler und und und. Und der Rest, wie gesagt, hatte ich schon musikalische Einstellungen und wie man was spielt und hat mich schon informiert. Auch weil ich schon früh genug, wie gesagt, mit erfahrenen Musikern und Musikanten vor allen Dingen auch. Der Unterschied auch ist auch interessant. Musik ein Musikant, ich mag ja lieber diesen Musikantentyp, die einfach auch mal fünf Grad sein lassen und professionell einfach mal das Herz, dem Herz freien Lauf lassen. Das ist schon eine coole Geschichte. Ja, und dann ging dann nahm das einfach seinen Lauf. Und dann hatte ich, wie gesagt, ich bin mit Ernst Mosch und James Lars groß geworden, mit fünf, sechs, sieben, acht Jahren. Wenn ich aus der Schule kam, mit dem Tenorhorn gleich dann immer was Sondersmittags aufgenommen wurde im Deutschlandwunk, 13.10 Uhr, mitgespielt und irgendwie so. Und damit hatte ich einfach mit diesen romantischen Umsetzen von Musik nie Probleme, weil das einfach für mich nichts anderes ist, im Prinzip. Einfach mit dem Herz spielen. Und ja. Und so nahm das Ding seinen Lauf und hat mir nachher später auch in meiner Karriere dann, als ich am Funk war und dann, wie gesagt, finanziell nicht mehr alles machen musste, sondern wirklich spezielle Sachen, die ich auch machen wollte, hat mir das sehr geholfen. Auch. Wo wir vielleicht später noch zu kommen werden. Die Liste ist lang.
SPEAKER_01Die Liste ist sehr lang. Genau. 85 bist du zum Rundfunkorchester, danach dann ins H-Symphonieorchester. Was ist der Unterschied zwischen Rundfunkorchester und Rund?
SPEAKER_00Also Rundfunkorchester, das gibt es, gab es damals und gibt es, also heute gibt es Rundfunkorchester noch am WDR. Da gibt es Rundfunkorchester und Radiosymphonieorchester. Das gleiche gibt es noch am BR, am Bayerischen Rundfunk. Und das gab es auch bei uns. Am NDR gab es auch, nur da war es nicht am gleichen Sender, also gleicher Sender ja, aber in einer anderen Stadt. Das Symphonieorchester ist in Hamburg vom NDR und das NDR Rundfunkorchester ist in Hannover. Gleiches Bundesland und und und ja. Was ist der Unterschied? Musikalisch gesehen, also von der Programmatik her ist es natürlich schon ein Unterschied. Der Schwerpunkt bei uns zum Beispiel lag viel auf Studioproduktion, was mir sehr viel Spaß gemacht hat, weil da kam manchmal Arrangere geflogen aus der ganzen Welt, Australien und irgendwie so. Man wusste montags noch nicht, was um 10 Uhr auf dem Pult lag. Das konnte relativ easygoing sein, aber das konnte auch so sein, dass man sagt, okay, jetzt habe ich mal eine Seite Solo mit Streicherteppich unten dran, so AFN-Musik, keine, ich weiß nicht, ob du damit noch was anfangen kannst. Ich schon, ja. Aber vielleicht kannst du es kurz erklären. Ja, das ist so dieser amerikanische Sender AFN, der auch im Nachbar zwei Häuser weiter von HR stationiert war, die einfach so ein gemeinschaftliches Nachtprogramm hatten und irgendwie so und da lief eben diese, wie soll ich sagen, salopp gesagt war es immer so Fahrstuhlmusik, so ein bisschen, die so niemandem wehgetan hat. Aber irgendwie war es cool, wenn man so ein bisschen Berieslungsmusik und sowas. Das war so unser Ding, aber wir hatten auch geile Konzerte mit coolen Nummern in der alten Oper mit Filmmelodien und Star Wars und etc. Musste das Orchester ein bisschen aufgepumpt werden, heißt, es wurden Aushilfen bestellt, weil unsere Planstellenbesetzungen waren damals, wenn ich es richtig erinnere, 42 Planstellen. Und für sowas brauchen wir dann schon mal ein bisschen mehr. Aber es war wirklich coole Geschichte und das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, weil das auch schon für mich so ein bisschen diese Flexibilität, die man brauchte in dem Orchester. Also da waren auch Leute dabei, ältere Damen und Herren, die noch diese berühmten Stadtpfeifen hinter sich hatten, wo Leute auch, wo es völlig normal war, dass Leute zwei, drei Instrumente spielen. Also das war eine verrückte Sache, wo der Hessischen Rundfunk wieder angefahren hat nach dem Krieg in der Escherseimer Landstraße. Der war ja in der Hochschule. Da war der erste Sitzformar. Okay, wusste ich gar nicht. Und da gibt es heute noch, glaube ich, ich meine fast, dass es, also zu meiner Zeit war die noch da, eine alte Fünfspur, wo man Aufnahmen gemacht hat damals. Und ich kenne noch Kollegen, alte Solotrompeter vom Symphonieorchester, die ich als Student irgendwie durch Mugen, also Musikergelegenheitsgeschäft, durch Mugen kennengelernt habe, die da schon gespielt haben im Symphonieorchester. Das war schon irgendwie, ja, meine Gott, bin ich alt, merke ich gerade. Warum dann der Wechsel? Ja, der Wechsel kam, weil man sich dann innerhalb des HRs dafür entschieden hat, eine Fusion zu machen zwischen beiden Orchestern. Finanzielle Dings, weil man gemerkt hat, okay, die Zukunft wird so sein, dass wir nicht so viele Pferde am Start haben können. Und dann hat man sich dazu entschieden, nach langem Hin und Her und auch Protesten natürlich, weil die Zuhörer, wir hatten auch unseren festen Stamm und so. Also es war jetzt nicht so, dass man sagt, okay. Weg mit dem Laden, braucht eh keiner. Das war schon irgendwie, aber gut, okay, die Entscheidung ist gefallen. Und ja, dann kam die Fusion. Und bei der Fusion war es so, das hat der HR auch wirklich richtig gut gelöst letztendlich. Es gab eine Grenze, wo man gesagt hat, okay, bis dahin kann man sich entscheiden. Also bis dahin wird man auf jeden Fall übernommen vom Rundfunkorchester ins Symphonieorchester. Wer darüber ist, kann sich entscheiden, ob er das noch möchte oder nicht. Und über die Positionen werden dann verhandelt, wenn es klar ist, was passiert. Und das Ganze hat dann in 1993 stattgefunden. Es gab keine sozialen Herdefälle, was ich wirklich enorm fand vom HR. Also und und und mehr oder weniger hat jeder zumindest das Gefühl gehabt, man kann selbst entscheiden, was mit einem passiert. Fand ich wirklich eine coole Angelegenheit und ist wirklich hoch anzurechnen. Damals war der Chefdirigent Kita Jenko. Oder zu der Zeit war, als die Entscheidung geführt wurde, glaube ich, war Inball noch da. Und der hat dann auch gesagt, ja, kein Problem, müssen wir irgendwie hinkriegen. Und das haben die auch dann hingekriegt. Das war cool. Und ja, das letzte große Erlebnis mit dem Rundfunkorchester war eben mit Peter Falk, der da damals Chef war, wieder so ein Ding, so eine Parallele zu meinem letzten Konzert im Symphonieorchester mit der Albensymphonie, wenn man gern auch im unterhaltenen Genre tätig ist, war das dann die Tournee mit Udo Jürgens.
SPEAKER_01Cool.
SPEAKER_00Fand ich cool, das auch nochmal mitzunehmen. Definitiv. Kommt man nicht so ohne weiteres dran. Das war eine tolle Sache, mit dem Mann auch mal auf einer Bühne zu stehen und zu sehen, was an diesen ganzen Geschichten und nicht, was da ist, da stimmt, was ist. Also es gibt da verschiedene Interpretationen, aber eins ist ganz klar, ein absoluter Profi in dem Moment, wo er auf der Bühne stand. Das habe ich wirklich selten erlebt. Ja, das war schon wirklich beeindruckend, muss man ehrlich sagen. Also das war, so, und dann kam der Wechsel, und nach dem Wechsel ging es relativ schnell. Dann mussten wir dann oder durften gleich mit auf eine Japan-Tournee mit dem Symphonieorchester und haben dann gleich mal da so ein bisschen reingeschnuppert, weil das waren zwei Kollegen aus der Posaunen-Section vom Rundfunkorchester. Das war der Francis Bauer und ich. Der Erich Schilling, der zweite Posaunist, war dann im Alterbohr gesagt hat, ich komme den Stress jetzt nicht mehr an. Das war auch okay. Das heißt, mit zwei Posaunen sind wir dann rüber und haben den Satz da ergänzt. Und ja, sind dann gleich von den Kollegen freundlich empfangen worden. Es war alles super, alles gut, kollegial, man hat sich ja auch vorher schon gekannt. Und wir sind ja unterm Strich auch alles Musiker. Also es ist jetzt nicht mehr so, dass man sagt, ah, der macht das, der macht das. War wahrscheinlich früher so, dass man irgendwie.
SPEAKER_01Das wäre nämlich meine Frage jetzt gewesen, wie das so aufgenommen wurde, weil du ja doch auch viel Unterhaltungsmusik gemacht hast. Und ich heute immer noch so ein bisschen erlebt, dass das so von manchen auch belächelt wird von den Klassikern.
SPEAKER_00Ja, ich weiß. Aber das war immer so mein Vorteil. Mir hat, wenn ich Workshops gemacht habe mit Blaskapellen oder mit böhmischer Blasmusik irgendwie und und und da konnten sich die Klassiker nicht drüber aufregen oder lustig machen, weil ich einen Tag später, wieder im Symphonieorgester saß, fünfte Maler, achte Bruckner whatever gespielt. Oder siebte Maler Anfang Tenor und Solo und solche Geschichten. Das heißt, ich war eigentlich in beiden Lagern professionell vertreten. Und also ich glaube, an sich lustig machen oder drüber lustig machen, kann man nur dann, wenn du nur eins machst und dann irgendwie den Auslöst und sagt, ja, also gut, also das ist jetzt natürlich die Unterhaltung. Aber in dem Moment, wo du beides machst, hast du, und das nicht nur einfach mal so, sondern auf professioneller Basis, dann kann dir, wie soll ich es jetzt mal salopp sagen, niemand, keine Seite kann dir ans Bein pinkeln. Weil einfach du auf jeder Seite professionell spielst und lieferst. Und das hat es immer spannend gemacht, egal was ich gemacht habe. Ob ich mit dem Alphern unterwegs war oder ob ich mit irgendwie mit meiner Band oder irgendwie so. Ich war immer wieder dann auch in diesen sogenannten Kulturorchestern unterwegs und habe da eigentlich auch relativ gut mitgehalten irgendwie. Und ja, das war mein Plus immer. Und jetzt kommen wir wieder zu der ganzen Flexibilität, wie ist es dazu gekommen? Mit zehn Jahren ging das los. Ich habe da schon alles Mögliche gemacht. Vier Tage Ochsenfest in Wetzlar, Hengstparade, Dillenburg. Ich sag dir es, das war wirklich morgens von elf bis elf, nachmittags um 16 Uhr eine Haxe, abwischen und weigen. Okay, weil du weißt, von was ich rede. Alles selber schon gemacht, ja. Ja, eben. Und dann den Sprung zu schaffen in die Klassiker und dann können die, aber die Klassiker, wenn du da auch lieferst, dann können die dir nicht sagen, der kommt da aus der Dings. Aber was ist denn jetzt mit der Klassik? Das macht er ja auch. Und irgendwie, und das hat, also das hat manche Leute das öfter mal irritiert. Aber nur so lange, bis es klar war, okay, der Typ ist einfach so. Der macht es einfach. Da habe ich auch mit Mosch mal immer bei dir nähen immer gute Gespräche gehabt beim Mittagessen und irgendwie sowas sagt der Du. Erhalte dir diese deine Flexibilität. Das ist wirklich, für ein Leben ist das wirklich cool, irgendwie, dass man nicht immer das Gleiche macht. Immer das Gleiche machen muss.
SPEAKER_01Hast du vor dem Studium mit Classic schon was zu tun gehabt? Oder war das eine komplett neue Welt?
SPEAKER_00Das war eine komplett neue Welt. Das ist auch eine schöne neue Geschichte. Und ja, muss ich ein bisschen ausholen. Das war, wann habe ich denn angefangen zu studieren? 179, glaube ich. Oh, schon lange her. 78, oder? 78, okay, du hast es besser, weil du recherchiert hast. Und ja, und dann war mein Lehrer damals, der ja auch so ein bisschen irgendwie mit Musikanten und der hat auch beim Schneebiegel zu tun gehabt und Reinhold Lösch, weiß nicht, ob die das nach Kurfallsjäger. Der sagt mit Mannheim. Okay. Und hat gerne auch Tenorhorn gespielt und kam so aus der Szene und so ein bisschen ein bisschen Posaunenwalzerchen. Also es war ein Musikant auch, der sich aber auch in der klassischen Szene richtig gut bewegt hat. Also der war wirklich auch so ein, war eigentlich auch ein Wolpertinger, wenn du so willst, Martin Göss. Ist leider gestorben, aber vielleicht kriegt das trotzdem mit auf irgendeinen Weg. Und ja, und dann kam ich irgendwann zum Studium, zum Studieren und hatte natürlich mit Klassik nicht unbedingt jetzt die Erfahrung, weil das war für mich, die Aufnahmeprüfung war für mich schon, also wo man sagt, okay, Powdertaie und solche Geschichten, das waren jetzt für mich Namen. Das war, muss man wirklich sagen, also böhmischer Dörfer, wo mal bei der böhmischen Fasma, das war, also, oh ja, ja, was habe ich gemacht? Okay. Bin dann in Schallplatten, in Phonogeschäft, in Fachgeschäft und damals gab es das hier in Frankfurt noch nicht. Ein bisschen Schleichwerbung, keine Ahnung. Kann man machen. Bin dann mit einem Kollegen, Uli Schlüter, ein Klanettisten, leider auch schon verstorben, aus Wiesbaden, nach Köln gefahren. Zu Saturn. Und Saturn gibt es ja mittlerweile überall. Damals gab es Saturn, Köln war die Adresse, was Schallplatten anging. Also und Sortiment etc. und und und. Hab eine Liste gehabt und hab die abgehandelt. Und dann sind wir heimgefahren mit damals 4800 Paar gequetschte D-Mark, nur Schallplatten im Auto. Wow. Ich habe zum Beispiel komplett Bruckner gekauft von einem deutschen Orchester, von einem amerikanischen Orchester, von einem Wiener Philharmonikern. Dann Prahms komplett Berliner Philharmonik und und und, um mich einfach da reinzuschaffen. Was macht es aus? Wer spielt wie was wo? Also das heißt, wie sind die unterschiedlichen Stilistiken? Wie spielt man in Wien? Wie ist der Streichersound in Berlin? Was macht es aus? Dass man die immer wieder erkennt. Ja klar, weil hinter das letzte Pult genauso intensiv spielt wie das erste Pult zum Beispiel. Was nicht immer der Fall ist in Orchestern. Wo es nach dem zweiten, dritten Pult dann einfach ein bisschen so Mitspieler und und und. Ja, und dann habe ich mich da eben reingeschafft und es ging eben nur, Informationen sammeln über Hören. Weil du hast nicht die Möglichkeit gehabt, in Orchestern zu spielen um den Unterschied. Und das heißt, wenn man eine Mucke kam, dann waren das auch jetzt nicht gerade die Berliner Philharmoniker. Und deswegen musste man sich dann einfach über Aufnahmen da reinhören. Wie spielen die Amerikaner? Warum, was machen die Blechbläser anders? Warum klingen die so wie die Deutschen oder nicht so wie die Deutschen oder umgekehrt oder Saison, das französische Komponisten habe ich damals Orchestre de Paris mit Bahnbäumen gekauft? Ich wollte einfach wissen, wie die landeseigenen Orchester ihre Komponisten spielen, um diese Vielfalt von Stilistik und Interpretation einfach rauszufinden. Und dass man weiß, wo ist der Unterschied? Weil nur wenn du den Unterschied weißt, weißt du, was du anders, besser oder wie machen sollst.
SPEAKER_01Machen das Studenten vielleicht heute zu wenig?
SPEAKER_00Ich glaube ja, ganz klar. Das ist, glaube ich, auch die Falle von dem Digitalen, man hat auf Knopfdruck das Gefühl, man ist überall auf der Welt unterwegs. Dadurch verliert man so ein bisschen den Faden hier und da, glaube ich. Also die jungen Leute heute, in Anführungsstrichen, legen, nicht alle, aber legen schon oft Fokus auf andere Sachen. Also ich erwische manchmal junge Studenten, die haben so viel Spaß, wenn sie irgendjemand im Netz erwischen, der da irgendwo mal gekickst hat, gekickst heißt Scheiße gespielt, da kann ich leider nicht so drüber lachen, weil niemand ist es peinlicher als dem, dem es passiert ist. Und sag ich, Jungs, ihr müsst mal auf die seriösen Seiten gehen, wo wirklich die guten Spieler unterwegs sind und an denen müsst ihr orientieren, nicht in die Zirkusnummern gucken. Also, das ist so ein bisschen irgendwie, man hat sie immer noch und ich versuche immer wieder die Leute auch auf diesen Weg zurückzukriegen, dass die halbwegs nur wer seriös arbeitet, kann, einfach auch seriös enden, glaube ich. Das muss man einfach, man kann auch, es ist nicht so, dass das Leben nur schwarz ist, wenn man dann da in der Klassik unterwegs ist. Da kann es auch spaßige Geschichten. So ist es nicht, aber man muss erstmal da hinkommen, wo man es sich leisten kann, Witzen vielleicht drüber zu machen und dann auch nur wissen, mit wem man macht man welche Witzen. Das ist ja immer, ne? Rollstuhlfahrer dürfen Rollstuhlfahrerwitze machen, finde ich. Und die besten jüdischen Witze, habe ich von Juden gehört. Das ist einfach so. Aber ich finde das eine coole Sache, weil das zeigt wieder, dass die Leute einfach über der Sache stehen. Und das macht es letztendlich aus. Und es geht ein bisschen, ja, um die Frage abschließend zu beantworten, es geht ein bisschen verloren, glaube ich schon. Weil man immer den jungen Leuten heute vorgaukelt, ja, alles kein Problem. Auf Knopfdruck kannst du alles. Ist leider nicht so.
SPEAKER_01Ist ja auch eine Zeitfrage, weil wenn ich mir jetzt vorstelle, für knapp, wie viel hast du 4800 Euro Platten, die musst du ja auch erstmal durchhören.
SPEAKER_00Und jetzt könnte ich durchhören. Ja, jetzt musst du es erstmal kaufen können und das Geld hatte ich gespart. Aus meiner Tanzmusikzeit mit der Kapelle, mit der berühmten. Okay. Und ja, das ist natürlich klar. Also, aber es ist so, da war halt auch mein Lehrer, sagt er, du, hört ja mal, ihr im Hochschulorchester ist das und das drauf, irgendwie, keine Ahnung, was da alles war. Torschak, Torschaks 8. Symphonie oder ja, hört ihr das mal an und irgendwie hast du Material? Da sag ich, habe ich gekauft. Und so kam das Step by Step. Also der sagt, hast du das mal gehört? Hast du dir mal Mozart-Requirm gehört? Mozart Requiem angehört. Da würde ich, da kommt eine Mucke. Kann ich dich mitnehmen? Schubert, Astur, Esturmesse, auch, und und und. Brahms Requiem. Da waren noch die großen Sachen am Start, da war noch Geld unterwegs. Und ja, und so kam das Step-by-Step und Learning by Doon immer hören und und und. Und ja, oft haben wir auch wilde Blechbläser, Partys gefeiert. So einmal in der Woche, wo man dann bei den Schallplatten, die es damals noch gab, diese runden schwarzen Dinger, da haben wir dann nur die dicken Rillen gehört. Und das waren meistens die Stellen, wo die Blechbläser richtig zu Gange waren und haben da richtig gut gefedet. Also wir haben so das so einfach durchhören und irgendwie und immer von Aufgabe zu Aufgabe hat man sich das so erarbeitet. Okay. Und Solisten angehört. Das war zu der Zeit, wo ich studiert habe. Da kamen so die ersten, die rauskamen. Also Armin Rosin war schon am Start als Posaunsolist. Und dann kam natürlich der Mann, der auch richtig gut und viel bewegt hat. Das war Branimir Sloka.
SPEAKER_01Der sagt mir sogar gar nichts.
SPEAKER_00Ja. Branimir Sloka kommt aus Slowenien, Jubilaner. Und der hat in Frankreich studiert. Mit berühmten Kollegen auch, die dann später wirklich in guten Orchestern gelandet sind. Und kam dann nach Deutschland und wurde Solobosaurist am Bayerischen Rundfunk mit Raphael Kubelik. Und da hat er es dann nicht ganz so lange ausgehalten, weil Branimirs Ding war immer solistisch, solistisch. Altposaune, Tenorposaune und so. In allen möglichen Formen, was die Bekleidung anging und und und. Und der hat richtig die Szene bewegt. Also da war richtig was am Start. Und durch diese Leute, die hat man sich dann angehört und gemacht und so. Und irgendwie ist man dann weitergekommen, hat sich informiert. Und der auch ein anderer Kollege, der wirklich aus Frankreich, Michel Biquet, der war dann auch kurzfristig mal in Köln an der Hochschule, da unterrichtet. Also, das sind alles so Namen aus der Zeit, wo man sagt, yo, da kann man sich daran orientieren. Und wenn du dich daran orientierst, dann transportiert dich das gleich mit in die nächste Zeit. Bleib's nicht stehen. Und wie gesagt, wenn man da noch einen flexiblen Lehrer gehabt hat, wie ich, mit dem Martin Göss, Professor Martin Göss, dann war das schon irgendwie, und dann lag die, was ich ganz am Anfang gesagt habe, die Verantwortung auch ein bisschen beim Studenten. Man konnte nicht einfach sagen, ja, ich mache genau das, was sie mir sagen, aber es wird nicht besser. Was machen wir jetzt? Das hat nicht funktioniert. Und wird heute auch nicht funktionieren. Dass man einfach, weil es gibt, dafür ist das Feld viel zu groß und weitläufig auch, mit verschiedenen Möglichkeiten, Probleme beseitigen, wenn man überhaupt welche hat. Heute gibt es auch viele Lehrer, die mit mentalem Training arbeiten, was ich richtig gut finde. Weil bei den meisten oder bei oft ist es so, dass man bei Studenten einfach nicht weiterkommt durch noch eine Stunde mehr üben. Sondern da muss man an einer anderen Schräubchen drehen, damit man die PS, die man hat, auch auf die Straße kriegt. So einfach ist das. Und das hat oft mit mental, es ist wie im Sport. Guck mal, du trainierst für Olympia vier Jahre und dann fährst du dahin, egal wo. Und dann kommt jemand und springt zwei Zentimeter höher. Und dann fährst du, wenn es blöd läuft, fährst du ohne Medaille nach Hause und hast vier Jahre dafür gearbeitet. Also das ist so ein bisschen so diese Parallele vielleicht, okay? Und um das wirklich dann die zwei Zentimeter auch noch zu schaffen, da kann mental viel passieren oder sollte viel passieren, weil wie gesagt, durch noch eine Stunde länger üben wirst du die zwei drei Zentimeter nicht schaffen. Und da war hier mein Kollege und Freund, Jürgen Ellensorn, der jetzt in Würzburg studiert, der hat sich schon, als er noch bei uns Solotrompeter war, schon mit dem Thema auch viel beschäftigt. Und hat damit sensationelle Erfolge. Sensationelle Erfolge. Einige Kollegen aus dem Orchester waren auch bei ihm und, und, und. Und vor allen Dingen auch die Akademisten, die wir hatten. Und die haben sensationell gespielt. Also wenn man da mal so das erste Konzert gehört hat und vielleicht drei, vier Monate oder irgendwie so später, nochmal ein Kammerkonzert, wo die dann innerhalb des HRs im Sendesaal gespielt haben. Das war schon sensationell, fand ich. Also das heißt, wenn der Kopf in Ordnung ist, dann kommt der Rest auch. Also zumindest um es rund zu machen. Und dann wirklich das rauszuholen, was man wirklich drauf hat. Weil es ist natürlich diese Situation, diese Vorspielsituation, diese und jetzt gilt's Situation und jetzt musst du liefern. Da machen natürlich die meisten, muss man aufpassen, dass man nicht zumacht, sondern dass man offen bleibt. Und das ist halt eine ganz blöde Situation, weil in dem Moment machst du dir dann alles kaputt, wo du für gearbeitet hast. Das heißt, das Cleverste ist es dann wirklich, mit jemandem zu reden, der mit, vielleicht bei Jürgen ist es jetzt so, dass er genau weiß, von was er redet, weil er eben als Solotrompeter in dem Orchester, wo wir waren, zusammen in Frankfurt einfach den Job auch gemacht hatte. Also der wusste ganz genau, an welcher Schraube und und und. Also das finde ich schon sehr wichtig. Und Gott sei Dank gibt es immer mehr auch an Hochschulen Möglichkeiten für Studenten, diese Möglichkeit wahrzunehmen.
SPEAKER_01Wie hast du dich mental auf so Sachen vorbereitet? Oder wenn du es als Solist aufgedrehen bist?
SPEAKER_00Ganz verschieden. Also boah, das war mal so und mal so. Und also ich habe da alles mögliche erlebt. Ich habe mir eigentlich nie groß Gedanken gemacht, sagen wir mal so. Weil ich hab gedacht, okay, das Wichtigste ist, dass der Kopf sagt, du hast genug dafür getan, jetzt musst du nur noch liefern. Jetzt musst du es nur noch abrufen. Okay, klingt erstmal einfach, aber das ist schon nicht so ohne. Dann habe ich Konzerte erlebt, wo ich einfach nichts Besonderes gemacht habe, die liefen super. Dann habe ich Konzerte erlebt, wo du sagst, okay, schauen wir mal, was passiert. Das heißt, du hast dich reingesteigert, dann wurde es wirklich auch nicht ganz so. Das haben wir alles erlebt. Also ich sage immer, wenn jeder, der in diesem Eimer schon gerührt hat, wo es nicht so lief, nicht mehr auf die Bühne dürfte, dann werden die Bühnen der Welt leer. So ist es. Also das heißt, jeder hat so sein eigenes Ding, wie man da rangeht. Also es ist so genau wie wenn du einen Sportler jetzt fragst, hier Iron Man oder Hawaii oder so, wie machst du das, wie bereitest du dich vor? Das meiste, was ich es immer so mitkriege, ist, die trainieren natürlich, haben ihr festes Programm, so wie wir auch: Einblasen, Etüden, Konzerte, whatever, und Soundqualität und Rhythmus und Stimmgerät und hast du nicht gesehen und und und. Aber das Entscheidende ist einfach, die haben immer im Umfeld Leute, die einfach darauf aufpassen, dass der Kopf kein Blödsinn baut. Hattest du die? Es gab Situationen, wo ich gedacht habe, was war jetzt los? Okay. Und das nächste Mal, wie gesagt, war es dann auf einmal wieder anders. Aber ich bin eben auch noch nicht die Generation gewesen oder bin nicht die Generation, die die, sagen wir mal, bei uns war es noch so oder die Lehrer, die wir hatten, zum Teil, ach, jetzt hört auch mal auf mit diesem Psychiaterscheiß und irgendwie sowas. Also das war so ein bisschen irgendwie, bis man dann irgendwann gemerkt hat, ja Mensch, das ist doch nicht so dumm eigentlich. Mensch, wenn die Typen doch besser spielen und wenn sie dann einfach abrufen können oder halbwegs abrufen können, was sie können, dann ist es doch, dann ist es doch völlig, also dann wäre man doch dumm, wenn man das nicht machen würde. Weil das macht ja jeder im Hochleistungssport, glaube ich, da gibt es niemanden mehr, der selbst Fußballer arbeitet damit. Torwart. Torwart, ein Torwart, der hat genau das Problem. Du wirst 80 Minuten nicht gefragt nach deiner Leistung. Dann kommt ein blöder Schuss und du musst den halten oder Leute. Guck mal, was ist denn eigentlich so schwer, wenn ihr da, ihr macht doch nichts anders. In der alten Oper, dann übt ihr die ganze Woche und sagt, ja, klar. Aber pass auf, Fußball. Ja, Fußball. Okay. Fußball. Jetzt steht nächste Woche, du weißt jetzt schon, nächsten Freitag ist ein Champions League-Finale. Und du stehst bis zum Schluss auf dem Platz. Die Verlängerung bringt nichts, 0-0. Jetzt gibt es Elfmeterschießen. Und dann bist du der letzte Schütze, der entscheidet, ob der Hengepot mitheimgenommen wird oder ob er stehen bleibt. Geht er rein, okay? Geht er nicht rein, wird er gehalten, Feierabend. Dann möchte ich den sehen, wer das eine Woche vorher weiß, den ich jeden Tag elfmeterschießen trainiert, und seinen Kopf in Ordnung bringt. Immer vorausgesetzt, er weiß that it on him hanging. And so is it by unsure with Orchester and. There are Passages where we say, okay, when this not comes, then zum Beispiel Puson, Bolero, or Trompede, Zarathustra. When there are Alpha Symphony. Zu bleiben, das ist wirklich eine richtig schwere Partie unterm Strich. Ja, und das vergleiche ich immer so ein bisschen mit diesem mentalen Fokus und und und. Also man muss mit der Situation, da gehen die Leute heute einfach cleverer ran. Und das finde ich auch richtig gut. Weil warum soll man das nicht nutzen? Alle nutzen es ja. Rennfahrer, Sportler, wie gesagt, Schwimmer, also Fußballer, selbst Boxer oder Leute, die asiatische Kampfsportarten oder irgendwie so. Alle arbeiten mit mentalen Trainern. Warum nicht auch wir? Finde ich gut. Sänger, genauso. Wie kann ich mir den ganzen Text und wie mache ich das alles? Da habe ich ein sehr interessantes Gespräch mitgehabt hier, mit dem Professor Thomas Heyer, der hier in Frankfurt an der Hochschule unterrichtet. Er sagt, du, ja, das ist gang und gäbe heutzutage. Das gehört dazu, wie das Atmen zum Leben. Das ist super, finde es gut. Weil man hat von Anfang an weniger Probleme und der Job macht einem mehr Spaß.
SPEAKER_01Wenn jetzt noch die Garten wie beim Fußball wären, wäre es natürlich super.
SPEAKER_00Das wäre natürlich eine super Sache, aber ich meine Nummer kleiner und dafür bis ans Lebensende ist auch nicht schlecht.
SPEAKER_01Okay, das stimmt. Als du jetzt beim HMA Symphonieorchester war, was hast du ja auch mit verschiedenen Dirigenten Größen zusammenarbeiten dürfen. Ja. Was waren da vielleicht so Dinge, die für dich hängen geblieben sind, die du vielleicht dann auch später jetzt selbst als Dirigent mitnehmen konntest?
SPEAKER_00Also ich glaube, das ist einfach, das Wichtigste ist mal, abgesehen von technischer Perfektion oder wie auch immer und und und, ist einfach nach wie vor für mich jetzt die persönliche Ausstrahlung, die jemand hat. Wenn er schon reinkommt zur Tür und man merkt, okay, da ist eine gewisse, wie soll ich sagen, Aura oder wie auch immer, wo man sagt, wow, ja, ist. Und du merkst es auch. Also wenn jemand reinkommt, wo man sagt, hm, du merkst gleich, dass sich jemand nicht mehr hinten anlehnt an einem Stuhl oder irgendwie und sagen wir mal, schauen wir mal, was jetzt passiert, gucken wir mal. Dann hast du wieder die anderen, die kommen ein bisschen salopp rein oder kommen salopp rein. Und dementsprechend läuft dann die Probe auch und und und. Und ja, also das ist für mich so dieses, was ich hauptsächlich mitgenommen habe, auch um bei den Brassbands ganz kurz den Absticker zu machen, ist einfach dieses seriöses Arbeiten und einfach dieses sich selbst auch in die Pflicht nehmen. Also dass man nicht die Arbeit weg tut vom Dirigenten auf die Musiker, sondern ich meine, was kann ich von Musikern verlangen, wenn ich selber nicht schwitze, sagen wir mal ganz erlopp. Ich kann nicht von denen verlangen, dass die laufen da auf den 8000er steigen und ich mache vorne nur drei, vier hin und her. Das wird nicht funktionieren. Aber wenn die sehen, dass man selbst, dass das Hemd bei einem selber durch ist, dann hast du die auf deiner Seite. Und so einfach funktioniert, glaube ich, das Ding. Und dann kommt natürlich die bei Dirigenten dann der menschliche Aspekt dazu, ist klar. Wie ist der Umgang? Ist er freundlich? Und wenn er merkt, er kommt da nicht mehr weiter, dass er den Musiker dann auch gehen lässt, weil wir sind ja alle keine Maschinen. Der eine hat, der hat die Vorteile, die andere hat der Vorteil. Und das ist halt ganz verschieden. Jeder versucht halt seine Interpretation so weit wie möglich nach vorne zu treiben. Aber das war zum Beispiel bei Orozco so. Und wenn er dann gemerkt hat, okay, jetzt ist Ende Fahnenstange, ein Schritt mehr und das geht nach hinten los, der Schuss, dann war auch gut. Das finde ich auch eine Gabe. Das heißt, das Arbeitsklima war immer professionell und trotzdem sehr freundlich. Und der Mann war sowieso, fand ich jetzt schlagtechnisch richtig gut und hat sich ausgekannt und ist jetzt auch, hat ja auch den Wechsel jetzt nach Wien gemacht. Der geht von Frankfurt nach Wien. Und und und also der wird da, denke ich mal, sich in Wien, bei welchem Orchester auch immer, festsetzen, ohne jetzt zu viel, so viele Orchester gibt es da nicht mehr in Wien, wo man nach oben klettern kann. Aber ich denke mal, der kommt ja auch aus Wien. Orozco hat ja die doppelte Staatsbürgerschaft. Also der ist Österreicher und Kolumbianer.
SPEAKER_01Ah, okay.
SPEAKER_00Also der kann auch richtig Wienern. Also der war, glaube ich, mit zwei oder drei oder sieben Jahren, keine Ahnung, weiß ich jetzt nicht mehr genau, war der schon in Wien. Hat er auch studiert. Richard Strauß ist sein ganz großer Favourite. Also, und das war natürlich nochmal auf meine Abschlusskonzerte mit ihm, dann Richard Strauß und meine Abschlusskonzer. Das war eine tolle Sache einfach.
SPEAKER_01Cool. Wer war so neben ihm vielleicht so einer der beeindruckendsten Dirigenten?
SPEAKER_00Die Nummer vorher war Pavo Jervi. Den fand ich auch ziemlich gut. Er war musikalisch so, auch auf meinem, wo ich sage, okay, Bruckner, Maler und so, das so das Ding. Also wenn ich jetzt vom Blechbläser mal ausgehe. Streicher wird es vielleicht, die haben sowieso, die Jungs und Mädels beurteilen manche Sachen dann eh wieder ein bisschen anders. Das haben wir auch oft bei Diskussionen, bei Diskussionen erlebt, wenn es darum ging, eben für welchen Chef entscheidet man sich und irgendwie so. Das sind sowieso dann auch Entscheidungen, die viel mit Politik zu tun haben. Da macht zum Beispiel Daniel Barnbäum in Berlin einen richtig guten Job, finde ich. Er ist ein guter Musiker, Musikant, Dirigent, sehr guter Pianist. Und er kann sich gut auf dem politischen Parkett bewegen. Und das ist natürlich auch wichtig, wenn es ums Geld geht, letztendlich, um so einen Laden da wirklich vorne zu behalten. Und das sind alle so Entscheidungen, die manchmal da reinfließen und Argumente. Musik muss natürlich stimmen und und und, ist schon klar. Aber die Schallplattenverträge, die dahinter stecken, was hat die Konzertagentur mit dem Mann vor, ist es für uns auch gut? Also das sind tausende von Sachen, wo man sagt, ja, da geht es jetzt nicht nur, ob einer einen guten Maler macht, sondern da geht es ja auch darum, gehen wir da mit als Orchester in Form von CDs, wie werden wir verkauft? Sind wir da dabei? Oder wie läuft das und und und? Also das ist so eine, das ist auch wie im Fußball. Das ist einfach, da hängen so viele Sachen dran, das ist nicht nur die eine Entscheidung, sondern da tragen sieben, acht, neun, zehn Gründe dafür bei, dass jemand engagiert wird oder gefragt wird überhaupt als Chef. Hast du Bock, hast du Zeit oder würdest du? Oder wie sieht es aus mit dem Orchester auch, dass er sagt, okay, der Laden hat die Qualität, mit dem kann ich mir das schon vorstellen, was ich die nächsten Jahre vorhab. Also das war für mich Jerry. Dann gab es die anderen, vorher war glaube ich Wolf und dann Kidajenko und und und auch alles Gute. You Wolf war ein sehr, sehr netter Mensch, auch ein sehr guter Dirigent und und und. Also ich meine, in der Klasse sind eigentlich alle bis zu einem gewissen Level, wo du sagst, ja gut, also das ist alles okay, da kann man wirklich, kann man mit allem machen. Aber so die letzten beiden, muss ich sagen, Jervi und Orozco waren so für mich, wo ich gesagt habe, ja, der Jervi hat so diese maestromäßige Geschichte drauf gehabt, so ein bisschen irgendwie, also jetzt nicht unsympathisch oder so, aber der war schon, der hat es halt so ein bisschen seriös und maestro irgendwie so vermittelt. War es aber nicht, war ein ganz lockerer Typ irgendwie. Sein Vater, Neemi, ist ja auch ein berühmter Dirigent. Sein Bruder ist auch so Dirigent, aber der Vater hat es, glaube ich, schon relativ früh, wenn ich das mal richtig mitgekriegt habe, gesteuert mit den beiden Jungs. Der eine macht die seriöse Seite und der andere macht so ein bisschen die, in Anführungsstrichen, unterhaltenen Seiten. Und mit beiden haben wir schon, habe ich auch zu tun gehabt. Und es ist wirklich so, merkt man auch, vom Typus her ist der andere ein bisschen lockerer auf der Bühne. Und Pavo ist ein bisschen der seriösere. Und Orozco ist wirklich gewesen, also ist und war zu der Zeit, auch was mich beeindruckt hat, einfach ein super Musiker, der das richtig vorgelebt hat vorne, der voller Energie auf den Pult rumgesprungen ist und Stellen gesungen hat und irgendwie und und und. Also das war wirklich eine tolle Geschichte noch. Also die beiden werden jetzt so für mich, wo ich sage, okay. Ja, musikalisch viel vom Orozco und von der Persönlichkeit und das Verarbeiten, so ein bisschen mehr vom Jervi. Also es ist so ein Mix. Und dann kommt halt das eigene auch. Weil so jemand kann es ja über seinen eigenen Schatten ausspringen. Du kannst ja alles nur bedingt. Wenn du zu viel übernehmen willst, das funktioniert sowieso nicht, weil dann verlierst du deine eigene Mitte. Also, und alles, was ich schlagtechnisch nicht drauf habe, weil ich kein gelernter Dirigent bin, versuche ich einfach durch eine gewisse Art von Autorität zu vermitteln. Und es funktioniert auch immer alles gut. Und die Jungs und Mädels wissen auch, wie sie es zu nehmen haben, ist alles gut.
SPEAKER_01Wir hatten im Vorgespräch, hast du so ein bisschen gesagt, man kann Dinge immer nur von innen raus verändern. Hat es damit zu tun, dass du auch gern immer bei so Sachen dabei bist, die gegründet waren, wie jetzt dann die Jazz Big Band?
SPEAKER_00Ja. Also die Frankfurt Jazz Beagband, die haben wir gegründet. Da war ich schon, meine ich, ja, da war ich schon im Symphonieorchester. Und ja, das war natürlich eine tolle Geschichte. Da waren die als Gründungsmitglied dabei zu sein. Da war Thomas Krämer, der Schlagzeuger aus der Jazz-Szene Frankfurt, relativ gut bekannt. Guter Mann, umgänglicher Mann und und und, der hat das Ganze organisiert. Und Wilson de Oliveira, de Shishi, ein argentinischer, ne, sorry, nicht aus Argentinien, aus Uruguay. Den beiden Unterschied müssen wir schon machen. Übrigens genau wie Kige, wie Crespo, Enrique Crespo. Das waren Kumpels, die kannten sich gut. Und der hat die Big Band geleitet. Und das war natürlich ein Mordshammer, fand ich jetzt. Also neben der Haar Big Band noch eine zweite Band in Frankfurt zu haben. Die Haar Big Band war natürlich die fest installierte und und und hier, das war so eine, ja, wer konnte, hat mitgespielt und waren jetzt immer die gleichen Leute dabei und so. Aber das hat es halt tierisch interessant gemacht. Da habe ich halt auch viele Leute kennengelernt. Also im Posaunsatz waren da Leute mit Chicks Wecker, im Joe Cajato unterwegs. Selbst der alte Trompeterkollege Benny Bailey, der mit Paul Kuhn schon gespielt hat. Also solche Leute durfte ich da alle kennenlernen. Und das war natürlich eine tolle Geschichte. Irgendwie, um neben dem symphonischen Bereich das auch noch möglichst professionell abzudecken, das Bedürfnis an Big Bands zu spielen. Und später war es eigentlich nicht anders. Also ich habe mit meiner eigenen Band, die ich dann hatte, mit dem Orchester Hans-Reiner Schmidt, entstanden aus den früheren Hessen-Musikanten, vom Rundfunkorchester her noch aus den Zeiten. War es immer so, weil ich denke mal, wenn du was bewegen willst, musst du federführend dabei sein. Egal erstmal in welcher Position, aber du musst dabei sein, wenn was entsteht, damit du was lenken kannst.
SPEAKER_01Kommen wir gleich zu deiner Fernsehband, Orchester Hans-Reiner Schmidt. Wie kamen die auf dich? Oder hast du dich gemeldet?
SPEAKER_00Also, das war eigentlich eine komplett, wie haben die sich gemeldet? Das ist eine gute Frage. Also, wie gesagt, entstanden ist das aus den Hessen-Musikanten. Dann kam eben die Anfrage, vom Fernsehen verschiedene Geschichten zu machen. Also die hatten dann vor, Michaele Schernberg und Karl-Heinz Stier eine volkstümliche Sendung zu machen. Und ja, und dann bin ich heute noch der Redakteurin Gabi Klinger sehr dankbar, weil die wollte unbedingt auch ein Orchester dabei haben. Weil die kam aus den Zeiten, wo noch coolen Kampf einer wird gewinnen gemacht hat, wo die Big Band dabei war. Und sie sagt, in so eine Sendung gehört einfach ein Orchester. Das hat eine gewisse Tiefe und eine gewisse Glaubwürdigkeit, weil irgendwelche Leute da im Nebel zu stehen haben, die da irgendwie ihr Liedchen trellern und dann, das ist einfach nicht glaubwürdig. Und da bin ich dir heute noch dankbar der Frau. Und so kamen die auf mich. Und irgendwann kam es dann dazu, Hessen-Musikanten, wie sieht es denn aus mit Orchester Hans-Reiner Schmidt? Und ja, kann man natürlich auch machen, wenn das innerhalb des HR keine Schwierigkeit ist, dann gerne. Warum nicht? So, und dann kam das zustande, dass wir da diese Sendung hatten, Handkäse mit Musik, wo ich wirklich, also wenig da alles nochmal gesehen habe oder schon gesehen habe, das war schon irre. Also da waren Leute aus der Volksmusik und Schlagerszene unterwegs, wie Karl Gott, Heinz Simons, damals, also Heinchen, selbst den älteren Herrn Hasi Osterwald durfte ich noch kennenlernen, Mary Rose, Roberto Blanco, Ironsheer, Wilderger Herzburm, die ältere Dame Liz Asia, Geschwister Hoffmann, Lara Andersen und Gabi Albrecht und viele mehr. Und dann noch vielleicht zu erwähnen: Florian Silbereisen, der berühmte Traumschiffkapitän, damals als 12-, 13-Jähriger mit der Steirischen als Solisten, also als kleiner Bub und das gleiche auch mit Stefan Ross. Also das war wirklich, das waren wirklich, ja, da hat sich alles die Klinge in die Hand gegeben, was in der Szene bekannt war. Und dann hat man dann einfach gesagt, okay, und das waren 70 Fernsehsendungen, ungefähr, ich weiß nicht mehr genau, eben diese Handkäs mit Musik. Und aus dieser Geschichte ist dann was ganz Interessantes entstanden. Das hieß dann Der Hessische Löwe. Und der Hessische Löwe war eine Fernsehsendung, das wurde wirklich live. Und da mussten Leute, die in Hessen wohnhaft gewesen sind oder sind, haben sich beworben mit allem möglichen Hauptsache Musik. Darum ging es erstmal. Also entweder eigene Gruppe oder als Solist oder man hat was Spezielles irgendwie und es passt in die Sendung. Und dann wurden die Arrangements gemacht. Und wir haben das als Band live bekleidet. Ich habe die Arrangements gemacht mit Kollegen. Und ganz zum Schluss wurde dann, der Sieger wurde mit dem hessischen Löwen gekürt. Die ganze Sendung wurde gemoderiert von Gunter Emmerlich. Das war eine tolle Sache. Und es ist so gut angekommen, dass man es dann wiederholt hat. Und dann hieß es nicht mehr Hessischer Löwe, sondern Weißer Löwe. Das war in Kooperation mit dem MDR. Ja. Und so hat das Ding seinen Lauf genommen mit der Band und und und. Also wir waren da beschäftigt. Wir waren da richtig. Und die ganzen Produktionen für die Fernsehsendung, alles habe ich auch selber aufgenommen im Studio. Und irgendwie, das war schon eine spannende Sache. Wenn man dann bis morgen um 5 Uhr im Studio hockt, schnell zum Duschen heimfährt und dann wieder das siebte Bruckner auf dem Programm hat. Aber es war, ist alles gut gegangen. Also man hat auch gar nicht gemerkt, in welchem Hamsterrad man da zu der Zeit war. Aber es ging eigentlich nur immer weiter, weiter, weiter. Jeden Tag was Neues. Und es hat schon auch Spaß gemacht. Bei allem, was man so, wo man sagt, wow, das gibt es sogar, das ist doch, es macht dann letztendlich schon Spaß. Und die Sachen, die mal dann nicht ganz so rund gelaufen sind, meine Güte, einfach fünf Grad sein lassen. Und ja. Was man auch nicht vergessen darf, die Hessen-Musikanten waren dann auch in den 80ern und 70ern auch oft. Gutes Servus und Hallo. Gab es damals noch eine Hörfunksendung in HRV? Die lief immer freitags abends. Ich glaube, alle vier, fünf oder sechs Wochen irgendwie so ein Turnus war das. Das war auch live. Alle Leute haben da live gesungen, haben gespielt. Was passiert ist, ist passiert. Das war eine spannende Geschichte auch. Wer sich da wie geschlagen hat, wenn es drauf ankam, wenn Rotlicht an war. Und so kam das mit diesen Hessen-Musikanten. Das war dann irgendwie alles, irgendwie so, kam ein Stein zum nächsten, dann ging da wieder ein Türchen auf, da wieder und dann hat den kennengelernt und wie es halt so ist. Die Kontakte waren dann einfach geknüpft.
SPEAKER_01War irgendwann mal im Raum gestanden, dass ihr außerhalb von der Fernsehsendung mehr macht mit der Band?
SPEAKER_00Ja, aber das war nicht so einfach. Weil die Musiker kamen von überall her. Und das war irgendwie, und für mich war es einfach, es war dann wirklich zeitlich am Limit. Das war nicht mehr zu leisten. Also es gab bestimmte Mitglieder, die hätten gerne mehr gemacht, weil das schon gut funktioniert. So alles. Die haben sich gut verstanden, das habe ich auch gemerkt. Aber für mich war eigentlich das Potenzial an Zeit und was ich hatte und Arbeit, die da reingesteckt werden musste, war wirklich am Limit. Also irgendwann muss man sich dann auch entscheiden, weil ein Tick mehr, this is ja immer die Frage, noch eine Karte aufs Kartenhaus stellen, wird es vielleicht höher, aber es kann auch sein, dass es zusammenbricht. And then ist alles, was man bis dahin geleistet hat, ist gefährdet in Anführungsstrichen. Da habe ich gedacht, hm. Also wir haben das ein, zwei Mal probiert, aber das war so ein Aufwand unterm Strich, dass ich gesagt habe, wow, this wird jetzt echt heavy, glaube ich. Das nicht mehr so machen. Weil von alleine läuft das natürlich auch nicht. The ganze Organisation, der Bühnenaufbau, das Notenmaterial. Also ich meine, als Musiker, weiß ich ja selber, kommst du hin, packst du aus, spielst du, that's it. But the bison so weight is, ich meine, das weißt du ja auch, bis das so weit ist und jeder frisch rasiert und einer anständigen Frisur auf der Bühne sitzt, oder zumindest so, dass man sagt, yo, das ist ja sowieso, das ist nicht so ohne. Das muss man, und das ist natürlich der Hauptanteil von der ganzen, das Organisieren. Das ist der Hauptanteil vom Erfolg, glaube ich. Weil das bisschen Spielen, davon geht man aus, wenn man gute Musik hat, dass das gut läuft. Aber das davor, der Anlauf dahin, okay. Und das war zum Schluss dann, habe ich gedacht, ich glaube, das wird jetzt echt viel. Das wird echt heavy. Da leidet mir zu viel drunter, was ich sonst noch so vorhatte, auch, muss ich ehrlich sagen.
SPEAKER_01Also wenn man dein Orchester nochmal hören will, kann man das ja auf YouTube, gibt es ja noch so ein paar.
SPEAKER_00Auf YouTube gibt es ein paar ganz amüsante Geschichten. Mit dem Löffel Solo habe ich letztes Mal. Mit dem Löffelsolo, ja, das war so eine persönliche Angelegenheit, das auch mal zu zeigen. Ja, das war in der Tat, das ist interessant, dass du da drauf hast, weil das war so ein, da habe ich probiert, ein bisschen so ein Mix zu machen. Das waren ja so alle Moschmelodien, Sterne der Heimat und irgendwie, und unter anderem ist da eben auch diese Löffelpolker drin und das war immer schon so mein Ding. Einfach, das habe ich früher auch in der Blaskapelle schon öfter gemacht und irgendwie so, ja, ganz wichtige, in Anführungsstrichen, Angelegenheit und vor allen Dingen lustig. Zumindest so lustig, dass auch Studenten das mittlerweile im Netz gefunden haben und sich da immer köstlich amüsieren, wenn der Herr Schmidt da irgendwie löffelt.
SPEAKER_01Kommt da deine Affinität zu James Lust so ein bisschen raus? Weil der Sound ist ja schon sehr James Last.
SPEAKER_00Also wie gesagt, das ist einfach, wenn man damit groß geworden ist, Andy, das ist so, dann riecht die Luft einfach so. Und das hat mich auch immer wieder, wir sind dann mit zwölf, 13, wie gesagt, war immer, wenn Last in der Nähe war, wie so ist. Oder Mosch auch, oder damals gab es noch Rudi Kugler, die Kapelle Egerland, die nachher später auch verschiedene Wechsel hinter sich hatte. Und da war es einfach so. Da wurde da, ja, der Mosch kommt und der Last ist in Kassel, Eisporthalle und so. Ja, dann hat jemand Karten besorgt und dann wurde hingefahren. Das war eine coole Nummer. Und vor allen Dingen zu der Zeit hat er wirklich noch mit Bläsern und so gearbeitet, wie er einfach groß geworden ist, der Last auch. Das wurde dann nachher immer größer und größer und immer elektronischer auch und und und. Und hab den dann das letzte Mal gehört, ach, das ist lange her in den 90ern, als er nochmal das letzte Mal in Frankfurt in der Messehalle war, in der Messe vorne. Und das war mir eigentlich schon zu viel. Also die Streicher, okay, aber du hast gemerkt, da werden auf einmal Sachen abgefahren hinten vom Computer und und und und wird gemixt, damit der Soundfett wird. Natürlich, der Mann hat immer probiert am Puls der Zeit zu sein. Ist schon klar. Ich verstehe das auch. Man muss ja dann mitgehen. Du kannst ja nicht dann einfach stehen bleiben und kannst sagen, okay. Ja, aber ich fand es immer interessant, so wie der groß geworden ist. Und mit diesen, weißt du, diese typischen Geschichten, also damals Rat, Polka Party 1 bis bla bla bla, keine Ahnung, vier oder was auch gemacht. Dann diese ganzen Geschichten wo Wiener Walzer gemacht hat oder Midcirn oder Happy Sound, diese Beach Parties oder diese Happy Marching Platten. Das fand ich so irgendwie. Das war so die Zeit wo. ich auch den viel runtergehört habe, weil es diese Noten nicht zu geben. Also diese Noten gab es nicht zu kaufen. Und dann habe ich mich während einem Krankenhausenaufenthalte, habe ich mich mit einer Melodika ins Bett gesetzt, war jetzt für die Beteiligten im Treibbettzimmer nicht immer so irgendwie und und und, aber die haben das mitgemacht und fand es das auch irgendwie bis zu einem gewissen Grad ganz lustig, habe ich über ganz normale so C60er Kassettenteile, habe ich einfach diese Sachen runtergehört. Weil es die Noten einfach. Und wir wollten das mit der Band einfach spielen. Und das war schon cool. Und da habe ich halt auch schon viel gelernt, allein durch dieses Raushören und irgendwie so, weil ich das ja auch, dieses Schreiben, was ich mache und Arrangieren und habe ich nicht gelernt. Es dauert immer bei mir ein bisschen länger, bis ich von A nach B komme, aber ich weiß relativ genau vom Ohr her, wie es klingen soll, wie ich es haben möchte, wie es irgendwie tun muss. Und da muss ich einfach ein bisschen probieren. Da gibt es Leute, die haben das gelernt, die wissen sofort, Schublade, Zack, Bumm, von S-Dur nach B-Dur komme ich so und so und so und so. Und bei mir, ich probiere das so lange aus, bis ich es habe. Manche Sachen gehen schneller, manche Sachen gehen nicht so schnell, aber wichtig ist, dass man es unterm Strich einfach hinkriegt.
SPEAKER_01Wäre das für dich eine Option gewesen, das nochmal nebenbei zu studieren?
SPEAKER_00Ich habe überlegt, aber so blöd wie es jetzt klingt, mit dem ganzen Zeugs, wo man es jetzt darüber unterhalten und mein ganzes musikalisches Leben, auch als ausübender Musiker oder Musikant, hat er es eigentlich nicht wirklich zugelassen. Ich habe es wirklich probiert. Ich habe mir Bücher gekauft, habe irgendwie Kontakt aufgenommen mit Leuten und und und. Aber das ist dann so ein weites Feld, das ist so, weißt du, wenn du eine Sprache lernen willst, dann musst du das wirklich wollen und musstest durchziehen. Und ich habe da schon am Anfang gemerkt, das wird schwer. Weil wenn du diese Stundenzahl und dieses ganze Zeugs, wo wir uns schon drüber unterhalten haben und wo wir uns noch drüber unterhalten werden, wenn du das alles so machen willst, dann ist da kein Platz für. Dann muss ich einfach da bleiben, Schuster bei deinem Leisten. Und ja, und dann muss man einfach bestimmte Sachen, muss man sich recherchieren, geht auch. Oder muss sagen, okay, Mensch, der Sound ist geil, weil es gibt ja auch klassische Komponisten, die schon richtig gut sind, wie Richard Strauß auch, oder auch die französischen Komponisten, Saison oder auch wie sie alle heißen, egal jetzt, die einfach, und wenn dich dann eine Stelle irgendwie denkst du, wow, das klingt aber cool irgendwie, gut, dann hast du die Partitur gekauft und hast nachgeguckt, was er da gemacht hat. Der Mann. Und dann denkst du, okay, wow, stimmt, das ist ja wirklich. Und das speicherst du dann wirklich ab, weil du es dir erarbeitet hast. Und so habe ich da auch Learning by Doing, bin ich da weitergekommen. Aber so richtig jetzt, wo ich gesagt habe, ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, in Frankfurt hier ein Kompositionsstudium oder irgendwie so, aber das machst du auch nicht einfach nur mal so. Weißt du, du kommst irgendwie vorbei, du kriegst ja da auch Aufgabenstellung. Die Typen, die dich unterrichten, die wollen da nicht hören, dass du am Abend vorher noch irgendwie in Mannheim Walküre gespielt hast, sondern die wollen einfach, dass du dein Ding erledigst, deine Aufgaben und so, sonst macht das nichts und musst die ja auch ernst nehmen. Und das war für mich irgendwie klar, dass es schwierig wird. Deswegen habe ich da, wie gesagt, die einfache Variante genommen, das, was ich gebraucht habe, habe ich gemacht und musste nie die Sachen lernen, die ich nicht gebraucht habe.
SPEAKER_01Du hast das jetzt schon öfters erwähnt und ich glaube, relativ viele warten drauf. Ich würde das Thema Ernst Mosch jetzt mal anschneiden wollen. Wie kamst du überhaupt dahin?
SPEAKER_00Wie kam ich da hin? Ja, das ist eine gute Frage. Wenn ich mich richtig erinnere, war es so, ja genau, dass wir mit den Hessenmusikanten im Hessenpark ein Konzert hatten, eben unter dieser Linie, was ich eben schon mal erlehnt habe, Gute Servus und Hallo. Und da waren eben auch ein paar Musiker dabei, die auch da schon zu der Zeit schon beim Mosch gespielt haben. Und ich brauchte, damals wurden zwei Leute krank bei mir, bei den Hessenmusikanten. Da habe ich gedacht, okay, dann fragst du jetzt aus dem Genre vielleicht Leute, die da. Und das waren zufällig Leute, die da gespielt haben. Und die haben mich dann angesprochen und haben gesagt, hör mal, wie sieht denn das aus? Nächste Mosch-Tournee, irgendwie, so, hättest du da Bock? Sag ich, ja, du, klar, natürlich. Wenn das ist ja, ne? Also das war ja von Kindheit an irgendwie, wie gesagt, Last Mosch, damit, und dann als erwachsener Musikant, der schon so viel jetzt da hinter sich hatte, dann den Mann noch zu erleben. Das war schon eine coole Nummer, fand ich. Und dann hat das wirklich geklappt. Und ich war vorgesehen für Posaune. Und dann wurde dann kurzerhand geswitcht, nachdem er mich mal so zwischendurch gehört hat um den Ohren. Sagt er also, dann hätte ich schon ganz gerne am Bariton machen und irgendwie so. Und so kam das zustande. Ich habe den kennengelernt. Das erste kennenlernen war bei der Verleihung der goldenen Stimmgabel mit Dieter Thomas Heck in Hof.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_00Ja, das ist schon ein bisschen her. Wie soll ich jetzt Erlaub sagen? Es gibt keine lebenden Zeugen. Wahrscheinlich. Und das war wirklich ein interessantes Gespräch, weil er sagt, sie kommen aus Frankfurt, gell? Sag ich ja. Sagt er von der Big Band. Nee, nee, sag ich vom Symphonieorchester. Ach so, Symphonieorchester. Ja, ja, sag ich, aber ich kenne schon. Und wir hatten sofort Schnittmengen über Jazzposonisten, die ich kannte und die er natürlich auch aus seiner Amerikaner fiel und auch aus Deutschland einige. Und wir hatten ein super Gespräch. Also das war und da war sofort diese Posaunisten-Connection war sofort da irgendwie. Das war schon cool, fand ich jetzt. Es hat ihm auch ein bisschen Spaß gemacht, sich so vor der Fernsehsendung ein bisschen über andere Sachen zu unterhalten, als immer nur, wo ist das Licht, wo ist die Maske und sitzt die Krawatte gerade. Das war so das erste kennenlernen und dann ging das so immer weiter. Einfach CD-Aufnahmen, Tournee, war immer nicht ganz so einfach, musste ja dann aus dem Dienst auch raus, weil ich war ja immerhin noch fest angestellt. Musste ich dann mit den Kollegen irgendwie immer mich, ja, musste ich mich verabreden bzw. einigen, dass der Dienst nicht gefördert ist, weil das wäre richtig doof gewesen und das hat auch geklappt. Ja, und so kam das zustande. Und ja, kurz vor Schluss noch dann, bevor der Mann dann in 99 gestorben ist, auf der letzten Tournee, waren dann die Aufnahmen. Und dann hatte ich noch das große Glück oder Vergnügen, dass ich auch einen Titel geschrieben habe, den er gehört hat, den wir mit der Band gespielt haben. Und da sagt er, irgendwann mal morgens in irgendeinem Hotel, sagt er, du, ich habe da einen Titel gehört, der ist mir da zugetragen worden. Können wir uns da mal drüber unterhalten? Sag ich, ja klar, um was geht es denn da? Ja, es geht um bla blei, so eine Bolger. Hieß damals noch auf zum Hessentag. Und sagte er, ja, der Name ist natürlich Quatsch, das kann ich jetzt für meine Egerländer da nicht benutzen. Sag ich, ja, das ist schon klar. Sagt er, den Titel hätte ich gerne. Sag ich, ja klar. Sagt er, und was willst du dafür haben? Sag ich, was soll ich dafür haben? Erstens ist es mir eine Ehre. Erstmal, also wenn Sie den machen wollen, ah ja, sagt er, jetzt hören wir auf mit dem Quatsch Ehre. Also muss ja irgendwie, sag ich, okay, vielleicht können wir tauschen. Sagt er, wie, was tauschen? Sag ich, ja, vielleicht können wir tauschen. Sie kriegen von mir die Polka. Und ich kriege von Ihnen einen Titel, den ich auch bearbeiten darf. Ich dachte, echt? Du willst von mir? Mit deiner Band? Was verstehen Sie? Sag ich, es gibt einen Titel, der heißt der Falkenauer. Sagt er echt? Und was willst du mit dem? Sag ich, ja, den würde ich gerne im Happy Sound machen. Im Happy Sound, echt? Naja, sag ich, wenn er mal fertig ist, gerne mal drüber hören. Sagt er, ja, und der heißt dann der Falkenauer? Nee, sag ich, der heißt einfach, wenn Musiker klingt. Genauso wie meiner nicht, auf zum Hessentag heißt, sondern irgendwie anders. Sagt er, okay, ist ein Deal, machen wir. Und so kam das zustande. Also es war eine ganz coole Nummer. Und dann sagt er, Mensch, was machen wir denn jetzt mit deinem Titel? Wir brauchen einen richtig guten Namen für das Ding. Und dann haben wir hin und her belegt und irgendwann kam er dann und hat dann beim nächsten Mittagessen irgendwie, sagt er, ich hab's, böhmischer Leckerbissen, das ist die Nummer. Mensch, das war das nicht schon viel früher eingefallen ist. Und dann hieß, glaube ich, sogar eine CD und irgendwie, also das wurde richtig so ein Vermarktungsding. Und dann haben wir das wirklich dann auf der Tournee, das war schon ein geiles Gefühl, muss ehrlich sagen. Also wenn er dann von dem Typ mit dem Orchester, mit dem Musikanten dann einfach der Titel da abgedrückt wird auf einer Bühne, das war schon cool. Also das war, ja, so kam das zustande. Und dann immer wenn wir da unten auch mit der Band waren und haben da auch in Bad Wörishofen beim Städel aufgenommen, der hat ja dann da auch die Aufnahmen mit Mosch gemacht. Da war ich immer im Verlag, wir haben uns immer unterhalten und er hat mal gesagt, was mach dann so, lass mal was hören. Und er war sogar zweimal da.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_00Und da war ich gerade am Posaunensolo aufnehmen und Toni Scholl kam, der da in der Band mitgespielt hat bei mir, sagte du, der Mosch ist da. Ja, sage ich, okay, und jetzt soll ich aufhören zu spielen oder was? Nee, nee, ich wollte es nur sagen. Sag ich danke. Sag ich Wolfgang, weiter. Der hat überhaupt nichts, der Mann saß ganz hinten in der Ecke, hat seine Zigarette geraucht, dann kam ich hoch und sagte, hey Rainer, alles gut? Läuft gut? Mann, das klingt aber gut bei dir da irgendwie. Und so ging das irgendwie. Völlig stressfrei und und und, weil alle hatten jetzt erwartet, dass da jetzt irgendwie, hat er nicht gemacht, weil der hat das in seiner Band gemacht. Aber sobald er irgendwie und seitdem man hat gefragt hat, und kann man da irgendwas, dann hat er natürlich schon gesagt, aber ansonsten war der Gentleman und und und. Fand ich richtig gut. Und fand es auch schön, dass er einfach mal vorbeigeguckt hat. Weil ich meine, ein Mann, der so viel erlebt hat über die Jahrzehnte, der muss ja jetzt nicht unbedingt von zu Hause aus, vom Kaffeetisch aufstehen und muss das nach Bad Worrishofen fahren und muss gucken, wer da jetzt Aufnahmen macht. Das fand ich schon cool, muss ich sagen. Also wie gesagt, er hat immer ein super Verhältnis mit ihm und auch auf Tournee haben uns richtig, richtig gut unterhalten, weil wir eben auch bestimmte Schnittmengen an Spielern hatten, die wir noch kannten. Weil man darf ja nicht vergessen, als er in Stuttgart war im SDR in der Big Band im Edelhagen, da waren ja einige Musiker, die ich auch kannte. Also zum Beispiel von uns, der in der Big Band war, der Conny Jaggelt, der war in Stuttgart. Und die ganzen anderen Big Bänder, die hat er auch gekannt. Und und und also wie gesagt, und das war schon eine coole Geschichte. Gesprächsstoff war da. Und der hatte auch richtig Bock, sich über alles mal andere zu unterhalten, als immer nur in Anführungsstrichen Polger Walser Marsch, glaube ich. Weil das war, hat er auch angedeutet, was ich eben schon mal vor längerer Zeit gesagt habe, diese musikalische Vielfalt, wenn es geht, sagt er, erhalte dir die. Weil er hat wortwörtlichst gesagt, ich habe den Stempel Polger Walser Marsch auf der Stirn.
SPEAKER_01Ja.
SPEAKER_00Es ist, sagt er, weißt du, und der hat ja auch alles probiert. Der hat es modern probiert, New York, New York. Und und und die Schlagerplatten alle. Und dann habe ich mit Rolf Schneebiegel, ist ja auch ein Begriff in der Szene, den habe ich mal in Baden-Baden getroffen, irgendwie, als wir dann mit Walter Scholz eine Produktion hatten. Und da sagt er, weißt du, der Mosch, wenn der nicht wegkommt und noch nicht mal einen E-Bass besetzt und einen Bass besetzt, immer mit seinen Tuben, dann wird das nichts. Sag ich, ja gut, aber das wirst du natürlich, sag ich Rolf, das will einfach mit seiner Besetzung, mit den Egerländern, mit den Original-Egerländern, muss man ja mittlerweile sagen, einfach das Ding so machen, wie es einfach ist. Weil sonst verlierst du dich völlig. Du gibst dann genau diese Visitengrad, die du über Jahrzehnte aufgebaut hast, machst du genau das kaputt. Und dann wissen die Leute draußen nicht mehr, was macht der jetzt, der Mosch? Macht er das? Macht er das? Die Leute werden verunsichert. Und das heißt irgendwie, ja, aber das wird so nichts. Da sage ich, okay, es war ja dann auch so. Er sagt, ich habe das probiert, aber.
SPEAKER_01Aber total spannend, weil wenn man sich heute Formationen anguckt, die dann moderne Musik machen, die gehen ja dann wieder zurück zu der Tuba.
SPEAKER_00Aber zum Beispiel die Aufnahmen, auch wenn wir schon im Fachbereich drin sind, wo wir jetzt langsam warm werden, diese Paulinge-Geschichten und und und mit dem Saxophonsatz drin, oder? So ein bisschen so ein Miller-Sätzchen drin, das hat doch wunderbar funktioniert, fand ich jetzt. Ich fand das als Musiker immer, oder so einen schönen Dreier-Vierersatz Posaunen, die so ein bisschen mit diesem Slide-Vibrator, so wie er auch gelernt hatte und gespielt hat, einfach gespielt haben. Das fand ich schon, die Arrangements fand ich gut. Alles irgendwie, ja, er sagt auf Tournee und und und es ist halt schwierig. Ganz einfach. Weil die Leute letztendlich wegen, ja wie soll ich sagen, mal um den einfachsten Nenner zu bringen, Eckerland, Heimatland, Löffelpolger, bis bald auf Wiedersehen. Zack, Bumm. Und ein bisschen was drumrum. Das funktioniert. Das funktioniert. Dann noch eine Runde für die Musikanten, die da sind. Astronautenmarsch, ein Abend am Meer. Lebensfreude. Schon sind wir im Geschäft. Noch ein bisschen was Neues für einen Verlag und und und. Und das hat auch wirklich gut funktioniert. Und das war auch identisch, das haben ihm die Leute auch so abgenommen, das war glaubwürdig und und und. Deswegen hat die Nummer auch so lange so gut funktioniert. Und deswegen hat der Mand die über diese langen Jahrzehnte auch so nach oben gebracht und konnte die auch nach oben bringen, weil es einfach eine glaubwürdige Angelegenheit war.
SPEAKER_01Wie war das für dich? Also er hat ja am Schluss in dieser Riesenbesetzung gespielt. Deine Meinung dazu?
SPEAKER_00Also mir war es eigentlich in manchen Gruppen einfach einer zu viel oder zwei manchmal sogar zu viel. Es ist immer so das Ding, was man beobachtet, glaube ich. So eine Nummer, ich meine, er hat natürlich dann, es ist bequemer, wenn du zum Beispiel jetzt im Fachbereich zu bleiben, jetzt mit Flügländern. Es waren drei erste, zwei zweite, finde ich jetzt ist natürlich schon, je nachdem, wenn du mit der Qualität spielen willst, ich meine, ich habe die Idee verstanden dahinter. Das Ding ist halt, oder mit den Norhern und auch, wir waren dann mit fünf Leuten. Also das ist, finde ich, immer mindestens ein zu viel, ehrlich gesagt. Weil was ein bisschen verloren geht, ist so dieses individuelle Spielen. Verstehst du, es kommt immer so, dieser Chorus-Effekt wird zu orchestral. Also ich fand immer noch die alten Aufnahmen, diese legendären Aufnahmen, die wirklich bei Mosch-Anhängern wirklich, egal ob da mal ein Akkord nicht wirklich gut stimmt. Oder da sind einige Sachen, die wird man, glaube ich, heute nicht mehr stehen lassen. Wobei das auch ein Thema ist, das habe ich auch dann erfahren und auch erlebt mit ihm. Komme ich später nochmal dazu. Aber diese legendären Aufnahmen, wo Franz Bummer noch gespielt hat, mit diesem Vibrato und mit diesem Dings, Schorsch Ernst, diese ganzen Leute, die da wirklich irgendwie, fand ich eigentlich so, diese alten Geschichten, ne? Frühling im Böhmerwald oder Frühling im Egerland, also wie die Schallplatten heißen damals, Frühling im Egerland. Oder auch diese ganzen speziell für Sie, Porträt in Gold, also alles, was so die Glanzzeit so für mich jetzt ausgemacht hat, 60er, 65er, 68er Jahre, Jahrgang. Das fand ich einfach richtig cool. Und da waren jetzt nicht die vielen Spieler am Start. Er wollte immer mehr Orchester, Orchester, Orchester, geteilte Schlagzeug, also Becken, kleine Trommel, Pauke, große Trommel getrennt. Das war dann irgendwie, dieser Swing war dann, wenn du einen guten gehabt hast, wie Tagscherer, so, der die Szene ja tierisch geprägt hat. Es gab ja vorher keinen, der so Schlagzeug gespielt hat. Und der Schlagscherer hat ja auch nur so Schlagzeug gespielt, weil er vorher Trompeter war. Ja, deswegen, ach guck mal, weißt du auch nicht. Das ist auch für dich neu.
SPEAKER_01Das ist auch mal für mich als Kenner der Szene.
SPEAKER_00Also wenn ich das richtig mitgekriegt habe, ist es so. Und deswegen hat der zum Beispiel auch diese ganzen Akzente, die man auf der kleinen Trommel gesetzt hat und und und. Der hat auch immer, wenn man den Mann beobachtet hat, ich habe den ja von Kindesbeinen auf gesehen auf den Bühnen, wenn wir da waren in Konzerten, hat er immer mitgesungen und hat dann einfach aus der Lamenge raus diese Wirbel gesetzt, dass der praktisch vorbereitend gespielt hat, wie ein Drummer in der Big Band und so. Also das war schon eine coole Geschichte. Und so hatten Schlagzeuger bis dahin haben Schlagzeuger so nicht getickt, weil Schlagzeuger waren immer so geeicht, Tempo halten und, und, und, und, und, und immer so spielen, dass es für die anderen klar ist, was passiert. Und der hat auf einmal diese ganze Melodie mitgespielt, irgendwie so, der war immer dabei und hat dann irgendwie so eine, ja, das fand ich cool. Und ja, jetzt habe ich einen Faden verloren. Orchestral. Orchestral, ja. Dann ist er eben auch davon abgekommen, anstatt mit Schlagzeug-Sets zu spielen, getrennte Schlafzeug zu haben, hat auch probiert dann bei Live, bei CDs, okay, mit zwei F-Hörnern, mit zwei Waldhörnern zu spielen. Hat bei Live jetzt auch nicht wirklich gut funktioniert, weil das Potenzial, diese Hörner da einzusetzen, bis auf drei, vier Glissandi, die man mal so Hollywood-mäßig hochzieht, ist dann nicht wirklich, lässt man sie eine Melodie mitspielen, machen sie einen Nachschlag mit, oder sollen sie wohl möglich noch auf die Tenorhörner, Barretthonner drauf? Da sind schon fünf Leute am Spielen. Also das sind alle so Entwicklungen gewesen. Eine zweite Trompete, okay, kann es Sinn machen, muss aber auch nicht unbedingt. Also es wurde alles so groß, auch im Holz dann, vier, fünf, sechs Klarinetten oder so, vier Klarinetten mit S-Klarette, keine Flö. Also das war so ein bisschen so eine Entwicklung, fand ich jetzt, ich denke unterm Strich, was war es einfacher zu spielen, weil man natürlich mit mehreren auf einer Stimme war. Das heißt, man konnte auch mal in Anführungsstrichen eine Note weglassen und die Nummer ist nicht gleich zusammengebrochen, um es mal salopp zu formulieren. Aber es hat so ein bisschen dieses persönliche Spielen von einem Spieler gefehlt, fand ich irgendwie. Das war für mich auch, also wie gesagt, diese Anfangszeiten und dann 60er Jahre bis in die 70er, 72, 30 Jahre, da war das noch, war das wirklich cool. Aber dann wurde es mehr und mehr und größer und das wurde immer orchestraler, ja. Aber diesen Druck, den die Musik für meinen Geschmack eigentlich nur bis zu einer gewissen Musikeranzahl machen kann, der ist ein bisschen verloren gegangen. Davon is zum Beispiel sein Kollegen, der ja zu der Zeit auch nicht unbedingt erfolglos war, Hubert Wolf, nie abgewichen. They had nur three Fluglearner, one Trompete, one Tenor, a Bariton. Eventually up and so with two tenure, two Klarinetten, a Flöte, one Tuba, one Schlagzeug, three Posaun gespielt. And this hat beim hat man da so eine gewisse Flexibility gehabt. Weil du kannst dann so ein bisschen spielen wie die kleinen tschechischen Gabellen, Moravanga, etc. wie they all heißen, Böhmisch, Mährish. Dann hast du einfach die Möglichkeit, eine Stelle musst du nicht jeden Abend gleich spielen. When you mit five Leuten, wie wir zum Schluss auf einem Register sitzen, musst du dich dran halten. Weil in dem Moment, wo einer ausweicht, dann stimmt der Plan nicht mehr. Dann ist es nicht mehr zusammen oder es ist agogisch. Also wenn du dich verändern willst, schneller, langsamer, retardando oder ein bisschen mehr draufsetzen, um ein bisschen was zu gestalten aus Just for Fun, weil es eben jetzt gerade mal so ist, war schwierig oder war eigentlich nicht mehr möglich. Und das war so ein bisschen das Ding, aber ihm hat es halt gefallen, großes Orchester und er hat auch immer gesagt, Mensch, die Musiker jetzt, die ich jetzt habe, hier, guck mal, wir spielen eine Polka ein, zweimal neben das Beste bei der Aufnahme und das war's. Das hat ja früher, das war ja ein Tagesmarsch. War natürlich auch so, dass er, wie soll ich sagen, also hat er ja auch, hat er mir ja auch erzählt, er sagt, du glaubst nicht, das war ja alles neu für die meisten, was ich wollte. Okay? Und ich hatte jetzt nicht die Musiker aus Böhmen und selbst die, die haben ja auch ihren eigenen Stil gespielt. Aber das wollte ich ja auch nicht. Ich wollte ja gerade dieses perfekte Musikantische, was die Leute so mögen an uns, verstehst du? Und deswegen sagt er, das war mit den Musikern da auch was Neues zu entdecken. Und da musst du erstmal, wie gesagt, Tenor, Tenoristen und irgendwie und Holzspieler vor allen Dingen auch finden, die das kapieren, um was es jetzt wirklich geht. Weil das waren ja jetzt, Klarinette spielen konnten viel, aber diesen Style, dieses übermäßige, überübertriebene, kurz und dann wieder irgendwie doch und so, da brauchst du bestimmten Typus von Mensch, der das auch begreift. was da geliefert werden muss. Und da hat er eben Bumal und die Typen, da hat er so drei, vier, fünf Leute um sich rum gehabt, die das kapiert haben und die haben die ganze Dings nach oben. Und er hat dann einfach den Tagscherer zum Beispiel Ferrier spielen lassen ohne Ende. Das war für den natürlich klar, für Mosch hat das ja gecheckt. Das ist der Wiedererkennungswert, was seinen Sound eigentlich ausmacht. Diesen Drive in der Musik, wenn du den bremst, bremst du die komplette Nummer aus. Das war, glaube ich, das Ding, wenn ich das richtig mitgekriegt habe. Und ja, so ist es gekommen. Und wie gesagt, da haben wir oft uns unterhalten und bla bla bla. Wir haben auch oft telefoniert, wenn ich Noten gebraucht habe. Ich habe den manchmal nachts um halb zwölf angerufen. Sag ich so und so, ich bin hier auch einfach für eine CD-Aufnahme noch mit der Vira Blasmusik. Die habe ich aus meiner Heimat Urman aus Nordhessen mal damals 2000 haben wir da eine CD eingespielt und die wollten auch ein paar Titel und dann sagte du, ich hätte was, glaube ich. Das wollte ich immer schon mal machen. Aber wahrscheinlich wird es bei mir nichts mehr, wenn du willst. Ja, von Kubisch, oh sorry, Kubisch ist aber ein bekannter Name. Also aus der Chic, ja da sagt er, da habe ich in den Walzer liegen. Wenn du denen irgendwie, das ist alles schon klar, mach das und dann war ich okay. Und hat er mir geschickt irgendwie und so, also der war wirklich völlig um halb zwölf und dann rief am nächsten zwei Tage später, rief die Ellen Mosch wieder an und sagt, sag mal, mein Vater ist ja ganz was hast du mit dem wieder gemacht dann nachts irgendwie. Da kann er eh nicht schlafen nachts. Da war der immer nachts eher am texten und komponieren und war so ein rund, so ein 24-Stunden-Typ, wie ich immer sage. Der hat gebrannt für die Nummer ohne Ende. Für den war es wirklich leid, dich ins Bett zu gehen und mal nichts zu machen, glaube ich. Aber das war, fand ich schon beeindruckend, so jemanden zu erleben, weißt du? Der die Nummer einfach brennt, ohne Ende.
SPEAKER_01Wie war der Mensch Mosch auf der Bühne?
SPEAKER_00Wie war der Mensch? Weil du spielst jetzt oft diese ganze Gestik drauf an und was da so für Videos gibt, das ist es, meine Ernst. Und so, ja, okay. Da war jetzt nicht alles so gemeint, glaube ich, wie es rüberkommt. Glaube ich. Weil letztendlich hat er schon gewusst, okay, der ist auch von den Musikern so einer gewissen, bis zu einem gewissen Grad auch nicht abhängig. Aber ohne, wenn die nicht gut spielen, ich meine, ne? Ja, also es ist so, dass das nicht alles, da war auch viel fürs Publikum dabei, für die Kamera oder sowas, wenn da was war. Ich glaube, das war jetzt nicht so nachtragend oder Dings. Also wenn ihm wirklich was nah ging, hat er das Ganze anders erledigt, ohne dass da Kamera und Mikrofon in der Nähe war. Ich habe damit jetzt auch überhaupt keine Probleme gehabt. Er hat einfach, seine Meinung war einfach die, ihr verdient gutes Geld, in der Tat, das haben wir, auf Tournee, jeden Abend gut bezahlt. Wir hatten einen Superbus, einen Reisebus, wir hatten Superhotels, die er in den Anfangszeiten nicht gehabt hat, musste sich erst hochturnen, in Anführungsstrichen und und und dann hat er das die letzten, sag ich mir jetzt mal, zehn, zwölf Jahre oder was auch immer, hat er das gehabt. Und alle haben gut verdient für zweieinhalb Stunden Polka Walzer Merge spielen, was natürlich tierisch Spaß gemacht hat, ist schon klar. Aber zusätzlich wurde man noch richtig gut bezahlt. Und dann war der einfach der Meinung, also wer jetzt hier auf der Bühne pennt, der ist morgen Abend nicht mehr dabei. Hier in den zweieinhalb Stunden passiert es. Ganz einfach. Und das war auch so. Und da waren auch alle an, haben wir an einem Strick gezogen. Wer nicht dabei war, war am nächsten Abend wirklich nicht mehr da. Das war es ein anderer. Okay. Das hat es auch, glaube ich, gegeben, ja. Das ist ein gutes Recht. Ich wollte gerade sagen, das ist ein gutes Recht, weil ich meine, es ist jetzt nicht so, dass man sagt, hier würdest du mal könntest mal, sondern da ging es wirklich um die Original-Egerländer Musikanten. Und es ging um professionelle Spieler zum größten Teil, die aus guten Orchestern da waren und und und. Und denen kann man das zumuten, dass du dich zweieinhalb Stunden konzentrierst und spielst und lieferst. Definitiv. Das ist, war ich auch voll dabei. Also das war jetzt für mich auch jetzt keine andere Situation, als wenn ich mit Jervi oder Orozco oder mit wem auch immer auf der Bühne bin oder in Wien oder wo auch immer spiele. Keine Ahnung. Das war für mich das einfach eine generelle professionelle Einstellung, Andi.
SPEAKER_01Wenn du dir die Blasmusik von damals anguckst, du warst ja mittendrin und guckst dir jetzt so 20, 25, 30 Jahre später an, wo wir jetzt stehen, wie nimmst du die Blasmusikentwicklung so wahr?
SPEAKER_00Wie nehme ich die Blasmusikentwicklung wahr? Also ich glaube, bin mir nicht sicher, aber so das Gefühl, was ich habe, ist, dass es immer weniger in verantwortlichen Positionen Typen gibt, die auch den Mut haben, mal was Eigenes zu machen, beziehungsweise einfach auch mal was auszuprobieren und irgendwie mal gucken, schauen wir mal, was passiert. Es sind viele Draufhänger unterwegs. Also das habe ich auch oft in den ganzen Szenen mit meiner Band und auch beim Mosch, weil irgendwie die Leute, die drumrum waren, irgendwie so, ja aber das läuft doch gut. Und jetzt, also ich habe da Gespräche gehabt mit Leuten, mit Verantwortlichen von Schallplattenfirmen, die gesagt haben, ja, wir brauchen was Neues. Wir können nicht Mosch und Operkrainer und Last einfach in einen Topf werfen und dann haben wir gesagt, Freunde, hallo, was passiert denn hier gerade? Du kannst doch nicht einfach hier aus dem Rippchen mit Sauerkraut kannst du doch nicht einfach einen Eieromelett machen. Das funktioniert doch nicht. Also man muss doch auch irgendwie einen gewissen Bauch haben. Von innen raus gewachsenes, man kann ja probieren, aber man spürt doch relativ schnell, ist es was oder ist es nichts? Also das spürt man wirklich schnell, glaube ich. Aber trotzdem wird es immer probiert, über längere Zeit irgendeinen Blödsinn anzubieten, der dann letztendlich wirklich nicht funktioniert. Und ja, also das ist so meine Beobachtung, dass sich sehr viel angepasst wird, was Stilistik angeht. Also was mich tierisch nervt, ist diese sogenannten 6-Achtelkapellen. Die aus jeder Polka einen 6-Achtel-Marsch machen und irgendwie so ein Zeugs und wo ein Downbeat kein Downbeat mehr ist, wo alle mitrutschen mit der Melodie und und und. Das hat bei manchen Sachen auch bei immer den Anschein auch gehabt. Aber ein Beat bleibt ein Beat. Und dann hast du im Offbeat, in dem sogenannten und, da passiert die Musik. Okay? Und das verstehen anscheinend manche Leute hier und da immer mal ein bisschen anders. Aber jeder hat das Recht, zu machen, was er will, oder in die Scheiße zu greifen oder die Sonne aufgehen zu lassen. Das muss jeder selber für sich entscheiden.
SPEAKER_01Also ich hatte das Gespräch schon öfter, gerade wegen diesem 6-Achtel-Ding. Und vielleicht kannst du mir die Frage beantworten, woher das kommt.
SPEAKER_00Ich habe keine Ahnung. Das war immer durch dieses Verzögerte, also ich weiß, dass der Mosch zum Beispiel zum Schluss, wie es vorher war, was lange vor meiner Zeit war, keine Ahnung, aber selbst da, wenn man es weiß, und du beobachtest und hörst da mal Trompetensignale, dann macht es immer den Anschein, als wenn die verzögert sind. Aber das Verzögerte ist nicht das pünktliche Losspielen, sondern nach diesem Tikad, dass dieses erste nach dem TikTy, dass das auf dem Beat ist und das im Offbeat wieder geschleppt wird. Aber die nächste eins ist da. Und das wird oft verwechselt. Das ist einfach, glaube ich, und dann spielen die das ganze Hin und Her geschieht. Weil kein Mensch mehr so richtig, und die besten Kapellen sind die, die am meisten übertreiben mit diesem Sechsachtel-Scheiß, wie ich immer sage. Also ich persönlich mag es überhaupt nicht. Weil das ist einfach, wenn du then auf Workshops bist und dann merken die auf einmal, hey, was will der von uns? Das ist doch genau das, was die gemacht haben. Sage ich, nein, das haben wir beim Morsch nie gemacht. Nie. Kann ich mich nicht daran erinnern. Was wir gemacht haben, ist folgendes. Und dann wird gearbeitet. Auf einmal kommt hinten der Daumen hoch vom Schlagzeug, der Daumen hoch vom Tuba und der Daumen hoch von den Posaunisten, von der Rhythmusgruppe, wenn du so willst. Die wissen endlich, und die Klarinettisten auch halbwegs, wo sie ihre Figuren mitzuspielen haben. Wo sie Freiheiten haben, die Klarinetten, das ist ja so ein Job, da musst du ja mehr oder weniger schizophren unterwegs sein, weil du hast ja alleine Figuren zu spielen, Filmmaterial in Anführungsstrichen, dann hast du wieder Melodie mitzuspielen, dann hast du wieder Nachschlag mitzuspielen. Also da bist du permanent mit verschiedenen Gruppen auf dem Teich unterwegs. Und das macht es schwer für die Jungs. Und wenn dann der Rhythmus noch irgendwie rumklappert und macht da auch noch so, dass eine Eins nicht mehr eine Eins ist irgendwie und eine 2 nicht mehr eine 2, dann wird es echt blöd. Weil dann schaukelt so eine Polka vor sich hin und denkt sie, okay, was ist denn jetzt los hier? Irgendwie ist überhaupt nichts auf dem Punkt und dadurch verliert meiner Meinung nach die Musik auch Kraft. Okay? Das heißt, das ist vielleicht ein bisschen gekommen, eben von diesen kleinen Kapellen aus der Tschechei, aus der Wiege der Musik, die eben aufgrund von wenigen Leuten einfach diese Möglichkeiten hatten. Wobei das ab einem gewissen bis zu einem gewissen Grad war es auch okay. Aber dann hast du gemerkt, okay, und jetzt machen sie sich sie vielleicht sogar schon selber lustig über die eigene Stilistik und übertreiben es. Und ich finde, dann ist der Bogen überspannt. Für mich. Also das ist jetzt eine Geschmackssache. Ich persönlich mag das gar nicht, weil für mich ist das keine Aussage, irgendwie da anzufangen und rumzuhambeln und irgendwann ist die Nummer fertig. Finde ich nicht gut.
SPEAKER_01Aber das mit den, wir machen uns selber lustig, das kann schon sein, ich war 2007, 6, ich weiß gar nicht mehr, war ich mal eine Woche in der Tschechei, habe da auch verschiedene kleine Musikfeste besuchen dürfen. Und wenn ich dann mir angucke, was die in Deutschland spielen, auch allein repertoire technisch, das geht ja völlig auseinander, weil die natürlich wissen, was hier verlangt wird oder gern gehört wird. Oder da waren plötzlich Shownummern aufgelegt und dann bei sich daheim spielen die ganz anders. Also es könnte schon sein, dass das natürlich dann auch irgendwie daher kam.
SPEAKER_00Ich war mit Karl Hans Peter, mit einem Kumpel von mir, Südtirol-Musikanten, in Verbindung mit Alporn, wo wir vielleicht später noch drauf kommen, in Tirschenreuth, auf so einem quasi Festival oder wie auch immer, deswegen freitagsabends an und Sonntag. Und wir waren irgendwie, glaube ich, Sonntagmorgens haben wir gespielt mit den Südtirol-Musikanten. Ich sagte, Mensch, Witz, kannst du nicht dabei, sag ich du, wir haben ja fünfte Male am Start. Ich muss montagswitze sein und vom Freitagsabends gar nicht erst, kommt nicht so früh los. Ich sagte, ja, aber wenn du Samstag irgendwann da bist, dann haben wir. Also gut, Tirchenreuth, hingefahren. Die Heimfahrt war eine Katastrophe, ne? Sonntagnachmittag von da hinten aus über die A3, das war eine Katastrophe. Okay, gut. Wir kommen da hin und freitags abends waren alle Beteiligten, haben Freikarten bekommen, Vlado Kumban und seine Freunde. Wie wir in Musikerkreisen immer sagen, Vlado Kumpan und seine Kumpane. Und alle waren natürlich hellauf begeistert, ah, Vlado Kumpan und und und. Da ich, okay, gut, hab ich gedacht, Schmidt, warum nicht? Das ist ja ein richtig guter Trompeter, da ist ja nichts gegen zu sagen. Also da brauchen wir jetzt nicht. Aber weil du, ich komme jetzt nur darauf, weil du sagst Repertoire. Okay? So, dann ging das los, nach der zweiten Nummer standen schon fast alle Musiker in einer irren Lautstärke auf den ersten Tischen vorne im Zelt und haben da einen weggefühnt, dass sie gesagt haben, das tue ich mir einfach nicht an. Dieses sinnlose Getröte als irgendwie eine Solotrompete vorne, als hoch und als irgendwie mit Musik irgendwie, wo ich gedacht habe, wow, irgendwie hat das doch gar nichts. Das ist einfach, die verkaufen sich komplett anders, als wenn sie für die eigenen Leute spielen. Das ist genau der Punkt. Und da musste ich leider gehen, weil ich hab's wirklich nicht mehr in Anführungszeichen, ich hab's nicht mehr ertragen. Ich habe jetzt wunderbar gedacht, was da passiert, dass das feinsinnige Musiker sind, die da wirklich irgendwie. Aber die haben ein Showding nach dem anderen rausgezogen und alles drauf und irgendwie so habe ich gedacht, Jungs, ihr könnt doch ganz anders. Warum macht ihr denn Blödsinn? Aber wahrscheinlich, weil sie Leute wollen, ne? Ja, wahrscheinlich schon. Und dann bedienen sie einfach ihr Klientel und dann kommen sie wieder. Genau. So einfach ist sie nochmal.
SPEAKER_01Du hast das iPhone gerade schon erwähnt, das ist ja auch schon so ein, ich will nicht sagen Markenzeichen, aber irgendwie gehört es schon zu dir, finde ich.
SPEAKER_00Ja, also ich war zumindest hier, was Hessen oder so angeht oder auch in der Musikrichtung, wo ich unterwegs war, war ich da einer mit den ersten, vielleicht, ich habe keine Ahnung, also so in meinem Bereich, was ich so abchätzen kann. Es gab bestimmt schon immer irgendwo Alpornspieler, um Gottes Willen. Also das wäre jetzt, das würde ich nicht machen. Aber ich habe es eingesetzt in Verbindung mit meiner Band. Da habe ich mich mal, und ich hatte damals die Möglichkeit, einen Alporn zu haben von meinem Kumpel, wie gesagt, von Karl Hans-Peter aus Südtirol. Und der hatte einen Alporn. Und dann sage ich, Karl, Mensch, bring das doch mal mit, das würde mich mal interessieren. Ah, sagt er du, das ist ein Alporn in Ass. Das ist für dich jetzt da. Also ich bring da einfach mal mit. Und dann hat das gepasst irgendwie, Mundstück und Alposan-Mundstück, kleine Bohrung etc. Auf jeden Fall hat es funktioniert. Dann habe ich einen Titel geschrieben, der hieß damals noch Erinnerung an Al 3, genau. Später wurde es dann der Alpornzauber, weil Alpornzauber dann überregional gut zu vermarkten war. Und dann ging das so langsam los. Und dann habe ich, und das ist tierisch angekommen. Wenn wir irgendwo gespielt haben hier bei Gutes Servus und du bist mit dem Alporn auf die Bühne gekommen, musstest du eigentlich schon gar nicht mehr groß spielen. Und die Leute hat es da trotzdem auf deiner Seite. Das war schon cool. Und ist tierisch angekommen und dann hat es so eine Entwicklung genommen und alle haben schon, ja, und spiele heute Abend wieder mit dem Alphorn und so und irgendwie. Dann habe ich nochmal ein drittes Ding gemacht, Alporn and More. Das habe ich, das wurde dann auch ein bisschen moderner, so mit Rockgeschichten und.
SPEAKER_01Ist das nicht auf der einen?
SPEAKER_00Das ist auf einer CD mit drauf, wenn Musiker klingt. Dann kenne ich die CD, weil ich kenne diese Alpha nochmal mit. Dann kennst du auch den Mosch-Titel, wenn Musiker klingt, der fall genauer. Der ist nämlich, glaube ich, der erste Titel auf dem Schiff.
SPEAKER_01Okay, dann muss ich nochmal reinhören, aber dann musst du mal.
SPEAKER_00Andi, da musst du mal ein bisschen genauer recherchieren. Nee, also auf jeden Fall war es so, dass ich dann da nochmal einen Titel gemacht habe und dann habe ich gemerkt, okay, komm. Und und und. Und dann irgendwie habe ich den Gedanken gehabt, Grand Prix der Volksmusik. Da habe ich gedacht, okay, aber das ist jetzt hier, ich weiß ja, wie die Sachen so laufen, das ist so ein bisschen schwierig, ne? Da reinzukommen, weil immer die gleichen Leute dabei sind oder irgendwie über Verkaufszahlen und wie das da so alles läuft. Schwierig dabei zu sein, habe ich gedacht, okay, wo es vielleicht nicht schwierig ist, ist in Südtirol. An Stadt Deutschland. Und dann sage ich zum Karl, sage ich, du hör mal so, wie sieht es denn aus? Oh, sagt er, super, das ist mal eine geile Idee, machen wir doch, oder? Sag ich, ja klar. Und dann haben wir die, habe ich den Titel geschrieben, und Zauber der Dolomiten, und ja, dann war die Vorausscheidung in Meran, oben im Kurhaus. Und da hat auch das niemand auf dem Schirm gehabt. Niemand hat den Titel auf dem Schirm gehabt, außer die Musiker hinter der Bühne. Die wussten genau, okay, wow. Dass das könnte echt funktionieren, dass die Typen weiterkommen. Weil es ging dann ums Weiterkommen für das Finale in Rust. Okay. Und wir spielen und machen und tun und es war wirklich schon zu hören auch von den Leuten, die im Saal waren, dass die Jury da eigentlich gar keine andere Wahl hat, als uns weiterkommen zu lassen, weil das war, ja, und so war es dann auch. Wir waren die besten Drittplatzierten, aber wir waren weiter. Und waren dann wirklich mit einem Instrumentaltitel in Rust in dem Ferienpark da, in der Enddauscheidung. Ja, und das war dann auch richtig cool. Also mir war völlig klar, dass wir da nicht mehr erreichen. Aber alle Leute auch wieder hier, alle Leute hinter der Bühne oder die auch als Akteure dabei waren, vom Pirchen angefangen bis hin und und und, der glaube ich dann auch gewonnen hat, mag. Kann sein. Kann sein, ich weiß es nicht mehr genau. War das so, dass die alle gesagt haben, wow, Jungs, ein super geiler Titel. Ist es auch. Kollegen vom H Symphonieorchester haben mich angerufen, die haben die Sendung geguckt wegen mir und gesagt, wow, Alphorn, wow, Schmidti, was ist hier los? Und so, das haben wir hier noch nie irgendwie, ja, sag ich, na gut, wenn man mal Zeit hat und man macht ja mehr, als die Leute normalerweise so mitkriegen hier und und und. Also auf jeden Fall haben wir da einen grandiosen, weiß ich nicht mehr, siebten, sechsten Platz gemacht. War alles gewonnen, haben, wie gesagt, glaube ich, wieder ein Akkordeonspieler, der auch singenderweise unterwegs war. Ja, das ist halt diese Vermarktungsschiene, die dann, es ist eine ganz klare Angelegenheit. Aber das war wirklich eine tolle Sache. Wie gesagt, und der Grand Prix der Volksmusik, das Finale war dann 2003. Zauber der Dolomiten mit Karl Hans-Peter und seinen Südtirolmusikanten. Ich habe dann für Karl habe ich auch ein kleines Solochen geschrieben, in Anführungsstrichen, also Klein ist ein bisschen untertrieben. Hat am Anfang ein bisschen Flügeln gespielt und zum Schluss habe ich ihn dann das, was er richtig gut kann, bis G3 oben schmettern lassen. Und ab und zu ist, ich glaube ein C4 ist noch zu hören. Für die Leute, die sich mit Trompete ein bisschen auskennen. Also das hat richtig Spaß gemacht und den Jungs und Mädels auch, die da bei der Kapelle dabei waren. Also das war so ein bisschen, hab da natürlich voll Klientel bedient, geschrieben, aber das ist ja völlig legitim. Wichtig ist, es funktioniert unterm Ströch. Ja, das war eine coole Nummer auch, mit dem Alphorn. Und dann kam daher diese Schweizer Solistin, die dann kam und dann kam immer mehr so irgendwie auch, weil die gemerkt haben, also mal abgesehen von den traditionellen Alporisten, die es, die schon immer gegeben hat, die Trios und Quartette oder das Alporn-Treffen im Elsass, davon rede ich nicht. Die sind ja wirklich zum Teil richtig seit langen Jahren und Jahrzehnten traditionell unterwegs. Das ist auch super, es macht auch Spaß. Ich habe es einfach mal so eingesetzt, dass es in das Genre Unterhaltungsmusik auch gut reinpasst. Und das ist gut angekommen.
SPEAKER_01Mir wird jetzt im Gespräch bewusst, dass wir, glaube ich, in einem der ersten Konzerte von meinem Orchester, von den Kinsburg-Musikern und im letzten Konzert, im Abschiedskonzert, Nummern von dir drin hatten. Ganz am Anfang hatten wir nämlich diese Alpernummer, Erinnerung an All3. Haben wir damals gemacht. Und im Abschiedskonzert Böhmische Leckerwesen. Okay, guck mal an. Da stößt sich fast der Kreis. Genau. Inzwischen drücke ich noch zwei Nummern von dir aufgenommen. Ich habe noch eine Frage, aber davor müsste ich glaube ich mal Strom anstellen. Du sitzt in einem Sinfonieorchester, du spielst bei Ernst Mosch, du hast deine eigene Band. Was reizt sich dann an dem Gedanken, Alpennummer zu schreiben für ein Grand Prix der Volksmusik? Also wie kommt man da überhaupt drauf zu sagen? Das will ich mal probieren.
SPEAKER_00Ja, also für ein Grand Prix, wie gesagt, das hat ja die Vorgeschichte gehabt. Mit der Band schon vorher. Eben mit diesen H4-Sendungen, die wir da hatten, gute Servus und Hallo und so. Und hab da einfach gemerkt, okay, Mensch, das ist doch eine coole Geschichte. Irgendwie anscheinend haben das die Leute nicht jetzt noch nicht so oft gehabt, sagen wir mal. Und dann auch mit einem gewissen Sound zu verbinden. Ich habe ja dann auch in dem Alpon-Solo oder auch in den Solid, die ich geschrieben habe, zwei, drei Titel, immer Teile drin gehabt, die auch dementsprechend so schön Trompeten, Sechsten, Terzen, wie ich immer sage, so diesen Kastelruder, Mittelteil irgendwie drin gehabt. Und mit dem modernen Sound, auch mit E-Bass und und und, nur da jetzt mit der Blaskapelle und und und haben wir das eigentlich auch gemacht für den Grand Prix, damit es eben auch diesen Druck unten raus hat. Also den Schritt habe ich dann schon gemacht, sage ich gerade, wir müssen da jetzt gucken, dass wir da. Und dann, die waren auch hier in Frankfurt und wir haben ja Aufnahmen hier gemacht. Beim Kumpel von mir im Opus 80 beim Jörg. Und ja, das war cool, weil ich das Studio kannte, auch für unsere Fernsehaufgeschichten, Fernsehaufnahmen mit dem Handcase und so. Und dann waren die hier und haben und haben Aufnahmen gemacht. Da hat einen schönen Abend, dann abends in Frankfurt und am nächsten Tag sind die wieder alle heimgefahren. Ja. Und ja, wie kommt man da drauf? Keine Ahnung. Man macht es einfach, glaube ich. Man denkt, das wäre doch was. Und dann spinnt man den Gedanken weiter. Und dann setzt man sich hin. Und das war jetzt für mich auch relativ neu für Alpons zu schreiben, weil du natürlich harmonisch Irgendwie relativ, sagen wir mal, so, ein bisschen begrenzt bist. Da musst du ein bisschen was einfallen lassen, dass es nicht ganz so eintönig wird und immer nur irgendwie so bla bla bla ist. Aber es ist, glaube ich, ganz gut gelungen. Und die Titel sind auch ganz gut gelaufen, muss ich sagen. Also so modenoten technisch vom Verkauf, auch vom Einsatz oder so.
SPEAKER_01Ja, Alphorn und Blasmusik, da bin ich bei Bertolt Schick auch ganz schnell.
SPEAKER_00Bertolt, ja, natürlich. Ein wunderbarer Kollege und Musikant, mit dem ich ja bei Mosch zusammen am Pult gesessen bin.
SPEAKER_01Habt ihr euch da kennengelernt?
SPEAKER_00Da haben wir uns, ja, da haben wir uns kennengelernt. Und ja, Bertolt habe ich nach wie vor immer noch auf dem Schirm und er mich auch, muss ich sagen, weil ich schreibe für ihn viel. Relativ viel, wenn es die Zeit erlaubt. Für seine CDs mit seinen Alkohol 6. Da habe ich ein paar Bolkas und Walzer am Start. Und ja, mit ihm habe ich einen Regenkontakt, mit der kompletten Familie, auch mit seiner Frau, der Charlotte und so. Das läuft alles gut. Völlig normaler Kontakt, nicht übertrieben, aber wenn es brennt oder wenn es gilt, ist man da und kann quatschen und machen und tun. Und wie gesagt, immer wenn ich was auf Lager habe, mit was, was er aufnehmen kann, sagt er schicken, einfach hinschicken, im wahrsten Sinne des Wortes.
SPEAKER_01Wie findest du die Entwicklung, dass es jetzt schon seit Jahren? Da gehört er natürlich so ein bisschen auch zu den Vorreitern, so kleine Besetzungen mit sieben gibt.
SPEAKER_00Ja, also finde ich jetzt erstmal nicht doof. Was mir ein bisschen fehlt, ist in der Tat die Farben. Also es gibt ja auch schon die zarten Versuche, kleinere Besetzungen mit sieben Leuten, mit Ad Libidumstimmen, mit Klanetten, dass man die nachkaufen kann und so. Irgendwie und und und. Man kann natürlich mit sieben Leuten richtig guten Musik machen, das ist schon klar. Das zeigt ja Bertolt auch. Und auch ein Kumpel von mir, der Norbert Rabanser, mit den Innsbrucker Musikanten, zu denen ich ja auch einen ganz guten Kontakt habe. Und es gibt ja auch die kleine Böhmische und irgendwie von irgendwie bla bla bla und bla bla und hast sie nicht gesehen. Also ich finde es erstmal nicht schlecht, weil es einfach auch hilft, weil du kannst ja mit einer großen Besetzung 17, 18, 20 Leuten, ist es ja nicht ganz so leicht, so eine Nummer auch am Start zu halten. Und wenn du dann Spaß haben willst, und es ist mit sieben Leuten einfacher, dass du einfach als Musikant zum Spielen kommst, finde ich das schon erstmal legitim, das zu machen. Und wenn man das gut macht und die Arrangements gut sind, ist da eigentlich nichts gegen zu sagen. Wobei ich, wenn man dann eine größere Besetzung hört, einfach mit Holz und auch mal mit Tuben irgendwie eine Oktave und hinten auch im Rhythmus mal wieder irgendwie diese unauffälligen Geschichten, Akkorde hört, die für eine kleine Trommel irgendwie ein bisschen schwierig sind zu spielen. Es ist in der Tat schon nochmal was anderes für mich jetzt. Aber wie gesagt, da gibt es richtig coole Geschichten. Und da hat man natürlich dann die Freiheit, auch diese musikalische Freiheit, was ich eben schon mal hatte, Sachen stilistisch so zu spielen, dass man sagt, wow, Musikanten sind da am Start.
SPEAKER_01Ja, es ist mehr Freiheit.
SPEAKER_00Das ist einfach so, weil es ist alles einfach besetzt. Und du brauchst natürlich dann auch weder Stimme auch, da kannst du keine Mitspieler gebrauchen, da muss jeder liefern. Das finde ich schon auch cool. Und die Leute haben zum Beispiel jetzt mal, der Berthold hat die. Ist ganz klar. Ich höre auch immer gern rein, wenn er mir dann dieses Endprodukt schickt auf CD. Und so, ja, denke ich, ja, gut abgepackt. Kompliment.
SPEAKER_01Würdest du dich als Posaunist oder Euphonist sehen?
SPEAKER_00Ja, das ist eine gute Frage. Also ich habe ja immer Tenorn gespielt. Also ich habe immer mit Ventilen zu tun. Flügelhorn, Tenorhorn, das ist alles so hornig. Und Tuba und irgendwie so Posaune war dann, okay, gleiches Mundstück. Und in der Tanzkapelle, beziehungsweise in dem Blasorchester war es dann so, dass in der Tat Posaune eine gewisse Vakanz gehabt hat. Und das ist immer gekoppelt mit Tenoren, weil das war dann irgendwie ein Spieler, mehr oder weniger. Also und dann war es natürlich klar, wenn du professionell ins Orchester willst, dann kommst du natürlich, es sei dann, du bewegst dich dann Richtung Militärorchester, die Militärschiene. Da hast du schon eher eine Möglichkeit, auf Tenor und Bariton zu gehen, aber ansonsten in den klassischen Bereich reinzugehen, da hast du natürlich nur eine Chance. Zu der Zeit, als ich studiert habe, war es, ja, da ging es nur mit Posaune. In Deutschland immer noch so, außer Kulturochestern gibt es diese Planstelle natürlich nicht. Und wenn so ein Instrument gebraucht wird, wie bei Siebte Maler, habe ich auch noch eine kleine Story. Siebte Maler oder eben auch Heldenleben oder solche Geschichten. Don Quixote von Richard Strauß, wo dann Euphonium spielt, das sind meistens Leute, die dann Blasmusiktypen, die im Orchester gelandet sind und einfach Ventile spielen können. Also Klassiker, die aber nicht diese spezielle Instrumentenausbildung haben, sondern die das einfach können. Und die haben sich immer so ein bisschen die Hand gereicht. Wenn dann ein Orchester das gemacht hat, dann waren meistens die Mucken am Start für die Leute, die das spielen konnten. Mit Basstrompete war es genauso. Das hat nach dem Krieg mit Richard Wagner im Ring waren es drei, vier Leute, die haben sich die Mucken in die Hand gegeben, wenn irgendwo Ring gespielt wurde. Mittlerweile gibt es junge Leute, fast jedes Opernhaus hat welche, die auch Basstrompete spielen. Aber ich war da auch viel unterwegs mit Basstrompete, Ring. Ich habe in Köln gespielt, in Frankfurt hier gespielt, in Frankfurt, im Ammain, dann in Hamburg und auch in Mannheim. Und und und. Also das war schon, und das Stärkste mit der Basstrompete, was ich erlebt habe, was eine coole Nummer war, war vier Wochen in Rom mit Rheingold, mit Giuseppe Sinopoli. Danach ist er leider gestorben, ich hoffe nicht wegen mir, aber irgendwie, ja, man lacht mal drüber. Das war schon, das war wirklich, das waren so ganz coole Erlebnisse auch. Und das habe ich auch noch zwischendurch immer irgendwie, weil das sind ja jetzt auch, du merkst schon, Posaune, Alphonium, Tenorhorn kommt jetzt gleich noch, Bastrompete und Albhorn. Das sind jetzt fünf verschiedene Instrumente, die auch spieltechnisch nicht so gut miteinander können. Also da muss man schon aufpassen, was man macht, glaube ich, was das alles, dass man sich nicht übernimmt. Also das ist schon nicht so ohne. Siebte Maler kommt am Anfang ja dieses Riesen-Tenohorn-Solo, mit dem die Symphonie losgeht. Und dann brennt die Hütte. Ungefähr 15, 16 Minuten. Brenn die Hütte und dann sitzt du eigentlich rum, weil du dann der Rest der Symphonie nichts mehr zu tun hast. Also jetzt immer wieder bei der Kopfsache, die wir schon mal hatten, wenn du da Scheiße braust, hast du anderthalb Stunden Zeit, drüber nachzudenken, was gewesen ist. Es ist, ja, klingt jetzt lustig, aber im Ernstfall ist es dann schon. So, und für dieses Solo habe ich mir in der Tat, weil ich bestimmte viele Tenoren auch ausprobiert habe, und da gibt es viele gute Firmen, unbestritten. Also ich will jetzt keiner nennen, aber die Spieler kennen die alle, bin ich mir sicher. Jeder hat schon mal die einzelnen Firmen probiert. Aber für dieses Solo habe ich wirklich nicht wirklich eins gefunden, was diese Lautstärke mitgemacht hat, die da gebraucht wird. Weil die meisten Tenorhörner und und uns sind so ausgelegt, sage ich jetzt mal salopp, dass die gut spielen. Dass man mit dem Mikrofon oben im Schallstück oder wie auch immer, dass die leicht sind und dass man einfach mal, sagen wir mal, in drei, vier Stunden Frühschoppen auch mal gut rüberkriegt, ohne dass man gleich kaputt geht. Aber für den Zweck jetzt, siebte Maler, für ein Live-Spielen in einem großen Saal und mit dem Sound musstest du ein spezielles Ding haben, was die Lautstärke aushält und was auch mit Intonation, mit Trigger und hast du nicht gesehen, ausgestattet war. Da habe ich einen Freund von mir angerufen, den Rudi Meinl aus Diesbeck, Neue Eich da hinten, der ja bekannt ist als Tufenbauer auch irgendwie, und und und David von uns, der David Clinton, der hat einen gespielt, die Baroid, Model Baroud. Und diese Instrumente vom Rudi, die transportieren richtig gut Lautstärke. Also der Mann weiß wirklich, wann beim Bauen ein Schallstück aus dem Ofen genommen werden muss, dass es genau das hat, was es braucht. Und das war der Grund, warum ich dann nachts immer noch zwischen irgendwelchen Terminen zum Rudi gefahren bin. Und wir haben da bis nachts um eins, halb zwei, manchmal noch rumgetrötet und haben dieses Instrument gebaut. Bis die Nachbarn manchmal um eins angerufen haben und gesagt haben, jetzt ist echt Schluss, jetzt hält der Typ endlich aufhören zu spielen. Weil mein Mann morgen um fünf Uhr raus und muss einfach zur Arbeit fahren, ausgeschlafen. Dann sage ich, Rudi, was machen wir? Sagt er, scheiß drauf, die Stütze machen wir noch. Okay, gut. Das war eine verrückte Zeit. Und überall, wo ich gespielt habe mit der Nummer, und das war immer Aushilfe. Also wir haben im DSO war ich in der Berliner Philharmonie. Wien, Musikverein, Warschau Philharmonie, hier bei uns Alte Oper, Kasseler Musiktage, etc. Also überall Bamberger Sinfoniker. In Vilach, nicht weit weg davon, wo die Nummer geschrieben hat, der Gustav Maler. Und das hat überall richtig gut funktioniert. Und überall war es genau das, wo die Leute gesagt haben, boah, das haben wir jetzt irgendwie noch nicht so wirklich richtig gehört. Den Sound wirklich, das ist ja als wenn du auf Gleis 18 ein Zug einläuft. Genau so muss es sein, weil das rängt richtig laut an am Anfang. Okay. Also dieses, die Natur top, glaube ich, heißt es in der Partitur irgendwie so, meine ich. Und dementsprechend muss das Ding anfangen. Und das hat es gemacht. Also da war ich auch schon hinterher. Und dieses Horn habe ich eigentlich nur für den Zweck gehabt. Das habe ich immer nur für den Zweck gehabt. Sonst habe ich auch kein Tenorhorn mehr gespielt. Wie gesagt, ich habe ja dann, um nochmal ganz kurz auf das Thema Mosch zu kommen, nach der Beerdigung von Ernst Mosch, habe ich auch die Klamotten abgegeben und habe auch dann als Spieler und und und nie wieder braune Jacken angehabt und schwarze Hosen und die weißen Schüchen und die Socken. Also diese nie wieder die traditionelle Egerländer-Tracht angehabt. Ja. Weil das war mir einfach, und das ist auch so ein Thema als Musiker, wenn man länger dabei ist, was man erst lernen muss. Alles, was man schon mal wirklich gut erlebt hat, sollte man im richtigen Moment ruhen lassen. Das heißt, sich nicht die Erinnerung an die tollen Sachen zerschießen mit irgendwas, wo man sagt, okay, das muss man auch noch mitnehmen und muss dabei sein. Da war ich, glaube ich, ziemlich konsequent, was diese Eger-Länder-Geschichte anging, dass ich gesagt habe, that's it. Ich mache immer noch nach wie vor, wie gesagt, mit guten Bands oder wie auch immer Kapellen mache ich noch Workshops und und und. Aber in Funktion von Spielen, irgendwie mit anderen Leuten, die dann vorne dran stehen und rumbinken, das möchte ich mir eigentlich ersparen. Und habe ich mir bis jetzt auch erspart und werde ich mir auch ersparen. Weil das ist einfach, das braucht kein Mensch. Das machst du dir alles kaputt. Diese Bilder, die du bis zum Schluss erlebt hast. Und das ist aber so ein gewisser Erfahrungswert.
SPEAKER_01Gab es mal einen Moment, wo du sowas gemacht hast und dir hinterher gedacht hast, das hätte ich nicht tun sollen? Um diese Bilder nicht kaputt zu machen? Generell. Oder jetzt nur mit.
SPEAKER_00Nö, nein, also mit diesen Ekeländer-Geschichten, da ist mir das nie passiert, weil ich einfach. Einmal ist mir passiert, da haben wir, es ist lange her, mit Helmut Rilling ein Brahms Requiem gespielt in Stuttgart, Liederhalle, mit Gechinger Kantorei, also richtig, richtig eine coole Angelegenheit. Helmut Rilling, sowieso, also der kennt sich ja richtig nur gut aus, das kann man schon sagen. Was Chor und Orchester und gerade Vokale Geschichten. Und das war ein richtig, richtig, richtig geiles Konzert. Also es war wirklich, wir haben alle gedacht, wow, das gibt es jetzt nicht so oft. Was hatte Schmidt nichts anderes zu tun, als drei Wochen mit irgendeinem Hintertaunus-Karajan irgendwie da in so einer kalten Kirche Brahmsregam zu spielen. Das war so schlecht, das glaubst du nicht. Und da stand für mich fest, das wird mir nie wieder passieren. Nie wieder. Weil wenn ich, ich hätte es einfach checken müssen. Ich hätte einfach sagen müssen, nee, nee, mach ich nicht, das soll spielen mehr wild. Die 180 Euro kann sich auch ein Student mitnehmen und sich den Arsch refrieren in der Kirche. Was mache ich? Ich deppe vorhin, weil ein Kollege gesagt hat, Mensch, komm, wäre doch cool. Sag ich echt. Na gut, also komm. Das war so schlimm. Schlimmer Chor, zusammengewürfeltes Orchester und drei Wochen vorher dieses super Erlebnis in Stuttgart, und dann zerschießt du dir einfach dieses Bild im Kopf. Und da habe ich gedacht, das passiert mir nie nochmal. Wenn ich jetzt irgendwas cool erlebt habe und ich habe keine Chance, das zu toppen, dann lasse ich es. Und genauso, und da bin ich richtig gut gefahren bis jetzt. Und man wird stärker und stärker dadurch. Weil letztendlich nochmal was spielen und nochmal was spielen. Die 50, 60, 80 Euro machen es nicht aus. Ab einem gewissen Grad. Ich rede jetzt wirklich von die letzten 20 Jahre. Früher hat man da, glaube ich, auch drüber anders gedacht, ist ganz klar. Da macht aber jeder so seine Entwicklung durch.
SPEAKER_01Wenn ich das jetzt alles so höre, Bernd, Mosch, Instrument zwischendurch bauen, zieh die Aufnahme hier dahin fahren. Wie ging das zeitlich? Du hast ja noch einen Job gehabt, also mit Dienst.
SPEAKER_00Also das war jetzt natürlich ein bisschen dem geschuldet, dass wir zu dem Zeitpunkt habe ich einfach Glück gehabt. Und zwar durch die schon angesprochene Fusion waren wir, also ein Kollege von mir, vom Rundfunkorchester, der Francis Bauer, ist auch mit mir rübergegangen ins Symphonieorchester. Da waren schon fünf Kollegen am Start und jetzt kamen wir noch dazu. Das heißt, es waren dann KW-Stellen, also immer wenn einer dann pensioniert wurde, wurde wieder runtergefahren bis auf fünf. Aber zu dem Zeitraum waren wir alle in einem Alter, wo wir, glaube ich, 17 Jahre in der Besetzung gespielt haben. Das hat natürlich viel erleichtert. Das ist natürlich ganz klar, weil eine Person, ein Spieler schon in einem Satz von fünf, bringt schon viel. Aber zwei dazu, das war schon schon echt, ja, sonst hätte ich das alles nicht machen können. Das muss man einfach ehrlicherweise so sagen. Das war auch ein glücklicher Zufall, dass einfach das so gelaufen ist. Mit einer normalen Fünferbesetzung wäre einiges nicht möglich gewesen. Ist einfach so.
SPEAKER_01Ich hab dich auch erlebt, dass du selbst, als wir CD-Aufnahmen gemacht haben mit der Brassband, zu der komme ich jetzt gleich, in der Pause dein Instrument schnappst und übst. Statt Pause zu machen. Also weil du vorhin noch so schön über den Mosch gesagt hast, 24-Stunden-Typ, so nehme ich dich auch ein bisschen wahr.
SPEAKER_00Ja, weißt du, ich glaube auch, ich wollte dir Bilder jetzt nicht so mir selber da die Sternchen auf die Schulter helfen, aber es ist wirklich, es gibt einfach Jobs, das weißt du, das spürt man auch bei Leuten, denn das sind einfach 24-Stunden-Jobs. Verstehst du, die kannst du einfach nicht abschalten. Es ist einfach, das läuft rund um die Uhr. Und wenn ich mich richtig erinnere, war das, weil ich da mit Unterricht geben beschäftigt war, davor, danach und und und. Und dann hatte ich immer noch den Ehrgeiz, oder habt ihr noch, dass ich eigentlich einigermaßen, wenn ich schon vor Sport spiele oder mit den Studenten zusammen so einen Rundumbaum abmache, will es natürlich auch nicht so ganz blöd aussehen. Obwohl ich es nicht mehr muss. Also ich muss jetzt nicht mehr die ganz ganz kurzen Höschen anziehen, um es salopp zu formulieren, um da mithalten zu können. Die glauben mir das auch so. Oder wenn ich mal wirklich mal drei Tage geübt habe, dann merken die schon, oh oh, okay, jetzt wissen wir Bescheid. Also das ist schon, und das war einfach nur so, glaube ich, dass ich morgen, glaube ich, schon mal eine halbe, dreiviertel Stunde einfach schon mal ein bisschen hin am Vorhang in der Turnhalbum Aufnahmen gemacht haben, so ein bisschen ein Warm-Up gemacht habe. Und zwischendurch mit übt Dämpfer. Und ich meine, abends nach der Aufnahme habe ich im Hotel mit Übdämpfer geübt. Wann schlafst du es? Und je nachdem, wenn im Fernsehen nichts kam, dementsprechend Klammburz dann. Okay. Du, mit zunehmendem Alter muss man nicht mehr so viel schlafen.
SPEAKER_01Ich wäre im Moment froh mit einem kleinen Kind, wenn man mal schlafen kann.
SPEAKER_00Ja, das ist natürlich eine komplett andere Situation.
SPEAKER_01Wie hat so in deiner Hochphase so ein typischer Tag bei dir ausgesehen? So auch mit Üben, Aufstehen.
SPEAKER_00Also generelles Üben war natürlich immer warm-up, auch wenn ich zum Beispiel jetzt habe. Also wenn ich Dienst gehabt habe, war es ganz klar. Aufstehen, Kaffee trinken, Funk. Halb zehn Dienst heißt für mich, egal was drauf war, um halb neun war ich da. Dann gab es Viertel nach neun, zehn vor halb zehn nochmal eine Tasse Kaffee beim Orchesterwart, oben reingehen zum Sendesaal und dann war die Probe. Die war bis 14 Uhr, okay. Dann war komplett der Rest vom Tag, wenn ich noch eine Satzprobe war oder was auch immer, keine Ahnung, war komplett frei. In Anführungsstrichen, weil dann konnte ich natürlich dann die Sachen machen, die irgendwie so angelaufen sind, ne? Organisieren. Oder es war im Funk nochmal eine Probe. Auch mit Hras habe ich ja auch viel gemacht. Auch zum Schluss viel geschrieben und mit den Blechbläsern von uns und Schlagzeugern. Das ist auch noch so ein ganz eigenes Thema vielleicht nachher. Und ja, und dann war der nächste Tag im Prinzip der gleiche und der Rest vom Tag war wirklich durch diese ganzen Aktivitäten schon gut ausgefüllt. Also zu den Zeiten, wo ich mit viel mit der Band gemacht habe, bin ich manchmal richtig nahtlos vom Funk ins Studio. Bis nächsten Morgen, wie gesagt, fünf. Kurz heimduschen, wieder Probe um halb zehn.
SPEAKER_01Wie ist das mit Familienleben?
SPEAKER_00Ja, ist zu der Zeit auch nicht unproblematisch gewesen. Und habe aber dann seit fast 25 Jahren lebe ich mit einer Frau zusammen, die das wirklich super macht. Mitmacht. Nicht nur mitmacht, sondern auch super macht. Das ist ein Riesenunterschied. Und bin wirklich auch, das läuft super, das ist alles gut. Weil das ist natürlich ganz wichtig. Das wissen wir alle. Das ist einfach dieser Spruch. Hinter jedem erfolgreichen Typ steckt auch eine dementsprechende Partner, eine Frau oder wo je auch. Definitiv. Das ist einfach, das stimmt schon, weil da gibt es natürlich viele Sachen aus dem normalen Leben, die einem diese Menschen dann abnehmen. Ja, wo man sich dann nicht mehr mit beschäftigen muss. Aber irgendjemand muss sich damit beschäftigen. Weil sonst hast du einfach dann auch im Leben ein Problem. Und das läuft alles, Gott sei Dank, weil sonst könnte ich diesen, das ist ganz klar. Also da sonst könnte ich diesen ganzen Aufwand, dann würde ich vielleicht Dienst machen und vielleicht ein, zwei Sachen, wenn überhaupt. Und das war schon. Dann bleibt es übersichtlich und man hat noch genügend Zeit. Aber es hat immer bis jetzt, bis jetzt hat es gut funktioniert. Ich gehe auch davon aus, dass es weiterhin gut funktioniert. Und mit Workshops, wie gesagt, ich war mit dem Posaunenensemble von Weimar, wo ich da unterrichtet habe und so, war mir in Granada auf Italien-Tournee. Und irgendwie so, oder wenn ich Workshops mache, ist meine Tochter dabei oder die Frau auch, die Petra. Und mit Lena auch, die ist auch, spielt seit anderthalb Jahren Posaune. Und ja, also irgendwie funktioniert es. Und dann sind die dabei und gucken, dass der Papa oder der Mann immer auch eine Flasche Wasser auf dem Flügel stehen hat bei seinem Werkzeug, dass er genug trinkt, nicht zu früh müde wird. Und ja, das läuft. Das ist alles gut. Also, wie gesagt, das ist natürlich ein ganz wichtiger Faktor. Bei allem, was wir hier reden mit Wien und Warschau und hast du nicht gesehen und Tokio, wo wir alle. Das ist klar, das ist die eine Seite. Aber das funktioniert nur, wenn die andere Seite auch da ist. Ja, das macht halt auch den Kopf freier. Ja, natürlich. Wenn du dich nur um schöne Töne kümmern musst, ist es natürlich das Leben wesentlich einfacher, als wenn du dann noch irgendwelche Finanzberater am Arsch hast oder irgendwie so, keine Ahnung. Also, das ist natürlich, das sind so Themen, wobei wir mit Zahlen muss ich ja auch gut umgehen können. Vor allem, wenn es um Gagen geht. Aber das ist natürlich schon klar. Wenn man das ab das normale Leben bis zu einem gewissen Grad abgenommen bekommt, das ist schon ein Riesending, ein Riesenvorteil, da wird die Bühne richtig groß zur Musik machen.
SPEAKER_01Definitiv. Eine Vorstufe zur Brassband, würde ich jetzt so mal von meiner Warte aus sagen, ist bestimmt auch Brath, so quasi als Kammermusik oder so ein bisschen vom kleineren, bevor es dann richtig groß wird. Warst du auch Mitinitiator oder ausnahmsweise mal nicht?
SPEAKER_00Ausnahmsweise mal nicht, weil das war dann natürlich vor meiner Zeit, weil die Gründungsmitglieder waren dann damals Reinhold Friedrich, Klaus Puschke, Kollegen, Lothar Schmidt und David Clinton und die Hornisten und irgendwie. Also entstanden ist die SH. Brasia, die Blechbläser des Radio Symphonieorchesters Frankfurt, aus der Idee heraus, dass man einfach mehr als Blechbläser zusammenspielt, um dann einen viel cooleren Dienst einfach auch abzuliefern, weil man einfach miteinander spielt. Sonst dauert das immer so ein bisschen, bis man sich aneinander wieder, eine Probe montagst, die nächste Dienstag war schon gut. Ich rede jetzt nicht von wirklich Katastrophen, aber es ist schon nochmal was anderes, wenn du wirklich öfter mal richtig auch und vor allen Dingen Kammermusik zusammenspielst. Also ich meine, das ist natürlich fürs Orchesterspielen richtig hilfreich. Was Artikulation, Intonation und so angeht. Da hatten wir auch nie Probleme. Wir waren immer richtig cool dabei und die Dirigenten immer irgendwie und so, weil das mit dem Blech nicht immer gut funktioniert, sagen wir mal so, von Anfang an. Aber das hat bei uns, und das war wirklich, bin ich in der Tat erst eingestiegen, dann als ich als Nach der Fusion in 1993. Und Herr Bras, glaube ich, wir haben dann auch nach 25 Jahren aufgehört. Weil einfach, das wurde einfach problematischer und problematischer. Immer mehr Dirigenten haben dann auch Samstag proben wollen. Mit dem Jerbe ging das so ein bisschen los und dann irgendwie nochmal verlängert und und und. War dann schwierig, wenn du dann Samstag bis 14, 16 Uhr Probe hast, eine Durchlesprobe und sollst in Brauweiler bei Köln um 18 Uhr ein Konzert spielen. Das ist allein technisch noch nicht möglich. Es sei denn, wir hätten die Helikopter vom HR gekriegt.
SPEAKER_01Hättet ihr mal verhandeln müssen.
SPEAKER_00Ja, ja, das wäre natürlich klar. Aber wie gesagt, es hat in der Zeit, wo wir das gemacht haben, immer tierischen Spaß gemacht. Und ja, sonst hätte ich das Ensemble auch gar nicht so auf dieser Basis so lange halten können, glaube ich. Waren immer gute Arrangeure am Start, Andreas Tagmann hat viel gemacht, Reinhard Friedrich, die waren immer auf der Suche nach guten Geschichten, Klaus Buschke, der sich dann auch als Reinhold wegging vom Orchester und Professor wurde in Karlsruhe und so. Immer darum gekümmert, dass das gut alles am Start ist und das irgendwie, ich habe zum Schluss viel geschrieben auch. Und die letzte CD ist auch dann, da war ich mit was Schreiben angehend federführend mit einem Kumpel von mir, mit Markus Höller. Das ist auch eine coole Verbindung. Markus ist unterrichtet in Mainz an der Hochschule. Und richtig guter Pianist und Arrangeur und weiß auch, wie man schnell von A nach B kommt auf dem Klavier. Richtig guter Mann und zusammen hat das immer gut funktioniert mit ihm und mir. Weil Ideen und Hamb und Umsetzen sind halt zwei verschiedene Geschichten. Und das hat immer so, das war immer so ein gegenseitiges, wie sagt man, befruchten, wie auch immer, keine Ahnung. Das war schon cool. Mit dem mache ich heute auch noch viel, Markus. Ich habe geschrieben, jetzt ein paar Arrangements auch. Da wurden CDs für eine CD-Produktion, ich selber habe ich Euphonium gespielt, aber er war auch mit bei den Arrangements beteiligt für Kultblech Dresden. Das sind die Blechbläser, also es ist im Prinzip wie H. Bras, nur in Dresden, die Blechbläser von den Dresdner Philharmonikern. Und da haben wir jetzt schon zwei CDs eingespielt und eventuell kommt noch eine dritte, eine Weihnachts-CD. Da sind wir jetzt schon wieder am Schreiben. Da sind dann nette Konzerte in der Frauenkirche und irgendwie so oder auch in der Philharmonie. Also irgendwie gibt es immer was zu tun. Eine Tür geht auf, die andere geht zu, dann geht wieder irgendwo. Und das finde ich auch so spannend. Zumal ich jetzt auch in der Lage bin, einfach zu sagen, okay, ich habe keine Zeit für sowas oder muss ich nicht mehr machen, aber das interessiert mich. Das interessiert mich. Gut, aber wir können nicht viel zahlen, sage ich, okay, interessiert mich trotzdem. Weil ich muss nichts wegen Geld machen. Ich kann auch mal was machen, was mir Spaß macht und kann abends trotzdem zweimal den Schwein beißen. Das ist schon mal was, ne?
SPEAKER_01Das ist auf jeden Fall was. Du hast gerade gesagt, Ideen haben und Ideen umsetzen sind zwei verschiedene Dinge. Erstens, wie kam es zur Idee zur Brassband? Dann 2008 und wie dann tatsächlich zur Umsetzung? Und was waren die Schwierigkeiten vielleicht auch?
SPEAKER_00Ja, da war sowohl als auch dabei genügend, glaube ich. Also, wenn ich mich richtig erinnere, das ist ja nur schon ein bisschen her, aber in 2007, meine ich, habe ich beim Landesblasorchester Hessen irgendwie tiefes Blech gemacht oder irgendwie sowas meine ich schon, ja. Und dann habe ich beobachtet, dass ein junger Mann einfach da so ein bisschen so gewisse Voraussetzungen hat, was Planung angeht und Reden angeht und sich artikulieren und irgendwie so. Und dann habe ich gedacht, wow, ja, weil der Gedanke mit Brassband war schon länger bei mir drin. Weil ich auch über einen guten Freund in Belgien, den Stephen Fairhard, den richtig guter, der war Trompeter, wo ich auch an Werben habe, ich mal eine Zeit lang die Solobosaune gespielt, weil einer krank war. Und da war ich auch mit auf Japan-Tourne und so. Also du siehst, es geht einfach von einem, es ist Wahnsinn. Geiles Programm, alles alleine, zwei Wochen lang, alle vier Bram-Symphonien, das vergisst man gar nicht. 7. und 9. Bruckner. Jeden Abend voll Feuer. Volle Kanne. So, und Steven war und ist da Trompeter, aber ist auch ein richtig gefragter Dirigent, was Blechbläserensemble angeht, und Brassband. Er hat eine richtig gute Brassband auch da oben, Festival Brassband, die auch richtig gute Preise abräumen. Und da war natürlich zwangsläufig immer das Gespräch, sagte er, ja, was ist denn los in Deutschland mit einer Szene und so. Sag ich, ja, so langsam ist das am Kommen. Und dann habe ich immer mit dem Gedanken gespielt. Und habe auch immer, der hat mich immer so ganz geschickt mit Aufnahmen gefüttert und irgendwie und Stücken und so. Da habe ich gedacht, ja Mensch, das ist doch eigentlich die Nummer. Eigentlich für einen Blechbläser, ist es einfach, da kannst du dich, und ich meine, mit den Blechbläsern und mit der Besetzung und auch mit den drei oder vier Schlagzeugern, je nachdem wie man spielt, da kann sich jeder austoben. Jeder. Definitiv, ja. Und ja, und dann habe ich überlegt, das Ding is halt, das Künstlerische im Kopf zu haben, aber es muss ja auch irgendwie auf die Bühne kommen. Und da war eben dieser Workshop mit diesem Landesblasorchester Hessen. Ich glaube, so heißt es offiziell. Sorry, wenn es nicht mehr war das, da war ich eben. Und dann ist mir der junge Mann irgendwie untergekommen, beziehungsweise habe ich gesehen, okay, I'm a bisschen beobachtet. And then habe ich ihn irgendwann angerufen. Und der junge Mann heißt Simon Dillmann. Der ist erster Vorstand von diesem besagten Brassband Forum Hessen, wo eben die beiden Bands drin sind, Frankfurt und Hessen. Und sage ich, du pass mal auf, Simon, wie sieht es aus? Hast du Bock, dich zu treffen? Es geht um das und das und das. Sag das super, finde ich ja gut. Wann können wir uns treffen? Sag ich, okay. Lass uns den Punkt, wenn es geht. Oben in der Kantine oder so. Und dann war damals noch ein Dritter dabei, ich glaube, das war Michel Eckert, Trompetenkollege auch von der Frankfurter Hochschule zu der Zeit. Und dann haben wir so ein bisschen geratscht und haben einfach, wow, was passiert da jetzt irgendwie? Oder wie kriegen wir das hin? Und alle fanden das toll. Und wie gesagt, das eine toll finden ist gut, aber dann muss auch was passieren. Und da stätze ich das sehr, was Simon zum Beispiel hat, ist einfach, der bleibt dran. Der bleibt einfach dran, bis das dann. Und wir haben immer einen relativ engen Kontakt, wenn es irgendwas zu klären gibt, ist es immer ein Telefonat und dann kommen wir da weiter. Und ja, so ging das los. Und in 2000, dann hat er versucht, irgendwie Musiker zu kontaktieren, anzurufen, weil du brauchst ja dann auch bestimmte Leute, die das einfach auch handeln können, was da an Notenmaterial und so. Das ist schon nochmal eine andere Geschichte, als wenn du jetzt irgendwie, also Brassband ist schon, warst ja nur auch ein paar Mal dabei, da musst du schon vorbereitet kommen und jeder muss irgendwie auf seinem Stuhl liefern, weil das ist einfach, und dann macht es natürlich auch Spaß, glaube ich. Und nur dann, glaube ich. Ja. Und dann hat er da eine Besetzung zusammen telefoniert, sage ich jetzt massalopp. Wir hatten tatsächlich unsere erste Probe in 2008 an. Und das war eigentlich, wenn ich es richtig auf dem Schirm habe, das Gründungsjahr dann von der Brassband Hessen 2008. Infolgedessen hatten wir 2018 unser zehnjähriges Jubiläum, wo wir auch eine CD aufgenommen haben, mit dem Gastsolisten, auch mit einem Stück, was für uns geschrieben wurde, mit Axel Schlosser. Peace for Trumpet von dem Kollegen Ralf Hesse, der war auch sein erstes Stück für Brassband und wir haben uns unterhalten und ich habe den gefüttert mit Informationen. Solche Sachen finde ich immer spannend. Weil Leute zu fragen, die wirklich Brassband aus dem FF kennen, da gibt es so einen Namen wie Philipp Spark, der ist natürlich richtig ein Guter. Also das ist zweifelst, das ist überhaupt nicht unbestritten so. Aber wenn du bei Philipp was bestellst, sagen wir mal ein 8-Minuten-Stück, dann weißt du genau, was du kriegst. Du kriegst Philipp Spark. Das ist auch gut so. Aber ich wollte halt was anderes haben. Ich brauche ein Chairstück und dann habe ich Axel, sag ich, wie sieh's aus, Gast zur List. Oh, sagt er geil, machen wir doch. Ja, super. Sag ich, hast du jemanden, der sagt er, ja, Ralf Hesse, der hat zu Blechbläsern und schreibt und ist ein guter Trompeter auch. Und Ralf arrangiert auch gut und da sind wir zusammengekommen irgendwie. Und solche Sachen mag ich. Und wenn wir schon bei der CD sind, da ist auch ein Stück drauf, L'Istoire du Café. Das ist eine Komposition von Markus Höller. Und ich habe es dann arrangiert, zum Beispiel. Also das heißt, da sind immer diesen Mix zu finden zwischen Original und Originell und was Neues. Das reißt mich immer. Leute aufzutun, das kann auch in die Hose gehen. Okay, ja, dann ist es halt so. Kann ich es nicht ändern. Aber ich will es zumindest probiert haben, ob es noch irgendwo Leute gibt, die eigentlich damit überhaupt noch keine Berührung gehabt haben und die das aber trotzdem interessant finden. Für diese Besetzung und für diesen Klangkörper zu schreiben. Ja, so ist es zustande gekommen und jetzt wieder zurück zur Brassband Hessen. 2008, erste Probe und es hat sofort gebrannt. Die Lunde war also angesteckt und habe gemerkt, okay, das läuft weiter. Und dann haben wir peu à peu versucht, andere Spieler zu kontaktieren, dass dann, wenn mal einer nicht konnte oder so, nicht gleich konzertgefährdet ist. Du brauchst ja, sind dann, wir waren dann mit ein paar Doppelbesetzungen und ich mache ein bisschen was anders. Ich spiele mit vier Posaunen anstatt Originalbesetzungen, was ja eine Brassband normalerweise hat. Spiele ich mit einer vierten Posaune und auch einen Schlagzeuger mehr.
SPEAKER_01Warum die vierte Posaune mehr?
SPEAKER_00Vierter Posaune ist ganz einfach. Als Posaunist, ich will einfach einen kompletten Satz haben. Wenn ich die Bassposaune mal auskopple auf die Tuben drauf, habe ich immer noch einen Dreier-Posaunensatz zur Verfügung. Oder ich habe einen Vierersatz-Posaunen, die ich alleine spielen lassen kann. Also es ist farblich natürlich und es macht für mich einen Riesenunterschied, wenn ich von der rechten Seite von mir aus hinten vier Posaunensitzen habe, das schiebt komplett anders, als wenn nur drei Sitzen in anderen Strichen. Aber okay, Brassband ist Original, eigentlich mit drei, wobei ich auch schon jetzt bei Wettbewerben gesehen habe, dass es viele Kollegen gibt, die Originalstücke schreiben, Uraufführungen, wo vier Posaunen besetzt sind. Und auch Schlagzeuger. Werden mittlerweile ist es nicht mehr so, nur drei, sondern je nachdem, was gebraucht wird. Vier, fünf, sechs, habe ich schon gesehen. Also auch schon komplette zwei Paukensätze bei einer Uraufführung mal Europäischen Meisterschaften in Freiburg. Da hat ein Kollege da eine Uraufführung geschrieben für zweimal sieben Paugen, irgendwie rechts und links. Also ganz abgefahrenes Zeugs, was kein Mensch verstanden hat. Aber das war auf jeden Fall rein vom Hingucken schon mal ein Catcher. So kann man natürlich Musik aufverstehen. Ja, Brassband. Und dann ging das weiter und weiter und dann haben wir unsere Konzertchen gemacht und haben irgendwie, ja, wurde immer stabiler in sich, die Organisation, auch dieses Konstrukt, also dieses ganze Sache zusammenzuhalten. Da hat jeder so seine Wege gekannt, beziehungsweise seine Tastatur gekannt, wo er wichtig ist und wo er nicht wichtig ist. Und ja, mittlerweile läuft das wirklich gut. Also es ist ein eingetragener Verein, das Brassband Forum Hessen. Und ja, haben unsere Bands am Start, kümmern uns auch, bringen uns auch ein und kümmern uns mit um die vor ein paar Jahren, vor vier Jahren oder so, neu gegründete Jugend Brass Band Hessen, die Philipp Schütz in Stadtallendorf macht. Da sind wir auch federführend, in Anführungsstrichen, mit dabei. Also ich mache da auch den Künstlerischen Leiter und den Dirigenten, wo wir uns um junge Leute kümmern. Bis hoch zu 25 Jahren, zwischen 16 und 25 oder so. Wenn ich es richtig im Kopf habe. Und die spielen richtig gut. Also da ist auch eine komplette Arbeitsphase dann, von montags bis sonntags. Und das macht richtig Spaß auch damit, mit den jungen Leuten. Und da ist es erstaunlich, wie viele Junge doch da auch am Start sind, die sich dafür einbringen. Und richtig gute Spieler auch unterwegs sind. Und die Grundidee ist einfach, die jungen Leute so reinzubringen in diese Brassband-Szene, dass wir A als A-Band mit beiden Bands ja auch genügend Nachwuchs haben. Und B natürlich, der Grundgedanke war eigentlich sogar von mir, zweimal im Jahr mit diesen Leuten zu arbeiten, die dann wieder nach Hause gehen in ihre Heimatvereine und und und dieses ganze Emotionale und Ganze irgendwie mit transportieren in die Heimatvereine. Dass das, ja, leider wird es manchmal ein bisschen so aufgefasst, als wenn wir da Konkurrenten und das ist, da bin ich weit weg davon. Okay. Das ist ein Thema, was wirklich für manche, glaube ich, ein Problem ist.
SPEAKER_01Aber das Thema, also das hatten wir ja schon. Mit meiner böhmischen Besetzung musste ich mir von vielen Vereinen anhören, wir würden jetzt denken, wir werden was Besseres, weil wir jetzt was Einzelnes machen und überhaupt. Ich habe das nie verstanden. Statt zu sehen, okay, da sind welche, die machen jetzt was machen, die profitieren davon und tragen das ja dann auch wieder zurück.
SPEAKER_00Um es mal auf gut Deutsch auszudrücken, niemand will den anderen ans Bein pinkeln. Es geht einfach nur darum, dass unterm Strich die Nummer, in Anführungsstrichen, von der wir jetzt die ganze Zeit reden, einfach wächst und besser wird und größer wird. Und dass immer mehr gute Leute, junge Spieler, Dirigenten, was auch immer, dass die nachgezogen werden durch dieses ganze Handel. Ich habe es nicht nötig, mich zu profilieren auf ein paar Amateuren-Schultern. Oder? Hallo? Das brauche ich wirklich nicht. Also ich will einfach nur, dass man was hinterlässt, wo man sagt, wow. Und dass die zurückgehen. Aber vielleicht ist das gerade so das Ding, dass dann einzelne Leute vielleicht Angst haben. Jetzt waren die da, jetzt kommen die zurück, auf einmal sagen die, Herr bleible, aber der Akkord hat jetzt nicht gestimmt. Rhythmisch war es auch nicht zusammen. Okay, wo habt ihr das her? Das hat der Schmidt auch immer gesagt. Aha. Also ich meine.
SPEAKER_01Ja, aber dann muss ich vielleicht an meine eigenen Nase fassen und sagen, okay, vielleicht muss ich mich nicht mehr so gut verstanden.
SPEAKER_00Das ist der Punkt, aber das muss man dann aber auch machen. Aber manche Leute wollen halt einfach in ihrem Ding dann nicht gestört werden und wollen einfach ihr Ding in Ruhe zu Ende bringen. Irgendwo. Also das ist natürlich auch legitim, ist ganz völlig klar. Aber es ist leider nicht meine Einstellung. Weil so kommt man nicht weiter. Und du hast ja Leute, die was machen wollen. Verstehst du? Also wenn ich das mit den jungen Leuten da arbeite, auch hier mit den Brassbands, du hast laufend Leute, die wollen arbeiten. Da ist nicht einfach mal, komm jetzt, kann man das nochmal spielen. Man hört laufend in den Pausen einzelnen Stellen, noch wenn nochmal durchgefingert und wird nochmal gecheckt, was so ist und mit Intonation und irgendwie und so. Und abends hat man trotzdem Spaß beim gemeinsamen Bierchen und Essen und so. Das ist doch eine tolle Sache. Auf jeden Fall. Und sowieso werden die Spieler und die Menschen auch insgesamt nicht nur vom Essen her rund, sondern auch über die Musik her. Okay? Ja. Das finde ich schon eine coole Nummer.
SPEAKER_01Du hast vorhin schon gesagt, du hast auf Wettbewerb-Bands gehört, die die Besetzung jetzt schon erweitern. Brassband im ursprünglichen Sinne, so in England und so, leben ja auch von dieser Wettbewerbskultur. Die Brassband Hessen-Frankfurt spricht es ja ausdrücklich aus, das nichts zu tun.
SPEAKER_00Es gibt natürlich auch in generell diese zwei Richtungen. Also Brassband ist ja eigentlich schon mal, glaube ich, aus dieser Salvation-Geschichte. So, was ich auch ein bisschen mit unserer Bosa-Corps-Szene vielleicht, in Anführungsstrichen, ohne dass sich jemanden da auf die Füßen dreht, aber bezeichnen kann. Also das ist so ein bisschen. Und jetzt gab es natürlich dann irgendwann die Richtung Salvation und dann gab es die anderen, die die Pokale haben wollten. Also das heißt, die bezahlten. Und es gibt jetzt immer noch diese Salvation Army Geschichten.
SPEAKER_01Also die Heilsarmee.
SPEAKER_00Ja, also Salvation Army heißen die, die gibt es in jedem Land. Und dann gibt es auch nochmal eine internationale und und und. Also das ist wirklich, und das sind richtig gute Bands. Ich glaube, wenn die bei Wettbewerben mitspielen würden, da würden sich einige umgucken. Mal. Ja, und dann gibt es eben die anderen. Sagen wir mal so Top 5, 6, 7, irgendwie, England, Willebruck aus Belgien immer mal dabei, Schweiz, Franzosen sind gut im Kommen. Da geht es wirklich in der Tat um Punkte und Pokal. Also das heißt, das siehst du dann auch schon immer, wenn du Fotos siehst, wie viele Pokale vorne stehen, wie beim Skatabend, verstehst du, wer hat gewonnen. Finde ich jetzt, ja gut, kann man natürlich machen. Bringt natürlich auch die Leistung nach oben. Aber der eigentliche Sinn war ein anderer oder ist ein anderer, glaube ich. Einfach. Einfach zu spielen, der Sache wegen und und und. Wir haben jetzt nicht die Möglichkeit, da Rente Garchen zu zahlen. Müssen wir auch nicht, weil bei uns steht der Spaß im Vordergrund. Und das funktioniert bis jetzt auch gut. Und wir haben richtig gute Spieler dabei und das ist sowieso immer, der Simon passt da auf, auch in Achfrage mit mir, dass das immer ein guter Mix besteht. Wir haben Vollprofis dabei, wir haben wirklich Leute, die kurz davor sind, sprich Studenten, wir haben richtig gute Semibereichspieler und haben richtig gute Amateure dabei. Die üben zum Teil mehr als die Profis. Ist so. Und das ist auch so ein Thema, wo man sagt, ja, okay, gut. Es ist egal, wo einer sitzt, wo einer herkommt. Wenn er spielen kann, ist mir das wurscht. Wirklich. Wichtig ist, er macht einfach sein Ding oder zumindest mal dieses Engagement oder dieses Ich will das, dann ist alles gut. Den Rest kriegt man hin. Den Rest kriegst du hin. Und dieser Spirit, in Anführungsstrichen, der ist in beiden Bands auch rüber transportiert in die Jugendpartn, der ist einfach da, der ist vorhanden. Und da passen wir auch tierisch auf, alle Verantwortlichen, die sonst noch dazugehören, um jetzt die Namen mal zu nennen, weil das ist ja auch doof. Simon Dillmann, Jochen Werz, Marc Stefan, Frank, Schwarzmeier, so ist es, Walter, freies Leben. Freies Leben. Du hast die alle gut drauf. Und dann haben wir als Vorstand noch die Petra, meine Frau, und auch die Frau vom Simon. Also das ist alles, sind normale Menschen, die aber professionell denken und vor allen Dingen auch normal denken. Weil das wollte man einfach vermeiden, dass das dann so kompliziert alles wird und und und und das läuft super. Also ich kann nur hoffen, dass es so weitergeht und was ich auch denke. Und dass das dann irgendwann auch alles in diesem Sinne auch, wenn ich nicht mal, irgendwann wird ja auch das Alter eine Rolle spielen, noch sieht es nicht so aus, aber dass es einfach in diesem Sinne weiter transportiert wird. Dass da was Gesundes, Normales einfach unterwegs ist. Und das finde ich super. Das ist einfach gut. Und alle Leute, die da spielen, egal wo sie herkommen, sind erstmal gleich. Da gibt es keine extra Würste oder irgendwie so. Weil jeder, der da sitzt, bringt sich ein mit dem, was er kann. Und das ist wichtig. Und das ist beim einen so, beim anderen so. Und deswegen haben wir ja verschiedene Stühle. Aber wichtig ist es, egal auf welchem Stuhl man sitzt, das muss immer sein. Man muss sich einbringen, der Sache wegen. Und dann sind alle gut, alle zufrieden. Alles ist gut.
SPEAKER_01Was sind die nächsten Projekte der Brassband?
SPEAKER_00Also wie gesagt, das Corona-Jahr hat uns jetzt mit dem Jubiläum von der Brassband Frankfurt ein bisschen nach hinten geschossen oder rausgenommen aus der Nummer. Wir hatten ja da schon erzählt, im Januar 20 das letzte Zusammentreffen. Also das wird vielleicht jetzt nächstes Jahr angegangen. Mit der Brassband Hessen sind wir dieses Jahr noch in Limburg, in der Stadthalle, am 19. Da eröffnen wir zum wiederholten Male die Meisterkonzerte.
SPEAKER_0119. Oktober?
SPEAKER_00Sorry, 19. September. September. 19. September. Das wird eine Wiederaufnahme sein zu dem Filbler-Programm. Da ist auch dann nur ein Tag Probe und am nächsten Tag geht schon los. Ja, und mit der Brassband Frankfurt hätten wir dann noch einen Termin dieses Jahr am 15. und 16. November im Dominikanerkloster. Hier in Frankfurt. In der Heiliggeistgirl. Ja, und das war es dann erstmal für dieses Jahr, denke ich mal. Und je nachdem ist natürlich auch alles abhängig von Corona. Genau. Da kann man jetzt nicht.
SPEAKER_01Im Moment weiß ja noch keiner, wie es weitergeht, sonst ist.
SPEAKER_00Im Moment wissen wir nicht. Also das Einzige, was sicher ist, selbst wenn Corona ist und die Konzerte finden statt, werden wir mit Sicherheit keine Maske aufhaben müssen. Das ist mal klar. Und wie gesagt, nächstes Jahr dann die neuen Neujahrskonzert vielleicht wieder geplant. Das ist alles noch ein bisschen in der Schwebe, in Anführungsstrichen. Und dann eben die CD, die nachgeholte Zehnjährige von der Brassband Frankfurt. Das wären mal so die Brassband-Geschichten.
SPEAKER_01Ich möchte langsam mal, weil wir sprechen jetzt schon einige Stunden, so ein bisschen in die Endkurve gehen. Ich habe heute Morgen nochmal ein bisschen recherchiert und bin auf ein Interview, beziehungsweise, ne, Interview warst gar nicht, war irgendwie so ein Porträt vielleicht auf der HR-Seite von dir über die Weihnachtskonzerte und da gibt es einen Satz, da bin ich drüber gestolpert. Du wärst im Laufe der Jahre ernster geworden. Stimmt das? Ernster? Ja, es wurde irgendwie geschrieben, dass du einige Jahre vorher irgendwie, oder einige, weiß nicht wie viele Jahre, aber als der Schreiber dich kennengelernt hat, ich weiß auch den Namen nicht, du etwas lustiger anscheinend gewesen. Keine Ahnung.
SPEAKER_00Kann ich jetzt gar nichts zu sagen. Ich bin eigentlich so wie ich bin. Deswegen habe ich eine Veränderung auch nicht wirklich wahrgenommen. Also kannst du gar nicht nachvollziehen. Ich glaube, ich weiß nicht, ob man das immer glauben muss, was die Fragen. Also ich weiß nicht. Also wir haben die Sendung fünfmal gespielt mit der Brassband Hessen. Und das wurde halt auch immer qualitätsmäßig immer mehr und immer mehr und immer mehr. Aber also nicht für die Spieler, sondern auch gerade die Arrangements. Weil wir wollten natürlich immer mehr noch einen toppen. Also das heißt Markus und ich, indem Markus Höller und ich. Und dann wurden natürlich die Arrangements auch mehr und mehr und die Künstler auch berühmte Künstler. Ich will jetzt wieder keine Namen nennen. Das wäre ein bisschen unfair, weil wenn sie jetzt am Tisch sitzen würden, würde ich es natürlich sagen, da kann man sich wehren. Da waren schon hoch angesiedelte Künstler dabei, die haben nicht wirklich ein Bein auf die Erde gebracht. Live. Und da kann es natürlich schon mal sein, dass man den einen oder anderen auch mal von der Bühne fegt. Das habe ich auch keine Probleme mit. Aber was ich jetzt, was meine Persönlichkeit angeht oder das Verhältnis zur Band oder irgendwie sowas, das kann ich jetzt, glaube ich, kann ich Zo nicht nachvollziehen. Also das weißt du noch den Namen von dem Kollegen?
SPEAKER_01Nee, ich weiß es tatsächlich nicht. Es stand kein Name dabei. Kannst du aber einfach googeln. Das findet man ja nicht.
SPEAKER_00Das ist jetzt wirklich, also was heißt überhaupt der Ausdruck, er ist ernster geworden? Ich meine, was heißt denn das? Weiß er nicht. Es kann auch seriöser sein.
SPEAKER_01Ich weiß ja nicht, wie du dich selber wahrnimmst.
SPEAKER_00Ich nehme mich als normalerweise lustigen Typ, der eigentlich weiß, wann fünf Grad sein müssen, wahr, glaube ich, das zu wissen. Und denke mal, dass ich einfach trotzdem immer eine professionelle Einstellung zu allem habe, auch wenn ich locker drauf bin. Aber das große Ziel, die ganz lange Linie habe ich immer im Blick, glaube ich. Ja, das denke ich, muss man auch. Weil du kannst nicht einfach immer von heute auf morgen einfach so irgendwie und schauen wir mal, was passiert, sondern es gibt Sachen, die müssen einfach geklärt sein. Und gut, wenn man das jetzt als ernst interpretiert, dann ist das natürlich für mich völlig okay.
SPEAKER_01Gut. Hans-Reiner, ich mache am Schluss immer eine kleine Schnellfragerunde. Okay. Kammermusik oder Orchester? Orchester. Ehrlich, ich hätte jetzt tatsächlich auf Kammermusik gezeigt.
SPEAKER_00Das ist natürlich, ich weiß, aber es ist immer eine Frage, mit welchem Orchester das du unterwegs warst. Das ist natürlich die Dings. Also wenn du das Orchester, wo ich drin war, das Radio Symphonieorchester, das ist schon, das war schon echt Champions League. Also ist Champions League und das macht natürlich schon Tiere Spaß, weil die großen dicken Nummern wie jetzt die ganzen Maler, Bruckner, was immer, Schostakowic oder Richard Strauß und so, das erlebst du natürlich bei Kammer. Dieses Feeling, das erlebst du bei Kammermusik nicht. Das ist ganz klar. Deswegen, jetzt da, das ist natürlich schwierig, klar, weil ich auch mit dem Euphonium habe ich ja immer viel Kammermusik auch gemacht, auch mit Streichquartetten gearbeitet. Zum Beispiel auch, ich habe ja in 2000, wann war denn das? 2003 habe ich ja eine Solo-CD aufgenommen, Raps the D42, wo ich mit Euphonium und Deutschem Tenorhorn spiele. Mit verschiedenen Begleitungsfarben. Das heißt, mit Klavier, dann mit, auch mit Spinett, Barockmusik. Dann habe ich eine Bach-Invention zweistimmig gemacht mit unserem Solo-Trompeter zusammen und ein Ding auch mit Markus Höller am Klavier, Kirl Krottoff und und also das macht schon auch richtig gut Spaß, wenn sie so eng oder auch den Schwan mit unser damals noch völlig neuen Sophie an Sophie Bertrand, das ist unsere Havanistin. Ich glaube, das war das erste Mal, dass sie nach dem Probespiel, nach dem Vorspiel in Frankfurt war. Und dann habe ich die gleich gefragt wegen einer Aufnahme. Und dann hat die da, da haben wir den Schwan aufgenommen mit Harve und Tenor. Und dann habe ich auch gedacht, die hat wahrscheinlich auch gedacht, was denn jetzt hier los. Ist das jetzt Dienst schon oder ist das Mucke oder irgendwie so? Also das war eine ganz lustige Geschichte eigentlich. Also das ist so wohl als auch, ich mag es auch mit großem Posaunenensemble, 8er, 10er, 20er bis jetzt sagen, ist alles gut. Aber dieses Gefühl, wenn du, also das kann man auch nicht, wie soll ich sagen, nachvollziehen, wenn du jetzt im Konzert sitzt oder im Fernsehen oder irgendwie so. Wenn so eine Schostakowy oder es ist so eine Bruckner, eine Bruckner 8, Finale oder so. Und das geht los. Und du sitzt auf deinem Platz und das schiebt dermaßen. Und das ist ja, da haben ja, da hat man mal gemessen, das ist vielleicht gar nicht so uninteressant, dass dann Blechbläser bei bestimmten Stellen oder lauten Stellen, jetzt nicht nur bei Bruckner, sondern generell, teilweise einen Blutdruck, Hoch Blutdruck haben von Formel 1-Fahrer.
SPEAKER_01Ehrlich?
SPEAKER_00Ja. Also das ist da gibt es offizielle Messungen, denke ich. Und deswegen ist es schwierig und dieses Gefühl, das kriegst du natürlich bei Kammermusik nicht. Das kriegst du auch nur, weil ich war ja auch danach noch ein paar Mal im Orchester, also beziehungsweise ich war danach noch ein paar Mal als Gast, als Zuhörer in der alten Oper. Oben so ein bisschen so irgendwie, wo die normalerweise die Karten so sind, die man so kriegt unter der Hand oder wie auch immer, über das Orchesterbüro. Und da habe ich gedacht, hm, das ist jetzt ein komplett anderes Bild, was ich hier so vom Hörn her, weißt du, so die ganzen Artikulationen und Lautstärke, das ist alles tausendmal gefiltert und irgendwie, das ist so ein bisschen, als wenn du im Fernsehen Augsburger Pogenwiste anguckst. Also das ist, und das ist natürlich ein Gefühl, was ich meine, das hast du nur auf deinem Platz. Mir ist beim Sacre, bei Sakra, als ich Basstrompete gemacht habe, bei uns mal fast schlecht geworden, als dann dieser eine Basstrommelschlag hinten, große Trommel kommt, der geht sowas von mitten rein hier und so laplexus, dass du denkst, jetzt ist es aus. Ich war aber auch überrascht, ich weiß, wo er der kommt, aber war irgendwie abgelenkt und hab den irgendwie nicht vorbereitend entgegennehmen können.
SPEAKER_01Aber es passt ja auch zur Intention des Stückes.
SPEAKER_00Ja, das ist aber, ich meine, dieses Lebhafte und dieses Uhrige, das kriegst du nur. Deswegen ist es schwierig. Wie gesagt, es hat beides Vorteile, aber jetzt so von der Emotion her würde ich eher so für die große Geschichte tendieren.
SPEAKER_01Deine aktuelle Stimmung als musikalischer Fachbegriff.
SPEAKER_00Tranquilo? Nee, Tranquilo ist glaube ich nicht Allegro Moderato.
SPEAKER_01Okay. Deine schlechteste Angewohnheit.
SPEAKER_00Meine schlechteste Angewohnheit. Okay, ob das schlecht ist, weiß ich nicht. Für manche vielleicht, dass ich einfach nicht schwer, also ich kann einfach manchmal nicht leicht loslassen. Also wenn ich an irgendwas dran bin und ich merke, ich kann mir jetzt zum Beispiel bei Musik mit Leuten, beim Proben oder so, kann mir einen Millimeter holen, dann will ich diesen Millimeter haben. Einfach irgendwie, weil ich denke, okay, das ist jetzt für mich doof, wenn ich nachlasse und für den Typ oder die Frau, die da sitzt und spielt, auch. Also hole ich mir den. Und dann sind irgendwie mit ein bisschen mehr Aufwand alle zufrieden und gehen mit einem guten Gefühl nach Hause. Das finde ich einfach cool.
SPEAKER_01Okay. Was hättest du gerne früher gewusst?
SPEAKER_00Oh, was hätte ich gerne früher gewusst? Das ist ja dieser alte Spruch, ne? Man müsste nochmal 20 sein und die Adressen von heute. Ja, was hätte ich gerne früher gewusst. Also das ist bis zum gewissen Grad mit Disziplin alles, dass man viel erreichen kann, aber ab einem gewissen Grad auch manchmal das Gegenteil von dem erreicht, was man vielleicht erreichen möchte. Mit zu viel Wollen und zu viel, wie soll ich sagen, auch da macht der Ton die Musik, ist klar, dass man da vielleicht irgendwie mit ein bisschen mehr, sagen wir mal, jetzt unterm Strich, einfach sottot mit einem Satz, weil du willst es ja kurz haben. Je besser gelaunter die Musiker sind, desto schneller und angenehmer kommst du durch die Nummer durch. Und professioneller auch. Also das sind so Sachen, die musste man erst, weil das ist nicht immer so, dass du mit viel Druck viel erreichst. Das ist völliger Quatsch. Das wissen wir mittlerweile alle. Und das war eigentlich auch schon immer so. Nur jeder macht seine Erfahrung früher oder später.
SPEAKER_01Wie findest du mal zur Ruhe?
SPEAKER_00Zur Ruhe finde ich dann, wenn ich Bandscheibenvorfälle habe. Ja, keine Ahnung. Zwei Ruhe. Das ist so ein bisschen, ja, wie kommst du zur Ruhe? Zur Ruhe komme ich dann eigentlich, wenn ich ein Projekt richtig gut zu Ende gebracht habe. Also jetzt zum Beispiel, das letzte, wo ich mich jetzt daran erinnere, weil das einfach richtig cool war, das Erlebnis an sich, weil eben lange nichts war, Badville. Burgfestspiele und so. Da kann ich wirklich mal am nächsten Tag einfach in der Sonne sitzen und einfach Task Kaffee und irgendwie so und in aller Ruhe mal drüber nachdenken, was noch so ist und was so ansteht und wie man wo die Kurve kriegt oder was sonst noch so zu regeln ist und und und. Also wenn ein Projekt ordentlich abgeschlossen ist, dann kann ich schon Ruhe geben. Was mich dann einfach, wo ich dranbleibe, ist dann immer irgendwie, ist klar, ne, das gibt es ja nicht, warum hätte man das und warum ist denn da so gelaufen oder was war jetzt da und irgendwie so, das kann mich dann schon wirklich beschäftigen, rund um die Uhr. Aber wie gesagt, es wird mit zunehmendem Alter wird es auch lässiger und lässiger.
SPEAKER_01Welches Buch bzw. welchen Film sollte man mal gelesen oder geschaut haben?
SPEAKER_00Geschaut? Film? Ja. Okay. Also ich habe gestern wieder viel Spaß gehabt, da sind wir hängen geblieben beim Rumzeppen, bei den Blues Brothers.
SPEAKER_01Ah, auf Arte, glaube ich.
SPEAKER_00Ja, genau. Und ich konnte mich dann erinnern, dass das als Student gab es, glaube ich, ich meine, es wäre ein Bornheim gewesen, irgendein Artkino, wo dann nach einer Viertelstunde schon Popcorn flog und und und ich meine, jetzt mit ein bisschen Abstand, das ist jetzt schon ein bisschen her in den 80ern, ich glaube 80 ist der getreten worden. Und jetzt haben wir natürlich dann, das sind schlappe 40, 41 Jahre, ist natürlich, wenn man die Gags schon vorher weiß und die Dialoge sind jetzt auch nicht mehr so, dass man sagt, wow, muss man irgendwie, ne? Ist jetzt nicht so Will-Smith-mäßig und irgendwie so, aber ich finde es trotzdem immer noch eine Kultgeschichte. Definitiv. Und vor allen Dingen diese Originaltypen, Miraey Charles und die Typen da alle, oder? Das finde ich schon, finde ich schon cool, wie die da einfach mal kurz irgendwie rauf lenkt, den, wie die da noch mit jungen Jahren da einfach einen abzieht da in dem Grillding da. Also das finde ich schon richtig cool. Also das finde so Sachen oder um im klassischen Bereich finde ich den Film gut, also die Opernverfilmung. Lapohem. Ne Trepko und so. Rolando Wilason. Also das finde ich schon finde ich schon ziemlich cool. Sowas kann man sich immer angucken. Weil wenn man in der Oper ist, kriegt man vielleicht nicht immer alles so mit. Aber hier ist es wirklich so dargestellt, auch mit Texten und so, dass man halbwegs die Kurve kriegt.
SPEAKER_01Welche Aufnahme sollte man sich unbedingt mal anhören? Ich weiß, das ist eine gemeine Frage, weil es natürlich tausend Aufnahmen gibt, aber.
SPEAKER_00Und das Genre ist egal. Das ist völlig egal. Das Erste, was dir einfällt. Das in der Tat nicht ohne. Also ich bin ja immer ein Freund von Live, weil da ist wirklich. Und ich finde zum Beispiel sowas wie Achte Bruckner mit Jervi bei uns vom Orchester, finde ich ziemlich cool. Also wenn da der Schlusssatz kommt, das Finale und so, dann brennt echt die Hütte. Da bin ich echt ein Fan von solchen Geschichten. Aber dass ich jetzt speziell ein Stück, also das ist nur so eine Richtung. Okay. Und aufnahmetechnisch beim Böhmischen kurz anzureisen, sind es für mich die Favoriten, so 60er, 70er Jahre. Mit Mosch. So 70er Porträngold, irgendwie so Sachen. Im klassischen Bereich Euphonium CDs, mal abgesehen von Main hat es jetzt, aber da gibt es wirklich gute Solisten, Adam Fry, natürlich hier Stephen Mead, die Ikone, der Euphonium-Solisten, also der Vater aller, irgendwie schon richtig gut. Brass Bands gibt es Top 5, England, jede Menge. Wie gesagt, dann Schweiz, Willebruck, Schweiz, Frankreich, ja, Amerika. Und, und, und. Aber das kriegt man auch, glaube ich, relativ schnell raus. Wenn man ein Genre sucht, weiß man relativ schnell, auch anhand von Klicks oder wie auf dem Jahr, wie das hochgeladen wird. Was auch ein sehr geiles Stück ist, ist natürlich emotional gesehen. Und da haben wir eine richtig gute Aufnahme gemacht, auch zweite Maler mit Chor, die Auferstehungssymphon. Das hat schon wirklich das, was ich eben meine, da sind schon Sachen drin, die wirklich Gänsehautfeeling haben. Also das, das ist natürlich oben unterarm, lebst du das zweimal mit. Das ist natürlich toll. Und dann allein die Akkorde und Wann sie kommen und wenn der Chor zum Schluss einsetzt und es ist schon, das ist schon echt bombastisch, finde ich. Dritte Maler auch. Aber die achte ist natürlich Symphonie der Tausend auch. Also das ist so ein bisschen Richard Strauß Heldenleben. Also da könnte ich jetzt wirklich aufzählen. Aber das ist einfach, ja, du weißt jetzt mittlerweile auch meine Lieblingskomponisten. Aber das sind so die Sachen. Und wenn du das einmal so richtig nah Modo sitzt und mitgespielt und erlebt hast, auch wie da die Bühne wirklich bebt und zittert, wenn die Schlagzeuger hin auf diesen Riesen trommeln und Geschendo und bupp. Das ist schon cool.
SPEAKER_01Cool. Abschließend, was sind deine privaten Wünsche für die Zukunft und die Wünsche für die Blasmusikszene? Und da ist Blasmusikszene sehr weit gefasst.
SPEAKER_00Also fangen wir bei privat an, weil das ist nach wie vor wichtig, weil das Wichtigste überhaupt, sowieso, das wissen wir alle, Gesundheit ist natürlich, glaube ich, mindestens an erster Stelle. Gleich dahinter, wenn nicht sogar ebenwürdig, ist natürlich das private Verhältnis zu den Personen, die uns den Rücken frei halten, nämlich unsere Frauen. Ist so. Gesundheit in der Familie, das ist klar. Das ist ganz hoch oben. Also da brauchen wir, aber sowas muss man eigentlich gar nicht reden, weil das ist ganz selbstverständlich für mich. So, dann Blasmusik-Szene, die blasende Szene generell. Ja, wünsche ich mir, dass es einfach mehr eigene Initiative gibt, wenn man was machen will, dass es weniger Leute gibt, die sich irgendwas abgucken und einfach nur eine schlechte Kopie machen. Weil selbst wenn die Kopie gut ist, vermeintlich besser ist als das Original. Es bleibt trotzdem eine Kopie. Es ist einfach zu jeder Zeit eine Kopie, egal wie gut oder schlecht du bist. Und das versuche ich auch den Studenten oder Leute, die mit mir arbeiten, zu vermitteln. Finde deinen eigenen Weg, dass man sofort an den ersten vier, fünf Fakten hört, der spielt, der spielt, der spielt. Okay? Und dann wird man sehen. Wichtig ist, dass man so spielt, dass es den anderen gefällt. Und das kannst du nur, wenn du von innen raus deinen Typ spielst. Okay? Weil wie gesagt, du kannst es nicht jedem recht machen, sonst bist du der Läufer auf dem Hochseil, auf dem Trapez. Fünf Zentimeter rüber und du fällst runter und fünf Zentimeter auf die andere Seite rüber und du fällst auch runter. Also guck, dass du auf dem Seil bleibst und dann bleibst du stabil mit deiner Stange in der Hand. Okay? Und das war es eigentlich im Prinzip. Ansonsten wünsche ich mir, wie gesagt, dass alles noch ein bisschen so weitergeht. Nicht zu früh der Stecker gezogen wird. Ja, was soll man sonst sagen, Andi? Ansonsten viel erlebt und als Abschlusssass fällt mir jetzt eigentlich nichts besseres ein, als es gibt noch genug zu tun.
SPEAKER_01Vielen lieben Dank, Hans-Reiner Schmidt, für die drei Stunden, glaube ich, die wir jetzt gesprochen haben. Jetzt musst du musst du gucken, wie du damit zurechtkommst. Vielen lieben Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, diese Folge euch anzuhören. Und ich hoffe, euch ging es genauso wie mir während des Gesprächs. Ich war einfach zwischen beeindruckt und respektvoll davor sitzend war da, glaube ich, alles dabei. Ich hoffe, ihr konntet auch ein paar Dinge für euch mitnehmen. Und ich kann nur nochmal herzlichen Dank an Hans-Reiner Schmidt sagen, der sich so viel Zeit genommen hat, auch wirklich so ein bisschen aus dem Nerkästchen zu plaudern. Ich hatte ganz am Anfang im Intro ja erwähnt, dass ich jetzt nochmal ganz kurz erkläre, wieso er auch ausschlaggebend ist für den Namen On-Air. Und das hat es ganz einfach. Nicht nur, dass meine Frau den Titel vorgeschlagen hat, liegt es daran, dass ich mit Hans Rainer ja relativ viel zusammenarbeiten durfte in den letzten Jahren. Und einer seiner typischen Sprüche oder seiner typischen Anweisungen ist, er spielt einfach auf der Luft. Und deswegen dachte ich mir damals auch On-Air passt super, weil auf der Luft, mit Luft, on air. Unser Blasinstrument funktioniert quasi nur on air. Und darum hat er auch einen gewissen Anteil an diesem Titel des Podcasts. Ich würde mich freuen, wenn ihr diesen Podcast abonniert. Ich freue mich auch über Shoutouts auf Instagram. Lasst mich ein bisschen teilhaben, wo ihr diesen Podcast hört, was ihr vielleicht daraus auch mitnehmt. Da würde ich mich sehr freuen. Schreibt mir gerne auch über Instagram oder auch per E-Mail info atandeschreck.de In der nächsten Folge habe ich mich mit dem Big Band Trompeter und Allround, so könnte man das eigentlich sagen, weil Big Band Trompeter wird ihm gar nicht gerecht, mit dem Allround-Trompeter Benny Brown getroffen. Ich wünsche euch bis dahin eine gute Zeit.