On Air - Der Blasmusik Podcast
Podcast rund um das Thema Blasmusik. Andy Schreck, selbst u.a. Dirigent und Lehrer für Musik an einem Gymnasium trifft sich mit Musikern, Dirigenten, Komponisten und Visionären um über Musik und das Leben zu sprechen und andere für neue Ideen zu begeistern.
On Air - Der Blasmusik Podcast
Markus Geiselhart - Von Robert Payer zu Don Ellis
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Markus Geiselhart kommt gebürtig aus Stuttgart und lebt mittlerweile in Pfaffenstätten in der nähe von Wien. Er hat Jazz-Posaune an der Hochschule für Musik in Würzburg studiert und ist seit 2013 Lehrbeauftragter für Big Band Leitung am Institut für Popularmusik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Daneben gründete er nicht nur das Markus Geiselhart Orchestra und das Don Ellis Tribute Orchestra, sondern komponiert und arrangiert für diverse Big Bands. Das Jazz nicht die einzige Leidenschaft ist, zeigt sei Engemant als Posaunist bei keinem geringerem als bei Robert Payer und seine Original Burgendlandkapelle. Wenn er mal nicht Noten schreibt, Workshops gibt oder selbst am Instrument ist, dann kann man den Fußball- und Weinliebhaber beim Spätzle kochen auf Youtube sehen, wo er die Spezialrezepte weitergibt.
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Das ist so eine allgemein schwierige Frage, aber so dieses Auseinandersetzen, was will man nicht, oder im Studium, da kriegt man so viel präsentiert, oder das muss man jetzt cool finden, obwohl man es vielleicht gar nicht so cool findet oder so. Also was man da. Und auch, ja, oder das im Studium zum Beispiel, wenn wir dann mit dem Pierre manchmal gespielt haben, dann hat man sich ja fast nicht traut, in der Chessabteilung zu erzählen, dass man jetzt Blasmusik spielen geht am Wochenende oder so. Weil da wird man ja dann wieder blöd angeschaut irgendwie. Aber wenn man das will, dann hat das ja alles seine Berechtigung entschieden.
SPEAKER_02Herzlich willkommen bei On Air, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Sandy Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Herzlich willkommen, hallo liebe Podcast-Hörer. Schön, dass ihr wieder bei einer neuen Folge von OnER, dem Blasmusik-Podcast, dabei seid. Und wie immer, bevor ich zu meinem Gast komme, möchte ich noch den Supporter erwähnen. Und das ist wie immer natürlich Buffet Grampant, Europas größter Hersteller, was Blasinstrumente betrifft. Wenn ihr auf der Suche nach einem Blasinstrument seid, dann kann ich euch nur den Showroom in Geretzrit empfehlen. Dort findet ihr alles, was das Herz höher schlagen lässt, wie zum Beispiel auch das aktuelle neue Tinohorn Universal von Alexander Wurz mitentwickelt. Einfach Termin machen oder anrufen und dann könnt ihr hinfahren und einfach ausprobieren. Ja, mein heutiger Gast ist Markus Geiselhardt. Und Markus kenne ich schon seit etlichen Jahren, auch wenn er sich an mich im ersten Moment gar nicht wirklich erinnern konnte. Wir sind uns tatsächlich schon ein paar Mal begegnet und es war ein total spannendes Gespräch. Es hat sich herausgestellt, dass Markus ein Suchender ist, was Energie betrifft. Deswegen ist er bei der Big Band-Musik gelandet. Und wir sind der Frage nachgegangen, was will ich und vor allen Dingen, was will ich nicht? Wir haben so ein bisschen die Burgenland-Kapellengeschichte von Robert Peyer angeschnitten. Es ging um Don Ellis. Wir haben über die Fehlerkultur gesprochen und Produktion bei Spotify. Also ihr seht ein Rundum-Paket von wichtigen Themen, die wir angeschnitten haben. Ich wünsche euch jetzt viel Spaß. Mein heutiger Gast kommt gebürtig aus Stuttgart und lebt mittlerweile in Pfaffenstätten in der Nähe von Wien. Er hat Jazzposauna an der Hochschule für Musik in Würzburg studiert und ist seit 2013 Lehrbeauftragter für Big Band-Leitung am Institut für Popularmusik an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien. Daneben gründete er nicht nur das Markus Geislard Orchestra und das Don Ellis Tribute Orchestra, sondern komponiert und arrangiert für diverse Big Bands. Dass Jazz nicht die einzige Leidenschaft ist, zeigt sein Engagement als Posaunist bei keinem geringeren als bei Robert Peyer und seiner Original-Burgenland-Kapelle. Wenn er mal nicht Noten schreibt, Workshops gibt oder selbst am Instrument ist, dann kann man den Fußball- und Weinliebhaber beim Spätzlekochen auf YouTube sehen, wo er die Spezialrezepte weitergibt. Er kann sich wahrscheinlich gar nicht mehr daran erinnern, aber wir sind uns tatsächlich schon zweimal persönlich begegnet und deshalb freue ich mich umso mehr ihn jetzt begrüßen zu dürfen und sage herzlich willkommen, Markus Geiselhardt. Hallo Andi, herzlichen Dank für die Einladung. Hi. Du kannst dich wahrscheinlich wirklich nicht dran erinnern, gell? Nein, helf mir auf die Springe. Ja, das eine Mal war, ich glaube, 2005, als das Würzburg Jazz Orchestra mit Thomas Gantz gespielt hat.
SPEAKER_00Okay, da warst du im Publikum.
SPEAKER_02Ja, ich war sogar in der Probe da. Du warst da in der Probe, echt? Ja. Okay. Das war Zufall, weil ich damals Praktikant an der Schule war und die waren dann im Konzert und deswegen war ich dabei und irgendwie so.
SPEAKER_00Ah, okay. Und da warst du auch in der Probe. Da kann ich mich nicht mehr erinnern, dass du. Da war so viel bei diesem Projekt.
SPEAKER_02Ja. Und ein paar Jahre davor beim Landesjung Jazzorchester in Bayern, wir saßen zusammen im Bierkeller. Aber ich war in der Zweitbesetzung. Also es ist schon okay, wenn du dich nicht an mich erinnerst, aber wir haben zusammen am Tisch gesessen. Okay, spannend, cool. Ja, es ist so, es kreuzen sich die Wege.
SPEAKER_00Ja, auch schon eine Zeit her.
SPEAKER_02Das stimmt. Ja, 20 Jahre ungefähr. Ja, Wahnsinn, die Zeit vergeht. Das ist verrückt, gell. Mir ist das jetzt die Tage mal aufgefallen, als ich, genau, ich habe gestern einen Workshop gehalten in meiner alten Heimat und dann war ich, aber ich muss dich auch sagen, ich war seit 20 Jahren nicht mehr da und dann ist mir erstmal aufgefallen, wie alt ich bin.
SPEAKER_00Du bist ja noch sehr jung, oder? Ja, ich bin Mitte 30. Ja, also immer nur zehn Jahre jünger waren es jetzt fast.
SPEAKER_02Ja, aber trotzdem, wenn man schon mal sagen kann, wenn es schon seit 20 Jahren nicht mehr da gewesen ist.
SPEAKER_00Ja, ich weiß, das wird früher waren es 10 Jahre, jetzt nicht 20 Jahre und dann waren es 30 Jahre.
SPEAKER_02Markus, die erste offizielle Frage ist immer, welches Stück Musik du als letztes dann vor diesem Interview bewusst gehört hast.
SPEAKER_00Ja, das war vergangene Woche im Urlaub, Mann, an einem Abend. Das wollte ich schon ziemlich lange mal hören. Die Missa Solemnis ist zurzeit in der Atemmediathek in der Aufnahme mit dem Riccardo Muti und der Mina Philharmoniker. Da habe ich mal, das wollte ich schon länger anhören und dann habe ich in der Urlaub extra die Partitur mitgenommen und habe es dann mal an einem Abend wirklich angehört.
SPEAKER_02Okay, cool. Also was ich total spannend an der Frage übrigens finde, das zeichnet sich jetzt immer mehr ab, ist, es kommen immer Musiken, mit denen man nicht rechnet. Also typische Blasmusiker hören dann Pop, Jazer hören Klassik. Also es kommt immer was anderes raus, als man eigentlich vermutet. Aber warum gerade Mr. So Lemnes?
SPEAKER_00Ich habe gesehen, dass es in der Mediathek geschrieben mit dem Ricardo Mutti in der Wiener Philharmoniker. Und ich habe vergangenes Jahr oder eigentlich 2020 im Beethoven einen Auftrag von der Stadt Baden bei Wien gehabt. Da wäre es eigentlich um Beethoven-Triologie gegangen, ein Solokonzert, ein Quartett-Konzert und ein Big Band-Konzert. Das Solokonzert hat noch stattgefunden im Januar 2020. Das Quartett-Konzert hat noch stattgefunden am letzten Tag, bevor in Österreich alles zu war. Und das Big Band-Konzert ist bis heute nicht gespielt. Aber die Kompositionen und Arrangements sind fertig und da ist es eben drum gegangen, auf Motive Beethovens aufbauen. Da habe ich da quasi ein Big Band-Programm geschrieben. Und eines war Mr. Solemnis. Und das habe ich damals schon aufgehört und jetzt wollte ich eben diese Fassung hören mit dem Ricardo Muti. Und wenn man dann die Partitur mitliest, ich finde, das ist total interessant auch, wie die dirigieren diese großen Typen. Krass. Cool.
SPEAKER_02Klingt spannend auf jeden Fall. Gibt es Aussicht, dass der dritte Teil noch aufgeführt wird?
SPEAKER_00Ja, ich hoffe schon. Also jetzt mal, gerade traut sich niemand so wirklich drüber, noch über größere Veranstaltungen mit der Big Band. Ich bin jetzt gespannt, wie es im Herbst weitergeht, aber ich hoffe schon, dass das in Baden entweder im Herbst oder dann kommendes Jahr im Frühjahr irgendwann mal noch gespielt wird, ist die Sachen.
SPEAKER_02Okay. Wobei ich jetzt dachte, dass in Österreich es jetzt langsam wieder aufgeht. Oder täuschen wir es.
SPEAKER_00Ja, also der Sommer war jetzt recht gut hier. Ich bin jetzt gespannt, was jetzt passiert im Herbst. Also wie das jetzt weitergeht, das Ganze. Weil die eben Zahlen gehen jetzt gerade schon wieder hoch und ein mühsames Thema, dass uns das seit anderthalb Jahren begleitet ist.
SPEAKER_02Ja, ja. Aber das war ja nicht zu erwarten, dass die Zahlen jetzt wieder hochgehen. Das ist ja so das Tragische an der Geschichte irgendwie. Naja. Okay, dann drücke ich die Daumen, dass das ja, also allen Musikern natürlich, aber auch dir, dass das jetzt vielleicht im Herbst sogar schon funktioniert, dass ihr das auffüllen könnt. Das wäre natürlich sehr cool. Ich würde gerne ein bisschen chronologisch vorgehen. Und zwar mal ganz zurück in deine Kindheit. Wie kam Musik in dein Leben?
SPEAKER_00Also ich komme aus einer weniger musikalischen Familie, würde ich mal sagen. Trotzdem war es meine Eltern irgendwie wichtig, dass sie mich in eine musikalische Früherziehung schicken. Das habe ich als weniger cool in Erinnerung, diese musikalische Früherziehung. Also da gibt es auch die Geschichte, dass ich mal aus dem Fenster abgehauen bin und so. Mit vier Jahren oder.
SPEAKER_02Okay, weil du keinen Bock mehr hattest, oder was?
SPEAKER_00Ja, weil ich fand es fürchterlich. Ich fand, ich habe die Lehrerin damals ganz schlecht in Erinnerung. Okay. Und das war alles so mit so riesen Noten und farbigen Noten und ich fand das total schlimm eigentlich. Und ich hoffe, dass sich in der Zwischenzeit sich in dem Bereich vieles bewegt hat und zum Besseren.
SPEAKER_02Okay, und du fandest die großen Noten schlimm, weil du dich nicht ernst genommen gefühlt hast? Oder woran lagst du?
SPEAKER_00Ja, ich habe das irgendwie so ganz komisch in Erinnerungen. Also so, ich habe gedacht, jetzt singt man da oder spielt auf diesem Psylophon rum oder es passiert was und dann hat man so ganz große Noten gelernt. Und es ging eigentlich gar nicht um Musik, sondern eher als so, ja, das war wie im Kindergarten, glaube ich, so eine Beschäftigungstherapie für Kinder oder so.
SPEAKER_02Ja, das ist natürlich sehr schade, aber es ist ja umso besser, dass du trotzdem bei der Musik gelandet bist und dass da nicht schon alles versauert wurde.
SPEAKER_00Ja, da war ich schon kurz davor sozusagen. Ja, genau, und dann habe ich natürlich, das, was alle mal gemacht haben, dann danach im Bockflötenunterricht. Das haben wir auch alle gespielt. Und dann hat der Musikverein, da wo ich etwas außerhalb von Stuttgart aufgewachsen bin in dem Ort, hat der Musikverein so Instrumentevorstellungsrunde gemacht. Die Vorstellungsrunde war dann allerdings auch recht kurz, weil man hat gar nicht irgendwas probieren dürfen. Ich weiß, ich bin da mit zwei Kumpels damals hingegangen und wir sind da reingekommen und die haben gesagt, ihr drei spielt genau an. Das war quasi die Instrumentenvorstellung. Weil sie tiefes Blech gebraucht haben und erklärt haben sie es dann, dass die Lippen so groß wären und man eh nichts anderes spielen können. Also das war nicht.
SPEAKER_02Weil deine Lippen doch echt schmal sind, finde ich. Also so, oder? Aber die haben tiefes Blech gebraucht. Ja, wie es halt früher war.
SPEAKER_00Ja, und dann bin ich halt zum Tenor angekommen. Genau, und so ging das dann los, quasi, ich glaube, 1986 war das oder so.
SPEAKER_02Oh, da bin ich gerade geboren worden. Und wann kam dann die Posaune dazu?
SPEAKER_00Ich glaube so drei oder vier Jahre später dann, da wollte ich dann eigentlich Posaune spielen, weil der Musikverein hat dann immer ein recht modernes Repertoire gespielt und dann warst du irgendwie auf dem Tenorhorn wieder ein bisschen Fahrt und dann habe ich gedacht, jetzt muss ich Posaune spielen. Und dann hat man der Posaun nicht, also Tenorhorn-Unterricht habe ich bis dahin bei einem Trompetenlehrer gehabt von dem Verein. Und dann hat der, wo in dem Verein, der ein älterer Herr, der in dem Verein Posaune gespielt hat, der hat dann Posaunenunterricht gegeben, sozusagen.
SPEAKER_02Ab wann wusstest du oder ab wann dachtest du, das könnte ich beruflich machen?
SPEAKER_00Ich glaube, das kam schon ziemlich früh mal, dieser Gedanke, wo ich auf Posaune gewechselt bin. Also da war das schon irgendwie so da, aber natürlich nur überhaupt keine Vorstellung, was es bedeutet oder was das sein kann oder in welche Richtung das geht. Also das war noch völlig, das hat noch eine Zeit lang braucht, also bis sich das dann entwickelt hat, wo es dann hingegangen ist. Das waren so verschiedene Einschnitte. Okay, was wäre die Alternative gewesen? Ich weiß nicht, irgendjemand, meine Eltern sagen immer, wo ich aufs Gymnasium gekommen bin damals, hätte ich immer gesagt, Archäologe wäre auch noch interessant irgendwie.
SPEAKER_02Geil, das hatte ich tatsächlich auch lange als Wunsch. Archäologe oder Paläontologe und dann halt Musiker und Lehrer. Das war es dann schon irgendwie. Ich habe gelesen, du hattest Posaunenunterricht bei Ernst Hutter, den hatte ich ja auch letztes Jahr schon im Gespräch. Und wie kam es da dazu?
SPEAKER_00Das ist, ich glaube, einer meiner wichtigsten Lehrer gewesen, da Ernst. Ich habe dann erst bei jemandem im Heeresmusikor in Stuttgart Unterricht gehabt, so Anfang der 90er Jahre. Dann habe ich mal eine Zeit lang Unterricht gehabt, bei jemandem Staatsorchester in Stuttgart. Dann war ich während dem Grundwehrdienst selbst im Heeresmusikchorps und da hat mir dann jemand den Ernst Stutte empfohlen damals. 1996 war das dann. Und dann habe ich ihm ernst angerufen und gesagt, dass ich interessiert war, bei ihm Unterricht zu nehmen. Und dann haben wir uns mal getroffen und dann habe ich insgesamt, glaube ich, vier oder viereinhalb Jahre regelmäßig beim Ort. Oh, okay. Also er hat mir eigentlich auf diese ganze Jazz-Schiene und so gemacht. Das war so der erste, weil davor wollte er eigentlich immer nur klassische Richtung gehen. Das war immer so, also gar nicht gewusst, wo er hingegenau. Und Ernst hat mir dann irgendwann, das müsste 96 oder so gewesen sein, oder 97, hat er mich mitgenommen auf einen Jazzworkshop in Stuttgart, wo er Dozent war. Und hat gesagt, ich soll da mal kommen. Und das war dann wie eine andere Welt, so ohne Noten spielen. Und also ja, genau so ging das dann los.
SPEAKER_02Okay, wie hat sich das am Anfang für dich angefühlt, so ohne Noten?
SPEAKER_00Ich habe erst gar nicht gewusst, was ich tun soll irgendwie. Also schon ein bisschen hilflos. Also das war schon hart, diese Erfahrung. Aber total faszinierend trotzdem. So wenn ich mich da jetzt zurückerinnere, das ist ja auch schon wieder 25 Jahre.
SPEAKER_02Also das heißt, ab da war dann klar, du willst kein Klassiker werden, sondern bleibst lieber beim Schwab.
SPEAKER_00Ja, es gab dann aber noch andere, es gab dann auch mal in einem Jugendsinfonieorchester in Schuttgard gab es mal nur ein Erlebnis mit der ersten Sinfonie von Johannes Brahms, C-Moll. Okay. Die hat auch dazu beigetragen. Wieso, wenn ich fragen darf? Wenn man vier Sätze lang rumsitzt und ein HZ hat und dann irgendwie, ich weiß gar nicht, wo der Choral, ich glaube, oben auf dem A oder Ass geht da im vierten Satz so ein Choral los. Und man hat davor 40 Minuten Zeit, sich zu überlegen, was passiert, wenn man diesen Ton verkiekst. Und was macht man dann, wenn man sich 40 Minuten überlegt, dass man diesen Ton verkickst? Ja, dann verkickst man ihn natürlich. Und ja, das war so ein Erlebnis. Also ich bewundere, dass sämtliche klassischen Kollegen irgendwie allein diese Nervenstärke da so lange da zu sitzen und dann abzuliefern.
SPEAKER_02Das kann ich voll gut nachvollziehen. Ich weiß, wir hatten im Studium ein Oratorium auf dem Programm. Ich weiß leider nicht mehr welches. Ich weiß aber, dass ich auch 40 Minuten Pause hatte und das war dann Solo-Einsatz unten auf dem D1, also überhaupt kein schwerer Ton. Also völlig banane. Bis mein Lehrer irgendwann mal gesagt hat, ach du machst die erste, das hinten ist schon blöd. Und ab da war dann irgendwie die, dann hat bei mir der Kopf erst angefangen, weil jemand anders, der mir gesagt hat, das ist schon doof, nach 40 Minuten da einzusteigen. Ich habe mir vorher nie Gedanken gemacht. Und dann, wie du schon sagst, dann sitzt du da 40 Minuten und überlegst dir, okay, was passiert jetzt irgendwie?
SPEAKER_00Ja, und es wird immer, es wird kalt, weißt du damals, da haben wir in Ratüre gespielt, einen Stuttgart-Testen, und dann war es kalt und man kann irgendwie niemals spielen davon. Also man sitzt da einfach und.
SPEAKER_02Ja, das kann ich alles sehr, sehr gut nachvollziehen. Wieso hat es dich dann nach Würzburg verschlagen? Würzburg ist ja jetzt für Jazz nicht zwingend der erste Gedanke, der einem kommt, oder? Also ich hätte da jetzt eher Köln im Kopf gehabt.
SPEAKER_00Ja, ich habe damals verschiedene Aufrufnahmeprüfungen gemacht. Und in unter anderem in einem Würzburg habe ich einen Studienplatz gehabt. Ich glaube, in München hätte ich auch auch noch hingehen können. Und dann war irgendwie so schon ein bisschen die Überlegung 1999, wo ich angefangen habe zum Studieren, dass die Nähe nach Stuttgart. Aber eigentlich wollte ich weg von Stuttgart mal und trotzdem irgendwie nicht zu weit weg, um vielleicht auch noch das ein oder andere Geschäft dort spielen zu können. Also das waren so diese, und dann bin ich in Würzburg eben gelandet.
SPEAKER_02Also eine rein rationale Entscheidung irgendwie.
SPEAKER_00Ja, noch in München wollte ich damals nicht irgendwie, und dann war es irgendwie, Würzburg war nicht so weit und ja, genau, so. Aber bereust du nicht im Nein, nein? Fandest du gut? Nein, ich fand es eigentlich zum Studieren sehr gut in Würzburg. Weil es eben nicht so wie jetzt in Wien so ein großes Haifischbecken ist, sondern man hat in Würzburg schon als Student oder als Studierender die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Und hat immer Chancen gehabt, zum Spielen eigene Sachen zu machen. Was glaube ich in einer großen Stadt schwieriger ist. Also man hat da mehr Möglichkeiten, sich auszuleben, ohne die ganz große Konkurrenz jetzt eben dran zu machen.
SPEAKER_02Ja, weil du sagst, ausprobieren, das ist ja so ein Ding von dir. Also du hast das Würzburg Jazz Orchestra gegründet, du hast das Markus Geiselhardt Orchestra gegründet, das Don Ellis Orchestra. Also du gründest anscheinend gerne Big Bands. Was reizt dich daran, Big Bands zu gründen?
SPEAKER_00Eigentlich gar nichts, weil es ein irrsinniger organisatorischer Wahnsinn ist eigentlich. Deswegen frage ich nämlich. Das hat sich eigentlich immer so ergeben. Also das ist so das, was ich auch vorhin mal gemeint habe. Also das hat sich ja alles entwickelt oder da waren verschiedene Gegebenheiten, die das da waren. Und während dem Studium eben habe ich damals die Leitung von der Big Band, der Jazzinitiative oder so übernommen. Und dann ging es eben mal darum, das war dann so im Herbst 2004 oder so müsste es gewesen sein, da hat die Jazzinitiative Würzburg gesagt, dass sie gerne eine Big Band Martin machen in ein großes Haus in Main Frankentheater in Ostern. And so is the Würzburg Jazz Orchester entstanden with this, where we this Don Ellis Projekt the erste gespielt, where we die and the koncept erlebt. And eighteen war das nur so als einmaliges Ding geplant. And then we have this projekt gespielt, and the stimmung so, dass man da schon nochmal was machen sollte. Und dann haben wir, ich glaube, im Sommer 2005 gleich ein Open Air Konzert gespielt. Und dann hat sich das irgendwie entwickelt, dass wir mit dem Hoxhorn die Möglichkeit gehabt haben, regelmäßig zu spielen. Und daraus ist dann quasi entstanden, dass wir dann bis 2010, glaube ich, oder 2011, glaube ich, 2010 war das letzte Konzert, man quasi alle zwei Monate an das Programm gespielt mit der Band. Und das ist dann immer so gewachsen, das Würzburg-Chez-Castel. Also am Schluss war das ja so ein Gustigerpol, sag mal, Amsterdam, Köln, Wien. Irgendwie war der große Musikerpool im Würzburg-Chez-Castel am Schluss.
SPEAKER_02Krass. Dafür, dass es Würzburger heißt, kommt ja von Faktorial.
SPEAKER_00Ja, das war ziemlich krass. Und am Schluss ist das Projekt natürlich auch an der Unfinanzierbarkeit gescheitert oder dass wir einfach zu wenig Fördergelder kriegt haben. Aber es war eine schöne Zeit.
SPEAKER_02Das glaube ich, weil sonst macht man es ja nicht so lange. Aber das wäre ja meine nächste Frage. Also wenn du so viel gründest, das ist musikalisch gesehen ja ziemlich cool. Aber es ist ja, wie du schon sagst, das ist ja, das muss ja auch bezahlt werden. Und man muss auch Auftrittsmöglichkeiten überhaupt erstmal bekommen, also für so große Bands. Ist das nicht schwer?
SPEAKER_00Ja, sicher ist schwer. Also das ist wahrscheinlich auch der Grund. Gerade mit dem Markus Eiselhart-Orchester, zum Beispiel, mit dem MGO, da haben wir jetzt das letzte Mal gespielt im Landestheater in Linz, ich glaube im Februar 2019. Dann wollte ich eigentlich ein zehnjähriges Jubiläumsprogramm machen, letztes Jahr im Herbst. Ist dann natürlich alles Corona wieder zum Opfer gefallen. Und jetzt weiß ich gerade gar nicht, wann ich mit der Band wieder spiele. Weil gratis, also man braucht immer Veranstalter, die das auch bezahlen wollen. Oder braucht zumindest einen Veranstalter, der gut zahlt, dass ich vielleicht mit Requere-Finanzierung einen anderen Gig wieder mitnehmen kann. Und das ist natürlich schon immer eine Frage. Und das ist auch der Grund, warum man mal mehr und mal weniger oft spielt.
SPEAKER_02Ja, hängst du da alleine in der Orga drin oder hast du da wenigstens noch Menschen, die dir da helfen?
SPEAKER_00Nein, das ist so ein bisschen, also das ist was, was mir fehlt. Also das ist das Einzige, was man wirklich fehlt. Ihr habt gang jemanden, das hat noch nie funktioniert, jemand, der mir beim Booking hilft, also beim Konzerte ausmachen hilft für die verschiedenen Projekte, weil ich finde, es ist irrsinnig schwierig, sich selbst zu verhandeln. Ja. Also bei der Gage angefangen, bei der Anfrage angefangen, sich für sich selber zu verhandeln, ist irgendwie schwierig. Also vor allem, wenn es mit Veranstaltern geht. Aber eigentlich läuft alles über meinen Schreibtisch, meine ganzen Projekte.
SPEAKER_02Krass. Wo nimmst du die Zeit her? Wenn du noch selber spielst, unterrichtest und schreibst und noch die Booking-Sachen machst.
SPEAKER_00Ja, schwierig. Die fehlt manchmal die Zeit. Also, das ist auch das sind immer so Gewichtungssachen. Und gerade gerade bei den Booking-Sachen ist es natürlich so. Also, mir geht es ja so, ich bin da oft motiviert. Und dann schreibt man Mails hin und dann telefoniert man, dann ist man so ein, zwei Wochen dahinter, dann rufen irgendwelche Clubs nicht zurück oder man kriegt keine Antwort und dann denkt man wieder, naja gut, jetzt muss ich mich wieder um andere Sachen kümmern und dann verläuft das natürlich wieder irgendwo. Und das ist nur. Und beim Schreiben üben, da ist natürlich immer so, wenn jetzt gerade wirklich ein Projekt ansteht zum Schreiben, dann hat man natürlich Schreiben. Also das hat immer irgendwas Oberhand lässt, eigentlich. Und dann halt, aber es ist schon ein bisschen vom Tagesablauf, dass ich in der Früh meistens so E-Mail-Geschichten mache und organisatorische Sachen und dann und einmal ein bisschen üb und dann und dann wieder ans Komponieren gehen oder arrangieren oder was sonst noch anfällt, Unterricht vorbereiten, etc.
SPEAKER_02Okay. Auf der CD vom Markus Geisel Orchestra heißt ja die erste Nummer, my instrument is the orchestra. Also mein Instrument ist das Orchester, ist die Band. Wann kam bei dir dann so dieses Komponieren überhaupt dazu? Also wann hast du entdeckt, dass dir das Bock macht und anscheinend dir auch sehr liegt?
SPEAKER_00Ja, das kam das kam eigentlich. Ich würde mal sagen, die wichtigste Phase war wahrscheinlich, wo ich nach Wien gegangen bin. Diese vier Jahre nach dem Studium quasi, oder fünf Jahre nach dem Studium, sag ich auch mal so. Das war schon so wieder Sachen loslassen, was man im Studium gelernt hat oder so. So um die Suche, was man eigentlich selber will. Oder ich betite es vielleicht so nach der Suche, was man gar nicht will, or what man nicht will. Und da ist das alles so entstanden. Und da bin ich dann auch irgendwie ins Komponieren hinein eingerutscht. Davor war es eher so arrangieren.
SPEAKER_03Okay.
SPEAKER_00Dann ist immer mehr auch die Kompositionssache dazukommen.
SPEAKER_02Okay. Wann erinnerst du dich noch an dein allererstes Arrangement, das du je geschrieben hast?
SPEAKER_00Ja, das war sehr früh. Das war für die Schulbig Band im Gymnasium, war das mal. Okay, welche Nummer? Da habe ich also sprach Zara Tustra mal ein Arrangement geschrieben, so Big Band So. Ja. Da habe ich sehr viel über Transposition gelernt.
SPEAKER_02Und was geht und was nicht geht wahrscheinlich.
SPEAKER_00Ja, genau. Aber das sind das sind ganz wichtige Erfahrungen natürlich, die man machen muss.
SPEAKER_02Ja, glaube ich auch. Ich glaube, das sind vor allen Dingen praktische Erfahrungen. Also wir hatten das ja auch nur so teilweise und ich schreibe ja auch relativ viel und das meiste habe ich tatsächlich auch beim Machen gelernt. Also selbst wenn es dann im Studium hieß, okay, das und das und so. Aber irgendwie, man will es ja doch manchmal ausprobieren und wissen, wie es klingt. Da hilft ja auch nicht. Hilft ja auch nicht, wenn es dir einer sagt, dass es irgendwie. Also auch wenn er vielleicht recht hat, aber irgendwie werden wir es ja schon mal mal ausprobieren, finde ich.
SPEAKER_00Ja, ich glaube, es ist ganz wichtig, das zu hören, was man schreibt. Und um auch zu hören, wenn was weniger gut klingt. Oder wenn was überhaupt nicht gut klingt, dass man das auch hört. Warum klingt es nicht gut? Genauso wichtig ist es zu hören, wenn was gut klingt. Und ich glaube, dieses Hören und eine Klangvorstellung vor allem zu entwickeln über den Klangkörper, für den man schreibt, das ist, glaube ich, das immens Wichtige. Also wie eben klingt der Big Band, wenn ich für Big Band schreibt, wie eben klingt der Blechbläserquintett, wenn man für So-Besetzung schreibt. Oder wie eben klingt der Blasorchester, wenn man für Blasorchester schreibt, dass man diese Klangvorstellungen in sich hat. Und das auch immer wieder probiert. Das ist heutzutage, glaube ich, ein bisschen in der Gefahr mit dem Computer und so, dass man quasi alles sofort anhören kann. Und das ist ein bisschen gegen die empfantvorstellungen, um sich ja eigene Klangvorstellungen mit echten Instrumenten aufzubauen.
SPEAKER_02Ja, könnte sein, dass das nicht so praktisch ist. Also ich komme auch noch aus einer Zeit, wo man das tatsächlich eher noch live gemacht hat. Ja. Könnte ich mir tatsächlich kontraproduktiv vorstellen. Du hast aber gesagt, Klangvorstellung für den Klangkörper, den man schreibt. Und dein Klangkörper ist ja anscheinend die Big Band. Also warum ist es für dich die Big Band? Das ist ja, also Profi-Bigbands gibt es ja nicht mehr so viele, so fest etabliert es sind ja, wenn dann sind es ja eher nur noch so Projekte irgendwie. Woher kommt bei dir der Reiz zu sagen, nee, ich möchte dem Sound aber irgendwie treu bleiben?
SPEAKER_00Gute Frage. Ich glaube, die Big Band ist so, wo ich erst einmal Big Band dann gespielt habe, also so richtig, jetzt nicht Schul Big Band oder so, sondern mal wirklich so Big Band gespielt. This energy, was a Big Band erzeugt, hat mich total umgerissen vom ersten Mal. And now this energy bin ich eigentlich immer anderer am Suchen irgendwie. And this, was a Rhythmusgruppe, wenn das in Großen anfängt, wenn 13, 14 Bläser zusammen einfach ein Ton spielen und das fährt, das ist so dieser Reiz, was es immer noch ausmacht. Und da aber schon auch die Suche, was kann man da noch rauskitzeln letztendlich? Oder wo kann man das hingehen? Das ist so der Reiz, was für mich dieser Klangkörper irgendwie ausmacht und ja, der mich irgendwie gefesselt hat seit wahrscheinlich 20, 25 Jahren.
SPEAKER_02Du hast auch noch gesagt, gerade nach dem Studium war das so deine wichtigste Phase, weil man dann erstmal loslassen muss, um rauszufinden, was man will, beziehungsweise was man nicht will. Was willst du denn nicht?
SPEAKER_00Ich habe irgendwann herausgefunden, dass ich mein eigenes Ding machen will. Dass ich nicht unbedingt Sachen spielen will, die jetzt gar nicht spielen will, weil es mir künstlerisch nicht über überzeugt. Also künstlerisch spannende Sachen will ich eigentlich machen. Und ich meine, ich habe damals auch alles gespielt, oder irrsinnig nicht viel gespielt, das sind natürlich dann auch immer wieder wirtschaftliche Faktoren, oder? In dem Bierzelt von Kanstala Waas, den Stuttgart spielen von 11 bis 11 oder so. Das sind natürlich total wichtige Erfahrungen, aber irgendwann will man das vielleicht auch machen, oder ist das auch nicht das, was man künstlerisch will. Und ich glaube, es gibt einfach verschiedene Typen von Musikern. Es gibt zum einen die Sidemans, die künstlerische Sidemans, dann gibt es die Musiker, die in dem kommerziellen Bereich irgendwie irrsinnig gut unterwegs sind und was alles an ihren Berechtigungen hat. Und für mich ist dann halt immer mehr das Ding worden, oder was ich erkannt habe, ist, dass ich mein eigenes Ding machen will. Das ist so das, und dass ich nicht mehr vielleicht nicht mehr so viele kommerzielle Sachen machen will, sondern mehr so diese künstlerische Sache und das aber diese Programmatik selber vorgeben. Das war so dieses, ich glaube, dieser Gedanke oder dieses. Das ist so eine allgemein schwierige Frage, aber so dieses Auseinandersetzen, was will man nicht? Oder im Studium, da kriegt man so viel präsentiert, oder das muss man jetzt cool finden, obwohl man es vielleicht gar nicht so cool findet oder so. Also was man da. Und auch, ja, oder im Studium zum Beispiel, wenn wir dann mit dem Paire manchmal gespielt haben, dann hat man sich ja fast nicht traut, in der Chessabteilung zu erzählen, dass man jetzt Blasmusik spielen geht am Wochenende oder so. Weil da wird man ja dann wieder blöd angeschaut irgendwie. Aber wenn man das will, dann hat das ja alles sei Berechtigung letztendlich. Und das ist aber auch so ein Ding, wo man sich dann überwinden muss oder fragen muss, was will ich und was will ich nicht? Und dann kann man auch, glaube ich, richtig dahinter stehen letztendlich.
SPEAKER_02Also darauf wollte ich jetzt dann ewig noch zu sprechen kommen. Also nicht nur, wie die Zeit bei Robert Peyer war, sondern tatsächlich, wie ist das, als Jazzmusiker Blasmusik zu machen? Also ich hatte letztes Jahr mit Christoph Moschberger darüber gesprochen und da hat sich das so ein bisschen rauskristallisiert, dass ich das in Köln irgendwie war, das nicht so. Aber ich kann mich auch noch an Zeiten erinnern. Gut, ich war jetzt kein studierter Jazzmusiker, aber halt Klassiker und da war das auch noch so ein bisschen verpönt, irgendwie mit Blasmusik am Wochenende Geld zu verdienen. Ist heute, glaube ich, nicht mehr so, aber so wie du klingst, war das ja bei euch dann anscheinend auch so.
SPEAKER_00Na, eben glaube ich schon, dass sich da in der letzten, ich sage mal, in den letzten zehn Jahren hat sich ja da unfassbar viel verändert. Also ist das ja jetzt auch bei den Studierenden bei uns zum Beispiel. Da wäre man es ja fast lieber, wenn da ein bisschen mehr der Jazz oder so wieder im Mittelpunkt stehen wird. Also die fahren ja voll auf Blasmusik ab. Also da ist in den letzten zehn Jahren ist ja irrsinnig viel passiert mit diesem Putzstock der Blasmusik und diesen ganzen Festivals und da ist ein richtiger Hype gerade. Das war ja vor 20 Jahren nicht. Und da war das schon ein bisschen so, dass es so ein bisschen uncool war. Oder ja, Blasmusik ist ja nichts.
SPEAKER_02Wie kamst du dann zu Robert Peyer und warum hast du es dann trotzdem gemacht?
SPEAKER_00Es war ziemlich am Anfang vom Studium, glaube ich. Ich habe 1999 angefangen in Würzburg zum Studieren und entweder war es kurz vor dem Studium anfangen oder kurz danach, dass mir der Robert angerufen hat für Aushilfe, ob ich aushelfen könnte. Dann habe ich mir einmal ausgeholfen, dann habe ich zweimal ausgeholfen und dann war ich ziemlich schnell irgendwie da drin, weil der Posaunenplatz gerade frei war irgendwie.
SPEAKER_02Okay. Wie kommt der auf einen Posaunist, der in Würzburg studiert? Aus Österreich?
SPEAKER_00Der Robert Payer ist ja keine österreichische Kapelle. Das ist ja eine schwäbische Kapelle eigentlich. Vielleicht müssen wir da über die Burgenländergeschichte reden. Sollten wir vielleicht mal. Also der Robert Payer ist ja 1956, glaube ich, wo der Ungarn-Aufstand war. Da ist er ja geflüchtet aus dem ungarischen Teil vom Burgenland. Und ist dann in Schwäbisch-Künd, ist er sesshaft geworden quasi. Mit einigen anderen Leuten, die auch geflüchtet sind vom ungarischen Burgenland. Und dort hat er dann 1960, also eigentlich hat er vor 60 Jahren 60-jähriges Jubiläum gewesen, letztes Jahr von der Burgenlandkapelle. Und hat dann in Schwäbisch-Kmünd quasi die original Burgenlandkapelle gründet. Und es ist dann nach und nach ist es dann, also so in den 90er Jahren hat es bei ihm halt auch so einen Generationswandel gegeben, wo die Alten dann einfach aufgehört haben teilweise. Genau, und so bin ich dann irgendwie dazukommen.
SPEAKER_02Wie gesagt, Robert Bayer wusste ich gar nicht. Ich dachte tatsächlich, dass er, dass das eine österreichische Kapelle ist. Ich wusste, dass ein paar natürlich nicht aus Österreich kommen, aber dass das eher so angezielt ist, ist mir neu. Was hat dir das dann aber gegeben, als studierter Jazzmusiker dann Nachschlag zu spielen?
SPEAKER_00Ich habe ein Nachschlag gut gespielt, dann kann das schon wieder richtig cool sein. Das ist eine Rückmusgruppe quasi. Ich finde es manchmal schade, dass in viele aktuellen Aufnahmen das so runtergemischt wird, irgendwie der Nachschlag. Weil dann fehlt auch wieder der Groove teilweise.
SPEAKER_02Ja, oder halt kleine Besetzungen, wo es denen nicht mehr gibt, sondern nur noch auf der kleinen Trommel mitgemacht wird und dann.
SPEAKER_00Wobei bei der Nachschlag natürlich mit den drei Posaunen oder überhaupt der Nachschlag in der Blasmusik, in der traditionellen Blasmusik, ist natürlich auch das harmonische Fundament.
SPEAKER_03Genau, ja.
SPEAKER_00Und wenn es fehlt, dann ist es, wenn, dann müssen es natürlich durch ein Akkordeon oder so ersetzt werden. Aber wenn das ganz weg ist, dann finde ich es immer ganz, ganz schwierig. Also weil das ist ja, das ist ja wie wenn wir Chess spielen würden ohne Klavier oder ohne Gitarre oder ohne Harmonieinstrument letztendlich.
SPEAKER_02Ja, aber der Trend geht ja gerade dahin, dass es wegfällt eher. Finde ich. Also wir haben ja ganz oft so Siebener Besetzungen, die alle fantastisch spielen, davon mal abgesehen, aber da fehlt ja auch.
SPEAKER_00Ja, aber das sind halt jetzt gerade wieder diese, aber die siebener Besetzungen, die haben doch schon meistens so Akkordeon dabei, oder? Ich bin da nicht ganz in der Stil.
SPEAKER_02Also ich kenne nur eine bisher. Oder es gibt jetzt langsam gibt es wieder welche, die das machen, aber es gab ja mal so eine Zeit lang, da war ja nur zwei Tenor-Hörner, drei Trompeten, Schlagzeug, Tuba, das war's.
SPEAKER_00Achso, ja, da fehlt dann ganz. Aber die haben kleine Egel in der Besetzung.
SPEAKER_02Die haben Akkordeon dabei.
SPEAKER_00Die haben ja Akkordeon dabei, glaube ich.
SPEAKER_02Genau. Und das natürlich auch neben dem Harmonischen natürlich auch mal noch eine spannende Klangfarbe. Weil ich, so gut die alle spielen. Mir fehlt auf Dauer irgendwie eine Klangfarbe. Und wenn es das Holz halt nicht ist, dann halt von mir aus ein Akkordeon oder so.
SPEAKER_00Ich finde das überhaupt spannend so in dieser Szene. Jetzt sind gerade diese kleinen Besetzungen in, vielleicht wenn man es besser verkaufen kann oder so. Das kommen wir jetzt irgendwie vor. Ich weiß nicht, wann die genau anfangen haben mit der kleinen Egeländer-Besetzung. Das wird es wahrscheinlich auch schon bei zehn Jahren jetzt geben lassen und die das machen.
SPEAKER_02Ja, weiß ich jetzt selber nicht. Also auf jeden Fall.
SPEAKER_00Und im Seite gibt es irrsinnig viel solche kleinen Besetzungen jetzt irgendwie. Und davor hat es ja irrsinnig viel große Besetzungen gegeben, die sich immer wieder. Also jetzt ist gerade wohl daran trennt irgendwie bei den.
SPEAKER_02Ja, aber ich glaube, also ich hatte ja selber 15 Jahre lang eine große Besetzung und es war ein ausschlaggebender Punkt, war auch das Finanzielle. Also das, was du selber bei deinen Big Bands angesprochen hast. Ja, sicher. Habe ich auch bei uns gesehen. Also gut, bei uns ging es ja nicht darum, dass ich Profimusiker habe, die davon leben müssen oder so, aber wir kamen ja nicht mal auf Null raus. Also wenn du dann immer nur drauflegst, dann stellst du das halt dann doch irgendwann in Frage.
SPEAKER_00Ja, ja, das ist ein ganz großes Problem natürlich. Dieses wirtschaftliche Problem dabei, bei Großbesetzungen. Die sind im Jazz nicht viel anders wie in der Blasmusik. Wobei wahrscheinlich ist man im Blasmusiksektor fast noch extremer, könnte ich mir vorstellen, dass die Garschen da benutzen.
SPEAKER_02Ja, da wird man oft, also bei uns war das oft so, dann irgendwie hat man das versucht, über Essen und Trinken zu regeln, wo du dich dann fragst, nee, das ist dann doch zu wenig, leider irgendwie. Aber gut. Aber weißt du eigentlich, dass du mitverantwortlich bist, dass eine Kleinbesetzung gegründet wurde? So indirekt. Du erinnerst dich an Christian Wissel? Ja. Er hat bei mir im Podcast gesagt, du hättest ihm mal gesagt, dass er ganz toll Polger spielen kann. Das habe ich sogar gehört, ja, da habe ich es munzelt, ja. Siehst du, und daraufhin hat er ja das drüber nachgedacht und dann kam ja die Filamenka dabei raus. Also so ein bisschen mit Schuld bist du schon.
SPEAKER_00Okay, alles freut mich natürlich. Ich weiß gar nicht, da haben wir da mal damals mal an einem Hochschulfest und so, glaube ich, lass Musik spielen lassen. Okay. Viele Grüße.
SPEAKER_02Ja, das sage ich ihm, wenn ich ihn mal sehe, aber ich sehe ihn auch nicht so oft. Oder eigentlich fast nie. Aber okay. Ich sage es mal demnächst, ich muss ihn eh mal anrufen. Du schreibst auf deiner Homepage verschiedene Zitate, unter anderem alle meine Noten bringen mich nicht aus den Nöten und ich schreibe Noten überhaupt nur aus Nöten. Beethoven-Zitat. Was sind deine Nöte, damit du komponieren musst?
SPEAKER_00Das kommt ab, ich fand das Zitat irrsinnig interessant oder spannend, weil das kommt schon aus der Zeit, wo ich nach Wien kommen bin. Also das finanziell gab es da schon Jahre oder Monate, Jahre, die waren nicht so einfach jetzt, denke ich. Also so, wenn man nur Freelance unterwegs ist, dann wird es von der wirtschaftlichen Sicht manchmal schlaflose Hechte und dann schreibt man Noten eben aus Nöten und von daher kommt dieses Zitat noch, was ich eigentlich ja unfassbar schönes Zitat finde vom Beethoven, wo die Situation ein bisschen, er hat ja auch immer, zumindest hat er immer so getan, dass er kein Geld hat. Scheinbar bei seinem Tod war ja dann doch einiges an Vermögen da.
SPEAKER_02Ja, ja, ja, ja. Das alte Schlitzohr. Was hat dich veranlasst, nach Wien zu gehen? Von Würzburg aus?
SPEAKER_00Ich war 2004 fertig mit dem Studieren und habe dann eigentlich ziemlich viele Musikschuljobs gehabt. Ich glaube, ich habe drei oder vier Tage unterrichtet. Eigentlich war da alles gemacht, dass bis zur Pension nicht mehr viel passiert. Und das hat man dann irgendwann Angst gemacht in dem Alter. Also, dass ich da jetzt bleibe, dort unterrichtet und es passiert nichts. Und dann habe ich mir überlegt, ich muss weg. Ich habe dann kurz überlegt, ob ich nach Stuttgart zurückgehe, aber das wollte ich dann auch nicht wirklich. Und dann ist so, und dann habe ich mit dem Thomas Gantcha dieses Don Ellis-Projekt gemacht. Dann war ich in Wien ja noch das Vienna Adorkest da. Die Szene fand ich sehr interessant. Kurz habe ich auch überlegt, nach Berlin zu gehen. Damals sind irrsinnig viele Leute nach Berlin gegangen. Aber Berlin hat mir von der Stadt her, war ich nie so großer Berlin-Fan. Ja, und dann habe ich gedacht, jetzt gehe ich einfach mal nach Wien und schaue, was passiert. Und ja, jetzt bin ich seit 16 Jahren da.
SPEAKER_02Klingt sehr mutig. Hattest du Angst, irgendwo hinzugehen, wo du vielleicht nicht so viele kennst und eigentlich von null anfängst?
SPEAKER_00Ich würde Angst sagen, Angst habe ich eigentlich keine gehabt. Im Nachhinein gesehen würde ich, glaube ich, eher Leute in dem Alter, ich glaube, ich war damals 27 oder 28. Genau, ich bin dann 28 worden, oder? 29, bin ich mit 28 nach hinten, genau und dann nehmen wir Sommer 29 worden. Da würde ich erde Leute empfehlen, glaube ich, dass sie nochmal irgendwas studieren oder sich nochmal für irgendwas einschreiben, dass man in so einem Pool drin ist, wo man regelmäßig Veranstaltungen hat, Leute kennenlernt. Wenn man jetzt so ganz allein da hinkommt und dann. Ja, das ist am Anfang, war das schon schwierig, das kann man. Ohne zu jammern, kann man das so sagen.
SPEAKER_02Hat ja mit Jammern nichts zu tun. Das ist ja, kannst du ja jeder vorstellen, wenn man das Land wechselt in einer Großstadt und man kennt eigentlich niemanden und dann auch als freischaffender Musiker, das ist.
SPEAKER_00Ja, und dann gehen wir immer zu Sessions, dann wird man von allen erstmal so anschaut, wer ist jetzt das, geht der wieder, bleibt der, will der was von unserem Kuchen und ja. Das ist nicht so einfach, aber war, glaube ich, schon auch wichtige Erfahrung und gute Erfahrung.
SPEAKER_02Ja, anscheinend, weil wenn du 16 Jahre lange da aushältst und es scheint ja auch, dass du dich da sehr etabliert hast, dann war das wohl der richtige Gang auch dahin.
SPEAKER_00Ja, mir taugt es total in Wien. Was in Wien halt spannend ist, natürlich, oder überhaupt spannend ist für Musik, das Ding ist vielleicht ein bisschen alt hergetragen oder so. Aber man begegnet quasi der ganzen Musikgeschichte, wenn man so will. Also alle großen Komponisten waren da, an jedem Haus erkennt irgendeine Stafel, dass der oder der, das da komponiert hat und so. Und dieses imaginäre, diese imaginäre Begegnung mit der ganzen Musikgeschichte, das ist natürlich schon sehr, sehr spannend. Immer noch.
SPEAKER_02Inspiriert dich das beim Schreiben? So die Vorstellung, dass du quasi ein Teil davon bist?
SPEAKER_00Nein, ich finde es eher so vom Ding her, wenn man durch Wien geht oder so, dann finde ich das irgendwie, da waren die. Also alle, was man in der Schule gehört hat, alle Komponisten, was man im Studium durchgenommen hat, in Musik geschickt, die waren im Prinzip alle da. Da ist es passiert. Selber zum Inspieren beim Schreiben tut einem das jetzt eher weniger. Ich glaube, da ist es, egal ob man jetzt in Wien oder irgendwo anders lebt, dann macht es wenig Unterschied. Ich glaube, der Johannes Brahms hat mal gesagt, wie ich das Zitat. Er kann nur in einem Dorf leben und arbeiten und deshalb lebt er in Wien.
SPEAKER_02Okay. Wie würdest du dich beschreiben, was bist du so für ein Leiter Typ, wenn du davor stehst? Bist du so ein energetischer Typ? Bist du eher so ein sehr, sehr rigider, herrschender Typ? Beziehungsweise was vermittelst du als Dozent an deine Studenten?
SPEAKER_00Es sind einige Fragen zusammen. Ich glaube, es macht einen ganz großen Unterschied, vor was für einer Band man steht. Wenn man jetzt mit einer Profi-Band arbeitet oder mit einer Studentenband oder bei einem Workshop mit einer Amateur-Big Band. Also das sind, glaube ich, völlig verschiedene Sachen. Ich meine, wenn ich mit einer Profi-Bigband arbeite, würde ich mal sagen, das ist eher kollegiales Arbeiten. Wobei ich natürlich schon vorgibe, wie the interpretation have. Wobei man das natürlich auch respektvoll. Teilweise, wenn da gute Vorschläge aus der Band kommen, kann man sich das natürlich auch anhören und sich darauf einlassen oder ausprobieren, was it's besser. Also this is so give and give, but chefing and such this to form, would you say? Also da sieht es viel mehr als ein pedagogisches Konzept. Also wie phrasiert man, wie weit man zusammen, wie ist timing, wie is the atom, wie is the luft, we schafft the band really spielen, mal ein tone from all zusammen to spielen, that we gemeins, that we gemeinsome in time atmen, but not when we in time atmen, can we in time spielen. And also these things, da geht es viel mehr um so eine vermittelnde Sache auf verschiedenen Ebenen. Also Timing, harmonisch, Intonation, etc. Und wie gesagt, bei Rapprofi-Bigman geht es eher um andere Sachen, da geht es schon mehr um musikalische Sachen. Also früher um musikalische Sachen, weil da viele Sachen schon viel klarer sind.
SPEAKER_02Würdest du dich mal reizen, eine Kooperation zwischen einem klassischen Orchester und einer Big Band zu machen?
SPEAKER_00Ihr habt das schon mal gemacht mit der Uni. Ehrlich? Okay. 2015 haben wir das, glaube ich, gemacht. Mit dem Sinfonieorchester von der Big Band, von der Universität für Musik und da schon eine Kunden spielen mit der Big Band zusammen.
SPEAKER_02Cool. Aber da muss man ja dann nochmal irgendwie anders. Also wenn ich jetzt Big Band leite, sind ja jetzt nicht die großen Dirigenten vorne, braucht man ja auch nicht. War das für dich eine große Umstellung, dann irgendwie nochmal so ein Orchesterapparat, der ja doch auch anders funktioniert?
SPEAKER_00Ich habe bei der Produktion das Glück gehabt, dass ich zwei Stücke selber dirigiert habe und der Rest haben von der Dirigierklasse Dirierschüler dirigiert. Und ich fand das schon eine faszinierende Erfahrung. Also so ein Symphonieorchester, dieser Sound ist schon mal ganz was anderes, wenn man dann mit dem Arm runterfährt und auf einmal fangen 60 Leute an, den Sound zu entwickeln. Das war schon ein sehr interessante Erfahrung. Und es funktioniert natürlich ganz anders. Also das Symphonieorchester ist viel träger wie ein Big Band zum Beispiel. Also ihr habt das dann damals, glaube ich, so verglichen, dass das Symphonieorchester quasi der große Tampfer ist und die Big Band ist ein kleines, schnelles Quot, irgendwie, wo man viel schneller reagieren kann. Und die Schwierigkeit eigentlich eher in dem Zusammenspiel zwischen Big Band und Symphonieorchester war teilweise wirklich, dass man das Symphonieorchester aufs Timing drauf bringt. Also Timing war in dem Projekt ein ganz, ganz schwieriges Problem. Ohne Phrasierung, Artikulation. Weil es dann doch was ganz was anderes ist, was eigentlich in einem Symphonieorchester gemacht wird. Und das zusammenzubringen, das war wahrscheinlich. Interessante Erfahrung, ja. Aber super Erfahrung und ja, da gibt es super Sachen.
SPEAKER_02Würdest du dich nochmal reizen oder lang dir die eine Erfahrung?
SPEAKER_00Ich würde es immer mal wieder reizen mit dem Sinfonie, aber leider hat man viel zu selten die Möglichkeit dazu, mit dem Sinfonieorchester zu arbeiten.
SPEAKER_02Okay. Was hat dich an der Musik von Don Ellis fasziniert? Der Groove.
SPEAKER_00Diese unglaubliche Leichtigkeit, diese Freude, die Energie, die ja diese Power, was diese Band auslöst. Dieses Happy, dieses Musik von Don Elis sprüht so eine positive Lebensenergie aus, so Happiness, so Party und Groove und ja, also ihr habt davor nie eine Big Band gehört, die es so gegruft hat. Und das hat mir glaube ich, also bis heute haut mir das um. Und es ist so irrsinnig leicht zum Hören und trotzdem verdammt schwer zum Spielen.
SPEAKER_02Ja. Also ich habe, dadurch, dass ich ja bei der Probe dabei war, habe ich das ja nochmal hautnah miterlebt, wie knifflig das auch ist. Allein durch die Taktarten natürlich. Und wie du schon sagst, das ist zum Hören, ist das total einfach dafür, dass es so vertrackt eigentlich ist.
SPEAKER_00Oh, ich meine, damals war es natürlich 2005, wo wir das in Würzburg gemacht haben, da war natürlich auch noch, da ist ja davor mit den Noten auch noch was schief gegangen. Da sind die Noten von Amerika geschickt worden. Dann hat sich der deutsche Zoll in München wieder nach Amerika zurüggt, weil die was falsch ausgefüllt haben. Und dann haben wir ja erst drei Tage vor der ersten Probe die Noten dann endgültig gekriegt. Also das war dann ein ziemliches, ja wie soll ich sagen, das war spannend. Alles ziemlich unter Zeitdruck dann, das herzustellen. Und das war dann das erste Mal. In der Zwischenzeit ist natürlich viel mehr Erfahrung. Und dann 2008 habe ich dann zusammen mit dem Thomas Tantz in Wien das Don-Ellis-Projekt gemacht, woraus dann das Don Ellis Tribute Orchestra entstanden ist. Und jetzt haben wir es auch viel öfter gemacht. Das Hauptproblem ist natürlich, am Anfang ist es natürlich irrsinnig schwer, weil man sich nie mit diesen Taktarten beschäftigt. Weil im Prinzip sind wir ja vier Viertel gewöhnt. Und dann geht da Dreiviertel, der geht gerade nur so. Aber der ist schon ein bisschen komischer wieder vier Viertel. Am wohlsten fühlen wir uns im Viervierteltakt. Und es geht ja schon los, wenn wir über Swing reden, oder? In Mitteleuropa haben wir natürlich alle das Problem, dass spätestens, wenn wir bis wir zwei oder drei Jahre alt sind, läuft mal die Blaskapelle vor dem Haus vorbei und spielt da 1-3, oder? Und dann, wenn man mit Swingen Verbindung bracht und wir haben auf einmal diese Off-Beat-Betonung, oder? Auf 2 und 4, was ja das beste Beispiel ist, wenn man irgendwo auf 2 und 4 klatscht, das Publikum klatscht dann auf 1 und 3. Also das ist mal im Kleinen und im Großen ist er natürlich, und dann hat man auf einmal einen Fünffierteltakt, oder? Und dann einen Siebenvierteltakt. Und dann bei Great Divide den 13-Vierteltakt. Und das sind alles Taktarten, mit denen beschäftigt man sich einfach nicht. Also das kommt nicht vor. Und darum tut man sich schwer, das zum Lesen, darum tun muss er sich schwer drüber zu spielen. Und das muss man halt einfach üben. Und je mehr man das übt oder je mehr man das probiert, je mehr wird das normal. Und eigentlich erst wenn es dann wirklich in für sich dann im Pferdsaut dann wieder. Und was beim Don Ellis natürlich der Vorteil ist, das ist nie ein ungerader Takt, den er verwendet wegen dem ungeraden Taktwillen. Was ich oft so in zeitgenössische Sachen oder so sehe, mit so vielen Taktwechseln, wo immer man denkt, warum? Also auch was ist jetzt der Grund dafür, dass es kompliziert ist und kompliziert aussieht, wo ist jetzt der Sinn? Don Ellis seine ungeraden Takte, die bauen alle auf dem Groove auf. Also das ist meistens ein Groove-Pattern, das immer unten durchläuft und das macht diesen Takt klar. Und dann muss man das Pattern halt wieder draufspielen. Und das ist aber dann nicht, das ist gar nicht so verkopft letztendlich, sondern eigentlich dann völlig natürlich. Man muss es nur mal wirken lassen.
SPEAKER_02Aber das ist vielleicht auch der Grund, warum es so leicht zu hören ist und nicht irgendwie komisch wirkt, weil es halt natürlich gebaut ist und nicht wie du schon sagst, irgendwie gewollt.
SPEAKER_00Ja, genau. Das ist die Energie, die der Groove gibt und der Groove vergibt eigentlich die Tagrat und darauf. Und er schreibt auch alle Kicks, alles was da passiert, Melodie, Nebenmelodie, Backgrounds, irgendwas. Es passt immer auf diesen Groove drauf. Es ist nie vom Groove weg irgendwie. Es hat immer, es ist immer irgendein Zahnrad, was in dem Groove zusammengeht.
SPEAKER_02Habt ihr vor, nochmal eine CD zu machen?
SPEAKER_00Jetzt haben wir schon ziemlich lange nicht mehr gespielt. Ich glaube, wir haben das 2013 war das Jahr, wo wir ziemlich viel gespielt haben. Da haben wir eine größere Tournee gespielt. Da ist dann auch die CD raus, außen dieser Tournee ist auch die CD, was es gibt. Dann haben wir 2013 ja beim Bayerischen Rundfunk das Bühne frei im Studio 2 Konzert, was es gab immer noch auf YouTube rumgeistert. Jetzt haben wir schon eine Zeit lang nicht mehr gespielt. Es ist halt auch immer das Problem, wo wir vorher schon waren, wie finanziert man das, dann ist das Zeitproblem. Das letzte Mal, wo wir es gespielt haben, da hat der Thomas zum Beispiel leider keine Zeit gehabt. Da haben wir es dann mal mit Matthias Schrevel gespielt. Eventuell wollen wir 2023 mal wieder was machen. Und das, was mir so im Kopf rumschwebt, wenn man das nochmal ausgrabt, wenn man das Projekt nochmal macht, es gibt ein paar Sachen, die noch nicht veröffentlicht sind von Kubernetes. Und das ist so eine Geschichte, wenn ich da nochmal eine CD mache davon, so die Unreleased-Charts oder so. Also so unveröffentlichtes oder mehr die unbekannte Sachen.
SPEAKER_02Wie ist das mit Noten? Kommt man da leicht an ran, wenn die nicht veröffentlicht sind?
SPEAKER_00Teilweise sind sie ja veröffentlicht, also teilweise gibt es einen Verlag zum Kaufen, ganz normal.
SPEAKER_02Okay.
SPEAKER_00Und die, wo es nicht gibt, wie zum Beispiel das Scene vom French Connection, das hat die transkripiert.
SPEAKER_03Okay.
SPEAKER_00Oder Variations von Trumpad. Oder was war es noch, dieser Open White zum Beispiel.
SPEAKER_03Ja.
SPEAKER_00Sehr geile Nummer. Das habt ihr dann teilweise runtergehört und arrangiert und dann auch von denen Sachen, wo es gegeben hat, dann wieder auf uns Absetzung so ein bisschen mehr angepasst und so. Also weil wir zum Beispiel im Vergleich zum Don Ellis dann ohne Klavier und mit Gitarre spielen.
SPEAKER_02Auf jeden Fall ein cooles Projekt. Also ich würde mich freuen, wenn er da nochmal was macht.
SPEAKER_00Ja, wird wahrscheinlich schon kommen.
SPEAKER_02Cool. Von dem einen Großprojekt dann zu deinem aktuellsten Großprojekt, nämlich die Kanal Suite. Total faszinierendes Projekt. Als ich es gelesen habe, habe ich mir noch gedacht, weiß noch nicht. Dann hattest du mir die CD geschickt, dann habe ich die eingelegt und fand es mega geil. Also ich finde das tierische Musik, die ziemlich cool. Wie kam es dazu? Wie kommt man dazu, über den Bau des Wiener Kanals eine Kanal-Suite zu schreiben? Gute Frage.
SPEAKER_00Wo fange ich da jetzt an? Also das Projekt hat sich, das hat sich zum Beispiel auch ergeben. Ich bin vor vier Jahren in der Zwischenzeit bin ich von Wien nach Pfaffstetten gezogen. Nicht wie du in der Anmoderation gesagt hast, Pfaffenstätten, sondern nach Pfaffenstätten. Ich entschuldige mich. Ja, das ist nur falls da. Für die meisten von Pfaffstätten, die sind lieber. Das ist bei Baden bei Wien. Ich bin in Pfaffstätten, ich quasi fast zusammengewachsen mit Baden bei Wien. Das ist so 20 km südlich von Wien. Und da bin ich mit meiner Frau rausgezogen und wir haben uns so ein altes Haus umgebaut und wohnen jetzt ein bisschen außerhalb. Nach 10 Jahren in der Großstadt kann man mal wieder ein bisschen draußen wohnen. Ich meine, fünf Minuten nennen wir Weinberge. And irgendwann haben das die Pfaffstettener auch mitbekommen. And there gab es immer schon eine Big Band. Die hat der Leopold Fuhrmann und der Bank Österreich jetzt sind, so Pfaffstetner, genau die im Sinn von hier. Und die haben ein bisschen so Hobbychesser, würde ich sagen. Und die haben immer mal wieder Bildprojekte gemacht, wo sie sich verschiedene Leute eingeladen haben. Und dann haben sie mich irgendwann mal gefragt, ich glaube 2017, wo sie dann mitgekriegt haben, dass ich da bin, ob ich nicht ein Projekt mit ihnen machen würde. Und da haben wir dann mit der Carol Olston, das ist eine amerikanische Sängerin, die in Wien lebt. Mit der habe ich dann ein Konzert gemacht mit dieser Big Band of Stetten und der Carol Olsen. Das war dann die erste Zusammenarbeit. Und dann ist irgendwann 2019 in Wiener Neustadt the niederösterreichische Landesausstellung. And that is entweder 2017 or Anfang 2018 bekannt worden that this Wiener Neustadt Canal, that is 36 km filled, that there is quite an axe of this Landesausstellung. And then Leopold Fuhrmann, who North Saxon of me and I'm about to deny the Kanal to what I wished, but I have the Geschichte überhaupt nicht gekannt. And then, when they were, am I able in Wikipedia angefangen einzumles? Under, wow, da wollten sie 1797 einen Kanal bauen, von Wien bis St. Adria bis nach Trieste. Das ist krass, ja. Und fand es dann irgendwie spannend. Und dann war ich irgendwann eine Woche später in einem Buchladen in Wien und da ist dann ein Buch gelegen, Wiener Neustädter Kanal. Das habe ich dann natürlich gleich gekauft, das Buch. Dann habe ich diesen Typ, der das Buch geschrieben hat, gegoogelt. Dann habe ich gesehen, dass der einen Vortrag hält über diesen Kanal hält. Da bin ich gleich zu diesem Vortrag hingegangen. Der hat mir dann, das ist dieser Fritz Lange, der hat mich dann sehr unterstützt in der ganzen historischen Beratung für das Projekt. Der ist schon 82 Jahre alt und forscht seit 50 Jahren an diesem Geschichtsprojekt. Okay, krass. Und dann habe ich irgendwann zu dem Leopolfün gesagt, ja, ich kann mir das schon vorstellen, aber wie tun wir da? Dann habe ich gesagt, ja, was könnte man vorstellen? Und dann habe ich gesagt, ja, wenn, wenn, dann müsste es, machen wir irgendwas Großes. So, sweet. Ja, und dann hat er das irgendwie gecheckt, dass dann der Bürgermeister das interessant gefunden hat und dann habe ich von der Gemeinde Pfaffstätten eben den Kompositionsauftrag gekriegt für dieses Werk. Genau, und jetzt haben wir dann 2019 die Uraufführung und jetzt haben wir es dann aufgenommen im Februar und im Juni ist die CD veröffentlicht.
SPEAKER_02Wie bist du da? Also, okay, es ist klar, es wird ein großes Werk, es wird vielleicht eine Suite. Wie geht man davor, wenn ich mir jetzt überlege, die Geschichte fängt 1797 an, das ist jetzt nicht das Jahr, was ich zwingend mit Jazz verbinde.
SPEAKER_00Nein, 120 Jahre vor der ersten Chessaufnahme.
SPEAKER_02Also das heißt, wie geht man da gedanklich ran zu sagen, okay, ich will ja eigentlich mit einer Big Band was aufnehmen.
SPEAKER_00Ich habe da gar nicht dann Chess gedacht, oder ob das auch so Zeit ist, wo es keine Chess gibt. Also das ist ja dann die musikalische Sprache. Im Prinzip ist das ja Programmmusik. Und mir, ich war mir lange nicht klar, wie das ganze Glieder ist. Und irgendwann bin ich dann drauf gekommen, okay, ich muss es, ich muss es unterteilen, ich muss es dreisätzig machen, dass ich mit dem Kanalbau anfange, quasi wie ist das gebaut worden, wie sind darauf die Schiffe gefahren, was ist darauf transportiert worden, was war sonst noch in dem Kanal, also die ganzen Mühlen oder bis in heutigen Zeit sogar, dass immer noch Kraftwerke Strom aus dem Kanal ziehen, etc. Ich glaube, bis heute werden da wird da jährlich der Strom erzeugt für 140 Haushalte etwa. And then this is the eine, and then war irgendwie eher Geschichten. Irgendwie, wer war in diesem Kanal? Also die Kanalgeschichten, also wer hat da gearbeitet, was für Leute waren in Kontakt mit dem Kanal, was ist da passiert. Das dritte war dann eben, was ist der Kanal heute? Oder wo haben wir heute noch Spuren von dem Kanal in Wien? Und das war dann so diese Grobegliederung, die ich gehabt habe. And then the Geschichte vom Kanal ja außer mir eigentlich niemand kennt, wo ich dann drauf kommen bin, ich muss einen Sprecher dazu nehmen, who quasi in Interludien die Geschichte vermittelt. Weil sonst das Publikum nicht mit auf die Reise. Also das Publikum, weil sonst kann ich irgendwas schreiben, was überhaupt nicht mit dem Kanal zu tun hat. Also das ist ja dann irgendwas. Aber ich muss es irgendwie schaffen, das Publikum mitzunehmen, dass das Publikum versteht, was ich da schreibe. Und dann bin ich auf diese Idee kommen, den Sprecher diese Texte zu lesen lassen, die von irgendwelchen alten Zeitungen rausgenommen habe, von den verschiedenen Büchern, die es gibt, zusammengestellt habe. Und dann eben diesen Peter Meissner das lesen hat lassen, den Sprecher. Und so hat sich das dann immer mehr aufgebaut. Und wenn man es live spielt zum Beispiel, dann werden wir die ganzen Bilder, die jetzt im CD im Pucklet drin sind, das wird dann noch vor Videowand projiziert quasi Live-Spielen. Also das wird so ein Gesamtding, was da das Publikum quasi.
SPEAKER_02Wann kamst du auf die Idee, da muss noch ein Solist her und dann am besten noch Andi Haderer?
SPEAKER_00Das ist natürlich eine ganz andere Geschichte. Ich habe der Andi eigentlich ziemlich lange gar nicht gekannt. Also ich kenne ihn eigentlich seit 1996 bei der Militärmusik, weil da hat der Trompeter damals schon gesagt, dass in Köln der Andi Haderer in der WDR-Big da an Wahnsinn sind. Und wo in Buyazo war, das waren nicht mehr Arbeitsphasen, wo der Andi kein Trompetend war. Und der Andi und ich sind uns dann das erste Mal begegnet, indem wir uns gar nicht begegnet sind. Das war bei irgendeinem Workshop, den ich gemacht habe. Bei der Big Band, die von mir aus Sachen gespielt haben, aber die dann zwei weekend af, der Andi gefeatured haben. And so hat der Andi dann schon mal Sachen gespielt gehabt von mir. And das Lustige an diesem Gesamtpaket Wiener Neustädter Kanalsfeed is natürlich, dass der Andi ja von here kommt. Also der kommt von der Nachbargemeinde von Pfaffstetten. Also der ist in Baden geboren und ist in Tripuswinkel in der Nachbargemeinde aufgewachsen. And dieser Leopold Fuhrmann, der das alles inszeniert, is quasi so der beste Jugendfreund von Andi. Und wann war das? 2018 habe ich in Köln mit dem Cologne Contemporary Jazz Orchester Projekt gemacht in Köln im Stadtgarten. And da hat dann der Leopold Fuhrmann zum Andi Hader gesagt, er soll dahin gehen. Und der Andi ist dann auf das Kondenzert kommen. Und da, das war eigentlich da, wir haben davor mal fünf Jahre vorher, ich glaube 2012 oder 2013, haben wir mal mit der Ehrenreichband im VG in Bessenwien mal zusammen gespielt, aber da haben wir einfach zusammengespielt, da haben wir nicht viel zusammenplaudert. Und dann eben an diesem Abend im Stadtgarten in Köln noch in dem Konzert. Das war so das erste Mal, dass wir uns kennengelernt haben eigentlich und geredet haben. Und ja, und ich bin jetzt in Fafstetten und er kommt ja von Triebiswinkel und die Big Band. Und dann war so, ja, machen wir mal was zusammen. Machen wir nächstes Jahr mit der Big Band Fafstetten ein Konzept sammeln. Da war aber von der Kanalsuite jetzt noch gar nicht die Rede. Das war dann erst drei Wochen später, wo das dann aktiv worden ist. Und dann haben wir gesagt, ja, machen wir das und spielen halt so ein Feature-Programm, wo wir ihn feature. Das haben wir dann wirklich before the Uffer von der Kanal Suite, haben wir dann das Angriffprogramm auch noch gespielt. Und so ist aber dann der Andi dazu gekommen. Dann habe ich im Prinzip der Andi, wo das mit der Kanal Suite accutend. Ich habe eben der Andi gefragt, ob er dann nicht auch mitspielen wird. Weil dann habe ich so Lichten, der man mehr. Das Hauptproblem in der Big Band ist ja oft zum Spielen. Ich habe nicht angeschaut, zum Spielen wie irgendeine Blaskapelle oder so. Also das, was aufgeschrieben ist an Noten, das kann man erlernen. Das ist ja auch oft der Grund, warum Amateur-Bigbands zum Beispiel oft sehr, sehr gut spielen. Wenn die sehr, sehr gut geprobt sind, dann spielen die sehr gut. Dann klingt es gut. Da, wo es häufig abfällt, ist, dass sich solomäßig nicht ausgeht. Also vom solistischen Erfahrung nicht ganz ausgeht. Und darum war mir dann wichtig, weil es ja so eine semi-professionelle Band ist, und ich habe dann von der Wiener Szene her für das Projekt dann eh ein paar Leute zugenommen und dann war mir wichtig, den Hauptsohn nicht zu haben, dem ich dann aber schon jedem Satz auch wieder den Solisten aus der Band gegenüberstellen kann. Und so ist dann der Andi eigentlich dazukommen und ich finde es jetzt am Ende eigentlich ein total schlüssiges Projekt, weil es hier aus der Gegend kommt und der Andi kommt von hier und das passt irgendwie zusammen. Und mir hat es natürlich auch irrsinnig gefreut, jetzt mal mit dem Andi wirklich zusammen zum Arbeiten und ja. Ein ganz besonderer Trompeter, soll ich sagen.
SPEAKER_02Das auf jeden Fall. Wenn man so die CD durchhört, das ist ja nicht nur reiner Swing oder so, sondern du hast ja auch mal was Rockiges, mal so ein bisschen eher so Hip-Hop-Grufiges dabei, also so ein Steemix. Ich habe auch in irgendeinem Interview gelesen, dass du gesagt hast, das ist für dich überhaupt kein Problem, weil du hättest ein breiteres Verständnis von Jazz. Was ist Jazz für dich? Was ist Jazz?
SPEAKER_00Das ist die große Frage. Ich glaube, Jazz ist eine Musikform, wo die Improvisation eine wichtige Rolle spielt, also wo der improvisatorische Anteil muss dann sein. Was das dann ist, was das für ein Groove ist, oder es ist nicht nur Swing Jazz, aber das ist, glaube ich, das Schwierigste zu beschreiben, was Jazz ist. Jazz hat, glaube ich, sämtliche popularmusikalische Stile mitgeprägt. Oder die sind alle aus dem Jazz raus entstanden. Und heute noch zu sagen, was ist jetzt wirklich Jazz? Oder ist es Hip-Hop-Jazz oder ist das kein Jazz? Ich glaube, das kommt dann eher darauf an, wie man das einsetzt, oder geht da jetzt ein Solo drüber, oder diese stilistische Einschränkung, oder auch zu sagen, was ist Jazz, das finde ich irgendwie schwer. Ich glaube, Improvisation ist ein ganz wichtiger Bestandteil vom Jazz. Und für mich ist, wenn ich schreibe oder mit Rapidband arbeite oder auch in Recombo arbeiten, Groove ist noch ganz, ganz wichtig. Also dass es groove irgendwo. Und ja, also das ist so das Verständnis, was ich glaube habe und will das gar nicht so ganz einschränken, was jetzt, das müsste immer zwingend sein oder so. Okay. Bringst du das auch deinen Studenten so bei? Ja, ich hoffe. Das müssen die Studenten sagen. Aber ich versuche mit der Big Band eigentlich, das ist eh viel zu wenig in meine Augen, was die Zeit haben zum Big Band spielen, weil letztendlich Big Band schon eine ganz wichtige Schule ist, denke ich, in einem Popularmusikstudium. Gerade Section spielt, also in Rapid Band kann man auch für kleine Besetzungen, wenn ich in einer Rafunk-Band spiele, kann ich auch Section spielen und in Rapid Band lernen, etc. Also wie verhalten wir in der Section? Und wir haben leider nur ein Jahr immer die gleiche Band. Also ab Oktober fängt jedes Jahr, fängt es wieder von vorne an. Das Vorjahr ist dann vorbei und man fängt wieder von vorne an, aber eine neue Band aufzubauen. Und um den eben möglichst in der kurzen Zeit ein breites Feld mitzugeben, ist, dass ich das Wintersemester immer ein traditionelles Programm mache, immer ein zwingendes Programm. Immer ein Programm, was in der Jazz-Tradition steht. Und im Sommersemester versuche ich immer ein modernes Programm, ein gratis Programm, eher hockiges Programm zu machen. Und somit versuche, dieses Feld abzudecken.
SPEAKER_02Zwei Sachen. Das erste wäre, es hören ja viele Laienmusiker auch zu. Was wäre so ein, zwei Tipps, so Grundsätze fürs Sections Spiel, was wichtig ist?
SPEAKER_00Ich glaube, das Wichtigste ist, ich weiß gar nicht, ob das nur für Section Spiel wichtig ist oder ob das allgemein fürs Musikmachen wichtig ist. Was auch fürs ganze Leben, glaube ich, wichtig ist, dass man zuhört. Also dass man zuhört, was passiert eigentlich? Was passiert in der Section? Was im Spiel der neben mir? Was passiert in der Band? Wo ist eigentlich die Time? Also zuhören, ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig. Und atmen. Also ich komme immer mehr drauf, aber Workshops, je länger ich das mache, dass die Atmung ein ganz, ganz großes Problem meistens. Dass nicht in Time geatmet wird, dass der Atmen viel zu langsam ist, dadurch spricht das Instrument zu spät an. Dass man, dass die Leute oft meinen, dass sie drauf sind, dabei sind sie zu spät. Also dass man wirklich in Time atmet, dass man in Time denkt. Das ist, glaube ich, so als erstes wichtig ist. Zuhören, was machen die anderen? Und dann einfach ausmachen, ich glaube, es ist manchmal gar nicht wichtig, it's so eine interpretation, is jetzt ein tone kurz or lang. Also heute gives the music for, which logic is if it's a fiert kurz or long is. Wichtig is, dass alle gleich spielen. And this is vielleicht also ein kleiner Tipp for Section Spiel. Also that we are gleich phrasiert und die Tonenden. Das ist so, also gerade auch im Amateurbereich häufig, das kommt aber ja auch aus der ganzen Musikausbildung. Wir unterhalten uns wie die ganze Zeit, wie den Ton anfängt. Da werden ganze Schulen darüber geschrieben. Aber wir unterhalten uns nicht so lange wie am Ende der Ton. Ende der Ton mache ich dann mit der Zunge zu, lasse ich einfach die Luft weg, lassen offen, machen zu. Und vor allem, wie lang geht der überhaupt? Also meistens brechen die Akkorde ja zusammen, weil nicht alle den Ton gleich lang aushalten. Und ich meine, was ein ganz lustiges Ding ist, du machst auch immer wieder so Workshops und so, wenn man einfach die Leute mal sagt, singt eine halbe und man stellt sich davor hin und sagt, eins, zwei, drei, vier. Du wirst haben von einem Viertel, von einem beiden Viertel bis zu BAAP, wirst du alles dabei haben.
SPEAKER_02Definitiv. Ja. Also gestern war tatsächlich das auch Thema. Das war beim Blastmusik-Workshop und da, wie du schon sagst, da entscheidet es ganz oft auch, wann es überhaupt aufhört. Und dann merkst du plötzlich, dass das ja teilweise auch, wenn man das zusammen macht, nochmal eine ganz andere Energie schiebt.
SPEAKER_00Ja, genau, das ist ja auch das zum Beispiel, wenn jetzt nur ein Viertel zum Spielen ist, auf die Eins, whatever, können wir irgendwo hinsetzen. Und wenn jetzt nur eins, zwei, drei. Und die alle zusammen auf diese Eins oder auf die vier atmen. Und da hinsetzen, dann hat es ja völlige Energie, aber meistens wird er atmen irgendwo.
SPEAKER_02Ja, ich finde halt auch, und das versuche ich jetzt schon ewig, meinem Musikverein auch beizubringen, dass sie einfach zusammen atmen, weil das gibt natürlich auch noch zusätzlich Sicherheit. Wenn du dir halt unsicher bist beim Einsatz, aber alle atmen zusammen, dann kannst du ja gar nicht mehr falsch einsetzen.
SPEAKER_00Ich finde immer interessant, es gibt natürlich Stellen in der Musik, wo es gerade für uns Blechbläser oder überhaupt Bläser, wobei ich ja auch glaube, dass die anderen auch atmen sollten. Also ich glaube, es bringt auch was für ein Schlagzeug, wenn man atmet. Auf jeden Fall. Aber es gibt natürlich schon Phrasen, wo es schwer ist, mit dem Atmen hinzukommen oder wo es wirklich die Frage gibt, misst, wo im Atme ich.
SPEAKER_03Genau.
SPEAKER_00Aber das sind vielleicht 5% der Fälle irgendwie. Und meistens hat man irrsinnig viel Zeit zum Atmen. Und ich beobachte, das beobachte ich wirklich von Workshops im Amateurbereich über Studentenbands bis teilweise in den Profibereich rein. Und die Zeit wird gar nicht genommen. Also das wird einfach, dass man auch da bleibt. Also dass die Pause ist Musik und häufig ist die Pause, war, ja, jetzt habe ich Pause, jetzt habe ich zwei Tage Pause, okay, ich bin zwei Tage weg, aber die Musik läuft ja weiter, also ich bin ja trotzdem noch dabei. Und wenn die dann durchläuft und ich atme zum Beispiel bin ich da auf die Eins. Und meistens wird viel zu gut und knapp geatmet und dann kommt die Einsatzammeln und dann ist schon wieder alles. Also dieses Timing, dass jeder sich aber, es ist nicht nur das Schlagzeug für Time verantwortlich, es ist jeder für Time verantwortlich.
SPEAKER_02Und das ist, glaube ich, dieses Bewusstsein, was total wichtig ist. Nimmst du dir die Zeit, das mit deinen Studenten dann zu üben?
SPEAKER_00Hin und wieder versuche mir die Zeit zu nehmen. Häufig, das habe ich mir jetzt selber, ist dann viel zu wenig Zeit, weil dann ist schon wieder Snack, kommt dann schon wieder ein Konzert irgendwie. Und ja, das ist häufig halt dieses Problem. Also wir da viel mehr Zeit haben, genau an diesen Dingen zu arbeiten. Aber vor allem am Semesteranfang, also immer zum Wintersemester, versuche ich das schon ein bisschen ausgiebig zu machen. Also auch, da versuche ich auch immer mal was zu machen ohne Noten. Dass man so Head Arrangements spielt. Ich glaube, dieses, also das war aus eigener Erfahrung, wie schwer es mir gefallen hat, mich von Noten zu lösen beim Spielen. Ich glaube, damit kann man nicht früh genug anfangen, ohne Noten zu spielen. Und das war so, das denke ich mir auch oft so heute noch, wenn ich irgendwo sehe, wie an Musikschulen ausbildet wird. Ich meine, Noten lernen, das ist schon wichtig, aber einfach dieses Instrument auch einem Kind zu sagen, ich meine, das kann alle meine Ähnchen sein oder irgendeine bekannte Melodie, spielen wir alle meine Ähnchen, ohne Noten. Spiel mal, also dass das Instrument einfach gelernt wird, wo sind die Töne sind, also kann ich spielen, was ich höre, kann ich eine Melodie, kann ich selber spielen. Und dann kann ich danach immer noch aufschreiben und sagen, so sieht es in Noten aus. Aber wir fangen eigentlich seit wahrscheinlich 100 Jahren in der Musikausbildung ja genau falsch rum an. Wir malen eine C auf und sagen dann den Ton, dann jetzt sage ich für Trompete, jetzt habe ich den Ton greift man ohne was zum Greifen, also mit 0 und das ist C, oder? Wenn du das jetzt so spielst, genau, wenn du Peck hast, brichst nur das G, aber eigentlich ist das dann C. Und viel spannender ist, glaube ich, dieser Ansatz, dass man früh anfängt zu hören irgendwie. Also dass man spielen kann, dass man nicht verloren ist, wenn das Notenblatt nicht mehr da ist.
SPEAKER_02Woher glaubst du, kommt das? Dass die Musikausbildung eigentlich eher von den Noten auskommt und nicht vom Spielen an sich? Ich weiß nicht. Weiß die Lehrer oft selber nicht können? Ja, man macht es halt im Studium auch nicht mehr, gell? Auswendig Spielen waren nie Thema.
SPEAKER_00Ich meine, es ist ja, wenn man so überlegt, wo ich so diese Beethoven-Biografie gelesen habe und mich mit Beethoven befasst habe, der Beethoven war ja ein Improvisateur, das weiß man ja heute fast gar nicht. Das war ja ein Klavierrituose, der improvisiert hat. Es sind in der Zeit die ganze klassischen Konzerte, diese ganzen Kadenzen sind improvisiert worden. Und im Heut spielt man ja eine aufgeschriebene Kadenz letztendlich. Das ist irgendwie völlig verloren gegangen. Wo das genau herkommt, ich glaube, es kommt dann immer ja, ja, die müssen dann schnell zusammenspielen, in Gruppen spielen und es geht nur über Noten. Naja, man könnte auch irgendwie versuchen, Übungen zu entwickeln, zusammen zu spielen, wo man jetzt nicht unbedingt Noten braucht. Also das Zauberwort Pendatonic zum Beispiel. Man lernt mal ein Ensemble der Pendatonik und lässt es einfach mal ein bisschen schauen, was da geht. Da gibt es nicht viele Reibungen, da klingt jeder Tom ziemlich gut zueinander. Oder auch mal ohne Noten einfach ein Stück zu lernen mit dem Ensemble. Also ich habe ja vor, das ist wahrscheinlich auch schon wieder 10, 15 years her, mal by these Jess Juniors Kursen from Landesjugend Chess Orchestra Bayern. Da haben wir damals, aus in the Big Band, but in the kleinere Ensembles, a woodlang ohne Noten gearbeitet. Then we have so workshops gemacht, two, three Malia. I was in four special Polka trifft swing. And I have with these Kapellen, which I gemacht haben, damals einen Blues auswendig gelernt. Also in Blues gelernt. Also da haben alle die Baseline gelernt, dann haben wir so eine High Tone line gelernt, dass sie auswendig die Harmonien spielen können. Und dann haben wir ein Thema gelernt. Und das haben wir dann auswendig gespielt. Und danach haben sie aber die anderen Sachen auch besser gespielt, weil sie viel besser zugehört haben. Und das ist so, es geht irgendwie immer auf diese Noten, die sind so, das ist so ein Heiligtum irgendwie. Und es geht immer, also gerade glaube ich wenn man so im Jugendalter an, Kindesalter anfängt, halt in diesen ersten ein, zwei Jahren, wo jemand ein Instrument lernt, ich finde, da könnte man, glaube ich, viel mehr über das Gehirn machen, wie jetzt das Kleid, das muss so sein. Und das ist richtig und falsch. Ja, was ist richtig und falsch? Das ist ja immer nur eine Sache der Betrachtung. Also es ist natürlich, wenn Noten da liegen, ist viel leichter zu sagen, das ist richtig spielen, das ist falsch gespielt. Wie wenn ich jetzt irgendwas falsch mache. Und das ist aber ja kein Widerspruch, dass man jetzt keine Noten lernen sollte, das sage ich ja gar nicht. Sondern man kann ja wächst mir auch Noten lernen und spielt dann in jeder Stunde oder in jeder Einheit irgendeiner Melodie auswendig. Dann ist es auch schon unter diesen Synout zur Improvisation verbunden.
SPEAKER_02Das ist total spannend, weil ich habe letztes Jahr kurz vor Corona, also wir haben an der Schule Blätter gelassen. Die fangen ab der fünften an. Und ich hatte mir letztes Jahr tatsächlich gedacht, okay, die lernen die ersten fünf Töne, noch ohne Noten. Dann kommen so ein bisschen Noten, wir spielen mal ein paar Stücke. Und ich habe, glaube ich, schon in der dritten, vierten Woche angefangen und habe so ein Playback zusammengebastelt und habe gesagt, jetzt improvisiert doch mal mit den fünf Noten. Und selbst da war schon ganz oft die Hemmung einfach da, obwohl die eigentlich noch gar nicht so lange drin sind in diesem wir lesen Noten, sondern wir spielen eigentlich. Gab es ganz viele, die da schon Hemmung hatten, einfach mal zu spielen. Irgendwas dazu.
SPEAKER_00Ja, vielleicht ist es auch, vielleicht muss man da auch das Problem gar nicht in der Musik suchen. Sondern das ist so eine Angst vor Fehler zu machen. In der ganzen Pädagogik oder in unserem ganzen Leben, ich weiß nicht, woher das kommt, dass Fehler sind total hegativ belegt. Das heißt eigentlich, man darf keine Fehler machen. Das ist ja ein völliger Bullshit. Das einzige, was man nicht machen soll, der gleiche Fehler zweimal. Aber wenn man den Fehler macht, also man kann aus nicht mehr lernen wie aus Fehlern. Und sich die Fehler dann auch selber eingestehen und versuchen daraus die richtigen Stüsse zu ziehen letztendlich. Das ist, ich glaube, ganz wichtig. Und ich glaube, das kommt so ein bisschen out, diese Hemmung ist dann wirklich, bei Kindern, Jugendlichen, die lesen die Noten und dann gibt es richtig und falsch. Und wenn sie die Noten spielen, dann denken sie, das ist richtig, obwohl es ja auch wieder falsch forciert sein kann. Oder von der Intonation her falsch sein. Also da kann ja auch wieder viel falsch sein. Und das andere trauen sie sich nicht. Das kommt auch viel daher, dass Fehler machen scheinbar nicht in diese perfekte Welt passen. Diese scheinbar auf perfekten Welt.
SPEAKER_02Ja, aber ich finde das so schade. Ich finde es so richtig schade. Und ich, also mir fällt es noch mehr auf, seitdem ich selber eine Tochter habe, dass, also wenn wir mit anderen zusammen sind, dass wie eingefangen andere Kinder werden. Also die dürfen nichts ausprobieren. Weil es könnte ja, vielleicht könnte es auch gesellschaftlich was Falsches sein. Also vielleicht stört es ja jemand. Und wir lassen unsere eigentlich immer ganz gut ausprobieren. Und das ist total cool. Das ist ein total ausgeglichenes Kind. Das ist total neugierig auf alles. Kann schon recht viel. Aber weil sie halt auch machen darf. Sie darf einfach auch mal vieler machen.
SPEAKER_00Ja, aber das ist zum Beispiel ein Instrument, wenn wir da jetzt hinkommt, gerne ausgegeben. Es gibt so viele Junge, oder da müssen wir ja gar nicht über Jugendliche reden. Das gibt ja auch im Erwachsenenalter, also in diesem ganzen, auch in diesem ganzen Amateurbereich oder überall Leute, die, wenn sie üben, schlagen sie das Notenheft auf und spielen die in den Noten. Anstatt sie einfach mal spielen, auf dem Instrument spielen, einfach mal versuchen, eine Melodie zu spielen. Was kommt eigentlich? Und diese Hemmschwelle, und da gibt es ja überhaupt keine Angst. Also man kann ja überhaupt nichts falsch machen. Also man spielt mal einen Ton und dann macht man entweder Pause oder spielt der nächste Ton. Oder spielt der gleiche Ton nochmal.
SPEAKER_03Ja.
SPEAKER_00Das ist das erste, man kann ja ganz frei machen. Und im nächsten Schritt kann er dann ein bisschen Time dazu nehmen. Und dann kann er vielleicht mal eine Melodie nachspielen, die ich kenne. Und ich glaube, dass sowas irrsinnig viel die Ohren öffnet. Und das schließt jetzt wieder wahrscheinlich die Frage von vorher, was im Section-Spiel wichtig ist. Und ich glaube, die ganzen Musik machen, hören ist. Zuhören. Und das ist nicht mal nur in Musikmachen. Das ist ganz philosophisch. Das ist ja nicht mal nur in Musik. Wenn die Leute mehr zuhören, würden wir es allgemein, glaube ich, viel weniger Missverständnisse geben.
SPEAKER_02Das auf jeden Fall. Wenn wir jetzt schon so auf dem philosophischen Weg sind, du hast noch ein wunderschönes Zitat auf deiner Homepage stehen. Von, weißt du, welches ich meine? Von John Coltwin. Er schreibt, wenn es etwas gibt, von dem wir glauben, es könnte besser sein, dann müssen wir uns darum bemühen, es besser zu machen. Ob nun in menschlicher, musikalischer oder politischer Hinsicht in allen Lebenslagen.
SPEAKER_00Warum schreibst du das? Ich finde es ein unfassbar gutes Zitat. Ist es auch. Es ist natürlich auch schwierig, aber irgendwie ist das, mit dem ich immer kämpfe, mit dieser Frage. Also dieses, das geht so eine perfektionistische Frage, wo man ja auch oft dann unzufrieden ist. Also man muss es immer versuchen, besser zu machen. Das ist so ein endloses Ding. Aber eben glaube ich auch, um das geht es. Man muss sich immer weiterentwickeln, man muss sich immer hinterfragen, selber beobachten, selber zuhören. Das kann sehr frustrierend sein, häufig. Aber ich glaube, das bringt einem auch weiter. Also genau in diesen drei genannten Lagen letztendlich.
SPEAKER_02Bist du ein politischer Mensch?
SPEAKER_00Ich habe eine politische Meinung, aber bin, glaube ich, kein politischer Mensch.
SPEAKER_02Okay. Ja, also ich kann das Zitat nicht, aber das werde ich dir jetzt ein bisschen, also werde ich klauen. Das finde ich echt gut. Das finde ich richtig gut. Ich habe gelesen in meiner Recherche, dass du ja schon mit relativ vielen großen Stars aus der Jazz-Szene spielen durftest und sie mit dir gearbeitet haben. Was war da vielleicht für dich so der beeindruckendste Mensch, den du getroffen hast?
SPEAKER_00Schwierig zu sagen, das waren immer wieder beeindruckende Menschen letztendlich. Ich will das jetzt gar nicht auf einen irgendwie rausnehmen oder einen da. Da hat jeder seine ganz eigenen Qualitäten irgendwie. Was vielleicht trotzdem für mich so das schönste Erlebnis war oder mit der schönsten schwierige Frage. Wie gesagt, diese Tournee mit dem Ray Anderson 2016, mit dem MGO Featuring Ray Anderson, das war für mich wahrscheinlich schon diese eines der beeindruckendsten Zusammenarbeiten. Weil das so wirklich der, das war so mein Posaunen-Hero, wo ich so zum Jazz kommen bin und im Studium anfange, das war so Ray Anderson, der spielt so anders wie alle anderen. Und dann irgendwie 15 oder 20 Jahre später dann mit dem Typ auf der Bühne zu stehen, für ein Programm geschrieben zu haben. Ja, das war schon sehr cool.
SPEAKER_02Was sind deine Pläne für die Zukunft? Also was erwartet uns noch jetzt so nach Kanal Suite? Stehen da schon große Sachen bevor? Also ich weiß, es ist eine schwere Zeit zum Planen.
SPEAKER_00Also großprojektmäßig, also ich glaube, dass es kein zehnjähriges Jubiläumskonzept vom MGO geben wird, weil es einfach Corona zum Opfer gibt. Also es ist einfach blöd, im 12. Jahr ein zehnjähriges Jubiläum zu spielen. Und darum glaube ich, dass sie nächstes Jahr oder übernächstes Jahr ein neues Programm mit dem MGO aufnehmen wird. Und wahrscheinlich geht es in Richtung Sagen, wird wahrscheinlich das Thema.
SPEAKER_02Oh, okay. Das stimmt spannend. Ja, also da bin ich gerade. Kannst du da schon ein bisschen was erzählen drüber?
SPEAKER_00Nein, kann ich noch nicht, weil ich selber gerade am Suchen bin und was fürs Sagen und wie das einordnen kann? Das mache. Eventuell nehme ich eine Sängerin dazu, die aber dann vielleicht eher spricht und melodiös als Catgesang mit der Band eingesetzt wird. Also da gibt es gerade Überlegungen, dass das das neue MGO-Programm wird. Ansonsten bin ich mir zum Überlegen, ich habe schon ein ziemlich lange Beatles Project, in einem Projekt, wo wir Beatles-Sachen spielen. Da haben wir jetzt erst am Anfang auch gepusht, wieder mal gespielt. Da bin ich mir am Überlegen, ob ich das Programm mal aufnehme. Weil es spielen wir jetzt schon so lange, ob man das nicht mal dokumentieren sollte.
SPEAKER_02Aber da habe ich noch eine Frage. Wenn du sagst, Bernd lohnt sich wirtschaftlich nicht, CD es ja eigentlich auch nicht mehr. Oder rechnet sich das dann für dich?
SPEAKER_00Ja, das ist ja ganz völlig verrückt zu produzieren. Nein, es ist eine Katastrophe. Also mir stelle fest jetzt wieder, seit ich die Kanalsuite veröffentlicht habe, wird wieder geschrieben. Also man muss eigentlich veröffentlichen, um Presse zu bekommen, um Interviews zu bekommen, also um da zu sein. Aber es rechnet sich natürlich nicht. Also eine Big Band Platte, die haben sie vernünftig produziert und einigermaßen gar schon zahlt, dann kostet eine Big Band Platte einfach zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Und die NGGO-Platte, die habe ich rausgebracht, glaube ich im Frühjahr 2016, da habe ich das so nett. Jetzt bei der Platte, ich höre wirklich von vielen Leuten, aber ich habe ja gar keinen CD-Player mehr.
SPEAKER_02Ja, das kommt noch dazu, ja.
SPEAKER_00Also wir produzieren quasi für ein Medium, das es eigentlich gar nicht mehr gibt. In den neuen Autos ist wohl ja auch kein CD-Player mehr machen. Da wo wir da jetzt umbaut haben, weil die eigentlich, also wir haben das jetzt so gelöst, dass wir im Open Stock habe ich nur analog hören, also nur Schallplatten, nur meine ganze CD sammeln. Das ist manchmal super. Gebe ich mal ins CD-Regal, ziehe der CD raus, liest das Buchlet, legt die CD ein und höre ein CD-Tor. Also so und unten in meinem Büro, da habe ich natürlich alles digitalisiert, das ganze Achten. Und es ist aber ganz anders hören, wenn man einfach mal bewusst eine CD in die Hand nimmt und das hört. Aber irgendwie geht es verloren, ja. Und dieser Streaming-Dienste ist natürlich ein ganz heikelsthema. Also ich bin jetzt soweit, dass also weder die MGO-Platte noch die Mina Neusteller Kanal Suite gibt es auf Spotify oder auf irgendeinem Streaming-Dienst. Also man kann es auf iTunes oder auf Amazon kann man es sich downloaden, digital. Aber geht es nicht in den Streaming-Dienst. Weil das ist irgendwie für mich, das ist keine Zeit, wie. Also das ist ja quasi die für 10 Euro oder was glauben Spotify oder was kostet es?
SPEAKER_03Ja, ich glaube.
SPEAKER_00Und jetzt gibt es natürlich viele Leute, die sagen, ja, wenn man nicht auf Spotify ist, dann existiert man quasi nicht. Naja, ich meine, wenn ich jetzt dann so sehe, die ganze Jazz hat, glaube ich, einen Marktanteil in der weltweiten Musikproduktion von 1%, also dann existiere ja sowieso schon nicht. Also dann existiere ja auch nicht, ob ich jetzt auf Spotify bin oder Netflix eigentlich. Aber die spannende Frage ist natürlich, wie man in Zukunft, wahrscheinlich irgendwann wird man es machen müssen, weil man gar nicht mehr drum herum kommt. Ich finde die Abrechnungsdinger mit 0,0001 Cent oder was für einen Stream, das ist natürlich in ihr Sinn. Aber wo sich das hin entwickelt, ist eine ganz, ganz schwierige Frage.
SPEAKER_02Ja, das macht mir auch ein bisschen Angst, wenn ich ehrlich bin. Ich thematisiere das tatsächlich immer mal wieder auch mit Schülern, weil so als nachkommende Generation. Und denen ist das teilweise erstmal nicht bewusst, dass es für einen Musiker ja eigentlich nichts gibt. So. Und dann sind sie erstmal überrascht und dann spricht man drüber. Ich habe da auch schon mal Rollenspiele gemacht, dass sie sich vorstellen, dass man davon ja auch noch leben soll und so. Und wenn du dann aber in die Schlussdiskussion gehst, ob das jetzt irgendwas ändert an ihrem Hörverhalten, dann kommt natürlich bei vielen Nein. Was ich auch zum gewissen Punkt ein bisschen nachvollziehen kann. Dass wenn du für 10 Euro alles haben kannst, dann ja.
SPEAKER_00Ich bin schon ein Typ, glaube ich, der so sehr auf Alben steht. Also nicht auf einzelne Songs, sondern ich sehe das schon immer als, also auch die MBO-Platte zum Beispiel, da wollt ihr ein Album machen, wo ihr schon auch eine Aussage trefft und die in meinen Augen auch, sonst ist es ja so nicht gemacht, einen roten Faden hat, der da durchläuft, irgendwie von vorne nach hinten. Und dieses einzelne Anhören, also diese, mit diesen ganzen neuen Technologien ist natürlich die, die sage jetzt mal, die im Kunst des Albums ist ein bisschen absurd umgeführt worden. Und ich glaube auch, dass die Leute immer so aufmerksam hören irgendwie. Das ist auch was, was man ganz, was ja auch bei Studierenden immer mehr merkt, dass sie leider gar nicht mehr, wenn man sagt, sie sollen sich irgendeine Aufnahme jetzt zum Beispiel vom Heils oder so anhören, dann kommen sie gar nicht so weit, das Ganze durchzuhören, weil sie ja nebendran schon wieder 20 andere Sachen anboten kriegen zum Hören, wo sie dann schon wieder weiterdrücken irgendwie. Und das ist, glaube ich, schon was. Da damit umzugehen, glaube ich, das sind alle überfordert, also mir ja genauso, mit dieser ständigen Verfügbarkeit von allem. Das ist eine völlige Überforderung eigentlich. Und eigentlich müssen wir das lernen, wie man damit umgeht. Also ihr habt mir zum Beispiel im Urlaub auch gesagt, weil ich da mich selber ertippt, wie viele ich online bin auf diesen Social Medias, also Facebook oder sobald jemand was schreibt oder irgendwo blinkt, sofort Antwort, dass ich das wieder ein bisschen abstellen muss, einfach. Auch mal das Handy auf Stumm schalten und das ist einfach nicht da. Also das ist eine völlige Überforderung eigentlich, die man ständig, auch diese ständige Erreichbarkeit. Und ich glaube, es ist gescheitert, lieber mal hinzusitzen und einer CD oder einer Schallplatte von vorne bis hinten durchzuhören.
SPEAKER_02Ja, was mich ein bisschen erschreckt an der ganzen Sache, ist, dass gerade dann in der Popmusik halt einfach alles nur noch so geschrieben wird, wie es der Algorithmus vorgegeben wird. Also die Stücke waren immer kürzer, weil kein Mensch mehr länger hört. Ja, du hast keine Intros mehr schreiben. Genau, Intros gibt es nicht mehr. Also wenn ich jetzt zum Beispiel kommt mir jetzt so spontan an einen Song wie Papa was a Rolling Stone denke, wo das Intro ja schon gefühlt sechs Minuten dauert, das wird sich heutzutage kein Mensch mehr anhören.
SPEAKER_00Ich sehe es aber, ich habe ja für die für den Wiener neuesten Kanalstread, ich habe ja so einen Trailer, ich weiß nicht, ob du den Trailer gesehen hast. Dieses Video, ja. Ja, da wollen wir so eine Zeitreise machen. Und die Zeitreise beginnt aber ja erst irgendwie nach 30 Sekunden oder so. Das Springen, wenn ich das jetzt in dieser YouTube-Statistik mir anschaue, viele springen schon davor ab, bevor die Botschaft überhaupt losgeht.
SPEAKER_02Ja, und das zeigt ja, wie klein die Aufmerksamkeitsspanne ist. Jeder ist irgendwie hektisch und will sofort was kriegen und hat nicht mal die Zeit, 30 Sekunden durchzuhalten, bis da mal was anfängt.
SPEAKER_00Ich habe mir ja da, obwohl ich dieses Video gemacht habe, da haben zu mir schon Leute gesagt, das darf nicht länger sein wie 30 Sekunden. Und dann habe ich aber gesagt, ja, aber da bringe ich es ja gar nicht um, da muss ich es gar nicht, also dann kann ich den Schmäh ja gar nicht transportieren mit dieser Zeitreise, die muss ich da transportieren.
SPEAKER_02Ja, ja. Aber da tun so Medien wie TikTok halt ja Übriges jetzt dazu mit 15 Sekunden Videos. Das ist nur kürzer, ja. Das ist völlig absurd. Also ich komme da gar nicht mehr mit.
SPEAKER_00Also wie eben gesagt, ich glaube, es ist total wichtig, dass man produziert und eben was veröffentlicht für uns selber. Also man muss ja was machen. Aber es ist natürlich völlig irre natürlich. Also andere Leute kaufen sich halt vielleicht ein teures Auto und ich mache dann halt mal wieder Big Band Platte.
SPEAKER_02Ja, aber die ist langlebiger als ein Auto.
SPEAKER_00Und Umweltswunder. Und die, wie mich, ohne ich meine, so eine Quartettplatte oder was mir auch schon mal rumüberlegt, ob ich mal so solomäßig was mache. Ich habe mir so ein paar Saune bauen lassen.
SPEAKER_02Habe ich schon gesehen, ja.
SPEAKER_00So mit zwei, so mit zwei Schallbechern und so. Ob ich da mal solomäßig was aufnehme. Aber sowas ist ja dann relativ easy auch wieder, weil da kann man heutzutage natürlich, das ist natürlich dann wieder der Vorteil, dass man so Sachen natürlich auch im Home-Studio schon wieder ziemlich viel produzieren kann und aufnehmen und experimentieren kann.
SPEAKER_02Das stimmt natürlich. Man muss ja nicht alles schlecht reden von der heutigen Zeit, aber es wird nicht leichter für die Musik, glaube ich.
SPEAKER_00Ja, also man kann es natürlich auch positiv ausdrücken und sagen, es wird spannend, wo sich dieser ganze Tonträger oder ich werde es gar nicht mehr Tonträgermarkt, sondern dieser Musikveröffentlichungsmarkt hin entwickelt. Und ich meine, früher waren es einfach Verkaufszahlen, die sind ja heute unvorstellbar.
SPEAKER_02Richten sich, es ist jetzt weg vom Thema, aber richten sich jetzt so Platin-Platten auch nach Streaming? Weißt du das zufälligerweise? Also ein Jazzmusiker war ich nie im Kontakt mit Platin.
SPEAKER_00Ja, aber ihr glaubt schon, dass da Streamings mit reingerechnet werden. Ich weiß nur, dass zum Beispiel, das, was ich weiß, ist aber, dass wenn ihr CD auf ein Konzept verkauft, dass die nicht in die Verkaufsstatistik reinrechnet für sowas. Warum? Da rechnen nämlich nur CDs rein, die quasi über eine Scannerkasse gezogen werden.
SPEAKER_03Okay.
SPEAKER_00Also wenn du jetzt 5000 oder 10.000 CDs bei deinem eigenen Konzept verkaufst, hilft es dir nichts.
SPEAKER_02Dann hilft es trotzdem nichts. Scheiße. Wir kommen mal langsam zum Schluss. Ich mache am Schluss immer eine Schnellfragerunde. Fangen wir mal mit einer leichten Frage an. Was ist deine schlechteste Angewohnheit? Ich mach mal ungeduldig sein. Okay. Was sagen andere über dich? Puh. Da muss ich die anderen fragen. Okay. Welchen Ratschlag würdest du deinem jüngeren Ich geben? Früher beginnen, ohne Noten zu spielen. Was lernst du gerade?
SPEAKER_00Ich habe gerade wieder angefangen, Chess-Standards zu üben und über Changes zu spielen. Also so richtig Basic-Übungen wieder zu machen. Deshalb ist im Sommer zu diesen Mesterferien quasi begonnen, mit ein bisschen Basics mehr zu checken.
SPEAKER_02Wie lange hast du das nicht mehr gemacht?
SPEAKER_00Schon ziemlich lange nicht. Also ich habe ja auch mal so eine Zeit gehabt, zum Beispiel, ich glaube, von so zehn, wo ich fast nur geschrieben habe. Da gab es mal Phasen, wo ich dann relativ wenige Posaune gespielt habe. Und in letzter Zeit spiele ich wieder ein bisschen mehr Posaune und jetzt bin ich gerade wieder so ein bisschen am Basic, also so improvisiert Basics aufzufrischen.
SPEAKER_02Okay. Welches Buch bzw. welchen Film sollte man mal gelesen oder geschaut haben?
SPEAKER_00Wenn dann brauche ich jetzt irgendein Buch, weil ich bin jetzt so der Filmtyp. Ja, ich glaube, was man auf jeden Fall mal gelesen haben müsste, ist Zen in der Kunst des Bogenschießen.
SPEAKER_02Okay, cool. Das steht ganz oben auf meiner Leseliste. Ich habe das noch nicht geschafft.
SPEAKER_00Okay.
SPEAKER_02Aber habe ich auf dem Schirm. Okay.
SPEAKER_00Also das ist doch ein Buch, was mich immer wieder begleitet, also wo wir immer mal wieder reinlesen, was man immer wieder begleitet.
SPEAKER_02Okay. Also hört man ganz oft von Musikern tatsächlich. Also du bist nicht der Erste, der sieht.
SPEAKER_00Sagen das mehrere, oder wie?
SPEAKER_02Ja, ich glaube jetzt nicht zwingend im Podcast, aber so privat kenne ich einige, die das schon oft gesagt haben, dass man das mal lesen sollte. Ja. Deswegen steht es ja auch bei mir auf der Liste. Welche Aufnahme sollte man sich unbedingt mal angehört haben? Das ist die gemeine Frage an den Musiker.
SPEAKER_00Ich habe es ja deine Podcasts auch schon ein paar Mal gekürt. Ich weiß ja, dass es kommt.
SPEAKER_02Aber keiner bereitet sich vor.
SPEAKER_00Du musst jetzt fragen, auf irgendeinen Stil bezogen, sondern die ist ja. Ist völlig egal. Na, ich glaube so, also wenn wir jetzt Jazzmäßig würde ich schon mal empfehlen, so diese so verschiedene Don Ellis-Aufnahmen oder vielleicht zum Reinkommen in diese Don Ellis Electric Bars, das Album. Das ist, glaube ich, interessant. Das gibt so viele, was man auf jeden Fall eigentlich, was Super Platte von einem Stan Kenton Orchestra, New Conceptions in Artistry in Rhythm. Okay. Oder New Concepts of Artistry in Rhythm heißt es ab, New Concepts of Artistry and Rhythm. Okay. Ich 1953 aufgenommen habe, völlige Wahnsinnsplatte vom Stan Kenton Orchestra.
SPEAKER_02Die kenne ich nicht. Die höre ich mir gleich nachher noch an. Letzte Frage. Welche Wünsche hast du? Privat und welche Wünsche hast du an die Blasmusik-Szene? Privat, ich glaube.
SPEAKER_00Die Gesundheit, ich glaube, das Wichtigste, dass man gesund bleibt und dass ich weiterhin so meine Sachen verwirklichen kann, meine Projekte verwirklichen kann. Das sind so die privaten Wünsche. Und dass es im Umfeld natürlich auch, also dem ganzen familiären Umfeld natürlich auch gut geht und dass man dort gute Atmosphären hat. Und wie war die weitere Frage?
SPEAKER_02Und die Wünsche an die Blasmusikszene.
SPEAKER_00Ja, vielleicht, dass vielleicht mehr nach dem Motto gedacht wird, do it your own thing. Also mach thy eigenes Zeug. Also dass nicht einer anfängt mit der Leinenbesetzung, mit einer 7er Besetzung und dann machen auf einmal 20 andere auch 7er Besetzungen und dann macht wieder einer 16er Besetzung und dann machen auch wieder 20 Leute 16er Besetzungen, sondern dass die Leute ein bisschen mehr versuchen, ihr eigenes Ding zu machen und ihre eigenen Ideen umzusetzen.
SPEAKER_02Weil das wäre für die Vielfalt, glaube ich, ganz gut. Definitiv. Würdest du irgendwann mal noch eine Blaskapelle Markus Geiselhardt geben? Die gibt es ja quasi. Die gibt's? Also ich habe irgendwas auf Facebook mal gesehen mit Borsitzschap heute oder so.
SPEAKER_00Ja, genau. Es gibt einmal im Jahr Markus Geiselhart und seine Wiener Musikanten. Okay. Wann spielt ihr dann immer? Immer beim Pfaffstättener Großhalden. Haben wir jetzt seit sechs Jahren spielen wir da immer. Okay. Und es sind so Kollegen aus der Wiener Jazz- und Klassikszene. Und wir kommen da ohne Probe zusammen und spielen drei Stunden die schönsten Melodien von Ernst Mosch bis Robert Pierre.
SPEAKER_02Cool, sehr cool. Wird es davon auch mal eine CD geben? Wahrscheinlich nicht.
SPEAKER_00Weiß nicht. Ich habe ja mal zwei Polcasts geschrieben. Vielleicht schaffe ich in den nächsten sechs Jahren bis zu meinem 50. Geburtstag eine CD voll zum Schreiben. Dass es für eine CD reicht, dann nehme ich vielleicht mal eine Blasmusikplatte auf.
SPEAKER_02Das wäre auf jeden Fall gut. Okay, Markus, vielen, vielen Dank für dieses liebe Gespräch. Schön, dass du dir Zeit genommen hast, dabei zu sein. Ja, ich danke für die Einladung, für das Gespräch. Das war die 41. Folge. Vielen Dank an Markus Geiselhardt für dieses tolle Gespräch. Ich hoffe, ihr konntet wie immer was für euch mitnehmen. Ich möchte mich ganz, ganz herzlich bei euch allen Hörern und Hörerinnen bedanken für die Unterstützung, die ihr mir seit eineinhalb Jahren gebt. Ich habe jetzt meine Zahlen auf Spotify gesehen und ich bin unfassbar dankbar dafür, inwieweit dieser Podcast doch angenommen wird. Und das bestärkt mich natürlich in den Dingen, die ich tue, auch noch weiterzumachen. Wenn ihr da draußen jetzt sagt, ja, wir wollen dich auch noch ein bisschen unterstützen, weil dieser Podcast ist ganz einfach ein Hobby von mir. Ich bekomme dafür kein Geld und ich möchte, das auch so weit wie möglich werbefrei halten. Dann könnt ihr mich unterstützen auf Patreon. Für ganz kleines Geld könnt ihr mich unterstützen, damit mein Ziel wäre es, nächstes Jahr einen Cutter anzustellen, damit ich mir so ein bisschen Zeitfenster freiräumen kann, um einfach andere Dinge und kreative Dinge auch für den Podcast noch machen zu können. Ich habe schon einige Patreonen on Bord und bei denen möchte ich mich jetzt nochmal exklusiv bedanken. Das ist der Felix, der Rainer, der Andi, der Andreas, der Tobias, die Bettina, der Dennis und die Jasmin, die schon dabei sind. Als Dankeschön dafür bekommt ihr zwei bis drei Folgen nochmal extra zum Hören. Unter anderem das Format Musik meines Lebens. Da spreche ich entweder persönlich oder auch teilweise mit Gästen über ihre Musik, die sie beeinflusst hat und oder auch mich dann halt beeinflusst hat. Und wir hören auch ein bisschen Musik. Und dann gibt es noch einmal im Monat die Thekengespräch. In dem Monat war die Mentaltrennerin Mona Köppen nochmal bei mir zu Gast und wir haben so ein bisschen drüber gesprochen. Ja, wie ich oder wie man diese schwere Zeit jetzt mit Corona und dem Ganzen auch mental einigermaßen gut bewältigen kann. Also wenn ihr mich unterstützen wollt, dann auf patreon.com. Ich verlinke das natürlich nochmal alles in den Shownotes. Ansonsten, wenn ihr mir sonst noch weiterhelfen wollt, dann verlinkt doch einfach diesen Podcast auch in euren Storys auf Instagram. Schreibt mir gerne Feedback-E-Mails. Ich freue mich über jede. Sagt weiter, dass es diesen Podcast gibt. Abonniert ihn und dann wünsche ich euch eine gute Zeit.