Geldleere - Podcast für Geldanlage und Finanzbildung

91 - Depot-Check zum Jahresstart - Feinjustierung statt Aktionismus

Philipp Pönisch & Nick Stieglitz Season 1 Episode 91

Ein Börsenjahr mit doppeltem Boden: Rekorde im DAX, miese Laune im Land, Europa holt auf und die USA laufen dank weniger Schwergewichte vorneweg. Wir nehmen dich mit hinter die Schlagzeilen und ordnen ein, woher die Rendite kommt, wo Bewertungen bereits vorlaufen und warum die Stimmung oft das Gegenteil der Kursentwicklung erzählt. Dabei schauen wir auf DAX, MDAX, SDAX und Euro Stoxx genauso wie auf S&P 500, Nasdaq, China und die Emerging Markets – mit klaren Hinweisen auf Konzentrationsrisiken, Währungseffekte und Sektorzyklen.

Der Kern dieser Folge ist Praxis: Wie gelingt dir 2026 ein sinnvoller Frühjahrsputz im Depot? Wir zeigen, wie du Branchen- und Ländergewichte überprüfst, Klumpen aufbrichst, Überschneidungen reduzierst und mit einem einfachen, stabilen Setup Ruhe in deine Entscheidungen bringst. Dazu sprechen wir über die Rolle defensiver Bausteine wie Laufzeitfonds und Anleihen, den Nutzen von Geldmarktlösungen und den Moment, an dem Umschichten Richtung Qualität, Dividenden oder vernachlässigte Segmente wie Konsum und Healthcare wieder attraktiv wird. Und wir räumen mit dem größten Renditekiller auf: zu viel Cash ohne Plan. Notgroschen ja, aber darüber hinaus gilt, Chancen nicht ewig an der Seitenlinie liegen zu lassen.

Zum Schluss blicken wir nach vorn: In der kommenden Folge spricht Volkswirt Thomas Lehr (Flossbach von Storch) mit uns über Zinsen, Bewertungen und Positionierung – kein Hype, sondern Handwerk. Bis dahin gilt: Erhöhe deinen Sparplan, prüfe deine Zielgewichte, bleib gelassen. Gefällt dir, was du hörst? Abonniere den Podcast, teile die Folge mit einem Freund und sag uns, welchen Bereich du als Nächstes rebalancest.

SPEAKER_00:

Alles was damit ein Geld nicht mehr ausgeht.

SPEAKER_02:

Hallo und herzlich willkommen zur 91. Folge Geldlehre. Auch in 2026 ist mein Name immer noch Philipp Pönisch und auch in 2026 sitzt mir immer noch der wunderbare, einzigartige Nick Stieglitz gegenüber. Hallo und herzlich willkommen. Nee, jetzt müssen wir nochmal reinkommen. Wie war das nochmal? Moin aus Schwerin MV nach Bünde NRW. Jetzt habe ich es wieder. Hallo, mein lieber Nick. Hallo Philipp, ja, hast du sehr gut gemacht. Was für ein Feuerwerk. Und weißt du, Nick, es kann nur ein großartiges Jahr werden, weil das Jahr hat ja so geil gestartet und damit meine ich nicht mal die Börsen in den ersten Tagen diesen Jahres, sondern Nick und sein Spaziergang 2 Uhr morgens am 1.1. diesen Jahres, wo wir über Gott und die Welt und die Märkte und die Börse schon früh im neuen Jahr philosophiert haben.

SPEAKER_01:

Ja, also das Highlight des Jahres war es schon am 01.1. direkt Wahnsinn. Also Philipp, du hast den weiten Weg aus Schwerin-Dachbinde gemacht. Und es war sehr, sehr cool. Also ich habe mich extrem gefreut. Und ja, das Highlight war tatsächlich dann unser, also ich will es ja gar nicht laut sagen, aber ich glaube, wir sind fast zweieinhalb Stunden dann noch durch die Nacht marschiert. Also war sehr, sehr cool. Und ja, das hat uns auf jeden Fall jetzt viel Spaß gemacht und uns auch neue Energie gegeben, um frisch ins neue Jahr zu starten.

SPEAKER_02:

Total, also ich habe gerade so viel Energie, dass ich jetzt fast im Podcast gesagt hätte, Nick, lass uns mindestens zwei Folgen im Monat machen. Aber habe ich nie gesagt. Hab ich nie gesagt. Ja, also von daher lass uns rein starten. Ich habe ein bisschen was vorbereitet. Ich habe ein bisschen was auf meiner Agenda, du merkst das, ich habe wieder Bock. Und das ist auch natürlich die Ausgeruthheit, die man noch so ein bisschen mitgenommen hat. Ich muss dazu sagen, ich bin ein kleines bisschen angeschlagen. Ich hoffe, meine Stimme schafft das jetzt.

SPEAKER_01:

Da steht ja gut so ein bisschen Rauch in der Stimme, das passt schon.

SPEAKER_02:

Ja, wird. Also man sagt ja immer gesundes neues Jahr, also von daher, ich hoffe mal, dass die Gesundheit auch gleich ganz schnell wiederkommt. Aber lass uns rein starten, Nick. Ich dachte mir, wir machen mal ein kleines bisschen Jahresrückblick. Und dann, ich weiß nicht, wie dir das geht, aber ich mache immer so zum Jahresbeginn immer ein bisschen Ablage, einmal einen Schreibtisch aufräumen und da geht der Blick natürlich auch ins Depot. Und da würde ich auch gerne mit dir mal ein bisschen aufräumen. Das machen wir so im zweiten Teil. Und dann haben wir noch eine kleine Ankündigung, weil wir haben viel vor.

SPEAKER_01:

Wir haben viel vor. Eigentlich war heute, muss man ja auch sagen, eigentlich wollten wir hier den übelsten Jahresausblick machen. Das war so die Idee, dass wir mal wirklich gucken, was war gewesen und was, wie kommt das, wie ist es jetzt im Jahr? Und dann hat sich spontan für uns ergeben, dass wir einen sehr, sehr coolen Gast wieder haben.

SPEAKER_02:

Aber nicht, das machen wir am Ende. Okay, machen wir später.

SPEAKER_01:

Aber nur um zu verstehen, dass wir das jetzt ein bisschen einschränken mit dem Jahresausblick. Ja. Damit wir jetzt das nicht doppelt gemobbelt machen, aber die nächste Folge haben wir einen sehr, sehr coolen Gast, wo wir uns sehr freuen. Den konnten wir jetzt noch nicht für heute transferieren. Aber in anderthalb Wochen ist er hier und dann gibt es nochmal das komplette Paket für euch.

SPEAKER_02:

Ja, das wird gut. Das wird gut. Und wie gesagt, bis zum Ende hören, dann spoilern wir, wer es sein wird. Ja, dann lasst uns keinen Ausblick machen, sondern einen kleinen Rückblick. Und man muss ja sagen, wenn man ins Depot guckt, es sieht grundsätzlich super gut aus. Und wenn man sich die einzelnen Indizes anschaut, dann wird das ja immer interessant, wo kommt es dann genau her? Und das würde ich gerne mal mit dir machen, Nick. Und für viele Leute ist ja tatsächlich der Heimatmarkt dann schon auch sehr, sehr interessant. Man sieht es in den Tagesthemen, wo steht der DAX aktuell. Wir sagen auch in seinem Podcast immer, naja, international ist das wohl eine überschaubare Relevanz, aber man identifiziert sich mit den Unternehmen, die hier nun mal vor Ort sind. Und von daher, Nick, was hat er denn gemacht, der liebe DAX?

SPEAKER_01:

Also die erste Frage ist, was ist mit dem DAX los? Also wir haben ja das Ding. Genau, weil, ganz ehrlich, also wir reden ja, also egal was du dir anguckst, politische Nachrichten, generell Nachrichten, es ist ja eigentlich, liegt Deutschland und die Wirtschaft komplett am Boden. Und siehe da, der DAX auf neuem Höchststand. Also es ist schon ein bisschen verrückt und man muss ja sagen, ich habe mal nachgeschaut, im letzten Jahr hat der DAX satte 22 Prozent Rendite gemacht. Das ist unglaublich. Ich bin ja nicht der allergrößte DAX-Fan aus Gründen. Aber das ist, also die Zahlen lügen nicht und das ist schon wirklich gut. Oder was heißt, die Zahlen lügen nicht? Philipp, wir haben ja schon ein paar Mal drüber gesprochen, warum steigen denn Aktienkurse? Das kann einmal damit zu tun haben, dass irgendwie so eine Story bei den Unternehmen gut läuft, aber vor allem, und das ist so das Langfristige, im Grunde passen sich die Aktienkurse den Gewinnentwicklungen der Unternehmen an. Und das möchte ich direkt, ohne zu viel drauf einzugehen, muss man direkt ja mal einschieben, das passt nicht so ganz zueinander. Also die Gewinnentwicklung ist längst nicht so stark wie die Aktienentwicklung im DAX. Und das ist schon ein Missverhältnis, was man zumindest mal, wo man mal drüber nachdenken müsste.

SPEAKER_02:

Und was ich als interessante Geschichte noch on top bringen möchte, es ist ja jetzt nicht so, dass wir aus einem Tief, aus dem Tal der Tränen im DAX kamen, sondern 2024 war schon gut, auch um die 20 Prozent, 2023 war schon gut. Also eigentlich hatten wir jetzt drei Jahre in Folge sehr gute Zahlen an den Heimatmärkten. Und ja, wie du schon gesagt hast, die Stimmung ist nicht gut. Mit den Leuten, mit den Unternehmern darf sich da draußen im Moment gar nicht unterhalten. Das Sentiment ist schlecht. Ich glaube, der Deutsche neigt auch dazu, Dinge zu pessimistisch zu sehen manchmal. Es gibt schon wirklich Probleme, die brauchen wir gar nicht, da beißt die Maus den sogenannten Faden nicht ab. Aber trotzdem ist die Stimmung, ja, spiegelt nicht das wider, was wir an den Märkten sehen. Und jetzt könnte man natürlich sagen: gut, der DAX, der hat natürlich relativ wenig Anteil am Heimatmarkt, wirklich, weil die Unternehmen im DAX, die haben ja vor allem international ihre Gewinne dann eingefahren. Aber Nick, lass uns einen Blick in die zweite und dritte Reihe mal wagen. Der M-DAX, 19%, der S-DAX 22 Prozent. Das ist schon auch richtig, richtig gut.

SPEAKER_01:

Das stimmt. Und ein Stück weit, und also das ist ja wirklich sehr interessant, sich das mal anzuschauen. Ich habe mir auch mal den Eurostox 600 angeguckt. Also was macht Europa? Sieht ungefähr genauso aus. Also auch 18 Prozent. Ich glaube, es ist ein Stück weit dieses, vielleicht erinnerst du dich auch dran, wir haben vor einem Jahr hier gesessen und gesprochen, so, hey, wie könnte das ja laufen? Und da haben wir auch gesagt, es deutet sich schon so ein bisschen an, dass das Geld so ein bisschen aus Amerika rausgeht, ein bisschen mehr nach Europa geht, weil Europa insgesamt schon deutlich unterbewertet war vor einem Jahr. Und das haben wir letztendlich gesehen an den Märkten. Also so ein bisschen hat Europa da sich Amerika so angenähert. Und trotzdem, ohne dass ich da jetzt zu viel irgendwie warnen möchte, muss man schon sagen, dass die Kurse da ein bisschen den Gewinn schon ein bisschen davon gelaufen sind.

SPEAKER_02:

Ja, ganz longtime ist es ja schon so, dass Europa Amerika immer hinterherhinkt. Also vielleicht ist es eine temporäre Angleichung, weiß ich nicht. Aber spannend fand ich, ich habe mal die Top-Performer aus dem europäischen Wirtschaftsraum rausgesucht. Halte ich fest, Spanien, 48% 2025 zugelegt. Und die Österreicher, ja, 44%. Muss man fast schauen, ob das nicht zu Schweizerisch eben war. Aber 44% der österreichische Aktienindex.

SPEAKER_01:

Wow, schon egal. Also in Spanien hätte ich jetzt, in Spanien hätte ich jetzt überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt, bin ich ganz ehrlich. Da müsste ich sogar schon sehr, sehr stark mal nachdenken, was sind so, was könnten da die Treiber gewesen sein, weil wir haben ja gerade in Europa viele Länder, also wenn ich da so an Frankreich, auch Großbritannien denke, die ganz, ganz tolle, starke, weltweit relevante Unternehmen haben. Ehrlicherweise in Spanien müsste ich jetzt schon sehr, sehr stark nachdenken. Also vielleicht kannst du, weiß nicht, ob du da ein, zwei Unternehmen hast, aber da wüsste ich jetzt eigentlich kein Unternehmen, was mir direkt einfallen würde.

SPEAKER_02:

Also mein erstes Bauchgefühl wäre es vielleicht Versorger dort. Genau.

SPEAKER_01:

Ja, genau. Ja? Ah, krass. Also selbst.

SPEAKER_02:

Ich gucke mal rein hier, ja, ich habe hier gerade, hier googelt der Chef noch selbst. Ich gucke hier mal gerade mal rein, da hast du Banken, Banco de Sabadell, Kaixabank, dann eine Telekom. Inegas, also ja. Ja, wo kommt's her? Ist schon wirklich Telefonica Santander? Ist schon wirklich interessant, worausklärt es.

SPEAKER_01:

Also so oder so ist es spannend, mal so den mal in den Rückspiel zu gucken, ja, um das mal ein bisschen Revue passieren zu lassen, was ist so gewesen, finde ich auch sehr, sehr spannend. Jetzt wäre dann auch ein bisschen die Frage, was hat jetzt zum Beispiel dann in der Zeit Amerika gemacht oder auch die Emerging Markets? Also wie sieht das da aus? Hast du da mal geschaut?

SPEAKER_02:

Ja, also der SP 500, 18%. Der Technologieindex, die NASDAQ, 22%, also natürlich auch super, super, super.

SPEAKER_01:

Übrigens, da möchte ich direkt einmal eingreifen, beim S ⁇ P, da habe ich die Tage, ich weiß gar nicht mehr wo, einen sehr interessanten Chart gesehen. Ich habe es ja eben gesagt, in Europa und gerade auch in Deutschland sind die Kurse gestiegen, aber gar nicht mal so richtig die Gewinne. Also da ist es eher dann eine Bewertungsveränderung gewesen. Der SP 500, der ist sehr organisch mit den Gewinnen gewachsen, muss man sagen. Also da war Amerika trotz alledem, was man wieder über Amerika gesagt hat, deutlich stabiler, was so die Gewinnentwicklung angeht und entsprechend auch ein Stück weit nachhaltiger die Kursentwicklung dann.

SPEAKER_02:

Dämpfer an der Stelle, vielleicht merkt es auch der eine andere im Depot, wenn er so sagt, Mensch, oh, ich habe da hier Amerika relativ hochgewichtet, die 20% habe ich jetzt hier gar nicht. Der schwache Dollar, der hat natürlich auch nochmal ein gewisses Währungsthema mit reingebracht, sodass in Euro sind es wahrscheinlich dann eher so 15% vielleicht. Also ja, das ist auch schon ein Thema, was noch dazu kommt. Herr Dulce Luft.

SPEAKER_01:

Ja, weil Amerika ist ja ohnehin gerade die Indizes ultra speziell, das muss man wirklich sagen. Ich weiß nicht, ob das jemals schon mal gegeben hat. Also in meiner 100-jährigen Börsenvergangenheit habe ich das noch nicht so erwähnt. 120, glaube ich, ne? Mindestens. Es ist ja einfach immer noch getrieben von den großen sieben, von den Magnificent Seven, die wachsen und wachsen und wachsen. Das ist so lustig, auch im SP, wenn du da die anderen 493 Unternehmen nimmst, das sieht gar nicht so geil aus. Also je nachdem, von welcher Seite man guckt. Also da sind viele Unternehmen ganz schön günstig, teilweise historisch günstig, teilweise auf dem Tief der letzten 20 Jahre. Qualitätsunternehmen, wo sich keiner für interessiert. Also in Amerika wird es sehr stark getrieben von wenigen Einzelnen. Was natürlich, wenn man in die jetzt investiert war, ist es dann sehr gut gelaufen. Aber was natürlich auch ein sehr, sehr hohes Teilklumpenrisiko darstellt.

SPEAKER_02:

Wir wählen da ja schon seit Ewigkeiten mit dem Finger. Wann kommt da dann wirklich da der große Knall, dass man sich da wirklich mal auf den Arsch setzt und das mal feststellt, auch in solchen ETFs wie in MCA World zum Beispiel. Absolut. Emerging Markets, wir hatten Anfang des Jahres China so ein bisschen gesagt, Mensch, da wird was passieren, ist auch tatsächlich. 30% Wertentwicklung letztes Jahr. Und wenn man dann nochmal guckt, wie sehr sie dann auch in den Wirrungen des Mr. Trump im März, April, wo sie ja dann nochmal ordentlich auf Talfahrt geschickt wurden, wenn man sogar den Punkt nehmen würde, sind es um die 40 sogar. Also da konnte man einen richtig guten Riss machen. Imagine Markets sieht auch gar nicht so viel anders aus. Also Nick, Friede, Freude, Eierkuchen, wohin man auch immer guckt oder wie dürfen wir das Ganze einordnen?

SPEAKER_01:

Ja, also würde man auf den ersten Blick vielleicht denken, ich glaube, ganz vielen geht es so wie uns natürlich auch, dass es jetzt bei einem selber vielleicht gar nicht so ankommt. Also ich weiß es jetzt nicht, aber da werden die wenigsten wahrscheinlich plus 20, 25 Prozent im Depot haben, was aber auch, ganz ehrlich, gut und richtig ist. Weil, also im Moment ist einfach eine Phase, wo gerade die Leute gewinnen, die sehr einseitig investieren und die vielleicht auch, kann man es sagen, riskant investieren. Also die Dinger, die gut laufen, also da kannst du Tehmen, da kannst du auch sowas wie Rüstung nehmen. Das hat einfach ein Momentum. Und alle die Indizes und auch ETFs, vielleicht auch Fonds, die da so übergewichtet sind, die laufen gut. Aber wenn sich da mal die Story dreht und ich meine, wir sehen es jetzt gerade aktuell schon ein bisschen und es hat es halt immer gegeben. Ob das jetzt passiert oder noch ein, zwei, drei Jahre dauert, das weiß halt keiner. Aber wenn es da mal wieder zu einem Rebalancing kommt, dann sieht das schon ganz anders aus. Und das muss man ja auch sagen. Ein vernünftiger Fond, und da gibt es ja viele gute, also wenn wir da einen Flosper von Storch denken oder ich bin ja ein großer Fan of Fun Smith, ein wahnsinnig guter Fonds über Jahrzehnte. Der hat die letzten, der setzt nur auf Qualitätsunternehmen, sehr enge Auswahl, hält sehr lange an die Unternehmen fest. Der hat die letzten zwei Jahre quasi eine Null-Runde geschoben. Und das liegt nicht daran, dass der schlechte Unternehmen hat. Es ist einfach so, dass diese Unternehmen an der Börse überhaupt nicht gespielt werden. Es wird aber der Tag kommen, wo dann irgendwann mal auch die Aktionäre merken, Moment mal, die Gewinne dieser Unternehmen sind gut gelaufen, die Kurse sind eher runtergegangen. Was heißt das? Das heißt, die Bewertung, das Kursgewinnverhältnis, wird immer weniger, eigentlich werden die Unternehmen immer attraktiver. Und wenn man sich irgendwann mal wieder so sich die Marktstimmung dreht und man dann merkt, hey, eigentlich sind das ja geile Unternehmen, die es seit 100 Jahren gibt, die seit 60, 70, 80 Jahren Dividenden steigern, Gewinne steigern, dann kann das Ganze drehen. Und dann werden das auf einmal die Gewinner sein und dann werden eher die vielleicht Verlierer sein, die jetzt die letzten paar Jahre die Gewinner waren. Von daher muss man da schon sehr, sehr, ich sag mal, schon vorsichtig sein. Und vor allem, man darf sich nicht ärgern, wenn man jetzt die letzten ein, zwei Jahre bei diesen teilweise hohen Gewinnen nicht mit dabei war. Das spricht eher dafür, dass ihr ein gut gestreutes, breites Depot habt. Das ist dann in der Natur der Sache, dass man dann eben nicht immer zu den absoluten Gewinnern zählt. Aber wenn es mal schlecht läuft, wenn wir eine Krise kriegen oder mal eben ein Rebalancing, dann wird sich das auszahlen und deswegen da an jeden, der da irgendwie ein schlechtes Bauchgefühl hat, wenn er hört, dass der DAX plus 22 gemacht hat, ist es überhaupt nicht schlimm, wenn man da jetzt selber nicht in der Form eine Performance im eigenen Depot hat.

SPEAKER_02:

Ich habe jetzt, wenn du was ausgeführt hast, habe ich mir zwei Notizen gemacht, damit ich nicht hier ständig meinen Gedanken verliere. Du hast eine Sache gesagt, nämlich ja, wo vielleicht ein bisschen mehr Risky drin war, da ist auch tatsächlich letztes Jahr ein bisschen mehr passiert. Da habe ich mich mal das zum Anlass genommen, mir mal eine Position rauszunehmen, die wir ja auch schon im Podcast gesprochen haben, nämlich zum Beispiel den Bit Global Internet Leaders, BitGlobal Tech Leaders, der hat ja fast 50 Prozent letztes Jahr gemacht. Und ich habe mal tatsächlich geguckt in meinem hier aufenlegungen an der Stelle, in meinem Privatdepot, ja sogar 150% in den letzten zwei Jahren. Also man muss sagen, natürlich irre gut gemanagt, natürlich Unternehmen drin, auf die man auf den ersten Blick noch überhaupt nicht kommt, wenn man an einen Internet, einen Tech-Leader-Fond denkt. Wir haben dazu eine Folge gemacht, da kann man mal reinhören, wie auch letztlich die Philosophie dort im Management Team ist. Aber ja, das ist auch bei dem einen oder anderen Privatanleger so eine Mischung, Beimischung gewesen, um vielleicht ein bisschen mutiger zu sein, auch zu sagen, da kann es auch mal echt richtig schief gehen. Ist ja auch in dem Fond bereits passiert. Du kannst ja die wurden belohnt jetzt.

SPEAKER_01:

Genau, also auch da hatten wir Anfang letzten Jahres gesprochen, weil der ist vorletztes Jahr, also Dezember 2024 oder November irgendwie um den Dreh, hat der sich fast halbiert innerhalb von zwei, drei Monaten. Also auch da wieder hört es sich immer toll an, wenn es dann gerade gut läuft. Und dann kann man sich immer fragen, wieso bin ich nicht investiert, aber das ist ein Fond mit einer Volatilität von über 30 Prozent. Das ist schon eine absolut krasse Volatilität. Und ja, auch da, wer dabei war und die Gewinne hatte, super gut. Wer nicht dabei war, hat auch nichts falsch gemacht, weil das ist einfach auch nicht für jeden was. Muss man ganz klar sagen. Und das kann natürlich, also da weiß auch jetzt wieder keiner, jetzt steht er sehr hoch, ist jetzt mal wieder Zeit durchzuatmen oder wird zu weitergehen. Am Ende weiß es keiner.

SPEAKER_02:

Apropos, wo es Gewinne gibt, geht es auch für Lehrer. Vielleicht für den einen oder anderen auch ein Dämpfer letztes Jahr gewesen, Krypto. 2025 keine gute Performance und guckt man sich dann das nochmal ein bisschen engmaschiger zum Ende der letzten beiden Quartale an, sogar noch ein bisschen dramatischer. Also jeder, der das. Ja, sag.

SPEAKER_01:

Ja, sag ruhig. Ein Stück weit erstaunlich. Also wird ja immer so, da ist ja so ein bisschen die Story, gerade wenn es kriselt auf der Welt, wenn Kriege und Krisen sind, müsste das gerade sowas wie Bitcoin stärken. Das hat man das letzte Mal ja nicht ganz so doll gesehen.

SPEAKER_02:

Ja, das stimmt. Da gab es schon häufiger mal die Überraschung, dass dann doch die Risikostreuung dadurch nicht unbedingt gewährleistet ist. Das ist ja schon eigentlich auch, wer es sein müsste. Ja, spannend, aber da haben wir so ein bisschen mal die Welt umrundet. Gibt es da Branchenthemen, die wir uns noch angucken wollen oder wollen wir das fürs Erste belassen? Ich weiß nicht, ob du jetzt noch was auf dem Zettel hast, diesbezüglich zu tun.

SPEAKER_01:

Ja, vielleicht kurz einmal umreißen, weil auch da ist es ja immer wieder dieses Thema, ich kann mich noch so gut dran erinnern, wie wir, muss auch eine, halb Jahre her sein, wo wir gesagt haben, ganze Thema Healthcare-Sektor, auch Nachhaltigkeit, nach Corona extrem geboomt, danach hat es niemand interessiert. Wie viele Anfragen haben wir bekommen, auch von Kunden, die gesagt haben, boah, jetzt habe ich hier diesen Nachhaltigkeits- und diesen Gesundheitsfonds bei mir mit drin und der läuft ja gar nicht. Ja, das ist wirklich, das sind Zyklen, das läuft auch einfach mal in ein paar Jahren nicht und auf einmal läuft es. Und gerade in den Bereichen merken wir es, dass das wieder langsam kommt. Und blöd ist immer dann, wenn man, wenn man diese Geduld nicht hat, da aussteigt. Ähnliches Thema war ja auch mit China. Dann geht man raus, wenn man denkt, da passiert ja nichts und dann ist man raus und dann auf einmal laufen die Dinger wieder. Also auch da sollte einem einfach nur eine Lehre sein, einfach da entspannt zu bleiben. Und das wird es halt immer geben. Wir sehen es gerade im Konsumsektor, interessiert sich niemand für. Also Konsum ist ja wirklich komplett am Boden. Ich glaube, wenn wir uns in fünf Jahren den Sektor angucken, da werden sich wieder ganz viele Leute ärgern, dass man diese Phase da nicht genutzt hat, da zu investieren.

SPEAKER_02:

Ich bin jetzt so ein bisschen am Grübeln, mein lieber Nick. Wie ich jetzt den Curve schaffe zum zweiten Part unseres heutigen Podcasts, weil wenn ich deine Kernaussage eben richtig verstanden habe, hast du gesagt, bewahr mal immer schön die Ruhe, mach nicht so viel hin und her, und jetzt wollte ich mit dir frühsputz machen. Ja, passt doch gut. Also vergesst, was er eben gesagt hat. Jetzt drehen wir alles auf links. Nein, Spaß. Also, ich weiß nicht, wie dir das geht, aber tatsächlich war das vorhin nicht so dahergesagt, wenn ich so, wenn so das Ja dem Ende neigt. Wenn so der Alltag, was das Business angeht, so langsam ruhiger wird, wenn die Gespräche weniger werden, wenn man dann wirklich mal die Gelegenheit hat, Revue passieren zu lassen und auch mal aufzuräumen. Ein bisschen Ablage, ein bisschen Steuern übrigens. Stieglitz, ich kann dir sagen, am 2. Januar. Bin ich ins Büro gefahren und habe meine Buchhaltung fertig gemacht für 2025. Ja, also auch da bin ich wieder Streber. Ja, das Finanzamt wartet, die wollen wissen, mit wie viel Geld sie rechnen können. Und dementsprechend bringe ich da meine Bücher in Ordnung. Ich mache mal alles vernünftig fertig und gucke natürlich an der Stelle auch, ja, wie sieht es denn im Depot aus? Gibt es hier irgendwelche Sachen, die ich vielleicht heilen müsste, in Anführungsstrichen? Sind Sachen aus den Rudern gelaufen, positiv wie negativ? Gibt es Dinge, die sich bei mir verändert haben? Aber lass uns mal der Reihe nach durchgehen. Das erste, was ich mir da einmal anschaue, ist, sind Positionen vielleicht stärker gelaufen als erwartet und haben sie deshalb einen zu großen Anteil im Portfolio inzwischen ausgemacht? Oder gibt es vielleicht auf der anderen Seite Themen, die vielleicht zu schlecht gelaufen sind? Und wie gehe ich damit künftig um? Und was bei mir persönlich, und ich hoffe, jetzt kannst du mir folgen, du machst ja ein paar Notizen, während ich hier sammel, was bei mir persönlich, das habe ich ja auch schon in der Weihnachtsfolge gesagt, wichtig ist jetzt für dieses Jahr ist, ich will es alles einfacher haben. Ich will meine Position reduzieren. Wir haben uns ja da auch schon ausgetauscht, welche einzelnen Fonds ich habe und wo ich sage, Mensch, verzettelt man sich da nicht? Macht man da nicht vielleicht noch eine Idee zu viel? Und wo kann ich jetzt eine Position abbauen? Wo kann ich es vereinfachen? Wo habe ich vielleicht Überschneidungen, die ich im Zweifel gar nicht brauche, weil ich dazu kein besseres Risk Management hinkriege und auch keine Überperformance hinkriege. So, und von daher ist das ganze Thema Rebalancing jetzt einmal angepinnt. Lass uns mal ein bisschen darüber philosophieren.

SPEAKER_01:

Also finde ich auch total gut und berechtigt. Du hast es gesagt, Frühjahrsputz, also sich mal einmal im Jahr hinzusetzen, das hat ja gar nichts damit zu tun, irgendwelche Strategien komplett über den Haufen zu drehen. Aber mal zu gucken, wie du es schon sagst, ist gerade in der jetzigen Zeit, kann es wirklich sein, dass manche Branchen oder vielleicht auch Ländergewichtungen komplett aus dem Ruder laufen, weil die unfassbar gut gelaufen sind. Und dann mal zu gucken, ob man jetzt zu Risikostreuungszwecken das ein bisschen vielleicht mal balanced, ist völlig sinnvoll und okay. Das kann man absolut machen. Und natürlich auch immer ein bisschen die eigene Strategie hinterfragen. Also ich finde das gut. Das fand ich letztes Mal schon gut, wo du gesagt hast, ey Nick, ich habe das Gefühl, das ist irgendwie zu viel, zu kleinteilig. Ist doch eine coole Erkenntnis. Die musste ja nicht jeder genauso haben wie du, aber wenn du die so siehst, dann mal zu überlegen, ist das so in der Form noch nötig? Hat sich die oder die Idee bewährt oder nicht? Also das finde ich total gut. Und sowas lieber einmal sehr konkret und vernünftig und aufgeräumt einmal zu machen, anstatt so irgendwie alle jede Woche zu überlegen, ist das gut oder das gut oder hin und her und hoch und runter.

SPEAKER_02:

Ja, aber lass uns doch mal konkret den Leuten da draußen am Empfangsgerät Handlungsideen mitgeben. Also wie gehst du, wenn du jetzt ein Depot hast, ich habe dir ja mein Depot geschickt. Ich habe gesagt, so, pass auf, Stieglitz, gib mal eine Meinung. Was für Gedanken hast du? Was für einen Gedanken sollten sich unsere Anleger machen, unsere Hörer, wie sollten sie es selbst reflektieren?

SPEAKER_01:

Zwei, zwei Life-Hacks. Ja, gut, Hacks gibt es an sich nicht, aber wenn du siehst, eine Position ist komplett aus dem Ruder gelaufen, also was eine Übergewichtung angeht, ist es ja so, wenn man ein gutes Depotkonzept baut, dann guckt man schon, dass eine Länder- und Branchengewichtung vernünftig ist. Das wird dann im besten Fall ja analysiert. Das kann man auch mit vielen Depots auch als Kunde selber machen, ansonsten mit dem Berateranalyse machen. Und wenn man dann feststellt, ups, ich wollte eigentlich vielleicht im Technologiesektor mit 20, 25 Prozent drin sein. Merke jetzt aber aufgrund der guten Performance, ich bin da, weiß ich nicht, mit 40, 45 Prozent drin. Dann mal zu sagen, boah, also wenn da mal irgendwie, wenn das mal an den Märkten nicht mehr so gespielt wird, dann habe ich selber schon persönlich ein recht hohes Risiko, dass ich da ganz schön in den Dutten mitgehen kann. Dann mal zu sagen, ich nehme da mal ein bisschen Gewinne mit und gucke mir mal an, welche Branchen vielleicht nicht gut gelaufen sind, um dann da wieder ein Gegengewicht herzustellen. Das finde ich total gut und sinnvoll, das kann man auf jeden Fall machen. Und was Ländergewichtung angeht, genauso. Also es gibt so viele Portfolien, die haben 80% USA mit drin. Auch das sollte man immer mal wieder überprüfen, weil auch da reden wir dann wieder von Klumpenrisiken.

SPEAKER_02:

Habe ich bei mir gemacht, ne? Also ich habe tatsächlich die Welt so in drei Drittel eingeteilt. Und damit bin ich echt fein. Also ungefähr 30% Amerika, ungefähr 30% Europa, ungefähr 30% Schwellenländer mit China. So fand ich per se ganz gut. Hab dann konkret bei mir festgestellt, dass ich im Bereich Schwellenländer vielleicht ein bisschen zu kleinteilig begworben bin. Da gab es da zwei, drei Positionen, die ich dann am Ende auf irgendwie wahrscheinlich eine reduzieren will.

SPEAKER_01:

Ist auch übrigens, muss man ja auch sagen, ist jetzt keine Anlageberatung. Also das ist jetzt das passende für dich, auch mit der Drittel. Ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja.

SPEAKER_02:

Man muss auch sagen, mit dieser Drittelung läuft man eigentlich in der reinen Theorie schlechter als der Markt. Ja. Weil der Markt, ne, genau, haben wir ja eben beschrieben, wo die Performance dann doch überwiegend herkommt. Und ich bin mit dieser Aufteilung, wie ich es habe, doch schon überdurchschnittlich. Das sollte ja schon am Ende auch das Ziel sein. Aber weil ich mich, ich weiß nicht, ich fühle mich einfach wohler, ich würde auch mit einer schlechteren Performance wahrscheinlich mich trotzdem wohler fühlen, weil ich das so will, weil ich diese Aufteilung so haben will. Das heißt aber nicht, dass jeder das genauso machen muss. Ja, genau. Absolut.

SPEAKER_01:

Ja, cool.

SPEAKER_02:

Also, Thema Strategieveränderung würde ich jetzt gerne nochmal mit ins Rennen bringen, weil da kann man sich das ja auch mal angucken. Es gibt viele Portfolien, wo Positionen drin sind, die jetzt mal losgelöst von regionalen oder Branchenthemen einfach damals eingerichtet wurden aus strategischen Gründen, weil man zum Beispiel defensive Positionen mit reingenommen hat, sei es online, sei es defensive Aktien, sei es ein Laufzeit-ETF, Laufzeitfunk, ich gebe mich dir auch mal ganz nochmal Resümee ziehen, denn er ist jetzt fertig. Der Laufzeit-ETF, ich weiß nicht, erinnerst du dich? September 2023 hatten wir eine Folge gemacht. Da kam heraus, der neue Laufzeit-ETF. Und auch viele Laufzeitfonds sind an der Stelle aus dem Boden gespressen, gesprossen. Damals mit einer Zielrendite von bis zu 4% per Annum, habe ich fast geschafft.

SPEAKER_01:

Die Dinger waren super erfolgreich. Ja, das waren an der richtigen Stelle die richtigen Idee. Aber guter Punkt nochmal, ne? Also, das ist ja mal so ein generelles Überlegen, wie ist meine Ausrichtung, wie ist mein Anlagehorizont. Und vielleicht hat der ein oder andere eine Defensivposition, Laufzeitfonds anleihen, wie du es schon gesagt hast. Und wenn man dann der Meinung ist, brauche ich vielleicht nicht mehr eine Absicherung, dann gibt es noch andere Optionen oder auch vielleicht andersrum, ich brauche vielleicht mehr Absicherung, weil ich in ein paar Jahren einen Großteil meines Geldes möchte, dann sowas mit reinzunehmen. Weil auch solche Laufzeitfonds gibt es halt immer noch. Da ist jetzt die Zielrendite eher im Bereich 3%, was aber für diesen Sicherheitsaspekt auch echt absolut gut und okay ist. Also das ist immer noch ein sehr, sehr beliebtes Produkt, muss man ganz klar sagen.

SPEAKER_02:

Ja, und der wurde jetzt umgeschichtet in einen Geldmarktfonds. Das hat die Depot-Bank bei mir so gemacht. Das heißt, ich muss da jetzt nochmal einmal tätig werden und das wirklich auflösen, weil den Geldmarktfonds will ich eigentlich jetzt nicht haben, das brauche ich so nicht. Aber es hat funktioniert, es hat eine gute Sicherheit. Und eigentlich war ja auch immer die Idee, wenn der Markt mir mal richtig abschmiert in den nächsten anderthalb Jahren, diese Position dann liquide zu machen, um dann zu kaufen. Das ist nicht passiert, aber es war immer eine gute Absicherung. Und auch da muss man immer, wenn man sich seine persönliche Performance anguckt, immer aufpassen, dass man nicht einen Apfel mit einer Birne vergleicht. Also nicht ein 100% Aktiendepot vergleicht mit, ah, ich habe jetzt hier nochmal eine Anleihenposition, da nochmal einen defensiven Mischfond, da noch mal, weißt du?

SPEAKER_01:

Also, ich hatte das Gespräch Anfang der Woche mit einer Kundin, die bei mir waren und dann, also vor Jahren und gesagt haben, ja, also Nick, Hauptsache kein Geld verlieren. Ja, ja, ja. Definitiv, ich weiß nicht, was jetzt kommt. Ja, ja, haben ein super Depot gebastelt und wir haben genau das gehalten, was wir wollten, sogar eigentlich mehr. Die haben jetzt in der, ich glaube, es waren jetzt drei Jahre und da ging, da haben wir dann drüber gesprochen, Zielrendite, ja, wenn es drei Prozent sind, langfristig Inflation schlagen, ist mehr als gut, aber bitte nicht zu viele Schwankungen. Wir lagen jetzt irgendwo bei, ich glaube, 6,5 Prozent per Anno-Rendite. Und die Kundin war tendenziell eher so, ja, das ist aber ganz schön wenig. Ich habe gesehen, an den Märkten ist das und das und hier und da. Und klar, also das ist so ein bisschen, was man möchte. Wer einen heißen Schuh fahren möchte und auch mal eine Halbierung in Kauf nehmen kann, der kriegt sicherlich eine bessere Rendite hin. Aber wenn man sich bewusst dazu entscheidet, dass man das nicht möchte, dann bitte muss man auch seine Erwartungshaltung ein bisschen in Grenzen halten. Aber das ist ja das Gute. Genau das kann man sehr gut steuern und auch da kann sich ja der eigene Horizont verändern. Ich habe die Frau natürlich dann sofort gefragt, ich habe gesagt, kein Problem, wir können das ja für die Zukunft ändern, höhere Volatilität reinbauen, haben wir höhere Renditeerwartungen. Wollte sie dann natürlich auch nicht. Wenn das dann mehr schwanken kommt, können sie mir garantieren. Und ja, nee. Also das müsst ihr ja, das könnt ihr nur selber beantworten, was ihr für Typen seid. Also wer vom Prinzip her ein bisschen zurückhaltender, defensiver Typ ist, was total gut und richtig ist, der soll bitte auch nicht anfangen, sich da verrückt zu machen, wenn er nicht immer 15% pro Jahr Rendite hat. Und wer selber das Gefühl hat, er muss da mehr machen und will da mehr riskieren, in Anführungsstrichen riskieren, hat vielleicht längeren Horizont, ja, der kann halt auch da gucken, das Depot vielleicht ein bisschen anders aufzustellen.

SPEAKER_02:

Ist ja auch witzig, ne? Die Psychologie, da gibt es ja auch Studien drüber, die Gewinne, die werden anders wahrgenommen, also als die gleichermaßen großen Verluste. Also ich hatte auch jetzt ein Gespräch mit einer Kundin, da habe ich dann zum Anfang ins Depot geguckt. Und ich dachte wirklich, also jetzt normalerweise sie wird gleich aufstehen, sie wird klatschen, sie wird einmal das Fenster aufmachen, also richtig ausrasten, weil die Performance so geil war. Was passiert? Ja, ja, ist gut. Aber einmal im März letzten Jahres, boah, das war schlimm. Ja. Hä? Das gibt's doch nicht. Das gibt's doch nicht. Naja, aber das ist normal. Und da muss man wirklich, vielleicht, man nimmt dir das als Botschaft auch mal mit, die Psychologie ist ja so wirklich eines der größten Gegenspieler, wenn man erfolgreich sein will in der Geldanlage, sich davon loszulösen. Gar nicht so einfach. Und auch wirklich absolut verständlich, die Reaktion der Anleger und Anlegerinnen, aber that's part of the game.

SPEAKER_01:

Genau so ist es. Und man darf jetzt auch eine Sache, auch das nochmal zu Einordnung. Wenn wir sagen DAX 22% oder was auch immer für ein Indizer, da reden wir immer von genau an dem Tag gekauft, genau an dem Tag verkauft, so in der Theorie. Das macht ja kaum einer. Und wenn in einem halben Jahr der DAX 15% tiefer steht, und dann waren die Leute, die letztes Jahr 2022 hatten, auf einmal sieht das ganz anders aus. Also das hat am Ende auch nicht so viel zu sagen, da soll man sich nicht zu sehr verrückt machen. Also auch da eher die eigene Strategie hinterfragen und was da auch mit rein spielt, ist ja auch so ein Stück weit mal zu überprüfen, was ist mit den eigenen Sparplänen. Was für eine Überleitung. Was für eine Überleitung. Sind das noch die richtigen Sparpläne? Und vor allem, was ja, also das sagen wir auch immer, auch nicht zu viel Gedanken machen, nehme ich jetzt doch nochmal den Fonds oder den oder könnte ich hier nochmal, wenn man gut aufgestellt ist, dann ist das am Ende ein bisschen Haarspalterei, dann eher mal zu überlegen, habe ich eine Chance, vielleicht auch mal 50 Euro mehr zu machen? Kann ich den Sparplan erhöhen? Habe ich vielleicht ein bisschen höheres Einkommen oder kann hier und da ein bisschen einsparen? Das ist das, was langfristig auf jeden Fall deutlich mehr bringt. Und das kann man ja auch mal zum Jahresbeginn mal checken.

SPEAKER_02:

Ja, voll. Also viele Leute haben ja auch irgendwann mal irgendwas eingerichtet. Irgendeinen Sparplan, irgendwas, was sie sich vorgenommen haben, was sich an ihrem Gehalt oder an ihrem Einnahmenüberschuss im privaten Haushalt widerspiegelt. Und das kann sich verändert haben. Kann sich natürlich negativ verändert haben, weil die Kosten draußen gestiegen sind, kann aber auch positiv sich verändert haben, weil sich Löhne mal angepasst haben. Und dann den Sparplan durchaus mal zu erhöhen, ja, wann wenn nicht jetzt? Also eine super Gelegenheit, einfach mal zu sagen, Mensch, nochmal, wie lief das denn 2004 in 25? Oh Gott, 24, ja Quatsch, 25. Habe ich mich wohlgefühlt bei meiner Sparplanrate. Da hat mich das in irgendeiner Weise beschnitten. Das Geld sollte ja nur dann investiert sein, wenn es auch wirklich frei und über ist und auch morgen nicht unbedingt gebraucht wird. Aber wenn das der Fall ist, ja warum denn nicht 10 Euro mehr machen? Also da spricht ja gar nichts gegen. Und nur dieses stetige Überprüfen und auch immer mal wieder anpassen, auch nach oben anpassen, hilft ja, um dann irgendwann aus diesem Hamsterrad auch mal auszusteigen.

SPEAKER_01:

Und man kann sich ja auch damit noch so einen eigenen Zinszinseffekt aufbauen. Also das, was die Zinsen mit Zinseszinsen erreichten, schafft man auch, wenn man seinen eigenen Sparplan jedes Jahr ein bisschen anpasst. Und das tut einem vielleicht gar nicht weh, wie du sagst, lass es 10 Euro sein. Aber dadurch habe ich auch nochmal einen Multiplikator, der meinem Depot auf jeden Fall sehr, sehr gut tut.

SPEAKER_02:

Ja, total. Oder auch das andere Thema, viele hat sich vielleicht irgendwie Cash angehäuft. Weil man sagt, Mensch, man wollte vielleicht nicht so nicht so mutig reingehen und man hat ein bisschen was defensiv einfach auf Cash gelassen. Also man redet natürlich immer über in Anführungsstrichen Luxusprobleme. Das darf ich nicht vergessen, muss auch überall immer passen. Aber bei dem einen oder anderen Anleger ist das ja schon so, dass sich da einfach auch Geld angesammelt hat aus Gründen, so, Überbegriff aus Gründen. Und da kann man sich ja jetzt fragen, ja, soll das jetzt weiter da tot rumliegen? Soll das da weiter unproduktiv sein? Oder hole ich mir nicht dafür ein paar ganz tolle Unternehmen rein. Vielleicht sogar Unternehmen, die gerade erstaunlich günstig geworden sind.

SPEAKER_01:

Ja, ganz genau. Und auch da der Punkt, bevor es gar nicht investiert ist, dann lieber sagen, ein Teil des Geldes defensiv investieren. Wenn es an der Börse mal rappelt, passiert da nicht so wahnsinnig viel und bietet mir dann auch sogar die Chance, sowas mal umzuschichten, um dann Chancen zu nutzen. Also viele haben ja dann Geld liquider auf Haldetage, ich habe das auch jetzt die Tage mit dem Kunden gehabt und dann, ja, ich habe jetzt auch noch ein bisschen angespart, weil ich auch Angst habe, wenn mal was passiert an den Märkten, dann dass ich da nochmal Geld habe. Das ist auch eine sehr, sehr gute Idee zu generell. Aber wenn es dann bei dem Mann mittlerweile 80.000 Euro ist, was der aber schon seit Jahren dann liegen hat, und der hat im Grunde seit Jahren dann Rendite verschenkt. Und dann würde ich auch eher sagen, dann pack das in den Laufzettfonds oder irgendwas, wo du zumindest deine 3% bekommst und wir wissen genau, wenn dann die Märkte nochmal richtig crashen, dann können wir das Geld nehmen. Kann aber auch sein, dass jetzt erstmal fünf Jahre alles nach oben geht. Wir wissen es ja nicht. Also es kostet einem ja auch Rendite, wenn man Chance liegen lässt oder nicht investiert ist.

SPEAKER_02:

Und sich dann auch ehrlich fragen, wie hoch ist dann mein Liquiditätsbedarf wirklich? Brauche ich wirklich 80.000 Euro für den Fall, dass die Waschmaschine kaputt geht, wie man immer so schön sagt. Also, und wenn man es investiert, dann ist es ja nicht weg. Keine Frage. Es können immer. Jetzt muss man ganz kurz gucken, ob ich hier noch eine Aufzeichnung habe. Ja, läuft weiter. Das schneiden wir dann auch nicht raus, das ist live hier heute alles. Weißt du, ich nehme hier gerade auf und dann kommt hier ein Update. Das gibt es ja gar nicht. Okay. Ja, auch mein Computer will also neu, gut ins neue Jahr starten. Also wobei ich stehen geblieben, einfach mal zu gucken, brauche ich das alles genauso oder ist es auch okay, wenn ich es investiere. Klar kann es dann schwanken, aber am Ende des Tages ist dann ja trotzdem immer noch ein Gegenwert da. Und wenn man dann solide Unternehmen nimmt, warte, nicht lassen mich aussprechen, solide Unternehmen, geile Dinger, dann gehören mir die da draußen einfach. Dann ist es vielleicht ein Dividendentitel, der mir auch noch einen Cashflow generiert oder oder oder jetzt darfst du einsteigen.

SPEAKER_01:

Ja, und im breit gestreuten Portfolio hat man fast immer irgendeine Position, auch wenn es mal richtig scheppert, die nicht im Minus ist, weil wenn das eine runtergeht, geht das andere hoch. Also dass man Geld idealzustand. Genau. Gibt es eigentlich fast immer eine Option, auch gut an Geld zu kommen, ohne da irgendwie einen großen Verlust zu realisieren. Ja, super, da haben wir doch ein.

SPEAKER_02:

Ja, warte, jetzt bleibt natürlich die große Frage. Jetzt stellen wir uns mal vor, mein lieber Nick, wir haben jetzt ganz viel Geld liquide liegen, das wollen wir investieren. Dann nehmen wir ein paar Positionen, die wir im Depot haben, raus, wie zum Beispiel so einen Laufzeitfonds, der ausgelaufen ist, oder irgendeine andere unnütze Position, er hat sich ganz viel Geld angesammelt. Wie investieren wir das denn jetzt? Und vor allem in welchem Umfang, in welche Fonds, in welche Marktbereiche. Und da würde ich jetzt sagen, machen wir jetzt quasi den Spin-Off zur nächsten Folge. Und da du den Gast eingeleitet hast, darfst du mal verkünden, wie geht es denn jetzt weiter?

SPEAKER_01:

Ja, genau. Wen fragen wir das? Wen fragen wir das? Wir haben, und das freut uns beide ja sehr, weil das ist ja, ich weiß es nicht, ich würde fast sagen, der renommierteste oder einer der renommiertesten Volkswirte in Deutschland. Thomas Lehr von Flosper von Stoich, wir beide mögen ihn ja eh persönlich sehr. Er ist ein richtig, richtig netter Typ, aber der hat ja einfach unfassbar viel Ahnung. Der ist Impuls der Zeit, der, was der sagt hat, immer hat und Fuß. Und da freuen wir uns sehr drauf, dass er uns dann für die nächste Folge mal einen schönen Einblick gibt. Vielleicht nochmal einen kleinen Rückblick vom letzten Jahr, aber vor allem dann auch einen Ausblick, wie geht es weiter, wie sollte man sich positionieren. Und ja, das wird, glaube ich, sehr, sehr spannend. Da können wir uns alle drauf freuen.

SPEAKER_02:

Ja, ich bin mal gespannt. Thomas neigt ja dazu, dann am Ende keine konkreten Kaufempfehlungen zu geben. Aber er bringt ganz viele Weisheit mit und ganz viele Ideen. Und von daher glaube ich, dass wir am Ende des Tages dann auch schon wissen, wie wir damit umgehen und er hilft einzuordnen. Wir nehmen das ganze Thema Marktzinsen mit, wir nehmen das ganze Thema Dividenden mit rein. Da würde ich auch vielleicht im Anschluss nochmal eine neue Folge. Also wir haben hier Pläne ohne Ende, Nick. Wir haben wieder Picke-Packe, volles Programm. Und ich glaube, das war ein guter Start ins Jahr.

SPEAKER_01:

Also ich fühle mich sehr wohl mit der Folge, muss ich sagen. Sehr gut, sehr gut. Mit Blick auf die Uhr. Wir sind jetzt, glaube ich, auch wir hätten noch genug auf dem Zettel, aber ich würde sagen, wir machen jetzt mal einen Cut und einen kleinen Cliffhanger und dann hören und sprechen wir uns beim nächsten Mal.

SPEAKER_02:

Jetzt müssen wir mal gucken, wann die Folge rauskommt. Wahrscheinlich würde ich sagen, erste Februarwoche müsste Thomas dann mit uns rauskommen. Dann sind wir am kriegen vielleicht wieder so einen Dienstagsrhythmus hin. Das wäre doch was. Ja, das wäre doch schön. Großartig. Wenn ihr Themen habt, die wir bequatschen sollen, kommt gerne auf uns zu, auf kontakt.geldlehre.de, Geldlehre nur echt mit Doppel-E. Und dann gucken wir mal. Vielleicht habt ihr ja auch die eine oder andere Idee, um uns zu helfen, wie wir dann in diesem Jahr noch, was wir für euch machen sollen. Und dann wünschen wir euch vor allem in diesem Jahr alles, alles Gute, ganz, ganz viel Gesundheit. Um auch da den Kreis wieder zu schließen. Viel Erfolg mit eurer Geldanlage. Und egal was passiert, bloß nicht die Nerven verlieren. Alles wird gut. Ja, und wenn es noch nicht gut ist, dann kann es auch noch nicht das Ende gewesen sein. Damit haben wir noch ein Citat von Casper hier zum Schluss. Wunderbar. Nick, ich wünsche dir einen schönen Resttag noch. Wir heuchen uns bestimmt noch. Und an euch da draußen. Bis bald. Macht's gut. Und ciao, ciao.

SPEAKER_00:

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