Expertengespräche: Nuance Podcasts rund um Innovationen im Kundenservice

Expertengespräch: Biometrie in der Finanzindustrie

July 01, 2020 Nuance Season 1 Episode 1
Expertengespräche: Nuance Podcasts rund um Innovationen im Kundenservice
Expertengespräch: Biometrie in der Finanzindustrie
Chapters
Expertengespräche: Nuance Podcasts rund um Innovationen im Kundenservice
Expertengespräch: Biometrie in der Finanzindustrie
Jul 01, 2020 Season 1 Episode 1
Nuance

In diesem Podcast sprachen wir mit Thorsten Hahn, Geschäftsführer Bankingclub Deutschland und Thought Leader in der Finanzindustrie über die Bedeutung von Biometrie in der Finanzindustrie. Erfahren Sie, wie Sie Ihre Kundendaten und Ihre Investitionen schützen können und wie deutsche Finanzorganisationen im internationalen Vergleich stehen.

Show Notes Transcript

In diesem Podcast sprachen wir mit Thorsten Hahn, Geschäftsführer Bankingclub Deutschland und Thought Leader in der Finanzindustrie über die Bedeutung von Biometrie in der Finanzindustrie. Erfahren Sie, wie Sie Ihre Kundendaten und Ihre Investitionen schützen können und wie deutsche Finanzorganisationen im internationalen Vergleich stehen.

Sylvia Lohr: Schönen guten Tag und herzlich willkommen zu einem neuen Podcast von Nuance Communications. In dieser Reihe erhalten Sie Einblicke in Themen rund um den Kundenservice. Wir betrachten sowohl die aktuelle Situation als auch Innovationen, die das Leben Ihrer Kunden und Mitarbeiter verändern können. Ich freue mich sehr, unsere heutigen Gäste begrüßen zu dürfen: Thorsten Hahn, Geschäftsführer Banking Club, Branchenexperte und Thought Leader für Banken und Finanzdienstleistern. Und Morna Florak, Expertin und Beraterin für Banken und Finanzdienstleister bei Nuance. Lassen Sie uns heute über Biometrie im Kundenservice sprechen. Ganz generell gefragt an Sie beide: Welche Bedeutung hat die Biometrie in Zeiten wie diesen?

Morna Florak: In Zeiten wie diesen sehen wir in der Biometrie eine hervorragende Möglichkeit, Distanz zu überwinden. Distanz ist ja etwas, das sich als Social Distancing, aber auch durch geschlossene Geschäfte oder Filialen in Zeiten der Coronakrise zunehmend ergeben hat. Biometrie hingegen bietet die Möglichkeit, den Kontakt zu halten und sicherzustellen, dass das Gegenüber tatsächlich derjenige ist, den man an dieser Stelle erwartet, ohne die notwendige Distanz aufzugeben. In dem Zusammenhang besteht auch hervorragend die Möglichkeit, Homeoffice zu nutzen; gerade weil jetzt viele Mitarbeiter oder Agenten in einem Homeoffice arbeiten und dort auf dieselben Sicherheitsstandards angewiesen sind. Und drittens würden wir sagen, dass sich auch neue Betrugsszenarien ergeben. Wir lesen häufig in der Zeitung, dass viele Betrüger diese veränderte Situation nutzen möchten. Gerade in dem Umfeld sehen wir eine deutlich gewachsene Bedeutung der Biometrie.

Sylvia Lohr: Vielen Dank. Herr Hahn, wie sehen Sie das als Experte kommend aus dem Bereich?

Thorsten Hahn: Das ist auf jeden Fall sehr vielschichtig. Wir haben ja lange Jahre über Biometrie geredet und sie nicht gesehen. Klar, in Hochsicherheitsgebäuden gab es das zunehmend und wir haben es natürlich in irgendwelchen James Bond-Filmen gesehen. Und dann kam es irgendwann in Business-Notebooks, wo dann schon mal ein Fingerprintsensor mit dabei war und viele Experten haben immer gesagt: Ja, das wäre ja viel sicherer als alles andere. Aber im Grunde genommen war Biometrie im Zugangsschutz zu IT-Systemen, oder zu Bezahlsystemen eher so eine homöopathische Geschichte. Ich denke, seit die Biometrie vor allen Dingen im Smartphone Einzug gezogen hat, ist sie auf jeden Fall nicht mehr wegzudenken. Und damit müssen sich Unternehmen jetzt beschäftigen. Ich meine, die Banken sind bei Handys dann relativ schnell aufgesprungen. Das Handy wird freigeschaltet mit einem Finger, oder mittlerweile mit einer Gesichtserkennung. Und dann war die große Frage: Reicht das einer Bank, wenn der Kunde sich in die Banking-App damit einwählt. Manche machen es ja und auch ausschließlich, aber es gibt durchaus noch Banken, die sagen: Nein, also wir machen das in so einer Art Zwei-Faktor-Geschichte. Die Kunden müssen immer noch ihre komplizierte Kontonummer eingeben und ihr Passwort und danach machen wir noch zusätzlich Biometrie, in welcher Reihenfolge auch immer. Also, ich denke, die breite Masse beschäftigt sich jetzt mehr damit, und das heißt für die Banken, sich auf jeden Fall intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. 

Sylvia Lohr: Das heißt also, auch von Ihrem Einblick in das Finanzwesen sehen Sie, dass die Bedeutung im Kundenservice wahrscheinlich ebenfalls wachsen wird?

Thorsten Hahn: Genau, wir haben ja verschiedene Situationen. Wir haben die Kunden, die sich in Online-Welten einwählen, sowohl an einem Rechner als auch beim Handy. Wir sind sowieso durch neue gesetzliche Vorgaben zur Zwei-Faktor-Authentifizierung gezwungen. Da spielt das Thema Biometrie ganz stark mit rein. Und dann haben wir die zweite Situation, wo Gesichterkennung und Fingerprint noch nicht so sehr Einzug gehalten haben: Wenn ein Kunde authentifiziert werden muss, der beispielsweise im Call-Center einer Bank anruft. Da haben wir noch einen großen Part der Unsicherheit oder der Betrugsgefahr. Dann fragt der Agent nach: Wo wohnen Sie, nennen Sie Ihr Geburtsdatum, etc. Aber wir kennen ja alle die Gefahr des Auslesens von sozialen Daten über Telefon, Web und so weiter. Da gibt es also, immer noch eine Hürde zu überbrücken. Doch Stimme ist auch Biometrie, die wäre deshalb eine Möglichkeit.  In diesem Bereich sehe ich aktuell noch ein größeres Gap als bei allen anderen Authentifizierungsformen, die es mittlerweile am Rechner oder am Handy gibt.

Morna Florak: Ich finde, da haben Sie sehr interessante Aspekte angesprochen. Erstens ist da die hohe Bereitschaft und Zustimmung von Kunden zur Nutzung von Biometrie an den mobilen Geräten. Sehr viele nutzen tatsächlich den Fingerprint oder bei Apple-Geräten die Gesichtserkennung auf eine ganz natürliche Art und Weise und sehen als Benutzer die Vorteile für sich. Es geht schnell, man vergisst es nicht und hat trotzdem einen sicheren Zugang zu seinem Gerät. Die Fragestellung, die sich für uns gerade im Kundenservice daraus ergibt, ist halt auch die, die Sie bereits angeschnitten haben.wie können wir diesen positiven und vertrauensvollen Umgang der Menschen mit der Biometrie auch auf den Telefonkanal übertragen? Wie Sie eben schon angeführt hatten, PSD2-Regulierung und die Forderung nach einer starken Kundenauthentifizierung mit einem zweiten Faktor wird längerfristig auch im Telefonkanal erwartet. Da fehlt allerdings die Möglichkeit, einfach und ohne zusätzliche Geräte zum Beispiel den Fingerabdruck hinzuzunehmen. Dann wären die Stimme und die Stimmbiometrie dort ganz natürlich an erster Stelle zu nennen. Das mitzunehmen und die Nutzer von den Vorteilen dieser Technik zu überzeugen ist, denke ich, eine wichtige Aufgabenstellung für die nächsten Jahre, um den Kontakt zu den Banken umfassend auf eine nutzerfreundliche und sichere Art und Weise abzusichern. Also, nicht noch mehr Hürden dabei aufzubauen, wie ein Kunde mit einer Bank Kontakt aufnehmen kann, sondern es stattdessen sehr reibungslos und einfach zu gestalten.

Sylvia Lohr: Vielen Dank. Ich finde das ganz spannend zu hören, dass Sie beide sagen, dass die Akzeptanz eigentlich schon recht groß ist, der Einsatz bei den Banken dennoch optimiert werden kann. Wenn ich mit Leuten spreche, höre ich sehr häufig: Ja klar, ich benutze mein Gesicht zum Entsperren meines Handys, beziehungsweise einen Fingerprint. Und wenn es dann zu der Frage kommt: Wie würden Sie biometrische Methoden nutzen wollen, um sich bei Ihrer Bank zu authentifizieren?, kommt ganz häufig das Wort "Angst". Das will ich nicht machen, die Daten sind nicht sicher. Sehen Sie das genauso? Und wenn ja: Welches sind die Ängste? Vielleicht sogar auch auf Unternehmensseite hinsichtlich biometrischer Technologien?

Morna Florak: Ja, aus meiner Sicht ist das tatsächlich etwas zweigeteilt. Auf der Unternehmensseite ergeben sich natürlich Fragen wie, ist das sicher genug, welche Kosten ergeben sich dadurch oder wie könnte sich meine Reputation ändern, wenn ich damit vorangehe? Denn der Markt ist trotz der europäischen Einigung und aller Fortschritte weiterhin sehr lokal, wie wir beobachten. Man vergleicht sich doch sehr deutlich erstmal im deutschen Kontext und da fehlen im Bankenbereich noch die großen Unternehmen die vorangehen. Und die auch zeigen, dass sie ihren Kundenkontakt mit dieser zukunftssicheren Technik absichern. Aus Kundensicht, denke ich, ist es eher, dass man es am Telefon noch weniger greifen oder sehen kann. Natürlich kann auch niemand seinen Fingerabdruck wirklich sehen. Aber man hat vielleicht doch eher das Gefühl, wenn man das auf dem Handy nutzt, dass man es selbst unter Kontrolle hat, während es im Sprachkanal vielleicht ein bisschen verborgen erscheint. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es ganz wichtig ist, seine Nutzer transparent mitzunehmen und zu erklären, wie die Technik funktioniert. Also, wie sie im Einsatz ist und dass sich zum Beispiel aus den gespeicherten Daten nicht wieder eine Stimme generieren lässt. Dabei müssen die Vorteile für den Nutzer transportiert werden, weil die Zeitersparnis bei einem solchen Gespräch ja nicht nur für die Bankenseite wichtig ist. Wenn die Kundenauthentifizierung schneller und im Hintergrund stattfinden kann, profitiert ja auch die Nutzerseite. Wie Herr Hahn eben schon erwähnte, sind Eingaben über Adressen oder Geburtsdaten zunehmend unsicher. Zudem kosten sie auf beiden Seiten Zeit. Und Zeitersparnis ist etwas, womit Banken ihren Kunden etwas Gutes tun können. Gerade in Niedrigzinszeiten, wo andere Differenzierungsmöglichkeiten fehlen.

Sylvia Lohr: Vielen Dank. Herr Hahn, wie beurteilen Sie das von Ihrer Seite? Vielleicht aus Ihren Gesprächen mit Banken aus Deutschland oder auch Österreich und der Schweiz.

Thorsten Hahn: Das ist tatsächlich sehr vielschichtig und ich könnte jetzt wahrscheinlich einen ganzen Aufsatz darüber verfassen. Man muss sicherlich beide Seiten betrachten. Ich bin ja selber auch Nutzer. Am Anfang habe ich ganz selbstverständlich irgendwann meinen Finger genutzt, bis ich erfahren habe, dass es da verschiedene Sicherheitsklassen für den jeweiligen Scanner gibt. Und, dass das Handy nicht unbedingt einer der sichersten Wege ist, der durchaus noch verbesserungsfähig ist. Dann kommt immer wieder diese Frage: Lässt sich denn so etwas kopieren? Es gab Experimente, wo man irgendwie einen Fingerabdruck von einem benutzten Glas mit einem Tesafilmstreifen abgezogen hat. Aber die meisten Menschen nutzen es dann doch und oft, weil es halt einfach ist. Es gibt also Gründe wie Zeitersparnis, es ist einfach und ich muss mir Dinge wie eine Pin nicht merken. Genauso ist es jetzt mit dem Gesicht. Am Anfang habe ich gesagt: Nee, ich mache das mit dem Gesicht nicht. Und jetzt mache ich es halt mittlerweile doch. Manchmal finde ich es unheimlich, wie schnell das Handy angeht und denke, so intensiv habe ich doch gar nicht in die Kamera geschaut: Ist dieses Authentifizierungsmedium vielleicht doch nur irgend so ein Spuk? Dann kommt natürlich die Angst der Kunden, was Sie auch gerade gesagt haben. Wenn ich meine Stimme bei einer Firma speichern lasse, können die das nicht irgendwann so zusammenbauen, dass auch jemand anderes damit sprechen könnte? Kann man nicht die Daten, die über mein Gesicht gespeichert werden, kopieren und dann an irgendeiner anderen Stelle technologisch einbinden und sich mit meinem Gesicht entsperren, obwohl ich gar nicht vor dem Gerät sitze? 

Also, diese Ängste sind immer noch da. Was mir gut in Erinnerung geblieben ist, es gibt so einen Experten, ich glaube an der Uni Karlsruhe, der auf einer Veranstaltung mit mir auf der Bühne stand. Und ich hab gedacht: Naja, der wird jetzt "Juhu!" schreien zum Thema biometrischer Technologien. Der hat aber durchaus auch Skepsis geübt, weil er gesagt hat: Na ja, wenn es tatsächlich irgendeinem Unternehmen mal gelingt, einen Finger zu kompromittieren, dann habe ich halt nur noch neun weitere. Und wenn alle zehn gehackt worden sind, dann habe ich gar keinen Finger mehr, um mich einzuloggen. Dann wäre dieses biometrische Merkmal sozusagen verbrannt. Und beim Gesicht, da habe ich nur eins. Nur es hilft ja nichts. Jetzt, wo diese Technologie in den Massenmarkt reingekommen ist, kommen wir da nicht mehr drum herum. Die Kunden haben inzwischen gelernt, wie einfach es ist, mit dem Finger oder dem Gesicht sein Gerät zu entsperren. Es ist scheinbar auch sicher. Trotzdem sind ein paar Ängste noch da und da bleibt den Unternehmen nur übrig, und ich glaube, das ist auch die Angst der Unternehmen, die Sicherung der Daten sauber hinzukriegen. Also bei der Sicherung solcher Verfahren maximale Anstrengungen zu unternehmen, damit die Ursache der Angst nicht eintreten kann. Wir haben auch gehackte Kreditkartendaten etc. Es ist ja nicht so, dass die Banken frei wären von all dem Bösen, was da draußen passiert. Aber sie tun gut daran, maximale Energie aufzubringen, um diese Zugangssysteme abzusichern.

Sylvia Lohr: Sehen Sie denn bei den Banken schon eine Akzeptanz, beziehungsweise erste Schritte in Richtung neuer Technologien, biometrischer Technologien für Kontaktcenter?

Thorsten Hahn: Auf jeden Fall. Beim Zugang zu den Geräten findet einiges statt, manchmal mit mehreren Verfahren. Nicht immer wird das Verfahren am Handy akzeptiert, aber die Skepsis nimmt ab. Die Apps, die ich momentan von Banken benutze, funktionieren weitestgehend mit dem Legitimationssystem des Handys. Nur bei einer Bank, bei der ich einen Zugang habe noch nicht. Bei dem Live-Kontakt in einem Call Center würde ich sagen, dass es zunimmt. Allerdings ist Stimme noch in den Kinderschuhen. Bei Banken, bei denen ich selbst Unternehmenskunde oder Privatkunde bin, haben alle noch diesen Standardweg. Ich weiß natürlich nicht, ob sie zur Betrugsbekämpfung im Hintergrund schon irgendwas abgefragt haben. Aber das Thema sehe ich im Live-Kontakt noch arg in den Kinderschuhen. Zumindest in Deutschland.

Sylvia Lohr: Sehen wir das bei Nuance ähnlich, Frau Florak?

Morna Florak: Ja. Andere Märkte, wie zum Beispiel in UK, sind, was das angeht, schon deutlich weiter. Wir haben aber auch dort die Erfahrung gemacht, dass gerade wenn erste Unternehmen vorangehen, die anderen meistens in sehr kurzer Zeit nachziehen. Und zwar aus zwei Gründen. Zum einen, weil die Nachfrage der Kunden in die Richtung geht, wenn ich das bei der einen Bank machen kann. Wenn die eine Bank, wie Sie auch gerade erläuterten, eine so praktische App zur Verfügung stellt, warum die andere noch nicht? Zum anderen wird es zum Teil durch eine Ausweichbewegung der Betrüger begünstigt. Die Nachzügler stellen fest , dass andere Banken nicht mehr so leicht Opfer von Betrug wurden. Da haben natürlich die, die ein solches Mittel noch nicht eingeführt hatten, einen höheren Druck von Seiten der Betrüger gespürt und deshalb relativ rasch nachgezogen. Wir sehen also über die Märkte hinweg eine Entwicklung von ersten vorsichtigen Tests bis dahin, wenn sich die ersten Großen für einen wirklich rasanten Wandel in diese Richtung entscheiden. Ich finde auch, dass das Thema Sicherheit, das Sie angesprochen hatten, ein ganz wichtiges für die Biometrie ist. Sicherheit und Vertrauen sind ja zwei Sachen, die gerade im Kontakt mit einer Bank unabdingbar sind. Und hier ist es, glaube ich, auch wichtig, die Banken und die Kunden dahingehend zu beraten, wie man ein mehrschichtiges Sicherheitskonzept aufbauen kann. Sich also nicht nur an einer einzigen Sache festzuhalten, sondern Vorgänge wie ein Gespräch in mehreren Schichten abzusichern. Das ist einerseits in Bezug auf Fragen zu Lagerort und Speicherung der Daten sowie deren sicherer Verschlüsselung technologisch relevant. Auf der anderen Seite geht es aber auch um die Schichten der Kommunikation. Ist es also die korrekte Stimme? Ist es ein Gespräch über eine Telefonnummer, ein Gerät, das dieser Kunde sonst verwendet? Da gibt es einen ganz breiten ergänzenden Bereich um die eigentliche Stimmbiometrie herum, der gewachsen ist, um diese Technik zu einem umfassenden Sicherheitsprodukt zu machen.

Sylvia Lohr: Ja, vielen Dank. Herr Hahn, wie sieht das von Ihrer Perspektive aus? Die Zukunft biometrischer Authentifizierungen hinsichtlich Betrugsprävention und Sicherheit.

Thorsten Hahn: Die Banken sind auf alle Fälle mal gefordert, würde ich sagen. Wir haben immer noch Betrug im Bankensektor. Dieses Jahr ist ja das große Jahr, was das Thema Prüfung von Geldwäsche in Deutschland angeht. Wir sind hier ja nach wie vor weltweit ein Eldorado für Geldwäsche. Und damit muss insgesamt dem Thema Betrug Einhalt geboten werden. Da geht es natürlich auch um Legitimationsverfahren. Wir wissen von den Verfolgungsbehörden, dass Leute am Telefon gezwungen werden, in einem Call Center anzurufen, um dann bestimmte Geschäfte zu tätigen. Und würde man herausfinden, dass derjenige am Telefon dann nervös ist, wäre das eine feine Geschichte. Ich halte es für ein sehr wichtiges Thema, sich mit dem Thema Betrugsprävention noch mehr zu beschäftigen. Wobei Banken es ja selbst tun. Es hört sich jetzt so an, als würden sie gar nichts machen. Ich glaube, sie haben in den letzten Jahren viele Euro in diese Systeme investiert. Das wird auch weiterhin passieren und der Wunsch, oder die Hoffnung ist natürlich, dass das immer in dieser Balance passiert, die wir gerade besprochen haben. Nämlich, es muss noch sicherer werden, es muss für den Kunden eine hohe Convenience geben und der Kunde muss das Vertrauen haben, dass alles, was mit seinen Daten und vor allen Dingen mit seinen biometrischen Daten passiert, sicher ist. 

Sylvia Lohr: Sie haben es natürlich schon gesagt. Banken und Finanzdienstleister machen bereits sehr viel hinsichtlich der Datensicherheit und dennoch, wie Frau Florak sagte, sehen wir in anderen Ländern, dass sich Banken vor allen Dingen biometrischen Authentifizierungsmethoden zuwenden. Und das ist jetzt auch meine Abschlussfrage an Sie beide. Was würden Sie Banken und Finanzdienstleistern mit auf den Weg geben, um sich den biometrischen Methoden zu nähern? Sowohl intern als auch, um bei Kunden eventuell Ängste abzubauen, beziehungsweise gar keine Ängste entstehen zu lassen?

Thorsten Hahn: Ich würde auf jeden Fall sagen, die Banken sind gut beraten, bei den Systemen aufzusetzen, die die Kunden kennen. Das tun sie ja gerade auch bei den hardwarebasierten Geschichten, also Rechnern vor Ort oder Smartphones. Die großen Konzerne wie Apple und Google haben diese Technologie sozusagen vorgelebt. Und da ist es gut, wenn Banken draufspringen, weil es jetzt von den Kunden mehr oder weniger akzeptiert ist. Da macht es Sinn, einfach mitzufahren und die Kunden dabei aber immer wieder abzuholen, was das Thema Sicherheit angeht. Im Ausland sehen wir eine andere Herangehensweise, vor allen Dingen beim Thema Stimme. Die Stimme halte ich für ein sehr spannendes Thema. Es gibt dann auch noch das Tippverhalten am PC, also verhaltensbiometrische Dinge. Von Verbraucherschützen und Datenschutzbeauftragten kam da ein großer Aufschrei. Deutschland ist in dieser Beziehung ein besonderes Pflaster, weil wir hier ein ordentliches Maß an Bedenkenträgern haben, bevor wir solche Systeme einführen. Da bleibt uns halt nichts anderes übrig, als sich mit den Themen zu beschäftigen. Wenn ich einen Wunsch hätte, dann würde ich sagen: Es muss möglichst einfach sein für den Kunden, und da sind wir bei den Technologien, die die Hardware vorgibt. Am Telefon bietet das Thema Stimme eine gute Möglichkeit, Betrug zu reduzieren. Und das mit einer so hohen Möglichkeit , dass Unternehmen, die sowas anbieten, für die nötige Sicherheit sorgen.

Morna Florak: Ich denke auch, dass gerade die Transparenz in der Kundenkommunikation wirklich wichtig ist. Dass also nicht Technologien vielleicht durch eine Hintertür eingeführt werden. Sondern, dass dem Kunden erklärt wird, was und warum getan wird, um sein Konto und seine Daten zu sichern. Es ist ja nicht nur, dass das Konto und  das jeweilige Vermögen geschützt werden sollen. Es sind auch die Anforderungen, die sich aus dem Datenschutz ergeben. Also, dass meine persönlichen Daten von dem Unternehmen, dem ich sie anvertraue, geschützt werden. Um das sicherzustellen, sollten über die Kanäle hinweg die jeweils am besten geeigneten Technologien eingesetzt werden. Und gerade was die Stimmbiometrie angeht, gibt es da viele spannende Weiterentwicklungen, zum Beispiel in die Richtung des Conversation Prints. Also der Art und Weise, wie man sich ausdrückt. Das ist ein bisschen ähnlich, wie Herr Hahn eben bei der Verhaltensbiometrie anmerkte. Es ist eine Technik, die analysiert, wie ein Mensch sich typischerweise ausdrückt. Auch da würde ich gute Chancen sehen, zum Beispiel beim Szenario des eben erwähnten Anrufs unter Druck. Dass also jemand anrufen musste, obwohl es gar nicht seine freie Entscheidung war und dann anhand der Wortwahl und wie wir unter diesem Zwang reagieren, zu erkennen, dass das gar nicht sein freier Wille war. Dem Kunden außerdem zu verdeutlichen, wie sehr er beim Kontakt mit seiner Bank geschützt sein kann, ist eine sehr hilfreiche Sache, damit dann beide Seiten positiv in die Zukunft schauen können.

Sylvia Lohr: Vielen Dank Ihnen beiden für die Einblicke und das spannende Gespräch. Es waren, denke ich, viele Aspekte dabei, die bestimmt als Impuls in weitere Planungen eingehen werden und können. Für heute wünsche ich Ihnen beiden alles Gute und vor allem Gesundheit und Normalität. Sollten Sie, liebe Hörer, Fragen hierzu haben, sprechen Sie uns gerne an. Sie finden alle Kontaktinformationen auf der entsprechenden Webseite zu diesem Thema. Dort können Sie auch unseren vierteljährlichen Kundennewsletter abonnieren, um Einladungen zu Live-Events, Studien, Whitepaper und natürlich vieles mehr zu erhalten. Mein Name ist Sylvia Lohr, ich bin verantwortlich für das Marketing in Deutschland, Österreich, Schweiz und Zentralosteuropa. Vielen Dank für ihr Interesse und alles Gute. Bleiben sie gesund!