In der 100. Folge des Podcasts sprechen wir, d.h. Jens Harde und Heinrich Scharp, über eine Frage, die viele Organisationen irgendwann trifft – manchmal leise, manchmal abrupt:
Was passiert, wenn der "Kopf" das Unternehmen verlässt?
Wenn Gründer, Geschäftsführung oder die entscheidende Führungspersönlichkeit gehen – bleibt das Unternehmen dann stabil oder droht alles auseinanderzufallen?
Der Abgang einer Führungsperson kann zweierlei offenbaren: Entweder, dass eine stabile Struktur und Kultur entstanden ist, die auch ohne sie funktioniert. Oder, dass alles bisher an einer Person hing und nun das System ins Wanken gerät.
Zudem spielt hierbei auch die Person eine herausragende Rolle, welche die Nachfolge antritt.
In vielen Organisationen wurde über Jahre eine „Chef-zentrierte Kultur“ aufgebaut. Entscheidungen, Ideen und Motivation laufen über den "Kopf". Wenn dieser "Kopf" dann geht, zeigt sich schnell, wie stark – oder schwach – das Fundament wirklich ist:
⁉️Manche Teams fallen in eine Schockstarre.
⁉️Andere entdecken plötzlich Freiraum. Sie beginnen, Verantwortung zu übernehmen, Dinge neu zu denken, eigene Strukturen zu schaffen.
Was den Unterschied macht, ist, wie viel Vertrauen und Beteiligung vorher aufgebaut wurde. Gute Führung sollte den eigenen Rückzug vorbereiten. Viele Menschen suchen Sicherheit in Bezugspersonen und Organisationen funktionieren oft ähnlich. Wenn aber Strukturen, Werte und Prozesse die tragenden Säulen im Unternehmen sind, wird der Wechsel an der Spitze verkraftbar und vielleicht sogar eine Chance.
Deshalb sind für Führungskräfte einige Aspekte zu bedenken:
⁉️Bin ich gerade die Stütze des Unternehmens oder eine seiner größten Abhängigkeiten?
⁉️Kann das Team auch ohne mich Entscheidungen treffen, Zusammenhalt spüren und Ziele weiterverfolgen?
Wirklich starke Führung und eine nachhaltige Kultur erkennt man daran, dass nicht alles zusammenbricht, wenn der "Kopf" geht, sondern daran, dass es ohne den "Kopf" weitergeht.
Allerdings existieren nach einem Weggang auch große Herausforderungen. Wenn die Nachfolge z.B. alles infrage stellt, entsteht oft ein Umbruch, der Unsicherheit, Konflikte und sogar wirtschaftliche Krisen auslöst. Das Unternehmen riskiert dann nicht nur Stabilität, sondern auch seine Wettbewerbsfähigkeit.
Viele Nachfolgen scheitern an schlechter Planung, emotionalen Blockaden oder unrealistischen Erwartungen. Nachfolger passen sich zudem oftmals schwer an, wenn sie das bestehende "Erfolgsrezept" nicht übernehmen können oder wollen.
Konsequenzen können z.B. sein:
⁉️Hohe Fluktuation.
⁉️Verunsicherung im Unternehmen durch mangelnde Kommunikation und fehlende Transparenz.
⁉️Strategische Krisen, wenn die Nachfolge keine klare Vision hat.
⁉️Liquiditätsprobleme, die bis zur Insolvenz führen können.
All diese Aspekte lohnen sich mit Jens Harde und Heinrich Scharp hinterfragt und diskutiert zu werden.
Ich wünsche viel Freude und Erkenntnisgewinn.
Ralf Neuhaus
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