10 nach 10 Podcast

CSDC: Mathematik 1 und 2

February 25, 2021 Sigrid Schefer-Wenzl and Igor Miladinovic
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CSDC: Mathematik 1 und 2
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CSDC: Mathematik 1 und 2
Feb 25, 2021
Sigrid Schefer-Wenzl and Igor Miladinovic

 In dieser Folge geben wir Einblicke in die Lehrveranstaltungen „Mathematik 1“ und "Mathematik 2" im 1. und 2. Semester in unserem Bachelorstudium Computer Science and Digital Communications. Zusammen mit den Vortragenden stellen wir Ihnen die Inhalte, die Organisation und die wichtigsten Ziele dieser Lehrveranstaltungen vor.  

Show Notes Transcript

 In dieser Folge geben wir Einblicke in die Lehrveranstaltungen „Mathematik 1“ und "Mathematik 2" im 1. und 2. Semester in unserem Bachelorstudium Computer Science and Digital Communications. Zusammen mit den Vortragenden stellen wir Ihnen die Inhalte, die Organisation und die wichtigsten Ziele dieser Lehrveranstaltungen vor.  

00:00:05
 Intro Speaker: Wissenswertes und Wissen. News aus den Studiengängen der Technik an der FH Campus Wien.

00:00:23
 Sigrid Schefer-Wenzl: Mathematik spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle. Sie fördert logisches Denken und das Analysieren von Problemen und bildet somit die Basis für viele technische Studien. Ein fundiertes Verständnis von Informatik und Kommunikationsnetzen ist ohne mathematische Grundlagen nicht möglich.

00:00:43
 Igor Miladinovic: Mathematik wird für viele unserer Bewerberinnen und Bewerber aus eine der größten Hürden im Studium betrachtet. In unserem Bachelorstudium laden wir sie ein, diese Sichtweise zu hinterfragen und mit Unterstützung unserer Mathematik Lektoren Mathematik neu kennenzulernen. In den ersten zwei Semestern werden Ihnen im Rahmen der Lehrveranstaltungen Mathematik 1 und 2 die für die Informatik notwendigen mathematischen Fertigkeiten auf eine verständliche Art vermittelt.

00:01:22
 Igor Miladinovic: Die Entwicklung der Informatik und digitalen Kommunikation war nie so schnell wie heute.

00:01:28
 Sigrid Schefer-Wenzl: Und sie wird nie so langsam sein wie heute.

00:01:33
 Igor Miladinovic: In diesen Podcast stellen wir wichtige Themen rund um unsere Informatik Studiengänge der LFA Campus Wien vor.

00:01:42
 Sigrid Schefer-Wenzl: Die Sie optimal für diese Entwicklung vorbereiten.

00:01:48
 Igor Miladinovic: Willkommen zu dieser Folge von unserem Podcast 10 nach 10. Mein Name ist Igor Miladinovic und ich bin der Studiengangsleiter von den Studiengängen Computer Science and Digitial Communications und Software Design and Engineering.

00:02:01
 Sigrid Schefer-Wenzl: Mein Name ist Sigrid Schefer-Wenzl. Ich bin hauptberuflich Lehrende an den beiden Studiengängen und wir machen diesen Podcast zusammen.

00:02:10
 Igor Miladinovic: Heute haben wir als Gäste Christian Steineder und Niko Maly, die bei uns im Bachelor Mathematik unterrichten. Am Anfang würde ich euch bitten, sich kurz vorzustellen.

00:02:24
 Christian Steineder: Hallo Sigrid, Hallo Igor, danke für die Einladung zu diesem Podcast. Mein Name ist Christian Steineder. Wie gerade erwähnt kurz zu meiner Person. Ich habe an der TU Wien Mathematik studiert. Hab nach meinem Studium eigentlich schon während des Studiums begonnen Mathematik zu unterrichten an der TU. Hab das dann nach Abschluss meines Studiums weiter fortgeführt. Hab an der TU noch 10 Jahre nach meinem Studium gearbeitet und nach und nach begonnen, neben meiner Tätigkeit an der ΤU auch für die Fachhochschule FH Campus Wien tätig zu sein. Wo ich jetzt auch schon mittlerweile seit über 10 Jahren Unterrichte in unterschiedlichen Studiengängen. Nebenbei habe ich auch an anderen Universitäten oder Instituten Mathematik unterrichtet für unterschiedlichste Studiengänge, sei es aus Wirtschaftswissenschaften, sei es aus der Technik. Ja, und ich mach das seit mittlerweile gut 20 Jahren, unterrichte ich diverseste Fächer und freue mich auch immer darüber.

00:03:23
 Igor Miladinovic: Vielen Dank. Das ist viel länger als ich an dieser FH. Ich bin seit 2016 da. Das ist eine jahrelange Erfahrung mit dieser FH und auch mit Mathematik. Niko, wie schaut's bei dir aus?

00:03:37
 Niko Maly: Hallo und vielen Dank für die Einladung zu dem Gespräch und dem Podcast. Wie schon bereits vorgestellt mein Name ist Niko Maly. Ich bin wie mein Freund und Kollege Christian Mathematiker, bin als Vortragender an der FH Campus Wien auch seit zirka 10 Jahren tätig im Studiengang CSDC und weiteren Studiengängen. Vor meiner Tätigkeit als Vortragender hier an der FH Campus Wien habe ich in unterschiedlichen Bereichen der Privatwirtschaft als Mathematiker gearbeitet. Zuvor habe ich an der TU Wien Mathematik studiert, habe ein Auslandsjahr in Paris absolviert, an der École Central de Paris, habe dort ein Praktikum gemacht, das ich dann als Diplomarbeit in Wien fortgesetzt habe und darauf aufbauend berufliche Erfahrung gesammelt. Die Tätigkeit als Vortragende an der FH Campus Wien hat sich über meinen Freund und Kollegen Christian Steineder ergeben und die Freude, die es mir macht Wissen zu vermitteln und auch gleichzeitig dabei weiter mich selbst zu entwickeln, fachlich und auch im Umgang mit Studierenden und Kollegen und Kolleginnen. Das hat dazu geführt, dass ich in den letzten zehn Jahren immer mehr meine Tätigkeit, meinen Schwerpunkt auf die Lehre gelegt hab hier in der FH Campus Wien auch in anderen anderen Hochschulen und das eben mittlerweile an eine meiner Haupttätigkeit ist mit Mathematik vorzutragen.

00:05:15
 Sigrid Schefer-Wenzl: Vielen Dank! Könnt ihr uns kurz vorstellen, was sind die Inhalte von den beiden Mathematik Vorlesungen, die wir im Bachelorstudium haben? Mathematik 1 und Mathematik 2?

00:05:25
 Christian Steineder: Wir versuchen mit dieser Lehrveranstaltung einen großen Bogen zu spannen, also die Lehrveranstaltung ist in sich abgeschlossen über die zwei Semester. Wir versuchen sie auch möglichst selbst erklärend zu halten. Also, wir bauen minimal auf Schulwissen auf. Es wird vieles vom üblichen Schulwissen, nenne ich es jetzt, in einem klassischen mathematischen Wissen wiederholt, um es möglichst vollständig vorzustellen. Ich gehe vielleicht kurz die Themen durch, denen wir uns widmen. In dieser Zeit, also im Wintersemester im ersten Semester der Lehrveranstaltung Mathematik 1, machen wir hauptsächlich Grundlagen durch und mit Grundlagen meine ich jetzt eine Wiederholung des Schulstoffs. Ich nenne jetzt ein paar Schlagworte. Wir machen so etwas wie Vektorrechnung. Wir rechnen mit komplexen Zahlen. Wir beschäftigen uns mit Funktionen Differentialrechnung. Was man so im weitesten Sinne in der einen oder anderen Form in der Schule wahrscheinlich gehört hat. Und dann wird gegen Ende von Mathematik 1 schon langsam die Brücke zum Sommersemester und zu mehr Informatik näheren Themengebieten geschlagen, in Form der Zahlentheorie schauen wir uns, wieder eines der Schlagworte: Primzahlen, Teilbarkeit und so etwas an größter gemeinsamer Teiler. Das macht man wohl auch schon in der Schule, aber vermutlich nicht so genau. Und dann, im Sommersemester Mathematik 2, bringen wir die Themen, die wir uns im Wintersemester erarbeitet haben, zur Anwendung. Ich nenne da jetzt drei Schlagworte. Die Zahlentheorie ist die Grundlage für Kryptographie. Schauen wir uns das sogenannte RSA Verfahren an und versuchen das möglichst gut zu verstehen mit allen Einzelheiten. Als nächstes greifen wir die Matrizen Rechnung auf, die man auch im Wintersemester als Verallgemeinerung der Vektor Rechnung gemacht haben und schauen uns damit Graphen theoretische Aspekte an. z.B. Kann man damit den ursprünglichen Google PageRank Algorithmus sich ganz gut anschauen verstehen und dann als Abschluss der Mathematik 2 Vorlesung schon kommen sogenannte Fourierreihen was eine Verallgemeinerung der Vektorrechnung unter komplexen Zahlen ist. Also man kann sich das wirklich so als großen Bogen vorstellen inhaltlich. Wir beginnen bei Zahlenbereichen, komplexen Zahlen und dann bauen wir ein riesiges Konstrukt auf. Und dann im Sommersemester ist sozusagen Erntezeit und wir enden wieder bei den komplexen Zahlen als Anwendung der komplexen Zahl, die Fourierreihen betrachtend. Das war jetzt die inhaltliche Zusammenfassung der Lehrveranstaltung. Wir wollen aber mehr mit der Lehrveranstaltung vermitteln. Wir wollen auch methodisch vermitteln, was Mathematik eigentlich ist. Und uns geht es sehr um das Verständnis. Also es geht uns keinesfalls ums Auswendiglernen von Rezepten, sondern die Mathematik ist eigentlich die Kunst des Verstehens, wenn man so will, und das wollen wir vermitteln und das kann man mal erfahren an diesen schon gewohnten Themengebieten der Schulzeit, dass man mal versteht, was ich sage jetzt irgendein Beispiel: was ist Differentialrechnung eigentlich? Was ist die Idee dahinter? Was ist die geometrische Idee dahinter? Und dann schauen wir uns die weiteren Themen, die ich jetzt genannt habe, auch noch an und versuchen eben wirklich zu verstehen, was da vor sich geht. Wie man mathematisch begründet schauen wir uns auch an und was so der Kern von einer Idee ist. Also abstrahieren auch das schauen wir uns an. Also so methodisch wollen wir das durchnehmen. Und dann der dritte Punkt in dieser Lehrveranstaltung, der ist mir ganz wichtig den herauszustreichenm da decke ich mich sicher mit Niko genauso. Das ist vielleicht der wichtigste Punkt sogar ist, dass man sich der Mathematik mit Freude nähert. Wir wollen einen Spaß am Tüfteln, an mathematischen Problemen vermitteln. Weil Mathematik hat ja doch einen etwas naja, negativen Beigeschmack, der ist absolut nicht nötig. Das ist dieser Spaß am mathematischen Problemen lösen, am Verstehen und Verständnis entwickeln, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den wir vermitteln wollen.

00:09:05
 Sigrid Schefer-Wenzl: Vielen Dank. Ich würde da gerne noch eine kurze Zwischenfrage stellen, und zwar: Wir bekommen oft von Interessenten, Interessentinnen, die Frage: wenn sie schon länger von der Schule weg sind, wie sie sich denn zum Beispiel auf Mathematik gut vorbereiten können? Du hast jetzt gesagt, Schulstoff wird eh wiederholt, aber hättest du da ein paar Tipps?

00:09:24
 Christian Steineder: Also wir versuchen wirklich, das möglichst von Grund auf zu erklären und von Grund auf vorzustellen. Grundlagen, über die normalerweise gar nicht gesprochen wird, wie z.B: Wie rechne ich mit Termen? Wie fasse ich X zusammen? Wie multipliziere ich zwei binomische Terme x plus 1 mal x minus 2 oder so etwas. Zusammenfassen von Variablen oder so ganz einfache Dinge. Wer sich damit beschäftigen möchte, das ist sicher kein Fehler, das er ein bissl Übung wieder damit hat so Fingerfertigkeit. Aber das Verständnis wird von uns vollständig präsentiert.

00:10:00
 Igor Miladinovic: Gut, vielen Dank. Diese Lehrveranstaltung besteht aus einer Vorlesung und einer Übung. Was mich jetzt interessieren würde: Wie ist die Lehrveranstaltung organisiert, sodass die Vorlesung die Übung am besten unterstützt und vice versa?

00:10:15
 Niko Maly: Gut, also die Die Lehrveranstaltung ist nach einem relativ verbreiteten Konzept organisiert, nämlich dass wir eine Vorlesung haben, die im Plenum stattfindet. Und auch wenn die Vorlesung an sich jetzt mal prinzipiell wie ein klassischer Frontal Vortrag organisiert ist, ist auch in der Vorlesung bereits immer Platz und vor allem auch willkommen, das interagiert wird. Das ist der erste Teil. Natürlich muss man das wissen, auch wenn man dann über die Wiederholung des Schulwesens dann fortschreitet und eben neue Themengebiete präsentiert, muss zunächst einmal das Wissen natürlich gebracht werden. Diesen frontal Vortrag quasi zu assimilieren, zu lernen gibt es dann den Übungsbetrieb. Der Übungsbetrieb findet dann in einer Gruppen Einteilung statt. Die Gruppen Einteilung sind je nach Jahrgangsgröße zwischen 20, 30 oder ein bisschen mehr Studierende. Es hängt eben von der Jahrgangsgröße ab. Der Übungsbetrieb läuft dann eben so ab, dass zwischen den Übungsterminen Beispiele, die mit dem Stoff der Vorlesung sich beschäftigen, dass diese Beispiele durchzuarbeiten sind und die Ausarbeitungen dieser Beispiele werden dann im Übungs Betrieb diskutiert. Da gibt es dann beispielsweise Gruppen, Phasen im Übungs Betrieb, wo die Studierenden quasi unter unserer Supervision die Gelegenheit haben, nochmal gemeinsam zu diskutieren, Fragen gemeinsam zu klären, eben wirklich als Motivation, dass dieser gesamte Prozess des Lernens eben nicht so ein Füllhorn ist, das wir bedienen und doch nur einfühlen, sondern dass der wirklich aktiv gelernt wird. Zusätzlich zu diesen Gruppenphasen gibt's dann allgemeine Diskussionsphasen in der Gruppe und auch dann Präsentationenphasen. Das heißt wo dann die Strategien, die Ideen und die Ergebnisse, wobei aus unserer Perspektive und aus unserer Erfahrung weniger die Ergebnisse im Vordergrund stehen, sondern mehr die Strategie. Und diese werden dann diskutiert. Das wird dann klassisch auf der Tafel erledigt, mit Stift und Kreide und Tafel und dann wird gesprochen und diskutiert. Und dieses Setting von Vorlesung im Plenum und Übungsgruppen im kleineren Rahmen haben einfach die Möglichkeit, dass man einerseits gut das Wissen vermitteln kann und andererseits dann in kleinerem Rahmen diesen Stoff diskutieren kann. Ganz wichtig ist es uns auch, wie schon Christian erwähnt hat, dass wir den Spaß herausholen wollen. Natürlich Studium ist Studium und Studium ist eine eine große Sache und man lernt und man investiert viel Zeit und uns ist auch bekannte das Mathematik aufgrund unterschiedlicher Aspekte in unserer Gesellschaft und im Bildungswesen, im Schulwesen. Mathematik nicht unbedingt immer ein favorisiertes Fach ist, aber wir wollen auf jeden Fall in unseren Lehrveranstaltungen und auch dann im interaktiven Übungsbetrieb, ist es uns ein wichtiges Anliegen, dass wenn wir über Mathematik und über die Themen und die Anwendungen und die Lernprozesse sprechen, dass wir da unbedingt den Druck rausnehmen wollen. Also es geht darum, dass wir nicht irgendwie eine hierarchische Ebene haben und wir prüfen, was richtig und was falsch ist, sondern es geht uns eben darum, dass wir Lernprozesse und Verständnis Prozesse in Gang setzen und begleiten und die unterstützen. Und auch wenn wir im Übungs Betrieb ebenso Präsentationsformen haben, wo man dann als Studentin, als Student eben seine Ideen präsentieren muss, ist es uns auch wichtig, in diesem Übungsbetrieb des möglichst stressfrei zu machen. Stressfrei bedeutet nicht, dass man nicht lernen muss und nicht etwas tun muss und nicht Zeit investieren muss. Aber stressfrei bedeutet vor allem, dass man nicht Angst vor Fehler haben muss. Lernen ist ein Prozess und in diesem Lernprozess entstehen Erkenntnisse und dieser Weg ist nicht immer glatt und geradeaus, der ist auf Umwegen und da gibt es Hindernisse. Üblicherweise nennen wir das Fehler und über diese Fehler ist es uns auch wichtig, Fehler im Sinne von Gedankenfehler, Wieso habe ich diesen Gedanken gehabt und warum ist dieser Gedanke nicht zielführend? Es ist auch ein Teil der Übung, darüber zu diskutieren, um eben einfach zu erleben: Wir brauchen keine Angst haben, wenn wir uns engagieren. Wenn wir lernen, dann ist das das Beste, was wir tun können. Und das ist eben der Vorteil, den wir haben, wenn wir Vorlesungs- und aktiven Übungsbetrieb haben.

00:14:50
 Sigrid Schefer-Wenzl: Dankeschön! Das klingt alles wirklich sehr ansprechend. Im nächsten Schritt würde ich euch jetzt gerne fragen: Warum glaubt ihr, dass Mathematik für Informatiker wichtig ist? Auf welche Berufe wird das im Endeffekt die Studierenden vorbereiten?

00:15:06
 Christian Steineder: Das Mathematik hinter jedem Computer Prozess im wahrsten Sinne des Wortes steckt, bezweifelt wohl niemand. Die Mathematiker haben in binären Zahlen schon gerechnet, als Elektrizität noch nicht entwickelt war. Aber abgesehen von diesen, wenn wir an der Supermarktkasse stehen und einen Barcode einlesen wollen von irgendeinem Computer ist es Mathematik. Also wenn wir irgendeine Nachricht verschicken über Internet, ist das Mathematik, wenn sie verschlüsselt werden soll. Jede Verschlüsselung Algorithmus ist Mathematik. Von wegen Abstrahieren: wenn man das abstrahiert, den gemeinsamen Nenner raussucht. Von all diesen Beispielen, die ich jetzt versucht habe zu nennen, dann ist es ein allgemeines Verstehen zu erfahren. Und da ist Mathematik als Wissenschaft, die halt Verständnis lehrt, wahrscheinlich für jeden Beruf, nicht nur in der Informatik, sondern wirklich für jeden zumindest naturwissenschaftlich oder rational gelagerten Beruf, ein ganz wichtiger Bestandteil, um dieses Verständnis zu erfahren, um dieses Verständnis dann bei der Hand zu haben, ist halt Mathematik Unterricht die beste Möglichkeit dieses Verständnis zu schulen, also in dem Sinn, wenn man Mathematik als Kunst des Verstehens oder des logischen Argumentierens auffasst, ist Mathematik die Grundlage für jede rationale Tätigkeit und damit wohl für jeden technischen Beruf. Das war so ein genereller Ausflug. Natürlich sind wir bei der Themenwahl der Vorlesung, da war es uns sehr wichtig, dass wir Themen wählen, die ganz nahe an der Informatik sind und wie ich zuerst erwähnt habe, nehmen wir in der Vorlesung auch explizit Themen bis ins Detail durch, die in der Informatik sich halt etabliert haben, wie z.B. Kryptographische Algorithmen oder Algorithmen aus dem Internet, Google, PageRank. Oder eben Fourierreihen, was eben direkt im Zusammenhang steht mit Kompressions Algorithmen. Also wir versuchen die Vorlesung schon so zu lagern, dass die Studenten einen Einblick bekommen. Wie wird die Mathematik dann tatsächlich angewandt? Aber noch einmal: Das Wesentliche sonst oder der viel generellere Punkt, den wir anbringen wollen ist, wenn man verstanden hat, was es heißt zu verstehen, wenn man erfahren hat was es heißt Lösungen zu Probleme selbstständig zu finden, dann ist man viel offener gegenüber jeglicher technischer Fragestellung.

00:17:23
 Igor Miladinovic: Vielen Dank Christian. Ja, also für mich gibt das Ganze ein rundes Bild. In diesen zwei Semester bekommt man gute Voraussetzungen, dass man sich mit Informatik weiter beschäftigt, also gute mathematische Voraussetzungen in einer Umgebung, wo es auch erwünscht und es ist auch so geplant, dass man auch Fehler macht und aus diesen Fehler lernt, dass man sozusagen lernt, logisch zu denken. Das ist ganz wichtig für viele Berufe, für Informatik besonders wichtig, weil Informatik kommt eigentlich von der Mathematik ursprünglich. Wenn ich jetzt euch frage: was wären die drei wichtigsten Sachen, die sich die Studierenden aus diesen zwei Semester mitnehmen sollten, was wären diese drei Sachen?

00:18:11
 Niko Maly: Also auf die Frage nach wegen der beruflichen Vorbereitung, das deckt sich auch damit, was Studenten mitnehmen sollen, beispielsweise allein diesen, was wir jetzt hier abhalten, dieser Podcast, dass wir eine Diskussion führen, auf Distanz, die per Zoom verschlüsselt ist, damit wir theoretisch auch Bilder und Videos teilen können und demnach eben auch Daten verschlüsseln und komprimieren müssen. Das ist alles Mathematik. Also natürlich ist Informatik, also das stimmt, Informatik ist aus der Mathematik hervorgegangen, dieser theoretische Bereich. Und natürlich ist Informatik dann auch mehr, wenn es darum geht, wirklich die technischen Hardware Details zu bearbeiten. Aber ich würde meinen, dass wir in einem Technologie basierten, und das ist etwas, was Studenten mitnehmen sollten. Wir sind, wir leben in einer Technologie basierten Gesellschaft und wir sind ständig von technischen Prozessen umgeben, die für uns so selbstverständlich sind, dass es gar nicht so naheliegend ist, darüber nachzudenken, dass diese technologischen Prozesse, die uns umgeben, eben aufgrund von mathematischen Überlegungen und Modellrechnungen basieren. Das heißt, vieles, was uns technisch umgibt, ist eben aufgrund von Modellbildung und von Analyse und Synthese und Überlegungen mit Hilfe der Mathematik entstanden. Genau dieser Aspekt eben, was auch Christian schon angesprochen hat, eben zu abstrahieren, zu analysieren, zu modellieren und auch dann eine Synthese wieder zu schaffen. Wie wir eben die Synthese schaffen, zuerst aus diesem Schulstoff heraus einen kleinen mathematischen Kosmos zu entwickeln und dann daraus praktische Modelle zu entwickeln. Genau dieser mathematische Denkprozess, dass Studenten zu vermitteln, das ist eigentlich das, was ein ganz zentrales Anliegen ist. Und was uns, worauf wir uns auch freuen, wenn wir das mitgeben können, das ist uns wirklich wichtig, dass dieser Denkprozess da durchlaufen wird. Ansonsten, was ein Punkt ist, den ich noch ganz, ganz wichtig finde und der auch ein bisschen die Mathematik aus dem Schulbuch für die Studierenden dann lebendig werden lässt, ist zu verstehen, dass Mathematik etwas Kulturgeschichtliches ist. Wir erfahren Mathematik meistens über Bücher oder mittlerweile halt über Podcast oder Videos. Aber es wird immer als etwas Abgeschlossenes dargestellt, als Buchstaben auf einem Medium. Tatsächlich woher kommen diese Buchstaben? Also woher kommen diese mathematischen Aussagen? Und natürlich diese Aussagen kommen von Menschen, Mathematikern oder Menschen, die in der Mathematik arbeiten, die sich meistens mit zunächst konkreten Fragestellungen beschäftigt haben, um dann Lösungen zu finden. Und das geht nicht nur Jahrzehnte oder Jahrhunderte lang. Es geht Jahrtausende lang. Beispielsweise die Art zu denken, wie es in der modernen Mathematik üblich ist, nämlich das axiomatische Denken, also wie man aus Axiomen Schlussfolgerungen zieht und neue Erkenntnisse gewinnt. Dieses axiomatische Denken hat jetzt, vereinfacht gesagt, in der griechischen Antike Euklid ungefähr 300 v. Chr. im Alleingang etabliert. Und das heißt, wir haben hier eine Art zu denken, eine systematische axiomatisch Art zu denken, die seit über zweitausend Jahren menschliche Kulturgeschichte ist. Und jede Kulturgeschichte, jede Hochkultur hat eigene mathematische Leistungen gebracht, sei es eben das wie beispielsweise die Zahlen und die Ziffern und die Stellenwert Systeme, mit denen wir geboren sind, seit Kindheit zu rechnen, wie viele Jahrhunderte es gedauert hat, bis beispielsweise die Ziffern 0 aus dem chinesischen, indischen, arabischen Kulturkreis bis nach Mitteleuropa gekommen ist. Das heißt hinter all dem, wann immer Studierende Angst haben von Mathematik und es das als Hürde erleben weil die Mathematik so etwas Großes ist und so etwas Schweres. Natürlich ist Mathematik etwas Großes, weil eben Jahrtausende an Denken und Kulturgeschichte dahinter stecken. Unsere Aufgabe in den Lehrveranstaltungen ist es, mal einen Art roten Faden zu entwickeln und die Essenz herauszuarbeiten, um da eine klare Perspektive für die Studierenden zu bringen, um zu sehen. Mathematik ist weder schlimm, vor Mathematik braucht man keine Angst haben. Man muss sich natürlich der Sache widmen, wie bei jeder Tätigkeit. Wenn man eine Handfertigkeit entwickeln möchte, sei es eine sportliche Tätigkeit oder für ein Instrument oder für jede Tätigkeit, dann muss man natürlich Zeit und Geduld und Neugierde investieren. Aber dann spricht nichts dagegen, dass man eben einen Lernprozess positiv absolviert. Und das ist in der Mathematik genauso. Und das ist etwas, was uns eigentlich schon sehr wichtig ist. Auch unser Lehrkonzept ebenso darauf aufbauen, dass wir wirklich zeigen, es gibt Wissen. Und dieses Wissen wird von Generation zu Generation weiter entwickelt und weiter übertragen.

00:23:28
 Sigrid Schefer-Wenzl: Vielen Dank für diesen sehr spannenden Einblick in eure beiden Lehrveranstaltungen und auch über die Ideen die ihr dahinter habt und euren Zugang zur Mathematik. Zum Abschluss haben wir immer so einen Teil, wo wir unsere Gäste bitten, auf drei Fragen ganz kurz spontan zu antworten. Ich würde euch bitten, einfach hintereinander zu antworten. Vielleicht beginnst du Nico mit der ersten Frage und dann gleich darauf der Christian auf die selbe Frage und dann umgekehrt vielleicht bei der nächsten Frage. Die erste Frage, die wir für euch hätten wäre: Was bedeutet ein Studium für euch?

00:24:05
 Niko Maly: Studium bedeutet, dass man den persönlichen Horizont erweitert. Studium bedeutet, dass man neues Wissen sich aneignet. Studium bedeutet, dass man offen ist und Studium bedeutet, wenn man sich für ein Studium entschieden hat, dass man auch motiviert ist, das Studium zu absolvieren.

00:24:25
 Christian Steineder: Studieren beinhaltet einen Reifungsprozess, die Möglichkeit, ein Thema tiefgehend zu lernen, vielleicht auch mit Aspekten, die man gar nicht erwartet hat. Für diese neuen Aspekte auch offen zu sein und mit Interesse zu begegnen, was die Lehrenden einem zu bieten haben, weil höchstwahrscheinlich haben sie mehr Erfahrung in dem Gebiet und da kann man sich wahrscheinlich, hoffentlich einiges davon abschauen und daran wachsen.

00:24:56
 Igor Miladinovic: Vielen Dank! Die nächste Frage, auch für beide: Was bedeutet Prüfen für euch?

00:25:04
 Christian Steineder: Die Chance auf ein ehrliches Feedback und die Chance, ein Feedback zu bekommen, ist für mich eine Prüfung. Sie ist sicher nicht ein Ding zum Selbstzweck, auch sicher nichts zur Qual. Sie ist die Chance zu entdecken. Habe ich den Stoff verstanden? Wie gut habe ich ihn verstanden? Wo kann ich mich verbessern?

00:25:23
 Niko Maly: Genau. Natürlich. Die Prüfung hat den Zweck in einem akademischen Studium, dass eben der Stempel und das Siegel unterhalb des Zeugnisses sind, dass das auch absolviert wurde. Aber genau eben das Feedback für Studierende ist das, was für uns im Vordergrund steht. Und auch zeigt sich doch, obwohl es das ist, was ich persönlich ungern wahrhaben möchte, Prüfung ist ein Anreiz, sich eine auch eine Deadline zu setzen und mit sich selbst auszumachen. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich den Lernprozess so weit absolviert, um eben reif zu sein.

00:26:06
 Sigrid Schefer-Wenzl: Dankeschön. Und letzte Frage Was macht einen guten Vortragenden, eine gute Vortragende für euch aus?

00:26:16
 Niko Maly: Wenn ich an diese Frage denke, dann versuche ich, diese Frage aus der Sicht von Studierenden zu zu sehen und ich glaube, aus dieser Perspektive wird es sehr vielschichtig sein, weil Studierende unterschiedliche Hintergründe haben, unterschiedliche Interessen haben und deswegen unterschiedliche Erwartungen haben. Und aus meiner Erfahrung, was mir wichtig für mich für meine Tätigkeit als Vortragende ist. Und für mich ist es wichtig, dass ich genau diese Denkprozesse, die ich Studierenden vermitteln möchte, dass ich diese Denkprozesse in diese Entwicklungsprozesse möglichst authentisch vorlebe. Lebendig sein. Ich glaube, lebendig sein ist für mich eine Quintessenz.

00:27:03
 Christian Steineder: Ich kann vielleicht ein paar Aspekte jetzt nennen, die für mich wichtig wären. Hochtrabend gesprochen, würde ich versuchen, jemand, der zumindest versucht, inspiriert, inspirierend zu sein. Jemand, der versucht, nach bestem Wissen und Gewissen hinter seinem Fach zu stehen und jemand, der auch nach bestem Wissen und Gewissen ein offenes Ohr für die Studierenden hat und die Studierenden ernst nimmt mit ihren Anliegen. Das gehört für mich sicherlich auch zu einem guten Vortragenden dazu.

00:27:33
 Igor Miladinovic: Vielen Dank! Ja, so sind wir am Ende von dieser Folge. Für mich war es sehr informativ. Ich glaube auch, dass das unsere Hörerinnen und Hörer auch so sehen. Viele neue Informationen. Jetzt kann man sich auf diese wichtige Grundlage für das ganze Studium auch zumindest gedanklich gut vorbereiten. Danke Christian und Nico, dass ihr heute bei uns wart und danke auch an unsere Hörerinnen und Hörer für ihre Aufmerksamkeit. Bis zum nächsten Mal.

00:28:07
 Sigrid Schefer-Wenzl: Bis zum nächste mal.

00:28:09
 Niko Maly: Danke auch. Danke.

00:28:10
 Christian Steineder: Danke.