Insurance Monday: Digitalisierung & Versicherung
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Denn noch nie waren die Veränderungen der Digitalisierung so stark zu spüren. Banken und Versicherungen müssen sich mit Themen wie digitale Transformation, New Work, Disruption, Plattformen, InsurTechs und digitalen Geschäftsmodellen auseinandersetzen.
Mit Insurance Monday haben wir es uns zur persönlichen Aufgabe gemacht, alles Wissenswerte aus der Branche auf eine informative und unterhaltsame Art zu vermitteln. Unsere Hörer:innen profitieren von den Learnings und Tools erfolgreicher und inspiriender Macher:innen.
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Insurance Monday: Digitalisierung & Versicherung
Die unbequeme Wahrheit über Lebensversicherungen | Mit Viridium-CEO Tilo Dresig
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Lebensversicherung galt jahrzehntelang als langweilig, stabil und irgendwie „gesetzt“. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig.
In dieser Folge des Insurance Monday Podcasts spricht Viridium-CEO Tilo Dresig offen über den massiven Veränderungsdruck in der deutschen Lebensversicherungsbranche: veraltete IT-Systeme, explodierende Kosten, politische Reformen, KI, Konsolidierung – und die Frage, ob viele Versicherer überhaupt noch zukunftsfähig aufgestellt sind.
Dabei räumt Dresig mit einem der größten Vorurteile der Branche auf:
👉 Viridium ist kein „Abwickler“.
Gemeinsam mit Herbert Jansky und Julius Kretz spricht er darüber:
- warum viele Lebensversicherer strukturell unter Druck geraten
- weshalb 80 Anbieter in Deutschland langfristig kaum tragfähig sind
- wie Viridium innerhalb von nur 12 Jahren zu einem der größten Lebensversicherer Deutschlands wurde
- warum alte IT-Systeme für Versicherer zum Milliardenrisiko werden
- welche Rolle KI und Automatisierung künftig spielen
- weshalb die Altersvorsorgereform den Markt fundamental verändern könnte
- und warum sich die Zukunft der Branche an besseren Ergebnissen für Kunden entscheidet
Eine Folge über Marktumbrüche, technologische Schulden, politische Weichenstellungen – und darüber, warum die spannendsten Veränderungen der Versicherungsbranche gerade dort passieren, wo jahrzehntelang Stillstand herrschte.
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Julius Kretz [00:00:00]:
Hallo und herzlich willkommen zum Insurance Monday Podcast. Kleingedrucktes aus der Finanz und Versicherungswelt. Dein Podcast mit spannenden Insights und exklusiven Gästen aus der traditionellen und digitalen Finanzwelt.
Herbert Jansky [00:00:26]:
Hallo und herzlich willkommen zu einer ganz besonderen Folge des Insurance Monday Podcast. Die meisten von euch kennen mich von meinem dem Podcasten, aber wie ihr wisst, habe ich im echten Leben einen richtigen Job und zwar als Bereichsleiter Operations Development bei der Viridium Gruppe. Seit ich 2024 dort angefangen habe, häufen sich die Anfragen Wann macht ihr endlich mal eine Folge über Viridium? Oft treibt die Leute einfach schlichtweg die Neugier um, denn sind wir mal auch in unserer Branche wissen viele immer noch nicht, was diese Firma, die übrigens heißt wie ein Pokemon tatsächlich den ganzen Tag macht. Heute bringen wir Licht ins Dunkle. Wir schauen uns an, wie wie man vom Pionier zum Marktführer wird. Dafür haben wir keinen geringeren eingeladen als den CEO von Viridium, Thilo Tresig. Thilo, schön, dass du da bist. Herzlich willkommen.
Tilo Dresig [00:01:30]:
Ich grüße euch. Ich freue mich ganz besonders heute bei euch zu sein.
Herbert Jansky [00:01:34]:
Thilo, die Leute, die dich nicht kennen, stell dich unseren Zuhörern bitte kurz vor.
Tilo Dresig [00:01:40]:
Mein Name ist Thilo Dresig. Ich bin der Vorstandsvorsitzende der Viridium Gruppe vom Hintergrund. Ich habe ursprünglich BWL studiert und sogar auch promoviert und hatte da meine erste berufliche Station bei der Allianz. Dann war ich 16 Jahre bei Goldman Sachs in London und in Frankfurt und habe mich da vor allem mit Finanzinstitutionen beschäftigt und da sehr sehr viele mit sehr sehr vielen wichtigen Klienten m A Transaktionen, aber auch Kapitalthemen gemacht. Also ich würde sagen, habe auf jeden Fall ich viel gelernt und jetzt bin ich seit acht Jahren bei Viridium, zuerst als Finanzvorstand und jetzt inzwischen schon seit fünf Jahren als Vorstandsvorsitzender.
Herbert Jansky [00:02:25]:
Danke dir Thilo. Und vielleicht ein kleiner Disclaimer, weil ich ja auch in dieser Firma arbeite. Wir machen das wie immer heute neutral. Ich bin heute wie immer Host und stelle die Fragen und Thilo muss die Antworten geben. Und für die wirklich kritischen Fragen habe ich heute mit dabei Julius Kretz aus dem Insurance Monday Team.
Julius Kretz [00:02:48]:
Ja, hi Thilo, herzlich willkommen auch von meiner Seite. Ich freue mich, dass du heute hier bist. Im Vorgespräch habe ich schon gesagt, gesehen haben wir uns schon häufiger oder anders gehört habe ich dich schon häufiger auf verschiedenen Bühnen. Insofern freut es mich total, dass wir heute auch hier in diesem Dreier in dieser Dreierkonstellation dich besser kennenlernen können. Und wir haben dazu das Format der schnellen Fünf. Das gibt es bei uns immer im Insurance Monday Podcast und ich würde einfach mal rein starten und du darfst Dich kurz positionieren. Nummer 1 Frühaufsteher oder Nachtschwärmer?
Tilo Dresig [00:03:18]:
Definitiv Frühaufsteher immer immer vor der Welle schwimmen.
Julius Kretz [00:03:22]:
Immer vor der Welle. Der frühe Vogel und so finde ich gut. Papierloses Büro oder der eine wichtige Notizblock muss immer dabei sein.
Tilo Dresig [00:03:31]:
Also ich versuche möglichst papierlos, aber tatsächlich, ich habe immer Notizblock dabei und sogar alles, was wichtig ist, drucke ich auf Papier aus. Kann ich mir viel besser merken, viel besser mitarbeiten und dann weißt du, dass es ein wichtiges Thema ist.
Julius Kretz [00:03:47]:
Also der visuelle würde ich mal formulieren. Sehr gut. Und die nächste Frage können wir, glaube ich, beantworten, zumindest wir dich jetzt gerade sehen. Anzug oder Hoodie?
Tilo Dresig [00:04:01]:
Also irgendwo zwischen Anzug und Sakko, kein Hoodie.
Julius Kretz [00:04:08]:
Und jetzt gehen wir ein bisschen ins Fachliche rein. Digitaler Versicherungsabschluss oder ohne meinen Makler sage ich nichts.
Tilo Dresig [00:04:16]:
Ja, auf jeden Fall digital. So, das ist die moderne Welt.
Julius Kretz [00:04:22]:
Das ist schon spannend, weil die Frage haben wir häufiger schon gestellt und tatsächlich kommt oftmals nicht so diese ganz klare Positionierung, sondern eher ja, sowohl als auch. Insofern finde ich cool, dass du dich klar positionierst. Letzte und fünfte Jeder für sich oder lass den Spezialisten machen.
Tilo Dresig [00:04:42]:
Das ist aber eine schwere Frage, weil ich würde sagen, um ehrlich zu sein, beides nicht Eher so der Ansatz, wir setzen uns als Team zusammen und diskutieren die verschiedensten Aspekte, weil das Wichtigste ist, dass die richtige Lösung bei rauskommt. Also würde sagen, Team mit vielen Meinungen am Anfang und am Ende mit einer Meinung.
Julius Kretz [00:05:08]:
Ja, super cool. Dann würde ich sagen, wir steigen mal ins Thema ein. Thilo Wenn wir auf Deutschland schauen, sprechen wir über einen Migranten. Wir haben 80 Millionen Lebensversicherungsverträge und statistisch gesehen kann man sagen, eigentlich jeder Deutsche hat eine Police. Gleichzeitig sehen wir, und das gerade sehr aktuell und akut, die Anzahl der Anbieter schrumpft Punkt 1 und der Druck auf die IT-Systeme trägt mit Sicherheit dazu bei. Gleichzeitig spannendes Thema, gerade auch im politischen Diskurs. PAV Reform, also der Druck steigt enorm, würde ich sagen. Und inmitten dieses riesigen, komplexen Marktes gibt es euch.
Julius Kretz [00:05:50]:
Und wenn ich ehrlich bin, so aus der Vergangenheit, wie habe ich euch wahrgenommen? Viridium ist der Abwickler. Ich habe mir dann sagen lassen, auch von einem netten Kollegen hier nebendran, das ist ein bisschen zu kurz gedacht, aber vielleicht kannst du uns da ein bisschen aufklären, was macht ihr eigentlich als Viridium und wie muss ich mir das so im Alltag vorstellen?
Tilo Dresig [00:06:10]:
Ja, danke für die Frage, weil ich glaube, da lohnt sich die Aufklärungsarbeit. Also Viridium ist eine deutsche Lebensversicherung. Wir sind, und das ist das Einzige, was uns eigentlich unterscheidet von normalen Lebensversicherungen, wir sind ausschließlich spezialisiert auf das Management von bestehenden Lebensversicherungen. Das heißt, wir machen kein Neugeschäft, das jetzt grob vereinfacht, aber eine Lebensversicherung hat eigentlich zwei Aufgaben. Das eine ist Neugeschäft. Auch in eurem Podcast wird ja viel diskutiert, was ist der richtige Zuschnitt, was sind die Produkte für die Zukunft? Das ist die eine Aufgabe, Neugeschäft. Und die zweite Aufgabe ist, sich um den bereits bestehenden Bestand zu kümmern. Und alles, was wir machen, ist, dass wir uns nur auf die zweite Aufgabe spezialisieren.
Tilo Dresig [00:06:58]:
Wir kümmern uns nur um bestehende Bestände und wie man die verbessern kann. Und das kann man auch sehr klar messen und definieren. Denn was wir versuchen zu erreichen und auch zeigen können, dass wir es erreichen, ist, dass wir die Verzinsung verbessern für die Kunden. Das ist das eine, was einen Kunden natürlich interessiert, was kommt dabei raus. Das zweite ist, wie hoch ist die Kapitalquote, ist natürlich ganz wichtig, wie finanziell stabil steht die Gesellschaft da. Und das dritte ist, hat man eine moderne IT, modernen Kundenservice, damit man die Verträge auch wirklich bis zum Ende der Laufzeit tatsächlich auch operativ erfüllen kann. Vielleicht als kleiner Hinweis, unser, wir haben jetzt mal nachgeschaut, unser am längsten laufender Vertrag, den wir haben bei uns im Portfolio, ist 80 Jahre alt und wir haben Verträge, die wahrscheinlich noch 80 Jahre laufen. Das heißt, das ist ein ganz wichtiger Aspekt.
Tilo Dresig [00:07:53]:
Das heißt, wir haben alles, was wir machen, ist, wir fokussieren uns ausschließlich darauf, wie man bereits bestehende Lebensversicherungsverträge verbessern kann. Und deswegen hast du wahrscheinlich am Anfang auch schon gesagt, dass du beim Thema Abwickler schon ein bisschen Erklärung bekommen hast, wenn man ehrlich ist. Das ist so ein Wort, mit dem kann man uns natürlich so ein bisschen ärgern, weil das ist genau, was wir nicht tun. Wir wickeln natürlich nicht Verträge ab, sondern wir machen genau das Gegenteil. Wir investieren signifikant in das Unternehmen, um die bestehenden Versprechungen bis zum Laufzeitende zu erfüllen und sogar noch attraktiver zu machen. Das heißt, wir machen eigentlich genau das Gegenteil. So ein richtig gutes Wort gibt es wahrscheinlich nicht. Ich glaube, Bestandsmanager ist wahrscheinlich die treffendste Bezeichnung.
Tilo Dresig [00:08:46]:
Und wir glauben übrigens, dass es eine super Aufgabe ist, denn was wir tun, ist letztendlich für inzwischen drei Millionen Kunden, die wir haben, Kunden und Kundinnen, die Altersvorsorge zu verbessern. Also aus meiner Sicht eine sehr ehrenvolle Aufgabe.
Herbert Jansky [00:09:03]:
Thilo Ich habe eben in der Intro schon gesagt, dass viele in der Branche oder selbst in der Branche Viridium doch nicht so gut kennen. Jetzt sagtest du eben die drei Millionen Kunden, die wir haben. Kannst du was zu Historie sagen und zur Entwicklung?
Tilo Dresig [00:09:18]:
Ja, ursprünglich, also wir sind gestartet vor 12 Jahren mit der ersten Akquisition. Inzwischen haben wir vier größere Transaktionen durchgeführt und das ist schon ganz spannend, denn wenn man sich das anschaut, wir sind jetzt der Faktor, innerhalb von zwölf Jahren sind wir jetzt ja eine der fünf größten Lebensversicherer geworden. Nach Kapitalanlagen haben die meisten nicht so auf dem auf dem Radarschirm. Wir haben ungefähr 70 Milliarden Kapitalanlagen und das ist schon spannend, denn 12 Jahre fühlt sich für uns nach einer langen Zeit an, weil wir einfach in der Zeit viel gemacht haben und sehr viel einfach umgebaut investiert haben. Im Kontext der deutschen Lebensversicherung sind natürlich zwölf Jahre immer noch relativ kurz und insgesamt im Lebensversicherungs Zyklus ist das immer noch überschaubar. Aber ich weiß nicht, ob wir später noch dazu kommen. Das Spannende ist, dass es uns jetzt lang genug gibt, dass wir eben zeigen können, welche Verbesserungen wir für Kunden durchführen können. Das konnte man fairerweise in den ersten paar Jahren nicht, weil man muss ja erstmal erst mal starten und das dauert ja auch immer so ein bisschen, bis man es dann zeigen kann.
Tilo Dresig [00:10:30]:
Aber das ist so ein bisschen die Historie. Also innerhalb von 12 Jahren eine der fünf größten geworden und hoffen und planen von hier aus weiter zu wachsen.
Julius Kretz [00:10:39]:
12 Jahre in der Versicherungsindustrie, würde ich sagen, ist eher Startup Charakter großartig und beeindruckende Zahlen. Vielleicht kannst du noch ein bisschen was dazu sagen, weil du sagtest Neugeschäft ist nicht das Thema und gleichzeitig, ich glaube du hast es so formuliert, macht ihr das Leben der Menschen, die in Zukunft in Rente gehen, besser? Wie passiert das genau? Also ist es auch eine Bestandsoptimierung, die ihr tut mit Cross und Upselling Potenzialen? Wie muss ich mir das vorstellen, dass das Leben der Menschen dadurch durch euch besser wird?
Tilo Dresig [00:11:11]:
Danke für die Frage, weil das natürlich eines der kritischsten Fragen und Diskussionspunkte, die wir haben. Ich glaube, das kannst du in zwei Dimensionen messen, wirklich aus Kundensicht. Und es ist einfach so, dass wir zeigen können, dass wir, wenn wir diese gesamte Wertschöpfungskette einer Lebensversicherung verbessern und das geht also wirklich los von, ich habe schon genannt IT und Kundenservice Kosten, geht dann aber auch zu den ganzen bilanziellen Themen, Kapitalanlage, aber auch Risikosteuerung, was übrigens ganz wichtiges Thema ist, dann kann man, wenn man sich da eben ausschließlich darauf fokussiert, eben erreichen, dass zum einen die Versicherung stabiler dasteht. Man kann dann aber eben auch erreichen, dass eben, und das ist natürlich das wichtigste Ziel bei der Lebensversicherung, dass die Kunden höhere Überschüsse bekommen. Und an der Stelle, das sind wir jetzt natürlich aktuell ganz besonders stolz, das muss ich natürlich auch unbedingt loswerden. Wir haben jetzt eben mehrfach die laufenden Überschüsse von unseren zwei, die also tatsächlich die garantierten Produkte haben, also bei der Entes und der Proxalto erhöht und zwar so, dass die Ente ist praktisch mit an der Marktspitze im deutschen Markt und bei der Proxalto haben wir also wirklich über die letzten drei Jahre im gesamten Markt die höchste Erhöhung der laufenden Überschüsse erzielt, sind jetzt bei 3,6 Prozent. Also das ist was, wo man auch sagen muss, das kann man ganz konkret messen und nachweisen.
Herbert Jansky [00:12:45]:
Thilo, danke für die konkrete Einordnung. Vielleicht kannst du noch eine Sache einordnen, mit der Viridium letztes Jahr überall in der Presse war. Es gibt eine neue Eigentümerstruktur.
Tilo Dresig [00:12:57]:
Ja, jetzt wusste ich nicht, ob noch mehr Anfrage kam, aber okay. Es gab die neue Eigentümerstruktur war für uns natürlich ein ganz großes Ereignis und ganz richtungsweisender Moment auch in unserer Geschichte. Ganz tolles Ergebnis, denn wir haben jetzt eine Eigentümerstruktur mit einem Konsortium. Das sind vier große Versicherungen. T D aus Japan als größter, dann haben wir Allianz, Generali und Santander, die übrigens weltweit eine enorm große Versicherung ist. Also vier große Versicherungen, BlackRock als größter Asset Manager der Welt und ein Family Office aus der Schweiz, PG, also sechs Aktionäre. Und das ist aus verschiedenen Dimensionen wichtig. Nicht nur, dass es natürlich schon auch ein Vertrauensbeweis für unser Geschäftsmodell war, weil da haben dieses Konsortium und viele andere auch sehr ausführlich Due Diligence of die Viridium gemacht.
Tilo Dresig [00:13:57]:
Aber es ist auch deswegen ganz wichtig, weil zum einen haben wir damit eine dauerhafte und langfristige Eigentümerstruktur, was zu dem Geschäftsmodell der Lebensversicherung natürlich passt. Und zum anderen haben wir natürlich eine Struktur, wo keine der Eigentümer eine Kontrollmehrheit hat. Und das ist auch mit Absicht so gewählt, nämlich damit Viridium als Plattform auch in der Zukunft neutral bleibt und Partner für alle Lebensversicherer in Deutschland darstellt. Also es ist kein Zufall, wie das aufgestellt ist und aus unserer Sicht natürlich ein ganz tolles Ergebnis. Und das erlaubt es uns jetzt natürlich wieder weiter zu wachsen und uns weiterzuentwickeln.
Herbert Jansky [00:14:41]:
Danke dir Thilo für die Einordnung. Lass uns mal auf den deutschen Markt schauen aus deiner Sicht. Wo steht der deutsche Lebensversicherungsmarkt aktuell?
Tilo Dresig [00:14:51]:
Okay, das ist natürlich eine gefährliche Frage, die aktuell viel diskutiert wird. Also aus unserer Perspektive und wie gesagt, wir haben ja nur die Perspektive vom Bestandsmanagement. Ich glaube es zuerst mal wichtig zu sagen, dass aus meiner Sicht die Lebensversicherung ist und bleibt hoffentlich ein ganz zentrales. Es ist definitiv ein ganz sinnvolles Produkt der privaten Altersvorsorge. Ich halte das, was eine Lebensversicherung zu bieten hat, in puncto Sicherheit und Absicherung für ein ganz tolles und wichtiges Produkt. Jetzt muss man sagen, ich glaube, daher kommt ja auch die Diskussion, dass sie wahrscheinlich aktuell nicht das Potenzial entfaltet, das es eigentlich hat und meiner Meinung nach auch verdient. Ich glaube, das sehe ich und viele andere natürlich auch mit Sorge. Denn was wir feststellen ist, dass der Sektor die deutschen Lebensversicherungen zumindest ganz in vielen Teilen, ich glaube, muss man einfach so offen sagen, einfach an Wettbewerbsfähigkeit verliert.
Tilo Dresig [00:16:02]:
Man sieht es zum einen natürlich an den Zahlen, weil du hast gerade erwähnt, ja, es gibt ungefähr 80 Millionen Lebensversicherungsverträge in Deutschland, aber das über die letzten zehn Jahre schon um 10 Prozent geschrumpft. Und dass die Lebensversicherung schrumpft, währenddessen der Bedarf an privater Altersvorsorge signifikant steigt, ist natürlich ein Alarmzeichen. Und jetzt sehen wir natürlich, dass der Wettbewerb signifikant zunimmt. Da kommen jetzt neue Anbieter in den Markt mit anderen Produkten, die mehr auf Rendite ausgerichtet sind. Und wie gesagt, das ist schon eine fundamentale Änderung, denn das Grundmodell der Lebensversicherung war ja, dass man den Risikoausgleich in der Zeit hat und den Risikoausgleich im Kollektiv und dafür dann eben eine sichere Rente bis zum Lebensende. Das ist ja das, was So und jetzt sind wir aber eine Diskussion reingerutscht, die die Lebensversicherung als reine Sparprodukte betrachtet. Und das sehen wir jetzt eben auch mit der Reform der privaten Altersvorsorge. Da hat meiner Meinung nach die Politik eine fundamentale Kehrtwende beschlossen.
Tilo Dresig [00:17:15]:
Bisher war es ganz klar so, dass für das Thema Altersvorsorge galt Sicherheit vor Rendite und das hat sich jetzt gedreht in, ich sage es mal so platt, Rendite vor Sicherheit. Und das ist natürlich was, das kann gut gehen, aber das muss nicht gut gehen. Es ist auf jeden Fall ein Paradigmenwechsel. Das bedeutet, da werden jetzt ganz andere Wettbewerber auf den Markt kommen und das bedeutet natürlich, dass man sich als Sektor an vielen Stellen eben neu sortieren muss. Und das natürlich vor dem Hintergrund von einer Marktstruktur, die nicht besonders effizient ist. Also das heißt, es ist ja so, wir haben in Deutschland an die 80 Lebensversicherer und. Ich weiß gar nicht, wie man es vorsichtig formulieren soll, aber ich weiß gar nicht, welche Industrien es gibt, wo es 80 verschiedene Anbieter gibt für am Ende des Tages doch relativ einfaches Produkt, was sich durchaus standardisieren lässt. Und das heißt, ganz viele haben natürlich einen kleinen Marktanteil.
Tilo Dresig [00:18:25]:
Und diese Marktstruktur, diese hochfragmentierte Marktstruktur ist nicht im Interesse der Kunden, aber auch nicht im Interesse der Anbieter, die sich jetzt neu aufstellen müssen. Also da muss es eine Konsolidierung geben.
Julius Kretz [00:18:38]:
Ja, steile these und ich glaube am Ende auch vielen bekannt oder bewusst, dass eine Konsolidierung einerseits aufgrund der Marktgegebenheiten, andererseits aber auch einfach aufgrund der des enormen Drucks, den wir zu Beginn auch erwähnt haben, IT Modernisierung, hohe Kosten. Aber vielleicht gucken wir noch mal ganz kurz auf das Thema, was wären denn die Vorteile einer Konsolidierung und wer würde am Ende des Tages davon profitieren?
Tilo Dresig [00:19:07]:
Also ich sage es jetzt mal ganz platt, mit 80 Anbietern sind einfach die Kosten, die das System verursacht, zu hoch. Ja, und das wird ja auch gerade zunehmend problematisiert und thematisiert. Das kann keine effiziente Marktstruktur sein. Das heißt, so viele Anbieter bedeuten, dass wir hohe und starre Kostenstrukturen haben, die jetzt auch übrigens durch neue Produkte nicht weggehen werden. Wie gesagt, das ist nicht im Interesse der Kunden. Und eine Konsolidierung würde das natürlich ermöglichen, dass man Skaleneffekte erzielt, dass man niedrigere Kosten hat und damit bessere Ergebnisse für die Kunden, aber am Ende auch gesündere, wettbewerbsfähige Lebensversicherer. Und deswegen ist es schon so, wenn es eine Konsolidierung gibt, dann profitieren am Ende alle davon. Also sowohl die Kunden, die dann einfach weniger Kosten haben, bessere Renditen bekommen, aber auch die Versicherer selbst, die mehr investieren können, die wettbewerbsfähiger sind, die sich vor allem fürs Thema Neugeschäft neu aufstellen können.
Tilo Dresig [00:20:15]:
Deswegen aus meiner Sicht ist es sehr einfach. Wie wir alle wissen, ist die praktische Umsetzung dann bei jedem Einzelnen, dauert dann doch immer ein bisschen.
Julius Kretz [00:20:29]:
Und ich höre durchaus raus, ihr seht euch schon als Viridium da in einer wichtigen Rolle, diese Konsolidierungswelle auch mit zu unterstützen. Korrekt, genau.
Tilo Dresig [00:20:38]:
Ich habe jetzt natürlich den Marketing Jingle mir gerade noch verkniffen, aber wenn du schon danach fragst, natürlich haben wir uns so aufgestellt als Viridium, dass wir seit langem glauben, dass das am Ende des Tages der Trend für den Sektor sein wird. Und so haben wir uns eben positioniert, dass wir sagen, wir fokussieren uns eben ausschließlich auf Altbestände, wir haben überhaupt keine Expertise im Neugeschäft und wollen und werden es übrigens auch nie tun. Und wir haben enormste Investitionen getätigt, um eben eine Plattform zu bauen, die für andere Lebensversicherer attraktiv sind, ihre Bestände abzugeben. Also jetzt ganz praktisch, wir haben jetzt eine dreiviertel Milliarde, also 750 Millionen investiert, eine einheitliche IT Kundenservice Zentralbereiche aufzubauen, also eine enormste Investition. Wie gesagt, wir haben ja auch schon drei Millionen Kunden und sind eine der fünftgrößten Lebensversicherungen haben damit natürlich Skaleneffekte. Das heißt am Ende unser Angebot an den Sektor, dass man annehmen kann, aber auch nicht annehmen muss, dass wir sagen, wenn jemand eine Lebensversicherung hat, gibt es die Möglichkeit, sich neu zu positionieren im Neugeschäft und den Altbestand uns zu geben. Und wir sorgen dafür, dass die Kunden besser sind als vorher und dass der abgebende Lebensversicherer auch richtig was davon hat, weil die können sich dann auf ihr Kerngeschäft fokussieren und haben finanzielle Ressourcen und Managementressourcen freigesetzt. Also in der Tat, vor diesem Markthintergrund haben wir uns positioniert.
Herbert Jansky [00:22:16]:
Thilo, du hast eben Stichwort genannt Altersvorsorgereform. Ich habe vor kurzem mit Patrick Dahm dazu einen Podcast aufgezeichnet, wo wir seine Sichtweise auf die Reform und Auswirkungen auf die Branche beleuchtet haben. Jetzt haben wir dich natürlich dabei und jetzt bin ich auch interessiert, was deine Sichtweise ist. Was hat das für eine Auswirkung auf die Branche?
Tilo Dresig [00:22:39]:
Also ich glaube, dass eine Reform sinnvoll und notwendig war, ist komplett unstrittig über alle verschiedenen Lager, die das jetzt aktuell diskutieren. Also insofern per se ein vernünftiger Schritt. Ich glaube auch ganz viele Themen, die da angesprochen werden, machen aus viel Sinn, dass man natürlich auf das Thema Kosten guckt, dass man stärker auch auf das Thema Rendite guckt. Ich glaube in Summe wird es jetzt natürlich dazu führen, dass es einen Wettbewerb aus sehr unterschiedlicher Modelle geben wird. Das wird interessant zu sehen. Das hat der Patrick Dahm in seinem Podcast eben auch schon angesprochen. Wie wichtig ist dem Einzelnen das Thema Sicherheit versus Rendite? Ich persönlich glaube immer, für eine Grundabsicherung ist Sicherheit erstmal wichtig, auch politisch übrigens wichtig. Das heißt, da gibt es viele wichtige und gute Teile in der Reform.
Tilo Dresig [00:23:37]:
Ich glaube, es gibt auch sehr kritische Themen. Wie gesagt, wenn jemand nur individuall mit dem Aktien ETF spart. Wir wissen alle, die alt genug sind wie ich, die sich an das Thema Neuer Markt Markt erinnern und Telekom, IPO und so weiter. Also immer wenn der Staat besonders sagt, jetzt gehen wir mal alle in Aktien, ist es vielleicht ein gefährlicher Zeitpunkt. Also das wird ein anderes Set an Risiken bringen Und in der Tat wird in der für den Sektor Lebensversicherung bedeuten, dass man neue Produkte entwickeln muss, die grundsätzlich ein anderes Risiko Rendite Profil haben. Die Kostengünstiger sein müssen, aber die vor allem auch auf ganz anderen, moderneren IT Systemen laufen müssen. Also ich glaube, da wird es viel Anpassungsbedarf geben.
Herbert Jansky [00:24:29]:
Lass uns aber noch mal auf den Wettbewerb eingehen. Du hast jetzt noch mal den Staat sogar reingebracht. Was aus deiner Sicht müssen die Erstversicherer tun, um in diesem Wettbewerb zu bestehen?
Tilo Dresig [00:24:37]:
Also ich glaube in der Tat, das geht los und diese Diskussion führen natürlich schon alle. Was ist die neue Produktlandschaft, die man im Neugeschäft anbieten muss? Wie gesagt, das ist jetzt ein Thema, da bin ich jetzt auf ganz dünnem Eis, weil Neugeschäft ist nun wirklich nicht unser Thema. Aber ich glaube, da wird es andere Produkte geben müssen, um eben attraktive und wettbewerbsfähige Produkte anzubieten. Ich sehe, dass da momentan ganz viel Fokus auch drauf ist tatsächlich. Was mich sorgt an der Diskussion ist, wenn wir die Leute fragen, wie viel Zeit verbringt ihr denn damit, euren bestehenden Lebensbestand zu optimieren und dafür zu sorgen, dass die Kunden gute Renditen bekommen und auf einer guten Plattform sind und so weiter. Ich glaube, das Thema darf halt nicht hinten runterfallen, aber das Risiko sehe ich natürlich. Also deswegen muss, glaube ich, jeder Erstversicherer sich jetzt ganz konkret überlegen, wie stelle ich mich für die Zukunft auf, wie viel Zeit will ich verbringen und wie stelle ich mich am besten für Neugeschäft und Wachstum auf? Weil das ist tatsächlich erstmal absolut entscheidend für die Zukunft der Unternehmen. Aber dann stellt sich sofort die Frage, was mache ich denn mit dem bestehenden Altbestand? Kann man selber versuchen, das zu optimieren? Man kann es uns geben, da gibt es auch ganz unterschiedliche Modelle, aber die Diskussion muss geführt werden.
Julius Kretz [00:26:12]:
Was glaubst du, wie sich das Wechselrecht, was ja auch sehr präsent ist, darauf auswirkt, auch auf euch auswirkt?
Tilo Dresig [00:26:21]:
Das Wechselrecht betrifft ja ganz konkret die Riester Produkte, da haben wir auch welche, ist aber kein sehr großer Anteil, wie wir natürlich auch selbstverständlich die neue Förderlogik anbieten für die bestehenden Produkte. Ich glaube, wie viel Momentum das hat, wenn man ganz ehrlich ist, weiß es keiner. Da gibt es unterschiedliche Schätzungen, unterschiedliche Zahlen. Das werden wir im Laufe der Zeit sehen. Unser Bestreben ist natürlich immer, dass wir die Produkte möglichst so attraktiv machen oder möglichst attraktiv machen, damit die Kunden bleiben und glücklich sind.
Julius Kretz [00:27:01]:
Ja, cool. Und vielleicht noch mal beim Thema bleibend, welche Rolle kann das Bestandsmanagement bei dieser Transformation spielen? Also wie blickt ihr da drauf?
Tilo Dresig [00:27:12]:
Genau, also was wir eben anbieten für die de facto für den Sektor ist ja, dass wir sagen, jeder Lebensversicherer kann sich jetzt überlegen, wie viel Geld möchte ich investieren, die alte IT zu modernisieren, wie viel Geld stecke ich rein, um den Bestand zu verbessern oder bin ich nicht dran? Oder ist eben unser Angebot, wenn jemand sagt, wir geben unseren Bestand an Lebensversicherung der Viridium, dann wissen diejenigen zum einen, dass sie eben Geld und Managementkapazitäten freisetzen und sich darum nicht mehr kümmern müssen und sogar Kapital haben, um eben in die Wachstumsinitiativen zu investieren. Und gleichzeitig wissen sie, dass die Kunden sehr gut dran sind, weil sie eben bessere Überschüsse bei uns bekommen, als sie es tatsächlich vorher bekommen hätten. Also deswegen ist es unsere Aufgabe, eine Lösung oder eine Alternative zu schaffen, die es erlaubt den Versicherungen, sich für die Zukunft neu zu positionieren.
Julius Kretz [00:28:22]:
Ja super. Du hast das Thema schon angesprochen, da würde ich gerne mit dir auch noch mal reinzoomen in das Thema IT, veraltete IT Infrastrukturen. Zwei Fragen vielleicht kombiniert. Nummer eins, wie hoch ist aus deiner Sicht der modernisierungsdruck? Und Frage 2, ich frage mich ja ehrlicherweise, warum macht ihr das eigentlich besser? Also ich meine, ihr übernehmt da ständig eine große Anzahl von Beständen, wo ich von vielen im Markt höre, das sind mehrere jährliche Projekte, um irgendwie IT zu modernisieren. Die zwei Fragen kannst du vielleicht noch beantworten. Wir starten mal mit Modernisierungsdruck aus deiner Sicht.
Tilo Dresig [00:29:00]:
Also Modernisierungsdruck auch wieder ganz allgemein kann man es nicht sagen. Das kommt auf den einzelnen Lebensversicherer an. Also es gibt natürlich auch ein paar andere große und kleine, die schon moderne IT Systeme haben und ihren gesamten Bestand migriert haben. Jetzt als Beispiel AXA Deutschland ist einfach so ein Beispiel. Also da gibt es auch mehrere. Also für einige trifft das Thema nicht zu, weil die die Aufgabe schon gelöst haben, Aber für ganz große Teile des Sektors ist es einfach so, dass man jedes Jahr wieder neue Tarife verkauft. Die laufen dann in der Regel noch nicht mal auf einem, sondern auf zwei, drei, vier. Es gibt welche, die haben wahrscheinlich an die zehn verschiedene Alt IT Systeme, die reichen zum Teil bis in die er er des letzten Jahrhunderts zurück.
Tilo Dresig [00:29:53]:
Und das muss man sich vorstellen, da sind dann zum Teil oft 1000 verschiedene Tarife auf verschiedenen IT Systemen in unterschiedlichen IT Landschaften implementiert und die sind und ich glaube das ist unstrittig im Markt, diese IT Systeme sind nicht für die noch verbleibende Laufzeit der Verträge funktionsfähig. So das heißt irgendwann kommt der Moment, wo jemand hingehen muss und diese IT zu modernisieren. Diese IT Systeme sind übrigens aus einer Datensicherheit, Cyber Security natürlich schon mal damit zu starten der Horror. Aber auch die IT Experten, die Aktuare, die die mal gebaut haben, sind zunehmend in Rente. Also die werden zunehmend, ich sage es mal vorsichtig, sehr dunkle Systeme, wo keiner mehr genau weiß, was eigentlich in dem passiert und und der Druck, Julius, kommt einfach daher, je länger man wartet, ist immer so Probleme aussitzen macht das Problem schlimmer. Das geht nicht weg und das heißt das Problem der IT Modernisierung wird größer. Das muss am Ende jeder irgendwann machen und daher kommt dieser Druck und das ist ein Thema, das muss ich jetzt auch fairerweise dazu sagen, das habe ich auch erst lernen müssen bei Viridium, das deine Frage warum machen wir es besser? Zunächst mal haben wir auch genauso migriert wie alle anderen und es ist so in der normalen deutschen Lebensversicherung ist eine Migration einmal im Leben Event und dann vielleicht 30 40 Jahre später. Viele Migrationen dauern übrigens 10, 15 Jahre oder länger.
Tilo Dresig [00:31:38]:
Also das sind sehr langfristige, sehr mühsame Sachen und Da machen alle drei Kreuze, wenn es hinter sich ist und 30 Jahre später muss ich der nächste wieder anschauen. Wir haben die Migration zum Geschäftsmodell gemacht. Das heißt wir migrieren immer wieder und das muss man auch sagen, das ist keine besonders spaßige Sache sowas zu migrieren, weil es extrem kompliziert ist, extremst fehleranfällig und der Grund, warum wir es besser machen ist einfach, weil wir immer wieder migrieren. Also wir haben eine Lernkurve, die würde ich jetzt einfach mal so behaupten, kein anderer im Markt hat, weil niemand anderes immer wieder neue Bestände migriert und wir dann eben auch richtig Geld investieren. Wie kann man so Migration günstiger und besser machen? Also auch wieder was nichts, was jemand anderes nicht theoretisch auch machen könnte. Es gibt halt nur niemanden außer uns, die einfach regelmäßig in der Größenordnung migrieren und natürlich wird man jedes Mal besser. Also deswegen der Druck ist da hoch. Du hörst wahrscheinlich an meiner Antwort Das ist das größte Thema, was mich sorgt im Sektor, weil wir einfach sehen, dass es Lebensversicherer gibt, gibt, die mit alten IT rumlaufen, die sie die Modernisierung vor sich herschieben.
Tilo Dresig [00:32:56]:
Und dann kommt der ganz kritische Punkt, die keine finanziellen Rückstellungen gebildet haben für diese zukünftig notwendigen IT Modernisierung Und warum die keine Rückstellung bilden müssen, ist mir ehrlich gesagt immer noch ein Rätsel. Aber das wird ein großes finanzielles Problem für den Sektor. Für alle, die noch keine neue IT haben, vielleicht mal als Referenz. Wir haben ja damals die, heute heißt sie Entes, das von der Protektor gekauft, das war die Mannheimer Leben, die mal umgefallen worden ist, natürlich gerettet worden ist. Das war ein relativ kleiner Bestand mit zwei Milliarden Kapitalanlagen und die hatten 100 Millionen Verwaltungskostenrückstellungen, weil die gewusst haben, dass sie klein sind und schrumpfen werden und eine alte IT haben und übrigens, die haben ja auch gebraucht, um das Ding komplett wieder neu aufzusetzen. So und jetzt ist super performing und tolle Sache für die Kunden. Also das ist eins der spannendsten Themen im Sektor und deswegen sozusagen alles, was sie an Fokus und auch an Aufklärung betreibt, finde ich nur gut.
Herbert Jansky [00:34:03]:
Da würde ich aber gerne noch mal reinpiksen. Thilo Ist das Thema dann unterschätzt letztendlich im Sektor oder schließt man die Augen?
Tilo Dresig [00:34:13]:
Okay, also das steht mir jetzt nicht an zu kommentieren. Herbert Das ist, also ich würde sagen, wenn man mit den Leuten tatsächlich den ehrlichen Dialog hat, wissen das natürlich schon die meisten. Das Problem an dem Thema ist, das lässt sich halt gut noch ein paar Jahre verschieben und zwischen, und das ist ja so ein bisschen so, ja, zwischen ich setze mich hin und plane mal ein großes Budget und fange an mit einer IT Migration, von der wir alle wissen, dass sie notwendig ist. Oder ich stelle mich hin und sage, das wird schon noch mal zwei, drei Jahre halten und ich bin vielleicht sowieso selber gerade an der dann bis dann bin ich selber in Pension, wird halt immer das Modell verschieben gewählt Und das ist ja genau das, was mich so sorgt, weil das Verschieben macht es nicht besser, sondern es macht es teurer und komplizierter und oftmals werden die Bestände auch noch kleiner. Aber auch aus einer regulatorischen Sicht, aus einer Sicht der Generationengerechtigkeit, wie gesagt, ist es mir unklar, wie sowas passieren darf.
Herbert Jansky [00:35:32]:
Verstehe ich. Du hast auch super auf meine Frage geantwortet. Danke dir. Vielleicht aber mal aus deiner Perspektive und ich pieks trotzdem noch mal rein. Wo glaubst du steht die Zukunft des Geschäftsmodells und zwar des Geschäftsmodells Viridium und IT Migration in den nächsten fünf Jahren? Vielleicht kannst du da noch freie Antworten.
Tilo Dresig [00:35:58]:
Genau, also über mich selber reden kann ich immer ganz frei reden. Also also wir sehen, dass das Geschäftsmodell sehr viel Potenzial hat. Wir sind vor dem Hintergrund, dass wir jetzt eben gezeigt haben und an den Zahlen, Daten, Fakten zeigen können, wie gut das ist für die Kunden, da besonders positiv. Wir glauben einfach jetzt mal ganz praktisch, Viridium ist jetzt eine der fünftgrößten Lebensversicherer in Deutschland. Das klingt schon mal viel. De facto heißt es aber, wir haben 5 Prozent Marktanteil, weil der Markt so fragmentiert ist. Wir glauben, dass da noch erheblich viel mehr Potenzial ist und wir erheblich weiter wachsen können. Und wir glauben übrigens, Herbert, dass das Thema IT Migrationen wird kommen in dem Sektor und das ist ja der Grund, warum wir da viel Geld rein investieren, weil ich glaube gerade mit den technologischen Entwicklungen, die gerade da sind, sich der Unterschied zwischen jemand, der es regelmäßig macht und die Tools hat und die Expertise hat und jemand, der es nicht macht, wird sich, glaube ich, die Spreizung sogar noch weiter aufgehen.
Tilo Dresig [00:37:16]:
Das heißt also, wir glauben, da ist viel Potenzial. Wie gesagt, sonst wäre ich jetzt nicht hier cool.
Julius Kretz [00:37:24]:
Sehr einleuchtend. Ich bin gespannt für die weitere Reise. Und ein Faktor, den haben wir jetzt noch gar nicht diskutiert, vielleicht auch, weil er gerade sehr häufig diskutiert wird. Trotzdem würde mich interessieren, wie ist dein Blick AI und Agentik? Wie wirkt sich das auf das von dir eben genannte aus? Also mit Blick auf die Erstversicherer, die vielleicht technologische Schulden haben, Sind die schneller? Sind die besser? Haben die ein kleineres Problem in Zukunft? Und natürlich aber auch auf euch.
Tilo Dresig [00:37:53]:
Also ganz wichtiges Thema, wahrscheinlich eines der übrigens auch spannendsten Themen, aktuell Einzelthemen, wo sich am meisten am schnellsten tut überhaupt. Ich sage es erstmal in einfachen Worten, wir können so tief liegen, wie wir möchte, weil wir verbringen natürlich irre viel Zeit auf dem Thema. Also natürlich und selbstverständlich kann man mit AI Tools Migration verbessern, ist überhaupt keine Frage. Je weiter jemand von der Migration weg ist, desto optimistischer ist es. Ich habe also Leute, die noch nie migriert haben, die sagen in zwei Jahren macht die AI die Migration kostenlos und außerdem holt es mir eine Kiste Wasser aus dem Keller und nimmt mir den Zahnarzt ab. Das sehen wir nicht. Man kann da sehr sehr viel machen auf der Migrationsstrecke durch AI Tools, aber die haben auch ihre Limitierungen unter anderem daran, dass sie einfach größere Datenbestände brauchen, auf denen sie lernen können. Sie müssen der BaFin nachweisen können, genau wie sie überhaupt zu diesen Werten kommen.
Tilo Dresig [00:39:03]:
Also da gibt es relativ viele auch Limitierungen, wo das eben nicht einfach mal schnell automatisch durchlaufen wird. Wir investieren sehr viel Zeit und Geld da rein aktuell, um zu testen, wie man es besser und günstiger machen kann durch den Einser zu Tools. Wie gesagt, wir sehen da echt Potenzial. So und jetzt kommt natürlich noch der Spoiler. Immer wenn man dann festgestellt haben, jetzt haben wir wieder richtige Kostenverbesserungen umgesetzt, stellt man fest, aber in der Zwischenzeit gab es auch noch das Thema Inflation. Das heißt ganz praktisch, seit wir unsere letzte Migration gemacht gestartet haben mit der Generali leben vor jetzt sieben Jahren, sind die Kosten für die IT Provider und Berater und und so weiter sind um 30 40 Prozent hochgegangen. Das heißt, ich formiere es mal andersrum. Sie müssen schon jedes Jahr signifikante Verbesserungen durch AI Tools umsetzen, damit es überhaupt erstmal das gleiche kostet in absoluten Beträgen.
Tilo Dresig [00:40:07]:
Und das heißt ja, da geht viel, ja, da wird auch immer mehr gehen, aber wenn man selber mal eine Migration gemacht hat, weiß man, das ist eher ein Archäologieprojekt, wo man verschiedenste Schichten, die über Jahrzehnte irgendwo gebaut und verbuddelt worden sind und die unvollständig sind, versucht auszugraben. Also deswegen spannendes Thema, wir könnten schon drüber reden, wird auch spannend bleiben, aber wird uns nicht die Arbeit abnehmen. Hat es deine Frage beantwortet oder?
Julius Kretz [00:40:46]:
Total. Und ich glaube eine sehr valide Sichtweise und total nachvollziehbar. Ich glaube am Ende wäre wahrscheinlich heute Alexander Bernhard, unser Co Host hier noch sinnvoll, vielleicht für den nächsten Deep Dive, um zu sagen, lass mal über AI und Transformation von Bestandssystemen sprechen, wie sich das auswirkt. Ich glaube, da können wir eine ganze Folge mit füllen, aber lass uns das abkürzen. Ich würde gerne noch mal mit dir so ein bisschen auf den Rest von Europa blicken. Ich meine, ich hätte bei Fromme mal was von Frankreich gelesen. Was hat es denn da auf sich mit euch und Frankreich und so.
Tilo Dresig [00:41:24]:
Genau, danke für die Frage. Das war, wie soll ich sagen, da habe ich auch überlegt, ob ich mich damit aus der Deckung wagen soll oder nicht, weil das ist ja immer so ein bisschen gefährlich mal zu sagen, wir gucken uns folgendes Thema an, ohne vorher zu wissen, ob es dann auch sicher klappt. Also Hintergrund ist ja ganz einfach. Wir haben einfach gesehen, was man für positive Effekte erzielen kann für die Kunden, für die Unternehmen, wenn man sich ausschließlich auf das Management von Beständen fokussiert. Und das ist jetzt Deutschland großer Markt Und da haben wir unsere Marktposition. Das wird übrigens auch weiter unser erster Fokus bleiben, wenn wir uns ein bisschen breiter umschauen, ist einfach Frankreich. Der zweite Markt, der aus meiner Sicht hochrelevant ist. Frankreich ist noch mal größer als Lebensversicherungsmarkt übrigens Und die haben strukturell übrigens die gleichen Herausforderungen.
Tilo Dresig [00:42:17]:
Das ist die IT, das ist, dass die Kunden eigentlich mehr Rendite bekommen könnten, das ist, dass jemand überhaupt erstmal richtig Geld rein investieren muss. Also das heißt, wenn wir nach Frankreich schauen, sehen wir sehr, sehr viele Themen, die ähnlich sind wie in Deutschland. Und deswegen haben wir gesagt, möchten wir auch gerne uns Frankreich anschauen, ob das nicht ein zweiter Markt ist. Und wie gesagt, zumindest dadurch, dass man sagt, man weiß es auch schon mal immerhin jeder. Und ich glaube, da ist auch richtig, ob es dann am Ende tatsächlich funktioniert oder nicht, können wir auch noch nicht sagen. Wir haben es noch nicht bewiesen. Bisher gibt es das Modell in Frankreich nicht, aber wir stecken da gerade viel Arbeit rein, um das Thema IT, aktuelle Themen, was kann man da besser machen, uns anzuschauen. Und wie gesagt, deswegen ist es ein Thema, was wir weiterverfolgen.
Tilo Dresig [00:43:13]:
Ich finde es echt spannend.
Julius Kretz [00:43:15]:
Jetzt muss ich noch bei den schnellen 5 eine Frage anschließen, die kannst du auch kurz beantworten. Basiskenntnisse, französisch oder fortgeschritten?
Tilo Dresig [00:43:24]:
Oh, ich war, ich war mal fließend, als ich junger Student war und viel Zeit in Paris verbracht habe. Das heißt, jetzt aktuell sind es, glaube ich, so auf das Niveau von Basiskenntnissen wieder runtergesunken, aber ich bin der festen Überzeugung, dass ich es wieder auffrischen kann.
Herbert Jansky [00:43:41]:
Julius Thilo, das ist übrigens ein gutes Stichwort, Jetzt haben wir die ganze Zeit über Markt und Geschäftsmodell gesprochen. Thilo, jetzt wo wir so unter uns sind. Lass uns doch mal über dich persönlich sprechen. Was treibt dich aktuell am meisten an?
Tilo Dresig [00:43:59]:
Also wir haben ja schon, muss man sagen, ich bin jetzt seit acht Jahren bei Viridium, von den 14 Jahren, wo es Viridium gab und kannte es übrigens vorher, weil als ich bei Goldman war ich eben involviert bei der ersten Transaktion. Ich glaube jetzt persönlich momentan muss ich sagen, ist das so ein Moment, wo wir einfach, da kann man einfach so ehrlich sagen, einfach wirklich einfach stolz drauf sind, was wir in der Zeit aufgebaut haben. Ich bin enorm stolz auf das Team an Mitarbeitern, das wir bei Viridium zusammen haben. Ich bin stolz auf die Plattform, die wir aufgebaut haben, das, was wir zeigen können für die Kunden so und wie es immer ist, kannst immer stolz sein auf die Vergangenheit. Jetzt treibt mich natürlich an, dass das, was wir mit sehr, sehr viel Geld und mit sehr, sehr viel Aufwand aufgebaut haben, dass wir das mit jetzt der tollen neuen Eigentümerstruktur, die wir haben und eben mit unserem Team und unserer Plattform einfach weiterentwickeln und weiter wachsen. Also das ist das, was natürlich momentan die spannende Aufgabe ist und das macht ja richtig Freude, wenn man sehen kann, dass man dann für Kunden, wenn man den nächsten Bestand dann hoffentlich kaufen, wieder zeigen kann, welche Verbesserungen wir umsetzen können und das was Tolles, wenn man zeigen kann, dass wir ein neues Geschäftsmodell hier etabliert haben, was diese positiven Effekte hat und wie man Sachen auch offen gestanden, wenn man Geld in die Hand nimmt und richtig investiert und die richtigen Leute beieinander hat, die richtigen Eigentümer beieinander hat, wie man es auf gut Deutsch auch besser machen kann und wie das für alle positiv ist. Also das macht richtig viel Freude und nicht nur mir übrigens, sondern ich glaube dem ganzen Team bei Viridium, da sage
Herbert Jansky [00:45:55]:
ich jetzt zum ersten Mal, das kann ich nur bestätigen, lieber Thilo, und wir nähern uns auch dem Ende des Podcasts von meiner Seite aus. Vielen Dank, dass du dich diesem Experiment heute gewidmet hast, dass du dich gestellt hast, unseren Fragen und wir schließen ab, wie immer mit dem famous last word. Lieber Thilo, bitte vervollständige diesen. Die Zukunft der Lebensversicherung entscheidet sich an,
Tilo Dresig [00:46:20]:
also die Zukunft der Lebensversicherung entscheidet sich an Ich würde sagen, den Verbesserungen, die die Lebensversicherer für ihre Kunden erwirtschaften werden. Ich glaube, dann haben wir weiter als Lebensversicherung eine große Zukunft, weil es ein wichtiges und gutes Produkt ist. Wenn man das der Sektor nicht hinbekommt, wäre das sehr schade.
Julius Kretz [00:46:47]:
Wunderbar. Vielen Dank, lieber Thilo, für deine Teilnahme. Hat mir super viel Spaß gemacht, auch im bilateralen Austausch. Und wenn ich kurz zusammenfassen darf, dann habe ich zumindest Freude mitgenommen. Das habe ich mehrfach ja auch schon erwähnt. Ihr seid keine Abwickler, sondern ich würde mal sagen, ihr seid die richtige Plattform für die Konsolidierungsfälle. Und Punkt 2, was ich sehe, ist ein beeindruckendes Wachstum, was ihr irgendwie in zwölf Jahren hingelegt habt. Das ist ziemlich cool.
Julius Kretz [00:47:16]:
Und Punkt 3, Thilo, coole Laufbahn und es hat super viel Spaß gemacht mit dir als Person. Und ich würde korrigieren, ich glaube, die Französischkenntnisse, das kriegst du schnell wieder auf ein Top Level. Insofern wünsche ich ganz viel Erfolg und für euch da draußen, hört gerne weiter rein, lasst uns ein Abo da und wir freuen uns auf die nächste Folge und hoffentlich bald auch wieder mit dir, lieber Tino. Bis dann.