Catwalk Talk des Modelinstitutes

Avatare und Künstliche Intelligenz - Hype, Fluch, Segen oder Beben

The Model Institute by Most Wanted Models® & Juliane Braun Season 1 Episode 19

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Heute erörtern wir das Thema Künstliche Intelligenz und was sie für Auswirkungen auf die Modewelt haben könnte. 
Wir nehmen dazu die aktuell bekannten Parameter und versuchen ein bisschen Land zu finden in einem Meer voller Ungewissheit - für Euch und für uns alle.


SPEAKER_00:

Du kannst mit uns werden, um einen Mega Coach zur Zeit holen oder unsere Kurse online und online zu besuchen. In einem Podcast geben wir dir aber noch deeper Einblicke in Menschen der Programm, wie beispielsweise Models, Photografen, Master, Agenten, Scouter, Produzenten und viel mehr. Schön, dass du dabei bist. Wir wünschen dir viel Spaß beim Zuhören und Lernen. Die größte virtuelle Influencerin Lil Michela macht es vor, ihr folgen Millionen Menschen auf Instagram. Studu war auf dem Cover der Harper's Bazaar. Zoe war gerade das erste virtuelle Model auf der Fashion Week in Berlin. Ella ist aktuell in der ersten Diversity-Kampagne von Buffalo. Und immer häufiger liest man digitale Models erobern den Laufsteg. So auch jetzt Firma Kane, eine digitale Modenschau auf der Berlin Fashion Week und weitere Kampagnen, zum Beispiel von Leavis. Wir wollen heute das Thema KI besprechen. Ich begrüße Doreen von Most Wanted Models, die auch ein paar Informationen dazu schon gesammelt hat. Und wir wollen uns mal austauschen zu diesem wirklich brisanten Thema, denn es kommt, es wirkt, als käme es auf leisen Sohlen daher. Aber ich finde, dass diese Sohlen gar nicht so klein sind. Also ich glaube, da kommt ganz schön was auf uns zu. Und es ist wichtig, dass wir uns austauschen und uns auf eine gewisse Art und Weise durch den Austausch auch selber darauf vorbereiten, was da kommt. Bestandsaufnahme, würde ich jetzt kurz mal sagen, ist das, wie wir beginnen, im Sinne von, wo kommen wir denn überhaupt her und wo geht es hin mit diesem ganzen Thema? Wir hatten 2020 und 2021 Corona und da war ja der E-Commerce-Markt ziemlich am steigen. Geldorin?

SPEAKER_01:

Ja, das hat geboomt. Das waren denen ihre besten Jahre.

SPEAKER_00:

Lokale Models sind gebucht worden von lokalen Kunden.

SPEAKER_01:

Ja, und die Daten hatten natürlich auch einfach viel E-Commerce, weil die Geschäfte zuhatten oder man da nicht hinkam und so weiter. Die Kunden haben viele über E-Commen verkauft. Mehr als vorher.

SPEAKER_00:

Genau. Und dann 2022 sind die Grenzen wieder aufgegangen und das Ganze hat sich wieder verändert. Erzähl mal, Doreen, wie würdest du das beschreiben?

SPEAKER_01:

Ja, also ich würde sagen, das ist wieder wie vor Corona. Die Kunden buchen eigentlich Europa oder weltweit. Da ist es völlig egal mittlerweile, wo das Model herkommt. Obwohl die Flüge teurer geworden sind und sowas, aber da lassen die sich nicht einschränken.

SPEAKER_00:

Ja, natürlich, vor allem wahrscheinlich nach zwei Jahren, in denen man eben doch eher in Anführungszeichen nur auf die lokalen Models zugreifen konnte, ist es natürlich jetzt wieder angenehm, doch auch mal wieder internationale Gesichter als Fotografen, als Stylisten und als Models zu buchen, gell?

SPEAKER_01:

Ja, und ich finde aber auch, dass während, also irgendwie ist das so parallel passiert, wir hatten Corona, alles war zu. Und da, das hat, glaube ich, so diesen Diversity-Hype oder diesen Richtungswechsel ein bisschen ausgebremst, relativ am Anfang, weil man konnte ja nur lokal buchen, zumindest wenn es von Deutschland aus gehe, ja. Und wir haben halt hier nicht so eine breite gefächerte Masse. Und dadurch war es da ein bisschen enger, war wieder alles so von den Gesichtern, den man hier so kennt. Und jetzt, nachdem die Grenzen offen sind, explodiert das förmlich oder ist explodiert, weil man eben auch diese verschiedenen Looks sucht, die die ganze Palette widerspiegeln. Und dadurch geht man, da geht man dann gleich mal ganz europaweit suchen, weil man die da dann auch überall findet.

SPEAKER_00:

Genau, und kriegt dann dadurch auch natürlich einen massiven Schub. Das heißt, einen Riesenbedarf, der da so gesehen richtig, ich würde jetzt mal sagen, die Models saugt aus dem Ausland, was das hatten wir ja auch schon mal besprochen im letzten Podcast, nach sich zieht, dass die lokalen Models etwas weniger zu tun haben. Und erst recht im Vergleich zu damals, zu Corona-Zeiten, gell?

SPEAKER_01:

Ja, also damit darf man es echt gar nicht vergleichen. Also als lokales Model, weil das sind natürlich völlig andere Marktbedingungen. Es war ein geschlossener Markt und jetzt ist ein offener Markt und die Konkurrenz ist riesig.

SPEAKER_00:

Ja, das kann man definitiv feststellen. Und jetzt bekommen wir einen großen Konkurrenten noch dazu, nämlich die KI. Die große Frage, die wir uns alle stellen, ist das jetzt nur ein Trend? Ist es nur eines der vielen Hypes, die die Modebranche immer wieder mal durchmacht? Ich sage nur Metaverse und Co. Oder ist das etwas, das länger mit uns sein wird? Was meinst du, Doreen?

SPEAKER_01:

Also ich denke, man kann da nochmal ein Stück sogar weiter zurückgehen, weil das ist jetzt nicht komplett neu, dass Kunden Avatare haben. Wir haben das früher Avatar-Models genannt. Das waren sogenannte CGI-Models, also Computer-Generated Images of Human-like Figures, sagt man dazu. Also die waren einfach völlig computergeneriert und die sahen ähnlich aus. Dann gibt es jetzt noch die Variante, dass Menschen abgescannt werden und daraus dann ein Avatar gebildet wird. Und dann haben wir natürlich noch den dritten, oder das, was jetzt noch hinzukommt, ist diese künstliche Intelligenz, die AI oder KI, die lernt jetzt dazu, was für Posen im Internet rum, weiß ich nicht, geistern, wie auch immer das nennen möchte. Also welche Posen sind da und die lernt immer weiter dazu, kann das immer besser, immer feiner nachahmen, wie der Mensch aussehen würde, wenn es ein Mensch fotografiert hätte. Vom Gesicht Ausdruck, Augenausdruck, und natürlich, was der große Vorteil ist für die Kunden, ist diese ganze Bodydiversity auch, die sich super darstellen lässt. Ich kann ja meine Klamotte an allen Größen darstellen. Da müsste ich ja sonst sechs Models buchen.

SPEAKER_00:

Ja, genau. Das ist der in Anführungszeichen Vorteil, den natürlich der Kunde erlebt. Aber für das Model bedeutet das, dass es eigentlich ja gar nicht mehr gebraucht wird, oder?

SPEAKER_01:

Ja, das weiß man halt jetzt noch nicht so ganz. Also es sind verschiedene Szenarien vorstellbar. Es gibt natürlich sicherlich den einen Kunde, der macht alles nur noch mit KI-Models, weil er das sich komplett spart. Vielleicht gibt es aber auch Kunden, die sagen, nee, wir haben unser eines oder was weiß ich, wir haben eine Größe, die Standardgröße, die Modelgröße sozusagen 36 oder so, die fotografieren wir am echten Model und zusätzlich bieten wir den Service an, dass wir vielleicht die Konfektion in Plus-Size oder sowas an einem KI-Model darstellen. Dann hätte man als Kunde die größere Bandbreite zum Sehen. Das wäre möglich. Ja. Oder vielleicht, dass man sagt, dass viele sagen, okay, E-Commerce, da wird viel mit KI-Models gemacht, aber die Shopopener und Headliner und sowas, die machen wir dann doch noch, weil es Image ist, mit einem richtigen Model. Ich nehme an, da wird halt auch einfach viel drauf ankommen, also du musst ja überlegen, warum sollte der Kunde dieses Model buchen und nicht die KI. Was wäre der Unterschied? Und das wäre am Ende mal wieder, wir haben es schon so oft erwähnt, in meinen Augen die Persönlichkeit, die das Model mitbringt. Und dazu gehörten auch Instagram-Follower und dieser ganze ganze Kram, nenne ich es mal so.

SPEAKER_00:

Der ganze Kram. Ja, ich weiß, ich kriege mit auch auf meinen Reisen, dass eben wirklich weltweit die Agenturen Anfragen haben, dass die Models gecastet werden für so eine KI-Session, damit sie abgescannt werden, einen ganzen Tag lang, von oben bis unten, in allen Richtungen, von vorne bis hinten und co. Den ganzen Tag und dann ist dieser Körper digitalisiert, also der ganze Typ digitalisiert und das Model bekommt für diesen einen Tag ziemlich gutes Geld, also wirklich fünfstellig, schon nett, aber wird dann von dem Kunden nie wieder gebucht. Und ich finde halt sehr bedenklich, eigentlich müsste es eine Lizenzgebühr geben, die dann das Model bekommen müsste, wenn es jetzt dann weiter, vielleicht auch über Jahre hinweg, immer wieder seinen Avatar für diesen Kunden in Verwendung sieht.

SPEAKER_01:

Das finde ich sogar, da gebe ich dir völlig recht, müsste es. Das ist überhaupt so das Problem an dieser KI-Geschichte, weil die KI, die ist ja nicht einfach, die arbeitet ja im Hintergrund, die bedient sich ja dem, was schon existiert, die erfindet ja nichts neu. Das muss man ja auch mal so sagen. Die bedient sich ja aus den Daten, die schon im Internet oder in den Datenbanken existieren. Das heißt, sie bedient sich ja offensichtlich dann an den existierenden Fotos, die an echten Menschen gemacht wurden. Sonst wäre es ja gezeichnet oder Computer Generated. Das ist was anderes. Und da haben sich schon viele Models auch wieder gefunden, haben gesagt, das war ich, das ist mein Körper, ich kann das sehen, wie ich da genau die Pose und so weiter. Und da wurde jetzt im Prinzip ein anderer Kopf drauf gemacht und für eine ganz andere Marke verwendet. Jetzt ist das Problem, dass Models halt natürlich Freiberufler sind und da ist es ein bisschen schwierig. Also die Lobby zu bilden, ist schwierig, sage ich mal so, um sich durchzusetzen gegen so eine Trend. Und ja, das, denke ich, ist eine Herausforderung. Da müsste die Branche aus sich selbst heraus gewisse Ethiken vielleicht festlegen.

SPEAKER_00:

Ja, auf jeden Fall gilt es da, Regulierungen zu schaffen, denn das ist ein ganz schön heißes Eisen. Da verliert man wirklich völlig die Kontrolle. Weil auf der anderen Seite, was ich gerade als Beispiel gesagt habe, wenn du doch für einen Tag fünfstellig bezahlt wirst, warum sollst du jetzt noch Buyouts bekommen? Ich meine, es ist dann ein One-Time-Byout, einmal alles abgegolten, das war's. Ja, gut, das war dann der Deal, das kannst du ja machen, aber bei anderen ist es vielleicht nicht so. Ich habe es halt so mitbekommen, aber klar, logisch, gibt es unheimlich viele Ansätze, gar keine Frage. Aber ich höre eben auch, dass Kunden sagen, warum soll ich ein Model buchen und einfliegen, wenn ich hier einfach nur per Daten eingebe, was ich brauche? Ich habe drei Fotos von einem Kleidungsstück und das kann ich ganz authentisch und realistisch an einen bewegten Körper eines virtuellen Models anbringen, mit Wind und all möglichen, mit einem anderen Hintergrund und allem möglichen. Also ist es logischerweise eine sehr wichtige Frage, die wir uns alle stellen müssen, braucht es denn das Model dann überhaupt noch nach dem Moment der Digitalisierung, wenn das doch alles erstellbar ist. Übrigens auch ein Thema für Fotografen und auch für Stylisten und Make-up-Artisten, gell?

SPEAKER_01:

Ja, also es ist auf jeden Fall bei Kunden herrscht immer ein hoher Preisdruck oder Kostendruck, sagen wir es. Wir müssen sparen. Ja, genau. Jetzt ist eh die Absätze sind immer mal schwierig. Also die ganze Modebranche ist ja extrem schnelllebig. Mit kurzen Lebenszyklen der einzelnen Produkte. Also die Kollektionen gehen bam, bam, bam, ganz schnell aufeinander, gerade bei den großen. Und die Kleinen haben dann schon hier ihre Probleme, das alles zu stemmen, weil ein Fotoshooting kostet immer gleich viel. Also ich glaube, da kommt man nicht unter fünfstelligen. Ja. Ja, das ist auf jeden Fall. Also da wird man schon irgendwie, weiß ich nicht, unter 10.000 Euro würde es schwierig sein, ein schönes Fotoshooting zu realisieren.

SPEAKER_00:

Ja, und die Risiken, das Problem sind ja die Risiken, die dabei immer mit einhergehen. Das Model hat vielleicht nicht die Maße, vielleicht nicht die Frisur, ist vielleicht schlecht drauf oder der Flieger ist zu spät oder ganz ausgefallen, was weiß ich nicht was. Es kann immer was passieren und das erhöht natürlich den Druck, dieses Risiko zu minimieren für die Kunden. Plus natürlich die Kosten zu minimieren, klar.

SPEAKER_01:

Und es geht schneller. Ich glaube, es geht auch einfach viel schneller. Bis du so ein Shooting organisiert hast und das hinterher den Output und so weiter hast, wird wahrscheinlich deutlich länger dauern, als diese Sachen da reinzuladen und in zwei Tagen hast es erledigt. Vom Schreibtisch aus.

SPEAKER_00:

Ja, das habe ich auch irgendwo mal gelesen, dass vom Workflow eigentlich ist das Produkt gerade aus der Produktion, muss nur einmal kurz als Still abfotografiert werden aus verschiedenen Ansichten. Und dann kann es noch schon, während es verpackt wird und in die Läden gebracht wird, kann es schon die Kampagne generieren. Schwieriges Thema. Also das finde ich echt. Man darf das nicht unterschätzen, was für viele Vorteile da sind. Und ja, ich lenke auch gerne wieder echt in diese Richtung, dass die Persönlichkeit immer wichtiger wird. Dass man, wenn man in die Modebranche rein möchte, wenn man als Model arbeiten möchte, und wahrscheinlich gilt es auch für Make-up und Co., dass man mehr auf die Social Media Präsentationen auch schauen muss. Es geht nicht mehr, dass man sagt, ich bin jetzt nur einfach so ein Model, sondern man muss schon auch in der Persönlichkeit basteln und die dann eben in den Social Medias kommunizieren und aufbauen.

SPEAKER_01:

Ja, definitiv. Definitiv muss das, also wird das ein größeres Argument sein. Also dass man, dass die, also kann ich es mir jedenfalls vorstellen, dass die Kunden halt dann einfach schon, ja, die kennt man und das ist die und die, weißt du, so. Und nicht einfach so, wo man sagt, okay, die hat noch nicht so eine Reichweite, die ist noch nicht so bekannt, dann kann ich auch ein digitales Model nehmen.

SPEAKER_00:

Genau, und ich glaube, dass diese ganze, also der Markt, den es am meisten effekten wird, ist interessanterweise eben wirklich vor allem der E-Commerce-Markt, unabhängig von den Kampagnen, die das jetzt als Hype nutzen, die sagen, hey, guckt mal, unsere Kampagne ist reine KI oder KI gesteuert, gelenkt, gemacht, erzeugt, das ist dann mal lustig, das ist als PR-Gag super, aber auch irgendwann mal durch. Das hat sich dann so, hat sich durchkommuniziert, aber für die E-Commerce, was die an Masse produzieren müssen auch, wie war das 80 Teile am Tag, Doreen?

unknown:

Ja.

SPEAKER_00:

Also ungefähr. Schon. Was die an Masse haben, ist natürlich auch da, wieder einmal mehr den Druck zu verringern, das Risiko verringern und Schnelligkeit zu bekommen im ganzen Workload. Das ist ein Thema, das man da für E-Commerce wirklich auf jeden Fall auf dem Schirm haben sollte, finde ich.

SPEAKER_01:

Ja, also ich glaube, da muss man einfach realistisch sein, das kann nur, also das wird die Hauptantriebsfehler sein, die Kosten. Weil wenn man mal genau überlegt, also ich meine, Leute gibt es ja genug im Markt. Wenn ich jetzt das möchte, wenn ich jetzt alle möglichen Hautfarben und Body Types abbilden möchte, kann ich das machen. Ich finde diese Leute. Also ich finde genug Models, um das machen zu können. Aber natürlich ist es ein ganz anderer Preis, als wenn ich das mit Avatan mache. Und zwar wahrscheinlich im, weiß ich nicht, unteren Prozentbereich davon.

SPEAKER_00:

Ja, und genau da ist am Ende des Tages, ja, jeder Unternehmer will schauen, wo er optimieren kann und auch muss, ist das auf jeden Fall, erhöht das Extrem den Druck auf alle diese Dinge. Sehe ich auch so. Also ich habe auch schon gehört und gelesen viel, dass eben das Ganze natürlich auch der Kreativität sehr viel Raum gibt, dass es da auch gar keine Grenzen gibt letzten Endes. Irgendjemand hat mal gesagt, ich kann eigentlich prinzipiell mal sagen, ich will mal ein Shooting auf den Mond machen. Und dann nehme ich einfach meine eigenen digitalen Avatare und mache alles, setze die Kleidungsstücke drauf, die Accessoires und alles mögliche und kann das bis zur letzten Sekunde ja auch noch austauschen. Das darf man ja auch nicht vergessen. Bei einem Foto-Shooting hast du die Sachen so, wie sie sind, fotografiert und dann wird es schwer, dann kannst du nicht sagen, ich will jetzt doch die andere Klamotte fotografieren.

SPEAKER_01:

Ja, das Problem, was ich dabei sehe, oder zumindest ein interessanter Aspekt, ist ja, wenn alles kreierbar ist und dann nichts real ist, macht das was mit uns. Also wenn ich den Bildern gar nicht mehr glauben kann, ich meine, man wusste ja schon, das wurde retuschiert und so weiter, das war das eine Thema. Aber dass eigentlich nichts davon echt ist, aber echt aussieht, das ist schon ziemlich pervers, oder?

SPEAKER_00:

Ich finde das extrem pervers. Also ich war wirklich geschockt, was ich gesehen habe an Bildern. Also wenn du mir nicht gesagt hättest, dass das eine KI erstellte, ein KI erstelltes Model ist, hätte ich nicht gesehen. Und das ist zunehmend der Fall. Das heißt, die Technik schreitet dir logischerweise auch so voran, dass wir das nicht wirklich erkennen.

SPEAKER_01:

Ja, können wir nicht. Ich habe es auch ein paar anderen Model-Agenten rumgezeigt und keiner hat es erkannt. Also wir sind alles Profis und gucken den ganzen Tag nichts anderes an und alle waren so, oh Gott, echt krass. Lass dir mal die Reaktionen. Da denke ich mal so, was macht es mit uns? Du guckst an den Katalog durch oder online oder was auch immer und du weißt gar nicht mehr. Aber gut, es wird sich natürlich am Ende dann auch erledigen oder eben durchsetzen, je nachdem, wie dann die Leute, die bestellen das. Und dann kommt es an und dann muss es ja ausschauen und passen und so weiter. Der Part muss erfüllt sein, auch von der KI.

SPEAKER_00:

Natürlich. Ich sehe, und da gibst du mir sicher recht, das Potenzial, dass du irgendwann zu Hause deinen Body abgescannt hast und der ganze Online-Shop mit deinem Body ausgespielt wird.

SPEAKER_01:

Ja, das ist ein Trend, dass Models ihren sich selbst sozusagen vermarkten und vermieten als Avatar. Das kann man machen, das hat jetzt Eva Herzigova zum Beispiel gemacht. Die hat da ihr Meta-Humen kreiert und die kannst du dann einfach sozusagen die Lizenz von diesen Daten letztendlich. Es sind ja Daten am Ende, auch wenn es ausschaut wie ein Bild oder wie ein Video, aber am Ende sind es Daten, kannst du die dann eben buchen und deine Klamotten drüberlegen oder was auch immer sie laufen lassen auf dem Laufstieg.

SPEAKER_00:

Genau, und in der ganz irgendwann in Zukunft nimmst du, hast du einen Scanner zu Hause, der deinen Körper abscannt und du siehst die online, die E-Commerce, die vom Online-Shop, die Sachen siehst du an deinem Körper. Das ist nochmal eine andere Dimension.

SPEAKER_01:

Also das wäre ja wiederum cool. Könnten müssten alle nicht mehr arbeiten, das machen nur noch unsere Avatare. Schön.

SPEAKER_00:

Apropos, nicht mehr Arbeiten. Ja, wobei ich muss ehrlich sagen, am Ende des Tages, da gebe ich dir auch völlig recht, die Statistik. Die ist das Einzige, was am Ende entscheidet. Und ich kann das heute noch nicht beurteilen, ob das wirklich funktioniert, ob das nicht irgendwie eine gewisse Art von Resonanz ist, dass man merkt, das ist jetzt irgendwie, ich weiß nicht, ich werde nicht warm mit der Marke, irgendwie ist das alles so kalt oder so. Keine Ahnung, ist wirklich nur eine Theorie jetzt. Dass wirklich das Menschliche fehlt. Ich weiß es nicht. Wir werden es sehen, inwiefern das an Wert wieder gewinnt. Ich hoffe es, ehrlich gesagt. Ich hoffe, dass Persönlichkeit und auch Menschlichkeit wieder umso mehr in den Vordergrund treten. Wer bist du? Was machst du, wofür stehst du? Und eben nicht nur einfach, ich bin ein Kleiderständer, Entschuldigung, aber das ist es ja am Ende des Tages. Ja, ja, klar. Ja, das ist das, was die KI am Ende des Tages ist. Und ich weiß es, also ich als Model selber, ich fand es immer ganz furchtbar, wenn ich als Kleiderständer, wie als Kleiderständer behandelt wurde. Wenn die das jetzt mit einem Avatar machen, super, kein Problem, aber bitte seid Mensch zueinander. Und ich bin echt mal gespannt, inwiefern diese ganze Thema Menschlichkeit, Persönlichkeit durch diese KI-Geschichte umso mehr unterstrichen wird. Das sehe ich als Positives bei dem Ganzen.

SPEAKER_01:

Ja, ich glaube, das eine ist halt Masse und das andere ist klasse. Vielleicht kann man das so sagen, weißt du, es kommt immer darauf an, wo ist das Segment von dem Kunden.

SPEAKER_00:

Ja, wie gesagt, es wird, ich glaube, die Technik, die Budgets, all das wird entscheiden, wo die Prioritäten liegen. Natürlich ist klar, dass mir eine KI kein Beauty-Produkt verkaufen kann. Es gibt also auf jeden Fall und wird immer ein paar Produkte geben, die definitiv nicht an computergenerierten Bildern funktionieren, würde ich sagen. Vermute ich und hoffe ich.

SPEAKER_01:

Man hofft es, man weiß nicht offen mit dem ganzen Metavers, wo die Reise hingeht und ob die nachfolgende Generation nicht sowieso wie in diesen Filmen irgendwie nur oder gerne zu Hause mit einer VR-Brille sitzen, dann ist das Alter völlig egal.

SPEAKER_00:

Ja, aber ich komme dann wieder zum Thema. Ja, aber ich komme dann wieder zum Thema Menschlichkeit auch. Also am Ende des Tages ist es wirklich was anderes, ob man einen Menschen trifft oder ob man mit ihm immer nur chattet. Und es wird auch ein Unterschied sein, ob du einen wirklichen Menschen dahinter hast, der ja auch bei Social Media sehr präsent ist, ist einfach ein Thema. Ich weiß, es tut mir leid für alle Zuhörer, die es hassen, aber es ist, es gehört jetzt dazu. Wie die Visitenkarte eines Models, früher nur das Portfolio war, ist jetzt auch der Social Media Auftritt wichtig, ist einfach so. Das ist ein Fakt letzten Endes. Aber ich hoffe eben, dass diese Menschlichkeit und das ganze generelle Auftreten der Persönlichkeit immer umso wichtiger wird. Aber um eine gewisse Resüme zu treffen, würde ich mal grundsätzlich sagen, es gilt nicht wirklich Grund zur Panik, sondern man sollte ganz realistisch einfach sagen, okay, pass auf, wir haben diesen großen E-Commerce-Markt zum Beispiel, der wahrscheinlich von dieser Geschichte mit ergriffen wird. Wie viel, das wird sich zeigen, aber es könnte sein, dass es ziemlich groß wird. Das heißt, alle Models, die sehr viel E-Commerce machen, einmal Luft holen und den Fokus auch auf andere Sachen machen, legen, damit ihr nicht zu abhängig davon seid, weil diese Bewegung, diese Welle definitiv schon am Bewegen ist, am Machen ist. Genau, also sich vorbereiten, mit dem Bookern kommunizieren, was man denn, was man sich denn vorstellt, was man möchte. Ehe immer das Thema Kommunikation kann ich nicht genügend unterstreichen. Also das, finde ich, fehlt oft noch, dass man richtig mit den Menschen redet und ihnen sagt, was man sich wünscht. Und einfach wirklich nochmal brainstormt, ja, im Moment, ganz langsam, wenn ich jetzt zum Beispiel, ich stelle mal eine Statistik auf, 30% KI, also Avatare, die den Markt bedienen werden, weil der E-Commerce-Markt tut das auf jeden Fall decken, die 30 Prozent. 30% wird von den Models noch gedeckt und die anderen 30% oder 40% machen dann die Social Media Influencer Creators. Siehst du das auch als realistisch?

SPEAKER_01:

Ja, also doch, ich würde sogar sagen, dass der E-Commerce-Markt, also da könnte es auch schlimmer ausfallen. Also diese Shops, die schneiden halt das halbe Gesicht an oder sowas. Ich kann ehrlich dir nicht sagen, was den Kunde dazu bewegen sollte, keine KI zu nehmen. Weil wenn man nicht mal das Gesicht ganz sieht, dann weißt du, dann ist es doch auch schon wurscht. Dann kann man sich ja richtig was sparen. Also, weil dann hat man keine Reisekosten und diese ganzen Risikofaktoren hat man nicht mehr. Und da würde ich sagen, solche Sachen werden meines Erachtens nach safe wegbrechen. Ja. Zumindest mal auf jeden Fall für eine Weile. Vielleicht kommen sie wieder zurück, die Kunden. Aber es ist eben was Neues und die Kunden wollen es bestimmt auch mal ausprobieren. Also ich kann mir nicht vorstellen, dass es Kunden gibt, die komplett sind, das ein reiner E-Commence-Händler oder einer der viele E-Commerce machen, der sich komplett dagegen sperrt und sagt, ich probiere es nicht mal aus. Das wäre für mich ungewöhnlich, weil es ist einfach nur mal ein Unternehmen und das sind neue Tools und das ist der Geist der Zeit. Da muss man einfach mitgehen erstmal. Man kann ja hinterher feststellen, dass es vielleicht nicht zu einem passt oder was, aber erstmal werden es die Kunden ausprobieren, da bin ich sicher.

SPEAKER_00:

Auf jeden Fall. Heißt aber trotzdem, also in erster Linie, es ist, der Markt ist sehr, sehr, sehr, sehr groß. Man kann nicht sagen, dass weniger Geld im Markt ist. Es wird nur anders verteilt. Das ist ganz, ganz wichtig. Gerade Online-Marketing, das heißt, digitales Marketing wird größer. Der Printmarkt, okay, anderes Thema. Aber Online-Markt steigt wie bekloppt. Entschuldigung, dass ich das sagen muss so, aber er steigt total. Und in diesem steigenden Markt verteilt sich das Volumen anders. Und da greife ich gerne deine 20% auf, weil wir sind nämlich jetzt bei 20%. 20% Models, dann nehmen wir 40% Creators und dann haben wir noch 40% Avatare.

SPEAKER_01:

Oh je. Ich hoffe nicht. Ja, ich auch nicht. Aber es wird sicherlich mal einen Ausschwung in diese Richtung geben. Vielleicht würde es sich dann ein bisschen woanders einpendeln, langfristig. Aber für die kommenden zwei, drei Jahre würde ich vielleicht sagen, ja, kann sein.

SPEAKER_00:

Ja, vor allem darfst du nicht vergessen, in welcher Zeit wir auch sind. Rezession und so, ist es eh gerade wirklich schwierig. Die Leute haben Corona gerade hinter sich gebracht. Und ja, natürlich versucht jeder Unternehmer immer auch zu optimieren. Völlig los. Ja, Inflation und sowas hat alles teurer gemacht. Ich möchte das Ganze trotzdem weiterhin positiv sehen, denn jede Technologie bringt auch neue Jobs und auch neue Chancen. Das heißt, es werden sich andere Dinge auftun, wie die Models monetarisieren und auch die Agenturen, denn es gibt erste KI-Agenturen. Ich sage nur Lalalend und wie heiße nicht, Deep Agentur oder sowas, Deep Agency in den Niederlanden. Also die kommen auch aus allen Ecken und Enden, haben nichts mit Models oder Mode zu tun, sondern fangen einfach nur jetzt an, diesen Hype aufzugreifen und die Industrie damit zu bedienen. Und das ist erst der Anfang.

SPEAKER_01:

Ja, natürlich. Aber wie gesagt, vielleicht kann man es ja so weit spenden, dass man dann doch, dass es möglich ist, für Models sozusagen remote zu arbeiten. Sie können entweder ihren Avatar verkaufen gegen eine Lizenzgebühr, was dann die Agentur vermittelt. Oder der Kunde bucht sie auch physisch. Ich glaube, das wäre irgendwie irgendwann der schließende Kreis, dass das Model beides hat.

SPEAKER_00:

Das ist meiner Meinung nach auch die große Chance, dass man eine Zusatzeinnahme bekommt, dass man das, was einem jetzt höchstwahrscheinlich wegbricht, weil eben E-Commerce und Co. und auch Kampagnen eben doch erstmal mit KI erstellt werden, dass man das dann mit Lizenzgeschäft, mit einem größeren Lizenzgeschäft wieder reinholen kann. Und dafür möchte ich wirklich den Finger nochmal heben, es ist ganz wichtig, eine Agentur zu haben, die sich mit diesen Sachen auch beschäftigt, so wie Most Haunted Models ja auch in der Welma in engem Austausch ist mit all den großen Agenturen in Deutschland, die gerade über solche Themen dauernd besprechen, um das auch aktuell zu halten, um eben wirklich marktgerecht, zeitgerecht, zeitgemäß dann für die Models anzupassen, was man jetzt an Honoraren aufruft und wie man mit den neuen aktuellen Lagen umgeht. Du erinnerst dich Kataloge. Ich meine, früher gab es Katalog-Shootings, weiß nicht, 20 Tage oder 15 Tage auf jeden Fall. Und dann war ein großes Geschrei, oh Gott, die Kataloge brechen weg, der Quelle-Katalog, der Neckermann-Katalog, diese Riesenschinken an Katalogen, was die da produziert haben, war ein Wahnsinnsvolumen und alle hatten Angst, oh Gott, oh Gott, jetzt ist das vorbei und der Markt bricht ein. Nichts ist eingebrochen, sondern es hat sich verwandelt. Und es hat sich verwandelt. Und es ist in dem Fall. Es gibt viel mehr Geld im Markt als damals. Genau, siehst du. Und deswegen möchte ich die Sache auch positiv sehen. Es werden sich die Wege finden. Es ist eine Frage der Wachsamkeit und eben auch der Kommunikation, der Aufklärung, die wir hoffen, dass wir die hier auch euch ein bisschen weiter mitgeben, dass man vorbereitet ist und flexibel bleibt und eben nicht zu viele Neins vor sich her trägt. Nee, diesen Job mache ich nicht, nee, diesen Job mache ich nicht, sondern lieber Booker, was redst du mir denn? Wie ist das denn? Weil die Agentur halt wirklich dieses große Ganze mehr überblicken kann, weil eben, wie ich gerade schon gesagt habe, durch den Austausch mit anderen Agenturen weltweit man einfach viel weiter voraus Trends und Möglichkeiten schon sehen kann. Also ich weiß nicht, wie es ist bei euch im Booking, aber ich würde jedem Model heutzutage wirklich sagen, du, Achtung, nimm bitte, wenn es geht, mit, was du kannst, was schöne Jobs sind für dich, weil es kann sein, dass es so in der nächsten Zeit ein bisschen knirscht, oder?

SPEAKER_01:

Ja, schon. Also es wird es, wir gehen eigentlich alle in der Branche davon aus, dass ein gewisser Teil erstmal wegbrechen wird. Was meinst du mit Teil wegbrechen würde? Jobs wegbrechen? Naja, dass ein gewisser Teil vom Umsatz wegbrechen wird, weil einfach das von der KI dann gemacht wird. Versteht. Weil die Kunden dahin umschwenken, weil sie eben nicht mehr den Online-Shop zu 100% mit Models bedienen, sondern wie der früher war es gelegte Ware, jetzt sind es eben KI-Models, ne? Einfach ohne Models fotografieren.

SPEAKER_00:

Genau, und das muss man wissen und darauf muss man vorbereitet sein. Genau. Sehe ich auch so. Und einmal noch ein kleiner Wink, eben wirklich, wenn ihr Unterstützung auch braucht für Social Media, da ist auch ein großes Team am Start. Genauso wie beim Model-Institut, wo auch ein großes Team mit vielen Codes bereitsteht, um euch genau auf solche Situationen vorzubereiten, zum Beispiel Social Media Coaches, die an eurer Persönlichkeit arbeiten und euch helfen, dass ihr diese mehr zur Geltung bringt, um eben für die Kunden auch in dem Creator-Bereich noch attraktiver zu werden. And ansonsten bei allen Fragen sind wir immer gerne für euch da, sowieso.

SPEAKER_01:

Okay.

SPEAKER_00:

In diesem Sinne, hast du noch etwas, Doreen, dass du noch den Mädels?

SPEAKER_01:

Nee, vielleicht einfach nur so, freut euch über die Jobs, die ihr habt, and versucht da ein bisschen positiv zu sein anders. Nichts Negatives zu sehen oder unzufrieden immer zu sein oder sowas, sondern freut euch über das, was reinkommt. Weil man weiß auch nicht, was morgen ist. Allerdings erst recht so generell im Leben.

SPEAKER_00:

Auch immer nur das heute. Aber sowieso, generell im Leben und eben einfach wirklich wissend. Achtung, Leute, da kommt eine Wetterfront. So würde ich es jetzt mal abschließend benennen. Okay. Im positivsten Sinne. Aber wir halten zusammen. Wir haben den Regenschirm dabei, wir haben die Winter, nee, die Gummistiefel dabei und frag mich nicht was. Und wir schaffen das. In diesem Sinne. Vielen Dank fürs Zuhören und wir freuen uns auf. Danke euch. Ja, bis dann.

SPEAKER_01:

Tschüss.