Catwalk Talk des Modelinstitutes

Models & Agenturen: Ein Blick hinter die Kulissen

The Model Institute by Most Wanted Models® & Juliane Braun Season 1 Episode 24

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

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In dieser Episode des Catwalk Talk öffnen wir die Tür zum Alltag einer Model-Agentur – und zwar zu dem Bereich, den viele Models nie wirklich sehen: dem echten Arbeitsablauf eines Bookers.

Doreen und Caroline von MOST WANTED MODELS erklären, wie viel unsichtbare Arbeit geleistet wird, bevor ein einziges Jobangebot überhaupt entsteht: Akquise, Kundenpflege, ständige Kommunikation, Vorauswahl, Materialsammlung, Packages packen, Feedbackschleifen, Anreiseplanung, Verträge, Buchhaltung und Troubleshooting – oft 24/7.

Die beiden sprechen klar darüber, warum 70 % aller Anfragen nie zu einem Job werden, weshalb Wertschätzung und verlässliche Kommunikation für Booker elementar sind, und warum Respekt und Teamgefühl den Unterschied machen zwischen stillstehender und funktionierender Karriere.

Wir beleuchten außerdem die Gründe, weshalb professionelles Modeln ohne Agentur nicht funktioniert: Bildrechte, Nutzungen, Gagenverhandlungen, Schutzmechanismen, internationale Platzierung, Visa-Prozesse, Kalenderführung, Qualitätskontrolle, Netzwerkpflege und die gesamte organisatorische Last hinter den Kulissen.

Doreen und Caroline berichten offen von typischen Herausforderungen – Lügen, fehlender Erreichbarkeit, Erwartungen, Ungeduld, Belastbarkeit, Social-Media-Einflüssen – und geben klare Hinweise, wie Models durch Eigeninitiative, Vertrauen und professionelles Verhalten die Zusammenarbeit massiv verbessern können.

Eine Episode für alle, die verstehen wollen, wie das Model-Business wirklich funktioniert – jenseits von Glamour, Mythen und Social Media – und welchen unschätzbaren Wert eine starke Agentur im Hintergrund hat.

SPEAKER_02:

Wir begrüßen dich zum Catwalk Talk, dem Podcast des Model Institutes. Wir sind für dich da in allen Fragen rund ums Modeln. Du kannst Mitglied bei uns werden, dir einen Megacoach zur Seite holen oder unsere Kurse online und on Location besuchen. Hier im Podcast geben wir dir aber noch tiefere Einblicke in die Menschen der Branche, wie beispielsweise Models, Fotografen, Carter, Agenten, Scouter, Produzenten und so vielen mehr. Schön, dass du dabei bist. Wir wünschen dir viel Spaß beim Zuhören und Lernen. Es ist mal wieder Zeit für einen Catwalk Talk und heute beschäftigen wir uns mal mit dem Thema Arbeitsablauf in einer Model-Agentur. Was genau steckt dann alles dahinter? Das können uns die Booker von Most Wanted Models am allerbesten erklären. Und ich begrüße dazu die Doreen, die Inhaberin der Agentur. Hallo. Hallöchen. Und die Caroline. Hallo. Hallo, ihr beiden. Lasst uns doch bitte mal eintauchen in die Welt eines Bookers, in das Leben und den Arbeitstag eines Bookers. Wie oft habt ihr das Gefühl, dass die Models gar nicht wissen, wie viel Arbeit hinter eurer Arbeit steckt?

SPEAKER_00:

Also, ich habe das Gefühl, dass die meisten Models das nicht wissen. Und also sie sehen halt im Endeffekt nur, ob sie gebucht worden sind oder nicht, aber nicht, wie viel Arbeit das im Vorhinein schon dahinter steckt. Dass wir Bücher machen, dass wir das an die Kunden schicken, dass der Kunde dann noch nach Selfies fragt, dass wir dann nochmal Videos schicken.

SPEAKER_01:

Ja, das wird sogar noch ein Stück weiter ausholen, weil dass der Kunde überhaupt anfragt, dazu gehört auch schon ganz viel Vorarbeit, nämlich dass der Kunde mich kennt, dass ich mit dem einen guten Kontakt pflege, dass ich mit denen akquiriert habe. Also das ist ja nicht so, dass die einfach alle hier anrufen, sondern wir müssen ganz viel Akquise auch machen, manchmal für ein einzelnes Model oder eben für alle Models.

SPEAKER_02:

Also wir fassen zusammen mal ganz kurz, dass das ein unglaublich langer Vorlauf ist, bevor es überhaupt so eine Anfrage kommt, in der ihr involviert wart. Die ganze Akquise arbeit, Kunden besuchen, sie betreuen, bis es dann mal vielleicht sogar auch erst nach Jahren zu einer ersten Anfrage kommt. Und dann, wenn so eine Anfrage gestartet ist, bitte nochmal ganz kurz, Caroline, du warst jetzt ja kurz, erklär nochmal bitte ganz kurz, Stück für Stück, dass es wirklich die Menschen, die das noch gar nicht kennen, was genau die Arbeitsabläufe sind. Das erste ist, es kommt eine Anfrage per Telefon oder per E-Mail. Okay, da hast du dann ein paar Briefings drin, was gebraucht wird, welcher Typ und so weiter. Bitte berichte mal, wie geht es dann Stück für Stück weiter und vor allem, wie viel Zeit brauchst du meistens für so eine Anfrage, sie zu bearbeiten, erst einmal zu packen? Dann kommt wieder Feedback und dann, wie sind die weiteren Schritte?

SPEAKER_00:

Also wenn die Anfrage reinkommt, dann schaue ich mir erst an, was du wünschtest, zum Beispiel Größe, Alter, und danach filtere ich halt ein System und packe dann das Package. Die Zeitdauer kommt ein bisschen darauf an, wie umfangreich das die Anfrage ist, beziehungsweise wie auch die Kriterien sind. Aber ja, es kann schon mal zehn Minuten, Viertelstunde, eventuell auch länger, je nachdem. Dann schickt man das an den Kunden. Der Kunde, der schaut sich das dann an, gibt uns dann Rückmeldungen, welche Models gefallen und wen wir dann anfragen dürfen oder sollen. Genau, dann warten wir im Endeffekt auf Rückmeldung von den Models. Moment, da muss ich kurz einhalten.

SPEAKER_02:

Rückmeldung von den Models bedeutet jetzt, dass du dann die ganzen Models, alle die, die der Kunde ausgesucht hat, im Schnitt fünf bis zehn, wie kann man das ungefähr pauschal vielleicht mal statistisch sagen?

SPEAKER_00:

Ja, das kommt ein bisschen auf die Anfrage drauf an. Ja, eigentlich sage ich mal ja, so fünf vielleicht.

SPEAKER_02:

Fünf.

SPEAKER_00:

Also fünf im Durchschnitt. Die musst du dann aber auch alle jetzt erst einmal kontaktieren. Genau. Alle einzelnen. Die muss man dann erreichen. Das dauert dann auch manchmal, bis sie sich zurückmelden. Genau. Und dann fragt man halt, ob sie verfügbar sind und sammelt die ganzen Infos und schickt das dann wieder an den Kunden. Der Kunde, der bespricht sich dann intern und dann wird halt entschieden, ob sie vielleicht noch mehr Infos brauchen, mehr Material, das, wo wir dann wiederum bei den Models anfragen müssen.

SPEAKER_02:

Moment, auch da haufe ich nochmal gerne ein. Mehr Material, was bedeutet das? Das sind dann die besagten Polaroids oder vielleicht auch spezielle Videos, E-Casts und so sind so ein Thema. Da ist doch auch eine Menge Arbeit, die da drin steckt für euch, oder?

SPEAKER_00:

Ja, also die, wir fragen das bei den Models an, die schicken es dann an uns, dann müssten wir das nochmal sichten, wählen dann, die gegebenenfalls auch aus, wenn mehr Material geschickt wurde und manchmal muss man auch nochmal dem Model nochmal sagen, dass sie nochmal ein neues Video machen muss, weil es vielleicht halt nicht hundertprozentig passt oder die gewünschten Sachen nicht beinhaltet. Und dann schickt man das an den Kunden und ja, okay. Ich wartet dann quasi auf Rückmeldungen vom Kunden, ob das Model dann im Endeffekt gebucht wird oder nicht. Dann wird es weitergehen, klar, je nachdem, wo der Job ist, dass man dann die Anreise organisiert, das mit den Kunden, mit den Models und mit den Kunden abspricht, ob das preistechnisch passt, ob die Verbindungen passen, dann bucht man ein Hotel, erstellt dann die ganzen Details für die Models, fasst das alles zusammen, erstellt ein Ticket für die Buchhaltung, schickt eine Buchungsbestätigung an den Kunden, wartet, bis der Kunde geantwortet hat, was sie unterschrieben hat.

SPEAKER_02:

Da muss man auch wahrscheinlich öfters nachhaken. Also unglaublich viel Zeitaufwand, der da auch noch mehr runtersteckt. Aber du bist jetzt schon bei der Buchung, nur es passiert ja auch ganz oft, hast du da irgendwie ein Gefühl, habt ihr da ein Gefühl? Es passiert ja auch ganz oft von all der Arbeit, die du gerade gesagt hast, mit Packen, Nachhaken, Anfragen, die Models, nochmal nachhaken, ich brauche doch noch dieses Video, bitte mach nochmal das Video, mach nochmal das Bild, dieses Polaroid, komm nochmal vorbei, wir müssen dich und so und so abfüllen. Wie viel davon letzten Endes dann auch wirklich zum Job wird?

SPEAKER_01:

Das sind in etwa 30 Prozent, meine Statistik. Also von 100 Jobs werden 30 was und 70 nichts. Also die Mehrheit wird eigentlich nichts.

SPEAKER_02:

Das heißt, bei diesen 70 Prozent habt ihr diese ganze Arbeit bis dahin umsonst gemacht. Natürlich auch die Models, weil an dieser Stelle alle, die, die kontaktiert wurden und mussten jetzt spezielle E-Casting-Videos eventuell auch anfertigen oder vorbeikommen.

SPEAKER_01:

Ja, bei den 70 Prozent sind aber auch, das sind auch, ja, das sind die Optionen tatsächlich. Das heißt, da hat man dann schon was mitbekommen, das ist aber nicht die Zahl an Anfragen, die ich rausgeschickt habe. Es kann ja auch sein, das ist gar nicht mal so unselten, dass ein Kunde was anfragt und ihm gefällt einfach gar niemand oder sowas. Das kann ja mal sein, das passt einfach nicht vom Briefing oder sowas. Oder ja, genau, und also die 70%, die nichts werden, beziehen sich auf die Optionen von den Packages, die ich verschicke, wie viel davon am Ende ein Job wird, ist dann nochmal entsprechend weniger.

SPEAKER_02:

Ja, weil ich glaube, ich habe das Gefühl, dass viele Models draußen immer auch denken, ja, schlagt ihr mich überhaupt vor?

SPEAKER_01:

Ist so, glaube ich, der Klassiker, oder? Ja, das ist ein Klassiker. Ja, das ist aber logischer, sie kriegen das ja nicht mit. Sie kriegen auch nicht mit, wenn ich hier bin, sitze und mache Quise für ein einzelnes Model. Das ist ja auch nicht nur ein Knopfdruck, sondern ich muss mir Gedanken machen, wo passt die hin, denke ich dann nochmal auf Webseiten, dann schaue ich in die Datenbank rein, dann bereite ich eine Aussendung vor, digital natürlich, was ich dem Kunden schicke. Ich muss jeden Kunden persönlich anschreiben, einen netten Text dazu schreiben, schauen, dass das Mädel auch gut verkauft wird oder der Junge und ja, einfach so ein nettes Anschreiben machen. Das ist auch Arbeit. Und dann kann es sein, dass ich monatelang nichts höre. Das heißt aber nicht unbedingt, dass die Kunden das nicht gesehen haben, aber das bäckt bei denen teilweise unfassbar lang.

SPEAKER_02:

Ich hatte früher als Model immer so ein bisschen das Gefühl, auch, ich habe auch gedacht, ja, schlagen die mich überhaupt vor? Und ich habe mir dann immer sehr viel Mühe gegeben, mit dem Booker einen intensiven, also guten, freundschaftlichen Kontakt zu haben, respektvoll mit diesen Menschen umzugehen. Weil mir klar war, letzten Endes, wenn der mich mag, wenn der mich auch als Mensch greifen kann, meine Persönlichkeit auch irgendwie angenehm findet. Und ich ihm vor allem auch meine Dankbarkeit dafür zeige, dass er mir hilft, dass ich Arbeit bekomme durch diesen Menschen. Das habe ich früher sehr, sehr intensiv gelebt. Wie erlebt ihr das heutzutage? Wie ist das?

SPEAKER_01:

Also, man kann natürlich nicht alle über einen Gamm scheren, aber so generell erlebe ich es eher selten, dass sich ein Model für uns Booker interessiert. Oder Carol, wie siehst du das?

SPEAKER_00:

Also manchmal scheitert schon dran, dass man einfach, dass irgendwie eine Begrüßung kommt oder dass auch mal gefragt wird, wie es einem geht oder so. Von uns wird das halt erwartet, beziehungsweise wird halt selbstverständlich hingenommen. Aber.

SPEAKER_01:

Der berühmte Ton, den wir manchmal. Ich glaube, ich glaube, die merken das vielleicht gar nicht so, aber es wird oft einfach nur so, ja, ich weiß nicht, als wäre, ich sage es manchmal hier im Team immer, es ist wie so ein Chatbot. So komme ich mir manchmal vor, wenn man einfach wie so eine KI, da die Dinger, die Infos hinklatscht oder sowas und kein Hallo, kein Wie geht's dir, nichts, das interessiert keinen. Also nicht keinen. Es sind natürlich, wir haben auch ganz liebe Models, die mit uns leiden und sich wirklich für uns persönlich interessieren, einfach auch mal so für uns als Person. Aber ich würde das aber im einstelligen Prozentbereich verorten, weil ich seltenst was in der Richtung höre.

SPEAKER_02:

Ja, das stimmt. Worauf könnte man das zurückführen? Weil für mich war es logisch, dass ich eben diesen Menschen, der mir hilft, dass ich Arbeit finde, diese Dankbarkeit huldige. Auch wenn es vielleicht jetzt nur kleinere Jobs waren, aber es war eine gewisse Masse an Jobs, die entstanden ist. Also egal wie, dieser Mensch hat mir geholfen, dass ich mein Leben besser leben kann. Habt ihr eine Idee, woran das liegt, dass jetzt eben, dass dieses Bewusstsein dafür nicht mehr so stark ist wie früher?

SPEAKER_01:

Also ich finde ja vor allem, es ist ja nicht nur, du sagst jetzt dein Leben besser leben können, aber das ist ja auch deren Traum, oder? Und wir sind ja da schon so ein, also ich sehe mich da ja an als der Steigbügel. Also ohne einen Booker wird es schwierig. Insofern verstehe ich das natürlich auch manchmal nicht. Und ich kann eigentlich nur appellieren. Also der Booker ist wie ein Türsteher im Club, ja. Ich entscheide ja letzten Endes, wen ich ins Package tue. Das muss man einfach auch mal so sagen. Natürlich entscheiden wir, was der Kunde möchte. Aber also ist doch logisch, wenn ein Mädchen einfach oder ein Model frech ist oder sowas, ja, oder einfach respektlos, dann überlege ich mir das dreimal, ob ich die vorschlage oder den, weil wenn ich den anfrage, dann muss ich ja wieder mit der Person mich auseinandersetzen. Und da habe ich ja vielleicht weniger Lust drauf, als mit jemandem, wo ich mich schon freue, weil man einfach ein nettes kurzen Schwatz hat oder es einfach ein netter Kontakt ist, oder? Mit dir?

SPEAKER_00:

Ja, oder auch, wenn ich jetzt schon weiß, dass manche Models sich vielleicht nicht zurückmelden oder dass man da zigmal nachfragen muss, dann überlege ich bei manchen Anfragen auch, ob ich das Model dann vorschlage. Gerade wenn es halt auch schnell gehen muss, weil teilweise wartet man dann halt zwei Tage, drei Tage und manchmal sagen sie halt dann auch einfach, dass sie dann keine Zeit haben. Also ich weiß aber auch nicht, warum man das nicht einfach dann kurz direkt nach der Anfrage sagen kann und dann dreimal nachfragen muss, bis dann halt irgendwie eine Reaktion kommt.

SPEAKER_01:

Ja, das muss ich auch sagen, das ist sowas, was mich stört, wenn man dann da so das Gefühl hat, man ist so ein Bittsteller. Oder ich meine, die sind ja bei uns freiwillig unter Vertrag und ich biete sie ja einfach nur an, weil sie das auch wollten. Und warum muss ich dann da jetzt das Thema nachfragen? Ich dachte, du wolltest modeln. Also ich bin ja schon in der Model-Agentur, weißt du, was man? Also es muss doch ein Team. Also ich sehe mich halt eigentlich als Team mit den Models. Und wenn dann aber dein Teammitglied ja einfach irgendwie sich nicht als Teammitglied versteht und da da einfach nicht mit an einem Strand zieht, dann wird es schwierig. Wenn wir an verschiedenen Enden ziehen, kommen wir auch gar keinen Zentimeter vorwärts. Dann läuft der eine nach links und der andere nach rechts. Ist vielleicht auch wirklich ein schwieriges Thema, das jetzt alles so digital ist.

SPEAKER_02:

Das heißt, ihr kommuniziert digital. Ich habe früher mit meinen Agenten telefoniert. Wir haben einmal am Tag eingecheckt. Das heißt, ich habe angerufen, gibt es was Neues für morgen oder gibt es nichts, egal. Aber es war ein persönlicher, persönlicher Kontakt, als das jetzt der Fall ist, wo man mal einfach kurz in den Chat reinhämmert. Aber das hat ja auch was Gutes. Ich finde grundsätzlich, ich finde, das Chatten ist nichts Schlechtes, ihr habt Ruhe, ihr könnt euch viel besser konzentrieren auf bestimmte andere Themen. Nur das Thema Kommunikation, egal wie man sie nun tut, das ist halt ein Hauptfaktor, den ich finde, der wirklich zum Modeln dazugehört, dass man das auch wirklich lebt. Und ja, ich gebe dir ganz recht, diese Bedürftigkeit, in die man gebracht wird, weil man die ganze Zeit bettelt, bettelt, bettelt, ja bitte jetzt antworte doch mal, die ist tatsächlich nicht wirklich nachvollziehbar, oder?

SPEAKER_01:

Also das ist, ja, also ich überlege ja auch, woher es kommt, aber ich glaube, es ist natürlich schon so ein bisschen, kriegt immer so bescheuert, Generation-Thema, aber ich stelle es ja eben fest, es liegt aber nicht an der Generation selber, sondern daran, wie natürlich die Generation aufgewachsen ist, mit welchen Medien und so weiter. Und da wird eben viel, natürlich viel geschrieben, viel WhatsApp und sowas. Aber auch da gibt es trotzdem eine Etikette, wie man das so schön sagt. Hallo, wie geht's dir? Und weißt du, es ist doch ganz normal, nicht einfach nur ja, nein, buch das. Das ist halt so ein bisschen genommen.

SPEAKER_02:

Ja, das sind also Maschinen. Ich hatte übrigens früher auch so einen Moment oder sagen wir mal so eine Zeit, da habe ich mir gedacht, ach, eigentlich brauche ich keine Agentur, ich kann das auch alles alleine. Lasst uns mal bitte erörtern, warum es eine Agentur braucht. Was unterscheidet denn die One-Man-Show zu diesem, wie ihr gerade gesagt habt, Team?

SPEAKER_01:

Ja, also ich kann es mir nur bedingt vorstellen. Natürlich kann man sagen, ich habe so und so viele Stammkunden und die booken mich, dann kann ich das vielleicht handeln. Aber wenn ich die zum Beispiel noch nicht habe und auch dann, ich meine, wenn ich eine One-Man-Show bin, dann bin ich ja also Booker, ich bin Buchhaltung und ich bin Model in einer Person. Das wäre ja so, als würden wir selber auch noch vor die Kamera treten. Und gleichzeitig sollen wir aber das nächste Shooting organisieren, also die Anreise vielleicht buchen oder sowas. Und weiß ich nicht. Also für mich sind das so viele Jobs auf einmal, weil wenn ich am Set stehe, kann ich ja nicht gleichzeitig ans Handy gehen und da noch E-Mails checken und fünf Kunden beantworten.

SPEAKER_00:

Und da dann auch irgendwas zu kurz. Und man, gerade die Models auch, die haben halt auch nicht so die Kontakte und haben nicht die Erfahrung, wie viel man Gage aufrufen kann oder anders mit Buyouts oder so. Wie man das am besten verhandelt. Und da kommt es halt dann auch meistens vor, dass sie sich halt dann einfach zu günstig auch verkaufen. Weil sie halt auch, wie gesagt, keine Ahnung haben, wie viel sie da im Endeffekt verlangen können.

SPEAKER_02:

Es gibt aber auch Models, die den Agenturen vorwerfen, dass sie zu günstig verkaufen.

SPEAKER_01:

Das gibt es ja schon auch. Das ist aber sowieso eine Klassiker, aber hier und da ist es ja nicht so, dass ich die Gage mehr aussuchen kann. Bestimmte Kunden haben einfach ein fixes Budget und das ist halt teilweise nicht besonders viel. Take it or leave it. Da kann ich nichts machen. Ich kann natürlich mehr verlangen, aber damit nimmt man sich auch gerne mal aus dem Rennen.

SPEAKER_02:

Bei all dem Glamour ist es dennoch ein ernst zu nehmender Beruf. Und in diesem ist nun mal die Realität. Ohne Agenturen funktioniert diese Branche überhaupt nicht. Dann bewegt man sich im Semi-Profi-Bereich. Und das sollte man einmal genauer betrachten, damit man den Wert einer Agentur besser versteht. Eine Agentur sorgt zuerst für den rechtlichen Schutz. Ein Beispiel Bildrechte. Wenn ein Kunde dich bucht und Fotos macht, darf er diese Bilder in ganz bestimmten Ländern und für eine gewisse Zeit nutzen. Und genau das muss klar geregelt sein. Sonst passiert Folgendes. Und das ist Alltag in der Branche. Ein Kunde zahlt für eine einfache Kampagne in München, nutzt die Bilder dann aber plötzlich weltweit, zwei Jahre lang, für Plakate, Stores, Online, Social Media. Ohne klare Verträge, die deine Agentur vorher verhandelt hat, bekommst du dafür keinen Cent extra. Das ist massiver Wertverlust. Und viele merken es nicht einmal. Und selbst wenn, wo setzen sie an? Der Kunde steckt den Kopf in den Sand und macht fleißig weiter Werbung, ohne dafür die Rechte zu haben. Mit einer Agentur und der Servicefirma gemeinsam ist da eine ganz andere Logistik dahinter. Genau das gleiche gilt für Gagen. Ein einzelnes Modell hat kaum eine Chance, faire Preise durchzusetzen. Agenturen verhandeln, damit du nicht für 300 Euro arbeitest, wenn der Marktpreis eigentlich 1500 ist. Und Kunden akzeptieren diese Preise nur, weil sie wissen, hinter dir steht eine professionelle Agentur, die Standards schützt. Auf der anderen Seite sind es dann genau diese Kunden, die den Model Direktbuchungen anbieten. Aber eben nie zu diesen Preisen, sondern immer weit unter dem, was die Agentur veranschlagt. Eben weil diese weiß, was der eigentliche Wert des Models und der Nutzungen ist, aber eben nicht das Model. Hier geschieht viel Missbrauch. Dann gibt es den ganzen Bereich Schutz und Arbeitsbedingungen. Eine Agentur achtet darauf, dass Arbeitszeiten eingehalten werden, dass es Pausen gibt, dass du Essen bekommst, dass du nicht ausgebeutet wirst. Ohne Agentur würde man viele Models einfach acht, neun, zehn Stunden durchschoten lassen, ohne jede Absprache. Und dann gibt es keine Overtime-Bezahlung ohne Agentur. Viel Spaß beim direkten Streiten mit dem Kunden über genau diese Datei. Es ist gut, so etwas von einer dritten Person abwickeln zu lassen, die für einen kämpft. Sehr wichtig ist auch der organisatorische Teil des Serviceunternehmens, den viele komplett unterschätzen. Flüge, Hotels, Work-Permits, Steuerunterlagen, Rechnungen, Verträge. Das macht alles die Servicefirma. Und besonders entscheidend wird es bei internationaler Arbeit. Ein Beispiel, die USA. Dort kannst du nicht einfach arbeiten, nur weil dich ein Kunde bucht. Du brauchst ein richtiges Arbeitsvisum. Zum Beispiel ein O1 oder ein Talentvisum. Diese Visa zu bekommen, ist ein komplexer, monatelanger Prozess mit Papieren, Referenzen, juristischen Dokumenten, Verträgen, Letter of Intent, Agenturbestätigungen. Das schafft kein Model allein. Dieses Karriereniveau echte High-End-Jobs in Amerika ist ohne Agentur faktisch unmöglich. Die Agentur und die Servicefirma organisieren das, begleitet den Prozess, kennt Anwälte, weiß, was gefordert wird und sorgt dafür, dass du legal und professionell arbeiten kannst. Und dann kommt der Teil, der am Anfang einer Karriere entscheidend ist. Aufbauarbeit. Ein Modell weiß am Anfang nicht, welche Fotos es braucht, welcher Look funktioniert, welche Fotografen Sinn ergeben. Eine Agentur erkennt Potenzial, welcher Typ du bist, wie du dich positionieren solltest, ob du mehr Commercial, Fashion oder Beauty bist. Dafür werden die richtigen Tests organisiert, die passenden Fotografen ausgewählt, Moodboards erstellt, damit du ein Portfolio bekommst, das Kunden wirklich überzeugt. Abgesehen davon, dass hier auch die Servicefirma in Vorleistung geht, noch weit bevor du einen ersten Euro verdient hast. Auch das ist mühsam ganz alleine. Ohne diese gezielte Führung gibt es keine professionelle Karriere. Du würdest wahllos Shootings machen, am Ende mit Bildern, die nichts miteinander zu tun haben und dich nicht verkaufen. Und dann gibt es den Punkt, den fast niemand sieht. Das Netzwerk. Große Kunden buchen nicht über Instagram. Sie buchen über Agenturen, weil sie dort Sicherheit haben. Ohne Agentur kommst du an diese Kunden gar nicht ran. Die Türen sind zu. Dazu kommen Schutzmechanismen, die du als Einzelperson nicht abdeckst. Fake-Castings, unseriöse Fotografen, Leute, die dich nicht bezahlen oder dich ausnutzen. Agenturen filtern das alles raus. Auch langfristig bleibt die Agentur entscheidend. Sie regelt deinen Kalender, verhindert Doppelbuchungen, sorgt für reibungslose Abläufe und springt ein, wenn etwas schief geht. Krankheit, Flugprobleme, Umbuchungen. All das würde dich alleine überfordern. Am Ende muss man ganz ehrlich sagen, professionelles Modeln ohne Agentur ist wie Profisport ohne Trainer, ohne Medizinteam, ohne Management. Es funktioniert nicht. Nicht im internationalen Markt, nicht bei großen Kunden, nicht langfristig. Eine Agentur macht Models sichtbar, schützt sie, baut sie auf, verhandelt für sie, öffnet Türen und sorgt dafür, dass sie in dieser Branche nicht untergehen. Oder sich in den Low-Budget-Bereich bewegen, bei dem all diese Regeln von unprofessionellen Kunden übergangen werden, dieses Risiko solltet ihr abwägen. Das ist der Wert. Und genau deshalb braucht es Model-Agenturen. Ohne sie gäbe es kein professionelles Model-Business und keine nachhaltigen Karrieren. Also ich kann nur aus meinem Nähkästchen dazu auch nochmal sagen, in meiner Zeit des Models, als ich gedacht habe, dass ich das alles als One-Man-Show alleine könnte. Also eins ist unmöglich, diesen Kundenstamm, den die Agentur gerade im Rost 100 Models jetzt mit fast 30 Jahren jetzt am Start hat, den kann man alleine sowieso nicht haben. Gleichzeitig die ganze Vernetzung, Displacement ins Ausland, dass ich dort auch wirklich bei gescheiten Agenturen lande, dass das alles professionell ist. Und einfach alles drumherum, ich bin dann am Ende, logischerweise nicht nur, weil ich die Seiten gewechselt habe, sondern auch generell wirklich zu der Meinung gekommen, wir können, man kann die Welt nicht allein erobern. Es braucht ein gutes Team. Und die Booker sind dieses Team. Deswegen ganz wichtig, sich das auch nochmal zu verinnerlichen und sie auch respektvoll und zu wertschätzen. Aber wie ist das mit der Eigeninitiative? Was wünscht ihr euch von Models zum Thema Eigeninitiative? Jetzt mal nicht in die Richtung, dass sie eine One-Man-Show selber machen sollten, sondern inwiefern können sie euch am liebsten am besten zuarbeiten?

SPEAKER_00:

Ja, es geht auch schon mal los, dass sie uns halt einfach Bescheid geben, wenn sie vielleicht im Urlaub sind und nicht verfügbar sind, dass sie erreichbar sind, dass sie zeitnah antworten. Weil natürlich warten die Kunden auch schnell auf Rückmeldung. Manchmal kommt es halt dann auch vor, wenn man dann einfach zu lange wartet, dass sich der Kunde dann auch schon anderweitig entscheidet. Ja, das sind eigentlich die Hauptsachen.

SPEAKER_01:

Ja, was ich mir auch noch jetzt hat jetzt nichts weniger mit dem Booking, also als solchen zu tun, aber ich habe manchmal so das Gefühl, bitte denkt dran, wir sind Menschen. Das ist diese Menschlichkeit, die finde ich halt, ist mir sehr wichtig. Also immer, sie machen uns oft viel Druck, das ist klar, weil sie verspüren ihn selber, sie wollen arbeiten und so weiter. Ich verstehe das alles bis zu einem gewissen Punkt. Aber hier sitzen echte Menschen, die haben auch eine Familie, die haben vielleicht auch mal Probleme, denen geht es vielleicht mal einen Tag nicht gut oder irgendwas, weißt du, oder haben einfach, wir halten hier permanent mehrere Bälle in der Luft. Das darf man auch nicht vergessen. Wir haben nicht mehr nur den einen Shop gerade, über den ich mit diesem einen Model gerade spreche, sondern ich habe ungefähr immer 20 bis 30 Anfragen parallel laufen. Da kommen jeden Tag neue dazu und andere fallen wieder raus. Und wir sind Menschen. Wir sind schon 24-7 erreichbar und all das. Das gehört zum, sag ich immer, wenn hier jemand Bonnelbooker werden möchtest, jemand, der sagen würde, in meiner Work-Life-Balance, ich würde hier, ich will ja nur von 9 bis 17 Uhr arbeiten, das kannst du vergessen in diesem Job. Du wirst abends erreichbar sein müssen, weil ein Flug hat Verspätung, das Hotel ist nicht offen, man findet die Reservierung nicht, was weiß ich. Da sind wir immer da. Bitte dann aber telefonisch, nicht per E-Mail, weil, also wir haben es noch nicht implementiert. Es läuft nicht hier vorne auf meiner Brille als Screen ab, welche E-Mails jeden Tag und Nacht, naja Gott, ich werde es zu verhindern müssen. Aber ich meine, da muss man uns halt anrufen, aber da wird man seinen Booker immer erreichen, wenn man das braucht. Und ich finde, das wird oft nicht so richtig wertgeschätzt, dass wir eigentlich unsere Freizeit auch immer mit zwei Handys verbringen, selbst im Urlaub noch und so, ne, Caroline, wie siehst du das?

SPEAKER_00:

Ja, also ich habe mein Handy eigentlich, mein Schirmen-Handy immer dabei, weil man weiß ja nie, was passiert. Es kann auch sein, dass ein Kunde, weiß ich nicht, kurzfristig für morgen noch Models sucht, weil ihm das andere Model ausfällt. Klar, da will man natürlich dann auch erreichbar sein und schnell auch Ersatz finden.

SPEAKER_02:

Woher nehmt ihr die Motivation? Weil das ist schon, da muss man schon wirklich das brennen.

SPEAKER_01:

Na ja, gut, also Bocker bist du, glaube ich, schon immer irgendwie aus Leidenschaft. Ich mag das einfach, wenn der Job klappt, wenn das läuft und so weiter, das Organisieren und all das Verhandeln, das Vorschlagen, das macht Spaß. Und das gehört halt dazu, da denke ich nicht weit darüber nach, um ehrlich zu sein. Aber ja, es gibt schon Tage, da denkst du dir, na danke auch, ja. Also ich sag's, wie es ist, mir ist der Schnabel halt aber einfach so bewachsen, tut mir leid. Aber da bin ich halt auch bedient, wenn man dann da noch angemutzt wird oder sowas. Hatten wir schon die krassesten Situationen. Also wenn jetzt die schreiend am Telefon waren, also wirklich, muss ich es ja mal einfach so sagen, geschrien haben, den Booker angeschrien haben, ja, und dann scheiße, mach ich die wieder. Und wo du denkst, ich bin ja gar nicht dein Feind, ich bin auch nicht das Problem, ich versuch's gerade zu lösen. Das Hotel geht nicht auf, ja, der Key-Dingsbums-Code funktioniert nicht. Aber jetzt mach doch mich nicht fertig, deswegen, ich kann nur helfen oder es auch lassen. Also, ne, das sind so Sachen, ja.

SPEAKER_02:

Ja, meine Güte, ich habe bestimmt auch Geschichten ohne Ende. Also mir haben am Bookingtisch sehr, sehr die Lügen der Models, die haben mich sehr verletzt. Also wenn es dann wirklich darum geht, dass man ehrlich sein sollte zu seinem Booker, kann ich nur sagen, das hat mir, also menschlich, es heißt auch immer, nimm das doch nicht so persönlich. Das ist ja alles nicht persönlich gemeint. Also mich hat es trotzdem persönlich getroffen und ich stehe dazu, dass ich sehr, sehr traurig war, wenn ich mitbekommen habe, dass ich einfach angelogen wurde. Warum? Ich war immer nur freundlich. Und ich habe diesen Menschen, wie gesagt, dazu verholfen, dass er in diese Modewelt, in diese Modelwelt hineinkommt, dass er vielleicht sogar international Fuß fest. Und es gibt keinen Grund, diesen Menschen dann anzulügen. Überhaupt nicht. Wie ist da eure Erfahrung?

SPEAKER_00:

Ja, also da erlebt man natürlich schon Sachen und auch, weiß ich nicht, Lügen von dass irgendjemand gestorben ist, dass, keine Ahnung, irgendjemand im Krankenhaus liegt, dass man selber im Krankenhaus liegt, dass die Treppe runtergefallen. Die Treppe runtergefallen ist. Ja, also da hört man schon einiges. Und im Nachhinein weiß ich nicht, wenn die Geschichten, manchmal kommen sie ja dann auch mehrmals vom gleichen Model. Und da weiß man dann schon, dass das halt vielleicht nicht so stimmt, hundertprozentig, was einem da aufgetischt wird. Und klar, dann weiß ich nicht, wenn man es beim nächsten Mal hört, dann überlegt man halt auch, ja, stimmt das jetzt oder nicht? Und irgendwann, ja, klappt man das vielleicht halt dann auch nicht mehr zu hundertprozent und ist man da halt ein bisschen vorsichtiger.

SPEAKER_02:

Wir leben in einer Zeit, in der Social Media die Menschen sehr beeinflusst und gerade auch diese graue Zone zwischen Model und Influencer wird immer dünner. Das vermischt auch logischerweise immer mehr. Habt ihr das Gefühl, dass Social Media noch irgendwie in einer gewissen Art und Weise das ganze Thema beeinflusst? Negativ wie positiv Social Media und die Erwartungshaltung an das Modeln. Also sind die Models geduldig genug oder sind sie ungeduldiger denn je?

SPEAKER_01:

Also ungeduldig waren sie, glaube ich, schon immer. In der Natur sind junge Menschen. Du hast ja noch wenig Erfahrung und dann willst du halt da einfach irgendwie was reißen und sowas, das kann ich schon alles nachvollziehen. Und dann, was ich eher schwierig finde, manchmal ist das so, die sind so beeinflussbar. Und dann braucht ja nur irgendjemand erzählt wieder, dass der und der aber dort arbeitet ganz viel oder dann wird sich verglichen. Das ist natürlich auch schwierig, weil wir sind ja alle dann doch einzigartig. Nur weil die jetzt gleich groß ist, heißt das ja nicht, dass ich die gleichen Kunden bedienen kann. Das ist auch Quatsch. Also das sind eher so die Punkte, wo ich sagen würde, ob das jetzt mit Social Media zu tun hat, weiß ich nicht.

SPEAKER_00:

Ja, das ist dann eher so, dass man sich halt dann vielleicht auch mit anderen Models vergleicht, wie viele die posten, wie viele, dass sie für Jobs unterwegs sind, wie viele Likes, das sie haben. Das ist eher so, dass sie sich halt dann mit anderen darüber irgendwie vergleichen und meinen, dass es vielleicht bei ihnen halt auch schneller gehen müsste, beziehungsweise auch so sein müsste.

SPEAKER_01:

Es ist ja so dieses FOMO, ne? Aber das ist ja einfach so in der Generation, dass sie immer Angst haben, was zu verpassen.

SPEAKER_02:

Ja. Gibt es auch irgendwie ein Gefühl bei euch, dass ihr jetzt mal was das Thema Belastbarkeit angeht, dass da vielleicht auch sich irgendwas verwandelt hat. Also ich meine, auf der einen Seite ist die Generation Z zum Beispiel eine Generation, die immer sagt, wir legen sehr viel Wert auf Wertschätzung und auf Selbstliebe und die Natur und überhaupt die ganze, ja, einfach Empathie auch mehr erleben. Und ja, ihr sitzt auf der anderen Seite, auf der das dann auch wirklich zu Taten gemacht werden soll oder sollte. Wie ist da eure Erfahrung?

SPEAKER_01:

Ja, naja, ich spür davon jetzt, also ich kann das kaum beurteilen, ob sie so sind oder nicht, weil sie, weil eben das so unpersönlich geworden ist. Weißt du, ich habe nicht genug Connection mit den Models, weil da einfach keine Gespräche zustande kommen. Wenn man mal telefonieren würde oder sie mal reinkommen würden, sie unterhalten würden, es gibt so eine kleine Handvoll, die das macht, die wirklich mal nachfragt, wie geht's, oder irgendwie sowas oder auch mal was Persönliches erzählen, wo man überhaupt an diesem Punkt kommt, dass auch ich was Persönliches erzählen kann. Und deswegen weiß ich auch wenig über deren Leben. Ich kriege hier, ich kriege einfach nur mit, dass sie meistens irgendwie, oder nicht meistens das, aber ich höre schon, keine Ahnung, ich bin gestresst oder ich brauche eine Pause, ich kann gerade nicht, mir geht's nicht gut. Und sowas, das höre ich schon öfter, das habe ich früher nicht so gehört. Also wenn ich früher, ich mache es jetzt seit 30 Jahren, wenn ich früher sage, rede ich von vor zehn Jahren oder noch länger her. Das meine ich damit, ja, von daher kann das sein.

SPEAKER_02:

Ist die Generation, die jüngere Generation, dann vielleicht einfach nur überfordert oder bequem? Was wäre so eure Interpretation? Warum sich das so verändert?

SPEAKER_01:

Ich habe eher das Gefühl, dass sie nicht über, aber dass sie so fordernd sind. Das ist eigentlich das ganz anderes, weil ich empfinde immer sehr viel Forderung von der anderen Seite. Du musst, du hast noch nicht, was ist damit, was ist hiermit, warum habe ich nicht, warum macht das keiner und so weiter. Und ich will, ich will, ich will. Das ist so das, was ich, dieses Fordernde empfinde ich sehr und es kommt nicht so oft, was könnte ich denn tun, damit mehr geht oder sowas. Aber das auch positiv formuliert, weißt du ja, nicht so mit dem Druck, sondern also eine gewisse, wie soll ich sagen, es hat ja auch was mit Reflexion zu tun. Also man stellt sich selbst sehr in den Mittelpunkt und vergisst dabei aber, dass das gegenüber ein Mensch ist, das auch irgendwo seinen Platz hat oder sein Wesen hat und dass man da miteinander kommunizieren muss und dass man sich gegenseitig abholen muss. Und das nicht so ein Einspannstraßenfunk ist in die eine Richtung.

SPEAKER_00:

Ja, weil man ist sehr intim und klar, was sie von uns erwarten, erwarten wir auch ein Stück weit von ihnen und ja, und so kommt man halt dann auch schneller vorwärts irgendwie. Wenn man direkt kommuniziert, zum Beispiel, wenn Models schreiben, ich kann da nicht, dann musst du aber fünfmal nachfragen, ja, warum kannst du nicht? Keine Ahnung, bist du im Urlaub, ja, bin ich. An fatt, dass sie halt dann gleich dazu schreiben, ja, ich bin von da und dann weg, muss man ihnen quasi alles aus der Nase teilweise ziehen.

SPEAKER_01:

Ja, und noch eine Sache, ich finde halt auch da so dieses Vertrauen. Also man, Vertrauen ist ja sowieso immer auf Vorschuss. Das muss man sich eigentlich gar nicht erarbeiten. Das heißt, du kommst eigentlich wohin und dann vertraust du jeder. Also wenn du gesund bist, vertraust du erstmal deinem Gegenüber, weil du hast ja keinen Grund, ihm nicht zu vertrauen. Aber ich spüre oft da auch so eine gewisse, naja, eben Unsicherheit, das weiß nicht. Wenn wir sagen, mach bitte einen neuen Test, mach Fotos mit dem und dem Fotograf, dann wird da auch rumdiskutiert, bis zum Geht nicht mehr. Will ich nicht, brauche ich nicht. Und dann wird aber gesagt, warum arbeite ich nicht? Ja, weil du einen Test brauchst, die Bilder sind alt, nee, ich will aber keinen machen und dann trieben wir uns im Kreis und verschwenden ein ganzes Jahr. Und das würde ich mir halt wünschen, dass man einfach unsere Expertise, diese 30 Jahre, einfach annimmt und sagt, Mensch, die werden schon wissen, was sie tun, deswegen bin ich ja auch dort. Lass mal die mal machen. Vertrauen, du sagst es.

SPEAKER_02:

Und was ich diesbezüglich auch mal den Zuhörern mit auf den Weg geben möchte, ist, es sollte jedem Model noch mehr bewusst werden, dass die Agentur erst dann wirklich etwas verdient, wenn hier auch wirklich ein Job stattgefunden hat und der erfolgreich war. Also jetzt nicht der Kunde sagt, okay, das Model hatte viel, viel, viel Verspätung oder ist gar nicht erst gekommen, also irgendwelche Dinge passiert sind. Also erst dann, wenn das alles passiert ist und dann auch noch gut passiert ist, dann verdienen alle Beteiligten wirklich Geld. Davor hat auch die Agentur nichts verdient. Gar nichts.

SPEAKER_01:

Alles, was diese Booker tun, ja, ich sage dazu immer, wir werden nicht für unsere Arbeit bezahlt, sondern nur für Erfolg. Weil man sieht es nur, die Buchung, die ganze Arbeit dahinter, die wird nicht bezahlt, sondern nur die Buchung. Keine Option, keine Akquise, kein Bücher besetzen, kein Modelscouten, kein Placement, nichts davon wird bezahlt. Es wird nur die Buchung bezahlt.

SPEAKER_02:

Ja, das finde ich, ist auch so noch nicht wirklich deutlich genug benannt worden. Wie ist das, wenn ihr mit den Kunden zu tun habt? Das ist ja auch nicht immer sehr lustig. Also da gibt es doch bestimmt auch von der Seite durchaus Situationen, wo es unangenehm wird, oder?

SPEAKER_01:

Gehört uns, mein Gott, das ist halt Business. Die sind natürlich nochmal straight da drauf oder wie will man das nennen, ne? Also die müssen halt, die haben Zeitdruck, die Ware kommt nicht oder das muss fotografiert werden und so weiter. Da muss es manchmal ein bisschen flotter zugehen und so weiter, aber das bewegt sich halt einfach auf einen sehr professionellen Rahmen. Also die wenigsten sind emotional bei ihrer Arbeit. Sie sind alle sehr, sehr belastbar, sag ich es mal so. Weil, naja, mit Models und so weiter, es hat einfach im Job, es kann immer was passieren. Leute werden kranken, Flugzeug kommt nicht an, die Bahn bleibt wieder stecken, keine Ahnung, was ständig musst du, also das, was du planst, musst du permanent anpassen.

SPEAKER_02:

Ich weiß aber, ich will darauf hinaus, dass ihr diejenigen seid, die das abfangen müssen, wenn dann mal wirklich Stress an Dampfer ist und ihr habt aber gar nicht die, ihr seid gar nicht die Ursache davon. Aber ihr kriegt es ab. Wenn zum Beispiel der Flieger unpünktlich war oder eben das Model unpünktlich war oder so, dann seid ihr die Puffer vor den Kunden.

SPEAKER_00:

Aber dafür sucht man halt dann einfach, dass man ruhig bleibt und dass man schnell halt eine Lösung findet, die wofür alle Seiten halt gut ist. Und klar, man will, wenn zum Beispiel Model krank ist oder so, will man dann auch schnell einen Ersatz für den Kunden finden. Weil klar, wie wir vorher schon gesagt haben, wir verdienen eigentlich halt nur bei der Buchung was. Und klar, es liegt was daran, dass dann auch der Job klappt. Und dass wir halt auch Ersatz finden.

SPEAKER_02:

Zum Thema Erfolg habe ich noch eine Frage, weil da hat ja jeder so gesehen ein anderes Bild im Kopf. Die einen wollten immer unbedingt und hatten sich wirklich nur als Models gesehen, wenn sie zu Victoria's Secret gekommen sind. Bei anderen ist es Guests. Bei noch anderen geht es gar nicht darum, sondern die wollen einfach nur gutes Geld verdienen. Habt ihr da irgendwie so eine Art Schlüssel, den ihr den Menschen, den Zuhörern und den Models mal mitgeben wollt, dass sie sich selber nicht so kaputt machen und sich selber zu viel Stress machen und auch natürlich der Agentur vertrauen?

SPEAKER_00:

Klar, jedes Model hat wahrscheinlich seine Vorstellungen oder auch Träume, für welche Marken sie mal arbeiten wollen würden. Aber da muss man halt auch ein bisschen realistisch sein und das geht halt auch nicht von heute auf morgen. Das dauert halt am Anfang wirklich Zeit, man muss Tests machen, man muss Erfahrungen sammeln. Und bis das dann vielleicht mal klappt, sind halt viele Faktoren auch, die wir da mitspielen, wie Maße, welcher Typ es gesucht, und das ändert sich halt auch immer.

SPEAKER_02:

Und wenn man bereits Stammkunden hat, möchte ich jedem Model auch noch mit auf den Weg geben, diesbezüglich ganz, ganz vorsichtig und demütig zu sein. Ich habe es nämlich auch schon ein paar Mal erlebt in der Zeit, als ich am Bookingtisch war, dass ein Model Katalog auf und ab gearbeitet hat und Katalog-Shootings sind sehr gut bezahlt und hat dann aus einem nicht wirklich nachvollziehbaren Grund keine Lust mehr auf Katalog-Shootings gehabt, zum Beispiel. Und hat dann einfach diesen Job gecancelt, völlig gecancelt, obwohl wir uns wirklich den Mund fusselig geredet haben über Stunden aus allen Richtungen. Wenn du das tust, dann wirst du wahrscheinlich nie wieder für diesen Katalog arbeiten und vielleicht auch für keinen anderen. Und die hat sechsstellig verdient im Jahr. Und wie war es? Ratet mal am Ende des Tages, ungefähr nach einem Jahr hat sie sich wieder gemeldet, ach ja, ich habe es mir jetzt doch wieder anders überlegt, ich würde jetzt dann doch wieder gerne für den Katalog arbeiten, aber der Zug war abgefahren. Da war dann kein Reinkommen mehr und das war es dann letzten Endes. Das heißt, diese Lifetime-Chances, bitte wär's wertvoll ansehen und auch demütig behandeln. Und wenn, das ist auch für die Booker ja und für die Firma, wie wir gerade gesagt haben, ein Verlust, wenn diese Menschen, die da alle an euren Entscheidungen hängen, wenn sie mit euch reden und den Kontakt suchen, um euch zu überzeugen, das ist gut für dich, mach das doch, nimm das als Schritt mit auf deiner Karriere, dem mehr Vertrauen geben.

SPEAKER_01:

Wie sagte Albert Einstein? Mit dem Atom. Es ist einfacher, einen Atom zu spalten, als die Meinung eines Menschen zu ändern. Wir versuchen es trotzdem immer wieder.

SPEAKER_02:

Ja, wir geben nicht auf, geben nicht auf. Das sind schöne Schlussworte, würde ich sagen. Ich danke euch für die sehr interessanten Insights in das Leben der Booker von Most Wanted Models. Und ich denke mir, ihr sprecht dafür die ganze Branche. Und ich hoffe, ihr habt ein paar sehr interessante Infos noch mitnehmen können für euer Leben und für eure Perspektiven in der Zukunft. Und wenn ihr Fragen habt, dann sind wir immer gerne für euch da. Danke fürs Zuhören. Danke fürs Zuhören. Dankeschön. Tschüss. Ciao.