Forschung mit und für Menschen
"Forschung mit und für Menschen" ist ein Podcast der Phil.-hum. Fakultät der Universität Bern. Hören Sie spannende Gespräche mit Forscherinnen und Forschern aus den Fachbereichen Sportwissenschaft, Psychologie und Erziehungswissenschaft zu alltagsrelevanten Themen und erhalten Sie einen Einblick in die Welt der Wissenschaft.
Forschung mit und für Menschen
Schlaf, Sport und Träume – wie Leistung auch nachts entsteht
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Schlaf und sportliche Leistung wirken auf den ersten Blick wie Gegensätze: nachts Ruhe, tagsüber Bewegung. Doch genau zwischen diesen beiden Welten entsteht Leistung. In dieser Episode sprechen wir mit Prof. Daniel Erlacher vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern über die enge Wechselwirkung von Schlaf, Regeneration und sportlicher Performance.
Während der Körper ruht, bleibt das Gehirn aktiv: Es festigt neu gelernte Bewegungen über Nacht. Umgekehrt zeigt sich, dass Schlafmangel vor allem dort Spuren hinterlässt, wo Entscheidungen, Reaktionen und Konzentration gefragt sind.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Träumen: Warum träumen Sportler:innen besonders häufig von sportlichen Situationen? Welche Rolle spielen Albträume im Wettkampfkontext? Und was passiert, wenn Menschen im Traum erkennen, dass sie träumen und gezielt motorische Aufgaben üben?
In dieser Episode erfahren Sie, warum Leistung nicht nur am Tag entsteht, sondern sich auch nachts weiterentwickelt.
Dieser Podcast wird produziert von der Phil.-hum. Fakultät der Universität Bern.
Bei den besprochenen Inhalten handelt es sich um aktuelle Forschungsergebnisse, welche zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Podcasts vorläufige Gültigkeit haben.
Bei Anregungen, Fragen oder Feedback zum Podcast: foma.humdek@unibe.ch
Experte zu Gast: Prof. Dr. Daniel Erlacher
Moderation und Produktion: Julia Wess
Und beim Menschen kann man eben darüber hinaus zeigen, dass der Schlaf auch ein sehr aktiver, zyklischer Prozess ist. Also das Gehirn geht in verschiedene Stadien, die man im Schlaflabor messen kann. Der hat sozusagen eine historische Bedeutung, weil man am Anfang dachte, dass dort intensiv geträumt wird. Inzwischen weiss man, dass es in jedem Schlafstadium wahrscheinlich auch Traumerlebnisse gibt, aber es ist trotzdem immer noch so ein besonderes Stadium als Traumforscher, wo man sich sehr genau die Sachen anschaut. Und das zeigt eben die Idee der Kontinuitätshypothese. Also dass wir von den Sachen träumen, die wir tagsüber auch erleben. Ein Klartraum zeichnet sich dadurch aus, dass der Träumende während des Traumgeschehens erkennt, dass er träumt. Und zu einem grossen Teil kann er dann auch den Traum selbst gestalten. Und da konnten wir in allen drei Studien zeigen, dass tatsächlich, wenn man etwas im Traum übt, die Leistung in der Tätigkeit vom Abend zum Morgen besser wird.
Julia Wess:Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts Forschung mit und für Menschen. Heute mit einem Thema, das uns fast alle betrifft. Ob Leistungssportlerinnen und Leistungssportler, Hobbysportlerinnen und Hobbysportler oder einfach jemand, der sich im Alltag konzentriert und fit fühlen möchte. Schlaf und sportliche Leistung. Auf den ersten Blick wirken das wie zwei getrennte Welten. Tagsüber aktiv, nachts regenerieren. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell, zwischen Bewegung und Erholung besteht eine enge, wechselseitige Beziehung. Ohne erholsam Schlaf weniger Leistung. Umgekehrt beeinflusst auch körperliche Aktivität, wie gut wir nachts zur Ruhe kommen. Warum ist es also so entscheidend, diese beiden Bereiche gemeinsam zu betrachten? Wie genau beeinflusst schlechter Schlaf unsere körperliche und geistige Performance? Und lässt sich im Traum vielleicht sogar trainieren? Diesen Fragen wollen wir heute auf den Grund gehen. Aber bevor wir uns der Verbindung von Sport und Schlaf widmen, freue ich mich, unseren heutigen Gast bei uns begrüssen zu dürfen. Professor Daniel Erlacher vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern. In seiner Forschung beschäftigt er sich intensiv mit den Zusammenhängen von Schlaf, Regeneration, sportlicher Aktivität, Gedächtnis und Motorik. Und damit herzlich willkommen, Daniel. Schön, dass du da bist.
Daniel Erlacher:Ja, vielen Dank, dass ihr mich zu Gast habt.
Julia Wess:Wir unterhalten uns heute über sportliche Leistung auf der einen Seite und über Schlaf auf der anderen. Warum ist es denn so entscheidend, diese beiden Bereiche gemeinsam und nicht getrennt zu betrachten?
Daniel Erlacher:Ja, also Sport und Schlaf scheint ja auf den ersten Blick was total Gegensätzliches. Auf der einen Seite Schlaf und Bewegungslosigkeit, Regungslosigkeit auf der einen Seite. Auf der anderen Seite Spitzensport, wo man den Körper zu Höchstleistungen bringt, sich also aktiv bewegt. Das scheint ja erst einmal nicht sehr kompatibel. Aber auf den zweiten Blick erkennt man, dass wenn man irgendwie zum Beispiel tagsüber motorisch was Neues gelernt hat, also sprich eine neue Aufgabe im Sport, sich angeeignet hat, dass wenn man darüber schläft, am nächsten Tag das Neugelernte eben besser kann. Also da scheint im Schlaf irgendwas zu passieren. Das Gedächtnis wird konsolidiert. Das ist die eine Seite. Und die andere Seite, wenn ich nachts schlecht schlafe und am nächsten Tag als Leistungssportlerin vielleicht einen wichtigen Wettkampf habe, dann kann es natürlich auch sein, dass meine Schlafdeprivation, die ich da erleide, einen grossen Einfluss hat auf meine sportliche Leistung am nächsten Tag. Und da sieht man, dass es eben hier einen reziprogen Zusammenhang gibt. Also der Schlaf beeinflusst einerseits die physische Aktivität im Tag und umgekehrt die physische Aktivität beeinflusst wieder den Schlaf. Und da gibt es natürlich dann viele Forschungsfelder.
Julia Wess:Also eine Wechselwirkung zwischen Schlaf und Leistung, die da stattfindet. Bevor wir da noch genauer drauf eingehen, schauen wir uns aber erst noch die Grundlagen an. Was ist Schlaf denn eigentlich und warum ist es für uns Menschen so wichtig zu schlafen?
Daniel Erlacher:Ja, Schlaf ist ein enorm wichtiges Thema. Wir tun es ja wahrscheinlich in der Evolution schon immer. Also wenn wir über Schlaf sprechen, müssen wir uns immer bewusst werden, dass es ein fundamentaler Prozess ist, der alle Organismen irgendwie betrifft. Das ist auch ein Einzeller, ein Einzeller vielleicht zu tief gegriffen, aber eine Schnecke oder ein Insekt oder auch Fische zeigen Phasen von Schlaf. Bei denen ist es auch manchmal eben schwierig, hirnphysiologische Messungen durchzuführen. Deswegen sind die generellen Kennzeichen von Schlaf eben, dass man in einem Zustand ist der Bewegungslosigkeit und der sensorischen Deprivation. Und der Zustand ist aber auch umkehrbar. Man kann also auch wieder geweckt werden. Und das zeigen alle Organismen. Und beim Menschen kann man eben darüber hinaus zeigen, dass der Schlaf auch ein sehr aktiver, zyklischer Prozess ist. Also das Gehirn geht in verschiedene Stadien, die man im Schlaflabor messen kann. Man kann also Leute ins Schlaflabor stecken, miss deren Hirnwellen, Augenaktivität und Muskeltonus. Und dann kann man insgesamt den Schlaf in vier verschiedene Stadien unterteilen. Und die wiederholen sich zyklisch in der Nacht alle 90 Minuten etwa. Und dann hat man zum Beispiel sowas wie Tiefschlafphasen, wo eher eine körperliche Regeneration stattfindet. Und dann haben wir sowas wie REM-Schlafphasen, wo vermutlich viel geträumt wird, vielleicht auch eine kognitive Konsolidierung stattfindet. Aber da sind wir dann schon wieder bei der Frage der Funktion des Schlafs. Und die ist gar nicht so ganz einfach zu beantworten. Also jede Schlafphase hat anscheinend irgendeine Funktion, aber es ist schwierig, abschliessend zu beantworten, welche. Genau, das ist immer die Gretchenfrage. Als wir uns um die Gedächtniskonsolidierung mal eine relativ lange Zeit gekümmert haben, war es am Anfang der REM-Schlaf. Dann war REM-Schlaf total out. Dann waren es irgendwann die Schlafspindeln, die im Schlafstadium 2 stattfinden. Dann waren es irgendwann die Tiefschlafwellen, die Upstates und die Downstates. Also man jagt dann eben verschiedene Merkmalen des Schlafs hinterher.
Julia Wess:Sind jetzt ein paar Fachbegriffe gewesen, was bedeutet denn REM-Schlaf und Schlafspindeln?
Daniel Erlacher:Wenn man das EEG misst von einer Versuchsperson im Schlaflabor, dann misst man zum Beispiel im EEG in bestimmten Schlafphasen eben diese Schlafspindeln. Das sind Kurzbeschleunigungen im EEG, in der Frequenz. Also da wird die Frequenz beschleunigt. Das dauert nur eine halbe Sekunde bis eine Sekunde. Und dann nimmt es schon wieder ab. Und das sind charakteristische Hirnaktivitäten, die eben nur in diesem Schlafstadium zu entdecken sind. Und die Funktion dieser EEG-Charakteristiken, die versucht man eben zu entschlüsseln. Teilweise denkt man, dass die eben was mit der Gedächtniskonsolidierung zu tun haben. Der REM-Schlaf auf der anderen Seite ist eben der Rapid Eye Movement Schlaf. Und wie der Name das schon sagt, zeichnet dieses Schlafstadium die schnellen Augenbewegungen aus. Und der hat sozusagen eine historische Bedeutung, weil man am Anfang dachte, dass dort intensiv geträumt wird. Und inzwischen weiss man, dass es in jedem Schlafstadium wahrscheinlich auch Traumerlebnisse gibt. Aber es ist trotzdem immer noch so ein besonderes Stadium als Traumforscher, wo man sich sehr genau die Sachen anschaut.
Julia Wess:Also schon ganz viele Erkenntnisse, die da sind, aber auch noch offene Fragen. Kommen wir zurück zum Kern des Podcasts, der Verbindung von Schlaf und Sport. Welche Auswirkung hat denn jetzt Schlafentzug oder schlechter Schlaf allgemein auf die sportliche Leistungsfähigkeit von Menschen?
Daniel Erlacher:Das ist eine ganz spannende Frage und auch hier keine abschliessende Antwort. Man weiss nur, Wenn man zum Beispiel Versuchstiere am Schlaf hindert, und das über eine längere Zeit in einem relativ aufwendigen experimentellen Setup, dann sterben die Versuchstiere. Also Schlaf scheint lebensnotwendig zu sein. Da können wir jetzt nicht ins Detail drauf ein. Aber wenn das eben so eine lebenswichtige Funktion hat, dann ist natürlich die Frage, an welche Funktion ist das gekoppelt? Und da könnte man sich einerseits denken, dass es eben an physiologische Regenerationsprozesse gekoppelt sind oder andererseits eben an zentralnervöse Prozesse, sei es Wiederaufarbeitung von Energieträgern oder sonstigen. Wenn man jetzt Leute am Schlafen hindert, dann zeigen sie eben diese Funktion nicht mehr und haben Einschränkungen. Und diese Einschränkungen, die kann man in Experimenten sichtbar machen. Und interessanterweise ist es so, wenn man jetzt auf den Sport schaut und den Sport anschaut, da gibt es ja oftmals die sportlichen Fähigkeiten, sowas wie Ausdauer und Kraft. Und wenn man die in Schlafdeprivationsexperimenten, diese Fähigkeiten anschaut, dann merkt man, dass es da zwar eine Einbusse gibt. Also ich bin dann nicht mehr so kräftig nach einer nicht geschlafenen Nacht, aber die Einbussen sind doch minimal. Also man kann mit Schlafrestriktion, Deprivation relativ gute körperliche Leistung immer noch erbringen. On the long run vielleicht dann nicht mehr, dann nimmt es auch graduell immer mehr ab, aber es ist relativ gut kompensierbar. Wo wir grössere Ausfälle haben, sind zentralnervöse oder im kognitiven Bereich. Dort vor allem die Mikroschlafattacken, die man dann gehäuft hat, wenn man Schlaf wegnimmt. Und das kann natürlich auch im Sport entscheidend sein. Also immer, wenn die Kognition wichtig ist, also ich eine Entscheidung treffen muss, irgendwas gut erkennen muss, eine gute Reaktion zeigen muss, dann habe ich da massive Einschränkungen. Da gibt es wunderbare Studien, die zeigen, nach mehreren Tagen Schlafrestriktion habe ich da schon Einbussen, dass ich auf einfache Reaktionsaufgaben nicht mehr adäquat reagieren kann. Also das Körperliche funktioniert noch recht gut und alles, was mit dem Kopf Entscheidung treffen, Konzentration, halt das zentrale Nervensystem betrifft, das ist schwieriger oder ist stärker betroffen.
Julia Wess:Ja. Und Deprivation bedeutet Schlafentzug, nehme ich an, und Restriktion weniger Schlaf.
Daniel Erlacher:Genau.
Julia Wess:Okay, gut. Du beschäftigst dich ja auch sehr viel mit Träumen. Wie beeinflussen denn jetzt Träume den Sport und kann man diesen Einfluss, den die Träume haben, irgendwie nutzen für das eigene Training?
Daniel Erlacher:Also das ganz allgemeine Thema Traum ist natürlich schon ein spannendes Thema und da kann man natürlich an verschiedenen Stellen versuchen, da Verbindungen herzustellen. Die erste simple Frage ist, träumen Leistungssportler auch häufiger vom Sport als andere Menschen. Da haben wir eine ganz frühe Studie mal gemacht mit Psychologiestudierenden und Sportstudierenden und haben die zwei Wochen Traumtagebuch führen lassen und tatsächlich die Sportstudierenden, die träumen einen ziemlich grossen Faktor mehr von Sport als die Psychologiestudierenden, die am Tag wahrscheinlich weniger sich physisch aktiv im sportlichen Kontext beschäftigen oder Sport treiben. Und das zeigt eben die Idee der Kontinuitätshypothese. Also dass wir von den Sachen träumen, die wir tagsüber auch erleben. Und das hat ja vielleicht schon mal einen Hinweis, dass da auch eine Funktion drin liegt. Und da könnte man fragen, naja, vorhin haben wir über Gedächtniskonsolidierung gesprochen. Also es könnte ja sein, dass das ja so eine Art Simulation ist, die dann nachts stattfindet. Man replayt sozusagen das Geträumte. Da haben wir aber ein bisschen geschaut und ein paar Studien gemacht und konnten da nicht eindeutige Hinweise finden, dass es wirklich ein Replay auch auf der Traumebene ist. Aber es könnten trotzdem Informationen im Traumerleben sein, die spannend sind. Also eine Sache ist zum Beispiel, wir hatten jetzt gerade eine Umfrage gemacht mit den Schweizer Spitzensportlerinnen und Spitzensportler. Wir haben 2500 Rückmeldungen aus dem Schweizer Leistungssport erhalten. Und das sind etwa fünf Prozent Berichten, dass sie regelmässig an Albträumen leiden. Und das ist natürlich dann auch eine spannende Sache. Also wenn man einen Albtraum erlebt vor einem Wettkampf, dann kann das natürlich die Stimmung negativ beeinflussen. Und dann schneidet man vielleicht auch nicht so gut den Wettkampf ab. Und dann müsste man eben Therapien anbieten können, mit denen man die Albträume losbekommt.
Julia Wess:Du hast jetzt zum einen von dieser Kontinuitätshypothese gesprochen, also dass man das träumt, was man tagsüber gemacht hat. Und zum anderen von Albträumen, was die für einen Einfluss haben können. Wie kann man solche Erkenntnisse denn jetzt für sich nutzen im Training?
Daniel Erlacher:Bei dem normalen Träumen ist es eher so ein Selbstschauen. Also wenn ich jetzt Albträume habe und ich möchte die loswerden, dann gibt es ja relativ einfache Techniken, mit denen man das versuchen kann, in den Griff zu bekommen. Man kann aber auch einfach mal genauer schauen, was sind denn das für Themen, die da in diesen negativen Träumen auftauchen. Häufig sind es eben auch so Sachen wie, dass man zu spät zum Wettkampf kommt. Und dieses zu spät irgendwo hinzukommen, das könnte natürlich dann ein Thema sein, das einen tagsüber auch beschäftigt. Dann kann man versuchen, mit den Träumen ein wenig zu arbeiten und den Grund zu finden, was denn eigentlich das Thema tagsüber ist. Und dann findet man vielleicht da einen relativ guten Ansatz, der einem dann hilft, auch im Wettkampf eine bessere Leistung zu liefern. Da haben wir wenig Studien dazu gemacht. Das ist also eher anekdotisch, aber durchaus denkbar.
Julia Wess:Du beschäftigst dich auch sehr intensiv mit den luziden Träumen. Also der Fähigkeit, den eigenen Traum zu steuern, während man schläft. Ist das möglich? Und welchen Nutzen kann man daraus ziehen?
Daniel Erlacher:Ja, es ist möglich. Also Klarträume existieren. Man kann die ins Schlaflabor holen und kann die dann da auch untersuchen. Und man kann auch eine gewisse Validierung anbieten, also zeigen, dass das tatsächlich funktioniert. Weil, wie du schon richtig gesagt hast, ist ein Klartraum, zeichnet sich dadurch aus, dass der Träumende während des Traumgeschehens erkennt, dass er träumt. Und zu einem grossen Teil kann er dann auch den Traum selbst gestalten. Er kann dann entscheiden, ob es nach links oder nach rechts geht. Er kann sich aber eben nicht mitteilen, weil Klarträume finden zu 98 Prozent in REM-Schlaf statt, den wir vorher schon hatten, den Traumzustand. Und in diesem Schlafstadium ist man neben diesen aktiven Augenbewegungen und dem relativ aktiven Gehirn, ist man in einem sehr heruntergeregelten Körper gefangen, sage ich jetzt mal so. Das heisst, die Körperatonie herrscht, also die Muskellähmung ist stark ausgeprägt. Wenn ich also im Traum irgendwie winke, dann bewegt sich da an meinem schlafenden Körper nichts. Das ist auch ganz gut. Der Mechanismus schützt uns davor, unsere Träume auszuagieren. Aber die Augenbewegungen sind eben nicht gelähmt. Und dann kann man Klarträumende im Schlaflabor dann fragen, wenn sie erkennen, dass sie träumen, eine Augenbewegung links-rechts, links-rechts durchzuführen. Und das können wir über EOG-Messungen, über das Elektrookulogramm, also die elektrische Messung der Augenbewegung, dann wunderbar in unserer Aufzeichnung sehen, wie dann die Augen hin und her springen. Wenn der im Traum schnell nach links-rechts-links-rechts guckt, dann hat man so einen schönen Zickzack-Verlauf im EOG. Und das ist dann praktisch eine Botschaft aus dem Traumreich. Und auf der anderen Seite ist er aber im unveränderten REM-Schlaf. Muskelatonie ist vorherrschend, kein Anzeichen von Aufwachen. Das heisst, er ist jetzt gerade da drüben in der Traumwelt und macht irgendwas. Und das, was wir uns gefragt haben, oder was ich mich gefragt habe als junger Student, kann man den Traumzustand eben nutzen, um neue motorische Fertigkeiten zu lernen, so wie ein Basketball-Freiwurf.
Julia Wess:Ihr gebt den Versuchspersonen also den Auftrag, sobald sie sich in diesem luziden Traum befinden, die Augen zu bewegen. Der Auftrag ist also schon am Abend da, bevor sie schlafen gehen.
Daniel Erlacher:Genau.
Julia Wess:Und so könnt ihr das dann messen.
Daniel Erlacher:Richtig, genau.
Julia Wess:Und können die Versuchspersonen sich dann am nächsten Morgen daran erinnern, dass sie so einen Traum hatten?
Daniel Erlacher:In der Regel, wenn wir die im Schlaflabor haben und die in einen Klartraum kommen und uns mitteilen mit links-rechts Augenbewegung, dass sie gerade träumen, dann haben die auch immer die Instruktion am Ende ihres Klartraums, was auch immer sie dann da tun mussten, sich selbst zu wecken. Das können die Klarträumenden in der Regel, haben die da so Techniken, um sich selbst auch aufzuwecken. Und wenn sie das nicht selbst hinkriegen, dann wecken wir sie auf, weil wir wollen einen frischen Traumbericht haben zu den Ereignissen, die da gerade vorher passiert sind. Weil wir das natürlich dann validieren müssen, die physiologischen Messungen, die wir da haben mit den Traumereignissen. Von daher ja, genau so funktioniert das.
Julia Wess:Du sprichst jetzt von Klarträumenden. Wie viel Prozent sind denn klarträumend?
Daniel Erlacher:Also Klartraum und Luzidertraum würde ich synonym benutzen. Das ist also die gleiche Bedeutung. Das haben wir schon vor Ewigkeiten repräsentative Umfragen für Deutschland gemacht. Das dürfte für die Schweiz ähnlich gelten. Etwa die Hälfte kennt es nicht, hat noch nie einen Klartraum. Die andere Hälfte kann man noch einmal etwas unterteilen. 20 Prozent der Gesamtbevölkerung haben häufig Klarträume. Häufig ist bei uns einmal pro Monat oder mehr. Und ein Prozent hat sehr häufig Klarträume, also mehrmals pro Woche.
Julia Wess:Dann kommen wir zurück zur Frage, was man denn damit machen kann. Ist es denn jetzt möglich, in solchen Klarträumen motorische Sachen zu trainieren oder allgemein sportliche Leistungen zu trainieren?
Daniel Erlacher:Ja, also das haben wir natürlich untersucht. Wir haben drei Studien vorgelegt. Das ist schon länger her. Und da konnten wir in allen drei Studien zeigen, dass tatsächlich, wenn man etwas im Traum übt, die Leistung in der Tätigkeit vom Abend zum Morgen besser wird. Und das verglichen zu einer Kontrollgruppe, die eben nicht übt, In einer Studie auch verglichen mit einer Gruppe, die sich für die gleiche Zeit mental mit der Aufgabe auseinandergesetzt hat. also die sich dann praktisch für die gleiche Zeit mental mit der Aufgabe auseinandergesetzt hat, zu trainieren. Man kann sich das so vorstellen, wir geben denen eine relativ einfache motorische Aufgabe mit, die sie dann im Traum üben sollen. Und am Abend zuvor messen wir diese Tätigkeit im Wachen, zum Beispiel am Fingertapping, das war eine Sache, oder Münzwerfen oder Dartwerfen. Haben wir dann praktisch einen Ausgangswert, wie gut sind die in dieser Aufgabe am Abend. Dann sollen die so lang wie möglich im Klartraum trainieren, am nächsten Morgen werden sie wieder getestet und dann die Differenz sozusagen der Leistungszuwachs. Und das funktioniert eben für diese drei Aufgaben ganz gut. Aber man muss dazu sagen, viel mehr Studien dazu gibt es nicht. Also man muss da immer noch vorsichtig sein. Auch wir sind da immer noch kritisch, weil es sehr viele Alternativerklärungen vielleicht auch gibt, sowas wie Motivation. Man müsste noch viel besser kontrollieren. Aber uns fehlt da einfach die finanzielle Unterstützung, um solche Studien grossflächig durchzuführen.
Julia Wess:Und vielleicht auch genügend Personen, die von Klarträumen berichten, nehme ich an.
Daniel Erlacher:Das ist immer ein Problem, dass man erst einmal diese ein Prozent auch finden muss und die überzeugen muss, ins Schlaflabor zu bringen. Aber das ist natürlich auch wieder ein finanzielles Aspekt, wenn man denen natürlich dann die Anreise bezahlen kann und eine Versuchspersonenvergütung, dann ist es schon wieder einfacher. Und was wir jetzt gerade in einem aktuellen SNF-Projekt machen, wo wir Forschungsgelder haben, ist eben versuchen, Menschen, die vorher noch nicht so gut geübt sind, zum Klarträumen zu bringen. Also dass wir so Klarträume induzieren im Schlaflabor, das ist etwas, wo wir gerade sehr viel dran forschen.
Julia Wess:Ist es in dem Fall auch möglich, wenn man noch nicht klarträumt, das zu trainieren?
Daniel Erlacher:Sehr wahrscheinlich. Ganz hundertprozentig können wir es nicht sagen. Aber unsere Erfolgsquote liegt so zwischen 20 und 50 Prozent für jemanden, der einmal ins Schlaflabor kommt, dann hat er in dem Rahmen eine Möglichkeit, einen Klartraum bei uns zu erleben.
Julia Wess:Wir kommen schon zum Schluss vom Podcast. Wenn du unseren Zuhörern dann noch eine Botschaft mitgeben könntest, was das Wichtigste von der Verbindung Schlaf-Sport ist, was für eine Botschaft würdest du ihnen mitgeben wollen?
Daniel Erlacher:Ja, es ist auf jeden Fall ein spannendes Thema. Und wenn es mal am Tag nicht so klappt, dann kann man ja durchaus mal in die Nachtzeit reingucken, sei es in den Schlaf selbst, wie die Schlafqualität ist und ob man da was verbessern kann oder umgekehrt auch mal in die Träume reinschauen. Vielleicht steckt da auch was Interessantes drin, was man ja am Tag weiterbringt.
Julia Wess:Ein bisschen genauer hinschauen in dem Fall.
Daniel Erlacher:Ja.
Julia Wess:Super, vielen Dank für das spannende Gespräch und den interessanten Einblick in das Thema.
Daniel Erlacher:Ja, danke.
Julia Wess:Und Ihnen, liebe Zuhörende, vielen Dank fürs Dabeisein und bis zum nächsten Mal.[Musik]