Ekzteins Gedanken
"Ekzteins Gedanken" Der Podcast bietet Menschen mit Interesse an Fragen nach christlicher Spiritualität Impulse. Andachten, Predigten, Information und Einblicke in die eigene Spiritualität. Gastgeber ist Markus Nietzke. Vielen Dank für´s Zuhören!
Ekztein's Musings - This podcast offers inspiration to people with an interest in questions about Christian spirituality. Devotions, sermons, information and insights into their own spirituality. The host is Markus Nietzke. Thank you for listening!
"Ekztein se Gedagtes" Hierdie podcast bied impulse aan mense aan wat belangstel in vrae oor christelike spiritualiteit met oordenkinge, preke, inligting en insigte.
Ekzteins Gedanken
Weihnachten im neuen Jahr? Eine Spurensuche in der Provence
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Wenn die Lichterkette im Karton verschwindet, bleibt oft mehr zurück als wir merken: ein Duft, ein Lied, eine Geste am Tisch. Wir nehmen dich mit von Hermannsburg über Hannover nach Marseille und weiter nach Saint-Chamas, wo Weihnachten nicht mit einem Datum endet, sondern langsam ausklingt. Zwischen Krippenlandschaften und Santons entdecken wir eine Tradition, die aus einer Krise wuchs: Als Kirchen geschlossen wurden, zog Bethlehem in die Wohnzimmer, und mit ihm das Dorf, die Berufe, die Tiere, der Alltag. So wird die Krippe zum Spiegel des Lebens und begleitet die Menschen vielerorts bis zum 6. Januar.
Unterwegs legt sich ein Vers wie eine leise Überschrift über die Tage: Gott lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele und mit aller Kraft. Was zunächst übergroß klingt, wird im Rhythmus der Reise handfest: nicht halbherzig leben, das Innere nicht abkoppeln, die Kraft sinnvoll ausrichten. Diese Haltung zeigt sich im Konkreten. Am Tisch zieht sich Aligot zäh und tröstlich, der Mont d’Or duftet warm, die 13 Desserts breiten den Winter in schmeckbaren Farben aus. Jede Schale, jedes Stück Nougat, jede Orange ist Erinnerung und Einladung, Gemeinschaft nicht zu behaupten, sondern zu praktizieren.
Dazwischen schenken Spaziergänge am Étang den Kopf frei, ein Kaffee Noisette setzt einen Akzent, Geburtstage und Tapenaden verweben Alltag mit Festen. Am 6. Januar erinnert die Galette des Rois spielerisch daran, dass Zugehörigkeit ein geteiltes Gut ist. Am Ende bleibt eine Einsicht: Weihnachten ist weniger ein Termin als eine Übung. Wer teilt, wer Pausen einlegt, wer Herz, Seele und Kraft sammelt, lässt das Fest weiterklingen.
Thanks to Hindenburg Systems for the sesssion files: “The Sound of Christmas” interviews, ambience, narration, scratch music - joyful, nostalgic, chaotic, quiet, hilarious, meaningful.
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Mail: nietzke@selk.de
Thanks for listening & be blessed!
Danke fürs Zuhören. Gottes Segen!
Music: Created with Suno (AI) / Musik teils erstellt mit KI / @ Pixabay Music, in some Podcasts: K.G. Gerster / Radulatis
Reise Als Beginn Der Spurensuche
Krippenlandschaften Und Santons
Vom Öffentlichen Ins Private
Monatspruch Und Alltagstauglichkeit
Tischkultur Und 13 Desserts
Spaziergänge, Kaffee, Gewohnheiten
Gastfreundschaft Als Lebensform
Königskuchen Und Zugehörigkeit
Herz, Seele, Kraft
Rückweg Und Fazit
SPEAKER_00Was bleibt von Weihnachten, wenn der Kalender schon auf Januar und auf ein neues Jahr umgeschlagen hat? Ich wollte das wissen. Also begab ich mich auf Spurensuche. In der Provence. Weihnachten hat ja diesen komischen Effekt, offiziell ist es schon nach wenigen Tagen vorbei, aber es wirkt manchmal noch nach. Zwischen den Jahren, mindestens aber bis zum 6. Januar. In Gerüchen, in Liedern, in Ritualen. Ich habe den Verdacht, es gibt Orte und Gegenden, da endet Weihnachten nicht abrupt mit einem Datum, sondern es läuft aus wie eine Spur im schmelzenden Schnee. Langsam, sichtbar. In dieser Folge nehme ich dich mit auf eine Reise von Hermannsburg über Hannover nach Marseille, nach St. Chama. Es geht um Krippelllandschaften, um Santon, kleine, bunte bemalte Tonfiguren, um einen Bibelspruch und um Essen. Alligot, Ofenkäse aller Mont d'Or, Die 13 Desserts und am Ende der Königskuchen im Januar. Das Ganze ist keine klassische Reisereportage, eher eine kleine Recherche. Willkommen! Ich bin Ihr Gastgeber Markus Nietzsche und dies ist eine Spurensuche nach Weihnachten im neuen Jahr. Damit du dich gut orientieren kannst, drei Leitfragen für diese Folge. 1. Wie sieht Weihnachten aus, wenn es in den Alltag hineinwächst, statt nur im Kalender zu wohnen? 2. Um den Monatsspruch für den Januar 2026 aus der Bibel, du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und was das bedeutet. Und drittens, warum sind Krippen in der Provence so viel mehr als reine Dekoration? Was, wenn sich Weihnachten nicht auf einen Schlag, sondern in vielen kleinen Stationen auflöst? Praktisch beginnt diese Spurensuche ganz schlicht mit einer Autofahrt von Hermannsburg nach Hannover, einem Flug von Hannover über München nach Marseille und dann wieder mit dem Auto weiter nach Saint-Germain. Schon auf dieser Strecke merke ich, das ist nicht nur ein Ortswechsel, da ist mehr. In Deutschland ist Weihnachten oft wie ein Schalter, an und dann plötzlich wieder aus. Aber es wird nicht plötzlich dunkel. Es wird langsam weniger hell. Und genau dieses langsame weniger war für mich interessant. Wir fahren also nach Saint-Chamin. Wir sind bei Freunden zu Besuch und damit ist die beste Grundlage für so eine Recherche schon da. Kein Programm, kein Muss, keine Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern Alltag. Gespräche in der Küche und im Wohnzimmer. Und zwischendurch Zeit für meine Gedanken zur Spurensuche. Wo taucht Weihnachten jetzt noch auf an diesem für mich eigentlich fremden Ort? Für mich ist das ein wichtiger Moment. Du kommst am Reiseziel an und plötzlich wird aus dem Besuch doch eine kleine Expedition. Wir besichtigen zum Beispiel eine Krippenlandschaft, die nicht nur die Weihnachtsgeschichte zeigt, sondern eine ganze Welt. Ja, da ist natürlich der Stall und die heilige Familie das biblische Zentrum. Aber rundherum Alltag. Menschen in Bewegung, Berufe, Tiere, Szenen aus dem provinzialischen Leben. Mittendrin diese Figuren Santons de Provence, kleine Figuren aus bunt bemaltem Ton. Geschichtlich spannend. Diese Tradition hängt, wie man so sagt, mit einer Krisenzeit zusammen. Die Entstehungsgeschichte der Santons reicht zurück bis 1792 zur Französischen Revolution. Religiöse Veranstaltungen wurden verboten, Kirchen blieben geschlossen. Aber zur Weihnachtszeit keine Krippe in der Kirche. Für viele war das unvorstellbar. Genau da entsteht etwas Überraschendes. Wenn der öffentliche Raum dicht ist, wandern die Rituale ins Private. Die Leute bauen Bethlehem in Miniatur nach, bei sich zu Hause. Dazu gehört der Stall und die heilige Familie. Aber es bleibt nicht bei dieser Bibelszene. Nach und nach kommen immer mehr Figuren dazu, Menschen aus dem Dorf, traditionelle Berufe, typisch provinzialische Kleidung. Die Krippe wird eingebettet in ein Ort, in ein Dorf und wird so zum Spiegel des Alltags. Ich finde das theologisch und kulturell interessant. Religion als Linse. Die Botschaft des Evangeliums wird nicht neben das Leben gestellt, sondern mitten ins Leben hineingeholt. So ist die Krippe nicht nur für die Feiertage da, sondern sie bleibt stehen, auch nach Weihnachten, und sie begleitet teilweise bis zum 6. Januar. Diese Tradition zeigt mir, Weihnachten läuft hier nicht abrupt aus, sondern es zieht sich ein wenig hin in Erzählungen, vielleicht als ein Rhythmus, als Zeit, in der man noch nicht einfach schon wieder weiter ist. Kurzer Zwischenstand Eine Spurensuche zeigt erste Erfolge. Da ist also eine Krippe, die nicht nur biblisch ist, sondern eingebunden in ein kleines Dorfporträt aus Ton. Und an dieser Stelle, zwischen Krippe und Alltag, bleibt bei mir ein Satz hängen, der mich auch gerade in dieser Woche im Tagebuch schreiben begleitet. Der Monatspruch, der wie eine leise Überschrift über dem Ganzen steht, du sollst den Herrn deinen Gott lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Wenn ich diesen Satz höre, klingt er zuerst groß, fast zu groß. Aber vielleicht ist er doch alltagstauglich. Von ganzem Herzen, das heißt für mich, nicht halbherzig leben, nicht einfach nur funktionieren. Von ganzer Seele, das heißt, das Innere nicht abkoppeln, sondern mitnehmen, auch wenn es unordentlich ist. Und mit all deiner Kraft, das heißt nicht immer mehr und mehr leisten, aber das, was ich heute an Kraft habe, in Richtung Gottvertrauen lenken. Vielleicht ist das die Spur von Weihnachten im Januar, nicht der perfekte Glanz, sondern eine Art Ausrichtung. Jeden Tag neu, manchmal nur in einer ehrlichen Bestandsaufnahme wie im Tagebuch schreiben. Jetzt kommt der Punkt, an dem französische Kultur fast immer am deutlichsten wird. Am Tisch. Da gibt es zum Beispiel Alligot, dieses kräftige Kartoffelgericht mit Käse, das man eher zieht als rührt. Essen, das auch irgendwie nach Winter aussieht, aber auch nach Gemeinschaft. Oder etwas, das man in Deutschland vielleicht als Ofenkäse beschreiben würde. Die Käsesorte Mond d'Or, Warm, Duftend, geteilt. Das alles ist kein Essen für nebenbei. Das ist Essen, das Leute zusammenbringt und zusammenhält. Wir sprechen am Tisch über die 13 Desserts. Nicht als Nachtisch, sondern wie eine kleine Landschaft auf dem Tisch. Da liegen Feigen, Datteln, Rosinen, als hätte jemand den Winter in Handvollportionen abgefüllt. Dazu kandierte Früchte, die aussehen, als würden sie Licht speichern. Mandeln und Nüsse knacken trocken, fast wie ein Geräusch dazu. Trauben und Orangen bringen frische Farbe hinein. Und dann dieser Moment, wenn das Nougar, weiß oder schwarz, wie zwei kleine Gegenpole neben dem Gewäck liegt. Dazu auch noch etwas Brot, so als würde das Brot sagen, ich gehöre doch selbstverständlich dazu. Und schließlich der Büche de Noël, ein Weihnachtsklotz aus Kuchen und Birnen und mehr. Und ich entdecke, das Schöne dabei ist, du isst das nicht nur einfach, es ist eher wie eine Geschmacksnote nach der anderen, ein Ritual, das die Weihnachtsgeschichte nicht erklärt, sondern schmecken lässt. Zwischendurch geht's immer wieder mal raus, ein Spaziergang am Etain de Bern. Und da passiert etwas, das man leicht unterschätzt. Ich höre, wie das Wasser gluxt. Der Wind, der Mistral, macht den Kopf frei und du merkst, wie sehr Weihnachten auch eine Stimmung ist, nicht nur eine Terminabfolge. Wenn Traditionen klug gestaltet werden, geben sie dir genau solche Pausenräume. Später ein Zwischenstopp im Stadtzentrum. Kaffee Noisette, eine winzig kleine Tasse Kaffee mit nicht mehr Milch als in eine Nuschschale passt. Nur ein kleines Detail, ich weiß, aber es gehört zu meiner Spurensuche. Auch ein Kaffee in Gemeinschaft kann ein Ritual sein. Ein Moment, in dem man merkt, hier ist Alltag, aber nicht nur nüchtern. Er hat Geschmack. Es ist eine Gewohnheit durchaus. Aber auch Kultur. Dann feiern wir zwei Geburtstage. Es gibt Kuchen, ganz selbstverständlich, Afet, Ün Gateau. Immer wieder gibt es bei Mahlzeiten Tapennaden, Olivenpasten in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Und das Ganze klingt jetzt vielleicht nur nach, das ist doch alles nur Essen, ist es aber nicht. Es ist Gastfreundschaft als Lebensform. Und wer nach Weihnachten im Januar sucht, landet also hier bei Menschen, die teilen. Zeit, Essen, Geschichten, Dekoration. Und plötzlich passen sogar Tische und Gespräche dazu, weil Liebe nicht abstrakt bleibt, sondern sie bekommt Hände, Zeit, Brot und offene Türen. Ein Januarritual schlechthin findet am 6. Januar statt. Es gibt La Galette de Roy oder auch Gâteau du Roy. Blätterteigkuchen, in dem eine Bohne oder eine kleine Figur eingebacken ist. Wer die findet, ist König oder Königin des Tages. Das ist herrlich spielerisch. Es sagt etwas über Gemeinschaft aus. Für einen Tag wird jemand gekrönt, nicht wegen einer Leistung, nicht wegen seines oder ihres Ranges, einfach weil das Leben es manchmal so verteilt. Und alle anderen spielen mit. Ein kleines Fest der Zugehörigkeit. Bevor ich gleich zusammenfasse, noch einmal dieser Monatsbruch, der mich begleitet. Du sollst den Herrn, deinen Gott lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft aus dem fünften Buch Mose, Deuteronomium. Ich höre darin drei Räume, die zusammengehören. Herz, Seele und Kraft. Das Herz, das Zentrum der Entscheidungen. Wofür schlägt mein Herz eigentlich? Die Seele mein Innenraum. Was darf dort da sein? Was darf dort sozusagen weiter Raum gewinnen? Kraft, mein Handlungsspielraum. Das, was ich heute tatsächlich geben kann und möchte. Da denke ich, das ist keine Forderung nach Überleistung. Es ist eine Einladung zur Ganzheit. Nicht zerrissen leben, sondern gesammelt, gefasst. Und vielleicht ist das die tiefste Spur von Weihnachten im neuen Jahr, dass Liebe nicht an einem Datum hängt, sondern an einer Ausrichtung des Herzens, der Seele, der Kraft. Der Rückweg mit dem Flugzeug wieder von Marseille nach Hannover und dann wieder mit dem Auto zurück nach Hermannsburg. Aber diese Spurensuche hat sich gelohnt. Weihnachten ist nicht nur ein Fest, das man begeht. Es ist etwas, das man offenbar einübt. In Formen, in Bildern, in Essen und Trinken, in Gemeinschaft. Ich danke fürs Zuhören. Bis zur nächsten Folge. Auf Wiedersehen.