“Heute geht es um das Thema vom Fließband zur Arbeit. Wie repetative Prozesse unsere Zeit stehlen. Was ist so ein repetitiver Prozess?

Repetitive Prozesse?

Immer wiederholend, ein Repetiergewehr kennst du bestimmt von Call of Duty.

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge BIM & Bier. Heute besprechen wir das Thema vom Fließband zur Arbeit. Wie repetitive Prozesse unsere Zeit stehlen.

Ich bin Falk Wagner und dazu spreche ich heute mit Gerrit Hoppe und Shahin Farazadi.”

“Mitgebracht haben wir euch heute ein Bier, was aus einer Zusammenarbeit von zwei Brauereien entstanden ist und zwar von Kamba, bekannt für bayerische Biere, kommt auch aus Seon, also ein Ort in Bayern. Und Omnipolo, vermute, dass man es so ausspricht, die kommen aus Schweden und die sind bekannt dafür, dass sie besonders schöne Logos gestalten, besonders schöne Flaschen, weil die auch aus einer Gründung von einem Brauer und einem Künstler entstanden sind. Und die haben das Bier gebraut, der schwedische Lehrling.

Sieht sehr cool aus, die Flasche, so mit Neonfarben. Und neben dieser super gestalteten Flasche, für Omnipolo becanthus, wurde ein besonderes Brauverfahren eingesetzt, nämlich das Dekognitionsmaischverfahren. Anders als beim normalen Infusionsverfahren, wird bei der Dekognition ein Teil der Maische abgetrennt, nochmal aufgekocht, anschließend wieder zusammengeführt.

Dadurch entstehen nochmal besondere Aromen. Und zum Einsatz kommen Hauptsorten wie Euris Warrior, Hallertauer, Tetnanger. Die letzten beiden kennen man ganz gut.”

“Und die Speiseempfehlung ist interessanterweise scharfe Gerichte und reifer Käse. Wohl bekommst du sie.

Ich finde es geschmacklich und spannend auf jeden Fall. Es ist ein schwer faszinierendes Bier. Und ich versuche gerade den Vergleich zu einem der anderen Biere aus einer anderen Folge herzustellen.

Schmeckt mir nicht so gut wie die anderen Biere. Leider muss ich mich drin eintrinken.

Ich denke, es ist jedem von euch schon mal passiert, dass ihr bei der Arbeit gesessen habt und euch gedacht habt, oh Gott, jetzt mache ich denselben Plan zum zehnten Mal sauber und verschiebe die Linien zum hundertsten Mal. Was gibt es denn da für Lösungen? Hilft BIM dabei, sowas zu verbessern?

Was sagt ihr? Das ist natürlich eine ziemlich offene Frage, weil es gibt natürlich ganz viele Punkte, wo BIM das verbessert. Vielleicht was hinter dem Titel steht, ist auf jeden Fall die Frage, warum denn Fließband zur Arbeit?”

“Also Fließband ist ja eigentlich auch Arbeit. Aber Fließband zeichnet sich dadurch aus, erstens, dass man häufig das Gleiche macht und zweitens, sich eigentlich im Prozess nicht bewegt. Also ich schraube immer wieder den Klo-Deckel an die Klo-Schlüssel und schraube beim nächsten Mal wieder den Klo-Deckel an die Klo-Schlüssel, schraube den Klo-Deckel an die Klo-Schlüssel und so weiter und so weiter.

Also ich bewege mich überhaupt nicht durch den Prozess. Und diese Prozesse erzeugen zwar ein Produkt, aber für die Arbeitenden ist es eigentlich eine ziemlich mühsame Geschichte. Und das kann man halt zum Beispiel auf einen Planungsprozess übertragen.

Ganz klassisch, kommt eine Änderung in den Bauprozess und ich muss im Grunde das anpassen, okay, aber dann muss ich eben auch den Schnitt anpassen, die Ansicht anpassen, die Türliste anpassen, die Massen anpassen, die Kosten anpassen. Also eine kleine Änderung hat einen Riesen-Rattenschwanz an Fließbandarbeit hintendran, wo einzelne Leute immer das Gleiche tun müssen. Und das wollen wir eigentlich durch den BIM-Prozess auflösen, indem wir diese Prozesse miteinander verbinden.”

“Also man kann sich vorstellen, wir hatten vorher unser Fließband mit allem hintereinander geschaltet und jetzt haben wir alle, naja, weiß ich nicht, zehn Fließbänder nebeneinander, die alle gleichzeitig funktionieren und wenn ich in einem eine Anstellung verändere, dann verändert es sich in allen anderen gleich mit. Und im besten Fall dann automatisiert auch, ne? Natürlich, also es hört sich natürlich total freaky an, man denkt so, ja genau, als wenn man das alles automatisieren könnte.

Da kann man natürlich nur sagen, jein, natürlich kann man das nicht alles automatisieren, darum geht es auch nicht. Wir wollen ja nicht Arbeit verschwinden lassen, wir wollen nur Arbeit sinnvoller machen. Und es gibt natürlich verschiedene Wege, das zu machen.

Wir sind der Meinung, wir wissen ganz gut, welche Wege es da gibt. Nehmen wir doch mal ein konkretes Beispiel, oder? Also ich kann mich noch erinnern, das erste, was ich irgendwie machen musste nach meinem Studium im Architekturbüro, und da werden wahrscheinlich viele sich irgendwie zurückversetzt erinnern oder zurückversetzt fühlen, diese blöden Türlisten.”

“Das war das erste, was ich irgendwie machen musste, als ich in einem Architekturbüro war. Damals mit einem 2D-Programm gearbeitet, wie AutoCard, MicroStation und wie sie auch alle heißen. Und ich hab tatsächlich an einer Excel-Tabelle gesessen und musste jede Tür aus dem Plan überprüfen mit Türnummer.

Musste das in eine Excel-Tabelle eintragen. Jedes Mal, wenn irgendwie ein Kollege was geändert hat, musste er mir eine Notiz schreiben, dass ich das auch in der Türliste anpasse. Oder ich hab das dann irgendwie jede Woche zehnmal gemacht in einem festen Zeitpunkt, den ich mir dann selber gesetzt hatte.

Und da sind trotzdem Fehler entstanden. Wie umgeht man denn sowas? Kann man sowas umgehen?

Wie sieht das aus? Also das ist eigentlich das perfekte Beispiel, die Türliste, weil das schön durch alle Gewerke durchgeht quasi. Und ja, auch scheinbar erstmal eine vermeintlich einfache Aufgabe ist.”

“Wir haben eine Wand, wir schaffen eine Öffnung und wir setzen eine Tür ein. Aber so eine Tür, wie viel es in Architektur hat, hat natürlich unheimlich viele Parameter, die abhängig sind. Jetzt stellen wir uns einfach mal nicht die klassische Wohnungstür vor, sondern eine Tür in einem öffentlichen Gebäude, die vielleicht auch noch eine elektronische Türsteuerung hat, die einen Obentürschließer hat und so weiter.

Also die unheimlich viele Parameter mitbringt, wo wir Strom an der Tür brauchen. Wir haben zum Beispiel in Flursituationen über der Tür einen Durchbruch für die technischen Gewerke. Das heißt, durch Türhöhenveränderungen haben die auch Einfluss auf diese durchgehenden Gewerke.

Und jetzt gibt es diese ganz kleine Änderung. Das wird zum Beispiel das Rahmenmaterial geändert. Dadurch ändert sich der Türausschnitt.”

“Oder es muss eine Einbringungssituation geschaffen werden. Deswegen muss die Tür höher geplant werden als ursprünglich. Und da wäre eben der klassische Prozess gewesen, wie du es beschreibst.

Ich muss an ganz vielen Stellen Änderungen vornehmen. Ich muss im Grunde die Beschriftung ändern. Ich muss gegebenenfalls Schnitter ändern.

Ich muss gegebenenfalls Ansichten ändern, wenn man diese Tür darauf sieht. Das heißt, ich muss schon mal prüfen, sehe ich die Tür auf der Ansicht überhaupt? Da fängt es schon an.

Ich muss das Ganze, was die Durchbrüche angeht, koordinieren. Ich muss mit der TGA darüber sprechen. Ich muss gegebenenfalls mit dem Statiker darüber sprechen.

Ich muss vielleicht mit einem Brandschutzplaner darüber sprechen, weil das geht ja, Tür geht ja dann auch in den Brandschutz rein. Ich muss das Ganze dann umzeichnen und letzten Endes auch in der Türliste anpassen. Und der BIM-Prozess, wenn man den dann komplett aufgebaut hat, geht eigentlich genau andersrum.”

“Ich gehe jetzt in die Türliste und ende in der Türliste die Parameter. Also das ein mögliche Prozess, den ich jetzt beschreibe. Genau, ich ändere einfach den Türtypen, wenn ich vorher eine Typenbeschreibung gemacht habe.

Und im Umkehrschluss ändert sich das alles in den verschiedenen Gewerken. Jetzt kann man ja sagen, ist ja kacke, kontrolliert ja keiner. Das stimmt ja nicht.

Da geht es um solche Themen. Es geht auch in der Kollisionsprüfung um solche Themen. Ich kann relativ schnell Anpassungen vornehmen, ob jetzt in der Türliste oder ich mache es von mir aus im 3D-Modell in Grundriss.

Die Anpassung wirkt sich das direkt auf alles aus. Total geil. Genau, das kann man eigentlich nicht anders beschreiben.

Vor allem, wenn man mal davor in der anderen Welt gearbeitet hat, weiß man, wie krass das ist. Man muss auch dazu sagen, dass das nicht nur dafür sorgt, dass irgendwie Zeit verloren geht. Ich weiß noch, dass ich damals unheimlich frustriert war, dadurch, dass ich das machen musste, weil ich einfach meiner Lebenszeit verkaupte worden bin, sozusagen.”

“Für mich ist immer so bei dem Thema Automatisierung die Fragestellung, okay, was macht man jetzt, wenn man auf einmal Gefilde verlässt, wo nicht schon unfassbar viel Arbeit in Tools entwickelt reingegeben wurde für die Entwicklung, um diese Automatisierung überhaupt so performant an den Start zu kriegen. Aber das ist ja auch ganz schnell das, was passiert. Man sagt halt irgendwie, okay, lassen wir jetzt mal so zwei, drei Informatiker auf das Problem los, weil wir Zeit verlieren, dass man immer wieder dieselbe Aufgabe macht.

Und im Zweifel brauchen die zwei bis drei Informatiker deutlich länger, um eine allgemein gültige Lösung zu finden, um zu automatisieren, damit ich es selbst nie wieder tun muss, als die Aufgabe, die ich jetzt selbst quasi lösen müsste. Das ist natürlich bei dem Türenbeispiel so ein Ding, hat A, keiner Bock drauf, da passieren auch unfassbar viele Fehler, da habt ihr gerade eigentlich schon ganz gut sämtliche Problemstellungen durchleuchtet. Aber alleine Schnittstellen, wo ich eine Automatisierung selbst programmieren kann, führt meistens eigentlich eher dazu gefühlt, dass man mehr Arbeit generiert, um zu einer Lösung zu kommen, die ich händisch deutlich besser und kontrollierter hätte machen können.”

“Ja, ich bin nicht anderer Meinung. Ich verstehe genau, was Gerrit meint. Ich glaube, dass der Begriff Automatisierung hier nur nicht richtig gesetzt ist.

Also es geht bei dem Prozess nicht darum, alles möglich zu automatisieren, so dass es automatisch passiert. Das hat natürlich keiner mehr da was mit zu tun. Ich drücke irgendwo ein Knopf und dann bing, bing, bing passiert was alles.

Das ist nicht das Thema. Das Thema geht darum, und das hat Gerrit auch erwähnt, das Thema Schnittstellen, es geht darum, Verknüpfungen herzustellen. Das ist der Automatisierungsteil quasi.

Jetzt stellen wir uns mal vor, wir sind wieder bei dem Türlistenbeispiel. Wir machen also eine Änderung, die zum Beispiel irgendein Projektleiter bei den Türen vornimmt oder ein Bauherr. Das ist ja meistens der, der die Änderungen vornimmt.”

“Das wird übertragen in eine Liste, die in irgendeinem Termin zum Beispiel abgestimmt wurde. Und dann muss ja irgendwer das koordinieren. Man muss ja diese Änderung übergeben, an die ganzen Schnittstellen, die hinten dran hängen.

Da gibt es in jedem Größen- und Architekturprojekt oder in jedem Größen- und Bauprojekt die berühmte Schnittstellenliste, wo da drin steht, wann was übergeben wird, wer für was zuständig ist usw.

Im BIM-Prozess ist das ja schon beschrieben, zwangsweise beschrieben. Das heißt, das Wissen ist schon da. Und ich kann diesen Teil, diesen Teil der Übergabe jetzt automatisieren.

Also das heißt nicht zum Beispiel, dass die Tür sich im Modell automatisch ändert, sondern das heißt eigentlich, dass der Konstrukteur im Modell eine Meldung kriegt, da will jemand diese Tür ändern. Oder diese Tür wird jetzt geändert nach diesen, diesen Parametern, weil der Typ sich geändert hat. Passt bitte die umgebende Bedingung an, also zum Beispiel Bretonnage geändern, Türsturz ändern und so weiter.”

“Also es geht nicht darum, den Menschen sozusagen durch eine Automatisierung aus dem System zu entfernen, sondern eigentlich den, derjenige, der es tun muss, der die Arbeit machen muss, der quasi am Fließband steht, den so optimal zu unterstützen, dass eigentlich, dass er vom Fließband wegkommt und eigentlich wieder, und da sind wir wieder beim Thema Qualität, eher eine kontrollierende Aufgabe hat, eher tatsächlich sein Wissen einsetzen kann. Ich meine, wie viele Architekten kennen wir, die haben Architektur studiert, die haben 100% Entwurf gemacht, fangen an zu arbeiten und von diesem, was sie gelernt haben, das Koordinative, so ein Projekt zu führen, zu entwerfen, das fällt alles weg, das ist vielleicht noch 5% der Arbeit. Die meiste Zeit sitzt er da und ist in irgendwelchen Excel-Tabellen unterwegs oder muss irgendwas umzeichnen, unkonstruiert, wie auch immer.

Nochmal, bei dem Part bin ich vollkommen bei dir. Das verstehe ich auch, das sehe ich auch ähnlich. Gerade wenn es in Projekten Schnittstellenlisten gibt, die dann auch durch Tools besetzt werden, die einfach schon da sind, entwickelt wurden, mag das auch zuträglich sein.”

“Aber so zunehmend in dieser ganzen Welle der Digitalisierung, die wir eigentlich auch in allen Bereichen, auch der Bauindustrie im Augenblick bemerken, fällt halt immer wieder dieses Wort Automatisierung oder auch eine Programmierung dessen rein, dass man halt sagt, okay, zusätzlich zu den von, sagen wir, der IT-Seite dieser Industrie gegebenen Tools, die ja auf jahrzehntelange Erfahrungen und auch Entwicklungszeiträume zum Teil basieren, um genau diese Prozesse, die ihr jetzt beide beschrieben habt, hervorzubringen, im Grunde genommen ja, beinahe emuliert werden sollen von einer ganz kleinen Zahl an Leuten, die das mal eben schnell machen sollen. Im Zweifel der Student, der da gerade von mir aus in Revit mit Dynamo irgendwas programmieren soll, was dann auf jedes Projekt dann auch gleichermaßen anzuwenden ist. Sprich, anstelle mit dem Problem oder der Aufgabe umzugehen, wird dann eine Automatisierung angestrebt, die eigentlich in der Qualität, meistens gar nicht so vollwertig, wie der Arbeitsprozess an sich sein kann.

Also wir sprechen die ganze Zeit eigentlich über einen Prozess. Und das ist was, was glaube ich viele, die mit hier unterwegs sind, kennen, diese klassischen Planungsänderungen. Ich denke gerade an einen anderen Prozess, der es vielleicht auch noch mal beschreibt.”

“Und zwar dieses Thema, ja eine Anwarnung eines Projektes. Oder bewegen wir uns mal in einer LP3. Da geht es darum, zum Beispiel eine Fassadenentscheidung zu treffen.

Oder eine räumliche Entscheidung im Innern des Gebäudes zu treffen. Und dann ist es die Aufgabe, von wem dann auch immer, wahrscheinlich irgendjemand aus dem Architekturbereich, verschiedenste Darstellungen dazu zu finden. Ein Modell zu bauen und so weiter, um sich dem der Problemstellung anzunähern.

Und die Möglichkeiten, die wir heute haben, und deswegen ist es auch gut, dass du dabei bist, Gerrit. Ich denke da gerade an so ein Thema wie VR. Was macht VR an der Stelle?

Warum ist VR nicht mehr Fließband? Weil VR mir jetzt plötzlich die Möglichkeit bietet, tatsächlich Raum zu erleben. Natürlich virtuellen Raum, ist klar.

“Und mir dadurch die Möglichkeit gibt, ich brauche nicht mehr zwangsläufig ein gebautes Modell, also ein Pub-Modell, also ein Modell, was ich anfassen kann. Und ich muss nicht 48 Ansichten rendern lassen, um einen Eindruck zu bekommen, sondern ich kann mich in das Gebäude reinbewegen. Und ich rede jetzt nicht von High-End-VR-Rendering-Video-Themen, wo wir uns durch eine Realwelt bewegen, sondern manchmal reicht ja auch ein sehr runtergebrochenes Thema.

Also, was ich meine, es geht nicht immer nur um einen Planungsprozess dabei, sondern es geht auch darum, die Themen zu vereinfachen und dadurch sogar besser zu machen. Also ich glaube, dass das Erlebnis, was man durch so eine VR-Darstellung hat, und mir geht es ganz klar darum, man muss sich in das Modell reinbewegen können, einfach nur ein Modell auf einem Monitor zu sehen, das funktioniert nicht. Man kommt nicht an ein räumliches Gefühl in dem der Tiefer ran.

Dass das einfach diese Arbeit, die dahinter steckt, dauernd irgendwelche Rendering zu erstellen und die Kosten, die es auch erzeugt, die aus einem System rauszunehmen. Also, auch da ist dieses Thema drin.”

“Bin ich bei dir, habe ich natürlich ein bisschen eine aparte Meinung auch zu, weil du hast es selbst gerade genannt, Ansichten, die einfach da mal auf Knopfdruck gerendert werden, wo so ein bisschen der Soul fehlt. Das Spannende daran ist, du hast es gerade beiläufig so ein bisschen auch beiseite geschoben, das Pappmodell, was dann halt nicht mehr gebaut werden muss, weil das ersetzt wird und so. Also gerade der, sagen wir mal, schaffende Architekt hat ja seine verschiedenen Modi, wie er überhaupt sich einem Entwurf nähert.

Es gibt halt ganz viele, die machen das mit Stift und Papier. Ich persönlich muss sagen, mir hat es immer extrem geholfen, eben diese Pappmodelle erstmal zu bauen, weil alles, wo ich selbst keinen Bock hatte, das händisch zu schneiden, habe ich dann auch im Entwurf einfach anders gelöst. Weil alles, was irgendwie schwierig umzusetzen war, habe ich dann einfach wirklich gemerkt, hey, das ist Quatsch, das mache ich anders.

“Zum einen, weil ich extrem viel Zeit da rein investieren musste, die Werkstücke überhaupt herzustellen. Gleichzeitig aber auch, weil ich tatsächlich nicht feinmotorisch begabt bin und deswegen eine große Frustration zum Teil auch erlebt habe. Wenn du jetzt Automatisierungsstritte da reinbringst, kann man ja alles lösen.

Mit Lasercutter und 3D-Drucker, stellst du dich hier hin, guckst im Zweifel erstmal 48 Stunden dabei zu, wie da irgendwas rausspuckt, wenn da mal so ein Druck klappt. Und hast du auf einmal festgestellt, dass du so einen falschen Maßstab produziert hast. Beim Lasercutter fällt das Schneiden vielleicht weg, aber du musst trotzdem eine Feinmotorik und dementsprechend auch hohes Frustrationstoleranzmaß haben, um die ganzen kleinen Schnipsel aneinander zu kleben, die auch nicht so aussehen.

Und es geht auch sehr viel von dem Soul wieder verloren. Und das finde ich gerade, um auf das Thema VR wieder zurückzukommen. Ganz spannend daran, weil jetzt natürlich auch gerade im Zuge von BIM, gerade auch in Kombination mit VR, eine Sache, die wir ja auch im Grunde genommen immer wieder hochhalten, sich auch wieder dieses Automatisierungsthema so unfassbar breit macht.”

“One-Click-Rendering oder One-Click-Visualisierungsmöglichkeiten über Tools, die es dafür am Markt gibt, die alle ihren Sinn und Zweck innerhalb dieser Planungs-Wertschöpfungskette haben können, aber im Zweifel nicht allumfänglich diese Prozesse jeweils ersetzen können. Und sobald meiner Meinung nach so ein bisschen dieses Souls verloren geht, das kennt jeder, der einfach mal ohne Einstellung zu machen ein rendering, ein statisches Rendering sogar erzeugt hat, wird feststellen, dass das nicht so viel überträgt wie tatsächlich vielleicht ein Bild, was ich entweder von Hand gescribbelt habe oder auch tatsächlich viel Arbeit noch zusätzlich da rein investiert habe, um die Qualitäten wirklich hervorzubringen. Das ist einfach so ein bisschen die Gefahr, die ich sehe, dass das halt zum Teil mit weg automatisiert werden könnte.

Du hast in gewisser Weise mir die perfekte Vorlage gelegt für eine andere Argumentation. Natürlich. Es geht natürlich nicht darum, die Saule aus dem Architektur-Entwurfsprozess zu entfernen.”

“Das sehe ich auch nicht in dem ganzen BIM-Prozess. Wir bewegen uns ja in den Prozessbeschreibungen, die wir machen, schon längst in einer Phase, wo es nicht mehr viel um Entwurf geht. Da gibt es technische Detaillösungen dann am Ende.

Und ich bin genau deiner Meinung, also diese volle Automatisierung mit dem berühmten One-Click-Rendering halte ich auch für totalen Blödsinn. Weil da kommt ja gar nicht die Qualität raus, die man eigentlich braucht, um die Geschichte zu transportieren. Das steckt ja im Rendering eigentlich drin.

Es geht ja nicht darum, das beste Fassadenmaterial der Welt darzustellen. Es geht darum, eine Stimmung zu vermitteln. Also was du eigentlich damit sagen willst, ist, dass Automatisierung nicht zwangsläufig bedeutet, dass man irgendwie auf Qualität verzichtet, sondern eher durch die Teilautomatisierung und Themen, die durch Automatisierung eher wieder Zeit schafft, um Qualitäten zu erreichen, oder?

Genau, das ist die Hintergeschichte quasi. Also damit der Architekt, den Gerrit eben beschrieben hat, sein Modell bauen kann. Und der Grund, warum viele Architekten das nicht mehr machen, ist, weil sie sagen, Zeitkosten lohnen sich nicht mehr, ich kriege es auch so beauftragt, so noch der Motto.”

“Dadurch wird ja überhaupt wieder erst Zeit geschaffen. Das ist das eine und das lässt sich nicht mit Automation lösen, aber es lässt sich damit lösen, dass Prozesse verbessert werden. Und das andere ist, er hat halt jetzt mehr Spielmöglichkeiten.

Also zum Beispiel ich habe im Studium, als die ersten Lasercutter aufkamen, relativ schnell alles mit einem Laser gemacht, weil ich konnte in 3D alles vorkonstruieren und habe mir dann einfach nur die Laserladei gezogen und habe es lasern lassen. Und dann hieß es halt zusammenkleben. Ich habe mir den Schneide-Schritt gespart.

Die Möglichkeit war dadurch natürlich auch, viel komplexere Sachen bauen zu können, als vorher mit dem Cuttermesser. So und wenn wir mal einen Schritt weiter denken und in dem Gedankenprozess bleiben, wie entstehen denn Gebäude in Form von einem Geary oder einer Zaha Hadid? Ohne eine computergestützte Planung, ohne eine parametrische Planung, wären solche Gebäude unmöglich gewesen.”

“Oder nahezu unmöglich, klar, alles ist möglich. Aber sind dadurch sehr, sehr vereinfacht worden in der Planung. Günstiger, verbessert, von der Qualität.

Also wenn ich euch zuhöre, seid ihr eigentlich gar nicht so weit voneinander entfernt. Ihr redet aber tatsächlich von zwei verschiedenen Arten der Automatisierung. Einmal ist es die Automatisierung, die beispielsweise so eine Software mit sich bringt, die einfach Zeit spart, ohne dass sich wirklich viel dafür tun muss.

Das waren dann zum Beispiel diese Türlisten. Dadurch, dass alles miteinander verknüpft ist automatisch von der Programmseite, spare ich als Architekt jede Menge Zeit, werde nicht frustriert und hab automatisch mein Ergebnis, wo ich noch quasi nachbessern muss und dadurch kann ich wieder eine verbesserte Qualität schaffen. Dann gab es noch die andere Art der Automatisierung und zwar, dass ich beispielsweise Dynamo-Skripte nutze und darüber hinaus noch mal Zeit investiere, um noch tiefer und weitergehend zu automatisieren, was dann so Beispiele wären wie Schau, liebe Stütze, ob über dir ein Unterzug vorhanden ist oder eine Decke und wenn ja, bitte schließe daran an und so weiter.”

“Das ist dann eine Sache, wo man wieder Zeit investieren muss und einfach schauen muss, spare ich dadurch Zeit. Aber die Quitsense von euch beiden war ja dieselbe. Durch Automatisierung werden die Aufgaben, die durch die Zeit zu den Aufgaben des Architekten wurden, aber eigentlich gar nicht die Aufgaben des Architekten sind und zwar einfach dafür sorgen, dass irgendwie Sachen sauber sind, dass die teilweise oder größtenteils wegfallen und dadurch wieder mehr Zeit geschaffen wird, dass Architekten auch einfach wieder Architekten sein können.

Hab ich das richtig verstanden?

Ja, so ein Stück weit. Also ich wollte jetzt eigentlich auch einwerfen, verstehe mich nicht falsch, der berühmte Blocker oder Bremser in der Munde. Ich habe überhaupt kein Problem mit Automatisierung, solange sie auf der einen Seite nicht als Allheilmittel irgendwie proklamiert wird, alle Probleme, die man irgendwie verspürt.”

“Und vor allem für mich viel wichtiger, nicht die finanzielle Grundlage einer Entscheidung darstellt. Wir machen das jetzt automatisiert, weil wir sparen die Zeit, die du jetzt auch gerade oder ihr beide gewinnt durch diese Automatisierungsschritte, die in die Qualität wieder reinfließen soll, soll halt nicht wegrationalisiert werden, weil das wieder bares Geld sein könnte an der Stelle. Nur weil ich kürzer brauche, heißt es ja nicht, dass ich es auch in der Kürze der Zeit dann genau die selber Arbeit machen soll, sondern eigentlich soll ich ja die Zeit, die ich gewinne durch Automatisierung, wieder qualitativ in das Projekt rückführen dürfen.

Richtig. Das wäre dann der Punkt, ich tech wieder, ich tech sein lassen. Da steht ja auch dahinter die Frage, wer bezahlt das denn überhaupt alles?

Die wird ja auch sehr häufig gestellt und da werden wir in nächsten Folgen auch sicherlich mal drauf eingehen auf das Thema, weil das ist eine ganz zentrale Frage. Also BIM kannst du machen, aber am Ende ist es scheinbar fühlt sich wie eine Mehrleistung an am Anfang. Und da spielen auch Themen wie HAWAII und so weiter rein.”

“Man muss sich halt immer die Frage stellen und das ist glaube ich das Wichtigste. Man muss Prozesse nicht komplett machen direkt. Es reichen manchmal auch kleine Veränderungen in einem Prozess, um Sachen einfacher zu machen.

Also wenn jemand sagt, ich will mir eine Erleichterung schaffen, ohne jetzt ein großartiges BIM-Thema aufzureißen und einfach nur anfängt, von 2D auf 3D zu wechseln und ja wir tun so, als wäre das schon Standard, ist es aber nicht. Sondern einfach nur diesen kleinen Schritt macht, dann hat er schon ganz viel gewonnen. Und hat sich auch vorbereitet ein Stück weit für das, was noch kommt.

Ja okay, aber das ist ja auch so eine ganz gängige Frage im Grunde genommen. Also hier, liebe Experten, wie viele Leute machen denn eigentlich schon irgendeine Art BIM in den Prozessen? Ich würde zumindest anteilig unterstellen, dass ein Großteil der deutschen Planungswelt, zumindest auf Architektenseite, irgendwie ein BIM-Programm zumindest dafür missnutzen, um so eine Art Little BIM draus zu machen oder halt einfach nur Anteile sich rauszuziehen, damit sie ihre Arbeit beschleunigen können.”

“Also wirklich da auch Qualitäten rausziehen zu können.

Hatt ich letztens auch in einem Streitgespräch mit einem Architekten, der gegen BIM war und am Ende des Streitgesprächs kam raus, dass er Archicad nutzt. Das schon seit fünf Jahren, weil er gemerkt hat, dass er dadurch einfach schneller ist und dann auch schmunzeln musste selber, als ich da meinte, okay, das ist doch schon irgendwie der erste Schritt, den man machen muss. Hol den BIM-fähiges Programm und fang an, mit Bauteilen zu zeichnen.

Selbst Skeptiker merken schnell, dass so Programme automatisch Sachen automatisieren und wegrationalisieren, die man vorher mühsam irgendwie per Hand zeichnen musste. Und damit kommen wir für heute zum Ende. Vielen Dank an dich, Gareth, und an unseren Formitas Alumni-Schein fürs Mittrinken und Diskutieren heute.

Wir hoffen, es hat euch gefallen und ihr nehmt etwas für euch mit. Danke fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal.

Ciao.

BIM & Bier ist eine Produktion der Formitas AG.”