“Der große Durchbruch mit BIM in der Schlitz- und Durchbruchsplanung besteht für mich darin, dass wir digitale Modelle verwenden, die uns bisher nicht dagewesene Präzision bei der Auffindung von Kollision und Vermeidung und Behebung von Kollision ermöglichen.
Und Bier. Und Bier.
Hallo und herzlich willkommen für eine neuen Folge von BIM & Bier. Heute verhelfen wir euch zu einem Durchbruch, nämlich in der Schlitz- und Durchbruchsplanung.
Ich bin euer Host, Falk Wagner, mit dabei ist auch wieder Gerrit Hoppe. Hallo Gerrit. Und als Gast haben wir heute unseren lieben Kollegen Sebastian Inhofer eingeladen.
Schön, dass du da bist, Sebastian.
Ja hallo Falk, hallo Gerrit.
Erzähl uns, was fasziniert dich?”
“Neben verschiedenen Hobbys wie Wildtierfotografie und Coffee Racer Umbau und Virtual Reality Games interessiert mich, oder ist eigentlich meine Hauptzeit, die Wildtierfotografie, die heimische Fauna und teilweise auch Flora, zu unchristlichen Uhrzeiten abzubilden. Nebenzu bin ich natürlich Architekt und beschäftige mich natürlich mit den Themen rund um das BIM-Management für die technischen Gewerke.
Gut, aber zu BIM selbst bisher gekommen, weil du eher so ein Händchen für digitales Entwerfen hattest und insgesamt auch die ganzen Automatisierungsprozesse während der Planung eigentlich auch ein großer Teil deines Lebens, eines vorhergehenden Lebens waren, oder nicht?
Tatsächlich war das so, dass ich nach dem normalen Diplom noch mal einen Masterstudiengang mit der Vertiefung Digitales Entwerfen in Stuttgart absolviert hab. Und da wurde eigentlich mein Interesse für Scripting und generative Prozesse geweckt, viel mit der Assoziation zur Natur, sprich bionischen Prinzipien und der Übertragbarkeit in die Architektur oder in die Entwurfsprozesse. Und da war es dann recht naheliegend, auch wenn das nicht so generativ ist, aber in eine andere Art von parametrischem, parametrischer Software einzusteigen.
Und das ist dann eine BIM-fähige Software, die ja mit Parametern und Informationen versehen ist.”
“Und da haben wir eigentlich auch ganz konkret den charmanten Brückenschlag, die vorne Person, Sebastian. Nämlich, wie man von Natur- und Tierfotografie zur Architektur kommt im Sinne der Parametri und den bionischen.
Wie wir zu unserem eigentlichen Thema heute kommen, nämlich die Schlitz- und Durchbruchsplanung. Und wie man die denn eigentlich ein bisschen leichter und einfacher und besser und präziser machen kann.
Aber bevor wir dahin kommen, müssen wir natürlich wieder über unseren Special Guest reden, nämlich unser Bier. Für die Zuhörer muss man sagen, wir nehmen diesen Podcast gerade bei 30 Grad Außentemperatur auf. Das heißt, wir sind sehr interessiert an einer Erfrischung.
Und heute mitgebracht haben wir aus dem schönen Ort Miesbach, liegt in Bayern so zwischen Tegernsee und Schliersee, südlich von München. Dort findet sich die traditionsreiche Weißbierbaurei Hopf, H-O-P-F, geschrieben. Und die sorgt im Sommer für eine spritzige Abkühlung, nämlich in Form eines Weißbiers in nördlichen Gefilden, häufig auch als Weizen bekannt.”
“Und da gibt es nicht besonders viele Fans, zumindest außerhalb der südlichen Gefilde von, weil die meist sagen, ja, das schmeckt nach Banane, das schmeckt nach Seife. Ich kann sie irgendwie nachvollziehen, aber das hat sicherlich mit den auch etablierten Marken im Norddeutschland oder auch in Mitteldeutschland zu tun. Das tut dem Weißbier unrecht.
Das Weißbier hat was Besonderes. Es wird nämlich nur zu bestimmten Jahreszeiten gebraut, weil es in der Vergangenheit nicht so einfach war, Kühlketten herzustellen und deswegen konnte man das auch nur vor dem Sommer brauen und es musste dann im Sommer getrunken werden und daher kommt auch dieser Zusammenhang, dass man das im Sommer trinkt. Und in diesem Fall haben wir euch die Sauberne Schixs mitgebracht.
Vom Hopf ist auch ein Saisonbier, was sie auch nur zu bestimmten Jahreszeiten tatsächlich auch herstellen, anders als viele andere Weißbierhersteller, die das auch ganzjährig inzwischen machen. Und das Besondere ist, es kommt schon orange-rötlich daher, da merkt man schon, okay, hier ist was anderes als beim üblichen Weiß, was man so kennt. Und das dominiert der Hopfen mit Zitrusfrüchten im Geschmack, das man auch im Antrunk direkt merkt.”
“Und da ist es schon nicht ganz so süß. Es bleibt aber natürlich, vom Gedanken her, ein Weißbiercharakter, kommt sehr spritzig und feinperlig rüber und wird dann im Abgang leicht bitter. Das kommt halt aus dem Hopfen, der ein bisschen stärker eingesetzt ist.
Ich finde es sehr erfrischend und sage, wohl bekommts.
Das Schöne ist, wenn man Falk so beim Reden zuhört und dabei das trinkt, braucht man gar keine Worte mehr finden, um dieses Erlebnis dann auch irgendwie zu beschreiben. Es ist immer wieder ziemlich Faust aufs Auge.
Ja, das ist die Hoffnung dahinter, wenn ich das erzähle, dass derjenige, der sich das anhört oder diejenige dann auch ein Gefühl dafür bekommen, ob ihnen das gefallen könnte und es vielleicht auch mal auswählen. Also von der Bauerei Hopf, die Sauberne Schix ist manchmal nicht so einfach zu kriegen, weil gerade diese Saison wieder vorbei ist. Aber man findet es schon auch im Getränkemarkt des Vertrauens.
Es riecht tatsächlich wie so ein bisschen ein saurer Obstsalat.
Genau das habe ich gerade erzählt. Sauberer Obstsalat.
Schmeckt aber tatsächlich nicht wie ein selbstjährender Prozess, den man irgendwo in der Küche vergessen hat.”
“Ich finde es interessant, weil es wirklich so in so eine tropische Fruchtecke geht mit den Zitrusfrüchten. Und das erwartet man von einem Weizen oder von einem Weißbier einfach nicht. Das kommt so ein bisschen überraschender her.
Wenn man es ein paar mal getrunken hat, überrascht sein natürlich nicht mehr. Aber ich trinke es sehr gerne, wenn es warm draußen ist, weil es wirklich super erfrischend ist. Einfach, wenn man es dann schön kalt gemacht hat.
So viel zum Bier. Kommen wir zurück zu unserem eigentlichen Thema. Während wir das Bier trinken, lassen wir uns über Probleme reden.
Nämlich die Probleme, die bei so einer Schlitz- und Durchbruchsplanung entstehen. Vielleicht holen wir erst mal ein bisschen aus, was ist denn Schlitz-
und Durchbruchsplanung? Sebastian hat eben schon gesagt, er beschäftigt sich vor allem mit den technischen Gewerken. Und da kommt das Thema eigentlich auch her, Sebastian.
“Es ist tatsächlich so, dass wenn wir ein Haus bauen, der eine Teil natürlich, das ist, was wir Stein auf Stein aufeinandersetzen oder betonieren. Auf der anderen Seite ist das allerdings eine Maschine, die unterschiedlich komplex sein kann. Das ist aber selbst jetzt bei moderneren Techniken auch in den kleinen Einfamilienhäusern zu spüren, dass da doch einiges an Leitungen und Rohren von A nach B muss und da einige Maschinen stehen.”
“Und immer mehr natürlich an mechanischen Geräten und automatischen Sensoren miteinander vernetzt sein soll und muss. Und das steigert sich natürlich in den Projekten, die einen höheren Anteil an gebäudetechnischen Gerinstallationen haben. Also sogenannte hoch installierte Gebäude.
Das sind tatsächlich die Projekte, die ich in meinem Alltag begleite. Und da geht es natürlich genau darum, diese beiden Komponenten miteinander zu verbinden, ohne sie kollidieren zu lassen. Also wir wollen eigentlich eine Planung, eine kollisionsfreie Planung am Ende abgeben können, sodass wir auf der Baustelle nicht vor irgendwelchen verschlossenen Wänden stehen, wo eigentlich ein Rohr durch sollte.
Ja, das glaube ich der Punkt. Also eigentlich geht es um Kollision. Wir kollidieren ständig zwischen gebauter Umgebung, also sprich einer Wand oder einer Decke und der Leitung, die da durch muss.”
“Und wir versuchen, die Kollision praktisch auf der Baustelle zu lösen, indem wir ein Loch in die, in die massive Wand machen, damit wir da durchkommen. Und ich glaube, die S und D Planung ist ja vor allen Dingen, also warum Schlitze und Durchbrüche, der Schlitz geht nicht durch, sondern der wird in eine Wand eingeschlitzt und der Durchbruch, wie der Name schon sagt, der bricht durch die Wand durch. Also das ist tatsächlich das Loch, wie wir es kennen.
Von meinem ästhetischen Auge ist es da natürlich auch ganz fantastisch, dass wir nur noch Gebäude haben, wo nichts überputzt verlegt wird, sondern alles integriert ist.
Natürlich, genau. Also die Heizungsleitung ist natürlich nicht sichtbar, sondern verschwindet in der Wand oder im Boden. Und die Elektroleitung genauso.”
“Und die hoch installierte Tür, die fünf Zuleitungen hat, die verschwindet auch alles im Rahmen und in der Leitung und so. Also es muss immer alles verschwinden. Und man kennt das aus Büro-
und Laborgebäuden, das Sebastian eben meinte, mit hoch installierte Gebäude, wo eigentlich die ganze Decke nur noch aus irgendwelchen Leitungen besteht häufig und es manchmal statisch schon schwierig wird überhaupt einen Auflager zwischen Decke und Wand hinzukriegen, weil so viele Leitungen da durchgehen. Und das muss halt alles geplant werden, damit das funktioniert. Und Sebastian sagte eben, im Einfamilienhausbau haben wir die Themen auch, wenn es zum Thema Klimanachhaltigkeit kommt.
Da wird es mehr, aber ich denke, bei so hoch installierten Gebäuden ist das eigentlich das, worüber wir heute reden. Also das ist wirklich wohl ein hoher Koordinationsaufwand ist. Wo auch durch die Planungsphasen die Anforderungen ganz unterschiedlich sind.”
“Also, Gerhard, du kennst das auch. Man fängt mit der Planung an und da ist es vielleicht eine grobe Vordimensionierung. Man weiß überhaupt noch nicht, welche Maschinen da reinkommen.
Man weiß nicht, welche Leitungen da reinkommen. Man weiß nur ungefähr, okay, ich habe so und so viel Volumen, ich muss das so und so lüften. Und dann wird durch die technischen Planungen abgeschätzt, wie viel Platz wird das ungefähr brauchen, um Technikzentralen zu planen, um Vertikalschächte zu planen.
Also Leitungen müssen ja meistens dann aus der Technikzentrale, die zum Beispiel oben im Dach ist, dann runter ins Erdgeschoss. Dann plant man da Platz ein, dann kommt dann irgendwann der Aufzugsplaner und sagt, ich will aber auch meinen Aufzug in den Schacht machen und dann geht der Krieg der Gewerke los.
“Ja, aber gleichzeitig verändern sich ja auch die, sagen wir mal, die Abhängigkeiten und die zeitlichen Komponenten verschieben sich auch. Also es ist halt nicht mehr dieses klassische Hawaii-Bild irgendwie grobe Vorplanung bis Ende der Leistungsphase 3. Das Ganze wird dann genehmigt und in der 5 klärt man dann tatsächlich, wie das alles funktionieren kann, um dann wieder auf der Baustelle festzustellen, dass es halt so nicht funktioniert und man dann doch irgendwie nochmal 80 Meter Kabel mehr verlegen muss.
Sondern das Ganze, sagen wir mal durch die fortschreitende Akzeptanz von digitalen Planungsmethoden, auch der Selbstüberprüfung, aber auch dem Angebot an verschiedensten Produkten, die man sich jetzt natürlich früher auch einholen möchte, führt halt dazu, dass man sich einfach schon recht früh in diesem Wald verirren kann und dementsprechend halt auch mit ganz neuen Problemen zu kämpfen hat, mit ganz neuen Abhängigkeiten noch zu kämpfen hat.”
“Was ist denn so eure Erfahrung aus der Vergangenheit? Wir reden ja hier über BIM. Das heißt, es ist klar, wir wollen jetzt gleich auch darüber reden, wie das mit BIM funktioniert.
Aber wie war es denn vorher oder wie ist es heute noch vielleicht? Was sind so eure Gedanken dazu?
Ja gut, also ich sag mal, bei mir gibt es halt einmal diese Erfahrung mit dem untrainierten Auge, irgendwo während des Baustellenpraktikums, sprich vor meiner formellen Ausbildung, genau in so einem Objekt eigentlich mal aufzuschlagen, um sich dann doch mal vor Augen zu führen, wie viele Löcher und, sagen wir mal, substanzverminderte Maßnahmen da getroffen werden, nachdem da irgendwie alles hochgeschaltet wurde und dann tatsächlich auch mal gegossen wurde und mit Ziegeln gearbeitet wurde, sprich tatsächlich einfach mal ein Volumen geschaffen wurde, wie das wie so ein Schweizer Käse einfach nochmal durchballert wird. Und das hat mich ja schon schwer fasziniert. Und dann eigentlich so dieser Brückenschlag zum Ende meines Baustellenpraktikums, wo dann auf einmal viele dieser Löcher auch wieder zugemörtelt wurden und sich dann schon so auch die Frage stellt, ok Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ja oder nein, kommen aber denke ich auch gleich noch mal drauf zu.”
“Und dann fast forward eigentlich so in die Richtung von, wie sieht das tatsächlich in der Planung aus, um dann da auch festzustellen, dass dadurch, dass gerade so diese Planung von Architektur und auch hoch installierten Gebäude natürlich mit extrem vielen, ja Stackholern im Team irgendwie gemacht werden muss, da jeder natürlich sein eigenes Euglein drauf geworfen hat und jeder seinen Rohr quasi irgendwo sehen möchte oder auch jeder seine ästhetischen Aspekte da nach vorne kehren möchte. Ich schaue da auch die Architekten gleichzeitig aber auch. Jeder natürlich schauen will, dass er so optimiert und kostengünstig möglich seine Installation da auch reinbekommt.
Und das ist und war immer so ein bisschen so ein Hochdrahtseilakt über einem Canyon mit verschiedensten lauten Stimmen, die von unten im Ruf haben, fallbedroht da.”
“Da kann ich dem Gerrit nur zustimmen. Also in den paar Jahren Berufserfahrung, was hauptsächlich gehobenerer Willenbau ist, hatten wir tatsächlich mit genau solchen Themen zu kämpfen. Das war eigentlich eine klassische 2D-Planung am CAD-Programm gezeichnet.
Parallel aufgrund der doch etwas anspruchsvolleren Geometrien und Stahlbau und Stahlbetonbau in Kombination in einem Gebäude mit wirklich ordentlichen Spannweiten und filigranen Verglasungen. Es war oft sehr wenig Raum, um überhaupt mit der Technik von A nach B zu fahren. Und wie man das natürlich kennt, hat der Architekt weder Lust noch irgendwie das auf dem Schirm, dass da irgendwann mal Leitungen irgendwo hin müssen.
Ich kann nur sagen, wir haben ein 3D-Modell gepflegt, weil wir irgendwann einfach die geometrische Komplexität in 2D-Zeichnungen irgendwie nicht mehr nachvollziehen konnten. Und das war vor allem, und das war dann auch in der Planungsphase, in der Werk- und Montagephase vor allem die, also ich würde sagen, die zeitraubensten Gespräche mit dem Tragwerksplaner, da in die Abstimmung zu gehen und wirklich zu versuchen, bei der Schalplan-Stellung unterstützen und im Austausch jedes Loch geometrisch irgendwo zu verorten.”
“Und das haben wir natürlich nicht geschafft. Das heißt, auf der Baustelle, und das darf man nicht vergessen, was das für Konsequenzen hat, dass jeder nachträglich erstellte, also jede Bohrung, die ich auf der Baustelle vornehmen muss, kostet nicht nur Geld und wird einzeln hier abgerechnet, sondern das führt natürlich auch zu zeitlichen Verzögerungen, wenn hier eine Firma aufschlägt und dann ihr Gewerk nicht wie geplant durchführen kann.
Ja, bis man die dann wieder kriegt. Also der größte Faktor auf der Baustelle am Ende ist ja, tatsächlich die Reihenbaukosten, was Material angeht und dann Zeit.
Das wichtigste an der S&D Planung ist nicht das Loch zu machen, sondern die Koordination hinzubekommen, dass sie dann passiert und klar, jeder will so wenig Kernbohrung wie möglich am Ende haben, weil warum auch immer sind die wie Gold zu bezahlen. Ich glaube, weil die Firmen wissen, wie viel Geld dahinter steht, wenn das Loch nicht da ist.”
“Gleichzeitig aber auch hast du dir so ein Ding nochmal dem Letzten vor Augen geführt, das ist auch ein massives Gerät. Also das ist geil.
Ja klar, aber wenn du dann überlegst, dass es einfach nur im Endeffekt ein großer Bohrer, der auf einem Gestell ist, das installiert wird und derjenige muss den halt an der richtigen Stelle installieren und dann auf den Knopf drücken und dann macht das Ding das Loch. Also rein vom Vorgang ist es wie ein Burger bei McDonalds bestellt, aber es ist unfassbar teuer eigentlich im Nachgang und vor allen Dingen ist es das Zeitthema, das eigentlich ein Problem ist. Deswegen wird ja dann häufig mit so Themen gearbeitet, wie wenn man sieht einen Durchbruch vor, der wird dann in der Bauphase nach der Betonage direkt wieder verfüllt, sodass wenn man im Nachhinein eine Öffnung machen müsste, kannst du die im Prinzip mit einem Meißel machen und musst dann nur nicht mal eine großartige Kernbohrung machen.
“Also es werden dann solche Sachen da eingebaut, damit man es hinterher einfach hat, aber am besten ist eigentlich, wenn der Prozess von vorne berein, und das was Sebastian ja vorhin erzählte, die berühmte Kollisionsprüfung, wenn das von vorne rein in einer virtuellen Welt geprüft wird, bevor es dann real ist.
Ja, ja gut, also das spannt ja jetzt eigentlich ein schönes Bukké an verschiedensten Eingreifpunkten an, was die Digitalisierung angeht, also das Thema der Koordination gerade schon genannt. Dem vorangeht eigentlich schon der Planungsprozess auf der digitalen Ebene, wie wir aus den Erfahrungen von Sebastian gehört haben, nach Möglichkeit auch nicht in klassischer 2D, digital CAD-Manier, sondern tatsächlich auch im Modell, egal ob es ein BIM-Modell ist oder erstmal ein 3D-Modell. Und dann die Verkettung eigentlich von verschiedenen Planungsvorgängen.”
“Der Architekt gibt erstmal Geometrie vor, die auch immer fortwärts natürlich angepasst wird. Und das muss eigentlich engmaschig kommuniziert werden mit den restlichen Stakeholdern im Projekt zusammen. Also da führen auch dann Entscheidungen, die beispielsweise der Bauherr mit dem Architekten hinter verschlossenen Türen eventuell dann auch durchzieht dazu, dass das natürlich auch alles dann nochmal weiter kommuniziert werden muss.
Das heißt, der Kommunikationsaufwand ist während der Planungsphase immens hoch für die nahtlose, lückenlose Planung einer S&D-Planung. Und gleichzeitig dann aber auch auf der Baustelle fortführend muss das natürlich auch alles eingebracht werden können, so wie es im Plan steht. Und da dann nicht nur, weil man sich der berühmten 14 Uhr am Freitagnachmittag nähert, dann nochmal eine Abkürzung gezogen werden, wenn es darum geht, irgendwie eine Leitung aufzuverlegen.
Also hochkomplex eigentlich das Ganze.”
“Ich kann da gerade mal einhaken. Also zwei Anmerkungen. Du hattest es eigentlich gerade schon richtig gesagt, Falk.
Wir machen uns eigentlich ja dann in diesem digitalen Prozess, weil wir eben ein dreidimensionales Abbild haben unserer Planung. Die Kollision, die machen wir uns zu Nutzen, indem wir die eben identifizieren, automatisieren den Prüfungen und am Ende versuchen natürlich auszumerzen. Das heißt, am Ende eigentlich keine Kollisionen mehr in der digitalen Planung haben.
Zu diesen Bohrungen ist es tatsächlich so, das ändert sich jetzt natürlich durch eine digitale Planung nicht, dass ab einer gewissen Größe, also bis zu einer gewissen Größe, in den Schalungen hier keine Platzhalter eingebracht werden, sondern dann noch immer vor Ort gebohrt wird, weil das einfach kostengünstiger ist, als das in die Schalung einzubringen. Das sind natürlich Regeln, die auf dem Bau weiterhin gelten. Da hat der BIM-Prozess keinen Einfluss drauf.”
“Da reagiert der natürlich entsprechend.
Aber trotzdem ist es ja im Prozess integriert. Das heißt, klar, die Schalung wird vorher gemacht und dann wird die Bohrung nachgezogen. Aber die Bohrung kann zum Beispiel vor der Installation geschehen.
Und über den Fall, den wir reden, ist ja eigentlich, es wird alles gemacht. Die Schalung ist fertig, die Wand steht, Decke ist fertig. Bohrungen sind gemacht und dann kommt die Leitung an.
Lass es eine Wasserleitung sein, eine Heizungsleitung. Und die soll da jetzt eingebaut werden.
Die Gewerke, die dann eigentlich vor irgendeiner Wand ohne Löcher stehen, sind im seltensten Fall die, die dann die Löcher tatsächlich auch vor Ort bohren. Ab einer gewissen Größe hast du natürlich wieder, vor allem in den bewährten Elementen, statische Themen. Hast du Brandschutzthemen, das heißt, einfach mal so ein Loch irgendwo bohren, im Stahl betonen, genauso wie in einem Stahlträger oder Unterzug.”
“Das ist natürlich nur bis zu einer gewissen Größe einfach spontan machbar, sondern muss auch durch einen gewissen Freigabeprozess dann laufen. Das kostet alles Zeit.
Gleichzeitig, was aber auch spannend ist, durch den digitalen Prozess hat man auch bei, sagen wir mal, den Bohrungen, die ja, wie Sebastian uns gerade sagte, nicht unbedingt geschalt werden müssen, sondern halt auch kostengünstig einfach gebaut werden können. Zumindest eine Indikation, wie viele davon da unterwegs sein könnten und ob die dann auch wieder in Summe durch die Gewerke hindurch so massiert sind, dass sich dann eventuell doch an einer Stelle wieder so ein geschalteter Durchbruch lohnen würde oder nicht. Also sagen wir mal, die gut bekannte Transparenz ist auf jeden Fall eine andere, wenn es darum geht, halt mal alle Planungen gleichzeitig übereinander zu legen.”
“Dass eben nicht nur, sagen wir mal, abstrakt im 2D-Raum, sondern tatsächlich räumlich so, wie es dann nachher auch ausgeführt werden soll. Um einfach zu sehen, wo da nicht nur Kollisionen sind, sondern auch etwaige Knackpunkte oder auch etwaige Optimierungspunkte. Also gerade so dieses Thema Zusammenlegung von Durchbrüchen ist zumindest in meinen Projekten eins gewesen, wo immer so ein bisschen Spielraum noch herrscht.
Wir haben jetzt schon ganz oft den Begriff digitale Planung dann gehört. Wie sieht der Prozess denn jetzt anders aus in einem BIM Prozess? Wann kommt das eigentlich rein, das Thema?
Wie wird es mit den anderen Themen verknüpft? Und wie läuft denn so eine Kollisionsprüfung ab, Sebastian?
Ja, ich kann gern ein bisschen berichten, wie wir das bei uns in den Projekten machen, was sich eigentlich als recht erfolgreich herausgestellt hat. Das gibt sicherlich verschiedene Wege, das zu machen. Das ist softwareabhängig.”
“Dennoch gibt es natürlich im Bauwesen definierte Prozesse und auch vertraglich geschuldete Leistungen. Was übrigens spannend ist, du sagtest das ja vollkommen zu Recht, der Architekt geht eigentlich immer voraus. Das ist naturgegeben so und als technisches Gewerk bist du davon abhängig.
Das vergessen die Architekten gern und das vergisst auch gerne ein Bauherrn, dass es da zeitliche Abhängigkeiten gibt. War das dein Weizenglas?
Nee, mir ist hier ein Lüftungskanal runtergeknallt.
Aber bei dieser Schlitz- und Durchbruchsplanung kehrt sich das eigentlich erstmalig um. Das heißt, initiieren tut das tatsächlich das technische Gewerk.
Das können verschiedenste Gewerke dann sein. Je nach Projektgröße sind das verschiedene Firmen, dann sogar Planungsbeteiligte und verschiedene Büros, die da aktiv sind und natürlich koordiniert werden müssen. Bei kleineren Projekten ist das ein Haustechnikplaner.”
“Aber der gibt vor, an welcher Stelle er den Durchbruch braucht, weil er da die Leitungen von A nach B führt. Jetzt hast du nach einem Prozess gefragt. Ich versuche das mal so ein bisschen chronologisch abzubilden.
Das orientiert sich auch an der Art und Weise, wie wir das bisher gemacht haben. Nur die technische Umsetzung ist natürlich ein bisschen andere. Also wir profitieren natürlich von den digitalen Modellen, die wir da erzeugen.
Das heißt, dreidimensional im Raum verordnete Objekte, die eine gewisse Position haben und die natürlich auch schon im virtuellen Raum zu einer Kollision führen können. Das heißt, in der frühen Leistungsphase, so steigen wir da ein. Meistens in der Leistungsphase zwei machen wir ein grobes Trassenkonzept.
Das heißt, wir wissen noch nicht genau, wie groß ist eine Leitung. Wir wissen auch noch nicht, wie viele Leitungen werden das sein. Wir wissen aber schon, dass wir aus dem Keller, durch den Schacht, irgendwo in einem Geschoss ausfädeln müssen.”
“Und das sind erst mal Platzhalter mit groben Dimensionen. Da werden auch noch keine Rundenrohre verlegt, sondern da werden einfach nur mal freizuhaltende Bereiche definiert, solche sogenannte Trassen, in denen dann verschiedene Gewerke sich eben auch bewegen dürfen und aus denen sie erst mal nicht raus sollen. Das sind sehr große Durchbrüche in der Lüftungsplanung.
Du hast schon gesagt, die Installationsdichte bei so hoch installierten Labor- und Forschungsgebäuden oder Fertigungsgebäuden ist enorm. Also das bildet sich auch in den Kosten wieder, dass das der Hauptfaktor überhaupt gar nicht das Gebäude ist, sondern wirklich tatsächlich was da an Technik drin steckt.”
“Große Vorhaltungen, das heißt eine Stelle, an der ein Loch irgendwann mal gesetzt werden soll, werden frühzeitig in der Leistungsphase 2 mit dem Tragwerksplaner abgestimmt und dann wird da erstmal was freigehalten. Das kann entweder so passieren, wie du sagst, das ist so ein PU-Beton, was nicht bewährt ist, was dahin betoniert wird und dann macht man nach Bedarf danach, wenn man es genauer weiß, das Loch oder man macht einfach erstmal ein Riesenloch und macht es danach dann wieder zu, wenn man weiß, was ich tatsächlich brauche. So und dann haben wir eine lange Phase, Leistungsphase drei, in der natürlich die technischen Gewerke immer präziser werden, die Berechnungen erfolgt sind Heiz-
und Kühllast, daraus dann die Rohrauslegungen und Dimensionierungen erfolgen und erst dann ist man eigentlich ja so weit, dass man tatsächlich an die Schlitz- und Durchbruchsplanung gehen kann. Das heißt in der Leistungsphase fünf, klassischerweise, sind die Modelle mit ihren Dimensionen dann so weit und auch mit den Informationen, was die Systeme angeht.”
“Das macht ja durchaus einen Unterschied, mit welchem Rohr ich durch welche Wand gehen. Brandschutzanforderung ist eine Sache, aber wir haben verschiedene Medien und verschiedene Materialien für die Rohre und je nachdem gibt es in den DIN-Vorschriften eben verschiedene Durchmesser, die hier zu verwenden sind, je nach Rohrgröße. Das heißt, diese Informationen müssen vorliegen, das ist dann meistens erst in der Leistungsphase 5 der Fall und dann gibt es einen Prozess, den wir in unseren BIM-Projekten in dem BAP abbilden.
Das heißt, das ist ein Anwendungsfall, den wir da abwickeln, sprich eine Kollisionsfreiprüfung und eine Schlitz- und Durchbruchsplanung mit einem bestimmten Workflow. Wie ist das zu machen?
Das sieht normalerweise so aus. Jedes Gewerk macht eine eigene Kollisionsprüfung in seiner Autorensoftware und verortet dann sogenannte Platzhalter. Wir nennen das Vorhaltungen, das heißt, räumliche Körper, meistens Quad oder zylinderförmig, die dann in einem separaten Modell gesammelt werden.”
“Die haben bestimmte Eigenschaften, natürlich Länge, Breite, Höhe und die Lage im Raum, aber auch Informationen, wie welches Gewerk will, nutzt denn diese Vorhaltung, also wer will hier durch der Wand durch? Und natürlich muss dann der Berandschützer da drauf schauen, die Tragwerksplanung drauf schauen, ist an so einer Stelle ein Loch überhaupt denkbar und am Ende natürlich auch der Architekt ist mir das Loch an der Stelle überhaupt recht, sehe ich das Gerrit. Oder das ist gesagt, die Tendenz ist in den letzten Jahren ganz klar, ich will alles super clean und versteckt haben.
Und ich kann natürlich nicht mit meinem Rohr überall da durch. Und es ist natürlich auch so ein Vorurteil, was sich oft bewahrheitet. Die Haustechnik ist da nicht so ganz sensibel.”
“Also an manchen Stellen ballern die dann einfach mit riesen Kanälen irgendwo durch. Und das ist dann ein hin und her ein Abstimmungsprozess, der softwareseitig begleitet wird in, sagen wir mal, einer Art Liste mit Freigabeoptionen und der Information, dass diese Vorhaltung, diese platzierte Körper, das was noch kein Loch in der Wand ist, sondern irgendwann als Abzugskörper fungieren wird, aber jetzt erstmal eine Verbindung hat zu dem Element, welches hier durch eine Wand rauscht. Das heißt, der Architekt kann dann durchaus sagen, ich schieb diese Vorhaltung jetzt einen halben Meter nach links und im Ping-Pong bekommt der TGA-Planer die Information, okay, meine Vorhaltung, die zu diesem Luftkanal gehört, ist verschoben worden.
Das heißt, ich muss jetzt hier in meinem Modell die Leitung nachführen. Das ist ein automatisierter Prozess, den ich aber einmal dann triggern muss. Es wird tatsächlich noch immer so sein, dass man durch die Automatismen, so sagen wir mal 80, 90 Prozent der Durchbrüche wirklich voll automatisiert platzieren kann oder der Vorhaltungen dann in einem späteren Verlauf allerdings wirklich noch mal jeder Durchbruch einzeln geprüft werden muss.”
“Dann ist ja die in Konform gesetzt oder lassen sich eben auch Durchbrüche zusammenfassen an gewissen Stellen.
Das ist ja jetzt dieser technische Ablauf, wie du ihn ja auch in den Projekten erlebst aus der Sicht des BIM-Managements heraus. Was ich zusätzlich dazu halt hochspannend finde, ist, du hast gerade so von diesem Ping-Pong gesprochen, der technische Planer setzt erstmal die Vorhaltung auf, bringt es ein als Gesprächsgrundlage auf der Grundlage von dem, was der Architekt natürlich an Volumen vorher aufgebaut hat. Und dann wird es quasi immer wieder in Iterationen hin und her geschoben, so dass am Ende beide den Kompromiss gefunden haben, wie sie es eigentlich sehen wollen.
Man hat halt, sagen wir mal, diese Day-to-Day-Installationsebenen, die frühzeitig im Entwurf dann auch festgelegt werden, sprich keine Leitungen, Lüftungsleitungen etc. die unterhalb von einem bestimmten Punkt liegen sollten. Und dementsprechend blendet man eventuell auch gerade als Architekt aus, was alles überhalb dieser Ebene passiert.”
“Also ich glaube, bestes Beispiel ist so die Abhangdecke. Das, was darüber ist, interessiert mich als Architekt eventuell nicht, solange ich noch in der Leistungsphase 3 unterwegs bin und mir sicher bin, dass da oben irgendwie alles läuft. Viel spannender wird es natürlich, wenn man jetzt, sagen wir mal, nicht nur wegen solchen Themen wie Brandflughafen Düsseldorf vor mittlerweile beider 20 Jahren in einen Bereich kommt, wo hochinstallierte Gebäude auf einmal ohne Abhangdecken oder mit viel sichtbarer Leitungsführung auch klarkommen müssen.
Es gibt verschiedene Thesen zu, warum das so ist, aber dieses Zwischenspiel zwischen dem technischen Planer und dem Architekten wird an dieser Stelle auf einmal sehr engmaschiger oder muss auf einmal viel engmaschiger werden, weil da einfach Vorstellungen auseinander gehen können. Sebastian, du hast es gerade genannt, so nach dem Motto, es gibt da vielleicht einfach eine fehlende Feinfühligkeit, auf egal welcher Seite der Planerschaft. Wie ist so deine Erfahrung damit, die Sachen, die nicht von der automatisierten Kollisionskontrolle oder diesem automatisierten Prozess mit aufgenommen werden, sondern wo es dann halt eher wirklich um Befindlichkeiten geht?”
“Also da kann ich dir nur sagen, sobald eigentlich Elemente sichtbar werden, machst du das nicht ohne den Architekten. Das heißt, alles, was gesehen wird, will der Architekt prüfen. Und da wird natürlich nochmal eine ganz andere Anforderung an die TGA gestellt.
Das hat mit Materialien zu tun. Du kannst natürlich in Ruhe jetzt irgendwie in einem günstigen verzinkten Material hier von A nach B führen oder du kannst das irgendwie hochwertig verchromen oder veredeln. Und du kannst natürlich genauso geometrisch, sagen wir mal, die Geometrie erst mal über die Funktion stellen.
Das haben wir natürlich ganz oft, wenn es ein gestalterisches Mittel ist, dass man gewisse Elemente eben an einem Raster ausrichtet. Und dann ist natürlich, wie du sagst, der Austausch größer und natürlich das Konfliktpotenzial und vielleicht tatsächlich die technisch beste Lösung, nicht immer die, die dann wirklich gewählt wird. Nicht immer die kürzeste Strecke, nicht immer die effizienteste Verteilung mit dem geringsten oder höchsten Volumenstrom, je nachdem, was wir hier gerade auslegen, sondern da geht es eben um Gestaltung.”
“Und das ist natürlich etwas, was unter die Hoheit des Architekten führt, was kein typisches TGA-Thema ist eigentlich. Wir sind eigentlich im Versteckten, irgendwo im Keller unterwegs, wo man es nicht sieht. Und wenn sowas jetzt sichtbar werden soll, dann kannst du das eigentlich nicht ungeplant lassen und ungesehen.
Also da wirst du eine schlimme Überraschung erleben, wenn du das einfach unkoordiniert planen lässt. Das muss gestaltet werden. Und das ist natürlich eine typische Architektur-Aufgabe.
Es gibt auch noch einen Bauherren, Baufrau, Bau-Mensch, die da auch noch draufgucken. Also das sind ja die Diskussionen, an die wir kommen. Und das ist, glaube ich, das Wichtigste an diesem BIM-Prozess, was der BIM-Prozess da macht.”
“Sebastian meinte eben, zu 90 Prozent können wir das automatisieren. Das ist eigentlich die geile Errungenschaft. Dass die Themen, die nicht diskutiert werden müssen, dass die praktisch von alleine laufen und wir über die konstante Kollisionsprüfung eine Kommunikationsebene aufbauen, wo die Gewerke wirklich in einem Dialog bleiben.
Auch wenn das ein teilautomatisierter Dialog ist. Aber sie müssen sich einfach gegenseitig wahrnehmen. Also ich finde, dieser Ansatz mit den Platzhaltern, die am Ende auch Schnittobjekte sind, das macht die Planung ja mega einfach im Vergleich zu vorher.
Wo die Architektur plant irgendwas, wir bestrichen mit der TGA Vorhaltung ab, wo könnten Durchleitungen sein. Die Planung, die Durchleitung der Statiker, gibt das unter Umständen frei. Gibt ja auf jeden Fall, dass er sagt, Statiker, nee, da können wir nicht so ein Loch machen.
Da müssen wir das ganze Architektur ändern. Und dann geht das immer so eine Kaskade ab. Sondern das können wir ja umgehen.”
“Im Prinzip bauen wir einen Kreis auf, der praktisch kreuz und quer die ganze Zeit kommuniziert. Aber das ist halt in dem Planungsteam. Die haben alle ein Verständnis dafür.
Wenn wir den Auftraggeber jetzt mit reinnehmen, der vielleicht für das alles kein Verständnis hat, der eigentlich nur sagt, ich möchte das Gebäude haben und ich habe eine Vorstellung, wie das aussehen soll. Auch innen. Auch bei der Frage der offenen Decke.
Im Laborbau haben wir häufig offene Decken, weil wir viel mit Nachinstallationen arbeiten, mit veränderten Raumkonstellationen. Auch da will ein Auftraggeber häufig, dass das auch in einer gewissen Weise aussieht. Wie kriege ich das jetzt zudem?
Der ist ja nicht Teil des eigentlichen BIM-Prozesses. Der macht auch keine Kollisionsprüfung. Gibt es da aus eurer Sicht so Ansatzpunkte?
Oder wird da vielleicht schon was gemacht? Gibt es da schon was, wie man jetzt mit so einem Bauherr in eine Diskussion geht über technische Installationen und deren Aussehen?”
“Also da rennst du natürlich auf eine Tore ein. Aber ich werde jetzt nicht direkt erstmal irgendwie mit VR hier rein starten, weil das klar auch genutzt wird und klar auch Erkenntnisse hervorbringt. Aber was da im Grunde genommen passiert ist, dass eine Bühne für Austausch erstmal geschaffen wird, weil jeder etwas im Gesamtkontext sieht und nicht nur seine eigene Planung sieht als Planer oder auch als Bauherr nicht nur die Aspekte sieht, auf die er sich eventuell konzentriert, weil er aus seiner Erfahrung heraus das Ganze bewertet oder auch aus seinem eigenen, ja, övere ist ein schwieriges Wort, aber aus seiner eigenen Haltung heraus.
Da Entscheidungen versucht zu treffen, sondern das Ganze halt erst mal gesamt eingebettet sieht. Das heißt auch ein Koordinationsmodell während einer Koordinationsbesprechung oder beispielsweise in der Viewer-Umgebung, die für Koordinations- zu Koordinationszwecken dient, kann da schon extrem viel an Aufschluss hervorbringen, bevor man dann in solche Richtung geht, wie Echtzeitbegehung am Bildschirm oder auch Virtual Reality oder auch bis in in die Cave hinein.”
“Also das schönste Gefühl bzw. eines der schönsten Erfahrungen, die ich damit gemacht habe, ist, dass sowohl während einer Cave-Begehung Bauherr, Planer, Architekt und auch TGA-ler nacheinander alle zu mir gekommen sind und gesagt haben, ich wusste gar nicht, dass das so aussieht. Ja, aber das ist halt letzten Endes so das, was eigentlich deutlich später erst passiert, nämlich auf der Baustelle.
“Und wenn es dann irgendwo anfängt zu knirschen, weil man schon nicht nur das Geld für die Planung bezahlt hat, sondern auch schon Geld in Material versenkt hat und da auch Tat-Sachen geschaffen wurden, dann wird es halt schwierig. Aber ich glaube halt durch den BIM-Prozess, egal wie man diese Bühne jetzt gestalten will, also auch technisch gestalten will, ob man da jetzt jedes Mal mit einer VR-Echtzeitbegehung irgendwie reingeht oder das halt auch entsprechend den Transfer leisten kann, indem man auch in der Autornsoftware eigentlich die Modelle mal zusammenführt und sieht, was da passiert, ist dieser Aspekt der Koordination oder der Zusammenführung erst mal hervorragend dafür, um miteinander in Austausch zu gehen. Und solche Automatisierungs-Schritte, wie Sebastian es gerade schon auch aufgewiesen hat, von Abzugskörpern, die sich dann auch automatisch, zumindest 90 Prozent automatisch mit verschieben, sobald da irgendwie eine Änderung passiert, werden ja davon abgeleitet, dass zwei Gewerke erst mal miteinander in Austausch gegangen sind.
Gibt es das in Live-Projekten als Erfahrung, Sebastian?”
“Also ich kenne keinen Fall. Bei uns muss man auch wirklich sagen, man muss ein bisschen unterscheiden, ob das ein privater Bauherr ist, der sein Einfamilienhaus plant, oder ob wir hier von einem großen Kundenstand sprechen, der stellvertretend eine Bauabteilung hat und ein Projektleiter, dann ein Projektmanagement. Gestalterische Ansprüche an die Technik und dass der Bauherr hier Einfluss nimmt, ist mir in den Projekten bisher nicht untergekommen.
Das ist eher eine Annäherung über die Funktionalität und über Themen wie Kosten. Da hast du natürlich einen ganz anderen Faktor, der gepusht wird, die Gestaltung von technischen Elementen hat da noch nie eine Rolle gespielt. Ich wollte trotzdem noch mal kurz was anmerken.”
“Was das Besondere ist an diesem Prozess, wir haben gerade darüber gesprochen, dass das ja alles koordiniert wird. Es gibt eine Iterationsschlaufe, ein Austausch und diesen Kommunikationsprozess über, wo sitzt welche Vorhaltung und wo wird irgendein Loch draus. Das Spannende an dem BIM-Prozess oder an so einem Anwendungsfall, Schlitz-
und Durchbruchsplanung, ist eigentlich, dass das ein definierter Austausch ist. Das heißt, wir haben einen modellbasierten Austausch und der wird nach bestimmten Regeln durchgeführt. Und der wird eben nicht mal kurz mit einer E-Mail und einer Skizze und irgendwo auf verschiedenen Parallelwegen und am Ende weiß niemand mehr, wer wann was freigegeben hat, sondern das alles an einer zentralen Stelle auch dokumentiert.
Das hat natürlich auch mit Verantwortlichkeiten zu tun.
Also ich habe zu dem Koordinationsthema virtuelle Umgebung schon auch andere Erfahrungen gemacht, wo tatsächlich direkt aus einem Revit-Modell, in dem Fall per Enscape, relativ einfache Darstellungen erzeugt wurden, die dann tatsächlich vor Ort mit dem Projektleiter einfach, der hat dann die VR-Brille aufgekriegt und konnte dann in das Modell eintauchen. Also es wird schon auf einem sehr unkomplexen Level eingesetzt. Und ich finde, das ist so der Abschluss dieses ganzen Prozesses.”
“Also wir haben darüber geredet, wie fängt es eigentlich an? Wie wird es dann zwischendurch geprüft? Also das ganze Thema Kollisionsprüfung, der hohe Kommunikationsanteil, der da drin ist.
Vielleicht zum Abschluss noch so ein, zwei Sätze zum Thema. Wie kommt es denn dann auf die Baustelle, Sebastian?
Also ein Schritt fehlt uns noch in der Planung. Wir haben eine gewisse Modellhoheit, ein Modellverantwortlichen. Die verschiedenen Gewerke befüllen ihre eigenen Modelle.
Es wird nicht gern gesehen und auch vermieden, dass ein TGA-Gewerk jetzt ein Loch, zum Beispiel, in eine Wand im Architekturmodell plant. Das heißt, erst wenn die Freigabe eigentlich über die Position und Größe einer Vorhaltung in dem Vorhaltungsmodell von allen Beteiligten erteilt wurde, kann der Architekt in seinem Modell dann mit dieser Vorhaltung, die dann gleichzeitig als Abzugskörper für die Wand fungiert, das Loch in die Wand positionieren. Und der nächste Schritt ist eigentlich, ja, so wie wir das bisher kennen, eine Ableitung der Modellgeometrien, die dann zu einer Schallplanung führt, also klassischen 2D-Plänen, die nach wie vor auf der Baustelle das Medium sind.”
“Und da sind natürlich im besten Falle soweit die Theorie, deutlich weniger Änderungen dann auf der Baustelle anzutreffen oder durchzuführen, als wenn wir eben solche Schlitz- und Durchbruchsplanungen nicht digital durchgeführt haben. Als Erweiterung oder Ausblick kann man auch sagen, es steckt natürlich ein anderes Potential da drin.
Wir haben also dadurch, dass wir digitale Modelle verwenden mit präzisen Koordinaten. Natürlich gibt es Abweichungen, Rohbautoleranzen, aber es gibt durchaus die Möglichkeit, und das sind Techniken, die wir auch in den Projekten einsetzen, bestimmte Bohrungen und Vorhaltungen, gerade auch Halterungen für die TGA-Befestigungen, dann automatisch über Roboter platzieren zu lassen. Das heißt, das sind Ableitungen der geometrischen Punkte.
Gerrit hat sich schon Sorgen gemacht, dass es nicht kommt mit dem Thema.”
“Ich nehme das nicht unbedingt, aber ich hatte halt diesen kompletten Prozess vor Augen, und am Ende wird alles schön kondensiert, 2D-Pläne ausgespuckt und trotzdem sind wir analog unterwegs. Also was denn? Fantastisch, danke, dass du mir Hoffnung machst.
Ja, also das eine wäre die Roboter natürlich. Das zweite wäre, dass natürlich häufig auf Baustellen inzwischen vorgefertigte Schalungen eingesetzt werden, also die in einer Fabrik schon vorher die Schalung erzeugt wird, aber natürlich auch Betonfertigteile und für all diese Sachen können wir diese digitalen Daten, die wir da dann haben, wunderbar verwenden. Und da wird es natürlich richtig teuer, also wenn man vorgefertigte Betonage falsch plant, dann wird es richtig ärgerlich, weil das kostet richtig viel Geld, wenn man dann die Einzelteile nacharbeiten muss.
Okay, ich glaube, das ist ein Thema, was sich durch sehr viele Themen im Bau durchzieht. Aber S&D-Planung ist eins der Standards, wo es im Bau scheitert. Es ist nicht so häufig, dass die eigentliche Architektur nicht funktioniert, sondern es ist immer die Ausstattung des Baus.”
“Damit kommen wir heute zum Ende. Es war heute ein bisschen länger, die Folge. Aber ich denke, das war es wert, sich auch Sebastians Erfahrungen mal dazu reinzuziehen, wie es denn so der aktuelle stand.
Deswegen danke an dich, Sebastian, dass du heute dabei warst und mit uns zusammen ein Bier getrunken hast und mal ein bisschen gequatscht hast. Und danke auch natürlich wieder an dich, Gerrit, dass du uns wieder mit deiner kritischen Stimme beigewohnt hast. Das ist immer wieder eine Freude.
Alles klar.
Ich rede gerne. Danke schön.
Bis zum nächsten Mal.
BIM & Bier ist eine Produktion der Formitas AG. Unsere Musik-Tracks, New Front bei McKay Beats und Drop of Water in the Ocean bei Broke for Free. Habt ihr Fragen, Feedback oder einen Themenvorschlag?”
Von BIM & Bier: Der große Durchbruch — SuD mit BIM, 25. Aug. 2022
https://podcasts.apple.com/de/podcast/der-gro%C3%9Fe-durchbruch-sud-mit-bim/id1605115573?i=1000577352214
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