“Ja, ich glaube, eine der zentralsten Fragen, die ich mir auch immer stelle und die dir vielleicht immer wieder begegnet, ist, dass dieses VR-Thema, der wird ja immer schnell in die Ecke gedrückt, das ist ja, schöner Schein, Projekt Shishi, das kann man machen, um den Bauherren zu beeindrucken oder irgendwelche Investoren, aber eigentlich hat es keinen richtigen Mehrwert.
Vielerlei.
Und kostet am Ende auch noch nur Geld, ja. Ich glaube, das ist so der größte Mythos, mit dem man eigentlich aufräumen konnte. Also warum reden wir eher von, ja, würde ich vielleicht eher von einer Liebesheirat sprechen, weil wenn man die beiden Welten, BIM und VR, richtig zusammen einsetzt, wird was ganz anderes draus, als jetzt irgendwie so einfach nur schöner Schein.
So, das ist es. Perfekt.
Hallo und herzlich willkommen zu BIM & Bier. Heute geht es bei uns um eine Gemeinschaft und zwar eine zwischen VR und BIM. Wir stellen uns gemeinsam die Frage Just Married, BIM & VR, Liebesheirat oder Zweckgemeinschaft?
Heute mit dabei Gerrit Hoppe, Shahin Farazadi und wie immer euer Host Falk Wagner.”
“Besonders spannendes Thema, weil wir heute auch natürlich besonderen Experten dabei haben. Gerrit Hoppe ist nämlich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt und versucht, diese beiden Themen immer stärker miteinander zu verwandeln. Und vielleicht überlassen wir dir direkt das Wort und du erzählst uns mal kurz.
Ich muss Gerrit natürlich wieder das Wort wegnehmen.
Wir am Anfang von jedem Podcast, wir sind bei BIM & Bier.
Wir müssen also erst übers Bier sprechen. Und wenn wir von Liebesheirat und Zweckgemeinschaft sprechen, passt heute unser Bier besonders gut. Genau genommen ist es ein Kölsch und zwar von der Schreckenskammer.
Direkt aus dem Herzen von Köln, eines der ältesten Bauhäuser. Und es gibt eine zessante Story zur Schreckenskammer, weil die Frage ist natürlich, woher kommt denn der Name? Wie kann man sein Bier so nennen?”
“Das hat mit dem Bier nichts zu tun, sondern es geht in ein Ort, worum es gebraut wurde. Und es gibt zwei Geschichten dazu. Die erste Geschichte ist, dass auf dem Weg zum Todesturm in Köln, zum Wegschnapp, die Delegenten nochmal ihre letzte Hankers-Mahrzeit dort angenommen haben.
Und die andere Geschichte ist, dass in der Nähe die Prüfung der Eisenbahner Lehranstalt vorgenommen wurden. Und die Eisenbahner also von der Schreckenskammer deswegen sprachen. Ich denke mal eher, dass die erste Story die coolere ist.
Und das dürfen wir uns heute reinziehen, während ihr uns zuhört, wie wir über BIM reden. Und vor allen Dingen über das Thema Just Married VR und BIM.
Es ist schön, quasi mal ein bisschen Heimvorteil in beiden Bereichen starten zu dürfen. Und nicht immer so euch irgendwie reinmageln zu müssen. Also sowohl das Kölsch, wieder was dazugelernt.
Ich muss so nach den ersten zwei Schlucken sagen, wird nicht mein Lieblingsbier, aber läuft auf jeden Fall. Gut, Thema VR und BIM, Zweckgemeinschaft oder Match Made in Heaven. Ich muss für meinen Teil ganz ehrlich sagen, ich würde am allerliebsten jederzeit raus schreien.”
“Zweiteres, das gehört sicherlich auch zusammen. Ich glaube, woran wir am allermeisten jetzt vor den letzten Jahren gearbeitet haben und auch jetzt eigentlich immer fortwährend irgendwie darauf hinsteuern, ist einfach deutlich zu machen, dass das eine nicht mehr ohne den anderen wirklich gut kann. BIM hat mir jetzt öfter schon auch in den letzten Folgen immer wieder angesprochen, wird relativ häufig erst mal so als ja dieses 3D verkannt und dass man damit halt auch hervorragend nicht nur planen kann, sondern auch visualisieren kann.
“Das glaube ich mittlerweile auch eben relativ geläufig. Warum also nicht auch direkt in Virtual Reality Haken an der Sache ist, es ist unfassbar schwierig ein vor allem komplexes Projekt mit nicht nur einer Architektur, sondern auch einen TGA zu visualisieren, ohne dass man entweder extrem viel Geld dafür in die Hand nehmen muss oder man direkt von Anfang an auf Elemente oder Inhalte verzichten muss, die eigentlich nachher zum Gebäude gehören, in dem man sich dann zurechtfinden möchte. Dementsprechend bevor ich jetzt zu technisch werde oder eigentlich jetzt die nächsten 20 Minuten mal direkt ein Monolog auspacke, würde ich erst mal sagen, werfe ich das Wort zurück zu Falk, weil ihm brennt sicherlich was auf der Seele, weil er hat zu allem eine Meinung.
Frage einfach mal, worüber soll ich reden?”
“Ja, ich glaube, eine der zentralsten Fragen, die ich mir auch immer stelle und die dir vielleicht auch immer wieder begegnet, ist, dass dieses VR-Thema, der wird ja immer schnell in die Ecke gedrückt, das ist schöner Schein, Projekt Shishi, das kann man machen, um den Bauherren zu beeindrucken oder irgendwelche Investoren, aber eigentlich hat es keinen richtigen Mehrwert. Und kostet am Ende auch noch nur Geld. Und ich glaube, das ist so der größte Mythos, mit dem man eigentlich aufräumen könnte.
Also warum reden wir eher von, ja, wo würde ich vielleicht eher von einer Liebesheirat sprechen? Weil wenn man die beiden Welten, BIM und VR, richtig zusammen einsetzt, wird was ganz anderes draus als jetzt irgendwie so einfach nur schöner Schein. Also wenn wir zum Beispiel an das Thema Fabrikplanung gucken, was wir ja auch schon gemacht haben, und sagen, okay, den eigentlichen Nutzern, also die, die nachher in dieser Fabrik arbeiten sollen, können wir virtuell in einem virtuellen Raum schon während der Planungsphase zeigen, wie ihr Arbeitsplatz aussieht.”
“Und sie können darüber ihren Arbeitsplatz modellieren. Dann überspringen wir ganz viele Schritte, die normalerweise ein Planungsprozess hätte, ziemlich direkt. Oder sehe ich das falsch, Gerrit, um dir das Wort wiederzugeben?
Ne, siehst du tatsächlich überhaupt nicht falsch, aber das ist eigentlich schon relativ next level, wo du da ansetzt. Also du hattest gerade ganz gut eingeleitet. Ich würde ganz gerne erstmal auf diesen Ebene des Scheins bleiben.
Visualisierung ist ja meistens erstmal ein Thema, um...
Ich dachte immer, auf meiner Ebene. Das wäre nämlich auch schwierig gewesen.
Ja, nein. Visualisierung wird vornehmlich dann eingesetzt, wenn man jemanden überzeugen möchte. Und das passiert meistens zu irgendwelchen Meilensteinen oder irgendwelchen Phasenabschlüssen.”
“Zumeist sagen wir jetzt im Bereich Ende der Leistungsphase 3. Weil da möchte man alles glatt gezogen haben, bevor man das Ganze dann in Richtung des Bauantrags los schickt. Und da geht es dann vor allem darum, dass man auch Entscheidungen treffen kann.
Thema bei Virtual Reality, egal wo es herkommt, ob es jetzt gebaut wird oder ob es aus dem BIM Modell entspringt, ist im Vergleich zu sagen wir einer klassischen Visualisierung, dass man ja im ersten Schritt was Visuelles rauskriegt, womit man jemanden eventuell überzeugen kann, aber auch ganz schnell sieht, was eben vielleicht noch nicht funktioniert. Oder wo man auch mit sämtlichen Koordinationsschritten im BIM Prozess vorher einfach noch nicht so richtig diesen intuitiven Blick drauf bekommen hat. Also so zu gucken, wie ich normalerweise auch gucke, wie ich jetzt hier in meinem Zimmer sitze zum Beispiel.”
“Und das ist tatsächlich eine Sache, die uns immer wieder auch auffällt und uns immer wieder auch quasi im ersten Schritt um die Ohren fliegt und im zweiten Schritt aber den meisten Benefiter auch einbringt, dass dieses Thema der Visualisierung vornehmlich gesehen wird als Instrument, jemanden begeistern zu wollen, deswegen auch so ein bisschen belächelt wird. Aber sobald dann alles steht, die Leute automatisch anfangen drüber zu reden, wie sie ganz gerne irgendwas anders machen würden wollen oder tatsächlich über die Qualitäten, die sie versucht haben hervorzurufen. Und in dem nächsten Projekt oder wenn das Projekt dann weiterläuft, in der Leistungsphase 5, wird immer wieder auf die Visualisierung zurückgegriffen, die sich auch, und da sind wir tatsächlich bei dem Thema Liebesheirat mit BIM, sagen wir mal relativ gut updaten lässt und relativ einfach updaten lässt.
“Und auf einmal akzeptiert man diesen intuitiven Zugang, den die Visualisierung gibt, auf eine ganz andere Art und Weise. Nämlich nicht mehr als Spielerei und vor allem nicht mehr als Effekthascherei, um es auch negativ mal belegen zu wollen, sondern tatsächlich als Planungszustand. Alle Planungsinhalte übereinander gelegt, in der richtigen Materialisierung nicht abstrakt dargestellt und im Zweifel auch mit einem Headset in einer 3D-Tiefenwirkung erstmal sehbar.
Klar, ich kann jetzt nicht unendlich darin rumlaufen, im Sinne von ich habe ein Kabel, was mich irgendwo an den Computer bindet, aber auch da gibt es Möglichkeiten damit zu arbeiten, dass ich das komplette Projekt begehen kann, anstelle von mich einfach nur darauf zu verlassen, dass die Perspektiven, die mir der Planer vielleicht anhand von irgendwie 2D-Renderings gegeben hat und da auch noch mal sehr taktisch geschickt Bäume hinsetzt, weil dahinter irgendwas ist, was da vielleicht nicht hingehört, das sind alles Themen, die sind einfach nicht wirklich machbar in der Echtzeitvisualisierung.”
“Also die zwei Welten, die du eigentlich beschreibst, sind einmal doch dieses Thema jemanden zu überzeugen mit einer Optik quasi und das andere ist aber jemanden, der vielleicht Probleme hat aus einer 2D-Darstellung und bei allem 3D, was wir machen, wird es trotzdem immer 2D dargestellt, auf Papier, Bildschirm, was auch immer, den Schritt zu ermöglichen, zu einem räumlichen Empfinden zu kommen, ohne diese Interpolation zwischen der 2D-Darstellung und einem 3D-Bild im Kopf hinzukriegen. Das, was zum Beispiel ein Architekt im Laufe seines Studiums trainiert, was der Durchschnittsanwender eben nie trainiert hat.
Ja, das ist das, was ich meine, wenn ich von einem intuitiven Zugang dann auch spreche in dem Zusammenhang. Gibt da ein relativ einfaches Beispiel zu. Ich bin seit anderthalb Jahrzehnten jetzt damit unterwegs, mir räumlich irgendwas vorzustellen und das auch irgendwie kommunizieren zu können.”
“Der Moment, als ich das erste Mal das Ganze nicht nur schnell modellieren konnte, sondern auch schnell wiedergeben konnte und nicht nur diese 2D-Projektion auf dem Bildschirm hatte, die ich dann auch drehen konnte, so viel ich wollte und trotzdem man sich reinversetzen musste, sondern tatsächlich jemand einfach so ein Ding auf den Kopf ziehen konnte und er dann diesen Raum auch wahrgenommen hat. Also tatsächlich diese räumliche Erfahrung gemacht hat, auch wenn es erst mal nur eine Simulation war, hat Autobahnstadt zu gefunden, führt, dass wir uns nicht über den Raum, den ich geplant habe, unterhalten haben, sondern über Räume, die wir in ähnlicher Kapazität schonmal wahrgenommen hatten. Das heißt, so dieser Sprung von etwas, was noch nicht gebaut war, zu vergleichbaren Räumlichkeiten, die schon gebaut sind, aber der Gesprächspartner vielleicht noch überhaupt nicht kannte, war ein ganz anderer.
“Weil auf einmal hat man nicht nur gesagt, ja hier warst du schonmal in Rom in Petersdom, hier Kuppel und so und so weiter und so fort. Wie hast du dich da gefühlt? Also dieses sehr leerhafte, gar nicht mehr so im Vordergrund, sondern man hat sich viel mehr über mondäne Räume angefangen zu unterhalten, die man halt tatsächlich weiß, dass er andere sie auch kennt und wahrgenommen hat zu dem Zeitpunkt.”
“Weil diese räumliche Erfahrung getriggert hat, nicht abstrakt mit dem Thema Planung umgehen zu wollen. Und da liegt für mich tatsächlich die größte Kraft eigentlich dieser beiden Technologien im Zusammenspiel, dass man halt wirklich zu einem sehr abstrakten Zeitpunkt, und da kommen wir jetzt auf das, was du gerade schon angesprochen hattest, Falk, gleich hin, mit diesem sehr abstrakten Zeitpunkt es möglich zu machen, über unabstrakte Räume reden zu können und Planungszustände reden zu können. Und für den Planer führt das nämlich dann letzten Endes eigentlich dazu, dass er ja von mir aus auch in Planungsphasen anfängt zu springen, aber eigentlich unfassbar viel mehr aus sämtlichen Stakeholdern des Planungsprozesses und nachher auch des Nutzer-Bilds und vor allem auch die Leute, die es nachher das Gebäude betreiben und nutzen werden, rauszuziehen, schon während einer Phase, wo ja, vielleicht es kostet nochmal einen Strich anders zu ziehen, aber es halt nicht kostet, eine Betonwand versetzen zu wollen oder eine Trittleiter irgendwo aufzustellen, weil auf einmal die Oberschränke viel zu hoch sind, weil man sich keine Gedanken darüber gemacht hat, wer da eigentlich nachher wirklich arbeiten soll.”
“Vielleicht gucken wir mal ein bisschen weiter weg oder von weiter weg auf dieses Thema drauf. Das war jetzt sehr detailliert. Das Thema heißt ja, also das Thema suggeriert ja quasi das Zusammenspiel zwischen BIM und VR.
Und ich erinnere mich noch an die Anfangszeiten, so vor sechs Jahren, wo wir im Büro saßen und die erste Oculus-Brille hatten, wo einem nach zwei Minuten schwindelig geworden ist, was aber für uns eine neue Welt eröffnet hat. Und es war ja quasi mit dem Beginn von BIM erst möglich, dass man wirklich Kosten, also mit überschaubaren Kosten, vor allem auch mit Kosten, die sich um mehrere Visualisierungen, zum Beispiel von Fotos bewegend, VR erzeugen konnte. Ist es denn so, dass wir sagen können, dass BIM tatsächlich auch für die Architekturwelt tatsächlich auch VR erst sinnvoll gemacht hat?”
“Ich würde definitiv sagen, greifbarer. Weil es halt jetzt keinen extra Schritt bedeutet, erst mal eine Planung in 3D hochzuziehen, um sie zu visualisieren. Was auch bei der klassischen 2D-Visualisierung war, auch ein Thema, das ich vor meiner Karriere als VR-Spezialist semi-professionell betrieben habe, nie ein Hindernis war für einen Architekten zu sagen, das muss er als modulieren, das zahle ich dir aber nicht.
Diese Hemmschwelle zu sagen, es gibt verschiedene Arbeitsschritte, die sowohl für 2D-Renderings als auch VR notwendig sind, stellt keine Hemmschwelle mehr dar, weil wir uns direkt der Planung bedienen können. Auf der anderen Seite, das ist das Wankelmütige dabei, vergisst man immer auch ganz schnell, dass das Thema Maßstab natürlich eine Rolle spielt. Gerade, um auf das Beispiel zurückzukommen, ist die Leistungsphase 3 Ende.
In BIM wirst du wahrscheinlich, ähnlich wie in der 2D-Planung, auch im Maßstab 1, 50 unterwegs sein. Was passiert aber, wenn du in dem Detailierungsgrad auf einmal in 1, 1 drinstehst und auch an Objekte rangehst, die noch nicht weiter gedacht wurden als in diesem Maßstab? Woran fängst du an, dich eventuell festzuweisen zu einem Zeitpunkt, wo andere Themen viel wichtiger sind?”
“Wobei ich aus Erfahrung sagen kann, dass das eher seltener passiert. Die Leute, die eine VR-Brille anziehen, die beschränken sich schon auf das Groß und Ganze. Natürlich gibt es auch Ausnahmen.
Sodass man in einem frühen Stadium, was Falk eben erwähnt hat, in einer Fabrikplanung an diese Fertigungsstraßen gehen kann. Ein cooles Beispiel war damals aus einem Projekt, wo wir einen Laborbau unterwegs waren, wo die ganzen Laborplaner sich in diese Modelle reingestellt haben und quasi ihre Arbeitsabläufe daran ausprobiert haben. Wir relativ schnell feststellen konnten, dass es jede Menge Probleme gab, wie mit den Oberschränken beispielsweise.
Dass die viel zu hoch waren für die Leute, die letztendlich da arbeiten sollten. Und dass es keinen Platz für eine Trittleiter geben hat. Und mit wenigen Minuten konnte man eine Qualitätssteigerung erreichen, die man vielleicht in der Planung niemals 2D oder klassisch erreicht hätte.”
“Und aber durch die VR-Begehung quasi erst machbar geworden ist. Vielleicht ein anderer Punkt, was ist denn der nächste Schritt? Also wir haben jetzt so eine Evolution erlebt, quasi dass BIM generell eine Evolution gebracht hat in den Bereich Visualisierung mit VR.
Ich bin letztens an deinem Tisch vorbeigelaufen und habe gesehen, dass du quasi sowas wie eine Kollisionsprüfung gemacht hast in dem Modell.
Ja, also soweit würde ich jetzt nicht unbedingt gehen. Aber wir haben uns da Elemente bedient, weil das führt eigentlich auch Hand in Hand in das zurück, was du da gerade, wo du rausgeleitet hast vom Thema her. Diese ganzen Visualisierungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn man sie moderiert einsetzt.”
“Da kann man auch über die Moderation und über den korrekten Einsatz dieses Werkzeugs, eben nicht wie man andere Werkzeuge, die man ja auch für spezifische Felder einsetzt, rangehen. Und sagen wir mal, die Zielgruppe oder auch dem Zweck, den das ganze dienen soll, entgegenführen, dass man die Leute auch wirklich dahin moderiert, dass sie verstehen, worum es gerade auch in der Visualisierung geht. Das, was bisher noch nicht so richtig möglich war, und das ist das, was du auch am Schreibtisch gesehen hast, ist auf sinnvolle Art und Weise die Erkenntnisse, die aus so einer Session rauskommen, auch komplett der BIM-Methodik zielführend, nochmal ein Objekt wieder anzuhängen.
Also genau die Verortung der Erkenntnisse, eigentlich dann auch sinnvolles Modell zurückzuführen.”
“Das war jetzt sehr kryptisch, glaube ich, für viele Leute, die da draußen sitzen. Einfach gesagt, ich habe gesehen, wie dass du da mit so was wie einem Tablet und der Tablet-Kamera durch das Modell gelaufen, bis du Fotos geschossen hast.
Okay, also wir kennen ja aus, sagen wir, einem normalen BIM-Prozess, vor allem auch bei der Kollisionsprüfung, deswegen auch der Vergleich, den du wahrscheinlich da aufgezogen hast, dass man nicht nur sagt, hey, hier knallt Modell, sondern tatsächlich auch den beiden Objekten, wo das Modell knallt, sagt, die Position festhält und den Planern, wo genau die Kameraperspektive wieder mitnehmen kann. Ähnlich wie ich.
Du hast BCFs erzeugt, also diese BIM-Kollaborationsfiles, damit andere Planer sehen können, wo in dem Modell Probleme entstanden sind.”
“Ganz genau. Aber halt anders als, sagen wir mal, aus einer klassischen Kollisionsprüfung, wo ich halt eher auf abstrakter Ebene wieder in der Planung unterwegs bin, haben wir das jetzt auf eine Art und Weise zusätzlich als Addition gelöst, dass wir das machen wie bei einer Baustellenbegehung. Diese ganzen Themen, die mich eher stören, wenn ich in 1 zu 1 anfange durchzubewegen und halt mit intuitiven Augen mir überlege, okay, das könnte man vielleicht auch anders machen oder einfach Fragen stellen zu wollen, die genauso verorten zu können, anstelle von zu sagen, du, ich bin da durchgelaufen, das könnte vielleicht Axe C3 gewesen sein.
Nein, sondern wirklich genau an Ort und Stelle, wo wir das Bild gemacht haben, auch mit den Bauteilen, die dafür relevant sind, in der BCF aufzufassen, das genauso zu kommunizieren, wie wir auch normale Clashes da kommunizieren würden.
Das klingt ja schon mal nach einer Arbeitserleichterung, würde ich sagen. Vielleicht der Zeit geschuldet, noch eine kurze Frage zwischendrin. Was denkt ihr, wenn euch einer fragen würde, ab wann macht BIM Sinn bzw.
an welchem Punkt in meinem Projekt macht VR Sinn? Was würdet ihr der Person da widern?”
“Ich weiß gar nicht, ob ich es in einem Zeitpunkt einordnen könnte, aber auf jeden Fall finde ich zumindest immer an diesen zwei Punkten, wenn es darum geht, engen Entscheidungen über eine klare Designentscheidung, wie eine Fassade zum Beispiel, zu treffen. Und ich will die einfach aus verschiedenen Richtungen erleben oder ich will bestimmte Räume erleben. Das ist die eine Sache und das andere ist so dieses Thema User-Centered Design, was wir bei dem Thema Laborplanung, Fabrikplanung erleben.
Auch bei Officeplanung, wo einfach derjenige, der es bauen lässt oder der es entwerfen will, möchte, dass seine User einfach diese Experience haben von dem Raum, von der Umgebung, bevor es fertig ist. Weil wenn es fertig ist, ist es zu spät. So, dann kann man nichts mehr ändern.
Und schafft Tatsachen.
Ja, man schafft wirklich, wirklich Tatsachen. Und das ist der Vorteil VR, schafft für mich halt vorzeitige Tatsachen, die aber abänderbar sind. Also ich kann wirklich einfach mal sehen, was hab ich denn da jetzt geplant und was haben wir denn da abgestimmt in den ganzen Terminen?”
“Und ich finde, was so ein Schritt weitergeht und was mich total interessiert an dem VR-Thema in Zukunft, und ich glaube, wir sind noch nicht so richtig an dem Punkt, dass es so richtig auf der breiten Masse funktioniert, ist das Thema, dass man sich in dieser VR-Umgebung dann auch treffen kann. Also das eine ist nur reinzugucken und die anderen gucken zu und einer ist drin und beobachtet auf dem Bildschirm, was er macht, so nach dem Motto. Und die andere Variante ist ja, alle sitzen irgendwo auf der Welt von mir aus und haben ein VR-Set und kommen in die gleiche Umgebung und machen ihre Baustellenbesprechungen, ihre Planungsbesprechungen, was auch immer, in dieser virtuellen Welt.
Also auch in diesem Kontext der Pandemie-Themen gerade, der Nichtreisefähigkeit. Wie gehen globale Projekte, wie gehen selbst Deutschland, ein großes Projekt, wo Firmen aus der ganzen Umgebung, vielleicht aus ganz Europa zusammenkommen, denke mal große Projekte, wo europäische Ausschreibungen dahinterstehen. Da weißt du gar nicht, kann sein, der Statiker sitzt in Polen, der Architekt in Deutschland und der BIM Manager kommt aus der Ukraine oder so.”
“Ja, das ist alles schon passiert. Die dann in eine virtuelle Umgebung zu kriegen, das wäre für mich der nächste geile Scheiß, wenn man es so sagen will.
Ist das Science Fiction oder glaubst du, dass das eigentlich...
Ich hab's schon gesehen. Also es ist nicht Science Fiction.
Es ist definitiv nicht Science Fiction. Es ist halt die Frage der Zielstellung, die dahinter ist. Und dann auch Frage der Komplexität des Projekts.
Aber ich sag mal, jetzt das zu durchleuchten, würde zu weit führen, auch viel zu harten Nerd-Talk irgendwie zu landen. Obwohl ich es könnte, ohne Probleme.
Das wissen wir.
Aber spätestens nach der heutigen Folge wissen das auch die Zuschauer.
Das ist okay. Aber vielleicht tatsächlich noch mal, um eine Einschätzung zu geben. Ich würde die Frage stellen, die du gerade gestellt hast, ist Zeitpunkt, gar nicht so sehr in den Fokus setzen, sondern eher des Nutzers.”
“Ich denke, Zeitpunkt ist jeder gleich gut. Wenn die Plader unter sich, und das mag allein schon die Architektur sein, für sich Visualisierung nutzen, um im Team Entscheidungen zu treffen, kann das auch schon in der Leistungsphase zwei passieren. Zu demselben Zeitpunkt, wo eigentlich auch angefangen werden, Umgebungsmodelle aus Stereodur geschnippelt zu werden, in die man sich reinversetzen muss.
Da passiert unglaublich viel. Also es ist doch unglaublich viel in den letzten Jahren passiert. Und das Verrückte ist das, was wir vielleicht noch von vor zehn Jahren aus Star Trek kannten, können wir tagtäglich jetzt wirklich auch erleben.
Und jeder, der es noch nicht gemacht hat, sollte das auch wirklich mal ausprobieren.
Ganz genau, das Schöne tatsächlich daran ist, ist es halt nicht mehr so dieser erschlagende Faktor von, okay, jetzt muss ich erst mal Hardware im Wert von mehreren 10.000 Euro anschaffen und dann irgendwie so einen Unimog-Kleinlaster auch anstatt haben, dass mir das richtig gegenfährt. Sondern ich habe genau so einen Arbeitslaptop wie ihr auch, nur das meiner blinkende Licht hat.”
“Das ist ein wichtiger Punkt, Gerrit. Weil ich bin ja auch auf der RT-Seite teilweise unterwegs und es kommen immer wieder Leute, die dann sagen, ja, wenn ich das einmachen lasse, ist es zu teuer. Was soll ich denn Gerrit beauftragen?
Das kostet ja Kohle ohne Ende. Ich mach das selber. Ich hole mir einfach so ein Ding.
Und dann stellen sie fest, was es kostet. Und dann kommt der nächste Schritt. Ja, können wir uns das nicht leihen?
Und dann leihen sie es sich aus. Und leider stellen sie fest, es ist wie bei jeder Kunst auf dieser Welt. Man muss sie trainiert haben, um sie zu beherrschen.
Und es reicht nicht, sich ein Fahrrad zu kaufen. Man muss halt echt auch Fahrradfahren trainiert haben.
Es ist ja auch nicht immer irgendwie nur Fahrradfahren. Es ist manchmal auch irgendwie Downhill-Fahren mit einem Fahrrad. Und nur weil ich Fahrrad fahren kann, heißt es nicht, dass ich mich da irgendwie so eine Klippe runterstürzen kann mit dem Fahrrad und das überlebe.”
“Ja, kannst du machen, das ist halt Aua, ne?
Was aber auch ganz wichtig ist und das vielleicht jetzt noch bevor Herr Fahrradzahler dieses Schlusswort einläutet, man macht das vor allem nicht allein. Also sowohl der Austausch mit den Planern ist natürlich eine Sache, weil man ist nach wie vor ein Dienstleister, man muss eine Visualisierung parat stellen, die den Vorstellungen eines anderen entsprechen, damit er damit jemanden überzeugen kann. Ich will ja niemanden von meiner Planung überzeugen.
Aber was viel wichtiger ist, man muss halt auch ein relativ diverses Team um sich herum haben, das umsetzen kann. Also das ist einfach absurd, wenn man mit sieben Millionen Bauteilen versucht, zu koordinieren und da eine Visualisierung von zu zaubern, das alleine machen zu wollen. Das funktioniert halt einfach nicht.
Also doch, Liebesheirat.”
“Ich denke, ich sage ja und damit sage ich auch vielen Dank an dich Gerrit und an unserem Formitas Alumni Shahin fürs Mitrinken und Diskutieren heute. Ich hoffe, es hat euch gefallen und nimmt etwas für euch mit. Danke fürs Zuhören.
BIM & Bier ist eine Produktion der Formitas AG.”