Ecommerce.de Podcast
Für Menschen, die echte Unternehmen aufbauen und skalieren wollen. Mit Top Produkten, Top Marketing und Top Werbung. Mit Nicklas Spelmeyer als Host sprechen wir hier über neue Strategien, Fehler und Erfolg im Online Handel - eCommerce.de
Ecommerce.de Podcast
#106 Richtiger Umgang mit Chinesen mit Jens Lindner | Hersteller finden Amazon FBA
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
In der aktuellen Folge des e-commerce.de Podcasts haben wir das Vergnügen, Jens Lindner zu begrüßen, ein echtes Amazon-Urgestein mit über 23 Jahren Erfahrung im Online-Bereich. Jens teilt mit uns seine spannende Reise von seinen Anfängen als Webmaster bis hin zu seiner Expertise im Bereich Amazon und SEO. Er gibt uns einen tiefen Einblick in die Herausforderungen und Veränderungen, die er im Laufe der Jahre erlebt hat, insbesondere im Hinblick auf die Professionalisierung des Marktes und die Einhaltung von Compliance-Anforderungen. Mit Geschichten über Produktentwicklungen, Powerbanks und die Evolution von Amazon bietet diese Episode wertvolle Einblicke....hört rein!
Willkommen beim e-commerce.de Podcast. Den Unternehmerpodcast. Jeden Montag 16 Uhr. Überall wo es Podcast geht.
SPEAKER_02Ganz herzlich willkommen zurück hier beim e-commerce.de Podcast. Heute zu Gast Jens Lindner. Der ein oder andere kennt ihn vielleicht von euch. Ein Amazon. Ich habe es mal irgendwo gelesen, Amazon Urgestein stand, glaube ich, da drauf. Und wir werden sprechen zum Thema Sourcing, vor allem China-Sourcing. Also viel Spaß und unbedingt dranbleiben. Cool. Erstmal sehr schön, Jens, dass es geklappt hat. Wir haben uns kennengelernt auf dem Multi-Channel Day und haben gesagt, ey, lass uns doch mal was zusammen aufnehmen. Der ein oder andere kennt dich vielleicht schon. Vielleicht erzählst du aber einfach nochmal kurz ein bisschen was zu dir. Stellst dich vielleicht nochmal kurz vor und dann würde ich sagen, legen wir los.
SPEAKER_00Ja, sehr gerne. Vielen Dank erstmal, dass ich dabei sein darf für die Einladung. Mein Name ist Jens Lindner und für alle, die mich nicht kennen, ich bin seit 2000 professional online unterwegs, also quasi seit 23 Jahren, einer wahrscheinlich der ersten, die da irgendwie in diese Richtung eingestiegen sind. Ich habe damals noch als Webmaster gearbeitet. Ich glaube, die Berufsbezeichnung, die gibt es gar nicht mehr.
SPEAKER_02Was macht ein Webmaster? Weil das wollte ich dich eigentlich auch schon mal fragen. Ja, okay. Also was war das überhaupt davor? Also was hast du vormals irgendwas?
SPEAKER_00Ja, ich muss tatsächlich jetzt mal gerade überlegen, was war Webmaster? Das ist so ein bisschen der Strategie, der so ein bisschen entscheidet, wie eine Plattform aussehen muss. Das heißt also, ich habe Plattformen-Online-Angebote geplant, auf dem Zettel, damals mit Stiftung und Papier und habe dann so ein bisschen erklärt, wie was funktionieren soll. Und ginge noch sehr, sehr tief in die Mechanik rein von so einer Webseite. Ich kann auch PHP programmieren, aber am Ende des Tages hat es dann das Programmierteam, die Entwicklungsabteilung dann umgesetzt. Das war so ein bisschen meine Geschichte, wo ich eingestiegen bin. Dann gab es Google mit seinem sensationellen Start-up. Angefangen habe ich damals, als ich professionell unterwegs war mit Fireball, kenne wahrscheinlich keinen Mensch mehr. Und dann innerhalb von einem Jahr war quasi Google da und hat jeder nur noch gegoogelt. Und da habe ich mich dann sehr stark auch mit dem Suchalgorithmus beschäftigt. Und da habe ich auch so ein bisschen, jetzt geht das Licht hier an, nicht schlecht, da habe ich dann auch so ein bisschen gelernt, dass das so meine Leidenschaft ist. So die Algorithmen, wie eine Maschine tatsächlich etwas sortiert und einordnet und Relevanz zuordnet. Da war ich relativ gut dann auch an SEO, da habe ich dann jahrelang auch SEO gemacht, da habe ich so einige Plattformen ziemlich gut nach oben geschossen. Ja, der eine, der hat mich mal angerufen und hat gesagt, ey, wir haben nur noch 30 Server und wir haben noch Kapazitäten für 30 Server. Wir kommen aber trotzdem mit den Anfragen nicht hinterher. Mach mal das Internet weg, lass uns mal nicht so hoch ranken. Ja, geht leider nicht. Wenn du oben bist, bis du oben, da wird Google nicht so schnell reagieren und da musst du halt noch neue Server kaufen. Am Ende des Tages hat er aber gut Geld verdient. Genau, das war so meine Geschichte bis 2012, 13 habe ich dann tatsächlich SEO gemacht und dann bin ich dann bei Amazon ins Online-Game eingestiegen, eben mit dem Wissen und mit der Erfahrung von Google, wie so eine Suchmaschine funktioniert. Und wenn wir jetzt mal ehrlich sind, die Suchmaschine von Google, die ist deutlich anspruchsvoller und deutlich advanced als das Ding von Amazon. Damals zumindest war es ja relativ platt, die Maschine, also wirklich platt. Völlig einfach zu gamen, völlig einfach zu manipulieren. Und das habe ich dann dann damals.
SPEAKER_02White Text auf weißem Hintergrund. Das war damals Google, ja.
SPEAKER_00Das war ja gut. Das hat nicht gut funktioniert, das hat eine Zeit lang funktioniert, da gab es dann aber noch ganz andere lustige Tricks. Aber wenn du dann zu Amazon kommst und dann merkst, dass der A9-Algorithmus eigentlich völlig einfach zu manipulieren ist, dann kannst du doch relativ schnell viel Geld verdienen. Und das habe ich dann auch getan. Genau. Das war so 2012, 2013 meine Journey.
SPEAKER_02Crazy. Und also auch nochmal dazu, weil so früh, also die meisten Leute, wo man das so mitbekommen hat, wo ich ja auch so zugehöre sind, so 2016, 17, 18, 19 angefangen. Wie war das so? Also 2013 war ja Amazon an sich auch noch deutlich, deutlich kleiner, aber Händler technisch gab es ja fast gar nichts.
SPEAKER_00Da gab es nicht viel. Wie gesagt, wenn du da so ein bisschen rausgefunden hast, wie der Algorithmus funktioniert und dich auch so ein bisschen mit den Amerikanern connected hast, dann war das auch relativ einfach und schnell umsetzbar. Es war wirklich Wildwest. Du konntest eigentlich machen, was du wolltest. Amazon hat ihre eigenen Term of Service kaum selbst durchgesetzt, obwohl du wusstest, dass du jetzt da massiv gegen verstößt, ist eigentlich nie was passiert. Passiert heute auch nicht viel. Wenn du einige wirklich harte Trigger nicht ziehst, dann passiert ja eigentlich normalerweise auch nichts bei Amazon. Da sind die doch sehr fair und du kriegst dann schon Informationen. Aber wenn du wirklich massiv gegen Term of Service verstößt, dann wirst du auch mal gesperrt. Aber damals auch bei der Produktentwicklung zum Beispiel. Du hast einfach importiert und du hast einmal verkauft. Da gab es nicht wie irgendwie Kennzeichnungspflicht, Compliance, Überprüfung. So ein Zirkusing gab es nicht. Du hast einfach bestellt in China und vertickert auf Amazon.
SPEAKER_02Irgendwie war es auch einfach wahrscheinlich. Weißt du noch, was dein erstes Produkt war?
SPEAKER_00Tatsächlich. Ich habe knallhart mit der Powerbank angefangen, wo ich dachte, leicht können andere, ich mach mal was Schwieriges. Da habe ich die 13 Jahre vorher auch immer gemacht, immer was Schwieriges gemacht. Und Powerbank war wirklich ein, das war schon anspruchsvoll, weil das war ja sehr technisch. Da musstest du auch dann aufpassen, dass sie dich ja nicht über den Tisch gezogen haben mit den Kapazitäten und dass sie vor allen Dingen bei den Kunden, die auf dem Küchentisch abgebrannt sind. Ist auch vorgekommen. Also ein Kunde, der hat nämlich Powerbank von mir gekauft, hat es dann laden wollen auf dem Küchentisch und dann ist aus Sympathie der ganze Tisch abgebrannt, inklusive Boden. Ja. Ja, war nicht so schmal. Da hast du keine Versicherung damals bekommen. Ich meine, heute gibt's.
SPEAKER_02Das war witzigerweise war das auch der erste Kontakt, den ich mit dem Online-Händler hatte. Da habe ich damals gearbeitet bei GLS und habe Pakete sortiert, so während der Schule. Und da war auch jemand, der hat witzigerweise auch auf Ebay so Powerbanks verkauft, aber der hat, der konnte das, oder keine Ahnung was, irgendwas schief gelaufen. Auf jeden Fall hat er mal versucht, auch jedem auf der Arbeit irgendwelche Powerbanks anzudrehen, statt über was. Was ist falsch mit dem? Ja, genau.
SPEAKER_00Also alle Produkte, die ich so ein bisschen erkläre während meiner YouTube-Karriere, die habe ich tatsächlich selber gemacht. Ich kann ja nichts erklären, wo ich keine Ahnung habe. Deswegen ist es halt sehr schwierig. Ich muss zu allem irgendwie eine Geschichte und eine Connection haben. Deswegen ist es immer ganz gut, wenn man sich breit aufgestellt hat, hat man sehr viele Geschichten zu erzählen. Aber das war wirklich witzig. Da hat mich die Frau dann angerufen oder angeschrieben und hat gesagt, ey, die Powerbank ist abgebrannt, mein Küchentisch ist verkohlt. Ich habe aber nicht das originale Ladegerät von euch genommen. Und dann dachte ich, okay, das ist jetzt der Elfmeter, den hättest du nicht machen müssen. Dann habe ich dann so gesagt, okay, ja ja, das ist wahrscheinlich das Ladegerät nicht kompatibel. Ja, was für ein Unsinn, aber habe ich es aber behauptet, hab den gedacht, aber passen sie auf. Ich kann das verstehen, das ist ärgerlich und wir übernehmen die volle Verantwortung, ja, und deswegen bezahlen wir ihnen den Küchentisch und auch den Boden und schicken sie uns einfach die Rechnung zu. Und dann hat sie es getan, hat 2.000, 3.000 Euro gekostet, war auch noch billig, hat sie noch einen Blumenstrauß bekommen und ich bete heute noch jeden Tag zu Gott, dass nicht das ganze Haus oder der ganze Straßenzug abgebrannt ist. Weil es gab damals keine Versicherung dafür. Ich habe das angefragt und die hatten dann gesagt, bei Powerbanks auf gar keinen Fall. Aus China. Da gehen wir nicht ran. Das ist ja lebensgefährlich. Das kann ja unser gesamtes Business versuchen.
SPEAKER_01Heute ist es einfacher.
SPEAKER_00Heute kriegst du ja für alles für eine Versicherung, aber damals, das war undenkbar. Sowieso, wenn die nur China gehört haben, war die Versicherung komplett aus aus der ganzen Geschichte. Aber war ganz witzig. Wahnsinn. Also das heißt wirklich, schließt die Versicherung ab und mach nicht solche Stunts wie ich so einfach mal irgendwie über Alibaba die Sachen und Sourcen liefern lassen und dann direkt bei Amazon verkaufen ohne irgendwelche Compliance-Tests oder so. Und vor allem keine Powerbanks. Powerbanks funktionieren ja sowieso nicht mehr, vom Preisischen alleine geht es ja gar nicht mehr.
SPEAKER_02Und wie würdest du so sagen, hat sich seit 2013 hast du ja einen relativ guten Überblick. Also hast du damals schon mit Private Label angefangen oder war das dann einfach No Name?
SPEAKER_00Ja, lustigerweise, die ersten waren tatsächlich No-Name. Und dann habe ich angefangen, Private Label zu machen, ja. Ja.
SPEAKER_02Okay, cool. Und wie hat sich so deiner Meinung nach, weil du hast ja einen relativ großen Überblick so der Markt verändert seitdem? Also ich sag mal jetzt aus der Perspektive auch.
SPEAKER_00Absolut professionalisiert. Also du hast jetzt, du hast alleine schon nur durch diesen Wissenstransfer, den man eben durch dein Coaching bekommt oder auch auf YouTube findet oder wo auch immer, hast du natürlich Händler, die schon super ausgebildet sind und denen man eigentlich nichts mehr erzählen kann. Also ich glaube, wenn Leute dann von dir kommen, den brauche ich nicht zu erzählen, wie was funktioniert. Die wissen das einfach, weil die sind ja schon irgendwo schon ausgebildet gewesen. Das gab es früher halt nicht. Früher war das mir so Trial and Error. Du hast bestellt, dir ist die Kiste um die Ohren geflogen, ärgerlich, machst das nächste nochmal. Heute ist es alles viel zielführter. Amazon ist natürlich professioneller geworden und du hast jetzt ja auch die ganzen großen Brands mit an Bord. Die früher dann versucht haben, bei Amazon irgendwie erstmal die Sache nicht bedienen zu wollen, die sind natürlich jetzt alle am Start, weil ohne Amazon kommen auch die nicht weiter. Das ist ja nur. Und natürlich, was dank der Europäischen Union und vor allen Dingen denn getrieben durch Deutschland eben sehr professionalisiert wurde und wirklich mittlerweile auch ein tolle Trick sind, dass sie jedes Mal, wenn irgendwelche Compliance-Anforderungen nicht durchgängig von den Herstellern geliefert wurden, sie direkt dann den Marktplatz mit in die Pflicht genommen haben. Ja, beispielsweise, es ging los mit der Steuernummer, das war der erste Trick. Da kannst du dich vielleicht noch daran erinnern, wann war das? 2016, 2017.
SPEAKER_02Ja, ja, 2019. 2017? Nee, das war später, das war glaube ich 2019 oder so. Ich weiß es jetzt nicht mehr ganz genau, aber ich weiß, dass du dann diese Umsatzsteuer berechnungs auch aktivieren konntest, ab dann das Kampf für die gleichzeitig.
SPEAKER_00Jetzt soll es nochmal erstmal hochladen. Und die hatten, die hatte ja keinen ASI-Beater. Für was denn? Die haben das System der Umsatzsteuer ja sowieso nicht gekannt. Und dann haben die.
SPEAKER_02Als ich angefangen habe, war das noch so, dass man immer gesagt hat, die Chinesen haben viel mehr Marge, weil die diese Umsatzsteuer aber nicht abführen. Das ist ja auch eigentlich geil so.
SPEAKER_00So, und dann ging es dann los in China oder ging es dann los, dass Amazon eben das einfordern musste. Ja, und dann gab es ja so die ersten Asiaten, die waren super clever, kam noch, dann kam da zu der Zeit kam da ein Kumpel von mir, der war auch Händler aus China, der war Chinesin bei Händler auf Amazon, sagte, ich habe einen tollen Trick, einen richtig guten Trick. Ich brauche gar keine Steuernummer. Sagte ich, wieso? Dann darfst du doch nicht bei Amazon handeln. Doch doch, ich suche mir einfach eine Steuernummer aus dem Internet, weil die Deutschen haben ja im Impressummer ihre Steuernummern und der darf nur nicht auf Amazon gelistet sein. Weil du darfst die Nummer ja nur einmal eingeben. Dann nimmst du einfach irgendwie, keine Ahnung, Dienstleister, der Softwareverkauf. Und die trägst du da einfach an. Das merkt kein Mensch. Und du kannst schön verkaufen und brauchst die Nummern trotzdem, brauchst du die Steuern ja trotzdem nicht einfach so viel. Du bist ja Panis ja nicht. Ja, ja. Hat aber auch nicht lange funktioniert. Aber das war zum Beispiel so eine Geschichte.
SPEAKER_02Und E-Bates, da kam ja irgendwann dieses Formular, was du da immer für brauchtest, diesen Nachweis über die.
SPEAKER_00Genau deswegen, genau dieses 22 F war das glaube ich. Das sind alles nur Reaktionen auf missbräuchliche Anwendung von irgendwelchen Reglementierungen. Das ist einfach so. Also alle Gesetze, die wir haben und die es neu kommen, alle neuen Überwachungen, das ist ja auch nur deswegen entstanden, weil ständig irgendjemand versucht, das System zu tricksen. Beispielsweise mit der ganzen Konfirmitätserklärung, also mit der Kennzeichnungspflicht der Hersteller. Als Private Label bist du Hersteller, musst du ja dann eben deinen Namen und deine Adresse an den Kontaktdaten draufschreiben. Und da ist es dann so, dass die oftmals dann auch so EU-Vertreter genannt hatten auf ihren Verpackungen, die gab es gar nicht. Haben sie einfach sich eine Adresse ausgedacht. Kontrolliert ja keiner. Das ist wirklich ganz wild, ganz wild zum Teil.
SPEAKER_02Aber das ist meiner Meinung nach eine gute Entwicklung, weil ich erinnere mich auch daran, dass früher diese ganzen auch Blackhead auch von Chinesen, Bewertungsmanipulation und so weiter und so fort viel krasser war, als das meiner Meinung nach heute ist. Also du hattest immer einen viel größeren Nachteil oder teilweise sind da Leute in deinen Markt reingekommen, die waren nach zwei Tagen geführt bei 500 Bewertungen. Du hast so gedacht, what the fuck, was geht hier denn gerade ab? Das ist auf jeden Fall meiner Meinung nach deutlich besser geworden. Also es ist schon nicht ganz gut.
SPEAKER_00Ja, ja, nein, nein, das ist gar keine Frage. Es ist gut so. Vor allen Dingen für die deutschen Händler. Der Vorteil der Asiaten hat sich ja quasi Luft aufgelöst. Den gibt es ja gar nicht mehr. Das ist ja das auch, warum die viele Chinesen es gerade gar nicht mehr in Europa verkaufen wollen. Die haben da, da haben wir ja, da haben wir ja, das war letztes Jahr war das erste Jahr seit langem für Amazon, dass sich mehr US-Händler aus den USA bei Amazon angemeldet haben als chinesische Händler. Und das ist ein gutes Zeichen. Das heißt also, dass die sich so langsam wieder vom Acker machen, weil es sich einfach nicht lohnt. Ja, in den USA und in Deutschland sowieso nicht. Ich habe mich jetzt vor einem halben Jahr auf der Canton-Fair mit jemandem unterhalten, der hat gesagt, der verkauft nicht mehr in Europa, weil das ist viel zu anstrengend mit den ganzen Währungen auf der einen Seite mit den ganzen Steuern, mit den ganzen Registrierungen und der Amazon-Markt, du überwacht ja auch alles und das ist ja super schwierig und dann wirst du gesperrt und dann weißt du nicht wohin mit der Ware, die kannst du eigentlich nur noch wegwerfen und das ist alles viel zu riskant und deswegen machen die entweder ihren eigenen Shop, Dropshipping oder die verkaufen. In den USA, Ägypten kommt jetzt gut dazu. Die Emirate, Australien. Es gibt genug Marktplätze außer Deutschland und Europa, die auch Spaß machen. Ja, absolut. Absolut. Also für den deutschen Markt sind die abgefeiert, die Aussage. Fand ich richtig gut, weil das sind gute Nachrichten.
SPEAKER_02Und wir hatten gerade schon einmal kurz gesprochen gehabt, du bist gerade ja in Hongkong. Ihr habt ja vor Ort auch Mitarbeiter in China direkt, die sozusagen mit dem Sourcing-Team bei euch drin sind. Wir hatten nämlich gerade schon mal kurz eine Aufnahme gestartet. Ist mein Internet hier gerade abgeschmiert? Schöne Grüße an das Deutsche. Wobei tatsächlich, wir haben ja eigentlich grandioses Internet. Das ist das erste Mal, dass es passiert ist. Wie auch immer. Wie unterscheiden sich deiner Meinung nach so Chinesen im Wesentlichen so in der Berufswelt oder auch im Business von Deutschen oder allgemein Welt?
SPEAKER_00Von Europäern an sich kann ich jetzt gar nicht so sprechen. Ich kenne ja nur Deutsche und Chinesen. Das sind die beiden extrem. Also aus Sicht der Sicht der Chinesen sind die Deutschen komplett durchgedreht. Die sind völlig crazy. Die fragen sich wirklich, die haben mich wirklich gefragt, was falsch bei uns im Land läuft, weil wir so strikt, so fokussiert und so regelbezogen sind, dass sie das überhaupt nicht verstehen, dass wir überhaupt funktionieren können. Wir haben ja keine Abweichungsmöglichkeiten. Ich habe mich mit einem aus Mexiko unterhalten, der lebte seit einem halben Jahr in Frankfurt-Oder und ich habe immer so gefragt, was ist denn so das Spezielle an Deutschland, was dich am meisten verwundert hat. Und er hat gesagt, die Deutschen folgen jeder auch noch so bescheuerten Regel mit voller Innenbrunst. Und das versteht er einfach nicht. Und das verstehen die Chinesen auch nicht. Und deswegen ist es für die so ein bisschen ein bisschen seltsam und auch das Qualitätsgefühl, was wir haben, ist für sie auch völlig unbegreiflich. Wie kann es denn sein, dass wir eine. Eine ganz kurze Geschichte, die erzähle ich auch immer sehr, sehr gerne. Ein Freund von mir, der war auf der Kantonpferd, der hat diese Blecheimer. Kennst du die, diese runden Blecheimer, die man manchmal als Dekoration benutzt, aber du kannst das natürlich auch dann. Als Vase oder sowas. Normalerweise ist es ja für den Bauernhof zum Hin und Hertragen von Wasser oder Milch. Und dann hat er das bestellt auf der auf der Kanton. Der war es, glaube ich, da ist ein ganzer Container. Der Container ist geliefert worden in Deutschland. Er macht den Container auf und die sind alle verbeult gewesen. Er geht doch zu, er rennt zum Telefon, ruft seinen Hersteller an und sagt, ey, die sind alle verbeult, die Eimer. So, weiß ich. Ja, und? Ja, wieso, wo ist das Problem? Ich kann die nicht verkaufen. Ja, wie siehst du das denn nicht? Da kannst du doch immer noch Wasser mit hin und her tragen und Sand geht da auch rein. Völlig egal. Hauptsache der Zweck wird erfüllt. Egal wie, und wie egal wie es aussieht, Hauptsache der Zweck wird erfüllt. Das ist übrigens tatsächlich ein Einzel- oder das ist ein Alleinstellungsmerkmal der Deutschen, dass sie wirklich so abgehen bei der Qualität. Wir regen uns ja schon auf, wenn die Verpackung ein bisschen beschädigt ist. Da würde, glaube ich, kein anderes Volk der Welt draufkommen, sich über eine verbeschädigte, zerkratzte Verpackung beschweren. Glaube ich nicht. Kann ich mir nicht vorstellen. Das ist ein.
SPEAKER_02Ja, ist es auch noch hier so andere Nordeuropäer. Da glaube ich schon, aber so Dänemark, Schweden, so, die sind ähnlich oder Niederländer, so glaube ich, eh nicht drauf. Aber ich weiß es nicht. Also ich kann es mir schwer vorstellen, dass es niemand stören würde. Zum Beispiel so Zabolte Eimer, glaube ich, das wird glaube ich, also wenn es als Deko verwenden wird, wird es, glaube ich, jeden abfangen, oder? Aber das ist ja auch das Witzige, ich bin ja auch nicht.
SPEAKER_00Ich habe mal in Ägypten, habe ich noch einmal so was bestellt. Da war alles kaputt, was gekommen ist. Völlig entspannt. Ja, ist kaputt. Ja, dann schicken wir es nochmal neu. Ist nach zwei Wochen kaputt. Ja, tauschen wir aber nicht mehr aus. Gibt keine Garantie. Hammer soll nicht, dachte ich, höre nicht richtig, ja. Und da gingen mir tatsächlich die Augen auf. Das ist eben das Problem, dass man selber sich gar nicht vorstellen kann, wie kann der andere eigentlich ticken. Das können die Chinesen nicht. Wieso ticken die Deutschen so? Die können sich da nicht in uns reinversetzen. Und wir können es nicht in die Chinesen reinversetzen, sondern in jedes andere Volk. Weil wir das nicht nachvollziehen können. Warum ist denen das nicht wichtig? Es ist doch genauso anstrengend, ein schönes Produkt zu produzieren wie ein hässliches. Warum ist das so anstrengend, so nervig? Das ist vielleicht einer der größten Unterschiede. Die kulturellen Unterschiede. Ich will jetzt ja keinen sagen, der macht es falsch oder der macht es richtig. Es ist einfach nur ein kultureller, enormer Unterschied, mit dem wir einfach umgehen müssen. Und wir müssen uns natürlich auch so ein bisschen anpassen, wie die sich ja auch mittlerweile angepasst haben, dass der nächste große Unterschied ist, wie sie sprechen und wie sie argumentieren, wie rau, sage ich mal, die Sprache ist. Wir Deutschen oder der deutschsprachige Bereich ist ja doch sehr rau im Umgang miteinander. Beispielsweise, wenn du ein Kollege, das hatte ich vorhin, glaube ich, schon das Beispiel gebracht, wenn ein Kollege einen Fehler macht, dann sagst du, du Depp, das musst du so und so machen, das nächste Mal haben wir beide ein Problem. Wenn du das, in irgendeinem anderen Land der Welt machst, dann hast du das Problem, der das nämlich gesagt hat. Das machst du in den USA auch nicht. Dann bist du nämlich dein Freund in den USA im gleichen Augenblick auch los und in China ist es exakt das gleiche. Also, immer.
SPEAKER_02In den USA weiß ich gar nicht, sie nutzen auch so viel so Wörter, aber ich glaube, die meinen das immer anders. Das ist so ein anderer Wort gebrauchen. Für uns ist zum Beispiel die amerikanische Sprache teilweise super hart, weil dann, keine Ahnung, ein Präsident sagt irgendwie Son of a Bitch oder sowas. Und das würdest du ja erstmal, das will der Deutsche willest niemand, also kein Kanzler oder Kanzlerin will irgendwie sowas sowas sagen.
SPEAKER_00Ja, die nutzen das im Allgemeinen, ja. Aber wenn der, wenn der, wenn der, er würde niemals zu dir sagen, dass du das wärst, ja, aber er würde sagen, das ist eben, keine Ahnung. Passiv-aggressiv ist, glaube ich, dann tatsächlich ein Begriff, der in den USA entwickelt worden ist, dass du eben nicht sagst, na, beispielsweise, mach das bitte das nächste Mal richtig. Das ist schon passiv-aggressiv, sondern in den USA müsstest du sagen, ich fühle mich jetzt nicht gut, dass das nicht so perfekt geklappt hat. Woran liegt es dann? Das wäre wahrscheinlich auch noch ein bisschen passiv-aggressiv. Also, egal. Also du weißt, wohin ich will. Das ist halt anders. Wenn man viele Kulturen kennenlernt, dann weiß man das. Und wenn du im arabischen Bereich unterwegs bist, dann ist das noch wilder als im deutschen Bereich. Da geht es dann tatsächlich richtig zur Sache. Also das muss man sich ein bisschen anpassen. Und der größte Unterschied, das hatte ich vorhin schon erzählt, ist die Arbeitsmoral, die Arbeitsweise, wie die Asiaten arbeiten. Die haben innerhalb von kürzester Zeit, während alle anderen Länder, die Deutschen ganz vorne vorweg, noch überlegen, ob das richtig ist und wie man das umsetzen kann, dass es perfekt ist und ob man da nicht wirklich einen Fehler gemacht hat, das überprüft man noch 65 Mal. Haben die Asiaten da schon alles eingesetzt, schon alles durchgehechelt und bei denen ist es schon ein alter Schuh. Künstliche Intelligenz, das benutzen die professionell seit schätzungsweise sechs Monaten, komplett. Ganz China. Während wir uns noch überlegen, wie prompten wir und ob wir da nicht irgendwie ein Datenschutzproblem haben, ist ihnen das völlig egal. Die setzen das ein, die nutzen das professionell und die ballern das komplett durch. Ich war vor einem halben Jahr war ich im Büro hier in Guangzhou und da war auch so eine Amazon Seller-Agentur. Und die haben Bewertungen geschrieben. Das haben die komplett bewertet. Mit künstlicher Intelligenz gemacht. Die Frau, die das gemacht hat, die hat, ich schätze, so 400, 500 Bewertungen geschrieben, während ich im Büro war für die zwei Stunden. Und als ich sie dann gefragt habe auf Englisch, was sie denn da macht, da hat sie mich nicht verstanden. Die konnte kein Wort Englisch. Hat aber 500 englische Bewertungen geschrieben, die auch wirklich gut waren. Und dann sagte mir der Kollege, ja, heute ist England dran, morgen ist Deutschland dran. Komm morgen mal wieder, da kannst du überprüfen, ob das gut ist, was ihr da schreibt. Ja, problemlos. Also ziehen die.
SPEAKER_02Ja, gut, okay, aber das ist natürlich auch, weil das ist, ich glaube, so in diesem kleinen Business-Bereich ist es teilweise auch relativ noch so, dann ist es, dann ist es so, das ist halt dieser Qualitätsbewusstsein. In Deutschland würdest du das vielleicht auch nicht machen, weil du dir denkst, okay, das ist dann nicht alles tiptop perfekt, sondern das ist dann so eine Lalarbewertung. Aber ich kenne das gut, weil wir haben zum Beispiel einen chinesischen Hersteller, der hat Hauptzielgruppe Deutschland auch, Bereich zur Fahrradzubehör. Und ich weiß noch, wir haben angefangen, mit dem zu arbeiten vor, das war mit einem von den ersten Herstellern, mit dem wir ehrlich zusammengearbeitet haben, glaube ich, vor vier Jahren, viereinhalb Jahren oder sowas. Und seitdem der Typ ist überhaupt nicht klargekommen am Anfang, weil wir haben auch die Produkte am Anfang bestellt und haben gesagt, das ist der größte Bullshit. Also es ist so ein Schrottprodukt und der war so richtig beleidigt und so weiter und so fort. Und wir zum Beispiel, also ich habe tatsächlich Erfahrung gemacht, das geht sicherlich nicht mit jedem, äh mit jedem Hersteller, weiß ich aber nicht genau. Also bei uns zum Beispiel, wir haben auch sehr, oft sehr, sehr strikt einfach so komplett so unser Sprachgebrauch, teilweise auch noch so ein bisschen überhöht, dann halt über die englische Sprache halt rüber transferiert. Und das hat echt, also wir haben jetzt in jedes Jahr haben wir wirklich die Produkte immer, immer, immer, immer, immer besser hinbekommen. Also die Qualität ist unglaublich gestiegen, aber dann merkst du auch so, wenn die sich so angleichen und eigentlich denken die, hä, warum, das reicht doch vollkommen aus, dass man so das einfach macht. Warum wollten die jetzt bessere Qualität? Also es ist wirklich witzig zu hören.
SPEAKER_00Da gibt es einen Begriff, was du jetzt gerade beschrieben hast. Das ist doch gut, das hat doch immer funktioniert, das heißt auf Chinesisch Schabotot. Schabotot, gut genug. Das ist gut genug. Und das ist das, was die Deutschen eben nicht verstehen können. Warum kann ich nicht etwas verbessern? Warum soll ich das nicht besser machen als vorher? Warum bin ich da nicht immer in einer Optimierungsphase? Na, ganz einfach, aus der Schabotot. Die Leute, die akzeptieren das doch. Ja, aber der wird.
SPEAKER_02Also scheinbar nichts mehr.
SPEAKER_00Genau, nichts Schabodeau und dann wird das schon ein bisschen dabei. Oder was du meinst damit. Aber das sind eher die Ausnahmen. Also ich hatte es tatsächlich mal, dass ich auch im Hersteller hatte. Mit dem habe ich mich dann gestritten am Telefon. Und damals hatte ich so die chinesische Kultur noch nicht so drauf und dann habe ich dann nämlich auch hinreißen lassen zu sprechen, wie ich normalerweise mit einem deutschen Hersteller sprechen wollen würde. Ich habe nie wieder ein Wort mit dem gewechselt und meine 30% Anzahlungen waren auch weg. Der war immer weg. Das hat er sich nicht gefallen lassen. Da hat nichts mehr gesagt am Telefon und dann war das Gespräch beendet. Und dann wollte ich ihn wieder anrufen. Ein Tag später, der ist nie wieder rangegangen, wenn er meine Nummer gesehen hat. Das ist gefährlich, ist gefährlich. Das lassen die sich nicht in den Gefallen. Also da muss man aufpassen. Das kann dann auch finanziell unangenehm werden. Erstmal ist dann eine Anzahlung weg. Ist vielleicht nicht das Schlimmste, aber dann ist manchmal auch tatsächlich die neue, die Ersatzhändlersuche, der Backup-Lieferant, den zu finden, ist natürlich dann auch mal eine Challenge. Das dauert manchmal ein paar Monate und dann bist du ein paar Monate out of stock. Ich meine, du weißt ja, was das heißt, wenn du mal ein paar Monate dich liefern kannst mit deinem Produkt.
SPEAKER_02Ja, ja. Lass uns mal, lass uns mal ruhig jetzt übergehen zum, so ein bisschen konkreter, vielleicht zum Thema Sourcing. Wie wichtig siehst du oder als wie effektiv oder mehr effektiv siehst du, so wenn man in chinesischer Sprache mit dem Hersteller sprechen und oder auch verhandeln kann, versus, also wenn du es auf Englisch erst.
SPEAKER_00Super wichtig, weil wenn du in Englisch schreibst ja, du gibst deine Bestellung unter deinem Briefing ist auf Englisch, und du gibst es dann zu deinem Sales in die Fabrik ein. Er tut ja auch nichts anderes, als es zu übersetzen. Denn die Leute, die das am Ende des Tages produzieren und auch planen in der Produktion, die können kein Wort Englisch im Normalfall. Das heißt, die sind auf dem angewiesen, was der Herr, was der Sales aus deinem Briefing rausliest, ja. Und die sind wie Chat-GPT, die halluzinieren manchmal sehr, sehr stark. Gerade wenn das Briefing nicht perfekt ist, ja, dann versuchen sie immer noch so ein bisschen eine Abkürzung zu machen und dann kommt wieder der Schabodeau-Gedanke, ja, ob das nun Giftgrün ist oder MINT-grün, ist ja egal. Mind grün ist grün. Für die, ja, aber nicht für uns. Deswegen, und da ist es immer ganz wichtig, dass wenn man mit einer asiatischen Fabrik zusammenarbeitet, dass man zumindest einen Vorteil darüber hinaus bekommt, dass man, wenn man auf Chinesisch mit dem Produktionsleiter sprechen kann, es deutlich einfacher ist.
SPEAKER_02Oftmals Und wie, also ja, genau, also auch ähnliche Erfahrungen gemacht. Also wie siehst du es aber, dass man dann nicht direkt diesen persönlichen Kontakt natürlich hat, weil in der Regel ist ja, bist du als Deutscher, sprichst ja auch kein Chinesisch. Das heißt, du brauchst sozusagen immer in irgendeiner Form einen Zwischen, sei das jetzt zum Beispiel über eine Sourcing-Agentur mit euch beispielsweise, oder aber auch, keine Ahnung, manche Leute translaten das dann ja auch irgendwie selbst, das ist übrigens eine Sache, ganz gefährlich.
SPEAKER_00Ganz gefährlich.
SPEAKER_02Ganz gefährlich, also ganz, ganz, ganz, ganz dumm. Du hast halt gar keinen Plan, was du schreibst. Also du machst einfach random Übersetzung.
SPEAKER_00Und wenn es schief geht, dann sagt er wieso, das hast du doch genauso geschrieben. Weil du sagst, ja, habe ich, ja, ja, das stimmt genauso auf Chinesisch. Du hast keine Chance, das würde ich auf gar keinen Fall machen. Das ist das Risiko schlechthin. Du musst jemanden haben, also du kannst es in Englisch machen, dann geht es meistens gut. Wenn du es wirklich richtig gut haben willst, weil dein ganzes Investment da dran hängt, dann würde ich auf jeden Fall jemanden suchen, einen Experten, der sich mit dem Produkt auch auskennt. Ja, zum Beispiel, wir von AMZ Pro, wir haben ja chinesisch sprechende Mitarbeiter und jeder Mitarbeiter kennt sich mit einer Produktkategorie sehr, sehr gut aus. Die eine kennt sich sehr gut mit Taschen und mit Küchenartikeln aus, der nächste ist in der Elektronik super. Zum Beispiel der Ivan, mit dem ich mal auf Messen unterwegs bin, der kennt sich super in der Elektronik aus. Er weiß genau, wie der Hase läuft. Und wenn der ein Briefing liest, dann kriegt er das auf Englisch. Und dann schickt er das in die Fabrik rein, dann lässt er sich von dem Produktionsleiter nochmal auf Chinesisch erklären, dann auf Mandarin erklären, wie jetzt das Produkt zusammengebaut wird, damit er sich auch ganz sicher ist, der hat verstanden, was eigentlich dahinter steckt, wie das Ding am Ende des Tages aussehen muss. Ganz wichtig. Und da ist ja auch genau das Problem, was viele Seller haben, die jetzt relativ neu sind, dass das Produktbriefing dermaßen auslegbar ist, dass du garantiert nicht das bekommst, was du suchst. Beispielsweise auch da ein Beispiel. Ich hatte jemanden, der wollte Weihnachtsfiguren machen, so Weihnachtsmänner. Und wenn man hinten draufklickt, dann drückt dann, dann singt der Hohoho oder irgendwas in der Richtung. Jinglebelt sollt ihr, glaube ich, spielen. Und das Briefing war dann so, dass da stand dann, okay, ich möchte den Weihnachtsmann in der Größe haben, der soll bitte einen roten Umhang tragen. Fehler Nummer 1, der hat die Farbe des Umhangs nicht definiert. Das macht man normalerweise mit Pantone. Wenn du sagst, das soll ein roter Umhang sein, da gibt es von dunkelrot bis Schockrosa, ist alles rot für die Asiaten. Das heißt, er kann auch einen Schock-Rosa-Azug reinhaben. Völlig egal, du hast nur rot bestellt, dein Problem. Und er hat nur gesagt, er soll was Weihnachtliches singen. Dem war es egal was. Hauptsache noch was Weihnachtliches. Kann ich nachvollziehen. So, dann kommen die Figuren an bei ihm, kurz vor Weihnachten. Er drückt hinten bei der ersten Figur hinten drauf und dann singt er nicht Hohoho oder Jinglebelt, sondern schreibt Happy Halloween. Und dann ruft er beim Hersteller an und sagt, ey, ihr habt mir da Happy Halloween reinprogrammiert. Und dann sagt er, wieso ist das nicht das Gleiche? Woher sollen die denn wissen? Die haben doch keine Ahnung von Halloween und von Weihnachten. Die glauben, das ist das Gleiche. Liegt doch so nah zu da. Ist doch beides irgendwie im Winter. Ist doch das Gleiche, oder? Es ist echt leerer. Deswegen glaube ich so. Das Briefing, also bei uns machen wir es so, um da mal in den Prozess reinzugehen. Wenn jemand kommt, der hat eine Produktidee, dann hätten wir gerne ein Briefing. Wenn er kein Briefing hat, ist auch fein, dann bauen wir zusammen das Briefing auf. Aber wenn er eins hat, dann gucken wir uns das an. Und dann wird das Briefing so aufgebaut, dass der Hersteller kein Interpretationsspielraum hat. Das heißt, es wird genau gesagt, wie groß wird die Figur sein, aus welchem Material. Welches Rot will ich haben, genau welches Rot nicht ungefähr. Das muss das Rot sein. Und was muss abgespielt werden, wenn man hinten auf dem Knopf drauf drückt und dann kriegt der von uns die Tondatei sogar mitgeteilt. Das Ganze geht nochmal als Pre-Production-Samples zu uns. Wir kontrollieren, ob alles richtig ist. Und das ist nämlich genau das, was er dann auch in der Massenproduktion einfach nur kopiert.
SPEAKER_02Ja, das ist sehr wichtig. Also gerade so dieses wirklich Konkretisieren von dem, was man haben will. Nicht einfach nur sagen, ja, ich finde das Produkt ganz cool, was ich da gesehen habe von euch, irgendwo im Schaufenster und kann ich mal davon irgendwie was haben, sondern das schon ganz genau und möglichst genau schreiben, was man will. Auch später mit Materialien und so hatten wir auch schon, wir haben schon mal eine Bestellung bekommen, die hat auf einmal ein anderes Material, weil wir gesagt haben, hey, wie kriegen wir den Preis nach unten? Dann hat er den Preis nach unten gesetzt, war noch relativ am Anfang. Wenn man noch nicht so viel Erfahrung hat, dann denkt man doch erstmal gar nicht an sowas. Und dann war jetzt nicht ein Hals- und Weinbuch, weil jetzt nicht so dramatisch das Material war halt einfach dann ein komplett anderes. Und dementsprechend war auch die Farbe und wie das ganze Ding gewirkt hat, halt anders als das Gold-Stand, also nicht Golden Sample, sondern als das Sample damals. Und die Bilder wurden halt alle damit gemacht. Also da kann man sich drüber ärgern. Was witzig ist tatsächlich, wir hatten mal eine, bei uns haben wir jemanden eingestellt, der Chinesisch, also aus China kam und hier in Deutschland gelebt hat. Und wir haben die Erfahrung gemacht, tatsächlich bei uns, bei den bestehenden Herstellern, die hatten null Bock, auf Chinesisch zu kommunizieren miteinander. Weil immer wenn wir dann auf Chinesisch geschrieben haben, haben sie einfach auf Englisch geantwortet, dann hat sie okay, alles klar, da können wir uns das können uns das ersparen, weil es ist auf jeden Fall eine sehr großer, sehr große Hilfe beim, gerade wenn man neue Hersteller hat, anspricht, das erste Mal einfach die Kontaktaufnahme, das ist ja auch, ich sag mal, einer der Hauptvorteile auch bei Source-Agenten oder auch wenn man irgendwie wahrscheinlich auf einer Messe oder sowas vor Ort ist, ist es wahrscheinlich auch extrem geil, wenn man da jemanden dabei hat, der mit denen theoretisch auch auf Landesprachspiele spielt.
SPEAKER_00Ja, auf dem Messen jetzt eher weniger, da sprechen sie ja eh alle Englisch. Naja, das, das, aber wenn du dann mit den Leuten, die Chinesisch sprechen, in den Fabriken bist, dann ist es unglaublich wertvoll. Weil dann, dann, also ich weiß nicht, ob du schon mal ein Factory-Audit gemacht hast. Wir nehmen das ja sehr ernst. Und wenn wir denn in so einer Fabrik sind, dann schauen wir uns dann schon genau an, wie die Fabrik arbeitet. Wir schauen uns dann auch so Dinge an wie Fehlerreports. Wie werden Fehlerreports oder Fehler reportet, so will ich mal sagen. Wie ist der Flow, wenn ein Fehler identifiziert wird bei einem Produkt, bei einer Qualitätskontrolle, wo geht das hin? Wie wird es denn überprüft, dass es nicht normal vorkommt, wie wird das Team gecoacht, dass sie da am Ende des Tages dann diese Fehler nicht immer und immer wieder machen. Und neue Mitarbeiter, wie lange werden die eingelernt, bevor die dann an Kundenprodukte dran gelassen werden? Das sind alles wichtige Fragen, die man stellen muss. Und wenn du dann auf Englisch versuchst, diese Fragen zu stellen, dann kommt das nicht an. Die verstehen gar nicht, was du willst. Und dann brauchst du jemanden, der das auf Mandarin erzählt und erklärt und abfordert. Zeigt uns mal bitte eure Dokumentation, wie ihr welche Produkte produziert, wie die Fehlerbehandlung ist, wie ihr euer Trainingssystem aufgebaut habt und so weiter und so. Das ist natürlich schon super, super wichtig. Und da kannst du dann auch so ein bisschen die Qualität der Factory tatsächlich am Ende des Tages einschätzen.
SPEAKER_02Was ist ansonsten so Dinge, wo du sagen würdest, okay, das ist eine Sache, die macht ihr jetzt bei euch im Sourcing-Prozess, die machen vielleicht viele Leute, machen das gar nicht, vergessen das.
SPEAKER_00Ja, es gibt viele Dinge, die wir wahrscheinlich anders machen. Das erste, glaube ich, was für uns ganz wichtig ist, weil wir mit dem deutschen Markt zusammenarbeiten, und wir haben ja vorhin schon festgestellt, dass wir bezüglich der Qualität doch ziemlich crazy drauf sind, wir geben lieber mehr Geld aus, als schlechte Qualität zu kaufen. Dass wir niemals, never ever, zuerst mit dem Hersteller über den Preis verhagen. Wenn du das machst, dann bist du automatisch in dem Materialpreis ganz unten angesiedelt. Denn was kommt denn beim Hersteller an? Wenn du sagst, ey, pass auf, ich interessiere mich für das Produkt, was kostet das? Dann denkt er sofort, der will nur billig kaufen. Und dann denkt er sofort, dann baue ich das billigste Material ein, die günstigsten Arbeitskräfte kommen da an der ganzen Geschichte und wenn es eine Powerbank ist, dann kriegt ihr eben ein 10.000 milliamp, bekommt er nur 5.000, merkt er eh nicht. Das ist das Problem, was man dann hat. Wir gehen immer erstmal über die Spezifikation. Wir sagen, pass auf, das ist unser Briefing. So muss das Produkt aussehen. Dann diskutieren wir erstmal über das Produkt selber, bis ins letzte Detail, bis er uns dann endlich einen Preis geben kann. Aber dann kommt er aus der Nummer auch nicht wieder raus. Weil der Preis wird dann für die Spezifikation abgestimmt sein und nicht nur fokussiert, wie kann ich irgendwie den Artikel zu dem Preis herstellen. Das funktioniert im Allgemeinen nicht. Nicht in Deutschland.
SPEAKER_02Ja. Allgemein super wichtig. Also niemals immer diesen Preis als allererstes. Also der Preis ist nie das Allerwichtigste, sondern natürlich logischerweise immer das Produkt, was man einkauft und dementsprechend auch die ganzen Spezifikationen, die man sich ja auch überlegt hat, also seinen ganzen, meistens ja auch seinen ganzen USP und so weiter und so fort baut. Ja, der musst du voll.
SPEAKER_00Also bei USP bin ich immer vorsichtig, da erkläre ich so ein bisschen, was wir dazu haben müssen. Aber da gehe ich nicht leicht daher und schicke ihm gleich meine ganze Spezifikation von meinem super Produkt, von meiner tollen Idee, weil wenn es nicht zum Auftrag kommt, dann wirst du den Artikel möglicherweise irgendwann mal auf Alibaba finden, als seine Produktidee und du hast dann schon automatisch Wettbewerber am Start. Du glaubst gar nicht, wie viele Leute ich auf der Canton-Fare jetzt wieder treffen werde, die jetzt Ende des Monats ist ja wieder Canton-Fair, die mit ihrem USB-Stick von Stand zu Stand laufen und die Hersteller fragen, ob sie das Produkt, was hier auf dem USB-Stick drauf ist, so nachbauen können. Das ist seine Entwicklung, sein 3D-Modell und ob das produzierbar ist. Und dann lässt er bei jedem Hersteller, dann lässt er eben sein 3D-Modell, womit man ja theoretisch schon produzieren könnte, lässt er denn da und wenn ein Hersteller sagt, der ist eine super Idee, dann mache ich das auch. Also ich kenne das auch nicht.
SPEAKER_02Dann machen die das auch, ja. Also dieses Kopieren finde ich ehrlicherweise nicht so ein Riesenproblem. Also man muss ja irgendwann an die Hersteller mit rangehen, aber was du sagst, definitiv, also diese Thematik, mit dem nicht mit allem in die Tür fallen, weil dann haben die ja gar keinen Bock, wenn du denen die erste Nachricht, die du denen schickst, irgendwie zwei DIN A4 Seiten voll ist, mit allen Sachen, die du von denen forderst, dass das natürlich das nicht so gut ist.
SPEAKER_00Die können das nicht umsetzen und geben dir irgendeinen Preis, einen random Preis, damit sie dir geantwortet haben. Die können ja kulturell gar nicht sagen, ich kann dir keinen Preis geben, ich weiß gar nicht, was du meinst. Das würden die nie tun. Damit würden sie ihr Gesicht verlieren. Also geben sie dir einfach einen random Preis. Und dann wird das spezifiziert und dann wird sich der Preis jedes Mal ändern. Und das ist genau das Problem. Nochmal ganz kurz zurück zu der Messe und mit den übertragenen Daten. Ich kenne tatsächlich so zwei, drei Hersteller aus China, die sind nur auf diesen Kanton firm messen, damit sie diese verrückten Western-Guys treffen, die ihnen freiwillig alle Produktire hinliefern. Der will gar keine Aufträge, der will einfach die Produktideen der westlichen Leute haben. Das ist super witzig. Genau, das muss man tatsächlich auch wissen und sollte man auf jeden Fall immer vorsichtig sein mit der ganzen Geschichte.
SPEAKER_02Alright. Cool. Ja, wir sind schon, wir sind schon oder wir haben jetzt schon relativ viele Sachen so besprochen. Was ist für dich so vielleicht abschließend nochmal so einfach, gerade auch, du hast schon gesagt, Herstellerbeziehungen hast du schon angesprochen. Aber was ist für dich nochmal so eine Sache, wie man diese Herstellerbeziehungen pflegen bzw. aufbauen oder einfach verbessern kann?
SPEAKER_00Was du als Händler am besten machen kannst, ist, dass du mehr bestellst. Es ist ziemlich platt, aber tatsächlich, dass du mehr bestellst, weil dann steigst du automatisch in der Hierarchie nach oben. Das bedeutet, dass du dann nicht mehr deine ursprünglichen Sales hast als Ansprechpartner, sondern vielleicht schon den Verkaufsleiter. Und wenn du dich mit dem dich ganz gut verstehst, dann musst du möglichst schnell versuchen, ein Gespräch zu bekommen mit dem Firmenleiter, also mit dem CEO. Die sind sich da nicht zu schade für, die sprechen mit jedem. Und da musst du eben schauen, dass du möglichst schnell mit denen Kontakt bekommst. Dass du vielleicht mal eine Telefonkonferenz einberufst, wenn du nicht nach China fahren kannst, sondern dass du über, so wie über Zoom beispielsweise wird es sehr gerne telefoniert und du hast dort dann auch der Geschäftsführer von dem Unternehmen dabei ist. Da musst du dich einmal gesehen haben, der musst sehen, dass du ein cooler Typ bist. Du musst bereit sein, den durch dein Unternehmen zu führen. Also besser, wenn du ein Unternehmen, also so wie bei dir jetzt zum Beispiel oder wie bei uns, dann kannst du ein bisschen was herzeigen. Wenn du nichts herzeigen kannst, dann zeigst du es besser auch nicht. Aber du hast dir sich ein bisschen vorstellen, dass das jetzt nicht irgendwie so eine kleine Ein-Mann-Geschichte ist, sondern dass da schon ein bisschen was hintersteckt. Ja, das ist wichtig. Genau. Und wie gesagt.
SPEAKER_02Und das ist auch wiederum, das impliziert, was du sagst, auch wiederum was Strategisches Vorgehen als Seller selbst eben so eine Marke aufzubauen, mehrere Produkte in einem Bereich, denn das ermöglicht einem ja auch, ich sag mal, auf Amazon irgendwann hat man immer, man verkaufst halt deine 500 Stück im Monat und vielleicht optimierst es noch auf 600, aber du kommst damit nicht auf 2.000 oder 3000 Stück. Und deswegen ist es auch immer sehr, sehr, sehr relevant, wenn man mehrere Produkte in einem Bereich hat, dass man halt einen Hersteller auf mehreren Produkten anfangen kann. Und dementsprechend auch diese Relevanz, was du gerade gesagt hast.
SPEAKER_00Exakt, ja. Wir hatten, ja damals auch mit einem Hersteller angefangen, habe ich ein Produkt bezogen und am Ende des Tages waren es dann 100 Produkte von dem gleichen Hersteller. Da hast du halt einen WIF-Status. Und dann kriegst du da auch tatsächlich über diesen WIP-Status bekommst du auch dann Zugänge zu Produktentwicklungen, die sie selber gemacht haben, aber eigentlich unter Verschluss halten. Und dann hast du auch manchmal die Möglichkeit, dass du dann als Generalimporteur für einzelne Produktgattungen dann fungieren kannst für das Unternehmen. Ich werde noch angeschrieben von einzelnen, von bereits verbotenen Produkten in Deutschland, die ich gar nicht mehr verkaufen kann. Aber da werde ich heute noch angeschrieben, ob ich nicht Generalimporteur für seine Produktlinie werden möchte, weil er braucht da jemanden, der das ganze Ding dann auf Schiene bringt. Wichtig ist dabei, das hört sich alles toll an, wichtig ist dabei natürlich, dass du die Verträge so aufsetzt, dass du da nicht missbraucht wirst. Wenn du eben dafür sorgst, dass er den Markt eintritt, dann über dich findet, dann aber die Möglichkeit, vertragstechnisch hat sehr schnell dich abzustoßen, es wäre sehr ärgerlich. Ja.
SPEAKER_02Ja. Gut, alles klar. Dann dir vielen Dank, Jens. An alle, die Sourcing interessiert sind, könnt euch ja gerne mal auf amzetpro.de. Ist das amzpro.de oder IO.io. Genau, gerne mal umschauen. Und ja, dann sehen oder hören wir uns bestimmt demnächst wieder. Wir wollten ja auch nochmal ein Video machen auf deinem Channel. Das heißt, check das auch gerne mal an. Alles klar. Und in dem Sinne, dann bisher. Ciao, ciao.