Made in China

#207 – Kann PAYBACK zur Super-App wie WeChat werden? - Mit Dominik Dommick, Managing Director von Payback

Thomas Derksen & Damian Maib

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Wir freuen uns sehr, heute Dominik Dommick, Managing Director von PAYBACK, bei uns in Shanghai begrüßen zu dürfen. PAYBACK ist für viele in Deutschland längst ein fester Bestandteil des Alltags, doch in dieser Folge schauen wir genauer darauf, warum das so ist und was das Loyalty-Modell so erfolgreich macht.
In dieser Folge sprechen wir darüber, ob PAYBACK zur Super-App wie WeChat werden kann und warum sich das Modell in Deutschland so stark durchgesetzt hat. Dominik erklärt, wie das Unternehmen 35 Millionen Mitglieder aktiviert, wie Personalisierung funktioniert, ohne Vertrauen zu verlieren, und welche Rolle Daten, Datenschutz und Nutzerfreundlichkeit dabei spielen.

Außerdem geht es um die Frage, was Deutschland von China lernen kann, warum Dominik die Entwicklung von Apps und Bezahlprozessen vor Ort genau beobachtet und welche strategischen Prioritäten PAYBACK in den kommenden Jahren verfolgt. Dabei wird auch deutlich, warum Loyalität nur dann funktioniert, wenn sie im Alltag wirklich relevant bleibt.

Vielen Dank an Dominik für das offene Gespräch und die spannenden Einblicke in die Zukunft von Loyalty, Daten und digitaler Kundenerfahrung.

Viel Spaß beim Anhören!

Gast: Dominik Dommick

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Moderatoren & Hosts: Damian Maib & Thomas Derksen

Schnitt & Produktion: Valissa Petzold

SPEAKER_00

Made in China. Von der Werkbank der Welt zum größten Konsumentenmarkt und Technologieführer. Eine Reise durch das Leben, Business und die Kultur im Reich der Mitte. Mit Damian Meip und Thomas Dergsen.

SPEAKER_02

Herzlich willkommen zum Made in China Podcast. Heute in unserer altbekannten und allseits beliebten Konstellation bei Damian im Büro im schönen Karlowitz Building mit Blick auf den Bund. Hier und heute haben wir hohen Besuch aus Deutschland, nämlich Dominik Dobik, der Managing Director von der Payback GmbH. Und was er hier in China macht und warum er hier ist, das erzählt er uns gleich, aber erstmal herzlich willkommen zu unserem Podcast. Vielen Dank, danke für die Einladung. Und wir fangen wie immer an mit drei kleinen Eisbrecherfragen, die du mit einem Wort oder einem Satz beantworten kannst. Alle drei. Ja, einer nach dem anderen.

SPEAKER_04

Genau, ja, herzlich willkommen auch von meiner Seite, Dominik. Schön, dass du heute bei uns bist. Die erste Frage. Stell dir vor, du könntest für einen Monat irgendwo leben. Wo würdest du deine Basis aufschlagen?

SPEAKER_01

Also es klingt jetzt albern, aber ich finde es schon halbweglich extrem spannend, weil es so ein bisschen das ist, was wahrscheinlich New York in den 80ern da war. Da war ich noch zu klein, um New York wirklich in der Form zu erleben. Aber inzwischen ist es ja so, wir sind relativ häufig und regelmäßig in New York, American Express Tochter. Damit gehört es einfach zum Business dazu. Faszinierende schöne Stadt, aber man kennt es auch nicht.

SPEAKER_04

Welches Hobby machst du gern, das die meisten Menschen noch nicht von dir kennen?

SPEAKER_01

Gute Frage. Also ich glaube, die meisten Menschen kennen gar keine Hobbys von mir, aber was beschäftigt mich häufig? Ich habe mich so ein bisschen daran verliebt, so wie Bill Gelzer schon vor vielen Jahren angekündigt hat für sein Haus. So ein vollautomatisiertes, selbstdenkendes, Einman-artiges Haus irgendwie zu erstellen für sich selber. Und das tut man ja so ein bisschen mit der Überschrift, dass es einem dann Zeit spart. Das tut es natürlich nicht, sondern es kostet hundertmal so viel Zeit, das aufzusetzen. Und das kann man auch nur selber. Das kann gar keiner für einen in der Tiefe machen, wie man nachher spart. Aber ich finde es faszinierend und spannend. Das mache ich gerne.

SPEAKER_02

Genau, darum geht es ja bei Hobbys, um Spaß zu machen. Und jetzt kommen wir zu den ernsthaften Fragen. Die drei Fragen hast du gut beantwortet. Und ich habe ja bei einer Ausbildung bei der Kreissparkasse Köln gemacht und damals bei der Sparkasse wurde immer gesagt, die Sparkasse hat 95% Bekanntheit in Deutschland und man war ganz stolz darauf. Und jetzt ist dein Arbeitgeber ja auch ganz ähnlich. Also Payback ist ja super bekannt in Deutschland, jeder kennt es, jeder liebt es. Aber trotzdem nochmal für alle, stell dich mal kurz vor, wer bist du und was machst du bei Payback und was macht Payback eigentlich über das hinaus, was allgemein bekannt ist?

SPEAKER_01

Ich bin einer der Geschäftsführer bei Payback, inzwischen seit 15 Jahren bei Payback. Das ist dann die überwiegende Zahl auch unserer Existenz, weil wir 25 Jahre alt geworden sind, jetzt gerade letztes Jahr. Payback ist ein Loyalitätssystem mit über 35 Millionen aktiven Kunden in Deutschland alleine. Und damit sind wir, wenn du eben sagst, Sparkasse, also die Penetration, die wir haben, jeder zweite Haushalt größer als jede deutsche Partei, in der Zustimmung größer als die politischen, wie gesagt, die politischen Parteien größer als die meisten Banken. Sparkassen ein bisschen was anderes, aber mit denen Partnern wir jetzt auch genau deswegen gerade seit diesem Jahr. Es ist einfach eine Haushaltbrand, die gerade wenn man auch in China hier mit Partnern redet, das gar nicht so richtig einordnen können, was das für eine Besonderheit eigentlich im deutschen Markt hat, in dieser Größe und in dieser Relevanz.

SPEAKER_04

Ja, eben, bei 35 Millionen aktiven Kunden, das ist ja dann, entspricht ja eigentlich jedem Haushalt.

SPEAKER_01

Jeder zweite, ja. Aber auch das, also ich meine, die Deutschen haben ja so eine Eigenheit, die mich schon mein ganzes Berufsleben begleitet und die auch der Grund dafür ist, warum Amerikaner ja sogar von German Angst sprechen. Also wir sind ja schon ein Volk, schon bei den Germanen, die irgendwie Angst haben, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Und also Deutsche haben immer viele Gründe für Sorge oder Ablehnung. Und also ich würde bis zum gewissen Grade sagen, jeder zweite Haushalt ist bei uns und jeder erste Haushalt redet über Datenschutz, ohne genau darüber nachzudenken, ob der Datenschutz zum Beispiel beim Briefgeheimnis oder beim Besuch des Arztes oder beim Bankgeheimnis das gleiche ist wie bei Tomaten- und Zahnpasta. Und das trennen Deutsche nicht, sondern werfen es alles in einen Topf. Und damit hast du wahrscheinlich den großen Faktor dafür, warum es nur in sehr großen Anführungszeichen jeder zweite Haushalt ist, weil dir in jedem ersten Haushalt irgendeiner erklärt, ja, aber ich gebe doch meine Daten da nicht irgendwie hin. Und da ist, wie gesagt, aus meiner Sicht schon ein Unterschied zu sehen zwischen Waren des täglichen Verbrauchs, wo sich ja auch keiner schützend über das Band im Supermarkt beugt, wenn er da seine Produkte kauft. Und es ihm ziemlich egal ist, dass jeder das dahinter sieht. Und genau diese Daten sind es, mit denen wir letztendlich unsere Angebote gestalten. Aber so sind Deutsche.

SPEAKER_02

Und trotzdem seid ihr wirklich sehr erfolgreich in Deutschland. Und mir ist nicht bewusst, dass es ein ähnliches Programm in China zum Beispiel gibt oder in den USA wahrscheinlich eure Mutter Amex, über die man dann Punkte sammelt, aber dass es ein Standalone-Programm gibt, das so erfolgreich ist. Warum ist das in Deutschland geboren und warum gerade in Deutschland so erfolgreich und in anderen Ländern nicht?

SPEAKER_01

Es ist ja mal so, bei sowas, ich denke, das gilt für die chinesischen Gründergeschichten hier auch. Es ist immer so eine Mischung aus richtiger Zeitpunkt, richtiger Ort, richtiger Idee und dann danach auch gut machen. Unser Gründer kam aus der Beratung, hat Lufthansa Miles More auf der Beratungsseite sozusagen aufgebaut und hat dann eben von der Idee her gesagt, das geht doch auch im Retail, was da für Airlines geht. Und dann eben so ein Multipartner-Konzept. Und das ist dramatisch besser eingeschlagen, als man es sich ohnehin schon gedacht hatte. Und ich glaube, es war der richtige Zeitpunkt, das zu tun und der richtige Winkel, das zu tun. Wenn man jetzt zum Beispiel versucht, in Märkte zu gehen, wir sind ja auch außerhalb von Deutschland tätig, in Österreich, in Polen, in Italien und so weiter, das ist schwerer geworden jetzt, weil natürlich jeder Händler sagt, ich habe doch meine App und wie integriert sich es damit. Wir können das sehr gut integrieren, aber der Staat ist irgendwie schwieriger. Und wir haben es tatsächlich auch versucht, das war der Grund, warum American Express uns gekauft hat vor über 15 Jahren, weil wir das in Amerika dann auch gelauncht haben und auch das war kein Nobrainer. Hat nicht funktioniert, ehrlich gesagt, verschiedene Gründe dafür. Aber einer ist eben tatsächlich auch dieser Zeitpunkt, zu dem ein Launch deutlich schwieriger ist, als es vor 25 Jahren war.

SPEAKER_04

Timing. Timing ist wichtig, ja. Teilweise alles. Und ja, du hast damals, wenn wir richtig informiert sind, als Kfz-Mechaniker angefangen und bist jetzt Managing Director eines der größten Loyalty-Programme Europas. Was war der entscheidende Wendepunkt in deiner Karriere?

SPEAKER_01

Ja, das ist also richtig und falsch informiert. Also erstens sind wir natürlich das größte Loyalty-Programm und nicht nur in Europa. Nein, aber Spaß beiseite. Also ich habe nie als Kfz-Mechaniker gearbeitet. Ich habe nur die Ausbildung gemacht, direkt vor dem Studium mit dem Plan, danach auch zu studieren. Ein bisschen anders, als ich es dann nachher genutzt habe in der Karriere, aber das war nicht der Plan, so zu arbeiten. Also als Hobby, Spaß am Auto. Nein, also mein Vater ist Professor gewesen in der Fachhochschule und hat halt immer diese Mischung aus Wissenschaft und Praxis als Zielbild auch von Ausbildung und beruflicher Sozialisation, was ich, glaube ich, auch sehr gut finde. Und deswegen war aber immer so die Prägung bei mir zu sagen, man muss auch mal, wie wir Deutschland sagen würden, was gelernt haben, bevor man studiert. Aber nicht mit dem Sinn, das als Beruf auszuüben, aber tatsächlich das sozusagen getan zu haben. Und ich habe ein Studium gemacht als Wirtschaftspädagoge, wo man auch eine Ausbildung oder ein mindestens, ich glaube, einjähriges Praktikum oder so in der Form voraussetzt. Also das, was bei uns bei den Politikern leider keine Voraussetzung ist in Deutschland, ist dort Studienvoraussetzung. Und insofern, ehe man dann ein einjähriges Praktikum macht, dann macht man doch lieber gleich die volle Ausbildung. Und das war der Hintergrund. Also es war bis zum gewissen Grade Studienvoraussetzung, sowas zu haben.

SPEAKER_02

Ja, super spannend. Also auch die Worte meiner Eltern, lernen wir was Vernünftiges. Ich wollte schon Chinesisch lernen direkt nach dem Abitur. Und mir sagt, mach erstmal die Ausbildung und dann kannst du immer noch. Wir hatten die wahrscheinlich gedacht, dass mir die Flusen dann ausgetrieben werden. Ist aber nicht erfolgreich gewesen. War dann trotzdem noch. Und wir haben jetzt über die Ups und Downs im Geschäftsleben und im privaten Leben ja auch kurz im Vorgespräch gesprochen, jetzt über das Business in China und bei euch, da haben wir auch gelesen, also ihr habt ja auch verschiedene Partnerschaften 2024 nicht mehr mit Rewe und Penny zusammengearbeitet. Und da weiß ich, auch ich als Kunde und als Nutzer fand das damals auch total schade. Ah, jetzt nicht mehr bei Rewe, weil bei uns auf dem Dorf gab es nur ein Rewe. Und da gleichzeitig aber auch Edeka und Neto gewonnen. Und wie geht ihr mit solchen Dingen um? Ich meine, da gehen ja dann verschiedene, für viele Kundengruppen, große Kundengruppen verloren, neue kommen hinzu, ist das etwas, was ihr absichtlich herbeigeführt habt oder irgendwie wie der Markt euch mitgespielt habt. Kannst du uns mal ein bisschen hinter die Kulissen mitnehmen?

SPEAKER_01

Naja, wir sind als Loyalty-System, das ist so ein gleiche Prinzip wie in der Ehe, gilt ja Exklusivität, zumindest grundsätzlich. Und in der Ehe vielleicht grundsätzlich und bei uns tatsächlich absolut. Und damit ist man immer mit dem jeweiligen oder mit einem großen Spieler innerhalb eines eines Verticals, eines Marktsegmentes liiert. Und das waren wir über viele Jahre sehr, sehr positiv mit der Rewe. Man muss aber auch sagen, dass Edeka 30, 40 Prozent größer ist im deutschen Markt als die Rewe. Und es insofern für uns deutlich nochmal interessanter war, weil gerade der Lebensmitteleinzelhandel so ein bisschen das Schwungrad eines solchen Systems ist, wie wir das machen. Und damit war für uns der Wechsel zu Edeka hochattraktiv. Und genauso hat sich das auch tatsächlich danach ausgespielt. Wir sind um mindestens drei Millionen Kunden gewachsen. Innerhalb kürzester Zeit, die Verfügbarkeit über die Deutschlandkarte hinweg von Edeka ist wesentlich besser. Das heißt, genau das, was du beschreibst, ist dann eher der Einzelfall. Eigentlich ist die Versorgung mit einem Lebensmitteleinzelhändler deutlich besser geworden durch diesen Wechsel. Und deswegen fanden wir den gut und finden das auch immer noch.

SPEAKER_04

Ja, sehr schön. Dann herzlichen Glückwunsch zu dem großen Schritt nochmal oder guten Schritt nachträglich. Das ist ja nur zwei Jahre her. Und Sparkassen, wir haben es angesprochen, Thomas, du warst bei der Sparkasse. Auch die Sparkasse hat eine sehr hohe Bekanntheitsgrad in Deutschland. Dort sammelt man jetzt automatisch Punkte beim Bezahlen. Euch steht Banking auch irgendwann auf der Liste bei Payback. Es gibt ja immer wieder Unternehmen, die sich in eine andere Richtung oder hier vertikal integrieren oder mal was anderes machen, vor allem in China. Da macht Xiaomi auf einmal nicht nur Powerbank, sondern Autos. Es gibt ja viele Digitalbanken wie Revolut oder auch Scalable Capital.

SPEAKER_01

Steht sowas bei euch auch irgendwann auf der Liste? Also Banking im engeren Sinne nicht, aber mit Finanzprodukten sind wir eigentlich von jeher verknüpft. Also wir haben schon immer Finanzprodukte gehabt, wie eine Visakarte, die wir weiterhin haben, wie die American Express Cobran Card, die wir haben. Es ist das größte American Express Kartenportfolio in Deutschland, ist die Cobran-Kart mit uns. Wir haben mit Payback Pay als Mobile Payment Solution eine der wirklich großen Mobile Payment Solutions in Deutschland. Das heißt etwas weniger, als es jetzt klingt, weil Mobile Payment in Deutschland, wir hatten vorhin darüber gesprochen, German Angst, oh Gott, neues Bezahlmittel, warum denn ausprobieren? Ganz anders als die Chinesen. Aber auch das ist in Millionen zu messen, was wir da an Nutzern haben. Also insofern, wir haben immer eine Verquickung und eine Verknüpfung mit Zahlung, weil natürlich dieser Loyalty-Prozess mehr oder weniger zeitgleich im Konsumprozess stattfindet. Also ganz simpel gesagt, ich stehe an der Kasse und an der Kasse muss ich zahlen in irgendeiner Form. Und wenn ich Loyalty-Punkte sammeln möchte, Payback-Punkte sammeln möchte, dann muss ich mich auch irgendwie identifizieren, meine Coupons einlösen und dergleichen. Das ist ein Prozess eigentlich, ja. Und je integrierter der für den Kunden abläuft, desto besser ist das. Online gilt genau das Gleiche. Und insofern haben wir sehr früh überlegt, wie integrieren wir das am besten, damit auch an der Kasse nicht so ein Shuffling von Methoden irgendwie stattfindet. App und Karte und vielleicht ein Apple Pay und eine Karte dazu oder zwei verschiedene Apps oder dergleichen. Das ist halt ein integrierter Prozess, ein Rutsch. Und daran werden wir auch weiter arbeiten, das zu tun, aber das ist kein Banking dann im engeren oder erweiterten Sinne, je nachdem, wie man drauf schaut.

SPEAKER_02

Ja, und du hast gerade schon die Daten erwähnt. Daten ist ja das Gold des 21. Jahrhunderts. Damit kann man viel Geld verdienen, aber auch viel Schindbluder treiben. Und ihr sitzt ja auf einem riesigen Datenschatz, was viel Geld wert ist, wirklich im wahrsten Sinne des Wortes. Und übrigens auch in China gibt es viele Daten und die chinesischen Kunden und Kundinnen sind auch wirklich auch datensensibel. Das meint man oft gar nicht, aber das sieht man auch, dass denen das auch wichtig ist. Und wie nutzt ihr diese Daten um? Ihr seid natürlich ein Unternehmen, ihr müsst Geld verdienen, ihr wollt eure Angebote personalisieren, aber trotzdem, dass der deutsche Kunde nicht denkt, meine Daten werden irgendwie für etwas genutzt, was ich nicht möchte, und dass sie nicht das Gefühl bekommen, Gläser zu sein.

SPEAKER_01

Also einer der Gründe dafür, warum wir so viele Kunden in Deutschland haben, ist, dass wir mit Daten eben nicht handeln. Also die, die uns nutzen, haben verstanden, dass das so ist. Den anderen müssen wir es vielleicht nochmal ein bisschen klarer machen. Also so sehr du natürlich völlig recht damit hast, dass es das Gold des 21. Jahrhunderts ist, vielleicht auch ein bisschen übertrieben, finde ich, wenn ich darauf schaue, wie das diskutiert wird, aber ein unglaublich wertvolles Asset ist, so sehr behalten wir eigentlich diesen Datenschatz ausschließlich bei uns im Verbund. Also wer kein Partner von uns ist, kann nicht in irgendeiner Form Daten von uns kaufen. Wir vermieden, verkaufen die nicht oder dergleichen, sondern es ist wirklich eine Nutzung ausschließlich im Verbund. Und in dem Verbund nutzen wir es halt so, dass der Kauf einer Kundin bei Händler A auch das Targeting für Produkte von Händler B innerhalb dieses Verbundes beeinflusst. Und da gibt es halt interessante Überlappungen, auf die man normalerweise jetzt nicht unbedingt kommt. Also dass man zum Beispiel sieht, wenn Kunden bei unserem Tankstellenpartner Aral hochwertige Spritzorten tanken, dann sind sie auch für Bio-Nahrungsmittel besonders empfänglich. Also fast ein bisschen widersprüchlich. Woran liegt das, wer kann sich das leisten, welcher Haushalt macht das? Ich will die Stereotype jetzt nicht weiter ausführen, aber genau die zeigen sich da alle. Wer also in den SUV den teuren Sprit tankt, der ist auch affiner dafür, die teureren Lebensmittel in sich selber hineinzutanken, sozusagen. Und die hochwertigeren. Und solche Überschneidungen, also solche Datenüberschneidungen sind das, was das Targeting dann an der Stelle verbessert. Und damit profitieren wieder die Partner in Wechselrichtungen innerhalb des Verbundes. Aber darüber hinaus betreiben wir absolut kein Datengeschäft.

SPEAKER_04

Sehr, sehr spannend. Und ja, den Nutzern scheint es auch zu gefallen, wie ihr das targetet und auch eure Apps ausgestaltet. Ihr wurdet jetzt von über 100.000 Nutzern zur nutzerfreundlichsten App 2026 gewählt. Was habt ihr denn zum Beispiel in den letzten zwei Jahren konkret verändert oder verbessert?

SPEAKER_01

Ja, also das Interessante daran ist, ich meine, traue keinem Preis oder keiner Studie, die du nicht selber in Auftrag gegeben hast, aber wir haben tatsächlich jetzt zwei Jahre in Folge von den unterschiedlichsten Erfassungen eigentlich immer das gleiche Feedback zurückbekommen. Also das ist vom SZ-Institut ist das so, beim Fokus ist das so, in der Wirtschaftswoche ist es so, ist immer das gleiche Ergebnis. Zum Teil jetzt das zweite Jahr in Folge, zum Teil das erste Jahr dieses Mal, dass halt die Payback-App nicht im Segment von Loyalty und auch nicht im Segment vom Shopping, sondern insgesamt auf Platz 1 landet, was Wertigkeit, Nutzen stiften oder Usability angeht. Und das ist natürlich wirklich ein Ritterschlag. Das liegt an 18 Millionen aktiven Nutzern, die dadurch eine große Vereinfachung irgendwo erfahren, indem sie mit einer App so ein bisschen wie dem Schweizer Taschenmesser einfach die unterschiedlichsten Services, Dienste, Onlineshopping, stationär, verschiedene Händler und eben nicht immer für jeden Einzelnen das eigene Messer und den eigenen Schraubenzieher brauchen, sondern dann eben so als aggregiertes Werkzeug. Insofern zu der Frage, haben wir dann in den letzten zwei Jahren gewaltig irgendwas dran verändert? Nein, haben wir nicht, sondern wir sind konsequent seit vielen Jahren daran, dieses Universalwerkzeug so gebräuchlich und so gut wie möglich zu schleifen und zu machen. Und das zahlt sich dann in der Form auch aus. Das ist nicht der eine Launch des einen Features oder dergleichen, sondern ich glaube, das ist das Abbild dieser Maßnahmen der letzten Jahre.

SPEAKER_02

Wir alle kämpfen ja um die Aufmerksamkeit von den Privatpersonen von Kundinnen und Kunden und wir wollen, dass die Leute unser Podcast hören und dann sind wir erfolgreich. Damian möchte, dass die Leute auf seine Online-Shops gehen, beziehungsweise die von seinen Partnern. Und ich möchte, dass die Leute meine LinkedIn-Beiträge lesen und ihr möchtet, dass die Leute die Karte auch wirklich nutzen oder das Programm auch wirklich nutzen. Das ist aber schwierig, weil man muss den Kunden dazu erziehen, in Anführungsstrichen. Und es hilft euch ja nichts, wenn die Kunden sich nur einmal registrieren und dann die Karte dann im Portemonnaie versickert oder die App im Handy. Und jetzt mal so als Tipp für alle, die hören, wir haben ja auch viele Leute, die eigene Businesses haben, die es hören, was sind so eure Hebel, wie ihr es schafft, dass die Leute beim Bezahlen auch daran denken, ich habe ja noch hier dieses Payback-Programm und ich scanne mal meinen Code auf der Karte oder in der App.

SPEAKER_01

Naja, das ist so platt, wenn man sagt, es hat einfach damit zu tun, ob sie wirklich einen Nutzen bringt oder ob die Dienste oder die Features wirklich einen Nutzen bringen. Und das sieht man bei uns, finde ich, an einer Metrik extrem gut. Also die Payback-Punkte verfallen nach drei Jahren. Und man könnte, wenn man etwas lästerlich ist, sagen, sie werden einem ja fast an der Kasse aufgezwängt. Also das heißt, ich gehe ja zur Kasse, nutze Payback, möchten Sie die Punkte sammeln, haben sie die Karte dabei, wie auch immer diese Frage aussieht. Und das heißt also, das Reihen der Punkte passiert eigentlich durch diese Frage. Und das raus, dafür muss der oder die Kunden ja aktiv die Punkte dann einlösen gegen die unterschiedlichsten Einlösungen meistens. Also die Mehrzahl der Einlösungen passiert an den Kassen der Partner. Man würde immer denken, das wird eingelöst für Rührwesen und Weihnachtsglocken, aber der größte Anteil passiert an den Kassen der Partner. Dann natürlich auch für bestimmte Vouchers oder Rewards. Und was denkt ihr, wie hoch der Prozentsatz der verfallenen Punkte ist?

SPEAKER_02

Ein Drittel.

SPEAKER_04

Ja, das ist natürlich immer schade, solche Punkte verfallen zu lassen, ja. Aber ich glaube war, 25 Prozent.

SPEAKER_01

Und das würde jeder so sagen, ungefähr. Es sind 5 Prozent. Nicht schlecht. 95 Prozent werden eingelöst und das muss ich eben kratensisch selber tun und daran sieht man einfach, was für eine Hardwährung dieser Punkt in den Köpfen der Nutzerinnen ist.

SPEAKER_02

Und es ist es ja auch im wahrsten Sinne des Wortes. Ich weiß nicht, ob es noch geht, aber vorher ging es auch gegen Cash, um damit bezahlen quasi.

SPEAKER_01

Also in verschiedener Hinsicht hart, weil zum einen auch, was uns auch unterscheidet zu vielen anderen Ansätzen von Loyalty, von Punkten, von Meilen, häufig auch bei Airlines und so weiter, ist, der Punkt hat immer exakt den gleichen Wert. Ein Punkt ist ein Cent. Immer. Und das heißt, es gibt auch keine Foren, so wie sie sonst existieren, von wenn du das machst, dann kommt der Wert raus. Wenn du das machst, kommt der Wert raus. Nein, er ist immer gleich. Wie eine Währung. Nicht wie bei MX. Genau. Ja, fair, auch da anders, ja, genau. Und das heißt, hier ist ja immer gleich, das führt zu einer hohen Transparenz. Wir wollen keine Breakage, wir wollen keine verfallenen Punkte, weil wir wollen diese Velocity, diese hohe Nutzung im System. Das ist, glaube ich, ein Faktor. Und dadurch entsteht diese Wahrnehmung der Punkte als in ihrer Wertigkeit. Und das ist wahrscheinlich die Antwort darauf. Also wie macht man das? Man muss Dafür sorgen, und das kann man Kunden nicht einreden, sondern das müssen sie so erleben, dass es eine nachhaltige Wertigkeit dessen gibt, was man da anbietet.

SPEAKER_04

Ja, wie schafft ihr das, dass ihr eben diese nachhaltige Wertigkeit habt? Also ihr müsst das Loyalty-System haltet ihr übersichtlich. Du sagtest gerade, ein Punkt ist immer den gleichen Centbetrag irgendwie wert. Was sind denn die Top-Produkte, für die die Kunden dann wirklich die Punkte einlösen?

SPEAKER_01

Ja, ich hatte ja eben gesagt, also mehrheitlich, weit überwiegende Anteil passiert direkt an den Kassen der Partner. Das ist so ein bisschen so, wie so ein Pfandgutschein funktioniert. Also ich bin in der Lage, direkt, wenn ich Produkte im Wert von X auf das Band schiebe, direkt Y abzuziehen. Direkt im selben Vorgang. Das ist der Haupteinlösekanal und der Haupteinlösezweck der Punkte. Und darüber hinaus sind es dann inzwischen viele auch Vouchers für die unterschiedlichsten Shops und Händler. Und weiterhin natürlich bestimmte Prämien, sehr häufig Küchengeräte, küchennahe Produkte und so weiter.

SPEAKER_03

Im Online-Shop-Online-Stat.

SPEAKER_01

Im Payback Reward Store, ganz genau, ja. Aber wie gesagt, deutlich kleinerer Anteil als die direkte, sozusagen, Flow-integrierte Einlösung an der Kasse.

SPEAKER_02

Was mich damals bei unserem Vorgespräch, als wir das erste Mal gesprochen haben, online so verwundert hat, ist, was macht der Payback MD in China? Warum kommt der Payback MD nach China? Weil man würde jetzt nicht, ihr seid ja eine typisch deutsche App, würde ich jetzt mal sagen, europäisch, hast du ja gesagt, aber ihr seid ja hier nicht vertreten und das interessiert die Leute wahrscheinlich auch, was ist für euch spannend, in China zu sehen.

SPEAKER_01

Ja, ich wollte in dem berühmtesten weltweiten Podcast setzen. Genau. Und da ihr kein Büro in München habt, muss ich es dann ja erst. Ja, es kommt noch. Danke, dass du gekommen bist. Nein, also auch das natürlich, aber ich finde, wirklich der wesentliche Antrieb ist tatsächlich, wenn man mal so zurückguckt und ich mache das ja jetzt auch schon irgendwie seit ein paar Jahren, und wenn man sich so Digitalisierung und digitale Nutzung anschaut, dann war das vor vielen Jahren ja tatsächlich so, dass man häufig nach Amerika geschaut hat. Geschaut und geflogen ist, um sich anzugucken, wie fühlt sich das an im Silicon Valley, wie machen die das? Welche Startups gibt es? Was für innovative Produktideen gibt es? Ist da was für mich dabei? Kann ich das für mich als Firma auch nutzen und so weiter. Ich glaube, dass dieser Competitive Edge, wenn man es neudeutsch sagen möchte, bei den Amerikanern natürlich auch irgendwo immer noch vorhanden ist, aber er ist in China um den Faktor 10 größer. Es ist auch ein bisschen schwieriger, diese Beobachtungen, die man dann macht, zu übertragen. Ich glaube, sie sind auch nicht alle übertragbar. Also bei Amerika war es relativ einfach. Es gibt ja ganze Startup-Gruppen in Deutschland, die haben eigentlich nichts anderes gemacht, außer nach Amerika fliegen, sich angucken, was gibt es da, den Klon davon aufsetzen und danach teuer verkaufen. Ja, hat ja super funktioniert. Das geht, glaube ich, mit China so nicht. Also ich glaube, du könntest nicht nach China fliegen und sagen, hier gibt es die folgenden zehn hippen Startups, ich mache genau den Klon da in Deutschland und danach kaufen die mir das ab. Ich glaube, das würde so nicht funktionieren. Aber wenn man es mehr, etwas mehr filtert, was man muss, dann glaube ich, sind Dinge zu beobachten, die sehr, sehr interessant sind für eine Firma wie uns. Und die kann man leider auch nur hands-on beobachten. Das heißt, man muss sich wirklich in dem User Flow im Supermarkt, an der Kasse, bei einem McDonalds hier, anschauen, was passiert da eigentlich anders, als man das im besten Handhabt und ist davon etwas übertragbar? Und das ist das, was uns interessiert und was der Hauptgrund ist.

SPEAKER_04

Ja, spannend. Ja, können wir nur bestätigen, freut uns auch zu hören, dass du das sagst und auch viele Leute davon Nutzen machen, dass sie wirklich nach China kommen und vor allem ohne Visum ist das ja momentan wirklich ein großes Geschenk. Du warst auch vorletztes Jahr bei der K5 China Expedition. Jochen war bei uns auch kürzlich im Podcast. Du warst dort in Peking, in Hangzhou, in Shanghai. Auch dieses Jahr nimmst du daran teil, es gibt dann andere Städte. Aber was hat dich dort am meisten überrascht?

SPEAKER_01

Also ich glaube, das ist eine Summe von Teilen. Es ist jetzt nicht so, dass ich sagen könnte, irgendwie eine Sache hat mich am meisten überrascht. Oder vielleicht ist es das, was ich gerade, was du gerade in der letzten Frage ja auch getriggert hattest. Also dieser Innovationsgrad, die Andersartigkeit gerade in digitalen Angeboten. Das steht so ein bisschen über allem. Ich finde, die, also wir haben einen unglaublichen Fokus auf App und App-Nutzung, mehr als wahrscheinlich andere Dienste und Services nochmal in Deutschland das haben. Dadurch, dass wir kein direkter Händler sind, ist es bei uns ja auch nochmal ein bisschen anders. Also wir sind kein direkter Retailer oder Online-Retailer, sondern wir sind eben ein Service, der Offline- und Online-Retail irgendwo in Apps abbildet. Und da sind natürlich Vielzahlen von Strategien, von Angeboten, von Prozessen, wie sie in China gehandelt werden, sehr, sehr interessant, weil China hat ja diese Bereitschaft auch alter Generationen zum Nutzen von Mobile Devices für die unterschiedlichsten Prozesse, habe ich so noch nicht gesehen irgendwo in anderen Ländern. Also für letzte wirklich eine der Lieblingsgeschichten dieser Reise mit der K5 war, als wir, ich glaube, mit zwei, drei anderen Kollegen standen wir am Straßenrad und wollten ein Taxi anhalten. Und was machst du halt als Westler, sage ich jetzt mal, wenn du ein Taxi anhaltest und du hältst die Hand raus. Und die Taxis fahren alle an uns vorbei. Und dann dachten wir, okay, vielleicht wollen sie keine Langlasen mitnehmen oder sind irgendwie doch voll, obwohl es nicht so aussah. Und dann hielt hinter uns wirklich eine ältere Frau an auf dem Fahrrad, hervorragendes Englisch, und sagt, You can't do it like this, you need to use the app. Do you have the app? Und das ist halt einfach, das sagt in einer Geschichte alles für mich.

SPEAKER_04

Wenn ihr so 30 Jahre älter ist als ihr, dann erklärt euch, wie ihr es verfügt.

SPEAKER_01

30 Jahre älter als wir. Ein bisschen sehr hilfsbereiter, freundlicher Blick, aber ein bisschen Mitleid im Blick, wie wollen die ein Taxi anhalten? Kommen die aus der Steinzeit so. Und ich finde, das ist wahrscheinlich die Geschichte, die am besten fasst, warum man sich das in China mal anschauen muss.

SPEAKER_02

Ja, 2012, als ich hier studiert habe, da ging das noch mit der Hand raus. Und da siehst du auch, wie schnell das sitzt. Ganz schnell Geschichte. Ja, auch damals, als ich hier studiert habe, da gab es keine Essensauslieferung. Da musste ich noch beim Restaurant anrufen und mir das dann bestellen. Das war auch so ein bisschen wie Glücksrat. Ich wusste nicht, mit meinem Chinesisch musste ich dem erklären, was ich haben wollte. Und da gab es auch keine Auslieferungsfahrer. Und mittlerweile ist das eine riesen Branche hier. Riesenarbeitgeber. Die Geschwindigkeit ist auf jeden Fall super, super spannend. Und Elon Musk ist ja immer super neidisch auf WeChat, weil WeChat alles kann und er würde auch gerne X, das ehemalige Twitter, dazu umbauen und da kann man ja bezahlen, shoppen, kommunizieren, daten, Spiele spielen, Stromrechnungen begleichen und so weiter und so fort. Und meinst du, dass es sowas oder sowas ähnliches auch irgendwann mal in Deutschland geben würde? Oder würde es daran scheitern, an den Datenschutzbedenken, dass keiner möchte, dass alle Daten bei einem Anbieter sind und wenn das möglich ist, welche Rolle würde Payback dabei spielen?

SPEAKER_01

Also ich glaube, es ist nicht vermessen, wenn ich sage, dass wir am nächsten dran sind. Und dann muss ich im nächsten Satz sagen, dass wir wahnsinnig weit weg sind. Aber wir sind wahrscheinlich von den Angeboten in Deutschland am nächsten dran, an dem, was man in China beobachten kann. Deswegen ist China auch so wichtig, um sich das anzuschauen, um zu verstehen, was passiert da eigentlich. Warum sage ich das? Wir haben diese gigantische Reichweite von fast 20 Millionen aktiven Nutzern in der App und was jetzt die reine App-Nutzung angeht, und es ist eine sehr, sehr große Angebotsvielfalt. Ich kann die unterschiedlichsten Dinge tun, so ein bisschen, wie du es gerade beschrieben hast. Ich kann damit zahlen, ich kann damit Spiele spielen, Online-Spiele spielen, ich kann damit online einkaufen, ich kann damit Versicherungsverträge abschließen, ich kann mir eine Kreditkarte holen, ich kann in die Händler-Stores gehen. Also es ist schon eine sehr, sehr breit gefasste, sowohl in der Reichweite als auch im Inhaltsangebot aufgesetzte App. Und trotzdem bin ich mindestens so neidisch, wenn ich neidischer als Elon Musk darauf, wie es sich dann in China nochmal darstellt. Gibt es ja auch weltweit kein einziges anderes Land, in dem es diesen Effekt irgendwie gibt. Das liegt natürlich so ein bisschen an dieser Trägerschicht zum Beispiel Chat. Also wenn man jetzt in der Lage wäre, in Deutschland auf WhatsApp ein Programm aufzusetzen, so wie wir das zum Beispiel betreiben, wäre das eine ähnliche Maschine, glaube ich. Aber dafür ist es zu spät. Also wenn ich jetzt einen Chat bei mir in der Pebx-Software einführen würde, dann würde nicht fliegen. Aus verschiedenen Gründen. Erstens, weil ein bisschen wie vorhin auch gesagt, Zeitpunkt, glaube ich, nicht mehr passt und bestimmte Entwicklungen sich halt schon etabliert haben. Zweitens, weil die Nutzer dann sagen würden, ich möchte doch nicht mit so einer auf der einen Seite kommerziellen App und dann auf der anderen Seite darin auch chatten. Das will ich doch miteinander so gar nicht verbinden. Und da ist natürlich unsere kommerzielle Orientierung noch viel, viel sichtbarer als zum Beispiel bei einem Google. Da gibt es ja auch diese Bedenken schon, ja. Und der macht ja nicht den ganzen Tag eigentlich nur Handel, so wie wir das tun in der Begleitung. Also ich glaube, dass das nicht möglich ist, dieses Super-App-Prinzip leider in Europa, egal aus welchem Winkel, nachzugestalten, aber man kann zumindest ähnliche Prozesse und bestimmte Vorteile und so weiter sich sehr gut in China anschauen. Und unser Anspruch ist natürlich, das passt zu eurer Frage vorhin, wie macht man das, dass die Nutzer das relevant finden und dass es für seine Wertigkeit hat. Ja, man muss natürlich diese Komplexität irgendwo bündeln und so einfach wie möglich darstellen, die wir in sich von uns schon darstellen. Wenn du 700 Partner hast, sehr, sehr unterschiedliche Geschäfte und Prozesse. Das kann halt auch schnell so und jetzt werde ich ein bisschen lästerlich, so aussehen, wie WeChat aussieht. Das akzeptieren aber auch nur Chinesen. Also diese Komplexität, jetzt würde mich auch interessieren, wie ihr damit umgeht. Wir haben auch die letzten Tage darüber gesprochen. Es könnte sogar keinem europäischen Konsumenten so hinhalten. Also was da passiert, die überfrachteten Interfaces, die Anzahl der Informationen und so weiter. Also aus meiner Sicht, no way, dass das kompatibel zu europäischen Benutzungsmustern ist.

SPEAKER_04

Was machst du auf WeChat so den ganzen Tag?

SPEAKER_02

Also ich schreibe tatsächlich nur Nachrichten und bezahle Rechnungen. Das war es eigentlich auch. Und ich habe letztens auch eine ganz interessante Diskussion bei LinkedIn gesehen, genau zu dem Thema, wo dann gesagt würde, ja die Chinesen, die mögen das gerne so, auch bei euch in den Shops. Das ist auch völlig unübersichtlich, auch für mich als ausländischer Nutzer, auch wenn ich gut Chinesisch kann, aber mit den verschiedenen Rabatten und dies und jens und hier noch eine Info und da noch eine Info, dass da auch gesagt wurde, dass viele Chinesen auch damit überfordert sind. Und das sieht man ja tatsächlich auch während Double Eleven, dass sich da die Beschwerden häufen und die Leute sagen, das ist zu viel, ich komme damit nicht klar, ist jetzt die Frage. Henne und Ei, ne? Wollen die Nutzer das oder wollt ihr das als Anbieter? Du gehörst ja auch quasi zu dem Anbieterkreis mit deinem Team.

SPEAKER_04

Ja, ja, klar, Nutzer, so weit es geht, verwirren, dass sie. Damit wir einfach mehr Geld vor euch lassen. Genau. Nee, es geht tatsächlich auch in die Richtung, dass wir das tatsächlich simpler gestalten bei unseren Plattformen. Aber WeChat, nochmal zu dem Thema, ich glaube, wie ich das nutze, ich bezahle damit viel bei Shops offline. Ich nutze aber auch viele WeChat-Mini-Programme. Hole mir meinen, stell mir meinen Kaffee schon mal vor, um den dann in fünf Minuten abzuholen, wenn ich unten bin. Sowas mache ich viel Versicherung, nee, Geld schicken, ja klar. Und natürlich chatten, ja.

SPEAKER_02

Ja, stimmt. Also ich buche auch, also meine Hotels und so weiter, buche ich auch über WeChat, weil ich dann da Mitglied bin bei einer Hotelkette. Und also Kaffee auf jeden Fall. Und dann eben meine Büroräume und sowas, Meetings buchen wir auch über die kleine App, das sind ja auch viele kleine Apps integriert da drin. Also es ist schon, vielleicht wenn man darüber nachdenkt, ist es schon mehr als man hat, aber es ist wahrscheinlich auch 5% des Potenzials, das wir nutzen. Also man kann wirklich alles damit machen.

SPEAKER_01

Es ist ja so ein bisschen wie so ein Betriebssystem für Shopping, wenn man so will. Mit dann eben einzeln installierten Programmen im wahrsten Sinne des Wortes innerhalb dieses Betriebssystems. Unglaublich spannendes Konzept, finde ich. Ich finde, China hat ja, also zumindest ist meine Interpretation, China hat ja wirklich eine andere Schichtung von Betriebssystemen und Programmen. Also das heißt, wenn du im Westen schaust, hast du tatsächlich Betriebssystemen und auf dem Betriebssystem dann die unterschiedlichsten Anbieter und Apps. Und wenn die unterschiedliche Dienste haben, dann sind diese Dienste ja meistens eigene Apps. Das heißt also, du hast einen Amazon Prime, einen Amazon normaler Shop, dazu dann noch ein Audible oder dergleichen. Und das Betriebssystem ist in Anführungssprechen, deswegen sind die auch relativ stark mit iOS und mit Android, ist sozusagen die eigentliche Klammer. Und in China würde ich ja sagen, merkt man eigentlich das Betriebssystem des Devices eigentlich viel, viel weniger bei dieser Art der Nutzung, sondern du hast so nebeneinander stehende Commas-Betriebssysteme, wenn man so will, mit einem ReChat, mit einem Ali und so weiter. Und innerhalb dieser Subbetriebssysteme spielt dann die Musik und da integriert man sich wieder. Also das heißt, die Schichtung ist einfach völlig anders sortiert. Und das führt aber auch dazu, dass die Dienste miteinander besser verboben werden können. Was ja, wenn du alles in so separaten Apps auf deinem Homescreen rumfliegen hast, der ja individuell gestaltbar ist, dann ist es einfach nochmal ein anderes Zusammenspiel, als wenn du das in einer App insgesamt zusammenfassen kannst. Und das macht halt, das ist auch einer der Gründe, warum man nicht alles kopieren kann, glaube ich, wenn man sich das hier anschaut, weil es einfach in diesen, alleine schon in dieser Grundarchitektur schon völlig anders aufgesetzt ist.

SPEAKER_02

Was mich auch noch interessiert, ist deine Einschätzung zum Thema Bezahlen. Da seid ihr ja Experten drin, weil ihr ja Teil des Bezahlprozesses seid oder damit ihr da integriert seid. Hier in China haben wir es ja so, dass 100% der Konsumenten und der Anbieter WeChat und Alipay akzeptieren und nutzen. Und da würde ich schätzen, wahrscheinlich 50, 50 der Markt aufgeteilt ist. Also die meisten, die ich kenne, die haben halt beides und nutzen halt auch beides, je nachdem, wie die Laune ist. Und in Deutschland ist es ja nicht der Fall. Also ich meine, ihr seid eine Amex-Tochter, dann gibt es Kreditkarten, es gibt die Sparkassen-Girokarten, dann gibt es Apple Pay und Google Pay, die jeweils mit denen verbunden sind, dann nicht richtig informiert bin, hat die Sparkassen, der Sparkassenverbund auch noch eigene Karten und ich gehe davon aus, dass es bei den Volksbanken oder bei der Deutschen Bank, Commerzbank auch so ist. Aber wir haben keinen großen Player, so wie wir es in China haben. Und es wird wahrscheinlich auch nicht kommen, oder? Wie siehst du das?

SPEAKER_01

Naja, das erinnert mich so ein bisschen, also die, die, bevor ich zu Payback gekommen bin, jetzt darf ich mich nicht versprechen, war ich ja viele Jahre Geschäftsführer bei PayPal.

SPEAKER_02

Ah ja, die habe ich auch vergessen, entschuldige. Genau.

SPEAKER_01

Und aber das sage ich jetzt nicht deswegen, weil du sie vergessen hast, sondern weil natürlich in der Zeit hat uns diese Frage oder hat mich diese Frage noch mehr beschäftigt, weil das natürlich dann ganz genau auf die Zahlungswelt zielt, was wir bei Payback, ist ein wichtiger Faktor, aber das ist nicht der Kern dessen, was wir tun. Und ich glaube, Deutschland hat von den, sowohl vom Denken als auch von den Voraussetzungen her einen großen Nachteil, das ist nämlich zu groß und zu klein zugleich. Warum sage ich das? Also wir haben damals immer den Vergleich gezogen, wenn man zum Beispiel nach Holland geguckt hat. Als eben doch deutlich, es hört sich als Deutscher immer böse an, liebe Holländer, die es hören, es tut mir wahnsinnig leid, ich meine das nicht arrogant, aber es ist halt wesentlich kleiner. Und sonst sehr vergleichbar, was die Zahlungswelt und so weiter angeht. So ein bisschen wie so ein kleines Modell Deutschlands, was den Zahlungsmarkt angeht. Und in Deutschland hat Paypal eine riesen Erfolgsgeschichte geschrieben. Mal sehen, wie das jetzt weitergeht, aus verschiedenen Gründen könnte man auch einen ganzen Podcast drüber reden, aber in Holland überhaupt nicht. Also eigentlich keinen Fuß reinbekommen. Und die Holländer haben sich sehr, sehr früh mit einer eigenen Zahlmethode mit Ideal sozusagen zusammengeschlossen. Und das haben sie getan, weil die Holländer die Einsicht haben, dass sie klein sind. Und dass man wie die schottischen Könige kollaborieren muss, wenn man sich gegen den großen englischen König werden möchte. Die Deutschen haben diese Einsicht nicht. Und deswegen meinen sie, dass sie das alles alleine machen können. Egal ob ich Händler bin oder ob ich Zahlungsanbieter bin, ob ich Telekommunikationsanbieter bin. Alle, die, es gab in der Historie in all diesen Geschäften, kann man lange drüber reden, aber immer den Versuch zu sagen, wir machen eine integrierte Bezahlmethode. Das haben die Telekommunikationsanbieter miteinander versucht, Auto oder von Telekom gescheitert. Das haben die Banken an verschiedenen Stellen versucht, gescheitert. Das haben die Händler so ein bisschen versucht, mit bestimmten Bezahlmethoden, Yapital und so weiter, waren ja alles so Ideen in der Richtung gescheitert. Und ich glaube, das liegt einfach daran, dass Deutsche, egal in welchem Marktsegment Firmenleiter, einfach das Gefühl haben, ich gucke auf meinen Markt und ich bin Marktführer. Ich habe den Konkurrenten A und B, mit dem will ich sowieso nichts zu tun haben, weil der ist Konkurrent ist. Wenn Sie einen Schritt weiter denken, dann sagen Sie, jetzt lass uns mal da hier zusammentun und wir machen das jetzt mal hier miteinander. Aber danach prallt es dann davon ab, dass man eben doch nicht mit seinen Konkurrenten richtig gut was gemeinsam aufsetzt. Und das hat Holland eben hinbekommen. Und das ist, glaube ich, dieser Fluch der Größe, der dazu führt, dass man so seine eigenen Partikularinteressen dann zu sehr in den Vordergrund stellt, deswegen nicht in der Lage ist, sich so zusammenzufassen. Und dann kommt auf einmal von der Seite ein Amerikaner oder ein Chinese, der einfach ganz andere Gelder, ganz andere Möglichkeiten irgendwie hat. Und dann hat man auf einmal in Deutschland Teil PayPal als Riesenbezahlmethode im Online-Bereich und alle anderen Methoden fassen nicht Fuß im Online-Bereich dann damals. Das ist natürlich genau der Nachteil, der dann dadurch entsteht. Und deswegen, ich glaube, nach wie vor, das ist auch jetzt nicht anders. Kollaboration, und das ist natürlich das, was uns als Payback ausmacht seit 25 Jahren, zusammenschließend zu einem Verbund, funktioniert bei den schottischen Königen alleinig, nicht besser, sondern alleinig. Und das gilt, glaube ich, in den meisten Märkten, die digital gestaltet sind, nach wie vor und umso mehr. Weil man kann eine gewisse Zeit sich darüber freuen, dass man in seinen schottischen Ländereien der König ist und dann irgendwann kommt halt ein Engländer. Und in diesem Fall ist es dann entweder ein Amerikaner oder ein Chineser. Und er hat eine ganz andere Marktpower, um letztendlich sein Betriebssystem, haben wir eben darüber gesprochen, sozusagen in den Markt hineinzudrücken. Und dann kommt alles das, was dazugehört, Preisgestaltungsmacht und so weiter, dann danach.

SPEAKER_04

Ja, spannend. Und du sagtest auch schon, wie geht es jetzt weiter? Ja, damit könnte man einen ganzen Podcast füllen. Aber mit der Frage schließen wir unseren heutigen Podcast ab und führen sie dann in unserem nächsten Gespräch in München oder in Berlin, wo wir uns das nächste Mal wieder sehen, ganz gerne weiter. Was sind die drei strategischen Prioritäten für Payback in den nächsten drei Jahren?

SPEAKER_01

Ehrlich gesagt ist es eine und die ist es auch in den letzten 25 Jahren geblieben. Man muss die Relevanz für die Endkunden behalten. Und das ist dann sehr, sehr vielschichtig und erfüllt einen Podcast.

SPEAKER_03

Ja, das stimmt. Thomas, das können wir nochmal einen ganzen Podcast ausführen.

SPEAKER_02

Auf jeden Fall. Das machen wir. Auf jeden Fall danken wir dir erstmal für die Einblicke. Es war super spannend, auch jetzt mal als aktiver Nutzer das mal zu hören und hinter die Kulissen geführt zu werden und auch eure China Learnings zu sehen und zu hören. Also vielen, vielen Dank dafür und wir freuen uns dann auf das nächste Gespräch.

SPEAKER_01

Sehr gern, danke euch.

SPEAKER_04

Vielen Dank, dass du dabei warst. Dominik. Bis zum nächsten Mal.