Wanderwach & Kaffee

Schritt für Schritt nach Istanbul - Mit Martin Zinggl auf dem Sultans Trail

Trail Talk mit Mareike Schmidt Season 1 Episode 145

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Mein heutiger Gast ist Martin Zinggl - Ethnologe, Reporter, Autor und Fotograf aus Wien. Martin ist seit fast 20 Jahren freiberuflich tätig, schreibt unter anderem für GEO und liebt es, auf Auslandsreportagen die Welt zu entdecken und die Geschichten der Menschen vor Ort zu erfahren. Als Stadtkind ohne klassische Wandervergangenheit ist er - das sagt er zumindest von sich selbst! - eigentlich nicht mein typischer Podcast-Gast, doch eine schwere gesundheitliche Krise hat alles verändert.

In dieser Episode sprechen wir über seinen ganz persönlichen Weg zum Wandern und natürlich ausführlich über sein Abenteuer auf dem Sultans Trail. Nach einer stressbedingten, halbseitigen Gesichtslähmung kurz vor seinem 40. Geburtstag suchte Martin nach einem Weg zur Ruhe und Regeneration. Statt des klassischen Jakobswegs zog es ihn direkt von der eigenen Haustür aus in Richtung Osten: 2.500 Kilometer zu Fuß von Wien nach Istanbul.

Diese Episode ist nicht nur interessant für alle Weitwander-Fans, sondern auch für alle, die sich für die Kultur des Balkans interessieren und erfahren möchten, wie das einfache Gehen auch durch Krisen helfen kann.

Viel Spaß beim Hören,

Eure Mareike


Mehr Informationen zur Sultans Trail Foundation und dem Weg findest du unter https://sultanstrail.com

Martins Website mit u.a. den Terminen seiner anstehenden Lesungen und Vorträge: https://martinzinggl.com/portfolio/sultanstrail-knesbeck

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Übrigens kann man mein Buch über den Pacific Crest Trail "Wildnis, ich komme!" über ...

SPEAKER_00

Dass man ohne weite Anreise und mit relativ wenig Weitwandererfahrung eine gigantische Trailerfahrung machen kann, davon erzählt heute Martin Zingel. Martin ist in seiner Heimatstadt, nämlich in Wien, aufgebrochen, um nach 2500 Kilometern in Istanbul anzukommen. Warum er das gemacht hat, was er unterwegs erlebt hat und was es überhaupt mit dem Sultans Trail auf sich hat, erfahrt ihr in der heutigen Folge. Und damit herzlich willkommen bei einer neuen Episode von Wanderwach und Kaffee. Mein Name ist Mareike, ich liebe das weite Wandern und ich rede in meinem Podcast mit Gästen, denen es ganz genauso geht. Wenn ihr Wanderwach und Kaffee toll findet und den Podcast und damit meine Arbeit unterstützen möchtet, dann abonniert den Podcast, verteilt möglichst viele Sterne and werdet Mitglied bei Wanderwach Plus. Das ist nämlich die Wanderwach Community und dort erhaltet ihr Zugriff auf Bonusfolgen und den Community Newsletter. With eurem Unterstützung kann ich Wanderwach und Kaffee weiterhin regelmäßig anbieten und spannende Gäste einladen, die von interessanten Trails erzählen, wie zum Beispiel den Sultans Trail. Ach ja, und lasst euch bitte nicht irritieren. Martin spricht ganz zu Beginn von Schnee in Österreich. Ja, wir haben das Gespräch schon von einer ganzen Weile aufgenommen, aber das tut natürlich dem ganzen Inhalt keinen Abbruch. Aber jetzt genug von mir. Viel Spaß beim Hören. Ja, Martin, hallo und herzlich willkommen bei Wanderwach und Kaffee.

SPEAKER_02

Vielen herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich schon auf das Gespräch mit dir, Marike.

SPEAKER_00

Ja, ich mich auch, denn ich freue mich, weil also ich muss dazu sagen, ich freue mich natürlich über jedes Gespräch und jeden Gast. Und ich bin ganz neugierig, was meine Gäste für Geschichten mitbringen und welche Trails und Trailerlebnisse sie mitbringen. Aber ich muss sagen, es haben zwei Personen unabhängig voneinander bei mir gemeldet und dich als Gast vorgeschlagen. Und zwar innerhalb von 14 Tagen. Und ich muss gestehen, Martin, ich habe vorher noch nicht von dir gehört. Und hatte auch vorher noch nicht von deinem Buch gehört.

SPEAKER_02

Damit bist du nicht die Einzige. Aber es freut mich natürlich, wenn jemand andere mich empfohlen hat bei dir und so, haben wir uns hier gefunden.

SPEAKER_00

Genau, und er konnte ich nicht Nein sagen. Und dann habe ich mir das Buch besorgt und ich habe das Buch mit großer Begeisterung gelesen. Und heute sitzen wir hier zusammen im Zoom. Zwischen uns liegen zwölf Stunden Zeitverschiebungen. Bei dir schneitest und es ist hell, bei mir ist es stockdunkel und sehr warm. Und ich freue mich, dass du heute da bist und ich möchte dir natürlich auch nicht meine klassische Einstiegsfrage im Podcast ersparen, beziehungsweise drei Fragen. Kannst du dich bitte vorstellen? Wer bist du? Wo bist du? Und was machst du, wenn du nicht deine Morgen mit jemandem im Zoom verbringst, um für einen Podcast eine Episode aufzunehmen?

SPEAKER_02

Also für alle zukünftigen Hörerinnen und Hörer, die mal bei dir im Podcast erscheinen wollen, der Trick, um bei dir reinzukommen, ist es offensichtlich, wenn zwei Leute unabhängig voneinander dich empfehlen. Okay, so funktioniert es also. Wer bin ich? Halleluja! Das ist ja eine der grundlegendsten existenziellen Fragen der Menschheit. Ich wusste nicht, dass wir zu so frühen und Morgenstunden irgendwie philosophisch werden. Also wer bin ich? Ich heiße Martin Zingri, ich komme aus Wien, born and raised, ich bin Ethnologe, Reporter, Autor, Fotograf, Filmemacher, arbeite seit mittlerweile fast 20 Jahren freiberuflich und schreibe in den letzten Jahren vorwiegend für das Magazin EO, mein absolutes Lieblingsmagazin, was ich seit Kindheitstagen schon lese. Ich kann vielleicht später ein bisschen mehr noch darüber erzählen. Mache in erster Linie Auslandsreportagen, das heißt, ich bin relativ viel und häufig unterwegs, auch immer wieder mal da, wo es weh tut, oder nicht zu den allerüblichsten Reisedestinationen. Und lieber es zu lernen und unterwegs zu sein und zu erfahren.

SPEAKER_00

Oder zu erwandern. Ich versuche jetzt nicht. Ja, stimmt, es geht ums Wandern. Genau. Ja, also ich habe natürlich auch vorher so ein bisschen mal recherchiert, wer du so bist. Und da ist mir natürlich auch deine internationale Laufbahn, deine internationalen Aufenthalte sofort ins Auge gestoßen. Naja, du bist dann international unterwegs für Reportagen. Und da frage ich mich natürlich auch immer, wo passt dann Wandern rein oder wo kommt dann die Idee her, wandern zu gehen? Und ich habe heute auch so ein bisschen drüber nachgedacht, naja, bedeutet auch der Ort der Herkunft, dass man vielleicht in gewisser Weise prädestiniert ist fürs Wandern? Und ich hatte schon Schweizerinnen und Schweizer bei mir im Podcast und da muss ich natürlich immer mein Vorurteil anbringen, während der Schweiz aufwächst, muss wahrscheinlich auch die Berge lieben und wandern gehen. Wie ist es denn, wenn man in Österreich aufwächst? Wenn man in Wien aufwächst, Wien ist ja nicht unbedingt mitten in den Alpen. Wächst man wanderbegeistert auf, wenn man waschechter Wiener ist? Oder wie kommt man zum Wandern?

SPEAKER_02

Coole Frage. Ich sag mal so, es gibt ja auch eine jamaikanische Bobmannschaft. Und Österreich ist ja auch, weiß nicht, 80-85% des Landes sind ja Berge, wie du richtig sagst, Wien nicht. Es liegt in diesem Tal, in diesem Kessel, Ausläufer der Voralpen. Wir haben also unsere Hausberge, den Kalenberg, das ist der Klassiker. Aber das ist ein Sonntagsausflug, den ich hin und wieder mal gemacht habe als Kind mit der Schule, aber sonst hat es mich nie in die Berge gezogen, ich hätte es nie ins Wandern hinausgezogen. Ich glaube auch, gleich mal ein Geständnis ablegen, ich bin vielleicht nicht dein klassischer Gast, den du sonst bei dir in der Sendung hast. Ich bin nicht die Frau mit den meisten gewanderten Kilometern auf der Welt oder so, um den Namen zu nennen, sondern ich bin ein Stadtkind und ich habe eigentlich kaum eine Erfahrung oder eine Geschichte oder eine Vergangenheit mit Wandern. Ich bin einmal vor vielen Jahren in Nepal für eine Reportage am Anapurna Circuit gewesen und habe überhaupt nicht gewusst, was da auf mich zukommt. Und da gehst du auf über 5000 Meter hoch, einmal da um diese Anapurna Range rundherum. 18 Tage lang war ich da unterwegs. Das war eine unglaubliche Erfahrung, die damals sicher in mir etwas getriggert und ausgelöst hat, wo ich mir gedacht habe, wow, das ist schon echt cool. Also das ist ja kein klassischer Weitwanderweg, weil dann machst du ja eigentlich nicht viele Kilometer, sondern da geht es eher darum, dass du in die Höhe gehst. Also du bist ein anderes Verständnis als Weitwandern. Aber die Tatsache, lange Zeit unterwegs zu sein und sich eigentlich nur mit der Kraft deiner eigenen Beine und Füße fortzubewegen, von A nach B zu kommen, erschien mir damals schon als Konzept ein grandioses, weil ja, so sind wir geboren und in unserer Vergangenheit, in der Evolution, war das natürlich das Fortbewegungsmittel Nummer eins. Und das war aber tatsächlich meine einzige wirkliche Erfahrung mit Wandern oder Weiterwandern.

SPEAKER_00

Bis, ich lege jetzt die Brücke, bis und den Faden nehme ich jetzt auf. Zwölf Stunden in der Zukunft. Und dann du, der sich gerade beschrieben hat als ja eigentlich eher so ein Stadtmensch und die einzige Wandererfahrung, die du gemacht hast, waren diese 18 Tage Annapurna Circuit, wobei ich hier ganz kurz kommentieren muss, ich komme nicht drum herum, Martin, du trinkst dann Tee aus einer Tasse, auf der der Berg ruft, steht.

SPEAKER_02

Das ist ein Souvenir von meinem letzten Wandertag mit meinem besten Kumpel in Kärnten, wo wir zwei, drei Tage unterwegs waren. Danke übrigens an das Hotel, das nichts davon weiß, dass diese Tasse jetzt zu Hause ist.

SPEAKER_00

Dann hoffen wir auch, dass die nicht unbedingt Wanderer vom Kaffee hören. Kärnten ist groß. Aber zurück, ich wollte ja den Faden aufnehmen. Also es ist ja das eine, als Stadtmensch zu sagen, ich wandere jetzt die 18 Tage an Napola Circuit und das hat mir auch gut gefallen. Und dann am Sultanstrail. Das Sultan's Trail, das ist nicht einfach mal so ein Trail, der von Wien nach Bratislava führt. Vielleicht auch, aber nicht nur. Sondern er führt ein bisschen weiter. Und bevor wir auf die ganzen Details und vielleicht auch so ein paar Facts and Figures zum Sultan Trail kommen, wie um Himmels Willen, Martin, bist du dann auf den Gedanken gekommen, ich mache jetzt mal den Sultans Trail und lauf nicht einfach nur von Wien nach Bratislava, sondern noch ein ganz schönes Stück weiter?

SPEAKER_02

Also vielleicht ganz kurz vorweg, nur damit man ein Bild bekommt, ich verbringe sehr so viel Zeit am Computer. Wenn ich nicht auf Recherchereisen bin, dann bin ich zu Hause, muss das Material sortieren, ich schreibe, ich editiere Fotos, ich schneide Filme, das heißt ich verbringe wirklich viele Stunden und Tage und Wochen und Monate im Jahr am Rechner und sitze sehr viel. Ich glaube, ich habe ziemlich gutes Sitzfleisch entwickelt. Was mir immer geholfen hat, auch spät am Abend noch, wenn ich irgendwie den ganzen Tag zu Hause verbracht habe mit Arbeit am Rechner, war es rauszugehen und mich zu bewegen. Und wenn es nur eine rund um einen Block war, weil Gehen tatsächlich etwas ist und das begleitet mich tatsächlich schon lange, was mich erdet, was irgendwie strapazierte Nerven beruhigt. Und das ist, glaube ich, wichtig als Basis zu wissen, um die folgende Geschichte zu verstehen. Ich habe zum 40. Geburtstag mir einen Traumurlaub mit meiner Lebensgefährtin gegönnt in Vietnam. Ich war jahrelang nicht auf Urlaub gewesen, weil mein Leben doch sehr stressig gewesen ist in den vergangenen 15, 20 Jahren. Also ich möchte all die Reisen und all die Recherchen, all die Erfahrungen nicht missen, aber die haben natürlich auch Spuren hinterlassen und sowohl körperlich als auch psychisch gewisse Bilder neben einen mitbleiben. Und ich habe auf die ein oder andere Trockenkrankheit aufgerissen unterwegs. Also mein Körper und meine Psyche haben mitunter auch gelitten auf diesen Recherchen. Und wenig Geld, wenig Ruhm, wenig Ehre, Folgedessen auch wenig Urlaub. Und zum 40. Geburtstag habe ich mir einmal was gönnen wollen und habe gespart auf einen schönen Traumurlaub in Vietnam. Und auf dieser Reise habe ich eine Fatialis Parese bekommen. Das ist eine halbseitige Gesichtslähmung. Das ist jetzt per se nichts ultragefährliches, aber das war in dem Moment, als ich bekommen habe, ein ziemlicher Schock, weil ich sehr schnell verstanden habe, das ist nichts, was innerhalb von zwei Tagen abheilt, sondern das ist etwas, was bleiben kann. Das war dann auch sehr hochdramatisch. Es gab eine Rückholaktion nach Österreich und ich bin tatsächlich wirklich am Wiener Flughafen gelandet. An meinem 40. Geburtstag und sofort in eines der größten Spitäler Europas oder der Welt gefahren in Wien und wurde dort mal irgendwie für zehn Tage auf Herz und Turnieren untersucht, weil sie feststellen mussten, woher kam das? Hatte ich einen Schlaganfall, habe ich einen Tumor im Kopf, gibt es sonst irgendwelche anderen Geschichten. Entwarnung, es war dann tatsächlich nur eine Fazialispyräse, nur das Ding ist, dass diese Gesichtslähungen, wenn die nicht sofort behandelt werden, können die bleiben. Und damit man sich etwas darunter vorstellen kann, also du kannst dein Auge nicht mehr schließen, dein Mundwinkel hängt herab, du kannst schwer essen, du kannst schwer trinken, schwer sprechen. Du musst dein Auge in der Nacht zukleben, weil es sonst austrocknet und du deine Gefahr läufst, dein Auge zu verlieren. Also das sind alles irgendwie sehr unangenehme Dinge und zusätzlich schaust du halt komplett entstellt aus, also wie quasi Mobo. Und für mich ist mit dieser, sage ich einmal, Krankheitsgeschichte auch ein bisschen eine Sinnkrise entstanden, wo ich begonnen habe, sehr viel in Frage zu stellen, wer bin ich? Nein, was mache ich mit meinem Leben? Wie geht es weiter? Ist dieser Weg, den ich die letzten 15, 20 Jahre gegangen bin, der richtige ihn so fortzusetzen oder muss ich etwas ändern, was muss ich ändern? Das Witzige ist, 80% dieser Faxialisparesen können nicht eruiert werden. Was ist der Grund dafür? Und wenn keiner Funfact, übrigens einer von 5000 Menschen kriegt das einfach so beinahe über Nacht oder tagsüber. Oh Gott, okay. Und eins von 5000 ist jetzt nicht so wenig. Und wenn Ärzte halt nicht weiterkommen mit das und das ist der Grund, dann ist der Klassiker halt meistens Stress. Und ich würde jetzt einmal retrospektiv betrachtet auch sagen, das war in meinem Fall vermutlich der Grund, warum dieser Auslöser, also warum ich diese Fazialis Parese bekommen habe, Stress war der Auslöser. Ich habe einfach wirklich zum 40. Geburtstag mir etwas gönnen wollen, habe loslassen. Und in dem Moment, wo du halt loslässt, jahrelanger Stress, der sich irgendwie hinter deinem Gesicht verbirgt, hat irgendwie der Körper mal gesagt, gut, jetzt zahlen wir es dir heim. Der merkt sich nämlich alles. Und lange Rede, kurzer Sinn, Stress, ja, was mache ich jetzt mit meinem Leben? Ich bin dann einfach sehr viel spazieren gegangen und habe die Arbeit mal beiseite liegen lassen, habe eine Auszeit genommen und dachte mir, ich muss irgendwie runterkommen, weil ich wusste, gehen hilft mir gehen, erdet mich, gehen, das weiß man, kann heilend wirken, kann strapazite Nerven beruhigen, dachte ich mir, mache ich das mal. Und während eines dieser Spaziergänge dachte ich mir dann, wie wäre es eigentlich, wenn du nicht nur so ein, zwei, drei Stunden im Wald herumpirsch, sondern einen Weitwanderweg gehst. Und hab dann begonnen zu recherchieren, Weitwanderwege. Was gibt es für Weitwanderwege? Und Klassiker El Camino, der Jakobsweg, weiß man, kennt man, den wollte ich unter allen Umständen vermeiden. Ich will jetzt nicht über den Jakobsweg herziehen. Ich hatte einfach meine persönlichen Gründe, ihn nicht zu gehen, mir schien das zu überlaufen, mir schien das zu sehr in Watte gepackt, mir schien das zu sehr kommerziell, ich wollte nicht mit einer halben Million Menschen im Gänsemarsch irgendwie jeden Tag von A nach B gehen und mich mit ihnen um Schlafplätze streiten müssen, sondern ich wollte gerne etwas beruhigeres. Ich wollte zur Ruhe kommen und dachte mir, ich brauche keinen Weg. Ich kannte das ein bisschen vom Anabuna Circuit, der ist natürlich nicht so sehr überlaufen, aber der Anabuna Circuit gilt ja, glaube ich, auch als einer der beliebtesten oder der beliebtesten Track in Nepal. Und da waren zwar zu der Zeit, wo ich unterwegs war, zum Glück wenige Leute unterwegs, aufgrund der politischen Situation, aufgrund der Nachwehender Erdbeben, als ich gerade dort war. Und trotzdem konntest du dich eigentlich nicht verlaufen an Otto Circuit, weil du einfach nur den Leuten folgen musstest. Und das wollte ich nicht. Ich wollte mit mir sein. Ich wollte allein sein, ich wollte meine Ruhe haben. Nenn spirituell sein, ich wollte irgendwie Zeit mit mir verbringen und nicht mit anderen Menschen mich austauschen müssen rund um die Uhr. Und hab dann einfach recherchiert, was gibt es für Alternativen. Hab einen Parameter hinzugefügt und der war, ich möchte nicht irgendwo hinfliegen müssen, um dann in Neuseeland den wunderschönen Wissen zu gehen. Kenne ich übrigens auch, wirklich schön. Sondern ich wollte von zu Hause aus starten. Ich wollte aus meiner Wohnungstür rausgehen, die Tür ins Schloss fallen hören und alles hinter mir lassen und einfach gehen. Weil das hat irgendwie sowas von klassischem heroischen Aufbruch. Und die Idee gefiel mir. Die Idee gefiel mir einfach aus Wien rauszugehen. Gut, und wenn du jetzt bei Google eintippst, Weitwanderwege Europa, Wien, in Verbindung mit Wien, da kam dann irgendwann einmal dieser Sultans Trailer raus, der von Wien nach Istanbul führt. Das stach mir ins Auge aus mehreren Gründen, und ich dachte mir dann, ja, also Wien, Istanbul, das klingt fürs erste Mal weit genug. Als ich dann recherchiert habe und feststellen konnte, dass 2022 ich habe es mir aufgeschrieben, 45 Menschen den Sultans Trail gestartet haben, davon 21 zu Fuß, der Rest mit dem Fahrrad, und von diesen 21 sind 6 angekommen. Nicht weil die anderen gestorben sind unterwegs, sondern weil das offensichtlich halt doch eine echt weite Strecke ist und ich natürlich auch keine Ahnung hatte, was bedeuten 2.500 Kilometer. Er gab dieses Bild von Ruhe und Einsamkeit und weit genug, um Zeit mit dir selbst zu verbringen, um nachzudenken, um zu regenerieren. Ich hatte noch immer diese Gesichtsleben, das ist ja eben, wie gesagt, nichts, was nach zwei, drei Tagen abheilt, so wie ich mir das gewünscht hätte. Erschien mir die Idee dann fürs erste Mal, ja, cool, das könntest du machen und habe das mit meiner Lebensgefährtin besprochen. Und die hat auch gesagt, hey, das ist gut, mach das. Ich glaube, ich war in dieser Zeit extrem unaustehlich und unentspannt und ich war wahrscheinlich auch froh, dass ich mal rausgehe und mein Ding mache. Lass den mal warten. Genau, wurscht, wohin du gehst, geh einfach. Sultans Trail, tolle Idee, mach das. Und so ist diese Idee gereift, die ich dann nach wenig Wochen auch begonnen habe umzusetzen.

SPEAKER_00

Ich musste gerade so daran denken, for dein beruflichen Hintergrund, der dich ja auch weltweit auf Reisen, immer auf this unterwegs sein, and you are as freiberuflich journalist, photograph, filmer, screener, erfahrender. Also auf the one side, so this life from which you also wanted to do it. And couldn't you then, in which you then say, Okay, I get my wandering, couldn't you then have this professional click just for me? Claro, it's a book, so you have to read, but some inner thrust is for done fest to hold. But this will not work as anything. In this moment, when you lose, Oder als du losgelaufen bist, die Tür dann auch hast in Wien hinter dich in Schlossfallen hören, konntest du dann auch erstmal Abstand nehmen und überlegen oder für dich feststellen, nee, ich mache da jetzt keinen Film drüber und ich mache jetzt keine Videos oder sonst was, sondern ich mache das nur für mich. Ich laufe los, weil ich brauche den Abstand, um auch sicherlich auch wieder zu mir zurückzukommen. Stichwort Sinnkrise?

SPEAKER_02

Ich fürchte, darauf gibt es keine kurze Antwort. Haben wir die Zeit?

SPEAKER_00

Dann leg mal los.

SPEAKER_02

Na, die Antwort ist tatsächlich nicht so einfach. Die Idee war, abzuschalten und mich irgendwie von allen auszublenden. Ich habe dafür auch ein paar Schritte gesetzt. Ich habe eine Abwesenheitsnotiz eingerichtet in meiner Inbox. Ich habe all meine Social Media Konten stillgelegt. Ich wollte eigentlich ursprünglich tatsächlich ohne Handy los, weil der Gedanke einfach war, losgehen. Und disconnecten von der Welt und einfach schauen, was auf einen zukommt. Weil die Idee oder die Ambition war ja eben nicht, einen Film machen, eine Reportage schreiben und schon gar nicht ein Buch zu schreiben. Also das glauben ja einige zwar nicht, aber ich kann mich auch belegen. Ich bin nicht los, um ein Buch zu schreiben. Ich war wirklich los, um genau das Gegenteil zu machen, um nichts zu machen. Ich habe mich letztlich dafür entschieden, das Handy mitzunehmen aus zwei Gründen. Erstens für Notfälle. Und zweitens, weil klar, man kann sich durchfragen, von wem es ist dann wohl, aber wenn es dann wirklich um die Wurscht geht, wollte ich ja irgendwie auch wissen, wie ist der Weg. Und dazu gibt es auch eine Geschichte mit der Sultan Strail Foundation. Ich glaube, das erzähle ich dann später, wenn wir über den Weg und über die Entstehung und alles reden. Das heißt, ich musste irgendwo die Koordinaten sehen können, wie und wohin ich gehe. Das waren die zwei Hauptgründe, warum ich das Handy mit hatte. Und tatsächlich is es dann so, wenn du dieses Handy in the hand hast, dann bist du halt auch verleiht, um ein Foto zu machen oder ein Video zu drehen. Auch weil das vermutlich irgendwie in meiner DNA drinnen is, weil ich das schon so lange mache. And, and this is just the zweite teil der Antwort, ich habe Ethnologie studiert, and Ethnologe sein und Reporter sein hat eine Gemeinsamkeit, nämlich dass du teilnehmend beobachtest, also das ist das wichtigste Forschungswerkzeug der Ethnologen und Ethnologinnen, dass du vor Ort bist und zuhörst und Geschichten anhörst von Menschen. Und ich glaube, das ist ein bisschen so in meiner DNA drinnen, weil ich das jetzt einfach schon wirklich lange mache, dass es mir schwerfällt, irgendwo hinzukommen und nicht mit Leuten zu reden und sie anzusprechen und sie nach ihrer Lebensgeschichte ein bisschen auszufragen. Das heißt unweigerlich. War mir klar, den Menschen, denen du begegnen wirst auf der Strecke, von denen wirst du etwas erfahren. Wenn jemand etwas teilen möchte natürlich. Und ich schreibe, wenn ich auf Reisen bin, Tagebuch. Das mache ich für mich. Also das ist irgendwie so ein paar Dinge festhalten. Und habe natürlich auch ein Tagebuch mitgenommen und wollte dann unterwegs auch schreiben. Habe ich letztlich nicht gemacht. Also ich habe dankenswerterweise war das Handy dabei. Und ich habe Sprachs aufgenommen und auch Gespräche mit Menschen so aufgezeichnet. Und das hat mir später dann auch wirklich geholfen, ein Buch zu schreiben, weil ohne dieses Material, ohne diese Infos wäre das alles nicht mehr da gewesen. Also das alles nur aus dem Kopf herauszuschreiben, wäre vermutlich nicht möglich gewesen. Das heißt, um das irgendwie zusammenzufassen, ich bin mit dem Gedanken los, nichts zu machen und daraus ist ein Buch ein Start.

SPEAKER_00

Ja, ich würde mal sagen, für die Lesenden zum Glück, ja. Denn so teilst du ja dann deine Erfahrung und ja auch den Trail. Und ich denke mal.

SPEAKER_02

Also ich habe Bücher schon davor geschrieben und natürlich schreibe ich Reportagen, das heißt, das Schreiben ist etwas, das begleitet mich jetzt auch schon seit vielen Jahren. Ich bin bei einer Buchagentur und die wussten, dass ich unterwegs bin. Und die haben dann sozusagen die Idee gepitcht und dann gab es Verlage, die interessiert waren. Und während ich auf der Strecke war, kam dann irgendwann einmal tatsächlich ein konkretes Angebot. Ich mag's nicht ein Buch darüber machen. Und ich habe mich geweigert und wollte das ein paar Tun nicht, dann hat es weggeschoben von mir und gesagt, bitte lasst mich lasst mich einmal in Ruhe meinen Weg gehen und reden wir dann nachher drüber. Und je näher ich Istanbul gekommen bin, umso aufdringlicher wurde das alles. Und ich habe wirklich tatsächlich erst Wochen nachdem ich zurück war, mich dazu entschieden, ich mach das. Warum? Weil ich aus der Erfahrung wusste, was es bedeutet, ein Buch zu schreiben. Da bist du dann gefesselt. Ich schreibe extrem langsam, muss ich dazu sagen. Du bist dann gefesselt. Wochen, Monate, Jahre, wenn du Pech hast an deinem Computer und musst dir Kreativität aus dem Hirn saugen. Du bist alleine mit dieser Arbeit und das stellen sich viele total romantisch vor, da sitzt du nicht von den Bergen und lässt die Kreativität fließen. Das ist Knochenarbeit. Das ist wirklich harte Arbeit. Du bist einfach fix und fertig am Ende eines Schreibtages. Und jetzt stellt man sich das mal vor für eineinhalb Jahre. Und das habe ich ein paar Mal in meinem Leben schon gemacht und hat vermutlich auch dazu beigetragen, dass sehr viel Stress und Anspannung in meinem Leben gewachsen ist. Und das wollte ich ja tunlichst vermeiden. Das war ja die Idee, diese Sultan's Trails. Und darum habe ich lange gebraucht, um mich zu dieser Entscheidung durchzuringen. Jetzt, wo das Buch heraus ist, wo ich es in meinen Händen halte, wo ich zu Podcasts eingeladen werde, danke nochmal, wo ich daraus vorlesen darf und hoffentlich ganz reich und berühmt werde mit diesem Buch, bin ich natürlich froh, dass ich es gemacht und geschrieben habe. Dazwischen liegen aber eineinhalb Jahre Schreibprozess mit schlaflosen Nächten, wo du um 3,5-4 in der Nacht putzmunter bist, und dir denkst, ah nein Scheiße, auf Seite 73 muss ich das Wort austauschen, das ist das viel bessere Wort. Und mit allen verbundenen Konsequenzen. Also da leidet dein Privatleben darunter, da leidet deine Physis darunter. Das ist alles kein Spaziergang, um beim Buchtitel zu sein.

SPEAKER_00

Beim Wanderthema.

SPEAKER_02

Und darum hat es so lange gedauert, mich wirklich da durchzuringen. Ja, jetzt nochmal. Ich bin froh, dass es da ist. Aber das war schon eine Überlegung, ein Abwägen.

SPEAKER_00

Ja, es ist ein richtiger Prozess. Ich habe ja auch ein Buch geschrieben und ich glaube vom ersten Satz bis zur Veröffentlichung sind locker vier Jahre vergangen. Ja, vier Jahre, wo man die Schublade immer wieder zugemacht hat und dann wurde die Schublade wieder aufgemacht und dann weitergeschrieben und umgeworfen und nicht alles neu geschrieben, aber bestimmte Dinge neu geschrieben. Also es ist harte Arbeit. Ich kann das schon sehr gut nachvollziehen. Aber jetzt ist es da, das Buch, und jetzt ist auch der Sultan Trail bald in aller Munde, zumindest in der Podcast-Community. Und mir ist es auch immer wichtig, weit wandern wird immer beliebter, nicht ohne Grund. Denn Martin, sorry, aber du bist nicht der Einzige mit Sinn kriegst. Ich glaube, ich glaube, das ist auch so ein Symptom unserer Zeit, dass viele zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem Leben sagen, ich muss jetzt einfach mal auf den Stopp-Knopf drücken und ich muss mal kurz raus. Oder vielleicht auch, ich will es das gar nicht dazu kommen lassen, dass ich irgendwann meinen Job kündigen muss und dann ein halbes Jahr auf irgendeinen Trail verschwinde, sondern ich mache das jetzt schon immer mal und baue eine Woche auf einen Trail ein. Oder vielleicht nimmt man den ganzen Jahresurlaub und ist dann irgendwo unterwegs. Oder vielleicht macht man dann doch mal ein Sabbatical und spart dann irgendwie Zeitstunden an und erfüllt sich dann den Traum eines Trails, den man ja in mehreren Monaten geht. Und es gibt mittlerweile ja schon so große Trails, die sehr beliebt sind. Jakobs Wege sind natürlich auch immer so ein Thema. Und ich glaube, auf der einen Seite gibt es viele Wandernde, die gerne sozial unterwegs sind und dann natürlich auch viele Menschen unterwegs treffen wollen und so diese ganze Trail Culture erleben möchten. Und dann gibt es Wandernde, so wie ich auch, die gerne Wege suchen, die eben einsam sind und wo man so eine Solitude hat. Und ich weiß gar nicht, wie man das auf Deutsch ausdrücken kann, weil Einsamkeit ist nicht das Richtige. Aber Solitude, was ist Solitude? Ist eigentlich so eine Zeit für sich, wo man nicht reden muss, wo man offline ist, wo man sich so linear sich einfach nur nach vorne bewegt. Und von daher ist es mir im Podcast auch immer wichtig, Alternativen vorzustellen zu großen Trails, die man so kennt, die einem schnell mal einfallen, wo man dann aber auch nicht allein unterwegs ist. Und du hast gerade, oder du hast vorhin schon gesagt, 2022, ich habe es mir notiert, weil mich die Zahl so beeindruckt hat, gerade mal 21 Menschen waren zu Fuß unterwegs, von denen sechs nur in Istanbul angekommen sind. Also es ist ein perfekter Weg, den man gehen kann, wenn man eben auch so ein bisschen dieses Einsamkeitserlebnis oder diese Zeit mit sich beim Wandern haben möchte. Und der Sultan-Trail, ist das ein guter Trail, den man gehen kann? Lass uns mal irgendwie so ein paar Infos, Facts, and Figures zusammenstellen. Und vielleicht sind es dann in diesem Jahr nicht nur 21, die zu Fuß unterwegs sind, sondern vielleicht schon 25 und drei davon, die uns zugehört haben. Also ja, Sultan Trail. Wir wissen schon, von Wien nach Istanbul führt er. Aber sehr viel mehr haben wir jetzt noch nicht preisgegeben. Also Martin.

SPEAKER_02

Stimmt, und dabei reden wir ja schon eine halbe Stunde oder länger. Es geht um das Sultans-Trail und nicht mehr um mich, das ist ja langweilig. Also.

SPEAKER_00

Wir kommen auf dich zurück, ich verspreche es.

SPEAKER_02

Übrigens, vielleicht ein Wort, was passen würde, wäre Einsiedlei, Einsiedeln, Einsiedlerei, ich weiß jetzt nicht, was da passen würde, aber besser als eins und wenn du ein Einsiedler bist, dann bist du sozusagen mit dir selbst. Wurscht, der Sultan's Trail. Mich hätte interessiert, das können wir jetzt natürlich nicht klären, aber gerade in deiner Community, in dieser Community, wie bekannt dieser Sultan's Trail tatsächlich ist. Hast du mal davon gehört, gehabt? Nein, nicht. Nein, echt nicht? Okay, ja, spannend. Super.

SPEAKER_00

Gar nicht. Also deshalb war ich ja auch so fasziniert. Sultan Trail, was bitteschön ist das? Und wofür der lang? Und ich bin mir nicht sicher, aber Martin, ich stelle einfach mal diese sehr steile These auf. Der Sultan Trail führt halt durch eine Gegend in Europa, die für viele vielleicht immer noch so ein weißer Fleck ist. Wien, okay, ja. Istanbul, Türkei, ja, okay. Aber was bitte schön ist denn dazwischen? Klammer, man kennt mittlerweile den Peaks of the Balkans oder High Scottis Trail, wurde jetzt durch die Bergfreundinnen in Reportage bekannter. Aber darüber hinaus, was ist da los in Osteuropa und dann auch noch ein Weg, wo kaum jemand unterwegs ist, oiuiui, kann ich mir das überhaupt zutrauen und kann ich mir das machen, ohne dass ich irgendwie abhanden komme. Ich glaube, das sind so Aspekte, ich weiß es nicht, keine Ahnung, da können wir später noch drüber reden. Aber lass uns erstmal, wie lang ist er? Wofürt er lang? Ja, einfach mal so ein paar Eckdaten.

SPEAKER_02

Ich glaube, deine These ist korrekt und da können wir gerne noch drauf eingehen. Darum gibt es jetzt auch dieses Buch, damit der Sultans Trail bekannt wird. Also, was ist der Sultans Trail? Entstehungsgeschichte relativ kurz umrissen, 1529 hat Sultan Suleiman I. Der damalige Herrscher des Osmanischen Reiches, das ist mir einfällt, sich auf den Weg gemacht nach Wien, um meine Heimatstadt einzunehmen. Der ist natürlich nicht geflogen, sondern der ist mit seiner Horde von, ich glaube, 170.000 Mann einmal quer durch Europa zu Fuß und rechts gewesen, wobei ich die These aufstelle, dass der Typ keinen Meter gegangen ist, sondern alles auf dem Pferd geritten oder getragen wurde. Er war 141 Tage lang unterwegs, bis er dann in Wien angekommen ist, konnte Wien nicht einnehmen, für alle, die sich ein bisschen in Geschichte interessieren, erste Wiener Türkenbegung, Stichwort. Knapp 500 Jahre später hat eine niederländische Stiftung, die Sultan's Trail Foundation, das ist ein Verein an Autobegeisterten und Weitwanderern, diesen Weg, diesen Sultan's Trail ins Leben gerufen. Allerdings in umgekehrter Richtung, das heißt von Wien nach Istanbul. Warum? Um ein Zeichen des Friedens zu stiften, zu zeigen, um einen Weg der Völkerverständigung irgendwie aufzuzeigen. Aber auch, und das war doch, glaube ich, vielleicht die größte Motivation von den Damen und Herren in Holland, um eine Alternative zum Jakobsweg zu schaffen. Weil wir alle kennen Jakobsweg und wir alle fahren nach Westen, von uns aus gesehen, um da irgendwie weiz zu wandern. Aber was ist eigentlich mit dem Osten? Und das finde ich, und das war für mich persönlich irgendwie auch einer der Gründe, warum ich mich für die Sultan's Trade entschieden habe, weil die einfach den Westen mit dem Osten verbunden haben und einen weißen Fleck auf der Landkarte für viele zeigen wollten. Mich verbindet mit dem Osten, vor allem mit den Balkan, eine langjährige Freundschaft, ein großes Interesse. Ich habe auch irgendwann einmal bosnisch, großisch, serisch studiert. Sarajevo ist so ungefähr eine Traumstadt und war da viel unterwegs und ja, ich verbinde da einfach sehr viel mit dieser Region. Das fand ich reizvoll. Der Sultans Trail ist 2400 Kilometer ungefähr lang, führt durch acht Länder, startet in Wien am Stephansdom, das ist am Stephansplatz vor dem Dom. Das ist der geografische Mittelpunkt Wiens und endet am Grab von Sultan Suleiman I. in Istanbul. In der Suleimania-Moschee. Und dazwischen liegt der Osten Österreichs, dann die Slowakei, Ungarn, Serbien, Kroatien, dann wieder Serbien, also man streift da ganz kurz ein Eck von Oroatien. Querunter durch Serbien bis nach Bulgarien, dann einmal quer durch Bulgarien, dann ein Stück durch Nordgriechenland und schließlich die Türkei. Die Sultans Trade Foundation hat den Weg in sechs Abschnitte gegliedert. Diese Etappenziele sind Bratislava, Budapest, Belgrad, Sofia, Edirne, das ist dann bereits in der Türkei, und schließlich Istanbul. Ja, was kann ich dir jetzt noch über den Sultans Trail erzählen?

SPEAKER_00

Wie muss man sich den Trail an sich vorstellen? Europa ist keine Wildnis. Ich glaube, das ist, glaube ich, ein Punkt, den wir machen können.

SPEAKER_02

Dann will ich schon will ich schon mal einhaken. Dann kennst du das Sultan's Trail nicht.

SPEAKER_00

Und das, okay, und darauf zielt auch meine Frage ab. Der Sultan-Trail an sich sind das Wanderwege, so diese optimalen, idealen Single-Trail-Wanderwege, die durch unberührte Natur, Stichwort Wildnis führen, weit weg von Zivilisation? Oder muss man da auch mal über, ja, in Deutschland nennt man das Wanderautobahnen, also sprich Forststraßen gehen, läuft man an Autobahnenähnlichen Straßen entlang? Oder muss man, ich meine mich auch zu erinnern, du hast mehrfach im Buch geschrieben oder beschrieben, wie du dich auch durchs Gebüsch schlagen musstest, wo dich dein Wanderkumpan, sprich, dein Navi-Gerät hingeführt hat.

SPEAKER_02

Genau, also einer der Mitbegründer dieser Sultan Strade Foundation heißt Max. Und der Max ist ein Irrer, ein Outdoor-Begeisterter, der ich weiß nicht wie oft den Jakobsweg gegangen ist und mittlerweile auch schon wie oft den Sultans Trail gegangen und mit dem Fahrrad gefahren ist. Der Max hat sozusagen diese Strecke kartografiert und für ein kleines Entgelt stellt die Sultans Trail Foundation die Koordinaten bereit, sodass du wirklich bis auf den Meter genau von Stephans Dome bis zum Grab von Sultan Südemann gehen kannst. Der Max liebt, wie er es nennt, Dirt Path. Das heißt, man immer er the Möglichkeit hat zwischen Asphalt oder irgendwas, was nach einem Weg aussieht, und Wildnis, entscheidet er sich für die Wildnis. Und das ist zwar löblich, weil man will ja nicht die ganze Zeit auf Asphalt gehen, aber wenn niemand diese Wildpfade pflegt, und das tut niemand am Sultan's Trail, weil das eben kein stark begangener Weitwanderweg ist, und der Großteil der Menschheit, auch der Leute, die dort leben, noch nie im Leben von Sultan's Trail gehört haben und nicht einmal wissen, dass der existiert oder durch ihr eigenes Dorf führt, verkommen diese Wege. Wenn du dann auch noch ein Jahr erwischt, in dem es viel geregnet hat, und das Jahr, in dem ich unterwegs war, war so ein Jahr, dann wuchert da alles zu. Mit Donnen und Gebüsch und Nesseln und weiß der Geier, was alles die Botanik zu liefern hat. Das heißt, du gehst, obwohl da irgendwann einmal ein Forstweg war oder keine Ahnung was für ein Fahrt, teilweise wirklich durch Dschungelähnlich zugewachsene Wege, wo du eigentlich eine Machete bräuchtest. Having said that, kommt man auch tatsächlich durch den Amazonas Europas. Grenzregionen, Kroatien, Serbien, und da hast du wirklich dschungelähnliche Wege. Also da gehst du dann auch wirklich durch Gebiete, die, wenn Hochwasser ist, Wege unter Wasser stehen, es sumpfig wird, du Moskitos hast, natürlich hast du keine Jaguar oder so, sondern höchstens mal irgendwie, wenn du Glück hast, irgendwie einen Frosch oder Eidechsen. Aber es ist nicht lebensbedrohlich, das möchte ich damit sagen. Aber auch dort kann man sich verletzen und sich verstauchen oder ein Bein brechen und da kommt wochenlang niemand vorbei. Das heißt, wenn du da irgendwie dich verletzt und vom Weg abkommst, dann bleibst du da liegen und wirst Wochen später als Überrest gefunden. Der Weg ist nicht ausgeschildert. Es gibt de facto kein Schild, auf dem steht Hallo hier ist der Sultan's Trail. Du kannst aber dich dank der App oder der Koordinaten, die Max oder die Sultan's Trail Foundation bereitstellen, nicht verlaufen. Also du weißt theoretisch, wo du gehen musst. Und wenn die Wege jetzt nicht komplett sind, dann geht das eigentlich auch ganz smooth, sag ich mal. Natürlich, du bist abhängig vom Wetter und du bist abhängig davon, ob es ein Regenreiches ist. Jahr ist, du bist abhängig davon, ob du im Sommer oder im Winter gehst. Das sind alles Dinge, die man halt planen muss. Du bist ja da drei, dreieinhalb Monate unterwegs. Da passiert viel. Also zu glauben, es regnet mal nicht in dreieinhalb Monaten in Südosteuropa, ist ein Irrglaube. Der Sultans Trail und das macht ihn, glaube ich, so besonders, ist roh. Er ist einfach wirklich die Roh-Version, er ist herausfordernd und das ist aber das Leben auch, finde ich, es ist eben nicht in Watte gepackt und das macht ihn so echt und das macht ihn aber auch so spannend. Und wenn man jetzt ein bisschen Abenteuerlust verspürt in sich drinnen, wenn man nicht gehen möchte, was irgendwie vorgekaut ist, dann ist der Sultan's Trail absolut das Richtige. Und auch Stichwort Solitude, also nennen wir es Einsamkeit, nennen wir es Ehre Mietsein, nennen wir es mit sich alleine sein wollen, dann ist der Sultan's Trail auch das Richtige. Mich hat das natürlich oft genug zur Weißglut gebracht, aber es war auch immer wieder einfach cool, weil du herausgefordert wirst. Du stellst in der Früh auf und du weißt nicht, was auf dich zukommt. Dann kommen reisende Flüsse und du musst dir überlegen, riskierst du es, wartest du da durch, oder gehst du 15 Kilometer Umweg? Das wissen wir, bedeutet in drei Stunden. Dann kommt ein Sumpf, wo du durch musst und du stehst dann bis zu den Knien irgendwie im Gatsch und die Moskitos knabbern, also saugen an dir und es ist heiß und du bist Dornenbespickt und denkst dir dann halt echt so, mein Gott, das ist das wirklich das, was ich wollte, komme ich so zur Ruhe. Für mich war es das Richtige, weil die Alltagssorgen von zu Hause, der Beruf, die Beziehung, die Familie, das Geld, die Gesundheit, das war plötzlich weg und meine neuen Alltagssorgen waren halt wirklich, eben, gehe ich jetzt durch diesen Sumpf, wie komme ich durch diesen Fluss? Wo finde ich was zu essen, wo finde ich was zu trinken, wo werde ich schlafen? Es ist nicht so wie am Jakobsweg, dass da ununterbrochen Werbeschilder sind mit Herbergen und du musst wirklich suchen. Also es ist echt ein. Ich hasse dieses Wort Abenteuer, weil das hat irgendwie so was Kindisches, finde ich, aber der Weg ist abenteuerlich, weil du kannst dich natürlich vorbereiten, du kannst vorab recherchieren, aber du weißt nicht, wie die Beschaffenheit des Weges an dem Tag sein wird. Und gerade das macht es aber auch so spannend, wenn man das sucht und braucht und will.

SPEAKER_00

Du kennst dich östlich von Österreich gut aus. Du sprichst auch die Sprache einer Region. Und damit. Ja, aber zumindest ein bisschen besser als Nullkenntnisse. Und damit hast du vielleicht schon mal so einen kleinen Vorteil. Andererseits bist du von Unterkunft zu Unterkunft unterwegs gewesen. Und manche würden vielleicht sagen, ah, total easy, leichter Rucksack, man läuft da von A nach B und weiter nach C. Aber Unterkünfte muss man ja auch erstmal suchen. Man muss dann erstmal kommunizieren, man muss trotzdem planen. Und oftmals macht ein leichter oder schwerer Rucksack auch gar nicht so den Unterschied, wie viel Abenteuer man erlebt. Und, und darauf würde ich später noch zu sprechen kommen, ich finde, wenn man nur zeltet, dann entgeht einem ja auch ganz viel von der Kultur und der Geschichte entlang des Trails. Also ich war vor einigen Jahren immer noch so eine Hardcore-Zelterin, die sagte, ja, man zelt raus, weg von den Menschen, rein in die Natur. Aber mittlerweile sehe ich da echt einen Mehrwert, in die Kultur reinzugehen, in die Begegnung reinzugehen. Auch wenn ich Solitude mag, aber man erlebt ja Orte nur, indem man auch mit den Menschen in Begegnung geht. Also mit anderen Worten, lange Rede, kurzer Sinn. Du warst von Unterkunft zu Unterkunft unterwegs. Warum hast du dich dafür entschieden und könnte man das überhaupt mit dem Zelt machen, wenn man da jetzt sagt, nee, ich möchte raus und ich möchte mit niemandem in Kontakt sein, ich möchte zelten. Könnte man auch zelten?

SPEAKER_02

Ja, natürlich kannst du zelten und das haben auch etliche, ist gut gesagt, haben die wenigen Vorgeherinnen und Vorgeher auch hauptsächlich gemacht. Oder eine Kombination aus manchmal Zelt, manchmal Unterkunft. Du kommst ja auch durch Großstädte, du kommst durch Hauptstädte, also da brauchen wir nicht reden, da wirst du natürlich nicht selten so und da gehst du irgendwie in ein schönes Hotel oder ein Airbnb oder was auch immer. Das Budget halt her, geht je nachdem, oder kennst du wen. Ich hatte das Glück, dass ich unterwegs auf ein paar Kontakte hatte und wusste, an diesem und jenem Ort kann ich privat unterkommen. Ich habe mich gegen das Zelten entschieden, aus persönlichen Gründen, weil ich es nicht leiden kann. Und ich nicht gesehen habe, dass ich jeden Tag 20, 30, vielleicht irgendwann mal sogar 40 Kilometer gehe und mir dann am Abend ein Zelt aufbauen, mir selbst ein Essen koche, dann abwaschen muss und am nächsten Tag das Ganze wieder abbauen muss. Das war mir einfach zu mühsam. Ich wollte am Ende eines langen Wandertages, was ja ziemlich bald meine Arbeitstage wurden. Das ist ja auch ein schönes Konzept, wenn das Gehen, dein Alltag und deinen Arbeitstag wird. Die Leute gehen in die Arbeit in der Früh und du gehst los und deine Arbeit ist zu gehen. Das ist ein total geiler Gedanke eigentlich. Ich wollte am Ende dieses Tages irgendwo unterkommen und ich bin nicht sehr anspruchsvoll. Ich habe und hätte alles genommen, solange es halt irgendwie ein halbwegs ein Dach über den Kopf ist und wenn dann auch noch irgendwo eine Matratze ist, bin ich noch dankbarer. Aber ich hätte auch eine Bushaltestelle genommen, wenn ich eine gefunden hätte. So, das ist das eine. Das andere ist, ich habe mich mit Absicht auf dagegen entschieden, weil ich, wie du auch sagst, du bist den ganzen Tag allein, du weißt, da gibt es keinen anderen anderer. Gut, das wolltest du so. Du weißt aber auch, du begegnest vermutlich nicht allzu vielen Menschen, wenn du da irgendwie 30 Kilometer lang durchs Gebüsch huscht.

SPEAKER_00

Max sei dank.

SPEAKER_02

Max sei dank, und ich wollte dann einfach am Ende des Tages eben einerseits um anzudocken, andererseits auch, weil der Ethnologe und der Reporter in mir halt irgendwie das sucht, um Menschen, Länder, Kulturen kennenzulernen und zu verstehen, brauchst du ja dann Austausch. Wenn du dich dann irgendwo in der Pampa verschannst in deinem Zelt, dann redst du ja erst wieder mit niemandem und bist erst wieder allein und kriegst überhaupt nichts mit, wie die Leute ticken, was sie antreibt, was ihre Probleme sind, was ihr Leben ausmacht, was sie umgibt und was sie lieben, was sie hassen, was sie über ihre Nachbarn denken etc. Tausend Fragen. Das heißt, mir war das schon wichtig, irgendwie am Abend einerseits nach über dem Kopf zu haben, Shelter, das ist ein tolles Wort auf Englisch. Andererseits, um einen Austausch mit den Menschen zu haben. Und darum meine Entscheidung, eine Unterkunft zu suchen. Du kannst natürlich Zelten, du kannst auch das ganze Denk durchzelten. Die Nachteile habe ich aufgezählt, die Vorteile sind, du bist wesentlich flexibler und unabhängiger. Denn eine Unterkunft zu suchen bedeutet ja, dass du abhängig bist davon, was es gibt. Und man glaubt es kaum, aber es gibt Abschnitte in Europa, wo du auf das längst daran, 55 Kilometer keine Unterkunft findest. Und wenn du das weißt und wenn du dir die Wege anschaust und wenn du das versuchst zu planen, ich habe tatsächlich meine Tage ausgerichtet nach wo gibt es die nächste Schlafmöglichkeit. Und wenn ich dann gesehen habe, okay, es gibt ihnen 12 Kilometern eine und es gibt ihnen 30 Kilometer eine, dann bin ich mal die 12 Kilometer gegangen und habe dann einfach geschaut, wie geht es mir da? Schaffe ich den Rest heute noch? Ja, okay. Und dann wusste ich, da ist dann aber Schluss, weil die nächste ist dann erst wieder 15 Kilometer später, das schaffe ich heute nicht mehr. Das heißt, da wird meine Nacht sein. Und dann musst du wo auch vorausplanen, weil wenn du am nächsten Tag dann nur 12 Kilometer gehen kannst, musst, sollst, weil die nächste dann halt wieder 50 km entfernt ist und das zu viel ist. Also das war sozusagen meine Aufgabe, zu planen, jeden Tag, okay, wo kriege ich eine Unterkunft. Und das war halt mitunter schwieriger als man denkt, weil es eben Abschnitte gibt, wo nichts ist. Und dann kommt halt hinzu, dass du irgendwie dort ankommst und es gibt die Unterkunft nicht mehr oder es ist voll oder du wirst kurzerhand ausgeladen, obwohl du was gebucht hast. Das heißt, ja, alles im Leben hat vor- und Nachteil, ich habe mich mit Absicht gegen das Zelt entschieden und für all jene, die das gerne machen wollen, mit Zelt oder einer Kombi, absolut möglich, und viele haben das gemacht. Es war auch absolut sicher. Also ich gingen und gehen auch Frauen alleine in den Sultans Trail und die schlafen sowohl in Zelten als auch in Unterkünften oder halt in Kombi daraus. Und absolut sicher. Es ist eine Region, wo man sich eigentlich echt wirklich großartig fürchten oder Sorgen machen muss. Klar, Gefahren und Idioten gibt es immer und überall auf der Welt, auch am Sultans Trail, aber es ist die vielen Vorteile, die wir haben, etliche davon bestätigen sich nicht.

SPEAKER_00

Ich muss gerade jetzt wieder so schmunzeln, weil ich daran zurückdenken muss, wie du auch im Buch schreibst oder beschreibst, dass du immer von den Einheimischen eines bestimmten Ortes oder einer Region immer vor den nächsten Nachbarn dann gewandt wurdest. Und du natürlich bist du dann immer weitergelaufen und du wurdest dann immer wieder neu herzlich aufgenommen von diesen ach so bösen Nachbarn, die wenige Tage vorher, von denen du noch gewandt wurdest. And that scheint so ein durchgängiges Muster zu sein, dass man immer gewandt wird for den ach so bösen Nachbarn und dass sie ja irgendwie hinterlistig sein und über das Ohr hauen wollen und überhaupt nichts Gutes im Schilde haben. Wie erklärst du dir das, dass da so ein Misstrauen den eigenen Nachbarn gegenüber besteht? Nachbarn im Sinne von auch benachbarte Großregionen oder benachbarten Ländern natürlich.

SPEAKER_02

Ach, wie erkläre ich mir das? Ich bin kein Soziologe und auch kein Psychologe. Ich weiß nicht, warum Deutschen und Österreich aufeinander schimpfen.

SPEAKER_00

Ist das so?

SPEAKER_02

Naja, ich glaube, man hat einfach ein Bild von seinen Nachbarn und man hat Vorteile und Stereotype gegenüber seinen Nachbarn und das sind halt meist nicht die wohlwollendsten und besten Gedanken. Und was ich bestätigen kann, ist, dass es offensichtlich ein Phänomen ist, das sich durchzieht. Also das war wirklich so, dass ich ständig gewarnt wurde vor den nächsten. Achtung, die klauen alles, Achtung, die schießen ganz viel, Achtung, die sind hinterlistig und haben das Hackeln ins Kreuz. Also es war irre, das zu verfolgen und natürlich auch, man kann darüber schmunzeln, man kann das natürlich auch soziologisch zerlegen und sagen, um Gottes Willen, warum denken wir alle so über unsere Nachbarn? Ich kann dir nicht erklären, warum das so ist.

SPEAKER_00

Aber spannend, dass das wirklich so ein durchgängiges Muster ist. Und du, du bist ja der Beweis dafür, dass es unbegründet ist. Denn du hast ja gute Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel, ich muss jetzt an diese eine Situation denken. Als du, ich glaube, im Wald auf so ein paar Kumpel getroffen bist, die da in so einer Waldhütte waren oder so ein Wochenendhäuschen und wo du schon dachtest, oh oh, wenn ich mich recht erinnere, die haben bestimmt auch schon ein bisschen was Intus und das wird jetzt irgendwie vielleicht kritisch oder so. Und dann stellte sich heraus, dass das ein paar total nette Typen waren, die eigentlich sehr unterschiedlich waren, aber gut befreundet und wo ihr auch eine gute Zeit hattet.

SPEAKER_02

Genau, also das war relativ am Anfang meines Trails, kurz vor der Staatsgrenze von Österreich nach in die Slowakei, also ich glaube Tag 3. Ich komplett beinand, durchnässt, weil es durchgeregnet hat und Blasen anfüße und eine Augenentzündung. Gut, die hatte nichts mit dem Trail zu tun, aber hat nicht dazu beigetragen, dass ich irgendwie glücklicher wurde. Schmerzen am ganzen Körper in Regionen, wo ich nicht einmal wusste, dass man Schmerzen haben kann. Und ich wollte eigentlich aufgeben und abbrechen. Ich dachte mir, ich gehe den ersten Abschnitt bis Bratislava zu Ende, dann kann ich mir das aus Grab schreiben. Dieser Mann ist mal von Wien nach Bratislava zu Fuß gegangen. Aber dann ist Schluss. Weitwandung ist nichts für mich und all die Freunde, die ihr Geld darauf gewettet haben, dass ich niemals diesen Trail zu Ende gehen werde, dass ich vielleicht sogar schon an der Wiener Staatsgrenze, an der Wiener Stadtgrenze aufgeben werde, werden recht behalten und ich werde nicht auf oben einen Haupt nach Hause heimkehren als Held, sondern als geschlagener Hund. Bin dann da entlang der Donau spaziert und komme zu einer Fischerhütte, wo drei Typen sind mit Händen wie Bratpfannen und einem Camouflage und crimmige Gesichter und Rauchen und Trinken und ich konnte die überhaupt nicht einordnen und dachte mir, was ist das da? Bürgerwehr, Neonazis, was sind das für Typen? Jedenfalls Männer, wo man auf den ersten Blick sagen würde, ja, mit denen möchte ich jetzt nicht unbedingt freiwillig interagieren. Aber die hatten ein Lagerfeuer und es war saukalt und ich war nass und sie hatten auch was zu essen und ich hatte gerade mal irgendwie einen Topfengollacer Indus und es war elf am Vormittag, circa, und dachte mir dann, ja, jetzt kommst du da mal irgendwie angekochen wie ein Hund und schaust und wenn sie nicht benden oder beißen, dann kann man ja vielleicht. Und so schnell konnte ich gar nicht schauen, hatten die mich schon eingeladen und gesagt, komm, setz dich zu uns, wären dich. Und ich habe dann meine Schuhe ausgezogen und hat irgendwie Schuhe und Zocken und Hose und alles irgendwie im Lagerfeuer getrocknet. Und die haben mich verköstigt, die haben mir zu essen gegeben, die haben mich abgefüllt, die haben mir Schnaps gegeben. War ein Trio, ein Bosnier, ein Kroate, ein Serbi, was ich per se schon sehr spannend fand, weil aufgrund der Geschichte der Länder dieser Männer, die ja irgendwie seit Jahrzehnten auch in Clinch liegen, auf einem offiziellen Frieden herrscht, fand ich das irgendwie sehr schön zu sehen, wie die drei da zusammensitzen. Die haben sich da eine Fischerhütte irgendwo in der Donau gebaut und verbringen da die Wochenenden oft miteinander Männerrunden. Essen, Trinken, Rauchen, Quatschen, Fischen. Und die fanden die Idee dieses Sultans Trails so genial, dass sie mich extrem motiviert haben, weiterzugehen. Und da hat nicht nur irgendwie der Schnaps und das Lagerfeuer irgendwie dazu beigetragen, sondern das war eher diese Wärme und Herzlichkeit dieser Menschen. Und da dachte ich mir, schau, wie schön, du hast Vorurteile gegenüber diesen fremden Leuten und dann entpuppen sich die als die nettesten, gastfreundschaftlichsten, coolsten Menschen, die dich anfeuern und motivieren, weiterzugehen. Nämlich nicht nur bis Bratislava, sondern auch darüber hinaus. Ich bin dann mit einem ziemlichen Schwibs um 11 Uhr Vormittag weiter getrocknet Richtung Bratislava und bin dort angekommen, aber voll gehypt und habe dort alle zugetextet, ich bin gerade von Wien nach Bratislava gegangen, das hat mich natürlich niemand interessiert. Aber für mich hat das ganz viel verändert, weil plötzlich im Kopf diese Barriere gebrochen war von das waren zwar nur in Anführungszeichen 100 Kilometer, aber plötzlich war mir klar, wow, du kannst von Wien über eine Staatsgrenze hinaus bis nach Bratislava gehen. Und wenn du das schaffst, dann kannst du auch bis Budapest gehen. Und weiter habe ich dann auch gar nicht gedacht, denn das war für mich, glaube ich, auch eine sehr wesentliche Erkenntnis. Wenn du an das große Ganze denkst, also wenn du am Stephansplatz stehst und daran denkst, du gehst jetzt nach Istanbul, dann kann das mich hat es extrem überrumpelt. Also ich dachte mir einfach, um Gottes Willen, was habe ich mir da angetan? Das ist ja völlig utopisch. Das geht ja, weil du kannst ja nicht jetzt nach Istanbul gehen, das ist ja unmöglich. Und mir ist regelrecht schlecht geworden. Also ich habe echt gedacht, ich muss mich da übergeben am Stephansplatz vor dieser Aufgabe, vor dieser Hürde. So, wenn du jetzt aber beginnst, das Ding runterzubrechen und die Sultans Trade Foundation hat ja schon einen Beitrag dazu geleistet, indem sie das in sechs Abschnitte geteilt hat, die zwar unterschiedlich lang sind, aber die natürlich auch Sinn machen nach ihrer Erklärung. Wenn du dann sozusagen den ersten Abschnitt in Bratislava nach 100 Kilometern erreicht hast, dann hast du irgendwie schon was geschafft und du siehst dann irgendwie, wow, erster Abschnitt. Zwar nicht prozentuell auf das gesamte Ding gesehen, aber du hast den ersten Abschnitt geschafft. Und dieses Spiel, dieses Runterbrechen, kannst dir ein bisschen das Endlose treiben. Und das habe ich dann auch gemacht. Wenn ich dann einmal unterwegs war auf einem 30 km langen Stück, das geradeaus führt, links und rechts von dir nur Weizenfelder und die Sonne brennt runter und du denkst dir echt zum Gottes Willen, was mache ich hier? Also das ist ja völlig geisteskrank, dass ich da jetzt einfach nur geradeaus geht, 30 Kilometer, völlig ihren Verband, dann habe ich das einfach runtergebrochen und habe gesagt, bis zum Ende dieses Ackers gehe ich noch. Dann war halt ein Querfeldweg. Und da bleibst du dann einfach stehen. Wenn du keinen Bock mehr hast, bleibst stehen, wartest, bis dann irgendwann einmal jemand vorbeikommt und fragst, ob er dich mitnimmt. Oder du schaust einfach, was dann passiert. Und als ich dann am Ende des Ackers war, bin ich stehen geblieben und natürlich war da niemand und kam noch lange niemand und dann habe ich mir gesagt, gut, einen Acker gehst du noch. Und so habe ich das irgendwie bis ins kleinste Detail oder bis auf den kleinsten gemeinsamen Männer runtergebrochen. Das war dann zum Schluss diese Strategie von Schritt für Schritt. Und das war für mich irgendwie eine Erkenntnis. Schritt für Schritt kommst du irgendwo an, am Ende des Ackers, im nächsten Dorf, an deinem Tagesziel, an einem der Abschnitte, in der nächsten großen Hauptstadt, und so habe ich mich vorgehandelt. Und das war für mich nicht nur wichtig, um diesen Weg zu absolvieren in der gesamten Länge, sondern das ist ein Konzept, was ich für mich daraus gelernt und mitgenommen habe. Wenn ich jetzt mal wieder prokrastiniere und vor mir ist eine Aufgabe, keine Ahnung, ich muss einen Film schneiden oder ich muss einen Text schreiben, und du siehst das leere Blatt vor dir und du denkst an die Zeichenanzahl, die du liefern musst und an die Deadline, dann wird dir natürlich schlecht. Wenn du aber sagst, komm, jetzt schreib mal einen Satz. Und nach dem Satz schreibst du noch einen Satz. Und du setzt dir ein kleines Tagesziel, keine Ahnung, fünf Sätze, einen Absatz, eine Seite, je nachdem, das ist ja individuell irgendwie anpassbar. Das Konzept, die Idee bleibt dieselbe, Schritt für Schritt, Etappe für Etappe. Wenn du jetzt denkst an, ich muss mein Leben checken, was ist mit Kindern, was ist mit Karriere, was is mit myke, have you irgendwann a pension, blah blah blah, all these great lives. Not really. When you this break, so to say, off cleaner, then comes on.

SPEAKER_00

Wege, die weiten Wege, die sind natürlich in ihrer Gesamtheit erschlagend und furchteinflößend. Zum Beispiel 2400 Kilometer bis Istanbul.

SPEAKER_02

Gibt es ja noch andere Kaliber, also Pacific Crest Trail oder Name it, ja? 4300 Kilometer. Also du kannst ja auch, du musst ja eigentlich nicht einmal irgendwie einen vorgegebenen Weg gehen. Wenn du lustig bist, kannst du auch sagen, ich gehe jetzt einmal quer durch Afrika oder was auch immer.

SPEAKER_00

Ja, genau.

SPEAKER_02

Aber das sind ja alles Distanzen, die erschlagen dich. Aber in Wahrheit is auch eine Distanz bis an die Stadtgrenze von Wien, das sind ungefähr zwei, zweieinhalb Stunden, die erschlägt dich auch, wenn du noch nie deinen Kretzel verlassen hast und wenn du nicht weißt, was es bedeutet, zweieinhalb Stunden zu gehen. Also auch das im Gegenteil kann dich erschlagen. Die kleinsten Männer, aber einen Schritt schafft jeder. Also einen zweiten Schritt vielleicht sogar auch noch. Und wenn man das so runterbricht, funktioniert sie eher.

SPEAKER_00

Und du hast auch vorhin gesagt, weit wandern ist auch ein Job. Und da gehe ich 100% mit. So bizarr wie es klingt. Also ich zum Beispiel, ich weit wandere auch, um einfach auch mal weg vom Job zu kommen. Also mein Job ist Kommunikation. Ich rede den ganzen Tag mit unterschiedlichsten Menschen, betreibe Beziehungsarbeit mit Menschen. Und für mich ist Wandern, Weitwandern einfach mal wegzukommen. Obwohl ich dann im Podcast auch gerne wieder über das Wandern rede. But it is dann keine Arbeit, aber so ein Weitwanderweg, und das ist für mich auch dann der Unterschied zum Mehrtageswandern. So ein Weitwanderweg wird irgendwann vielleicht auch mal herausfordern in the sense of that man the motivation aufrecht erhält, or that the wetter then not shin is or that vielleicht a langweilige abschnitt kommt oder dass man nach Straße entlang laufen muss. And so this honeymoon-phase I've been a bit, is then iron vorbei. And then come out the gun, what machine here eighteenth? And why do you this an hinterfragt man this always? When many job sieht, von dem man ja in dem Moment eigentlich ein bisschen abstand möchte, dann hinterfragt man das nicht mehr. Also für mich stellt sich dann irgendwann auf den langen, weiten Wegen, stellt sich die Frage nicht mehr, mache ich jetzt weiter? Natürlich stehe ich morgens auf. Dann wird der Wecker gestellt, wie im Berufsalltag auch, and dann klingelt dann um sex und dann steh ich auf und dann wird gefrühstückt, dann wird das Zelt zusammengepackt. And ich vertraue dann einfach darauf, dass der Tag einfach gut wird. And the tag would be good beimern. Klanger gibt es auch immer schlechte Tage, aber wie du schon sagst, immer shit for shit, auch wenn man mal so ein Motivationstief hat. And so bizarr, wie this tatsächlich blingen mag for Außenstehende, sag ich jetzt mal in Anführungszeichen. Weit wandern ab einem gewissen Punkt ist dein Job im Sinne von that is just dein Alltag and deine Routine. Und da gibt es Höhepunkte und da gibt es auch tiefe Täler. Und da muss man durch. Und das ist genau der Aspekt, was Weitwandern auch vom Mehrtageswandern, zumindest aus meiner Sicht, unterscheidet.

SPEAKER_02

Wenn man das möchte, es zwingt zum Glück niemand. Aber ich denke auch, dass gerade das Thema die Motivation und wie schafft man es sich über so einen langen Zeitraum zu motivieren, trotzdem in der Früh aufzustehen, das zu machen. Das wäre sicher auch mal eine eigene Sendung wäre, da hast du vielleicht hier schon gemacht oder läuft das. Das ist schon extrem spannend. Wie schaffst du es die Motivation, am Leben zu erhalten? Ich bin zum Beispiel gestartet mit einem wirklich, wirklich starken Willen. Ich möchte das. Ich gehe jetzt diesen Sultans Trail, ohne zu wissen, wie weit ich komme und ob ich je ankomme. Aber ich wollte einfach raus, weil meine Motivation war, Abstand nehmen und ausbrechen, sozusagen aus meinem Alltag. Körperlich war ich aber überhaupt nicht fit, das heißt, und unerfahren und falsch eingekauft und falsch geparkt und alles. Also diese ganzen Anfängerfehler, ich möchte uns das ersparen. Das kann man alles nachlesen, wenn man möchte, ein Buch. Aber das ist ja ein Weitwander-Podcast. Also da hören ja in erster Linie Profis und erfahrene Leute zu, die sich wahrscheinlich auf den Kopf greifen und die Geschichten hören, dass ich nicht mal eine ordentliche Regenjacke mithatte, sondern einfach so einen Regenponcho, den man bei Konzerten gratis bekommt.

SPEAKER_00

Da scheiden sich die ganzen, was sollte und was richtig ist und was falsch ist. Es gibt nur ein richtig für einen selbst.

SPEAKER_02

Nein, aber der Körper passt sich ja irgendwann anders und das geht schneller als man denkt. Also ich bin nach einer guten Woche schon das erste Mal eine Distanz eines Marathons marschiert an einem Tag. Ich hätte das nie im Leben für möglich gehalten davor. Also hätte mir jemand gesagt, ja ja, das wirst du sehr bald, wird der Körper das können und schaffen. War wirklich überrascht, dass das geht. Noch überraschter war ich, als ich gemerkt habe, das geht auch ohne etwas zu essen, also mit leerem Magen 42 Kilometer zu gehen, das schien mir vor als Konzept unmachbar und unmöglich. Was aber irgendwann einmal, also eben, kopfstark gestartet, körper schwach, dann wurde der Körper irgendwann stark und der Kopf hat nachlassen, weil halt einfach diese Eintönigkeit und die Monotonie und die Redundanz des täglichen sich wiederholens, gleiches Spiel, auch wenn die Farben unterschiedlicher werden, die Sprachen anders werden, die Menschen anders werden, es ist ja trotzdem immer dasselbe. Und gegen Ende dann hat beides nachgelassen. Also da wurde der Körper dann richtig müde, weil die Distanzen offensichtlich oder die Strapazen zu viel, zu groß, zu belastend wurden und auch die Motivation mich irgendwann einmal total verlassen hat. Und dann trotzdem in der Früh aufzustehen und zu sagen, scheiß drauf, heute gehst du wieder, da hat mir eben wieder, ich komme zurück auf dieses Schritt-für-Schritt-Konzept, geholfen, mich voranzutreiben. Weil sonst hätte ich ja im Bratislava auch schon aufgeben können. Dank der drei Herren, die mich angetrieben haben, habe ich das nicht. Aber es gab dann oft genug Wege, oft genug Momente, und die kennst du und die Hörerinnen und Hörer, die selbst leidfanden vermutlich auch, dass man sich dann denkt, nein, was tue ich mir da an? Also warum lege ich nicht zu Hause am Sofa, trinke ein Bier, esse Chips und schaue irgendein Schwachsinn im Fernsehen. Eben, genau darum nicht. Darum geht man das.

SPEAKER_00

Genau. Martin, ich würde gerne nochmal auf den Trail gehen an sich. Also von dem inneren, vielleicht nochmal ins Äußere. When man unterwegs is, und ich habe eingangs die These aufgestellt, dass ich that the Sultan Trail so relativ unbekannt is, weil Ost and Südost Europa so ein weißer Flecken is. There are bestimmte Vorurteile gegen Ländern in the Großregion, die ja so vielfältig is anders and kulturell also so vielfältig anders. Here in Neuseeland lived, this is an inten despazifies, which is key with Nachbarn, but it's like a Nachbarn gibt. The Nachbarn are many Flugstunden entfernt. In Europa setzt man sich in achtbus or a nachtzug and comes in another hauptstadt eines and Grenzen gegangen. Ich muss mich aber auch erinnern, ich muss mich korrigieren, du bist auch über Grenzen gegangen, wo es da die andere Problematik gab mit Stempel oder nicht vorhandenen Stempel, vielleicht möchtest du darauf eingehen. But so this Konzept Grenzenlos unterwegs sein. Europa, EU, gemeinsam in Europa, verschiedene Länder, diverse Kulturen. Wie hast du das erlebt? Gibt es sowas, so ein Konzept von einem Europa? Gibt es so etwas Einigendes auch in Osteuropa, in Südosteuropa?

SPEAKER_02

Ja, und ich würde fast sagen darüber hinaus. Also natürlich, Inselstaaten per se haben die Schwierigkeit, dass sie abgeschottete Systeme sind. Das hast du natürlich, wenn du ein Nachbarland hast, mit dem deine Grenze teilstone nicht. Das heißt aber auch nicht, dass sich alle Nachbarn mögen über die Stereotype und Vorteile hinaus. Also es gibt ja genug Länder, die auch Krieg führen leider miteinander. In diesem Fall ist es tatsächlich so, dass das ja kulturhistorisch ein Raum ist. Klar, da gibt es unterschiedliche Sprachen, da gibt es unterschiedliche Geschichten, aber die Geschichte vereint uns ja auch. Und das ist, glaube ich, einer der Aspekte, den die Switchlands Trail Foundation herausgestrichen hat, eben dieser Weg des Friedens, etwas Völkerverständigendes Wir teilen ja die Geschichte miteinander und die geht ja im 16. Jahrhundert, die geht viel früher noch los, aber die Geschichte dieses Trails beginnt ja im 16. Jahrhundert schon. Und wir haben so viel mehr gemeinsam, als gewisse politische Parteien versuchen, uns aufzuzeigen, dass wir das eben nicht haben. Sprachlich borgen wir, lehnen wir Wörter voneinander aus. Wir teilen Kulinarik, wir teilen Musik, wir teilen Tanz, wir teilen Traditionen. Ich habe immer wieder auf dieser Reise den Leuten die immer gleiche Frage gestellt, nämlich, was verbindet uns entlang des Weges. Und das waren sehr schräge und lustige Antworten. Also von, keine Ahnung, einer hat mir gesagt, Döner verbindet uns, weil den findest du, von BBC dann wohl überall. Andere haben gesagt, weiß nicht, eine andere spannende Antwort war, Krieg verbindet uns, weil das halt etwas ist, was über die Vergangenheit und die Geschichte uns immer wieder begleitet hat. Stimmt natürlich auch. Eine der schönsten Antworten für mich war bei einem Kriegsveteranen in Kroatien, wo ich untergekommen bin, der gesagt hat, das ist relativ einfach. Wir alle essen und trinken gerne und wir lachen gerne. Und das am besten miteinander. Und das fand ich einfach vermutlich aufgrund dieser simplen Antwort. Da war so viel drinnen für mich, weil das auch stimmt. Völlig wurscht, welche Sprache du sprichst und völlig wurscht, wo du herkommst, das ist etwas, was uns verbindet. Und auch was ich jetzt sagen werde, ist ein Klischee. Je tiefer du in den Balkan vordringst, umso gastfreundschaftlicher und herzlicher und wärmer werden die Menschen. Und tatsächlich war es so, egal ob in Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Türkei sowieso dann. Man muss sich das mal als Konzept vorstellen. Du bist in einem Dorf und plötzlich marschiert er irgendein komischer Typ mit Strohwut und Wanderstock vorbei und sieht ein bisschen verloren aus. In erster Linie, was uns alle verbindet, ist, wir sind natürlich neugierig. Wer ist das? Was macht ihr hier? Und dann gibt es natürlich auch Skepsis. Also es ist ein Fonbiss. Die Skeptiker sagen dann: bleibt der eh nicht und klaut uns dir eh nichts und zieht der eh gleich weiter. Bis hin zu, wow, da ist ein Fremder. Wir wollen wissen, wer das ist, und den wollen wir bei uns zu Hause haben. Und ich hab's halt echt erlebt, dass mich Menschen, wildfremden Menschen, oder mich den Wildfremden, zu sich nach Hause eingeladen haben, mich verköstigen, ich übernachten darf, mit mir ihre Lebenszeit teilen und dann auch noch ihre Lebensgeschichte mit mir teilen. Jetzt denkt ihr das mal verkehrt herum. Ich weiß nicht, woher du bist aus Deutschland, aber wenn ich irgendwie denke, Wurscht ab Wien oder ein Dorf in Tirol oder in Kärnten oder sonst wo, und da mir schiert dann plötzlich irgendwie eine Ausländerin oder ein Ausländer vorbei, komisch gekleidet, spricht die Sprache nicht. Ich weiß nicht, ob ich, ob XY aus einem Dorf in Tirol sagen würde, ja bitte komm rein, du kriegst von mir zu essen, zu trinken, du darfst bei mir übernachten. Nein, du sollst bitte bei mir übernachten. Ich will dafür kein Geld. Und darüber hinaus lasse ich alles liegen und stehen und verbringe Zeit mit dir und höre mir deine Lebensgeschichte an und teile meine Lebensgeschichte mit dir. Also ich weiß nicht, ob ich das umgekehrt dir gemacht hätte. Heute denke ich natürlich auch anders drüber und sollte mal ein Weitwanderer an der Wohnungsstür vorbeilaufen und einen Schlafplatz brauchen, denke ich, werde ich ihm oder ihr diesen anbieten. Aber diese Selbstverständlichkeit, diese Herzigkeit, diese Wärme, diese Nähe, das hat mich unfassbar beeindruckt und das ist das, was uns verbindet. Und ich glaube, dass wir, und mit wir meine ich, wir Deutschen, wir Österreicher, uns da viel eher eine Scheibe abschneiden können vom Balkan und vom Osten, als die ganzen anderen üblen Vorurteile, die wir ihnen gegenüber haben.

SPEAKER_00

Das Ankommen am Ende eines Weges.

SPEAKER_02

Boah.

SPEAKER_00

Nimm uns doch mal bitte mit, wie das für dich war. Dann damit geplant, erstmal nur nach Bratislava zu kommen. And then commandst du aber tatsächlich in Istanbul an. Wie hat sich dieses Ankommen angefühlt?

SPEAKER_02

Also als ich losmarschiert bin, habe ich mir einen point of no return festgelegt. This is the Stadt Plovtiv in Bulgarien. Hatte ich nie zuvor gehört, dass this überhaupt existiert. By the way, the ältested und weiß nicht ob damit auch die älteste Stadt der Welt, aber da kommst du auch vorbei an diesem Sultan's Trail. Tolle, wunderschöne Stadt übrigens. Warum habe ich mir diese Stadt als Point of No Return festgelegt? Weil Plofftif, das ungefähr nach 1600 Kilometern dann irgendwann mal kommt, für mich so weit weg war. Und auch so kein Konzept von was ist das und wo ist das und was gibt's da. Und in meiner naiven Vorstellung dachte ich mir, wenn du es bis Ploftif schaffst, ja na gut, dann bist du nicht mehr weit nach Istanbul. So. Wochen, Monate später kam ich dann irgendwann mal nach Ploftiv und war dort etwas... Ich habe dort zwei Tränen vergossen. Die eine Träne dafür, dass ich es geschafft habe bis nach Ploftiv und somit einfach wirklich 1600 Kilometer hinter mich gebracht hatte. Unvorstellbar eigentlich. Die andere Träne dafür, dass noch einmal 800 Kilometer und damit ein ganzer Jakobsweg vor mir lagen. Und ich muss zugeben, ich war da im Ploftiff dann schon auch etwas schwach auf der Brust. Also ich war müde und kaputt und ausgelaugt und da war dann schon dieser Moment von, boah, also fast da bist du noch nicht. Sondern nochmal 800 Kilometer ist tough, aber ja, du hast den Point of No Return festgelegt, jetzt musst du das Ding zu Ende machen. Natürlich musst du nicht, du musst gar nichts, wenn du nicht willst, aber ich wollte auch. Und mir ist dann auch wirklich auf den letzten Metern Kraft ausgegangen. Ich will nicht zu viel verraten, das kann man dann alles im Buch nachlesen, wer möchte. Aber ich, spoiler, ich bin bis nach Istanbul gekommen. Wie ist es jetzt wurscht, das kann man, wie gesagt, nachlesen. Als ich in Istanbul angekommen bin, abgesehen davon, dass dieses Bild, dieses Panorama, der Bosporus und du blicks nach Asien rüber und die Moscheen, die riesengroße Türkeiflagge, die Goräuschkulisse, das ist schon ein wirklich sehr, sehr beeindruckendes Bild. Auch wenn du da hinfliegst und einfach nur dir das als Tourist anschaust, das per se ist schon unglaublich beeindruckend. Aber dieses Bild zu sehen und zu erreichen, auf dem du 2.500 Kilometer quer durch Südosteuropa marschiert bist, mit all den Strapazen, mit launischen Grenzbeamten, mit illegalen Grenzübertritten, mit Hunden, die dich beißen und verfolgen, mit Sümpfen, mit zugewucherten Wegen, mit Dornen, mit Moskitos, mit Regen, mit Hitze. Das kann man echt endlos aufzählen. Mit all diesen Strapazen. Da sind alle Dämme gebrochen. Also ich habe dann auch dort geplärt und habe gemeint, ich habe es einfach überhaupt nicht glauben können. Ich war komplett überwältigt emotional, dass ich das jetzt wirklich gemacht und geschafft habe. Und ich war unglaublich dankbar und froh, dass es zu Ende war. Und gleichzeitig war ich aber auch unglaublich dankbar und froh, dass ich mich dafür entschieden habe, diesen Weg zu gehen und ihn durchzuziehen.

SPEAKER_00

Und dann kommt man zurück. Und der Martin, der zurückgekommen ist nach Wien, ist das der Martin vor dem Sultans Trail? Oder war das dann ein ganz neuer Martin? Also Stichwort Sinnkrise. Sinnkrise gelöst, verpufft?

SPEAKER_02

Also. Es wäre zu Hollywood, würde ich jetzt sagen. Ich kam als neuer Mensch zurück und das ist mir auch wichtig dazu zu sagen, weil die Leute immer glauben, du wirst dann geläutert auf so einer Strecke und auf so einem Weg und kommst als völlig neuer Mensch zurück. Das bin ich nicht. Ich habe weder Gott dort gefunden auf diesem Weg und ich habe weder mich selbst gefunden, aber ich habe viel über mich gelernt, über mich selbst. Das war, glaube ich, sehr wichtig. Und ich habe eben verstanden, dass Stress etwas ist, was du nicht aufgelöst hat, sondern was sich eigentlich nur verlagert hat. Der Alltagsstress war dann plötzlich nicht mehr die Sorgen von zu Hause, sondern mein neuer Alltagsstress war, bekomme ich durch die Hunde, durch die Grenzen und durchs Gebüsch etc. Ich habe aber eben auch gelernt, dass man das alles überwinden kann und das eigentlich nur aus eigener Kraft und mit den eigenen Beinen und dass man als Otto Normalverbraucher, der ich ja war und bin, eigentlich nur mit Willenskraft und mit der Kraft der eigenen Beine Schritt für Schritt zu Fuß nach Istanbul gehen kann und vermutlich auch noch viel, viel weiter.

SPEAKER_00

Das war jetzt ein Schlusswort. Martin, ich danke dir für das schöne Gespräch.

SPEAKER_01

Ja, danke dir, Mareike. Ich hoffe, dir hat's gefallen. Ich hoffe, den Zuhörerinnen und Zuhörern hat es gefallen.

SPEAKER_00

Ja, wer mehr vom Sultan Trail hören möchte, Martin liest aus seinem Buch und trägt zum Trail vor. Zum Beispiel ganz bald am 10. Juni in Meran oder auch während des Interleseresefestivals in Sachsen-Anhalt oder im Herbst in Österreich oder im Spätherbst sogar auch nochmal in Deutschland in Hamburg beim Globetrotter. Alle Links findet ihr wie immer in den Shownotes. Und bitte nicht vergessen, wenn euch der Podcast gefällt, dann gerne fünf Sterne verteilen, abonnieren, teilen, eure Freunde darüber informieren, dass es einen tollen Wanderpodcast gibt. Commentar, denn so can Wandermachen Kaffee auch gut von anderen gefunden werden. So, for heute soll es das gewesen sein. Ich schicke liebe Grüße, sag bis zum nächsten Mal, passt auf euch auf anderer Happy Trails, eure Mareike.