Heimo Scheuch Podcast

Heimo Scheuch Podcast Episode #27: What are the impacts of the high inflation in Europe on our economy?

June 02, 2023 Heimo Scheuch, Jörg Krämer Season 1 Episode 27
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Heimo Scheuch Podcast Episode #27: What are the impacts of the high inflation in Europe on our economy?
Show Notes Transcript

00:00:04 Heimo Scheuch 

Sehr geehrte Damen und Herren, herzlich Willkommen zu meinem Podcast! Ich bin Heimo Scheuch, CEO der Wienerberger und mich freut es besonders heute, dass Herr Doktor Krämer zu uns gekommen ist, direkt aus Frankfurt. Chef-Volkswirt der Bank Commerzbank und wir haben ja viele aktuelle Themen und eines beschäftigt uns natürlich ganz gewaltig. Nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern der ganzen EU, das ist die Auswirkung der hohen Inflation auf unsere Wirtschaft und die Zinspolitik unserer Freunde von der Europäischen Zentralbank. Wie sehen Sie es aus Ihrer Sicht, die natürlich viel weiter geht als meine kleine Sicht im Bau und Zulieferbereich? 

00:00:49 Jörg Krämer 

Ja, wir hatten ja im Herbst eine sehr hohe Inflation gehabt. Über 10% im Euroraum; seit dem Herbst letzten Jahres fällt die Inflation jetzt. Vor allem deshalb, weil die Energiepreise nicht mehr so stark steigen. Bis zum Jahresende sollte die Inflation weiter zurückgehen, weil jetzt auch der Anstieg, oder weil die Inflationswelle die von den Nahrungsmitteln ausging, auch langsam abebbt, weil die Inflationswelle, die von der Materialknappheit herrührte, weil auch die langsam abebben wird. Also die Gesamtinflationsrate wird weiter runterkommen, vielleicht am Jahresende bei 3% stehen. Aber ob das Inflationsproblem damit wirklich unterliegend gelöst ist? Also, das glaube ich nicht! 

00:01:35 Heimo Scheuch 

Wenn wir uns ein bisschen in die Vergangenheit begeben; wir hatten die Corona-Krise in Europa natürlich auch, aber auch weltweit, die ja zu einer durchaus seriösen Verknappung an Gütern geführt hat und aus der heraus spürt man ja auch ein bisschen die Inflation kommen. Ist das nicht so? 

00:01:54 Jörg Krämer 

Ja, Corona spielt natürlich eine Rolle, weil Corona bedeutete ja, dass die Dienstleistungen geschlossen haben, dass Zulieferungen nicht mehr kamen, Materialflüsse abgebrochen sind. Das heißt, die Volkswirtschaft konnte weniger Güter und weniger Dienstleistungen herstellen. Das führt natürlich automatisch zu einer Verknappung und damit zur Inflation. Aber das ist nur eine Seite der Geschichte. Die andere Seite ist die Reaktion der Wirtschaftspolitik auf Corona, denn die Wirtschaftspolitik in Amerika, aber auch im Euroraum hat sehr viel Geld unters Volk gebracht. In Amerika ist die.. ist das Arbeitslosengeld teilweise monatlich um 2000 Dollar gestiegen. Die Einkommen der Amerikaner sind zweistellig gewachsen. Das heißt, die Politik hat die gesamtwirtschaftliche Nachfrage angefacht. Und wenn eine angefachte, eine staatlich angefachte Nachfrage auf ein Corona-bedingt geschrumpftes Angebot an Gütern und Dienstleistungen trifft, ja, dann ist die Inflation noch höher, also es ist nicht nur Corona, sondern auch die wirtschaftspolitische Reaktion auf Corona, die erklärt, warum die Inflation so stark gestiegen ist. 

00:03:07 Heimo Scheuch 

Und jetzt, wenn ich sie richtig verstehe und das nochmal kurz zusammenfassen darf: Die Wirtschaftspolitik hat sehr stark eingegriffen, natürlich auch aus einer gewissen Panik,  dass die Nachfrage nach unten geht, hat Geld gedruckt, wenn ich das so sagen darf. Wir hatten niedrige Zinsen. Das heißt, hier kam es zu einer wirklichen Preisspirale nach oben durch die zunehmende Verknappung. Dann kam natürlich etwas wiederum, was niemand voraussehen konnte, der Ukraine Krieg und Russlands Einfall in die Ukraine, die ganze Debatte mit dem Gas und die Verknappung der Energie wiederum. Und eigentlich war es ja keine Verknappung im Endeffekt, aber es war eine Spekulation, die dazu geführt hat, dass wir enorm hohe Energiepreise haben. Das hat natürlich wieder zusätzlich das Ganze entfacht. Und dann darf ich noch etwas dazu setzen, dann hat sich natürlich die ganze Klimadebatte auch noch einmal drüber gelegt mit dem ganzen Thema Green Deal, Investitionspaket etc. und sehr schnell wieder zu neuen nachhaltigen Energiequellen zu gehen. Haben wir Europa ein bisschen überstrapaziert, und vor allem den Konsumenten?  

00:04:15 Jörg Krämer 

Ja, der Konsument ist natürlich derjenige, der massiv leidet. Die Verbraucherpreise im Euroraum, die sind seit Ausbruch von Corona insgesamt um ungefähr 16% gestiegen. Das heißt, die Kaufkraft ist, für sich genommen, um 16% gefallen durch die Inflation – das ist eine Menge – und selbst die hohen Lohnabschlüsse, die wir jetzt gerade im öffentlichen Dienst in Deutschland gesehen haben, so vielleicht 12%, die sind natürlich sehr, sehr hoch, aber die gleichen den Kaufkraft-Verlust durch die hohe Inflation, der in den zurückliegenden 2, 3 Jahren entstanden ist, nicht vollständig aus. Das heißt, der Konsument leidet unter einer schwindenden Kaufkraft und das erklärt, warum der Einzelhandelsumsatz in Deutschland, der Preisbereich, der bis zuletzt gefallen ist; anders als vielleicht die Autoindustrie oder andere Industrien, sich erholt haben. Der private Verbrauch leidet, weil die Menschen haben aufgrund der hohen Inflation einfach weniger Kaufkraft.  

00:05:18 Heimo Scheuch 

Möchte ich gerne dann später noch auf dieses Thema zurückkommen, aber eigentlich, wenn man so betrachtet, ist der lachende Dritte der Staat mit höheren Einnahmen?  

00:05:26 Jörg Krämer 

Ja, man muss es leider so sagen. Der Staat verdient natürlich an der hohen Inflation mit, vor allen Dingen über die hohe Mehrwertsteuer - das geht ruck zuck. Mit einer zeitlichen Verzögerung jetzt steigen auch die Löhne stärker. Weil wir einen progressiven Steuertarif haben, geht natürlich ein größerer Teil der Steuerzahlenden in die höhere Steuerklassen rein. Das heißt, der Staat, ganz klar, verdient an der... verdient an der Inflation. Hinzu kommt noch etwas anderes: die Staatsschulden sind ja recht hoch und die Investoren schauen hier auf das Verhältnis der Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt. Aber wenn wir mehr Inflation haben, ist das Bruttoinlandsprodukt auch aufgebläht, so dass die Staatsschulden relativ zum aufgeblähten Bruttoinlandsprodukt fallen. Das heißt, die Staatsschulden, die Staatsschuldenquoten fallen und geben dem Staat sogar noch gefühlt mehr Spielraum zum weiteren Verschulden.  

00:06:24 Heimo Scheuch 

Was natürlich dazu führt, zu einer… meines Erachtens wichtigen Diskussion, die wir in der Öffentlichkeit haben sollten: was geschieht mit dem Geld und wie wird es eingesetzt? 

00:06:36 Jörg Krämer 

Ja, also das Geld, was der Staat einsetzt, das ist auch so eine, so eine Geschichte für sich. Staatliche Gelder braucht man. Staatliche Gelder sind notwendig, um eine Infrastruktur herzustellen. Dazu zählen nicht nur Straßen, dazu zählen Schulen, Öffentliche Sicherheit, Justiz. Ohne die können Unternehmen nicht existieren und keine Volkswirtschaft florieren – das ist notwendig! Das Thema ist nur, dass der Staat einen zu geringen Anteil in die Infrastruktur investiert. In Deutschland gibt es eine Statistik, die zeigt, dass die Abschreibungen auf das staatliche Sachvermögen und Bauvermögen immer noch höher sind als die Bruttoinvestitionen. Das heißt, es findet immer noch ein, ein Netto-Verzehr statt. Es wird nicht genug investiert, obwohl der Staat sehr viel eingenommen hat. Es wird halt sehr viel, ja geht in den Konsum, in die Umverteilung. 

00:07:37 Heimo Scheuch 

Und da sind wir eigentlich auch in einem Thema, das sehr wichtig ist. Wir haben die Diskussion, Lost Generation und Menschen, die auch nicht mehr wissen, wie sie mit Themen umgehen sollten. Vielleicht ist es auch ein Appell an die wirklichen Entscheidungsträger öffentlicher Natur, wieder mehr in die Zukunft zu investieren und den Menschen auch eine moderne Infrastruktur zu bieten. Auch das Thema Wohnen spielt ja eine große Rolle im deutschsprachigen Raum, das sich verknappt hat und durch die Verknappung sehr teuer geworden ist. Berlin, Hamburg, Frankfurt, Wien – alle Städte leiden darunter und wir brauchen mehr Wohnungen und hier wäre natürlich der Staat aufgerufen, mit sozialen Wohnbau und Infrastrukturmaßnahmen gerade jetzt einzugreifen. 

00:08:19 Jörg Krämer 

Ja! Also eine gute Infrastruktur ist auch Lebensqualität. Also wenn ich in der Schweiz bin, beispielsweise und sehe, wie da die Züge pünktlich verkehren. Anders als in Deutschland, das nimmt so viel Stress raus. Wenn ich aus dem Hauptbahnhof komme in Zürich und sehe, wie gepflegt und ordentlich die Infrastruktur ist. Das ist für die Menschen Lebensqualität. Das ist ein Vertrauens Signal an die Menschen, das schafft Zuversicht, Unternehmergeist! Es ist sehr, sehr wichtig, dass der Staat mehr in die Infrastruktur investiert. Dazu muss er nicht mehr ausgeben insgesamt; er muss umschichten, weil dadurch leistet er wirklich einen Dienst für die Bürger. 

00:08:59 Heimo Scheuch 

Da hätten wir ja schon erste Ansätze, wie wir die bestehende Situation – ich möchte sie nicht Krise nennen, weil das ist nicht mein Vokabular – aber die Situation, die wirtschaftliche, die ja gezeichnet ist, von einem Abschwung und wo wir alle hoffen, dass wir nicht in eine Rezession gehen, aber da könnten wir ja gegensteuern durch stärkere Investitionen in Infrastruktur.  

00:09:22 Jörg Krämer 

Ja, ich glaube gerade zum Beispiel in Deutschland ist es ein Thema, dass die Autobahnbrücken, die Autobahnen in einem schlechten Zustand sind, und ich glaube, das liegt nicht nur am Geld, übrigens, das liegt häufig auch an zu langen Genehmigungsverfahren. Und Deutschland hat ja gezeigt am LNG Terminal in Wilhelmshaven. Da wurde etwas in einem halben Jahr gebaut, was normalerweise 4, 5 Jahre braucht. Das heißt, prinzipiell kann Deutschland das und wenn es der Bundesregierung wirklich mal gelingen würde, dieses Tempo zu übertragen, auf die Renovierung und Neubau von kaputten, maroden Autobahnbrücken, dann würden die Unternehmer und ihre Beschäftigten auch sehen, es bewegt sich was, ja?! Und das sind diese Zukunftssignale, diese Zuversichts-Signale, die man braucht – gerade in der jetzigen Zeit. 

00:10:08 Heimo Scheuch 

Ich möchte jetzt vom staatlichen noch mal auf das Private zu sprechen kommen. Sie haben über den realen Einkommensverlust gesprochen, also die Verfügbarkeit des Einkommens. Wir sehen ja auch die hohe steuerliche Belastung. Ich gehe davon aus, und wenn ich gut zugehört habe – und korrigieren sie mich, wenn ich falsch liege – haben Sie gesagt: „wir, spezifisch im deutschsprachigen Raum, müssen wir uns auf höhere Zinsen einstellen für eine Weile, die werden nicht so schnell runter gehen“, und dass ja für uns natürlich schon ein bisschen was anderes ist, weil wir von Stabilität geprägt sind und Inflation eigentlich im Deutschen nicht das Beste ist, weil sie einen Vertrauensbruch ist, wie Sie es auch schon bezeichnet haben. Das heißt, hier würde ich mal sagen, müssen wir neue Wege gehen, wie wir den privaten Konsum und das verfügbare Einkommen wieder besser stellen können und die Menschen wieder mehr Freiheit zum Schaffen und zum Investieren geben. Steuerentlastung. Ja? Nein? 

00:11:05 Jörg Krämer 

Also mittelfristig müssen die Steuern runter, denke ich. Alleine schon im Unternehmensbereich, weil viele andere Länder es in den letzten Jahren gemacht haben und dadurch die Unternehmenssteuern in Deutschland international schon eher hoch sind. Was die Menschen anbelangt, die Bürger auch, denn die Bürger brauchen mehr Spielraum. Ob das schnell geht, bezweifle ich. Aber es muss der politische Wille da sein, im nächsten Aufschwung eben die steigenden Steuereinnahmen nicht wieder zu konsumieren, sondern den Bürgern etwas zurückzugeben, um den privaten Spielraum zu erhöhen, denn der einzelne kann das Geld in der Regel besser ausgeben als ein Politiker für ihn. 

00:11:50 Heimo Scheuch 

Ich glaube, es gebe keinen besseres Schlusswort als dieses nämlich, dass der Einzelne das Geld besser ausgeben kann als der Politiker, und das ist ja auch für die Bauwirtschaft und für die Zulieferung, wie wir es sind, ein wichtiges Thema: Sanierung, Neubau und natürlich auch Infrastruktur, die wesentlich zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes und der und eine Verbesserung im Sinne des Beitrags zum Klimawandel beitragen würden, wären ja auch hier favorisiert, und das wäre ja auch schön, dass wir hier das Ganze stimulieren durch privates Investitionsvolumen. 

00:12:23 Jörg Krämer 

Absolut, private Investitionen. Natürlich man braucht beides: die privaten Investitionen, auch die staatlichen, weil sie einen Rahmen bilden, aber der Staat sollte eben nur einen Rahmen bilden durch eine gute Infrastruktur und dann innerhalb dieses Rahmens die Unternehmen machen lassen und die Menschen, weil die wissen‘s es in der Regel besser.  

00:12:42 Heimo Scheuch 

Ich glaube, ich kann nichts Besseres dazu sagen. Ich danke Ihnen Herr Doktor, für das Gespräch und fürs Vorbeikommen! Alles Gute! 

00:12:46 Jörg Krämer 

Ich danke Ihnen auch!