wienerberger podcast - hosted by CEO Heimo Scheuch
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The spirit of Europe ✨🌎 wienerberger podcast #37
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A discussion about the future of Europe with the future of Europe. Antonia Baumgartner and Thomas Weinberger are Forum Alpbach scholarship holders. Heimo Scheuch remembers his time at the Forum Alpbach in the early 1990s. A very honest and intergenerational dialogue about European values, challenges and the future of Europe.
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00:00:03 Heimo Scheuch
Sehr geehrte Damen und Herren, herzlich Willkommen zu meinem Podcast. Heute habe ich junge Gäste zur Abwechslung, was mich besonders freut. Ich habe die Antonia hier, ich habe sogar 2 Antonias hier, weil die Antonia Krische kommt aus dem Unternehmen, die Antonia war in Alpbach und der Thomas auch und das ist eigentlich heute unser Gespräch: Europa der Zukunft, Alpbach, eure Eindrücke. Ihr wart als Stipendiaten dort.
00:00:29 Heimo Scheuch
Was mich so ein bisschen interessieren würde und auch sicherlich unsere Zuhörer. Wie hat es euch gefallen??
00:00:34 Antonia Baumgartner
Mir hat es sehr, sehr gut gefallen, muss ich sagen, es war sehr viel, was sehr intensiv, aber wirklich eindrucksreich und ich habe wirklich viel mitgenommen.
00:00:44 Antonia Baumgartner
Aber ich habe das glaub ich bisher noch nicht ganz verarbeitet, weil es passiert so viel in kurzer Zeit. Ich glaube, selbst wenn man sich danach hinsetzt und versucht seine Gedanken ein bisschen zu formulieren und, ja, konkrete Punkte herauszufiltern, glaube ich braucht das trotzdem noch ein wenig Zeit, bis man das richtig sacken lassen hat, ja.
00:01:02 Heimo Scheuch
Thomas, waren die Feste, so wie, wie ich seinerzeit in dem Beginn der 90er Jahre dort war? Da hat man sich an die Feste mehr erinnert als wie an alles andere.
00:01:08 Thomas Weinberger
Ja, das weiß, das weiß ich nicht, wie das damals war und wie es jetzt ist. Es war auf jeden Fall lustig und wie die Antonia schon gesagt hat, sehr intensiv. Die erste Woche war ja eher inhaltlich, die zweite dann mehr interaktiv, mit sehr interessanten Menschen, die ich da kennenlernen durfte.
00:01:28 Thomas Weinberger
Und ja, das Dorf ist natürlich auch sehr schön und die Initiativgruppe Wien, da fühlt man sich sehr wohl, also durch und durch positive Erfahrung.
00:01:38 Heimo Scheuch
Das freut uns zu hören. Die Tiroler Bergwelt hat ja einiges zu bieten. Alpbach ist ein wunderschöner Ort, das habt ihr beide schon erwähnt, aber ihr habt ja auch interessante Diskussionen geführt.
00:01:49 Heimo Scheuch
Und was mich auch persönlich so ein bisschen interessieren würde, jemand, der so wie ich im Geschäftsleben steht, der sehr viel mit Europa zu tun hat, nicht immer nur mit dem positiven Europa, sondern auch mit dem etwas sehr mühsamen, administrativen Europa. Wie ist denn eure Sicht?
00:02:10 Thomas Weinberger
Ja, also prinzipiell finde ich die Idee von Europa wunderbar und sehr wichtig. Es gibt natürlich auch negative Seiten von, von Europa und von der EU.
00:02:23 Thomas Weinberger
Die europäischen Werte an sich, also für mich jedenfalls Menschenrechte und Menschenwürde, Demokratie, Solidarität, Freiheit, Gleichheit. Die sind der Grundbaustein und die sind einfach sehr wichtig, aber gleichzeitig sehe ich schon oft eine gewisse Doppelmoral und ich glaube da ist ein großer, eine große Baustelle, teilweise.
00:02:52 Heimo Scheuch
Baustelle, in welchem.. In welcher Hinsicht?
00:02:55 Antonia Baumgartner
Baustelle. Ich kann da nur dem Thomas ein wenig zustimmen, ich, wir sind die Generation, die aufgewachsen mit der EU, wir sind aufgewachsen mit der EU, wir kennen nichts anderes als die EU und ich glaube, wir dürfen das nicht als was Selbstverständliches annehmen. Es ist ein Projekt, das kreiert wurde für uns, und wir haben auch die Verantwortung, dieses Projekt irgendwie weiterzuführen, aber ich stimme dem Thomas sehr zu, wenn es ums Thema geht “Doppelmoral”. Wir haben diese Werte, die sind Toleranz, das sind Menschenrechte, Demokratie, Menschenwürde, aber die Frage ist, wo verwenden wir diese, diese Werte? Wo wenden wir sie an und wem unterstellen wir, dass sie nicht diese Werte haben und wie gehen wir global mit diesen Werten um? Und ich sehe da schon auch von der EU keine Transparenz oder keine einheitliche Linie global gesehen und ich denke, wenn wir diese Werte wirklich vertreten, die ich sehr vertrete, persönlich auch, und ich stehe da komplett dahinter, aber dann finde ich das auch wichtig, dass wir das global auch anwenden und nicht nur, weil wenn es unseren Interessen passt und wenn es uns politisch irgendwie gerade passt.
00:04:04 Heimo Scheuch
Frau Kollegin?
00:04:05 Antonia Krische-Reitmayer
Sehr Gerne! Wenn wir darüber sprechen, die EU soll global stärker auftreten, Werte vertreten. Was ist wichtiger? Werte hinaustragen, Wirtschaft hinaustragen, Umweltschutz hinaustragen? Wie stark soll die EU tatsächlich als globale Player auftreten oder soll sich die EU mehr auf ihre Regionen zurückbesinnen und schauen, was passiert in den Regionen, auch im Punkto Werte? Wie sehen Sie das?
00:04:28 Antonia Baumgartner
Das soll ich mal antworten? OK, also nein, auf keinen Fall soll die EU regionaler werden. Also ich sehe, ich finde das unfassbar schlimm, dass die, der Trend und die Tendenz gerade wieder hinzu Nationalstaaten geht und ich finde es sollte aber hinzu diesem supranationalen Gefüge gehen, das die EU auch ist. Und ja, und ich sehe da auch sehr viel Potenzial drin, wenn es darum geht, wie die EU Global auftreten soll.
00:04:57 Antonia Baumgartner
Ich bin nicht dafür, dass die EU bei diesen ganzen Power Blocks, die gerade herrschen, sei es Russland, sei es China, sei es USA, da auch geopolitisch, militärisch, mitmachen soll. Ich glaube nicht, dass das die Lösung ist. Ich glaub nicht, dass das eine Lösung ist, auch für die Zukunft. Ich bin, ich glaube, dass Friedenserhalt das Ziel sein sollte und nicht sich einem Krieg zu rüsten, aber die Realität ist nun mal so, dass die Welt prekärer wird. Wir haben immer mehr Herausforderungen.
00:05:27 Antonia Baumgartner
Das heißt, die EU muss global relevanter werden. Ich sehe die Rolle der EU eher in gewissen Bereichen, die sich eben wieder auf die Werte beziehen. Ich glaub, dass die EU ein toller Partner sein kann, wenn es dazu kommt zu verhandeln, zu kooperieren und dass man vielleicht die EU einfach auch als Verhandlungspartner anbietet mehr, als jetzt einen globalen Player, der in Konkurrenz steht, zu ganz vielen anderen Globalmächten.
00:05:54 Thomas Weinberger
Ich kann dem auch nur zustimmen, ich denke, was Europa auch auszeichnet und was eine große Stärke von Europa ist, ist auch eben diese große Diversität, diese ganz verschiedenen Kulturen und aber auch etwas, was uns alle hoffentlich eint: die angesprochenen Werte und dann international nach außen getragen, sehe ich’s so, dass die Werte einfach das Fundament bilden müssen und der Rest muss eigentlich pragmatisch diplomatisch daraus folgen. Also ich glaube, das schließt sich jetzt nicht aus, dass man irgendwie wirtschaftlich dann kooperiert und Umweltschutz fördert und eben auch auf die Werte achtet.
00:06:41 Thomas Weinberger
Ich glaube, da muss man einfach pragmatisch sein. Man kann nicht einfach alles erreichen, man will auch nicht einfach unsere Werte einfach über einen anderen Staat drüber, einfach drüberfahren. Das wäre dann so die neue Kolonialzeit, das wollen wir nicht und ich glaube, da muss man einfach auf Augenhöhe mit anderen Staaten und anderen Menschen reden und verhandeln und die Meinungen austauschen und diskutieren. Und so wünsche ich mir das.
00:07:15 Antonia Baumgartner
Und ich glaube, wenn wir mehr hinzu Föderalismus gehen würden, mehr hin und wieder zu Nationalstaaten, zu Regionallösungen, das ist in gewissen Teilbereichen eventuell notwendig, da gibt es eben dieses Subsidiaritätsprinzip, das macht ja auch Sinn, aber grundsätzlich glaube ich, können wir nur globale Relevanz haben, wenn wir als EU authentisch und vereint auftreten. Und es geht nicht, wenn der Trend in eine andere Richtung geht.
00:07:42 Antonia Krische-Reitmayer
Das heißt, kein Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Ein Europa, wo alle gleichberechtigte sind, also es gibt ja mehrere Modelle für eine EU der Zukunft. Interpretiere ich das so richtig?
00:07:53 Antonia Baumgartner
Sie meinen, dass, dass es verschiedene Modelle gibt und welches wir gut fänden? Ich kenne mich jetzt nicht genau aus mit welchen, welche Wirtschaftsforscher welche Modelle gerade prognostizieren. Ich glaube man muss noch, natürlich Acht geben, dass nicht jedes Land in der EU dieselbe Geschwindigkeit hat. Man kann jetzt nicht Polen vergleichen mit Frankreich, einem Gründungsmitglied, also darauf muss man auch Acht geben auf die nationalstaatlichen Unterschiede und auch mit welcher Geschwindigkeit und an welchem Stand manche Länder sind. Also ich glaube aber, dass das möglich ist. Ich glaub nicht, also “vereint” in meinem Kopf heißt nicht, dass jeder am gleichen Stand sind muss und ich glaube, die EU, wie der Thomas vorhin gesagt hat, lebt auch von dieser Diversität und ich glaube, auf das muss man einfach nur den Fokus legen
00:08:40 Antonia Krische-Reitmayer
Seid ihr optimistisch oder pessimistisch bezüglich der Europäischen Union?
00:08:48 Thomas Weinberger
Lacht. Also, ich muss sagen, eher beides. Also es ist schwierig, diese Frage zu beantworten mit den gerade vollendeten Wahlen und der neuen Kommission, die, glaube ich, erst heute dann vorgestellt wurde, oder?
00:09:08 Thomas Weinberger
Jetzt gerade für die nächste Periode etwas pessimistischer, aber sozusagen in the Long Run, langfristig, glaube ich, dass es ohne EU gar nicht gehen wird und glaube ich schon, dass die EU Bestand haben wird und auch stärker werden wird.
00:09:27 Thomas Weinberger
Das will ich glauben auch ein bisschen.
00:09:29 Heimo Scheuch
Vielleicht gehen wir mal zurück von dem von den großen EU und weltpolitischen Themen zum Alpendorf Alpbach. Ihr seid meiner Frage ein bisschen ausgewichen, Taktiker wie ihr beide seid, aber was hat euch da geprägt in diesen zwei Wochen? Was bleibt so bei euch,.. ihr habt gesagt, mir denkt noch nach, man verarbeitet, aber es ist sicherlich ein paar prägende Ereignisse, oder, oder vielleicht auch Bekanntschaften oder Gespräche, die einem dann bleiben, wo man sagt, das hat man wirklich getaugt.
00:10:01 Heimo Scheuch
Mhm, was war da dabei?
00:10:03 Thomas Weinberger
Also wie gesagt, in der ersten Woche war es ja etwas inhaltlicher. Wir hatten da immer ein Vormittags- und ein Nachmittagsseminar und mein Nachmittagsseminar war schon sehr interessant. Da ging es um, eigentlich Innovation und Kreativität, und das jetzt eigentlich von einer sehr anderen Seite gedacht, also nicht so irgendwie Brainstorming und man überlegt sich was und so, sondern das war ein ganz neuer Ansatz. Das würde jetzt wahrscheinlich zu weit gehen, das jetzt anzureißen, aber das hat eigentlich meine Vorstellung, wie kann ich kreativ sein, wie kann ich innovativ sein, echt auf den Kopf gestellt und ganz verstanden habe ich es ehrlich gesagt auch noch immer nicht, aber ich werde das weiterverfolgen und ausprobieren.
00:10:54 Heimo Scheuch
Das ist ja vielleicht auch das Bezeichnende von Innovation und Kreativität, dass man es nicht ganz verstehen muss, nicht?
00:10:58 Thomas Weinberger
Wahrscheinlich, genau.
00:10:59 Heimo Scheuch
Dass einfach kreativ und innovativ ist, ja? Ja, sehr interessant. Ja schön, schön! Und bei dir?
00:11:07 Antonia Baumgartner
Ich muss sagen, ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben sehr regelmäßig ein bisschen dumm gefühlt, weil so viele tolle und engagierte, motivierte und spannende junge Leute da waren. Also nicht nur Junge, auch, auch ältere Leute, aber es war wirklich eine, eine enorme Dichte an “Brainers”, wie man so schön sagt, einfach an super gescheiten Menschen.
00:11:27 Antonia Baumgartner
Was ich sehr geschätzt habe und was ich auch wovon ich glaub ich am meisten mitnehmen konnte, war auch der Austausch mit Leuten, die nicht meine Meinung vertreten, weil ich würde schon sagen, ich weiß nicht ob das nur ich bin, ob, ob oder ob ich das verallgemeinern kann, dass man tendenziell sich mit Leuten abgibt, die circa die ähnliche Einstellung haben wie einer selbst und das ist auch in meinem Leben der Fall und ich fand das sehr, sehr schön und sehr bereichernd, auch mit Leuten in Kontakt zu kommen, mit denen ich jetzt sonst in meinem täglichen Leben nicht jetzt auf einen Kaffee gehen würde, auf ein Bier gehen würde und, dass die Diskussionen, die meisten zumindest, nicht alle, aber dann wirklich auch auf Augenhöhe waren und faktenbasiert waren, weil das vermisse ich eben sehr, wenn ich sonst mit Leuten diskutiere, dass dann irgendwie jeder irgendeine Meinung hat und welche Fakten raushaut, die, die nicht wirklich Fakten sind, und das war dort wirklich nicht der Fall und auch einfach zu sehen, dass so viele junge Menschen so motiviert sind, wirklich etwas zu verändern und manchmal, gerade auch, weil sie oder weil du vorher gefragt hast, ob wir optimistisch oder pessimistisch sind, was die EU betrifft, man, gerade mit den ganzen Herausforderungen, die wir haben. Man tendiert dazu, eher pessimistischer zu sein, als optimistischer und wenn man dann umgeben ist von so vielen tollen jungen Menschen...
00:12:34 Antonia Baumgartner
Ich bin wirklich zurückgekommen und war echt so, wow, ich habe wirklich, ich wollte irgendwie 10 Sachen gleichzeitig machen, weil man ist irgendwie so inspiriert und natürlich muss man, eben was ich vorher gemeint habe mit verarbeiten, man muss mal schauen wo kann ich beginnen, wo kann ich aufhören, aber ja, ich glaube, das ist das, was ich am meisten mitgenommen habe.
00:12:50 Heimo Scheuch
Dass man positive Energie zur Veränderung mitnimmt.
00:12:52 Antonia Baumgartner
Genau, auch eben zu sehen, trotz des ganzen, ja, das Chaos, das vielleicht gerade herrscht, es gibt junge Menschen, die motiviert sind und genau, ja.
00:13:03 Heimo Scheuch
Na toll!
00:13:04 Antonia Krische-Reitmayer
Also Alpbach inspiriert?
00:13:06 Antonia Baumgartner
Alpbach inspiriert auf alle Fälle, ja.
00:13:08 Thomas Weinberger
Ich wollte da noch hinzufügen. Ich sehe da, also bei mir war das genauso mit den Diskussionen und den tollen Menschen und ein Punkt der, den ich auch sehr schön fand ist gerade, und ich liebe diskutieren, gerade bei den Diskussionen, dass es eben wirklich auf Augenhöhe war und dass es wirklich diese Momente gab, wo Menschen ihre Meinung auch geändert haben und wo man wirklich einander zugehört hat und nicht die ganze Zeit nur gegeneinander diskutiert hat, sondern versucht hat die andere Person zu verstehen und dann einfach sieht, ob man sich von dem was mitnehmen kann oder nicht. Das ist nicht so oft finde ich und das war dort oft so.
00:13:53 Heimo Scheuch
Schön!
00:13:54 Antonia Baumgartner
Und vielleicht, wenn ich noch etwas hinzufügen darf, vielleicht doch als Europäerin. Ich find das spannend mitbekommen zu haben, wie Leute, die nicht aus Europa kommen, Europa und die EU wahrnehmen, das Projekt, weil ich find das, man ist ja schon hier auch so in einer Bubble und denkt sich vielleicht, ja Europa hier, Europa da und gerade eben, wenn es darum auch geht, welche Relevanz soll Europa haben in der Zukunft, fand ich das auch mega spannend zu hören, was andere Leute über uns denken, weil das sollte auch genauso mit einspielen und mit zuspielen, wie wir darüber gestalten wollen und das waren Perspektiven, die ich ja noch nicht so mitbekommen habe und das war schon sehr bereichernd, aber es gibt natürlich auch Kritik.
00:14:32 Heimo Scheuch
Sehr schön.
00:14:36 Heimo Scheuch
Das wird es immer geben und das soll es ja auch geben. Ich glaube, dass wenn man so Veranstaltungen abhält und Alpbach gibt es ja schon lange, wie ihr wisst. Und das ist ja entstanden aus einer ganz spezifischen Idee. Ich weiß nicht, ob ihr darüber gesprochen habt oder gehört habt damals in der Nachkriegszeit.
00:14:54 Heimo Scheuch
Hat sich ja total verändert und widmet sich heute eigentlich einem ganz anderen Thema, oder einem Themenfeld, nicht? Aber grundsätzlich geht es in der Tat um eine Öffnung zur Welt und, was Österreich betrifft, einerseits, wir reden heute sehr stark über Europa natürlich, aber eine, eine Horizonterweiterung und ein respektvoller Umgang miteinander in der Diskussion sind Grundprinzipien so eines, so eines Zusammenseins.
00:15:26 Heimo Scheuch
Nur so kann sowas funktionieren. Das ist auch gut so. Ich hoffe, dass es das noch lange geben wird und vor allem für euch, wenn es inspirierend ist. Ja, also ich sage mit Grundüberzeugung, ich habe euch gesagt, ich war in den 90er Beginn der 90er Jahre dort, ich kann mich gut an die schönen Abende erinnern.
Lacht.
00:15:45 Antonia Baumgartner
Mhm. Und da lernt, da, gerade bei diesem informellen Zusammenkommen lernt man manchmal mehr, manchmal weniger, manchmal genauso viel. Aber es ist auf jeden Fall ein wichtiger Bestandteil auch vom Forum Alpbach.
00:15:55 Heimo Scheuch
Ja, das ist richtig. Ich kann mich erinnern, ich war ja in den letzten Jahren auch einige Male da, kurz, es hat sich verändert im Sinn der Größe. Es war damals viel kleiner, es hat ja dieses Veranstaltungszentrum nicht gegeben.
00:16:08 Heimo Scheuch
Ihr müsst ja wissen, das heißt, es war eine Handvoll Studenten, eine Handvoll Vortragender.
00:16:13 Heimo Scheuch
Es waren relativ immer sehr viele Nobelpreisträger dort, also sehr viele aus dem wirtschaftlichen, aber auch geisteswissenschaftlich. Das heißt, es waren jetzt nicht so spezifische politische Themen, es waren eher gesellschaftliche Themen und Themen, die uns vor allem wirtschaftlich und in der Zusammenarbeit, im Zusammenleben beschäftigt haben, die im Vordergrund gestanden haben. Das war ja durchaus interessant und natürlich, was du erwähnt hast, die Möglichkeit in kleinem Kreis mit Menschen zu diskutieren, an die man sonst nie rankommt, ist etwas sehr Spannendes. Das inspiriert, das prägt einen und das nimmt man ja dann auch in seinem Leben mit, ja. Ist ganz was Wichtiges.
00:16:52 Heimo Scheuch
Interessant ist eigentlich für mich noch etwas, wenn ihr so sprecht über Veränderungswillen, über gestalterisches.
00:17:00 Heimo Scheuch
Verzeiht auch einmal ein bisschen eine provokative Aussage von mir: mir fehlt es bei euch an dem. An eurer Generation. Ihr sprecht viel darüber, aber ihr macht mir zu wenig.
00:17:15 Heimo Scheuch
Schaut! Nehmt mich her, ich bin 58. Ich habe mein Leben lang als Revoluzzer gekämpft, um Dinge zu verändern in vielen Bereichen der Gesellschaft, des Unternehmens, im unternehmerischen. Meine Kollegin hier arbeitet mit mir im europäischen Bereich zusammen, das heißt mit den europäischen Institutionen. Sie weiß besser als jeder andere, wie stark ich ankämpfe gegen Veränderungen.
00:17:38 Heimo Scheuch
Wie beharrend so ein ganz großes Konstrukt ist und wie weit weg von den Menschen es ist heute und was ich so feststelle, ist eigentlich, eure Generation, und das hast du sehr schön formuliert, ihr seid eigentlich mit dem aufgewachsen, ihr seid da rein geboren.
00:18:00 Heimo Scheuch
Meine Generation, da waren Grenzkontrollen, da musstest du dich auf der Uni anstellen in Paris, weil da war nicht selbstverständlich, dass du studieren durftest du musstest dich dort nicht mehr anmelden Aufnahmeprüfung et cetera, sondern du warst damals ein “Ausländer”. Das ist ganz anders.
00:18:19 Heimo Scheuch
Und heute habt ihr die Möglichkeit, vieles zu gestalten, aber wo ich jetzt so sehe, die Bereitschaft, wirklich dann mitzugestalten vermisse, vermisse ich noch.
00:18:32 Antonia Baumgartner
Mhm.
00:18:32 Heimo Scheuch
Kurz einmal so ein bisschen eine Form der Diskussion zu finden mit euch, die ein bisschen über Alpbach hinausgeht.
00:18:40 Antonia Baumgartner
Mhm. Nein, ich bin also ich verstehe, dass du dieses Gefühl hast. Ich als junge Person sehne mich ein bisschen mehr nach diesen Generationenaustausch, weil wir leben gerade in einer anderen Realität. Die Umstände sind ganz anders, ich glaube oft, dass Veränderung auch mit Erfolg gleichgesetzt wird, noch in eurer Generation, das heißt, wenn du etwas verändern willst, dann heißt es: “du musst 60 Stunden arbeiten”, dann heißt es, du musst das machen, dass du musst dein ganzes Leben hergeben dafür. Ich glaube, unsere Generation denkt Veränderung anders. Ich glaube, wir können auch verändern in kleineren, kleineren Sinn. Der ganze Gedanke um die Arbeitswelt ändert sich, auch, dass man eben nicht nur sich, quasi halb prostituieren muss für etwas, für jemanden, um etwas zu erreichen, und ich glaube, da versucht unsere Generation umzudenken.
00:19:28 Antonia Baumgartner
Ich glaube, mir fällt es gerade schwer für meine Generation zu sprechen, wenn ich jetzt nur hier sitze und vielleicht jeder anders denkt. Ich glaube auch, dass dieses sich einander verstehen sehr fehlt. Ich habe das Gefühl, es geht eher mehr in so eine polarisierende Richtung, anstatt in eine “Wir verstehen uns-Richtung". Wir arbeiten da zusammen. Mir fehlt viel von älteren Generationen, dieses “ich vertraue dir, du kannst was, ich rück jetzt auf die Seite, ich hör dir zu und hier, nimm neben mir Platz, wir machen das gemeinsam”, sondern ich habe schon das Gefühl, dass in vielen Institutionen, die wirklich viel Macht haben, sitzen noch diese alten weißen Männer, von denen gerade unsere Generation sehr oft redet. Und da muss einfach Platz gemacht werden für Diversität. Es muss Platz gemacht werden für Leute, die nicht nur aus der Mittel- und Oberschicht kommen, es muss Platz gemacht werden für Leute mit Migrationshintergrund, weil das sind genau die Menschengruppen, die gerade die Realität widerspiegeln, und ich habe das Gefühl, dass da ganz viel Potenzial besteht, da aber noch nicht ganz anerkannt wird von einer älteren Generation und der sich dann ein bisschen so eine Lethargie widerspiegelt.
00:20:29 Heimo Scheuch
Nur eines kurz da du sprichst sehr viele Themen an. Nur ich kann dir bestätigen, als ich so alt war wie du, war’s ähnlich. Du musst den Willen zur Veränderung haben.
00:20:42 Heimo Scheuch
Und du musst den Weg gehen. Auch ich bin ihn gegangen. Ich komme aus ganz einfachen Verhältnissen und den, wenn man ihn gehen will, dann musst du auch bereit sein, selbst Entbehrungen anzunehmen.
00:20:48 Antonia Baumgartner
Hm.
00:20:57 Heimo Scheuch
Das heißt, wenn du das, wenn du zum Beispiel, ihr wart in einem Bergdorf, wenn du auf einen Berg gehen willst, musst du dich vorbereiten. Du willst ja gut rauf kommen und gut runterkommen. Das heißt, du musst die Kraft haben, dass zu tun. Und du musst auch den Willen mitbringen. Und die Veränderung führst du nicht allein durch die Diskussion und den Austausch. Du musst auch überzeugt sein, den Weg zu gehen.
00:21:24 Heimo Scheuch
Und das, was ich ein bisschen sehe – ich verstehe euch schon, ich verstehe euch schon und da habe ich großes Verständnis, dass man natürlich verschiedene Bereiche des Lebens anders bewertet, da habe ich kein, da habe ich kein Problem – aber du musst auch in Anspruch nehmen für die Veränderung, dass du dir die Zeit nimmst, um gestalterisch tätig zu sein.
00:21:46 Heimo Scheuch
Und nicht nur darüber zu sprechen. Ich gebe dir deshalb das mit, weil ich sehe die Welt auch von außen und die Welt heißt für mich nicht Europa.
00:21:56 Heimo Scheuch
Und die Veränderungen, die da vor sich gehen, du hast geopolitisch erwähnt, verschiedene Regionen dieser Welt, ich komm gerade aus Indien zum Beispiel.
00:22:07 Heimo Scheuch
Den Indern ist die Europäische Union relativ wurscht. Darf ich das jetzt so österreichisch sagen? Sie besteht, aber sie hat keine Relevanz.
00:22:20 Heimo Scheuch
Weil da hat Deutschland eine Relevanz. Da hat Frankreich eine Relevanz et cetera. Das heißt, da haben wir immer noch die Nationalstaaten, die sehr stark im Vordergrund stehen – und im Wettbewerb teilweise auch.
00:22:31 Heimo Scheuch
Das heißt, die EU dort als solches nimmt man beschränkt wahr. Man nützt sie eher aus, weil wenn du waren einführst, dann führst du sie in die EU ein und kannst sie dort verteilen. Das heißt, wir haben eigentlich eine Institution geschaffen, einen Markt für andere.
00:22:47 Heimo Scheuch
Verstehst du? Das heißt, wir haben denen es leichter gemacht, bei uns zu arbeiten mit ihren Waren. Grundsätzlich haben wir aber es nicht geschafft, uns im wirtschaftlichen, aber auch im politischen und im kulturellen stärker zu positionieren.
00:23:02 Heimo Scheuch
Wenn du die Amerikaner nimmst, und du kannst zu ihnen stehen, wie du willst, aber die letzten 50, 60 Jahre haben gezeigt, dass sie mit ihrer Kultur, ob man sie jetzt gut findet in der Musik oder in der oder im Film vor allem, durch diese starke Prägung natürlich viel stärker diesen Mainstream fahren können. Die Europäer, wir sind divers, das ist natürlich sehr schön, aber in der Diversität verlierst du dich auch manchmal.
00:23:25 Heimo Scheuch
Und du musst in der Tat ein Projekt haben, das auch deine Interessen vertritt. Du hast gesprochen über Geopolitik in dem Sinne, was wichtig ist und was nicht so wichtig ist. Aber auch Föderalismus, musst nur aufpassen, dass du nahe bei den Menschen bleibst, du musst die abholen.
00:23:41 Heimo Scheuch
Wenn du Hunderte Millionen Menschen in der EU hast, die nicht verstehen, was da geschieht hast du ein Problem und dann wandern sie in die Extreme und dann ist das Problem, dass du da alleine bist.
00:23:53 Heimo Scheuch
Und somit ist es wichtig, und das ist eben was ich euch mitgeben will auch als junge Menschen, wichtig in Kontakt zu bleiben mit den Menschen, ja? Menschen wirklich, ob das jetzt aus allen Gesellschaftsschichten, was ich gesagt hab das mit den Leuten dort zu reden natürlich hat man in Alpbach ein anderes Klientel, als hier in Wien im 10. Bezirk zum Beispiel, aber es ist wichtig eben mit denen zu reden aus allen gesellschaftspolitischen Schichten, damit man eben mit Respekt umgehen kann und in die Zukunft gestalterisch tätig sein kann.
00:24:25 Heimo Scheuch
Aber geht den Weg in dem Sinne gestalterisch. Mehr zu tun ist wichtig.
00:24:30 Heimo Scheuch
Wenn ihr euch darauf verlässt, dass es geschieht, dann machen es andere und das wollt ihr nicht, sage ich euch.
00:24:36 Antonia Baumgartner
Ich habe ganz viele Gedanken, aber vielleicht lasse ich einmal den Thomas noch reden, bevor ich da irgendwie..
00:24:39 Antonia Krische-Reitmayer
Vielleicht noch ein Wort von mir dazu: Gestaltung kommt von innen. Diversität kommt auch von innen. Man muss sich als Frau, wenn man sagt, Diversität ist nur ein Beispiel von Diversität, es gibt mehr, das unter Diversität fällt. Man muss sich auch trauen, in Branchen zu gehen, wo man sagt, da sind jetzt noch nicht so viele Frauen, also dieses selbst hineingehen, selbst tun, gestalterisch werden – von innen.
00:25:01 Thomas Weinberger
Ja, voll! Also, das war jetzt sehr viel auf einmal irgendwie.
00:25:08 Thomas Weinberger
Zu der, zu unserer Generation und unserem Gestaltungswillen. Ich glaube, da ist viel Gestaltungswille da und ich glaube, es ist einfach auch wie zu deiner Generation so, dass die Menschen in dieser Generation einfach ganz unterschiedlich sind. Und es gibt Menschen, die trauen sich mehr und es gibt Menschen, die trauen sich weniger und es gibt einfach verschiedene Weltanschauungen und Prioritäten und ich sehe das schon auch so. Also ich sehe schon, dass die, diese Generation, diese junge Generation auch viel tut und viel, nicht nur umsetzen will, sondern auch viel umsetzt und viel, sich für viele Sachen aktiv einsetzt. Also ich würde dem stark widersprechen, dass das fehlt. Ich glaube, es ist halt sehr viel Widerstand da und aber das ist...
00:26:02 Heimo Scheuch
Spürt ihr das?
00:26:03 Thomas Weinberger & Antonia Baumgartner
Ja!
00:26:04 Heimo Scheuch
Ja, ich will es nur auch verstehen für mich. Spürt ihr das?
00:26:07 Thomas Weinberger
Ja, ja! Doch das würde ich auf jeden Fall sagen, dass man gegen bereits vorhandene Machtstrukturen einfach ankämpfen muss. Und dass die, ich meine, du hast es selbst erwähnt, in der EU in der Arbeit, gegen was man irgendwie da beharrlich die ganze Zeit Bestand haben muss.
00:26:28 Thomas Weinberger
Und andererseits glaube ich gleichzeitig, es gibt ja eine gewisse Abwägung mit diesem Diversität von innen und, dass man in zum Beispiel Branchen geht, wo jetzt als Frau, wo wenig Frauen sind.
00:26:42 Thomas Weinberger
Das ist auch immer ein bisschen eine Abwägung, wie sehr schaffe ich das jetzt auch mit meiner Kraft, mit meiner Energie? Ich kann nicht die ganze Welt alleine retten, so.
00:26:54 Thomas Weinberger
Deswegen muss man sich immer überlegen, wieviel kann ich überhaupt jetzt auch leisten, bevor ich irgendwie in ein Burnout gehe oder so und sagen wir mal also, die psychischen Probleme der Gesellschaft sind auch bekannt, wie es da steht. Und da ist viel Druck da, und da muss man, glaube ich auch eben abwägen, wie sehr man auf sich selbst schaut und wie sehr man dann ja, eben sich in diese Situation begibt.
00:27:25 Thomas Weinberger
Und das ist glaub ich einfach unterschiedlich bei den verschiedenen Menschen und man sieht das oft dann glaub ich was man will und manche haben da mehr Energie und manche weniger.
00:27:34 Heimo Scheuch
Da hast du vollkommen Recht und das find ich sehr, sehr wichtig, was du jetzt gesagt hast. Den Druck. Die Frage ist nur, und wenn ich jetzt philosophisch darüber sprechen darf, wieviel Druck bauen wir uns als Gesellschaft wirklich selbst auf?
00:27:50 Heimo Scheuch
Ich spreche jetzt. Ich komme aus einer Generation, da gab es kein Internet, kein keine Mobiltelefone, gar nichts, ja? Und ich kann mich an meine Jugend in den Kärntner Bergen erinnern, da ist man unbeschwert gewesen, nicht? Und wenn ich heute Familien sehe, wo jetzt die Kinder mit Handys und alles Möglichem unterwegs sind, ja es hat Vorteile, aber auch riesige Nachteile im Druck, und die Frage ist halt, als Gesellschaft, wieviel Druck machen wir uns tagtäglich und wie gesund ist der für; und und brauchen wir den überhaupt eigentlich, ja?
00:28:21 Heimo Scheuch
Ich sage euch viele, wenn ich jetzt im Unternehmen, wir sind über 20.000. Wenn ich so spreche – und wir diskutieren sehr offen miteinander – wir haben eine sehr offene Unternehmenskultur. Viele Dinge brauchen wir gar nicht, aber wir machen sie. Die Frage stellt sich, warum machen wir sie? Und eigentlich können wir dann die Hälfte wieder weggeben, dann hat man wieder Zeit für anderes.
00:28:42 Heimo Scheuch
Und das ist eigentlich für uns alle so ein bisschen ein Thema, dass man darüber nachdenkt, warum mache ich gewisse Dinge? Nur so mal als Gedankenansatz.
00:28:54 Antonia Baumgartner
Ich glaube das ganze Thema um Veränderung und was wollen wir verändern, wie wollen wir die Sachen verändern? Ich glaube, die Frage, die sich viele stellen in unserer Generation, auf wessen Kosten gehen diese Veränderungen auch? Wir müssen, wenn wir jetzt auch in eure Generation oder an Ihre Generation, ja in eure Generation schauen, viele Leute hatten Erfolg, vor allem Männer hatten Erfolg, weil sie eine Frau zu Hause haben, die eben den ganzen Druck weggenommen hat, den man, der vielleicht jetzt irgendwie auf verschiedenen Personen liegt und denen wurde gekocht, denen wurde gebügelt, denen wurde eingekauft. Die mussten sich um nichts kümmern, außer die ganzen Gedanken gingen hinzu ein Projekt, das ich versuche, aufblühen zu lassen. Das versucht unsere Generation anders anzugehen, wir versuchen, diese ganzen Verantwortungen zu unterteilen, und ich glaube, was zumindest eine Frage ist, die mich sehr beschäftigt, wie gesagt, ich kann jetzt nicht für unsere ganze Generation sprechen, aber ich rede viel auch mit meinen Freundinnen.
00:29:46 Antonia Baumgartner
Wir sind noch immer in Europa. Wir gehören noch immer zu viel, zu den reichsten paar Prozent der Welt, und wenn wir Veränderungen wollen, auf wessen Kosten besteht diese Veränderung? Wie können wir in Institutionen eintreten? Wie können wir Positionen haben beruflich, die Veränderungen zulassen, die aber nicht auf dem Rücken von anderen Menschen passieren. Und ich glaub, das hält, weil eben auch du vorhin gemeint hast, als Frau, man muss auch in Bereiche rein,.. Ich habe das schon versucht und eben dann gibt es diese, diesen persönlichen Druck, dieses frustrieren, wenn man nach Hause geht und das Gefühl hat, du wirst auf dein Äußeres bezogen. Dir werden Kommentare hinterher angeschoben, das, glaube ich, muss sich niemandem als erfolgreiche Frau erzählen, dass es auch einfach anstrengend ist, sich immer irgendwie zu rechtfertigen, aber ich mache mir dann auch Fragen, möchte ich wirklich wo arbeiten in einer Domäne, die, ja, wertetechnisch und auswirkungstechnisch einfach sehr, ja, negative Auswirkungen hat auf viele Bereiche.
00:30:43 Antonia Baumgartner
Und ich glaube, das sind Fragen, mit denen wir auch, Umwelt. Umwelt-Thema ist auch ein Thema. Das sind Fragen, mit denen haben sich, vielleicht haben sich ältere Generationen nicht so sehr beschäftigt wie wir. Wir müssen uns fragen, gut, wie geht sich das aus familientechnisch, freunde-technisch, mental, wie geht sich das aus für die Umwelt? Wie geht sich das aus moralisch? Wie geht es,.. basiert dieses Produkt von diesem Unternehmen auf Menschenrechtsverletzungen?
00:31:02 Antonia Baumgartner
Und dann schließt man viel aus und dann bleibt nicht mehr so viel übrig. Und ich glaube, von außen her wirkt das oft als, Ah,..die junge Generation hat das gar keine Lust mehr oder ist nicht motiviert, aber diese Gedanken, die wir uns machen sind da und ich glaub, dass dieser Wille eben auch da ist.
00:31:14 Heimo Scheuch
Na ja, schau. Da verstehe ich dich sehr gut. Die Gesellschaft hat natürlich einen Wandel, nicht? Und ich habe kurz beschrieben, ich komme aus einfachen Verhältnissen vom Land, Land und Forstwirtschaft. Du kannst dir auch vorstellen, da ist ein, da ist auch ein ganz anderer Zugang gewesen vor vielen Jahrzehnten, ja? Da denkst du natürlich in Jahreszeiten, da denkst du in anderen Planungen am Land und musst schauen, dass du eben für’s Vieh genug Futter hast und für diese Sachen. Das heißt, das ist auch eine sehr nachhaltige geschäftliche Geschichte, ja? Und du bist der Natur teilweise auch viel näher als du heute, wenn du im urbanen Umfeld lebst. Deshalb zerstörst du keine Natur, sondern pflegst du sie von der Alm bis zum Wald etc. Das heißt, grundsätzlich glaube ich, ist es so, was ich damit sagen will: Die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt, aber wir müssen auch aufpassen, dass wir nicht zu weit von den richtigen Themen entfernt sind, ja? Das heißt, die Natur, wenn du schaust, eben die Sünden, die jetzt in den letzten 50 Jahren verbrochen wurden im Verbauen von Flüssen und überhaupt verbauen, sieht man jetzt am letzten Wochenende zum Beispiel sehr stark hier bei den Überschwemmungen.
00:32:26 Heimo Scheuch
Nur reden tun wir nicht gerne darüber, über diese Sünden, nicht? Aber wir baden sie heute aus, ja? Und jetzt ist hast du absolut recht, dass wir sagen, gehen wir mal in eine Diskussion, was können wir jetzt besser machen oder was können wir verändern? Und das ist glaube ich das Richtige. Nicht immer nur dramatisieren, sondern tun.
Das ist so mein Grundprinzip. Das Tun, ja? Und hier,.. ich gebe euch gerne nur das mit das das Aktive, was ja auch in Alpbach so mitgenommen habt, aufeinander zugehen, reden, konstruktiv reden mit anderen, weil da entsteht ja etwas, wenn man mit Leuten redet, die andere Meinungen haben, weil nur dann kriegt man die Kraft und die Energie zu gestalten und zu verändern.
00:33:08 Antonia Baumgartner
Dass man was tun muss, da stimme ich doch komplett überein. Ich glaube auch, dass oft zu viel geredet wird, man muss doch einfach mal machen.
00:33:14 Heimo Scheuch
So ist es!
00:33:16 Antonia Baumgartner
Man braucht nur eben auch die Ressourcen. Man braucht bisschen den Rückhalt, man braucht vielleicht auch einfach Leute, die sagen, hier ist auch dein Platz, du kannst hier was tun, wir geben dir den Platz.
00:33:24 Antonia Krische Reitmayer
Sprechen wir kurz nochmal über Ressourcen und auch, was du gesagt hast in punkto, nicht jeder kann alles und jeder hat auch sein Limit.
00:33:31 Antonia Krische Reitmayer
Wenn man das jetzt so n bisschen global und gesellschaftspolitischer sehen, auch noch mal zurück zur Europäischen Union. Was kann die Europäische Union oder worauf soll sie sich fokussieren, weil alles wird nicht gleichzeitig gehen? Was ist so der Anspruch eurer Generation, wohin soll es denn gehen? Welche Themen sind die wirklich wichtigsten Themen im Moment für euch?
00:33:48 Thomas Weinberger
Zuerst würde ich widersprechen. Ich glaube, es geht alles gleichzeitig. Ich glaube, es muss alles gleichzeitig gehen.
00:33:55 Thomas Weinberger
Es wird nicht funktionieren, wenn man uns auf ein Thema komplett fokussieren und dann das nächste Abarbeiten, das, man muss mehrere Themen gleichzeitig behandeln und und dafür teilen wir uns ja auch diese Aufgaben auf. Und natürlich, es ist dann, sagen wir mal zum Beispiel, finanziell muss man gewisse Prioritäten dann setzen, das stimmt, stimmt schon, aber wir sagen jetzt auch nicht in, ich sag mal in Österreich, wir investieren jetzt ein Jahr nur ins Bildungssystem, sondern wir finanzieren ja auch alle Bereiche gleichzeitig, und ich glaube, eine der größten Prioritäten ist auf jeden Fall der Umweltschutz und Klimaschutz.
00:34:33 Thomas Weinberger
Und gleich danach würde ich sagen, die soziale Frage also die steigende Ungleichheit, Armut bekämpfen, mehr Chancengerechtigkeit. Ich glaube, das sind alles Faktoren, die extrem wichtig sind, damit auch die EU weiterhin bestand hat und damit mehr Zusammenhalt wieder in der Gesellschaft herrscht.
00:34:59 Thomas Weinberger
Damit auch Menschen mehr Ressourcen haben, die einen Veränderungswillen haben. Diesen auch zu, also diese, diese Veränderung auch zu tun. Und wenn man da mehr unterstützt und mehr, ja, Chancengleichheit eben schafft, dann ist es, glaube ich, ein wichtiger Teil und vielleicht als drittes noch, ja, also geeinter auftreten, das ist eine riesige Baustelle. Es ist auch sehr schwierig, weil geeinter auftreten heißt immer, dass die Einzelnen Individuen also, in dem Fall die Mitgliedstaaten, auch ein Teil ihrer Macht ein bisschen abgeben. Und das geht nur, wenn man ein gegenseitiges Vertrauen hat. Und das ist auf jeden Fall eine, eine große Herausforderung. Aber es wäre wichtig für den weiterhin Bestand der EU und für diese Vertretung der Werte.
00:35:53 Heimo Scheuch
Schaut’s! Für mich ist wichtig, danke, dass Ihr Thomas und Antonia, dass ihr hier seid und auch für eure offenen Worte. Den Platz habt ihr sicher, ja? Und den Respekt auch. Und das ist wichtig, dass ihr das auch seht und versteht und fühlt. Jetzt gilt es, diesen Platz zu füllen, ja? Und..
00:36:15 Antonia Baumgartner
Wir stehen zur Verfügung!
00:36:17 Heimo Scheuch
Den und den auch wirklich konstruktiv zu nutzen, ja? Ich glaube, das ist so oft einmal im Leben ist auch wichtig und wenn man die Chance hatte, jetzt 2 Wochen dort einmal dabei zu sein, gibt es ja die Energie und die Kraft, das auch zu tun und den Willen und das jetzt einfach in seinem Leben mitzunehmen, und da bin ich bei dir, die Diversität und das alles ist ja da, man muss ja nur machen und, ich bin bei euch.
00:36:40 Heimo Scheuch
Man muss von jeder Generation zu einer anderen Veränderungen herbeiführen. Ist ja gut, dass man andere Prioritäten setzt, weil das wäre furchtbar, wenn wir alle nur das Gleiche machen, nicht? Und der Austausch zwischen den Generationen, den müssen wir auf alle Fälle beleben, weil es ist nicht nur, dass wir irgendwie die Beharrer sind oder ältere Generation, ich zähle mich jetzt mittlerweile auch dazu, also ich war immer der Jüngste in dem Ganzen, jetzt bin ich einer der Ältesten, aber so schnell geht das eben im Leben und das dürft ihr nicht unterschätzen, das geht extrem schnell, ja?
00:37:12 Heimo Scheuch
Und deshalb sage ich, das Leben eines jeden von uns ist wie der Flug, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, das geht sehr schnell und gestalten kannst du nur in gewissen Phasen deines Lebens, also nützt diese Chance. Das freut mich, dass ihr, dass ihr da wart heute, dass es euch gefallen hat, Toi, toi, toi für euren Lebensweg und bleibt so wie ihr seid, kräftig gestalten!
00:37:34 Antonia Baumgartner
Dankeschön.
00:37:36 Heimo Scheuch
Gerne, gerne, gerne und den Zuhörern: Hoffentlich war etwas Interessantes für euch dabei. Heute mal eine ganz andere Schwerpunktsetzung und mich hat es gefreut mit euch zu diskutieren. Bis bald!