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Journal Club Folge 55 (KW 6): Vasoactive Medications and the Microcirculation in Septic Shock

Klinik für Anästhesiologie UKHD

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Die Steuerung des mittleren arteriellen Drucks und des Herzzeitvolumens ist zentral in der Therapie des septischen Schocks – doch garantiert makrohämodynamische Stabilität auch eine adäquate Mikrozirkulation? In dieser Episode diskutieren wir einen aktuellen Scoping Review aus Critical Care Medicine, der systematisch untersucht, wie vasoaktive Medikamente die Mikrozirkulation im septischen Schock beeinflussen.

Sathianathan S, Sachar S, Berro J, et al.
Vasoactive Medications and the Microcirculation in Septic Shock: A Scoping Review.
Critical Care Medicine. 2026;54:XX–XX.
DOI: 10.1097/CCM.0000000000007016

Die Mikrozirkulation spielt eine zentrale Rolle für die Gewebeoxygenierung und Organfunktion im septischen Schock. Trotz erfolgreicher Normalisierung globaler hämodynamischer Parameter wie mittlerem arteriellem Druck (MAP) oder Herzindex bleibt die mikrovaskuläre Perfusion häufig gestört – ein Phänomen, das als Verlust der hämodynamischen Kohärenz beschrieben wird.

In diesem Scoping Review analysierten Sathianathan et al. 33 klinische Studien, die den Einfluss vasoaktiver Medikamente auf die Mikrozirkulation bei erwachsenen Patient:innen mit septischem Schock untersuchten. Eingeschlossen wurden Studien mit direkter mikrozirkulatorischer Messung mittels sublingualer Videomikroskopie (SDF/OPS), Laser-Doppler-Flowmetrie, Nahinfrarotspektroskopie, Magen-Tonometrie oder Kapillarfüllzeit. Die Studien zeigten eine erhebliche methodische Heterogenität hinsichtlich Studiendesign, Rekrutierungszeitpunkt, Messmethoden und untersuchter Substanzen.

In nur 39 % der untersuchten Fälle korrelierten Veränderungen der Mikrozirkulation mit Veränderungen des Herzindex, was die begrenzte Aussagekraft makrohämodynamischer Parameter unterstreicht. Früh rekrutierte Patient:innen (< 24 h) zeigten häufiger eine Verbesserung der Mikrozirkulation und eine höhere hämodynamische Kohärenz. Norepinephrin verbesserte in frühen Krankheitsphasen die periphere Mikrozirkulation, ohne diese bei höheren MAP-Zielen konsistent zu verschlechtern. Vasopressin und Terlipressin zeigten kontextabhängige Effekte mit teils verbesserter sublingualer, aber potenziell verschlechterter gastraler Perfusion. Dobutamin war das am häufigsten untersuchte Inotropikum und zeigte in mehreren Studien eine Verbesserung der gastralen Mikrozirkulation, teilweise unabhängig von Veränderungen des Herzindex. Epinephrin wies inkonsistente Effekte auf, während Levosimendan in ausgewählten Studien sowohl die Myokardfunktion als auch mikrovaskuläre Parameter verbesserte.

Der Review verdeutlicht, dass vasoaktive Medikamente relevante, jedoch hochgradig kontextabhängige Effekte auf die Mikrozirkulation haben. Die klinische Bedeutung dieser mikrovaskulären Veränderungen bleibt bislang unklar, da robuste Outcome-Daten fehlen. Zukünftige Forschung sollte standardisierte Messmethoden, frühe Rekrutierung, serielle Messungen und eine konsequente Einbettung des Konzepts der hämodynamischen Kohärenz verfolgen, um mikrozirkulationsgeleitete Resuscitationsstrategien evidenzbasiert weiterzuentwickeln.

Heute im Studio dabei: Maximilian Kraft, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Klinik für Anästhesiologie am UKHD