Culcha's Pioniere des Wandels
Wir geben Vordenker:innen aus allen Unternehmensbereichen eine Plattform, ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu teilen. Wir wollen verstehen, was sie antreibt, welche Denkweisen sie prägen und mit welchen Methoden und Ideen sie den Herausforderungen der VUKA-Welt begegnen und den Wandel gestalten.
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"Neugier ist der wichtigste Future Skill" - Klemens Steiner, Head of Human Resources Sales der Ergo Group
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KI in der Ergo: Neugier als Schlüssel zur erfolgreichen Transformation
In dieser Podcastfolge von „Pioniere des Wandels“ spricht Katja mit Klemens Steiner, Head of Human Resources Sales der Ergo Group AG, darüber, wie KI in Organisationen eingeführt werden kann, ohne Mitarbeitende zu verlieren, und wie man Menschen für KI mobilisiert.
Klemens Steiner beschreibt die KI-Strategie der Ergo bis 2026 mit dem Anspruch, führender Versicherer zu werden, und betont als Voraussetzung den breiten Zugang aller Mitarbeitenden zu einer geschützten internen Lösung (ErgoGPT).
Er erläutert konkrete Automatisierungsbeispiele, in denen KI unstrukturierte E-Mails in strukturierte Daten überführt und RPA-Roboter anschließend Prozesse abarbeiten; insgesamt gibt es ca. 640 Robotics-Implementierungen in 13 Ländern.
Als zentrale Bedingung nennt Klemens Steiner Neugier als wichtigsten Future Skill. Er beschreibt Formate wie Technologie-Conventions, Lunch-and-Learn und fragebasierte Workshops sowie ein eigenes Automatisierungs- und Digitalisierungsteam in HR Sales als Erfolgsfaktoren.
00:00 KI in Organisationen
01:23 Clemens und Neugier
03:18 Die KI Strategie der Ergo Group
06:58 KI Use Cases im Versicherungsvertrieb
08:29 Robotics bei der Ergo Group erklärt
11:05 „Manuel Bü“ und die Skalierung
13:10 Personalnummern für Roboter??
16:56 Hürden und Learnings
20:28 Neugier als Erfolgsfaktor
25:22 Formate zur Steigerung der Neugier
30:57 Wenn Neugier aber doch nicht reicht
34:13 Klemens‘ persönliche KI Hacks
35:53 Wrap-up und Dank
Bleiben Sie in Kontakt:
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Liebe Hörerinnen und Hörer unserer Podcast-Serie Pioniere des Wandels, wir haben heute eine neue Folge und es geht heute um die Frage, die viele beschäftigt Wie bringt man KI wirklich in eine Organisation, ohne die Organisation dabei zu verlieren Beziehungsweise noch konkreter, wie bekommt man Menschen mobilisiert und begeistert für das Thema KI? Mein heutiger Gast ist jemand, der seit langen Jahren damit Erfahrung hat. Wir sprechen heute mit Clemens Steiner, Head of Human Resources Sales der Ergo Group AG. Herzlich willkommen, lieber Clemens.
KLemens SteinerJa, ich freue mich hier zu sein.
KatjaJa, ich freue mich besonders, dass du da bist, aus verschiedenen Gründen Zum einen, und das ist jetzt der kleinere Grund, begleitet uns die Ergo Group schon seit Jahren, weil ich habe vor sicher zwei Jahren mal mit eurem CDO Marc Klein ein Interview gemacht, was auch Eingang in das Buch gefunden hat, was wir geschrieben haben letztes Jahr, also die KI-Kompetenz für eine Zukunft in Wohlstand. Und vor allem... Gibt es daraus eine sehr schöne Anekdote, nämlich über einen Roboter mit dem schönen Namen Manuel Büh, auf den wir vielleicht später nochmal zu sprechen kommen. Mit
KLemens SteinerSicherheit.
KatjaDiese Anekdote erzähle ich häufiger und credite sie natürlich immer auch an euch. Aber jetzt erst der zweite Grund, warum ich mich besonders freue, ist eben mit dir zu sprechen, weil du hast erstens eine sehr... Interessante These und zweitens auch eine sehr interessante Perspektive. Du sagst Neugier ist der wichtigste Future Skill. Und das lässt sich vielleicht ein bisschen ableiten auch aus deinem Werdegang. Du bist von Hause aus Diplom-Volkswirt und hast eigentlich eine sehr stringente Karriere. Du bist nämlich seit, ich will jetzt nicht sagen wie viele Jahrzehnten aber seit ein paar Jahrzehnten tatsächlich immer in oder für die Versicherungsbranche tätig gewesen. Andererseits hast du aber in dieser Zeit sehr, sehr abwechslungsreiche Stationen absolviert. Du hast angefangen mit sechs Jahren Controlling, dann zwei Jahren Strategieberatung bei AT Kearney, dann aber in der Ergo Group vom Controlling in die interne Kommunikation und den Bereich Corporate Responsibility gewechselt und von dort dann nochmal weiter ins Learning und Development und schließlich in den HR Kernbereich. Du bringst also sowohl eine Finanzer als auch eine Kommunikatoren und eine HR-Perspektive auf die KI-Transformation und bist jetzt seit 2017 verantwortlich für den gesamten HR-Bereich für den Vertrieb. Dort hast du, wie du mir erzählt hast, auch schon letztes Jahr, als wir uns kennengelernt hatten, Automatisierung und KI so eingebettet, dass deine Mitarbeitenden das Thema nicht nur erdulden, sondern aktiv vorantreiben. Ich freue mich sehr, dass du hier bist und heute mit uns zum Besprechen, wie du das geschafft hast. Also nochmal herzlich willkommen, lieber Clemens.
KLemens SteinerVielen vielen Dank für die Einladung.
KatjaSehr gerne. Es ist sehr wichtig, dass man so ein bisschen den Kontext hat, weil hier steht die Person im Vordergrund. Und die Person und die Strategie stehen ja in einer gewissen Wechselwirkung. Vielleicht fangen wir mal an. Die KI-Strategie der Argo Group im Jahr 2026. Wie würdest du die beschreiben?
KLemens SteinerAlso wir haben ja schon früh angefangen KI zu nutzen und schon erste Use Cases gemacht. Insbesondere um die Corona-Zeit gab es da, denke ich für viele Unternehmen, auch für uns, nochmal eine Entwicklung. Aber erst durch Chat-GBT und dann nachher die Implementierung, wir waren ja relativ schnell mit Ergo-GBT, also unserer eigenen KI, die wir allen unseren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Persönlichen Assistenten hat jeder Mitarbeiter Zugriff auf diese KI, sind wir in den letzten Jahren denke ich, schon sehr weit gekommen mit der Implementierung, weil ich das wirklich als Grundvoraussetzung für eine Implementierung in einem Unternehmen sehe. Dass alle Mitarbeiter Zugriff haben und damit auch wirklich Dinge ausprobieren können und es nicht tausend Restriktionen gibt, warum ich das in diesem Kontext nicht einsetzen darf. Und insofern glaube ich ist das schon mal der erste wichtige Punkt gewesen, dass wir einen geschützten Raum haben, mit der In dem wir quasi mit KI arbeiten können. Und heute sind wir da, wo wir quasi... Jedes Mal prüfen, wenn wir einen Prozess verändern, können wir noch mit KI weitere Verbesserungen im Prozess erzielen und das ist auch die Hauptaufgabe die ich heute habe, zu multiplizieren, damit wir das Wissen was wir innerhalb der Ergo haben, innerhalb meines Bereiches auch haben, dass wir das multiplizieren und auf alle Mitarbeiter auswählen.
KatjaDas ist ja schon mal sehr interessant. Vielleicht darf ich noch einen Schritt zurückgehen. Du hast mir im Vorgespräch erzählt, was eure Ambition ist für die Ergo in Bezug auf KI. Vielleicht das nochmal einbringen, damit man das auch gut in dem Zusammenhang sieht.
KLemens SteinerJa, also unser neues Strategieprogramm sieht natürlich vor, dass wir gerade auch in dem Thema KI einer der führenden Versicherer werden. Und insofern ist das Ambitionsniveau hoch und auch richtig. Und insofern arbeiten jetzt viele Initiativen daran, das mit Leben zu füllen und in unterschiedlichsten Bereichen. Wird im Moment daran gearbeitet, auch weiter diese Automatisierungsthemen voranzutreiben. Und da hilft uns natürlich KI und oft auch die Kombination von KI und Robotics. Robotics haben wir schon viel Erfahrung gemacht in den letzten Jahren, aber oft ist es so dass man quasi automatisierungs... Erfolge nur durch die Kombination von KI und Robotics bekommt. Und da sind jetzt viele Initiativen dran, das mit Leben zu füllen. So auch in meinem Bereich, der ein Bereich ist, der viel mit Operations Prozessen zu tun hat. Große Prozesse mit großen Stückzahlen und insofern sind wir im Vertrieb hier natürlich ebenfalls dabei, alle Prozesse nochmal dahingehend zu überarbeiten, dass wir dort, wo KI Sinn macht, dann auch KI wirklich einsetzen.
KatjaMhm. Jetzt ist die Versicherungsbranche ja dann doch in gewissem Maße eine spezielle insbesondere wenn es um den Vertrieb geht. Vielleicht könntest du nochmal für unser Publikum und auch für mich ein, zwei praktische, plastische Beispiele geben, was so Prozesse sind, die ihr jetzt mit KI automatisiert.
KLemens SteinerIch komme vom Theoretischen mal ins Praktische. In der Regel sind es zum Beispiel unstrukturierte Texte Informationen, die wir im Eingangsmanagement haben, wo wir Die KI nutzen, um aus der unstrukturierten Information eine strukturierte Tabelle zu machen. Wir arbeiten zum Beispiel ganz konkret daran, an einem Prozess, wo wir quasi E-Mails bekommen, diese E-Mails auszulesen und die wesentlichen Informationen, die für die Weiterverarbeitung notwendig sind, in eine strukturierte Datentabelle zu übertragen. Das heißt ganz konkret, die KI... Sorgt quasi dafür, dass die E-Mails ausgelesen und strukturiert abgelegt werden in Tabellenform und danach kommt ein Roboter und nimmt diese Tabelle und kann dann einen fest definierten Prozess weiter prozessieren. Insofern ist das zum Beispiel ein Prozess, wo KI wirklich den Automatisierungsgrad des Gesamtprozesses verbessern kann.
KatjaOkay. Jetzt musst du an der Stelle glaube ich, nochmal kurz einen kleinen Schwenk machen zu eurem Begriff von Roboter. Weil wenn ich richtig gelesen habe, ist das ein bisschen ein ungewöhnlicher Begriff.
KLemens SteinerGar nicht so ungewöhnlich. Im Wesentlichen sind es
KatjaRPA-Strecken.
KLemens SteinerWir machen das mit Blue Prism, mit dieser Robotik-Software, mit der wir jetzt schon jahrelang arbeiten. Das nennen wir Roboter. Diese Software, die da agiert, die ist fest definiert, bekommt klare Arbeitsanweisungen. Und arbeitet dann Prozesse ab. Das, was sie nicht kann, ist Entscheidungssituationen handeln. Das, was sie nicht kann, ist Einschätzungen vornehmen etc. Und insofern kommt da natürlich die KI ins Spiel, die hier ihre Kompetenzen hat. Sie kann aus einem unstrukturierten Text einsteigen Sagen, okay, hier ist die Versicherungsnummer, hier ist der Auftrag, hier ist das, was zu tun gibt und schreibt das dann raus. Das, was ein Mitarbeiter eigentlich auch machen würde.
KatjaUnd
KLemens Steinerinsofern ist die Kombination zwischen KI und Robotics für uns in vielen Prozessen sehr segenswert.
KatjaJa, insofern nur ungewöhnlich als dass es keine physische Software ist. Also es ist kein Roboter mit Armen, um den man anfassen kann.
KLemens SteinerNein es ist nicht dieses Bild, was wir von Amazon kennen, wo die Roboter da in den großen Hallen hin und her laufen und fahren und was auch immer. Nein, das kennen wir nicht.
KatjaSondern
KLemens Steinerder Vorteil von Robotics ist einfach, dass ich heute einem Roboter... Die Berechtigung geben kann, auf bestimmte Systeme zuzugreifen und bestimmte Handlungen durchzuführen so wie das auch ein Mitarbeiter machen kann. Oder
Katjaein AI-Agent
KLemens SteinerZum Beispiel, ja, genau. Und insofern sind das natürlich Dinge, die uns helfen, Prozesse in relativ kurzer Zeit zu automatisieren. Und insofern haben wir die in der Vergangenheit auch genutzt und jetzt kommt KI-Spiel und bietet nochmal ganz, ganz neue Möglichkeiten, auch für einen höheren Automatisierungsgrad. Das ist übrigens auch der Grund, warum unsere Roboter alle eine Personalnummer haben und gegebenenfalls auch Namen haben, wie zum Beispiel Manuel. Ja,
Katjagenau. Da kommen wir nochmal auf Manuel Büh. Ganz kurz nochmal. Dadurch dass ihr dieses Roboter-Konzept hattet oder habt, wart ihr halt einfach schon wahnsinnig früh unterwegs mit dem Thema. Also ich glaube, ihr habt 2022 schon irgendwie 200 von diesen Robotern gehabt und das ist ja jetzt schon vier Jahre her. Und einer davon war eben der genannte Manuel Büh, der war für die manuelle Bestandsübertragung zuständig Deswegen hatte der seinen Namen.
KLemens SteinerUnd jetzt schließt sich der Kreis Den Prozess den ich dir gerade erläutert habe, wie KI und Robotik zusammenspielt, ist genau bei diesem Roboterprozess. Das hat uns quasi noch gefehlt am Eingang den Roboter zu bestücken mit den wesentlichen Informationen Und das wird jetzt in Zukunft KI machen und Manuel kann dann noch viel schneller arbeiten.
KatjaWeil die KI dazu führt, dass Manuel bessere Inputdaten hat. Schnelle
KLemens SteinerInputdaten ja genau.
KatjaSuper. Also wenn wir jetzt nochmal von dieser Zahl ausgehen in der gesamten Ergo-Gruppe 22, irgendwie 200. Wie hat sich das entwickelt?
KLemens SteinerDas ist eine gute Frage. Wir haben bei Robotics inzwischen 640 etwa Implementierungen in 13 Ländern.
KatjaDas
KLemens Steinerist schon einiges und wir merken auch, wie das mehr und mehr eben eine völlig standardisierte Technologie ist, die eingesetzt wird und die uns hilft eben die Prozesse schneller. Und auch stabiler zu machen, denn das ist auch ein Vorteil von Robotics, wenn wir es einmal implementiert haben, ist das in der Regel dann auch ein sehr, sehr stabiler und qualitativ hochwertiger Prozess.
KatjaJa, zumindest hat man keine Qualitätsschwankungen in der Regel. Ob die Automatisierung immer hält, ist eine andere Frage, aber da seid ihr wahrscheinlich besser als andere. Von daher. Ich möchte noch auf einen anderen Punkt kommen, den du gerade so nonchalant beiläufig gesagt hast. Alle Roboter haben eine Personalnummer. Und jetzt haben wir ja gesagt, die Roboter sind keine physischen Roboter. Sie haben trotzdem eine Personalnummer. Warum und was für Auswirkungen hat das auf euer HR-System?
KLemens SteinerAlso erstmal war es natürlich am Anfang, wenn jemand eine Personalnummer bekommt, dann ist es im HR-Bereich zumindest mal jetzt nicht weit davon, eben auch einen Namen zu geben. Und das war in einem der ersten Projekte war das eben Manuel. Manuel hat übrigens auch noch eine Schwester bekommen, die heißt Frieda. Und es gibt noch weitere. Also wir haben jetzt in meinem Bereich zum Beispiel aktuell 13 Roboter. Im Einsatz. Und dieses Jahr werden noch drei weitere dazukommen und insofern sind die alle auch mit einem Namen bezeichnet und das war eigentlich eher der Grund am Anfang zu sagen, Mensch, Personalnummer bekommt auch einen Namen. Insofern kein Muss, aber es war für die Kommunikation auf jeden Fall nicht schädlich. Aber
Katjawarum hat der eine Personalnummer bekommen? Ich warum.
KLemens SteinerWeil er Zugriff hat auf Systeme Das ist also ein Berechtigungsthema. Und er braucht ja Zugriff auf bestimmte Systeme und damit auch eine Personalnummer, weil nur die Personalnummer am Ende des Tages als Zugangskriterium gelesen werden kann.
KatjaAch, okay.
KLemens SteinerHat
Katjader denn oder haben die Roboter denn auch ihren Platz im Organigramm?
KLemens SteinerNein, haben sie nicht. Also du findest bei uns jetzt keine Roboter im Organigramm Nein das nicht. Das
Katjahätte ja sein können. Also wenn man nämlich da mal so weiterdenkt, wenn ein Roboter oder ein AI-Agent quasi die Aufgaben von einem Teilzeitmitarbeiter, einer Teilzeitmitarbeiterin übernimmt, dann ist das ja auch Teil der Kapazität einer Abteilung und Kapazitäten von Abteilungen drückt man ja üblicherweise in Organigrammen in Headcounts und in FTEs aus. Also ich habe solche Diskussionen mit ein paar Leuten schon geführt
KLemens Steinerund
Katjadann weitergehend auch weitere Gleichnisse oder Analogien zur HR-Arbeit also das Onboarding von Agents bzw. Robotern, das Lifecycle-Management, das Offboarding etc. Habt ihr da auch Gedanken in die Richtung?
KLemens SteinerAlso erstmal haben wir überall... Bei der Einführung von Robotics drauf geachtet, dass wir immer den Support der Mitarbeiter im Visier hatten. Das heißt, wir haben immer Situationen genommen, wo wir Ohnehin schon für die Mitarbeiter eine hohe Belastungssituation hatten, wo das Geschäft auf der einen Seite natürlich positiv florierte auf der anderen Seite dann auch bearbeitet werden muss. Und dort... Haben wir Robotics eingesetzt, um die Mitarbeiter zu entlasten. Insofern der Hinweis, ich ersetze jetzt quasi einen Mitarbeiter durch Robotics, so war es in den meisten Fällen nicht, sondern wir haben entlastet, um nicht quasi... Neue Mitarbeiter einstellen zu müssen, Aushilfen einstellen zu müssen etc. Und insofern war das für uns nie eine Thematik sie jetzt mal in ein Organigramm zu bringen oder als zusätzliche Mitarbeiter auszuweisen oder sowas. Das war nie Intention bei uns.
KatjaOkay. Jetzt kommen wir gleich zu einem ganz interessanten Punkt. Du hast gesagt, ihr habt das immer gemacht mit dem Support der Mitarbeiter. So KI-Einführungen oder Robotics-Einführungen sind ja nicht einfach. Also es gibt da ganz viele verschiedene Zahlen, wie viele davon scheitern etc. etc. Was sind die größten Herausforderungen gewesen, die dir da bislang begegnet sind?
KLemens SteinerDas ist wirklich eine spannende Frage und die ist auch einfach zu beantworten. Also man braucht einfach viel Wissen dass man erst mal sich erwerben muss. Deswegen war die erste Roboter-Einführung ich weiß noch, Manuel, war die schwierigste. Warum? Weil wir da sowohl im... Kompetenzzenter als auch bei uns noch mal viel Wissen aufbauen mussten und viel experimentieren mussten, bis wir diesen Prozess dann am Ende des Tages wirklich so lauffähig hatten, wie wir uns das vorgestellt haben.
KatjaWas sind so Lessons? Die
KLemens Steinerersten Tests, so einen kurzen kleinen Robotics-Ausschnitt aus dem Gesamtprozess zu bauen. Das war schnell gebaut, da wurde auch schnell ein Film dazu produziert und dann waren alle glücklich. Nein, das war ja als erstes nur so ein Appetizer, die richtige Arbeit kam dann noch.
KatjaUnd
KLemens Steinerinsgesamt haben wir, glaube ich, an dem ersten Roboter ein, zwei Jahre sehr intensiv mit den Mitarbeitern, mit den beteiligten Mitarbeitern gearbeitet, bis wir dann den Prozess hatten, den wir wollten. Und ähm... Insofern kann ich nur sagen, es ist halt wie immer, erstmal muss man diese Lernkurve durchschreiten und dann kommt quasi der echte Effort in den weiteren Projekten Inzwischen sind die Robotics-Projekte innerhalb von ein paar Wochen erledigt aber das war nicht beim ersten so.
KatjaUm hier jetzt auch ein bisschen Service-Content zu machen und die Lernkurve von unseren Zuhörern und Zuhörerinnen zu kürzen Was waren so die wesentlichen Lessons learned? Was macht ihr jetzt anders als beim ersten Mal?
KLemens SteinerAlso ich denke, das kann man wiederum nicht so pauschal sagen, weil da gehört viel Detailwissen dazu, also viel Technikwissen am Ende. Am Anfang sieht das alles sehr sehr einfach aus. Blue Prism ist eine Software. Die wird programmiert, man denkt, man kann das, wenn man Adobe programmieren beziehungsweise schreiben kann, dann kann man auch diese Programmierung durchführen. Ganz so einfach ist es nicht, weil es ja auch ein paar U-Systeme gibt, mit denen man sich abstimmen muss und wo alles stimmen muss. Insofern es ist die Das technische Wissen, was dazugehört und die Interaktion zwischen Kompetenzzentern Da war das Wissen rund um Blue Prism vorhanden und in meinem Bereich das Wissen um die Prozesse. Aber dieses gegenseitige Wissen was es dazu bedarf, um so einen Prozess am Ende des Tages zu programmieren, das musste sich auf beiden Seiten glaube ich, die Teams wirklich erarbeiten.
KatjaUnd
KLemens Steinerdas ist dieses Detailwissen, was dazu gehört, was es heute eben schneller macht.
KatjaOkay. Jetzt heißt es ja immer so schön, Transformationsprojekte oder KI-Einführungsprojekte scheitern nicht an der Technologie, sondern am Menschen. Vielleicht ist da noch was drin, was sich pauschalisieren lässt und was sich vor allem verallgemeinern lässt, was du als Erfolgsrezept oder als Lessons Learned unserem Publikum mit zur Verfügung stellen kannst.
KLemens SteinerJa, also das kann ich 100 Prozent unterschreiben und deswegen auch die steile Eingangsthese dass Neugier der bestimmende Faktor ist. Wir brauchen natürlich Mitarbeiter, Menschen, die neugierig auf diese neuen Technologien sind und die offen sind zu sehen. Was kann die Technologie, wie kann ich damit neue Dinge schaffen, wie kann ich neue Prozesse schaffen oder alte verbessern? Ich brauche Menschen, die genau in diese Offenheit reingehen und sich auch nicht durch erste Rückschläge aus dem Konzept bringen lassen, sondern da eine gewisse Resilienz entwickeln, weil sie an das Ergebnis glauben. Und deswegen... Bin ich auch fester Meinung, dass neugierige Menschen genau das mitbringen und deswegen investieren wir auch genau in dieses Thema sehr intensiv, dass unsere Mitarbeiter mehr und mehr neugierig werden.
KatjaDas ist jetzt die spannende Frage. Bisschen ketzerisch gesagt, ist ja die Versicherungsbranche nicht unbedingt ein Magnet für besonders neugierige Menschen. Wie schafft ihr das, dass die Leute neugieriger werden, als sie reingekommen sind?
KLemens SteinerAlso ich gehe noch zwei Schritte zurück. Die Frage ist ja, was mich eigentlich so sicher macht, dass das der bestimmende Faktor ist. Und wie du eingangs ja erwähnt hast, War ich ja schon in anderen Stationen unter anderem in der Station Learning Development und habe mich da zum ersten Mal eigentlich mit dem Thema beschäftigt was macht Menschen erfolgreich und was macht Menschen auch wirklich über lange. Sicht erfolgreich. Und es waren unterschiedliche Studien und Erlebnisse, die am Ende des Tages bei mir eins gefestigt haben. Es ist die Neugier, die Menschen wirklich erfolgreich macht. Nicht nur im Beruf, auch im privaten Umfeld. Und insofern hatte ich Den wirklichen Ansatzpunkt zu sagen, wir müssen mehr in die Neugier gerade wenn sie eingeschlafen ist, investieren, um genau das hinzubekommen, was eigentlich unsere Aufgabe ist, nämlich Menschen mitzunehmen bei dieser rasanten technologischen Entwicklung. Und wenn wir uns das mal angucken, was unser Wissen wert war in den 50er 60er Jahren. Da haben wir noch in Jahrzehnten gedacht und heute denken wir in
KatjaMonaten.
KLemens SteinerEs ist so schön. Anderthalb Jahre ist die offizielle Zahl, aber du hast natürlich recht, es sind eher Monate. Alle drei Monate mache
Katjaich meine Strategie neu.
KLemens SteinerJa. Und wenn ich mal ein paar Monate nicht mehr geguckt habe, was an der KI-Front gerade passiert, dann bin ich schon ein Stück weit abgehängt. Und insofern war das natürlich der Punkt zu sehen, wo stehen wir heute eigentlich. Und das sind insbesondere in meinem Bereich, aber ich glaube, ich kann das auch auf die Versicherungsbranche übertragen, das sind etwa 80 Prozent der Mitarbeiter aus Generation X und Y. Es ist also nicht das große Thema Generation Z und Babyboomer Natürlich ist auch das ein Thema. Generation X und Y, die sind mindestens noch 10 bis 30 Jahre im Unternehmen und hier muss ich schaffen, dass die Technikaffinität entsteht Und die Frage ist, wie man das hinbekommt, dass wir technikaffiner werden. Und das geht aus meiner Sicht nur über das Wecken von Neugier für neue Technologien. Das heißt, präsentieren von neuen Technologien, was gibt es denn überhaupt. Dann das Einsteigen in konkrete Problemlösungen, also wo hilft sie ganz konkret. Und das Mitnehmen auch auf neue Problemlösungspfade. Das sind so die drei Themen, die ich in meinem Bereich bespiele.
KatjaSpannend. Was sind denn da so konkrete Formate, die du machst?
KLemens SteinerAlso gerade diese Woche haben wir einen Termin mit unseren Mitarbeitern wo wir, wir nennen das Technologie-Convention Neue Technologien vorstellen. Das heißt ganz konkret, was sind so die Top KI-Instrumente, die ich kennen muss. Wir haben jetzt zum Beispiel viel im Angebot rund um ErgoGPT, wo wir Mitarbeitern ganz konkrete und schon verbesserte und sehr fokussierte Instrumente zur Verfügung stellen, um Bestimmte Dinge zu machen, ob das ein Workshop zu planen ist oder ob das der Vergleich von Dokumenten ist oder was auch immer. Ich glaube, über 20 von diesen Instrumenten stehen zur Verfügung. Das heißt, ich muss den Mitarbeitern auch mal zeigen, was gibt es, was hilft uns, mitnehmen und zeigen. Erstmal den Überblick geben, was gibt es denn überhaupt. Und das Zweite ist, dass wir in Formate investieren, wo wir Expertenwissen in so eine Lunch-and-Learn-Methode Expertenwissen in kleine Teams bringen. Wo wir zum Beispiel Experten wie Experte für Celonis uns zeigt, was Celonis heute alles kann. Es ist nämlich mehr inzwischen als Process Mining, es ist Workflow Management System, es sind Automatisierungsbestandteile etc. Und da ist ja wichtig, nochmal den Transfer hinzukriegen zu den Führungskräften, die sehen, was alles möglich ist. Dann haben wir es noch nicht umgesetzt. Aber erst
Katjamal
KLemens Steinerzu sehen, was ist alles möglich. Und da ist meine Intention natürlich, ich kann Zukunft nur gestalten, wenn ich weiß. Was es für Technologien gibt. Also ich kann keine Zukunft gestalten, wenn ich nicht weiß, dass vielleicht irgendwann mal ein Quantencomputer kommt und hier alles auf den Kopf stellt. Ich kann keine Zukunft gestalten, wenn ich weiß, dass es KI gibt oder Robotics oder was auch immer. Und insofern ist das die Intention erstmal, denn Den Horizont zu erweitern, dessen was möglich ist. Und das am besten mit einem Praktiker und deswegen diese Lunch and Learn Methode, der auch ganz konkret zeigt, was es für Use Cases schon gibt. Und das hilft. So, und dann der dritte Punkt, da geht es dann eher in die Problemlösung von ganz konkreten Problemen Und da ist unser Thema ja eigentlich immer, dass wir Ein Problem haben und ganz schnell drei Optionen erarbeiten. Und ich will davon weg, dass wir immer ganz schnell drei Optionen haben, sondern vielleicht mal drei Schritte zurückgehen. Erstmal Fragen, Fragen, Fragen. Gar keine Antworten. Es sind Workshops, die erstmal nur ein Ziel haben, ein Thema in Summe nochmal zu beleuchten und dann erst Lösungen zu suchen. Auch dafür gibt es Techniken. Die wir in solchen Workshops anwenden und insofern ist das so der Dreiklang, in dem wir unterwegs sind, also die große Sicht auf die Dinge, welche Technologien gibt es in Summe, das Konkretisieren auf eine Expertensicht zu einem speziellen Thema und das Dritte sind Workshops anbieten wo man ganz konkret Probleme löst.
KatjaVielen Dank, dass du das auch noch mal so schön zusammengefasst hast. Darf noch eine Vertiefungsfrage stellen zu diesen Workshops? Wie muss man sich das vorstellen? Weil tatsächlich, ich habe ja schon viele Workshops in meinem Leben gemacht, man ist ja dann immer so getrieben ein Ergebnis zu bekommen. Wie sieht so ein Workshop aus, der ein Thema nur mit Fragen belegt?
KLemens SteinerDie Fragen stehen im Mittelpunkt aber sie sind natürlich am Ende des Tages muss ein Erkenntnis geben. Das Problem ist bei vielen Workshops, dass man erstmal den Lösungskorridor zu sehr einengt und der Workshop soll eigentlich dazu dienen, unterschiedlichste Menschen zu einer Problemlösung zusammenzukriegen und mit den Fragen eigentlich den Lösungsscope zu erweitern. Und das ist eigentlich die Zielsetzung. Und diese Technik wird ja oft im Rahmen des Neugiertrainings angewendet. Also wie kriege ich eigentlich Menschen, wie kriege ich Neugier trainiert? Und Neugier entsteht durch Fragen. Und das ist ja eigentlich unser großes Thema. Wir Erwachsene wissen ja alles und deswegen stellen wir auch immer weniger Fragen. Aber manchmal ist es ganz gut, wenn man sich ganz gezielt nur aufs Fragen konzentriert um den Lösungsraum größer zu machen. Natürlich steht am Ende dieses Workshops auch was ganz Konkretes und wird auch konkret vereinbart bis hin zu einem Meilenstein
KatjaCool. Sehr schön. Vielen herzlichen Dank. Ich habe noch ganz viele Fragen. Ich möchte gerne zwei noch in der gebotenen kurzen Antwort machen. eine ist, was machst du wenn das nicht so gut klappt mit der Neugier? Oder sagen wir es mal so, es klappt mit der Neugier, aber es kommt trotzdem nicht zur Technologieanwendung. Hast du da noch irgendwelche aus deiner langjährigen Erfahrung, noch irgendwelche Tricks und Kniffe parat?
KLemens SteinerAlso erstmal, man wird nicht alle neugierig machen. So dass eine Organisation von 300 Menschen von einem Tag auf den nächsten neugierig wird. Also der Illusion möchte ich nicht hingeben. Das, was ich allerdings gut machen kann, ist, was dazu beitragen. Dass Neugier wesentlicher Bestandteil unserer Kultur wird. Und insofern ist das natürlich ganz, ganz wichtig, dass man die Multiplikatoren hat im eigenen Bereich, die sehen, dass das Beschäftigen mit neuen Technologien und das geht es ja in diesem ganz konkreten Fall, sehr wohl Früchte trägt und uns weiterbringt. Und das ist ja nicht nur das Weiterbringen im Sinne von, ich habe am Ende des Tages bessere Prozesse, mehr Automatisierung, mehr Digitalisierung. Ein ganz wichtiger Faktor finde ich ja auch, dass ich mich persönlich weiterentwickele.
Ich
KLemens Steinerals Mitarbeiter lerne ganz, ganz ganz ganz viel Zukunftsskills Auf dieser Reise, wenn ich mich darauf einsetze. Und das eine ist quasi die Kommunikation und der Change, der dahinter steckt. Aber man kann auch viel organisieren. Also wir haben vor ein paar Jahren in unserer Organisation zum Beispiel ein Team gegründet das nur für Automatisierung und Digitalisierung zuständig ist. Und das ist natürlich ein Team, wo sich die Menschen versammeln, die genau in dem Thema ganz viel zu sagen haben, die sich mit neuen Technologien beschäftigen, die Robotics-Projekte machen, die KI-Projekte machen etc.
KatjaUnd ganz kurz, wenn ich da einhaken darf, in eurer Organisation heißt das in der HR oder im Vertrieb?
KLemens SteinerIn meinem Bereich in HR Sales.
KatjaAlso ich will das nur nochmal herausarbeiten. Du hast ein eigenes Automatisierungsteam im HR.
KLemens SteinerJa, genau.
KatjaAusrufezeichen.
KLemens SteinerJa insofern ist das der organisatorische Teil und das strahlt natürlich ab, weil von so einem Team kommen natürlich wichtige Impulse. Und die Zusammenarbeit ist dann entscheidend Wie arbeitet dieses Team eng mit anderen Operations-Bereichen zusammen? Und dieses Zusammenspiel, das ist das, was erfolgreich oder weniger erfolgreich macht.
KatjaSehr sehr spannend. Das macht jetzt wieder ein ganz anderes Tor auf, wofür uns leider die Zeit nicht mehr langt Aber vielleicht haben wir da nochmal eine andere Gelegenheit. Abschlussfrage. Was ist dein neuster persönlicher KI-Hack oder KI-Use-Case, der dir am meisten Freude bereitet?
KLemens SteinerAlso der, der mir am meisten Freude bereitet, ist in der Tat... Einen Agenten mit dem ich zum Beispiel neue Formate kreiere. Also das ist ein Workshop-Agent und Mit dem kann ich mich unterhalten und wir schleifen zusammen quasi neue Formate und das finde ich ganz, ganz spannend, weil ich habe da so einen Sparings-Partner der spezialisiert ist auf neue Formate und da kann man sehr ins Detail gehen und irgendwie gibt er nie auf und hat immer noch eine Idee und das finde ich ganz, ganz spannend. Für das alltägliche Leben, ehrlich gesagt, finde ich das schon klasse. Unsummen von Informationen zusammenpacken kann und dann in Ruhe mit der KI in die Analyse gehen kann. Und ich bekomme dann immer genau die Zusammenfassung, die ich gerne haben möchte oder ich brauche noch ein Prompt. Aber das finde ich faszinierend. Also Dinge, wo wir früher viel gesucht haben, wo wir früher nicht schnell zum richtigen Dokument gekommen sind etc. Das geht heute so rasend schnell, das finde ich schon einen erheblichen Erfolg.
KatjaAbsolut. Absolut. Mir geht es genauso. Teilweise ist es sogar so, dass ich den Eindruck habe, ich bin jetzt der Engpass. Und das ist wiederum ein schönes Gefühl. Aber du hast mir heute einen riesen Gefallen getan, lieber Clemens weil tatsächlich habe ich vor Jahren vor sechs, sieben Jahren, habe ich mal so einen Strength-Finder-Test gemacht. Und weißt du, was meine Nummer eins Stärke war? Neugier.
KLemens SteinerSehr gut.
KatjaUnd das habe ich bis dahin erstens nicht als eine besondere Eigenschaft wahrgenommen, zweitens auch nicht als Stärke, erst seit diesem Test. Und dass du jetzt auch noch sagst das ist der Future Skill, das lässt mich sehr beruhigt schlafen heute Abend. Von daher danke ich dir jetzt nochmal ganz besonders für diesen schönen Podcast.
KLemens SteinerIch weiß jetzt spätestens, dass ich heute richtig war. Vielen, vielen Dank dafür.
KatjaAuf bald und danke dass du unser gast warst
KLemens Steinerlieben gern vielen dank