Stadt Graz Podcast
Von der Stadt Graz gibt es was für die Ohren: Mit dem Podcast wird das breite Informationsspektrum der Stadt Graz um einen weiteren digitalen Baustein erweitert. Die Themen aus dem Magistrat und den Dienststellen sind bunt gemischt, die Tipps praktisch, knackig verabreicht und hilfreich, die Geschichte der Stadt launig erzählt. Alle zwei Wochen gibt‘s eine neue Folge.
Stadt Graz Podcast
Warum Plastik im Biomüll nichts verloren hat
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Was darf eigentlich in den Biomüll – und was besser nicht? In dieser Folge spricht Alice Loidl von der Abfallwirtschaft der Holding Graz über weitverbreitete Irrtümer, warum kompostierbare Plastiksackerl keine gute Idee sind und wie aus Bioabfall wertvolle Gartenerde entsteht. Ein Podcast über richtige Mülltrennung, nachhaltige Kreisläufe und kleine Entscheidungen mit großer Wirkung.
Jingle/Simone Koren-Wallis
Warum hat Plastik im Biomüll nichts verloren? Und da reden wir auch über diese kompostierbaren Plastiksackgarten im Übrigen. Und wie wird dann aus unserem Bioabfall hochwertige Gartenerde? Das schauen wir uns heute genauer an. Mein Name ist Simone Koren-Wallis aus der Abteilung für Kommunikation und ich bin zu Gast bei Alice Loidl im Ressourcenpark.
Alice Loidl
Ja, mein Name ist Alice Loidl und ich bin die Spatenbereichsleiterin vom Spatenbereich Abfallwirtschaft in der Holding Graz.
Simone Koren-Wallis
Ich bin heute in der Sturzgasse. Ich glaube, jede Grazerin, jeder Grazer kennt den Ressourcenpark, der vor drei Jahren eröffnet worden ist. Ich bin aber gegenüber und man hört es schon im Hintergrund, da wird ordentlich gearbeitet. Alice, erzähl uns mal bitte, wo sind wir jetzt genau?
Alice Loidl
Ja, wir stehen da direkt bei der Einfahrt zu unserer Bioabfallaufbereitungsanlage. Da kommen die gesamten Sammelfahrzeuge, die den ganzen Tag in der Stadt Graz unterwegs sind und den Bioabfall sammeln, her und laden den gesammelten Bioabfall ab. Der wird da aufbereitet, also sprich von den groben Störstoffen befreit. Dann wird er auch noch mit gehäckseltem Grünschnitt vermischt und danach wird er eben wieder in Container befüllt und kommt dann in die Kompostieranlagen in der Steiermark, in die landwirtschaftliche Kompostierung, wo dann aus diesem Bioabfall wertvoller Kompost hergestellt wird.
Simone Koren-Wallis
Jetzt hast du schon ein Wort gesagt, Störstoffe. Was ist das? Ich glaube, jeder von uns kennt es eigentlich, aber was ist es?
Alice Loidl
Ja, ganz besonders massiv stören bei der Kompostierung die Plastiksackerl. Die sind für uns wirklich eine sehr große Herausforderung, weil man die dann bei der Kompostierung tatsächlich großteils händisch heraussortieren muss und die halt den Kompostierprozess einerseits beeinflussen, andererseits dann ja auch nicht vollständig zersetzt werden. Also die konventionellen Plastiksackerl sowieso nicht, aber auch die angeblich kompostierbaren Plastiksackerl, auch die zersetzen sich viel langsamer als angegeben und dann hat man eben im schlimmsten Fall wirklich Plastikfetzen im Kompost oder in der Gartenerde und das wollen wir halt nicht. Zusätzlich ergibt sich dann auch noch die Gefahr von Mikroplastik, wenn man das nicht heraussortiert. Also das ist wirklich ein Störstoff, der uns ja gar keine Freude bereitet.
Simone Koren-Wallis
So wie du gesagt hast, es schaut ja wirklich aus, als wären die in Ordnung. Ich gestehe, ich habe sie selbst mal verwendet, weil ja oben steht kompostierbar und dort habe ich meinen Bioabfall dann reingekaut, weil ich mir gedacht habe, ja, brauche ich nicht so oft auswischen und so weiter, aber ja, der Schein trügt.
Alice Loidl
Der Schein trügt, weil viele von diesen kompostierbaren Plastikmaterialien sind für die industrielle Kompostierung vorgesehen und dort hat man höhere Temperaturen und längere Verweilzeiten, als wir in der landwirtschaftlichen Kompostierung haben und deswegen sind die problematisch. Und zusätzlich gibt es so eine große Vielfalt von diesen kompostierbaren Plastikmaterialien oder Plastiksackerl, dass das wirklich ganz schwer zu unterscheiden ist, welches dann tatsächlich unter den von uns vorgegebenen oder bei uns vorfindbaren Bedingungen kompostierbar ist.
Simone Koren-Wallis
Können wir reinschauen? Ja. Wir haben uns einen super Tag ausgesucht, ich glaube 33 Grad. Wo ist das dann mit dem Rausklauben? Ist das dann weiter hinten?
Alice Loidl
Nein, das Rausklauben erfolgt dann tatsächlich erst auf der Kompostieranlage. Momentan. Wir haben ja bereits ein Projekt in Planung bzw. sogar schon bei der Behörde eingereicht, nämlich eine wirklich moderne Bioabfallaufbereitungsanlage, wo wir dann durch verschiedene maschinelle Bestandteile, Zerkleinerung, Windsichtung, Aussortierung, Siebung und so weiter, dann die Störstoffe maschinell aussortieren können. Auch nicht zu 100 Prozent, aber wesentlich besser, als das jetzt passiert.
Simone Koren-Wallis
Wir stehen jetzt vor dieser großen, großen Halle und ja, ich glaube man kann froh sein, dass es doch noch kein Geruchshören gibt. Also man riecht es natürlich schon, aber was passiert jetzt? Ist das der ganze da reingekommen? Was passiert jetzt weiter?
Alice Loidl
Der wird grob von Störstoffen befreit, von größeren Störstoffen, maschinell auch, aber die Maschinentechnik gerät da halt auch an die Grenzen, weil durch den nassen Bioabfall verstopft das relativ leicht und dann wird er eben mit Grünschnitt vermischt und dann eben in die Transportcontainer befüllt und abtransportiert.
Simone Koren-Wallis
Wohin geht das dann?
Alice Loidl
Das geht in die Steiermark um die 19 verschiedene Kompostieranlagen. Eine davon betreibt die AD Bioerde. Die AD Bioerde ist eine hundertprozentige Tochter der Holding Graz, also unsere eigene Firma, wo wir dann eben aus dem Bioabfall Kompost herstellen und den kann man dann bei uns da bei der Holding wieder kaufen, als Qualitätskompost oder als Gartenerde.
Simone Koren-Wallis
Und das war vielleicht früher mal mein Apfelputzen, den ich weggeschmissen habe sozusagen.
Alice Loidl
Genau, und jetzt wird es die Erde für einen Apfelbaum für einen neuen.
Simone Koren-Wallis
So jetzt sind wir, es ist schon kühler erstens und auch ein bisschen ruhiger, wir sind jetzt nämlich im Ressourcenpark herinnen und da gibt es jetzt was?
Alice Loidl
Da sind wir jetzt konkret am Info-Point beziehungsweise in der Re-Use-Zone und da kann man einerseits unsere Vorsammelhilfen für den Bioabfall aus Papier erwerben, so schöne Papiersackerl, die man anstelle der Plastiksackerl, anstelle der quasi als kompostierbar geltenden Sackerl verwendet, weil das ist Papier, das kompostiert auch tatsächlich. Also da kann man den Bioabfall einfach zu Hause sammeln und mit dem Sackerl dann zur großen Biotonne geben. Am liebsten ist uns wenn man gar keine Vorsammelhilfe verwendet, das ist aber natürlich oft nicht möglich. Deswegen, wenn Vorsammelhilfe, dann bitte die aus Papier und wie gesagt, die kann man bei uns da wunderbar erwerben. Und was man da noch erwerben kann, ist eben der ganz große Grünschnittsack. Der hat ungefähr ein Fassungsvermögen von 110 Liter, 120 Liter, kann da bei uns gekauft werden. Auch an anderen Stellen kann er gekauft werden und wird dann zu Hause mit dem Grünschnitt, mit Ästen, Laub und so weiter befüllt und kann direkt neben die Biotonne gestellt werden und wird dann mitgenommen bei der Bioabfallsammlung.
Simone Koren-Wallis
Und was kostet so ein Sackerl, also entweder die kleinen oder die großen?
Alice Loidl
Ja, die Biomüllsackerl, da kriegt man 50 Stück pro Packung, da kommt man dann schon ein bisschen aus. Die kosten 5,90 Euro und der große Grünschnittsack, der kostet 4,50 Euro. Aber natürlich alles inkludiert, Sammlung, Verwertung, Abholung, alles mit dabei.
Simone Koren-Wallis
Weil vorher auch das Wort Störstoffe gefallen ist, kannst du das ungefähr sagen, wie viel Prozent sind da Störstoffe drinnen?
Alice Loidl
Ja, wir haben durchschnittlich um die fünf Prozent Störstoffe drinnen. Je nach Gebiet ist das bei manchen Sammelgebieten niedriger, bei manchen Sammelgebieten höher.
Simone Koren-Wallis
Kriegst irgendwas mit, war schon mal was drinnen, was man vielleicht nicht vergessen wird? Du schmuzelst schon.
Alice Loidl
Ja, was wirklich tatsächlich schon ein paar Mal drinnen war, ist ein ganzer Bioabfallbehälter. Der dürfte halt einfach beim Entleeren hineingestürzt sein und der wird dann ausgeleert. Sowas oder natürlich Tierkadaver und solche Sachen, das kommt öfter vor.
Simone Koren-Wallis
Also Tierkadaver gehört bitte auch nicht?
Alice Loidl
Nein, Tierkadaver gibt es eine eigene Tierkörperverwertung beim Schlachthof, dort kann man das abgeben. Brauchen wir nicht im Bioabfall.
Simone Koren-Wallis
Jetzt stehen wir da, steht schon groß das Schild Erdenverkauf. Das heißt, wir sind am Ende angekommen, da wo wir die Erde auch kaufen können. Gilt nur für Grazerinnen und Grazer?
Alice Loidl
Grundsätzlich kann jeder kommen und bei uns die Erde kaufen. Da schließt sich jetzt wieder wunderschön dieser Kompostkreislauf. Das ist einfach ein sehr schönes Paradestück, wie Kreislaufwirtschaft wirklich gut funktionieren kann und wie man wirklich eine hundertprozentige Verwertungsquote hat. Nämlich zuerst aus dem Bioabfall, aus dem Abfall, den keiner mehr haben will, dann wieder ein wertvolles Produkt zu machen, nämlich Gartenerde oder Qualitätskompost, den dann jeder Kunde, jede Kundin bei uns abholen kann. Entweder in losem Material, direkt zum Beispiel auf dem Anhänger verladen oder auch in kleineren Mengen. Und wir haben sogar kleine wiederverwendbare Kübeln für Garten- und Komposterde, die man da frisch befüllen kann. Wenn jetzt jemand nur ein ganz kleines Hochbett oder so hat, dann kann er daherkommen, sich zwei Kübeln holen und die mit nach Hause nehmen.
Simone Koren-Wallis
Und wenn man jetzt zum Beispiel kein Auto hat und man braucht trotzdem Erde, hat es noch einen ganz besonderen Service?
Alice Loidl
Genau, wir haben einen Erdenzustell-Service. Das heißt, die wird von uns auch geliefert mit dem Lkw direkt an den Ort des Geschehens. Man muss eben nur schauen, wie man zufahren kann und dann können wir die Erde auch zustellen.
Simone Koren-Wallis
Und dann kann gesetzt und geerntet werden?
Alice Loidl
Genau, dann kann gesetzt, geerntet werden, Gemüse, das dann nachher wieder zum Bioabfall wird. Und so kann man den Kreislauf quasi unendlich fortsetzen.
Jingle/Simone Koren-Wallis
21 Prozent aller unserer Wege gehen wir zu Fuß. Nur, was heißt das jetzt in der Stadt Graz? Wo hakt's? Wo geht's besonders gut? Das hört ihr in der nächsten Folge. Wir hören uns, ich freu mich!