Stadt Graz Podcast
Von der Stadt Graz gibt es was für die Ohren: Mit dem Podcast wird das breite Informationsspektrum der Stadt Graz um einen weiteren digitalen Baustein erweitert. Die Themen aus dem Magistrat und den Dienststellen sind bunt gemischt, die Tipps praktisch, knackig verabreicht und hilfreich, die Geschichte der Stadt launig erzählt. Alle zwei Wochen gibt‘s eine neue Folge.
Stadt Graz Podcast
Jeder Unfall ist einer zu viel: Gemeinsam für mehr Sicherheit in Bus und Bim
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Warum passieren Unfälle mit Bus und Bim? Welche Rolle spielen Smartphones, Kopfhörer und Zeitdruck? Und warum hat die Straßenbahn manchmal Vorrang, obwohl viele das nicht wissen? In dieser Folge geben Thomas Huber-Deutsch und Robert Schnur spannende Einblicke hinter die Öffi-Kulissen und verraten, wie wir gemeinsam den Verkehr in Graz sicherer machen können.
TEASER
Viele Unfälle sind so, wie man es sich vorstellt.
Notbremsung wahrscheinlich, oder?
Davon gar nicht so viele, wie man glaubt. Aber die gibt es natürlich auch. Wir haben wirklich ein Spektrum von A bis Z.
JINGLE/Simone Koren-Wallis
Geschwind noch über die Gleise, schnell noch rein in den Bus und vielleicht nebenbei noch aufs Handy schauen. Warum genau solche Momente gefährlich werden können, darüber sprechen wir in dieser Folge.
Thomas Huber-Deutsch
Hallo, mein Name ist Thomas Huber-Deutsch, ich arbeite bei der Holding Graz seit zwölf Jahren im Team der Betriebsleitung und bin für die Sicherheit bei den Graz Linien zuständig.
Robert Schnur
Begrüße, ich heiße Robert Schnur, bin bei der Verkehrssteuerung und aktiv im Tagesgeschäft. Wir begleiten wirklich den gesamten Betrieb von in der Früh bis zum letzten Fahrzeug, das wieder einzieht. Da sind wir, unser Team mit 24 Mann, tagtäglich vertreten.
Simone Koren-Wallis
Sicherheit für Bus und Bim. Warum ist das so wichtig und wieso ist es euch so wichtig, darüber zu informieren?
Thomas Huber-Deutsch
Wir müssen gesetzlich für die Sicherheit im Betrieb bei Bus und Bim sorgen. Das nehmen wir auch ernst als Graz Linien. Leider passieren trotzdem, weil wir uns ja im öffentlichen Straßenverkehr bewegen, quasi täglich Unfälle. Das kann viele Gründe haben. Einerseits ist unser Personal bestens geschult. Wir haben eine gute Ausbildung und Weiterbildung und können mit Gefahrensituationen auch gut umgehen. Unser Fahrpersonal, aber auch unser Personal in der Verkehrssteuerung, ist auf Unfälle und Vorfälle bestens vorbereitet.
Aber weil wir uns ja in der Öffentlichkeit bewegen, können wir nicht jeden Unfall verhindern. Und wir haben festgestellt, es gibt zwei Ursachen, die immer wieder vorkommen. Das eine ist die Unachtsamkeit aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, die sich im Straßenverkehr einfach immer bietet. Das ist sehr verlockend. Es gibt ein Handy, das man oft benutzt. Es gibt Kopfhörer. Man ist oft abgelenkt und plötzlich ist da die Bim, die Straßenbahn, der Bus. Manchmal wird auch ein Fahrzeug von einem anderen verdeckt und so schnell kann es gar nicht gehen, da ist dieser Unfall schon passiert. Und auf das möchten wir auch in unserer Sicherheitskampagne hinweisen.
Simone Koren-Wallis
Du kennst es ja auch aus eigener Erfahrung. Du sitzt zwar jetzt in der Zentrale, bist aber selber, glaube ich, auch früher gefahren, oder?
Robert Schnur
Ja, das ist richtig. Ich bin wirklich sechseinhalb Jahre am Stück Bus gefahren. Ich bin dann weitergewandert zur Verkehrssteuerung und zum Thema Sicherheit muss ich sagen: Dadurch, dass ich wirklich selber gefahren bin, ist es ein Wahnsinn. Man ist am Tag so viele Sekunden konzentriert, achtsam und wirklich permanent mit Rundumblick unterwegs. Und da reicht schon ein kurzes Ablenken. Es braucht so unfassbar wenig Zeit, dass – meistens Gott sei Dank nur Kleinigkeiten –, aber doch etwas passieren kann. Dafür kann ich auch aus eigener Erfahrung sprechen. Ich habe natürlich Unfälle gehabt, meistens Gott sei Dank unverschuldet, aber auch verschuldet, muss ich zugeben. Und das war so ein Moment.
Ich habe einen Knall im Bus gehört, ich habe in den Innenspiegel geschaut und ruckzuck habe ich ein Fahrzeug gestreift. Das geht so schnell. Also es ist immer möglich, dass etwas passiert. Das darf man echt nicht vergessen. Und deshalb stimmt es, dass man diese Kampagne braucht. Und ich sehe das als gute Sache.
Simone Koren-Wallis
Busfahrerinnen und Busfahrer oder auch die Bim-Fahrerinnen und -Fahrer werden ja super geschult. Man bekommt ja Fahrsicherheitstraining und so weiter. Also ihr versuchts bei den Graz Linien wirklich alle gut vorzubereiten.
Thomas Huber-Deutsch
Genau. Alle unsere Fahrerinnen und Fahrer bekommen neben der Grundausbildung, die sie haben, das heißt den Führerschein B, wenn sie bei der Straßenbahn fahren, und den D-Führerschein, wenn sie beim Bus fahren - den können sie übrigens auch bei uns im Unternehmen machen -Eine umfangreiche Zusatzausbildung. Diese beinhaltet neben den Vorschriften vor allem die Technik. Und uns ist wichtig, dass die Fahrer und Fahrerinnen auch auf Gefahrensituationen möglichst gut vorbereitet sind. Dafür gibt es eben, wie du angesprochen hast, ein Fahrsicherheitstraining. Da kann man schon einmal fühlen, wie sich der Bus verhält, wenn er ins Schleudern kommt, damit man von dieser Situation nicht überrascht wird. Bei der Straßenbahn beheben wir Störungen, wir kuppeln das Fahrzeug und wir gehen vor allem auch auf Probleme ein, die sich in letzter Zeit im Betrieb ergeben haben. Ganz besonders. Also da setzt man einen Schwerpunkt darauf, damit eben die Kolleginnen und Kollegen darauf vorbereitet sind, damit möglichst wenig Fehler passieren und einfach Sicherheit nicht nur im Betrieb vorhanden ist, sondern auch natürlich bei unserem Personal. Denn nur so können wir es schaffen, dass auch wir als Graz Linien insgesamt die Sicherheit für unsere Fahrgäste im Straßenverkehr bieten können.
Robert Schnur
Wir sind ja wirklich verdammt viel unterwegs. Ich kenne keine genauen Zahlen, aber wir haben täglich mindestens einen Vorfall, würde ich einmal sagen. Und an schlechten Tagen haben wir halt fünf, sechs, sieben oder acht Vorfälle.
Meistens sind es Gott sei Dank nur Kleinigkeiten, aber es gibt natürlich auch Vorfälle mit verletzten Personen.
Simone Koren-Wallis
Das reicht von bis? Also kann man da so einen Überblick geben? Das ist wahrscheinlich, wenn nur wer hinfällt, oder? Wobei „nur“ dann gut ist, weil man sich genauso verletzen kann. Aber das ist von bis?
Robert Schnur
Ja, nur hinfallen ist sogar eine ganz schlimme Sache. Wenn man bedenkt, was unsere Klientel ist. Wir haben ja wirklich von jung bis alt alles vertreten, alle Schichten und so weiter. Aber ältere Damen und Herren, die hinfallen, für die kann das eine ganz lange Leidensgeschichte werden. Also wir nehmen da immer Rücksicht darauf. Deshalb werden unsere Fahrer und Fahrerinnen so gut geschult. Aber irgendwann passiert es.
Für mich der Klassiker ist: Eine ältere Person setzt sich hin und genau beim Hinsetzen fährt der Kollege an und die Person verpasst den Sitz. Gott sei Dank haben wir das nicht oft, aber es passiert. Mit Oberschenkelhalsbruch und so weiter. Das ist immer eine langwierige Geschichte. Also man weiß schon: Die Person, die es jetzt erwischt hat, hat einen langen Weg vor sich.
Deshalb: Wir wollen das vermeiden, wir arbeiten alle daran, aber es kommt der Moment, da lässt sich etwas nicht vermeiden. Wir haben ganz selten aber auch schlimme Vorfälle. Und auch die wickeln wir natürlich ab, damit zum Schluss alles im Bestfall möglichst reibungslos weiterläuft, was sich auch nicht immer verhindern lässt.
Simone Koren-Wallis
Aber deswegen ist eigentlich das Mindeste, was man tun kann, sich festzuhalten, sich selbst zu schützen, oder?
Thomas Huber-Deutsch
Absolut richtig, absolut richtig. Das ist das zweite Thema, das wir gerne an die Öffentlichkeit richten wollen: Bitte festhalten. Und das gilt nicht nur während der Fahrt, sondern auch schon beim Einsteigen. Wir haben Unfälle, bei denen Personen über eine Stufe gestolpert sind.
Beim Einsteigen. Wir haben das natürlich, so wie Robert schon gesagt hat, bei der Fahrt. Man will sich schnell noch einen Sitz schnappen und da fährt das Fahrzeug schon an. Und wir haben das auch beim Aussteigen. Deswegen ist unsere wichtige Botschaft und unsere Bitte an die Fahrgäste: Nutzen Sie die Haltegriffe, sobald Sie zum Fahrzeug kommen und auch, wenn Sie das Fahrzeug verlassen, und natürlich während der Fahrt. Denn nur so können wir die häufigste Unfallursache, die wir im Betrieb haben, reduzieren und auch viele Verletzungen und Störungen im Betrieb vermeiden. Ganz interessant ist auch, dass wir Unfälle haben, bei denen Personen in ein stehendes Fahrzeug laufen.
Robert Schnur
Kommt tatsächlich vor. Viele Unfälle sind so, wie man es sich vorstellt.
Simone Koren-Wallis
Notbremsung wahrscheinlich, oder? Davon gar nicht so viele, wie man glaubt. Aber die gibt es natürlich auch. Wir haben wirklich ein Spektrum von A bis Z. Aber es gibt auch solche Unfälle, wie Thomas gerade gesagt hat. Du stehst da und da macht es „Bock“ und auf einmal hat einer eine leicht blutige Augenbraue. Gilt bereits als Verkehrsunfall. Rettung ist quasi immer dabei und die Polizei fast immer. Die kommen dann und dann wird das Ganze von uns abgewickelt, mit unserem Einsatzfahrzeug und unserem Mitarbeiter. Der hilft den Kollegen, der schaut, dass alle Daten ausgetauscht werden. Also wirklich wie ein kleiner Servicepoint. Aber das braucht es mittlerweile, weil sehr viele Personen aufgeregt sind. Niemand hat täglich einen Unfall, aber wir arbeiten täglich mit Unfällen. Das heißt, wir kommen, wir schauen, dass wir ruhig reden, wir schauen, dass wir sagen, was wir jetzt machen und wie es weitergeht.
Simone Koren-Wallis
Wir hatten ja letztes Jahr leider auch Todesfälle. Also das sind schon Geschichten, die vergisst man nicht, oder?
Thomas Huber-Deutsch
Das ist eine extrem belastende Situation für die Angehörigen und natürlich auch für unser Personal, die Kolleginnen und Kollegen und alle Beteiligten. Und wir müssen alles daran setzen, dass wir mit einer gründlichen Nachbearbeitung solcher Unfälle möglichst ausschließen oder das Risiko erheblich reduzieren, dass so etwas wieder passieren kann. Und dazu untersuchen wir wirklich jeden Unfall und Vorfall gründlich bei den Graz Linien, egal ob bei Bus oder Straßenbahn. Wir machen Auswertungen des Unfallhergangs, der Aussagen des Personals. Wir werten Geschwindigkeiten aus und, wenn verfügbar, auch auf Anforderung der Polizei die Videodaten, die uns sehr helfen und ein wichtiges Werkzeug sind. Und dann arbeiten wir ganz eng mit der Polizei und mit dem Magistrat Graz zusammen, haben dort auch eine Arbeitsgruppe Verkehrssicherheit, in der wir dann auch Verbesserungen im Verkehr und auf der Straße ausarbeiten können. Und ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Conrad-von-Hötzendorf-Straße, wo eben, wie du schon angesprochen hast, leider schwere Unfälle passiert sind. Hier wurde bereits eine Kreuzung umgebaut und die zweite – das war eine sehr positive Nachricht, die ich letzte Woche erhalten habe – die behördliche Verhandlung war positiv. Und die zweite Kreuzung wird in den nächsten Monaten noch verbessert, sodass es dort größere Aufstellflächen für die Fahrradfahrer gibt, die dann auch das Vorbeifahren der Straßenbahn gut abwarten können und somit auch ein Risiko dort aus unserer Sicht eingeschränkt werden kann.
Simone Koren-Wallis
Wieso sieht man das manchmal nicht? Dass man immer nur aufs Handy schaut oder ist es wirklich so, dass man dann, glaube ich, zu gutgläubig über die Straße geht? Wie gibt es das? Wie können diese Unfälle überhaupt passieren?
Robert Schnur
Also das Handy ist natürlich ein großes Thema, das stimmt definitiv. Das sieht man an jeder Ecke, dass das ein Problem ist. Es sind aber auch tatsächlich diese modernen Kopfhörer mit Noise Cancelling, also geräuschreduzierende Kopfhörer. Hinzu kommt: Unsere Fahrzeuge, so groß sie sind, so leise sind sie auch. Bei den Bussen sind die Motoren hinten, das heißt, man hört den Bus von vorne so gut wie gar nicht. Die Straßenbahn fährt sowieso elektrisch, wir haben jetzt auch Elektrobusse im Einsatz. Also die Fahrzeuge sind leise und sie sind ein so gewohntes Bild in der Stadt. Viel schneller, als man oft vermutet. Nicht weil sie zu schnell sind, sondern weil Fahrzeuge ständig losfahren, stehen bleiben, wieder losfahren. Das ist so ein gewohntes Bild. Wenn ich jetzt 20 Sekunden in die andere Richtung schaue und glaube, das Fahrzeug steht noch immer, fährt das Fahrzeug wahrscheinlich schon. Also es ist oft leider eine Fehleinschätzung dessen, wie es tatsächlich ist. In Verbindung mit Smartphones, in Verbindung mit diesen modernen Kopfhörern schauen die Menschen leider nicht genug. Das muss man wirklich sagen. Da passiert sehr, sehr viel, einfach aufgrund dessen, dass man sich auf etwas verlässt, das vielleicht schon 20 Sekunden her ist. Und unsere Fahrzeuge sind nur im Stop-and-go-Betrieb unterwegs. Das heißt: fährt los, Türen auf, Fahrgastwechsel, Türen zu, es geht weiter. Wenn es gut geht, dauert das genau 20 bis 30 Sekunden.
Thomas Huber-Deutsch
Und manchmal kann es auch vorkommen, speziell in der Haltestelle, dass ein Fahrzeug ein anderes verdeckt und plötzlich hinter diesem Fahrzeug eines hervorkommt und man nicht damit rechnet. Also speziell in der Haltestelle bitte auch immer darauf achten und erst das Gleis oder die Straße überqueren, wenn man sich sicher ist, dass auch kein Fahrzeug aus der Gegenrichtung kommen kann.
Simone Koren-Wallis
Denn die Straßenbahn hat Vorrang, gell?
Thomas Huber-Deutsch
Ganz genau, ja. Was nicht jedem bekannt ist, ist, dass die Straßenbahn auf einem Schutzweg ohne Ampelregelung Vorrang hat. Die Straßenbahn kann nicht ausweichen, sie hat auch einen längeren Bremsweg. Das möchten wir auch noch einmal jedem und jeder mitgeben. Und die Straßenbahn sollte man generell laut StVO nicht behindern, weil sie einfach der stärkere Gegner ist. Man muss es sagen: Die neuen Straßenbahnen haben ein Leergewicht von über 40 Tonnen und einen entsprechenden Bremsweg. Im Notfall kann die Straßenbahn auch schnell und sicher zum Stillstand gebracht werden, aber man darf den Bremsweg trotzdem nicht unterschätzen. Deshalb besonders am Schutzweg ohne Ampelregelung immer beachten: Die Straßenbahn hat Vorrang. Bei unseren neuen Straßenbahnen, den Flexitys, haben wir auch erstmals ein Fahrerassistenzsystem bei den Graz Linien im Einsatz. Das uns hilft, Hindernisse und Personen, die sich auf dem Gleiskörper aufhalten, rechtzeitig zu erkennen und auch, wenn es notwendig ist, eine Bremsung einzuleiten. Wir versuchen hier also wirklich auch technische Möglichkeiten auszunutzen, um den Fahrer und die Fahrerin zu unterstützen und natürlich die Sicherheit dadurch zu erhöhen.
Simone Koren-Wallis
Wenn wir jetzt abschließend alles noch einmal zusammenfassen: Was würdet ihr euren Fahrgästen gerne mitgeben?
Thomas Huber-Deutsch
Bitte seid achtsam im Straßenverkehr, aufmerksam auf die Gefahren, die überall lauern und speziell, wenn eine Straßenbahn oder ein Bus in der Haltestelle steht und man es eilig hat, auf die Warntöne achten. Wenn es Warntöne gibt in der Straßenbahn oder im Bus, dann schließen sich die Türen und das Fahrzeug steht vor der Abfahrt. Da bitte zurückbleiben und noch einmal durchschnaufen.
Robert Schnur
Da würde ich mich gerne anschließen. Wenn die Fahrzeuge einmal wirklich voll sind, können Sie gerne auf das nächste warten. Auf ein verspätetes Fahrzeug folgt meistens ein pünktliches. Das bedeutet, man muss nicht lange auf das nächste Fahrzeug mit ausreichend Platz warten, wo man sich sicher festhalten und weiterbewegen kann.