YEAHmedics
Hier kommt: #YEAHmedics – der Podcast für alle, die in der Welt der Medizin zuhause sind, sich dafür interessieren… oder einfach nur ein bisschen mehr YEAH im Leben gebrauchen können.
Warum dieser Podcast? Weil sich die Welt – besonders im Gesundheitswesen – immer schneller dreht.
Weil der Druck steigt:
- 🔺 Arbeitsverdichtung
- 🔺 Personalmangel
- 🔺 Dokumentationswahn
- 🔺 Kostendruck
Und mittendrin: Du.
Als Pflegende. Als Ärztin. Als Student. Als Mensch.
Wer kennt nicht dieses Gefühl … den Eindruck, in immer weniger Zeit immer mehr leisten zu müssen?
Zeit für ein Gegengewicht⚖️
Zeit für Inspiration, Zeit für Leichtigkeit, Zeit für Empowerment: Zeit für Deinen nächsten #YEAHmoment
Denn:
Nicht alles kann die Politik oder meine Chefin regeln.
Aber viel mehr als Du denkst – liegt in Deiner Hand. 💡
#YEAHmedics ist Deine Einladung:
➡️ zu mehr Selbstwirksamkeit
➡️ zu mehr Lebensfreude
➡️ zu neuen Perspektiven auf alte Probleme
In diesem Podcast bekommst Du:
✨ Gespräche mit inspirierenden Menschen, die den Unterschied machen
✨ Alltagstaugliche Life-Hacks, die wirklich was ändern
✨ Tools, Tricks & Templates, mit denen Du direkt loslegen kannst
✨ Und zwischendurch die eine oder andere Portion Gänsehaut, Mut & Motivation
Ob Du in der Notaufnahme, auf Station, am Schreibtisch oder im OP stehst,
ob Du gerade zwischen zwei Vorlesungen hängst,
oder ob Du einfach wissen willst, wie man trotz allem YES sagen kann zum Job und zum Leben – dieser Podcast ist für Dich.
Ladies & Gentlemen, hier kommt: #YEAHmedics -
🔊Jetzt überall, wo es Podcasts gibt 🎧
… & auf insta: www.instagram.com/yeahmedics
YEAHmedics
PILOT-Folge: Kochrezepte für mehr Sicherheit - vom Cockpit in die Notaufnahme mit Kapitän Claus Harder
Ein Cockpit und eine Notaufnahme haben mehr gemeinsam, als man denkt: Sekunden entscheiden, Teams müssen unter Druck funktionieren, und ein einziger Fehler kann alles verändern. Genau deshalb sitzt in Folge 1 kein Arzt, sondern ein Flugkapitän bei uns im Gespräch: Claus Harder nimmt uns mit ins Cockpit und zeigt, wie die Luftfahrt es geschafft hat, aus einem Hochrisikosystem eines der sichersten der Welt zu machen. Und warum sich davon eine ganze Menge eins zu eins in Klinik und Pflege übersetzen lässt.
Was dich erwartet:
- Der Moment im Cockpit, der Claus fürs Leben geprägt hat
- Warum Fehlerkultur in der Luftfahrt kein Buzzword, sondern gelebte Routine ist
- Checklisten, Closed-Loop-Kommunikation & Co. – was Medizin sich wirklich abschauen kann
- Der Perspektivwechsel: Wie sich ein Notfall im Flugzeug anfühlt, wenn du für 300 Menschen verantwortlich bist
💡 Ideen, Feedback, Gäste-Vorschläge oder ein Thema, das wir aufgreifen sollten?
Ich freue mich über jede Nachricht: kai@yeahmedics.com
👋 KONTAKT
E-Mail • Website • Instagram • LinkedIn
👥 TEAM
Technical Genius: Martin Lesniak
Konzept, Idee & Host: Prof. Dr. med. Kai O. Hensel, PhD
⚠️ DISCLAIMER
Der Podcast dient ausschließlich der neutralen Information, Fortbildung & Unterhaltung. Er ersetzt nicht die fachliche Beratung durch ein:e Ärzt:in oder Apotheker:in und darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose & Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden.
Für die Inhalte dieses Podcasts sind ausschließlich unsere Moderatoren und Gäste verantwortlich. Sie unterliegen dem wissenschaftlichen Wandel des Faches. Änderungen sind vorbehalten.
Wir befinden uns auf der Intensivstation und ein Patient ist ziemlich instabil. Die Atmung wird schwieriger, der Blutdruck fällt, die Herzfrequenz steigt an und wir haben so ein bisschen im Gefühl, da ist jetzt was im Argen und wissen aber gar nicht so richtig, was braucht der Patient eigentlich so richtig braucht. Und wie wir es haben kommen sehen, wird er plötzlich reanimationspflichtig. Und auf einmal hat man das Gefühl, jetzt ist alles wie ausgewechselt, weil der Reanimationsalgorithmus so bekannt ist, dass jeder weiß, was tut und jeder packt zu und es läuft. Und wir haben das Gefühl, okay, für diese Situation gibt es jetzt ein Kochrezept und es funktioniert und es läuft wie am Schnürchen. Und was Kochrezepte mit Sicherheit zu tun haben, darum geht es in der heutigen Folge.
SPEAKER_02Herzlich willkommen zum Yeah Maddox Podcast mit Kai Hensel.
SPEAKER_00Ja, moin und willkommen zu Folge 1. Ich freue mich ganz besonders. Seit über einem Jahr arbeite ich an diesem Podcast und der Idee, wie wir die Medizin ein bisschen verbessern können, wie wir über Year-Mentalität sprechen können und über alles, was Patienten sicherer machen kann und damit auch die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen am Ende bestärken kann und die Lebensqualität am Arbeitsplatz verbessern können. Und über vieles mehr. Und ich freue mich, dass ich als Gast Nummer eins für Folge Nummer eins Klaus Hader gewinnen konnte. Er ist Flugkapitän, er ist Ausbilder, er ist Simulationstrainer und vieles mehr. Er ist Social Media Star und er ist vor allem jemand, dem man sehr gut zuhören kann und der ganz viele wichtige Sachen zu sagen hat. Ich freue mich, dass er da ist. Hallo lieber Klaus.
SPEAKER_01Vielen Dank für die Einladung, lieber Kai.
SPEAKER_00Und er ist gerade, wie es sich für einen ordentlichen Flugkapitän gehört in LA. Und er hat, um jetzt hier dieses Video zu machen, sich einen Wecker gestellt. Weil bei ihm ist es gerade 1.30 Uhr nachts, er hat schon mal geschlafen, er geht auch dann wieder ins Bett. Und das ist ein beeindruckendes Commitment. Ich hoffe, wir können dem gerecht werden. Danke dafür. Und Klaus, wenn man dich jetzt nicht kennt, was findest du, sollte man jetzt über dich wissen?
SPEAKER_01Ach, ich bin einfach ein ganz normaler Mensch. Also ich bin aber daneben noch Flugkapitän und Ausbilder und erkläre Menschen, wie es eigentlich ganz gut funktioniert, wie man alle Probleme an Bord, die entstehen können, lösen kann oder wie man zumindest, du hast es gerade schon gesagt, ein Kochrezept haben kann. Das ist für mich immer das Allerwichtigste, damit man diese Probleme lösen kann oder damit man diese Probleme für ein kein wirkliches Problem darstellen. So wie die Fliege, die gerade auf meiner Nase gelandet sind, muss ich auch über das überlegen, wie ich damit jetzt gleich umgehe.
SPEAKER_00Und sag mal, gibt es ein Thema, für das du gerade besonders brennst, das dir gerade besonders wichtig ist?
SPEAKER_01Ja, es ist genau dieses Kochrezept, und das geht es mir, dass Menschen im Cockpit, die kümmere ich mich meistens, eine Idee haben, wenn sie ein Problem haben, wie kann ich damit umgehen. Das klingt jetzt irgendwie relativ banal, aber es ist ganz wichtig, eine Struktur zu haben. Eine Struktur zu haben, wie kann ich dieses Problem angehen, lösen oder wie kann ich eigentlich jedes Problem lösen. Und da finde ich den Begriff Kochrezept sehr passend, weil er drückt es ja genau aus und ist jetzt kein Airline- oder Flugspezifischer Begriff, sondern etwas, was man grundsätzlich im Leben benutzen kann. Es würde auch für die Medizin funktionieren. Es ist ja letztendlich wie, als wenn ich ein Pfannkuchen mache, dann sollte ich eine Idee haben, was ich tue. Deswegen ist es wichtig, dieses zu haben. Und das versuche ich zu vermitteln.
SPEAKER_00Okay, das passt ja sehr gut. Ist auch schon die Antwort eigentlich auf die nächste Frage, warum lädt er einen Piloten in einen Medizinen-Podcast ein? Ich glaube, dass der Umgang mit Fehlern und Problemen ist, was ist, was uns ganz besonders sozusagen viel Stress machen kann, wenn wir es nicht gut machen und ganz viel Sicherheit vermitteln kann, wenn wir es gut machen. Und ich glaube, die Flugsicherung, oder nicht nur, ich glaube, es ist so, die Flugsicherung ist ja etwas, wo sich die Medizin in Bezug auf Umgang mit Fehlern, Kommunikation, Klarheit und sowas alles, Strukturen, einige Scheiben von abschneiden, nicht nur kann, sondern das auch tut. Und deswegen ist es aus meiner Sicht, passt das ganz besonders, dass wir dich jetzt hier haben. Jetzt machen wir es doch direkt real und gehen in die klinische oder in eine direkte Situation rein. Wir gehen in deinen Dienst als Pilot und du hast für uns eine Situation, wo wir direkt mal mit anfangen können.
SPEAKER_01Back to reality, der Moment im Dienst. Also man ist über der Mitte des Atlantiks und sitzt da ganz normal und auf einmal sieht man Rauch im Cockpit, der sich entwickelt. Und das ist eine Situation, so wie alle Situationen, beginnen sie immer mit diesem Moment, dieses F-Wort oder was auch immer man dann sagen würde, wo man sagt, das kann jetzt ja nicht wahr sein. Und genau das ist die Situation, die dann passiert. Und das ist, wir nennen es so Startle a Surprise. Das heißt, im ersten Moment, wenn etwas geschieht oder was unerwartet, hat man einen sogenannten Startle oder Überraschungseffekt. Das bedeutet, man ist erstmal so leicht geschockt, beziehungsweise das kann ja nicht sein. Das hat jeder Mensch. Das hast du auch, wenn dir deinen Kaffee runterfällt. Das hast du auch in der Medizin, das hat jeder Mensch irgendwo. Das muss man sich auch klar machen und diesen darf man auch haben. Der dauert vielleicht eine Sekunde oder ein paar Sekunden, dass man den nicht unterdrückt. Das ist ganz normal. Dann ist aber wichtig, dass man dann ein Kochrezept hat, in das man einsteigen kann. Und das ist das, was denn da passiert. Also dann setzen beide Piloten als allererstes die Sauerstoffmaske auf. Die ist dann links und rechts und die setzt man dann auf, damit grundsätzlich man erstmal selber funktioniert. Das ist das Wichtigste bei diesem Kochrezept. Das bedeutet immer als erstes Fly, also das Flugzeug zu fliegen. Das mag jetzt banal zu klingen, aber das ist der wichtigste Aspekt, dass man erstmal das, was man gerade macht, weitermacht. Also erstmal überlebt, sozusagen. Erstmal an sich denkt und dann das Flugzeug fliegt. Und dann geht es darum, bei diesem Fly, okay, das Flugzeug selber fliegt, ich muss jetzt keine weiteren Handlungen machen. Wohin will ich eigentlich fliegen? Habe ich schon eine Idee? Will ich weiter gerade ausfliegen? Will ich umdrehen? Gibt es irgendwas? Nur wenn ich eine klare Idee habe, dass etwas besser ist, dann mache ich das. Oder wenn ich vielleicht wie auf dem Atlantik ein Problem habe, dann kann ich nicht einfach irgendwo hin sinken oder hinfliegen, weil sehr viele Flugzeuge unterwegs sind. Da gibt es spezielle Verfahren, an die ich mich halten muss. Und die Kommunikation ist auf dem Atlantik auch anders oder nicht ganz so einfach. Das muss ich bedenken. Und dann letztendlich das miteinander kommunizieren oder versuchen mit dem Blutlotsen zu kommunizieren. Das wäre so mal der erste Einstieg in dieses.
SPEAKER_00Jetzt sezieren wir das mal sozusagen Kapitel für Kapitel. Und ich mache immer die Translation in die Medizin. Also, wie wir eben am Anfang gesagt haben, einfach ein Patient gerät in massive Probleme, kriegt vielleicht keine Luft oder muss reanimiert werden, wird bewusstlos oder so. Wir haben mal so eine Notfallsituation, wie bei dir jetzt auch. Du hast sozusagen Rauch im Cockpit, da muss man ja davon ausgehen, okay, im worst case, also hier steht viel auf dem Spiel. Dann gibt es in der Medizin immer so eine Chaosphase, wo alle so zusammenwuseln. Wir haben ja nicht so sehr einen Pilot und andere anderen, sondern da ist ja jeder erstmal ein kleines bisschen Pilot. Vielleicht ist der Pilot noch gar nicht auf Station oder so. Und diese Chaosphase, die ist verschieden lang oder kurz. Du hast gerade gesagt, Sekunden. Ich glaube, wenn der Kaffee runterfällt, ist, glaube ich, die Komplexität der Situation ja nicht so hoch. In der Medizin dauert die immer viel länger als eine Sekunde. Was sind deine Strategien oder was sind so bekannte Schritte im Kochrezept, mit einer Chaosphase umzugehen?
SPEAKER_01Erstmal ist es wichtig, diese zu akzeptieren. Also, das mag in der Medizin sein, dass es ein bisschen länger dauert als eine Sekunde oder auch ein Cockpit dauert, das fällt auch ein paar Sekunden, die du brauchst, um es zu realisieren. Weil vielleicht das Thema komplexer ist. Wichtig ist zu akzeptieren, wenn ich versuche sofort zu handeln oder sie zu unterdrücken, dann ist es schwierig, weil ich dann diese Chaosphase bei dem anderen ja überspiele, beziehungsweise ich den gar nicht mitnehmen kann. Das heißt, ich muss erstmal das akzeptieren, diesen Moment, der wie auch immer lange dauert. Es darf nicht allzu lange sein, aber das ist ganz wichtig. Und dann kann ich in dieses Kochrezept einsteigen. Und das beginnt beispielsweise das Allerwichtigste, dass wir den Fehler benennen. Also wir sagen das, was es ist. Wie gesagt, der Satz fängt meistens mit diesem F-Fort an oder ja, ich möchte jetzt nicht so, aber das ist ja menschlich, auch das ist ja normal. Das wäre jetzt in deinem Fall ja auch so. Du hast einen Patienten, der jetzt, ja, der kommt ja ins Krankenhaus nicht, weil er super gesund ist, aber sieht jetzt erstmal gar nicht so schlecht aus. So, auf einmal merkst du, das geht jetzt hier ganz stark Richtung Süden. Dann wird der Arzt vielleicht auch sagen, oh F Punkt, Punkt, Punkt oder was auch immer.
SPEAKER_00Warte, ich habe da hier so einen Einspieler vorbereitet. Oh fuck. Okay, also der Oh fuck-Moment. In Ordnung. Genau.
SPEAKER_01Der Moment. So. Dann ist es wichtig, also, dass du das sagst, dass du auch diesen Start and Surprise hast und dann ist es wichtig, relativ bald irgendwann, wenn diese Chaos, was du sagst, oder dieser Start and Surprise Effect, dass man dann beginnt und sagt, was dieser Patient hat oder was wir für ein Problem haben. Das mag jetzt ganz banal klingen, aber ich gib immer gerne das Beispiel, ich würde jetzt im Simulator trainieren, man würde mehrere Tage lang Hydraulikfehler trainieren und es würde immer das gelbe Hydraulik-System ausfallen. Und jetzt fliegt man los auf einem Flug und auf einmal macht es Bing und das fällt das grüne Hydraulik-System aus. Dann kann es sein, weil ich das die ganze Zeit trainiert habe, dass mein mentales Bild so ist, dass ich weiß, was ich machen soll oder glaube zu wissen. Es ist aber ein ganz anderes System, was ausgefallen ist. Und wenn ich am Anfang sage, was Sache ist, also ich spreche genau das Problem an, benenne es ganz klar, fangen alle genau an der gleichen Stelle an. Alle beginnen genau an der gleichen Stelle mit der Bearbeitung des Problems. Was ganz, ganz wichtig ist, wenn man das nicht macht und Menschen an unterschiedlichen Stellen anfangen, dieses Problem zu bearbeiten, entstehen selbstgemachte Probleme dann in der Bearbeitung. Deswegen ist das als Beginn ganz wichtig.
SPEAKER_00Okay, also ich glaube, viel, was ich da auch höre, ist, dass man das halt, du simulierst ja, du hast ja ganz viel von Simulationstraining gesprochen. Das ist ja etwas, das werden wahrscheinlich, wenn es jetzt Laien zuhören, werden verwundert sein, dass in der Medizin gar nicht so viel simuliert wird, wie man sich das wünschen würde. Und wie das beim Cockpit, ist es ja bei euch Pflicht, oder? Das kannst du dir ja gar nicht aussuchen. Ihr müsst ja Simulationstrainings machen. Genau. Und da kann man wahrscheinlich auch irgendwie durchfallen, könnte ich mir vorstellen, oder?
SPEAKER_01Das ist richtig. Wobei, wir nennen das more Trainingless Checking, weil die Sache des Durchfallens ist nicht der Aspekt. Das ist wichtig natürlich, dass man nur Piloten das Cockpit lässt, die auch in der Lage sind, das zu behandeln. Aber wir sehen das eher so, dass wir versuchen, die Leute zu trainieren. Das heißt, wenn jemand in diesen vorgegebenen Simulatorschichten oder in der vorgegebenen Simulatorzeit jetzt nicht hinbekommt oder nicht gut genug ist, bekommt er extra Training. Weil wir eben wissen, dass diese Leute grundsätzlich geeignet sind und dann brauchen sie vielleicht nur etwas mehr Training, um wieder genau auf dem Stand zu sein oder an den Stand zu kommen.
SPEAKER_00In der Medizin ist natürlich ein Problem, ich glaube, niemand hört das und sagt, Training wollen wir nicht oder machen wir nicht. Aber auf der anderen Seite ist das medizinische System oft so getaktet und so hoch frequentiert, dass dafür kein Platz sozusagen vorgesehen ist. Was würdest du dazu sagen? Also wenn jemand sagt, ich finde das gut, aber schaffen wir nicht. Wir haben immer Patienten, immer Stationen, wir sind immer so besetzt, dass es gar nicht anders geht, können wir nicht. Was sagst du denen?
SPEAKER_01Ja, also ich meine, ich finde mit Training ist es halt so wie mit Hubraum bei Autos. Also das kann man durch nichts ersetzen, außer durch noch mehr Training oder noch mehr Hubraum. Also deswegen, letztendlich ist Training in meinen Augen sehr wichtig. Ist immer die Frage, wie ich das machen kann. Ich kann es natürlich auch im normalen Alltag machen. Ich kann natürlich auch im normalen Alltag, im klinischen Alltag genau dieses auch immer wieder machen. Dazu gehört viel Disziplin, was ich jetzt sagte, wenn ich zum Beispiel dieses Problem beginne, mit dem ich es benenne, dann mag das manchmal total banal klingen. Also du hast jetzt jemanden, der hat einen gebrochenen Arm, bekommt das Krankenhaus jetzt, beispielsweise um eine Situation zu nehmen, die jetzt vielleicht nicht wahnsinnig dramatisch ist. Und der würde jetzt einer anfangen und sagen, oh, wir haben hier gebrochenen Arm. Dann könnte es sein, dass die anderen sagen, ja, das sehe ich ja selber, was soll das, ja? Aber es könnte trainieren, dass das immer grundsätzlich der Ablauf ist. Natürlich ist ein gebrochener Arm nichts Lebensbedrohliches. So stelle ich mir das jedenfalls so vor, so würde das eben ablaufen, aber das wäre so das Vergleichbare. Aber ich kann dieses Kochrezept oder die gleiche Herangehensweise an solchen Sachen ja auch trainieren, quasi am normalen Patienten.
SPEAKER_02Daran wird nicht gerüttelt.
SPEAKER_00Gibt es ideale oder kommunikative Abläufe, wo du sagen würdest, das ist für mich Ehrensache oder mehr noch Gesetz. Das geht nicht anders. Das mache ich immer so oder machen wir in der Flugindustrie immer so. Damit ein Problem nicht entsteht oder nicht größer wird, als es sein muss oder so. Hast du so non-negotiables, also Sachen, die nicht verhandelbar sind?
SPEAKER_01Ja, also wir gehen sehr oft miteinander um. Das heißt, wir sprechen unsere Ängste aus, was wir haben oder Befürchtungen oder wir besprechen die Ideen. Ich motiviere jeden Co-Pilot, mit dem ich fliege. Wenn ich Ausbildung mache, kommt die Situation, dass ich mit einem Co-Pilot fliege, der seit 14 Tagen fliegt und ich fliege jetzt seit 30 Jahren. Ich sage, egal was es ist, wenn du irgendein Gefühl hast, hier stimmt irgendwas nicht, sag es bitte. Ist völlig egal. Es ist sehr wahrscheinlich so, dass ich mehr Erfahrung habe als du, aber du bist ja meine Lebensversicherung, weil du kannst mich mir auch auf einen Fehler hinweisen, den ich vielleicht nicht gesehen habe oder was ich übersehen habe oder eine Kleinigkeit. Das ist ganz wichtig. Es ist ganz wichtig, das so wahrzunehmen und auch zu adressieren. Und das andere, was ich versuche immer zu vermitteln, ist, stellt bitte Weh Fragen. Also gerade die Kapitäne, die viel Erfahrung haben, sollten erst den anderen Kollegen fragen, was wäre seine Meinung, der jetzt weniger Erfahrung hat. Weil nur dann habe ich eine Chance, einen zusätzlichen Aspekt zu bekommen. Wenn ich jetzt dem sage, ja, das machen wir so oder so, oder denkst du das nicht auch, Kevin, oder so, sondern ich frage, sag mal, Stefan, wie würdest du das denn jetzt machen? Oder Stefan, wie würdest du die Situation jetzt beschreiben? In dem Moment, wo ich eine W-Frage stelle, kann er ja nicht nur mit Ja oder Nein antworten. Also muss er irgendwas dazu sagen oder sie, ja. Und das wäre etwas, was nicht verhandelbar ist, weil das eine essentielle Kommunikationsstrategie ist, miteinander umzugehen.
SPEAKER_00Das ist, ich möchte jetzt gar nicht zweifeln, sondern ich übersetze mich nur, äh, versetze mich herein in jemanden, der uns zuhört und der sagt, ja, aber das ist bei uns ja gar nicht gewünscht. Also meine Oberärztin, ja, die ist so streng und die sagt, wie das ist und die will gar nicht wiederholen, ob der Arm gebrochen ist und die will auch gar nicht meine Meinung dazu wissen oder so, ja. Was würdest du der sagen?
SPEAKER_01Ja, da würde ich ihr sagen, ja, aber das ist ja, guck mal, das, was ich ja beschreibe, ist ja nur Crew Resource Management. Das bedeutet übersetzt, ich nutze alle Ressourcen, die ich habe. Ich würde auch den Flugbegleitern sagen, wenn ihr was habt oder wenn euch was auffällt, bitte sagt mir Bescheid. Selbst wenn ein Patient, äh, wenn ein Patient, wenn ein Passagier sagt, da ist ein Loch im Flügel, dann nehme ich das erstmal ernst, obwohl ich sehr sicher bin, dass da keins ist, sondern es sieht für ihn vielleicht so aus. Und das, wenn ich das, also das kann ich immer nur motivieren, da einen Oberärzt oder einen Chefarzt zu sagen, versuch bitte deine Ressourcen alle zu nutzen. Ich gebe immer gerne das Beispiel von meinem Zahnarzt, der durchaus ein recht dominanter Typ ist, was ja auch völlig okay ist. Und ich habe sie ihm gesagt, eigentlich wäre es doch wichtig, bei jedem Patienten deine Zahnarzthelferin zu fragen, ob sie das genauso sehen würde oder ob sie das Gefühl hat, dass sie irgendwas anders ist. Oder sie zu motivieren, wenn irgendwas anders ist, dass sie das sagt, weil sie ja zwar keine Medizin studiert, aber sie schaut dir 20 Jahre lang zu. Das heißt, sie hat ja eine Ressource, sie sieht vielleicht etwas, was dir ja gar nicht auffällt. Oder sie merkt, okay, hier ist heute irgendwas anders. Und selbst diese unklaren Bedenken kann sie ja äußern. Und das ist ja ein Informationsgewinn. Der Grund, es nicht zu machen, hat ja nur hierarchische Gründe. Es gibt ja, also wenn es um die Information oder die Verbesserung der Qualität geht, dann ist es ja immer gut, das zu machen. Das ist ja nur die Befürchtung, dass sich mehr meine Position hier irgendwie in Frage gestellt wird. Und das sollte man, glaube ich, nehmen, weil diese Position stelle ich ja durch solche Sachen nie in Frage. Ganz im Gegenteil. Ich verbessere ja die Leistung des gesamten Teams.
SPEAKER_00Jetzt gehen wir mal noch in eine Geschichte rein, wo ein Patient bei euch an Bord verstorben ist.
SPEAKER_02Oh shit, die Kacke ist am Dampfen.
SPEAKER_00Okay, also du bist ihr seid an Bord, sozusagen, ihr seid mitten in der Luft und plötzlich geht es einem Patienten schlecht. Was ist passiert?
SPEAKER_01Richtig. Ja, ein Patienten geht es schlecht. Es war die Vermutung, er hätte ein Stück Fleisch gegessen, ist verschluckt und bekommt keine Luft mehr. Das war die Information, die wir bekommen haben. Und wir haben dann relativ gutes Equipment an Bord, also auch einen Defibrillator bzw. der misst halt die Vitalwerte dieses Patienten. Und wir hatten auch einen Arzt an Bord. Und dann waren die Vitalwerte halt nicht gut oder eher schlecht. Was wir dann eben auch haben, ist die Möglichkeit, eine Hotline anzurufen über Satellitentelefon und zu fragen, okay, wie würde ein Arzt am Telefon das beurteilen? Und gegebenenfalls, wo wäre, von der Position, wo wir uns befinden, eine Möglichkeit, diesen Patienten in ein Krankenhaus möglichst schnell zu bringen? Weil wir wissen zwar, wo wir möglichst schnell landen können und können das beurteilen, aber wir wissen natürlich nicht unbedingt, ob in Thule in Grönland ein Krankenhaus ist oder in Fortaleza in Brasilien oder in Kinshasa im Kongo. Oder ob das realistisch zu erreichen ist, beziehungsweise ob da dem Patienten überhaupt gut geholfen werden könnte. Das versuchen wir alles abzuwägen, wieder mit dieser Struktur. Und ja, dann haben wir uns, das war ein Flug von Südamerika zurück nach Deutschland und dann haben wir uns entschieden, dass wir in Recife in Brasilien landen. Mussten wir einen früher Sprit ablassen. Und es wurde während des Landeanflugs, des Sinkfluges, immer wieder Wiederbelebung gemacht, weil es ist die ähnliche Situation eingetreten, wie du beschrieben hast, dass der Patient denn sehr schwache bis kaum wahrnehmbare Vitalwerte hatte und es auch gar nicht klar war, weil er hatte auch einen Herzschrittmacher, ob diese gemessenen Vitalwerte von dem Herzschrittmacher stammen oder ob der Mensch überhaupt noch lebte. Darauf entschied sich, daraufhin entschied sich der Arzt an Bord dann, einen Luftröhrenschnitt zu machen, um auszuschließen, dass es nicht dieses Stück Fleisch war. Was man sich natürlich vorstellen kann, durchaus dramatisch ist. Also weil es war natürlich dann sehr viel Blut da, weil es eben vielleicht auch nicht ganz sauber gesetzt wurde. Und am Ende des Tages sind wir halt gelandet und die Paramedics, die an Bord gekommen sind in Recife, haben dann noch Wiederbedingungsversuche gemacht für 30 Minuten, aber dann war es halt so, dass der Patient verstorben war. Und vermutlich war es eben ein Herzinfarkt oder Schlaganfall im Nachhinein gesehen. Das war in der Situation nur sehr dynamisch und man muss dann ja erstmal versuchen, ja, das weißt du alles viel besser, was man machen muss, aber so ist diese Situation dann da gewesen. Es war natürlich, es war eine sehr dramatische Situation, weil dieser Patient natürlich da an Bord war. Es waren ja alle Menschen auch an Bord. Es ist ja nicht so viel Platz und alle haben das mitbekommen. Das war eben interessant. Die meisten Menschen haben ganz toll reagiert. Sie haben dann den Flugbegleitern, dem Flugbegleitern ein Hemd von sich angeboten, was sauber war, weil das war voller Blut. Aber es haben auch zwei Passagiere sich darum gestritten, ob sie auf dem frei gewordenen Platz dieses Patienten sitzen dürfen. Und als ich das mitbekommen habe, habe ich gedacht, okay, jetzt verstehe ich auch, warum Menschen so Aufnahmen auf Autobahnen machen. Also Menschen reagieren manchmal sehr, sehr eigenartig. Ja, das war so ein Moment.
SPEAKER_00Und wenn du jetzt zurückspulen würdest, würdest du etwas anders machen jetzt mit diesem Wissen? Also, das ist ja auch so eine Art Simulationstraining oder Erfahrung, die man sammelt. Manches macht man ja dann doch anders.
SPEAKER_01Ja, also im Groben nicht. Letztendlich ist es ja hier so, die Entscheidung, jetzt einen Luftröhrenschnitt zu setzen, war natürlich eine Dramatisierung der ganzen Situation. Natürlich der Versuch dieses Arztes, den Menschen das Leben zu retten. Jetzt, wenn man es im Nachhinein wüsste, müsste man es vielleicht nicht machen. Das ist eher eine medizinische Frage. Das kann ich nicht beeinflussen und würde ich mir auch nie anmaßen, einem Arzt da zu sagen, was er da tun sollte oder nicht. Das wäre so das Einzige. Jetzt von der Handlung her ist es auf jeden Fall richtig, würde ich das wieder machen, genau wieder dann da auszuweichen, zu landen. Man muss ja viele Dinge noch weiter bedenken. Man muss Sprit ablassen, damit man unter das maximale Landegewicht kommt. Man könnte auch mit einem höheren Gewicht landen, dann hat man die Problematik aber, dass man dann eventuell das Flugzeug inspizieren muss, ob das alles in Ordnung ist, weil die Landung mit einem sehr hohen Gewicht stattgefunden hat, was wiederum zu Verzögerungen führen kann. Und die Frage auch, ob jemand ein Mechaniker am Boden ist, der dafür zertifiziert ist, das zu machen. Also es gibt verschiedenste operationelle Aspekte, die man auch bedenken muss. Das Leben des Patienten geht natürlich immer vor oder des Menschen. Aber diese ganzen anderen Dinge sollte man als Kapitän natürlich immer im Blick behalten, dass die jetzt nicht ganz unwichtig sind. Weil ich kann ja nicht, um das Leben zu retten, eines Einzelnen, alle anderen Patienten auch in eine Gefahr bringen. Also sprich, ich würde jetzt in einem Krisen- oder Kriegsgebiet landen, wäre das sicherlich nicht unbedingt hilfreich. Und das ist manchmal, oder das ist manchmal sehr herausfordernd, da eine Abwägung zu treffen.
SPEAKER_00Da gibt es ja viele Parallelen in die Medizin, oder? Also, wenn wir jetzt als Notärztin draußen unterwegs sind, muss man sich ja nicht nur überlegen, wie reanimiere ich mich. ich jetzt diese Patientin hier draußen im sechsten Stock, sondern auch, wie ist meine Exit-Strategie, wie komme ich hier raus, unter Reanimation oder nicht? Welche ist die beste Klinik, welche Ressourcen habe ich und so weiter. Wenn ich einen Patienten, wenn ich Equipment brauche, um einen Patienten zu retten, habe ich das Equipment überhaupt? Gleich brauche ich es vielleicht noch woanders, wie ist es am besten eingesetzt? Das heißt, alle diese Sachen, was ich jetzt davon mitnehme, man hört uns zu und sagt, okay, das ist eine krasse Geschichte, interessant, dass andere auch durch sowas durch müssen, da fühle ich mit oder so. Was lerne ich daraus? Immer mehr ja dieses Kochrezept, oder? Dass man sich vorher probiert, damit sozusagen, und auf eine Art ist es banal, aber ich glaube, wenn jeder, der uns jetzt zuhört, einmal überlegt, was sind die letzten drei bis fünf totalen Problemsituationen, auf Fuck-Momente, in denen ihr jetzt mal wart. Und egal ob das in der Klinik ist, in der Praxis, draußen im Notarzdienst oder auch privat, wie oft seid ihr das im Kopf schon mal durchgegangen oder habt sogar eine wirkliche Checkliste und einen Algorithmus, den ihr klar vor Augen habt, dann wird man sehen, ja, ihr habt das alle, jeder macht das immer irgendwie. Und auch die Erfahrendsten, aber so richtig, dass man so Studierenden das beibringen könnte, weil man das so klar vor Augen hat, ist es dann oft doch nicht. Insofern ist das doch ein guter Appell, sich damit einmal nochmal mehr zu beschäftigen. Yo und no. Daumen hoch, Daumen runter. Klaus, wofür kriegt man von dir im Leben den Daumen runtergezeigt?
SPEAKER_01Den Daumen runter, ja, wenn man keinen Respekt gegenüber anderen Menschen hat. Egal wo sie herkommen, welche Hautfarbe, welche religiöse Einstellung, whatever. Also Respekt habe ich irgendwie bei jedem. Das ist Daumen hoch.
SPEAKER_00Und Daumen, genau, ähm, den Daumen runter für sozusagen keinen Respekt. Und wofür kriegt man den Daumen hoch?
SPEAKER_01Ja, den Daumen hoch ist, wenn man das macht und wenn man vielleicht grundsätzlich positiv ist im Leben. Grundsätzlich, das Leben ist schön. Ich bin in sehr vielen Ländern dieser Welt gewesen, die auch vielleicht manchmal keinen guten Ruf haben. Ja, ganz egal, ob es Afrika oder Russland ist oder Gott weißt du. Aber ich treffe dort fast nur sehr positive Menschen. Vielleicht liegt es auch ein bisschen an mir, aber ich wollte nur damit sagen, es gibt in jedem Land dieser Welt sehr viele ganz tolle Menschen. Das darf man nicht vergessen.
SPEAKER_00Da gibt es ein Yeah für. Okay, jetzt gibt es ja Situationen, da hast du das Gefühl, das waren ja gerade Negativaspekte oder was, was schlecht gelaufen ist oder was zumindest dich einmal so richtig geerdet hat. Jetzt drehen wir es mal um und denken mal an das Positive. Hast du einen Yeah-Moment, eine Situation, wo jemand du oder jemand irgendwas gemacht hat oder irgendwas passiert ist, wo du sagen würdest, das erzähle ich besonders gern. Das war richtig geil. Und genau dafür mache ich den Job so gerne.
SPEAKER_01Weißt du, wenn Sachen funktionieren, also wenn ich ja als Ausbilder Menschen trainiere und ich gebe ihnen zum Beispiel ein Kochrezept mit oder ich trainiere das im Simulator. Und diese Menschen schreiben mir dann ein halbes Jahr später oder ein Jahr oder zwei Jahre später, sie hatten eine Situation und sie haben das anwenden können und das hat wahnsinnig funktioniert und sie sind glücklich oder dankbar dafür. Oder wenn man das selber in einer Situation merkt, dass dieses, was man immer wieder versucht, den Menschen zu vermitteln und zu erklären, für einen selber, wenn es wirklich funktioniert, das ist auf jeden Fall ein Yeah-Moment. Also auf jeden Fall. Weil es ja dann, nur dann ergibt es ja Sinn, wir machen das Training ja nicht um das Trainingswählung oder wenn ich am Ende jemand sage, das hast du aber toll gemacht, Jürgen, oder ich mache da einen Mikimaus-Sempel darunter. Nee, wir machen das ja, damit wir für die Realität, für diesen einen Moment, der vielleicht irgendwann mal oder vielleicht auch nie eintritt, dafür machen wir das, dass wir da letztendlich dann das anwenden können. Und wenn das funktioniert, wenn ich das mitbekomme, weil mir jemand das als Feedback schreibt oder ich das vielleicht selber in der Situation erlebt habe, ja, würde ich sagen, das ist ein Yeah-Moment.
SPEAKER_00Mein Game Changer. Es gibt ja Situationen, wo man im Nachhinein sagt, boah, das war das hat echt einiges verändert. Das habe ich gar nicht so unbedingt so kommen sehen, aber das war ein ziemlicher Game Changer für mich. Das können Menschen sein, die in ein Leben getreten sind, das kann ein Buch sein, das du gelesen hast, das kann eine Situation sein oder ein Gespräch sein. Hast du ein Beispiel für uns für einen Game Changer, wo du sagen würdest, nach diesem Event, nach dem, was da passiert ist, hat sich mein Blick auf etwas oder mein Leben oder wie auch immer du es formulieren willst, verändert?
SPEAKER_01Das erste Mal, wo ich vielleicht ganz bewusst die Perspektive wechsle, weißt du, wo ich mich als Ausbilder in die Rolle des anderen reinversetze. Wenn ich das mal sehe und mich von außen zu betrachten, das ist wirklich ein Game Changer, in dem ich den anderen auch vielleicht wirklich frage, wie siehst du mich eigentlich? Oder wirklich wissen will, okay, wie wirklich dann bringt es überhaupt das, was ich dir erzähle? Das ist ein Game Changer, weil ansonsten machst du ja etwas nur für dich selber. Aber dann hat es doch wirklich eine Wirkung nach außen. Und letztens, jetzt habe ich vor kurzem, nee, auf dem Flug hier nach Los Angeles habe ich ein Buch gelesen über Ikigai, also eine japanische Art zu leben. Das fand ich jetzt, also Game Changer kann immer stattfinden, aber das fand ich extrem inspirierend und ganz toll. Also es sind manchmal auch eher die kleinen Momente. Ich muss jetzt nicht irgendwas Wahnsinniges haben, sondern es sind immer, wie im Leben immer, es sind immer die Details, auf die es ankommt oder die kleinen Momente.
SPEAKER_00Das musst du einmal einordnen, wenn du, wenn du nach Los Angeles fliegst und dabei ein Buch liest, bist du dann in dem Moment nicht selber auch der Pilot gewesen.
SPEAKER_01Nein, nein, genau, ich bin, sorry, ich war der Patient, der Passagier war ich in dem Fall und habe dieses Buch gelesen. Genau, so ist es so.
SPEAKER_00Alright, nicht, dass die Leute da draußen denken, alles klar, die lesen spannende Bücher, während die uns über den Atlantik fliegen. Nein, nein, nein, nein, nein. Und ich glaube, da können wir nochmal weiter tiefer reingehen in dieses Thema Perspektivenwechsel. Hast du für uns eine Situation, wo du sagen würdest, da hatte ich ein Missverständnis, da haben wir ein Problem oder da lohnt sich der Perspektivenwechsel, den du uns jetzt plastisch an einer Geschichte ganz konkret berichten kannst.
SPEAKER_02Sechs oder neun.
SPEAKER_00Denn von der anderen Seite sieht die Sex ja wie eine neun aus und ist auch beides richtig. Und wir Menschen haben ja immer diesen Curse of Knowledge. Also wir wissen, was wir wissen und gehen eben auch davon aus, dass mein Gegenüber genau das gleiche auch weiß. Und das ist ja oft eben überhaupt nicht so. Hast du da ein schönes anschauliches Beispiel?
SPEAKER_01Auf jeden Fall. Also diese Situation, ich bin als Ausbilder und Prüfer in einem Simulator und es sitzen mir zwei Piloten gegenüber, Mann und Frau. Und ich beurteile diese Leistung irgendwann, also versuche natürlich Training zu machen und sage dann, okay, das und das hat mir nicht so gut gefallen, beziehungsweise da war die Aufmerksamkeit nicht da oder habe das so den versucht mir zu teilen. Und wir versuchen immer Piloten in verschiedenen Kompetenzen zu beurteilen. Also Piloten haben neun Kompetenzen, die wir beurteilen. Und die müssen sie alle ausrechend gut machen, aber das machen sie in der Regel auch. Und das ist das, was wir beurteilen. So können wir sehr genau sagen, okay, da liegen vielleicht Stärken oder Schwächen. Ich sage dir mal ganz gerne, falls zu Hause mal jemand fragt, was kannst du denn eigentlich sage ich, ja gut, diese neuen Kompetenzen, die kannst du sogar so gut, dass du Geld dafür bekommst. Aber was das Entscheidende ist, jetzt habe ich da Kritik geübt und habe gesagt, okay, das hat mir nicht gefallen. Was ich nicht gesehen habe, war, dass dieser Kollege oder diese Kollegin vielleicht seit zwei Tagen nicht geschlafen hat, weil sie müde war, äh, nicht weil sie müde war, sondern weil sie aufgeregt war vor dieser Prüfung. Weil sie wollte einfach oder hatte Angst davor, was da passiert. So, sie kannte mich vielleicht auch nicht, jetzt sehe ich, wenn ich so irgendwie rumlaufe und nicht lache, sehe ich vielleicht auch schreng oder ernst aus oder weiß ich nicht was. Und das waren alles Punkte, die ich nicht wusste. Gleichzeitig war noch etwas Privates, was eine Rolle spielte in ihrem Leben, was sie eben auch noch, was den Rucksack erhöhte. Und das war ein Moment, der mir klargemacht hat, ich muss immer wieder versuchen, mich in die Rolle des anderen, also auf die andere Seite des Schreibtisches zu versetzen. Was würde der jetzt denken? Oder wenn ich jetzt auf die Medizin sehe, ich bin jetzt der Oberarzt oder der Chefarzt, dann muss ich überlegen, mich immer wieder fragen, okay, was würde jetzt dieser, wie würde mich eigentlich dieser Assistenzarzt oder dieser Arzt im Praktikum, wie würde der mich eigentlich jetzt gerade sehen? Und ist da vielleicht etwas, was ihn grundsätzlich nicht stören würde, was grundsätzlich verhindern würde, dass ich überhaupt etwas weitergebe, weil er eben Angst vor mir hat, das könnte ja sein, oder weil er Angst hat wollte, einen Fehler zu machen. Und diesen Perspektivwechsel, den versuche ich immer zu machen, wenn ich Ausbildung mache und versuche ich auch anderen Ausbildern mitzugeben, sich das immer wieder bewusst zu machen. Wenn man häufig im Simulator ist, häufig Training macht oder Prüfungen abnimmt, dann kann es sein, dass man sich eher um sich selber dreht und versucht, dass seine Sachen funktionieren, die Präsentationen, die man macht, dass sie gut ist. Aber ganz wichtig ist immer die Rolle, einmal vorher zu drehen und zu sagen, okay, wie hat derjenige eigentlich geschlafen? Wie geht es dem eigentlich? Wie ist eigentlich? Und er wird es dir in der Regel nie sagen. Also du fragst jetzt den anderen, na, habt ihr gut geschlafen? Werden die immer sagen, super. Aber ganz oft ist es eben nicht so.
SPEAKER_00Jetzt gehen wir mal noch einen Schritt weiter mit diesem Wissen, dass sich der Perspektivenwechsel lohnt. Und das ist jetzt eine kleine praktische Übung für alle, die uns jetzt zuhören. Wir halten uns jetzt mal den Spiegel vor und probieren das auch mitzumachen. Spieglein, Spieglein an der Wand. Jetzt kann jeder mal überlegen, was war das letzte Missverständnis, das ihr hattet? Die letzte Situation, wo ihr euch vielleicht geärgert habt oder wo was nicht gut gelaufen ist, wo ihr mit dem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden seid, was auch immer, oder vielleicht sogar der Streit. Und die Situation hat jetzt glaube ich jeder vor Augen oder Uhren. Ein Bild davon und jetzt versetzt euch mal in die andere Person rein. Ganz konkret. Mein Ehemann, my tochter, mein Vorgesetzter, who auch immer, the intensivpflegekraft, the Oberarzt, you name it. Welches Wissen über diese Situation had er? Is this the gleiche, what I also had? It's jack oft schon mal nicht so. Was hat der vielleicht mit was hat er bis to the Zeitpunkt dieses Streits, was glaubt ihr, war an dem Tag sein Hauptproblem oder sein Agenda? Wo wollte der heute noch hin? Mental oder körperlich? And aline with diesen zwei, drei Fragen, und da gibt es noch tausend andere, die man sich eben auch fragen stellt, was ist sein Wertesystem? Was ist ihm oder ihr besonders wichtig, ja? Sind das die gleichen Werte, die mir wichtig sind? Der eine will vielleicht einfach nur nach Hause oder der hat gerade Trouble, den gar keiner sieht, der denkt gerade an was ganz anderes. Der möchte, dass der Patient seine Medikamente nimmt oder so und ihr möchtet was ganz anderes. Das heißt, und das ist ja nicht das eine richtig und das andere falsch, sondern es ist ja oft eine Mischung oder er existiert nebeneinander her. Und ich glaube, diese Fragen, wenn man das jetzt schon tut, werden wahrscheinlich viele merken, okay, daran habe ich jetzt in dem Moment gar nicht so gedacht. Und das ist so eine Möglichkeit, sich ab und zu mal diesen Spiegel vorzuhalten oder diesen Perspektivenwechsel zu machen. Das klingt so abgedroschen, aber man macht das nie. Und das lohnt sich auf jeden Fall. Ob man das jetzt Simulationstraining nennt, ob man sich mal kurz in sich selber besinnt, das ist sicherlich was, was den Horizont erweitert und die Kommunikationsebene dann auch wieder öffnet, um über neue Sachen zu sprechen.
SPEAKER_01Ja, exakt. Es ist auch, also das geht ja ganz klar einher auch mit Kommunikation. Kommunikation ist ja nicht das, was du sagst. Kommunikation ist ja das, was der andere versteht. Jeder, der schon eine WhatsApp geschrieben hat, weiß genau, was ich meine. Es gab einen Vorfall, was die Fliegereien geht, die das ganz klar oder ganz bildlich macht. Und zwar war ein Flugzeug und machte gerade Pushback, also wird von unserer Position zurückgestoßen und jetzt hatte eine Hydraulikleitung ein winziges Leck und es ist Hydraulikflüssigkeit auf ein heißes Rohr von der Klimaanlage getropft. Und hat in einem Bereich des Flugzeuges so weißen beißenden Qualm erzeugt. Jetzt hat die Flugbegleiterin im Cockpit angerufen während dieses Pushbacks, dass dieser weiße beißende Qualm hier kommt, die Leute sich Sachen vor die Nase halten, weil sie es nicht mehr aushalten. So daraufhin hat der Kollege dann den Pushback beendet. Man hat auch alles abgeschaltet. Vorne war keinerlei Warnung zu erkennen. Also nichts, woran man hätte einsteigen können, nichts machen können. Aber sie haben erstmal alle Systeme sozusagen so weit wie möglich abgeschaltet. Dann ist dieser Rauch auch verschwunden. Jetzt hat der Kapitän dann diese Kollegin angerufen, da an der Stelle, wo das war, hat gesagt, wie es denn aussieht. Und also das war sein Worte. Und dann hat die Kollegin gesagt, ja, sie sieht nichts mehr. And darauf hindet der Kapitän die Evakuierung eingeleitet. Warum? Weil er, na, sie ahnt es ja schon, worauf es hinausläuft, ja. Das ist ja, das ist genau dieses Bild. Das ist tatsächlich immer wieder wichtig, sich abzugleichen und bei der Kommunikation auch wirklich am besten standardisierte Phrasen zu benutzen, damit diese Missverständnisse nicht stattfinden. Sie hat gesagt, sie sieht keinen Rauch mehr, oder gemeint. Gesagt hat sie, sie sieht nichts mehr, sie meinte, sie sieht keinen Rauch mehr. Er dachte die Antwort, sie sieht nichts mehr, dass alles voller Rauch ist und deswegen hat er das Flugzeug evakuieren lassen. Also das mag jetzt sehr banal klingen, aber es zeigt sehr eindrücklich, wie Kommunikation oder wie wichtig eine Kommunikation ist.
SPEAKER_00Jetzt gehe ich noch einen Schritt weiter. In diesem Fall führt das zu einer Evakuation eines Evakuierung eines Flugzeugs und damit wird aber jedem sofort klar, hier gab es ein Missverständnis. Das ist dann schlimm und oder aufwendig, teuer und so weiter. Das soll natürlich so nicht sein, das muss man vermeiden. Und doch ist sozusagen, wenn man so will, das Gute an dieser Situation, dass sofort jedem klar wird, hier hat jetzt gerade ein Missverständnis bestanden oder zumindest den Key Playern. Ich würde glauben, ich weiß gar nicht, ob es da Daten zu gibt, dass die große Mehrzahl aller Missverständnisse nie aufgelöst wird. Das heißt, das führt dann, das ist in der Komplexität der Sachen, die passieren, Therapien, Entscheidungen, Verlegungen und und und und führen Missverständnisse oft subtil zu kleinsten Abweichungen von einer Route, aber eben nicht so einer großen Gabelung. Wir stehen ja nicht jeden Tag vor riesigen Gabelungen. Insofern ein sehr, sehr gutes Beispiel von dir. Und doch müssen wir, glaube ich, uns überlegen in unserem klinischen Alltag, vieles geht so unterm Radar und ich merke das gar nicht. Und ich kann ja nur sagen, so ich habe subtil, den mag ich nicht so gern. Oder mit ihm arbeite ich sehr gerne, weil es eben diese Missverständnisse nicht gibt. Und ich meine, das sagt man ja auch, da ist ja Sprache auch semantisch entscheidend, mit dem verstehe ich mich nicht so gut. Heißt ja auf der einen Seite auch, ich mag es nicht so gern, mit dem irgendwie oder ihr Kontakt zu haben. Aber auch wirklich, wir verstehen uns inhaltlich auch nicht so gut. Das kennen wir ja auch. Es gibt Menschen, mit dir könnte ich jetzt noch Stundenlang quatschen. Es gibt andere, die verstehen die Fragen nicht oder so. Ich bin, ich weiß noch, ich bin, als ich junger Assistenzarzt war, das erste Mal Geld verdient habe, da bin ich in, ähm, habe ich dann am Ende gar nicht gemacht, aber da bin ich mal in ein Autohaus gegangen und habe gesagt, wie viel Spaß kriege ich hier für 20.000 Euro? Retrospektiv, 20.000 Euro ist ja gar nicht viel Geld, sozusagen, ja. Und der ist überhaupt nicht darauf eingestiegen, sondern der war so ganz so, ja, das hängt natürlich total davon ab, was für sie Spaß bedeutet und so weiter. Und ich dachte mir so, Alter, so kannst du doch hier keine Autos verkaufen. Und ich habe mich überhaupt nicht verstanden gefühlt und es gäbe ja tausend Arten, damit umzugehen, aber das war erstmal so ein Block, wir müssen erstmal definieren und so weiter. Das will in der Flugsicherung wahrscheinlich genau richtig, dass wenn man erstmal Definitionen abklärt und sagt, wo willst du eigentlich hin? Und in diesem Metier ja sozusagen total hinderlich. Und solche Situationen haben wir vielleicht im täglichen Leben auch oft.
SPEAKER_01Ich glaube, wenn jeder sich selber hinterfragt, gerade was die Kommunikation angeht, sich selber selber hinterfragt, also erstmal diesen Blick von außen, wenn man versucht, sich selber zu sehen, sich selber wahrzunehmen, das bringt schon einem selber sehr viel. Und wenn man dann bei dieser Kommunikation sich darüber im Klaren ist, dass wirklich es nur wichtig ist, was der andere versteht. Ich erzähle noch ein anderes Beispiel der Kommunikation. Wir hatten einen Flug, keine Ahnung, ganz egal, wo der hinging und die Personette kam und die Gäste waren fast alle an Bord und sagte, ja, sind alle da und so können gleich los. Und ich fragte sie, warum auch immer, haben wir dann irgendwelche besonderen Gäste an Bord? Und sie wunderte sich schon über diese Frage. Und dann sagte sie, nee, nur eine Mutter und Tochter. Okay, da wunderte ich mich wiederum, warum sie das sagte. Naja, wir mussten dann aber auch los und flogen so los, war jetzt auch nicht entscheidend. So, dann, während des Fluges, sagte, rief sie irgendjemand an, sagte, ja, Klaus, die Mutter, da geht es gerade nicht so gut, die ist ein bisschen schwach auf den Beinen. Die haben wir hinten in die Gelly gelegt und die bekommt Sauerstoff. Oh, sei ich schlimm? Nee, nee, einfach nur so ein bisschen schwach auf den Beinen. Die bekommt jetzt Sauerstoff, das wird dann schon besser werden. Okay, sei ich. Kümmert sich denn auch jemand um die Tochter? Ja, ja, die Kollegin hinten, die kümmern sich um die Tochter. Super, sei ich. Hat die dann auch kleine Kinder? Nee, wüsste sie gar nicht, sagt die Personette. Naja, sei ich, aber wäre vielleicht hilfreich, wenn sich um die Tochter kümmert? Nee, wüsste sie nicht, warum das hilfreich sein sollte. Ja, sag ich, aber wenn sich um die Tochter kümmert, ist vielleicht auch gut, wenn sie auch Kinder hätten. Nee, wüsste sie nicht, warum das gut wäre. Ja, sei ich ja, weil sie sich um die Tochter kümmert, ja, sagt sie, aber die Tochter ist 75. Und die Mutter ist 95. Und das Besondere an dieser Situation war noch zusätzlich, dass dieses Pärchen so skurril war, die haben sich verhalten wie 25 und fünf. Beim Aussteigen hätte es mich nicht gewundert, der Mutter ging es wieder gut, wenn die nach so einem Plüschflugzeug gefragt hätte für die Tochter, weil die sich so verhalten haben. Jetzt, wenn wir uns wieder zurückspult, an den Anfang des Fluges fragte ich sie, gibt es irgendwas Besonderes? Diese Frage, damit hat sie nicht gerechnet. Normalerweise würde ich die Frage auch nicht stellen, weiß gar nicht, warum ich es gemacht habe. Und sie sagte dann Mutter und Tochter, weil das war natürlich sehr besonders. Dieses Pärchen war so besonders, dass jeder Flugbegleiter sie kannte, jeder Passagier, das war sehr skurril. Für uns aber eher nicht relevant. Aber sie hat uns nicht die gesamte Geschichte erzählt. Deswegen versuche ich immer auch, die Flugbegleiterin zu motivieren. Wenn etwas passiert in der Kabine, bitte immer die gesamte Geschichte erzählen, egal wie offensichtlich das sein kann. Also beispielsweise, du hast ein, du bist im Krankenhaus und ein Patient fängt jeden Morgen um acht an, eine Arie zu singen auf dem Flur, um was Skurriles zu erzählen. Und das macht er mal eine halbe Stunde und neun ist die Visite und der Chefarzt kommt und kriegt das natürlich nicht mit. Dann könnte das sein natürlich, dass die Pfleger oder die Leute, die es mitkriegen, ihm nicht die gesamte Geschichte erzählen, weil das natürlich jeder mitkriegt da, außer der, der da ist. Deswegen ist es immer ganz wichtig bei einer Kommunikation, dass ich immer alles erzähle und mir immer klar sein muss, dass der andere vielleicht nur ein Teil mitbekommen hat. Bei uns ist eine Cockpitür dazwischen. Und so gibt es überall quasi Barrierenwände, was auch immer jemand nicht mitbekommen hat.
SPEAKER_00Würde ich jetzt noch zwei Sachen ergänzen. Sie hat eine beeindruckende Geschichte dafür, dass man immer wieder dieser Curse of Knowledge, ich sage dir eine Mutter und eine Tochter, ich habe die vor Augen, du hast die nicht vor Augen, du hast in deinem Kopf sofort eine, die 20 ist und eine, die zwei ist oder was auch immer. Genau. Und auf der anderen Seite macht ja das wieder keiner extra, dass der was weglässt, sondern wir gehen ja davon aus, dass alle das Gleiche sehen und wissen, was ich auch weiß. Auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite ist es ja auch so, das Leben ist schnelllebig und kurz und eng getaktet. Und in der Medizin ist es ja auch so, 80-20-Regel, nach 20% der Zeit hast du 80% des Ergebnisses schon erreicht. Und oft reicht das ja auch. Du machst nicht 100% bei allem. Keiner lässt extra wichtige Sachen weg. Und es gibt dieses Chefarztphänomen. Wenn ich irgendwo hinkomme als Chefarzt, dann erzählen die Leute mir automatisch Sachen, die die vorher irgendwie nicht erzählt haben. Und dann gucken alle nach dem Motto. Das liegt gar nicht an mir. Das war als ich Assistenzarzt war das gleiche. Kam mein Chef and jetzt auf einmal erzählen die den Game Changer dieser Fallgeschichte. Und der hat noch nicht mal danach gefragt. Und das ist so ein Phänomen, nächste Instanz, dann passiert irgendwie was anderes. Das heißt, ich glaube, was du gesagt hast, ist absolut richtig. Man muss idealerweise überall probieren, wirklich die ganze Geschichte zu erzählen. Auf der anderen Seite sich aber natürlich auch nicht zu verzetteln. Denn zu verspähen, wann wird es weniger wichtig und so, das gehört ja auch irgendwie dazu, um klarzukommen. Und auf der anderen Seite wiederum, wenn du dem, was erzählt wird, dass du ein gewisses Grundverständnis dafür hast oder eine positive, wohlwollende Haltung, warum du nicht alles bekommst. Das gehört ja auch dazu. Und das haben wir eben, ne, typisch, ein Patient wird aufgenommen auf eine Intensivstation, wo alles schon eng ist, und dann wird auf einmal klar, der hat auch noch diesen Keim und der muss eigentlich isoliert werden. Oder es wird auf einmal klar, der hat auch noch diese Geschichte, die den Fall kompliziert oder sowas. Und dann gibt es immer wieder dieses Phänomen, dass man dann demjenigen, der das eingestielt ist, irgendwie böse ist. So wie man auf den Schaffner böse ist oder so, weil den sieht man halt, den kann ich greifen. Der Zug ist zu spät. Dann ist er da von mir. Und das Gleiche ist das. Die aufnehmende Ärztin macht das ja nicht extra, das zu verheimlichen oder sowas, sondern die hat eben auch nur so viel Zeit oder Ressource oder Kenntnis. Und da werbe ich dann wiederum bei dem, der nur einen Teil der Geschichte hört, für Verständnis, dass das auch einfach immer wieder passieren kann. Weil das ist auf der ganzen Welt das Gleiche. Du nimmst einen Patienten auf die Intensivstation auf und irgendjemand wird immer sich darüber ärgern, dass dieser Aspekt noch nicht bewusst ist. Oder überhaupt, dass die Aufnahme kommt. Ich erfahre es als letztes. Ja, wir wissen es auch erst seit einer Minute. Aber du kannst es auch erst erfahren, wenn ich es auch erfahren habe. Und ich glaube, das gehört auch dazu, dass wir das sozusagen so ein bisschen mit berücksichtigen.
SPEAKER_02Go, go, go, go, go. The Schnellfrager Klack Klack.
SPEAKER_00Klaus, what's the sack?
SPEAKER_01Hard off the sack gives me ignorance of other men or respectlosing. I feel often to say to all other men of this. And when people per se not
SPEAKER_00Was ist unterschätzt?
SPEAKER_01Unterschätzt ist das, was du selbst erreichen kannst. Viele Menschen wollen immer zum Präsidenten von dem Land gehen und am liebsten Schütteln oder zum Bundeskanzler und sagen, wir müssen das ändern. Nein, änder das in deinem Leben. Der Impact, den du hast, ist mit Sicherheit viel größer, als du glaubst. Aber das trauen sich viele gar nicht zu, oder ist es vielen, glaube ich, gar nicht bewusst. Sehe ich auch so. Was braucht die Welt mehr?
SPEAKER_00Wovon brauchen wir mehr? Mehr Menschen wie dich. Wovon braucht die Welt der Medizin mehr? Siehst du, gleiche Antwort. Mehr Menschen wie dich. Mehr Menschen, die Bock haben, sozusagen auf das Positive zu gucken, würde ich auch so sehen. Wann wirst du selbst mal als erfahrener Pilot nervös?
SPEAKER_01Also, das ist ja die Frage. Nervös bin ich vielleicht manchmal auch, wenn ich beim HSV bin und da ist die 90. Minute Nervosität, bin ich, wenn ich meine eigene Prüfung habe, bin ich auch nervös, wie ein Schauspieler auch Lampenfieber hat. Aber das ist auch etwas, was man sehr wohl akzeptieren sollte und kann. Oder, weil das ist wieder das Start-up Surprise Effekt. Das habe ich und dann kann ich meine beste Leistung bringen.
SPEAKER_00Ein bisschen ist das ja auch geil, wenn man mal ab und zu nervös wird. Dann spürt man, dass man noch am Leben ist, oder? Hast du eine Lieblingswissensquelle, Bildungsquelle, Literatur, Buch, Film, whatever?
SPEAKER_01Oh, wie gesagt, kürzlich habe ich dieses Buch Ikigai gelesen und bin ganz begeistert davon. Das finde ich total klasse. Ansonsten versuche ich mich mehr und möglichst breit aufzustellen und nicht nur eine Sache zu lesen oder irgendwie, also ich höre dir zum Beispiel gerne zu, aber ich höre auch andere Podcasts oder lese Sachen. Ich kann es jetzt nicht so kategorisieren. Ich versuche da möglichst offen zu sein. Worüber hast du zuletzt laut gelacht? Über meine Tochter. Aber das Witzige ist, meine Kinder sind 17 und 18 und der Humor ist komplett anders als mein Humor. Also meine Tochter, meine Kinder würden Loriot oder Heinz Erhardt überhaupt nicht witz finden. Mario Barth sowieso nicht. Aber das, was sie witzig finden, finde ich echt äußerst seltsam und nicht witzig. Und darüber habe ich am meisten gelacht, wie unterschiedlich Wahrnehmung sein kann und sich auch entwickeln kann. Und vielleicht ändert sich das auch im Leben, weiß ich nicht. Aber es gibt nicht den universellen Humor. Das fand ich sehr, sehr anschaulich.
SPEAKER_00Kein Applaus für Scheiße. Ich möchte natürlich für Positives stehen. Und ich möchte dafür stehen, was wir alle diese Sachen, die du gerade gesagt hast, die ich genauso, also unser Einflussbereich, den wir selber haben, der ist viel größer als man oft denkt. Und entscheidend ist, auf das Positive zu gucken. Und dafür gibt es ja diesen Podcast, dafür gründe ich hier medics, Education und all das. Und doch, finde ich, gehört dazu auch, sich abzugrenzen. Dazu gehört auch, das sind für mich Verhaltensweisen, Denkweisen oder sowas, wo ich mich einfach abgrenze mit einer Geschichte dazu, weswegen sich das vielleicht lohnt und das unterfüttert, oder mit einer Anschauung, sozusagen, wie ich auf die Welt blicke. Wofür kriegt man von dir einfach keinen Applaus? Was muss weg?
SPEAKER_01Also Ausgrenzung von Ausländern oder von Menschen, die nicht herkommen. Ich bin in meinem Leben so viel unterwegs, ich bin mehr Ausländer, als dass ich nicht Ausländer bin und ich verstehe sowieso nicht, was das ist. Wenn ich fliege, sehe ich tagsüber sowieso nirgendwo eine Grenze. Also das muss einfach mal klar sein. Und nur weil ich hier geboren bin, habe ich halt Glück. Wenn ich jetzt in Pakistan geboren wäre, hätte ich jetzt schon mal nicht so viel Glück. Aber ich kenne ja gar nicht dafür. Ich bin ja dann irgendwo geboren. Das heißt, grundsätzlich sollte ich Respekt jedem gegenüberbringen. Und das ist auch eher bereichernd. Und das ist, ich habe eine gute Freundin, die ist aus dem Iran geflohen, aber sie ist neun Jahre alt. Und alleine, ich habe mit ihr zusammen einen Podcast. Und alleine das ist unfassbar bereichernd, diesen Menschen zu kennen, mit diesen Menschen Sachen zu teilen oder auch Erfahrungen zu hören oder zu erleben, die ich ja nie gemacht habe. Deswegen, das ist etwas, was ich sehr wichtig finde. Und die Ausgrenzung von Menschen, nur weil sie irgendwo herkommen, finde ich absolut inakzeptabel.
SPEAKER_00Da stimme ich absolut zu und finde, das ist eine großartige Haltung. Natürlich kannst du sie auch leichter haben, wenn du so viel rumkommst, oder? Also, das ist ja oft so, die Menschen, die irgendwie ein Problem mit Ausländern haben, sind ja ironischerweise oft die, die am wenigsten mit Ausländern überhaupt zu tun haben. Das heißt, da lohnt sich der Blick über den Tellerrand natürlich. Und so viel wie du reist, also ich war ja auch schon auf allen Kontinenten dieser Welt, schon mal in Kliniken irgendwie hospitiert oder mitgemacht als Student oder dann merkt man auf einmal, wie sehr, erstens, wir hier auch nur mit Wasser kochen. Und auf der anderen Seite, wie wertvoll das ist, verschiedene Blickwinkel zu haben, verschiedene Kulturen und all das, was dazugehört. Und wenn man woanders mal integriert wird oder auch mal nicht so gut rein oder ankommt, dann merkt man auch, wie sich das anfühlt. Ist also auch eine absolut wertvolle Erfahrung und eine Einstellung, die ich extrem teilen kann. Jetzt haben wir zum Schluss noch so ein paar gemischte Abschlussfragen. Habe ich mir ausgehackt. Mal sehen, ob die sich hier langfristig durchsetzen, wo ich das Gefühl hatte, was kann man so einem Gast wie dir noch entlocken, umso möglichst viel zu haben. Dass unsere Mitzuhörerinnen und Zuhörer möglichst viel davon mitnehmen. Jetzt drehen wir das immer mal wieder so rum, vor allem mit dem Blick auf das Gute. Was ist das Beste, was mal jemand für dich getan hat? Mir ein Lachen geschenkt oder ein Lächeln. Das wird häufig, aber das ist, wie gesagt, die Details sind immer entscheidend. Okay, und das ist ja interessant, wenn ich das wieder probiere zu abstrahieren oder vorzustellen, was ist das analytisch? Du bist ja als Pilot und Ausbilder, bist du ja jemand, da geht es ja um die Wurst. Das hat ja erstmal mit Emotionen, würde man meinen, wenig zu tun, oder? Das ist ja mathematisch, kommunikativ, da gibt es SOPs und Abläufe. Das ist ja trockener Shit, würde ich jetzt mal so sagen. Und wenn ich dich nach dem Besten frage, sagst du nicht die SOP, wo Punkt 23 ganz besonders wertvoll ist oder so, sondern dann sagst du was Emotionales. Und das ist aus meiner Sicht ein Learning, was man aus ganz vielen Situationen mitnehmen kann. Ich bin ja auch irgendwie als Kinderarzt, Intensivmediziner, all these Sachen, da geht es auch um die Wurst. Und doch spielt die Emotion, wir sind ja alle emotionale Wesen, das ist immer die erste, sozusagen, spielt die erste Geige, zumindest mittel- und langfristig. Natürlich in einem Reanimationsalgorithmus, da muss ich stumpf funktionieren, da brauchen keine Emotionen, die gehören da nicht hin, die gehören sogar bewusst da nicht hin. Da wollen wir einfach abrobotten. Und das ist auch wichtig. Das heißt, ich würde jetzt nicht, jemand, der das belächelt und sagt, ja, der will ja nur, dass allen immer gut geht in seiner Klinik und so, das heißt ja nicht entweder oder entweder Struktur oder Emotionen. Sondern ich würde eher anders sagen, die Strukturen, das ist das Fundament, die SOPs, die Richtlinien, die Werte. Und das Lächeln ist ja sozusagen der Spirit in dieser WG. Du ziehst ja in die WG ein, für das, wie sich das anfühlt, da am Küchentisch zu sitzen und nicht dafür, in dieser Wohnung zu wohnen, egal mit wem du das tust, oder?
SPEAKER_01Ja, klar, es geht immer darum, es ist ja, ich habe Menschen getroffen, die sehr reich waren, die sind aber nicht glücklich. Warum ist das so? Weil das ist ja, du kannst das Äußere oder die materiellen Dinge sind überhaupt nicht entscheidend, sondern der Spirit, du hast es gerade entscheidend gesagt. Oder andersrum, ich erzähle meinen Kollegen auch gerne, beschwert euch doch nicht über Firma, macht dies, Firma, sondern betrachtet es doch so, als wenn es deine Firma wäre. Nicht die gesamte, sondern nur dieses Flugzeug. Du bist jetzt aber jetzt der CEO von diesem Flugzeug, du hast jetzt 15 Mitarbeiter, 13 in der Kabine, 2 im Cockpit, wie auch immer. Und du machst das Beste daraus. Du machst das Beste für die Passagiere, die dir jetzt anvertraut sind und versuchst die bestmögliche Leistung zu bringen. Genauso wie eine Gruppe in einem OP. Ihr macht jetzt, seid jetzt, das ist eure Klinik, nämlich nur diese OP, nur diese fünf Menschen, die da jetzt arbeiten. Und ihr versucht das Beste daraus zu machen. Warum ist es so? Weil ihr dann abends nach Hause geht und sagt, okay, ja, ich kann durchaus stolz sein auf das, was ich gemacht habe. Und das ist es, worum es geht. Das bringt dir so viel mehr, als zu sagen, nee, nee, weil die haben jetzt hier wieder eingespart und ich muss jetzt diese billigeren Handschuhe nehmen und das finde ich blöd, weil mit den und so weiter. Das führt zu gar nichts.
SPEAKER_00Ich habe direkt tausende von Anschlussfragen, sodass ich das Gefühl habe, ich muss dich noch einige Male mehr einladen, um da jetzt ins Detail zu gehen, weil man natürlich diese Frage, wie kriege ich das, also das ist alles richtig und keiner würde dazu sagen, nein, Lächeln ist mir egal oder so. Und doch ist genau das, was du sagst, ich ärgere mich von den Billighandschuhen links zu der Unterbesetzung rechts, zu den Entscheidungen, die ich vielleicht nicht nachvollziehen kann, ärgere ich mich so sehr, dass ich gar keine Zeit zum Lächeln habe oder Ressource oder es kommt gar kein Lächeln sozusagen. Und das ist, glaube ich, was.
SPEAKER_01Das Problem liegt ja denn bei nicht bei dir, sondern bei demjenigen. Was ich immer gerne frage, ist, wenn ich jetzt Kollegen Koch mit Kabine sage, wie wäre denn, wenn du jetzt ein Passagier wärst, wie würdest du dir deinen idealen Flugbegleiter oder Kapitän vorstellen? Wie würdest du das wünschen? Und dann erzähl dir. Man muss diese Frage ein bisschen vorsichtig formulieren. Und dann sage ich, okay, und jetzt erklär mir, warum du nicht genauso bist. Oder was spricht eigentlich dagegen, genau so zu sein? Weil das ist doch das, weißt du, was würdest du dir als Patient wünschen, wie dein Arzt, dein Operateur, deine Klinik, wie das wäre? Und dann fragte ich, naja, aber ich kann ja versuchen, so zu sein. Und damit meine ich nicht, ich soll nicht negieren, dass diese Handschuhe, diese Sachen nicht passen. Nein, natürlich ist es so, aber dann gibt es dafür Wege, wo ich sage, okay, das mir müsste geändert werden, dann wird es gerne oder nicht. Aber in dem Moment, wo ich mich nur damit beschäftige, beschäftige ich mich mit Dingen, die ich gar nicht beeinflussen kann, nicht direkt beeinflussen kann. Und das letztendlich zerstört diesen Spirit, den ich für mich habe. Ja, eindeutig. Das kann ich absolut nachvollziehen.
SPEAKER_00Richtig dieper Scheiß. Was hättest du gern mit 25 schon gewusst?
SPEAKER_01Also, ich hab, das ist eine sehr gute Frage. Ich kann mich an meinen 18. Geburtstag erinnern, geht vielleicht. Vielen, viele können, meine Kinder würde sagen, vielleicht könnt ihr relaten. Also viele mit 18 habe ich gedacht, oh cool, deswegen nicht nur 18, sondern jetzt weiß ich alles. Und hab dann festgestellt, dass ich an meinem 19. Geburtstag mir die gleiche Frage gestellt habe und gemerkt habe, oh, wei. Ja, da war ich aber mal so richtig naiv, ne? Also ich hatte gar keine Ahnung mit 18, aber mit 19 habe ich gedacht, aber jetzt, jetzt weiß ich alles. So, das ging weiter, bis ich 25 war. Und mit 25 habe ich gedacht, okay, ich glaube, das geht so weiter. Und ich merke, das geht unendlich weiter. Das heißt, wir lernen eigentlich immer die gesamte Zeit. Und ich bin eigentlich froh, dass ich mit 25 noch nicht alles wusste, was ich heute weiß, weil das ja auch ein Stück weit das Leben ausmacht.
SPEAKER_00Das heißt, dann den Kruger-Effekt ist ja dieses Phänomen, dass ich sozusagen relativ früh irgendwann bin ich so ein bisschen gesettelt, du bist 18 und so weiter. Ich bin zwei Jahre auf Station oder drei und habe das Gefühl, ich bin der King. Und dann fällt man tief in das Tal der Erkenntnis, wo man merkt, was man alles nicht kann. Und dann kommt über die Zeit dieser Weg zur Erleuchtung, wo man das so. Und der ist, je nachdem, wie steil der ist, das hängt von der Situation ab, manchmal auch gar nicht so steil. Und das finde ich schon auch. Ich war ja eine Zeit lang in Cambridge an der Uniklinik als Oberarzt. Und da waren so etablierte, tolle Menschen, absolute Kapazitäten. Ja, ich hatte die Literatur schon gelesen von denen und wirklich, da bist du nur voller Ehrfurcht. Und die waren so ganz normal. Und die waren ja nicht nur relatable, irgendwie ein Nobelpreisträger, der nur sagt, Hi, I'm Peter. Und dann ist er ganz normal. Ein Chirurg, der auf dem Boden kniet vor seinem Patienten im Aufklärungsgespräch, weil er ihm da ein Stück Darm entfernen muss, und zwar ein großes Stück, aus Demut. Ich schneide dir was von deinem Körper weg. Ich muss jetzt so klein wie möglich auf dem Boden sein. Und das fand ich ganz besonders beeindruckend, dass man da das Gefühl hat, die sind so groß anders so klein machen, weil sie das Gefühl haben, anders geht es eigentlich gar nicht. Das hat ein Ausmaß der Selbsteinschätzung, was ich in Deutschland vorher einfach oft gar nicht gesehen hatte. And auf der anderen Seite, das befreit natürlich auch, weil dann kannte man auch Fehler machen und so. Also das fand ich da tatsächlich ziemlich beeindruckend.
SPEAKER_02Sie sind unter uns.
SPEAKER_00Okay, Aliens landen, Klaus, auf diesem Planeten. Und sie gucken sich um und sehen Umweltverschmutzung, Kriege und so weiter und denken, dieses Spezies verdient es nicht zu leben. Die müssen wir hochjagen. Aber sie kommen zufällig auf dich zu und sagen: pass auf, das ist der letzte Shot hier. Wenn du uns zeigst, dass das hier ein geiler Planet ist, dann verschonen wir euch. Was machst du mit den Aliens?
SPEAKER_01Ja, dann würde ich sagen, also, ich meine, die Informationen, wo haben sie die eigentlich her? Wie glauben sie eigentlich, dass das die Wahrheit ist, wie sie sehen? Dann würde ich sagen: pass auf, kommt mal mit. Ich zeige euch in ganz vielen Ländern ganz viele ganz tolle Menschen, ganz viele tolle Sachen, die sie machen. Dann überlegt ihr bitte nochmal, ob ihr die gleiche Entscheidung treffen wollt, weil offensichtlich ist das ja nur ein kleiner Aspekt, den ihr gerade betrachtet.
SPEAKER_00Also sozusagen die Schönheit des täglichen Miteinanders, weg von den übergeordneten Themen hin zum direkten menschlichen Miteinander.
SPEAKER_01Ja, zum Beispiel, also ich war gestern in Los Angeles, war rumgefahren mit meiner Tochter, nur um die Schönheit zu sehen. Es ist wichtig, die kleinen. Dann sitzen wir im Café und ich sage: guck mal, auf der anderen Straßenseite. Da war da so ein alter Ford Thunderbird, klar, ist schon schön, aber was das Schöne war, auf dem Beifahrersitz saß ein Hund, ein relativ großer Hund, der saß da im Prinzip wie ein Mensch und er bellte ein paar Mal, als wenn er sein Herrchen rufen wollte. Und er kann dann auch. Und er setzt sich rein und redet mit seinem Hund und jetzt fuhr dieser Thunderbird offen, ja, Cabriolet. Mit diesem Hund auf diesem Beifahrer sitzt der saß da wie ein Mensch, fuhr weg. Das sind einfach Momente, das kannst du auch nicht ausdenken. Oder kannst du dir sagen, ah ja, das möchte ich unbedingt mal erleben. Nein. Aber das ist halt die Schönheit dieses Moments, das oder das Besondere dieses Moments zu erleben.
SPEAKER_00Okay, jetzt bist du in der Hölle gelandet. Wir machen hier eine große Reise. Und du stehst dem Satan gegenüber und der sagt, okay, du hast eine letzte Chance, hier doch noch rauszukommen. Du musst mich schlagen in etwas. In einer Disziplin deiner Wahl. Hat noch nie jemand geschafft. Das Lied von den Fantastischen Vieren, Michi Back in Hell, ist sozusagen die Analogie dazu. Er wählt Rap und schafft es. Was ist deine Disziplin, die du wählst?
SPEAKER_01Ja, ich würde sagen, okay, versuch du doch bitte positiver zu sein als ich. Versuch das. Und ich bin mir sicher, dass der Satan auf jeden Fall daran scheitern wird.
SPEAKER_00Okay, also sagen wir ein positives Mindset als dein ultimativer Skill. I think that is japston eine gute Take-Home-Message oder eine schöne Art, das Ganze hier abzurunden. Wenn man sich jetzt überlegt, was haben wir jetzt eigentlich besprochen, und viele davon waren ja extreme Situationen, die du lösen müsstest. Situationen, in denen man irgendwie, wo es Analogien in die Medizin gibt, die wir auch besprochen haben. Wie kann ich damit irgendwie, was kann ich jetzt mitnehmen? Dann ist, glaube ich, eine Art, darauf zu gucken, okay, man muss vorbereitet sein. Es lohnt sich, wenn du weißt, was ist, wenn man Sachen simuliert. Und das kann man im Team tun, das kann man aber auch alleine tun. Ich glaube, da können wir noch sehr viel drüber sprechen. Wir werden es auf jeden Fall hier nochmal hören, würde ich mir wünschen zumindest. Und dann immer mehr auch ins Detail gehen zu gucken, okay, wie können wir das ganz konkret umsetzen, was wir jetzt hier sozusagen übergeordnet besprochen haben. Zum Schluss würde ich mir von dir vielleicht noch wünschen, im Sinne dieses Year-Spirit, was ist der nächste Year-Moment, den du jemandem bescheren wirst? Wie wirst du dich um deine Mitmenschen kümmern und in dieses positive Mindset, was du hast, in die Realität mitnehmen?
SPEAKER_01Ich bin ja gerade in Los Angeles, deswegen wird das nächste Mal heute stattfinden. Ich fahre mit meiner Tante und meinem Onkel, die sind beide schon Anfang bzw. Mitte 80. Fahre ich Richtung St. Louis Obispo, also an den Pazifik. Wir werden da zwei schöne Tage verbringen. Und ja, das ist Zeit. Zeit ist das Wertvollste, was wir haben. Und das mit Menschen zu verbringen, die man gerne um sich hat, das ist ein schöner Yeah Moment. Das ist etwas sehr Wichtiges.
SPEAKER_00Das ist doch ein super Schlusswort. Für alle, die uns zuhören, das war jetzt Folge 1. Ich bin gespannt. Schreibt mir bitte an kai.com, was gefallen hat, was besser werden kann, wen wir hier alles noch einladen müssen, welche Themen hier rein sollen, kürzer, länger, schneller, langsamer und so weiter. Alles, was ihr euch wünscht, bewertet das gerne mit bis zu fünf Sternen auf allen Portalen und bleibt uns treu. Auf Instagram und allen sozialen Medien sind wir zu finden unter at Yeamedics. Ich freue mich auf Feedback, wünsche allen noch einen schönen Tag und sage bis zum nächsten Mal. Danke, lieber Klaus.
SPEAKER_01Vielen Dank, bis zum nächsten Mal. Ciao.
SPEAKER_02Das war der Yeamedics Podcast. Mit keine Hänse.
People on this episode
Podcasts we love
Check out these other fine podcasts recommended by us, not an algorithm.