Kick-off Call - Insights aus dem Legal Workstream
Herzlich willkommen zum "Kick-off Call", dem Podcast von ROHDE BAIER Rechtsanwälte mit Insights aus dem Legal Workstream.
Unsere Podcast-Reihe bietet echte Einblicke aus erster Hand in die verschiedenen Phasen von M&A, PE und VC Transaktionen. Erfahre mehr über Themen wie Due Diligence, Vertragsverhandlungen, Unternehmensnachfolge und Dealmaking.
Empfohlen für Anwälte, Investoren und Unternehmensführer, die einen fundierten Einblick in die rechtlichen Mechanismen von Mergers & Aquisitions suchen.
Redaktion: Sebastian Pleyer | PLEYERmedia
Kick-off Call - Insights aus dem Legal Workstream
Werte als Wettbewerbsvorteil: Unternehmertum mit Haltung | mit Süleyman Acar (#44)
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In der 44. Ausgabe des „Kick-off Call" by ROHDE BAIER Rechtsanwälte spricht Gründungspartner Thorsten Rohde, Mag. iur. (Dublin) mit Süleyman Acar – Seriengründer, Investor und Unternehmer mit langjähriger Transaktionserfahrung.
Süleyman hat sich vom Studium an der Uni Mannheim über eine Facebook-Marketing-Agentur zum Gesellschafter und Geschäftsführer der FaceAdNet GmbH, dem Aufbau des größten Facebook-Publisher-Netzwerks Europas vorgearbeitet – mit einem anschließenden Exit an Ströer. Seit 2020 ist er als Unternehmer und Business Angel tätig und investiert vorwiegend in technologieorientierte Start-ups in der Frühphase.
Themen dieser Episode:
- Werdegang und frühe unternehmerische Prägung aus dem familiären Umfeld
- Exit-Erfahrung und Lehrgeld: Was Startup-Investitionen wirklich kosten – und was bleibt
- Fairness im Dealmaking: Warum ein partnerschaftlicher Ansatz auch in harten Verhandlungen langfristig trägt
- Werte als Währung: Wie Aufrichtigkeit und Verlässlichkeit Geschäftsbeziehungen prägen
- Legacy statt kurzfristiger Exit: Die Erkenntnis, lieber eine Sache konsequent und groß zu denken
Ein Gespräch über Haltung, Vertrauen und die Grundlagen nachhaltigen Unternehmertums – aus der Perspektive zweier Gesprächspartner mit gemeinsamer Transaktionserfahrung.
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Werte, Fairness und der lange Atem im Business
SPEAKER_00Aber ich glaube wirklich, wenn du Gutes reingibst, kommt auch Gutes raus. Wenn du nichts Gutes reingibst, kommt langfristig auch nichts Gutes raus. Das Leben ist am Ende kein Sprint, ist ein Marathon. Man begegnet sich auch in der Szene nicht einmal. Da bin ich mir auch sicher, auch wenn es eine große Bubble ist, es gibt am Ende immer Überschneidungen mit irgendwelchen Leuten, die laufen dir wieder über den Weg. Die Frage ist halt, muss man jedes Geschäft mitnehmen wollen? Es gibt schon für mich auch so unausgesprochene Regeln. Also man macht gewisse Dinge nicht. Man fischt nicht im Teich des anderen und holt gute Leute zum Beispiel raus. Mit einem Partner, mit dem man zum Beispiel gut zusammenarbeitet. Geld steht nicht über allem. Und da heißt es ja oft, ja, kommt auf den Preis drauf an. Nein, es darf nicht über allem stehen. Ich weiß, dass ich für den Euro oder eben damals für die Mark auch echt hart arbeiten musste. Das ist nichts Selbstverständliches. Und vor allem, ich selber mit meiner Zeit, mit meiner Arbeitskraft habe diesen Euro verdienen müssen. Begegne sehr viele auch Lifestyle-Gründer, die einfach gründen des Lifestyles wegen und nicht, weil sie hart husteln und wirklich besessen sind von einer Idee. Ein guter Gründer, der muss besessen sein von der Idee, der muss Tag und Nacht an diese Idee denken. Der muss brennen. Nur wo Passion ist, da wird auch Geld folgen.
SPEAKER_01Lieber Süle, herzlich willkommen zum Podcast. Wir freuen uns sehr, dass wir dich heute hier haben. Wir haben schon sehr, sehr viel zusammen erlebt. Und über die Themen, über die wir heute auch sprechen, haben wir auch bereits, glaube ich, in der Hinterkammer schon sehr, sehr viel gesprochen. Und ich glaube, wir besprechen heute sehr, sehr wichtige Themen. Sage ich aber gleich was dazu. Und Themen, die ganz oft leider außen vor bleiben. Aber jetzt erstmal schön, dass du da bist und ich freue mich sehr aufs Gespräch.
SPEAKER_00Schön, dass ich hier sein kann und darf. Danke für die Einladung und ich freue mich tatsächlich auf unser Gespräch. Unsere Gespräche generell sind ja immer sehr interessant, auch sehr gesellschaftslastig, nicht nur businesslastig. Und ich glaube auch einen Blick, nicht nur aufs Business, sondern auch auf gesellschaftliche Themen zu werfen, finde ich an der Stelle auch oft wichtig.
SPEAKER_01Jetzt kennen wir uns aus gemeinschaftlicher Transaktionserfahrung, ja, haben viele Dinge zusammen gemacht. Deswegen weiß ich auch jedenfalls ab einem bestimmten Zeitpunkt deine Entwicklung, die immer sehr beeindruckend war. Aber erzähl doch gerne vielleicht ein, zwei Sachen zu dir, was so dein Werdegang war. Muss ich auch nicht kurz fassen, ja, sondern gebe ich ja so ein bisschen Kontext, weil ich glaube, das ist ja ganz interessant ist, um zu verstehen, wie du vielleicht zu deinen Ansichten auch kommst, die du uns dann später vielleicht auch ein bisschen erklärst und erzählst.
SPEAKER_00Das kann ich gerne
Vom Arbeiterkind zum Seriengründer: Persönlicher Werdegang und Prägungen
SPEAKER_00tun. Ich würde da wahrscheinlich anfangen mit wo komme ich eigentlich her? Oder wo kommen meine Eltern bzw. meine Großeltern her? Ich habe einen türkischen Migrationshintergrund, bin hier in Deutschland geboren. Meine Eltern, beziehungsweise mein Opa war Gastarbeiter vor sozusagen drei Generationen oder mittlerweile vier Generationen. Und das ist auch die Anfangsgeschichte und sicherlich auch die Prägung vieler Denkweisen, die ich über mein Leben hinweg auch entwickelt habe. Was meine ich damit? Ich meine damit, dass ich natürlich aus einer Arbeiterfamilie komme. Mein Papa ist immer noch seit mittlerweile 47 Jahren Arbeiter in einer Gießerei. Mittlerweile etwas größere schwäbische Firma. Vorher war es etwas kleinere schwäbische Firma und das hat mich natürlich immer ganz lange geprägt. Ich arbeite seitdem ich zwölf bin. Nebenjobs diverseste Art von Autoputzen. Bis hin zu diverse Nachhilfe-Sessions an auch Kind mit Migrationshintergrund, teilweise auch kostenlos oder gegen ganz kleines Geld. Bis hin zu Ladendetektiv, Rauschmeißer. Ich habe schon viele Sachen auch in meinem Berufsleben sozusagen gemacht. Unternehmerisch startete ich erst während des Studiums, hatte schon immer die Affinität, aber über eben Dinge selbst zu machen und selbstbestimmt zu sein, weil ich mir auch ungern von Autoritäten Dinge sagen lasse. Vor allem, wenn ich wenig glaube oder sagen wir es mal so, Vertrauen in die Kompetenz habe. Dann fällt mir das richtig schwer. Und dementsprechend war der Weg eigentlich für mich relativ schnell gekennzeichnet, dass ich irgendwann mich selbstständig machen muss. Hatte natürlich auch zwischendurch Stationen wie Porsche Consulting, wo ich in die Unternehmensberatung reingeschnuppert habe. Erst als Werkstand, dann als Praktikant, dann nochmals Werkstand, dann auf dem Projekt dann quasi über Nacht irgendwie hier zu einer besseren Position gekommen, weil der Seniorberater nach Hause geschickt wurde. Hätte auch da bleiben können und weiter sozusagen Konzernkarriere machen können, nicht in der Beratung, aber im Konzern. Das wollte ich an der Stelle nicht und bin dann wieder back to University. Habe während meiner Unizeit an der Uni Mannheim ein studentisches Unternehmen gegründet für Markt- und Sozialforschung. Das hat mir schon eigentlich in den Ansätzen gezeigt, dass das eigentlich der Weg ist, den ich gehen möchte. Das konnten wir dann leider nicht weiter fortführen, weil der Partner, mit dem ich das zusammengemacht habe, sich für eine Konzernkarriere entschieden habe. Was nicht schlimm ist, weil er heutzutage auch sehr erfolgreich ist in dem, was er macht. Und für mich, dass der Anfang von einem großen Kapitel. Und so bin ich in die Selbstständigkeit, ins Unternehmertum auch stärker reingekommen, nachdem ich auch fertig studiert hatte. Ich habe Sozialwissenschaften und BWL studiert, Sozialwissenschaften auf Diplom an der Uni Mannheim, BWL auch an der Mass University in Wellington, in Neuseeland und habe da an der Stelle auch die Vertiefung in Marketing und Psychologie oder Sozialpsychologie auch stärker dann genutzt, um meine erste Unternehmung, eine Facebook Marketing Agency zu gründen,
Erste unternehmerische Schritte und der Weg zum erfolgreichen Exit
SPEAKER_00eben ja einzusetzen.
SPEAKER_01Die du hast du dann auch verkauft, ne? Das war ja quasi eine, war das einer deiner Exits?
SPEAKER_00Die Facebook Marketing-Agentur haben wir mehrfach dann pivotet, also das ist die Unternehmung. Die hat daraus ist sozusagen dann mein erstes größeres Unternehmen entstanden, die FaceAtnet, die ich dann gemeinsam mit drei weiteren Partnern Bootstrapped, dann verkauft haben an Stör. Das war so der erste und auch, sagen wir, ein großer Exit, den wir gemacht haben, der sich über mehrere Jahre dann hingezogen hat, weil es eben eine lange Earnout-Phase zu dem Zeitpunkt gab. Ich meine, wir reden ja von einer Zeit, 2010 haben wir damit angefangen, 2012 haben wir gesehen, das Model skaliert. Wir hatten den größten Facebook-Publisher Europas aufgebaut mit über 50 Millionen Fans in über 300 verschiedenen Communities. Wir haben Communities aufgebaut, wir haben Communities gekauft, wir haben Webseiten gekauft, wir haben ein Riesennetzwerk an Reichweite gehabt, womit wir sozusagen auch die Verlage mit Traffic versorgen konnten und auch unsere eigenen Websites-Magazine. Also wir haben so Content-Magazine sozusagen gehabt über Fußball, über unnützes Wissen, also Fun-Seiten etc. pp, die eben Traffic über Social, über Facebook dann befüttert worden sind. Und das Besondere an dem, und da schließt sich der Kreis wieder zum Studium, war, dass ich hier im Hintergrund ein System gebaut habe, das würden wir heute wahrscheinlich mit KI machen, der Algorithmen von Facebook schon vorhersehen konnte durch Testing, durch methodisch saubere statistische Verfahren, konnten wir genau sehen, welche Posts gut laufen und welche eben nicht gut laufen. Und dementsprechend auch sehr erfolgreich, sehr, ich sag mal, zu Beginn einer Ära, wo noch nicht klar war, wo die Reise hingeht, schon sehr erfolgreich und sehr viel Reichweite aufbauen. Genau, das war eigentlich so die erste große Unternehmung.
SPEAKER_01Und seitdem, oder spätestens seitdem wahrscheinlich schon früher angelegt, bist du mehr oder weniger auch ein Seriengründer, bist auch selbst Investor, bist weiterhin auch Unternehmer, würde ich jedenfalls sagen, ja, auch wenn du vielleicht dich jetzt nicht mehr so siehst wie derjenige, der Startups quasi eigene Domain und dann los, ja, sondern im Zweifel guckst du ja schon bestehende Strukturen an, aber musst trotzdem unternehmerisch wirken. Und ich habe dich kennengelernt in verschiedenen Phasen auch, ja, deiner unternehmerischen Projekte. Und so wie ich dich kennengelernt habe, war das immer, war das immer eine gewisse Aversion gegen Trittbrettfahrer, ja, oder gegen Leute, die mehr rausnehmen, als sie reingeben. Gleichzeitig warst du immer jemand, der Projekte eigentlich nicht alleine macht, sondern sich immer ein Team sucht, ja, entweder in einem Unternehmens-Team, dass du dann vielleicht auch führst und leitest, manchmal aber auch Partner, mit denen du zusammen agierst. Also du bist ja auch keiner, der dann sagt, ich weiß alles besser, ich kann alles besser, ich mache alles alleine, sondern eher suchst dir eine Struktur und versuchst da dein Bestes auch reinzugeben, ja. Und dann hast du natürlich auch quasi von dir aus so ein paar Werte, wie zum Beispiel, du hast eben auch selbst Bootstrap gesagt, ja, du hast viel Respekt für jemanden, der Dinge aus dem Boden stampft, ne? Und nicht, der quasi mit viel Geld draufwerfen, irgendwas Positives macht. Was auch nicht immer einfach ist, ja, das will man nicht sagen, aber du schätzt schon auch diejenigen, die mit anpacken wollen, ja, und weniger, die sich in gemachte Nester setzen oder Dinge als Selbstbedienungsladen verstehen. Und das fand ich immer sehr beeindruckend. Und da würde ich gerne ein bisschen mehr von dir noch erfahren, wie du das quasi wahrgenommen hast. Deine Unternehmungen vielleicht auch nach dem, nach dem, was du eben erzählt hast mit deinem FaceAdnet, dann hast du ein Exit gemacht und dann hast du dich noch mehreren Projekten angenommen. Wie war da so die weitere Reise dann bei dir?
Teamwork, Gerechtigkeitssinn und die Bedeutung von Kooperation
SPEAKER_00Genau, also ich glaube, was ganz wichtig ist, ist, ich habe ein sehr starkes Gerechtigkeitsempfinden. Also ich reagiere tatsächlich sehr dagegen, wenn etwas nicht gerecht passiert. Und gerecht meine ich wirklich auch bei einer Unternehmung, wer gibt wie viel wo rein? An Energie, an Zeit, an Wissen, an Elan. Und dementsprechend muss man es auch immer gucken, dass wir das auch gerecht verteilen oder eben gerecht aufteilen. Das ist etwas, wo ich schon sehr viel versuche, Wert drauf zu legen, auch niemanden zu bevorteilen oder sich selbst irgendwo zu bevorteilen, das ist ja manchmal auch schwierig. Und dementsprechend ein faires Miteinander zu haben. Ich glaube nach wie vor, ich meine, selbst wenn du jetzt irgendwie VWL im Grundsemester irgendwie studierst, Spieltheorie, Kooperation ist immer die ertragreichste Variante in allen Szenarien. Und daran glaube ich tatsächlich fest. Ich bin sehr offen, auch in meinen Unternehmen für kooperatives Zusammenarbeiten, wenn der Kooperationspartner auch so denkt. Und so versuche ich auch eigentlich in meinem Alltag zu leben. Jede Beziehung ist eine Art von Kooperation. Ich meine, man gibt immer mal einen Vorschuss, mal holt man im Prinzip dann wiederum einen Vorschuss von dem anderen. Und ich glaube, so muss es am Ende des Tages auch funktionieren. Und meine Reise ging halt nach eben meinem Exit und nachdem ich auch ausgestiegen bin bei der Firma, die wir ein Streuer verkauft haben. Die gibt es heute immer noch, die steht auch immer noch sehr gut da. Wir haben damals ein weiteres Management Team aufgebaut, das fällt sauber hinterlassen, um auch quasi dem Käufer, der dann die Firma integriert hat, dem gesamten Konzern, auch eine vernünftige Basis zu hinterlassen. Das ist mir auch ganz wichtig. Ich habe keine Lust, etwas zu tun, wo dann am Ende im Hintergang, also im Nachgang, dann auch irgendwie vielleicht eine Unzufriedenheit da ist. Ich will niemandem auf gut Deutsch gesagt einen Scheiß verkaufen, sondern es muss irgendwo einen Mehrwert haben. Ich habe eben, ich bin ein aufrichtiger Geschäftsmann und selbst auch ein Handschlag oder ein Wort versuche ich so weit eigentlich immer einzuhalten, dass es auch dann so funktioniert, wie wir das eigentlich besprochen haben. Da lege ich sehr viel Wert drauf. Und die Unternehmung oder überhaupt meine Reise ging dann so weiter, dass ich mir dann eine Auszeit genommen habe, in der Zeit aber auch viel Startup-Investments gemacht habe. Die Idee ist ja dann immer so rosig. Man hat aus dem Kosmos des Startups irgendwie sein Geld verdient. Und dann muss man jetzt irgendwie wieder auch ein Stück weit die Verpflichtung haben, das wieder auch in das Kosmos, in diese Bubble reinzugeben. Habe ich gemacht. Ich würde heute anders agieren,
Investieren, Gründermentalität und die Schattenseiten des Startup-Lifestyles
SPEAKER_00weil ich begegne sehr viele auch Lifestyle-Gründer, die einfach gründen, des Lifestyles wegen und nicht, weil sie hart husteln und wirklich besessen sind von einer Idee. Ein guter Gründer, der muss besessen sein von der Idee, der muss Tag und Nacht an diese Idee denken, der muss brennen. Nur wo Passion ist, da wird auch Geld folgen. Und wenn aber schon die Leute Bock auf den Lifestyle haben, weil sie geil auf Events irgendwie abhängen und irgendwie sich dann cool vorkommen, weil sie sich CEO auf die besierten Karte schreiben wollen, dann kannst du davon ausgehen, dass das nichts wird. Die Erfahrung musste ich jetzt leider auch machen. Kann man jetzt sagen, hast vielleicht nicht das beste Hähnchen dafür gehabt, irgendwie in die Startups zu investieren. Manche Sachen sieht man aber eben auf den zweiten oder dritten Blick. Dementsprechend, Lehrgeld zahlt auch jeder. Ich meine, das muss man ja auch mal irgendwo gerade rücken. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Mir hat keiner den Umgang mit Geld auch beigebracht. Wobei mein Vater immer gesagt hat, investieren in Immobilien. Das wäre wahrscheinlich dann am Ende die sicherste Bank gewesen, aber auch ein Stück weit langweilig. Genau. Und ich hatte es auch vorhin schon vor dem Podcast ja auch gesagt, ich würde bevorzugen, eigentlich heute mehr auf Wetten einzugehen, die ich beeinflussen kann. Und weniger auf Wetten, die fremd beeinflusst sind. Also am Ende ein Startup-Invest ist auch eine Wette. Aber wenn ich jetzt irgendwie eine Unternehmung mache, ist auch eine Wette und ich wette lieber auf mich.
SPEAKER_01Ja, das ist, glaube ich, ein sehr kraftvoller Satz. Ich wette lieber auf mich. Ja, aber gut, du hast ja deine Erfahrung gemacht, dass du dich auf dich selbst verlassen kannst. Wenn du den Input bringst, dann hast du auch den Output. Wir haben, oder ich darf ja auch offen sprechen, ich mache auch ähnliche Erfahrungen wie du. Jetzt ist es so, dass wir in der Kanzlei ja nicht selbst investieren, ja. Das machen wir dann, wenn überhaupt privat und im Kleidungsstil, aber wir haben trotzdem viel auch in dem Start-up-Umfeld zu tun, ja. Früher mehr als jetzt haben wir viel im Venture Capital-Umfeld auch beraten, ja, und sowohl Gründer als auch Angel-Investoren und hin und wieder auch mal institutionellen Investoren dann beim Einstieg und da kriegen wir auch ähnliche Gedankenspiele mit. Und aus meiner Wahrnehmung ist es quasi bei, gerade bei jungen Startups, die sich im Fundraising befinden, extrem schwer zu verstehen, welche Motivation, welches Durchhaltevermögen und welche Entwicklungsstufen bei einem Gründer oder bei einem Gründerteam auch zu erwarten sind. Da sind wir auch so als Kanzlei oft überrascht worden. Negativ. Manchmal positiv, aber vielfach auch negativ in eigener Sache, was dann auch dazu geführt hat, dass wir uns aus dem Umfeld, ja, ich will nicht sagen, zurückziehen oder zurückgezogen haben. Aber es ist nicht mehr das Umfeld, auf das wir uns fokussieren würden. Das war früher oder vielleicht am Anfang meiner Selbstständigkeit noch so ein bisschen anders, weil ich Lust hatte. Aber wenn man dann hin und wieder die Erfahrung macht, dass da das gesprochene Wort oder der Handshake nicht so viel zählt wie für dich, ja, dann ist es im Ergebnis einfach unattraktiv.
SPEAKER_00Ja, ist manchmal ein fluch und ein Segen. Weil auf mein Wort kann man sich verlassen. Ich halte mich dann auch dran, auch wenn ich dann quasi zu einem späteren Zeitpunkt dran festgenagelt werde. Wenn sich vielleicht auch die Informations- bzw. die Gesamtlage verändert hat. Trotzdem halte ich mein Wort, auch wenn es dann für mich vielleicht nicht vorteilhaft ist. Und das ist, glaube ich, etwas, was viele nicht machen. Ich stehe dazu, auch wenn ich dann eben in dem Moment tatsächlich mir selber auch ein Stück weit ins Fleisch schneide.
SPEAKER_01Und jetzt reden wir ja vielleicht, wir haben es nicht angekündigt oder wir haben es jetzt bewusst auch nicht so angeteasert. Aber wir sprechen ja heute so ein bisschen über die Werte im Business. Ja, und so ein bisschen darum, ist eigentlich quasi das, was du erzählst, mein Wort hat Gewicht, ich bin loyal, auf mich darfst du dich verlassen, ich bin aufrichtig, ja, hast du eben gesagt, ist das eigentlich im Business noch eine Währung, ja, oder ist es Dummheit? Um das mal ein bisschen in den Raum zu werfen. Weil normal, früher hätte man gesagt, das war, glaube ich, wäre früher unstrittig gewesen, dass man nur ein Geschäft macht mit einem Geschäftsmann, dem man vertrauen kann.
Handschlag, Loyalität Und Digitaler Wandel
SPEAKER_00Ich glaube, dass einfach durch die Digitalisierung auch die Sensibilität für eben diesen Austausch und dieses Geradestehen für Dinge deutlich abgenommen hat. Du kannst Dinge wie bei irgendwie, sag ich mal, im Online einfach an- und ausschalten und dann ist es weg. Im echten Leben und auch im echten Business ist es aber halt nicht so. Weil nach wie vor Menschen machen Business mit Menschen. Und wenn du dich, und das ist auch wirklich so, wenn du auch vom Bauchgefühl her kein gutes Gefühl hast, auch gegenüber dem anderen Menschen, mit dem du Business machen willst, dann läuft es ja oft auch nicht in die richtige Richtung. Und das ist etwas, wo ich schon Erfahrung habe und auch weiterhin dran festhalten würde, dass man versucht eigentlich mit Menschen Business zu machen und auch da eine Vertrauensebene zu finden und dann tatsächlich aber auch zu sagen, hey, das haben wir vereinbart und so machen wir das jetzt aber auch. Das ist für mich schon noch eine sehr, sehr harte Währung und zählt auch viel. Ich sehe aber tatsächlich, dass es bei vielen anderen eben nicht so der Fall ist. Ich erlebe einen starken, opportunistisch veranlagten Egoismus, der sich in allen Belangen, selbst mit kleinsten Beträgen oder Vorteilen, nennen wir es mal nicht Beträge, weil wir es dann auf das Geld alleine runterbrechen würden, sondern tatsächlich, es geht ja immer um gewisse Vorteile. Das kann Zeit sein, das kann andere Ressourcen sein, whatever, in irgendeiner Art und Weise eine Übervorteilung, sehe ich schon eine krasse Abnahme von Werten, von Aufrichtigkeit, um kurzfristige Opportunitäten auch direkt abzufischen. Und ich weiß nicht, ob das ein Zeitgeist ist, der sich jetzt auch irgendwie durch die gesamte Bevölkerung und auch durch die gesamte, sag ich mal, Gesellschaft, auch weltpolitisch sich irgendwie prägt. Das erinnert mich schon irgendwie stark an den turbokapitalistischen Ansatz, den wir ja lange nicht hatten. Also ich habe auch lange im Prinzip nach wie vor den Gedanken der sozialen Marktwirtschaft gut gefunden. Ich finde ihn immer noch gut. Er wird vielleicht heute nicht mehr so gelebt, wie er gelebt wird. Aber das spiegelt auch irgendwo meine innere Werthaltung mit. Ich möchte auch den, sag mal, Schwächern. In der Gesellschaft nicht allein lassen, wenn er vielleicht Unterstützung braucht. Was ich nicht toleriere, ist natürlich, wenn eben gewisse Dinge dann ausgenutzt werden und der, der Leistung bringt, eigentlich der Dumme ist. Und das kannst du eigentlich auch vieles übertragen. Selbst in einem One-in-One-Business wird das teilweise gerne gemacht, dass man den anderen übervorteilt und sich dann freut. Das finde ich nicht gut. Das ist auch nicht das, wofür ich stehe. Wenn ich das tue, habe ich schlechtes Gewissen ein und würde versuchen, das dann gerade zu biegen, weil ich kann das gar nicht. Das lässt mir keine innere Ruhe. Und ich möchte gern meine innere Ruhe haben und eben nachts oder abends eben auch entspannt schlafen können.
SPEAKER_01Und hast du das Gefühl, dass sich das, hast du vorhin schon angedeutet, aber dass es da so eine gewisse Entwicklung gab, du hast gemeint, Digitalisierung kann ja sein, dass man die Charme nicht mehr hat, weil man die Leute, mit denen man dann vielleicht ein dreckiges Geschäft gemacht hat, nicht jeden Tag auf der Straße sehen muss? Wenn man quasi zum Bäcker läuft und da weiß niemand davon, weil es sich in deinem Ort nicht rumspricht, hat man vielleicht da so eine gewisse Distanz dazu. Das kann ja vielleicht eine der Gründe sein, warum man eher dazu neigt, dann quasi ein skrupelloses Thema zu machen, in Anführungszeichen. Aber hast du das Gefühl, dass es da eine Entwicklung gab, ja, in den letzten fünf bis zehn Jahren?
Scamming, Social Media und der Werteverfall im Unternehmertum
SPEAKER_00Ich glaube schon, dass da das Image sozusagen von Scamming und Scammern tatsächlich durch Social Media auch eine andere Perspektive entwickelt hat. Weil das teilweise auch eben auf Social Media halt auch so abgefeiert wird. Also auch die Scammer, sage ich jetzt mal, haben eine gewisse Zielgruppe. Und es ist halt geil, wenn du durch Scam-Money eben doch dein Ferrari oder dein Lambo fährst, ist das halt irgendwie auf Social Media geil. Und da muss ich sagen, nein, ist es nicht. Ja, das ist eigentlich zu kurz gedacht. Und das ist schon das Problem, dass dann durch Belohnung natürlich, durch Reichweite, durch Aufmerksamkeit und eine gewisse Bewunderung von vielleicht einer bestimmten Zielgruppe, sowas natürlich auch in eine gewisse Normalität reingelangt. Das ist, das widerspricht aber für all das, was ich irgendwie stehe und für all das, wofür ich irgendwo auch denke und lebe, ja.
SPEAKER_01Und in der Welt, also wir müssen jetzt nicht so tun, als wäre das quasi jedes Mal so, ja, aber wir sehen ja auch in unserer Praxis verschiedene Mandanten und auch verschiedene Gegenseiten. Und wenn wir quasi unsere Mandanten noch nicht so lange kennen, ja, da versuchen wir schon noch relativ, angenommen in der MLA-Transaktion mit einem neuen Mandanten, finden wir dann schon heraus, gerade so wenn wir jetzt SPA erstellen wollen, ja, machen wir jetzt einen harten Aufschlag, ja, sehr käuferfreundlich, weil wir auf der Weisheit sind und treffen uns dann in der Mitte oder soll es von vornherein, Middle of the Road sein. Und dann gibt es immer mal so ein paar Stellschrauben auch, ja, und sicherlich auch mal eine Wissensherrschaft auf der einen oder auf der anderen Seite, wo du dann auch verstehst, nutzen die das jetzt aus oder gehen die damit fair um? Und wir kommen eher, also wir empfehlen auch immer, ja, und sind auch eher kompatibel mit einem Ansatz, der sagt, man muss nicht, also die Arbeit für den anderen mitmachen, ja, das bestimmt nicht. Man muss jetzt nicht quasi präsentieren, dass sie da vielleicht einen Nachteil übersehen haben. Aber man muss schon einen fairen und gewisserweise auch einen partnerschaftlichen Ansatz auch in einer harten Verhandlung fahren. Und wenn man mitbekommt, dass die andere Seite, aus welchem Grund auch immer, ein bestimmtes Thema nicht verstanden hat, ja, und du jetzt schon weißt, das knallt dann hinten raus, dann sind wir immer dafür zu sagen, auf der Basis machen wir kein Geschäft, sondern wir gehen dann auf den anderen zu und sagen, hier, pass mal auf, das ist ein Punkt, über den wollte ich nochmal sprechen. Ich glaube, wenn wir das so machen, dann haben wir da vielleicht einen Effekt, den wir so gar nicht wollen. Das rücken wir gerne gerade, halt es aber im Hinterkopf, ja, der Fernsehhalber, da wärst du wahrscheinlich selbst nicht drauf gekommen.
SPEAKER_00Ich glaube, das ist etwas, was schon wichtig ist. Wenn man sowas sieht, dann auch transparent darüber zu sprechen und dann die Entscheidung quasi auch auf der Gegenseite zu lassen, ob er das dann so machen will oder nicht, wahrscheinlich nicht, weil davon eben ein gewisser Nachteil entstehen würde. Aber die Transparenz herzustellen und zu sagen, gucken wir mal, dann kann ich damit leben. Wenn man transparent kommuniziert, wie im Prinzip die sozusagen Bedingungen oder die Dinge sind, dann Haken dran. Aber wenn man es eben vielleicht dann so untermischt, dann halt nicht. Also das ist keine gute Art und Weise.
SPEAKER_01Und in der Welt, wo man sagt, dass vielfach die Leute heutzutage auch so Geschäfte machen, wie wir es vielleicht nicht immer 100% tolerieren oder gut finden. Meinst du, in so einer Welt muss man noch über Leichen gehen, damit man erfolgreich sein kann?
Warum Ehrlichkeit und Transparenz sich langfristig auszahlen
SPEAKER_00Ich glaube nicht. Die Frage ist halt, muss man jedes Geschäft mitnehmen wollen? Und da würde ich schon sagen, nein. Man muss nicht jedes Geschäft machen müssen. Und vor allem nicht, wenn man sich eben damit nicht wohlfühlt. Und gerade dieses Überleichen gehen, es gibt schon für mich auch so unausgesprochene Regeln. Gentlemen's Agreements. Man macht gewisse Dinge nicht. Ja, keine Ahnung. Man fischt nicht im Teich des anderen und holt gute Leute zum Beispiel raus mit einem Partner, mit dem man zum Beispiel gut zusammenarbeitet. Von der Konkurrenz ist das nun mal eine andere Geschichte. Oder man macht nicht, wenn man jetzt irgendwie einen Deal hat, verhandelt man nicht für sich einen besseren Share und holt dann andere rein zu einem eben anderen Share und kriegt dann vielleicht auch irgendwas oder whatever, so ein Kickback oder irgendwas in der Richtung. Auch das ist nicht etwas, was ich irgendwie tolerieren oder zumindest gut finde. Ich finde es gut, wenn jemand zum Beispiel sagt: Hey, guck mal, ich habe hier den und den Deal, kannst du dir mal angucken? Übrigens, und das hatte ich jetzt auch ein paar Mal, das fand ich dann wiederum sehr sympathisch, übrigens, ich habe da Provisionen drauf oder ich kriege da Provisionen, wenn das klappt. Ich wollte dir das nur nochmal mitgeben. Viel geiler, wenn man irgendwie versucht, dann etwas zu pushen. Ja. So, und da habe ich aber auch, also ich meine, bin ich auch relativ offen, auch wenn ich Geschäft gern herstelle, ich liebe es ja zu Netzwerken und Menschen zusammenzubringen. Ich habe mit keinem, ich habe keinem Tippgeber, Provision, whatever, irgendwelche Modelle habe ich nicht. Weil, was glaube ich, auch da, ich glaube, du gibst Gutes rein und Gutes kommt raus in irgendeiner Art und Weise. Vielleicht ist es auch nicht direkt monetär. Aber da glaube ich tatsächlich dran, und das, vielleicht bin ich da auch naiv oder dumm, aber ich glaube wirklich, wenn du Gutes reingibst, kommt auch Gutes raus. Wenn du nichts Gutes reingibst, kommt langfristig auch nichts Gutes raus. Das Leben ist am Ende kein Sprint, es ist ein Marathon. Man begegnet sich auch in der Szene nicht einmal, da bin ich mir auch sicher, auch wenn es eine große Bubble ist, es gibt am Ende immer Überschneidungen mit irgendwelchen Leuten, die laufen dir wieder über den Weg. Ich kann dir ein anderes Beispiel machen. Ich meine, wir haben ja an Steuer verkauft. Die Verlage, wir haben ja auch mit der Verlagswelt vorher gesprochen. Hätten wir jetzt irgendwie die Beziehungen nicht gut zu den Verlagen auch hinterlassen, hey, ich bin jetzt schon wieder im zweiten, dritten Geschäftsmodell und ein Projekt, jetzt laufe ich den Verlagen wieder über den Weg. Also, auch da wiederum ist dann aber gut, dass sie wissen, dass ich ein aufrichtiger Geschäftsmann bin und eben bestimmte Werte eben befolge oder ein bestimmtes Wertekonstrukt habe und eben verlässlich mit ihnen Business machen kann. Das finde ich schon wichtig.
SPEAKER_01Ja, finde ich auch wichtig. Ja, Michael, eine Sache, die meine Geschichte, eine Anekdote, die meine Frau immer erzählt, ist gar nicht so lange her, innerhalb der letzten zwölf Monate so passiert, da war sie mit einer Freundin bei einem Bäcker oder bei einem Café, besser gesagt. Und haben dann irgendwas, irgend so Stückchen gekauft. Ich weiß, sie lacht jetzt wahrscheinlich, weil ich es eigentlich besser wissen müsste, aber irgendwas Süßes zu mitnehmen. Und statt einmal dieses Teil waren dann eben drei drin. Und dann hat sich die Freundin von ihr natürlich gefreut, so cool, ja, ich krieg statt ein, kriege ich drei. Dann hat sie gesagt, das kann man nicht machen, ja. Karma, so. Wenn wir das jetzt annehmen würden, ja, du weißt nicht, wie es zurückkommt, dann hast du vielleicht irgendwie dann, ist möglicherweise auch eine egoistische
Bauchgefühl, Karma Und Kleine Tests
SPEAKER_01Denkweise, ja, aber es zeugt so ein bisschen von dem, was du auch erzählt hast. Dann wäre das ein negativer Input, der reingeht und vielleicht kommt auch ein negativer Output dann raus. Also sind sie zurückgegangen, die Freundin war so ein bisschen sauer darüber, ja, also fand das gar nicht so nett. Und weil sie zurückgegangen ist und hat gesagt, meine Freundin hat nur eins bezahlt und bestellt und waren aber drei drin. Und dann war sie aber wiederum überrascht, dass sie das einfach zurückgenommen haben und wieder in die Auslage rein. Okay. Weil sie dann gedacht hätte, hä, das war doch jetzt schon in die Tüte vom Kunden, der quasi schon damit auf der Straße war und du packst es da jetzt wieder rein. Die schöne Reaktion wäre gewesen: pass mal auf, zwar unser Fehler, danke, dass du Bescheid gesagt hast, nimm gerne mit und erinnere dich dran, hier war es lecker, komm gerne wieder. Oder jedenfalls mal zu sagen, hoppla, pass mal auf, eine von denen zu viel überreichten, gehört jetzt dir. So, dieses Mindset, man ist offen miteinander, man honoriert das auf beiden Seiten und daraus ergibt sich ein Win-Win. Das ist auch was, glaube ich, wovon ich auch viel lebe, ja. Und das rate ich auch, ich hatte heute erst wieder ein Mandantengespräch, wo es so ein bisschen darum ging, bilaterale Situation mit einem Bieter und irgendwie passte alles, ja. Und da kam aber noch ein zweiter und jetzt geht es um die Frage der Exklusivität, gebe ich dem irgendwem und so, ja oder nein. Und da habe ich gesagt, Bauchgefühl. Ja, weil da habe ich sehr, sehr viel ist einfach Bauchgefühl. Und wenn du jetzt schon weißt, mit dem, der dazu kam oder mit dem, der schon da war, mit einem von beiden habe ich ein besseres Gefühl. Meistens stimmt's, ja.
SPEAKER_00Ja, das Bauchgefühl schützt und hilft uns ja auch sehr viel. Also da bin ich ähnlich. Das Bauchgefühl hat bisher immer tatsächlich am Ende Recht gehabt. Und das ist etwas, was sicherlich durch Erfahrungen und durch verschiedene, sagen wir, Situationen dann auch irgendwo sich bildet. Aber da sich stärker drauf zu verlassen, das machen ja auch gute Unternehmer. Die haben ja gute Unternehmer sind ja gut. Warum? Weil sie eben Geschäfte machen, die Risiko birgen, aber ein gutes Händchen dafür haben, eben in Dinge zu investieren, wo andere vielleicht nicht sehen. Und das ist auch oft durch Instinkt oder eben einem guten Bauchgefühl geprägt. Und das ist meist tatsächlich etwas, was sehr hilft.
SPEAKER_01Ja, genau. Weil das ist, man, man hat das ja gar nicht bewusst immer vor Augen, was dann die Erfahrungen sind, die alle zusammen dazu geführt haben, dass du ein gutes oder schlechtes Gefühl hast. Das ist ja eben was, was du eher vor allem unterbewusst einfach hast, ja, und so einen gewissen Radar, den man schon auch ernst nehmen kann, vor allem wenn man quasi sehr, sehr wertegetrieben versucht zu handeln.
SPEAKER_00Ja, aber diese Werte, und ich glaube, das ist schon nochmal etwas, was mich halt so stark auch in meinem Handeln
Geld, Herkunft und Prägung durch harte Arbeit
SPEAKER_00prägt, ist, ich weiß, dass ich für den Euro oder eben damals für die Mark auch echt hart arbeiten musste. Das ist nichts selbstverständliches. Und vor allem, ich selber mit meiner Zeit, mit meiner Arbeitskraft diesen Euro verdienen müssen um Existenz, um, sagen wir mal, Basics an der Stelle. Wie gesagt, wir hatten nicht. Wir hatten am Ende des Tages eine fünfköpfige Familie, haben in einer 60 Quadratmeter Wohnung gewohnt. Ich meine, heute ist eigentlich meine Kinderzimmer zusammen sind, sind fast das Doppelte. Auch allein diese Dimensionen da an der Stelle irgendwo zu sehen, das ist aber etwas, was trotzdem prägt. Es hat ja trotzdem funktioniert. Und aus uns ist ja trotzdem irgendwie anständige Menschen für die Gesellschaft geworden, die auch ein vernünftiges Wertesystem mitbringen. Warum? Weil einfach der Euro einen sehr hohen Wert hat. Und dann hast du aber auch wiederum andere, die halt eben diesen Wert der Arbeit, des Fleißes, Blut, Schweiß, Tränen für diesen Euro gar nicht wertschätzen können, weil eben eine ganz andere Voraussetzung da war.
SPEAKER_02Ja.
SPEAKER_00Und da erlebe ich schon auch oft eher eine lestifaire Haltung auch zu Geld. To the good and to the bad. Warum? Zum Guten, sie haben einen anderen Umgang. Also auch das Wegdelegieren von Arbeit, das musst dich ja auch erstmal lernen. Wenn du irgendwo eine CEO-Position hast, kannst du nicht alles alleine machen. Du musst lernen zu delegieren. Das ist etwas, was mir auch nicht in die Video. Am Ende, ich habe ausführende Tätigkeiten gemacht und wurde auf meine Stunde Arbeit bezahlt. Und zwar aber auch eben halt auf einem sehr niedrigen Level. Also wie gesagt, ich habe relativ viel in meiner Jugend auch Arbeit gemacht, die einfach niedrig bezahlt worden ist. Aber es hat mir Spaß gemacht, das muss ich dir auch sagen, Thorsten. Also es sind die Gespräche, es sind auch die Tuchfühlungen mit den Menschen. Und das ist etwas, was sicherlich diese Prägung auch mitbringt, was das Wertesystem und auch den Bezug zu Geld auch anders regelt. Auch das muss man sagen, Geld steht nicht über allem. Und da heißt es ja oft, ja, kommt auf den Preis drauf an. Nein, es darf nicht über allem stehen. Es gibt Dinge, die tut man einfach nicht. Da gibt es Limits. Und das finde ich schon, ist etwas, was mich definitiv unterscheidet von vielen. Da will ich jetzt auch nicht irgendwie jetzt Fingerpointing machen und sagen, ich bin hier besser oder schlechter oder whatever, sondern es ist für mich einfach so, es tickt so. Es gibt Dinge, die sind halt, da ist gekommen, das kannst du mit Geld einfach so in der Form nicht aufwiegen. Geld ist wichtig. Geld macht auch ein Stück weit oder kann dazu helfen, glücklich zu machen. Aber auch da muss man schon sagen, ich würde gerne halt einfach Geld verdienen, was irgendwie konform ist mit meinen Werten und mit dem, wie ich mich auch in der Situation wohlfühle.
SPEAKER_01Also vieles von dem, was du erzählst, resoniert ja auch sehr mit mir, weil ich komme auch aus einem eher sozial schwachen Hintergrund, ja, familiär, was gar nicht so viele wissen, aber mir war jetzt quasi auch der akademische Weg jetzt nicht unbedingt in die Wiege gelegt, ja. Und war jetzt auch nicht hundertprozentig, wenn du dir meine Kindheit und Jugend anguckst, dass dann ein Anwalt aus mir wird. Ich bin schon stolz darauf, was wir mit Ode Bayer jetzt gemacht haben. Das hätte, glaube ich, damals, du hast eben gesagt, ich wette lieber auf mich und so. Ich glaube, auf mich hätte damals zum Beispiel jetzt von extern niemand gewettet, unbedingt, ja, in der Situation. Deswegen sehe ich das auch ähnlich wie du. Wenn man von ganz wenig kommt, hat man auch eine andere Wertschätzung gegenüber. Und ich habe auch sehr viele Tätigkeiten gemacht damals, um über die Runden einfach zu kommen, ja, auch als Student. Und natürlich macht das Spaß. Mir hat Kellnern Spaß gemacht, ja. Mir hat das Spaß gemacht, bei Peking Kloppenburg hier auf der Zeil Anzüge zu verkaufen. Das war eigentlich fast nach dem Job, den ich jetzt habe, der mir am meisten Spaß gemacht hat. Und da hast du ein anderes Gefühl für. Und ich habe nicht das Gefühl, also unsere Kinder jetzt zum Beispiel, ja, ich glaube, die haben eine ganz, ganz andere Situation, aus der sie Erfahrungen schöpfen. Und deswegen, bei mir ist es zum Beispiel so, wenn M ⁇ A ist ja sehr volatil, ne, hast du manchmal total viel zu tun und dann denkst du dir, wo nehme ich jetzt die Zeit her, überhaupt zu duschen, ja? Und dann hast du aber auch mal eine Phase, wo dann drei Signings waren oder vier, ja, und danach dippt es erstmal so, ein paar Projekte laufen da immer, aber vielleicht nicht in der Geschwindigkeit. Und auf einmal hast du irgendwie 16 Uhr und sagst, hä? Gare keine Deadline, gar keine Sachen, was ist jetzt? Und dann fängst du mal an, gehst vielleicht mal raus, vor die Tür, trinkst einen Kaffee oder so und fühle ich mich sofort schlecht. Für mich ist quasi viel Arbeit, viel Output. Wenig Arbeit ist für mich mental immer sofort, hast du vielleicht nicht verdient jetzt den Output.
SPEAKER_00Ja, das ist aber Sozialisation. Da ist ganz viel Sozialisation und wie wir sozusagen aufgewachsen sind, deswegen verstehen wir uns ja wahrscheinlich auch gut und haben da auch, sagen wir, eine ganz gute Basis und einen Flow, weil du auch verstehst, wie meine Perspektive auf bestimmte Dinge sind, was dich dann ja auch im Deal-Making ja auch danach bildet. Und unsere Kinder werden sicherlich eine andere Ausgangsbedingung haben, haben sie ja jetzt schon anders. Ist auch okay. Jede Generation muss eben mit der Verantwortung klarkommen, die sie eben findet, vorfindet. Und uns hat das, glaube ich, aber auch wiederum nicht geschadet, beziehungsweise hat eben doch einen Mehrwert. Und dieses Schlechtfühlen, ich weiß auch, woher das kommt. Wie gesagt, man hat ja den Umgang mit Geld und dass Geld für einen arbeitet, das ist ja etwas, das kenne ich ja gar nicht. Ich tue mir immer noch schwer, dass Geld für mich arbeitet. Also, das ist immer noch etwas, wo ich mir wirklich schwer tue. Und auch am Aktienmarkt ich auch durchaus mir eine blutige Nase geholt habe. Wirecards sei ich hiermit gegrüßt. Aber ja, das ist etwas, was man lernen muss, eben wie dass man Arbeit delegiert. Das Geld für einen arbeitet, dass es für dich etwas macht, etwas eben für deinen Wohlstand beiträgt. Wobei ich auch die Hypothese nach wie vor verifizieren kann, eigentlich immer, es gibt nicht irgendwie so dieses Passive Income. Nee, glaube ich auch nicht. Das Skelaber kann ich ehrlicherweise auch nicht hören. Von nichts kommt nichts. Selbst das passivste Income hat trotzdem immer noch irgendwie einen Input nötig, auch wenn der vielleicht nicht nach einer häufigen Frequenz vorkommt. Wie auch immer, ja. Es gibt kein Passive Income. Es gibt vielleicht Invests, wo du, wo eben Überschüsse generiert werden, wo man nicht so viel Input geben muss. Man muss aber immer Input geben.
SPEAKER_01Ja, ich glaube, man muss auch verstehen, Arbeit quasi schafft Mehrwert, ja, und den kann man monetarisieren und verkaufen. Was aber auch manchmal einfach Mehrwert schafft, ist ein funktionierendes System, was man gebaut hat, ja. Oder was Mehrwert schafft ist, wenn wir hier in der Kanzlei quasi unsere Kollegen und Kolleginnen vernünftig ausbilden, da stecken wir total viel Zeit rein und Energie, um das, was wir vielleicht wissen oder können, auch weiterzugeben. So, und wenn die dann befähigt sind, unsere Mitarbeiter Dinge zu tun, die Mehrwert schaffen.
SPEAKER_00Aber hey, wie geil ist denn das? Genau. Also ein Mehrwert, also allein schon der Gedanke zu sagen, hey, ich, ich möchte also oft erlebe ich ja bei Startups, und das hatten wir ja vorhin auch über verschiedene Business Models, nur Geld zu generieren für sich mit irgendeinem Scheiß-Produkt auf gut Deutsch gesagt. Aber wie geil ist es eigentlich zu sagen, hey, ich versuche einen Mehrwert zu generieren für die Gesellschaft, für den Kunden, wenn der daraus was irgendwie mitnimmt und genau dieses Ausbildungsthema, jemanden zu befähigen, etwas an die Hand zu geben, womit er seinen Lohn und ein Brot verdienen kann, weil du ihm ein Skillset damit vermittelst, ein Wissen vermittelst, das finde ich echt next level. Das ist geil.
SPEAKER_01Das ist auch quasi einer der erfüllenderen Aspekte, finde ich jetzt in der Position, die ich habe, ja, und die du auch so, und man muss ja auch sagen, Ausbildung von gerade von unseren in Zeiten von KI wird anspruchsvoller. Absolut. Und deswegen nehmen wir das umso mehr ernst. Das ist auch ein Thema, mit dem wir uns quasi auch ein bisschen ausführlicher beschäftigen. Wie können wir eigentlich, weil so wie ich damals Verträge schreiben gelernt habe, lernst du das heute nicht mehr. Der Vertrag ist Knopfdruck geschrieben. Und dann bleibt viel auf der Strecke. Das heißt, da generieren wir, glaube ich, Mehrwert, wo wir keine direkte Konferenz. Korrelation zu Umsatz haben. Wenn wir wieder eine Korrelation zu Umsatz haben, wenn dann unsere Mitarbeiter in der Lage sind, einen Vertrag für einen Mandanten aufzusetzen, zu verhandeln, ja, den zu verstehen, Relationship zu bauen und der Mandant ist dann happy. Daran verdienen wir dann auch als Resultat irgendwie unsere getane Arbeit in der Ausbildung, ja. Und so versuche ich dann für mich, weil du auch gesagt, Geld für dich arbeiten, einmal Geld, aber auch Systeme und andere Arbeit, um dann quasi zu sagen, okay, ich sitze jetzt gerade im Café und trinke mein Espresso, weil heute ein ruhiger Tag ist. Man findet immer Arbeit, wenn man will. Aber es ist nicht unfair und es ist auch nicht falsch, dass ich in dem Moment trotzdem Geld verdiene, weil ich habe auch viel reingesteckt an anderer Stelle, wo keinen Euro rauskam. Und so versuche ich dann meinen Fried, also ich will jetzt nicht so tun, es verdiene ich Geld, wenn ich nicht arbeite. Im Gegenteil ist der Fall. Aber versuche ich da mich zu konditionieren, um in Ruhephasen nicht nervös zu werden, um meinen Workaholic raushängen zu lassen.
SPEAKER_00Ja gut, wobei man schon sagen muss, warum wird man Unternehmer, ne? Unternehmer wird man ja, weil man eben selbstbestimmt arbeiten möchte und die Freiheiten eben haben möchte. Und die Freiheiten erarbeitest du dir natürlich nur dann, wenn du ein erfolgreiches Team, erfolgreiche Strukturen, erfolgreiche Prozesse baust, die funktionieren. Dann kannst du es dir auch erlauben, eben auch, sag ich mal, auch mittags im Café zu sitzen. Das finde ich gar nicht verwerflich und ist auch etwas, was ich sehr, sag ich mal, vielleicht auch bewundere, weil das heißt, derjenige hat ein gutes System geschaffen, was eben Geld verdient und für ihn dann auch arbeitet. Und dafür ist aber ein Risiko eingegangen, dafür hat er investiert in Geld, Zeit und auch Know-how und hat dann aber auch Leute befähigt, dann Dinge zu tun und in Lohn und Brot gebracht, dafür dann auch bezahlt zu werden.
SPEAKER_01Und dann ist es ja auch nicht auf Kosten anderer. Das ist ja, glaube ich, das, worüber wir sprechen. Genau. Wenn Leute einen guten Deal machen, weil sie jemanden ausgeträgst oder für Apple haben, auf Kosten von demjenigen, das ist ja dann damit nicht gemeint. Aber um es auch vielleicht abzuschließen, du hast vorhin gesagt, dass du viel Geld damals in Startups reingesteckt hast, das wäre eine Sache, die würdest du anders machen. Du wättest lieber auf dich. Was wäre noch zum Abschluss quasi eine Sache, wo du sagst, wenn du das vorher gewusst hättest oder wenn du dich an dem Wert mehr orientiert hättest, das hättest du lieber gemacht. Gibt es da irgendwas?
SPEAKER_00Ich glaube grundsätzlich jetzt, und diese Erkenntnis kam mit über 40. Ich
Legacy, Netzwerke und die Weitergabe von Werten an die nächste Generation
SPEAKER_00würde lieber eine Sache länger und richtig, richtig, richtig, richtig gut und richtig, richtig, richtig groß machen. Als mehrere kleinere. Ohne den Gedanken zu haben, etwas direkt verkaufen zu wollen. Das ist etwas, was tatsächlich in mir schon irgendwie ein stärkeres Verlangen hat. Etwas aufzubauen, eine Legacy aufzubauen, etwas zu sagen, guck mal, weil ich habe auch in meinem Umfeld einige Familienunternehmer, wo ich natürlich auch schon sehe, dass die dritte, vierte, fünfte, sechste, sogar achte Generation etwas sozusagen hinterlassen wurde, wo eben so eine Legacy aufgebaut wurde. Das finde ich schon irgendwie geil. Und ich glaube, mit dem Know-how und auch dem Wissen Dinge eben zu tun, hätte ich dann sicherlich auch nochmal anders rangehen können. Aber auch da, ich habe in meinem Umfeld niemanden, der unternehmerisch denkt, ja. Beziehungsweise, ja, stimmt so nicht. Mein Vater hat sicherlich mir unternehmerisches Denken auch irgendwo beigebracht, aber die DNA ist halt trotzdem, wir kommen aus einer Arbeiterfamilie. Du hast immer gedacht, du arbeitest noch am Wochenende hart und viel und zeitlich begrenzt ist es halt trotzdem, weil du ja einfach du selber deine Zeit gegen Geld eintaust. Und das skaliert halt nicht.
SPEAKER_01Ich muss dann trotzdem sagen, vielleicht quasi mein Fazit zum Abschluss und auch auf das Eingehen, was du gerade gesagt hast, ich glaube, wenn du die Werte, über die wir jetzt gesprochen haben, ja, und die Herangehensweise, über die wir gesprochen haben und deine Erfahrung, wenn du in der Lage bist, das weiterzugeben, ja, und dann ist das eben deine Legacy. Und wenn deine Töchter in der Lage sind, das wiederum weiterzugeben, ich glaube, da hast du sehr, sehr viel geschaffen, was sehr, sehr lange bleibt und was nicht weniger wert ist als ein Familienunternehmen in achter Generation.
SPEAKER_00Das hoffe ich auch, ja. Also dass ich versuche den Töchtern eben nicht den Fisch zu servieren, sondern am Ende das Angeln beizubringen. Das wäre so eigentlich die Grundidee. Und ein weiterer Gedanke ist ja auch eben Netzwerk, Netzwerk, Netzwerk und eben zu schauen, dass man sein Netzwerk ausbaut, dass das Netzwerk valide ist, zuverlässig, auch mit Menschen, die ähnliche Werte haben. Ja. Um dann eben da eben anders darzustellen.
SPEAKER_01Und ich glaube, in dem Umfeld gilt weiterhin, dass Werte keine Soft Skills sind, sondern harte Währung. Absolut. Vielen Dank, Sylvia, dass du da warst. Thorsten, vielen Dank. Hat mir Spaß gemacht.