Kick-off Call - Insights aus dem Legal Workstream
Herzlich willkommen zum "Kick-off Call", dem Podcast von ROHDE BAIER Rechtsanwälte mit Insights aus dem Legal Workstream.
Unsere Podcast-Reihe bietet echte Einblicke aus erster Hand in die verschiedenen Phasen von M&A, PE und VC Transaktionen. Erfahre mehr über Themen wie Due Diligence, Vertragsverhandlungen, Unternehmensnachfolge und Dealmaking.
Empfohlen für Anwälte, Investoren und Unternehmensführer, die einen fundierten Einblick in die rechtlichen Mechanismen von Mergers & Aquisitions suchen.
Redaktion: Sebastian Pleyer | PLEYERmedia
Kick-off Call - Insights aus dem Legal Workstream
Digitale Energiewende in Deutschland: Unternehmergespräch mit Matthias Hartmann | Techem (#46)
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In der 46. Ausgabe des „Kick-off Call" by ROHDE BAIER Rechtsanwälte begrüßt Of Counsel Dr. Lutz Krämer mit Matthias Hartmann den CEO der Techem Gruppe, einem der führenden Energiedienstleister mit über 4.300 Mitarbeitenden, 59 Millionen Messgeräten in 18 Ländern und einer Expertise von über 70 Jahren.
Matthias Hartmann blickt unter anderem auf 25 Jahre bei IBM, zuletzt als CEO Deutschland, Österreich, Schweiz und fünf Jahre als CEO der vormals börsennotierten GfK SE zurück. Seit 2020 führt er die Techem-Gruppe durch eine fundamentale Transformation: vom analogen Heizkostenableser zum digitalen Energiemanager.
Themen dieser Episode:
- Von analog zu nachhaltig digital – Matthias Hartmann: Eine Karriere von IBM über GfK zu Techem
- Die digitale Evolution eines erfolgreichen Geschäftsmodells: Vom jährlichen Ablesen zur cloudbasierten Rundum - Echtzeiterfassung
- Wärmepumpe, Dekarbonisierung, CO₂-Besteuerung: Die Techem – Gruppe im „Auge des Orkans“ von Digitalisierung und Energiepolitik
- Möglichkeiten von KI und Machine Learning im energieintensiven Gebäudesektor: Automatisierter Kundenservice mit Energiereduzierung plus Effizienzanalyse im Sektor - Vergleich
- Private Equity vs. Börse: Bedeutung der Eigentümerstruktur für Unternehmensführung und – überwachung, Investitionsverhalten und Transformationsgeschwindigkeit
- Karrierechancen in Zeiten von Digitalisierung, KI und Disruption: optimistische Einschätzungen zur Schnittstelle zwischen Technologie und qualifiziertem Handwerk in Zeiten der Energiewende
Ein Gespräch mit Matthias Hartmann über die digitale Transformation eines traditionsreichen deutschen Unternehmens – und darüber, weshalb der Gebäudesektor mit ca. 35% des gesamten Endenergieverbrauchs ein entscheidender Hebel zum Erreichen der Klimaschutzziele ist.
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Herzlich willkommen, Matthias Hartmann!
Dr. Lutz KrämerHerzlich willkommen zur neuen Folge des Kick-Off-Call in der Reihe Unternehmergespräche. Mein Name ist Lutz Krämer, ich bin Off-Counsel bei Rode Bayer. Und ich freue mich heute ganz besonders, Matthias Hartmann, den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Technik-Gruppe, hier begrüßen zu dürfen. Und ja Matthias, du hast, man darf wohl sagen, die letzten zwei Jahrzehnte an der Schnittstelle zwei nicht nur wirtschaftlich bedeutender, sondern auch gesellschaftlich bedeutender Entwicklungen gearbeitet, nämlich einmal Digitalisierung im weitesten Sinne und eben eine Energiewende. Und ja, ich würde dich einfach mal bitten, einführen, ein bisschen zu beschreiben, deinen Werdegang, womit du dich beschäftigt hast und was deine jetzige Kernfunktion ist bei der Technik-Gruppe.
Werdegang: Von IBM über GfK zur Techem Gruppe
Matthias HartmannJa, vielen lieben Dank auch für die Möglichkeit, heute hier bei euch zu sein. Tatsächlich so, dass ich diese zwei Standbeine ein Stück weit entwickelt habe. Ich war erstmal 25 Jahre eigentlich in der Informationstechnologie und im Kontext von IT-Servic unterwegs, 25 Jahre im Konzern bei der IBM, in nationalen, aber auch sehr internationalen Aufgaben, eigentlich immer gewandelt zwischen der Digitalisierung und der Geschäftsstrategie, andererseits. Also wie helfe ich eigentlich Unternehmen bei der digitalen Transformation, ich sage mal von klassischen analogen Geschäftsmodellen in die Digitalisierung. Und das hat mich dann nach 25 Jahren in IBM tatsächlich dann auch auf die Anwenderseite, habe ich immer gesagt, geführt. Ich bin nämlich damals, da hatten wir auch damals den ersten Kontakt, tatsächlich zur GfK gegangen, SE, damals seinerzeit noch börsennotiert im S-DAX hier in Deutschland. Auch hier war die große Fragestellung, wie wir ein relativ divers aufgestelltes Haus international sehr analog, zum Teil auch sehr tradiert, auf die digitale Reise der Transformation bringen. Denn klar war zu diesem Zeitpunkt, das war ab dem Jahr 2011, die analoge Marktforschung. Wir befragen Menschen, was sie denken und leiten daraus Trends für Konsumgüter ab. Das hat sich natürlich massiv gewandelt durch die Verfügbarkeit mobiler und Online-Medien und das galt es halt eben dann auch zu machen. Ich habe das fünf Jahre lang gemacht, habe mich tatsächlich nochmal dann selbstständig gemacht und habe ein bisschen mal versucht, diese ganze Startup-Welt als, wie sagt man so schön, neudeutsch Business Angel zu betrachten. Ich habe festgestellt, ich bin nicht Jeff Bezos, habe auch nicht die Mittel von Bill Gates. Das also als Alleinkämpfer zu machen, habe ich zwar intellektuell spaßig gefunden, aber nicht als meine Zukunftsmission. Und bin dann am Ende des Tages fast forward jetzt seit fast sieben Jahren, im siebten Jahr bei Techem. Ein Unternehmen aus Frankfurt ursprünglich mal gegründet, in der Hand von Private Equity-Unternehmen und natürlich ganz direkt und digital in der Energiewende befasst.
Techem heute: Geschäftsmodell, Meilensteine und Internationalisierung
Dr. Lutz KrämerUnd ich meine, Techem kennen viele, wie auch ist da, einen eurer Wettbewerber so aus dem Wohnzimmer. Wenn man vor die alten Heizungen geschaut hat, hing da immer so ein bisschen was und Streifen. So habt ihr euch ja auch, glaube ich, im Ursprung entwickelt. Dann sagt man, okay, die lesen ab. Und dann hat man vielleicht nochmal irgendwo gehört, ja, aber für das Ablen, das ist in großen Wohneinheiten ganz profitabel. Hört sich eigentlich ganz gut an. Ihr wart auch mal an der Börse, seid dann von der Börse wieder zurückgenommen worden. Jetzt seid ihr seit Jahren ein Private Equity Hand, da kommen wir später zu, was das bedeutet, auch für die Entwicklung und die Entwicklungsmöglichkeiten von Geschäftsmodellen. Wenn du jetzt heute beschreiben würdest, wie hat sich in den letzten fünf oder sechs Jahren, um es nicht zu lange zurückzuverfolgen, während deiner Zeit, du bist seit 2020 CEO, also jetzt gut sechs Jahre, wie hat sich das Geschäftsmodell entwickelt? Einmal vom Modell her, vielleicht auch von der Internationalisierung her, was würdest du sagen? Was waren so Meilensteine in dem Punkt?
Matthias HartmannJa, ja, das mache ich gerne und sicherlich lege ich den Wert auch auf die letzten sieben Jahre. Aber es ist tatsächlich auch so, dass vor der Börsenzeit das Haus viele Jahrzehntelang in Familienhand war, in Frankfurt gegründet vor fast 75 Jahren. Dann eben Anfang der 2000er Jahre an die Börse und dann von der Börse genommen worden. Das ist schon vollkommen richtig. Ich glaube, was die letzten sieben Jahre kennzeichnet sind, sind zwei ganz wesentliche Themen. Einerseits mal den Zwang unserer Kunden zur Dekarbonisierung ihres Energiehaushaltes. Unsere Kunden sind die Vermieter meist von Mehrfamilienhäusern. Das können aber auch Bürokomplexe sein, das können Mischkomplexe sein. Das heißt, wir erfassen, wir analysieren, wir rechnen ab, die Verbräuche und die Energieverbräuche zum ursprünglich mal heizen und vom Wasser herkommt. Wir kommen also aus Wärme und Wasser. Und dieses gilt es halt eben zu allokieren. Da gibt es natürlich auch eine Historie hinter, nämlich genau, Energiekrisen führen immer dazu, dass das Bewusstsein der Menschen, die Energie verbrauchen, entsprechend zu fassen ist. Und das andere wesentliche Thema in den letzten Jahren ist natürlich der Hochlauf der kompletten Durchdigitalisierung des Hauses. Analoge Messtechnik der Vergangenheit wird so auch regulativ gefordert zur digitalen Messtechnik. Wir haben mittlerweile 70 Millionen funkende Geräte, digitalisierte Messtechnik dort draußen, die halt eben cloud-basiert diese Daten erheben. In der Presse immer weniger, aber liest man auch immer noch das Stichwort der Heizungsablesertechem. Das kommt eben genau daher, dass im Wesentlichen auch von Radiatoren, egal ob alt oder neu, die Daten erfasst werden, eben mittlerweile digital und dann auch nicht mehr mit dem Aufwand, dass ein Ableser in die Wohnung muss.
Dr. Lutz KrämerWie ist das,
Kundenportfolio: Von Vonovia bis zum privaten Vermieter
Dr. Lutz Krämeralso wenn man jetzt an große Wohnungsgesellschaften denkt, wie Vonovia zum Beispiel, Deutsche Wohnen und so weiter, sind das typischerweise auch Kunden von euch? Machen die jetzt teilweise eine Eigenregie, seid ihr da auch Dienstleister? Oder wie ist sozusagen euer Kundenportfolio aufgebaut?
Matthias HartmannAlso zunächst mal muss man sagen: auf die klare Frage, ist Vonovia auch ein Kunde? Ja, Vonovia ist einer unserer Toten, es ist sogar der größte Kunde. Kein Wunder, es ist der größte Wohnimmobilien-Residential Real Estate Anbieter in Europa. Fakt ist, wenn wir mal über die Landschaft schauen, wir sind mittlerweile ein internationales Haus in 18 Ländern. Das heißt, wir haben 440.000 Kunden, 440.000 Vermieter, für die wir dann als Auftragnehmer den Service eben genau dieser Heizkostenerfassung und Abrechnung mittlerweile ergänzt und viele andere Dienstleistungen kommen wir gleich drauf letztendlich leisten. Das gilt für die Vonovia mit ihren rund 500.000 Wohnungen im Bestand. Das gilt aber eben auch für den privaten Eigentümer eines Mehrfamilienhauses, der keinen Verwalter beschäftigt, sondern der sich am Wochenende selbst hinsetzt. Und diese Liegenschaft ab mindestens zwei Parteien, denn ab dem Zeitpunkt muss verbrauchsgerecht abgerechnet werden, diesen Service übernimmt. Von daher haben wir vier große Kundensegmente. Das sind die Key Accounts, die ganz großen. Und dann geht das halt eben über regionale Großkunden, viele kommunale, viele genossenschaftliche Wohnungsbaugesellschaften, runter dann in das Verwaltersegment und bis zum Privatkunden. Und das macht eben die Breite des Geschäftes auch aus.
Europäische Märkte, Regulierung und die Rolle der Ölkrise
Dr. Lutz KrämerUnd bevor wir jetzt auf die Einsparpotenziale mal kommen dadurch, denn es ist ja wesentlich mehr mittlerweile als Ales und sagen, guck mal, hier ist es aber über einen Durchschnitt, ja. Ihr seid in 18 Ländern, wenn ich richtig gesehen habe, bis auf Sao Paulo, wo du vielleicht mal kurz sagen kannst, wie ihr da hingekommen seid, überall in Europa, praktisch in fast jedem Land außer Großbritannien, glaube ich, in Europa. Sind die Märkte da sehr unterschiedlich? Muss man da sehr vorsichtig sein, wenn man expandiert? Oder hat man mittlerweile das Gefühl, wegen der Nachhaltigkeit, und weil es alle im Wesentlichen verstanden haben, gleicht sich das an auch regulatorisch?
Matthias HartmannRegulatorisch ist ein wichtiges Stichwort dabei. Das ist auch Teil der Entscheidung unseres Hauses, wo wir letztendlich aktiv sind und in welchen Märkten wir auch aktiv sein wollen. Der Kontext ist zunächst mal so zu setzen, dass man sagt, gibt es eine regulative Notwendigkeit, Heizkosten, Wärmekosten, Wasserverbrauchskosten zu erfassen. Und die Logik geht eigentlich ganz einfach zurück auf die letzte Ölkrise. Damit meine ich nicht die aktuelle, auch nicht den Ukraine-Krieg, sondern ich meine tatsächlich die in den 70er, 80er Jahren. Dort gab es nämlich zum ersten Mal Energieknappheit. Die Älteren unter den Zuhörern werden sich daran erinnern, in Frankfurt konnte man auf der A5 am Wochenende an autofreien Samstagen Fahrrad fahren. Und das führte dazu, dass der Regulierer hinterher gesagt hat: die Art und Weise, wie wir Heizkosten in Mehrfamilienhäusern entsprechend abrechnen, die muss sich verändern. Warum musste man das? Weil zuvor hatte man nach Quadratmeter oder nach Anzahl Wohnungen verbraucht. Und es ist ja klar, wenn in der gleichen Wohnungsgröße hier eine fünfköpfige Familie und auf der anderen Seite ein lediger Anwalt wohnt, der nie zu Hause ist, den UA arbeitet, dann ist es, glaube ich, jedem eingänglich, wer mehr Energie verbraucht. Also Transparenz, Verbrauchs, sage ich mal, Transparenz zu bekommen und Genauigkeit zur Abrechnung führt beim Konsumenten, das wissen wir auch dazu, dass er seinen Verbrauch anpasst. Wenn ich für das bezahlen muss, was ich letztendlich verbrauche, ich glaube, dann hat das einen Einfluss. Kennen wir alle. Sollte man mal eine Kreuzfahrt mit All You Can Eat buchen, glaube ich, kommen die wenigsten mit weniger Gewicht nach Hause. Ich will da niemandem zu nahe treten. Aber das ist genau der Effekt. Wenn der Mensch weiß, was er verbraucht, dann ist er auch viel energieeffizienter in dem Falle. Und im Falle des sogenannten Sub-Meterings, das ist nämlich der Codename unserer Branche, ist das so, dass wir letztendlich im Schnitt etwa 20 Prozent Energie allein durch das Messen und verbrauchsorientierte abrechnen letztendlich einsparen können. Aber du hast recht, mittlerweile gibt es viel, viele Dienstleistungen, die da on top sind. Und dieses deutsche Modell der Heizkostenverordnung, und das war die Frage nach den europäischen Ländern, hat die EU aufgenommen und in der Energy Efficiency Directive, in der EED letztendlich verpflichtend in einen Rollout über ganz Europa gebracht. Was übrigens einer der beiden Gründe ist, warum gerade die beiden marktführenden deutschen Unternehmen auch europaweit letztendlich führend sind. Brasilien, ja, wie kommt Brasilien in so ein Portfolio? In grauer Vorzeit dachte mal jemand, dass Gas Metering, also ein ähnliches Konzept, dort greifen könnte. Das ist ein Randgeschäft für uns. Es ist profitabel, aber es ist nicht strategisch. Und zu den anderen Ländern, das kann man schon mal reingucken. UK zum Beispiel, wenn du dir die Struktur anguckst von Mehrfamilienhäusern im Vereinigten Königreich, dann sind das häufigerweise ehrlicherweise sehr ineffiziente Gasboiler in den Badezimmern. Da wird aber jeder Mieter ganz klar ablesen können, was er selbst verbraucht. Da braucht man unseren Service nicht. Aber es gibt Länder wie Kanada, die kommen in diese Richtung. Auch in UK wächst das Interesse, weil natürlich dieses Thema Dekarbonisierung im Immobilienbestand ist natürlich insgesamt ein Thema.
Transparenz, Regulierung und Rückenwind fürs Geschäftsmodell
Dr. Lutz KrämerDurch die Transparenz, die ihr schafft, müsste ja eigentlich der Druck auch überall steigen. Denn ich meine, wenn man jetzt in Europa sagt, wir wollen dorthin kommen und man kann dann, ihr habt ja sicherlich verschiedene Maßstäbe, wo ihr sagt, das ist so die Norm, das ist oberhalb der Norm und gibt entsprechende Auswertungen. Auf politischer Ebene, aber auch auf individueller Vertragspartnerebene, dann müssten ja auch Länder wie Großbritannien, wo es jedem klar wird, wenn man dorthin geht, dann zieht es, wir waren neulich in einem schönen Haus in Großbritannien, da hieß es, wir haben keine Klimaanlage, es sind die Fenster, durch die es zieht. Also eigentlich für unsere Verhältnisse unvorstellbar mit dreifacher Verglasung. Das heißt, dadurch müsste eigentlich der Druck noch stärker werden. Das heißt, Transparenz im Verhältnis zu Verbindung zur Regulierung müsste eigentlich Rückenwind geben, auch fürs Geschäftsmodell.
Matthias HartmannJa, und ich glaube, das ist auch so. Das muss man nochmal differenzieren, landesspezifisch, wo die Länder ihre Energie herholen. Großbritannien hat große fossile Vorkommen, hat viel Atomkraft und hat deswegen von der Grundstruktur her schon auch eine Sicht darauf, dass sie sagen, wir sind da ein Stück weit eigenständig. Wir wissen aus Großbritannien, dass EU-regularin noch nie der große Freund der lokalen Politik war. Aber der Druckpunkt steigt und damit auch das Potenzial und die Logik, dass man mit digitaler Intelligenz im Haus letztendlich ja etwas erreichen kann. Und deswegen sind ja auch alle anderen europäischen Länder durchaus genau in diesem Rollout mit drin. Das ist auch für uns ein Wachstumspfad. Die Regulierung hat dort später gegriffen. Aber, und auch das ist ein Faktor, es ist natürlich ein grundsätzliches Dilemma gegeben, gerade im Mehrfamilienhausbereich. Es ist der Vermieter, der investieren muss, es ist der Mieter, der etwas davon hat. Die Heizkosten trägt letztendlich der Mieter. Wir finden, ich finde, dass einer der richtigen logischen Ansätze eine CO2-Besteuerung ist, bei der man ein Stufenmodell findet, wo man bei gut energetisch sanierten Liegenschaften den Vermieter entlastet. Dadurch hat er einen Anreiz, in Energieeffizienz zu investieren und den Mietenden dann entsprechend belastet, wenn er für seinen nur noch individuellen CO2-Ausstoß verantwortlich ist. Und das kann man ja auch sozial flankieren, das hätte das Klimageld sein können in der letzten Periode. Darüber denkt die EU auch massiv nach. Jetzt wollen wir mal alle schauen in den aktuellen Diskussionen und Knappheiten, inwiefern ETS als Zielsystem an der CO2-Regulierung letztendlich wann zu welchem Zeitpunkt kommt.
KI und Digitalisierung: Neue Möglichkeiten im Gebäudebereich
Dr. Lutz KrämerStichwort Digitalisierung. Man kann sich wahrscheinlich, wenn man sich mit dem Geschäftsmodell noch nicht so stark beschäftigt hat und vor allen Dingen auch generell mit der Energiewende nicht so richtig vorstellen, was bringt jetzt zum Beispiel fortschreitende KI in diesem Bereich. Was gibt es da für Möglichkeiten, Effizienzgewinne und auch vielleicht ganz neue Geschäftsmodelle, wo du vielleicht sagen würdest, du hast vor zwei Jahren selbst noch nicht dran gedacht. Wie schnell läuft das bei euch im Bereich?
Matthias HartmannAlso zunächst mal muss man sagen, der Aufsatzpunkt war nicht, sofort in der ersten Stufe über KI zu arbeiten. Warum war das so? Du musst dir vorstellen, wir kommen aus einer Welt, wir haben rund 14 Millionen Wohnungen im Service, da hängt analoge Technik. Das heißt, da muss ein Mensch rein, um die Daten abzulesen. Hier ging es erstmal darum, die digitale Strecke zu etablieren. Also vom funkfähigen Gerät, das kann ein Heizkostenverteiler, am Radiator sein, das kann ein funkender Rauchwaranmelder sein, ein Werbemengenzähler, was immer dort auch ist, alles wird digital und funkt die Daten. Das führt ein Modell überhaupt erstmal in eine neue Dimension, wo ich bisher einmal im Jahr die Daten erfasst habe, nämlich manuell, und einmal im Jahr abgerechnet habe. Jetzt hin zu mindestens zwölfmal Datenerfassung für den Mietenden. Der Vermieter muss den Mietenden monatlich seine Verbrauchswerte mitteilen, auch im Benchmarking. Das schafft nämlich auch Bewusstsein. Theoretisch können wir in Anführungszeichen täglich erfassen. Das sieht man auch vom Druckpunkt her, auch das sind Bedarfe, die da steigen. Wir müssen auch darüber nachdenken, warum wir überhaupt noch jährlich abrechnen. Es wäre für beide Seiten viel klarer und transparenter, wenn wir monatlich abrechnen. Vor allen Dingen bei Mietern, wenn die unterjährig rausgehen und wenn sie unterjährlich rausgehen, dass sie nicht warten müssen mit ihrer Endabrechnung für den Vermieter, dass ja natürlich immense Rückstellungen aufbaut, die am Ende des Tages auf der Kostenbilanz liegen und dann auch vielleicht die Mieten wieder rückbelasten. Also was will ich sagen? Ich glaube, mehr Digitalisierung bringt zunächst mal eine Veränderung bei uns im Geschäftsmodell, jederzeit Daten erheben zu können, jederzeit analysieren zu können und jederzeit zusätzliche Dienstleistungen anbieten zu können. Und dann, ja, basierend auf dieser erstmal initialen Stufe, die wir fairerweise in der ganzen Branche noch nicht mal hundertprozentig durch sind, bis 27 ist das Ziel der Branche, 100 Prozent zu erreichen. Wir sind bei einem Digitalisierungsgrad hier bei mir im Hause von 87 Prozent. Aber wir wissen immer, die letzten 10 Prozent sind manchmal die Scheinigsten und auch die Last Dirty Mile, The Last Dirty Mile, ja genau. Ja, das ist das. So, und wenn ich aber diesen Datenhaushalt jetzt habe, und jetzt auch zu deiner Frage, dann habe ich natürlich ganz andere Möglichkeit, mit diesem Datenhaushalt zu arbeiten. Übrigens, dieser Datenhaushalt ist ja gar nicht meiner. Es ist der Datenhaushalt meines Vermieters, meines Kunden, nämlich des Vermieters. Da muss man auch immer mal von ausgehen. Wir haben dann aber begonnen, zum Beispiel die Digitalisierung nicht nur der Wohnung, sondern auch des Heizungskellers anzugehen. Das heißt, wir nehmen letztendlich niedriginvestive Zensorik, packen sie an einen bestehenden Ölgaskeller oder auch an eine Wärmepumpe und können damit das Verhalten dieser Anlage viel besser steuern. Und da nutzen wir zum Beispiel AI und Machine Learning, um halt eben hier Mustererkennung zu machen, um zu sagen, hat die Anlage eine Anomalie? Wird es zum 22. Dezember, kurz vor Weihnachten, zu einem Heizungsausfall kommen, weil es zum ersten Mal kalt ist? Das sind solche Muster. Die anderen Muster sind natürlich Fehlererkennung. Wenn ich eine digitale Strecke habe, kann die KI natürlich Fehler in den Daten viel schneller, viel besser und viel verlässlicher auch analysieren. Nächster Anwendungsfall. Und wenn ich einmal die digitale Strecke habe, dann kann ich an die einzelnen Prozesse gehen, im Customer Service, Kundenanfragen beginnend automatisiert zu beantworten, mehr Kontext zu haben. Aber dazu muss eben ein sehr tradiertes, altes Geschäftsmodell überhaupt erstmal in den digitalen Prozess mit hineinkommen. Und dann können wir auch, und da sind wir dabei, die Möglichkeiten von KI natürlich viel, viel besser aussteuern und nutzen zu können.
Dr. Lutz KrämerStichwort
Daten als Goldschatz: Der Techem Energiemonitor
Dr. Lutz KrämerBenchmarking, weil du das vorhin gesagt hast. Ich weiß aus dem Rating-Bereich im Kapitalmarkt, dass das Rating ja davon lebt, möglichst enge Netze zu haben. Das heißt, es bringt nichts, wenn ich 40 Unternehmen habe, die ich rate, die kann ich nicht quer vergleichen. Ich brauche in Brasilien, in Deutschland, in England, in USA die gleichen Sektoren und ich muss das Rating idealerweise mit einem Buchstaben über Länder und Sektorengrenzen hinweg bezeichnen. Und wenn ich sage, Bonitätsnote Single-A, ist das der Energiedienstleister genauso wie der Automobillieferant in unterschiedlichen Kontinenten und unterschiedlicher Größe. Das heißt, dieses Rating hat einen unglaublich, wie wir ja auch wissen, von der Stärke der Ratingagenturen und der Regulierung, die später kam. Wenn ihr jetzt diese Daten sammelt, und ich könnte mir vorstellen, darüber haben wir im Vorfeld nicht gesprochen, aber du hattest früher bei GfK mal gesagt, Daten sind unser Goldschatz. Das heißt, ihr sammelt jetzt mit KI natürlich in Abstimmung mit den Vermietern, da gibt es Datenschutzregelungen, dass ihr die verbinden durft und so weiter. Natürlich sammelt ihr Daten und ihr könnt dann zum Beispiel auch der Politik sagen, in dem Bundesland stehen wir, zumindest bei dem, was wir erfassen, da unter einem Schnitt, bei dem Gebäudetypus so und so. Also was bringt es, wenn ich Gebäude typ D oder E habe im Vergleich. Das heißt, das sind A hochpolitische Erkenntnisse, könnte ich mir vorstellen, aber B auch wertvolle Erkenntnisse. Ist das, weil man eigentlich nicht Eigner der Daten ist, etwas, mit dem ihr als Add-on arbeitet, oder ist das vielleicht sogar etwas, was man auch verkaufen kann, weiß ich nicht.
Matthias HartmannAlso ganz Letzteres nicht. Verkaufen können wir es nicht. Was wir aber tatsächlich machen, unter Einhaltung der DSGVO-Regeln, wir nehmen zum Beispiel die Energieverbrauchsdaten von etwa 1,3 Millionen Wohnungen aus Deutschland, Nord nach Süd, West nach Ost. In meiner GfK-Zeit hätte ich von einer solchen Panelgröße nur träumen können. Wir haben also hier die Möglichkeit, und das machen wir mittels des sogenannten Techem-Energiemonitors, den wir im letzten Jahr so auch viel, viel offensiver, positiver in den Markt gebracht haben. Wir können nämlich dort regional, nicht nur nach Bundesland, bis runter auf den städtischen und auf den Bereichslevel runter analysieren, wie heizt eine Stadt, wie benchmarkt sich das, wie sind Verbräuche wetterabhängig, hoch, runtergegangen. Und das nutzen wir, um diese Daten eigentlich zu vermitteln in die Öffentlichkeit. Das bringt uns auch in der Pressearbeit durchaus eine gute Coverage. Wir schaffen es wirklich in jedes Lokalblatt damit. Das stärkt unsere Marke mit der Dienstleistung, die wir anbieten. Es bringt uns aber vor allem auch in den guten Dialog tatsächlich über Verbände oder auch mit den Verbänden in der Politik. Und gerade in Zeiten dieser energetisch sehr aufgeheizten Diskussionen, die wir in den letzten zwei Legislaturperioden haben, sind das halt eben Faktenpunkte, die wir einbringen. Lass mich mal ganz konkret ein Anwendungsbeispiel dieser Daten nennen. Wir konnten und wir können und machen das fortlaufend sagen, ob ein Wohnungsbestand mittels einer Wärmepumpe heizbar, beheizbar ist. Und da will ich dir kurz mal als Beispiel eine Statistik sagen. Wenn wir mal den kompletten Bestand von Mehrfamilienhäusern in Deutschland nehmen, das ist das Segment, was wir abdecken, dann kannst du davon ausgehen, dass wir rund 40 Prozent des Bestandes, egal wie alt das Haus ist, aus welchem Jahrhundert oder Jahrzehnt es letztendlich kommt, dass wir 40 Prozent, so wie sie stehen und liegen, mit einer Wärmepumpe absolut warm bekommen.
Dr. Lutz KrämerUnd
Wärmepumpe: Fakten statt Ideologie
Dr. Lutz KrämerWärme hieße dann auch, wäre effizient über einen gewissen Zeitraum mit der Anschaffung. Das wäre ja die nächste Frage sozusagen.
Matthias HartmannLass mich das ergänzen. Weitere 50 Prozent, also dann insgesamt 90 von 100, kriegen wir allein durch den Austausch der Radiatoren, also alter Heizkörper gegen neue, wesentlich effizientere Heizkörper oder leicht größere Heizkörper hin. Warum sage ich das? Ich sage das deswegen, weil ad eins einer Riesendiskussion in Deutschland natürlich, ob des sogenannten Heizungsgesetzes, klammer auf, das gab es ja nie. Es gibt kein Gesetz, das Heizungsgesetz. Also es gibt das Jetzt-Gebäudemodernisierungsgesetz, so heißt es wirklich. Ob wir denn mit der Wärmepumpe auf dem falschen Pfad wären. Es gab eine ideologische Diskussion in diesem Lande, Wärmepumpe ja, nein, verteufelt, gut, schlecht, wie auch immer, in ideologisch geprägten Lagern. Und wir können einfach nur sagen, eine Milliardenfach, nämlich durch die Kühlung im globalen Süden, eingesetzte Technologie eignet sich in diesem Lande sehr, sehr wohl, um Gebäude zunächst mal umzustellen, technologisch. Fairerweise muss man jetzt die Frage stellen, wie sieht es denn mit der Kostenseite aus? Hier schießen wir natürlich volatil gegen die jeweiligen fossilen Energiepreise. Wir können jetzt mal davon ausgehen, Dass ein mit Hilfe von Solartechnologie, vielleicht einem kleinen Speicher, einer Wärmepumpe ausgestattetes Haus heute in diesen Zeiten wesentlich effizienter zu betreiben ist als klassischerweise fossil mit Öl oder Gas. Das lehrt uns einfach die Preissteigerung der letzten Wochen schon wieder. Also es ist natürlich immer ein Zeitpunktbezogener Vergleich. Klar ist aber, klar ist doch aber eigentlich Folgendes, und das ist auch unsere Position, die wir einbringen. Eine Diskussion der Verlangsamung der Rückführung der fossilen im Gebäudebestand ist eigentlich eine Sackgasse aus unserer Sicht. Auch die Beimischung, wie sie jetzt gefördert wird von Biogasen und Biomasse in den Gasprozess, haben wir zumindest mal die Befürchtung, dass das insgesamt nicht günstiger, sondern eher teurer wird. Ich glaube einfach, wir sehen die Technologie auf einer Stufe, dass sie so fortschreitend wirkt, dass sie auch mit Großwärmepumpen quartiersmäßig in den Einsatz kommt. Und meine großen Kunden, gerade die größten, und da mit denen fängt es an, sind sehr, sehr klar der Meinung, dass das Ihr Klimapfad bis 1945 ganz klar auf der Wärmepumpen-Technologie letztendlich basiert. Wenn ich meinen Kunden Vonovia anschaue, mit einem sehr modularen Ansatz Wärmepumpen-Cubes in die Vorgärten oder in die hinteren Gärten zu stellen, die nicht mehr laut sind, die sehr effizient sind, dann ist das für Mieten in Deutschland ein Effekt. Denn eins dürfen wir nicht vergessen. Egal, was die Politik macht, mit falschen regulatorischen Anreizen, der Grad der Wärmepumpennutzung im Land läuft hoch. Wir werden immer weniger Gas in den Verteilnetzen haben. Die Verteilnetzkosten des Gases werden auf weniger Verbrauchende umgelegt. Das ist ein Faktor, den die meisten letztendlich verkennen. Und gleichzeitig geht der Ausbau der Netze auf der Stromseite natürlich weiter und wird die Voraussetzung schaffen. Also ich glaube eher, das Land sollte durchziehen. Wir sind mit der Energiewende strombasiert zu 60 Prozent durch. Die letzten 40, die müssen wir schaffen. Aber ich bin eigentlich guten Mutes, dass wenn das Land mit Mut das jetzt zu Ende führt, dass wir eigentlich eine gute Basis haben. Wenigstens mal im wohnungswirtschaftlichen Bereich. Bei industriellen Großversorgern haben wir eine separate Diskussion. Da bin ich vielleicht auch nicht derfache Experte.
Dr. Lutz KrämerWie viel
Der Gebäudesektor als größter CO₂-Faktor
Dr. Lutz Krämermacht denn die Gebäudeenergie aus überhaupt in diesem Bereich? Das ist ja ein Punkt, der häufiger unterschätzt wird.
Matthias HartmannAlso alle sprechen natürlich über die E-Mobilität und alle sprechen über das elektrische Fahren. De facto ist der Gebäudesektor für rund, je nach Quelle 35 bis 40 Prozent des CO2-Ausstoßes tatsächlich verantwortlich. Das heißt, hier reden wir über den größten Faktor, den wir insgesamt mit haben. Im Vergleich zu Autos, nur dass man es mal ganz kurz macht. Ich glaube, das Auto ist insgesamt weniger im CO2-Ausstoß befasst, aber da müssten wir die Experten nochmal fragen. Aber da ist die Industrie. Wir sehen die industriellen Zahlen runtergehen, die Industrie hat relativ viel getan. Aber die Industrie auf der anderen Seite wandert natürlich auch ab in energieintensiven Bereichen. Wir haben das bei BASF gesehen nach China. Da muss man mal wirklich hinter die Statistiken gucken. Im Gebäudesektor ist das die Zahl. Und da haben wir über mehrere Jahre gute Fortschritte gemacht, aber es stagniert jetzt. Warum stagniert es? Die Unsicherheit bei Verbrauchern ist natürlich groß geworden. Als Habeck das Gesetz kassieren musste und erstmal in die kommunale Wärmeplanung gegangen ist, hat man gemerkt, da gingen viele, viele technologische Projekte wieder in die Schublade, die eigentlich schon reif fahren, umgesetzt zu werden. Das haben wir auch gespürt.
Dr. Lutz KrämerStichwort
M&A-Strategie: Zukäufe, Konsolidierungen, Akquisitionen
Dr. Lutz Krämerso ein bisschen vielleicht von dem Geschäftsmodell, wie es jetzt ist, in die Zukunft und auch so ein bisschen MA-mäßig gedacht, weil hier die Kanzlei macht ja auch praktisch nur MA-Projekte. Habt ihr irgendwelche Zukäufe in der Vergangenheit gehabt in der Pipeline? Oder wie sieht das mit Bayern Build aus? Ist in eurem Bereich, der sehr KI und Digitalisierungsaffin ist, ist das etwas, wo ihr sagt, wir sind eher diejenigen, die das selbst machen können? Gibt es neue Möglichkeiten dadurch? KI, gibt es da möglicherweise so ein Change unter großen Anbietern und Kleinen? Wie sieht da euer Modell aus?
Matthias HartmannAlso MA war und ist in der Organisation durchaus immer ein begleitender Faktor gewesen. Der Auslandseintritt in manchen europäischen Märkten geschah über die Akquisition eines lokalen Spielers. Heute sind wir in 14 von 18 Märkten, die Nummer 1 oder die Nummer 2. Aber Fakt ist auch, du hast ja vorhin über die zwei größeren gesprochen, de facto haben wir in Deutschland noch 300 Submetering-Messdienste kleiner regionaler Art. Und hier haben wir schon auch eine Möglichkeit genutzt. Dort, wo eben typischerweise Familienunternehmen keine Nachfolge haben, sind wir den Weg gegangen, die Häuser zu unterstützen und an Bord zu nehmen, die eben nicht aus eigener Kraft in die Digitalisierung hineinkommen. Das ist CAPEX-intensiv. Digitalisierung ist ein Wissensfaktor. Wir haben alle zu wenig Zugriff auf digitale Skills in diesem Lande. Und das ist schon etwas, was wir auch unterstützend anorganisch neben dem organischen Wachstum getrieben haben.
Dr. Lutz KrämerUnd würde da sozusagen eure KI-Entwicklung selbst künftig etwas erleichtern, dass ihr sagt, wir können jetzt etwas selbst machen, was wir früher vielleicht hätten zukaufen müssen? Denn es gibt ja in diesem Bereich noch viele Unternehmen, die sagen, wir wollen etwas Neues sozusagen gründen oder sozusagen Dienstleistungen anbieten.
Matthias HartmannIch glaube, da sehen wir eine generelle Entwicklung, die durch die Akzellerierung der digitalen Entwicklung natürlich durch KI wie es gegeben ist. Gerade wenn ich mir anschaue, was die neuen Plattformen, sei es Anthropic oder auch ChatGBT, ermöglichen im Sinne von Code-Generierung, dann hat das auch unseren Blick in den letzten 18 Monaten nochmal wundamental verändert. Wir sind also heute wesentlich eher bereit, hinzugehen und eigene Entwicklungen, Systementwicklungen, AI-Native, wie wir es nennen, letztendlich neu anzugehen. Das heißt, ein gefühlter Vorsprung gerade in unserer One-Digital Plattform. Wir sehen uns schon als das führende Abrechnungssystem im Markt. Wir haben eine Maschine, technische Abrechnungsmaschine in allen Ländern, über alle Services, mandantenfähig. Das ist eigentlich ein starker Vorteil. Aber wenn ich mir jetzt natürlich mal in schlaflosen Nächten anschaue, was kann da ein neuer Angreifer eigentlich tun, dann ist er zumindest schneller in der Lage, hier reinzugehen. Trotzdem mache ich mir um unser Geschäftsmodell noch nicht wirklich die größten Sorgen. Einfach warum, warum sage ich das? Wir sprechen die ganze Zeit über Digitalisierung, zur Wahrheit gehört aber auch, wir sind aber auch noch ein großer skalierender Handwerksbetrieb. Um dir mal die Vorstellung zu geben, wir installieren im Jahr etwa zwischen 5 und 6 Millionen technischer Endgeräte, Messtechnikgeräte im Jahr allein in Deutschland, dazu kommt das Ausland noch dazu, es etwa heftig anzusetzen. Will heißen, das ist eine immense Kraft, die neben der digitalisierten Abrechnung und den digitalisierten Mehrwertdiensten erstmal dazu führen muss, dass digitalisiert ist, dass ein Regeltausch von eichpflichtigen Geräten ordentlich durchgeführt wird. Und fairerweise ist der nicht-digitale Bereich, der analoge Bereich, der Handwerksbereich, will ich ihn mal nennen, das ist eigentlich zurzeit unsere größere Herausforderung, weil hier brauchst du Fachkräfte, hier brauchst du Montagekapazität am Markt. Wir haben unsere Kapazität von etwa drei auf fünf Millionen Geräte schon mal in den letzten 18 Monaten hochgeschoben. Das ist eine große, große Aufgabe und auch eine durchaus spürbare Last und Schmerz für die Organisation. Ich sage immer, wenn wir mal digital sind, Lutz, dann ziehen wir digital durch. Und diesen Vorteil der digitalen Plattform, den versuchen wir natürlich auch im M ⁇ A-Kontext zu nutzen. Da haben wir gerade auch eine große Akquisition getätigt. Die führt nämlich auch in den Wachstumsbereich fürs Haus. Ich habe ja gesagt, wir kommen aus Barmwasser und Wärme, also Wasser und fossile Heizenergie. Strom ist das neue Thema. Wir stromifizieren ja in der Wärmeversorgung. Wärmepumpe, Pflichteinbaufälle wie Solar und so weiter und unsere Akquisition von IndexoG als sogenannten wettbewerblichen Messstellenbetreiber, ist genau dieser Weg in den Strom, in die strombasierte Messung, die wir jetzt praktisch komplementär noch mit hereinnehmen, auf die gleiche Plattform integrieren werden, was die Abwicklung angeht.
Dr. Lutz KrämerWas dann
Multisensor und die Erweiterung des Produktportfolios
Dr. Lutz Krämereben mit Rauchmeldung ist dann praktisch fast alles, was man messen kann, auch an Risiken und so weiter.
Matthias HartmannJedes Gerät funkt und du hast recht, Rauchwandmelder, da ging der Trend eigentlich vor 10, 15 Jahren schon los. Wir waren das erste Haus, das rein digitale Funkstrecke bei Rauchwandmeldern angeboten hat. Das hat uns zum Marktführer in diesem Bereich gemacht. Und wir haben jetzt mit unserem größten Kunden Vonovia ein neues Gerät entwickelt, den sogenannten Multisensor. Da haben wir weitere Sensorriken reingepackt. Also wir messen Kohlenmonoxid, auch ein Faktor für Sicherheit in der Wohnung. Wir haben den ersten Rauchwandmelder, der auch in der Küche funktioniert. Also wenn du dein Steak putzt, die Küche ist der Raum, wo das meiste Gefahrspotenzial für Brände liegt. Und da ein weiteres Gerät platzieren zu können, ist kommerziell für uns interessant, aber sicherheitstechnisch für unsere Kunden auch. Aber auch Luftfeuchtigkeit, Schimmelbildung in Wohnungen ist ein großes Thema, Lüftungshinweise gebend. Wir sehen also, dass einfach vom Geschäftsmodell her überall in unserer Klientel der Immobilienwirtschaft es möglich ist, weitere, sag ich mal, digital unterstützte Mehrwertdienste durch Technologie einführen zu können.
Dr. Lutz KrämerAlso alles, was geärgert hat früher, auch in den Studentenwohnungen, ich erinnere mich, wird sozusagen abgedeckt. Und das ist ja schon ein ganz guter Hinweis auf die Verbreiterung des Geschäftsmodells gegenüber dem, was man normalerweise kannte. Das führt mich zu einer Frage, nämlich
Private Equity vs. Börse: Was bedeutet das für die Unternehmensführung?
Dr. Lutz Krämerder Eigentümerstruktur bei euch. Das war ja jetzt nicht immer rückblickend, das ist immer alles homogen und das ist eigentlich in Sprüngen und Meilenstein. Man braucht Zeit für gewisse Dinge. Manche brauchen länger, manche gehen jetzt mit KI plötzlich sehr viel schneller, Markteintrittschwellen senken sich und so weiter. Wie siehst du das, dass ihr jetzt nicht mehr an der Börse seid, sondern private equity-owned? Ihr hattet gerade auch nochmal einen Portfoliowechsel, hattet starke, sehr langfristig und international organisierte Miteigentümer jetzt neben der Partners Group. Wie würdest du das insgesamt sehen von der Eigentümerstruktur, auch für dich jetzt als CEO? Denn das ist sicherlich für viele auch interessant. Was heißt das für die Unternehmensführung? Wie wird dir überwacht gegenüber dem sonstigen Kapitalmarkt, der quartalsmäßig dort?
Matthias HartmannJa, also das ist für mich kein Entweder-oder. Und wie sagt man so schön im Aller, there is never a free lunch. Beide Modelle haben in sich Vorteile, aber auch gefühlte Nachteile. Was ich, und ich fange mal positiv an, was ich nach meiner Zeit bei IBM, also im globalen Konzern, natürlich börsennotiert, was sonst, dann die Zeit der GFK als Small Mid-Cap im S-DAX. Und jetzt im Vergleich dazu sehe, ist, es ist schon ein schnelleres Umfeld. Es ist ein direkteres Umfeld, gerade auch für die Führungsmannschaft mit dem CEO, aber auch den Kollegen in der Geschäftsführung. Warum sage ich das? Private Equity, Private Markets geführte Unternehmen haben eine klare Philosophie. Man erstellt einen gemeinsamen Plan, und das Stichwort liegt auf gemeinsam, auf dem man auch gemeinsam im Team inzentiviert ist. Bereichsegoismen lassen sich so wunderbar erstmal ein Stück weit zurückbringen. Politik herrscht in Unternehmen. Aber ich würde sagen, dass das gemeinsame Einschwören eines 50, 60-Mann-Teams hier bei uns, bei Techim, hat dazu geführt, dass wir uns viel, viel klarer, viel schneller und mit wesentlich weniger Diskussionen intern befassen mussten. Je klarer der Plan ist, den wir gemeinsam erstellen, desto mehr ziehen wir ihn durch. Ansonsten gibt es viel Gemeinsamkeit. Also natürlich arbeiten wir weiter an Kapitalmarktfähigkeit. Für uns ist ein Gang an die Börse überhaupt nicht auszuschließen. Gleichfalls muss man sich entsprechend in Prozessen, in Compliance, in Auditierung, in all dem, was wir aus dem kapitalmarktgetriebenen Börsenumfeld kennen, muss man sich orientieren. Und weniger Zahlen habt ihr auch nicht. Und weniger Zahlen habt ihr nur nicht veröffentlicht. Genau, das ist der große Unterschied. Das ist aber auch ein großer Unterschied, auf den würde ich auch nochmal eingehen. Es ist schon was anderes, gerade in massiven Veränderungsprozessen, ob du in the public eye oder in the private eye transformieren kannst. Weil eben nicht alles projektorientiert in einen Drei-Monats-Zyklus zu packen ist. Und was ich immer auch sagen muss, was ich schon vermisst habe an der Börse, gerade wenn du nur in Anführungszeichen an Small Midcap bist, dann hast du überhaupt nicht die Analystenbasis und die Research-Basis auf der anderen Seite, um dein Geschäftsmodell durchgängig so zu vermitteln, wie es den großen Börsengeführten natürlich möglich ist. Da ist die Klarheit da, da gibt es natürlich keine Fragestellung im Geschäftsmodell. Wir, glaube ich, müssten immer wieder unser doch nicht so unkomplexes, auch mindestenscheinend, Modell immer wieder erklären. So, ich glaube, da hat also beides etwas für sich, aber irgendwann spielt auch Größe eine Ordnung. Unser Haus hat eine Größenordnung. Und wir haben ja auch beim letzten Mal, beim letzten Exit einen QL-Track gemacht. Der Katalog, Börsenkatalog war zu 95 Prozent fertig. Die Roadshow war geleistet, die Analystenmeetings in London waren gemacht, die Analystenreports waren geschrieben. Und trotzdem hat sich der Investor dafür entschieden, dann doch nochmal an einen Konsortium weiterzuverkaufen. In meiner Rolle und Position muss ich mich auf beide Szenarien vorbereiten und deswegen ist es bei klassischen Fragen Kapitalmarktfähigkeit fairerweise kein großer Unterschied.
Dr. Lutz KrämerAber sagen wir mal, du fühlst dich da nicht unwohl in dem Umfeld, das kann man schon sagen, weil es doch, man kennt seine Ansprechpartner und weiß, wenn man mit denen den Plan sozusagen erfüllt, die ihn natürlich auch gut kennen. Man muss nicht immer Dritten erklären, sondern das BeiIn war ja vorher da.
Matthias HartmannDein Gemeinsam, das ist reduziert, die Reibungsfläche. Vor allem hast du im Börsenkontext ja immer die Herausforderung, mit wem darfst du überhaupt sprechen? Deine Aktionärsstruktur, dein Eigentümer, mit wem darfst du was im Sinne der Transparenz teilen? Das zweite ist natürlich Forward-Looking-Statements. Das sind an der Börse ein Riesenthema. Und sorry, wenn ich einen klaren Fünf-, Sechs-Jahres-Plan habe, dann ist natürlich das Forward-Looking Teil eines jeden Dialoges, den ich mit meinen Gesellschaftern habe. Das macht eben in einer solchen Transformationsphase vieles doch auch einfacher.
Karrierechancen in der Energiewende: Empfehlungen für die junge Generation
Dr. Lutz KrämerGut, vielleicht zum Abschluss nochmal, weil wir haben erfahrungsgemäß relativ viele junge, jüngere Zuhörer am Ende ihrer Studien oder in der Berufsausbildung einige Jahre Erfahrung, die überlegen, was sie noch machen sollen, oder eben Professionals in den ersten zwei, drei Jahren. Wenn du jetzt deine gesamte Branche sozusagen siehst, auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung, wo ich auch in den alten Erfahrungsbereich rein. Vor dem Hintergrund, dass viele ja momentan überlegen, oh, wird mein Job, mein Profil eigentlich noch gesucht in den nächsten zwei, drei Jahren, bis hin zu Beratungsberufen, die momentan auch sehr gut am Markt verdienen, aber alle so ein bisschen die Götterdämmerung sehen. Durch Steuerberatungs- und RechtsanwaltskI. Auch bei Beratern sieht man mittlerweile, dass da durchaus Einschränkungen im Umsatz passieren. Wo würdest du sagen, aus deiner Sicht heute sind durchaus noch Wachstumsfelder oder was sind interessante Bereiche, vielleicht auch an Schnittstellen von Themen, die nicht mehr so eindimensional sind, weil viel zusammensitzt?
Matthias HartmannAlso ich glaube, alles das hat Zukunft, dass am Ende des Tages mit der Möglichkeit aus den Daten Wertschöpfung zu betrieben ist. Das eine ist ja, sage ich mal, das Coden von Systemen, der klassische Anwendungsprogrammierer, kommt vornehmlich erstmal unter Druck, weil die KI einen gewissen Automationsgrad de facto mit herbeibringt. Auf der anderen Seite ist die Erfahrung im System und im Use Case maximal wichtiger geworden. Das heißt, sich die Seniorität im fachlichen Verständnis zusätzlich zum technischen Verständnis aufzubauen, ist, glaube ich, im hybriden Modell eine wunderbare Zukunftschance. Gleichzeitig entstehen natürlich auch neue Jobprofile, auch durch die KI. Ich komme gerade von der West Coast aus San Francisco zurück. Große Diskussion mit dem Chairman von Entropic. Was tut sich dort? Und er hatte das Beispiel vor fünf Jahren, haben in der Medizintechnik alle gesagt, Radiologen hätten keine Zukunft mehr. Die KI können das ja besser. Fakt ist, es gibt heute, fünf Jahre später, mehr Radiologen als vorher. Die Leistungskette in der Interpretation dessen, was die Erkennung der KI tut, ist, glaube ich, das Wesentliche. Ich denke, wir kommen dahin, dass wir gewisse administrative Aufgaben auf jeden Fall so auch in unserem Haus durchdigitalisieren werden, mehr Zeit für den Kunden an der Kundenschnitte zu haben. Und das andere in meinem Haus ist natürlich das Engineering auf der technischen Seite. Ich habe ja gesagt, wir sind ein hybrides Modell, wir sind nicht nur digital, wir sind auch ein Stück weit in einem Geschäft, wo Handwerk durchaus auch goldenen Boden hat und auch Möglichkeiten bietet. Ich kann der jungen Generation nur empfehlen, und ich glaube, das ist so der Trend der letzten Jahrzehnte gewesen, überall dort, wo du noch ein physisches Gerät in die Hand nimmst, hat nicht den Wert. Ich würde das neu denken. Wenn ich heute als Unternehmer an den Markt gehen würde, würde ich mir überlegen, ob ich nicht genau einen, sage ich mal, professionalisierten Handwerksbetrieb unter der Nutzung von Technologie, aber mit den Aufgaben der Transformation in der Energiewende. Und da sind viele Hände auch mit dem Schraubenzieher und nicht sogar der Zange gefragt. Das würde ich mir überlegen. Und das als Kette mit Leverage. Und das als Kette und dann reden wir wieder über Bayern Build und so weiter. Ich glaube, da lässt sich vieles miteinander verbinden. Und dann schließlich noch, ich glaube, mit dem Kontext Data Science haben sich ja völlig neue Geschäftsfelder auch bei uns im Hause entwickelt. Die hatten wir so in der Form im Haus vor fünf, sechs Jahren nicht. Heute haben wir ganze Bereiche, die sich damit auseinandersetzen. Ich glaube, wir sollten da nicht zukunftssorgenvoll nur immer sein. Als die Dampfmaschine kam, hatten wir die Diskussion, als der PC kam, hatten wir die Diskussion, jetzt haben wir die Diskussion mit KI. Und ja, sie kommt viel schneller als jede andere vorher. Das ist das, glaube ich, was uns am meisten auch in den Unternehmen zu denken geben muss. Wie nehmen wir eigentlich die Menschen mit und wie bringen wir sie da mit auf den Weg? Wir haben bei uns den Weg gewählt, mit der Techim Academy einen, ich darf sagen, Award-winning-Ansatz zu fahren, um von alten Ausbildungsmodellen hin in neue Welten zu kommen. Also Beruf und Studium praktisch. Ja, das auch, aber dann auch für die Menschen, die wir ja im Beruf haben, auch wenn sie dann mal von der Schulbank oder Studienbank runter sind, um denen kontinuierlich mit unseren Training Days die Möglichkeit zu geben, sehr flexibel und sehr gut konsumierbar parallel zum Job zu lernen. Denn das ist ja die große Herausforderung. Ich habe nie Zeit, habe sowieso genug auf dem Schreibtisch, was soll ich denn jetzt noch machen? Wir müssen also den Menschen die Möglichkeit geben, in kleinen Schritten diesen Weg mitzugehen und das auch auszuprobieren.
Fazit: Optimismus trotz KI-Wandel
Dr. Lutz KrämerAlso insofern kann man sagen, du bist optimistisch. Das ist ja auch bei CEOs, da spricht man ja immer von dem Überoptimismus, sonst wird man nicht CEO. Das Ganze ist immer halb voll. Genau. Bist du Vater von drei Kindern. Insofern nicht, du machst dir keine Gedanken, sondern eigentlich ist es wieder die Trias, Ausbildung, Erfahrung sammeln, weiterbilden, nicht stehen bleiben. Und das vielleicht sogar jetzt noch mit einem etwas schnelleren Ansatz und Impetus. Matthias, ich bedanke mich. Das war ein interessantes Gespräch und vor allen Dingen war es eben doch auch ein positiver Schluss. Denn man hört ja in diesen Zeiten immer doch ein bisschen negativen Unterton, wenn man von KI redet, aber hast du weder im Geschäftsmodell noch privat. Vielen Dank. So soll es sein. Vielen lieben Dank, Lutz.