OrthoCast - Der Orthinform Podcast

Warum Wirbelsäulenmetastasen heute nicht mehr automatisch ein Todesurteil sind (Prof. Georg Osterhoff)

BVOU feat. Prof. Georg Osterhoff Season 3 Episode 12

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Ein stechender Rückenschmerz und plötzlich steht die Frage im Raum: harmloser Verschleiß oder Metastase in der Wirbelsäule? 

Gemeinsam mit Prof. Georg Osterhoff nehmen wir die Angst vor dem Ungewissen und zeigen einen klaren, modernen Behandlungsweg – von den ersten Warnzeichen bis zur Entscheidung im interdisziplinären Tumorboard.

Statt Panik setzen wir auf Wissen: 

  • Welche Red Flags erfordern Tempo?
  • Wie unterscheiden wir degenerative Beschwerden von Tumorzeichen?
  • Und warum verbessert schon die strukturierte Fallbesprechung nachweislich die Prognose?

Wir führen dich durch die entscheidenden Schritte der Diagnostik und Therapie bei Wirbelsäulenmetastasen:

  • hochauflösende Bildgebung
  • gezielte Biopsie
  • präzise Strahlentherapie
  • Knochenaufbau-Medikamente
  • wenn nötig: minimalinvasive Stabilisierung der Wirbelsäule.

Prof. Osterhoff erklärt, wann Operationen unverzichtbar sind, wie Navigation und moderne OP-Technik Risiken senken und weshalb Patientinnen und Patienten heute oft schon am Folgetag mobilisiert werden. 

Ebenso wichtig: Die Systemtherapie der Onkologie hat gewaltige Fortschritte gemacht – von zielgerichteten Wirkstoffen bis hin zu Immuntherapien, die Krebs effizient bekämpfen und den Alltag weniger belasten.

Ein weiterer Schwerpunkt: die Psyche. Angst und Erschöpfung sind häufige Begleiter einer Krebsdiagnose. Wir sprechen darüber, wie Screening, Psychoonkologie und klare Kommunikation helfen, Kontrolle zurückzugewinnen und Warnzeichen richtig einzuordnen.

Du erfährst außerdem, welche Primärtumoren häufig in die Wirbelsäule streuen, welche Fragen du beim nächsten Arzttermin stellen solltest und warum spezialisierte onkologische Zentren mit Tumorkonferenzen der beste Ort für schnelle, gute Entscheidungen sind.

Wenn du Klarheit, Zuversicht und einen strukturierten Plan bei Wirbelsäulenmetastasen suchst, bist du hier richtig. 

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Music under CC License: 
Artist: Jahzzar, Track: Blueprint (License: CC BY-SA 4.0 DEED)
Artist: Breuss Arrizabalaga Quintet, Track: Mount Fuji (License: CC PD)

Begrüßung Und Vorstellung Osterhoff

SPEAKER_01

Ja, herzlich willkommen. Vielen Dank für unseren tollen Gast heute, Professor Georg Osterhoff. Und er hat eine wirklich, möchte ich sagen, zentrale Funktion in der Hauptstadt, nämlich Berlin. Und zwar ist er da ärztlicher Direktor am BG-Klinikum des Unfallkrankenhauses Berlin und auch dortiger Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie und seine Professur für Traumatologie ist an der Charité in Berlin, wo er forscht und lehrt. Herzlichen Dank, Georg, dass du heute bei uns bist zu einem Thema, wo ich sagen möchte, das ist ein Thema, das können wirklich nicht viele. Das ist nämlich auch eine schwierige chirurgische Disziplin.

Was Wirbelsäulenmetastasen Heute Bedeuten

SPEAKER_01

Und zwar geht es um Wirbelsäulenmetastasen, also Tochtergeschwülste eines Tumors in der Wirbelsäule. Und da haben wir dich eingeladen, Georg, als Experte. Und wenn ich mir jetzt heute noch an meine orthopädische Ausbildung denke, eine Metastase in der Wirbelsäule bedeutet, da stirbt man automatisch dran. Ist das heute immer noch so?

SPEAKER_02

Ja, liebe Katharina, lieber Robert, erstmal herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, hier dabei sein zu dürfen. Zu deiner Frage. Also erstmal ist der Anlass, dass wir heute darüber sprechen, eigentlich ein guter. Weil, wie du sagst, früher, wenn man so eine Tochter geschwulzt hat, eine Absiedlung von einem Krebs, dann hieß das eigentlich jetzt, dass die Lebenserwartung nur noch sehr kurz ist, dass die Patientinnen und Patienten bald versterben werden. Und das hat sich wirklich geändert. Also eine Krebserkrankung erstmal sich klar werden darüber, heißt heute nicht mehr, du stirbst, sondern das kann in 50 Prozent der Fälle geheilt werden. Und selbst in Situationen, wo Metastasen, also schon Absiedlungen dieser Krebserkrankung da sind, kann das manchmal noch geheilt werden. Oder, und das ist ganz häufig so, man kann noch sehr lange damit leben.

Leitlinie Und Neue Therapieziele

SPEAKER_02

Und wenn man sozusagen mit diesen Metastasen lange leben muss oder kann, dann muss man eben dafür sorgen, dass die keine Schmerzen machen, dass die fressen manchmal den Knochen an oder machen Löcher in den Knochen, dass der Knochen nicht bricht. Und deswegen müssen wir plötzlich mit einer ganz anderen Herangehensweise hier vorgehen und müssen uns überlegen, wie können wir dafür sorgen, dass die Lebensqualität bei Patientinnen und Patienten mit einer Metastase eben gut bleibt, wie können die im Alltag aktiv sein, wie können die wenig Schmerzen haben. Und deswegen haben wir uns auch da zusammengesetzt in den letzten drei, vier Jahren und haben auch eine neue Leitlinie dazu geschrieben, zu den Wirbelsäulenmetastasen. Und die habe ich federführend begleitet. Und deswegen rede ich da auch gerne drüber.

SPEAKER_00

Einmal ganz kurz Anmerkung für die Zuhörerleitlinien ist das, was wir in der Medizin haben. Das heißt, wir orientieren uns alle an Richtlinien. Kann man sich auf der Autobahn vorstellen, rechts und links Leitplanken und wir können uns dann da drin bewegen und hin und her fahren, aber abfahren ist tendenziell meistens keine gute Idee. Und so ähnlich ist es mit den Leitlinien auch. Es sind Richtlinien, es macht Sinn, dass man sich daran orientiert. Und deswegen werden die eben in einem Expertengremium immer zusammengefügt. Aber, Georg, ganz kurz nochmal eine Frage. Wir haben schon jetzt die großen Fragen einmal gehabt, okay, sterbe ich denn da dran? Das ist sozusagen, das hast du schon verneint, das ist super. Was natürlich auch, glaube ich, immer eine Sorge ist der Zuhörer, was passiert denn dann? Bin ich gelähmt? Oder was kann ich denn noch machen? Du hast eben gesagt, die können Sport machen, die können aktiv sein. Vielleicht zäumen wir das Ganze sozusagen von hinten auf. Erzähl mal, was ist denn da so das, was euch beschäftigt und was da relevant

Symptome, Risiken Und Querschnittsgefahr

SPEAKER_00

ist?

SPEAKER_02

Also ein Tochter geschult, so eine Metastase an der Wirbelsäule, die kann drei Dinge machen. Wenn die Metastase noch relativ klein ist und wenn die sozusagen im Knochen wächst, dann kann einmal der Tumor, wenn er wächst, kann Schmerzen machen. Dann, wenn der Knochen angefressen wird oder instabil wird, wenn da sozusagen ein Loch im Knochen entsteht, dann kann den Wirbelkörper so aushöhlen von innen, dass er von selber bricht oder nur bei einer kleinen, wenn ich was leichtes hebe oder so, dann habe ich einen Knochenbruch, der tut noch mehr weh. Und wenn dieser Knochenbruch so ist, dass sich die Wirbelsäule verschiebt und dann etwas auf das Rückenmark drückt oder der Tumor selber aufs Rückenmark drückt, dann kann ich auch eine Querschnittslähmung bekommen. Und es ist tatsächlich so, dass der häufigste Grund, warum jemand mit einem unerkannten, metastasiertem Krebsleiden sich das erste Mal vorstellt beim Arzt, ist Rückenschmerz. Von den Metastasen in der Wirbelsäule. Also es ist ganz oft, dass die Patientinnen und Patienten kommen zum Arzt und sagen, ich habe Rückenschmerzen. Und dann wird erst festgestellt, oh, der Grund dafür ist tatsächlich ein Krebsleiden, das hier schon in die Wirbelsäule abgesiedelt hat.

SPEAKER_01

Und wie geht man dann vor? Also der Patient, so wie du sagst, ist häufig erstmal unbedarft und wahrscheinlich ziemlich erschrocken, denn Rückenschmerzen sind ja oft degenerativ, jeder Zweite hat Rücken weh, aber ein Tumor in der Wirbelsäule hört sich ja nicht so gut an. Wie ist dann das weitere Vorgehen?

SPEAKER_02

Also, ich

Red Flags Bei Rückenschmerz

SPEAKER_02

glaube eben, man muss erstmal sagen, in den aller, aller, allermeisten Fällen sind Rückenschmerzen was Muskuläres oder eben, man hat irgendwo Verschleißerscheinungen von den Zwischenwirbelgelenken oder die Bandscheibe hat ein Problem. Also, dass das Tumor ist, ist Gott sei Dank wirklich, wirklich selten. Aber man muss, Red Flags nennen wir das, rote Flaggen, also es gibt so ein paar Zeichen, auf die man eben achten muss. Gab es vorher in der Vorgeschichte schon mal eine Krebserkrankung? Oder ist eben zum Beispiel eine Lähmung jetzt plötzlich da? Also es gibt so ein paar Dinge, die uns erst und Ärzten eben sagen, das könnte mehr sein und darauf gucken wir dann. Und wenn sich das dann bestätigt, dann steht natürlich erstmal im Vordergrund die Behandlung der Krebserkrankungen.

Wann Notfall Und Was Dann

SPEAKER_02

Und die Metastase in der Wirbelsäule ist erstmal vielleicht nebensächlich. Eine Ausnahme ist natürlich, wenn wir schon Lähmungen haben oder Taubheitsgefühle oder zum Beispiel, also irgendwelche, wenn irgendwie etwas darauf hinweist, dass das Krebsgeschwür auf das Rückenmark drückt, dann müssen wir manchmal ganz notfallmäßig, noch in der Nacht, handeln. Das sind Dinge, die wir in dieser Leitlinie gemeinsam diskutiert haben und wo wir den ärzen und ersten Regeln zur Hand gegeben haben, wie man da vorgehen kann.

Häufige Primärtumoren

SPEAKER_00

Du hattest eben gesagt, wenn man schon einen Tumor oder einen Krebsleiden in der Vorgeschichte hat, an was sind denn so die häufigsten, an die man vielleicht denken sollte?

SPEAKER_02

Also die klassischen sind Brustkrebs, Lungenkrebs, Krebs der Schilddrüse, Nierenkrebs und auch Prostatakrebs. Das sind so die fünf klassischen, aber es können auch andere Tumore sein, aber das sind die fünf häufigsten.

Diagnostik Und Tumorkonferenz

SPEAKER_01

Und wenn man dann den Verdacht hat, und meistens macht man ja dann ein Bild, ein Röntgenbild oder dann auch ein MRT und weitergehende Diagnostik, wie ist denn so das schrittweise Vorgehen? Man macht das ja interdisziplinär, das heißt, bist ja du nicht alleine, der dann entscheidet, sondern du brauchst ja wahrscheinlich ganz viele Leute. Vielleicht kannst du uns mal so einen Überblick geben, wie so das standardisierte Vorgehen ist.

SPEAKER_02

Genau, wir unterscheiden eben grob dazwischen, ist das ein Patient, der Lähmungen hat oder ist es ein Patient, der keine Lähmung hat. Und wenn Patientin-Patient keine Lähmung hat, dann haben wir ein bisschen mehr Zeit. Und dann würden wir uns sicher die Bilder erstmal gemeinsam zum Beispiel in so einer interdisziplinären Tumorkonferenz zusammen anschauen. Und das bedeutet schon, wo hat man solche Konferenzen hat, dann müssen die Patienten erstmal an ein entsprechendes Zentrum mit einer Expertise für Wirbelsäule, aber auch einer Expertise für Tumorerkrankungen. Und da schaut man sich das dann an. Und entweder weiß ich schon, gab es vorher eine Krebserkrankung, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass der Absiedler davon kommt. Und wenn das nicht ist, dann muss ich entweder noch ein bisschen mehr Bildgebung machen, aber letztlich muss ich mir ein Stück Gewebe aus dieser Wirbelsäulenmetastase holen, um dann unter dem Mikroskop zu sehen, welcher Tumor ist das, der sich da in die Wirbelsäule abgesiedelt hat. Und dann bespricht man das wieder in der interdisziplinären Tumorkonferenz. Und dann kann ich entweder eine Metastase haben, die den Knochen noch nicht so instabil macht, dass er zu Brechen droht. Und dann kann ich sehr gut, und das funktioniert in den meisten Fällen, mit Bestrahlung arbeiten an dieser Stelle und kann dann eine, zum Beispiel eine Chemotherapie oder eine andere Krebstherapie einleiten. Ich muss auch gucken, woher kommt denn der Tumor. Wenn er aus der Lunge kommt, muss ich vielleicht nach dem Tumor suchen, der in der Lunge sitzt. Ich muss gucken, gibt es woanders noch Metastasen. Und muss dann diese anderen Metastasen und den Tumor in der Lunge angehen entsprechend. Manchmal auch noch mit einer Operation.

Biopsie, Bildgebung Und Strahlentherapie

SPEAKER_02

Wenn ich in der Wirbelsäule aber eine Metastase habe, die so groß ist, dass der Knochen schon angefressen ist und zu brechen droht, dann muss ich zusätzlich zu dem üblichen Vorgehen, dass ich gucken muss, wo kommt der ursprüngliche Tumor her und wie behandle ich den, muss ich auch die Wirbelsäule operieren und stabil machen. Und das mache ich dann mit einer anderen Operation.

SPEAKER_00

Du hattest eben gesagt, man versucht natürlich eine Probe aus diesem Tumorgewebe zu bekommen. Was gibt es denn da zu beachten? Was ist denn da wichtig? Warum macht es Sinn, dass es in einem Zentrum stattfindet, zum Beispiel?

SPEAKER_02

Es gibt sehr selten auch mal diese Situation, dass der Tumor in der Wirbelsäule

Wann Operieren, Wann Nicht

SPEAKER_02

keine Absiedlung ist von einem Tumor an der Lunge oder an der Brust oder so, sondern dass der Tumor wirklich nur da in der Wirbelsäule entstanden ist. Und dann muss man ganz anders vorgehen von der Operation her, als wenn es eine Metastase wäre. Und in dem Fall, diese Entscheidung, wie man da vorgeht, das ist einfach was, das braucht die Expertise von einem großen Zentrum. Es gibt auch Tumoren, die man sehr gut nur mit Medikamenten oder Bestrahlung behandeln kann, wo ich überhaupt keine Operation brauche. Und auch das braucht Expertise, um das zu erkennen, von einem multidisziplinären Team. Es gibt auch Erkrankungen, die sehen ähnlich aus wie eine Metastase, sind aber etwas ganz anderes, zum Beispiel eine Stoffwechselerkrankung oder ein Multiples My Lomes, eher eine Erkrankung des Knochenmarks, ja. Und da brauche ich dann keine Operation oder keine Biopsie zu machen. Also das muss man eben, und da kann man, wenn man zu voreilig handelt, kann man falsche Entscheidungen treffen, die dann langfristig die Behandlung der gesamten Krebserkrankung schlecht beeinflussen. Deswegen ist immer wichtig, dass früh sich

Warum Zentrum Und Expertise Zählen

SPEAKER_02

die geballte Kompetenz mehrerer Disziplinen da trifft und sich das anschaut.

SPEAKER_01

An der Wirbelsäule wissen wir ja alle, dass das Rückenmark ja eine Struktur ist also auf keinen Fall verletzt werden darf. Und wie du ja gesagt hast, wenn es komprimiert wird, dann muss man sogar notfallmäßig, vielleicht sogar noch in der Nacht handeln, um einfach Schaden von diesem Rückenmark abzuwenden. In der Behandlung und Chirurgie von solchen Tochtergeschwülsten am Rücken, wie oft kommt es denn dann zu einer Verletzung des Rückenmarks?

SPEAKER_02

Es ist ja so, wenn wir sozusagen notfallmäßig reagieren müssen, dann haben wir in der Regel schon eine Schädigung des Rückenmarks. Und wenn man da nichts macht, dann weiß man, wird diese Schädigung weiter zunehmen und auch die Lähmung wird in der Regel zunehmen. Also wenn man nichts macht, wird es schlimmer. Und wenn man eine Operation macht, dann hat man meistens die Chance, dass es zumindest gleich bleibt oder sogar sich wieder erholen kann. Und dazu kommt dann aber natürlich das Risiko, dass bei jeder Operation ist, dass man durch die Operation einen Schaden setzt oder auch die Narkose birgt ja ein gewisses Risiko. Das ist aber, sage ich mal, also dass man eine zusätzliche Verletzung verrückt macht, ist irgendwo bei einem von 100 Patientinnen und Patienten, also relativ gering, wahrscheinlich sogar noch etwas weniger. Aber wenn man das vergleicht, wenn man keine Operation macht, ist die Wahrscheinlichkeit,

Team Am Tisch: Disziplinen Im Überblick

SPEAKER_02

dass es schlimmer wird, einfach nur durchs Zuwaten. 99 von 100 Patientinnen und Patienten. So muss man das vielleicht sehen.

SPEAKER_00

Nochmal ganz kurz, vielleicht zur Erklärung. Du hast gesagt, es muss ein multidisziplinäres Team sein. Wer sitzt denn in so einer Tumorkonferenz? Vielleicht können wir das nochmal unseren Zuhörern erklären.

SPEAKER_02

Also es sitzen natürlich wir Orthopiden und Unterschirgen, aber da sitzen natürlich also Onkologen, also Spezialisten für eine Krebserkrankung. Es sitzen Strahlentherapeuten, die für Bestrahlung wichtig sind. Strahlung ist neben der Chirurgie die wichtigste Therapie von Wirbelsäulenmetastasen. Es sind natürlich Radiologen da, die uns die MRTs und die Röntgenbilder besser erklären können. Es sind Photologen sind dabei, genau, die sozusagen unter dem Mikroskop sich anschauen können, was für eine Tumorart ist das. Das sind mal, würde ich sagen, so die wichtigsten, ja. Aber in größeren Zentren können das dann durchaus auch noch mehr sein. Da können auch Allgemeinchirurgen dabei sein, Thoraxchirurgen, also Brustkorbchirurgen, die sich dann Gedanken machen, oder wenn das ein Brustkrebs ist, auch Gynäkologen, die halt jeweils die Primärtumor, also der ursprüngliche Tumor, von dem die Metastase ausgegangen ist, die die mitbehandeln können. Urologen bei Nierenkarzinomen, die holt man sich dann entsprechend oft dazu. Also man kann vielleicht sagen, bei dieser Leitlinie, die wir geschrieben haben, da haben 22 Fachgesellschaften sich beteiligt, die hatten da alle mitzureden. Die sind nicht immer in diesen Tumorkonferenzen dabei, aber sind dann natürlich in der Behandlung der Patientinnen und Patienten trotzdem beteiligt.

SPEAKER_01

Und wie oft trefft ihr euch auf so einer Tumorkonferenz?

Tempo, Ungewissheit Und Entscheidungen

SPEAKER_02

Kommt ein bisschen drauf an, aber ich hier bei uns am Unfallkrankenhaus Berlin, aber auch an der Charité oder im Uniklinikum Leipzig, wo ich vorher gearbeitet habe, treffen die sich in der Regel einmal die Woche und da werden die Fälle dann vorbereitet vorher und dann werden die diskutiert. Da hat man ganz schön viele Fälle immer und die sitzen alle zusammen, das ist vorbereitet. Und dann kann man eben häufig zusammen Entscheidungen treffen, für die sonst viele Arztbesuche notwendig wären, wo das zieht sich sehr lange für die Patientenin und Patienten. Und was man auch sieht, das haben wir auch in Studien mal untersucht. Die Diagnose einer Krebserkrankung ist natürlich schlimm für Patienten, aber was noch schlimmer ist, ist für die häufig die Ungewissheit. Also nicht zu wissen, welcher Krebs es ist, ist es überhaupt Krebs, was muss man jetzt machen? Muss man eine Chemotherapie machen? Ist die wirklich so schlimm, wie es immer heißt? Weil es gibt, gerade bei Brustkrebs zum Beispiel, gibt es inzwischen auch Arten von Chemotherapie. Da fallen keine Haare aus. Da kann man nach Hause gehen, da kriegt man eine Tablette, die können relativ sanft sein. Und das alles, diese Ungewissheit, wenn man das noch nicht hat, die ist wirklich lämend für die Patientinnen und Patienten. Und da können wir mit so einer Tumorkonferenz sehr schnell Empfehlungen abgeben.

SPEAKER_00

Ja, das ist ein wunderbares Konzept, was, glaube ich, sehr wichtig ist und es sehr deutlich macht, warum Interdisziplinarität so wichtig ist, dass wir uns untereinander kurz schließen. Und du hattest vorhin schon ein bisschen im Nebensatz gesagt, manchmal müsst ihr gar nicht operieren.

Fälle Ohne Operation

SPEAKER_00

Vielleicht kannst du nochmal ein Beispiel geben. Was passiert da so in der Tumorkonferenz? Was wird da besprochen? Was sind dann so Fälle, wo du sagst, da sind wir als Unfischchirurgen oder als Orthopäden oder als Tumorchirurgen gar nicht notwendig?

SPEAKER_02

Ich möchte mal sagen, die Tumorkonferenzen, das gibt es auch, haben Studien gezeigt, wenn Patienten in, wenn der Fall in einer Tumorkonferenz besprochen wird, ist die Lebenserwartung dieser Patienten besser. Allein durch die Tatsache, dass man sich zusammengesetzt hat. Also das ist ja schon relativ beeindruckend. Und ja, wann muss man nicht operieren? Naja, man muss Gott sei Dank nicht immer operieren. Es gibt ja die Situation, dass die Metastase im Wirbelkörper eben so klein ist, dass sie noch nicht aufs Rückenmark drückt und dass sie auch noch nicht so groß ist, dass sie die Rahmenstruktur des Wirbelkörpers so schwächt, dass der bricht oder zu brechen droht. Und dann kann aber einfach nur die Metastase selber, dadurch, dass sie wächst im Knochen, die kann Schmerzen machen. Und das ist in allermeisten Fällen so. Und da kann man sehr gut mit Bestrahlung

Moderne Bestrahlung Und Knochenschutz

SPEAKER_02

arbeiten. Und früher war das Problem oft, dass die Bestrahlungstechniken eben so waren, dass man dann das Rückenmark immer mit im Strahlungsfeld hatte. Und das Rückenmark ist sehr empfindlich auf Strahlung. Und das war ein großes Problem. Inzwischen hat man aber so moderne Techniken, dass man um das Rückenmark herum an die Wirbelkörper herankommt mit der Bestrahlung. Und das funktioniert sehr gut. Und dann ist meistens nach sechs Wochen, das dauert ein bisschen, bis das wirkt, sind die Schmerzen weg. Und teilweise ist es sogar so, dass in das Loch, das durch die Metastase entstanden ist, wieder Knochensalze eingebaut werden und der Wirbelkörper wieder richtig fest wird. Und man kann dazu, und auch das macht man regelhaft, eben auch Medikamente geben. Das sind die gleichen Medikamente, die man auch bei Osteoporose gibt. Und die funktionieren in einer höheren Dosis auch bei den Metastasen. Und das ist ganz wichtig, dass man das auch nicht vergisst. Also man greift die Metastase aus mehreren Richtungen an. Und dann gibt es natürlich auch eine Krebstherapie, also für die Krebsgrunderkrankung. Und deswegen merkt man hier wieder, es ist wichtig, Strahlentherapeuten müssen mitmachen, die Onkologen, die die Krebstherapie müssen mitmachen. Auch der Hausarzt muss schon daran denken, dass bei so einer Metastase man Medikamente geben kann für den Knochenaufbau. Und dann im schlimmeren Fall erst kommen Gott sei Dank erst dann wir

Minimalinvasive Stabilisierung

SPEAKER_02

die Chirurgen zum Zuge.

SPEAKER_00

Man denkt ja immer so, wenn man an Wirbelsäulenchirurgie denkt, an große Eingriffe, ist denn das immer notwendig, dass große Eingriffe erfolgen? Oder wie sieht das Häufigste aus, was ihr macht?

SPEAKER_02

Also wenn das Rückenmark gequetscht ist oder eingedrückt wird, dann ja, dann sind das schon größere Eingriffe. Aber in ganz vielen Situationen, wenn es nur darum geht, die Wirbelsäule stabil zu machen, sodass die Patientinnen Patienten wieder unbeschwert, einigermaßen unbeschwert, sich bewegen können, ohne immer Angst zu haben, da bricht was. Da kann man sogenannte minimalinvasive Verfahren durchführen. Da macht man im Prinzip nur über Stiche im Rücken oder in der Haut des Rückens, kann man Schrauben und Stäbe einführen, die dann die Wirbelsäule stabilisieren. Und das ist was, da sind die Patienten meistens schon am nächsten Tag, können die sich zumindest wieder hinsetzen an die Bettkante und auch aufstehen und sind dann relativ schnell wieder mobil. Und das ist ja auch unser Ziel, gerade bei Patienten, Patienten, wo wir vielleicht nicht wissen, wie lang, wie groß die Lebenserwartung noch ist, die wollen natürlich ihre Zeit nicht im Krankenhaus verbringen, sondern wir wollen, dass die so schnell wie es geht, wieder nach Hause können und da eben Lebensqualität haben, schmerzarm leben können.

SPEAKER_01

Georg, du machst das ja schon sehr lange, Tumorchirurgie, auch die Wirbelsäulenchirurgie und überblickst ja nun alle Techniken, die zur Verfügung stehen, auch die neuen

Navigation Und Onkologische Fortschritte

SPEAKER_01

Entwicklungen. Also wir haben jetzt schon ein paar Sachen gehört, wie gut die Technik ist. Aus deiner Sicht, was ist die vielversprechendste, neueste Methode in der Behandlung von eben Tumoren in der Wirbelsäule, die aus deiner Sicht wirklich revolutionär, möchte ich fast gar nicht sagen, weil es schon so ein großes Wort ist, aber wo sagst du selbst, da ist richtig Musik drin, da kann nun mal richtig gute Verbesserungen kommen.

SPEAKER_02

Also ich glaube tatsächlich, in der Chirurgie sind es diese Systeme, wo wir durch kleine Stiche und Schnitte durch die Haut Schrauben und Stäbe einbringen können, wo wir nicht mehr die großen Schnitte machen müssen, die häufig dann auch zu Infektionen und anderen Problemen geführt haben. Und der nächste Schritt, der uns da wirklich geholfen hat, ist auch das, was wir Navigation nennen, also dass man durch die Unterstützung von Computersystemen eben in diese Schrauben ganz exakt dahin platzieren können im Wirbelkörper, wo sie hingehören, ohne dass wir, wir sind ja nah am Rückenmark, ohne dass wir das verletzen, wir sind auch nah an großen Blutgefäßen, der Bauchschlagader oder der Brustkorbschlagader, ohne dass wir die verletzen. Also das hat uns sicher nochmal deutlich nach vorne gebracht. Das ist kein Muss, aber es erlaubt in manchen komplizierten Situationen schon manchmal die Operation sicher zu machen. Und dann aber eben nicht nur in unserer Disziplin, auch die neuen Bestrahlungstechniken sind wirklich phänomenal, was die Kollegen da schaffen. Aber wenn ich leider muss ich sagen, der größte Fortschritt, die mit Abstand größten Fortschritte, das haben die Kollegen der Onkologie gemacht. Also mit den Methoden der Krebsbehandlung, die wir heute haben. Wir haben ja früher im Prinzip Krebsbehandlungen benutzt, wo man einfach immer alle Zellen tötet, die sich gerade teilen. Das

Psychische Belastung Und Hilfe

SPEAKER_02

passiert in einer Tumor, bei einer Krebserkrankung sehr häufig, aber das passiert auch im Darm oder irgendwo anders. Also da gab es viel Kollateralschaden, sage ich mal, die ausgefallenen Haare, Übelkeit und so. Und wir haben heute moderne Krebstherapien, zumindest für manche Krebsarten, wo man eben eine Tablette nimmt und die tötet. wirklich nur die Krebszellen und macht sonst fast gar keine Nebenwirkung. Und das ist schon unglaublich. Das ist in den letzten zehn Jahren, ist da so viel passiert und jedes Jahr, wenn man hört, was auf den Kongressen der Onkologen passiert, da passiert wieder irgendwas. Also es ist wirklich unglaublich, wo die Forschung, wie rasend schnell die Forschung da ist.

SPEAKER_00

Das lässt einen ja tatsächlich sehr hoffnungsvoll, ne die Zukunft pflegen, dass wir da eben viele Fortschritte machen. Vielleicht einmal nochmal so zurück zum Patienten. Wir haben natürlich jetzt viche Dinge besprochen und auch viel interdisziplinäre Dinge, aber das ist ja für so einen Patienten ganz schön belastend. Gibt es da was, was du mit auf den Weg geben wollen würdest?

SPEAKER_02

Es gibt ja so Fragebögen, da prüft man im Prinzip, sag ich mal, ob jemand Symptome einer Depression hat oder eine übermäßige Angst hat in sich drin. Und wir haben diese Fragebögen mal verteilt an die Patienten in unseren Tumorsprechstunden und 70 Prozent der Patientinnen und Patienten haben sozusagen einen Punktwert, der dafür spricht, dass sie übermäßig viel Angst

Erste Anlaufstellen Und Zentren

SPEAKER_02

haben, dass sie übermäßig viel Sorgen haben, dass sie Symptome einer Depression haben. Also da sieht man, über zwei Drittel der Patienten und Patienten haben wirklich eine schwere psychologische oder psychische Belastung. Und da ist es ganz wichtig, dass man die eben erstens erkennt, dass man sie danach fragt, dass man ihnen vielleicht so einen Fragebogen aushändigt. Das ist auch das, was in vielen Zentren inzwischen als Standard gemacht wird, und dass man dann die erkennt, die Hilfe brauchen. Oft ist das, was, also wir können uns ja alle vorstellen, dass die Diagnose einer Krebserkrankung uns erstmal psychisch belastet. Aber jeder geht anders damit um und ganz viele können auch durch Unterstützung in der Familie und Angehörige und Freunde das sozusagen verarbeiten. Aber manche schaffen das nicht. Und das kann man überhaupt nicht vorhersagen. Also das geht durch alle Bildungsschichten durch, das geht durch das ist nicht irgendwie so, dass man sagt, da gibt es bestimmte, die sind stärker oder schwächer. Das können Leute sein, die extrem gut und stabil vorher im Leben, dies plötzlich aus der Bahn wird. Und denen muss man erstens Hilfe anbieten. Und das muss man auch wiederholt machen, weil es kann manchmal sein, dass am Anfang die noch sehr gut damit zurechtkommen und dann plötzlich bricht alles zusammen über ihn. Und da haben wir dazugelernt, dass wir immer wieder das anbieten und dann ist man manchmal überrascht, wer dann plötzlich sagt, ja, jetzt hätte ich gerne jemanden, mit dem ich sprechen kann.

SPEAKER_01

Wenn du, Georg, unseren Zuhörern sind ja auch viele Patienten vielleicht dabei, die auch orthopädische Fragen haben, wenn du denen einen Rat mit auf den Weg geben möchtest, wo informiert man sich am besten? Wie geht man da am besten vor, wenn man mit so etwas konfrontiert ist?

SPEAKER_02

Also grundsätzlich kann das auch der niedergelassene Orthopäde oder Unfallchirck oder Chirurg um die Ecke sein. Die meisten sollten zumindest diese Leitlinie, von der wir gehört haben, oder kennen auch das Phänomen, wie man mit solchen Rückenschmerzen umgeht. 80% aller Menschen haben ja irgendwann mal Rückenschmerzen. Und ich glaube, da ist man bei einem Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie erstmal eine gute Anlaufstelle, weil die damit Erfahrung haben und weil die auch wissen, wann muss ich vielleicht ein bisschen mehr Diagnostik machen. Das ist wichtig. Und dann, wenn es soweit ist, dann sollte man eben, und das machen die Kolleginnen und Kollegen auch, die Patienten an ein größeres Zentrum zuweisen, dass bei einer Wirbelsäulenmetastase eben ein Verständnis hat von Wirbelsäulenchirurgie. Und für die seelischen Probleme, genau, da gibt es Selbsthilfegruppen, den Kontakt, den kann man sich entweder, ich glaube, das funktioniert ehrlicherweise ziemlich gut übers Internet suchen. Da gibt es unglaublich viele Angebote, aber es gibt auch zum Beispiel an den größeren Unikliniken gibt es eigentlich immer Zentren für psychoonkologische, also spezielle Psychologen für Krebserkrankungen, psychoonkologische Angebote. Also da gibt es relativ viele Möglichkeiten, wie man sich da Unterstützung holen kann.

SPEAKER_00

Super, ganz herzlichen Dank. Also das war ein toller Überblick über Metastasen in der Wirbelsäule. Ich hoffe,

Dank Und Verabschiedung

SPEAKER_00

dass wir unseren Zuhörern auch einen guten Überblick liefern konnten und dass es gut verständlich war. Es ist ja nun ein schwieriges Thema, mit dem man sich jetzt nicht so tagtäglich auseinandersetzt. Insofern, lieber Georg, ganz herzlichen Dank für deine Erklärung und Darstellung. Wir bedanken uns auch ganz herzlich bei der Technik, die wir im Hintergrund haben, ohne die das alles nicht möglich wäre, insbesondere bei Frau Planert, aber auch beim Berufsverband für Orthopädie und Unfastirugie. Und wir hoffen, dass Ihnen die Sendung viel Spaß gemacht hat und würden uns sehr freuen, wenn Sie wieder zu schalten. And in Hamburg sagt man Tschüss.