Grätzlgeschichten
Im Geschichte-Podcast der Stadt Wien erzählen die Zeithistoriker und Geschichtsgreisslerei-Podcaster Andreas Filipovic und Walter Szevera "Grätzlgeschichten" aus der Wiener Historie. In Staffel 1 (2024/25) werden die Bezirks-Geschichten anhand eines zentralen Ortes in den 23 Bezirken erzählt , an denen sich wichtige Ereignisse für die politische oder gesellschaftliche Entwicklung unserer Stadt abgespielt haben. Staffel 2 (ab 2026) nimmt Denkmäler in der Stadt als Ausgangspunkt für Spaziergänge durch die Wiener Geschichte.
Grätzlgeschichten
26 | Falco: Wien und die Popmusik
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Sehr weit zurück müssen Andreas und Walter in dieser Grätzlgeschichte nicht reisen. Dieses Mal dreht sich alles um Hans Hölzel, besser bekannt als Falco. Wir hören von seinem Werdegang, prägenden Stationen und den Lokalen und Orten in Wien, die für ihn wichtig waren. Außerdem geht es darum, wie die Stadt seine Musik beeinflusst hat und wie sich die Popmusik in Wien entwickelt hat.
Falco im Wien Geschichte Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Falco
Mehr Wiener Geschichte findet ihr im Wien Geschichte Wiki. Andreas und Walter könnt ihr außerdem in der Geschichtsgreißlerei hören.
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-Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Grätzlgeschichten. Es begrüßen euch, Andreas und-Walter. Andreas, wir setzen uns ja in unserem Podcast das Ziel, so ein breites Spektrum unterschiedlicher Denkmäler und Gedächtnisorte vorzustellen, also auch verschiedene Themen und Zeiten zu berücksichtigen, also so uns quer über und durch die Stadt zu bewegen. Was ist das heutige Thema.-„Drah di net um“ das Phänomen Falco. Ich meine, das ist wahrscheinlich einer derjenigen, wo dieser Helmut Qualtinger-Satz „In Wien musst erst sterben, damit's dich leben lassen, dafür lebst, dann aber lang“ definitiv zutrifft.-Kommt einem irgendwie bekannt vor, sozusagen wie wir früher gesagt haben, aus Funk und Fernsehen, wohin geht es denn heute?-Also zum Falco gibt es ja mehrere Gedächtnisorte im Land, zwei in Wien vor allem, einerseits eine kleine, aber sehr hübsch gestaltete Gedenktafel am Haus in der Ziegelofengasse 37, wo er von 1974 bis 1982 gewohnt hat, und indem er unter anderem den Kommissar geschrieben hat. Also wer es nicht erkannt hat, es war eine kleines Zitat vorhin, andererseits und dahin bewegen wir uns jetzt am Zentralfriedhof, also das Grab von Falco. Falcos Grab, das ist in der Gruppe 40. Die Nummer 64, befindet sich eben am Zentralfriedhof in diesem Ehrengräberbereich. Am besten ist es erreichbar übers Tor zwei, das ist quasi der Haupteingang, dann muss man so, ja, weiß ich, halt fünf bis zehn Minuten zirka hingehen, also man geht diese schöne Hauptallee entlang, dann irgendwie so links und rechts und das schöne auch am Falcograb ist irgendwie, es ist so ziemlich am Ende, es gibt irgendwie rundherum genug Platz, praktischerweise auch so, gleich daneben ein kleines Bänklein und das braucht es auch, weil ich habe das jetzt zwei, dreimal besucht, bisher waren immer auch andere Menschen dort, also das ist interessant, dieses Grab ist wirklich, wirklich viel besucht. Es wurde 1999 von Erwin Zechmeister entworfen und symbolisiert als dreiteiliges Ensemble einerseits den Künstler, sein Werk und den Menschen Johann Hölzel, das heißt, es gibt so einen Obelisken 3 Meter hoch und der steht für den Künstler, da steht dann auch so in versenkten Glasbuchstaben Falco. Es gibt eine Glasplatte, die würde mal sagen, symbolisiert ja entweder Schallplatte oder mehr noch vielleicht CDs, wobei man, also weiß ich jetzt nicht genau, aber eine Platte, die steht dann für sein Werk und nennt seine größten Erfolge und dann eine Stele, die für die verletzliche Seite des Menschen steht, hinter der Kunstfigur also, für den Hans Hölzel das Grab selber ist immer wieder geschmückt, es ist eben fast schon ein bisschen Pilgerstätte geworden und sicher auch eines der Highlights am Zentralfriedhof, also wenn man mal dort ist, auf jeden Fall besuchen.-Ja, super. Danke für diese tolle Beschreibung, aber davor, noch bevor wir weitergehen, zwei Minuten Heimatkunde.-Das laut Eigenangabe Arbeiterkind Falco Hans Hölzel aus dem Gemeindebau in die österreichische Pop oder gar Musikgeschichte einzuordnen, ist, ob seines bahnbrechenden Status, keine einfache Sache, am ehesten könnte man ihn als die zentrale Figur bezeichnen, die den klassischen Austropop in eine moderne, urbane und international wettbewerbsfähige Popmusik transformiert hat. Am 19. Februar 1957 geboren, wächst Hans Hölzel in einfachen Verhältnissen im fünften Wiener Gemeindebezirk auf. Früh wird ein absolutes Gehör diagnostiziert. Er hört Elvis, Cliff Richard und die Beatles und erhält bereits im Kindesalter Klavierunterricht. Nach Schulabbruch, Bundesheer und ersten Jobs entscheidet er sich gegen die sichere Berufslaufbahn und für die Karriere als Musiker. Stationen sind unter anderem das Wiener Musikkonservatorium, Westberlin und diverse Wiener Bands. Prägend wird sein Einstieg als Bassist und Sänger in das, im Gefolge der Arenabesetzung entstandene erste Wiener Musiktheater, besser bekannt unter dem Namen Halluzination Company und später in die anarchistische Kunst und Schockrockformation Drahdiwaberl, wo er mit dem Song Ganz Wien ein erste spezielles Wien-Portrait vorlegt. Diese Frühphase markiert Falco als Teil einer subkulturellen, experimentellen Wiener Szene, nicht als kühl kalkuliertes Popprodukt. Der Plattenunternehmer Markus Spiegel nimmt Falco Anfang der 1980er Jahre unter Vertrag. 1981/82 gelingt mit Der Kommissar der Europäische Durchbruch. Die Single verkauft sich weltweit rund 7 Millionen Mal. Falcos Debütalbum Einzelhaft erreicht in Österreich Platz eins und wird mit Doppelplatin ausgezeichnet. Es etabliert seinen Stil aus Sprechgesang, New Wave und düsteren Großstadtthemen. Der internationale Höhepunkt folgt mit dem von Bolland und Bolland produzierten Album Falco III 1985 und den Singles Rock Me Amadeus und Vienna Calling. Rock Me Amadeus, inspiriert vom Film Amadeus, inszeniert Mozart als Punkikone und erreicht 1986 Platz eins in den USA, Großbritannien und mehreren weiteren Ländern. Falco wird zum globalen Popstar und einzigen deutschen Sänger mit einer Nummer 1-Single in den US Billboard Hot 100. Nach weiteren Erfolgen und manch Skandalen in den 1980er muss auch Falco erkennen, dass die veränderte Poplandschaft der 1990er Jahre seine internationale Dominanz gebrochen hat. Falco stirbt bei einem Autounfall am 6. Februar 1998 in der Dominikanischen Republik. Erst die posthume Veröffentlichung des Albums Out of the Dark wird wieder zu einem großen kommerziellen Erfolg und trägt wesentlich zu seiner nachträglichen Mythisierung bei. Man könnte versucht sein, Falco in eine Geschichte des modernen österreichischen Dialektsongs zu stellen, dessen Beginn mit einer ersten Dialektwelle ab den 1960er Jahren markiert wird. Die Worried Men Skiffle Group entsteht 1960 und verbindet Skiffle, Folk und Jazz mit Wiener Schmäh mit dem Song Glaubst, i bin bled aus 1970 gelingt der Gruppe der erste Dialektsong, der an die Spitze der österreichischen Popcharts kommt und vielfach als Urvater des Austropop bezeichnet wird. Kurz darauf folgen Marianne Mendt und Wolfgang Ambros als prominente Stimmen dieser ersten Dialektpopgeneration in den 1970er und frühen 1980er Jahren wird dann der Begriff Austropop zu einer Sammelbezeichnung für Popmusik aus Österreich, in der Dialekt eine zentrale Rolle spielt. Er fungiert dabei als Marker nationaler und regionaler Identität und als soziale Standortbestimmung. Künstler wie Wolfgang Ambros, Georg Danzer und viele andere entwickeln einen Singer-Songwriter Dialektpop, in dem Alltagsbeobachtungen, Sozialkritik und teils nostalgische Wienbilder verhandelt werden. Falco ist biografisch und ästhetisch sicherlich ein Produkt derselben Wiener Szene, in frühen Songs knüpft er scheinbar an die Dialektradition des Austropop an, gleichzeitig übernimmt er jedoch eine transkulturelle Logik. Internationale Musikstile New Wave, Rap, Funk werden mit lokalen sprachlichen Formen, Wiener Idiom, Gaunersprache kombiniert. Sprachwissenschaftliche Analysen betonen, dass Falco gerade kein Dialektsänger im klassischen Sinn ist. Dialekt erscheint bei ihm als stilisierte, oft überzeichnete Kunstsprache, das Wienerische wird zur performativen Maske, damit verschiebt er den Dialekt von einem Authentizitätsmarker hin zu einem postmodernen Stilmittel, das Identität geradezu ironisiert und bricht. Seine Texte mischen Wiener Dialekt, Standarddeutsch und Englisch zu einer hybriden Kunstsprache, die als Manhattan-Schönbrunner Deutsch beschrieben wird. Diese Sprachmischung steht in der Tradition der Wiener Gruppe und arbeitet mit Lautspielen, Mehrsprachigkeit und ironischen Brechungen. Anders als bei der Worried Men Skiffle Group, wo Dialekt im Pop noch als ein Skandal oder bewusster Tabubruch erscheinen konnte, ist Dialekt bei Falcos selbstverständlicher, aber zugleich seiner Alltagsbindung enthoben und im globalen Popklang eingebettet. Er löst den Dialekt sozusagen aus der Funktion eines natürlichen Idioms und macht ihn zum reflektierten, ironischen Baustein einer vielsprachigen, globalisierten Popästhetik. Nicht umsonst benennt Falco neben seiner Wiener Herkunft Insbesonders seine Zeit in West-Berlin als einen Schlüssel für seine spätere Entwicklung. Mitten im Umbruch der Musikszene, Punk erobert gerade Europa, suchte Falco dort die Nähe zu seinem Vorbild David Bowie. Er sagte selbst Bowie war einer der Gründe, warum ich in Berlin war ich wollte ihm über den Weg laufen. Bowie war mein Idol, er hat für die deutschsprachige Popmusik immens viel getan. Das Album Helden war für mich eine Initialzündung. Seine frühen Arbeiten sind hörbar von David Bowies Berlin Trilogy beeinflusst. Bis hin zu deutlichen intertextuellen Bezügen, etwa zwischen Helden von heute und Heroes oder Junge Römer und Let's Dance. Falcos Musik verbindet also Elemente von New Wave, Synthiepop, Rock, Funk und frühem Hip-Hop. Inhaltlich thematisieren die Texte unter anderem Großstadterfahrung, Drogen, Sexualität, Dekadenz und Medienöffentlichkeit. Oft ist die Erzählerstimme zynisch, distanziert oder unzuverlässig. In der kulturwissenschaftlichen Forschung wird Falco daher als Beispiel für Postmoderne Popästhetik gelesen. Zitate, Rollenwechsel und Selbstironisierung unterlaufen jede eindeutige Identifikation. Seine performative Figur Designeranzüge, Sonnenbrille, ironische Distanz bricht das Stereotyp des gemütlichen Österreichers. Falco inszeniert sich als kosmopolitische, manchmal zynischer Beobachter, der die österreichische Gesellschaft ebenso Teil des Problems wie Teil der Lösung sein lässt. Gleichzeitig unterstreichen Aussagen wie „Das schönste an der amerikanischen Fahne sind die rot-weiß-roten Streifen“ seine bewusste Selbstpositionierung als österreichische Künstler im globalen Popfeld.-Ja, danke einmal für die Heimatkunde Andreas, also wir sprechen ja über eine der schillendsten Figuren der österreichischen Popgeschichte, also Falco, eigentlich bürgerlicher Name Hans Hölzel, also nicht ganz so spektakulär. Ein Musiker, der aus Wien kam, also man kann sagen, die Weltbühne eroberte und bis heute im kollektiven Gedächtnis präsent ist.-Ja, Falco ist, finde ich, ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Popkultur historischer Bedeutung Erlangen kann, nicht nur durch Musik, sondern eben auch durch die Inszenierung, durch die Identität und sein Nachleben.-Vielleicht beginnen wir mal kurz einen kurzen Blick auf sein Leben zu werfen. Also Hans Hölzel wurde ja 1957 in Wien geboren, wuchs also im damals neu stehenden Gemeindebaumilieu auf und zeigte eigentlich schon früh sein musikalisches Talent.-Ja, also das Spannende ist, es gibt auch ein schönes Vivainterview mit Falco, auf YouTube nachzuschauen, also Falco hat von sich selber gesagt, er ist ein Arbeiterkind und er ist ein Arbeiterkind, der in einem ganzen speziellen Milieu aufgewachsen ist. Ich meine, selber ist er am 19. Februar 1957 geboren worden, er war der einzige Überlebende von Drillingen und sein Vater war ein Werkmeister in der Maschinenfabrik, seine Mutter hat in der Wäscherei gearbeitet. Er ist eigentlich so aus diesem Gemeindebaumilieu und hat dann aber auch einen bürgerlichen Job begonnen in der Pensionsversicherungsanstalt, hat sich dann aber relativ schnell dahin orientiert, dass er Berufsmusiker werden möchte und studierte kurzzeitig am Wiener Konservatorium, bevor er sich dann in die Jazzszene bewegt hat und nachher aber auch so in experimentelle, anarchistische Milieus. Seine frühen Auftritte mit der Band Drahdiwaberl haben ihm schon so ein bisschen das Image eines provokanten, Intellektuellen Künstlers gegeben. Der Name Falco selber stammt übrigens von einem DDR-Skispringer, der ihm recht imponiert hat, und ursprünglich hat der ja also zum Beispiel Falco Gottära oder weitere Namen dazugeführt, irgendwann ist er selber draufkommen, also Falco alleine reicht. Geschrieben, allerdings mit C, nicht mit K, weil er schon auch immer so ein bisschen diese internationale Perspektive vor Augen hatte.-Und der Skispringer hieß Falko Weißpflog oder?-Genau, genau, und der hat einfach in seinem Auftritt, also da heißt es, dass der Falco hätte ihn auf der Vierschanzentournee gesehen und deswegen beschlossen, dass er sich so nennen möchte. Diese biografische Phase ist deswegen wichtig, weil es auch ein bisschen zeigt, dass Falco nicht einfach als Naturtalent aus dem nichts aufgetaucht ist, sondern schon in einer sehr konkreten, urbanen Musiksphäre der 1970er Jahre entstanden ist, jetzt als Künstler gereift ist und als Figur erschaffen wurde. Das waren Proberäume, kleine Clubs, die aufkommende Wiener New Wave-Szene, man sieht sie dann auch manchmal in seinen Musikvideos und eben so Bands wie die Halluzination Company oder Drahdiwaberl. Als Bassist von Drahdiwaberl, er hat ja zuerst E-Gitarre gespielt und dann ist aber der E-Bass sein Lieblingsinstrument worden, ist er Teil einer subkulturellen Infrastruktur geworden, in der Provokation, Theater, politische Ironie eigentlich zentrale Elemente waren.-Also immer so ein bisschen Image aufpolieren, immer Provokationen, immer so an die Randzonen gehen und was Experimentieren und ausprobieren?-Ja, und das ironische Spiel einfach mit Kategorien und mit Inszenierungen, das ist ja dann auch ganz stark das, was die Kunstfigur Falco, die ja so perfektioniert hat, einfach ausmacht und was vielleicht heute auch ganz viele Leute bisschen verwechseln, also das war schon alles durchdacht, bedacht.-Und, aber auch ein musikalisches Multitalent, das hast ja gesagt, E-Gitarre, Bass, ja auch Klavier gelernt und studiert.-Genau, also es heißt ja auch, er hätte ein absolutes Gehör gehabt, er ist auf jeden Fall musikalisch aufgewachsen und was glaube ich, beim Falco oder vielleicht noch zuerst beim Hans Hölzel wichtig war, der war ein absoluter Perfektionist und professionell und das, glaube ich, wie so oft in Österreich ist, das ist oft nicht so verstanden worden und vor allem halt auch zum Teil missgegönnt worden.-Ja und ich glaube, auch, diese Professionalität hat ja maßgeblich dazu beigetragen, dass er 1981 diesen internationalen Durchbruch geschafft hat, also Mitte der 80er Jahre Österreicher auf Platz eins der US-charts, das war ja wirklich damals ein absolutes Topereignis.-Genau das war ein Kulturereignis, da muss man sich einmal vorstellen, dass für uns, in unserer heutigen internationalen Welt sind ja diese Grenzen ein bisschen durchdringbarer geworden und ja, natürlich haben auch sowas wie Charts oder an ihrer Bedeutung verloren, aber damals, das war schon was besonderes, diese kleine Österreich, dieses eigentlich ein bisschen rückständige Österreich und dann die große Bühne und der Falco war dort. Er hat das auch selber, hat sich schwer getan, also da gibt es auch viele Interviews, wo man merkt, da hat er selber gesagt, das hat ihn belastet, weil er hat gewusst, das kann er so nicht erreichen, also das war gewisse Traurigkeit, war in dem auch drin und er hat durchschaut, was das bedeutet. Ich meine, wir kennen alle diese Ikonen der achtziger Jahre, dieses erste Mal wirkliche Durchbrechen von Pop, ich meine, ob das jetzt von Michael Jackson bis Maradona, ja, also kann ja Menschen richtig zerbrechen. Andererseits ist, glaube ich, aber auch wichtig zu erinnern, dass der Falco diese Erfolge eben auch nie als Austropop oder so verstanden hat, sondern er hat sich wirklich positioniert als eine urbane, globale Figur. Wien war bei ihm Kulisse und Haltung, nicht nur Herkunft.-Also er hat aus vielen Elementen seine Inspiration bezogen. Aber was macht die Falcos Musik wirklich historisch bedeutsam?-Na ja, zum einen war das die Liste, definitiv ein Grenzgänger, also zwischen Pop, Rap, Rock, Elektronik und er hat halt internationale Trends adaptiert, ja, also es war schon sehr generisch, ja in einem lokalen Umfeld, aber auf jeden Fall mit einem globalen Blick und er hat auch die unverkennbare Wiener Sprachmelodie und die Ironie hineingebracht, also insofern natürlich auch ein sehr stark, ein Wiener Künstler in den frühen 19. Achtzigerjahren war das zumindest visionär, wenn nicht revolutionär deutschsprachiger Rap, lange bevor man ihn überhaupt so genannt hätte. Also da ist er auf jeden Fall 10, 15 Jahre seiner Zeit voraus. Eine hybride Mischung aus Funk, Rock, Synth-Pop, frühen Rap-Elementen. Wir kommen dann später eh vielleicht drauf hin, ich find, vergleichbar mit einer Figur wie David Bowie, und dann natürlich die spezifische Sprachgestaltung auch etwas, was ihn nochmal extra ausmacht, also eine Mischung aus Hochdeutsch, Wiener Dialekt, englischen Phrasen, exaltiert, das ist ja auch ein Wort, dass man von ihm kennen und dann drittens vielleicht noch die starke Theatralik, also Falco spielt seine Songs, er spricht, singt, deklamiert, könnte man fast schon sagen, und das verleiht in Stücken eine dramatische, na, jetzt würde ich fast schon sagen, Brechtsche Qualität, eigentlich wirklich faszinierend.-Erschöpft, ja, dann eigentlich aus vielen Elementen, also einerseits aus einer reichen Musikkultur, dann, Wiest du, sagt es auch in einer Sprach und Literaturkultur, die ist auch in Wien, ja, existiert in den Sechziger und siebziger Jahren, aber er war natürlich eine schiernde Persönlichkeit, also das war man also vorstellen, Wien der Sechziger, Siebziger, 80er war ja eigentlich ziemlich grau und zum Teil ja wirklich auch sehr kaputt und dementsprechend waren ja auch seine Themen provokant es ging um Großstadt, es ging um Medien, Identität, Konsum, Selbstdarstellung. Immer wieder so ein überhöhtes Selbstbild, also sehr provokant als Kunstfigur, also manchmal ist es eben auch fast schon auf die Nerven gegangen, wer sich dort dargestellt hat, aber es war ja ein Mittel auch zum Zweck.-Ja, ich meine, es kommt natürlich immer darauf an, also für Zeitgenossen und-genosseninnen wahrscheinlich teilweise fast schon ein bisschen nervig, wenn man zumindest auch nicht so das Spiel an sich begreifen wollte. Für mich jetzt als jemand, der in der Kindheit noch als Star mitbekommen hat oder so, aber diese Gedanken noch nicht gehabt hat, einerseits bewundernswert einerseits ist gerade in der Rückbetrachtung genial, nämlich als Historiker, wie es ihn ja immer kontextorientiert, uns geht es ja auch immer um den historischen Kontext und das ist da, glaube ich, irgendwie entscheidend, also es fällt der Erfolg von Falco halt auch in eine Umbruchszeit in Österreich, also wir Wissen, achtziger Jahre, das ist von einer stärker beginnenden, wieder Globalisierung über die Waldheim-Debatte, Wien, das irgendwie beginnt jetzt schon langsam auch seine Provinzialität langsam abzugeben, was dann nochmal verstärkt über die Neunzigerjahre passiert. Also man muss natürlich in diesem Bild sehen, und was halt entscheidend ist, Falco, der hat ja relativ bald eben diese neue, noch verschärfte Kulturindustrie, dieses Popgeschäft, glaube ich, gut durchschaut, und Falco inszeniert sich als Bild eines Stars, also er reflektiert seine eigene Rolle in diesem Popsystem und damit ist er nicht nur als Musiker, sondern er ist halt auch ein Kommentator moderner Öffentlichkeit, und seine Text und Auftritte haben eben dieses theatralische, also wie ich vorher schon gesagt habe, dieses Brechtsche fast.-Also ich kann mich nur selbst erinnerlich, war immer, also für mich ein bisschen lustvoller Ekel, ihm auch zuzusehen, also auf der einen Seiten, wo eben ein toller Musiker und kam aus dieser Szene und auf diesen prolelitarischen Hintergrund und erklärt sie oder dieses neoliberale, glatte Image gehabt, an dieses schnoddrige Schönbrunner Deutsch auf einmal in den Saal.-Und also wir haben da ganz viele Elemente. Wir sind in der Zeit von Das Geheimnis meines Erfolges. Oder Wall Street einerseits diese kokain-schnupfenden..-Tonnen von Gel-Aufsteiger et cetera. Wir haben aber auch dieses alte Hofratsgetue oder so und ich glaube, das ist der Punkt. Er hat all diese Einflüsse aufgenommen und in diese Kunstfigur amalgamiert. Er sagt auch selber in Interviews er, es ging ihm jetzt nicht darum, als Figur Falco unbedingt um die Liebe des Publikums zu buhlen, er hat einfach eine Figur aufgeführt, das hat er kompromisslos gemacht, das hat er extrem professionell gemacht, das hat vielleicht den Menschen Hans Hölzel gar nicht so gut getan immer, aber er war ein Spiegel seiner Zeit in dieser Kunstfigur, aber eben ein reflektierter Spiegel.-Man kann sagen, Heimat und Projektionsfläche, gleichzeitig Erwartungen einer Modernisierung, gleichzeitig schon den Rückgriff auf das. Wie lässt sich eigentlich dieses Verhältnis noch genauer beschreiben in seiner Ambivalenz?-Na ja, ich würde vor allem mal sagen, man reden wir über Falco und Wien, also wir sind ja im Wien-podcast nicht und Falcos Wien ist ambivalent, wie ich schon angedeutet habe, es ist melancholisch und mondän zugleich. Also es geht um urbane Coolness, die ja durchaus auch gegeben war, wenn auch vielleicht in kleinen Räumen, aber auch eben um die soziale Distanz. Also man kann sagen, er hat das Bild des Wiener Dandys aktualisiert, im Gewand eines Popstars, dafür hat man ihn geliebt und dafür hat man ihn gehasst. Seine Musik transportiert auch den Sound der Stadt irgendwie zwischen Tradition und Moderne zugleich ist Falcos Wien-bild in seinen Äußerungen und in der medialen Inszenierung auch nicht ganz klar. Also es gibt diesen Stolz auf die Stadt und es gibt aber auch die Ironie und das Bedürfnis, über Wien hinauszugehen. Wien selbst eignet sich ja auch historisch gesehen sehr gut für solche Überlagerungen von Musik und Gedächtnisse, man denke ja nur an den Mythos von Wien um die Jahrhundertwende, an die Operette, an die Walzertradition. Ja, ich meine, es ist einerseits großartig und andererseits nicht ernstzunehmen in gewisser Weise, und Falco steht da in dieser langen Reihe von musikalischen Wien-erzähungen, verschiebt sie aber von der Hochkultur in die Sphäre des Pop. Ich meine, das haben mir auch manche vielleicht nicht verziehen oder weil sich auf unterstellen möchte, manche auch nicht verstanden. Dazu kommt dann die mediale Transformation, also man darf nicht vergessen, achtziger Jahre Video killed the Radiostar, also Musikvideos, neue Fernsehformate und die zunehmende Bedeutung eben dieser transnationalen Musiksender also vor kurzem zwar eingestellt, aber MTV als Stichwort und Falco diese Medien sehr bewusst genutzt. Seine Clips sind voller intertextueller Bezüge und damit auch Teil einer globalen Bildkultur der 1980er Jahre, und historisch betrachtet ist er damit nicht nur ein Produkt der österreichischen Musikszene, sondern halt auch ein Akteur der frühen, globalisierten Popökonomie und deswegen ist auch kein Zufall, dass gerade Falco den Nummer 1 Song auch in den US-Charts und weltweit geliefert hat, natürlich mit Rock me Amadeus.-Da gibt es ja auch unzählige Versionen, auch von Rock Me Amadeus, die er je nach Markt auch angepasst hat. Es ist ja auch interessant, also da war ja durchaus das Marketing auch sehr, sehr dahinter und er wusste er sich auch da richtig zu positionieren, aber interessant ist ja, wie nach seinem Tod 1998 auf ihn reagiert hat, also vom Skandalrocker oder ein bisschen so Schmuddelfigur oder schmieriger Dandy und gleichzeitig wurde aber dann über Nacht zur Ikone.-Ich habe es ja vorher schon angesprochen, mit diesem Qualtinger Zitat, also die Wiener lieben einen halt a erst oft, wenn sie gestorben sind und auch das ist natürlich eine Parallele, zumindest jetzt in der Rekonstruktion, in der Art und Weise, wie die Geschichte konstruiert wird zu Mozart. Trifft sich natürlich auch gut, eine schöne Erzählung. Spricht doch für die Dynamik kultureller Erinnerung, also Figuren, die zu Lebzeiten Anecken, werden dann halt posthum domestiziert, ja fast schon musealisiert, und das gilt halt für Falco wie für den Amadeus. Das ist genau der Punkt, an dem die historische Einordnung wichtig wird, weil wenn wir einen Falco nur als tragische Künstlerfigur jetzt sehen würden, dann reproduzieren wir selber Stereotypen. Wenn wir hingegen, wie vor angedeutet, auch so als Teil sozialer und ökonomischer Konstellationen lesen Musikindustrie, Mediensystem, österreichische Kulturpolitik, Globalisierung, dann wird es sichtbar, dass seine Karriere halt auch Strukturen zeigt, in denen viele andere Künstler*innen verortet sind, verortet waren, die vielleicht jetzt nicht mehr so diese Bekanntheit haben, aber ich sage nur sowas, weil sie keine Ahnung und Hansi Dujmic et cetera. Hansi Lang. Es ist eine spannende Zeit, wir können jetzt an einen kurzen Blick darauf. Eröffnen, aber es zahlt sich aus, das auch wiederzuentdecken.-Sprechen wir mal auch kurz über diese Erinnerungskultur selbst, also welche Formen des Gedenkens existieren überhaupt noch?-Ja, da gibt es mehrere Ebenen, also zum einen die materielle, also Gedächtnissorte, wir sprechen ja heute über das Falco-Denkmal am Zentralfriedhof, jetzt die Grabstätte, dann gibt es ein Falcomuseum, sogar in Gars am Kamp.-Darf ich fragen, wieso Gars am Kamp-Da hat einfach diese Villa gekauft, also das ist die sogenannte Falcovilla, die hat er irgendwann in den 80er Jahren gekauft und das ist jetzt musealisiert worden und natürlich eben Gedenktafeln, Graffitis, gar nicht so wenig in Wien und zum anderen das Immaterielle, also Tributekonzerte, Falco Musicals und natürlich digitale Erinnerung in sozialen Medien und dann, was man nicht vergessen darf, also gerade Februar ist der richtige Monat. Dafür der Falco Nachtflug im U4 also Konzerte, Parties et cetera, in Erinnerung an einen der prominentesten Gäste des U4s, an Hans Hölzel, Falco.-Also diese Goldfischkonzerte, da gibt es ja auch, ist, Zitat für ganz Wien nett, der Goldfisch schwimmt auch im U4. Dann also immer auch im Bezug auch immer zu dieser subkulturellen Szene, also glaubt sich da auch, glaube ich, immer, der auch sehr verbunden gefühlt?-Genau. -Es ist auf jeden Fall aufrecht, dass Falco fast wie eine volkskulturelle Figur weite lebt. Also besonders in Wien ist also wirklich in der Teil dieser Stadtidentität geworden, also ähnlich wie Mozart, die ja auch so als Popstar inszenierte, also auch wenn das vielleicht nicht so der Fall war, aber immer mit dieser urbanen Attitüde und auch natürlich auch des Exzesses.-Genau und im Positiven, könnte man sagen Falco verkörpert ein bisschen sowas wie das neue österreichische Selbstbild nach den 1980ern, ironisch, international, aber mit lokalem Akzent, und sein Nachleben wird damit auch ein bisschen ein Spiegel der österreichischen Modernisierung selbst.-Und wirtschaftlich wird diese Erinnerungskultur natürlich ebenso genützt, man könnte ja auch fast sagen, ausgebeutet, also mit Merchandising, Tourismus, Streaming, also es zeigt, wie Erinnerung auch zur Ressource, zur wirtschaftlichen Ressource.-Ja und da haben wir definitiv wieder diese Parallele zu Wolfgang Amadeus Mozart. Falco ist halt gleichzeitig ein pophistorisches Phänomen, Kulturerbe und natürlich auch ein ökonomisches Symbol. Also insofern bleibt auch ein Musterbeispiel für das Zusammenspiel von Kunstmarkt und Gedächtnis.-Das heißt, wem man als über Falco spricht, bewegt man sich irgendwo zwischen Bewunderung und Analyse, also über Musiker, Performer, Mythos, was bleibt jetzt so für die Gegenwart?-Na ja, ich denke, Falco bleibt relevant, weil er Fragen stellt, die bis heute aktuell sind, also wie konstruiert man Identität in einer medialen Welt? Wie viel Inszenierung braucht Authentizität? Und er war nicht nur meiner Meinung nach, sondern das wird auch irgendwie so kulturwissenschaftlich gesehen ein früher Fall von Poppostmoderne und deswegen ein Spannendes Studienobjekt.-Und sagen ein würdiges Schlusswort in dem Fall.-Auf jeden Fall. Gleich kommen die Tipps. Da kann man sich schön mit diesem Phänomen weiter Auseinandersetzen. Ansonsten hoffen wir, es hat euch gefallen. Empfiehlt uns wie immer weiter. Schreibt uns an podcast@ma53.wien.gv.at und schaltet auch nächstes Mal wieder ein. Und bis dahin verabschieden sich Andreas und Walter Ein erster Einblick in das Forschungsfeld der österreichischen Popmusik findet sich im Beitrag des Musikwissenschaftlers der Universität Innsbruck, Bernhard Steinbrecher, Austrian Popular Music Studies A critical Assessment, eine radikalsubjektive Auswahl aus dem prallen Fundus der österreichischen Populärmusik, findet sich hingegen in der im März 2026 im Milena Verlag erscheinenden Publikation Die guten Kräfte die Geschichte der österreichischen Popmusik in 100 Songs der beiden Autoren Thomas Miesgang und Walter Gröbchen, die als inzwischen selbst schon bekannte Größen seit Jahrzehnten im Musikjournalismus tätig sind und im präzisen Kurztexten einen Überblick von bekannten Hits bis zu denkwürdigen Fundstücken geben. Dauerhaft verfügbar ist in der Mediathek des ORF auf ORF on. Der Musikfilm von 1984. Helden von heute er visualisiert Falcos zweites Musikalbum Junge Römer und gilt heute als ikonische Pionierarbeit, als einzigartiges Zeitdokument des österreichischen Pop und Zeitgeist der 1980er Jahre und weist dennoch auch heute durch seine Ironie, seine Szenenfolge und seine Inszenierung zu überzeugen. Und wenn wir schon bei audiovisuellen Zeitdokumenten des österreichischen Pop und Zeitgeist der 1980er sind, müssen wir natürlich Niki Lists Café Malaria aus 1982 ins Spiel bringen. In seinem Regiedebüt fängt der 2009 verstorbene Wiener Regisseur, Drehbuchautor und Produzent auf ironische Weise die Städtische Jungkultur der frühen 1980er ein. Im namensgebenden Cafe Malaria finden sich Linke Aktivist*innen, Popper, New Wave Punks, Drogendealer und verwirrte Außenseiter*innen. Auf jeden Fall einen Blick Wert. Und wer Falcos selbst Stellung zu vielen Fragen seiner Kunst und Karriere nehmen hören möchte, dem sei das Interview für den längst vergangenen Musiksender Viva aus 1996 empfohlen zu finden auf der Videoplattform YouTube unter dem Titel Heikes Hausbesuch bei Falco.
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