Grätzlgeschichten

31 | Der Löwe von Aspern: Erinnerung, Mythos und Napoleons Schatten über Wien

Stadt Wien

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Der sogenannte Löwe von Aspern erinnert an eine der blutigsten und zugleich symbolträchtigsten Schlachten der napoleonischen Kriege: die Schlacht von Aspern-Essling im Mai 1809, in der das österreichische Heer erstmals Napoleon besiegen konnte. Doch das Denkmal zeigt keinen triumphierenden Sieger, sondern einen sterbenden Löwen – ein bewusst gewähltes Bild für die enormen Verluste und die Ambivalenz dieses „Sieges“.

In dieser Folge der Grätzlgeschichten nehmen Andreas und Walter dieses Denkmal im 22. Bezirk zum Ausgangspunkt für eine Reise durch eine Zeit tiefgreifender Umbrüche. Sie sprechen über die militärischen Reformen unter Erzherzog Karl, die Herausforderungen der Habsburgermonarchie im Spannungsfeld zwischen Stillstand und Modernisierung sowie über die neuen Formen der Kriegsführung, die mit der Französischen Revolution und Napoleon Europa veränderten.

Darüber hinaus werfen sie einen Blick auf das Leben in Wien während der napoleonischen Besatzung: zwischen anfänglicher Faszination, wirtschaftlicher Not, kulturellem Einfluss und wachsendem Widerstand. Schließlich geht es auch um die Frage, warum der Löwe von Aspern erst Jahrzehnte später errichtet wurde – und wie Denkmäler genutzt werden, um Geschichte zu deuten, Patriotismus zu formen und kollektive Erinnerung zu prägen.

Mehr Wiener Geschichte findet ihr im Wien Geschichte Wiki. Andreas und Walter könnt ihr außerdem in der Geschichtsgreißlerei hören.

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-Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Grätzlgeschichten. Es begrüßen euch, Andreas und Walter weiter. Wir sprechen heute wieder über ein Denkmal, wir schauen ja bei den Denkmälern immer, dass wir so die verschiedensten Bezirke und Orte in Wien abdecken und heute und auf die Sendung freue ich mich besonders, geht es um ein Denkmal im 22. Bezirk?-Ja, bei dem Denkmal handelt es sich um den sogenannten Löwen von Aspern, also der steht oder eigentlich liegt ja besser am Asperner Heldenplatz im 22. Bezirk, also errichtet wurde dieses Denkmal 1858 zu Ehren derjenigen Soldaten, die bei der Schlacht von Aspern am 21. / 22. Mai 1809 gefallen sind, diese Schlacht fand so im Zuge der fünften Koalitionskriege statt? Also es gab eine Menge von diesen Kriegen.-Also Koalitionskriege, die Kriege, die quasi die ganzen reaktionären Monarchien gegen das revolutionäre Frankreich geführt haben.-Und es war aber auch die erste siegreiche Schlacht eines österreichischen Heeres gegen die napoleonischen Truppen, also das Denkmal, wenn man es mal so anschaut, das ist so ein sterbender Löwe, der in seinem Pranken einen napoleonischen Adler hält, er liegt auf dem Imperatorenmantel, also symbolisch, hat auf dem von Napoleon, und er ist selbst aber von einer Lanze getroffen oder durchbohrt, also es ist halt kein triumphierender Löwe, sondern einer sich ein Todeskampf befindlicher und das ist auch kein Zufall, denn die Verluste auf beiden Seiten waren ja bei dieser Schlacht enorm und ungefähr gleich hoch, also ein blutiges Gemetzel auf beiden Seiten.-Okay, und bevor man zum Löwen kommen noch zwei Minuten Heimatkunde.-Eigentlich läuft es für Österreich ab Mitte des 18. Jahrhunderts nicht mehr wirklich rund. In den Ränke und Machtspielen der europäischen Großmächte setzt es außenpolitisch wie militärisch einige Rückschläge, verlorene Erbfolgekriege in Spanien, Niederlagen gegen das expandierende Preußen und die zunehmende Konkurrenz eines erstarkten Russlands im Osten binden Kräfte, die eigentlich für wichtige Aufgaben genützt werden sollten. Denn obwohl Ende des 18. Jahrhunderts überfällige Reformschritte zur Modernisierung gesetzt werden, bleibt der Staat in einem eigentümlichen Spannungsverhältnis zwischen Reformimpulsen und Stillstand? Die Bemühungen von Teilen der damaligen Staatsspitze aus einem lockeren Konglomerat von Ländern einen einheitlicheren, rational verwalteten Staat zu Formen, stoßen auf hartnäckigen Widerstand der Stände, Kirche und vieler lokaler Eliten. Nach den letzten zögerlichen Versuchen Leopolds, dem zweiten, der sogar Verständnis für einige Forderungen der französischen Revolution zeigt, etabliert sich unter Franz II ein konservatives System, das die bereits angestoßenen Modernisierungsschritte eher verwaltet und einhegt, als sie konsequent weiterzuentwickeln. Und hier kann man durchaus ein allgegenwärtiges Modewort der Gegenwart ins Spiel bringen. Wir haben einen Reformstau. Die Strukturen waren zwar nicht mehr altständisch, im klassischen Sinn, aber noch weit weg von einem liberalen Verfassungsstaat des 19. Jahrhunderts. Oder, wie man so schön sagt, weder Fisch noch Fleisch, kommt einem irgendwie bekannt vor. Modernisierung des Staates in Verwaltung, Finanzen, Schul und Universitätswesen wie auch beim Militär wären dringend notwendig. Versandten, aber immer wieder. Obwohl nach dem Tod Josefs, des zweiten Teile des aufgeklärten Beamtentums und der gelehrten Öffentlichkeit Ideen der Modernisierung propagieren, bleiben sie im Dschungel von Partikularinteressen und Mangel an Konfliktbereitschaft stecken. An Universitäten, in Verwaltung und Justiz etablieren sich zögerlich Reformkräfte, die eine rationalisierte Gerichtsbarkeit, einheitliche Maß- und Gewichtssysteme, bessere Ausbildung und eine effizientere Steuerhebung fordern, um den Staat leistungsfähiger zu machen. Um nicht missverstanden zu werden, das waren keine Konzepte für mehr Demokratie, sondern technische Maßnahmen, um die Stadt effizienter und durchschlagskräftiger zu machen. Und hier zeigt auf der internationalen Bühne vor allem ein Staat, wie es funktionieren könnte. Und das war das über jahrhundertelang als Erzfeind des Hauses Habsburgs gebrandmarkte Frankreich. Denn selbst in den wildesten Chaostagen der französischen Revolution wird ein Reformpaket nach dem anderen durchgesetzt. Zentralisierung und Modernisierung der Verwaltung, Beseitigung von kleinteiligen Zollbezirken, Schaffung eines dem Staat loyalen Beamtentums, Vereinheitlichung von Maßen, Währungen und Schulausbildung und vieles mehr. Und während Teile der österreichischen Bevölkerung mit Interesse und auch Sympathie die Ereignisse in Frankreich verfolgen, setzen die Habsburger wieder mal auf die falsche Strategie, statt sich anzupassen, um Positives zu übernehmen, stellt man sich an die Spitze eines stümperhaft vorbereiteten militärischen Abenteuers, und so Gerät der Versuch der alten Großmächte, die französische Revolution durch eine militärische Intervention zu Fall zu bringen, in ein Desaster. Die moderne und vom nationalen Geisterrevolution beflügelte Französische Volksarmee bereitet den Österreichern eine Niederlage nach der Anderen. Und Napoleons unbestreitbarer Sinn für Strategie erkennt in Österreich das schwächste Glied der antifranzösischen Koalition. Denn in vielerlei Hinsicht klammert man sich noch hier an den Glanz vergangener Tage und im ausgehöhlten Ruhm der Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reichs, das realpolitisch keine Rolle mehr spielt oder wie der französische, spitzzügige Philosoph Voltaire über diese Staatengebilde meinte: es wäre weder heilig noch Römisch noch reich gewesen. Und so steht 1805 Napoleon mit seiner Armee vor den Toren Wiens und trifft auf eine Bevölkerung, die ihm kritisch ambivalent gegenübersteht. Bevor jedoch die letzten französischen Truppen 1809 die Stadt verlassen, setzen sie bewusst oder auch unbewusst wichtige Reformimpulse in Politik, Gesellschaft und Kultur, die die Modernisierung Österreichs im Laufe des 19. Jahrhunderts entscheidend prägen werden.-Ja, danke Walter, für diese wunderbare Heimatkunde über Napoleon und Österreich, das ist ja quasi auch unser Thema heute. Zum Einstieg, die napoleonischen Kriege gelten ein bisschen als einschneidender Wendepunkt für die Habsburgermonarchie. Ich meine, ich habe da so Schlagworte wie Volkskrieg, allgemeine Wehrpflicht, Bewegungskrieg, besiegen im Detail. Also bringe mal, was da so das Besondere in dieser Zeit ist.-Deshalb militärisch gesehen ist es so, den völlige Neuerung, also bis tief ins 18. Jahrhundert hinein dominieren die sogenannten Kabinettskriege, also so relativ begrenzte Feldzüge, also gesteuert so von Fürstenkabinetten mit so kleinen Berufsheeren und möglichst wenig großen Schlachten, und unter der französischen Revolution und mit Napoleon entsteht so ein neuer Volkskrieg. Also so große Heere, Massenaushebungen, so begeisterte Freiwillige, um das Ziel, also alles mit einer Entscheidungsschlacht zu suchen, zu fehlen, also notfalls auch mit hohen Verlusten.-Also mehr Tempo, mehr Masse, mehr Risiko, aber auch das nationale.-Richtig. Und die Armeen werden also beweglicher, leichter bewaffnet. Und sie Maschieren in mehreren Kolonen, um sich schlagartig zu konzentrieren. Also statt langwierigen Belagerungen, sucht Napoleon eigentlich immer die schnelle Entscheidung. Und das erfordert natürlich auch ein enormes Rekrutierungspotenzial und politische Mobilisierung der Bevölkerung. Und dabei wurde unter anderem stark auch auf bäuerliche Schichten zurückgegriffen. Also damalige Militärexperten meinten auch, dass diese überhaupt sehr viel risikofreudiger und leichtsinniger agierten, als Berufssoldaten. -Ja, heute wird ja auch noch vom Bundesheer durchaus bei der Stellung erhoben, wo jemand herkommt, also Land, Kleinstadt, Großstadt, das dürfte Auswirkungen haben für das Militär. Aber wie passt jetzt Österreich mit seiner eher doch sehr Konservativen Tradition und auch Militärtradition in dieses neue Bild? -Na eigentlich überhaupt nicht, anfangs total schlecht und darum auch diese Niederlagen, also die habsburgische Armee war so auf starre Linieninformationen, ganz klare Hierarchien und ein Offizierkorps auf dem Adel zugeschnitten, also die französische Revolution eröffnete Offizierstellen, also auch für talentierte bürgerliche. Sie öffnet sich also während der Adel in Österreich nach wie vor eine sehr wichtige Rolle spielt, ist damit auch relativ schnell strukturell im Nachteil. Und vor allem die französische Armee ist begeistert und vorwärts bewegt durch den revolutionären Geist von 1792.-Also eine Meritokratie quasi bei den Franzosen und natürlich der revolutionäre Eifer und vielleicht auch der nationale Eifer. Und bei Österreich tritt dann aber dieser Erzherzog Karl auf den Plan oder was spielt der für eine Rolle? -Ja, der spielt eine ganz wichtige Rolle bei der Reform des österreichischen Militärwesens. Er studiert die Feldzüge der Franzosen sehr genau und die frühen napoleonischen Kriege und kommt zu einem Schluss Wir müssen diese französische Art der Kriegsführung einfach nachmachen und übernehmen, sonst gehen wir einfach unter.-Und was hat er konkret verändert?-Naja, zum ersten Mal setzt er sowas wie ein Kriegsministerium um, also ein französischen Vorbild, eine Zentralisierung um die militärische Leitung also zu verbessern und er baut auch und erweitert die Offiziersausbildung, ein eröffnetes Offizierskorps. Auch für gute, ausgebildete, bürgerliche Talente, um die Qualität der Führungen zu steigern.-Und bei den einfachen Soldaten?-Ja, da gibt es eine ganze Reihe von Neuerungen, also die lebenslange Dienstzeit wird abgeschafft, die Prügelstrafe wird verboten. Also das österreichische Militär war bekannt für die Brutalität, intern auch später auch noch bis in den Ersten Weltkrieg hinein und die Lebensbedingung der Soldaten wurden verbessert also ein Schritt hin mehr zu Menschenwürde im Militär. Gleichzeitig versucht aber Karl auch, die Disziplin und Härte zu halten. Also ganz so im napoleonischen Sinne. Die Zeit der Entbehrung ist die wahre Schule der Soldaten. Also das greift er ausdrücklich auf.-und hat da auch irgendwie strukturell an der Armee geschraubt. -Also nach Austerlitz, also die vernichtende Niederlage der Allianz.-Aber das war 1804.-1805.-1805, ja. -War es jetzt nur klar, es Bedarf in einer Modernisierung, es wurde halt eine moderne Gliederung in Koas, Divisionen und Brigaden eben eingeführt und vor allem diese flexible Kriegsführung und auch das Vertrauen in Kommandeure vor Ort zu entscheiden, also mehr Entscheidungsfreiheit zu überlassen.-Also vieler größerer Flexibilität, hat sich das auf dem Schlachtfeld ausgezahlt?-Ja, als ein Stück weit schon, also eben 1809, gelingt es dem Erzherzog Karl bei Aspern, wirklich den ersten großen Sieg eines europäischen Heeres über Napoleon. Das war ein gewaltiger Prestigegewinn und zeigt, dass also die Österreicher, wie es Napoleon selbst gesagt hat, Zitat verteufelt, stark sein konnten und es hat das ja anerkennend auch gesagt.-Okay, und wir sind ja beim Löwen von Aspern, insofern natürlich die Frage, was jetzt genau bei der Schlacht von Aspern passiert.-Na ja, also die Schlacht von Aspern hat sich nicht so großartig unterschieden von der Anderen Schlacht, es war ein unglaubliches Gemetzel, es war eine offene Feldschlacht. Sie fand eben im Mai 1809 statt, also östlich von Wien, also im heutigen Aspern-Essling Bereich. Und es ging so darum, dass Napoleon die Truppen Chaos stellen wollte, er setzte, er wollte bei der Donau übersetzen, also darf man ja auch nicht mit heute vergleichen, es war ja damals noch so ein, wirklich ein mäandierendes flusssystem.-Vor der Donau... -Vor der Donauregulierung und er baut Pontonbrücken, also so behelfsmäßige Brücken, setzt dann über mit seinen 30.000 Soldaten und wie schon dort trifft er auf die österreichischen Truppen.-Es ist eigentlich fast nicht vorstellbar, oder solche großen Mengen und das dann irgendwie logistisch alles hinzubekommen, wahnsinn.-Ja, also die französische Armee war gerade eine Logistik wirklich weit voraus, also gegenüber den anderen Armeen eben, es kommt dort eben zur Auseinandersetzung und die Österreicher gewinnen eigentlich die Schlacht mit so einem kleinen Trick, in dem sie nämlich diese Pontonbrücken zerstören, mit unbemannten Booten. Der Nachschub der Franzosen wird damit unterbunden, Napoleon zieht sich eben zurück, die Verluste der Franzosen sind ungefähr zwischen 25 bis 30.000 Soldaten, aber auch die Österreicher verlieren enorm viel Soldaten, so um die 20.000. Das ist ja praktisch ein bisschen ein Pyrosieg, was aber ganz interessant ist, auch für später ist, viele Soldaten sind durch die militärische Auseinandersetzung gestorben, die Anderen sind, viele sind einfach ertrunken, waren einfach auch Nichtschwimmer und ein Resultat aus diesem Faktum war, dass die österreichische Armeen auch ein Schwimmschulen eingerichtet hat, eben an der Donau, um den Soldaten der Schwimmen beizubringen, und es waren auch ein bisschen die Wiege der späteren Donaubäder, wo heute die Wiener genießen. Spannend. -Die Schlacht selber, die hat ja sogar zwei Tage gedauert, oder?-Ja, es war ein Hin und ein Heer, ja, und wie schon gesagt, die Österreicher haben das dann eben prestigemäßig gewonnen, obwohl natürlich, also rein militärisch, der Sieg ist nicht so ausschlaggebend war, aber wie schon gesagt, es war ganz wichtig, mal zum ersten Mal zu zeigen, Napoleon kann besiegt werden.-Okay, und was passiert danach?-Na ja, also die Erfolgsgeschichte hält nicht lange, also wenige Wochen später bei Wagram eh gleich in der Nähe, gelingt es also den Napoleon wieder, die österreichische Armee also zu schlagen? Geschickte Täuschungen. Er ist natürlich ein Strategiegenie und Karl geht da eher sehr vorsichtig um und reduziert damit zwar die österreichischen Verluste, verliert aber die Schlacht und das wird eigentlich recht übel aufgenommen.-Und wie reagiert der Kaiser Franz auf das?-Ja, Kaiser Franz und also einen große Teil der Beamtenschaft geben, also den Karl die Schuld an diesen ausbleibenden Triumph und entbinden ihn schließlich des Oberkommandos, also Franz und Karl verstanden sich nicht besonders, sie waren ja auch Brüder, also der Karl war ja auch der jüngere Bruder, da gab es offensichtlich auch Konkurrenz und Animositäten, ja, und obwohl ja, so Napoleon eigentlich Karl wirklich lobt und sagt er ist ja wirklich militärisch ein außerordentlicher Feldherr wieder eben der seines Amtes im Bunden, ja und muss eben zurücktreten.-Ja, wechseln man jetzt vielleicht nochmal von der militärischen zur politischen Ebene, dieses Siege vom Napoleon da irgendwie rund um Ende 18 des, Anfang 19. Des Jahrhundert, die haben ja eigentlich auch die gesamte Ordnung irgendwie auf den Kopf gestellt in Europa, also zunächst einmal zumindest.-Es bleibt nichts beim alten, also es wird alles zerrissen, das österreichische Reich oder sag mal, das heilige, römische Reich wird komplett umgewandelt und das österreichische König Kaiserreich wird wirklich zum Teil filetiert. Also nach den Niederlagen, den Friedensschlüssen von Campo Vomir und Luneville, verliert, als Österreich große Gebiete und vor allem seine Vormachtstellung im Heiligen Römischen Reich also, und Napoleon setzt sich mit seiner Kaiserkrönung von 1804 also wirklich in der Tradition Karl des Großen fest und setzt sich nicht nur als Kaiser der Franzosen ins Bewusstsein, sondern als Gegenkaiser zum Heiligen Römischen Reich.-Ich glaube, das muss man aber auch betonen, weil ich glaube, in Österreich und auch Großbritannien sind ja irgendwie so traditionell napoleonfeindlich und da werden meiner Meinung nach über die Jahrhunderte durchaus Klischees und Propagandabilder weiterhin verbreitet. Also der Napoleon ist jetzt nicht größenwahnsinnig worden und halt vielleicht ist er das auch geworden, in einer Gewissen Art, aber der primäre Moment da drin in dieser Kaiserkrönung ist nicht der Größenwahn, sondern das primäre Moment ist politische Überlegung, also eben gegen Kaiser, Tradition Karls, des Großen und auch das sich selber krönend, das ist ja eine Absage an die Kirche.-Ja, also wirklich ein modernisiertes Kaisertum quasi, also natürlich keine Demokratie, aber, aber trotzdem auch ein bisschen aus der Tradition der französischen Revolution was Universalistisches rauszubringen, er ist für ganz Europa da, also er befreit nicht nur die französische Nation und führt sie zu Ruhm und Ehre, sondern er glaubt wirklich, er hätte eine Mission, Europa von diesen alten Adelsschichten und diesen überholten Strukturen zu befreien.-Genau, aber gleichzeitig reagiert ja der damalige noch Franz II des Heiligen Römischen Reichs auch auf diese Entwicklung.-Ja, also man ist da wirklich in einer diplomatischen Zwickmühle, auf der einen Seite, die Anerkennung der eigenen Kaiser würde durch Napoleon war nicht mehr realistisch. Also das wäre, also hatte auch nicht mehr den realen Kräfteverhältnissen mehr entsprochen und umgekehrt hätte die offizielle Nichterkennung Napoleons wieder zu einem sicheren Krieg geführt. Also so sucht man also einen Ausweg?-Na und vor allem, ich glaube, das wichtige ist, dass der Franz, der zweite, das heilige Römische Reich auch deswegen dann auflöst, weil er ja die Sorge hat, dass der Napoleon irgendwie sich auch das gesamte heilige römische Reich als Kaiser Untertan machen könnte, und deswegen ruft er dann das Kaisertum Österreich aus oder? Und wird dort so quasi zum Franz. I. -Ja, also es ist eigentlich ein Notkonzept raus, weil das heilige römische Reich ist ohnehin schon zerfallen beziehungsweise steht schon stark unter dem Einfluss, vor allem die westlichen Teile unter französischen Einfluss, auch dort wirkt die Idee der Revolution, auch dort gibt es Modernisierung. Und Franz, der 2., der spätere Franz, der 1. eben als Kaiser, sieht es als eigentlich einzige Möglichkeit mehr, so eigentlich diese Kronländer und so das Kernland zu retten.-Genau davor hat ja Österreich auch schon in den unterschiedlichen Kriegen und Friedensschlüssen einiges an Territorium verloren. Also wir sprechen vom Westen Österreichs, wir sprechen von Istrien, Dalmatien, Venedig, und sie schauen noch, dass sie retten können, was noch zu retten ist, was passiert 1809 noch?-Ja, also 1809 kommt es dann zum Frieden von Schönbrunn. Also deswegen gesagt, nachdem Österreich komplett filetiert wurde und eigentlich nicht mehr viel vorhanden war, versucht man dann irgendwie mit Napoleon Ausgleich zu finden? Da spielt Metternich eine ganz wichtige Rolle, er sucht eine diplomatische Lösung und man führt eigentlich ein Lamm aufs Schlachtbrett, nämlich Marieluise, die Tochter von Franz, den ersten und die wird praktisch Napoleons Gattin angeboten, man versucht über so eine persönliche Allianz irgendwie dieses Kaiserreich zu retten.-Also Unwille quasi muss man mit dem Sieger packeln.-Ja, also da ging es auf einmal schon, aber jetzt vorher so typisch klassische Machtpolitik, um über Hochzeiten oder über Ehen irgendwie in den Machterhalt auch zu retten.-Jetzt haben natürlich wahrscheinlich diese außenpolitischen Verwerfungen auch in den politisch Konsequenzen.-Gab mein Kind endlich und sehr spät, dass es einfach interne Reformen braucht, also die außenpolitischen schwächenhängen einfach eng, auch mit inneren Verwaltungsproblemen zusammen, also die alten Hofstellen, unkoordinierte Zuständigkeiten, so fehlende, klare Zuständigkeiten, alles das ist eigentlich reformbedürftig. Und es bedarf einer modernen Zentralregierung. Und das findet dann endlich statt. Und Napoleon und seine Siege geben da den wichtigen Impuls.-Was mich aber interessiert wird, weil wir sprechen ja doch auch da wieder, ausgehend vom Löwen von Aspern über Wien, wie hat jetzt der Kriegsalltag in Wien ausgeschaut in dieser Zeit.-Ja, also anfangs werde, Österreich war ja eigentlich Pleite, also das werden, diese langen Kriege haben ja wahnsinnig viel an Ressourcen und Finanzen gekostet, es gab Hungerunruhen, es gab sehr viel, ja, also der Staat konnte sich nicht mehr finanzieren und es war schon ohnehin so, also gab man immer so Art Papiergeld aus, dass eigentlich nichts mehr Wert war, und Napoleon ist in die Stadt dann eingezogen. Es gab ein ambivalentes Verhältnis der Bevölkerung, natürlich waren nicht einerseits Okkupationstruppen und das französische Heer hat sich dann immer selbst, natürlich von den besetzten Ländern selbst ernährt. Auf der einen Seite hat ja sofort Schritte eingesetzt, um die Wiener Bevölkerung mit Nahrungsmittel zu versorgen, also das wurde dann sehr positiv aufgenommen. Am Anfang gab es dann durchaus Sympathien für Napoleon 1805 und hatte dann wirklich auch relativ früh auch Reformschritte eingesetzt, Verwaltung modernisiert und es gab es einen ersten Reformschub in der Stadt.-Wie groß war Wien zu dieser Zeit? Ungefähr?-Ja, Wien hatte ungefähr 250.000 Einwohner*innen, Einwohner*innen, also es war damals eigentlich eine beachtliche Metropole nach damaligen Maßstaben, aber natürlich, die musste versorgt werden und die, solche Ballungsräume sind extrem verletzlich, wenn es Versorgung und Handel beeinträchtigt sind und daher musste man da relativ rasch Reformschritte setzen und Initiative setzen und das hat in napoleonische Verwaltung sehr rasch gemacht.-Und wie geht Napoleon und mit Wien um? Als er zum Beispiel die Stadt besetzt?-Ja, wie schon gesagt, er weiß um diese angespannte Versorgungslage der Stadt und achtet darauf, dass also die Lebensmittelversorgung rasch zu stabilisieren. Also das trägt ihm, wie schon gesagt, dazu bei, dass es eine gewisse Sympathie gibt gegenüber Napoleon. Es gibt aber auch sehr viele Vorbehalte, es gibt vor allem eine starke deutsche Emigration in der Stadt, die eigentlich aus den westlichen Teilen des Heiligen Römischen Reiches vor Napoleon nach Wien geflüchtet sind und die halt sehr stark gegen Napoleon opunnieren und versuchen, da so den Ort österreichischen Lokalpatriotismus zu entwickeln. Also interessanterweise, vorher gibt es eigentlich diese österreichische Nation, diesen Patriotismus gar nicht und es ist ein bisschen schon auch so ein Import von einer romantischen Vorstellung einer Nation, um auch hier anknüpfend an den Erfolgen der französischen Armee wir brauchen Patriotismus, also ohne Patriotismus funktioniert eine moderne Armee nicht und das wird eher so importiert. Das entwickelt sich aber erst mit der Besatzung der französischen Armee, die natürlich auch, es kommt zu Übergriffen, die französischen Soldaten ist wie immer eine Soldateska, die nimmt sich, was sie braucht. Ja, und dann bedient das zu langsam ein Widerspruch und eine Ablehnung der Wiener Bevölkerung gegenüber der französischen Armee. Es gibt ja auch das berühmte Beispiel dann auch von Beethoven. Beethoven komponierte die dritte Symphonie zu Ehren Napoleons. Er ist aber dann von diesen absolutistischen Herrschaftsanspruch so angewidert, dass er sich dann unbenennt und ist dann die berühmte Eroika.-Ja, die napoleonischen Kriege überhaupt als Geburtshelfer des Nationalismus in Europa? Das betrifft nicht nur Deutschland, Österreich, auch Spanien, Italien, überhaupt? Der Name Königreich Italien taucht das erste Mal unter Napoleon auf, aber auch quasi ideengeschichtlich, wie ist dieser Alltag in Wien in der napoleonischen Besetzung?-Also Wien wird ja praktisch zweimal besetzt, also 1805, da funktioniert es eigentlich noch relativ gut bei dem zweiten Mal, also 1809, ist es schon sehr viel problematisch, also da wird auch die Stadt ja auch belagert, bombardiert, es kommt zu Toten, es werden insgesamt 42.000 Soldaten und über 9000 Pferde in der Stadt untergebracht. Also die müssen versorgt werden und das muss alles aus der Stadt heraus folgen und dementsprechend kommt es dann eben wirklich zum großen Unmut, aber es kommt zu Plünderungen, die werden zwar hart bestraft, aber Maratheure und Deserteure gibt es trotzdem. Die Sorgen für Unsicherheiten der Stadt und auch die französische Verwaltung entwaffnet dann die Bürgermilizen, die fühlen sich dann wiederum schutzlos, also auch hier sind Maßnahmen gesetzt worden, die nicht gut ankommen, die Armee nutzt eben Wien als Hauptquartier und Napoleon setzt sich dann wieder in Schönbrunn fest. Plünderungen sind zwar streng verboten, aber sie passieren einfach und zunehmend ist es so, dass die Wiener Bevölkerung eigentlich der französischen Okkupation feindlich gegenübersteht.-Und es ist aber trotzdem so, wie oft in Okkupation, dass vielleicht gerade dann auch das kulturelle Leben nicht nur weitergeht und vielleicht sogar der Gewissen Aufschwung erlebt.-Ja, das ist eben dieses widersprüchlich auf. Einerseits bricht die Versorgungslage zusammen, verschlimmert sich oft, ist natürlich die französische Kultur eine überbordende und eine wirklich eine wegweisende. Also Theatercafés und Tanzlokale eröffnen bald wieder, antifranzösische Stimmung und Äußerungen sind verboten, aber es gibt gleichzeitig auf Paraden auf dem Heldenplatz, die sowohl die Faszination auch Unmut auslösen. Natürlich, die französische Armee war natürlich auch ein prestigeträchtiges Unternehmen und konnte auch präsentieren und sich selbst auch durchaus verkaufen. Also das war so eine Mischung von Unmut und gleichzeitig auch Bewunderung, also ein sehr ambivalentes Verhältnis.-Wobei man ja sagen muss, viel von der Bewunderung, ja in Österreich nicht geblieben, oder?-Nein, also das ist ja interessant, dass auf der einen Seite gab es am Anfang eben diese Begeisterung und dann eben hat es relativ bald umgeschlagen, es gab dann diese antifranzösische Stimmung, aber auch hier wiederum ambivalent, es war, war gegen Napoleon und in die Opation, aber die französische Kultur war damals die federführende Europas, also die Musik, die Literatur, Poesie, das ist alles eigentlich von Französischen abgekupfert worden, also viele von den Wiener Dialektwörtern kommt eigentlich aus dieser Zeit, dann diesmal aus dem französischen übernimmt, also vom Plafond bis Tottoir, Lavour, kommt alles aus dieser Zeit auch heraus, weil die französische Kultur die Leitkultur ist.-So, jetzt endet aber irgendwann einmal auch diese Besatzung, wie kommt es dazu?-Ja, also 18 Uhr 9 wird ja offiziell der Friedensschluss gemacht, Österreich ist auf einmal wieder Alliierter der napoleonischen Besatzung und Napoleon zieht ja dann weiter in weitere Kriege, es geht dann aber nach Russland und dann wird an dann Hernals, ja und Österreich Schwechat dann wieder mal die Seite und am Ende gibt es natürlich dann 1813 die Völkerschlacht von Leipzig, wo die Österreicher wieder in der antifranzösischen Koalition dabei sind und das ist ja dann die endgültige Niederlage auch von Napoleon und Somit eigentlich hört dann auch dieser französische Einfluss und die ständige betrogen. Herr, für Wien.-Auf was mir interessieren wird, jetzt haben wir also 1809 ist die so Schlacht, aber der Löwe von Aspern, der wird 1858 eingeweiht, warum gerade 1858?-Ja, also hier dient es schon noch einmal, einerseits den Wien Karl zu rehabilitieren, also militärisch oder seine Verdienste, und das wird dann nachträglich nach Toten Franz im ersten unter Franz Joseff, dem ersten, auch dann wirklich neu interpretiert. Österreich steht wieder auch militärisch in Krisen, also die Kriege wieder gegen Frankreich und auch gegen Italien sind eigentlich nicht erfolgreich und man versucht da wirklich so ein Denkmal zu setzen, um den Patriotismus noch einmal ins Leben zu rufen und wiederzubeleben und da spielt der Löwe natürlich eine ganz eine wichtige Rolle? Es ist natürlich sehr abseitig, dieses Denkmal, also von dem her ist es weit weg vom Schuss, also Karl bekommt ja am Heldenplatz sein Denkmal, aber der Löwe wird da noch in der tiefsten Lobau eigentlich eingerichtet und er findet dann eigentlich nicht so sehr ein Widerhall wie andere Denkmäler.-Nicht so sehr Widerhall, dennoch Widerhall. Haben er die französischen Reformen auch in Österreich gefunden oder?-Ja, auch hier wieder gemischt? Am Anfang werden die Reformen rasch umgesetzt, aber dann versickert es wieder, also das ist immer ein bisschen das gleiche, man geht es rasch an, dann gibt es Widerstände von der Kirche in Schulwesen, es gibt Widerstände von den lokalen, Beamtentum hinsichtlich, wie setzt man, welcher Sprache sollen überhaupt die Gesetze umgesetzt werden? Also in Österreich ist eben dieser Fleckerlteppich und kann diese zentralisierten Reformen, die die französische Revolution eigentlich initiiert haben und angestoßen haben, nicht wirklich vollkommen umsetzen, aber Österreich wäre ohne diese Reformen oder diese Ansätze durch die französische Revolution Napoleon nicht der Staat gewesen im 19. Jahrhundert, wie er sich dann später repräsentiert hat, es gab schon eine Modernisierung, aber es ist immer so, 20, 30 Jahre hinkt halt die Entwicklung bei uns nach.-Ja, und wenn du jetzt alles nochmal kurz zusammenfassen müsstest, was ist für dich der wichtigste Effekt Napoleons auf Österreich oder auf Wien? Jenseits von Schlachtennamen und historischen Daten.-Also Napoleon zwingt wirklich Österreich, sich selbst zu modernisieren, also militärisch, administrativ, finanziell und, aber auch mental. Also viele Reformen bleiben unvollendet, aber der Druck dieser Epoche bricht einfach diese alte Reichsordnung und schafft das Kaisertum Österreich und bereitet wichtig im Boden für einen Ort habsburgischen Neustart im 19. Jahrhundert.-Gut, dann würde ich sagen, ich mache mich jetzt mal auf den Weg, den Löwen in Aspern zu suchen. Wir verabschieden uns von unseren Zuhörerinnen mit dem Hinweis auf Podcast@ma53.wien.gv.at einen schönen Tag noch, wünschen Andreas und Walter.-Dass die Schlacht von Aspern in der französischen Geschichtsschreibung eigentlich Partei des Link heißt und viele weitere Details zu diesem historischen Ereignis, kann man in dem von Johannes Holber verfassten Buch Auf den Spuren von 1809 nachlesen auf 66 Seiten werden hier die Vorgeschichte, der Schlachtablauf und die Folgewirkungen beschrieben. Beziehbar im Bezirksmuseum des 22. Bezirks Herausgeber ist der Museumsverein von Aspern-Essling, und wenn man sich schon das Buch im Museum besorgt, dann sollte man auch gleich dem Sondermuseum Aspern-Essling einen Besuch abstatten, denn dort findet man ein beeindruckendes Jurama und viele Objekte zur Schlacht das Sondermuseum befindet sich im Schüttkasten, einem historischen Gebäude, um welches auch während der Schlacht intensiv gerungen wurde. Adresse Simonsgasse 23, 22. Bezirk, Öffnungszeiten April bis Oktober 10 bis 12 Uhr.

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