ÖH.... der wahrscheinlich unnötigste Podcast der Welt
Wir sind Zeuge eines Experiments:
Alex und Patrice kennen sich nicht, bzw. nur oberflächlich, denn Alex ist der Tierarzt der Beagle von Patrice. Sie lernen sich im Rahmen dieses Podcastes immer besser kennen und schätzen ... oder sind auch verwundert über einander.
Wir können in diesem Podcast beobachten, wie sich zwet Personen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben sich anfreunden
In einer Zeit in der wir alle verlernt haben wirklich miteinander zu sprechen, versuchen Alex und Patrice diese alte Tugend wieder aufleben zu lassen.
Zwei Menschen fünf Meinungen, dass ist wahrscheinlich das was auf Alex und Patrice am Besten zutrifft und was es auch so interessant macht den beiden zuzuhören.
Über Gott und die Welt... über intime Probleme, Ansichten und Meinungen... manchmal sogar Wissen.
Viel Spass bei öhhhhhhhh.... wie hiess der Podcast noch gleich ...öhhhhhhh
ÖH.... der wahrscheinlich unnötigste Podcast der Welt
Pflegen am Limit – Der Beruf, den kaum jemand bis zur Rente schafft.
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Wie fühlt es sich an, jeden Tag Menschen zu begleiten, deren Leben sich innerhalb weniger Sekunden für immer verändert hat?
In dieser Folge haben wir mit Steffi, einer Intensivkrankenschwester in einem Zentrum für hoch querschnittsgelähmte Menschen, einen ganz besonderen Gast. Sie arbeitet täglich mit Patienten, die nach schweren Unfällen oder Erkrankungen dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind – viele davon können weder Arme noch Beine bewegen und sind auf Beatmung angewiesen.
Steffi erzählt offen und schonungslos von ihrem Berufsalltag: von den ersten Begegnungen mit Menschen, deren gesamtes Leben von einem Moment auf den anderen zerbricht, von Angehörigen zwischen Hoffnung und Verzweiflung und von den kleinen Erfolgen, die für Außenstehende oft unsichtbar bleiben.
Wir sprechen darüber,
- wie Menschen nach einer Querschnittlähmung neuen Lebensmut finden,
- warum manche Patienten trotz schwerster Einschränkungen wieder studieren, arbeiten oder sogar ihren Traumberuf ausüben,
- weshalb Angehörige häufig stärker belastet sind als die Patienten selbst,
- wie Pflegekräfte mit Tod, Trauer und Schicksalsschlägen umgehen,
- warum Gewalt gegen Pflegepersonal längst zum Berufsalltag gehört,
- weshalb viele Pflegekräfte ihren Beruf lieben – ihn aber trotzdem nicht bis zur Rente ausüben können,
- welche Rolle Personalmangel, Bürokratie und wirtschaftlicher Druck im Krankenhaus spielen,
- warum unser Gesundheitssystem aus Sicht einer erfahrenen Pflegekraft an vielen Stellen an seine Grenzen stößt,
- und welche Chancen moderne Technik Menschen mit schwersten Behinderungen heute bereits eröffnet.
Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen oder einfache Lösungen. Stattdessen entsteht ein ehrliches Gespräch über Menschlichkeit, Verantwortung, Hoffnung und darüber, wie unsere Gesellschaft mit denjenigen umgeht, die täglich anderen Menschen helfen.
Eine bewegende Folge über einen Beruf, der unglaublich viel Kraft kostet – und gleichzeitig zeigt, wie viel Mitgefühl, Professionalität und Lebensmut es in unserer Gesellschaft noch gibt.
Wer uns nicht nur hören, sondern auch sehen will, uns gibt es voller Schönheit auf Youtube unter
https://www.youtube.com/@ÖH-DerPodcast
wer das nicht will kann uns weiterhin auf Spotify, bei Apple, Amazon Music, Deezer und alle anderen Podcast Plattformen finden.
Ich bitte dich, Patrice, ich habe uns jemanden mitgebracht. Ein Gast.
Ein Gast, eine Gästin. Eine Gästin. Steffi. Steffi arbeitet beruflich mit echt,
finde ich Hut ab, Hammerjob mit Leuten, die aus dem Bett wahrscheinlich nie wieder aufstehen
werden, die querschnittsgelähmt sind.
Hallo Steffi. Hallo. Du bist was, wenn man beruflich mit Querschnittsgelähmten arbeitet?
Ich in meiner Funktion bin Krankenschwester. Aha. Und kümmere mich um Menschen, die an der
Halswirbelsäule gelähmt sind. Und weil da das Zentrum für jegliche Bewegung des Körpers,
der unterhalb ist und eben auch das Atemzentrum, können die Patienten nicht mehr viel und brauchen
eben extrem viel Unterstützung.
Weil querschnittsgelähmt hast du gesagt? Ja, ist das richtig? Ich habe sofort an jemanden in einem
Rollstuhl gedacht, wo die Beine nicht funktionieren. Das ist aber... Und das ist eine besondere
Spezialisierung. Das bedeutet, du bist eben wirklich für diejenigen zuständig, die ab der
Halswirbelsäule abwärts nichts mehr spüren. Genau. Das sind Patienten mit höchst schwerwiegenden
Unfällen oder auch teilweise Erkrankungen, Tumorerkrankungen zum Beispiel. Wenn ein Tumor in der
Halswirbelsäule wächst, engt er das Rückenmark auch ein. Und das kann auch durchaus zu einer hohen
Querschnittlähmung führen. Das Ganze heißt tatsächlich Querschnittlähmung, auch im oberen Teil. Die
Patienten sitzen, wenn es noch irgendwie geht, tatsächlich im Rollstuhl. Wir versuchen sie da so
weit in ihre, wir nennen es Teilhabe, Teilhabe am Leben, wieder so weit bringen zu können,
dass sie durch einen sehr speziellen, technisch hoch ausgestatteten und sehr aufwendig
ausgestatteten Rollstuhl doch durchaus auch wieder ihr Bett und auch ihr Krankenzimmer verlassen
können. Meist bis oft gelingt es auch tatsächlich, aber manche hohe Querschnittpatienten bleiben
auch ihr Leben lang bettlägerig. Wie kommt man denn auf die Idee,
dass man sagt, das möchte ich machen?
Wie die Jungfrau zum Kinde.
Ursprünglich bin ich Krankenschwester auf einer Intensivstation gewesen, habe dort die reguläre
Kranken- und Pflegeausbildung gemacht und im Anschluss daran noch eine Fachausbildung, die sich
rein auf die Tätigkeit einer Intensivversorgung spezialisiert.
Teil der Beatmung, Patienten zu beatmen, das zu kontrollieren, das auch einstellen zu können,
wenn irgendein Parameter nicht optimal eingestellt ist. Man lernt Überwachung der Patienten,
das Lesen von EKGs, das Auswerten von Laborparametern, was die Oxygenierung und so weiter angeht.
Und mit dieser Grundausbildung bin ich im querschnittgelähmten Zentrum bei den hochgelähmten
Patienten gelandet, weil das alles Skills sind. die wir dort brauchen und die wir dort täglich
anwenden. Das bedeutet, jeder deiner Patienten hängt 24 Stunden an einem Beatmungsgerät?
Ja, im Prinzip ja, grundsätzlich oder an irgendeiner Atemunterstützung. Es gibt unterschiedliche
Möglichkeiten. Die grundsätzliche Zufuhr von Sauerstoff... letztlich durch ein sogenanntes Drachios
Doma. Aus Filmen kennt man es mit diesem Halsschnitt, den in Filmen immer gerne alle mit dem
Kugelschreiber machen.
Was du immer weißt.
Im Krankenhaus wird es ein bisschen professioneller angelegt und wird dann auch endständig so
angelegt, dass... Loch, sage ich jetzt mal ganz salopp, bleibt und auch die Kanüle da auch dann ein
Leben lang gut gewechselt werden kann und einfach ein guter Grundweg ist, um Sauerstoff zu füllen
zu können. Es gibt aber auch Patienten, die zum Beispiel, das ist so ein Special auch von meinem
Bereich, die das Zwerchfell, was ja der Hauptartenantrieb für den Menschen ist,
noch in irgendeiner Form enerviert haben. Das heißt, der Unfall hat das Rückenmark durchtrennt,
aber noch nicht alle Nerven erwischt, die in das Zwerchfell gehen. Es ist bei sehr wenigen
Patienten der Fall, aber diese Patienten gibt es. Davon operieren wir im Jahr 0 bis 4,
irgendwas dazwischen. Und die bekommen dann einen Schrittmacher an ihr Zwerchfell gesetzt,
der am Tag, wenn sie nicht schlafen, dafür sorgt, dass das Zwerchfell stimuliert wird, sodass dann
der Patient zwar nicht eigenständig atmet, weil die Muskulatur gelähmt ist, aber die Muskeln durch
diesen Schrittmacher getriggert werden und der Patient Luft holt, ohne es selber auszulösen,
sondern der Schrittmacher das für den Patienten übernimmt. Und das, wenn wir die Patienten, diese
Patienten auch noch in den Stuhl kriegen, natürlich ein wahnsinniger, enormer Freiheitsgewinn für
die Menschen ist. Wir haben einen Patienten, der ist im Beruf, hat der seinen Unfall gehabt, also
beruflich begehrlich, dann in dem Fall versichert. hat. Die BG greift da immer nochmal auf mehr,
höhere finanzielle Mittel zurück, weil die Menschen sollen ja wieder arbeitsfähig in irgendeiner
Form therapiert werden, sodass sie dann eben auch der Gesellschaft weiterhin eine Unterstützung
sein können. Wir haben einen hochgelähmten Patienten mit diesem Phrenikus-Stimulator, so heißt das
Ding. zur Uni gehen. Mittlerweile hat er, glaube ich, langsam fertig studiert und der wird
arbeiten. Und da haben wir unterschiedlichste Leute. Der eine ist Autor, die nächste ist
Reitlehrerin zum Beispiel. Die geht mit ihrem PNS, Phrenikus-Stimulator, geht sie zum Reitplatz
und unterrichtet dort Menschen im Reiten. Aber wie kann ich mir das praktisch vorstellen?
Im Rollstuhl dann? Oder im Bett? Oder wie? Tatsächlich im Rollstuhl. Wahnsinn. Das ist auch eine
ganz atemberaubende Frau. deutlich jünger als ich, die wird irgendwas um die 30 sein,
hatte ihren Reitunfall und hat sich da ihren hohen Querschnitt zugezogen. Und für sie war aber ganz
klar, und ich kann mir gut vorstellen, dass es für sie auch ein Trigger war, zu sagen, ich will zu
meinen Pferden und das schaffe ich auch. Und die ist halt total cool. Wir kriegen sie oft wieder
zur Wiederaufnahme, weil sie sich Druckgeschwüre gesessen hat, weil ihre Pflegenden, die natürlich
sie den ganzen Tag begleiten müssen, sie nicht aus dem Stuhl kriegen, weil sie sie einfach nicht
vom Reitplatz wegkriegen. Weil sie ist da gerne. Sie schickt auch ständig Fotos. Dann steckt man
ihr eine Möhre in den Mund. Das ist das Einzige, was sie noch bewegen kann. Und das hält sie dann
den Pferden tatsächlich hin. Aber das ist einfach ihre Freude. Die letzte Freude, die sie noch hat
und die sie auch einfach echt lebt.
Das ist toll. Insbesondere mit dieser Reiterin.
Oder auch mit diesem Lebensmut.
Aber das ist die Ausnahme, oder? Das ist eine wahnsinnig positive Geschichte, finde ich, die gut
ausgegangen ist. Wie ist so die Stimmung auf so einer Abteilung?
Wie ist so die Grundstimmung? Ich stelle mir das sehr depressiv vor, wenn ich ehrlich bin. Ich
stelle mir das wahnsinnig schmerzgetrieben vor, weil Leute Unfälle haben, dann irgendwann
realisieren, was los ist, dann sehr lange bei euch sind vielleicht, wissen, dass sich das nicht
mehr verändert, dass es keine Heilung gibt. Wie ist die Stimmung? Ja,
auch da ist die Stimmung tatsächlich von bis. Wir haben die neuen Patienten,
unsere frischen Querschnitte, so nennen wir sie, die nach der Erstversorgung auf irgendeiner
Intensivstation irgendwann zu uns verlegt werden. Also wir sind ein Zentrum, das heißt, wir sind
genau darauf spezialisiert. Wir können eben das besonders gut. Deswegen kommen die Patienten eben
auch in erster Linie zu uns, so wir ein Bett haben. Und dann... ist es einfach wirklich ein Erleben
von der tiefsten Trauerverzweiflung ganz schrecklicher Familienkonstellation,
weil alle erstmal auch begreifen müssen, es geht ja nicht nur um den Patienten. Da hängt ja auch
immer noch was dran. Eine Frau, ein Mann, Eltern, Kinder, Freunde. Wir nennen es immer das soziale
Umfeld. Selbst wenn es vorher intakt war, bedeutet es nicht unbedingt, dass es intakt bleibt.
So ein Unfall ist ein sehr einschneidendes Erlebnis. Wir haben Trennungen erlebt, wir haben auch
Hochzeiten erlebt, wir haben auch Geburten erlebt.
Geburten? Ja, tatsächlich. Ein hoher Querschnittpatient von uns hat sich Sperma entnehmen lassen,
was seiner Frau dann implantiert wurde. Okay, ich habe es mir anders vorgestellt. Ich dachte, er
hätte die Gebärende gehabt. Er hat sich einfach wahnsinnig ein Kind gewünscht und ist den Weg
gegangen. Da haben wir ihn begleitet. Das ist schon ewig her. 20 Jahre knapp mittlerweile. Was ist
belastender für euch? Die Familie, die dahinter steht? Oder der Patient selbst?
Belastender kann ich so gar nicht sagen. Also ich stelle mir das so vor, da ist ein Polizist,
der im Dienst angeschossen wird, wacht auf nach einer Operation, Kugel ist raus und dann sagt man
ihm, tut mir leid, also sind 22 Jahre alt, so fiktiv, 22 Jahre alt,
wollte eigentlich demnächst heiraten, wie auch immer und dann heißt es auf einmal, ja, aber ...
dem Rollstuhl wirst du nie wieder rauskommen. Beziehungsweise aus dem Bett wirst du nie wieder
rauskommen. Da sind ja zwei Welten, die zusammenbrechen. Einmal der Patient selbst, der irgendwie
damit klarkommen muss. Und da ist eine junge Frau, die auf einmal ihren Mann verloren, also
eigentlich doch nicht verloren hat. Aber das ist nicht mehr der Mann, den sie mal eigentlich
kennengelernt hat, den sie heiraten wollte. Das stelle ich mir wahnsinnig belastend vor. Weil ihr
habt ja wahrscheinlich nicht nur den Patienten, sondern ihr habt ja auch mit der Familie zu tun.
Genau. Wir haben mit der Familie zu tun. Ich will mal sagen, aufwendiger,
ohne dass das einen negativen Touch haben soll, ist meist die Familie oder das soziale Umfeld. Weil
die dadurch, dass sie nur punktuell bei uns sind, ihren Menschen besuchen und nicht alles
mitkriegen, nicht jedes Gespräch, nicht jede Visite, nicht jede Behandlung, einfach nicht so
vollständig im Bild sind, um das alles begreifen zu können und einfach sehr viel Bedarf haben an
Gesprächen, an Fragen.
An psychologischer Begleitung, an insbesondere ärztlicher und auch pflegerischer Begleitung. Es ist
ja auch immer noch so, dass der Arzt deutlich weniger Zeit als die Pflegekraft hat und dann eben
die Gespräche vom Arzt auf die Pflegekraft übertragen werden. Was hat der Doktor denn gemeint? Hat
er das wirklich so gesagt? Schwester, Sie haben doch schon so viele gesehen. Was sagen Sie denn?
Was sagt Ihr Bauchgefühl? Das sind tatsächlich die belastenden Momente, die ich auch
schwerwiegender empfinde als die Patienten an sich. Du kennst, wenn du einfach viele über Jahre
gesehen hast, so ungefähr den Verlauf. Natürlich ist jeder Verlauf irgendwie individuell. Der
Patient muss mitarbeiten. Die haben alle dann noch ihre unterschiedlichen Co-Erkrankungen, die
auftreten oder Probleme, die dazukommen, mit denen wir nicht gerechnet haben.
Aber so vom Groben her weißt du eigentlich so, wo die Reise hingeht. Und da kannst du einfach...
durch deine Fachexpertise ganz klar auch mit umgehen und auch ganz klar sein und sagen, Mensch,
wenn der Patient irgendwie einen schlechten Tag hat oder einen depressiven Tag hat oder eine
depressive Episode auch über mehrere Tage hat, kannst du den wirklich auch emotional nehmen und
sagen so, hey, komm, das machen wir jetzt zusammen. Ich weiß, es wird wieder besser und das meinst
du auch so. Und in dem Sinne ist das für mich gar nicht so herausfordernd, weil ich da eine
entsprechende Erfahrungsschatz habe, der mir sagt, Da kriegst du den Patienten durch. Kann sein,
dass es anders ist. Jeder irrt sich. Auch der Mensch ist, Medizin ist nicht berechenbar, auch
Pflege ist nicht berechenbar. Es kann sein, dass es anders kommt, aber dann kannst du immer noch
sagen, hey, wir haben es versucht. Und normalerweise ist es so, bei dir ist es jetzt anders, aber
auch das kriegen wir hin. Und das finde ich weniger herausfordernd als diese verzweifelten
Angehörigen, die ja ein ganzes Leben neu organisieren müssen. Der Patient wird integriert.
Oder nicht. Auch das haben wir erlebt. Wir haben Trennungen erlebt. Es ist rausgekommen, dass
Verhältnisse im Hintergrund liefen. Es ist bei uns klassisch Schluss gemacht worden.
Das war ein männlicher Patient, der eingeliefert wurde, wo die Frau telefonisch sich von ihm
getrennt hat und gesagt hat, okay, ich habe ein Verhältnis, ich komme nie wieder.
Das ist oben drauf. Ungefähr so hat er es auch in Worte gefasst. Da ist der Lebenswille natürlich
dann irgendwie nicht mehr groß. ich zumindest für mich kann es gut verstehen,
weil da ja nicht nur deine Gesundheit, dein Beruf, dein gesamtes Leben einbricht, sondern eben auch
noch die einzige Stütze, die bleibt, deine nächste Person, in dem Fall die Frau.
Ja, genau.
Hammer. Wobei ich ganz kurz auch die andere Seite beleuchtet haben würde.
Auch eine Partnerin oder ein Partner hat natürlich das Recht einer Entscheidung, ob er dieses Leben
leben möchte. Und ich finde, da dürfen wir auch nicht so darüber hinwegwischen, dass wir sagen, das
geht so nicht, dass sich jemand für ein anderes Leben entscheidet. Das ist schon eine sehr
individuelle Entscheidung. Es fällt uns immer so leicht zu sagen, natürlich ist das Opfer, der bei
euch liegt, das Unfallopfer, ist natürlich... Primär der Geschädigte,
das ist vollkommen klar. Aber eine Schuldzuweisung, das würde ich mich nicht trauen in dem
Zusammenhang. Nein, nein, nein, nein, würde ich auch nie tun. Vor dem Studium habe ich ein
freiwillig soziales Jahr gemacht und da war ein Patient, lass ihn Anfang 30 sein,
der hatte MS und war bettlägerig und seine Frau. Hatte eine andere Beziehung.
Ist ja auch ganz offen mit umgegangen. Damals habe ich so gedacht, wie kann man? Man sagt ja
eigentlich in guten wie in schlechten Zeiten. Und jetzt mit den Jahren denke ich so, ich kann es
auch irgendwo verstehen. Warum soll sie ihr Leben komplett aufgeben? Nur weil er im Prinzip dieses
blöde Schicksal hat. Ganz egoistisch gesagt. Ich finde das ein schwieriges Thema.
Ich würde mir schon wünschen, glaube ich, dass meine Partnerin an meiner Seite bleibt. Aber ich
glaube, verlangen dürfen wir es nicht. Ich würde mir das auch wünschen. Genau, aber es ist ihre
Entscheidung. Das muss man auch akzeptieren. Das wollte ich nur ganz kurz, weil ich finde, das
kommt schnell in so eine Richtung, dass man sagt, wow, das macht man ja einen Sinn. Da können wir
uns, glaube ich, alle nicht sicher sein. Sag mal,
da wird ja auf euch eine ganze Menge emotionaler Last geladen.
Also du und deine Kollegen und Kolleginnen.
Ihr kriegt ja wahnsinnig viel ab. Habt ihr eine Möglichkeit, euch intern in einem Krankenhaus,
also Hilfe zu holen von Arbeit? Habt ihr eine Supervision jemandem, wo ihr das abladen könnt,
euch wieder stärken könnt? Ja.
Einerseits bist du im Team auch relativ eng emotional beieinander. Du tauscht extrem viel aus.
Die Übergabe, so ein Dienst beginnt ja immer mit einer Übergabe. Also der Dienst, der beginnt, muss
einmal kurz erfahren, was war im Vordienst, was ist passiert, was steht für uns an. Das sind ja so
rein fachliche Sachen, die da übergeben werden. Aber in solchen hochbetroffenen,
schwerstbetroffenen Bereichen wird die Übergabe natürlich auch zum Austausch genutzt. Heute war
dies und jenes, mir geht es nicht gut. Wir auf unserer Station zum Beispiel haben...
Oder auf einem Teil der Station haben wir so unsere 13 Uhr Glocke. Kurz vor eins wird einmal kurz
geklingelt, da kommt der Frühdienst zusammen und macht nochmal den Dienst letztlich rund.
Da hat jeder einmal ganz kurz eine halbe Minute Gesprächszeit und sagt, heute hat mir nicht gut
gefallen und heute hat mir gut gefallen. Du hast mir heute mehrfach so eine Unterstützung geboten.
Danke dafür. Ohne dich hätte ich den Dienst nicht bestanden. Oder wir haben heute nicht gut
harmoniert. Sorry, ich hatte schlechte Laune. Oder hattest du schlechte Laune? Liegt es an mir? Das
Ganze hat den Sinn, dass man auseinander geht und sagt, wir haben es nochmal angeguckt und
miteinander kurz besprochen. Was haben wir eigentlich erlebt? Manchmal wird auch gar nicht geredet.
Dann stehen da alle und sagen, heute bin ich müde. es gibt nichts, dann ist es auch gut. Jetzt muss
sich keiner was aus den Rippen schneiden. Aber das ist nochmal so ein festes Medium im Tag,
was nur mittags einmal stattfindet, aber trotzdem als festes Medium gedacht, um einmal so eine Mini
-Seelenhygiene zu betreiben. Das machen wir untereinander. Wir tauschen uns untereinander auch
wahnsinnig viel aus. Was dann aber noch bleibt ist, du hast es schon angesprochen, wir haben ein
großes psychologisches Team im Haus. Das sind alles Psychotherapeuten und Psychologen. die uns zur
Seite stehen. Jeder Mitarbeiter hat jeder, nicht nur der schwerst betroffenen Bereiche, sondern
jeder Mitarbeiter der gesamten Klinik hat die Möglichkeit, Psychotherapie innerhalb der Klinik
privat in Anspruch zu nehmen, sollte irgendetwas Berufliches auftauchen. Dafür haben wir dann auch
wieder eine entsprechende Abteilung, da geht man dann hin, da sind dann Sozialarbeiter,
Sozialpsychologen und so weiter. Da kann man sich dann auch Ratschläge holen, wo in der freien Welt
letztlich ein Ansprechpartner ist. Das geht dann auch ganz speziell darum, geht es dir aus
dienstlichen Gründen nicht gut oder aus persönlichen Gründen. Das wird da unterschieden, aber auch
da ist dann eine Anlaufstelle da. Ich stelle mir das so wahnsinnig schwer vor in eurem Job.
Einerseits sollt ihr professionell sein.
Das bringt ja auch nichts, wenn du dich hinsetzt zu diesem Patienten und mit denen zusammen heulst.
Macht es aber manchmal. Ganz hart gesprochen hilft das ja niemandem.
Einerseits verlangt man von euch diese Professionalität. Andererseits sind das ja auch Themen,
die einem wirklich nahe gehen. Ich frage mich, wie man damit umgeht und über allem steht,
wieso tut man sich sowas an. Weil das gibt so gewisse Fachbereiche, auch Onkologie ist etwas,
wo ich immer sagen würde, als nehmen wir an, ich hätte Humanmedizin gemacht, hätte ich immer
gesagt, nicht die Onkologie. Weil das ist etwas, das würde ich immer nach Hause nehmen. Wenn ich
mir vorstellen muss, dann muss ich einer Mutter sagen, tut mir leid, also der Pickel, wir haben
zwölfjährige Mädchen, ist kein Pickel. Das ist ein richtig doofer Tumor.
Ich finde das toll, was du machst, aber ich kann das so schwer nachvollziehen, dass man wirklich
sagt, das ist meine Erfüllung.
Ich würde sagen, eine Erfüllung wäre, wenn die kommen, dem geht schlecht und nach einer gewissen
Zeit kann ich sagen, und der ist eigenständig nach Hause gegangen und hat jetzt drei Kinder
gekriegt. Und das ist bei euch ja gar nicht so. Im Prinzip ist doch dieser Job permanent Frust,
oder?
Er ist permanent herausfordernd. Wir haben aber auch tatsächlich etliche Patienten,
bei denen du sehr viel Schönes erlebst. Also ich habe gerade speziell einen Patienten im
Hinterkopf, der mittlerweile leider verstorben ist, aber auch in einem wahnsinnig guten, schönen
Setting. Also ein sehr warmherziges Setting, weil der ein irres soziales Umfeld hatte. Der hatte
seinen Unfall im Ausland, als er Anfang Mitte 20, das war ein Junggesellenabschied in Tunesien.
Und die Jungs, mit denen er dort war, die waren da, als er gestorben ist. Und das sind so Sachen,
die sind krass. Aber das war... Es ist ein krasser Tag, weil natürlich jemand geht und er hat es
selbst entschieden. Er hat gesagt, ihr fasst mich nicht mehr an. Das war's. Ich möchte das nicht
mehr. Ich gehe auf keine Intensivstation. Ich lasse mich nicht mehr behandeln. Für mich ist jetzt
hier Ende. Der war so alt wie ich. Und auf der anderen Seite hast du diese tollen Eltern,
diese tollen Freunde. Und das sind Momente, die treiben mir eigentlich viel öfter die Tränen in die
Augen, wenn ich irgendwo sitze und es kommen Freunde.
gerade junge Menschen und sagen, wo ist denn? Und du sagst, ach cool, du willst zu ihm,
alles klar, oder zu ihr. Weil das so schön ist einfach, dass es Menschen, die begriffen haben,
mit dem geht es nicht mehr in die Disco, mit dem geht es nicht mehr auf eine Ausfahrt, mit dem geht
es auch nicht mehr klettern, mit dem geht es einfach nirgendwo mehr hin. Also zumindest nicht so,
wie wir uns das ursprünglich mal vorgestellt haben. Das ist einfach so wahnsinnig schön. Ist die
eine Seite, belastend. Belastende Situationen gibt es natürlich reichlich und zuhauf. Und damit
gehst du ganz speziell um. Jeder für sich irgendwie anders. Da gibt es Menschen, die fragen dann
auch nochmal nach einer Supervision. Die kommen und sagen so, hey, ich habe Bedarf. Ist eher selten
der Fall, aber die Möglichkeit, eine Supervision zu machen, gibt es. Und das abzufordern ist für
jeden legitim. Das heißt, es wird gar nicht so in Anspruch genommen? Nee, meistens nicht. Und ich
glaube, also ich kann für mich ganz sicher sagen, dass ich das über meine Fachexpertise und über
meine Professionalität löse. Ich weiß, was ich kann, ich weiß, was ich gelernt habe und ich weiß,
bis wohin meine Möglichkeiten gehen, dem Patienten helfen zu können. Und deshalb komme ich
irgendwie damit klar, dass es Grenzen, also ich kenne meine Grenzen und ich weiß, dass es dahinter
einen Raum gibt und den gibt es nicht selten, sondern sehr oft.
Den kann aber keiner mehr bespielen. Das kann dann auch kein Arzt mehr übernehmen. Sondern da ist
das einfach Leben und Schicksal. Und deswegen spricht mich auch diese emotionale Ebene mit dem
Umfeld. Auch wenn kein Umfeld da ist, ist es dann ganz schrecklich, wenn du weißt, der Patient geht
alleine. Und dann wird in der Übergabe besprochen, wer geht heute zu dem Patienten rein und bleibt
drin.
Auf wen verzichten wir draußen als Kollegin oder Kollege?
Es gibt beide Seiten. Und man muss da schon so ein bisschen... abstumpfen über die Zeit,
um das immer alles aushalten zu können. Wenn du alles mitnimmst, wird es schwierig.
Du erlebst ständig Menschen in Extremsituationen, die reagieren wahrscheinlich in alle Richtungen,
sind dann eben so, wie Menschen sind. Die Frage ist,
hattest du eine andere Vorstellung vorher von Menschen, als du es jetzt hast?
näher an den Menschen herangerückt oder vielleicht sogar distanzierter. Ich frage deswegen,
wenn ich es mit anderen Berufsgruppen vergleiche, du hast für einen Polizist gesagt, die haben ja
sehr viel negative Erlebnisse mit der menschlichen Gesellschaft. Die werden ja selten gerufen,
weil es gerade so friedlich ist. Weil wir uns alle gerade so gut verstehen. Das heißt,
der Eindruck, das Menschenbild wird sich bei Polizisten verändern hin, das sind ja alles Die machen
nur Probleme immer. Menschen machen Probleme. Das vermute ich jetzt bei dir so nicht. Ich weiß
nicht, aber mich würde interessieren, ob sich auch bei dir, ob du sagen würdest, du hast deine
Perspektive auf Menschen dadurch verändert und siehst mittlerweile deine Umwelt anders? Ich glaube,
ich habe, was das angeht, eine sehr breite Schublade.
Du musst nicht im Krankenhaus arbeiten, um zu wissen, dass Menschen individuell reagieren. Dass der
eine mal... und der nächste sehr still ist oder auch mal unfair wird oder eine Situation nicht
verstanden wird. Nimm, was du magst. Du erlebst im Krankenhaus jede Bandbreite,
alles.
Es ist spannend und ich finde es eigentlich, also eigentlich solche, gerade wenn Menschen
überpacen, solange sie niemandem was tun, ist es eigentlich eher zum Schmunzeln, dass du denkst,
komm, okay, wird schon wieder, kriegen wir wieder hin, lass ihn mal. Manchmal müssen wir auch
eingrenzen. Manchmal müssen wir eingrenzen bis hin zur Polizei oder auch der Security, weil
Menschen dann auch gewalttätig werden. Das sind dann meist, also nicht meist, das sind dann die
Angehörigen. Wir haben auch Situationen gehabt, wo Angehörige dann dem Pflegepersonal bei uns im
Parkhaus aufgelauert haben und bedroht und beschimpft haben. Bis hin zu einem Burnout.
einer Kollegin, die das nicht kompensieren konnte seelisch, dass sie da so angegangen wurde von den
Angehörigen. Da kamen auch Körperlichkeiten dazu. Das gibt es auch, das ist selten. Und da
reagieren auch die Kollegen dann ganz unterschiedlich. Ich würde mir manchmal wünschen, dass sie
mehr abgrenzen, dass jeder die Fähigkeit hat, gut abzugrenzen. Wir haben erkannt, dass es nicht so
ist und deswegen gibt es gerade akut bei uns, also akut jetzt immer noch, aber schon seit...
Zeitraum von rund anderthalb Jahren so ein Gewaltprojekt bei uns, wo einfach nochmal ganz klar auch
von mittlerweile ausgebildeten Deeskalationstrainern dann aufgeklärt wird, was ist eigentlich
Gewalt? Wenn ein Patient verbal aggressiv wird, ist das schon Gewalt.
Und dagegen muss man sich wehren. Wir haben auch festgestellt, dass es eben immer eine spezielle
Personengruppe trifft. Es sind meist Junge, sehr weiblich-mädchenhafte aussehende Schwestern zum
Beispiel oder auch Ärztinnen, die betroffen sind. Es sind sehr ruhige, sehr liebe Menschen, wo man
jetzt nicht das Gefühl hat, da kommt viel. Da nehmen sich Patienten auch, auch Patienten,
sehr, sehr viel raus und zu viel raus. Manche Patienten, manchmal haben wir noch Patienten, die
Restarmbewegung haben. Dann kommen durchaus auch Griffe über die Bettkante hinaus. Ich bin jetzt
ein Mensch, der kann das gut wechseln und ich kann mich da extrem gut wehren. Aber wir haben eben
festgestellt, dass es etliche Menschen gibt, die das nicht können. Deswegen gibt es eben dieses
Gewaltprojekt bei uns, in dem wir nicht nur aufklären, sondern in dem wir dann auch evaluieren,
nämlich wenn eine Gewalttat, egal ob verbal oder körperlich, stattgefunden hat, dann gibt es den
entsprechenden Gewaltbogen, der muss ausgefüllt werden, entweder von der betroffenen Person, wenn
die nicht möchte, von der Führungskraft, damit einfach die Deeskalationstrainer sich damit
auseinandersetzen können, nochmal mit der betroffenen Person sprechen, psychologische Hilfe
anbieten und so weiter. Wird man nicht Krankenpfleger oder Pflegerin, weil man helfen möchte?
Ist es nicht ein unheimlich empathischer Schub, der einen in diese Richtung bringt? Ist man dann
nicht wahnsinnig enttäuscht von dem Patienten und den Angehörigen? Die Phase und das ist das
traurige Bild unserer Gesellschaft, diese Zeit haben wir hinter uns. Wir haben gelernt, wir sind
alle genau mit der Fantasie angetreten. Also das heißt, du bist schon desensibilisiert? Wir alle.
Also nicht nur ich, sondern wir alle. Wir wissen einfach, dass es in den Alltag gehört. Diese
Herausforderung gehört in den Alltag. Aber das ist doch eine Veränderung des Menschenbildes. Das
ist doch genau das, was ich meinte. Das bedeutet, du bist doch wahrscheinlich gestartet mit einer
anderen Vision, oder? Und selbst wenn du sagst, ich habe hoffnungslose Fälle auf Heilung jetzt,
wie in deinem Fall, aber du machst dir ein Leben besser. Und dafür...
Ich würde Dankbarkeit erwarten. Ich würde mir wünschen, dass dann die Leute sagen, danke Schwester
Patrice, dass Sie hier sind. Danke, das würde ich mir wünschen. Das machen auch die meisten.
Das Bild möchte ich einmal wirklich zurechtrücken. Das machen die meisten. Und du kannst es auch
irgendwann unterscheiden. Jeder hat mal, also ich glaube wirklich jeder Patient, der bei uns zur
Erstbehandlung ist. Die durchschnittliche Liegedauer bei uns ist ein Zeitraum zwischen acht Monaten
und einem Jahr und einem Monat. Das heißt, diese Menschen leben bei uns.
Unsere Krankenzimmer sehen in aller Regel auch nicht aus wie ein Krankenzimmer, sondern mehr wie so
eine Rehabilitationsklinik. Wir sind eigentlich auch eine Reha-Abteilung.
Farbige Schränke, du hast auch einen Tisch und einen Stuhl. Also das ist so ein bisschen netter
gestaltet, dass man nicht schon nach einer Woche hospitalisiert. Die Decken sind von Kunststudenten
angemalt, da gibt es bunte Bilder. Also so ein bisschen angelehnt an so ein Wimmelbuch von einem
Kind, wo einfach ganz viele unterschiedliche Perspektiven zu sehen sind, dass man im Bett auch
einfach mit den Augen was zu tun hat, wenn man da liegt. Wir haben auch Geräte, damit kannst du
dann, wenn die Patienten dauerhaft auf dem Rücken liegen, kannst du Filme an die Decke schmeißen.
Du kannst private Fotos mit einem USB-Stick reintun. Das bringen dann die Angehörigen mit.
Manchmal machen die auch ganz tolle Collagen fertig oder schneiden sich da irgendwelche Filme
zurecht, die dann gezeigt werden können. Das schon alles. Aber es driftet eben manchmal auch ab.
Und wenn du das meintest, dann habe ich dich missverstanden. Aber das hat natürlich das Bild
verändert. Weil wenn du als Krankenschwester erst mal in deiner vollen Naivität als
Schwesternschülerin antrittst und feststellst, hey, ich bin hier, um zu helfen. Und auch wenn ich
gerade lerne, ich helfe dir trotzdem. Aber du kannst es nicht erkennen. Dann ist das schon eine
Veränderung deines Fokuses, den du vorher hattest. Gehst du anders durchs Leben als eine
Krankenschwester oder eine Zahnarzthelferin? Weil du einfach so drum weißt,
was passieren kann im Leben? Wir kennen ja immer die Aufnahmediagnosen beziehungsweise das Trauma.
Das, was dem Patienten passiert ist. Das sind sehr viele Geschichten. Und wenn du genau solche
Situationen im Alltag siehst, erzählst du es natürlich. Guck mal, wir hatten mal eine Patientin
oder einen Patienten, dem ist das passiert. Passt auf bei sowas.
Ich sehe das dann mehr immer so als quasi so eine Dozententätigkeit meinen Kindern gegenüber.
Nach dem Motto so, ey, ihr denkt da nicht dran. Aber das kann euch passieren, auch wenn ihr nicht
dran denkt. Aber ich bin nicht komisch geworden in Form von, also weder mein Mann noch ich,
wir haben keine Verbote ausgesprochen. Also ihr geht auch bei Regen raus. Wir gehen auch bei Regen
raus. Würdest du deine Kinder reiten lassen? Ja. Das ist ja der Sport,
den wir in Deutschland haben, mit den schlimmsten Verletzungen, also mit den stärksten
Verletzungen. Fußball sind die häufigsten, aber Reiten die stärksten. Ja, weil da oft ja gerne
direkt mal die Wirbelsäule betroffen ist. Das sind ja immer die großen Angstmomente. Nein, ich
würde sie reiten lassen.
Witzigerweise haben mein Mann und ich da gerade vor zwei Wochen drüber gesprochen. Da war ich
nämlich auf einem Gestüt. hatte dann eine Tagesfortbildung und immer in den Pausen bin ich da so
ein bisschen rumgelaufen, um frische Luft zu schnappen und habe jedes Mal gedacht, dass das so eine
ganz, ganz tolle Freizeitbeschäftigung für diese jungen Mädchen ist. Die sind von morgens bis
abends auf diesem Gestüt gewesen. Die Eltern wussten, wo sie sind. Da liefen auch Jungs rum.
Aber nicht viele. Nicht viele, nein, nicht viele. Aber die sahen gut aus, also für das Alter. Und
die haben einfach miteinander den ganzen Tag was gemacht. Entweder ein Pferd irgendwo hingebracht,
gefüttert, abgeäppelt. Die waren beschäftigt und die haben eine sinnstiftende Tätigkeit gehabt und
die hatten Spaß dabei. Die haben ja nicht geackert, den ganzen Tag schwitzen, sondern die haben
sich ihre Pausen genommen. Die sind dann auch mit uns beim Mittagessen gewesen. das ist schon, das
ist ein echt tolles Sozialgefüge, finde ich. Und deswegen würde ich niemals was dagegen haben,
letztlich. Meine eine Tochter ist Kunstturnerin. Ja, da haben wir auch Stürze gesehen,
wo wir manchmal dachten, wow, jetzt muss ich, also da saß ich wirklich verkrampft da und hab
weggeguckt und geatmet. Nicht bei ihr, Gott sei Dank, aber auch da kam schon mal ein Rettungswagen.
Du kannst sie nicht vor allem bewahren. Die Jungs haben Fußball gespielt, auch da hätten sie Gott
weiß was.
Aber das kriegst du hin. So Sachen, Motorradfahren und so weiter, wären alles Sachen, wo du sagst,
ja, das muss ich aushalten als Mutter. Vom Motorradfahren habe ich abgeraten. Ja,
okay, das ist ja auch dein gutes Recht, also abzuraten. Aber würdest du hart einschreiten?
Ich meine, dann haben wir es ja üblicherweise mit fast erwachsenen Menschen zu tun. Nein, das haben
wir bewusst nicht gemacht. Und letztlich muss ich ehrlich sagen, als ich Kind war, In den 70ern,
da war man noch anders Kind, da ist man losgefahren. Also zumindest bei mir war es so, wir sind mit
den Rädern losgefahren, haben uns getroffen, haben geklingelt, kommst du raus? Und waren dann
irgendwo. Meine Eltern wussten gar nicht, was ich mache. Und die wussten auch gar nicht, was wir
für einen Quatsch gemacht haben teilweise. Letztlich wissen wir mittlerweile retrospektiv alle,
dass wir echt Glück hatten, gesund und unverletzt groß zu werden. Und eigentlich war das einer der
coolsten Aspekte meiner Jugend. Und wenn ich das auf die heutige Jugend übertrage, finde ich es
toll. wenn die Kinder noch unbefangen so ein Kram machen können und die Eltern nicht dahinter
stehen und sagen, stopp mal, lass mal. Also das war meine Aufgabe als Mutter auch zu sagen,
so jetzt ist es deine Aufgabe, dich zu reglementieren und nicht das Kind. Das Kind soll seine
Erfahrung machen. Ist aber doch eine ständige Konfrontation mit deiner eigenen Angst, um...
Deine Lieben, oder? Ich habe mir diese Gedanken nicht gemacht. Ist das eine gute Art, damit
umzugehen? Weil das ist ja eine Form, also ich würde sagen, verdrängen ist durchaus eine
Möglichkeit, damit umzugehen natürlich. Würdest du sagen, das funktioniert? Bei mir, übertragen auf
meine Kinder. Hat das funktioniert, glaube ich. Also vielleicht, wenn du sie jetzt fragen würdest,
würde sie sagen, ja, Mama hat schon manchmal komische Sachen gesagt oder erzählt. Oder sie hat
manchmal genervt, weil sie ständig betont hat, dass das ist sicherlich anders als in anderen
Haushalten. Und manchmal fanden uns Freunde beim Mittagessen auch komisch, weil wir solche
Gespräche geführt haben. Mein Mann ist auch im Medizinbereich tätig. Dementsprechend sind die
Kinder da so ein bisschen unromantisch groß geworden, was das Thema angeht. Aber grundsätzlich,
ja, Verdrängung war schon gut. Und ich würde es auch wieder so machen. Also ich gönne jedem Kind
und ich freue mich auch immer noch, wenn ich jetzt, meine Kinder sind groß, aber wenn ich jetzt bei
uns im Dorf Kinder sehe, die auf dem Baum klettern dürfen oder die den Knick runter in den Fluss
kullern, weil sie sich daneben getreten haben. Ich finde das total schön. Manchmal sage ich es den
Leuten sogar, weil ich es selten sehe, weil ich es auch erhaltungswürdig finde, so zu sein und den
Kindern dann die Möglichkeit zu geben, dann Erfahrung machen zu können. Den Beruf, wie lange macht
man den? Habt ihr eine hohe Abbruchquote? Ja, wir haben eine extrem hohe Abbruchquote.
Die ist in Covid noch mal exorbitant in die Höhe geschossen. Wir haben sehr viele Kollegen da,
die durch irgendwelche Zusatzausbildungen versuchen, einfach von der Patientenversorgung
wegzukommen. Nicht, weil ihnen die Patientenversorgung keinen Spaß mehr macht und nicht, weil sie
nicht gerne Krankenpflegende sind, sondern einfach, weil das System extrem belastend ist. Du hast
die Personalnot, was bedeutet, dass du zwar deinen Dienstplan geschrieben kriegst, aber wenn...
Monat und die Woche und der Tag dann stattfindet, der vorgeplant wurde, fehlen Menschen. Da fehlen
einfach Menschen. Es werden Menschen krank, Zeitarbeiter, die gebucht sind, um Personal-Gap
aufzufüllen, kommen nicht. Da wirst du angerufen. Das ist schon mal das Erste. Du wirst in deiner
Freizeit von deinem Arbeitgeber mehrfach im Monat kontaktiert. Kannst du jetzt spontan zur Arbeit
kommen sofort? Kannst du in sieben Stunden zur Arbeit kommen? kannst du dann zufällig, wenn du
jetzt dann den Turn schon hast, den Dienst auch noch machen. Das ist eine extrem hohe Belastung.
Und dazu kommt jetzt in so Bereichen wie meinem, diese schwerst betroffenen Bereiche, einfach auch
die, nicht nur die seelische Herausforderung, sondern auch die körperliche Herausforderung. Die
Patienten sind alle bettlägerig, auf der Intensivstation sind sie in Narkose. Die können auch nicht
viel machen. Die können dich nicht unterstützen, wenn du sie versuchst, durchs Bett zu bewegen.
Auch ein Patient auf einer Intensivstation und auch ein querschnittgelähmter Patient im Bett
braucht ein bezogenes Bett. Und dazu verlassen sie das Bett nicht. Das heißt, du musst diesen
Patienten mit deinen Armen, mit deinem Rücken bewegen und halten. Das kommt dazu. Und die seelische
Belastung am Ende ist eben wirklich nicht zu unterschätzen. Das muss man ehrlich sagen. Also alles,
was schön und herausfordernd ist, was ich schon erzählt habe, worüber wir sprachen, das hast du ja
jeden Tag. Dazu noch Unzeiten. Wir stehen, also ich, wenn ich zum Frühdienst fahre, stehe um halb
fünf auf. Wenn ich dann um halb drei in Feierabend gehe, bin ich durch. Das ist einfach so.
Und wenn du einen Nachtdienst machst, beginnst, bist du um acht abends im Krankenhaus und gehst
morgens um sieben. Und dann machst du noch eine Nacht und noch eine Nacht, üblicherweise.
Wie lange sind diese Schichten? Die Nacht ist ausgereizt auf 10,75 Stunden,
also das Maximum von dem, was darf. Jetzt wird diskutiert, dass man mehr machen kann.
Wie sinnvoll.
Mich regt das auf. Und wenn ich das so höre, ich glaube es wird diskutiert,
das auf 13 Stunden zu erhöhen, glaube ich, die maximale Arbeitszeit am Stück und dann braucht man
ja eigentlich Pausenzeiten, da sind üblicherweise 11 Stunden vorgeschrieben. Ist man deiner Meinung
nach überhaupt noch leistungskräftig, ich sag mal nach 8 oder 9 Stunden Arbeit? Vorher schon nicht,
oder?
Nein, und ist man definitiv nicht, weil du ja auch in deiner Kopfleistung unter ständigem Feuer
stehst. Du gehst ja nicht in das Patientenzimmer rein und guckst dir wie im Büro einen Zettel an,
auf dem die üblichen Zahlen stehen und sagst, ach ja klar, das muss ich noch machen, sondern da
liegt ja ein Mensch, der hat einen Bedarf. Bei uns können die Menschen ja nicht mal reden. Das
heißt, die Ermittlung des Bedarfs ist manchmal wirklich und das ist nicht selten. die größte
Herausforderung, Lippen zu lesen. Moment, ich habe Aufklärungsbedarf. Wieso können die jetzt nicht
reden? Weil wenn die beatmet sind und keine Kanüle haben, die ein Sprechventil hat, dann kommt
keine Stimme raus. Ach Gott, zum Reden muss die Luft ja an den Stimmbändern vorbei.
Und wenn du diesen Schlauch da drin hast, leihenhaft gesprochen, ist da keine Luft zum Reden.
Wahnsinnsbelastung.
Machst du weiter? Ich gehöre zu denen, die nach einer Alternative suchen.
Ja, ich werde in irgendeiner Form erstmal weitermachen,
aber langfristig werde ich das nicht tun. Weil eben genau das das Ding ist. Es gibt immer so einen,
hier oben in Norddeutschland, so einen schönen Kongress für Intensivversorger, ärztlicher und
pflegerischer Kongress ist das. Und ich finde das, ich gehe da so oft durch und gucke mir die
Menschen an und es trägt ja jeder ein Namensschild und da kannst du dann lesen, was das für eine
Berufsgruppe ist, ob es sich um einen Arzt oder eine Pflegekraft handelt. Und ich finde es so
eklatant, dass man den Pflegekräften oft ansieht, dass sie Pflegekräfte sind. Die sind einfach für
ihr Alter wahnsinnig vorgealtert. Die sehen kranker aus. Die bewegen sich anders.
Und das ist der Grund, weshalb viele einfach versuchen, aus diesem Beruf rauszukommen.
Es ist ein schöner Beruf, definitiv. Es ist ein wunderschöner Beruf und es ist ein super wichtiger
Beruf. Aber man kann es körperlich, seelisch und kopfmäßig einfach nicht bis zur Rente aushalten.
Und deshalb gehöre ich, um auf deine Frage nochmal zurückzukommen, zu denen, die sich auch eine
Alternative gesucht haben. Jetzt habe ich ja als Teil der deutschen Gesellschaft Interesse daran,
dass es euch gibt. Wir auch übrigens. Aber in dem Job, nicht nur als Person.
Was müssen wir machen, damit ihr das besser durchhaltet,
damit ihr nicht so ausgebeutet werdet, dass ihr nicht so ausgemergelt werdet von diesem Job?
Wie müsste man das ansetzen? Müsste man zum Beispiel kürzere Schichten machen oder müsste man
rotieren, dich auch irgendwie wieder woanders einsetzen, wo vielleicht die Belastung eine andere
Art ist? Gibt es da Modelle? Ja, diese Rotationsmodelle zum Beispiel, von denen du sprachst, die
gibt es. Die nennen sich dann im Prinzip in den Krankenhäusern Flexpool. Da gehst du rein und dann
wirst du in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Kannst dir Bereiche wünschen, kannst Bereiche
ausschließen. Da sind auch einige Kollegen, die einfach sagen, so gewisse Abteilungen kann ich
emotional nicht mehr stehen. Da möchte ich einfach nicht mehr hin. Ist das erholsam, wenn man dann
was anderes macht? Tut das gut oder ist das mehr das Gleiche, nur andere Farbe? Ich würde sagen,
es ist persönlicher Geschmack. Ich erlebe Kollegen, die im Flexpool einfach glücklich sind und
sagen, das ist das, was sie brauchen und was ihnen hilft. Auch nicht in diesem Stationsklüngel, sag
ich jetzt mal, zu hängen. Hast du gesehen, wie die heute wieder aussieht? Solche Gespräche gibt es
natürlich auch. Die gibt es nicht nur im Fernsehen, die gibt es auch im Real Life. Und
dementsprechend ist es manchmal für manche Leute auch einfach schön, an sowas nicht mehr teilnehmen
zu müssen, weil die interessiert es nicht.
Ich muss ehrlich sagen, für mich wäre das nichts. Funktionsbereich gelernt, Funktionsbereich heißt
eben hochsensibler Bereich, Intensivstationen, so eine Station wie meine, von der wir gerade
sprachen. Ich fühle mich da nicht ausreichend gefordert,
also von dem, worauf ich Bock habe. Ich habe schon Bock auf Highcare,
ich habe Bock auf Geräte, nicht nur Patienten, sondern das große Ganze, das Mitdenken, auch mal
einem ärztlichen Kollegen zu sagen, so hey, du hast übersehen, guck mal dahin, geh mal dahin.
Das ist schon das, was mich auch reizt. Dementsprechend wäre das jetzt für mich... Zum Beispiel
nichts. Was müsste man machen, um dir den Job angenehmer zu machen, dass du sagst, das halte ich
jetzt auch noch 30 weitere Jahre durch? Ich glaube, was man mir Gutes tun könnte,
wäre das, was man allen Gutes tun könnte, nämlich die Personalschlüssel wieder hochnehmen.
Es ist schwierig, ja, wir haben nicht genug Pflegende in Deutschland und da wäre dann die Politik
gefordert, einfach diesen Beruf attraktiver zu machen. Wie könnte das die Politik machen?
Was muss die Politik machen, damit der Beruf attraktiver wird?
Ist das nicht der Arbeitgeber, der das machen müsste? Wie denn? Das Problem ist ja,
das ganze System Medizin ist nicht aufgebaut, wir wollen was Gutes für die Menschen, sondern das
geht ja letztendlich nur um Wirtschaft. Und solange das an oberster Stelle ist, behaupte ich,
wird sich das System nicht ändern. Wenn man sich zum Beispiel die Skandinavia anguckt, Schweden.
wie die das machen. Ich kenne eine Krankenschwester, die ist nach Schweden gegangen. Und sie sagt,
das ist wirklich so, Alex, um 18 Uhr habe ich Feierabend. Und dann habe ich Feierabend. Und dann
heißt es nicht, kannst du noch mal kurz. Und wenn sie Urlaub hat, hat sie Urlaub. Und dann ruft sie
auch keiner an. Sondern dann weiß ich, jetzt habe ich die Zeit, wo ich einfach mal Kraft wieder
schöpfen kann. Und das passiert bei uns nicht. Ich habe so den Eindruck, dass ihr Krankenschwestern
und auch die Ärzte, aber vor allen Dingen ihr, Und auch gerade die weiblichen Ärzte, glaube ich,
das ist immer noch so eine Nummer, die kann man ausnutzen. Die machen das ja aus Berufung. Also die
kann ich ruhig mal aus dem Urlaub holen, das ist ja ihre Berufung. Und ich glaube, wenn wir da
endlich mal anfangen würden, wirklich diesen Beruf zu schätzen, auch finanziell,
behaupte ich, würde es mir da Spaß machen. Also ich möchte nicht tauschen, was ich damals, und das
ist bei mir über 20, 30, 30 Jahre mittlerweile her, was ich damals schon im Krankenhaus erlebt
habe.
Nicht schön. Wirklich nicht schön. Das bedeutet, Geregelte Schichten,
vielleicht kürzere Schichten. Definitiv. Sollte der Arbeitsbereich auch irgendwie verändert werden,
könnte man euch davon etwas entlasten, wo ihr sagt, das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe und da
sind wir überqualifiziert? Absolut. Gäbe es auch da? Absolut. Zuarbeitendes Personal fehlt ohne
Ende. Ah, okay. Und im deutschen Krankenhaussystem ist es natürlich auch dann ganz einfach und
natürlich meine ich jetzt sehr zynisch, so geregelt, dass wenn... Servicekraft ausfällt,
dann machst du den Servicedienst für die Patienten. Wenn der Transporteur ausfällt,
fährst du den Patienten in den OP, ins MRT, ins CT, gehst ins Labor.
Wenn die Transportdienste ausfallen für Material,
dann kriegst du die Lieferung, die du brauchst und alles, was in diesen Paketen ist, brauchst du
für die Patientenversorgung. Wir sind maximal auf anderthalb, zwei Tage, sei denn es ist ein langes
Wochenende oder Feiertage, dann sind wir anders geplant. Aber grundsätzlich ist eine Station nur
für anderthalb, ist maximal anderthalb Tage ausgestattet. Das heißt, du brauchst das Equipment,
was kommt. Und wenn die krank sind oder nicht genug Personal sind, dann schleppt die
Krankenschwester die Kartons und räumt sie aus. Genauso die Apothekenlieferung. Wenn das Büro krank
ist, dann trage ich drei Telefone. Ich habe drei Taschen an meinem Karsack, ich trage drei
Telefone. Alle drei klingeln, also zwei Ohren habe ich, aber wenn das dritte klingelt, muss ich mir
einen suchen und sagen, bitte geh mal ran, weil rangehen muss man. Es ist immer irgendwie wichtig
für irgendjemanden. Und ganz wichtig in Deutschland, Entschuldige, die Bürokratie. Wir müssen hier
alles aufschreiben. Jetzt brauchen wir, aber wir müssen es aufschreiben. Wenn die Schweden das
besser können,
dann weiß ich, dass unser Gesundheitssystem eines der teuersten in Europa ist. Dann liegt es nicht
am Geld. Weil wir geben mehr aus. Und sind schlechter. Wir sind nicht effektiv.
Aber das ist doch gerade das, was wir Deutsche können, verdammt nochmal. Nee, da nicht. Ah, okay.
Ja, weil wir anders gewinnorientiert sind. Die Krankenhäuser sind privatisiert, zum Großteil. In
Schweden nicht. Eben. Das war eine Frage, genau, okay. Das sind staatliche. Das heißt,
wir legen einen falschen Fokus in diesem Bereich. Wir sagen, da soll irgendjemand Gewinne
abschöpfen, die dann ja aus dem System rausgezogen werden. Klar, wenn ich Aktionär von einer
Krankenhauskette bin, dann möchte ich ja irgendwie meine Dividende haben. Das ist ja Geld, das
ziehe ich da raus. Das wird ja dann weder in Pflegepersonal noch in eine Maschine noch in eine
Kanüle investiert. Ist ja klar. Ist das das Thema? Unter anderem auch. Warum kriegen wir das nicht
hin? Das ist ja kein neues Thema, ist glaube ich so alt, seitdem ich denken kann, dass man an
diesem Gesundheitssystem was schrauben muss. Wieso kriegen wir es nicht hin?
Naja, es fängt ja schon, wie du sagtest, es fängt schon damit an, dass das Krankenhaus das
privatisiert. Also wovon lebe ich, dass ich viele Patienten habe? Also wie schaffe ich,
dass viele Patienten zu mir kommen, indem ich die neuesten Geräte habe? Die neuesten Geräte kosten
ganz viel Geld. Also muss ich sehen, dass ich irgendwie ganz viele Patienten auch habe, denen ich
ein MRT, CT und so weiter verpassen kann. Dann hole ich die alle zu mir. Ich behandle die.
In erster Linie versuche ich aber viel Apparate Medizin zu machen. Das kann ich gut abrechnen.
Alles andere kostet ja nur Geld. Also einen Kaiserschnitt, da kriegst du heutzutage nur noch
Pauschale, also versuchst du die Leute möglichst schnell aus dem Krankenhaus rauszulegen. Weil ja
auch Bettliegen nicht bezahlt wird. Nee, kostet Geld. Sieh zu. Da kommen die Krankenkassen und
sagen, ja, also das ist ja alles teuer geworden. Jetzt gucken wir mal, wo wir mal sparen können.
Kommen wir mit dem roten Stift an. Das Krankenhaus sagt, okay, die haben irgendwas geändert. das
können wir nicht mal abrechnen, dann machen wir es doch auf den Weg. Es ist ein ewiger Kampf, dass
der eine das Geld nicht hergeben will und der andere möchte unbedingt mehr Geld haben, weil das
alles nur wirtschaftlich ist. Du als Patient interessierst eigentlich gar nicht. Du siehst ja auch
heutzutage, wo Forschung betrieben wird. Das sind da Sachen, wo du ganz viel Geld machen kannst.
Corona damals.
Diese Coronaviren in der Tiermedizin gibt es seit, ich weiß nicht wie vielen Millionen Jahren, seit
Ewigkeiten. Mir wurde noch in meinem Impfstudium erzählt, es wird nie einen Impfstoff geben. Zu
kompliziert, lohnt sich nicht.
In der Humanmedizin hatten wir, ich glaube, nach drei, vier Monaten, hatten wir den Corona
-Impfstoff. Riesengeschäft. Solange das System so aufgebaut ist, glaube ich, wird sich nichts
ändern. Es geht nur um Gewinnoptimierung. Und der Mensch im Prinzip ist nur Mittel zum Zweck.
Sollte Gesundheit ein normaler Markt sein? Darf es nicht. Weil wir tun ja so.
Genau das ist das Problem. Wir machen es sogar so. Richtig. Ist ein Riesengeschäft. Jetzt mal eine
blöde Frage. Jetzt komme ich mit folgender Vision. Ich sage, der gesundheitliche oder der
Fortschritt in der Gesundheitstechnologie ist so enorm,
dass ich finde, das ist ein Menschenrecht. Ich möchte, dass jeder das Recht hat, hier bei uns und
zwar erste Klasse Medizin zu bekommen. Für jeden. Egal welche Krankenkasse. Für jeden. Bin ich ein
Idiot? Bin ich jemand, der ein Fantast ist? Wünsche ich mir auch. Ist das machbar? Sicher.
Sind wir dann arm? Können wir dann nichts anderes mehr bezahlen? Nein, ich glaube im Gegenteil. Wir
werden leistungsfähiger. Wenn ich unseren Bundeskanzler höre, der sagt, wir müssen am besten bis 70
arbeiten. Ja, wie denn? Das ist natürlich eine dumme... Ja,
genau. Ja, ganz ehrlich. Du musst die Rahmenbedingungen auch dafür schaffen. Und ich finde das ja
auch schön, alt zu werden. gut alt zu werden und gesund zu werden. Ich bearbeite die ja vielleicht
auch gerne länger, aber ich habe Angst alt zu werden und krank zu werden, sage ich dir ganz
ehrlich. Aber jetzt hatten wir doch zum Beispiel in der vorherigen Regierung einen
Gesundheitsminister, der aus meiner Perspektive ein Konnoisseur war, der Herr Lauterbach, der
irgendwie aus der Branche kommt, der hat eine Idee, wie das Ganze funktioniert. Das hatten wir ja
schon anders. Ich habe wirklich wenig Ahnung von Gesundheitspolitik. Der hat ja einiges.
Ich erinnere mich zum Beispiel, und das klingt in meinem Ohr sehr logisch, an eine Zentralisierung
von Kompetenzen. Also dass man schlicht und einfach zum Beispiel ein Krankenhaus hat, das macht
halt den ganzen Tag Knie, das andere macht den ganzen Tag Hüften und die anderen machen eben
Blinddärme. weil sie das den ganzen Tag machen. Oder wir kennen das von Augenkliniken. Ich kenne
Privatkliniken. Ich glaube, die machen in Deutschland 25.000 von diesen Linsen-OPs pro Jahr.
Das sind die besten, die es gibt. Was soll denn da noch passieren? Das sind ja Megaprofis.
Machen wir das jetzt? War das nicht ein Kernthema von Herrn Lauterbach? Und meine Frage ist...
Ist das jetzt so? Machen wir diese Konzentration von Spezialisierungen von Kliniken?
Findet das statt im Moment? Es soll stattfinden. Mir fehlt auch das Bild,
dass es stattfindet, muss ich ehrlich sagen. Und so wie es stattfindet, es ist ja immer viel im
Gespräch, dass diese Klinik hier in der Nähe soll Zentrumsklinik werden und dann soll die daneben
geschlossen werden und die übernächst ist und so weiter. Es wird immer viel geredet, aber am Ende
nicht wirklich sinnvoll umgesetzt, wenn überhaupt umgesetzt. Jetzt hat ein Krankenhaus geschlossen,
da sind uns zum Beispiel, ich glaube, 13 Intensivbetten verloren gegangen, die ja jetzt nicht die
letzten Jahre leer dastanden, sondern die ja auch benutzt waren und gebraucht wurden
dementsprechend. Und jetzt ist diese Klinik geschlossen und diese kranken Menschen gibt es immer
noch. Aber es gibt im Umkreis keinen Aufbau von Intensivbetten, um es jetzt einfach an diesem
Beispiel einmal festzumachen. Das ist doch genau das, was wir nicht wollen. Also ich würde ja schon
sagen, wir wollen ja irgendwo offensichtlich eine Spezialisierung für Intensiv beispielsweise. Da
muss ich ja 13 Betten reinschaffen, wenn ich woanders was zumache, weil die für nichts
spezialisiert sind. Also das ist ja jetzt wirklich nicht schwer. Mathematisch gesehen.
Richtig. Man hätte es planen müssen. Ja, aber ich bin ja fürchterlich, also ihr macht mich fertig
hier. Das klingt so, als ob wir die ganze Zeit nur von Leuten reden, die die Grundrechenarten nicht
beherrschen. Ist das so? Die können das ja sehr, sehr gut. Jetzt bist du...
Unternehmen und sagst jetzt, wir bauen jetzt hier ein Krankenhaus auf, spezialisieren uns. Nein,
nein, wir haben gesagt, wir wollen keinen Markt mehr haben. Wir haben gesagt, ich bin kein
Unternehmen. Ein Unternehmen zeichnet sich durch die Gewinnerzielungsabsicht aus.
Das wird ja so bleiben erstmal. Ach, das bleibt? Ja, und die Zentren, die wir aufbauen,
das sind ja dann auch meistens die Zentren, die Geld bringen. Also du wirst kein Zentrum erleben,
wo nur Pediatrie gemacht werden, wo man sich um Kinder kümmert. Kinder kosten nur Geld.
Was? In den meisten Krankenhäusern werden, bin ich der Meinung, wird die Kinderstation abgeschafft,
weil die kostet unterm Strich nur Geld. Aber das ist doch unsere Zukunft. Sind das nicht die
Kinder, denen wir keine Schulden hinterlassen dürfen? Ja, aber mit einer Knieoperation kannst du
mehr Geld machen, als ein Blinder beim Kind rauszupulen. Wenn das Kind aber nicht erwachsen ist,
wird das niemals meine Rente zahlen. Das ist ein Argument. Also es ist doch volkswirtschaftlichen
Unsinn, Kindern nicht gut zu versorgen. Schwach bin ich auf deiner Seite. Aber da kriegt man doch
einen Vogel, oder? Definitiv. Also wie ist denn das, du bist in diesem System drin, rauft ihr euch
eigentlich alle gegenseitig die Haare, weil ihr sagt, das wird ja immer schlimmer oder, wird das
immer schlimmer? Ja. Ach Gott. Also gefühlt ja. Kann ich auch so ein Getränk haben.
Tatsächlich ja. Ja. Okay, würde ich behaupten. Also ich sehe es in meinem Metier.
ständig neue Gesetze, neue Drangseleien und was wir nicht mehr alles dürfen und das wird immer
komplizierter. Es nutzt niemanden. Es nutzt wirklich niemanden.
Ich hatte nie das Gefühl, in Deutschland schlecht versorgt zu sein, muss ich ganz ehrlich sagen.
Bis vor ein paar Jahren, jetzt muss ich dazu sagen, ich bin natürlich in der privilegierten Gruppe
der Privatversicherten. Ja, dann! Und genau das nämlich. Und dann kam nämlich eine Mitarbeiterin
auf mich zu, die hatte ein akutes Sportproblem im Knie und hat dann irgendwie mir erzählt,
dass sie in zwölf Wochen einen Termin beim Orthopäden hat. Wo sie jetzt die Schmerzen hat.
Ja, sie hatte jetzt das Problem. Und dieses Privileg, und ich hatte dann irgendwann auch,
ich hatte einen Reitunfall und Schulter war draußen und so weiter und die wurde mir dann auch
wieder eingerenkt und ich habe dann, da haben sie mir im Krankenhaus gesagt, suchen sie sich einen
Orthopäden, der sie begleitet, um das wiederherzustellen. Dann habe ich da angerufen und er hat
mich gefragt, wollen Sie heute Nachmittag kommen? Genau das. Dieses Privileg möchte ich nicht
haben. Ich möchte nicht heute Nachmittag kommen, wenn jemand anders, der akuter ist als ich,
in zwölf Wochen drankommt. Aber dafür bist du privat versichert. Das ist nicht der Hauptgrund
gewesen. Nein, natürlich nicht. Aber du hast dieses Privileg. Genau. Auch da müssen wir doch schon
was ändern. Haben die den ja gemacht. Es gibt meines Erachtens, glaube ich, nur zwei
Krankenversicherungen in Dänemark. Und diese Unterscheidung, wenn ich richtig informiert bin,
gibt es dort nicht. Zwischen erster und zweiter Klasse. Genau.
Warum kriegen wir das denn nicht durch? Es heißt, glaube ich, Bürgerversicherung im Allgemeinen.
Das wäre doch eine sinnvolle Sache, oder?
Ja.
Machen wir auch nicht. Wie viele Krankenkassen haben wir in Deutschland?
Über 90. Und da musst du immer gucken, wer bietet was und was kostet mich das monatlich und so
weiter. Das kann es doch nicht sein. Als meine Frau schlimm krank wurde, habe ich die
Krankenversicherung gewechselt, weil ich wusste, die eine würde die Behandlung übernehmen, die die
andere nicht nimmt. Das kann es doch nicht sein, dass du jetzt gucken musst, welche Krankheiten
könntest du vielleicht in drei Jahren kriegen. Und du musst ja dann mindestens so und so lange in
dieser Krankenversicherung drin sind. Das kann es nicht sein. Ich finde das frustrierend.
Ich habe das Gefühl, dass wir demokratisch eine Sache, die für 90 Prozent der Bevölkerung sehr gut
wäre, nicht durchgesetzt kriegen. Ja, ratlose Gesichter. Ich überlege gerade demokratisch. Ich
glaube, das ist gar nicht der Grundansatz. Ich glaube, dass die Politik das auch gar nicht
durchsetzen würde. Es sind solche Mammut... bei den ganzen Unternehmen, die du da hast.
Ich bin nicht sicher, ob unsere Politiker da ausreichend mutig wären zu sagen, so hey, das greifen
wir jetzt mal an und machen das anders. Das ist so ein Lobby-Ding. Und da würde auch tatsächlich
gearbeitet werden. Also wie stark so eine Lobby sein kann, das haben wir ja erlebt bei Heizhammer
und ähnlichen Themen. Also dann würde die Maschinerie losgetreten werden. Dann würden Zeitungen
vollstehen, mit was man nicht alles Schlimmes machen würde. Und einfach nur deswegen, dass wir
sagen, wir möchten erste Klasse für jeden von uns haben. Und dann würde man sturmreif geschossen.
Genau. Bombig. Wie kommen wir jetzt hier zu einem positiven Ende? Das finde ich ganz schlimm
gerade. Du hast einen Apotheker in der Familie, dein bester Freund ist ein guter Arzt und dann hast
du ganze Vitamin B. Ich meinte denn jetzt auch nur unser Gespräch, wie kommen wir denn jetzt hier
unter uns zu einem positiven Ende? Ich weiß es nicht.
Dieses Problem existiert, das wird ja immer schlimmer. Aber Und das finde ich schon. Also ich denke
mir... Wir haben so Leute wie Steffi, wir haben so Leute, die eigentlich Lust haben,
diese Jobs zu machen, von denen du ganz am Anfang gesagt hast, das würde ich ja im Leben nicht
machen, allein schon wegen der ganzen Energie, die darüber kommt. Und eigentlich sollten wir ein
bisschen mehr machen, als nur vom Balkon aus zu klatschen, finde ich. Man könnte schon was machen.
War nett, oder?
Und das müssen wir eigentlich erhalten, bevor wir alle abgestumpft haben, natürlich. Das ist schon
wichtig. Okay, wo findest du dein persönliches Glück? Du sagst, du bist so ein bisschen auf der
Suche nach Alternativen. Was macht dich glücklicher als das, was... Ah ne, ich hab wirklich noch
eine andere Frage, Entschuldigung. Aber das stellen wir zurück. Technologieoffenheit. Den
modernsten Rollstuhl für sowas, was ich mir vorstellen kann, das war von,
und jetzt ist mir der Name verschwunden. Stephen Hawkins. Dankeschön, von Stephen Hawkins, ganz
genau. Wie kann euch oder den Patienten, die in dieser Situation sind, Technik helfen?
Extrem. Ja? Ja, absolut. Was gibt es da? Gibt es Rocket Science, wo die Leute auf einmal richtig
mobil werden und sowas? Ja, ja. Also wir haben so ein Exoskelett.
So Marvel-mäßig. Nein. Das gibt's. Es gibt Aufstehhilfen. Was kann ich mit so einem Exoskelett?
Kann ich mich richtig bewegen? Lassen. Nein. Aber das machen wir mit unseren Patienten nicht. Das
ist nicht die richtige Patientenklientel, aber wir haben es tatsächlich im Krankenhaus und unsere
Therapeuten. Am Tag der offenen Tür lade ich dich irgendwann mal ein, da läuft es immer durchs
Haus, dann kannst du dir das mal angucken. Das läuft alleine? Nein, mit einem Therapeuten drin.
Okay, okay. Nein, wirklich. Das heißt, so etwas gibt es. Das heißt, es gibt tatsächlich eine
Skeletthilfe, die jemanden dann mobil machen könnte. Genau. Wie feinmotorisch könnte so etwas
werden? Könnte der auf einmal greifen? Kann der Finger bewegen oder so etwas? Also das stellen wir
im Moment. Wir haben eine therapeutische Abteilung, die sich darum kümmert. Die basteln das
tatsächlich alles selber. Wir haben eine Werkstatt und stellen... Alles. Egal, ob es eine
Greifhilfe ist oder irgendwas, was gebraucht wird, stellen die alles individuell für diesen
Patienten her. Weil es keinen Markt gibt? Genau, weil es keinen Markt gibt. Das sieht manchmal auch
aus wie die Bastelarbeit eines Kindergartenkindes. Das meine ich nicht böse. Der Mensch braucht es
und der benutzt es. Es ist rein funktional. Es hält auch nicht ewig, weil es eben rein funktional
ist und eben nicht so gut am Ende dann hergestellt werden kann, wie wenn es serienmäßig von der
Industrie gemacht werden würde. Aber wir haben immerhin Menschen im Haus, die sich darum kümmern.
Wir haben nun mal das... querschnittgelähmten Zentrum mit einem hohen Bedarf an solchen Sachen.
Und der Bedarf ist eben sehr individuell und deswegen wird es auf die Patienten angepasst. Und da
haben wir alles. Du kannst Sachen mit der Nase steuern. Du kannst Sachen mit der Sprache steuern.
Du kannst Greifhilfen. Zunge wahrscheinlich, stelle ich mir vor. Oder Mund allgemein.
Über die Pupille und so. Über die Pupille. Aber das ist doch auch wieder so eine typische
Geschichte. Es ist kein Markt. Keine Krankenkasse würde es bezahlen, weil das zu teuer ist,
individuell, man kann es nicht weiter benutzen.
Also musst du selbst sehen, dass du irgendwie Hilfe bekommst. Das kann es doch nicht sein. Das
kommt mir vor wie in Afrika, weißt du? Da gibt es keine Gipsterbinde, also nimmst du von
irgendeinem Baum einen Ast da ab und tüdelst den da fest, damit du mit dem gebrochenen Bein noch
auf den Acker gehen kannst. Kann es doch nicht sein. Aber rein die Möglichkeiten auszuloten,
um solchen Menschen zu helfen. Wir sprachen vorhin von Mitte-20-Jährigen, die vorher ein
sportliches Leben hatten und dann sich nicht mehr bewegen können. Das ist ja eine ganz andere
Perspektive, wenn man dann auf einmal sagen könnte, ich kann mich bewegen, ich kann vielleicht
sogar, weiß ich nicht, spazieren gehen mit dem Hund oder so etwas. Wie fantastisch. Vielleicht
später sogar wandern gehen oder so.
Aber du sagst, das ist jetzt nicht irgendwie der Markt, wo ihr den großen Schub bemerkt.
Nee, gar nicht. Eher das Gegenteil. Wo merkt man den größten Schub in der Gesundheitstechnik?
Diagnostik, CT, MRT, Ultraschall. Jedes Jahr gibt es ein neues Gerät. Das ist so das schnellste?
Ich hatte auch Psychiatrie gedacht, dass man da wahnsinnig Fortschritte macht, denn in den letzten
Jahren war so mein Gefühl, gerade was das Thema Einstellung, Medikation und so weiter angeht.
Okay, keine Ahnung, bin ich raus, weiß ich nicht. Also ich weiß nur, dass tatsächlich gerade eine
große Kinderpsychiatrie geschlossen wird, weil die vom Bund nicht mehr finanziert werden soll,
weil der Personalbedarf zu hoch ist und wir sprechen über Kinder. Das sind einfach psychisch kranke
Kinder, die keine Chance haben. in irgendeiner Form in die Gesellschaft integriert werden zu
können, wenn sie diese Unterstützung nicht haben. Die wir nicht mit Schulden zurücklassen dürfen.
Das ist mir ganz wichtig. Wir dürfen auf keinen Fall Schulden erben. Die dürfen keine Straßen
erben, das ist schön. Und wir wollen ihnen auch nicht helfen. Genau, wir wollen ihnen vor allem
nicht helfen. Das ist zynisch, ist das alles? Das ist es. Ja, und das weiß ich nur zum Thema
Psychiatrie, wo ich tatsächlich drüber gestolpert bin, was Medikamente einschränkt und dann bin ich
auch raus.
Ja, ich kann die Frage nicht beantworten. Ich wohne da so in meinem Beruf in so einer Enklave. Wir
haben halt Milchglasfenster und wir verlassen unseren Bereich nicht, weil auch in der Pause muss
ich ja hören, wenn einer was braucht. Entweder ein Kollege oder ein Patient oder ein Alarm geht
oder eine Realimation oder was auch immer. Ich hätte nur gedacht, dass du es immer wieder siehst,
dass du über den Gang gehst und da ist auf einmal ein fliegendes Dialysegerät oder sowas, das
hinter einem Nierenkranken herfliegt. Also ausreichend Geräte würden mir erstmal reichen. Ein
bisschen WLAN wäre auch toll. Oh Gott, da sind wir. Genau, richtig. Kann man euch helfen?
Vielleicht mit einer Klobürste? Ich würde eine Spanzen. Eher zuweilen auch.
Eine Anekdote. Fliegenklatschen im querschnittgelähmten Zentrum sind total wichtig, weil eine
Fliege in einem Zimmer von einem hochgelähmten Patienten ist die Hölle. Das ist eine Notfallklingel
wert. Ernsthaft eine Notfallklingel wert, weil dieser Mensch kann sich nicht... kratzen und der
kann die Flieger nicht wegtun. Deswegen haben wir in jedem Zimmer zwei Fliegen klatschen, damit wir
die Dinger gleich auch töten können. Kann man bestimmt von der Krankenkasse nicht absetzen.
Nö, die kaufen wir bei Butten. Das ist doch lieb, außer Kaffeekasse. Genau. Ja klar. Woher denn
sonst? Aus dem Etat? Ich
bin frustriert. Doch ehrlich, wenn ich sehe, bei meinen eigenen Kindern,
wenn ich sehe, was Corona gemacht hat, psychisch bei den Kindern. Versucht mal einen Therapieplatz
zu bekommen. Das ist für mich auch erstaunlich. Aber darauf wird auch jetzt sehr gut reagiert,
indem wir einfach die Sätze runtergesetzt haben und die Leute schlechter bezahlen. Das ist eine
gute Idee. Da haben sich jetzt gerade die Sätze für die Psychologen runtergesetzt. Das war super.
Ohne Worte. Ganz ehrlich. Aber das Gute ist, immer mehr von diesen Psychologen machen sich dann
selbstständig. Weil dann nehmen sie Selbstzahler und Privatpatienten. So wie mich. Und dann kriege
ich morgen, wenn ich will, drei Termine.
Und das ist mir wichtig. Ich glaube, ich werde auch gerade zynisch. Ich finde mich gerade
unsympathisch. Tut mir leid. Also ich finde das immer schön, wenn ich irgendwo beim Arzt anrufe und
dann lasse ich durchklicken, dass ich auch Mediziner bin. Und dann heißt das August, nee, kommen
Sie mal nachher. Und dann sehen die meine Versichertenkarte, dass ich nicht privat versichert bin.
Die Gesichter, herrlich. Das ist großartig. Das ist immer großartig. Hast du moralische Gründe,
warum du nicht privat versichert bist? Die wollten mich nicht, weil ich drei Kinder habe. Und dann
hat jede Krankenkasse gesagt, Danke. Wir melden uns. Nie mehr. Bis zu spät eigentlich.
Genau. Aber ich kenne auch Patienten, die privat versichert sind und das durchhängen lassen.
Die sagen, ich warte drei Minuten. Eine vierte Minute warte ich nicht. Ich bin privat versichert.
Ich will jetzt den Arzt sprechen. Wirklich? Definitiv. Dafür zahlst du ja.
Nein. Doch, doch. Absolut.
Du bist so nett. Nein, das ist wirklich so. Und ich verstehe das auch nach wie vor nicht.
Ich möchte nicht besser. behandelt werden als andere. Ich möchte entsprechend der Notwendigkeit
behandelt werden. Das bedeutet, wenn ich bei dir mit dem Beil im Kopf auftauche, hätte ich einen
gewissen Dringlichkeitsantrag. Das ist aber was anderes, wenn ich mit einem Splitter im Finger
komme. Dann darf der mit dem Beil im Kopf vor mir dran. Also das finde ich normal, oder? Ja. Und so
würde ich das halt gerne gehandhabt wissen. Ja, wie lange müssen wir im Durchschnitt auf einen
Facharzttermin warten? Sechs Wochen? Das sind so die Zeiten, die ich aufgehört habe. Jetzt fehlen,
ne? Ja, ja. Genau.
Das ist total lächerlich. Wir haben noch genug Ärzte in Deutschland.
Was wirst du machen, um diesem Wahnsinn zu entfliehen? Ich werde Hunde physiotherapeutisch
behandeln. Oh, das ist aber nett. Wie der Privatversicherte. Das stimmt,
aber ich kann eins sagen. Ich hatte einen Wiegel, der war in Physiotherapie tatsächlich,
weil der hatte langrückige Hunde und deswegen hatte er ein bisschen Schwierigkeiten mit der
Wirbelsäule. Und das war ein sehr dankbarer Patient. Ja. Jetzt hast du gleich den Grund benannt,
warum ich da so Lust drauf habe. Problem, du hast ja Patientenbesitzer, da kann ich mir jetzt
wieder Alexander eine ganze Menge vorüber erzählen. Der hat ja so Kunden wie mich dann. Richtig,
aber die bleiben natürlich. Aber das ist nett. Das ist aber schön, oder? Ja, das stelle ich mir
auch so vor. Ja, das finde ich richtig gut. So mit Unterwasserlaufband und solchen Geschichten?
Ja, also kein eigenes, aber man connectet sich ja so ein bisschen in der Region und es gibt hier im
weiteren Umfeld am Deich, gibt es eine Kollegin, die das macht und hat und da gibt es dann so
Kooperationsmöglichkeiten, ja. Ach cool, super. Das finde ich, also dann wünsche ich dir,
bist du schon in die Richtung? So halb soweit. Im Dezember ist es soweit.
Tatsächlich? Der komplette Absprung oder geht es los mit der Ausbildung? Die Ausbildung ist schon
losgegangen. Das Examen ist im Dezember. Und dann muss ich mal gucken, wo ich so stehe.
Also dann werde ich das sukzessive gegeneinander ausloten, bis dann irgendwann die Tätigkeit im
Krankenhaus so reduziert ist, dass ich adäquat ausreichend viel Zeit für die Hunde habe.
Gucken, wie ich meinen Tag dann so gestalte. Ich werde alles daran legen, dass ich keine
Querschnittslebung bekomme. Ja, ich möchte dich bei uns auch nicht sehen. Ja, du wirst ja auch
nicht, weil du ja bei den Hunden bist.
Es tut mir sehr, sehr, sehr, sehr leid für deine Patienten. Das hat wirklich eine neue Welt für
mich aufgemacht. Sehr, sehr spannend. Depressiv. Ein bisschen... Lass es uns anders sehen.
Jeder, der diese Episode hört, jeder von uns hat eine Vorstellung, kann mit Freunden reden,
kann erzählen und man kann etwas machen. Und wenn es nur die Abgabe einer Stimme an die richtigen
Leute ist, die so etwas sich vornehmen. Also ich finde, man darf nicht sich desillusionieren
lassen. Dann haben die anderen gewonnen. Ja, Steffi, vielen Dank. Danke euch.
Tschüss.
Untertitelung. BR 2018