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Nánquáns „Pfingstrose“ und Yogacara

Akazienzendo Podcast

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Nánquáns „Pfingstrose“ und Yogacara
Mar 29, 2026
Akazienzendo

Bernd Bender, Dharma-Vortrag am 22. März 2026, Zen-Tag im Akazienzendo, Berlin

Bernd verbindet das Koan „Nánquáns Pfingstrose wie in einem Traum“ (z.B. Buch der Gelassenheit Fall 91, siehe unten) mit dem Praxisansatz der Yogacara-Schule („Einfach nur Geist“), wie sie u.a. von Vasubandhu im Indien des 4. Jahrhunderts entwickelt wurde. Diesem Ansatz zufolge spaltet das Bewusstsein Selbst und Welt auf. Das „Außen“ erscheint uns dann abgetrennt von uns selbst, während wir diesem Außen gegenüberstehen. In dem Koan taucht das Bild einer Gans auf, die gefangen in einer Flasche aufgewachsen ist. Die Außenwelt sieht sie nur durch milchiges Glas. Indem wir mit dem aufspaltenden Bewusstsein vertraut werden, können wir erleben, dass es sich bei der Abgetrenntheit von der Welt nicht um eine Wahrheit, sondern eine Konstruktion handelt. Zur Konstruktion aufzuwachen bedeutet, dass sie ihre Macht verliert. Anstatt einer Zweiteilung können wir dann sehen, dass Selbst und Welt nicht unabhängig voneinander existieren, sondern in einem Verhältnis, in dem sich beide gegenseitig unaufhörlich hervorbringen.

Nánquáns „Pfingstrose“
Fall
Der Beamte Lu Geng sagte zu Nánquán:„Der Lehrmeister Zhao war wahrhaft außergewöhnlich: Er vermochte zu sagen:‚Himmel und Erde haben dieselbe Wurzel, die zehntausend Dinge sind ein einziger Leib.‘“
Nánquán zeigte auf eine Pfingstrose im Garten und sagte:„Die Menschen von heute sehen diese Blume wie im Traum.“

Kommentar
Lu Geng aus der Tang-Dynastie war Mitglied des obersten Gerichtshofes.Einst fragte er Nánquán:
„Ich habe eine Gans in einer Flasche aufgezogen. Allmählich wurde sie zu groß, um wieder herauszukommen.Wie kann man sie nun herausbekommen, ohne die Flasche zu beschädigen oder die Gans zu verletzen?“
Nánquán rief: „Herr!“
Lu Geng antwortete: „Ja?“
Nánquán sagte: „Sie ist draußen.“
Bei diesen Worten erwachte Lu Geng.

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