Gut Gesagt

Die drei dunklen Könige

C. Schulz Season 1 Episode 7

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Die Kurzgeschichte "Die drei dunklen Könige" von Wolfgang Borchert. Eine eindrucksvolle und bewegende Weihnachtsgeschichte in den Trümmern des Nachkriegsdeutschlands.



Konzept und Sprecher: C. Schulz

Textbeginn

Outro

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Hallo zusammen, herzlich willkommen zurück bei Gut gesagt. Ich habe euch heute eine Weihnachtsgeschichte mitgebracht. Und zwar von Wolfgang Borchert, einem sehr interessanten Autor, der von 1921 bis 1947 gelebt hat, also tragischerweise nur 26 Jahre alt geworden ist. Er zählt zu den bekannten Vertretern der sogenannten Trümmerliteratur. Toller Name, finde ich. Also Literatur des unmittelbaren Nachkriegsdeutschland. Die sehr dicht und bewegend geschriebene Geschichte bringt einem eindringlich wieder ins Bewusstsein, dass auch die biblische Weihnachtsgeschichte eigentlich eine Erzählung von Armut und Elend ist. Ich dachte mir, auch die neuere Version von Herrn Borchardt passe da ganz gut in unser von Kommerz und Überfluss geprägtes Weihnachten. Vielleicht habt ihr ja Lust, die Geschichte bei eurer Weihnachtsfeier gemeinsam anzuhören. Das würde mich sehr freuen. Jetzt viel Vergnügen mit Die drei dunklen Könige von Wolfgang Borchert. Er tapte durch die dunkle Vorstadt. Die Häuser standen abgebrochen gegen den Himmel. Der Mond fehlte und das Pflaster war erschrocken über den späten Schritt. Dann fand er eine alte Planke. Da trat er mit dem Fuß gegen, bis eine latte morsch aufsäufste und losbrach. Das Holz roch mürbe und süß. Durch die dunkle Vorstadt tapte er zurück. Sterne waren nicht da. Als er die Tür aufmachte, sie weinte dabei die Tür, sahen ihm die blassblauen Augen seiner Frau entgegen. Sie kamen aus einem müden Gesicht. Ihr Atem hing weiß im Zimmer, so kalt war es. Er beugte sein knochiges Knie und brach das Holz. Das Holz seufzte. Dann roch es Mürbe und Süß ringsum. Er hielt sich ein Stück davon unter die Nase. Riecht beinahe wie Kuchen, lachte er leise. Nicht, sagten die Augen der Frau, nicht lachen. Er schläft. Der Mann legte das süße Mürbeholz in den kleinen Blechofen. Da glommes auf und warf eine handvoll warmes Licht durch das Zimmer. Die fiel hell auf ein winziges, rundes Gesicht und blieb einen Augenblick. Das Gesicht war erst eine Stunde alt, aber es hatte schon alles, was dazugehört. Ohren, Nase, Mund und Augen. Die Augen mussten groß sein. Das konnte man sehen, obgleich sie zu waren. Aber der Mund war offen und es pustete leise daraus. Nase und Ohren waren rot. Erlebt, sagte die Mutter, und das kleine Gesicht schlief. Da sind noch Haferflocken, sagte der Mann. Ja, antwortete die Frau, das ist gut, es ist kalt. Der Mann nahm noch von dem süßen weichen Holz. Nun hat sie ihr Kind gekriegt und muss frieren, dachte er, aber er hatte keinen, dem er dafür die Fäuste ins Gesicht schlagen konnte. Als er die Ofentür aufmachte, fiel wieder eine Hand voll Licht über das schlafende Gesicht. Die Frau sagte leise, guck, wie ein Heiligenschein, siehst du? Heiligenschein, dachte er, und hatte keinen, dem er die Fäuste ins Gesicht schlagen konnte. Dann waren welche an der Tür. Wir sahen das Licht, sagten sie, vom Fenster. Wir wollen uns zehn Minuten hinsetzen. Aber wir haben ein Kind, sagte der Mann zu ihnen. Da sagten sie nichts weiter, aber sie kamen doch ins Zimmer, stießen Nebel aus den Nasen und hoben die Füße hoch. Wir sind ganz leise, flüsterten sie und hoben die Füße hoch. Dann fiel das Licht auf sie. Drei waren es, in drei alten Uniformen. Einer hatte einen Pappkarton, einer einen Sack. Und der dritte hatte keine Hände. Erfroren, sagte er und hielt die Stümpfe hoch. Dann drehte er dem Mann die Manteltasche hin. Tabak war darin und dünnes Papier. Sie drehten Zigaretten. Aber die Frau sagte, nicht das Kind. Da gingen die vier vor die Tür und ihre Zigaretten waren vier Punkte in der Nacht. Der eine hatte dicke, umwickelte Füße. Er nahm ein Stück Holz aus seinem Sack. Ein Esel, sagte er, ich habe sieben Monate daran geschnitzt für das Kind. Das sagte er und gab es dem Mann. Was ist mit den Füßen? fragte der Mann. Wasser, sagte der Eselschnitzer, vom Hunger. Und der andere, der dritte, fragte der Mann und befüllte im Dunkeln den Esel. Der Dritte zitterte in seiner Uniform. Oh, nichts, wisperte er, das sind nur die Nerven. Man hat eben zu viel Angst gehabt. Dann traten sie die Zigaretten aus und gingen wieder hinein. Sie hoben die Füße hoch und sahen auf das kleine, schlafende Gesicht. Der Zitternde nahm aus seinem Pappkarton zwei gelbe Bonbons und sagte dazu, Für die Frau sind die. Die Frau machte die blassen blauen Augen weit auf, als sie die drei Dunklen über das Kind gebeugt sah. Sie fürchtete sich, aber da stemmte das Kind seine Beine gegen ihre Brust und schrie so kräftig, dass die drei Dunklen die Füße aufhoben und zur Tür schlichten. Hier nickten sie nochmal, dann stiegen sie in die Nacht hinein. Der Mann sah ihnen nach. Sonderbare Heilige, sagte er zu seiner Frau. Dann machte er die Tür zu. Schöne Heilige sind das, brummte er und sah nach den Haferflocken. Aber er hatte kein Gesicht für seine Fäuste. Aber das Kind hat geschrien, flüsterte die Frau. Ganz stark hat es geschrien. Da sind sie gegangen. Guck mal, wie lebendig es ist, sagte sie stolz. Das Gesicht machte den Mund auf und schrie. Beint er? fragte der Mann. Nein, ich glaube, er lacht, antwortete die Frau. Beina wie Kuchen, sagte der Mann und roch an dem Holz. Wie Kuchen? Ganz süß. Heute ist ja auch Weihnachten, sagte die Frau. Ja, Weihnachten, brummte er und vom Ofen her fiel eine Hand voll Licht hell auf das kleine, schlafende Gesicht. Wenn euch die Geschichte so gut gefallen hat wie mir, würde es mich freuen, wenn ihr euch auch die anderen und künftigen Folgen des Kanals anhört. Also am besten abonnieren, um nichts zu verpassen. Als nächstes wird es etwas ganz Besonderes geben, aber mehr wird jetzt noch nicht verraten. Also bis bald bei Gut gesagt und frohe Weihnachten!