Gut Gesagt

Belsazar

C. Schulz Season 1 Episode 22

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0:00 | 8:39

Die Macht stürzt über die eigene Überheblichkeit. Blasphemie, die tödlich endet. Das Ego, das keine Grenzen kennt, bringt sich selbst zu Fall. 

Betrachtet der Dichter amüsiert aus der Distanz, wie der lästerliche König göttlichen Zorn auf sich zieht? Oder ist dies eine düstere Schauergeschichte von Größenwahn und Königsmord?

Zwei Versionen des selben Gedichts. Welche passt Eurer Meinung nach besser?

Konzept und Sprecher: C. Schulz

Wer mich als Sprecher buchen möchte, erreicht mich unter gut.gesagt@gmx.de.  

Beginn von erster Version

Beginn von zweiter Version

Outro

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Herzlich willkommen wieder bei Gut gesagt. Schön, dass ihr wieder zuhört. Ich hatte ja in der letzten Folge schon angekündigt, dass wir es heute und auch in der nächsten Folge mit einem Machtmenschen zu tun bekämen, den seine Selbstherrlichkeit zu Fall bringt. Da kann sich jeder seine eigenen Verbindungen in die Gegenwart dazu denken. Wie in Folge 4 geht es heute um ein Werk meines Lieblingsdichters Heinrich Heine. Und alle von euch, die vielleicht Gedichte für altmodisch halten, betrachtet doch Gedichte einfach mal als frühe Vorläufer von TikTok-Videos. Kurz, prägnant und dicht. Das heißt ja nicht umsonst Dichtung. Für die Präsentation habe ich mir auch was Besonderes ausgedacht. Und zwar fällt es mir auch nicht immer leicht auszuwählen, wie ich einen Text lese, wie er wohl richtig gelesen gehört. Und da mir das bei dem heutigen Text besonders schwer gefallen ist, präsentiere ich euch einfach zwei unterschiedliche Varianten und überlasse die Auswahl euch. Genug geredet, viel Vergnügen, mit zwei verschiedenen Versionen von Belsazar von Heinrich Heine. Die Mitternacht zog näher schon, in stiller Ruh lag Babylon. Nur oben in des Königsschloss, da flackert's, da lärmt des Königs Tross. Dort oben in dem Königssaal Belsar hielt sein Königsmahl. Die Knechte saßen in schimmernden Reihen und leerten die Becher mit funkelem Wein. Es klirten die Becher, es jauchzten die Knecht. So klang es dem störrigen Könige recht. Des Königs Wangen leuchten Glut. Im Wein erwuchs ihm Keckermut, und blind links reißt der Mut ihn fort und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort. Und er brüstet sich frech und lästert wild, die Knechten schar ihm Beifallbrüllt. Der König rief mit stolzem Blick, der Diener eilt und kehrt zurück. Er trug viel Güldengerät auf dem Haupt. Das war aus dem Tempel Jehovas geraubt. Und der König ergriff mit Frevler Hand einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand, und er lehrt ihn hastig bis auf den Grund und ruft laut mit schäumendem Mund: Jehova, dir könnt ich auf ewig Hohn! Ich bin der König von Babylon. Doch kaum das grause Wort verklang. Dem König war's heimlich im Busen bang, und das gellende Lachen verstummte zumal. Es wurde Leichen still im Saal. Und sie und sie an weißer Wand, da kam's hervor wie Menschenhand. Und schrieb. Und schrieb an weißer Wand. Buchstaben von Feuer. Und schrieb und schwand. Der König stieren blicks da saß, mit schlotternden Knien und toten Blass. Die Knechten Schar saß kalt durch Graut und saß gar still, gab keinen Laut. Die Magier kamen, doch keiner verstand zu deuten die Flammenschrift an der Wand. Belsarza ward aber in selbiger Nacht von seinen Knechten umgebracht. Die Mitternacht zog näher schon. In stiller Ruhe lag Babylon. Nur oben in des Königs Schloss, da flackert's. Da lernt des Königs Dross. Dort oben in dem Königssaal Belsazar hielt sein Königsmal. Die Knechte saßen in schimmernden Reihen und leerten die Becher mit funkelem Bein. Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht, so klang es dem störrigen Könige recht. Des Königs wangen leuchten Glut. Im Wein, er wuchs ihm Keckermut und blind links reißt der Mut ihn fort und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort. Und er brüstet sich frech und lästert wild. Die Knechten schar ihm Beifallbrüllt. Der König rief mit stolzem Blick: Der Diener eilt und kehrt zurück. Er trug viel Gülden Gerät aus dem Haupt. Das war aus dem Tempel Jehovas geraubt. Und der König ergriff mit Frevler Hand einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand. Und er leert ihn hastig bis auf den Grund und ruft laut mit schäumendem Mund Jehova, dir kündig auf ewig Hohn! Ich bin der König von Babylon. Doch kaum das grause Wort verklang, dem König war's heimlich im Busen bang. Das gellende Lachen verstummte zumal, es wurde Leichenstill im Saal und sie und sie an weißer Wand. Da kam's hervor wie Menschenhand und schrieb und schrie an weißer Wand Buchstaben von Feuer und schrieb und schwand. Der König stieren Blicks dasaß mit schlottenden Knien und toten Blass. Die Knechten Schar saß kalt durch Graut und saß gar still, gab keinen Laut. Die Magier kamen, doch keiner verstand zu deuten die Flammenschrift an der Wand. Belsazar ward aber in selbiger Nacht von seinen Knechten umgebracht. So, jetzt bin ich natürlich sehr neugierig. Welche Fassung und warum euch besser gefallen hat, fände ich wirklich sehr, sehr spannend, das von euch zu erfahren. Ansonsten das Übliche, den Podcast bitte gern. Kommentieren, abonnieren und auch weiterempfehlen. Und wenn ihr gerade noch mehr Lust auf Heine habt, die Folge 4. Das war das erste Kapitel von Deutschland ein Wintermärchen. Könnt ihr gerne auch euch noch anhören. Bis zum nächsten Mal bei Gutgesagt!