Voll Psycho
Der Podcast der Hochschule Luzern über die Psychologie hinter deinem Alltag.
Warum verhalten wir uns, wie wir uns verhalten? Mirjam Stieger und Marcel Zbinden dozieren und forschen an der Hochschule Luzern. Sie gehen dieser Frage auf den Grund – leicht verständlich und wissenschaftlich fundiert. In jeder Folge bringen die beiden fünf überraschende Gedanken aus ihrer Recherche mit, diskutieren, lachen und zeigen auf, wie viel Psychologie in unseren täglichen Entscheidungen steckt.
Mehr über den Bachelor, den Master und Weiterbildungen in Business Psychology an der Hochschule Luzern findest du unter hslu.ch/psychologie
Voll Psycho
#20 Der ESC ist mehr Psychologie als Musik
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
166 Millionen Menschen schauten den ESC 2025 in Basel, darunter Rekordanteile bei Jugendlichen. Und doch wird der Contest von vielen belächelt. In dieser Folge erklären wir, warum der ESC so viel mehr ist als ein Musikwettbewerb: Er ist ein Lehrstück über Gruppenpsychologie, Kitsch-Ästhetik und die Logik des kollektiven Abstimmens. Mit Blick auf den ESC 2026 in Wien, dem Schweizer Heimnachteil 2025 (Zoe Me: Jury-Liebling, Televoting-Flop), und der Frage, warum so viele zuschauen, obwohl sie die Musikqualität häufig fragwürdig finden.
Passende Literatur zur Folge:
Ginsburgh, V., & Moreno-Ternero, J. D. (2023). The Eurovision Song Contest: Voting rules, biases and rationality. Journal of Cultural Economics, 47, 247–277.
Ginsburgh, V., & Noury, A. G. (2008). The Eurovision Song Contest: Is voting political or cultural? European Journal of Political Economy, 24(1), 41–52.
Halliwell, J. (2018). 'All kinds of everything'? Queer visibility in online and offline Eurovision fandom. Westminster Papers in Communication and Culture, 13(2), 113–120. https://doi.org/10.16997/wpcc.289
Mantzaris, A. V., Rein, S. R., & Hopkins, A. D. (2018). Examining collusion and voting biases between countries during the Eurovision Song Contest since 1957. Journal of Artificial Societies and Social Simulation, 21(1), 1.
Reber, R., Schwarz, N., & Winkielman, P. (2004). Processing fluency and aesthetic pleasure: Is beauty in the perceiver's processing experience? Personality and Social Psychology Review, 8(4), 364–382.
Salimpoor, V. N., Benovoy, M., Larcher, K., Dagher, A., & Zatorre, R. J. (2011). Anatomically distinct dopamine release during anticipation and experience of peak emotion to music. Nature Neuroscience, 14(2), 257–262.
Sontag, S. (1966). Notes on "camp." In Against interpretation and other essays (S. 275–292). Farrar, Straus and Giroux. (Originalarbeit erschienen 1964)
Tajfel, H., & Turner, J. C. (1986). The social identity theory of intergroup behaviour. In S. Worchel & W. G. Austin (Hrsg.), Psychology of intergroup relations (S. 7–24). Nelson-Hall.
Van den Tol, A. J. M., & Giner-Sorolla, R. (2017). Listening to ironically-enjoyed music: A self-regulatory perspective. Psychology of Music, 45(3), 321–337.
Yair, G. (2019). Douze point: Eurovisions and Euro-divisions in the Eurovision Song Contest — Review of two decades of research. European Journal of Cultural Studies, 22(5–6), 1013–1029.
Hosts:
Mirjam Stieger, mirjam.stieger@hslu.ch, Mirjam Stieger | Hochschule Luzern, Mirjam Stieger | LinkedIn
Marcel Zbinden, marcel.zbinden@hslu.ch, Marcel Zbinden | Hochschule Luzern, Marcel Zbinden | LinkedIn
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Nein, ihr habt euch nicht vertreten. You're komplett richtig. Welkom by the next folk of Psycho, a podcast full of psychological alltages phenomena. Heute reden wir nämlich über ein Eurovision Song Contest, kurz ESC genannt, and so then not politisch, sondern definitiv auch psychologisch höchst interessant. Wir sind Miriam Psychologin, Dozent in the Studio Gang Business Psychology at the Hochschule Lucern, and it said unbedingt well, as we deal with, and I have aber immer noch nicht herausgefunden, why is it Marcel, Wirtschaftspsychologe, auch Dozent im Studio Business Psychology at the Hochschule Luzern, and das stimmt überhaupt nicht.
SPEAKER_01Ich glaube, du hast das Thema ursprünglich auf den Tisch gebracht, weil du eigentlich der grosse ESC-Fan bist, aber wir können später noch weiter diskutieren. The Full Psycho Podcast ist ein Angebot vom Studiegang Business Psychology von der Hochschule Luzern?
SPEAKER_00Ja, the Eurovision Song Contest ist der meiste geneigte Musikwettbewerb der Welt und gleichzeitig ein riesiger Spiegel, in dem sich Europa jedes Jahr selbst anschaut. Warum schauen wir oder wie schauen wir bewusst nicht? Warum stimmen wir so ab, wie wir abstimmen? Und wieum finden wir gewisse oder sogar viele Beiträge, ehrlicherweise absolut schrecklich. Aber das macht sogar einen Teil des Spass aus. Die ESC stellt sich diese Frage schon nächste Woche in Wien wieder neu von 166 Millionen Menschen live und in Farbe. In der heutigen Folge von Vol Psycho schauen wir hinter der Glitzer. Insgesamt zehn Gedanken darüber, was der ESC über uns verratet, ob wir ihnen schaut oder eben nicht. Miriam und ich haben die fünf Gedanken mitgebracht zum ESC, aus der Forschung aus dem Alltag oder einfach aus dem echten Leben, was wir bei uns nicht wissen, welche fünf Gedanken die andere Person mitgebracht hat. Und bevor du es noch erläutern, Miriam, was dein ersten Gedanken zum ESC ist, hast du dir die Schweizer Finalshow letztes Jahr angeschaut und wenn ja, in welchem Rahmen?
SPEAKER_01Natürlich kann ich mir das geben. Und wahrscheinlich, so wie die allermeisten anderen der 166 Millionen, ich habe es extra noch nachgelaufen. Letztes Jahr waren es 166 Millionen, die es geschaut haben. Und wahrscheinlich ähnlich eben wie alle anderen auf dem Sofa daheim. Ganz langweilig, klassisch Fernsehen eingestellt auf dem Sofa daheim. Und ich muss ganz ehrlich sagen, es hat jetzt vielleicht so gönnt, als würde ich das immer schauen. Das ist das erste Mal, als ich den ganzen ESC geschaut habe. Und ich habe es ehrlich gesagt auch nur geschaut, weil die Haselbrucker moderiert hat, weil ich einfach Heselbrucker genial finde. Und sie hat solche Background-Stories gebracht mit der Moderation und so. Und dann habe ich gefunden, ich muss das schauen. So. Und du? Wolltest du das schon erzählen?
SPEAKER_00Es hat ja einen Grund gehen, wegen der Jungen drauf zu machen.
SPEAKER_01Marcel muss sich alten.
SPEAKER_00Aber die Folge wirklich selber machen. Ich glaube, ich lade etwas tosen an bei dieser Erfolge. Ich bin durchaus ein ESC Nerd seit 20 Jahren. Wollen wir jetzt wahrscheinlich auch merken, mit der einen oder anderen Story, die ich.
SPEAKER_01Seit 20 Jahren?
SPEAKER_00Ja, ja, ich war wirklich wahrscheinlich einer der ersten. Zu dieser Zeit, die er noch überhaupt nicht gehabt worden war, habe ich das schon geschaut. Ich erzähle dir nachher, wieso das so ist. Ich war tatsächlich letztes Jahr das erste Mal an ESC gereist. Das war nicht wahnsinnig weit auf Puzzle gereist, war aber drei, vier Tage, also nicht nur irgendwie eine Verdaubungsshow. Bei der Halbfinale-Pre-Show war. Wenn ich ESC in den letzten paar Jahren sehen, waren immer alle mega verkleidet und inszeniert und alles. Da habe ich, wenn wir, dann gehen wir gerade richtig. Dann sind wir sogar verkleidet auf Basel. Wie verkleidet? Er gab einen Beitrag von Estland, Tommy Cash, Espresso Macchiato. Der war übrigens auf den Schulausplätzen auf und ab gespielt von den Kiddes. Der war wirklich extrem, der, der am viralsten gegangen ist. Wir sind als Brüder von Tommy Cash gegangen, auch mit anzogen und über lange Krawatte und so. Wir haben gemeint, dass sie so viel verkleidet sind und da war praktisch niemand. Hat auch dazu geführt, dass ständig irgendwelche Fernseh- und Radiostationen zu uns gekommen sind. Und wissen, wie lange wir hier schon ESC-Fans sind. Wir sind das erste Mal. Ja, genau.
SPEAKER_01Seit 20 Jahren.
SPEAKER_00Ja, aber es hat eigentlich im Fernsehen geschaut. Es hast du einfach am Abend Show fertig, nicht mehr und nicht weniger. Zuerst, als wir jetzt hier gegangen sind, aber es war ein riesig Geld. Sehr gut. Ja, komm jetzt, Miriam. Los mit dem ersten Gedanken. Meine nerdigen Inputs sprechen.
SPEAKER_01Meine nerdigen Inputs. Mein erster Gedanke ist einfach mal meine persönliche Meinung zum ESC. Einfach, dass wir das schon einordnen können. Wie gesagt, ich habe das letzte Jahr den ESC das erste Mal so richtig von A bis Z mitverfolgt. Klar, ich habe in der Vergangenheit schon gewusst, dass es den ESC gibt. Ich habe vielleicht manchmal reinzeugt, als ich am Fernsehen schauen bin, aber von A bis Z. Das ganze Ding schaut, das ist ja auch immer brutal lang. Die Sand geht vier Stunden. Nein, es geht ewig. Aber ich habe erst letztes Jahr so richtig schnallt, was das für eine absolute riesige Kiste ist. Erstens, wie viele Leute sich das von Jahr zu Jahr kennen, 166 Millionen letzten Jahr weltweit. Und auch wie viele Neben Events da stattfinden, dass es sich über mehrere Tage gezielt hat. Das war mir überhaupt nicht bewusst. Das habe ich das letzte Jahr realisiert. Es sieht wahrscheinlich auch sehr viel über mich aus. Ich bin auch erst, wo ich nehme, bin ich fanmäßig. Ah, cool, okay, die Schweiz kann in diesem Fall doch irgendwie mitmischeln und bei dem Wettbewerb. Und so hat es mich jetzt langsam angefangen zu interessieren. Aber ich weiss jetzt auch nicht, ob ich das Jahr das Ding wieder schaue. Ich weiss auch nicht, wer dieses Jahr für die Schweiz antritt. Weißt du, wer das Jahr für die Schweiz geht?
SPEAKER_00Ja, natürlich.
SPEAKER_01Aber es ist doch ein. Ich konnte jetzt nicht über einem auf den Schlips treten, aber man weiss nicht, wer das ist, oder? Das kennt man nicht.
SPEAKER_00Veronica Fusaro mit Alice.
SPEAKER_01Musikszene.
SPEAKER_00Sie können es relativ gut aus. Das ist eine sehr eingängige Stimme. Aber sie möchten das gleiche wie den letzten paar Jahren. Sie nehmen eher junge, aufstrebende Künstlerinnen und Künstler, wo man noch nichts so sagen könnte, also wie ein DJ-Bobo oder so, wie man es mal gemacht hat. Ich glaube, die Schweiz macht das sehr clever ein paar Jahren. Da kann ich danach sage ich nicht dazu.
SPEAKER_01Natürlich, Nerdinfot kommen wir später. Mein Eindruck war immer, wenn ich mal einen Rezept hatte oder mal irgendetwas vom ESC gehört in der Vergangenheit. Ich finde Musikqualität, da können wir nicht noch darüber reden. Aber aus meiner Sicht eher so, also ich bin nicht Musikexpertin, aber ich kann es eher so eine schlechte Musikqualität vorgenommen. Das ganze Ding durft mir einfach zu lang, eine vierstündige Sendung. Ich weiß nicht, wie lange das effektiv geht. Aber der Spannungsbogen hat für mich einfach gefällt, dass ich mir das von A bis Z anschauen würde. Das andere, wo ich dann nachher auch noch darauf zu sprechen komme, ist sicher, dass in meinen Kindern und Jugendjahren die Schweiz immer sehr schlecht oder oft sehr schlecht abgeschnitten hat. Für mich hat es immer das Gefühl, dass es ein abgeartetes Spiel ist oder ein relativ abgeartetes Spiel. Und dir fehlet mir einfach sowieso zusätzlich noch den Spannungsbogen. Und darum, ich kann nicht 100% nachvollziehen, warum du das seit 20 Jahren mitverfolgst und warum dieser Event bei so vielen Leuten, so vielen Millionen Leuten so ein Ding ist. Und ich habe mir wie bei meinem ersten Punkt auch mal über Leute versucht zu verstehen, warum Leute Leute den Ärmelinen beim ESC, warum schauen sich Leute das an? Du kannst es nachher gerne ergänzen, ob das auf dich zutrifft, oder warum du dir das Ding seit 20 Jahren bist. Was sicherlich ein Punkt ist, das kann ich absolut nachvollziehen. Der Wettbewerbscharakter, ich mit meinem Land gönnen. Wir werden besser sein als die anderen Länder. Ist jetzt bei der Schweiz etwas schwierig, weil wir so oft so schlecht abgeschnitten haben, dass ich diesen Wettbewerbsgedanke, es ist ein unfairer Wettbewerb. Dann, dass man dazu gehören. In ganz Europa oder weltweit schauen sich der ESC an. ESC ist ein kollektives Event, dass man halt, weil man das Bedürfnis nach Zugehörigkeit hat, dass man sich das dann auch gibt. Das kann ich auch verstehen. Musik als Emotionsverstärker, in vielen Fall positive Emotionen, die hier ausgelöst werden. Je nach Musik, aber oft kann ich auch verstehen, dass etwas Positives kann sein.
SPEAKER_00Positive Emotionen bei schlechter Musik, Mirjan.
SPEAKER_01Positive Emotionen, wir können nachher noch nicht was darüber reden. Ich sehe auch, dass es eine perfekte Mischung ist aus. Es ist so einen geordneten Ablauf, es hat ja viele Regeln, was, wen, wie viel drängt. Es gibt ganz viel Struktur in dem Ganzen. Kombiniert aber auch mit recht viel unstrukturiertem, unberechenbarem und absurdem. Outfit-technischen Performances usw. Und da sehe ich auch eine perfekte Mischung aus so wertender, ironischer Distanz. Wie wenn man das mit Kollegen und Kolleginnen anschaut, dass man dann so ein bisschen ablässt kann, so Was ist jetzt das wieder für eine komplett absurde Performance, das wir uns hier angeschaut haben und gleichzeitig echt mit Fiebern, ich hoffe, dass diese Akt gehen. Ein schöne Sweetspot zwischen kompletten Absurdität. Wir lästern miteinander, aber wir müssen wirklich mit Fieber, dass irgendjemand gönnt. Es ist ein jährliches Ritual für viele Leute, also die Vorfreude, es ist ein verlässliches Event, das jedes Jahr schön kommt, außer während Covid habe ich so recherchiert, dass es einmal ausgefallen ist. Und es lässt uns aus dem Alltag ausbrechen. Es ist ein bisschen übertrieben bunt und etwas nachtsmässig. Einmal pro Jahr. Jetzt weißt du, so etwas mitgefallen. Ja, genau. Einmal pro Jahr Ausnahmezustand. Das sind die Faktoren, die kann ich schon nachvollziehen. Aber auch aufgrund der trotz verschiedenen Faktoren hat es mir bisher nicht den Ärmel hinegenommen. Was würdest du sagen? Was ist es bei dir?
SPEAKER_00Ganz einfach gesagt, ist es wahrscheinlich, dass ich wirklich aus psychologischer Brülle diesen Event extrem spannend finde, und zwar auf verschiedensten Ebenen. Und die fließen dir alle meine fünf Gedanken ein. Das kann ich jetzt nicht ein, zwei, drei Sätze zusammenfassen. Vielleicht kommen wir es am Ende dann noch ein. Ja, da bin ich gespannt, wie es ist. Als das gesammelt Fazit, genau. Mein erster Gedanke ist, wer schaut überhaupt den ESC? Ich glaube, das deckt gut an, an dem, was du jetzt erzählt hast.
SPEAKER_01Dann verstehen wir dich vielleicht etwas besser.
SPEAKER_00Wir haben 70 Jahre ESC. 1956 war das erste Mal in der Schweiz durchgeführt, in Lugano, hat zwar in den Schweizer gewonnen, Lise Assia. Ich habe nur sieben Länder mitgemacht. Dieses Event wurde sich gewaltig verändert in diesen 70 Jahren. Damals haben wir nur gemacht, ob man eine Live-Übertragung zwischen mehreren Ländern zu erreichen. Ein paar Jahre vor die EBU, die Broadcasting Union, gegründet wurde. Dann wollen wir schauen, ob wir das über mehrere Länder noch eine Live-Sendung zu machen. Darum auch das Intro, das wir heute abgespielt haben.
SPEAKER_01Und ich, by the way, nur von das kennen.
SPEAKER_00Genau, das hat das auch, absolut. Aber sonst wurde aktuell die einzige Sendung über ganz Europa hinweg, wo das immer noch läuft, die Melodie läuft. Jetzt haben wir 70 Jahre später ein Event, wo du gesagt hast, 166 Millionen Euro für einen europäischen Wettbewerb. Das ist verdammt gross. Bei 37 Mert. Aus 146 Ländern, die gemacht wurden, die bei den Schweizer Ausgaben. Und in der Schweizer Lei haben letztens 880'000 Leute geschaut. Das haben wir schon ziemlich neu bei den wengen Zuschauerzahlen. Das ist unter das, was am meisten Event überhaupt in der Schweiz pro Jahr. Klar, aufgrund der Schweizerdurchführung, massiv Mega, die geschaut haben. Also wenn es irgendwie in Wien werden, wird es deutlich weniger sein, gar keine Frage. Aber trotzdem, das ist krass in der deutschsprachigen Schweizer ein Mertanteil von 74%. Drei von vier Leuten, die TV geschaut haben, haben Schweizer Fernsehen und ESC geschaut. Das ist schon noch krass. Und was eben war es ursprünglich mal eingeben, ESC, und war eher skeptisch gewesen, soll man es machen oder nicht. Aber ich spannend finde, ist, dass der Jugendmehrtanteil von Leuten, die es schauen, wurde in den letzten paar Jahren extrem gestiegen. Es war wirklich von so einer Nerdveranstaltung zu einer recht hyper Veranstaltung. Während 2017 wurden noch 43% allen Jugendlichen, 15- bis 24-Jährigen, von denen, die Fernsehen geschaut haben, haben die ESC geschaut, sind wir jetzt 2025 schon bei 60%.
SPEAKER_01Weißt du, wieso? Ich kann es dir beantworten.
SPEAKER_00Wieso?
SPEAKER_01Wegen dem Erfolg? Wo wieder ruhen ist, schaut nicht 2019.
SPEAKER_00Nein, das ist europaweit.
SPEAKER_01Ah, nicht in der Schweiz. Ah, okay. Ah, sorry, dann stimmt meine Hypothese nicht.
SPEAKER_0060% von denen, die live schauen. Und das Krasse ist, es ist auf diesen Sendern, die sonst die Jugendlichen nie einschalten. Von BBC über SRF, über ORF, über ARD, das sind die, die die Jugendlichen eigentlich nie einschalten. Und die haben normalerweise etwa 15% Anteil in diesen Altersgruppen. Bei mir sind sie 60%. Das hat relativ stark damit zu tun, dass die EBU, die ich vorhin gesagt habe, seit 2022 eine TikTok-Partnerschaft hatte. Es wird in sozialen Medien massiv drin, auch mit den Künstlerinnen und Künstler. Und es ist so eine gegenseitige Verstärkung. Und es ist so ein Event, das inzwischen wieder recht gehypt wird. Wenn es dachregional schaut, Deutschland, Österreich und Schweiz, dann haben wir wirklich drei Phasen durchlaufen. 1990 bis 2010, in so eine Stigmaphase. Wenn ich dir erzählte, dass ich die ESC schaue, habe ich alles regal. Sorry, hören sich alle gegenseitigen Punkte zuschanzen. Die Schweiz kommt einige Punkte, aber null Punkte scheiden immer aus. Die Musikqualität ist eine Katastrophe. Wieso schaust du den Schrott genau? Und ich habe es mega spannend zu schauen, wie die Leute probieren rauszustechen, damit sie Punkte von den anderen Ländern bekommen. Ich habe mit der Brülle von außen recht spannend gefunden. Dort hat es gekehrt: 2010. Die haben zuerst mal in Deutschland gewonnen mit der Lena Meyer-Landroute, Sedalite. Die hat für Deutschland nach Ewigkeiten wieder gewohnt Hype ausgelöst. Ein paar Jahre später ist Österreich aufgesprungen mit Concito Ost. Mit dem Mann, Tom Neuwirth heisst, der war als Frau verkleidet, mit Bart usw. Hat für Österreich gewonnen, dort einen Hype ausgelöst. Dann haben die Schweizer angefangen, plötzlich ihre Rekrutierung zu verändern. Früher haben die Zuschauer gewählt, nur mit eigenen Brüllen gefällt uns das, was wir selber cool finden. Und dann haben wir angefangen, eine internationale Jury bestimmen, welchen Song sein soll. Seit 8-, 9 Jahren macht das die internationale Jury, immer mit internationalen Brüllen, die paar hundert Eingaben von Schweizer Künstlerinnen und Künstlerinnen betrachten und sagen, haben sie eine Chance, unseren Märkte oder nicht. Dann war der Luca Hanni, die du angesprochen hast, aber war auch John Stiers in der 3. Damn haben wir andere Beiträge, die sechs oder 7 waren. Wir waren fast immer inzwischen im Finale und 50 Top 10 an Rossinelli. Immer mit vernünftigen Nummern, als ich das passt. Der grosse Durchbruch in Anführungszeichen, logischerweise mit Nemo 2024. Das war sicher eine Phase. Wir sind weggegangen. Die Neugodierung mit Lena Conchita und die Schweizer erfolgte durch ihre neue Auswahl. Und dann war die TikTok-Früung massiv etwas ausgemacht. Ich meine, ich habe gesagt vorhin, meine Kinder, dass Espresso Macchiato auf den Schulausplätzen zählt. Alle haben es gesungen und gemacht. Stell dir vor, vor 20 Jahren wäre undenkbar, dass das so ist. Mein Profil, ich schaue jedes Jahr, aber es gibt keinen einzigen Song aus den letzten 20 Jahren, das meine Lieblingsplaylist ist.
SPEAKER_01Du wirst das mit der Musikqualität unterschreiben.
SPEAKER_00Ja, wobei den Code habe ich schon recht gefeiert.
SPEAKER_01Ja, der Code ist wirklich cool.
SPEAKER_00Da habe ich wirklich gefeiert, weil ich finde, ein Statement, das Nemo dort gemacht hat, das niemand geschafft hat, die drei Minuten auf den Punkt die Zerrissenheit widerzuspiegeln drinnen. Die habe ich enorm stark gefunden. Das habe ich wirklich gefeiert. Das habe ich eine Zeit lang recht gelassen, vor allem vor dem ESC, nach dem ESC, eigentlich nicht mehr gross. Aber nein, ich meine, ich bin null Musikfan dieser Musik. Aber lange gefunden, ich habe mich mit Freunden getroffen, WhatsApp-Gruppe getroffen. Dort haben wir abgeklestert über all die Beinträge drinnen und haben ein Event daraus gemacht. Wir haben uns getroffen gemeinsam getroffen. Das darf man jetzt als Dozent fast nicht sagen. Manchmal sogar Trinkspiele gemacht. Ich habe gesagt, wenn ihr. Was?
SPEAKER_01Dozenten Alkohol trinken?
SPEAKER_00Ah, ist gut, bla bla. Nein, aber wir haben gesagt, wir haben uns Sachen, die wenn die eintreten, so wie es Manager bin, haben sie gesagt, wenn eine Feuershow kommt oder nicht mehr eine Herzlich-Kamera macht. Oder wenn man einen Windmaschineneffekt oder was auch immer. Wenn irgendwie etwas zu dem eintritt, dann wäre man ein Shuttle trinken in dem Zusammenhang. Dort oder bei der Watson Community, die mit einem herrlichen Kommentar verfassen. Für mich war der Event-Charakter viel entscheidender. Seit ein paar Jahren möchten wir das auch mit der Family daheim. Es war wirklich so ein Event, in dem wir zusammen schauen. Inzwischen schauen wir sogar die Wettquote vorgängig an und schauen, wie steht die Schweiz da steht. Marcel war wirklich ein Nerd. ESC-Nerd. In der Tat. Krass wurde es 2024, wo die Schweiz gewonnen hat mit Nemo. Dort waren wir in Südamerika in Bolivien, in Cusco gesehen. Dort haben wir die Phase. Vorher haben wir durch den Event gedacht. Am Normittag um 3 Uhr in Cusco gestartet. Wir haben den Raum abdunkeln müssen, müssen wir fast nichts im Fernsehen gesehen. Wir haben uns vorbereitet essen und gekauft als Family gekauft und dieses Event geschaut über mehrere Stunden hinweg. Am Schluss noch verrechnet. Ich habe den Punkt zusammenzählt, wie viele bekommen Zuschauern und Zuschauerinnen. Und habe mich verrechnet. Am Schluss, als ich gewonnen habe, Cubel, das hat die Schweiz der WM im Finale gewonnen. Bei mir ist bei uns ein extrem Event-Charakter. Ich hatte eine U-Fo-Umfrage aus 2024 aus acht europäischen Ländern. Dort wurde gefragt worden, wieso Menschen den ESC schauen. Das klare Ergebnis: die Motivationen unterscheiden sich extrem stark nach Land. Das zynische Monikelang, das ironische Menge fast ein bisschen, das gibt es eigentlich nur in einem Land sehr stark ausprägt. In der Schweiz. Nein, in UK. In UK ist das sehr stark. In UK ist wirklich fast sogar ein Ausreißer. Über die Hälfte geht es an, dass sie wegen einem amüsanten Kommentar einschalten. Und über einen Viertel sagen sie explizit zu schauen, um sich eine Prozendung lustig zu machen. Im Vergleich dazu ist allen anderen befragten Ländern der Ironieanteil viel, viel tiefer. Im Rest von Europas sind häufig echte Fans des Events. Weil ich die Musik gerne habe, ist der häufigste Grund quer durch Europa. Früher ist es wirklich verständlich. In Italien hat das 65% der Zuschauern als Hauptmotiv. Und wir haben dort vier typische Zuschauergruppen festgehalten in dieser Umfrage. Es heimt, ist wirklich der echte Fan. Wir sind Teil des Events, so eine emotionale Beteiligung. Wir schauen es wirklich weg der Musik. Wir können festmachen, dass dort sehr stark LGBT Plus Community Teil dieser Gruppierung. Italien so ein bisschen, aber vor allem die nordischen Länder und spezifisch Schweden. In Schweden ist das wirklich crazy.
SPEAKER_01Aber wahrscheinlich auch.
SPEAKER_00Vielleicht hat das so gestartet. Die sind Rekordsieger mit 7-Sieg. Sie haben in den letzten 25 Jahren extrem viele Top-5-Klassierungen. Aber die möchten auch ein riesig Event raus. Die haben zu den Melodyfestivalen, wo über mehrere Wochen ihren Beitrag festlegen im Vorfeld. Das ist ein sechs Flüchtigen Event mit 4 Millionen Zuschauern, das ist schon viel bei 10 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Es ist die meistende Gesendung vom Jahr in Schweden. Die sind per se die Wettquote immer schon in den Top 5, bevor man überhaupt weiss, wer von Schweden kommt. Man weiss, Schweden wird es ernst. Sie nehmen es brutal ernst. Das ist der echte Fan. Dann gibt es einen ironischen Kritiker. Man ist trotzdem dabei, obwohl man es extrem ironisch anschaut. Wir schauen aus Distanz, fast etwas aus Überheblichkeit. Weißt du, überheblich so, er schaut das mal an, dann schaut Thrash so ein bisschen. Und so ein bisschen Guilty Pleasure-Paradox auch ein bisschen, so etwas peinliches Vergnügen. Ich gebe mir das jetzt, obwohl es eigentlich verdammt schlecht ist. Und dort bin ich auch ein bisschen teil. Ich finde mein Halbfinale auch fast besser als der Finale.
SPEAKER_01Es ist noch mehr Trash, oder?
SPEAKER_00Das ganz Trashige schaut in diesem Halbfinale aus. Und dem Finale ist meistens das häufig zu viel Mittelmaß für mich fast schon. Dort der UK zu forderst, aber dort spüre ich mich auch ein bisschen. Ich bin aber vor allem der rituelle Zuschauer, so der Erlebnisfokus. Das hast du vorher auch ein bisschen angesprochen.
SPEAKER_01Jedes Jahr.
SPEAKER_00Das kollektive Erlebnis mit meinen Freunden WhatsApp-Kanal. Mit der Familie.
SPEAKER_01Hier habe ich auch erlebt mit meinen Prognosen, warum das Leute schauen. Absolut. Aber was wir jetzt, du hast jetzt alle drei Typ zu. Nein, vier sind. Ah, vier, ja.
SPEAKER_00Grundsätzlich, die Musik interessiert mich nicht gross, aber das Erlebnisfaktor, es ist einfach Geldi. Wirklich, es ist einfach lustig. Und für mich der Blick auf Europa. Ich bin noch ein bisschen Teil auf dem vierten Teil. Der Kulturneugierige ist der vierte, das Interesse an anderen Ländern hat, die sich vergleichen, was die politische Dimension interessiert, wo zweifellos eine grosse Rolle spielt. Wenn man schaut zu schauen, wie andere Länder performen, gilt das als meist genannter Grund in Deutschland und auch in der Schweiz, erstundlicherweise. Wer wie gut performt. Wie gut und wer überhaupt wie performt. Welche Länder das wie können? Das ist ein spannendes Abbild, das wir als Schweizer sehen, haben wir nicht in Europa. Es gibt andere Motive, es gibt andere Gründe, was wir ESC schaut. Und wir stehen etwas alleine hier. Wir haben natürlich auch in unserem kulturellen Background, wir stehen jetzt nicht unbedingt für Trash. Wir stehen jetzt nicht unbedingt für Extravaganz. Und entsprechend sind wir da wahrscheinlich etwas kritischer oder skeptischer eingestellt für das, was wir hier unseren Augen ist an in diesen 37 Beiträgen.
SPEAKER_01Du bist ein Ausreißer, Marcel?
SPEAKER_00Nein, ich glaube, ich bewege einen Mix aus drei von diesen vier Kategorien. Und das macht es für mich wirklich zu einem coolen Event im Mai vom Jahr.
SPEAKER_01Also log. Ich übernehme wieder in meiner Perspektive. Mein zweiter Punkt ist, warum holt die Schweiz so oft so wenig Punkte? Ich weiss, es hat sich nichts. Ja, es stimmt jetzt nichts. Seit 2019 sagen wir. Seit 2019 ist es wieder, ich habe extra die Statistiken analysiert. Seit 2019 scheint es wieder besser, mit Luca Hanni, der 2019 4. Platz beleid hat, und jetzt Nemo, der noch gut hat. Ich meine, genial. Aber vorher habe ich ja vorher schon gesagt, wirklich, mein Gefühl ist nicht, meine ganze Kindheit und Jugendjahr. Also wirklich bei den Statistiken durch, rot, rot, rot, rot, ausgeschieden, ausgeschieden, ausgeschieden, ausgeschieden.
SPEAKER_00DJ Bobo glaube auch null.
SPEAKER_01DJ Bobo glaube auch null, also wirklich katastrophal.
SPEAKER_00Dann habe ich mir mal überlegt: Vampires are alive, was mehr wartet.
SPEAKER_01Du weißt, das alles loswendig. Und dann bin ich in diese Votingphase psychologisch eingestiegen, der ja super interessant ist. Nur so ein Minion-Exkurs.
SPEAKER_00Jetzt hat mal Vanilla Ninja als Interpret. Das war eine lettische Girlgroup-Band war die Band. Ich war dort in Deutschland an einem Konzert und hatte dort nachher unten live der ESC mit ganz. Die anderen waren alles Deutsche und da war das Punktenverfahren. Und mit diesen Deutschen, die ich nicht habe am Tisch, habe ich gesagt, hey, wetten wir, Lettland geht uns zwölf Punkte. Und die anderen, wieso hättest du Lettland Punkte gehört? Noch fast null Punkte von allen anderen Ländern. Hast du zwölf Punkte über. Und in der Tat von Lettland zwölf Punkten bekommen, weil es einen lettischen Girl hat.
SPEAKER_01Ja, und das ist ja noch so.
SPEAKER_00Steilpass wahrscheinlich für das, was du jetzt gerade hast.
SPEAKER_01Aber das ist ja noch absurd. Genau, das hat mir auch angeholfen, um in meiner Jugend zu denken, wow, ist das ein cooler Event, wenn es sogar noch Bands aus dem Ausland hineinholen möchte, um ganz verzweifelt mal Punkte zu holen. Erste Gedanke, warum die Schweiz so oft so wenig Punkte geholt hat in meiner Jugendjahr. Da können wir nicht drum herum reden. Die Schweiz hat wenig natürliche Verbündete Länder, die uns Punkte zuschieben. Also keine starke, stabile Votingallianz mit anderen Ländern. Das ist ja auch mit verschiedenen. Das ist ja auch, das muss man jetzt auch noch in a Side Note machen: es gibt ja sogar eine eigene wissenschaftliche Konferenz zum Thema Eurovision. Und dort ist auch ein grosser Teil, dass man das Votingverhalten, wo welche Länder in welchem Land, welche Punkte zu schieben, die analysiert und präsentiert werden. Das sogenannte Blockvoting. Das ist wirklich wissenschaftlich fundiert verschiedene Studien, die zeigen, dass das ein Ding ist, dass Länder, die sich geografisch nahe sind, gemeinsame Religion, gemeinsame Sprache, kulturelle Überschneidungen, Ähnlichkeiten miteinander haben, dass die eher füreinander abstimmen. Das Migrationsmuster. Genau, das ist mein zweiter Punkt. Migrationsmuster. Wir als Schweiz, wir haben relativ wenig Auslands Schweizer in anderen Ländern, die uns aus diesen anderen Ländern Punkte zuschieben könnten. Andere Länder von dem viel mehr profitieren. Aber eben zu diesen Blöcken, die es in Europa gibt, ich habe verschiedenste Karten. Es wird auch visuell dargestellt, wenn man das googelt. Dass es die verschiedenen Blöcke gibt, vor allem mit den Balkanländern, die sehr stark zusammenhängen und zusammen Punkte zuschieben. Und skandinavischen Länder. Es gibt auch noch andere Blöcke, die verschieben sich auch von Jahr zu Jahr so ein bisschen. Aber die Schweiz kann dort nicht so ganz absohnen, weil wir nicht Teil von einem stabilen, starken Block sind, wo wir Punkte von anderen Ländern überkommen. Was ich schon einerseits könnte sagen, das ist korrupt und ein abgeordnetes Spiel. Aber muss man aus psychologischer Perspektive auch sagen, dass es auch natürlich ist, dass man Länder Punkte gibt, die einem ähneln, oder Interpreten, Interpretinnen und Bands Punkte gibt, die einem ähnlicher sind. Es macht psychologisch absolut Sinn. Aber es ist dann halt aus Schweizer Perspektive ein bisschen unfair. Was ich auch beobachtet habe, zu dem Blockvoting Side Note, dass gewisse Länder auch wie aus politischer Solidarität Punkte sammeln können, zum Beispiel die Ukraine, die ja 2022 hat. Die Schweiz konnte dort einfach nicht solidarische Punkte voneinander darüber, aus so Gründen. Und dann genau das mit den Auslandsschweizerinnen Diaspora-Effekt, wo wir nicht profitieren können. Der dritte Punkt, dass wir auch in unserem Profil relativ neutral sind. Oft, es ändert sich in den letzten Jahren mit Nemo, der natürlich super mutiger Auftritt war. Aber oft waren es schon solide Songs, aber selten so wirklich extrem gute Ausrisse, wo du denkst, wow, das ist jetzt mutig, das sticht raus, das ist stark genug zum Rausstechen. Dann, was wahrscheinlich auch nicht hilft, ist die Mehrsprachigkeit, als zweischneidiges Schwert. Wir haben ja öfters mit Französischen, ich weiß nicht, mit den italienischen Songs, vielleicht auch weiss ich ehrlich gesagt nicht. Es gibt uns weniger einen Signature Sound. Das ist jetzt die Schweizer Identität, mit dieser Musik treten wir an, sondern es ist etwas schwieriger, weil wir viele Sprachen in unserem Land haben. Und letzten Punkt, dass es ein bisschen einher mit dem anderen, dass wir immer neutral sind im Profil, dass Performances und die Inszenierungen öfter mal weniger auffällig waren. Aber es ändert sich. Ich bin gespannt, wie das jetzt weitergeht in diesem Jahr und in den nächsten Jahren, dass die Schweiz wieder mehr Mut hat, um einmal rausstechen.
SPEAKER_00Ich glaube, das Ausstechen sage ich nachher noch etwas dazu. Aber wir könnten doch gar nicht objektiv abstimmen. Das wäre mein Punkt dazu. Das Ende, das Zuschanzen von Punkten, das ist definitiv jedes Jahr festzustellen. Aber wenn man schaut, wo die Gewinner Songs herkommen, die wechselt in ganz Europa. Man könnte eine gewisse Basispunktzahl, aber man gewünscht Event nie.
SPEAKER_01Genau, es ist nicht, dass wirklich einfach nur ab die Karte zu spielen. Und was man auch sagen, es gibt ja auch noch das Jury-Voting, das mittlerweile 50% zählt. Die ja auch noch mitschwingt.
SPEAKER_00Aber eben, du hast ein paar Sachen hier gesagt und ich muss zwei oder drei Sachen zu dir sagen. Also, ich meine, was schon krass ist, so wie mir, die letztes Jahr für die Schweiz gesungen hat, ist extrem herausgestochen mit ihrem ganz feinen, reduzierten Inszenierung. Und die haben zwei meisten Punkte von der Jury bekommen. Und so eine Diskrepanz hat es noch nie gegeben zwischen Jury und Publikum. Das war psychologisch auch spannend sein. Nicht, weil die Schweiz noch ein Punkt bekommt bei den Zuschauerinnen und Zuschauern.
SPEAKER_01Meinst du, das war es?
SPEAKER_00Ganz sicher. Ganz sicher hat es eine riesige Rolle gespielt. Du hast von der Ukraine angesprochen, das Gleiche für Israel. Israel momentan politisch heis diskutiert, wieso sollten sie das Kriegsland teilnehmen müssen, wenn Russland nicht darf. Baurufe, während Live-Konzerte, ich hatte eh, wirklich viel Baurufe, mit Farbattacken auf die künstlerische Wellen, die verhindert werden können. Auf der anderen Seite hat Israel die meisten Punkte bekommen von der Zuschauerinnen und Zuschauern bekommen bekommen. Nämlich auch die, die pro-Israel sind, dann kannst du nicht anti-A-Leuten.
SPEAKER_01Genau.
SPEAKER_00Und darum haben die meisten Punkte bekommen. Griechenland und Zypern sich jedes Jahr gegenseitig zwölf Punkte, das weisst schon. Weisst du, du kannst bekommen, ist 10 Punkte von Griechenland. Mehr kannst du gar nicht bekommen. Und ich meine, ja, das ist klar, ist hier viel politisch. Du hast vorher angesprochen, das ist logisch, dass es so ist. Social Identity Theory, die du vorher angesprochen hast, das ist der sogenannte In-Group-Effekt. Es fühlt sich gut an, wenn es ein Teil mehr ist. Und es gefällt uns ja besser. Musik aus dem eigenen kulturellen Breitegrad gefällt einem wieder, glaube ich.
SPEAKER_01Ja, das habe ich mir auch noch überlegt, aber die Länder wollen ja nicht immer Songs hinschicken, die hardcore ihrer Kultur einbetzen.
SPEAKER_00Aber die Balkanelemente merken sehr Balkan. Osteuropäische Einflüsse, das merken wir sehr stark. Ich finde, der Rest Europas ist großer.
SPEAKER_01Die Schweiz kannst nicht sagen, das ist ein Schweizer Song.
SPEAKER_00Nein, nein. Dort bist du sicher, wir haben wenige Solidarität. Aber wenn du vor den Cluster geredet hast, es gibt die vier Abstemmungskluster. Und wir sind unser Cluster, ist aber spannenderweise Schweiz, Österreich und Ex-Jugoslawien. Und zwar an der albanischen Diaspora, wo wir bei uns haben, dort kommt Albanien immer sehr viele Punkte von der Schweiz. Weil so viele Migrantinnen und Migranten überhaupt bei uns sind. Die kulturelle Nöte, die hier ist, ist kein Betrug. Das ist einfach Identität, dass man Leute von seinem Gleichen einfach mal mehr Punkte. Und wir haben auch sehr wenig unseres Gleichen in Europa. Die Basis, die fällt einfach ab. Was man nicht vergessen ist, wer stimmt ab. Wir haben keine demografische Daten von dem, wer abstimmt, aber das ist ein Selbstselektionsproblem. Ich habe noch nie abgestimmt. Wer ist hoch motiviert abzustimmen? Das können aber die Israel-Unterstützenden sein. Das können beispielsweise die echten Fans sein, also die LGBT Plus Community, die auch Leute vielleicht auch ihr Interpreten und unterstützen, die entsprechen, die eine eigene Sprachverwandtschaft haben, die kulturelle Neuen haben, die dort abstimmen. Migrantinnen und Migranten, die haben bezogen zu ihrem eigenen Land und dass sie natürlich noch verstärken, gar keine Frage. Und dann, ein Name, das von mir stand, der sogenannte Lordi-Effekt. Könntest du Lordi noch?
SPEAKER_01Ja, war nicht Heavy Metal-Bands.
SPEAKER_00Genau, das waren finische Heavy Metal mit Masken, Monster, ganz grusig. Ich glaube, 20.04 damals und ganz Europa nicht verstehen konnten. Und ich habe immer gesagt, es ist doch logisch. Das Voad Splitting, das wir hatten, von allen 24 Ländern, haben Topländern 12, 10 und 8 Punkte rüber. Dann gibt es noch ein paar vereinzelte Punkte und die hinter Hälfte kommt gar nichts drüber. Es ist wichtig, dass du bei gewissen Ländern ganz vor bist. Immer gezählt werden, bringt er rein gar nichts. Du musst irgendwie rausstechen. Und wenn du 35 Beiträge hast, im Finale noch 24, musst du einfach genug% hinter dich scharen. Wenn du nach 20% sagt, der Heavy Metal-Beitrag, der ist jetzt cool, 80% findest du den grössten Schrott. Dann natürlich Beitrag sagen, das ist miserabel. Aber wenn 20% für den stimmen und die restlichen 80% auf 23 Länder verteilen, dann bist du locker immer noch das Nummer 1. Du musst ausstechen. Du musst rausstechen. Und das ist der Lorde-Effekt. Und ich meine, 2024, der kroatische Song, der in Konkurrenz mit dem Nemo ist, der Rim, dim-dim, dim. Nein, auch nicht. Sorry, Miriam. Und nach der Rage, wieso stimmt UK für das ab? Wir können herausfinden, nur 15% haben für den gestummen haben. Sie haben aber gelegt, dass die 12 Punkte bekommen haben. Und das nennt man in der Psychologie ist das der von der Restdorff-Effekt. Aus der kognitiven Psychologie erinnert sich stärker an differenzierende Inhalte. Wir haben das gemacht mit Zahlenreihen, die vereinzelte Buchstabe drinnen sind und die Buchstabe viel besser merken. Das kann man natürlich eins zuweiset auf die ESC. Wenn man natürlich 24 Songs hat, dann muss man einfach rausstechen. Und braucht auch ein Glück mit der Reihenfolge. Das heisst, möglichst schauen, dass der vorherige Sommer oder die vorherigen Songs möglichst anders langweilig war oder komplett anders stechen. Komplett anders, dass man rausstechen kann. Und so funktioniert das eigentlich. Darum ist aber aus meiner Sicht in 20 Jahren so spannend. Man muss probieren, sich zu überlegen, was die anderen Länder dieses Jahr machen und wie wir rausstechen können. Es kann sogar sein, dass Konventionalität zur Differenzierungsstrategie. So me hat das letzte Jahr bei der Jury zumindest sehr viele Punkte gemacht, weil sie rausgestochen ist mit einem extrem feinen Song. Das hat beispielsweise vor ein paar Jahren Portugal noch nie gewonnen, noch nie eine Chance und plötzlich ein Jazznummer, eine ruhige Jazznummer. Hat mir persönlich nicht gefallen, aber es hat noch nie in der ESC-Geschichte einen Song so viele Punkte bekommen, wie der portugiesische Song, weil er es geschafft hat, zu differenzieren von allen anderen 23 Songs. Das ist das, was ich immer spannend finde. Gewisse Länder kopieren immer einen Siegersong vom vorjahren. Komplett blöde Strategie, sondern zu überlegen, wer schafft es wieder, etwas authentisches, Neues zu bringen, wie es beispielsweise auch Nemo geschafft hat, mit diesem oberen Elementen, Rock-Elementen kombiniert, an dieser höchsten Gesangsanlagen, alles darum und dran. Diesen erinnern zerrissenheit, an dieser Story, wo wir durchaus folgen. Das Gesamtpaket finde ich extrem spannend. Jedes Land weiss das inzwischen und probiert rauszustechen. Mich interessiert immer, wer versucht es wie.
SPEAKER_01Muss ich jetzt aber sagen, wie ein Tradeshow, der Österreich, finde ich, ist jetzt nicht 180 Grad anders wie Nemo. Ist ja auch Operelement, Dramatik.
SPEAKER_00Ja, es war ein weniger Vielfalt im Song. Aber ich habe auch.
SPEAKER_01Es war ein Gamble, mit was man reine geht. Es ist komplex.
SPEAKER_00Ja, aber dort spielt es eine grosse Rolle, wie du die Song auch auswählst. Ich habe vorher gesagt, die Schweiz hat ein paar Jahre internationale Jury. Deutschland hat dieses Jahr komplett verkackt. Die wollen sie aus der Schweiz kopieren wollen, die haben eine live Halbfinale-Show gemacht mit einer internationalen Jury gemacht und haben aus neun Beiträgen drei ausgewählt. Aus diesen drei Songs wollen die Zuschauer wählen, da haben wir wieder wollen. Und dann wurde am Schluss auch dieser Song gewählt, der Künstlerin die grösste Fancommunity hat. Die hat aber international null Fancommunity. Könnt ihr? Nein, die wird komplett abgeschlossen, weil es einfach ein 0815 ist. Wir werden es gesehen. Ich wette. Das war ein 0815-Song, der genau 1 zu 1 x-fach schon war. Die hat einen der Top 3 Songs, war eine, The Optimist, heisst, eine feine Nummer von recht unbekannten Künstlerin, die hat so perfekt in die Zeitgeist eingasst. Gerade noch aktuell mit der Kriegssituation usw. Das war perfekt und in Deutschland bin ich überzeugt, das war mega weit vor. Aber über die Art und Weise, wie den Song ausgewählt haben, haben sie es verkackt.
SPEAKER_01Also ich bin gespannt, wie Deutschland abschneidet das Jahr.
SPEAKER_00Ja?
SPEAKER_01Bist du durch mit dir?
SPEAKER_00Nein!
SPEAKER_01Du hast noch etwa 100 Punkte. Also wolltest du noch weitermachen? Das soll ein Lein hineinschieben. Nein, mach noch weiter, komm.
SPEAKER_00Weißt du, wir haben jetzt schon über den Trash geredet. Und ich meine, es ist schon viel Trash. Und ich wollte so ein bisschen dieser Trash, wie es zu dem kommen ist, noch kurz zu probieren, zu erläutern. Es gibt sogar ein Fachwort für das und das heisst Camp.
SPEAKER_01Ja, das habe ich auch mehrfach gesehen. Ich habe noch nicht herausgeschrieben.
SPEAKER_00Ich habe hoher Mühe, ich habe es noch nie gehört, ich habe hohe Mühe, das zu verstehen. Ich meine, dann gibt es die Windmaschinen, die kostümmer aus 3 Millionen Federn, die Feuerwerke, alles drum und dran. Viele Beiträge werden als Trash bezeichnet, und das ist nicht sogar zu Recht. Espresso Macchiato, Tommy Cash, übernimmt. Oder den Milkshake Man, weisst du noch? Ja, genau. Aber der nimmt die italienische Kultur völlig auf die Chippen, redet falsch italienisch und so. Oder noch krasser. Erik hat einen finnischen Beitrag, steigt mit dem Mikrofon ins Publikum. Ein Mikrofon fünfmal so gross wie sie. Sie geht in die Luft rauf und singt auf Deutsch Ich komme. Uhr schräg Milkshake-Männchen gesagt, vor ein paar Jahren seit tanzenden russischen Glasmüttern gegeben. Was hat du gedacht? Stefan Raab ist komplett verarschend davor gestanden. Das Wort Camp heisst eigentlich nichts anderes als künstliche Übertreibung als Stil. Es gibt keinen deutschen Begriff. Künstliche, theatralische Selbstinszenierung und aus dem französischen Gompe sich in einer übertriebenen Pose aufstellen. Ich meine, woher kommt das? Das kommt aus den 70er Jahren den Kern des Wettbewerbs. Das hat aber miteinander gestartet mit dem. Die haben damals den grossen Orchester und haben angefangen mit diesen Bayetten-Kostümen usw. Weil der Punkt ist, dass du in 3 Minuten herausstechen versus allen anderen Beiträgen. Das machst du natürlich nicht nur musikalisch, sondern auch über Performance. Das heisst, du musst dich über inszenieren in diesen drei Minuten. Und darum hat sich das Campieren extrem etabliert. Am Anfang haben wir das naiven Camp genannt, also wirklich einfach nur rausstechen. Es hat inzwischen unglaubliche Formen angenommen, die die Bühnenperformance probiert, auf die Spitzen zu treiben. Und zum Teil, muss man sagen, wirklich, wirklich geil. Aber sehr häufig leider wirklich, wirklich scheiße. Und der Spagat ist sehr schmal. Das übertrieben hat Nemo eigentlich auch gemacht. Mit dieser drei Scheiben. Ich hatte das Video mal gesehen, wie der Drei-Scheiben hinter dran getrillt worden ist. Wo wir so oft sein beobachten können, wie sich auf dieser drei Scheiben sich bewegen müssen und wie die Menschen das hier gemacht haben. Das war nicht technisch. Wo wir das selber inszenieren müssen, dass das Spiel, das Nemo, der Kampf zwischen 0 und 1, wie das Nemo das beschrieben hat, das ist eigentlich auch Camp, aber einfach auf eine sehr seriöse Art und Weise. Das ist einfach der Hintergrund, dass man sich selbst inszenieren müssen und abgrenzen müssen. Das kann man natürlich auch mit dem Gegenteil von Camp, wie es aber so in Mech gemacht hat. Das passt einfach so nicht zu der Schweiz. Und du hast auch bei Nemo gemacht. Das hast du auch bei der Schweiz gemerkt. Nemo hat ja komplett gespalten. Wenn Kommentarspalten angeschaut hat, ich liebe es ja das Lense von Kommentarspalten. Ich kaufe es viel. Ich kann es auch beim Blick machen. Und dort wurde Nemo verrissen. Und zwar wirklich recht übel. Man kann ja nicht Musik nennen usw. Und ich glaube, mehr Schweizer, die Schweizer Kultur, wir haben die Zurückhaltung als soziale Normen, Bescheidenheit als Zugend. Auffälligkeit ist mehr eine Störung des gesellschaftlichen Konsens. Das haben wir beim Auftritt von Nemo gemerkt. Das hat auch extrem Leute gespaltet.
SPEAKER_01Und was war? Wir haben Gun. Ja, genau, absolut. Ich sage jetzt auch, wir haben Gun.
SPEAKER_00Genau. Wir neigen zur kontrollierten Mitte. Das hat lange dazu geführt, dass wir nicht mehr null Punkte kassiert haben. Und jetzt nehmen wir die internationale Betrachtungsweise dazu und durch haben wir Chancen, plötzlich einen Punkt zu bekommen.
SPEAKER_01In der Vorauswahl meinst du? Ja, genau.
SPEAKER_00Und das führt mich gerade zum nächsten Punkt, das Camp. Ich bin nämlich der Ankerpunkt in der queer Community, der ja extrem stark ist vom ESC. Noch interessiert mich.
SPEAKER_01Habe ich auch Punkte dazu?
SPEAKER_00Das ist ja mach du zuerst. Ja, mach du. Ich habe jetzt schon genug lang geredet.
SPEAKER_01Ich finde, das ist ja mein. Das finde ich das coolste am ESC. Dass es wirklich, das habe ich mir jetzt auch etwas hingelassen. Es war mir gar nicht so bewusst, dass es wirklich so eine Art Safe Space war für queere Leute. Es ist geschichtlich schon so, dass beim ESC schon seit langem eine fest, das hast du schon gesagt, ein festival Fan gemeint in der LGBTQIA Plus Community. Und es scheint, das war mir auch nicht bewusst, dass der Veranstalter, was hast du gesagt, EBU, dass die seit den 1990er Jahren wirklich auch aktiv pushen und aktiv auch daran arbeiten, queer Personen in diesen Event einzubeziehen. Und ich habe dann auch ein recherchiert, dass 1998 losgegangen, als eine Transfrau, Dana International aus Israel in Birmingham, gegangen. Das war das symbolische Coming Out von Eurovision. Und dort war noch ein grösserer Push. Es waren später in den kommenden Jahren weitere Query-Leute gegangen. Ich finde, das ist genial. Der ESC kann so Sichtbarkeit für Personen aus der queer Community in den Mittelpunkt zu stellen, kann so gesellschaftliche Einstellungen, gesellschaftliche Normen verändern und indirekt, nicht direkt, aber indirekt auch einen politischen Wandel unterstützen. So ein bisschen Anstäter, Tropfen-Hüllenstein Exposition. Es gibt auch in der Psychologie diese sogenannte Kontakthypothese. Das heisst, wenn man mit Leuten in Kontakt kommt, wo man Vorurteil gegenüber hat, wenn es ein positiver Kontakt ist, Vorurteile reduziert werden können. Wir haben in der stereotypen Folge auch schon besprochen können. Was ich spannend finde an der Kontakthypothese, ein indirekter Kontakt sein muss kein direkter Kontakt sein, sondern es kann auch ein medialer Kontakt sein. Nur wenn man in den Medien mit Leuten konfrontiert wird, wo man Vorurteile gegenüber hat, dann kann man Toleranz gegenüber diesen Minderheiten fördern. Und ich finde, das ist ein absoluter Pluspunkt des ESC. Finde ich eine super coole Sache, dass mediale Sichtbarkeit für Leute aus der Query Community gearbeitet wird, in diesem Event.
SPEAKER_00Und wer hat es erfunden? Weißt du nicht. Camp hat es erfunden. Camp, das Übersterilisieren. Das hat sich natürlich Leute durchaus auch daheim gefühlt. Der Event war von Anfang offen für die Community offen, aber es war nicht deklariert für die Zielgruppe. Es hat sich einfach ergeben und du hast die Dana International genannt. Es war dort, dass mehr Leute geschaut haben, die Watchparties gemacht haben, haben es mehr Künstlerinnen gegeben.
SPEAKER_01Die haben sich dann aufgepusht, oder? Genau. Und auch angeleutet und gevotet.
SPEAKER_00Und ich habe von der BBC-Kommentator angesprochen, wo die Leute das extra, was ihm zum Teil schauen, wegen seinen bitter, bösen, ironischen Kommentar von Cott Mills. Er hat den Begriff vom G World Cup. Die Julientsprechung zur Fußball-WM, die zugleich vier ist und auch politische Statements da drinnen. Die hat schon, ich glaube, der naive Camp zur Über inszenierung, ich glaube, das hat eine grosse Rolle gespielt. Ich habe vorher noch angesprochen: Concita Wurst, der Track, hat später vor dem EU-Parlament geredet. Die Sichtbarkeit hat politische Konsequenzen. Oder niemand, der gewonnen hat, hat es nach der Petition gegeben, weil non-binär als Geschlecht in der Schweiz gar nicht gibt. Es sind kürzest zur Zeit 14.000 Unterschriften innerhalb von fünf Tagen gegeben. Niemals hat Justizminister Beat Janz getroffen, die die Bereitschaft zu treffen. Das war schon noch krass. Was ist da in Bewegung gesetzt? Auch durch die Sichtbarkeit, die geschaffen wird für Themen, die sonst keine Plattform haben. Es ist fast zu gross, weil beispielsweise Künstlerinnen und Künstler keine Regenbockenflagge auf die Bühne nehmen. Und dem hat das Stupid Factor genannt im letzten Jahr in der Schweiz, weil man es aber nicht dürfen hat, hatten wir gleich eingeschmuggelt und trotzdem eine Flak gezeigt. Aber wir haben fast Angst, dass es überhand nimmt in dem Ganzen. Manchmal nützen die Länder sogar diese LGBT plus Freundlichkeit als Identitätsmerkmal, als Abgrenzung gegenüber anderen Ländern. Es ist schon inzwischen recht politisch aufgeladen. Was du so positiv beschreibst, und ich würde es unterschreiben, hat schon eine Komponente, die ich finde, ist mir fast politisch.
SPEAKER_01Mir geht es einiger durch den Kopf, ich finde es faszinierend. In Europa gibt es ja viele schon auch konservativ angekauchte Länder, würde ich es jetzt mal sagen. Dass es trotzdem, weißt du, dass die Sendung trotzdem von so vielen Leuten geschaut wird, obwohl Camp so das Ding ist, und dann auch viele Interpreten und Interpretinnen aus der Query Community auf der Bühne stehen, dass es trotzdem geschaut wird. Das finde ich faszinierend.
SPEAKER_00Absolut. Ich finde aber wunderschön, dass es so Hand in Hand geht. Dass man das jemanden wie nicht, das genau gleich feiern, wie vielleicht jemand andere aus ganz anderen Beweggründen heraus. Grundsätzlich finde ich es Fundament und für konservative Länder, die es von der Kontakthypothese genannt finde ich goldig, dass es weiterhin genau so ist und auch dürfte es so sein, definitiv. Aber der Punkt ist, es wirkt schon wieder so etwas verkrampft in dem Ganzen. Aber man kann sicher sagen, ESC hat queernes nicht erfunden, aber es hat der Raum gegeben, der so sichtbar wurde, dass er fast zum Politikum ist. Da bin ich gespannt, wie sich das in den nächsten paar Jahren entwickelt. Ich war schon bei meinem letzten Gedanken.
SPEAKER_01Hast du alle deine Nerdfacts gefragt? Nein, ich habe noch einen. Ja, erzähl. Ich bin noch über eine Studie. Ich habe das ganze Paper tatsächlich gelesen. Es war eines der lustigsten Papers, den ich je gelesen habe, weil fast in jedem Satz ein Songtitel mit den Wörtern Songtitel rein genommen und Referenzen gemacht. Es war anstrengend zu lesen, aber absolut lohnenswert. Und zwar war in diesem Paper, es waren eben auch zwei Autoren. Sie waren das aus Witz in einer Kaffeepause entstanden. Kommen wir schauen mal, beim ESC ein genauer an, wie die Teilnahmen der Länder mit der Lebenszufriedenheit in diesen respektiven Ländern zusammenhängt. Sie haben hier einen extrem grosse Datensatz klarmachen können, also 160, also die Umfragedaten von 160.000 Leuten in 33 europäischen Ländern im Zeitraum zwischen 2009 und 2015. Ich meine, es ist ja extrem, was diese Daten hier gefunden haben. Und dann haben sie herausgefunden, dass es einen klaren Zusammenhang gibt, je besser ein Land beim Eurovision abgeschnitten hat, desto höher die Lebensfriedenheit der Bevölkerung in diesem Land. Und das Spannende ist eben auch, überraschungsbefunden, dass nur schon das Teilnehmen an einem für sich zu einem Benefit führt im Vergleich zu nicht zu teilnehmen. Egal wie man Abschnitt teilnehmen ist, so ist es schon mal gut. Kann man jetzt natürlich sagen, einer mögliche Erklärungen, die dann in meinem Artikel gesagt haben, ist Musik positiv, weil es Glückshormon ausgeschützt, das kollektiv Erleben, Nostalgie, das geweckt wird. Gleichzeitig muss man auch sagen: Die Story ist natürlich schon komplexer. Man kann jetzt nicht einfach sagen, Schweiz nimmt Teil beim Eurovision und dann geht es die Bevölkerung besser. Sie haben dann auch im Diskussionsteil des Artikels gesagt, Erfolg beim ESC könnte auch zusammenhängen mit, dass es ein Indikator ist für günstige sozioökonomische Bedingungen in diesem Land. Dass die dort teilnehmen können. Es sind sicherlich auch noch andere Faktoren, die mitschwingen. Aber ich finde es trotzdem spannend. Sie haben sicher für das auch kontrolliert, dass sie trotzdem des ESC einen gewissen Effekt auf die Lebensfriedenheit in der Bevölkerung finden kann. Es geht auch Hand in Hand mit anderen Studien, die gefunden haben, dass nationale grosse Ereignisse, also irgendwelche Sportwettkampfgross kann, dass es schon die Zufriedenheit der Bevölkerung, die Stimmung der Bevölkerung pushen kann.
SPEAKER_00Das ist doch Blödsinn, Mirja. Ist ja niemand schaut. Nein, mega unterhaltsam bei so einem Sportivent. Weisst du mehrere Wochen und die ganze Vorbereitung über. Ich finde, wenn man es durchführt, vielleicht noch mit den ganzen Vorbereitungen. Aber sonst ist das eine Obig. Ich glaube, wir haben wieder mal eine typische Vermischung zwischen Korrelation und Kausalität. Das ist sicher auch ein Teil, der da schon. Sogenannte Mediatorvariable, ganz andere Variablen, die eine Rolle spielen, dass die Leute einen guten Beitrag liefern können am ESC, der nach darauf besser. Du bist am Land auch irgendwie gut gehen. Genau. Ich glaube, da spielt ganz andere Sachen, spielen da eine grosse Rolle. Aber zumindest eine Korrelation, die ich finde, sehr unterhaltsam ist. Kausalität würde jetzt doch ein recht grosses Frage gezeigt werden. Genau.
SPEAKER_01Gebe ich dir absolut recht.
SPEAKER_00Ich habe nur noch drei Lektionen, die wir aus dem Ganzen ausschauen. Ja, bitte, ich komme mit deinen drei Lektionen. Aus dem Wirr von irgendwelchen ESC Nerdfacts und coolen Studien, die wir hier gebracht haben. Die erste Lektion, die ich mitgeben für Leute, die bis jetzt mitgelassen haben, obwohl sie ESC vielleicht gar nicht cool finden, haben deine Urteile nie neutral. Wir lästern über die Länder Punkte zuschieben über die, wie ist das genannt, Blockvoting. Über das Blockvoting. Aber nicht nur beim ESC-Voting, auch beim Jobinterview, beim Restaurant, wo wir empfehlen, egal wo. Wir alle haben eine systematische Bevorzugung von vertrauten Sachen. Von Sachen, die uns neu sind, die wir gut können, das haben wir einfach per se. Das ist nicht schlecht, sondern das gehört zu uns als Mönch dazu. Das ist kein moralisches Versagen, sondern es ist ein typischer Grundmechanismus, wie wir denken, wie wir entscheiden, wie wir unser Leben führen. Die Frage ist nicht, ob wir die beides haben, sondern wir uns diesen bewusst sind und allenfalls die mal aufbrechen können, damit wir immer noch im Vertrauen unterwegs sind. Die zweite Lektion, genereller Art und Weise, vielleicht ist das Wort Lektion nicht so gut, aber dass man das mitnimmt. Sichtbarkeit verändert die Wirklichkeit. Ich habe Concita Wurst genannt, ich habe ein Nemo genannt, also mit dem EU-Parlament Nemo zum Justizminister. Das wäre doch sonst undenkbar. Die ESC war eine Sichtbarkeitsmaschine, nicht weil er es plant ist, sondern weil er zu gross ist zum Ignorieren. Die Botschaft an euch dort an Studien, die frisch startet. Machen euch sichtbar. Wir haben uns auch entschieden, wir wissen, uns sichtbar zu machen wie ein Podcast mit VollPsiko. Da war nicht die Intention, aber plötzlich wegen welche Anfragen zu Sachen, wo wir eine Folge gemacht haben, dazu man sonst nie Anfragen hatten. Macht euch sichtbar. Startet euch einen LinkedIn-Account, könnt ihr auf Veranstaltungen, Konferenzen, Netzwerke-Events. Sichtbarkeit hilft, um eure Anlegen zu transportieren. Und dritte Lektion: Camp 4, Camp genießen statt ablästern. Aber man kann es trotzdem feieren oder genießen.
SPEAKER_01Hä, wieso nicht ablästern?
SPEAKER_00Es muss einem nicht gefallen. Es muss einem nicht gefallen, aber man kann es trotzdem genießen oder feieren. Bei der Vassachfolge haben wir schon keine emotionale Anstärkung. Gemeinsam über das gleiche Lachen zur gleichen Zeit. Ist psychologisch extrem wohltuend. Nicht weg der Schräges, nicht trotzdem schräg ist, sondern wegnehmen. Und vor allem in der aktuellen Zeit, finde ich, wo man so viel negatives Zeugs hören, schauen.
SPEAKER_01Kann man sich auch mal vier Stunden Trash geben?
SPEAKER_00Total! Und nicht vorben, aber urteilen. Das kostet Energie, verhindert auch, dass man sich folder sein, sich einlöschen einen besseren Deal. Wieso sind die Länder mit dem unterwegs oder was auch immer? Möglichst in einer Gruppe hin. Macht aktiv mit, statt darüber zu lachen oder am besten sogar darüber zu lestern von. Ja, das wäre es, unsere Danke vom ESZ. Miriam hat vor der Folge gesagt, ich glaube, das geht eine kurze Folge.
SPEAKER_01Das ist die längste Folge, die wir hier haben.
SPEAKER_00Ja, es war mega lang geworden. Darum, jetzt kurz. Was ist dein Anhalb der Folge, Miriam?
SPEAKER_01Mein Anhalb der Folge ist ganz kurz: der Finale habe ich nachgeschaut, ist am 16. Mai. Das heisst, wenn ich dann Kapazität an der Zeit habe, würde ich am 16. Mai mit Marcel psychologischen Brüllen das ganze Spektakel anschauen und mich einfach mal mich beobachten. Für wer ich wollte wollen, warum jetzt genau für diese Active wollte, was steckt dahinter, welches Land schiebt, welchem Land, wie viele Punkte zu. Wie fühle ich mich vorher, währenddessen, nachher aus psychologischer Sicht solche Sachen?
SPEAKER_00Machen wir eine WhatsApp-Gruppe?
SPEAKER_01Du hast ja schon deine Community, aber ja, gerne.
SPEAKER_00Ich kann immer in Parallela bleiben.
SPEAKER_01Was ist das? Aha!
SPEAKER_00Ich glaube wirklich, dass, was ich schon am Schluss gesagt habe, es gibt nicht alles immer, wo man nur durch die komplett ernsthafte Brille betrachten muss. Ich finde, das ist so ein Event, in dem man einerseits einfach mal zählen und baum mal und einfach auch mit einer gewissen ironischen Distanz, mit einem gewissen Erlebnischarakter, möglichst mit anderen Leuten zusammen, etwas einfach auch mal genießen und auch nicht gerade auf einen Waage legen, ist jetzt, dass etwas, was ich in den nächsten drei Jahren ständig wettst. Sehr gut.
SPEAKER_01Das war mit dieser Erfolg von VolksPsycho. Schön habt ihr hinein gelassen. Spannende Literatur zum Thema findet ihr in der Beschreibung zu der Folge und alle Psychologieangebote der Hochschule Cern auf hslu.ch.
SPEAKER_00Wir hoffen, es hat euch Spass gemacht. Wir wünschen euch auch viel Spass beim ESC von nächster Woche. Ein Event definitiv voller Psychologie oder eben voller Psycho. Bis bald und. Tschüss zusammen zusammen.