Im Herzen Unternehmerkind - mit Claudia Hoffmann
In meinem Podcast dreht sich alles um das besondere Lebensgefühl, in einer Unternehmerfamilie aufzuwachsen.
Ich spreche mit Nachfolger:innen, Unternehmerkindern und Expert:innen über Chancen, Herausforderungen, Traditionen und den eigenen Weg – ehrlich, inspirierend und persönlich.
Meine Perspektive als Unternehmerkind und Mentorin für Unternehmerfamilien fließt dabei immer mit ein.
Wir beleuchten bewegende Nachfolgegeschichten – auch von Menschen, die ihren ganz eigenen Zugang zum Unternehmertum gefunden haben.
Ein Podcast für alle, die zwischen Herkunft und Zukunft ihren Platz finden wollen.
Im Herzen Unternehmerkind - mit Claudia Hoffmann
Startup oder Familienunternehmen? Zwei Wege des Unternehmertums – mit Fabio Zadrozny
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Wie fühlt es sich an, in einer Unternehmerfamilie aufzuwachsen – und trotzdem den Mut zu haben, einen ganz eigenen Weg einzuschlagen?
In dieser Folge ist Fabio Zadrozny zu Gast. Fabio ist in einer Unternehmerfamilie zwischen Handwerk und Steuerberatung groß geworden. Schon früh hat er erlebt, was Verantwortung, Leistungsbereitschaft und unternehmerisches Denken im Familienalltag bedeuten können.
Heute geht er seinen eigenen Weg als Gründer und Mitgründer eines Startups im Bereich künstliche Intelligenz und digitale Souveränität. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er Lösungen für Unternehmen, die KI sicher, datenschutzkonform und zukunftsfähig einsetzen möchten.
Wir sprechen in dieser Folge über das Aufwachsen als Unternehmerkind, über Nachfolge als besondere Form der Gründung und darüber, warum Familienunternehmen und Startups oft viel mehr voneinander lernen können, als man auf den ersten Blick denkt.
Darum geht’s in dieser Folge:
- Wie Fabio das Aufwachsen in einer Unternehmerfamilie erlebt hat
- Welche Werte ihn bis heute prägen
- Warum Nachfolge nicht automatisch der einzige Weg sein muss
- Der Schritt in die Startup-Welt
- Familienunternehmen vs. Startup – Unterschiede, Chancen und Herausforderungen
- Warum Innovation und Tradition kein Widerspruch sind
- Was Unternehmerkinder an Weggabelungen wissen sollten
- Wie Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Startups gelingen kann
Ein starkes Zitat aus der Folge:
„Es geht nicht darum, was die nächsten fünf Jahre funktioniert – sondern was wir langfristig aufbauen können.“
Mehr zu Fabio & seinem Startup:
Fabio ist Mitgründer Startup-Unternehmens Percol GmbH, das sich im Bereich KI-Automatisierung und digitale Souveränität spezialisiert hat. Der Fokus liegt auf sicheren, in Deutschland gehosteten Lösungen für Unternehmen, die künstliche Intelligenz verantwortungsvoll einsetzen möchten.
Hier kannst Du Dich mit Fabio vernetzen - Fabio bei Linkedin
Mehr über den Podcast:
Im Herzen Unternehmerkind ist der Podcast über die besondere Lebenswelt von Menschen, die in Unternehmerfamilien aufgewachsen sind – über Prägung, Verantwortung, Chancen, Herausforderungen und den ganz eigenen Weg zwischen Familie und Unternehmertum.
Was passiert eigentlich, wenn man in einer Unternehmerfamilie aufwächst? Aber irgendwann spürt, dass der eigene Weg nicht unbedingt die klassische Nachfolge sein muss. Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Im Herzen Unternehmerkind. Heute ist Fabio Zedrosny bei mir zu Gast. Fabio ist zwischen Handwerk und Steuerberatung in einer Unternehmerfamilie groß geworden. Und geht heute seinen ganz eigenen Weg als Mitbegründer eines Start-ups im Bereich künstliche Intelligenz. Wir sprechen darüber, wie ihn das Aufwachsen in einer Unternehmerfamilie geprägt hat. Warum Nachfolge nicht immer der einzige Weg ist und was Familienunternehmen und Start-ups voneinander lernen können. Es wird ein spannendes Gespräch über Werte, Mut, Verantwortung und die Frage, wie Unternehmertum heute ganz unterschiedlich gelebt werden kann. Ich wünsche dir jetzt ganz viel Freude mit dieser Folge und los geht's! Ja, schön, dass wir heute mal wieder hier im Podcast-Studio sind. Ich habe ja die letzte Folge online aufgenommen, diesmal wieder hier in echt mit Gast mir gegenüber sitzend, ist nämlich der Fabio. Schön, dass du da bist, Fabio. Hallo Moin, danke, dass ich da sein darf. Ja, du hast den weiten Weg aus Haltern hierher nach Döhmen auf dir genommen. Also ich bin sehr froh, dass du heute hier bist. Und wir haben jetzt gerade im Vorfeld auch schon ein bisschen gequatscht und haben nochmal ein bisschen Revue passieren lassen, wo wir uns auch kennengelernt haben. Und zwar war das letztes Jahr auf einem TED-Talk in Münster. Das war im Oktober oder sowas war das.
SPEAKER_00Ober letzten Jahres, genau, in Münster.
SPEAKER_01Ja, und da habe ich noch gedacht: wir hatten uns damals kennengelernt, das ging natürlich um auch KI-Welten und so weiter. Und da hattest du auch gesagt, dass das ja auch dein Steckenpferd ist, da kommen wir nachher noch zu.
SPEAKER_00100 Prozent, ja. Was mir so hängen geblieben ist, das fand ich immer witzig. So manchmal sind ja so die unkonventionellen Intros so die witzigsten. Ich weiß nicht, ob du dich noch daran erinnerst. Ich wäre ein Bekannten, der Claudio Hoffmann heißt. Ein Herr und dann kamst du, stellst es dich vor mit Claudia und ich sah auf deinem Schild Hoffmann und fing dir echt so ein bisschen an zu lachen, aber fand ich sehr sympathisch.
SPEAKER_01Dann hattest du recht schon gematcht, ne? Also Schicksal, dass wir heute hier zusammensitzen. Sehr gut. Ja, und damals in Münster hattest du mir erzählt, dass du ja aus einer Unternehmerfamilie kommst und auch jetzt gerade in deinem neuen Gewerk sozusagen unterwegs bist, nämlich in den KI-Welten, wie gesagt. Und darüber wollen wir heute sprechen. Aber bevor wir jetzt in alle Themen so einsteigen, vielleicht magst du dich mal kurz vorstellen, wer bist du heute? Was machst du?
SPEAKER_00Gerne, gerne, ja. Also ich bin Fabio, komme aus dem wunderschönen Haltern am See, bin 24 Jahre alt gerade. Und ja, komme aus einer unternehmerisch geprägten Familie, würde ich sagen. Also in der vierten bzw. in der dritten Generation, väterlicherseits, mütterlicherseits. Und konnte mich schon immer irgendwie für das Thema Unternehmertum im weitesten Sinne begeistern. Ich komme so ein bisschen aus der sportlichen Richtung. Also vorher immer relativ ambitioniert Sport gemacht. Und dann den Switch irgendwann aber gemacht, eben in die unternehmerische Richtung mit dem Studium. Und finde mich da jeden Tag gerne drin wieder. Die Gebiete haben sich mit der Zeit so ein bisschen geswitcht. Also auch im Familienunternehmen natürlich mal gearbeitet, dann in der Eventbranche was gemacht. Und jetzt letztendlich sind wir beim Thema Cybersecurity rausgekommen. Also ja, schon ein bisschen eine spannende Journey. Das macht einfach extrem viel Spaß.
SPEAKER_01Ach, schön. Ja, was heißt denn, also dieser Podcast heißt ja, im Herzen Unternehmerkind. Was heißt das denn genau für dich, im Herzen Unternehmerkind zu sein?
SPEAKER_00Ja, also ich denke, dass was bei mir relativ stark hängen geblieben ist und wahrscheinlich auch für immer so drin sein wird, was ich glaube, was bei Unternehmern in Deutschland im Allgemeinen auch oft vorhanden ist, ist so ein starkes Wertesystem. Also wenn ich zurückdenke, wie wir so ein bisschen großgezogen wurden, auch ich und meine Schwester und auch meine Cousins, dann glaube ich, dass wir sowas wie Pünktlichkeit, wir hatten das Thema gerade schon, wurde an der Klingel gegrüßt, gerade mit, ah ja, pünktlich wie die Mauer, wie die Stuckateure dann in dem Fall. Und ja, sowas halt. Also ich glaube, das sind einfach immer wieder Punkte, wo ich sage, okay, da kann man sich innerhalb dieser Bubble irgendwie sehr schnell, sehr gut mit identifizieren. Und ja, das ist für mich einfach ein Wert, den ich da sehr, sehr gerne mitnehme. Was ich auch immer sehr, sehr stark feiere eigentlich, ist so diese direkte Kommunikation. Also ich sage auch bei uns im Startup ganz oft, ja, Jungs, lass uns kommunizieren wie auf der Baustelle, dann reden wir nicht um den heißen Brei herum und dann kommt am Ende auch was dabei raus und das funktioniert. So solche Sachen. So klare Worte. 100 Prozent.
SPEAKER_01Ja, sehr gut. Ja, du hast es eben schon gesagt. Also du kommst aus einer zweifachen Unternehmerfamilie sozusagen. Dein Vater kommt aus dem Bereich Stuckateurwesen. Oder nennt man das so, Stuckateur.
SPEAKER_00Genau, ja, also mein Vater ist Stuckateur, Stokateurmeister in einem kleinen Betrieb.
SPEAKER_01Und deine Mutter war Steuerberaterin, ne?
SPEAKER_00Ist keine Steuerberaterin, aber arbeitet in dem Steuerbüro, was mein Opa aufgebaut hat, die jetzt mein Großcousin, also ihr Cousin, weiterführt, aber sie selber arbeitet da, hat den Steuerberater, also das Examen aber nie beendet.
SPEAKER_01Ja. Also hattest du praktisch das Handwerk und Steuerbüro. Gab es damals bei dir schon so in meiner Kindheit so schon so eine Tendenz, wo du dich eher so gesehen hättest?
SPEAKER_00Nein, in der Kindheit überhaupt nicht. Also ich habe, wie gerade schon kurz angerissen, so mich sehr stark eigentlich immer so auf die sportliche Seite fokussiert und da mein Herzblut reingesteckt, eigentlich, bis ich dann 19, 20 war. Hab mit 18 irgendwann einen Handball dann mal aufgehört, wo ich immer ziemlich ambitioniert war. Dann mit 19 Jahren einen Ironman mal gemacht. Wow. Genau, damals in Hamburg. Und ja, genau, da einfach immer sehr, sehr viel reingesteckt und mir gar nicht so die Gedanken darüber gemacht, okay, wo geht es denn jetzt irgendwie beruflich hin? Man hat natürlich auch von den Eltern dann immer schon so die Fragen bekommen, hey Fabio, wo geht's denn jetzt mal hin bei dir? Ich habe das durch den Sport immer versucht, so ein bisschen vor mir herzuschieben. Also ich mache Leistungssport und mich so ein bisschen vor der Entscheidung gedrückt. Und dann kam es am Ende aber doch, ja.
SPEAKER_01Ja, mit der Selbstständigkeit.
SPEAKER_00100 Prozent.
SPEAKER_01Aber ein anderer Weg, wie wir nachher noch sehen werden. Und trotzdem, so in einer Unternehmerfamilie, ich sage ja immer Unternehmerfamilie, ob es jetzt Handwerksunternehmerfamilie ist oder also das ist ein Kunstbegriff, ja. Aber es prägt ja trotzdem so ein Aufwachsen in so einem Familientypus. Und dann hast du irgendwie mal Momente gehabt, wo du gemerkt hast, dass es anders ist, in einer Unternehmerfamilie groß zu werden.
SPEAKER_00Ja, ja. Also es gibt natürlich mehrere Erlebnisse, aber was für mich natürlich relativ prägend war, wenn man bei anderen Familien, wo die Eltern nicht Unternehmer waren, da war das zum Beispiel in der Woche Tradition, abends zusammen zu essen. Und wir versuchen das am Wochenende immer zu machen mit unseren Eltern, aber in der Woche war es halt oft so, gerade als wir jünger waren, dass Mutter oder Vater dann natürlich nochmal irgendwie länger unterwegs war oder im Büro noch arbeiten waren. Da war das immer so ein bisschen asynchron, würde ich jetzt sagen, von der Tendenz. Oder dass wir einmal in der Woche bei unserer Oma waren, die dann irgendwie uns den ganzen Tag noch betreut hatte bis abends. Das war auch bei anderen nicht so. Aber ja, fand das auch immer so sehr schön. Also, wie gesagt, dieses Ritual, dass man irgendwie samstags zusammen ist oder sonntags zusammen ist, das haben wir auch so beibehalten. Und das sind dann so die Sachen, wo ich sage, das freut mich dann natürlich.
SPEAKER_01Ja, ist so ein ganz starkes Element. Also Zeit ist ein wichtiger Faktor in der Unternehmerfamilie, ist halt oft nicht da, ne? Und dass man sich dann wirklich so feste Rituale schafft, ist da, glaube ich, ganz wichtig.
SPEAKER_00Absolut, ja, und natürlich auch, also es pusht einen selbst, auch in gewissermaßen bei allem, was man so tut. Weil was natürlich auch ein bekanntes Bild ist, und das ist auch heute noch so, ist, man kommt nach Hause und wenn ich jetzt gerade aus Münster aus dem Büro früh nach Hause komme, dann bin ich um 21 Uhr zu Hause und es ist nicht selten der Fall, dass meine Mutter noch am Schreibtisch sitzt. Solche Bilder sieht man dann natürlich auch und dann ist es fast unmöglich, sich auf die Couch zu legen und Fernsehen zu gucken, wenn man das dann sieht. Da möchte man auch automatisch noch weitermachen.
SPEAKER_01Ist auch sowas, was man mitbekommt. Also dieses 24-7 irgendwie. Es ist ja auch was Schönes, dieses Erschaffen, also auch selber irgendwie unternehmerisch tätig zu sein und da kreativ unterwegs zu sein, ist natürlich auch eine ganz besondere Art des Lebens, oder? Was würdest du sagen?
SPEAKER_00Ja, also Zielversäuft hat. Es hat sicherlich Vor- und Nachteile. Das ist das, was wir auch fast schon eingeflößt bekommen haben über sie immer die Vorteile, aber betrachte auch die Nachteile und entscheide dich dann am Ende. Was möchtest du, ne? Und was überwiegt für dich am Ende des Tages. Ich kann sagen, das ist, denke ich, auch klar für mich überwiegend die Vorteile. Und ich bin auch vom Typ, glaube ich, so, dass ich neue Sachen mag, dass ich mich ausprobieren möchte, dass ich eine hohe Risikoaffinität habe, was ich in einem Angestelltenverhältnis, sag ich jetzt mal, nicht finden würde, von der Tendenz, was ich jetzt natürlich in unternehmerischen Kreisen eher vorfinde. Wobei das ein Thema ist, wo wir gleich vielleicht auch nochmal drauf eingehen. Speziell in Familienunternehmen, wie das da gerade so läuft. Ja, genau.
SPEAKER_01Ja. Ja, und dieses, ich will ein bisschen darauf hinaus, du hattest mir ja im Vorfeld auch erzählt, dass es da eine ganz bestimmte Anekdote auf einer Baustelle gegeben hat. Vielleicht magst du die mal kurz erzählen, was auch so deine Learnings daraus waren aus dieser Situation damals.
SPEAKER_00Ja, also die Story, die da beschrieben wurde, war, da war ich, glaube ich, 16 ungefähr, 16, 17. Es waren Sommerferien und ich habe bei meinem Vater mit auf der Baustelle gearbeitet. Ein typischer Ferienjob als Unternehmer. 100 Prozent. Der Witz dabei war aber, mein Vater selbst war gar nicht da. Also mein Vater war im Urlaub und ich habe jetzt also als 16-, 17-Jähriger die Bauleitung übernommen. Hatte natürlich keine Ahnung von dem, was ich so tue an vielen Stellen, aber war einfach da. Mitarbeiter kannten mich natürlich auch. Und so kam es zu der Situation, dass ich ja so Dämmwolle an einer Fassade festmachen sollte. Und ein Mitarbeiter von meinem Vater mir dann den entsprechenden Bohrer gegeben hatte und ich einfach mal voll motiviert losgelegt habe. Und was ich dann aber relativ schnell rausstellte, war, dass der Bohrkopf zu lang war und ich selber hatte aber ja keine Ahnung, hab also einfach gebohrt und es stellte sich dann halt heraus, dass der Bohrkopf auf der anderen Seite des Hauses schon wieder rausgekommen war und auf der anderen Seite gerade Wohnungsbesichtigungen waren. Ja, dementsprechend kam dann direkt der Eigentümer, also es war ein Mehrfamilienhaus, kam dann raus gerade, sagte, stopp, stopp, sind dann reingegangen und haben das realisiert, natürlich das sofort dann auch innen drin wieder einmal zugeputzt, dass es wieder vernünftig aussieht und dann mit dem richtigen Bockkopf weitergemacht. Aber das war so ein Erlebnis, wo mir dann auf jeden Fall kurz mal die Luft stehen geblieben ist. Und ich ohne zu wissen, gerade natürlich einen erheblichen Schaden angerichtet hatte, der zu beheben war, ja, also war jetzt nicht irrevisibel. Im Nachhinein aber eine ganz schöne Anekdote. Und ja, mein Vater hat natürlich auch davon erfahren, dann hat sich am Telefon nicht groß aufgeregt, hat gesagt, hey, passiert so. Und so ein bisschen so dieser Standardspruch, der dann oft kommt an der Stelle von meinem Vater ist so, ja, ist halt Handwerk. Also kann nicht immer alles perfekt passen, so muss halt einfach machen, wir es besser, so alles in Ordnung. Ja, mega. Coole war am Ende auch tot zufrieden. Also wir haben dann da alles natürlich gefixt und ja, wir können auch heute noch drüber lachen. Also es ist ein halter Unternehmer. Und wenn ich den heute in der Stadt sehe, wir quatschen immer noch ganz nett und können da drüber lachen.
SPEAKER_01Aber das war ja schon eine mini-unternehmerische Lehrstunde, oder? Also was hat es dir damals gezeigt? Auch so die Reaktion von deinem Vater finde ich grandios eigentlich, ne?
SPEAKER_00Ja, ja, absolut. Also kann ich nicht anders sagen. Die Reaktion war sicherlich genau die richtige. Ich würde es wahrscheinlich jetzt, wenn mein Sohn das perspektivisch so machen würde, würde ich das versuchen, genauso zu machen. Denke, das war absolut richtig. The Mindset ist, glaube ich, so das Thema, was dahinter steckt. Also ich muss einfach von einer Grundeinstellung so da sein, dass ich sage, okay, ich bin kein Perfektionist. Ich bin eher auf dem pragmatischen Spektrum, habe aber natürlich irgendwie so meine Züge, wo ich sage, ich kann Perfektionist sein. Gerade im Stuck- und Putz-Handwerk gibt es da natürlich auch Werke, die dann eher Perfektionismus erfordern, wo man dann vielleicht nicht sagt, okay, hier geht es irgendwie auf Meta machen, sondern wir wollen jetzt wirklich eine grandiose Qualität irgendwie liefern. Und natürlich auch irgendwie alles dazwischen. Also das gesamte Spektrum, je nachdem, was am Ende des Tages gefordert ist.
SPEAKER_01Ja, ja, und der Umgang mit Kunden halt auch einfach. Absolut. Fehler nicht wegzudrücken, sondern zu sagen, okay, wir fixen das und wir bauen das wieder aus. Also das ist ja auch, ne, eine Kundenorientierung kommt dir wahrscheinlich heute auch zugute, oder?
SPEAKER_00Eigenverantwortung absolut auch noch. Also ich habe mir in dem Moment die Frage gestellt, okay, wie krieg ich und wie kriegen wir als Team, wie wir jetzt gerade auf der Baustelle sind, das jetzt möglichst schnell gelöst. Weil es ist klar, da ist jetzt ein Schaden entstanden. Ja. Und wir können das nicht so lassen, weil auf der anderen Seite im Innenraum sind gerade Wohnungsbesichtigungen. Also wir müssen uns jetzt irgendwas einfallen lassen. Und da dann pragmatisch, wie gerade gesagt, natürlich schnell irgendwie eine Lösung zu finden, das einmal zu fixen an der Stelle. Ja, sicherlich ein spannendes Learning, da dann die Verantwortung in die Hand zu nehmen, zu sagen, okay, wir lassen jetzt hier irgendwie alles stehen und liegen und wir müssen das jetzt irgendwie einmal beseitigen.
SPEAKER_01Ja, ja, spannend. Ja, jetzt haben wir ja schon ganz viel erfahren, wie das Aufwachsen in der Unternehmerfamilie war und in ihr Unternehmerfamilie steht ja irgendwann auch mal dieses Thema Nachfolge irgendwo auch ein bisschen mit auf dem Programm, sage ich jetzt mal. Also manchmal unterbewusst und manchmal aber auch direkt. Wie war das bei euch? Habt ihr da drüber sprechen können bei euch in der Familie? Gab es da auch, sag mal, von deiner Seite her Tendenzen, das mal vielleicht für dich durchzudenken? Oder wie war das bei dir?
SPEAKER_00Ja, absolut. Also es gab da definitiv Tendenzen. Ich fand gerade, dass du so gesagt hast, so ja, dass man so dieses Unterbewusst schon irgendwie da hingeht. Also ich gehe fest davon aus, dass meine Eltern, indem sie mir mit 16 irgendwann, das erste Mal gesagt haben, ich glaube, es war mit 16, geh doch mal in Ferien mit auf die Baustelle, arbeite damit mit und schau dir mal an, wie das so ist. Das war natürlich schon ein Hintergedanke auch vorhanden war. Hab das auch eigentlich immer ganz, ganz gerne gemacht, so muss ich sagen. Ging natürlich dann irgendwann mit dem Sport nicht mehr so gut einher. Körperliche Arbeit und sportliche Höchstleistung, sag ich jetzt mal, gehen natürlich irgendwie schwierig einher miteinander. Aber das war gar nicht der entscheidende Grund. Also der Punkt war bei uns tatsächlich ein offenes Gespräch zwischen mir und meinen Eltern. Gerade schon angehauen, offene Kommunikation. Einer der Grundwerte, die ich immer so mitnehme. Und wir haben an einem Abend gemeinsam am Tisch gesessen und haben wirklich offen über dieses Thema geredet. Und das Ende vom Lied war, sonst würde ich jetzt so nicht hier sitzen, wie ich hier sitze, nee, es wird nichts, was war der Grund dafür? Es war so, dass ich auch damals schon immer versucht habe, Sachen etwas größer zu denken. Weil mir war eins relativ früh klar, auch schon mit 16, mit 17, als ich auf der Baustelle war, ich möchte nicht, wie mein Vater es gerade macht, der Unternehmer sein, der selber mit auf die Baustelle geht jeden Tag und arbeitet im Sinne von, ich erschaffe etwas dort, was auch Spaß macht, aber ich möchte irgendwie da hinkommen, dass ich wirklich Unternehmer bin. Also ich schaffe, meine Zeit irgendwie zu vervielfältigen über Mitarbeiter etc. Und größer werden, sag ich. Was Größeres bewegen. Und hab mit meinem Vater diese Vision, wie ich sie jetzt einfach mal nenne, dann besprochen und so gefragt, was er denn davon hält, wenn man wieder so in die Richtung gehen würde, das Unternehmen Stuckateurmeister Zadrosny wieder etwas größer zu machen. Weil das Unternehmen war tatsächlich mal größer. Also mein Vater hat es ja von seinem Onkel, von seinem Vater schon übernommen, die von meinem Urgroßvater. Und ja, waren so rund um die 2000er Mal auch ein relativ großes Unternehmen, also ganz andere Größenordnungen als jetzt gerade. Sind aber damals, 2004 meine ich, war das, aus Erzählung, insolvent gegangen. Und das hat natürlich einen riesigen Riss hinterlassen. Mein Vater hat das natürlich auch so voll und ganz mitbekommen, hat selber zu der Zeit in dem Unternehmen auch gearbeitet. Und daraus ist so ein bisschen, glaube ich, eine Angst vor Größe, will ich jetzt mal vorsichtig formulieren, entstanden. Also es wurde halt ganz klar gesehen, okay, die Risiken, die damit einhergehen, wenn ich so groß werde, ich habe Verantwortung für Mitarbeiter, ich habe Verantwortung auch für mich selbst, für meine Familie, die haben an der Stelle einfach so tief eingeschnitten, als die Firma insolvent gegangen ist, dann damals, dass mein Vater für sich die Entscheidung festgetroffen hat und die respektiere ich auch. Ich werde das Unternehmen nie wieder so groß machen, genau aus diesem Grund. Weil die Verantwortung so groß ist und auch gerade in den Zeiten, in denen wir uns heute bewegen, und da stimme ich ihm auch absolut zu, ich sehe ja tagtäglich, was da gerade abgeht, ist nicht einfacher, so ein Unternehmen in dieser Größe zu führen. Und das war natürlich jetzt konträr mit dem, was ich wollte. Also wir hatten auf der einen Seite klein, also damit sage ich jetzt immer so weniger als zehn Mitarbeiter. Ich glaube, mein Vater hatte nie mehr als zehn Mitarbeiter zu der Zeit, wo ich schon geboren war. Und auf der anderen Seite, ich jetzt mit der Ambition, okay, wir möchten oder ich möchte es irgendwie schaffen, das Ganze wieder etwas größer zu machen. Genau, das ging einfach nicht. Das hat sich für mich dann auch nicht ergeben, zu sagen, ich möchte das auch so weiterführen, wie ich es jetzt gerade von dir, von euch kenne. Meine Mutter arbeitet ja auch in Teilen noch mit im Unternehmen dort, in der Buchhaltung. Und dann war die Entscheidung gefallen. Dann war es klar, okay, ich werde das so nicht weiterführen. Hab es natürlich trotzdem irgendwo in den Tiefen meines Kopfes immer noch als sichere Lösung abgespeichert. Das gebe ich zu. Das wissen meine Eltern auch. Also wenn bei mir alles schief geht, dann weiß ich, wird mein Vater ein Lächeln auf dem Gesicht haben und sich freuen, wenn ich dann doch irgendwie wieder im Unternehmer steige. Aber nein, also das ist auf jeden Fall nicht mein Ziel. Und ja, ich muss mich eigentlich auch davon verabschieden, glaube ich.
SPEAKER_01Ja, also ich habe dich gerade extra nicht unterbrochen, weil ich die, das finde ich so spannend, wie ihr da mit umgegangen seid in der Familie. Und du bringst so ein wichtiges Thema aufs Tableau. Also vielen Dank dafür. Nämlich dieser, also gerade wenn Nachfolger, Nachfolgende einsteigen ins Unternehmen, ist ja genau diese alte Führungsweise, sage ich mal, also im Unternehmen zu arbeiten und nicht am Unternehmen zu arbeiten. Also so eine Führungsentscheidung zu treffen, also dass man sich wirklich über Mitarbeiter dann irgendwie auch ein bisschen mehr Freiheiten einräumt, ist ja für viele Nachfolger wirklich der entscheidende Punkt. Also und wenn du einen Vorgänger hattest, der das immer so gemacht hat, weil er auch die Arbeit sehr liebt und weil das auch ja auch ein Stück weit was mit Kontrolle auch zu tun hat, also dann ist das natürlich ein riesen Kiter-Clash, sag ich jetzt mal, zwischen den zwei Generationen. Und dass ihr aber da so offen drüber reden konntet, war auf jeden Fall, denke ich mal, ein Riesengeschenk auch, oder?
SPEAKER_00Absolut, absolut. Also Kommunikation wie auf der Baustelle, weil es ist direkt und wir reden nicht um den heißen Brei herum, sondern wir kommen zur Sache und reden Sachen Tachlis und wir wissen auf der persönlichen Ebene, wir streiten nicht auf der persönlichen Ebene. Es geht um die Sache und das ist wichtig. Und ich habe es erlebt vielfach, und mein Vater, falls er diesen Podcast hört, wird sich wahrscheinlich, ja, wird wahrscheinlich lachen. Also wir haben viele, viele Streits gehabt, wo es um die Sache ging, wo wir aber auf der persönlichen Ebene das gut miteinander trennen konnten und uns am nächsten Tag wieder angelacht haben und ich sag mal uns die Hand gegeben haben. Also das war schon immer ein ganz zentrales Element. Ja, absolut mich sehr dankbar für.
SPEAKER_01Ja, und das ist tatsächlich auch nicht selbstverständlich, weil daran viele Unternehmerfamilien einfach auch ein bisschen die Herausforderung haben. Nämlich Familienunternehmen sind ja eigentlich zwei Bereiche. Also einmal die Familie, die nach einer ganz anderen Logik funktioniert als das Unternehmen, wo halt Entscheidungen getroffen werden müssen, wo diese Klarheit auch nochmal ganz anders irgendwie umsetzbar ist. Aber in der Familie ist es halt manchmal so ein bisschen schwieriger und dass ihr das auch so gut auseinanderhalten könnt, Mega.
SPEAKER_00Absolut, ja. Und in der Familie fängt es an, but this art of communication hilft ja nicht nur innerhalb der Familie. This hilft jetzt bewusst so ein bisschen komisch formuliert an der Stelle, weil das kann auch kontraproduktiv sein. Also ich habe auch schon Situationen erlebt. wo meine eher direkte Art, sag ich mal, die ich so kenne, die mir innerhalb des Familienrahmens und meinen engsten Freunden nicht übel genommen wird, sag ich mal, auch wenn man Sachen mal direkt ausspricht, dass das an vielen Stellen dann doch gerne mal aneckt. 100 Prozent ist der Fall. Aber das ist auch eine Sache, wo wir jetzt gerade bei unserem Startup, glaube ich, große, große Fortschritte mitmachen, wo wir an der Stelle in unseren Werten zwischen den Gründern sehr gleich sind, sehr pari sind, weil man Mitgründer das auch ähnlich sieht. Also wir reden auch sehr stark über die Sache, wir diskutieren sehr stark in der Sache und nicht über persönliche Belange, sag ich mal, und auch das gleiche Thema wie jetzt mit meinem Vater zum Beispiel. Wir können zwei Stunden lang diskutieren und uns anschreien und ganz heftig diskutieren und am nächsten Tag geht es weiter. So, bam. Und wenn ich das, diese Kultur in meinem gesamten Unternehmen schaffe zu etablieren und ich brauche dafür die richtigen Leute, weil nicht jeder kann das. Also ich sage, es ist schwierig, das zu lernen, es ist nicht unmöglich, aber es ist schwierig, das zu lernen. Aber wir brauchen genau diese Charaktere aus meiner Sicht, die auch mal anecken und in der Baseline aber das Vertrauen so hoch ist, dass wir sagen, okay, wir können uns das auch erlauben, mal anzuecken, weil es wird uns nicht übel genommen und wir müssen nicht jedes Wort auf die Waagschale legen.
SPEAKER_01Wieder eine perfekte Überleitung zu deinem Start-up. Magst du mal kurz ein bisschen darüber erzählen? Also du hast ja gerade schon ein bisschen angedeutet, aber was macht ihr, in welcher Branche seid ihr unterwegs? Was sind so die Wege, die ihr geht?
SPEAKER_00Ja, ja. Also wir haben vor etwa einem Jahr, als ich mein Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche, da hatte ich meine Anteile an meinen Mitgesellschafter abgetreten dann, schwebte so ein bisschen in der Luft, sag ich mal, und hatte dann im Softwarevertrieb gearbeitet, drei Monate lang, habe ein Praktikum gemacht bei der Sparkassenfinanzinformatik, also der IT-Tochter der Sparkassenfinanzgruppe. Und mich also schon auch von BWLer-Seite, also ich bin ja BWL-er, in diese Softwarerichtung bewegt. Bankenumfeld natürlich auch stark reguliert, da einige Sachen mitbekommen. Und jeder spricht irgendwie gerade drüber, Thema künstliche Intelligenz. Und bin dann mit Nils, meinem jetzigen Mitgründer, in Kontakt gekommen. Wir kennen uns auch schon sehr lange, also seit der Grundschule.
SPEAKER_01Da habe ich eine dazwischenfrage, der Nils ist, der kommt ja auch aus einer Unternehmerfamilie zu fest.
SPEAKER_00Nein. Nicht aus der Unternehmerfamilie, aber also der Vater von Nils ist Professor. Ah, okay. Genau. Mutter arbeitet tatsächlich auch an einem Steuerbüro. Also da auch eine parallele. Genau. Ja, und sind dann zusammengekommen, haben eine Vision erarbeitet, wollten ganz klar auch in die B2B-Richtung dann relativ schnell. Also was von einem Start-up für Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz. Und wir haben uns dann aber sehr stark daran aufgehangen, dass wir festgestellt haben, okay, wenn wir über KI reden, reden wir über Daten. Wenn wir über Daten reden, reden wir auch immer über Sicherheit. Und wenn wir über Sicherheit reden, reden wir über Souveränität. Sprich, wir sind stark in dieses Thema Souveränität reingegangen und haben uns ganz fundamental eigentlich erstmal die Frage gestellt, okay, wie kriegen wir es jetzt hin, eine Lösung zu schaffen, die auf Basis des Rechtsrahmens, den wir hier in Europa vorfinden, den wir in Deutschland vorfinden, und auf Basis der Wahrung von digitaler Souveränität eine Lösung bieten können, die bei Unternehmen produktiv einen Mehrwert schafft. Also wir wollten nicht mit US-amerikanischen Tools etc. zusammenarbeiten oder uns zu stark von ausländischen Anbietern abhängig machen, wie es ja leider in vielen Gebieten, also eigentlich in ganz Europa, in Deutschland so immer der Fall war in den letzten Jahren. Also die Tendenz ging ja immer stärker dahin, dass man sich nur noch Tools aus dem Ausland einkauft, klar SAP und Co. Aber wir haben da sehr, sehr starke Abhängigkeiten. Und wir wollten eine Lösung bauen, die so zukunftsfähig ist, dass wir auch ohne ausländische Einflüsse das Ganze sicher weiter betreiben können. Und haben am Ende des Tages jetzt eine Plattform gebaut, wo Unternehmen KI-Automatisierung bauen können, also Workflows, deterministische und agentische Workflows, also mit künstlicher Intelligenz integriert, aber eben auf dieser digital souveränen Basis, was natürlich speziell interessant ist für regulierte Branchen, weil das nun mal die First Mover sind. Also Bankenversicherungen, da hatten wir schon die Insights. Nils hat auch mal bei der Atruvia, also Volksbank-IT, gearbeitet, hatte da auch also schon Insights in so regulierte Environments. Bankenversicherungen machen das selber, ganz viele Konzerne machen das selber, also auch einen BMW entwickelt so eine Lösung, wie wir sie bauen selber. Na, aber was passiert denn bei mittelständischen Unternehmen? Und damit meine ich Größe von zehn-Mann-Unternehmen, bis teilweise sprechen wir gerade mit Unternehmen, die zweieinhalb, auch 4000 Mitarbeiter haben, also auch tendenziell große Unternehmen, die aber nicht IT als Kernkompetenz haben. Wie können wir so eine Lösung auch für die wirtschaftlich sinnvoll und unter Wahrung der digitalen Souveränität zur Verfügung stellen? Die Lösung haben wir jetzt gebaut, gehen jetzt gerade aus der Pilotphase raus, also werden jetzt, so wie wir hier sitzen, in zwei Wochen wahrscheinlich öffentlich live gehen damit. Haben eine relativ große Warteliste, man kriegt es durch die Medien ja gerade auch so mit. Dieses Thema digitale Souveränität, wo wir seit einem Jahr drauf setzen, kommt jetzt so langsam noch mehr. Auch liebe Grüße an der Stelle an die Freunde auf der anderen Seite des großen Teichs. Also wir betreiben natürlich kein Amerika-Bashing. Wir wissen, dass wir da natürlich auch starke Partner brauchen auf amerikanischer Seite. Und das auch der Appell. Wir können uns nicht 100% von allen lösen. Wir leben in einer globalisierten Welt. Aber nichtsdestotrotz müssen wir uns anschauen, okay, an welchen strategischen Punkten können wir Abhängigkeiten reduzieren. Und genau da wollen wir die Lösung sein und das sehen die Unternehmen und haben da eine vielversprechende Warteliste gerade von Unternehmen, die AKI einsetzen wollen, aber B sich da zukunftsfähig aufstellen wollen.
SPEAKER_01Ja, ich merke, das ist absolut jetzt so in deine DNA schon rein. Also ich glaube, da könnten wir noch zwei Stunden drüber, noch länger wahrscheinlich, ne? Wie sie das Thema. Ja, ja, und das zeigt ja auch, dass dieses Interpreneurgehen so, sagen wir mal, wirklich weitergetragen wurde in dir. Und du hast mir im Vorfeld auch erzählt, dass du zum Beispiel in Münster, Münster jetzt als neues Silicon Valley des Münsterlandes sozusagen, auch Unterstützer gefunden hast. Also wie wichtig war das für euch auch?
SPEAKER_00Ja, also super, super wichtig. Ich glaube natürlich, dass Deutschland da mehr machen könnte, um Startups zu fördern. Aber, und da, das habe ich aus Erfahrungsberichten von Leuten, die vor 15, 20 Jahren Startups gegründet haben, die Landschaft, wie wir sie jetzt gerade vorgefunden haben, in Münster, in Osnabrück, ist viel, viel weiter fortgeschritten. Da wird viel, viel mehr für Startups gemacht als noch vor 15, 20 Jahren, weil die Wirtschaft erkannt hat und die Politik erkannt hat, okay, in der Zusammenarbeit mit Startups können wir hier echt was bewegen und dementsprechend fließen auch Gelder dahin. Und wir sind da sehr, sehr dankbar für. Wir sind seit November letzten Jahres vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert mit dem Gründerstipendium. Super. Wir sind im Inkubator, im Reach Euregio Startup Center wurden wir aufgenommen, auch letztes Jahr im November, haben das Programm da jetzt einmal durchlaufen und jetzt gerade machen wir so den Sprung in Richtung Accelerator und gehen jetzt zum Seed House nach Osnabrück. Und da geht es dann weiter. Genau. Also die Infrastruktur, die wir da vorfinden für Startups, sind super. Vielleicht so ein kleiner, ja, eine kleine Phrase, die ich dazu immer witzig finde, was es eigentlich ganz gut beschreibt. Es gibt halt enorm viele Events, wo man als Startup hingehen kann, wo man sich vernetzen kann, wo ich auch jedem gestandenen Unternehmer empfehlen kann, da mal hinzugehen, sich da mit Startups zu vernetzen, mit anderen Unternehmen zu vernetzen. Und ich habe manchmal das Gefühl, dass wir als Startups dann doch so gut, dass uns so gut unter die Arme gegriffen wird. Also wir müssen uns teilweise um Abendessen und so müssen uns gar nicht mehr kümmern, weil das gibt es immer auf diesen Events. Also das ist wirklich ein sehr rundes Paket am Ende des Tages. Sehr gut.
SPEAKER_01Ja, und ich finde es deshalb so spannend, weil ich meine, Startup ist ja eine Form der Neugründung, aber Unternehmensnachfolge ist tatsächlich auch eine Art der Neugründung. Und ich glaube, das wissen viele auch nicht, dass die Gründung durch Nachfolge kann auch durch Existenzunterstützung oder Hilfen auch da in, also unterstützt werden halt einfach auch. Und da kann man sich genauso wie als Startup ist natürlich immer diese, das ist wahrscheinlich auch ein bisschen das Image, ne? Also Startup, Hip und ne, also wir sind genau das ist es ja auch ein bisschen das Image. Um Familienunternehmen zu übernehmen, ist vielleicht noch ein bisschen vom Image her ein bisschen verstaubter, könnte ich mir vorstellen. Und trotzdem tut sich da ja auch gerade viel. Und das sind halt einfach zwei Wege, die man so gehen kann in die Neugründung, oder?
SPEAKER_00Absolut, ja. Also der große Unterschied ist natürlich von den Tendenzen, bei jemanden Tendenzen. Startup macht was Innovatives und Familienunternehmen hat ein etabliertes Geschäftsmodell, wo ich drauf aufbauen kann. Startup fängt bei null an, hat keine Mitarbeiter, hat keine Umsätze, Familienunternehmen hat Umsätze, hat aber auch Mitarbeiter und damit natürlich Verantwortung, etc. Und wir reden ja gleich vielleicht auch noch so ein bisschen über, also wie kann ich als Familienunternehmen innovativer werden, etc. Es ist natürlich aber allein durch die Tatsache, dass ich in meinem System, die eine vorherige Generation mir übergeben hat, gefangen bin, in Anführungszeichen, ich natürlich einen etwas anderen Handlungsrahmen habe. Also ich habe an vielen Stellen einfach weniger Handlungsspielraum. Da muss ich mich dann mit auseinandersetzen und bin an der Stelle ganz deiner Meinung, dass auch da, und das tut sich ja auch so langsam, natürlich es Programme von politischer Seite, wie auch immer die dann ausgestaltet sind, geben sollte, die auch in der Übernahme von Familien und Unternehmen unter die Arme greifen. Uns wäre natürlich sehr damit geholfen, wenn es vielleicht sogar auch Programme geben würde, die die Zusammenarbeit mit Startups irgendwie subventioniert, weil ich glaube, dann hast du so das Beste aus beiden Welten kombiniert. Der Pizzaburger. Ja. Etwa.
SPEAKER_01Ja, das stimmt wirklich. Ich glaube auch, dass das gar nicht so voneinander so unterschieden werden sollte, sondern wirklich mehr so auch in diese Richtung gedacht wird, dass beide sich wirklich auch gegenseitig einfach auch unterstützen können mit ihren Ansätzen.
SPEAKER_00Absolut. Also wir sehen natürlich auch gerade in unseren Pilotprojekten, dass Familienunternehmen, die weniger konservativ sind, also offen für neue Innovationen und so, damit gemeint, tendenziell auch die erfolgreicheren Unternehmen sind. Also wenn wir uns gerade auch im Zeitalter von KI die Frage stellen, möchte ich mal ein Geschäftsmodell, so wie es jetzt gerade läuft, und das ist dabei egal, ob ich Maschinenbauer bin oder Handel betreibe, möchte ich, dass die nächsten 10, 20, 30 Jahre genau eins zu eins so weiter betreiben, wie ich es jetzt gerade tue? Oder möchte ich an entsprechenden Stellen mir Innovationen ins Unternehmen reinholen und dadurch Effizienzen steigern, mein eigenes Geschäftsmodell vielleicht auch in gewissermaßen disruptieren? Ich will damit jetzt nicht sagen, dass ich, wenn ich Schrauben mache, Schiffe bauen soll, sondern auch gerne bei dem bleiben natürlich, was ich gut kann, weil deshalb bin ich auch groß geworden. Aber wir müssen uns jeden Tag immer wieder selber hinterfragen, egal ob als Start-up oder als Familienunternehmen. Und die Kollaboration kann da extrem, extrem wertvoll sein. Also das sind bei uns wirklich die besten Cases, wo wir sagen, okay, wir haben ein gestandenes Unternehmen mit einem geilen Geschäftsmodell eigentlich auch. Das Geschäftsmodell wird auch die nächsten fünf oder zehn Jahre noch funktionieren. Es ist auch Geld da, was investiert werden kann. Wir können wirklich gemeinsam tief reingehen und dann die Effizienzen hebeln, die wir als Startup sehen mit allem, was wir so können. Und da kommen echt coole Sachen daraus.
SPEAKER_01Ja, das ist so dieser Spruch, wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Absolut. Ja, also es ist wirklich wichtig. Ich glaube, dass es in größeren Unternehmen schwierig ist, Änderungen so schnell wie im Startup. Startup ist halt einfach Schnelligkeit, dass man wirklich Prozesse schnell auch irgendwo anpasst, dieses Iteration, heißt das. Ja, habe ich es doch richtig ausgesprochen. Ja, also einfach wieder immer guckt, wo ist der Fehler, wie kann man denn ausmerzen weiter mit der nächsten Version. Das ist natürlich, wie du sagst, wenn die Strukturen noch nicht so eingefahren sind, einfacher. Und trotzdem ist es in großen Unternehmen wichtig, einfach zu gucken an verschiedenen Stellen und gerade bei Nachfolge ist ja der größte Change-Prozess generell. Das ist natürlich ein so ein neurerischer Punkt, wo man sagen kann, okay, gucken wir mal, was gut läuft bisher. Man soll ja nicht aus Versehen die Cashcow irgendwie töten. Aber zu gucken, was müssen wir wirklich mitnehmen und was kann auch einfach an dieser Stelle mal ausgemistet werden. Vielleicht sind das Bereiche oder Arbeitsabläufe oder wie auch immer oder das Faxgerät, man weiß es nicht.
SPEAKER_00Was wir sehr, sehr häufig an der Stelle beobachten und mit den Leuten im Unternehmen arbeiten wir auch sehr, sehr gerne zusammen und das sollte aus meiner Sicht auch von Unternehmerseite mehr gefördert werden, ist so dieses Thema Intrapreneurship. Also ich versuche so ein bisschen den Handlungsrahmen eines Unternehmers innerhalb meines bestehenden Systems, innerhalb meines bestehenden Unternehmens zu bekommen. Wo natürlich die Führungsebene dann auch mitspielen muss. Aber das sind gerade auch im Bereich künstliche Intelligenz die Mitarbeiter, die Innovationen dann vorantreiben. Also du hast in jedem Unternehmen ab einer gewissen Größe mittlerweile eigentlich jemanden, der offiziell oder inoffiziell der KI-Beauftragte ist, der sich mit diesem Thema mehr beschäftigt als alle anderen, auch mit einem gewissen Entrepreneurial Spirit, das ins eigene Unternehmen versucht, beizubringen und die anderen so ein bisschen mit anzündet, mit ansteckt für dieses Thema, versucht dafür zu begeistern und damit natürlich den Fortschritt treibt. Und das ist aus meiner Sicht ein absoluter No-Brainer ab einer gewissen Größe für Unternehmen, sich genau diese Leute im Unternehmen zu suchen. Jetzt nicht nur im Bereich KI, sondern es gibt auch andere Bereiche sicherlich, wo das Sinn ergeben kann, die eben eine starke Eigenmotivation haben, auch wenn sie Angestellte sind für das eigene Unternehmen, die entsprechend zu inzentivieren, die Freiheiten zu geben und dann natürlich auch so diesen Outside-View nochmal mit reinbringen an geeigneter Stelle. Also ist ja genau dein Thema dann auch. Workshops, Change Management. So, wie bekomme ich diese Leute dahin, dass sie das dann auch produktiv ins Unternehmen tragen können? Weil oft sind das Leute, die Bock haben, sich mit einem Thema tiefer gehend zu beschäftigen, die dann aber daran scheitern, das ins Unternehmen reinzutragen, solche Prozesse anzustoßen. Und also das ist aus meiner Sicht ein sehr, sehr großer Hebel, den Unternehmen, Familienunternehmen, Weltmarktführer, gestanden Unternehmen da betätigen können.
SPEAKER_01Ja, diese Selbstwirksamkeit von Mitarbeitern unterstützen. Absolut. Ja, und ich glaube, das geht oft. Ich hatte ja den Dr. Volker Oschegel hier und wir haben auch darüber gesprochen, sowas das bedeutet, neue Neuerungen im Unternehmen so einzuführen. Und ich glaube, es sind manchmal einfach die kleinen Schritte, die da wirklich so ein Thema auch vorantreiben. Dass man jetzt gar nicht so von Anfang an so sagt, okay, ich muss jetzt alles von jetzt auf gleich umstellen, sondern dass man kleine Sachen, wie jetzt zum Beispiel jemanden aufzubauen im Unternehmen, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Das ist wahrscheinlich auch ein Projekt über mehrere Jahre, dass man das erstmal so ansteuert, oder?
SPEAKER_00Absolut. Und weil du sagst, kleine Sachen, auch kleine Sachen können einen sehr großen Hebel haben. Ganz gut. Das sehen wir manchmal nicht. Also gerade die kleinen Sachen, die sich schnell umsetzen lassen, sind auch aus unserer Erfahrung oft genau die Sachen, die dann diese Offenheit fördern. Weil, ich nehme auch wieder KI als Beispiel, überträgt sich auch auf viele andere Themen. Aber was fehlt vielen Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz? Diese Quick Wins, diese einfachen Anwendungsfälle, die sofort und schnell funktionieren. Man stürzt sich sofort auf riesig große Cases und versucht die umzusetzen, macht ein Halbjahresprojekt daraus und fragt sich am Ende, warum haben wir jetzt so und so viel Geld dafür ausgegeben, weil irgendwie viel zu viel und so richtig Mehrwert hat das auch nicht gebracht. Warum fangen wir nicht damit an, ganz simple Sachen uns anzuschauen, die zu nehmen, die zu perfektionieren und da die Effizienzen zu hebeln, da ganz klar messbar und schnell, das ist ja auch das, was man dann haben will, Startup Spirit, schnell einen Return on Invest zu haben, bei genau diesen Use Cases und dann den Step zu machen und sich die Frage zu stellen, okay, was können wir noch machen? Was können wir noch machen? Was können wir noch machen, bis ich dann irgendwann bei Kernprozessen, großen Prozessen ankomme und so die Leiter hochklettern.
SPEAKER_01Ja, es ist genauso wie wenn man eine neue Gewohnheit irgendwie etabliert, ne? Wenn man da sich direkt schon das große Ziel irgendwie und das ist das, was man innerhalb von einer Woche irgendwie hinkriegen muss, dann wird man irgendwann auch abbrechen, weil man merkt, dass das überhaupt nicht praktikabel, wie du ja eben sagtest, sondern wirklich diese kleinen Schritte nachher zu einem großen Schritt dann auszubauen, ist genau das der Weg eigentlich.
SPEAKER_00Absolut. Und eins meiner Lieblingswörter, Systeme. Wir brauchen Systeme, die funktionieren. Und das ist im Persönlichen genauso wie im Unternehmerischen. Wenn ich jeden Morgen um sieben Uhr aufschnell aufstehen will, wenn ich jeden Morgen um sieben Uhr aufstehen will, dann muss mein System sein, dass ich gucke, dass ich früh genug schlafen gehe. Dann muss mein System sein, dass ich einen Wecker habe, der am besten um fünf vor sieben klingelt, dass ich um sieben Uhr wach bin. Systeme. Und genau das lässt sich auch auf die unternehmerische Seite übertragen. Auch im Unternehmen muss ich mir die Frage stellen, welche Systeme kann ich etablieren innerhalb meines Unternehmens, innerhalb meines Konzerns, dass ich meine Mitarbeiter ganz gezielt dahin bringe, dass das passiert, was ich möchte, was ihrem Unternehmen Mehrwert bringt.
SPEAKER_01Ja, das ist genau dieses, was du am Anfang sagtest, mit dem am Unternehmen arbeiten, ne? Sich eine Umgebung aufzubauen, eine Arbeitsumgebung. Ich meine, beim Handwerk ist es ja auch nichts anderes. Wenn du da eine Werkstatt hast und irgendwie die Tools da irgendwie wild in der Gegend rum rumliegen, da findet man auch nichts wieder. Man muss sich das so, das ist eigentlich ein schlafwandererisch schon irgendwie so vonstatten geht. Absolut. Ja, ja, cool. Ganz wichtiger Hinweis. Ja, und jetzt habe ich ja in dir auch so einen Best of Both Worlds Menschen vor mir sitzen, ne? Also Unternehmerfamilie und Start-up. Und ich finde es halt total spannend, weil ich ja bei mir auch oft Coaches habe, die aus dem Familienunternehmen kommen, jetzt die Nachfolger angetreten sind und sich manchmal auch denken, oh, wäre vielleicht Startup doch irgendwie einfacher gewesen. Und ich denke, auch weil wir da eben schon darüber gesprochen haben, es ist ja beides eine Form der Neugründung. Vielleicht können wir da noch mal ein bisschen hinschauen. Weil ich glaube, es gibt in beiden Welten etwas, was man voneinander lernen kann. Es gibt Unterschiede und es gibt aber auch Sachen, wovon man lernen kann. Wir haben jetzt schon ein paar Sachen genannt, aber zum Beispiel dieses Thema Risikobereitschaft. Wie sagst du, kannst du das aus deiner unternehmerischen oder Unternehmerfamilienhistorie praktisch, nimmst du jetzt mit? Wahrscheinlich auch mit ins Startup, oder?
SPEAKER_00Absolut, ja. Erstmal so kurz für alle, die sich die Frage stellen, wo ist es einfacher? Ich glaube, wirklich einfach, ist es nirgendwo. Das ist mal ein wichtiger Punkt. Jedes System, egal ob Familienunternehmen oder Startup hat seine ganz eigenen Herausforderungen und ja, Punkt.
SPEAKER_01Ja, und das ist auch nochmal wichtig, weil ich glaube auch viele, die jetzt gar nicht aus einer Unternehmerfamilie kommen und auch noch nicht gegründet haben, da ist ja oft so die Sichtweise, ach Unternehmer, denen geht so gut, die haben so viel Geld, keine Ahnung, was ist ja auch eine Sichtweise auf Unternehmerfamilien oder auf Menschen, die selbstständig sind. Vielleicht, dass man irgendwie viel mehr Zeit hat oder sich die Zeit anders einteilen kann. Und trotzdem ist es ja ein Rieseneffort, den man da reinsteckt in Selbstständigkeit, oder?
SPEAKER_00Ja, absolut. Und an vielen Stellen, und da versuche ich mich selber auch immer wieder zu hinterfragen, baut man sich auch als Unternehmer natürlich so seinen eigenen goldenen Käfig, ne? Also gerade auch so aus dieser jüngeren Bubble. Man kriegt das ja über Social Media und so in Teilen auch mit, viele jüngere Leute, die aufstreben, und das ist auch, glaube ich, das, was in Teilen dann immer kritisiert wird von Älteren, dass gesagt wird, ja, ich bin Unternehmer, ich kann alles machen, was ich will und so. Aber am Ende des Tages muss ich mir ja auch als, egal ob als Soloselbstständiger, als Kleinunternehmer, als Großunternehmer, immer wieder die Frage stellen, okay, in welchen Systemen, haben wir ja das Wort, bin ich denn innerhalb meines eigenen Unternehmens tagtäglich gefangen und Wie frei kann ich wirklich agieren? Also Kosten Nutzen. Was ist der Preis, den ich zahle? Was ist der Nutzen, den ich davon zehre? Und auch deswegen dieses einfach-nicht-einfach. Das ist immer ganz individuell und ich muss mir einfach immer wieder die Frage stellen, okay, bewege ich mich jetzt gerade dahin, wo ich sein möchte, wo mein Unternehmen sein soll, oder schaffe ich mir nur einen besseren goldenen Käfig und bin am Ende irgendwie in Anführungszeichen gefangen in meinem eigenen Unternehmenskonstrukt. Die Frage muss man sich ja immer wieder aufs Neue stellen. Und Thema Risikobereitschaft, was du ja gerade so ein bisschen angeschnitten hast, ist sicherlich ein Punkt, wo ich immer wieder sehe, okay, wenn ich irgendwo neue Risiken eingehe, also auch über den Tellerrand hinausschaue, schaffe ich es zumindest, meinen eigenen goldenen Käfig, den ich mir geschaffen habe, als Unternehmer, der oft auch Disclaimer nicht golden ist, wieder ein Stück weit größer zu machen. Weil ich irgendwo in eine Richtung neue Risiken eingehe, Projekte starte, die mir selber Spaß machen, die mich erfüllen und damit einfach meinen Unternehmen innovativer mache, Sachen ausprobiere und am Ende sich vielleicht auch neue Geschäftsfelder daraus entwickeln und das Unternehmen breiter aufgestellt ist oder einfach besser aufgestellt ist.
SPEAKER_01Ja. Ja, mir geht das nicht aus dem Kopf, was du gesagt hast, zum Beispiel, dass dein Vater damals entschieden hat, dass die Firma nicht halt größer wird, sondern dass er das eher so auf so ein Fundament bringt, dass er es gut halten kann. Und das ist ja genau das, wenn man schon mal diese Komplexität für sich erfahren hat und unternehmerisch tätig zu sein heißt, mit Komplexität umgehen zu können, ja. Dass man das, glaube ich, als junges Start-up, wo man noch keine großen Mitarbeiter hat, also Mitarbeiterposten, dann vielleicht auch, ich sag jetzt mal, naiv in Anführungszeichen, so ein bisschen anders herangehen kann. Dass man erstmal sagt, okay, das ist jetzt erstmal eine Testphase, ich gucke mal. Und ich glaube, da ist für viele auch schon mal das Thema Risiko ein ganz wichtiges. Kann ich das überhaupt aushalten, so viel Risiko einzugehen, oder? Ja, absolut.
SPEAKER_00Also ein Satz, der mir so extrem hängen geblieben ist von unseren Coaches in dem Reach, in dem Startup-Programm, war, Jungs, ihr spielt an vielen Stellen Startup. Weil das ist so ein bisschen die Mentalität, mit der wir an viele Sachen auch rangehen mussten, vor allem frühphasig. Von wegen spielerisch, das ist bewusst positiv an der Stelle, spielerisch sich auszuprobieren, zu schauen, was funktioniert, was funktioniert nicht und dann eben zu iterieren, wie du gerade sagtest, ne?
SPEAKER_01Ja, dieses Wort muss ich, jetzt mein neues Lieblingswort. Nein, aber das ist ja auch schön, wenn man es so kann, ne? Also dass man es immer wieder ausprobiert. Was würdest du denn sagen, was Start-ups von Familienunternehmen lernen können?
SPEAKER_00Also ich gehe fest davon aus, dass es da natürlich um mehrere Punkte geht. Also es gibt Punkt 1, weil ich glaube, dass es in der Tendenz so ist, dass in den meisten Familienunternehmen ein starkes Wertesystem besteht. Und ich glaube, dass es auch in Startups wichtig ist, genau dieses Wertesystem from scratch, also ab Tag 1, mit aufzubauen, um mich in eine spezielle Richtung zu entwickeln. Also das ist glaube ich so der erste Punkt, der mir da einfällt. Punkt zwei, man muss Sachen manchmal nicht overengineeren, weil wenn es funktioniert, dann funktioniert es und dann gehe da tiefer rein. Also viele Startups verlieren irgendwann, und das hatten wir an einigen Stellen auch schon so, so ein bisschen, man hat das Gefühl, man verliert so ein bisschen den Reiz an dem, was man tut, weil nichts Neues mehr da ist. Weil dieses, diese Neugier, dieses, wir probieren aus und so, natürlich. Fresh Eis, es ist spannend, es ist super spannend. Aber wenn wir etwas gefunden haben, was funktioniert, wo ein Marketpull da ist, also der Kunde das aktiv möchte, dann ist es an der Zeit, auch als Startup zu sagen, okay, wir müssen uns jetzt dahin entwickeln, dass wir eigentlich kein Startup mehr sind, sondern hin zu einem etablierten Unternehmen. Wir müssen es jetzt irgendwie schaffen, auf dem Produkt, was jetzt hier vom Markt gebraucht wird, uns aufzubauen und uns da stark drauf zu fokussieren. Und das ist einfach das, was viele Familienunternehmen seit Jahren einfach extrem gut machen, gerade auch in Deutschland, dass sie extrem spezialisiert auf ein spezielles Produkt, auf eine spezielle Dienstleistung gehen, genau wissen, wo sie gut drin sind und auch in erster Instanz, also so diese Cashcow im Unternehmen, die erstmal nur das ist. Also es gibt ja in Deutschland Unternehmen, die bauen, keine Ahnung, ich sag jetzt mal nur Schrauben, von dem Beispiel von gerade. Die machen nur Schrauben für eine ganz spezielle Branche, aber die sind damit brutal erfolgreich. Und warum sollte ich da jetzt anfangen, keine Ahnung, irgendwie mir anzufangen, Autos zu bauen, sage ich jetzt. Oder Schiffe war gerade das Beispiel. Warum sollte ich damit jetzt anfangen, wenn ich doch im Schraubenbauen mich dahin entwickelt habe, dass ich das sehr gut kann und auch den Marketpull bekommen habe, dass der Markt das möchte. Und das, glaube ich, sollte man als Startup auch ganz stark adaptieren, da dann eben die Entscheidung zu treffen und zu sagen, okay, da wollen wir wirklich reingehen.
SPEAKER_01Und das ist ja wirklich das, was, sag mal, mir wird gerade so bewusst, bei Startups, wie dieser Blick auf Startup ist ja eher fresh, ne? Funky fresh. Und das ist ja genau, weil es ein Anfang ist. Und ein Startup geht ja irgendwann auch in diese Phase, wo es halt ein etabliertes Unternehmen wird. Und dann kommt vielleicht dieses etwas, ja, was halt auch sowas ist, wo viele Leute sagen, okay, der wird durchhalten, ist halt auch das, was es anstrengend macht. Also nur sich da Startup zu nennen, ist ja auch gut und ist ja auch eine schöne Phase. Jedem zu gönnen. Nur langfristig wird ja der am Markt bleiben, der auch wirklich durchhält und langfristig dranbleibt.
SPEAKER_00Absolut. Und das Thema, was du damit natürlich so ein bisschen anschneidest, ist auch ein Thema, was uns, also wöchentlich, wenn nicht sogar täglich beschäftigt gerade ist. Und das hängt auch mit der Mentalität zusammen, die in Deutschland vorherrscht. So, an welcher Stelle investieren denn eigentlich Investoren in ein Startup? Das ist meistens an der Schwelle von wir haben eine Idee und wollen die umsetzen, hinzu, wir haben ein bestehendes Produkt, was der Markt möchte, was funktioniert, und wir können das jetzt irgendwie vermarkten und skalieren. Das ist der Punkt, wo die meisten Investoren hellhörig werden und sagen, boah, okay, das scheint zu funktionieren. Und die investieren dann in Deutschland tendenziell häufig schon fast gar nicht, also extrem gesprochen, die investieren nicht mehr in Startups, sondern die investieren in frühphasige Unternehmen, die jetzt ein Geschäftsmodell haben, was funktioniert. Was aber natürlich schön wäre, und das so ein bisschen auch als Appell gesprochen, wäre, wenn man schon fünf Schritte davor als Familienunternehmen sieht, okay, das, woran die Jungs gerade arbeiten, finde ich spannend. Von der Tendenz. Und das in Amerika finden wir das ja vor, dass auch in sehr frühphasige Startups sehr, sehr viel Geld gesteckt wird. Und ja, manche sterben, andere funktionieren, aber am Ende ist es, was die Gesamtinnovation angeht, ist es netto positiv. Und wir sollten es auch irgendwie hinkriegen, Cultural Change da wieder hinzukommen, dass wir auch gestandene Familienunternehmen dahin bringen, dass sie in frühphasige Startups investieren und nicht erst, wenn die Unternehmen dann, sag ich mal, gefestigt sind.
SPEAKER_01Ja, das war jetzt ein super Schulterschluss, irgendwie, um halt auch zu gucken, wie etablierte Familienunternehmen nochmal mit Start-ups besser kooperieren können. Also ganz wichtig, da die Chancen zu nutzen, Potenziale zu entdecken. Und ich glaube, da sind auch wirklich solche Veranstaltungen, die es da gibt, wo Startups, Familienunternehmen, wo alle irgendwie zusammenkommen. Und ich glaube, da hat sich in den letzten Jahren auch schon mal einiges wieder getan.
SPEAKER_00Also zumindest nehme ich das so wahr, ich weiß nicht, wie siehst du das aus? Ja, also aus meiner Sicht hat sich da auch sehr viel getan. Ich selber besuche eigentlich wöchentlich mittlerweile irgendwelche Veranstaltungen. Wir selbst veranstalten auch alle drei Monate einen KI-Stammtisch, wo wir einfach Unternehmern aus der Region Kreis Hecklinghausen, sage ich jetzt einfach mal, Dömen aber sicherlich auch nicht ausgeschlossen an der Stelle. Eine Plattform bieten, sich über das Thema künstliche Intelligenz auszutauschen, wo wir selber mit Impulsvorträgen so ein bisschen den Rahmen vorgeben und dann in den offenen Austausch gehen, Rückfragen gestellt werden können und so. Also solche Formate gibt es verhäuft und die funktionieren alle sehr, sehr gut aus meiner Sicht.
SPEAKER_01Spannend. Jetzt nähern wir uns so langsam dem Landeanflug hier, Fabio. Das war schon, also ich bin ganz hyped gerade. Das ist so ein spannendes Thema einfach. And vielleicht magst du nochmal unseren Hörerinnen und Hörern mitgeben, was so deine Tipps wären für Menschen aus Unternehmerfamilien, sowohl die Unternehmerkinder als auch die Unternehmereltern. Was aus deiner Erfahrung jetzt, was würdest du denen raten?
SPEAKER_00Ja, also vorweg gesagt, ich selber bin auch sehr wissvegierig und ich glaube, dass. Merkt man. Ich glaube, dass natürlich auch wir als Startups und auch ich als Person natürlich genauso gut auch von anderen Unternehmerkindern und vor allem auch von gestandenen Unternehmern lernen kann. Also das vorweg gesagt. Und das ist wirklich auch oft so, dass man genau von den Leuten am meisten lernt, weil die einfach in irgendeiner Weise schon da sind, wo man vielleicht gerne irgendwann mal hin möchte. Was ich aber grundsätzlich natürlich selber sehr mag und dementsprechend auch weiterempfehlen kann, sage ich jetzt einfach mal so, ist, und das ist hoffentlich stark rausgekommen, so dieses Thema Kommunikation, weil wir können keine Probleme lösen, ohne dass wir gemeinsam an einen Tisch setzen, Stammtischmentalität und kommunizieren, über Themen reden. Und nur so über den Austausch entstehen aus meiner Sicht auch innovative Lösungen. Weil ganz oft kommt diese Secret Source dadurch zustande, dass wir neue Technologie plus etabliertes Konzept. Wir bringen das zusammen und da die Magie. Und ich glaube, das ist so von mir der letzte Appell, dass wir hier in der Region, aber auch auf ganz Deutschland gesprochen, einfach diese Stammtischmentalität wieder ein bisschen mehr etablieren sollten, in den Austausch gehen sollten, auch komplett frei von politischen Parteien etc., sondern wirklich, es soll um die Sache gehen. Und ich glaube, dann ist uns allen schon viel geholfen.
SPEAKER_01Also es braucht mehr Kreise, wo Leute zusammensitzen und über sowas reden.
SPEAKER_00Ja, ja, doch, absolut. Also ich glaube, das ist es, diese Formate funktionieren. Und wer selbst auf so einem Format war und das richtige Format für sich schon gefunden hat, der geht da gerne wieder hin. Wir sind jetzt schon so weit, dass wir sagen, okay, wir richten auch selber solche Formate aus, weil uns das so viel Spaß macht und wie gerade kurz angeschnitten, man sich selber versucht, wöchentlich auf solche Formate zu gehen, weil das einfach enorm viel Mehrwert stiftet.
SPEAKER_01Und dein Rat an Unternehmerkinder, wenn sie sich jetzt gerade selber vielleicht an so einem Scheidepunkt irgendwo auch befinden, sage ich jetzt mal, ins Unternehmen der Eltern oder einen eigenen Weg gehen, was würdest du denen raten?
SPEAKER_00Also, was ich grundsätzlich immer raten würde, ist, so früh wie möglich fundamental zu verstehen, was macht das Unternehmen, in das ich reinwachsen könnte überhaupt. Weil ich habe oft das Gefühl, dass Unternehmerkinder, auch weil sie nicht selbst jemals im Unternehmen gearbeitet haben, eigentlich gar nicht so richtig wissen, was denn im Unternehmen überhaupt die vorherrschende Situation ist. Und es ist in gewissermaßen, und das gebe ich offen zu, natürlich schon ein Luxus, wenn ich ein bestehendes Geschäftsmodell übernehmen kann und nicht, wie gerade gesagt, bei null anfange, sondern auf bestehenden Systemen aufbauen kann. Also es kann ein Luxus sein, definitiv, wie der Goldener Cage und so. Da muss man differenziert betrachten, aber in der Tendenz. Und ich muss mich einfach früh damit auseinandersetzen: gefallen mir diese Systeme so, wie sie sind, kann ich sie verändern? Wer in der Familie ist bereit, diese Vision, die ich mir dann auf Basis aller Informationen, die ich über das Familienunternehmen gesammelt habe, mit voranzutreiben. Also finde ich auch Rückhalt innerhalb der Familie dafür, für meine Vision und sich dann, genau wie ich das mit meinen Eltern, glaube ich, gemacht habe, an den Tisch zu setzen. Und da sind wir wieder beim Stammtisch und offen drüber zu reden und auf Basis der Informationen, die ich zusammengetragen habe, am Ende eine fundierte Entscheidung zu treffen.
SPEAKER_01Ja, mega. Der Kreis schließt dich, Fabio. Ach so. Hast du es jetzt gerade so schon fast abmoderiert? Ich habe aber noch ganz zum Schluss drei Entweder-Oder-Fragen für mich. Okay. Den mache ich immer mit allen. Ich bin gespannt. Bauchgefühl oder Strategie?
SPEAKER_00Hui. Da fluckt er. Wie lang soll die Antwort sein? Entweder oder. Oder ein Sowohl als auch. Ich glaube, an der Stelle ist es tatsächlich ein Sowohl als auch. Also wenn man es ja gerade schon so ein bisschen versucht, differenziert auch zu betrachten. Ich glaube, das eine geht nicht ohne das andere.
SPEAKER_01Struktur oder maximale Freiheit?
SPEAKER_00Am Ende geht es immer zur Struktur.
SPEAKER_01Hattest du eben auch das. Langfristig wachsen oder schnell skalieren?
SPEAKER_00Ich glaube auch da, wir brauchen beides. Wir brauchen, auch wieder so auf Deutschland-EU-Ebene gesprochen, wir brauchen schnelle Innovationen, aber was für mich als junger Typ, der sich bewusst für Europa, also ich bin ja nicht ausgewandert, das ist ja auch so ein Trend, den man gerade mitbekommt. Viele irgendwie in der Generation sprechen über Auswandern und so. Es geht nicht darum, was die nächsten fünf Jahre gut funktioniert, sondern es geht darum, wie wir mittel- und langfristig hier was schaffen können. Also Langfristorientierung für mich persönlich deutlich wichtiger. Und ich glaube, das ist auch das, wo wir mehr drauf schielen sollten. Also es ist sehr schwierig, gerade auch in einem Startup-Umfeld, weil wir im Wochentakt iterieren, aber dennoch immer so ein bisschen im Hinterkopf zu behalten, okay, wo wollen wir denn eigentlich als Start-up, wo wollen wir als Stadt, wo wollen wir als Land, wo wollen wir als Europa oder auch als Welt in 20, 30, in 40 Jahren stehen. Und wie kann ich als Einzelperson mit allem, was mir zur Verfügung steht, allem, was in meiner Macht steht, da meinen Impact zu leisten. Also definitiv langfrist.
SPEAKER_01Fabio, ich danke dir von Herzen wirklich, dass du hier heute bei mir im Podcast zu Gast warst. Das war so ein spannendes Gespräch über ein Thema, das so viele neue Insights auch mal gebracht hat wieder. Unternehmerfamilie, Start-ups. Also ich habe viel gelernt über Kreise, Iteration und Strukturen. Und danke dir wirklich von Herzen, dass du da warst.
SPEAKER_00Ich danke dir vielmals für die Einladung. Also war ja meine Premiere hier. Das letzte Mal, dass ich in so einem Podcast saß.
SPEAKER_01Das hätte man nie gedacht, wirklich.
SPEAKER_00Aber sehr spannend, ja. Hat mir auch Spaß gemacht.
SPEAKER_01Was für ein spannendes Gespräch mit Fabio. Mich hat besonders bewegt, wie klar er beschreibt, dass Unternehmertum so viele Mege kennt. Sei es durch Nachfolge im Familienunternehmen oder durch die eigene Gründung. Fabio geht heute genau diesen eigenen Weg mit seinem Start-up im Bereich künstliche Intelligenz und digitaler Souveränität. Ein starkes Beispiel dafür, wie Unternehmerkinder Traditionen mit Innovation verbinden können. Und vielleicht liegt genau darin die Zukunft. Erfahrung trifft Geschwindigkeit und Werte treffen neue Ideen. Wenn du mehr über Fabio und sein Start-up, die Percoil GmbH, fahren möchtest, findest du alle Informationen natürlich auch in den Shownotes. Wenn dir diese Folge gefallen hat, würde ich mich total freuen, wenn du diesen Podcast abonnierst, teilst oder mir eine Bewertung da lässt. Und wenn du selbst Unternehmerkind bist oder aus einer Unternehmerfamilie kommst, dann melde dich gerne bei mir. Vielleicht bist du dann ja mein nächster Gast. Bis zu in der nächsten Folge von dem Herzen Unternehmerkind, deine Claudia.