Im Herzen Unternehmerkind - mit Claudia Hoffmann
In meinem Podcast dreht sich alles um das besondere Lebensgefühl, in einer Unternehmerfamilie aufzuwachsen.
Ich spreche mit Nachfolger:innen, Unternehmerkindern und Expert:innen über Chancen, Herausforderungen, Traditionen und den eigenen Weg – ehrlich, inspirierend und persönlich.
Meine Perspektive als Unternehmerkind und Mentorin für Unternehmerfamilien fließt dabei immer mit ein.
Wir beleuchten bewegende Nachfolgegeschichten – auch von Menschen, die ihren ganz eigenen Zugang zum Unternehmertum gefunden haben.
Ein Podcast für alle, die zwischen Herkunft und Zukunft ihren Platz finden wollen.
Im Herzen Unternehmerkind - mit Claudia Hoffmann
Die 9 Formen der Wertschätzung in Unternehmerfamilien | Teil 2
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In dieser Folge geht es weiter mit dem zweiten Teil zum Thema Wertschätzung in Unternehmerfamilien.
In Teil 1 haben wir darauf geschaut, warum Wertschätzung gerade in Nachfolgeprozessen so bedeutsam ist – und warum sie oft nicht fehlt, weil Menschen einander egal sind, sondern weil sie nie gelernt haben, sie auszudrücken.
Tipp
Solltest Du die erste Folge noch nicht gehört haben, hör Dir die Folge gerne auch dazu an.
Heute wird es praktisch.
Denn Wertschätzung ist mehr als Lob. Sie kann sich durch Worte zeigen, durch Vertrauen, durch Zeit, durch Zuhören, durch Respekt oder dadurch, dass jemand wirklich einbezogen wird.
In dieser Folge geht es um neun Formen der Wertschätzung in Unternehmerfamilien — und welche das konkret sind, erfährst Du in der Folge.
Vielleicht merkst Du beim Zuhören:
Nicht jede Form von Wertschätzung ist für Dich gleich wichtig. Vielleicht brauchst Du gar nicht so viel Lob, aber sehr viel Vertrauen. Vielleicht brauchst Du keine großen Geschenke, aber echte Zeit. Vielleicht brauchst Du weniger Hilfe, aber mehr Einbeziehung.
Und vielleicht ist es bei Deinen Eltern, Deinen Kindern, Deinen Geschwistern oder anderen Beteiligten ganz anders.
Genau deshalb lohnt sich ein Gespräch darüber.
Diese Folge lädt Dich ein, genauer hinzuschauen:
- Welche Form von Wertschätzung ist mir besonders wichtig?
- Welche Form gebe ich selbst automatisch?
- Welche Form fehlt mir im Nachfolgeprozess?
- Was braucht mein Gegenüber vielleicht, was mir selbst gar nicht so naheliegt?
- Und was könnte sich verändern, wenn wir in der Unternehmerfamilie offen darüber sprechen?
Begleitend zu dieser Doppelfolge gibt es mein Whitepaper:
„Kultivierung von Wertschätzung in Unternehmerfamilien“
Darin findest Du die wichtigsten Impulse aus beiden Folgen sowie Reflexionsfragen und Gesprächsanregungen für Dich und Deine Familie.
Hier geht es zum 👉 Whitepaper.
Mit dem Download meldest Du Dich auch für meinen Newsletter an. Darin teile ich regelmäßig weitere Impulse rund um Unternehmerfamilien, Nachfolge, Rollenklärung und das besondere Aufwachsen im Familienunternehmen – aber nicht übermäßig oft. Versprochen.
Vielleicht ist dieses Whitepaper ein guter erster Schritt für die Frage:
Was brauchst Du eigentlich von mir, damit Du Dich gesehen fühlst?
Diese Folge ist für Dich, wenn Du Wertschätzung in Deiner Unternehmerfamilie bewusster verstehen, ausdrücken oder zum Thema machen möchtest.
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Im Herzen Unternehmerkind. Heute geht es, wie versprochen, weiter mit Teil 2 zum Thema Wertschätzung in Unternehmerfamilien. In der letzten Folge ging es darum, warum Wertschätzung in Nachfolgeprozessen so wichtig ist und warum sie oft nicht fehlt, weil Menschen einander egal sind, sondern weil sie vielleicht nie gelernt haben, sie auszudrücken. Heute schauen wir darauf, wie Wertschätzung konkret aussehen kann. Denn Wertschätzung ist mehr als nur Lob. Sie kann sich durch Worte zeigen, durch Vertrauen, durch Zeit, durch Zuhören, durch Respekt oder dadurch, dass jemand wirklich einbezogen wird. Und damit steigen wir direkt ein. Ich möchte dir heute neun Formen von Wertschätzung mitgeben. Nicht als starre Scheckliste, sondern als Einladung, genauer hinzuschauen. Vielleicht erkennst du dich wieder. Und vielleicht erkennst du deine Familie wieder. Vielleicht erkennst du auch, wo ein Gespräch längst überfällig ist. Kommen wir zu Nummer 1. Wertschätzung ausdrücken. Die erste Form ist die offensichtlichste. Wertschätzung ausdrücken. Also loben. Danken, anerkennen. Etwas aussprechen, was sonst unausgesprochen bleibt. Und ja, das klingt simpel. Aber gerade in Familien ist es das oft nicht. Denn da gibt es schnell den Gedanken, wieso soll ich mich denn jetzt bedanken? Wir sind doch Familie, das ist doch wohl selbstverständlich. Oder wieso soll ich meinem Kind danken, dass es in den Betrieb einsteigt, es profitiert doch auch davon. Und genau da wird es spannend. Denn Wertschätzung beginnt oft dort, wo wir aufhören, Dinge als selbstverständlich zu behandeln. Ein einfaches Danke kann unglaublich viel verändern. Danke, dass du Verantwortung übernimmst. Danke, dass du mir vertraust. Danke, dass du heute ruhig geblieben bist. Danke, dass du diesen Weg mitgehst. Das sind keine Floskeln, wenn sie ehrlich gemeint sind. Am Anfang fühlt sich das vielleicht ungewohnt an. Aber Wertschätzung ist nicht nur ein Gefühl, sie ist auch eine Praxis. Nummer zwei, helfen und den Rücken stärken. Die zweite Form ist helfen. Nicht im Sinne von ich nehme dir alles ab, weil ich dir nichts zutraue. Sondern im Sinne von, ich sehe, dass du vor einer großen Aufgabe stehst und ich lasse dich damit nicht allein. Nachfolge ist eine Mammutaufgabe. Da geht es um Zahlen, Menschen, Strukturen, Kunden, Lieferanten, Entscheidungen, Führung, Familie, Vermögen, Verantwortung und Identität. Alles gleichzeitig. Viele Nachfolgende fragen sich, wo soll ich da überhaupt anfangen? Helfen kann bedeuten, Arbeit abzugeben, Hürden zu entfernen, Entwicklung zu fördern, Türen zu öffnen oder öffentlich den Rücken zu stärken. Gerade dieses Rücken stärken ist in Unternehmerfamilien enorm wichtig. Wenn die abgebende Generation vor Mitarbeitenden, Kunden und Geschäftspartnern signalisiert, ich stehe hinter dieser Person, dann bekommt die nachfolgende Generation nicht nur Formal Verantwortung, sie bekommt auch Legitimation. Und das macht einen riesigen Unterschied. Denn viele Nachfolgende kämpfen am Anfang nicht nur mit fachlichen Fragen, sondern auch mit inneren. Darf ich das schon? Werde ich ernst genommen? Oder bin ich für alle immer noch das Kind vom Chef? Wenn Eltern, Seniorinnen und Senioren dann den Rücken stärken, wird Loyalität sichtbar. Und manchmal ist genau das die Wertschätzung, die am meisten fehlt. Nummer drei, sich Zeit nehmen. Die dritte Form ist Zeit. Und Zeit ist in Unternehmerfamilien ein rares Gut. Es gibt immer etwas zu tun. Immer einen Kunden, eine Baustelle, eine Maschine, eine Rechnung, ein Problem, einen Engpass. Und deshalb wird Kommunikation in der Nachfolge oft verschoben. Nicht jetzt, ach, nach der Saison machen wir das, nach dem Jahresabschluss. Wir machen es dann, wenn es ruhiger wird, okay? Aber der richtige Moment kommt selten von allein. Man muss ihn setzen. Sich Zeit zu nehmen, kann eine der stärksten Formen von Wertschätzung sein. Erreichbar sein, geduldig sein, regelmäßige Gespräche führen. Nicht nur zwischen Tür und Angel sprechen. Nicht nur dann, wenn etwas schiefgelaufen ist. Gerade in der Nachfolge braucht es Räume, in denen nicht nur operativ gesprochen wird. Nicht nur, was ist heute zu erledigen, sondern auch, wie geht es dir in der Rolle? Was brauchst du gerade? Was ist dir unklar? Wo müssen wir Erwartungen klären? Die Zeit, die am Anfang in gute Kommunikation investiert wird, spart später enorm viel Kraft. Denn wenn nicht gesprochen wird, verschwinden die Themen ja nicht. Sie stauen sich auf. Aus unausgesprochenen Erwartungen werden Enttäuschungen. Aus kleinen Irritationen werden vielleicht sogar Konflikte. Aus fehlender Orientierung wird Rückzug. Und deshalb ist Zeit nicht nur nett. Zeit ist Nachfolgearbeit. Die vierte Form von Wertschätzung ist Erfolge feiern. Und ich meine damit nicht unbedingt die große Party. Ich meine, Erfolge sichtbar machen. Das haben wir geschafft. Da sind wir weitergekommen. Diese Hürde haben wir überwunden. Gerade hier im Münsterland und ich glaube nicht nur hier, wird oft zu wenig gefeiert. Es wird weitergemacht. Abgehakt, nächstes Problem. Der Kunde ist zufrieden, gut, weiter. Der schwierige Termin ist geschafft, gut, weiter. Die erste eigene Entscheidung der Nachfolgegeneration hat funktioniert, gut, weiter. Und irgendwann entsteht das Gefühl, egal was ich mache, es zählt nie richtig. Dabei brauchen Menschen Orientierung an Fortschritt. Gerade in langen Nachfolgeprozessen ist es wichtig, Meilensteine zu markieren. Auch die kleinen. Das erste eigenständig geführte Mitarbeitergespräch. Der erste Kundentermin ohne Begleitung. Die erste Entscheidung, die bewusst anders getroffen wurde als früher. Das erste gute Gespräch nach einer schwierigen Phase. All das sind Erfolge. Und wenn sie sichtbar gemacht werden, entsteht Kraft. Denn Nachfolge ist kein einzelner Übergabetag beim Notar. Nachfolge ist ein Weg. Und Wege brauchen Wegmarken. Die fünfte Form ist Vertrauen. Vielleicht eine der wichtigsten. Vertrauen heißt, ich traue dir etwas zu. Ich gebe dir Raum. Ich lasse dich entscheiden. Ich kontrolliere nicht jeden Schritt. Ich halte es aus, dass du Dinge anders machst als ich. Und genau das ist für viele abgebende Unternehmerinnen und Unternehmer unglaublich schwer. Viele haben das Unternehmen über Jahrzehnte geprägt. Sie haben vieles alleingetragen. Und dann soll plötzlich jemand anderes entscheiden. Natürlich kann das Angst machen. Angst vor Kontrollverlust, Angst, dass etwas kaputt geht. Angst, dass die eigene Lebensleistung nicht verstanden wird. Angst, dass neue Ideen alte Werte verdrängen. Wenn diese Angst nicht bewusst reflektiert wird, zeigt sie sich oft als Mikromanagement. Dann wird nachgefragt, kontrolliert, korrigiert, kommentiert. Verantwortung wird formal übergeben, aber innerlich wird festgehalten. Für Nachfolgende ist das enorm anstrengend. Denn sie spüren, ich soll Verantwortung übernehmen, aber darf sie nicht wirklich tragen. Vertrauen zeigen heißt nicht, blind alles laufen zu lassen. Es heißt auch nicht, dass die abgebende Generation keine Erfahrung mehr einbringen darf. Aber es heißt, wir unterscheiden zwischen Begleitung und Kontrolle. Ein Satz könnte dabei für beide Seiten wichtig werden. Du schaffst das. Für die nachfolgende Generation bedeutet er, ich traue dir zu, deinen Weg zu gehen. Für die abgebende Generation bedeutet er vielleicht, auch ich schaffe das, ich schaffe es loszulassen. Vertrauen ist Wertschätzung in Handlung. Die sechste Form ist zuhören. Und zwar wirkliches Zuhören. Nicht zuhören, um direkt zu antworten, nicht zuhören, um zu korrigieren, nicht zuhören, um innerlich schon die Gegenrede vorzubereiten. Sondern zuhören, um zu verstehen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Vor allem nicht in Familien. Denn in Familien hören wir selten neutral. Wir hören durch alte Geschichten, Erfahrungen, Rollen, Erwartungen und Kränkungen. Wenn die Tochter sagt, ich brauche mehr Entscheidungsfreiheit, hört der Vater vielleicht, du willst alles anders machen und meine Arbeit ist nichts wert. Wenn der Vater sagt, ich mache mir Sorgen wegen dieser Investition, hört der Sohn vielleicht, du traust mir nichts zu. Und schon reden beide nicht mehr über die Sache, sondern über alte innere Alarmknöpfe. Deshalb ist Zuhören so kraftvoll. Sätze wie, was brauchst du? Wie geht es dir damit? Was ist dir daran wichtig? Was befürchtest du und was müsste passieren, damit es für dich stimmig ist? Diese Fragen können viel bewegen. Ich erlebe in Begleitungen und Mediationen immer wieder, dass Menschen gar nicht so weit voneinander entfernt sind, wie sie dachten. Aber vorher haben sie einander nicht wirklich gehört. Wertschätzung bedeutet hier nicht, dass ich sofort zustimme, sondern dass ich bereit bin, den anderen wirklich verstehen zu wollen. Die siebte Form klingt auf den ersten Blick handfester. Etwa spendieren. Das kann ein Kastenbier sein, ein Eis, eine Cola, ein gemeinsames Essen. Es kann aber auch eine Weiterbildung sein, ein Coaching, eine Konferenzteilnahme oder Zeit für persönliche Entwicklung. Hier würden viele vielleicht von Benefits sprechen. Und ja, natürlich können auch Sachleistungen Wertschätzungen ausdrücken. Aber es geht selten um den materiellen Wert. Es geht um die Geste. Ich denke da zum Beispiel an meinen Vater. Er ist als Chef samstags mit einer Bollerkarre Cola zu den Mitarbeitenden gefahren und hat mit jedem ein paar nette Worte gewechselt. Das war keine große Inszenierung, kein Benefit-Programm, keine Hochglanzmaßnahme. Es war eine kleine Geste. Aber sie hatte etwas Entscheidendes. Echtes Interesse, Demut, Nähe und das Signal, ich sehe euch. Ich nehme euren Einsatz nicht einfach als selbstverständlich hin. Solche Gest bleiben oft länger hängen als große Programme. Wichtig ist nur, die Geste muss zum Menschen passen. Wer eigentlich Vertrauen braucht, wird durch ein Geschenk nicht alleine satt. Wer Einbeziehung braucht, wird durch ein Essen nicht automatisch gesehen. Und wer ein klärendes Gespräch braucht, wird durch einen Benefit vielleicht sogar noch frustrierter. Etwas spendieren kann Wertschätzung sein, aber es ersetzt nicht die Haltung dahinter. Die achte Form ist Respekt. Und sie ist eine Grundlage für alles andere. Respekt zeigt sich im Alltag, im Ton, im Grüßen, im Gratulieren, im Ausreden lassen, darin nicht laut zu werden, darin nicht bloßzustellen, darin anderer Meinung sein zu können, ohne den anderen abzuwerten. Das klingt vielleicht selbstverständlich, ist es aber nicht immer. Gerade in Familien kann der Ton oft rau werden. Man kennt sich ja, man meint es ja nicht so. Man hat das ja schon immer so gemacht. Aber auch wenn etwas nicht böse gemeint ist, kann es abwertend wirken. Eines der schlimmsten Gefühle ist das Gefühl von Ignoranz. Nicht gesehen zu werden, nicht ernst genommen zu werden oder sogar vor anderen klein gemacht zu werden. Ich erinnere mich an eine erwachsene Nachfolgerin, die erzählte, dass ihr Vater ihr vor versammelter Mannschaft mit einem Taschentuch die Mundwinkel abgewischt hat. Vielleicht war es fürsorglich gemeint, vielleicht sogar gedankenlos. Aber für sie war es zutiefst abwertend. Nicht, weil ein Taschentuch an sich schlimm ist, sondern weil die Botschaft vor allen anderen war, du bist hier nicht erwachsene Unternehmerin, du bist mein Kind. Solche Momente können tief sitzen. Und sie zeigen, wie wichtig Rollenklärung ist. In der Familie darf jemand Tochter oder Sohn bleiben. Aber im Unternehmen braucht es eine professionelle Ebene. Eine Ebene, auf der erwachsene Menschen respektvoll miteinander umgehen. Wertschätzung bedeutet nicht, dass immer alle einer Meinung sind. Wertschätzung bedeutet, dass wir anderer Meinung sein können, ohne einander abzuwerten. Die neunte und letzte Form ist Einbeziehen. Und auch sie ist im Nachfolgeprozessen zentral. Einbeziehen heißt, was denkst du? Wie siehst du das? Welche Informationen brauchst du? Welche Entscheidungen stehen an? Warum entscheiden wir so und nicht anders? Viele Unternehmerinnen und Unternehmer sind es gewohnt, Entscheidungen alleine zu treffen. Das war vielleicht lange notwendig. Es war effizient, es hat funktioniert. Aber wenn Nachfolge gelingen soll, kann der Laden nicht dauerhaft so geführt werden, als wäre die nächste Generation nur Gast im eigenen Zukunftsprojekt. Einbeziehen heißt nicht, dass alle immer alles gemeinsam entscheiden müssen. Aber es heißt, Informationen zu teilen, Entscheidungen zu begründen, Perspektiven einzuholen und die nachfolgende Generation nicht erst dann zu informieren, wenn alles schon beschlossen ist. Das ist nicht nur wertschätzend, es ist auch unternehmerische Schule. Denn wer ein Unternehmen übernehmen soll, muss verstehen, wie Entscheidungen entstehen. Nicht nur das Ergebnis, sondern der Weg dahin. Wenn die nachfolgende Generation einbezogen wird, kann sie lernen, mitdenken, Verantwortung entwickeln, eigene Perspektiven mit einbringen. Und manchmal ist Familie dabei tatsächlich so etwas wie ein großer Beta-Test. Wenn ich meine Gedanken in der Unternehmerfamilie gut erklären kann, wird es später nach außen oft leichter. Einbeziehen schafft also nicht nur Wertschätzung. Es schafft Zukunftsfähigkeit. Wenn du diese neuen Formen der Wertschätzung jetzt einmal innerlich durchgehst, merkst du vielleicht, nicht jede Form ist für dich gleich wichtig. Vielleicht braucht es gar nicht so viel Lob, aber sehr viel mehr Vertrauen. Vielleicht brauchst du keine Geschenke, aber echte Zeit. Vielleicht brauchst du weniger Hilfe, aber mehr Einbeziehung. Vielleicht brauchst du vor allem Respekt im Ton. Und vielleicht ist es bei deinen Eltern, deinen Kindern, deinen Geschwistern oder anderen Beteiligten ganz anders. Genau deshalb lohnt sich ein Gespräch darüber. Der erste Schritt ist Selbstwahrnehmung. Welche Formen von Wertschätzung sind mir besonders wichtig? Welche gebe ich selbst automatisch? Und welche vergesse ich vielleicht, weil sie mir persönlich nicht so viel bedeuten? Der zweite Schritt ist, Aufmerksamkeit für den anderen zu schaffen. Wie reagiert mein Gegenüber? Wann wird jemand weicher? Wann zieht sich jemand zurück? Wann entsteht echte Nähe? Und wann entsteht Widerstand? Und der dritte Schritt ist der Dialog. Man kann diese neuen Formen tatsächlich einmal gemeinsam durchgehen. Als Familie, als Nachfolgeteam. Vielleicht mit externer Begleitung. Vielleicht auch erstmal ganz klein. Zum Beispiel mit Fragen wie, hast du eigentlich das Gefühl, dass ich deine Arbeit genug sehe? Welche Form von Wertschätzung würde dir im Moment am meisten helfen? Brauchst du eher mehr Drückendeckung, mehr Zeit oder mehr Vertrauen? Gibt es etwas, das ich gut meine, das bei dir aber gar nicht wertschätzend ankommt? Solche Fragen können ungewohnt sein, vielleicht sogar ein bisschen peinlich am Anfang. Aber sie können Türen öffnen. Fazit? Was bleibt also? Wertschätzung ist für eine gelungene Nachfolgegeschichte unverzichtbar. Nicht nur als Kuschelfaktor, nicht als nettes Extra, sondern als tragender Bestandteil von Beziehung, Vertrauen und Verantwortung. In vielen Unternehmerfamilien ist das Thema Wertschätzung durch die eigene Geschichte getrübt. Die abgebende Generation hat selbst vielleicht nie Wertschätzung erfahren. Die nachfolgende Generation hat heute Worte für etwas, das früher oft weggedrückt wurde. Und zwischen beiden Seiten entsteht manchmal ein Missverständnis. Die einen denken, wir haben doch alles gegeben. Die anderen denken, aber seht ihr auch, was ich gebe? Genau da braucht es neue Gespräche. Wertschätzung kann nachgelernt werden, dafür ist es wirklich nie zu spät. Und das Gute ist, Wertschätzung kostet in der Regel nicht viel Geld. Sie kostet eher Mut. Den Mut hinzuschauen. Den Mut, etwas auszusprechen, den Mut zuzuhören, den Mut, Kontrolle loszulassen, den Mut, alte Muster zu unterbrechen und den Mut zu fragen, was brauchst du eigentlich von mir? Und manchmal braucht es dabei Unterstützung von außen. Jemand, der den Raum hält, der übersetzt, der Muster sichtbar macht, der hilft, dass nicht jeder Satz sofort wieder im alten Familienfilm landet. Denn Wertschätzung innerhalb einer Unternehmerfamilie zu kultivieren, ist keine Kleinigkeit. Aber es kann unglaublich viel verändern. Für die Nachfolge, für das Unternehmen, für die Familie und für jeden einzelnen Menschen darin. Damit sind wir am Ende des zweiten Teils zum Thema Wertschätzung in Unternehmerfamilien angekommen. Heute ging es um die neuen Formen der Wertschätzung. Und vielleicht hast du beim Zuhören schon gemerkt, welche Form für dich besonders wichtig ist oder welche in deiner Unternehmerfamilie gerade fehlt. Begleitend zu dieser Doppelfolge gibt es mein White Paper Kultivierung von Wertschätzung in Unternehmerfamilien. Darin findest du die wichtigsten Impulse aus beiden Folgen sowie Reflexionsfragen und Gesprächsanregungen für dich und deine Familie. Den Link zum Download findest du in den Shownotes. Mit dem Downout meldest du dich auch automatisch für meinen Newsletter an. Darin teile ich regelmäßig weitere Impulse rund um Unternehmerfamilien, Nachfolge, Rollenklärung und das besondere Aufwachsen im Familienunternehmen. Aber nicht übermäßig oft. Versprochen. Vielleicht ist dieses White Paper ein guter erster Schritt für die Frage, was brauchst du eigentlich von mir, damit du dich gesehen fühlst? Und so neigt sich diese Folge von Im Herzen Unternehmerkind dem Ende zu. Von mir bleibt heute eigentlich nur ein Wort. Danke. Danke für dein Dabeisein. Danke für dein Zuhören. Danke, wenn du diese Folge mit jemandem teilst, der oder die sie gerade gut gebrauchen kann. Und danke, wenn du dich traust, in deiner Unternehmerfamilie vielleicht eine neue Frage zu stellen. Danke, wenn wir uns auch bei einer nächsten Folge wiedersehen. Bis dahin, deine Claudia.