Simini Podcast zur Kleintierchirurgie

Weichteilchirurgie Kleintier – Teil 2: Studien aus der Veterinary Surgery, Ausgabe Juli 2025

Carl Damiani Season 1 Episode 23

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

0:00 | 14:18

 In dieser Folge des Simini-Podcasts zur Kleintierchirurgie besprechen wir zwei eindrucksvolle chirurgische Innovationen aus der Juli-Ausgabe 2025 von Veterinary Surgery. Der Fokus: vaskuläre Tumorentfernung und endoskopische Präzisionseingriffe im Gallengang. 

Wir analysieren:

  • Hertel et al.: Venotomie zur Tumortrombus-Entfernung bei portaler Infiltration durch Pankreaskarzinom – ein Fall, der zeigt, wie 3D-Planung bisher als „inoperabel“ geltende Fälle neu bewerten lässt. 
  • Miyagi et al.: Endoskopisch assistierte Lasersphinkterotomie am Ductus choledochus – warum visuelle Landmarken der Schlüssel zur sicheren Technik sind. 

Zwei ungewöhnliche Techniken. Zwei chirurgische Perspektivwechsel. Und eine zentrale Frage: Wann wird das Unmögliche chirurgisch machbar?

🎁 Fordere dein kostenloses Muster von Simini Protect Lavage an (nur Versandkosten):
https://www.simini.com/evaluation-kit

🔊 Jetzt anhören:
Spotify | Apple Podcasts | Amazon Music

SPEAKER_01

Willkommen zurück zum Semini-Podcast zur Kleintierchirurgie. Ihrem schnellen, fokussierten Update, um mit der Fachliteratur Schritt zu halten und nur das in den OP mitzunehmen, was wirklich zählt. In dieser Folge werfen wir einen Blick auf zwei innovative Techniken aus der Juli Ausgabe 2025 von Veterinary Surgery, beide aus dem Bereich der Weichtteilchirurgie. Zuerst geht es um Hertel et al., die über die erfolgreiche chirurgische Entfernung eines portalen Tumorthrombus mittels Venotomie bei einem Hund mit Pancreas-Karzinom berichten. Ein seltener, technisch anspruchsvoller Eingriff mit hohem klinischem Relevanzpotenzial. Danach besprechen wir Miyagi et al. Die in einem Kadaver-Modell eine minimalinvasive Methode zur endoskopisch assistierten Lasersphinterotomie des intramuralen Ductus Coledochus untersuchten. Eine spannende Technik, die in Zukunft weniger invasive Eingriffe bei biliären Obstruktionen ermöglichen könnte. Zwei Studien. Zwei ungewöhnliche OP-Zugänge. Ein gemeinsames Ziel, bessere Entscheidungen am OP-Tisch. Los geht's.

SPEAKER_03

Hallo und herzlich willkommen. Wir schauen uns heute mal einen wirklich faszinierenden Fallbericht an, den Sie uns geschickt haben. Es geht um Härtel et al. aus dem Jahr 2025. Und der Fall hat es in sich. Absolut. Es geht um ein Pancreaskarzinom bei einem Hund, das in die Pfordader eingewachsen ist. Also die Hauptvene zur Leber. Da denkt man ja als Chirurg erstmal, das war's.

SPEAKER_00

Genau das ist der Punkt. Normalerweise würde man sagen, das ist ein inoperabler Tumor. Aber die zentrale Frage, die dieser Artikel in Veterinary Surgery aufwirft, ist ja, muss das wirklich so sein?

SPEAKER_03

Oder kann man da die Grenzen verschieben?

SPEAKER_00

Exakt. Und der Fall beschreibt einen, ich muss sagen, unglaublich mutigen Ansatz, um genau das zu tun. Also einen Tumorthrombus aus einem so kritischen Gefäß zu entfernen.

SPEAKER_03

Okay, umreißen wir das mal für alle. Wir haben einen neunjährigen West Highland White Terrier.

SPEAKER_00

Richtig?

SPEAKER_03

Und dieser Tumor hat einen Thrombus gebildet, also im Grunde einen Blutgerinnsel, das die Pfadader zu satten 80% verschließt? 80 Prozent. Als ich das gelesen habe, dachte ich mir, wie um alles in der Welt soll man da operieren, ohne eine totale Katastrophe auszulösen?

SPEAKER_00

Das ist eben die chirurgische Kernfrage. Die Lösung hier war eine direkte portale Venotomie.

SPEAKER_03

Das heißt, Sie haben die Vene aufgeschnitten.

SPEAKER_00

Genau das. Sie haben die Vene direkt eröffnet, um den Thrombus rauszuholen. Und dafür mussten Sie den betroffenen Abschnitt der Pfadader für ganze 15 Minuten komplett abklemmen.

SPEAKER_03

Moment mal. 15 Minuten? Sie haben die Hauptblutversorgung der Leber einfach gestoppt?

SPEAKER_00

Ja, für eine Viertelstunde.

SPEAKER_03

Das ist ja wie eine ticgende Zeitbombe. Ich meine, was für ein Druck im OP. Wie haben Sie das denn technisch gemacht, ohne das Gefäß komplett zu ruinieren?

SPEAKER_00

Sie haben sogenannte Rummeltourniquäs verwendet. Man kann sich das im Grunde wie kleine, sehr sanfte Schlingen vorstellen, mit denen man ein Gefäß temporär zuziehen kann, ohne es dauerhaft zu schädigen.

SPEAKER_03

Okay.

SPEAKER_00

Aber Sie haben recht, die 15 Minuten sind eine gefühlte Ewigkeit. Nachdem Sie abgeklemmt hatten, haben Sie den Thrombus zusammen mit dem Pancreastumor am Stück, also N-Block, entfernt und die Vene dann direkt wieder zugenäht.

SPEAKER_03

Das klingt nach einem Manöver, das ohne eine absolut perfekte Vorbereitung doch gar nicht funktionieren kann.

SPEAKER_00

Auf keinen Fall.

SPEAKER_03

Was war denn laut Studie der Schlüssel zum Erfolg?

SPEAKER_00

Ganz klar die präoperative Planung. Und hier wird es wirklich fast schon futuristisch.

SPEAKER_03

Aha.

SPEAKER_00

Die Autoren haben nicht nur eine 4D-Kontrastcomputertomografie gemacht, um den Blutfluss darzustellen, sondern auch ein 1 zu 1-3D-Druckmodell der gesamten Anatomie erstellt.

SPEAKER_02

Ach wirklich? Ein 3D-Modell.

SPEAKER_00

Ja. Sie konnten die Operation also quasi schon im Trocknen durchführen, bevor sie überhaupt den ersten Schnitt gemacht haben. Diese Visualisierung, das war der Game Changer.

SPEAKER_02

Und das Ergebnis von diesem, man muss ja sagen, hochriskanten Eingriff?

SPEAKER_00

Es war ein Erfolg. Der Hund konnte nach vier Tagen entlassen werden. Er hatte noch über ein Jahr eine gute Lebensqualität.

SPEAKER_02

Wow.

SPEAKER_00

Zwar wurden nach sechs Monaten Metastasen festgestellt, was bei diesem Tumortyp leider nicht überraschend ist, aber der Eingriff selbst hat ihm wertvolle Zeit verschafft.

SPEAKER_03

Gab es Komplikationen mit der Vene?

SPEAKER_00

Postoperativ gab es eine leichte Verengung, eine Stiennose, die aber klinisch unauffällig blieb. Also keine Anzeichen von Fortaderhochdruck.

SPEAKER_03

Was ist also die wichtigste Erkenntnis, die wir hier mitnehmen sollten? Das ist ja mehr als nur eine neue OP-Technik.

SPEAKER_00

Absolut. Die eigentliche Botschaft ist ein Wandel in der Denkweise. Ein Tumor, der vor wenigen Jahren noch ein sicheres Todesurteil gewesen wäre, ist potenziell behandelbar. Es geht darum, wie wir inoperabel definieren. Und diese Definition, die können wir mit akribischer Bildgebung und moderner 3D-Planung eben neu schreiben.

SPEAKER_03

Ein so komplexer Eingriff ist das eine, aber die postoperative Phase, die ist ja mindestens genauso kritisch.

SPEAKER_00

Ja, natürlich.

SPEAKER_03

Gerade bei solchen großen Operationen kann ja eine einzige Komplikation, zum Beispiel eine Infektion, alles zunichte machen.

SPEAKER_00

Richtig, die Infektionskontrolle ist das A und O. Der beste chirurgische Plan nützt nichts, wenn es danach zu Problemen kommt.

SPEAKER_03

Und genau da gibt es ja interessante Entwicklungen. Wir wissen, die meisten Chirurgen spülen vor dem Wundverschluss mit Kochsalzlösung. Aber wussten Sie, dass Studien zeigen, dass diese Spülung bis zu 42% der Bakterien zurücklassen kann? Antibiotische Spüllösung, die genau hier ansetzt. Unabhängige Studien haben gezeigt, dass nach der Spülung mit Semini Protect Lavage 0% der Bakterien zurückblieben. Es wurde entwickelt, um das Verschlussprotokoll zu verstärken, insbesondere bei orthopädischen Eingriffen, wo Infektionen ja verheerend sein können. Fassen wir also nochmal zusammen. Der Fall von Hertel et al. ist ein wirklich beeindruckendes Beispiel dafür, wie fortschrittliche Planung und mutige Technik die Grenzen der Chirurgie verschieben können.

SPEAKER_00

Ja.

SPEAKER_03

Es geht nicht mehr nur darum, was wir operieren, sondern vor allem auch, wie wir uns darauf vorbereiten.

SPEAKER_00

Genau. Und das wirft eine wirklich spannende Frage für die Zukunft auf, die man sich mal stellen sollte.

SPEAKER_03

Und die wäre?

SPEAKER_00

Naja, wenn eine solch komplexe vaskuläre Rekonstruktion in diesem Fall funktioniert hat, welche anderen Tumoren, die wir heute vielleicht noch routinemäßig als inoperabel einstufen, könnten denn durch den Einsatz von 3D-Planung und die Bereitschaft zu solchen Gefäßreparaturen plötzlich doch behandelbar werden?

SPEAKER_01

Nächste Studie.

SPEAKER_00

Stell dir mal eine ganz klassische Situation im OP vor. Du hast eine Obstruktion im distalen Gallengang, bereitest dich auf eine Durdionotomie vor. Und dabei stützt man sich ja oft auf so eine Faustregel, oder? Eine Art Schätzung, wie lange man den Sphinter sicher inzidieren kann. Oft einfach basierend auf der Größe des Hundes. Aber was, wenn diese ganze Annahme, also diese Schätzung, falsch ist? Wir haben hier nämlich eine Studie, die genau das nahelegt und gleichzeitig einen viel eleganteren Weg aufzeigt.

SPEAKER_03

Ja, es geht um die Arbeit von Miyagi et al. aus 2025, publiziert in Veterinary Surgery. Der Titel ist Endoscopic Assisted Laser Sphinctorotomy of the Intramural Common Bile Duct.

SPEAKER_00

Okay.

SPEAKER_03

Im Kern ist es eine deskriptive Studie an 20 frischen Hundekadavern. Klingt erstmal trocken, hat aber, wie du schon sagst, eine enorme klinische Relevanz.

SPEAKER_00

Okay, lass uns das mal aufschlüsseln. Das Kernproblem ist ja die hohe Morbidität der offenen Dodenotomie. Jeder, der das schon gemacht hat, kennt ja die Risiken Dehiszenz, Pankreatitis, Peritonitis.

SPEAKER_03

Absolut.

SPEAKER_00

Wie genau sind die Autoren denn davor gegangen, um das zu umgehen?

SPEAKER_03

Der Ansatz ist minimal invasiv und ziemlich clever. Statt einer großen Laparotomie machen sie nur eine Minicelliotomie, also so 4 bis 5 Zentimeter.

SPEAKER_00

Wirklich klein.

SPEAKER_03

Ja. Und durch diese wird ein 5 mm Endoskopieport direkt ins Duodenum eingeführt. Und zwar abseits des Pankräs, was ja schon mal ein Riesenvorteil ist.

SPEAKER_00

Okay, verstehe. Und jetzt kommt der eigentliche Clou. Mit einem starren 2,7 mm-Zystoskop, also ein Instrument, das viele Praxen eh schon für die U-Retroskopie haben, und einem Holmium-Jagglaser wird dann die Papille von innen erweitert, also eine Sping-Byrotomie durchgeführt. Das klingt in der Theorie wirklich bestechend. Ein kleinerer Zugang, bekannte Instrumente. Aber die entscheidende Frage ist doch, hat es funktioniert? Was haben Sie in der Praxis an diesen Kadavern rausgefunden?

SPEAKER_03

Es hat erstaunlich gut funktioniert. Die retrograde Katheterisierung und die Laserswing-Dorotomie waren in 18 von 18 Versuchen erfolgreich.

SPEAKER_00

Wow! Aber jetzt kommt der Befund, der uns wirklich zum Nachdenken bringen sollte. Die Länge des intramuralen Gallengangs, also der sichere Bereich für die Inzision, variierte enorm. Von 10 bis 21 Millimeter. Moment mal, lass mich das kurz verarbeiten. Von 10 bis 21, das ist ja eine riesige Spanne. Das würde ja bedeuten. Genau.

SPEAKER_03

Es gab keinerlei statistische Korrelation zwischen dem Körpergewicht des Hundes und dieser Länge. Der P-Wert lag bei 0,79.

SPEAKER_00

Also quasi gar kein Zusammenhang.

SPEAKER_03

Keiner. Die Annahme, ein großer Hund habe einen langen intramoralen Gang und ein kleiner Hund einen kurzen, ist damit vom Tisch. Sie ist schlichtweg unzuverlässig.

SPEAKER_00

Das ist ja eine fundamentale Erkenntnis. Du sagst also, ein 5-Kilo Terrier könnte einen längeren intramoralen Gang haben als ein 40-Kilo-Labrador?

SPEAKER_03

Theoretisch ja. Das widerspricht komplett der Intuition, ich weiß.

SPEAKER_00

Absolut. Wenn wir also nicht mehr nach Größe schätzen können, wie sollen wir dann eine Perforation vermeiden? Operieren wir dann quasi blind?

SPEAKER_03

Das ist die entscheidende Frage. Und die Studie liefert die Antwort. Anstatt zu schätzen, sollen wir schauen. Die Autoren haben eine visuelle Landmarke identifiziert.

SPEAKER_00

Eine Landmarke.

SPEAKER_03

Ja, wenn man die Inzision verlängert, sieht man endoskopisch einen Punkt, an dem sich die Submukosa ganz deutlich von der Wand des Gallengangs trennt.

SPEAKER_00

Ah, okay. Das ist das Signal. Achtung, hier verlässt du den sicheren intramoralen Teil und kommst in den gefährdeten Bereich. Und dieses Zeichen wurde in 16 von 18 Fällen, also zu 88 Prozent, korrekt erkannt. Und die zwei Fehler?

SPEAKER_03

Die zwei Perforationen, die aufgetreten sind, passierten ganz am Anfang der Lernkurve.

SPEAKER_00

Das verändert natürlich alles. Wir ersetzen eine unzuverlässige Schätzung durch eine direkte visuelle Kontrolle. Was heißt das jetzt für die chirurgische Praxis? Wenn du diese Technik mit der klassischen offenen Duodenotomie vergleichst, was sind die größten Vorteile im OP-Alltag?

SPEAKER_03

Die Vorteile sind erheblich. Du hast eine winzige Inzision am Duodenum statt eines langen Schnitts. Das verringert das Risiko einer Deszenz und einer Pankreatitis.

SPEAKER_00

Klar.

SPEAKER_03

Die benötigte Ausrüstung, so ein starres Zystoskop, ist relativ weit verbreitet.

SPEAKER_00

Das senkt die Hürde für die Einführung der Technik.

SPEAKER_03

Genau. Die zentrale Botschaft für die Technik im OP lautet also: Wenn du eine erweiterte Spinkterotomie über die, sagen wir als sicher geltenden 10 mm hinausmachen musst, vergiss die Körpergröße als Anhaltspunkt.

SPEAKER_00

Exakt.

SPEAKER_03

Verlass dich auf deine Augen. Die intraoperative Identifizierung dieser anatomischen Lendmarke, dieser sich trennenden Submucosa, ist der Schlüssel zur Sicherheit. Das ist wirklich ein Paradigmenwechsel. Weg von der Schätzung, hin zur präzisen Beobachtung.

SPEAKER_00

Für alle Chirurgen, die jetzt neugierig geworden sind, ist es also absolut entscheidend, sich die endoskopischen Bilder im Originalartikel von Miyagiet Al anzusehen. Diese Bilder sind ja sozusagen die neue Landkarte für diesen Eingriff.

SPEAKER_03

Absolut. Man muss ein Gefühl für diese visuelle Landmarke entwickeln. Und die Publikation bietet dafür die perfekte Grundlage. Zum Abschluss noch ein Gedanke, den du mitnehmen kannst. Diese Studie fand an Kadavern statt. Aber stell dir mal vor, diese Technik bewährt sich auch bei lebenden Tieren.

SPEAKER_00

Und was, wenn wir sie nicht nur für eine einfache Sphintaotomie nutzen, sondern auch zur endoskopischen Steinentfernung oder zur Platzierung von Stans direkt im Gallengang? Wie könnte das langfristig die Notwendigkeit für große chirurgische Beipässe wie eine Hole Systho-enterostomie fundamental verändern?

SPEAKER_01

Das war's für diese Folge des Semini-Podcasts zur Kleintierchirurgie. Dieser Podcast wird präsentiert von den Entwicklern von Semini Protect Lavage, einer intraoperativen Spüllösung, die Ihre Infektionskontrollprotokolle gezielt unterstützt, indem sie resistente Bakterien und Biofilme bekämpft, die mit Kochsalzlösung und postoperativen Antibiotika oft nicht ausreichend erfasst werden. Wenn Sie mehr erfahren oder Semini Protect Lavage selbst ausprobieren möchten, finden Sie alle Informationen und Links in den Shownotes. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.