Simini Podcast zur Kleintierchirurgie

Weichteilchirurgie Kleintier – Teil 3: Studien aus der Veterinary Surgery, Ausgabe Juli 2025

Carl Damiani Season 1 Episode 24

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In dieser Folge des Simini-Podcasts zur Kleintierchirurgie besprechen wir zwei anspruchsvolle Studien aus der Juli-Ausgabe 2025 von Veterinary Surgery. Der Fokus: perioperatives Management nach Shuntchirurgie und minimalinvasive Gallenchirurgie bei der Katze.

Wir besprechen:

  • Otero Balda et al.: Welche Faktoren bestimmen das kurzfristige Überleben von Katzen mit postoperativen neurologischen Symptomen nach der chirurgischen Versorgung kongenitaler portosystemischer Shunts? Die Studie liefert wichtige prognostische Marker für die klinische Entscheidungsfindung. 
  • Poggi et al.: Laparoskopische Cholezystektomie bei Katzen – eine minimalinvasive Technik mit hoher Erfolgsrate, kurzer Operationszeit und vielversprechenden klinischen Ergebnissen bei sorgfältiger Patientenauswahl. 

Zwei Studien. Zwei komplexe chirurgische Herausforderungen. Ein gemeinsames Ziel: bessere Entscheidungen für den OP-Alltag. 

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SPEAKER_01

Willkommen zurück zum Semini-Podcast zur Kleintierchirurgie, Ihrem schnellen, fokussierten Update, um mit der Fachliteratur Schritt zu halten und nur das in den OP mitzunehmen, was wirklich zählt. In dieser Folge widmen wir uns zwei spannenden Studien aus der Juli-Ausgabe 2025 von Veterinary Surgery, die sich mit komplexen hepertubiliären Eingriffen und dem perioperativen Management chirurgischer Patienten befassen. Zunächst besprechen wir Oterobalda et al. Die prognostische Faktoren für das kurzfristige Überleben von Katzen mit postoperativen neurologischen Symptomen nach der chirurgischen Versorgung kongenitaler portosystemischer Schanz untersucht haben. Die Studie liefert wertvolle Erkenntnisse darüber, welche Patienten ein erhöhtes Risiko tragen und welche Faktoren die Prognose nach der Operation beeinflussen können. Anschließend werfen wir einen Blick auf Porgi et Ali, die ihre Erfahrungen mit der laparoskopischen Kolizystektomie bei 22 Katzen vorstellen. Die Arbeit zeigt, dass dieser minimalinvasive Eingriff bei sorgfältiger Patientenauswahl eine sichere und vielversprechende Alternative zur offenen Kollecystektomie darstellen kann. Mit niedriger Komplikationsrate und guten klinischen Ergebnissen. Zwei Studien. Zwei anspruchsvolle Themen der Weichteilchirurgie. Ein gemeinsames Ziel. Fundiertere Entscheidungen für die chirurgische Praxis. Los geht's. Los allend.

SPEAKER_02

Also herzlich willkommen zu dieser tiefgehenden Analyse der neuesten tiermedizinischen Fachliteratur. Unser Ziel heute ist es, ja, wirklich chirurgisch relevante Entscheidungsintelligenz für deinen OP-Altag zu extrahieren.

SPEAKER_00

Genau, hallo auch von mir. Also keine graue Theorie, sondern harte Fakten, die deine nächste Operation direkt beeinflussen können.

SPEAKER_02

Richtig. Und wir fangen heute direkt mit einem Szenario an, das, naja, das wir alle kennen. Du hast diese Katze auf dem Tisch, porto-systemischer Schand. Der Eingriff lief super, das Röntgenbild vorher war völlig eindeutig.

SPEAKER_00

Und dann treten postoperativ plötzlich neurologische Auffälligkeiten auf.

SPEAKER_02

Exakt. Und auf einmal stehst du da völlig im Nebel sozusagen. Dein klarer chirurgischer Plan funktioniert nicht mehr.

SPEAKER_00

Ja, das ist genau der Moment, in dem unsere Standardannahmen echt gefährlich werden können. Wir verlassen uns dann oft auf unsere klinischen Routinen. Aber die Evidenz zeigt uns gerade, dass uns unsere Intuition da in diesen trüben Gewässern ziemlich täuschen kann.

SPEAKER_02

Da beziehst du dich auf diese neue Studie, oder?

SPEAKER_00

Richtig, Oterobaldei et al. Die haben sich 59 Katzen angeschaut, die innerhalb von sieben Tagen nach so einer Schandoperation neurologische Symptome entwickelt haben. Also dieses Panz.

SPEAKER_02

Okay, 59 Katzen, das ist schon eine solide Basis. Und wenn ich mir die Überlebensraten aus den Daten so anschaue, die wirken ja auf den allerersten Blick recht beruhigend, oder?

SPEAKER_00

Naja, schon. Also 78 Prozent der Katzen überleben die ersten 30 Tage.

SPEAKER_02

Das heißt, wenn die Katze, sagen wir mal, nur milde Symptome hat, so ein leichtes Zittern, dann kann ich dem Tierbesitzer eigentlich eine ganz gute Prognose mit auf den Weg geben, oder?

SPEAKER_00

Absolut, ja. Aber, und das ist das große Arbeit, das ändert sich drastisch bei bestimmten Faktoren.

SPEAKER_02

Okay, lass mich raten. Wenn die Symptome schlimmer werden. Mein chirurgisches Bauchgefühl sagt mir, wenn das Tier anfängt, generalisiert zu krampfen, sieht die Welt ganz anders aus.

SPEAKER_00

Genau das. Untermauern die Daten massiv. Sobald diese generalisierten Krampfanfälle auftreten, also pass, dann stürzt die Überlebensrate mal eben auf 50 Prozent ab.

SPEAKER_02

Wow, okay. Nur noch die Hälfte.

SPEAKER_00

Ja, und jetzt wird es statistisch wirklich extrem relevant. Wenn die Katze mit Propofol behandelt werden muss, dann sinkt die Überlebenschance mit einer Ortsratio von 0,112.

SPEAKER_02

Warte mal. Eine Ortsratio von 0,112. Das bedeutet übersetzt doch, dass die Überlebenschance auf rund ein Zehntel kollabiert, oder?

SPEAKER_00

Exakt, ja. Ein massiver Einbruch.

SPEAKER_02

Aber wenn ich das lese, ist mein allererster Impuls, sofudenken, dass das Propofol der Katze aktiv schadet. Also dass ich das unter keinen Umständen mehr verwenden darf.

SPEAKER_00

Und das wäre der absolute Klassiker bei der Fehlinterpretation von solchen Kausalitäten.

SPEAKER_02

Wie meinst du das genau?

SPEAKER_00

Naja, Propofol ist in diesem Szenario nicht das Feuer, das den Schaden anrichtet. Es ist, um im Bild zu bleiben, lediglich der extrem laute Feuermelder.

SPEAKER_02

Ah, okay. Ist es also nur der Indikator?

SPEAKER_00

Richtig. Die Notwendigkeit, überhaupt Propofol einzusetzen, um diesen Krampf durchbrechen zu können, die zeigt uns einfach an, dass das neurologische System da schon lichterloh brennt.

SPEAKER_02

Verstehe. Das ändert den Ablauf für uns im OP-Alltag ja grundlegend.

SPEAKER_00

Definitiv.

SPEAKER_02

Wenn der Patient krampft und ich, äh, ich propofol aufziehen muss, weiß ich in dieser Sekunde, dass ich das Aufklärungsgespräch mit dem Besitzer sofort in eine sehr, sehr vorsichtige und ernste Richtung lenken muss.

SPEAKER_00

Genau. Es ist ein Marker für die absolute Schwere des Geschehens. Nicht die Todesursache. Die Routine trügt uns da nicht. Aber wir müssen das Medikament als reinen Indikator verstehen.

SPEAKER_02

Richtig. Und dieses kritische Hinterfragen von Routinen, das bringt uns eigentlich direkt zu einem anderen massiven blinden Fleck in unseren Standardabläufen.

SPEAKER_00

Oh ja, ein sehr gutes Thema.

SPEAKER_02

Nämlich die Minute direkt vor dem Wundverschluss. Die Wundspülung.

SPEAKER_00

Ein exzellentes Beispiel für echt tückische Gewohnheiten in unseren Kliniken.

SPEAKER_02

Absolut. Ich meine, viele Chirurgen greifen seit Jahren fast schon reflexartig zur klassischen Kochsalzlösung, oder? Wir gehen einfach davon aus, dass dieser simple mechanische Druck reicht, um das OP-Feld zu reinigen.

SPEAKER_00

Ja, wir spritzen das rein und denken, das OP-Feld ist sauber. Aber unabhängige Vergleichsstudien belegen jetzt, dass diese einfachen Kochsalzspülungen schlichtweg nicht in der Lage sind, anhaftende Bakterien effektiv vom Gewebe zu lösen.

SPEAKER_02

Okay, aber ein bisschen was spülen die schon weg, oder?

SPEAKER_00

Sie spülen nur sehr oberflächlich. Die Daten zeigen, dass sie 42 Prozent der Bakterien im Operationsfeld zurücklassen.

SPEAKER_02

Ähm was? 42 Prozent?

SPEAKER_00

Ja, fast die Hälfte bleibt drin.

SPEAKER_02

Das bedeutet, wir spülen, wir fühlen uns total sicher und dann schließen wir die Wunde über fast der Hälfte der ursprünglichen Bakterienlast. Das ist doch Wahnsinn.

SPEAKER_00

Es ist erschreckend, ja.

SPEAKER_02

Wenn du bedenkst, wie viel Aufwand wir vorher in die Sterilität stecken, vom Händewaschen bis zum Abdecken. Und am Ende akzeptieren wir da einfach so ein 50-prozentiges Restrisiko.

SPEAKER_00

Genau deshalb rückt jetzt ein neuer Standard in den Fokus, nämlich Simimni Protect Lavage.

SPEAKER_02

Okay, was genau ist das für ein Produkt?

SPEAKER_00

Das ist eine nicht-antibiotische Spülung. Speziell entwickelt für orthopädische Eingriffe und Revisionen. Ganz wichtig hierbei, sie ist nicht für Körperhöhlen zugelassen.

SPEAKER_02

Verstehe. Und was macht die anders als mein normales Kochsalz?

SPEAKER_00

Im Gegensatz zur simplen Kochsalzlösung ist sie physikalisch so beschaffen, dass sie die Bakterien wirklich effektiv vom Gewebe trennt und abtransportiert.

SPEAKER_02

Also keine chemische Keule, sondern ein physikalischer Mechanismus.

SPEAKER_00

Richtig. Und in direkten Gegenüberstellungen hinterlässt diese Spülung 0% Bakterien.

SPEAKER_02

Null Prozent? Das ist meine Ansage.

SPEAKER_00

Ja, null. Und das alles komplett ohne auf Antibiotika zurückzugreifen.

SPEAKER_02

Was ja angesichts der ganzen globalen Resistenzproblematiken ein gigantischer Vorteil ist. Aber wie sieht das zeitlich aus? Wenn mich dieser zusätzliche Schritt im Workflow jetzt eine halbe Ewigkeit kostet, bleiben die Leute doch eben bei ihrer Routine.

SPEAKER_00

Der zeitliche Aufwand ist absolut minimal. Der gesamte Spülvorgang mit dieser Lösung verlängert deinen chirurgischen Workflow um exakt 60 Sekunden.

SPEAKER_02

Eine Minute.

SPEAKER_00

Eine einzige Minute. Es ist eine simple Abwägung. 60 Sekunden mehr Zeitaufwand gegen die vollständige Eliminierung jener Bakterien, die das Kochs einfach ignoriert.

SPEAKER_02

Das stellt sich für uns im OP-Altag echt die Frage, warum wir überhaupt noch an der Kochsalzlösung festhalten. Wenn du weißt, dass deine Standardspülung fast die Hälfte der Bakterien im OP-Feld lässt, warum solltest du dieses 42% Risiko weiter akzeptieren?

SPEAKER_00

Das ist genau der Punkt. Wir müssen die pathophysiologischen und physikalischen Mechanismen hinter unseren Handgriffen wirklich begreifen.

SPEAKER_02

Absolut. Ob es das Verständnis ist, warum das Gehirn nach so einem Schandverschluss überlastet und propofol nur der Feuermelder ist, nicht wahr?

SPEAKER_00

Richtig. Oder eben, warum Wasser und Salz allein keine haftenden Bakterien entfernen können.

SPEAKER_02

Es sind genau diese kleinen, evidenzbasierten Details, die das chirurgische Outcome am Ende massiv diktieren. Von der präzisen Prognosestellung bei Punz bis zur kompromisslosen Bakterienelimination am Wundrand.

SPEAKER_00

Ganz genau.

SPEAKER_02

Denkt noch einmal in unser verschwommenes Röntgenbild vom Anfang zurück. Wir haben heute gelernt, dass eine Standardkochsalzspülung einen massiven 42% Blindenfleck hat. Und das wirft doch eine viel größere Frage auf. Welche anderen, absolut bewährten Standardroutinen in unseren OPs verstecken wohl ähnliche unsichtbare Risiken?

SPEAKER_00

Sehr guter Gedanke.

SPEAKER_02

Risiken, die nur darauf warten, von der nächsten fundierten Studie entlarvt zu werden. Das ist doch definitiv etwas, worüber du bei deiner nächsten OP mal in Ruhe nachdenken kannst.

SPEAKER_01

Neuer Artikel.

SPEAKER_00

Also offene Geilblasen-OPs bei Katzen sind historisch gesehen ja wirklich ein absoluter Albtraum.

SPEAKER_02

Oh ja, das kann man so sagen.

SPEAKER_00

Wir sprechen hier von Mortalitätsraten von über 20 Prozent. Wenn du da im OP stehst, suchst du natürlich händeringend nach einer sicheren Alternative für deine Patienten.

SPEAKER_02

Absolut. Und genau deshalb schauen wir uns das heute an.

SPEAKER_00

Richtig, willkommen also zu dieser detaillierten Analyse. Wir werfen heute einen Blick auf eine hochaktuelle Lösung, nämlich die minimalinvasive Chirurgie bei Katzen. Das Ganze stützt sich auf die neue Studie von Poji et al. 2025 zur laparoskopischen Chelicestzuctomie.

SPEAKER_02

Ähm, genau, Poji et al. 2025 haben sich da in einer retrospektiven Untersuchung klinische Daten von 22 Katzen angesehen, also aus den Jahren 2018 bis 2024. Das zentrale Ziel war eigentlich herauszufinden, ob sich diese historisch extrem hohe Sterblichkeit der offenen Laparotomie durch so einen systematischen minimalinvasiven Ansatz drastisch senken lässt.

SPEAKER_00

Ja, und ich meine, Gallenblasen bei Hunden zu operieren, erfordert ja schon echt einiges an Fingerspitzengefühl.

SPEAKER_02

Definitiv.

SPEAKER_00

Aber hier reden wir von Patienten, die oft, naja, vielleicht nur zweieinhalb Kilo auf die Waage bringen. Da stelle ich mir den Eingriff vor, als würde man ein mikroskopisch kleines Schiff in einer Flasche zusammenbauen.

SPEAKER_02

Das ist ein ziemlich passender Vergleich, ja.

SPEAKER_00

Wie schafft man denn methodisch in diesem winzigen Bauchraum überhaupt genug Platz, um da sicher arbeiten zu können?

SPEAKER_02

Also die Chirurgen nutzen hier eine Drei- oder Vierport-Technik mit so kleinen 5mm Druckhahn.

SPEAKER_00

Okay.

SPEAKER_02

Aber das wirklich Erstaunliche an der Methodik ist halt der intraabdominale Druck. Ein extrem niedriger Druck von nur 5 bis 7 mm Quecksilbersäule hat da tatsächlich ausgereicht, um einen exzellenten Arbeitsraum zu generieren.

SPEAKER_00

Warte mal, echt nur 5 bis 7?

SPEAKER_02

Ja, genau. Anatomisch bedingt ist die Bauchdecke von Katzen nämlich hochgradig dehnbar. Selbst bei so einer minimalen Insufflation entsteht dann gepaart mit der optischen Vergrößerung der laparoskopischen Kamera ein völlig ausreichendes und präzises Sichtfeld für die Instrumente.

SPEAKER_00

Ah, verstehe. Wenn dieser unerwartet niedrige Druck also so viel Übersicht und platt schafft, müsste sich das ja direkt auf die Operationsdauer und vor allem auf die Sicherheit auswirken.

SPEAKER_02

Richtig.

SPEAKER_00

Wie sehen die chirurgischen Ergebnisse bei diesen 22 Katzen denn konkret aus?

SPEAKER_02

Ziemlich beeindruckend. Die Erfolgsquote bei der minimalinvasiven Umsetzung lag bei vollen 100 Prozent. Es gab also keine einzige Konversion zur offenen Chirurgie.

SPEAKER_00

Wahnsinn.

SPEAKER_02

Ja, und die mediane Operationszeit betrug sehr effiziente 41 Minuten. Die Mortalitätsrate sank dabei auf 4,5 Prozent.

SPEAKER_00

Moment, 4,5 Prozent bedeutet aber immer noch, dass es da einen Todesfall in der Studie gab.

SPEAKER_02

Das stimmt leider ja.

SPEAKER_00

Ich meine, die Zahlen sind natürlich ein massiver Fortschritt gegenüber diesen alten 20 Prozent. Aber als Chirurg muss ich ja wissen, wo hier die Gefahr lauert. Woran genau ist diese eine Katze gestorben?

SPEAKER_02

Die Ursache war eine extra hepatische Gallengangsobstruktion, kurz EHBDO. Und zwar drei Tage nach dem Eingriff.

SPEAKER_00

Ah, okay. Hatte man das präoperativ nicht gesehen?

SPEAKER_02

Eben nicht. Präoperativ waren weder im Ultraschall noch in den biochemischen Blutwerten irgendwelche Auffälligkeiten oder Verstopfungen zu sehen.

SPEAKER_00

Krass. Wie passiert das denn?

SPEAKER_02

Die Autoren gehen davon aus, dass sich durch die mechanische Manipulation, also das Greifen und Anheben der Gallenblase, während der Präparation einfach ein Mikrokristall oder Gallenstein unbemerkt gelöst hat.

SPEAKER_00

Ah, und der ist dann gewandert.

SPEAKER_02

Genau. Der ist in den Gallengang gewandert und hat die nach der OP quasi blockiert.

SPEAKER_00

Heftig. Wenn diese Obstruktion, also erst durch meine eigenen Handgriffe während der OP ausgelöst wird, dann nutzt mir die beste präoperative Voruntersuchung im Grunde gar nichts.

SPEAKER_02

Exakt, das ist der entscheidende Punkt.

SPEAKER_00

Das ändert die Routine für den OP-Alltag ja komplett. Ich kann die Katze nach der Kolicystektomie also nicht einfach auf Station legen und abwarten.

SPEAKER_02

Auf keinen Fall, nein.

SPEAKER_00

Ich muss dann zwingend postoperative Ultraschallkontrollen anordnen und die Bilirubin-Werte in den ersten ein bis zwei Tagen engmaschig checken. Eben um so eine subklinische Obstruktion abzufangen, bevor sie lebensbedrohlich wird.

SPEAKER_02

Ganz genau. Diese engmaschige Überwachung ist der absolut wichtigste Schlüsselfaktor für die postoperative Phase. Wenn man dieses unsichtbare Risiko auf dem Schirm hat und entsprechend handelt, zeigt die Datenlage ganz klar ihren Wert. Für Katzen mit unkomplizierten Gallenblasenerkrankungen, also ohne bereits rupturierte Gallenblase oder bestehende EHBDO, ist die Laparoskopie eine nachweislich sichere und hochgradig effiziente Alternative zur offenen Chirurgie.

SPEAKER_00

Gut zu wissen. Wenn du dir die chirurgische Technik noch genauer ansehen willst, besonders wie detailliert diese Ligaturclips, wie beispielsweise der Hämolog, in diesem winzigen Arbeitsfeld gesetzt werden, dann schau dir unbedingt den vollständigen Artikel von Poggy et al.

SPEAKER_02

Ja, das lohnt sich. Wer regelmäßig Kleintierchirurgie betreibt, findet in diesem Paper wirklich extrem wertvolle Anpassungen für die eigene operative Technik.

SPEAKER_00

Absolut. Zum Schluss noch ein Gedanke für dich zum Weiterdenken. Wenn die EHBDO durch unbemerkt verlagerte Gallensteine das größte unsichtbare Risiko dieser Operation darstellt, könnten dann aufkommende Technologien wie die Nahinfrarotfluoreszenzkollaniografie bei Katzen bald zum absoluten Standard werden?

SPEAKER_02

Das ist eine super spannende Frage.

SPEAKER_00

Stell dir das mal vor, du gibst einen Farbstoff, machst das Infrarotlicht an und die Gallengänge leuchten in Echtzeit auf dem Monitor auf, sodass dieser gefährliche tote Winkel für immer aus dem OP verbannt wird.

SPEAKER_01

Das war's für diese Folge des Semini-Podcasts zur Kleintierchirurgie. Dieser Podcast wird präsentiert von den Entwicklern von Semini Protect Lavage, einer intraoperativen Spüllösung, die Ihre Infektionskontrollprotokolle gezielt unterstützt, indem sie resistente Bakterien und Biofilme bekämpft, die mit Kochsalzlösung und postoperativen Antibiotika oft nicht ausreichend erfasst werden. Wenn Sie mehr erfahren oder Semini Protect Lavage selbst ausprobieren möchten, finden Sie alle Informationen und Links in den Shownotes. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.