Strukturiertes Chaos - der Podcast zwischen Plan und Pointe
Zwei Welten. Zwei Köpfe. Ein Podcast.
Prof. Dr. Sebastian Allegretti - Professor, Berater, Strukturdenker.
Philipp F. East - Kreativer, Impulsgeber, Freund des Chaos.
Was passiert, wenn man ein Mikrofon einschaltet und einfach loslegt – ohne Skript, ohne Schnitt, aber mit Haltung? Genau: Strukturiertes Chaos.
In jeder Folge sezieren wir gängige Redewendungen, Denkweisen und Alltagssituationen – mal tiefgründig, mal mit einem Augenzwinkern. Wir reden über Veränderungsprozesse, Motivation, Kommunikation, Kulturwandel, Arbeitswelten und das Leben dazwischen.
🔹 Ungescriptet. Ungeschnitten. Echt.
🔹 Chaotisch, aber mit rotem Faden.
🔹 Persönlich, provokant, manchmal philosophisch.
Wer zuhört, bekommt keine fertigen Antworten - aber neue Perspektiven.
Ein Podcast für alle, die Lust auf Gedankenexperimente haben, die Welt (und sich selbst) ein bisschen besser verstehen wollen - und sich nicht scheuen, dabei auch mal herzhaft zu lachen.
Strukturiertes Chaos - der Podcast zwischen Plan und Pointe
Aus den Augen, aus dem Sinn
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
In dieser Folge geht es um Fokus, Wahrnehmung – und die Frage, was wir bewusst sehen oder eben nicht mehr sehen.
Das Sprichwort beschreibt, wie schnell Dinge aus unserem Bewusstsein verschwinden, wenn sie nicht präsent sind.
🔹 Warum unser Gehirn automatisch filtert
🔹 Wieso Sichtbarkeit über Umsetzung entscheidet
🔹 Und wie man Fokus gezielt steuert
Wir sprechen über To-do-Listen, Gewohnheiten, Marketing-Tricks – und über die „Bienen- und Fliegenbrille“: Worauf richtest du deinen Blick?
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Strukturiertem Chaos. Mein Name ist Sebastian und ich stehe für die Struktur. Mein Name ist Philipp. Mein Name ist Philipp.
SPEAKER_02Mein Name ist Philipp und ich bin das Chaos.
SPEAKER_03Sehr schön. Liebe Philipp, was hast du uns mitgebracht?
SPEAKER_02Heute habe ich das Sprichwört für euch aus den Augen aus dem Sinn. Kennen wir auch alle. Kennen wir alle. Ist eine historische Herkunft. Die Redewendung lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Eine der frühesten bekannten Fassungen findet sich beim römischen Dichter Sextus properitus. Sinngemäß formuliert er, was das Auge nicht sieht, darüber trauert das Herz nicht. Im Mittelalter verbreitet sich das Motiv weiter über lateinische Sprichwörter-Sammlungen, Predigten und Volksliteratur. Die deutsche Form aus den Augen aus dem Sinn entstand später als für kürze, zugespitzte Variante. Moderne Verwendung. Heute nutzen wir den Satz in mehreren Bedeutungen. Für Beziehungen, wenn Menschen sich nicht mehr sehen, füllen sie in Kontakt. Alltag und Prioritäten, was nicht präsent ist, wird vergessen, also To-Dos, Ziele und Ideen und emotionale Selbstregulation, Abstand hilft, Gefühle abzuschwächen.
SPEAKER_03Aus dem Augen, aus dem Sinn. Du hast ja gerade schon gesagt, wir haben zwei Bedeutungen. Einmal, wenn ich etwas nicht mehr sehe, vergesse ich es, also es ist schlecht. Und wenn ich etwas nicht mehr sehe, vergesse ich es, dann ist es gut. Lass uns einfach mal so ein bisschen mit dem Guten anfangen. In der Fahrschule gab es so einen alten Spruch, der hieß, da wo du hinschaust, fährst du auch hin. Also das heißt, wenn du im Auto fährst und woanders hinschaust, dann fährst du automatisch, also wenn du so nach links da rausfahrst, wir sind da, dann gehst du auch automatisch so ein bisschen nach links. Das ist übrigens auch etwas, was ganz interessant ist. Ich hatte immer früher so ein bisschen ja nicht Angst, aber ich mochte es nicht gern Achterbahn fahren. Weil das war irgendwie mir, das, ah, das fand ich jetzt nicht so besonders toll. Und dann habe ich mal.
SPEAKER_02Warum höher oder die Geschwindigkeit?
SPEAKER_03Wegen allem irgendwie so. Also das war so etwas, also das war immer ganz gut, weil ich habe nie für sowas Geld ausgegeben. Also da habe ich aber gespart. Das andere war, es hat mir irgendwie nicht so ganz angemacht. Und ich fand es dann ganz interessant, als ich mal so eine Reportage über so einen Chat-Pilot angeschaut habe, und der genau gesagt hat, also wie kriegt man das hin, dass das eben nicht schlecht wird und schwindlich wird und so etwas. Und er hat gesagt, man muss sich nur auf das da konzentrieren, wo man hinfliegt, und dann hat man den Focus and then verliert man das Ganze nicht. The problem is, when my Achterbahn einfach so mal wegguckt and then reißt es in eine völlig andere Richtung. Also man is völlig überfordert. And seit ich das dann mal ausprobiert habe, okay, wie ein Chat-Pilot Achterbahn fahren, indem ich dann einfach weiß, okay, ich gucke auf die Streckenführung und ich weiß genau, okay, jetzt geht es nach vorne links und mein Kopf geht schon so nach vorne links, und dann fühlt sich das gar nicht so schlimm an. Und dann kannst du Geschwindigkeiten fahren, das ist egal. Kann ich auch beim Auto bestätigen. Also das ist auch dieses, wo ich den Fokus hinsetze, das schaffe ich dann auch. Das bekomme ich auch hin. Das ist so. Wie sieht es bei dir aus? Setzt du irgendetwas mit Absicht in den Fokus, also nicht aus dem Augen, aus dem Sinn, sondern vor die Augen, in den Sinn quasi.
SPEAKER_02Das ganz plakative Beispiel wäre logischerweise mit Fotografieren. Du musst ja auch fokussieren. Du musst da fokussieren, dass du ein bestimmtes, äh, einen bestimmten Bereich scharf stellst oder sowas.
SPEAKER_03Und das spannende, der Rest ist unscharf.
SPEAKER_02Richtig, richtig. Also je nachdem, was du für eine Blende logischerweise einstellst, kleine Blende und so weiter, unscharfe. Aber da, das wäre das logischste oder das naheliegendste Beispiel eigentlich, was bei mir im Alltag vorkommt.
SPEAKER_03Was ja auch interessant ist, also wenn man dann immer so sieht, eine Fotografie, wenn man es mit den bloßen Augen anschaut, das sieht gar nicht schön aus. Und dann stellst du eben deinen Fokus so hin, dass die Person im Vordergrund scharf ist oder umgekehrt im Hintergrund scharf ist und recht verschwimmt so und plötzlich ist es Kunst.
SPEAKER_02Du hilfst es halt vor, du hilfst halt bestimmte Dinge hier vor, die wichtig sind, die du vielleicht so gar nicht erkennst, wie du mit einem bloßen Auge, wie man so schön sagt. Und dann machst du daraus, also wie gesagt, du das präzise dann einfach diese Geschichte, wo du dann, weil das ist ja sehr weitläufig alles vielleicht oder so, und dann fokussierst du nur auf irgendwie, das ist ja teilweise im Urlaub macht man sie auch ganz gerne, dass man irgendwelche Sachen fotografiert, die vielleicht anders sind wie hier beispielsweise. Und dann achtest du da normalerweise gar nicht so rum, wenn du da rumläufst oder sowas. Und das mache ich dann oft, dass ich dann eben was in den Fokus setze. Oder was auch gut funktioniert, kleiner Fotografietipp, wenn der ganz, wenn man mit Rahmen arbeitet, sprich, du nimmst ganz ganz plumpes Beispiel, eine Tür oder so. Das heißt, du nimmst die Tür als Rahmen und hast in der Tür irgendwie einen Stuhl oder so. Das wäre, dass du eben, das Auge fokussiert sich dann eben auch auf diesen Gegenstand, weil er nicht abgelenkt wird. Ganz einfaches Beispiel. Also immer mit Rahmen arbeiten.
SPEAKER_03Sehr gut. Hat aber nichts damit zu tun, was man an solchen Hochzeiten macht, dass man so ein Bilderrahmen vor sich hier neht. Nee, bitte nicht. Oh, das ist sehr klische Schäfer, oder das ist nicht recklich. Ja, egal, Punkt. Was auch spannend ist, ist um solche To-Dos nicht zu vergessen. Also ich bin ein sehr, sehr digitaler Mensch, aber ich brauche immer noch mal ein Post-it. Hast du das? Ich habe ein Post-it. Und ich schreibe mir immer meine Wochenaufgaben auf ein Post-it und den lege ich in meinen Laptop rein. Also wenn ich den zuklappe, liegt er da drin. Warum? Weil ich den dann immer, immer sehe. Am Anfang habe ich gedacht, ja klar, ich schreibe es einfach, ich hab's, also wie gehe ich vor, wenn ich irgendetwas plane, dann weiß ich, okay, nächste Woche muss ich das und das machen. Das steht in meinem Kalender drin. Und dann mache ich aber meine Wochenplanung, die mache ich wirklich auf dem Post-it und dass ich die nicht vergesse, dass die immer präsent sind. Also immer wenn ich meinen Laptop aufklappe, sehe ich dieses Post-it. Das klebt dort dran.
SPEAKER_02Das ist ja auch eine schöne Farbe dann auch noch wahrscheinlich pink oder sowas.
SPEAKER_03Das ist egal. Also das ist die, die halt gerade einfach da sind. Und da bin ich auch eben dieser visuelle Mensch, ich streiche gerne durch. Aber ich liebe das. Und das Thema ist dann, wenn ich dann so, wenn der Zettel so halb durchgestrichen ist, dann schreibe ich ihn neu und während dem Schreiben fallen mir wieder mehrere Dinge an. Der Zettel ist immer, immer voll. Und oder auch in Outlook gehe ich so vor, ich bin ein Zero-Inbox-Mensch. Weiß ich, hast du ja auch schon mal erzählt. Genau, so. Also das heißt, alles, was bei mir im Post-Eingang ist, wird abgearbeitet. Alles, wenn es abgearbeitet ist, kommt es weg aus dem Augen, aus dem Sinn. Dann ist es für mich erledigt.
SPEAKER_02Du hast mich vorhin gefragt gehabt, hey, warum ist denn mein WhatsApp-Verlauf leer mit dir? Weil du mich nicht magst. Nein. Das hat damals nicht nur bei dir so. Du magst viele nicht. Richtig. Ich hab so, das ist wie so ein ähnlich wie so eine To-Do-Liste. Entweder archiviere ich die Sachen oder ich lösche die Nachrichten einfach, wenn ich es erledigt habe. Das ist so aus der Zero-Inbox-Mentalität, weil mich das dann einfach belastet oder so. Ich muss das weg haben. Das ist ja bei dir mit dem Zero-Inbox ähnlich, dass du es halt, du möchtest den Eingang leer haben, clean, aufgeräumt haben, und so ist es bei WhatsApp-Nachrichten bei mir.
SPEAKER_03Ich finde es bei WhatsApp immer so schlimm, wenn man mir WhatsApp ist nicht der Kanal, wo man mir eine Nachricht schicken darf, wenn ich etwas machen muss. Weil das Problem ist, dann schreibt er mir, oh, könntest du bitte noch das und das kaufen oder könntest du das und das machen? So, dann weiß ich, ah, okay, gut, dann mache ich es immer so, dass ich die Nachricht auf Ungelesen setze. Aber wenn danach noch fünf andere Nachrichten kommen aus dem Augen, aus dem Sinn, es tut mir leid, das vergesse ich. Und dann ist es eben oft so, dass ich dann übertrage, okay, wenn da in WhatsApp irgendeine To-Do für mich kommt, dann schreibe ich mir selber eine E-Mail nochmal, dass ich in meinem Posteingang habe. Das ist ja aber genauso bei Teams. Ich finde Teams-Nachrichten schrecklich, wenn man mir irgendeine To-Do schickt oder so etwas, weil bei mir muss die To-Do dann stehen bleiben. Und wenn dann aber noch fünf andere Nachrichten kommen, dann rutscht die irgendwann mal weg aus dem Augen, aus dem Sinn.
SPEAKER_02Du kannst es auch nicht anpinnen oder sowas. Das geht ja auch nicht.
SPEAKER_03Mir passiert das manchmal, ich bin ganz schlechter WhatsApp-Zurückschreiber. Mir passiert das manchmal, dass, also wenn viel los ist und viele Leute mir dann schreiben, dass ich Nachrichten ungelesen habe, weil die irgendwann mal runterrutschen und ich sehe die dann einfach nicht mehr. Und dann fällt es mir nach so zwei Wochen ein, oh shit, ich habe da gar nicht zurückgeschrieben. Also für diejenigen, wo ich manchmal nicht zurückschreibe, ist nicht böse gemeint, das ist nur aus dem Augen, aus dem Sinn.
SPEAKER_02Archivieren ist auch eine ganze gute Funktion. Vielleicht. Ja, aber dann ist ja der ganze Chat weg. Nee, also nicht weg. Wenn du es archivierst, kannst du es darüber schieben, dann wird es in diesen Ordner reingeschoben, den man es nicht sieht. Dann hast du es quasi archiviert.
SPEAKER_03Haben wir gerade schon wieder etwas gelommt. Hi Gott, was kannst du denn nur alles? Mensch.
SPEAKER_02Also ich weiß, was du meinst. Ich muss mir das auch übertragen, weil sonst ist es auch weg. Das ist weg. Also ob es einfach weg. Wenn es bei WhatsApp kommt oder in Teams oder so, ich nutze ja Trello relativ viel oder hauptsächlich als mein Arbeitstool und so, für mich selber eben, um ein bisschen Struktur reinzukriegen, weil ich bin ja Chaos. Und so. Und von dir habe ich auch schon diverse Sachen übernommen in meinen Arbeitsalltag, die mich besser gemacht haben. Und ich muss mir das auch übertragen, weil sonst vergesse das einfach, weil es passiert, es geht ja genauso. Du kriegst, du wirst ja vollgeballert mit Nachrichten und so weiter, weiß er so ist, wie es ist. Aber ich vergesse es sonst auch, aus den Augen aus dem Sinn. Ist einfach so.
SPEAKER_03Und es ist zum Beispiel, du kennst unseren Camper, der also schöne Delta-Felgen höher gelegt und alles ist. Ein Raum, dieses Auto. Ich laufe in diesem Auto fünfmal mindestens am Tag vorbei, weil der direkt bei uns vor dem Gebäude steht, wenn ich mit meiner Hündin da vorbeilaufe, etc. Und jedes Mal freue ich mich, ah, für mich war es ein Kriterium tatsächlich. Es ist ein 5,40er, also 5,40 Meter lang, dass der auf einen normalen Parkplatz passt. Weil wenn ich einen 6 Meter oder 7 Meter genommen hätte, dann müsste ich den irgendwo an einem, keine Ahnung, beim Bauernhof oder sonst was abstellen und dann aus dem Augen aus dem Sinn. Dann vergisst man den einfach. Und dann kann es sein, dass man einfach, ja, dann wirklich einmal im Jahr vielleicht dann, ah ja, jetzt könnten wir mal und so laufe ich jeden Tag vorbei. Ich freue mich an dem Besitz, weil der einfach richtig schön aussieht. Und wir nutzen den viel, viel mehr. Das ist ja auch so etwas, vielleicht kennst du das, Küchenutensilien, also wie jetzt zum Beispiel ein, also jetzt, wir vergessen jede Diät oder sonstiges was, ein Waffeleisen oder ein Raclette oder oder oder. Genau, die aber im Keller stehen oder auf der Bühne oder was auch immer. Aus dem Augen, aus dem Sinn. Und dann denke ich mal, stimmt eigentlich, hätte man das mal machen können.
SPEAKER_02Nee, da bin ich strikt bei sowas. Wenn ich das, keine Ahnung, ein halbes Jahr nicht benutzt habe oder so, kommt das weg. Also ich verkaufe es dann.
SPEAKER_03Dann muss es weg, heißt es verkaufen. Das ist auch so etwas, dieses, dieses Schwebel, das Diskät man nochmal brauche. Und was ist, schaut mal in eure Keller rein und alles Mögliche. Ihr habt dort Sachen drin, die ihr nicht braucht. All andersherum, ihr würdet gar nicht bemerken, wenn man sie wegnimmt.
SPEAKER_02Da muss ich auch ein Geständnis machen, mein Keller sieht aus, als wäre ich ein Serienmörder. Das ist so clean. Ich habe einen super aufgeräumten Keller. Ich habe auch fast keine Sachen im Keller stehen. Ist da irgendwie. Folie ausgelegt. Folie ausgelegt. Geh nicht mehr Schwarzlicht rein. Spaß natürlich. Ich möchte bitte nicht, dass GSG 9 vor der Tür stehen haben und wie die essen.
SPEAKER_03Ja, also aus dem Augen, aus dem Sinn, alles, was ich nicht sehe, das vergesse ich. Da denke ich einfach nicht dran. Und das ist ja, wenn ich es nicht vergessen sollte, dann, was relativ simpel, ja, dann guck es irgendwie in den Fokus mit rein. Wir zwei sind ja so ein bisschen Wakaholics, wir arbeiten ja gar nicht und viel. Und ich habe mir dieses Jahr ein kleines bisschen noch nicht so ganz durchgezogen, aber zumindest der Willi war da. Das Fleisch war schwach. Fleisch war schwach. Falls ihr wissen wollt, um was es da geht, um dieses Sprichwort, dann schaut euch die Folge dazu an. Haben wir schon aufgezeichnet. Nee, ich wollte so ein bisschen, also weniger am Wochenende arbeiten. Kriegst du das hin? Ja, das jein, aber ich habe etwas, weil wenn ich im Büro bin, dann arbeite ich an meinem riesen Surface-Studio. Und da habe ich, da habe ich mir mit einem Etikettiergerät ausgedruckt, habe es hingeklebt, Hashtag FreeWeekends. Hast du? Ja, ich krieg zumindest immer ein schlechtes Gewissen.
SPEAKER_02Aber es gibt, also ich habe das mal probiert mit so, also mit, ich weiß gar nicht, was ich aufgeschrieben hatte, aber irgendwann sehe ich das nicht mehr. Geht es nicht so? Geht es dir nicht auch so? Oder siehst du das immer noch dann?
SPEAKER_03Vielleicht. Vielleicht. Deshalb habe ich ja in meinem Laptop auch ja diesen Post-it und das liegt immer im Weg. Also ich muss ja immer, wenn ich ihn aufklappe, der liegt auf der Tastatur drauf, muss ich ihn in die Hand nehmen und wegnehmen. Also auch vielleicht so etwas ist es aus dem Augen, aus dem Sinn. Wir hatten mal für, bei einem Kunden haben wir das gemacht. Das war eine richtig, richtig tolle Sache. Und zwar, wir haben mitarbeiten eine kleine Optimierung gemacht. Und nach dem Motto, tue Gutes und sprich da darüber, da wollte man einfach der Belegschaft zeigen, hey, guck mal, da wird was gemacht und ist richtig toll. Und was war die Intention als solches? Wir hängen es an schwarze Brett. Also wir haben da so ein Pro Stück gemacht, pro Verbesserung, hey, wie war es davor? Wie ist es danach? Was hat es uns gebracht und wer hat denn das gemacht? Dann kannst du denen einfach direkt ansprechen. Schwarze Brett, das juckt keinen Menschen, die Leute laufen dran vorbei, das interessiert niemanden. Und da bin ich drauf gekommen, hey, lass uns so ein bisschen aus dem Guerilla-Marketing, lass uns da was anderes machen. Was haben wir da gemacht? Wir haben einen Aufsteller gemacht, also einen Ständer, wo man ein Schild oben hin machen kann. Das Schild war so, ich mal so ein Quadratmeter groß. Das war eine riesengroße Sprechblase und da hieß dran, Psst, nicht weiter sagen. Und da darunter war ein Platz, wo du das Plakat hinhängen konntest. Und das Spannende war jetzt da daran, wir haben die Aufsteller im ganzen Werk verteilt und alle zwei Wochen, beziehungsweise entweder wöchentlich oder zweiwöchentlich den Platz verändert und die Plakate da da drauf. Dann kann das plötzlich sein, die sind mal, da stand mal einer im Hirnklo, dann steht so ein Pessoa und nebendran steht neben dir dieses riesige Schöpfst, nicht weitersagen. Und du guckst automatisch drauf. Und dann standst du mal im Raucherbereich, dann standst du mal in der Kantine, dann stand es mal bewusst irgendwo im Weg, dann standst du mal hier und dort und so ein bisschen die Leute so, äh, ich weiß ja, schwäbische Mürrische, was soll denn jetzt der Scheiß, aber guckt haben da alle. Es bleibt auch hängen dann. Es bleibt auch hängen. Und das war diese Dynamik mit drin, um das immer wieder in den Fokus reinzusetzen. Hey, jetzt steht ja schon wieder so ein doofes Schild. Da steht da überhaupt drauf. Ja, genau, genau. Aber alle waren dann immer neugericht und haben es dann gelesen. Genau, also das ist alles, manchmal muss man das Auge auch ein bisschen anstrengen, dass es nicht müdet und so etwas. Also wie du schon sagst, dieser gleiche Punkt und alles drum und dran. Du musst es irgendwie hinbekommen, dass es immer wieder neu auftaucht, neu im Fokus drin ist.
SPEAKER_02Das war mein Problem. Ich habe auch so ein Post gehabt, wo was drauf stand, dass ich das nicht vergesse. Ich weiß nicht mehr, was drauf stand, ich habe es wirklich vergessen. Und das hing immer am gleichen Ort und irgendwie so nach einer Woche habe ich das gar nicht mehr gesehen, weil es dann irgendwie so dauerhaft da war und das ist dann uninteressant. Ja, ja. Warum wird es wechseln?
SPEAKER_03Das ist übrigens der Baulampeneffekt. Habe ich dir schon mal vom Baulampeneffekt erzählt. Also das ist ein Effekt, den habe ich erfunden. Echt jetzt? Ja, ja, also den Begriff ist von mir geprägt. Patent Pending. Genau, gibt es so nicht. Wir haben vor vielen, vielen Jahren meine Eltern gebaut gehabt und irgendwann mal kam dann mein Onkel da daher, keine Ahnung, fünf, sechs Jahren, und meinte so, jetzt wird es aber an der Zeit, dass ihr die Baulampe hier im Eingangsbereich mal austauscht. Die nur am Kabel hängen, meinst du? Ja, genau. Das Problem ist immer, wenn man einzieht oder so etwas, das Schlimmste sind die Lampen und das vergisst man auch gar nicht. Das heißt, wir haben da Jahre drin gewohnt und uns nicht aufgefallen, dass da noch die Baulampe hing. Warum? Sie hat Licht erzeugt und alles so. Sie sah halt nicht schön aus, aber sie war da. Aber man ist dann betriebsblind geworden, in Anführungszeichen. Du hast sie nicht mehr gesehen. Die Baulampe. Nein, es hat den gleichen Sinn erfüllt. Ja, es hat den Sinn erfüllt, aber es sah halt hässlich aus. Guck schade nicht hoch. Guck schalt einfach nicht hoch. Und das ist ja auch dieses Fresh-Eye-Prinzip, wenn da jemand Neues kommt, entdeckt man plötzlich Dinge, die sieht man einfach gar nicht mehr. Also auch hier aus dem Augen, aus dem Sinn muss man nicht mal sein, dass es aus dem Blickwinkel ist, sondern aus dem Fokus ist. Ja, genau. Ich fokussiere mich da nicht mehr drauf. Richtig. Und vielleicht hast du das ja auch schon mal erlebt, wenn man dann so bei Freunden mal zu Besuch ist und dann guckt man so in die Egne und denkt so, ha, boah, ist aber schon dreckig bei denen. Und wenn man dann zu Hause bei sich ist und dann realisiert, oh, bei mir sieht es aber gar nicht besser aus. Also genau, das ist dieses, also nicht aus dem Augen, sondern eigentlich aus dem Fokus, aus dem Sinn. Und weil unser, man muss ja überlegen, unser Hirn, warum ist das so? Warum siehst du dieses Post- nicht mehr? Unser Hirn fängt ja an zu filtern. Wir bekommen ja die ganze Zeit Informationen auf uns zu. It's übrigens auch so, wir haben ja ein Video, you see uns ja, wir sind ja nicht nackig. Vielleicht. Wir haben ja etwas an und das ist ganz spannend, weil unser Körper nimmt ja die ganze Zeit alle möglichen Sensoren auf, alles, er spürt ja alles so. Und normalerweise müsste es so sein, wenn du jetzt ein Pulli ansehst und so etwas, deine Haut spürt, dass da was da ist. Und eigentlich müsste die Signale, die der ganze Zeit kommen, da ist was, da ist was, der ist was, der ist was, der ist was. Oder deine Cappy oder deine Brille oder was auch immer. Aber unser Körper hat gelernt, okay, da ist was, gut, ich habe es dir einmal gesagt, gut, dann kommt das Signal jetzt nicht mehr und dann ist es abgespeichert. Und genauso ist es eben auch, wenn wir irgendwie etwas sehen am Anfang. Deshalb ist es ja auch immer so, wenn man wohl neu ist, sieht man viel, viel mehr, anstelle wenn man da eine ganze Zeit lang ist, weil unser Gehirn sagt, okay, habe ich dir schon mal gesagt, aus dem Augen, aus dem Sinn, also aus dem Fokus rein. Man gewöhnt sich da daran. Genau so. Also das heißt, auch hier ist es eben so, diesen Fokus manchmal immer wieder neu zu setzen, durch solche Impulse wie diese Schilder, die plötzlich auftauchen, oder eben auch solche Sachen wie jetzt zum Beispiel der Poster, der im Weg ist, einfach so. Ja, richtig. Also das heißt, das ist eigentlich die Strategie, um Themen immer wieder neu in den Fokus zu rücken, dass man sie nicht vergisst. Jetzt haben wir aber vorhin schon gesagt, manchmal will man Dinge vergessen. Also man trennt sich zum Beispiel in einer Beziehung oder man hat irgendwie etwas Trauriges erlebt oder man verbindet irgendetwas mit einer negativen Emotion. Dann macht es tatsächlich Sinn, und das ist auch eine Strategie, sich von diesem Gegenstand, sich von, wenn man zum Beispiel gemeinsam in einer Wohnung gewohnt hat und was auch immer und so etwas und sich ständig immer daran erinnert, dann ist es sehr, sehr schwierig. Und dann muss man manchmal diesen Fokus wegtun. Man muss sich von Gegenständen trennen, um dann auch loslassen zu können. Also das ist auch ganz wichtig. Und auch das ist eine Strategie, wo man machen kann. Das Spannende ist, wenn man weiß, wie in der Fotografie, auf was will ich jetzt den Fokus sehen und was will ich ausblenden. Und dann kann man den Fokus auf das setzen, was man nicht vergessen soll. Was Schönes auch zum Beispiel. Und das ist einfach ganz, ganz wichtig. Habe ich dir schon mal von der Bienen- und Fliegenbrille erzählt?
SPEAKER_02Das kommt von den Bienen und Blümchen. Da weiß ich nämlich aus, aber was für ein Dings?
SPEAKER_03Von der Bienen- und Fliegenbrille?
SPEAKER_02Nee.
SPEAKER_03Nein. Das ist ganz interessant. Ich mache das immer eine Gruppenübung, wenn irgendwie, es heißt ja, hier ist alles so doof und dann sage ich, okay, ich teile euch jetzt auf in zwei Gruppen. Die eine Gruppe kriegt die Aufgabe der Bienen. Nach was sucht eine Biene? Nach dem Schönen, nach Necken, nach Blumen und alles drum und dran. Nach was sucht die Fliege? Nach der Scheiße. So, Entschuldigung, dass ich das gesagt habe. So, und die eine Gruppe, die Bienengruppe, kriegt die Aufgabe, jetzt zum Beispiel alles hinzuschreiben, was ist denn toll an unserer Abteilung? Und schreiben alles auf. Die anderen, die Fliegenbrille, darf aufschreiben, was ist denn eigentlich schlecht? Und ich mache das immer mit Karten, also immer ein Thema pro Karte. Und es ist immer so. Die, die die Fliegenbrille haben, die freuen sich richtig. Ja, jetzt kann ich es endlich mal zeigen. Aber nach fünf, sechs Karten geht denen der Stoff aus. Und die Bienenbrille, die schreiben da ganz, ganz viel. Und ich mache noch eines und das ist ganz wichtig. Ich erzähle immer eine Geschichte und damit schließen wir heute dann auch unseren Podcast ab. Eine Geschichte da davor, um die so ein bisschen einzustimmen in das Ganze. Und die heißt die Geschichte von Pauls Hund. Paul hat einen Hund und dieser Hund kann etwas ganz, ganz, ganz Besonderes. Der kann übers Wasser laufen. Jetzt will aber nicht, dass Paul Experimente mit seinem Hund gemacht werden und alles. Und deshalb erzählt er niemanden, dass sein Hund das Tolles kann. Eines Tages geht Paul mit seinem besten Freund zum Entenjagen, fährt mit dem Boot raus auf den See, trötet, Ente fliegt hoch, nimmt die Schrotflinde, schießt die Ente ab, Ente fällt runter. In dem Moment realisiert Paul, Mist, ich hab ja meinen Hund dabei. Was macht Pauls Hund? Steht auf, rennt übers Wasser, holt die Ente, bringt sie zurück. Paul schaut entsetzt sein Freund an, doch da kam keine Reaktion. Okay, gut. Wieder. Tröte, Enten fliegen hoch, schrotflinde, Ende fällt runter, Pauls Hund rast übers Wasser, kommt wieder zurück. Keine Reaktion. Das Ganze geht noch zwei, dreimal so. Und irgendwann mal nimmt Paul seinen ganzen Mut zusammen und fragt seinen Freund, du, du, ist dir eigentlich nichts an meinem Hund aufgefallen? Worauf der Freund von Paul antwortet, ach, weißt du, Paul, eigentlich wolltest du dir gar nichts sagen, aber wenn du mich so direkt drauf ansprichst, ich glaube, dein Hund kann nicht schwimmen. Und das ist genau das, dieses, wir setzen manchmal den Fokus auf etwas Falsches, hey, der muss doch eigentlich jetzt schwimmen, der schwimmt, aber dieser Hund kann nicht schwimmen. Wir sehen nicht dieses Faszinierende, was dieser Hunde eigentlich kann, dass er übers Wasser laufen kann. Also vielleicht auch hier für euch, überlegt euch manchmal, habt ihr die Bienen oder die Fliegenbrille auf? Und wenn ihr es schafft, den Fokus immer auf das Richtige zu setzen, dann seid ihr richtig stark. Vielen Dank fürs Zuhören. Mein Name ist Sebastian. Meine Philipp. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
SPEAKER_00Vielen Dank fürs Anhören. Dieser Podcast ist eine Peak Studio-Produktion. Eine neue Folge strukturiertes Chaos erscheint alle zwei Wochen überall dort, wo es Podcasts gibt.