„Zurück zu dir“

Warum fällt es so vielen Menschen so schwer, sich zu verteidigen?

Ada Jungblut Season 1 Episode 30

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Warum fällt es so vielen Menschen so schwer, sich zu verteidigen?

Warum erstarren wir, wenn jemand unsere Grenzen überschreitet?

Und weshalb haben wir oft mehr Angst vor unserer eigenen Wut als vor Menschen, die uns verletzen?

In dieser Podcast-Folge sprechen wir darüber, wie in der Kindheit ein Verbot auf gesunde Aggression entstehen kann – und warum genau dieses Verbot später dazu führt, dass wir unsere Grenzen nicht mehr schützen.

Du erfährst:
 • warum Aggression nicht immer zerstörerisch ist,
 • was gesunde Aggression wirklich bedeutet,
 • weshalb viele Menschen bei Grenzüberschreitungen erstarren,
 • und wie Eltern ihren Kindern beibringen können, sich selbst zu schützen, ohne andere zu verletzen.

Wenn dich diese Folge berührt hat, freue ich mich, wenn du sie mit einem Menschen teilst, dem sie helfen könnte.

Und wenn du beginnen möchtest, die Ursachen deiner eigenen Muster zu lösen, dann schreibe mir gerne auf Instagram. 🤍


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Und wenn du spürst, dass du dich tiefer öffnen möchtest, begleite ich dich auf diesem Weg.

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SPEAKER_00

Hallo und herzlich willkommen zu der nächsten Podcast-Folge. Heute ist mir ein Gedanke gekommen, den ich mit dir gerne teilen möchte. Viele Frauen lösen Konflikte sehr weich, sehr vorsichtig und sehr harmonisch. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Stärke. Doch oft steckt dahinter etwas ganz anderes, nicht Frieden, sondern Angst. Angst vor Aggression. Und diese Angst entsteht selten im Erwachsenenalter. Sie beginnt bereits in der Kindheit. Viele von uns haben Aggression nur in ihrer zerstörerischen Form kennengelernt. Wir wurden angeschrien, vielleicht geschlagen, bestraft, allein gelassen, beschämt. Unser Nervensystem hat daraus eine einzige Schlussfolgerung gezogen. Aggression ist gefährlich. Zerstörerische Aggression verletzt. Gesunde Aggression schützt. Gesunde Aggression bedeutet eine Grenze zu setzen, Nein zu sagen, sich zu verteidigen, dem anderen deutlich zu machen, bis hierhin und nicht weiter. Doch genau das haben viele von uns nie lernen dürfen. Viele Eltern sagten, Streit es schlecht, sei lieb, rede einfach, mach keinen Ärger, laß es gut sein. Gleichzeitig schrien dieselben Eltern ihre Kinder an, schlugen sie und machten ihre Gefühle klein. Für ein Kind entsteht dadurch ein tiefer innerer Widerspruch. Einerseits erlebt es täglich Grenzüberschreitungen, andererseits darf er sich nicht dagegen wehren. Das Kind lernt, meine Gefühle sind nicht wichtig, meine Grenzen sind nicht wichtig. Ich darf mich nicht verteidigen. Ich muss alles aushalten. Viele Eltern, Erwachsene glauben später, sie seien einfach konfliktscheu. In Wirklichkeit hat ihr Nervensystem gelernt, dass Selbstschutz gefährlich ist. Deshalb reagieren viele Menschen bei Grenzüberschreitungen nicht mit einem klaren Nein. Sie diskutieren, sie erklären, sie rechtfertigen sich oder sie erstren. Vor kurzem erzählte mir eine Klientin eine Situation, die mich sehr berührt hat. Ein ihr bekannter Mann, nicht ihr Partner, küßte sie plötzlich ungefragt auf den Mund. Sie wollte sich wehren, doch ihr Körper bewegte sich nicht. Sie war wie eingefroren. Während der therapeutischen Arbeit wurde deutlich, welche Botschaft tief in ihr gespeichert ist. Immer wenn sie als Kind erzählte, dass jemand ihre Grenzen verletzt hatte, hörte sie, ach, ist doch nichts passiert, stell dich nicht so an, ist doch nicht so schlimm. Mit jeder solchen Reaktion lernte ein Kind, nicht meine Grenzen zählen, nicht meine Gefühle zählen, sondern der Frieden der Erwachsenen. Später wundern sich viele Menschen, warum sie bei Übergriffen oder Respektlosigkeit sprachlos werden, warum sie nichts sagen, warum sie sich erst Stunden später ärgern. Die Antwort liegt häufig nicht im Erwachsenenalter, sondern in der Kindheit. Wenn ein Kind immer wieder erlebt, deine Gefühle sind übertrieben, du musst es aushalten, sei nett, mach kein Drama, dann entwickelt es keinen gesunden Selbstschutz. Es entwickelt Anpassung. Deshalb ist es so wichtig, Kindern nicht nur beizubringen, niemanden zu verletzen, genauso wichtig ist es, ihnen zu vermitteln, du darfst deine Grenzen schützen. Natürlich sollte ein Kind nicht grundlos andere angreifen. Wenn ein Kind häufig als erstes aggressiv wird, lohnt es sich hinzuschauen, welche Not oder Überforderung dahinter steckt. Doch wenn jemand seine Grenzen wiederholt verletzt, wenn Gespräche nichts verändern und Erwachsene nicht ausreichend schützen, braucht ein Kind auch die innere Erlaubnis, sich zu verteidigen. Selbstschutz ist keine Gewalt. Selbstschutz ist ein Grundbedürfnis. Ein Kind sollte wissen, mein Körper gehört mir, meine Gefühle sind wichtig, meine Grenzen sind wichtig. Ich darf laut Nein sagen, ich darf mich schützen, ich darf mich verteidigen. Denn Kinder, die lernen, ihre Grenzen ernst zu nehmen, werden oft zu Erwachsenen, die sich nicht ständig anpassen müssen. Sie müssen nicht kämpfen, aber sie müssen sich auch nicht aufgeben. Gesunde Aggression ist deshalb kein Gegenteil von Liebe. Sie ist oft die Voraussetzung für gesunde Beziehungen. Denn dort, wo klare Grenzen möglich sind, entsteht echter gegenseitiger Respekt. Ich hoffe, diese Folge hat dir gefallen und du nimmst einige Erkenntnisse mit. Ich danke, dass du dabei warst, dass du zugehört hast. Bis zum nächsten Mal. Hier war deine Ada.