Stammtisch MAMA
Der Podcast für Echte Geschichten. Tiefe Fragen. Bewusst Eltern sein.
Hier wird’s ehrlich, laut, leise, chaotisch – so wie das Leben mit Kindern eben ist. In Gesprächen mit anderen Mamas und Papas, die sich aufgemacht haben, ihren ganz eigenen Weg zu gehen und in ehrlichen Solo-Folgen lade ich dich ein, mit mir zu erforschen: Was passiert, wenn wir uns selbst wirklich begegnen – und dadurch unseren Kindern die Freiheit schenken, ganz sie selbst zu sein: echt, präsent und aus ihrem Herzen heraus zu leben? Setz dich mit uns an den Tisch und begleite uns auf dieser Reise. Wir sind nicht alleine.
Alles Liebe
Andrea Stutz
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Stammtisch MAMA
Laura - Folge 8
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In dieser Podcast-Folge spreche mit ich Laura, Mama, Antimobbing-Coach und Gründerin der Be-Nice-Academy. Eine Frau, die aus einer persönlichen Herausforderung eine kraftvolle Herzensmission entwickelt hat.
Als ihr ältester Sohn gemobbt wurde, suchte sie lange nach Lösungen und fand keine, die wirklich halfen. Also ging sie ihren eigenen Weg und entwickelte eine Methode, die ihrem Sohn zurück zu Sicherheit, Stärke und Selbstvertrauen verhalf.
Was als persönliche Erfahrung begann, wurde zu ihrer Berufung: Heute begleitet sie zahlreiche Kinder und Familien im Umgang mit Mobbing und bildet zudem Antimobbing-Coaches aus.
Ihr Weg führte sie zwischenzeitlich auch nach Bali, auf der Suche nach neuen Perspektiven und alternativen Wegen für ihre Kinder. Nach persönlichen Veränderungen ist sie heute wieder in der Schweiz und hat ihr Coaching mit noch mehr Klarheit und Tiefe neu aufgebaut.
Ich freue mich sehr, dass sie heute hier ist.
Lass uns gemeinsam eintauchen in ihre Geschichte.
Hey hey, schön, dass du hier bist bei Stammtisch Mama. Vielleicht kennst du diese Fragen. Warum fühle ich mich als Mama manchmal leer? Warum bin ich oft so weit weg von dem, was ich mir eigentlich wünsche für mich, für meine Kinder. Hier geht es nicht um Erziehungstipps. Hier geht es um dich. Um echte Eltern, die sich auf den Weg gemacht haben zu sich selbst. Lass dich berühren von tiefen Gesprächen und ehrlichen Geschichten. Weil echte Veränderung nicht im Außen beginnt, sondern in uns. Und weil du ein Vorbild bist für deine Kinder, für die Zukunft. Hey, Laura, so schön bist du hier im Podcast. Am Stammtisch, Mama.
SPEAKER_01Vielen Dank für die Einladung. Schön, dass ich hier sein darf.
SPEAKER_00Sehr, sehr, sehr gerne. Laura. Laura ist Mama von zwei Jungs und Gründerin von der Be Nice. Mobbing Coach-Ausbildung. Sage ich das richtig? Es hat sich gewandelt, wie ich dein Weg eben von B Nice, von deiner Gründung und deiner Idee von 2019. Genau, hat sich das weiterentwickelt und da bin ich gespannt. Genau, deine Geschichte, deine Erlebnisse, dass du jetzt mit uns teilst. Herzlich willkommen. Dankeschön. Wer bist du? Genau. Wer bist du heute, Laura? Das war jetzt 2019 oder wahrscheinlich Mutter wurdest du schon früher.
SPEAKER_01Ja, Mama wurde ich schon um einiges früher, genau. Also ich bin Laura, wie gesagt, ich habe zwei Jungs, 16 und bald sechs Jahre alt. Und somit wurde ich 2009, zum ersten Mal Mama. Ja, war damals noch extrem, ich sage mal, in mir selbst gefangen, hatte nicht so eine einfache Kindheit. Ja, viele Verletzungen von damals. Und mein Sohn hat das wirklich so ein bisschen aktiviert in mir. Das ging bereits in der Schwangerschaft los, dass ich da gemerkt habe, vielleicht sollte ich da einige Dinge doch mal angucken, weil ich einfach dachte, oh Gott, was ist, wenn mein Kind dasselbe durchmacht oder wenn ich als Elternteil das mache, das möchte ich nicht machen. Aber noch sehr schüchtern und zaghaft habe ich mich daran getraut. Und dann eigentlich erst so meine richtig eigene Entwicklung ging los, als mein Sohn damals in der ersten Klasse Mobbing erlebt hat, and ich dann ja im Nachhinein Be Nice gegründet habe und da so nah mit Kindern gearbeitet habe, die natürlich extrem auch an sich gearbeitet haben, dass ich das erst können musste, um es ihnen weiterzugeben. Also ich habe mich eigentlich mit meinem eigenen Konzept angefangen zu entwickeln bis zum heutigen Tag. Natürlich hat sich das mitentwickelt, wie du gesagt hast. Mittlerweile haben wir die Anti-Mobbing Coach Academy, wo ich Anti-Mobbing-Coaches ausbilde und auch Rewrite, dass wir die Mama-Seite abdecken und ganz, ganz viele Dinge rundherum, dass wir wirklich so von jeder Seite an die Thematik rangehen können, unterstützen können und natürlich lösen können. Ja, das ist so die Kurzversion der Geschichte.
SPEAKER_00Alles gut, genau, dann haben wir mal einen Überblick, oder? Was war die Entscheidung, als du eben diese Geschichte selbst erlebt hast mit deinem Sohn, wo du gesagt hast so, oder die Idee hattest, ich mache da was draus, auch für andere.
SPEAKER_01Also ich wollte da ja eigentlich nie was draus machen für andere. Das war wirklich überhaupt nicht die Idee. Ich habe einfach gemerkt, die Schule nimmt mich nicht ernst. Ich war bei der Schulgemeinde, ich war überall, was irgendwie mit Schulen zu tun hat und keiner hat mich da wirklich für vollgenommen. Ich war jung, ich war alleinerziehend. Ich glaube, das hat einfach noch zusätzlich dafür gesorgt, dass man mich nicht so für ganz vollgenommen hat. Und die Schule hat mir auch ganz klar gesagt, mein Kind sei selbst schuld, dass es geärgert wird. Mobbing ist es ja nicht, geärgert wird. Und ich sollte mir doch eine Familienhilfe besorgen, weil ich scheide ja völlig überfordert zu sein. Und das war für mich total furchtbar, weil ich habe das geglaubt, weil ich dachte, das sind ja Pädagogen, ne? Die haben ja Schule. Ja, die wissen doch, was sie tun. Und ich fand das ganz furchtbar und ich bin dann wirklich zur Therapie mit meinem Kind. Und die Therapeutin hat dann überraschenderweise festgestellt, dass dieses Kind unter massiven Mobbing leidet, konnte aber auch nichts machen, weil sie halt da auch nicht ausgebildet ist. Und ich habe keine einzige Fachstelle gefunden, die auf Kinder ausgerichtet ist. Nur Anwälte für Arbeitsrecht, bei Mobbing, am Arbeitsblatt, aber nichts für Kinder. Und irgendwann war es so weit, dass mein Sohn abends zu mir gesagt hat: Mama, es wäre besser, wenn ich tot wäre, mich hassen alle. Und da wusste ich einfach, jetzt kann ich nicht mehr warten. Ich kann nicht mehr abwarten. Also ich war am Boden zerstört. Also ich habe mich wie die schlechteste Mama auf der Welt gefühlt. Wie konnte ich mein Kind nicht beschützen? Wie konnte ich es so weit kommen lassen? Ich habe zu wenig gemacht. Also die ganzen Schuldgefühle haben so richtig gekickt in dem Moment. Und habe dann einfach gesagt, ey, ich helfe ihm jetzt. Und ich hatte keine Ahnung von Mobbing, wirklich null, glaube ich, das Wort gehört, aber ich hätte dir nicht sagen können, was ist jetzt die Definition davon. Und ich habe ihr das dann einfach irgendwie selbst beigebracht und habe gemerkt, das sind immer wieder dieselben Muster bei Mobbing. Also wenn es diese Muster braucht, dass Mobbing möglich ist, dann müsste im Umkehrschluss ja auch möglich sein, wenn man diese Grundlagen entzieht, dass Mobbing dann nicht mehr möglich ist. Und genau das habe ich gemacht bei meinem Kind. Das Mobbing hat aufgehört innerhalb von drei Monaten. Und was ich geändert habe in außen war, dass ich nicht mehr geschwiegen habe. Also ich habe mit jedem gesprochen, es war mir völlig egal, ob die das hören wollten oder nicht. Ich habe jedem erzählt, was passiert is. And then plötzlich kamen Mamas auf mich beim Einkauf und haben gesagt, I have gehört, du hast da für Aaron was gemacht, könntest du uns auch helfen? Beim Kim passiert genau dasselbe. And ich habe gesagt, klar, ich zeige dir, was wir so gemacht haben. And so hat sich das dann entwickelt. And eine Mama hat dann gesagt, du musst raus damit. This is eine Lücke im System. Du gehst an die Kinder ran, die akut leiden, mach was daraus, das braucht. Und dann, ja, am 1.01.19 ist be nice dann entstanden. Wow, wow.
SPEAKER_00Ja, eben ich vielleicht noch zu unserer Kenlerngeschichte, so eine richtige Kennenlerngeschichte gibt es eigentlich nicht. Ich bin Laura zufällig oder ja, eben zufällig auf Insta begegnet, genau. Und irgendwie hast du mich gecatcht, ich weiß nicht mehr mit was, weil ich eben gespürt habe, diese Lücke, genau, das ist was, was man nicht überall hört. Oder was nicht einfach so eben auch an den Schulen, wie an den Schulen darüber gesprochen wird und wie das Thema angesprochen wird, sondern ich habe unglaublich einen Zug gespürt zu dir, genau, weil ich wusste, da ist irgendwie was noch, was noch nicht viele wissen und können auch. Es ist ja auch eben diese Erfahrung, die du wahrscheinlich durch deinen eigenen Sohn, dass du wirklich in der Tiefe verstehst, oder?
SPEAKER_01Also es ist tatsächlich so, dass auch im Coaching die Eltern sagen, man merkt einfach, das ist nicht aus Büchern, das ist nichts, was du liest, das ist aus dem Leben. Und ich glaube auch, du brauchst einen gewissen Grad an Bewusstsein, um unsere Arbeit zu verstehen. Weil natürlich ganz viele mir vorwerfen, dass ich dann diese Täter Opferumkehr mache. Ah, jetzt ist das Kind schuld, ja, jetzt muss das Kind was machen. Und da merke ich, dieser Bewusstseinsgrad ist bei vielen noch nicht da. Die sind immer noch sehr in dieser Opferrolle selbst gefangen. Und ich sage immer, Opferrolle ist kein negatives Wort, es ist einfach ein Zustand, es ist kein Charakterzug, es ist einfach ein Zustand. Und aus diesem Zustand heraus siehst du natürlich nicht die Möglichkeiten, die du selbst hast, um eine Situation zu verbessern. Das heißt, die Eltern, die zu uns kommen, die ihre Kinder zu uns bringen, die rufen uns oft an und die haben diesen Bewusstseinszustand auch noch nicht, bis wir ihnen erklären, wir können jetzt warten, dass die Mobber aufhören, wir können warten, dass die Eltern eingreifen, wir können warten, dass die Schule was macht oder wir können jetzt aktiv werden und ganz, ganz viel verändern, weil Kinder, die gemobbt werden, haben mehr Macht als die Kinder, die mobben. Und das ist vielen nicht bewusst. Und nein, die Kinder sind nicht schuld, dass sie in dieser Situation sind. Sie haben einfach nicht gelernt, was zu tun ist, dass sie da nicht reinkommen. Das ist wie wenn du einem Kind nicht erklärst, dass du bei Rot stehen bleiben sollst, dann wird es gefährlich. Und genauso ist es, wenn du deinem Kind nicht zeigst, wie es funktioniert, wie es reagieren kann, wenn es jemand ärgert, dann wird es gefährlich.
SPEAKER_00Ja, das sind genau Dinge, die man nicht lernt. Das stimmt. Oder nicht anders, oder? Nee, wir auch nicht, genau. Und von dieser Opferrolle, die du sprichst, kenne ich sehr gut. Ich war auch jahrelang da drin.
SPEAKER_01Euch auch.
SPEAKER_00Genau, genau. Wollte alles um mich genau irgendwie verändern. Ja, weil ich wusste in diesem Moment nicht, dass es andere Möglichkeiten gibt.
SPEAKER_01Richtig, genau. Und genau aus der Perspektive sehe ich das eben auch. Auch wenn diese Kritik kommen und sagen, wie kannst du noch und so, dann weiß ich, okay, du bist noch nicht da, aber ich wünsche dir sehr, dass du da hinkommst. Weil du kannst selbst so viel verändern. Also ich kenne das selbst auch so, so gut. Also jeder war schuld an meinem Unglück und die Welt und das Leben war so gegen mich. Also ich kenne das so gut. Ich musste da ja auch erst rein wachsen. Und wie du sagst, die Kinder lernen es nicht. Wir haben es nicht gelernt. Und wir sind so die erste Generation, die es versucht, anders zu machen. Und wir versuchen, unsere eigene Vergangenheit, unsere eigene Verletzung zu heilen und gleichzeitig zu schauen, dass unsere Kinder nicht dasselbe erleben. Das ist unfassbar streng. Und wir sind die Ersten, die das machen. Und ich sage immer, die Ersten haben es immer am schwierigsten. Wahrscheinlich die Generationen nach uns werden es in diesem Fall einfacher haben. Aber wir leisten da gerade Unglaubliches als Eltern, uns selbst zu heilen und es für unsere Kinder besser zu machen. Und ich finde, das ist etwas, was man auch mal anerkennen darf bei sich selbst und sagen kann, wow, also da bin ich recht stolz auf mich, dass ich das für mich mache und dass ich das meinen Kindern ermögliche, dass sie es anders lernen bereits.
SPEAKER_00Mega Worte, Laura, mega Worte. Genau, endlich eben diese Möglichkeiten, die man vorhin nicht gesehen hat oder eben nicht erkannt, weil sie liegen wirklich nicht so nahe irgendwo, genau an der Schule oder bei unseren Eltern oder so. Die zu finden und sie zu erkennen. Genau. Da kann unglaublich viel geöffnet werden, genau bei uns und durch unsere Verbindung mit den Kindern natürlich auch bei unseren Kindern.
SPEAKER_01Absolut. Also es wird extrem unterschätzt. Also ich sage immer, die Arbeit beginnt nie beim Kind, die beginnt immer bei den Eltern. Und es einfach verrückt, was sich verändert, wenn die Eltern einfach nur schon ihr Mindset verändern. Also nicht mehr, wenn dein Kind nach Hause kommt und weint und sagt, ihr habt mich wieder geärgert. Und die Eltern, oder ich spreche jetzt spezifisch von der Mama, da wir einfach meistens mit der Mama, nicht nur, aber meistens mit der Mama zu tun haben, die Mama einfach völlig überfordert ist, weil sie nicht weiß, was sie sagen soll. Sie leidet mit, das tut dir total leid. Aber sie weiß jetzt nicht genau, wie soll ich reagieren, soll ich jetzt zur Schule, soll ich zu den Eltern, du gehst in diesen Löwen-Mama-Modus, in dem triffst du sowieso nicht besonders gute Entscheidungen. Und plötzlich lernen sie, diesen Raum zu halten, diese Energie zu halten, diese Ruhe zu bewahren, dein Kind zu leiten und eben nicht in diesen Dramamodus mit einzusteigen, weil dann wird dein Kind ja auch nervös, wenn es merkt, oh Gott, Mama hat auch keine Ahnung, was jetzt zu tun ist, dann verändert sich schon so unglaublich viel, weil dein Kind orientiert sich ja an dir und nicht an dem, was du sagst, sondern meistens an dem, was du tust und an deiner Energie, vor allem, die du hast. Und das wird so unterschätzt, wie viel das ausmacht.
SPEAKER_00Das habe ich jetzt selber so wahrgenommen. Mich würde es jetzt interessieren, wie du das jetzt in deinen Ausbildungen oder auch Coaching-Gesprächen hattest, wie du das wahrgenommen hast bei diesem Mama-Kind oder vielleicht Elternkind-Beziehungen, wie sich das auch verändert hat.
SPEAKER_01Also in erster Linie habe ich es natürlich bei mir selbst erstmal gemerkt zu Hause. Also mein Sohn ist jetzt 16. große und ich sage immer, das ist so mein Vorzeigebeispiel. Das klingt so doof, aber das ist ja das Kind, was nach diesem Konzept am längsten lebt. Jetzt eigentlich seit acht Jahren lebt dieses Kind nach diesem Konzept und ich sehe, was das für Auswirkungen hat. Und natürlich auch, wie ich mich verändert habe in der Zeit, die Auswirkung, die das wieder aufhören hat auf sein Selbstbewusstsein, auf sein Selbstvertrauen, auf Denkweisen. Zum Beispiel, letztes Jahr war ein riesiges Thema bei mir, dass ich mich selbst priorisiere, dass ich der wichtigste Mensch bin. Und dann meine Kinder, weil wenn ich keine Energie habe, bringt es meinen Kindern nichts. Wenn ich meine Energie habe, dann fließt sie automatisch zu meinen Kindern. Mein Sohn gesagt hat, das ist schon krass, ne? Also du bist viel gelassener und entspannter und hast mehr Geduld. Und das ist richtig schön. Und das ist so, ja, also du machst was für dich und dein Kind gibt dir so ein Feedback. Also du brauchst diese Schuldgefühle gar nicht zu haben und zu denken, oh Gott, wie kann ich nur und als Mama, nein, genau dann ist es wichtig. Weil ich möchte ja, dass mein Kind lernt, sich selbst auch zu priorisieren. Ich wäre ja nicht, dass er lernt, alle Menschen vor sich zu stellen und er verhungert da unten irgendwo, sondern dass er für sich wichtig ist und dann kommen alle anderen Menschen. Wenn er Energie hat, dann fließt es automatisch zu den anderen. Und das sehe ich natürlich auch im Coaching. Wenn die Eltern oder die Mamas sehr verängstigt zu uns kommen, es ist unheimlich emotional. Die sehen kein Licht mehr am Ende des Tunnels und bereits so nach dem Erstgespräch ist da wieder ein Lichtchen, weil da ist jemand, der dich hört, der dich ernst nimmt. Eine Schulter, bei der du dich einfach aus darfst, du darfst sein, wie du bist, du musst dich. Also Mobbing ist ja extrem schambehaftet, tatsächlich auch für die Eltern, dass Eltern sich wirklich schämen oder auch schuldig fühlen, dass das passiert ist. Und das versuchen wir ihnen natürlich schnellstmöglich abzunehmen, zu sagen, hey, du hast es nicht besser gewusst, ich wusste es auch nicht besser, deswegen tue ich, was ich tue. Und wenn die Eltern in diese Stabilität kommen, dann gibt es dem Kind Stabilität, sie trauen sich viel mehr zu, die können auch die Dinge sehr gut umsetzen. Und natürlich hatten wir auch Beispiele, bei denen die Eltern nicht mitgegangen sind und die Kinder den Erfolg wieder verloren haben, weil sie einfach nicht im Alltag gehalten werden konnte. Und deswegen sind wir auf die Mitarbeit der Eltern total angewiesen, auch im Coaching, dass sie dabei sind und die Dinge dann im Alltag umsetzen, die Kinder erinnern, was besprochen wurde, damit sie das vom Coaching mit in die Realität nehmen können in den Alltag. Aber da haben die Eltern eine Wahnsinnsfunktion.
SPEAKER_00Jetzt noch mehr zu deiner Geschichte. Ich habe dich kennengelernt, wenn man es jetzt über Instagram so nennen darf. Als du noch, war das Thailand? Bali. Bali, nein, nicht Thailand, anderen Ort. Bali, als du in Bali warst, oder? Ich weiß nicht. Erzähl mal von deiner Wurssituation, vielleicht jetzt oder auch, wenn du magst, genau, wie das auch schon war, genau, jetzt, in der Vergangenheit.
SPEAKER_01Also mein Sohn hatte ja dann kein Mobbing mehr, das ging also wirklich gut, er ist auch bis heute super toll integriert, wahnsinnig Selbstbewusstsein, ist so ein Trendsetter, sage ich immer.
SPEAKER_00War das in der Schweiz?
SPEAKER_01Das war noch in der Schweiz, genau. Ich habe ihn dann aber in der fünften Klasse ihn rausgenommen ins Homeschooling raus, respektive er ist an eine Online-Schule gegangen, weil einfach seit dem Mobbing bis heute Druck geht gar nicht mehr. Also Druck, Ängste, sobald er irgendwie was leisten muss oder eine Erwartung dahinter steht, ist es einfach blockiert. Also das ist etwas, womit er bis heute zu kämpfen hat. Also Mobbing hinterlässt lebenslange Spuren und er wird sehr hart an sich arbeiten müssen, um das irgendwann auflösen zu können. Aber grundsätzlich hat er sich ganz, ganz toll entwickelt, aber da habe ich einfach gemerkt, das macht ihn mehr kaputt, als dass es ihm hilft. Habe ihn dann rausgenommen aus der Schule. Und er hat ein ADHS, das kommt einfach noch dazu, und mein Kleiner ist im Autismusspektrum. Und ich habe mir einfach gesagt, das tue ich mir nicht nochmal an mit diesem Schulsystem. Es ist alt, es ist kaputt, es ist nicht förderlich für die Gesundheit. Es bringt eigentlich überhaupt keinen Vorteil. Und habe gesagt, das möchte ich nicht. Ich möchte meinen Kindern etwas anderes bieten können. Dann bei uns im Kanton ist es so, du darfst ein Jahr Homeschooling machen und danach wird es dann schwierig. Also das heißt, es war nicht ganz legal, dass ich ihn da zu Hause behalten habe. Habe ich gesagt, ist mir egal in dem Moment. Ich gucke jetzt einfach, was können wir machen. Und dann plötzlich war Bali auf dem Schirm. Meine Mama lebt da und ich habe mich informiert, dass du da wirklich völlig frei wählen kannst, wie du deine Kinder unterrichtest, ob die zur Schule gehen oder zu Hause bleiben. Die Privatschulen waren wirklich in einem Kreisniveau, wo ich sagen konnte, okay, finde ich fair, kann ich auch finanzieren alleine. Und habe mich dann entschieden, dass ich meine Kinder schnappe und nach Bali auswandere. Und wir haben uns da super wohl gefühlt. Der Kleine war in einer Playgroup, das war so die Vorstufe, also so wie Spielgruppe, Vorstufe vom Kindergarten. Und wir hatten eine so, so tolle Schule und diese Wertschätzung den Kindern gegenüber. Und natürlich war sein Autismus auch da, ein Thema. Es war nicht alles leicht, aber sie haben ihn einfach so genommen, wie er ist. Die haben auch gesagt, wir brauchen kein Papier, weil das verändert ihn ja nicht. Er ist ja wie er ist und er ist gut, wie er ist. Und wir stärken ihn in den Dingen, die er gut kann und wir unterstützen ihn in dem, was nicht so gut läuft. Und die haben ihn einfach so lieb gehabt und der ist da völlig aufgetaut. Er hat da das erste Mal mit einem Kind gespielt. Also es war einfach so schön. Und es ist auch offen auf Leute zugegangen. Nach drei Monaten hat er fließend Englisch gesprochen, also von 0 auf 100. Und in dieser Zeit habe ich mich aber getrennt vom Papa, vom Kleinen, weil ich einfach auch da gemerkt habe, also ich habe mich so eingeengt gefühlt. Ich war wirklich nicht mehr glücklich. Ich war nicht mehr mich selbst und habe mich getrennt und hatte den Glow-up meines Lebens. Also wirklich, ich habe mich, ja, das klingt schlimm, aber ich habe mich einfach nicht.
SPEAKER_00Nein, ich weiß, wovon du sprichst.
SPEAKER_01Ja, nicht gegen ihn entschieden, ich habe mich für mich entschieden. Und das war das Beste, was ich machen konnte, weil da kam meine Energie so richtig zurück. Er hat dann aber daraus leider entschieden, dass der Kleine zurück in die Schweiz kommen muss, dass ich da nicht bleiben darf. Und deswegen mussten wir dann tatsächlich abbrechen und zurückgehen. Und dann habe ich mir hier alles komplett nochmal neu aufgebaut. Der Kleine musste dann in den Kindergarten an der öffentlichen Schule und ich habe gedacht, okay, wir gucken, was passiert, Kindergarten. Ist er noch nicht Schule, schauen wir mal. Und er hatte dann nach einem Jahr ein, war auf dem Weg in ein autistisches Burnout. Und er war dann zu Hause und ich muss sagen, unsere Kindergärtnerin ist ganz, ganz, ganz toll. Also die hat, ist losgegangen, hat ein Zelt gekauft, dass er einen Rückzugsort hat, hat die Gardehobe, alles umorganisiert, damit kein Kind neben ihm sitzt. Also sie ist großartig und einfach, weil sie so großartig ist, geht es aktuell ganz gut. Wir waren jetzt gerade wieder drei Wochen auf Bali. Wir sind zurückgekommen und sie hat auch gesagt, das ist ein anderer. Da habe ich gesagt, ich weiß. Das ist der Bali Glow, den er da mitgebracht hat. Sie gesagt, ich habe ihnen das ja schon geglaubt, aber das ist massiv. Also der macht ja überall mit, der tanzt mit, der singt mit, es hat er noch nie gemacht. Also es geht aktuell gerade ganz gut. Aber hinsichtlich der Schule bin ich jetzt wirklich am Gucken für eine Privatschule, weil ich sehe es nicht. Ich möchte nicht mein Kind erst traumatisieren und dann sagen, ja, wenigstens haben wir es probiert, sondern ich möchte, dass er eine gute Schulzeit hat. Und er hat es ja schon schwieriger mit gewissen Dingen. Ja, ich möchte einfach, dass er gesund ist. Ich habe das jetzt mit einem Kind durch, das ist unschön. Und jetzt möchte ich es beim zweiten anders machen, damit das gut kommt. Ja, das ist so unsere Geschichte mit Bali und der Schule und warum wir gegangen sind, aber warum wir halt leider auch wieder hier sind. Aber du, das Leben ergibt dir immer das, was du brauchst. Ich muss auch sagen, es gibt einen Grund, warum ich zurückkommen musste. Meine Aufgabe war hier noch nicht erledigt. Deswegen, ich bin absolut fein damit. Es fehlt uns sehr. Wir versuchen jetzt jedes Jahr rüberzugehen, natürlich auch meine Mama zu besuchen. Aber das Leben weiß schon, wo es dich hinführt. Und wenn du das mit offenen Armen annimmst, dann zeigt es dir auch, wofür.
SPEAKER_00Genau, ich denke, nein, ich kann nicht sagen, ähnlichen Punkt, aber auch doch in gewisser Weise natürlich schon auch genau. Mich zieht es jetzt von der Schweiz weg und ich weiß nicht eben, wie ich es mit den Kindern mache, weil eben Papa der Kinder das auch irgendwie noch anders sieht. Da brauche ich jetzt auch Lösungen und da muss ich auch eben offen bleiben. Wie du sagst, das Leben hat schon diesen Plan, der dann am Schluss für alle wieder passt, sodass wir unsere Aufgaben, unsere Erfahrungen, unsere Geschichten schreiben.
SPEAKER_01Genau. Ja, eine Lösung gibt es ja immer. Man sagt ja, für jedes Problem gibt es mindestens fünf Lösungen. Manchmal braucht es ein bisschen länger, manchmal braucht es andere Perspektiven. Oft fällt es ja einfach vor die Füße und dann ist wie klar, es ist jetzt so. Aber eine Lösung gibt es ja immer. Und ja, manchmal muss man sich anlegen mit dem System, das ist so. Muss ich auch, muss ich wahrscheinlich in Zukunft auch hin und wieder mal machen. Man muss sich das so ein bisschen erkämpfen. Ach es ja schon noch, genau. Ich glaube, da ist schon was im Tun, oder? Ja, also ich glaube, das Schulsystem ist am Ende. Also wir rasen auf eine Mauer zu. Also das Einzige, was das Schulsystem noch zusammenhält, ist, dass die Eltern die Kinder dahin schicken. Ansonsten wirklich nichts mehr. Und das ist ja tragisch, weil wir wissen so viel über Psychologie. Moment, Entschuldigung. Über Psychologie, über Entwicklungspsychologie, über so viel, also nur schon in den letzten 20 Jahren, was wir gelernt haben, es ist mir ein Rätsel.
SPEAKER_00Auch die Hirnforschung, oder? Kommt ihr jetzt in den Sinn? Alles.
SPEAKER_01Es ist mir ein Rätsel, auch wie Kinder lernen, in welchem Alter sie, wie aufnahmefähig sind für was. Und dieses intrinsische Lernen, dieses Lernen wollen, das ist ja in ihnen drin. Die Begeisterung, oder? Alles. Alles, ja, also es ist mir ein Rätsel, wie ist es möglich, dass wir da hängen geblieben sind vor 100 Jahren, wo man im Reih und Glied sitzt und ruhig ist und aufstrecken muss, wenn man was sagen möchte. Also ja, dann musste jemand die Erlaubnis erteilen, dass du deine Stimme brauchen darfst.
SPEAKER_00Dann sagen sie noch, wie, ob sie laut, leise, genau. Alles, wie du sie brauchen darfst, gebrauchen darfst.
SPEAKER_01Ja, schwierig. Es ist sehr schwierig, ja. Ich habe mein Kind halt, also der Große vor allem, immer gesagt, du darfst immer etwas sagen. Du darfst dich immer auf die Hinterbeide stellen. Anständig, respektvoll, aber du darfst dich für dich selbst einsetzen. Und das hat er wirklich gemacht, auch Lehrern gegenüber. Und das haben sie nicht gerne gesehen, aber sie konnten wie nichts tun, weil es so anständig und gut formuliert war. Er hatte eine Lehrperson, die hat ihn immer wieder angeschrien, also alle. Und er ist dann irgendwann vor der ganzen Klasse aufgestanden und hat gesagt, ich möchte nicht mehr, dass sie mich anschreien. Ich habe es nicht verdient, angeschrien zu werden. Und sie möchten ja auch nicht, dass man sie anschreibt. Also wenn der Schulleiter sie anschreien würde, hätten sie das auch nicht gut. Und dann hat die sich wirklich hinterfragt und hat gesagt, also dass sie das leid tue. Und ich glaube, die hat das auch nicht mehr gemerkt. Ich glaube, die war so nicht mehr happy im Job, die hat das nicht mehr gemerkt. Und die hat sich danach wirklich darauf geachtet, dass sie nicht mehr schreit. Da habe ich gesagt, wow, guck, also du hast dich nicht nur für dich eingesetzt, du hast dich für deine ganze Klasse eingesetzt, anständig, du hast sie nicht angegriffen, sondern du hast gesagt, das habe ich nicht verdient und ich möchte das nicht. Und das ist dein Recht. Niemand darf dich anschreien. Genauso wie dich niemand einfach hauen darf oder sonst irgendwas. Also es sind nicht nur körperliche Dinge, die nicht gehen, sondern hat einfach auch psychische Dinge, die du einfordern darfst, wenn das nicht in Ordnung für dich ist. Und das finde ich wichtig, dass Kinder lernen, sie dürfen sich für sich selbst einsetzen, auch gegenüber von Erwachsenen. Und das lernen die Kinder auch im Coaching. Und das ist für die Eltern manchmal schwierig, weil die Kinder setzen sich dann auch zu Hause durch plötzlich. Aber trotzdem ist das doch schön, wenn du siehst, wow, also ja, mein Kind kann einstehen für sich. Und das ist etwas Riesiges in der Mobbing-Prätion, dass du für dich einstehen kannst und sagst, so nicht, da ist meine Grenze und über die gehst du nicht drüber, egal wie alt du bist.
SPEAKER_00Megaschön. Genau, ich habe das auch bei meinen Kindern wahrgenommen, weil ich aber auch selber für mich immer mehr eingestanden mit meine Grenzen gehalten habe. Das spiegelt sich jetzt bei den Kindern wieder, wie auch eben Schulbeispiele, dass sie, ich weiß, früher die Kleine im Kindergarten hätte nie den Maul aufgemacht, weil sie einfach eben, so wie ich damals in der Schule, so das schüchterne, kleine Mädchen, also für die Schule war ich perfekt, weil genau, ich machte genau das, was verlangt wurde, nicht mehr, nicht weniger. Und sie hat wirklich mir den Spiegel hingehalten, sie war so genau, verhalten genau wie ich genau damals. Und jetzt durch meine, durch das, was ich mich genau in diesen Themen mit Mindset Bewusstsein nicht nur Bücher lese, sondern es auch immer mehr verkörpere, färbt das, kann man wirklich so sagen, oder? Den Kindern ab und auch sie übernehmen solche Dinge, weil wir ja einfach diese Vorbilder sind, eben, wie du anfangs gesagt hast, mitsprechen. Oder nicht nur in dem, wir sagen, sondern auch, wie wir uns verhalten, oder?
SPEAKER_01Das ist ja klar, also das ist ja ihre Realität. Also Kinder leben ja einfach in der Realität, die sie haben, die sie nun mal bekommen von ihrem Umfeld. Und wenn die Realität ist, alle anderen sind ständig schuld, dann ist es klar, dass sie so aufwachsen. Ich habe auch Eltern, die anrufen und sagen, mein Kind ist so negativ und dann höre ich fünf Minuten zu und dann denke ich so, ja, warum? Also ich habe auch schon Sätze mitgeschrieben, habe die dann vorgelesen und die Mama gesagt, habe ich das so gesagt, habe ich gesagt, ja, sagst du, krass, das habe ich gar nicht gemerkt. Boah, bin ich froh, habe ich das jetzt gemerkt. Also es war dann so cool, weil die Mama hat dann auch gerade mitgemacht und gesagt, boah, ich merke jetzt eine richtige Veränderung, seit ich positiver denke oder mich an deine Worte erinnere. Das ist ja so schön, was für ein Geschenk für das Kind, wenn die Eltern so mitgehen. Aber sie leben ja einfach in ihrer Realität. Sie haben ja nichts anderes, woran sie sich halten können. Sie meinen ja, das ist das Einzige, was es gibt. Erst später merken sie ja, es gibt noch andere Dinge, wenn sie erwachsen sind wahrscheinlich erst, oder so im Teenager-Alter. Aber grundsätzlich ist ihre Realität das, was wir denken, das, was wir tun und ja, das, was wir ihnen einfach vorleben, mehr gibt es für sie nicht. Und wenn du natürlich jetzt vorlebst, ich setze Grenzen und ich lasse mir nicht mehr alles gefallen. Und es ist mir egal, ob die Leute mich mögen oder nicht, dann färbt das ab, weil das ist die Realität des Kindes. Und sie passen sich dieser Realität an. Weil sie müssen ja, sie sind ja so verbunden mit dir, das ist normal. Und das ist ja das Schöne. Und da ist es eben auch noch so einfach.
SPEAKER_00Ja, genau, eigentlich liegt es so nahe, oder? Genau. Lösungen oder ja, die wir immer suchen. Also ich habe ja auch, man sucht ja so viele Lösungen, weil es gibt, es beginnt ja beim ersten Schreien des Kindes, da hast du so viele Themen, die neu für dich sind und du brauchst oder du möchtest. Also Mama, sowieso, du möchtest ja diese Lösung, du möchtest dieses Kind begleiten, liebevoll, oder? Genau, manchmal auch zu perfekt, weil man zu stark diese Verbindung einfach spürt, oder?
SPEAKER_01Jan, ich denke, alle Eltern handeln aus dem Besten, was sie können. Also auch Eltern, die, wie man jetzt vielleicht von außen sagt, ja, es ist nicht das Gelbe vom Ei. Oder eine schwierige Beziehung oder was auch immer, ich bin überzeugt, dass jeder Elternteil das Beste gibt, was er eben kann.
SPEAKER_00Im Moment. Oder das ist diese Moment. Diesen Moment, genau.
SPEAKER_01Mit deinen ganzen Erfahrungen, mit deinen ganzen Traumatas, mit deinem ganzen Rucksack, den du hast, ist das das Beste, was du tun kannst in dem Moment. Darum bin ich auch überhaupt nicht für dieses Parent-Blaming, ja, dass man dann sagt, die Eltern sind schuld und die haben. Nein, meine Eltern haben aus dem Besten gehandelt, wie sie es konnten. Und es war nicht alles gut. Und Gott sei Dank habe ich eine Mama, mit der ich sehr offen über solche Dinge sprechen kann. Und sie ist auch coach. Also sie weiß, sie kann das annehmen, reflektieren und wir können darüber sprechen. Aber ich würde ihr nie einen Vorwurf machen. Aber trotzdem darf ich sagen, es ist nicht alles gut gelaufen. Und ich muss das jetzt aufräumen für mich, weil du es damals nicht konntest oder nicht gemacht hast. Und dieser Loyalitätskonflikt, die eigenen Eltern zu kritisieren, das ist immer so ein schwieriges Thema. Das ist ein sehr schwieriges Thema. Ja, aber wie gesagt, es geht ja nicht darum zu sagen, du hast das falsch gemacht, sondern.
SPEAKER_00Es kann unglaublich öffnen, oder?
SPEAKER_01Absolut.
SPEAKER_00Gegenseitig, ja.
SPEAKER_01Ja, einfach anzuerkennen, ja, sie sind ja alles gut gelaufen. Aber ich bin überzeugt, meine Kinder sitzen auch irgendwann mal in der Therapie oder im Coaching und beschweren sich darüber, was ich falsch gemacht habe. Davor bin ich nicht befreit, aber dann möchte ich die Mama sein, die da sitzen kann und sagen kann, okay, ich höre dich. Das tut mir leid, dass das so gelaufen ist. Und ich hoffe, dass du einen Weg findest, damit umzugehen. Aus dem und dem habe ich so gehandelt oder so entschieden damals, ich konnte es nicht anders. Und ich hoffe ja auch nicht, dass meine Kinder mir Vorwürfe machen, aber ich hoffe, dass sie mir offen sagen können, was dann hätte besser laufen können. Also das ist ja dann, wie gehst du wieder damit um?
SPEAKER_00Das wäre eigentlich ein unglaublich schönes Fundament für Eltern-Kind-Beziehung, oder? Wenn man eben offen darüber sprechen kann und nicht gegeneinander, also miteinander und nicht gegeneinander, auch wenn es genau Themen sind, die einen dann vielleicht treffen, oder?
SPEAKER_01Aber ja, ich frage meine Kinder wirklich immer mal wieder, gibt es denn etwas, was ich besser machen könnte? Weil ich es einfach wichtig finde, ihr Feedback auch abzuholen. Und der Kleine, der findet es toll, wenn er kuschen kann, ist alles gut. Und der große, ja, manchmal gibt es was, wo er sagt, ja, das würde ich mir wünschen oder das fände ich noch cool. Aber ich glaube, damit kann man schon so ein bisschen vorbeugen, einfach, dass man fragt, hey, gibt es etwas, was du dir wünschen würdest und auch wirklich offen ist dafür, dass was kommt, was vielleicht nicht so gut ist. Aber es ist ja die Gesicht deines Kindes und die ist nicht gleich wie deine. Das finde ich halt auch noch wichtig. Also deine, oder das, was du erlebt hast, ist nicht das, was dein Kind vielleicht erlebt hat, ja, oder meistens ja nicht. Man versucht es ja dann anders zu machen. Wir handeln ja dann aus dem, was wir erlebt haben und sind dann irgendwie erschüttert, wenn das Kind nicht dankbar ist für gewisse Dinge. Dabei ist es gar nicht die Realität des Kindes gewesen, sondern du hast entschieden, deinem Kind das zu ermöglichen und für dein Kind ist das normal. Für dich ist es nicht normal, weil du hattest es nicht. Also es sind so viele Dinge, die da verknüpft sind ineinander. Und diese Mobbing-Präsident, die beginnt aber genau da. Also es unterschätzen ganz viele, wie viel Mobbingprävention im Alltag passiert oder eben nicht, ohne es zu merken. So winzig kleine Dinge, mit denen man wirklich so Schienen baut in eine Richtung. Und bei Eltern-Workshops sind die Eltern so alle, was ist Mobbingprävention? Ja, da beginnt es. Die sind dann so froh, wenn sie wissen, ah krass, okay, also das sind Dinge, auf die wir uns wirklich achten müssen oder so können wir sie umsetzen, weil das das und das zur Folge hat. Ein gutes Selbstbewusstsein, einen guten Selbstwert, Selbstständigkeit zum Beispiel ist ein riesiges Thema in der Mobbing-Prävention. Würde man gar nicht denken.
SPEAKER_00Ja, genau, das sind Dinge, die man den Fokus gar nicht drauflegt. Oder wenn man jetzt eben mit dem Thema Mobbing oder gar nicht verbinden würde.
SPEAKER_01Ja, genau. Ja, und das finde ich so wichtig, dieses Sensibilisieren einfach auch. Um zu sagen, hey, das gehört schon alles dazu, man kann so viel machen. Und ich glaube, die Menschen rechnen immer mit so einem gigantischen zeitlichen Aufwand. Boah, ein Coaching, ja, das muss ja riesig sein. Dabei ist alles so gestaltet, dass du so easy in den Alltag einbauen kannst, dass du es überall machen kannst, dass du eigentlich nichts dabei haben musst, um das umzusetzen, damit es, wie gesagt, Realität und Normalität werden kann. Weil das sind ja auch Dinge, du solltest das danach natürlich weitermachen. Ist nicht gut, wenn du nach dem Coaching sagst, das war aber schön, machen wir nie wieder, was wir da gelernt haben, sondern dann muss sich das in den Alltag integrieren. Und das kannst du nur mit Dingen machen, die nicht zeitaufwendig sind, die einfach umsetzbar sind, damit es auch passt. Damit sich das in den Alltag integrieren kann. Und ich finde auch nicht, so viel Zeitaufwand, also für Kinder nicht schön, für Eltern sowieso nicht. Also, dass man da auch so ein bisschen den Blickwinkel ändern kann, dass das gar nicht so viel Aufwand ist, den man aufwendet, um das einzubauen.
SPEAKER_00Und zu verändern, oder? Genau, man denkt, jetzt muss ich da genauso in der Schule hinsetzen und lesen und bearbeiten. Genau, wahrscheinlich, oder? Wir sind uns gewohnt, wenn wir was Neues lernen, dass es nur so geht.
SPEAKER_01Und wir arbeiten ja online mit den Kindern. Und das ist super hilfreich, merke ich, weil gerade die Kinder, die akut unter Mobbing leiden, die dürfen zu Hause bleiben. Und das ist ihre sichere Insel. Da fühlen sie sich wohl. Und wir haben halt nur zehn Coachings Zeit, weil wir einfach versuchen, wirklich die Preise so tief wie möglich zu halten. Wir haben einen beschränkten Zeitraum. Und die Kinder öffnen sich zu Hause so viel schneller im Coaching, als wenn sie irgendwo hinkommen müssten oder vor sich sitzen müssen. Das ist so krass. Und da können sie entscheiden, wollen sie vor die Kamera oder wollen sie nicht. Möchten sie was sagen oder möchten sie nicht. Ich hatte Kinder, denen habe ich so Daumen mitgeschickt, Daumen nach oben, Daumen nach unten. Und die haben dann so mit mir kommuniziert. Das ist ja völlig in Ordnung, aber sie sind so in der Kontrolle. Und das ist ja ein riesiges Thema, den Kindern wieder Kontrolle zu übergeben. Und das beginnt zum Beispiel schon damit, dass die Kinder bei uns aussuchen, selbst, mit wem möchten sie arbeiten. Also sie können sich den Coach wirklich selbst aussuchen. Und das ist schon der Anfang des Prozesses, das Kind wieder in die Kontrolle zu bringen und sagen, hey, ich sage, mit wem ich arbeiten möchte. Ich entscheide, ich kann das. Und das sind so kleine Dinge, die merkt man als Eltern eigentlich gar nicht in dem Prozess, aber das sind schon die ersten Dinge, wo wir das Kind wieder hinteuern, dass es sich handlungsfähig fühlt, zurück in diese Selbstwirksamkeit kommt. Wie ich sage, das sind so kleine Dinge, die man gar nicht merkt und trotzdem eine riesige Wirkung auf das Kind haben dann.
SPEAKER_00Ich spüre das gerade, genau wie kraftvoll das ist. Jetzt genau einfach nur ein, zwei Dinge, die du jetzt genau zum Start erwähnt hast, also wie ihr startet. Ja, weil das ist ja das, was diesen Kindern ja eben fehlt, genau diese Möglichkeiten. Auch wenn es jetzt genau diese Entscheidung, diese kleinen Entscheidung, die sie sonst nicht treffen dürfen oder irgendjemand anders wieder bestimmt.
SPEAKER_01Genau, und wenn sie gemobbt werden, diese Handlungsfähigkeit ist ja weg. Also Kinder haben ja noch kein so langfristiges Denken. Das heißt, wenn sie in Mobbing-Situation sind, sie meinen wirklich, das bleibt für immer so. Das ist unveränderbar. Und in dem Moment, in dem die Eltern ihnen auch das Gefühl geben, wir haben keine Ahnung, was zu tun ist, bricht so die letzte Stütze, die wichtigste Stütze bricht weg. Und dann ist wirklich diese Aussichtslosigkeit, das bleibt für immer so. Und dann merken sie im Coaching, oh, das muss gar nicht für immer so bleiben. Ich kann ja da ganz, ganz viel machen. Wir haben ganz viele Kinder, die wollen erst nicht ins Coaching kommen, weil sie sagen, das bringt sowieso nichts. Und das zeigt wieder diese Langfristigkeit, die sie nicht haben, dass sie sagen, das bleibt für immer so, da bringt nichts was, da kann mir niemand mir helfen. Und dann kommen sie mal in so ein Probe-Coaching und gucken so ein bisschen rein und dann sind sie on fire und finden so, wow, das will ich unbedingt machen. Weil sie merken, ah, es gibt ja vielleicht doch etwas, was man machen könnte. Und ah, die macht das jeden Tag. Ah, es gibt noch andere Kinder, die das auch erleben, die meinen ja, oh, ich bin das einzige Kind auf der Welt, der oder die das erlebt. Und plötzlich merken sie, ah, nein, das ist gar nicht so. Ah, da gibt es noch andere, ah, da kann man was dagegen machen. Ah, du weißt, wie du mir helfen kannst. Ah, das macht auch noch Spaß. Also wir machen das ja so positiv und humorvoll und mit Experimenten und Geschichten und allem. So ein richtiges Event machen wir daraus, weil ich der Meinung bin, auch schwere Themen kann man so leicht vermitteln, auch Eltern vermitteln, die lernen auch lieber mit Spaß und Motivation. Und das ist, glaube ich, etwas, was uns extrem abhebt, dass wir dieses Mobbing-Thema eigentlich nehmen und verwandeln in etwas, was dir Power gibt und dich nach vorne bringt.
SPEAKER_00Mega, Laura, mega, mega. Und danke, danke für alles, was du jetzt mit uns geteilt hast.
SPEAKER_01Sehr gerne.
SPEAKER_00Ist sehr wertvoll. Danke.
SPEAKER_01Das freut mich. Danke, dass ich da sein durfte. Hat Spaß gemacht.
SPEAKER_00Schön. Vielleicht noch als Abschluss, hast du noch was? Was ganz Wichtiges, was du mit Mamas oder Papas noch teilen möchtest, wo du sagst, dass du hast zwar jetzt schon einige Dinge genau angesprochen, aber vielleicht hast du noch was, was auf dem Herzen von dir, aus dem Herzen noch kommt, an die Augen?
SPEAKER_01Nicht abwarten. Also du musst nicht abwarten, bis etwas Mobbing ist oder dich zehnmal fragen, ist es Mobbing, ist es kein Mobbing, soll ich, soll ich nicht? In dem Moment, in dem es deinem Kind nicht gut geht und du merkst, ich weiß nicht so recht, was ich jetzt machen soll, dann handeln. Also so früh wie möglich handeln. Hör auf dein Gefühl, verlass dich auf dein Gefühl. Vielleicht muss ich noch sagen, bei Mädchen ist es so, Mobbing ist da eher nonverbal, das heißt ohne Worte, mehr so ausschließen aus der Gruppe, lästern, Freundschaften beschädigen, ignorieren. Das sind Dinge, die je kleiner das Kind ist, desto schwieriger ist es zu erklären, was dir da passiert. Und das war der Grund, dass ganz viele Mädchen immer extrem spät ins Coaching kam. Also hat es richtig gebrannt schon. Mittlerweile kommen die Mädchen schon sehr viel früher ins Coaching, einfach durch unsere Präventionsarbeit auf Instagram, auf Facebook, dass die Eltern wissen, worauf sie achten müssen. Aber das möchte ich einfach nochmal sagen. Wenn dein Bauchgefühl sagt, da stimmt was nicht, dann stimmt was nicht. Und dann kannst du einfach auch kostenlos anrufen, einfach deine Situation mal schildern und dir mal eine Meinung von außen holen, weil du bist so in dieser Bubble drin, als Mama, so nah dran. Und dann weißt du genau, okay, das ist etwas, da müssen wir hinschauen oder es ist okay. Und wie gesagt, nicht warten, bis es brennt. Das ist wirklich unnötig, weil das, was dein Kind jeden Tag erlebt, kannst du nicht mehr ausradieren. Das bleibt für immer. Und ihr Rückgrat wird jeden Tag ein bisschen mehr brechen. Sie müssen jeden Tag zur Schule. Wir hätten schon lange gekündigt und wären an einem anderen Ort. Sie müssen Also guck, dass dieser Zeitraum, in dem sie sich unwohlfühlen, Angst haben, möglichst kurz bleibt, weil Ihr Nervensystem gewöhnt sich daran, in Alarmbereitschaft zu sein. Und wenn sie das nicht wieder loslassen können, dann werden sie bis ins Erwachsenealter so rumlaufen und das will niemand. Also wirklich nicht abwarten. Kommt, wenn was ist und holt euch Hilfe, auch wenn das untypisch ist, für manche zu sagen, okay, ich nehme jetzt Hilfe in Anspruch. Aber in diesem Fall tust du es nicht nur für dich, du tust es für dein Kind und vor allem für die Zukunft auch deines Kindes. Das darf man nicht unterschätzen.
SPEAKER_00Stimmt, Bauchgefühl. Wir dürfen genau in verschiedenen Fällen, ob es Mobbing oder andere Themen sind, einfach unser Bauchgefühl. Immer mehr Beachtung und Vertrauen schenken.
SPEAKER_01Absolut.
SPEAKER_00Wunderschöner Abschluss. Wunderschöner Abschluss. Danke, danke, Laura.
SPEAKER_01Sehr gerne.
SPEAKER_00Ich wünsche dir alles, alles Gute und auch für deine Kinder und für deine Coaches und deine neuen Coaches dann auch, deine Ausbildung. Vielen Dank für eure Arbeit.
SPEAKER_01Vielen Dank für die Einladung und danke, dass ich das Thema mit dir besprechen durfte, das sehr wichtige Thema. Und ich hoffe, dass ihr eine gute Lösung findet für euer Vorhaben. Und da bleibe ich natürlich dran, das nennt mich dann schon Wunder, wo es euch hin verschlägt.
SPEAKER_00Gut, finde ich gut, finde ich gut. Danke. Danke, dass du heute dabei warst bei Stammtischmama. Ich hoffe, du konntest etwas mitnehmen für dich, dein Herz, deine Familie. Wenn dich etwas berührt hat, teile diese Folge gern mit anderen Mamas oder Papas, die sie vielleicht gerade brauchen. Und denk dran, du bist nicht allein. Du bist auf dem Weg und du machst das großartig. Bis zur nächsten Folge. Schön, dass du da bist. Alles Liebe und bis bald!