Radatz: Relationale Impulse
Der inspirierende Relationale Gestaltungsansatz von Dr. Sonja Radatz eröffnet uns eine neue Welt voll Gestaltungsmöglichkeiten - in allen Lebensbereichen.
Radatz: Relationale Impulse
Die Kunst des Nichtabwartens
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Abwarten können wir alle. Und hoffen - dass die gute alte Zeit wieder zurückkomt. Das Nichtabwarten hingegen ist eine Kunst, die Gestaltung verlangt, wenn alles noch gut zu laufen scheint. Denn es könnte sein, dass es tatsächlich gar nicht so gut läuft, wie es aussieht.
s.radatz@irbw.net, www.irbw.net, www.relationalonline.com, www.mind-changer.com
In den letzten Tagen und Wochen werde ich immer wieder gefragt von einer großen Zahl meiner Kunden: Frau Radatz, wie kommt es dazu, dass sie ständig aufs Gas drücken wollen, dass sie uns zur Veränderung, dass sie uns ins Rennen bringen wollen. Und die Antwort ist relativ einfach, weil es jetzt gilt, die Füße in die Hand zu nehmen und zu rennen. Und dann ist natürlich die Frage: Warum denn? Warum sollten wir denn jetzt rennen? Und die relationale Gestaltungsphilosophie, die ich entwickelt habe, ist eben eine Gestaltungsphilosophie. Und da gibt es ein ganz klares Gesetz. This Gesetz lautet: Wenn etwas richtig gut funktioniert, dann konzentrieren wir alle Kraft darauf, this richtig gut funktionieren, to verstehen die Logik, die es in sich hat, immer weiter zu treiben, die Dinge besser zu machen, die Dinge mit mehr Qualität zu füllen, vielleicht einen größeren Markt zu schaffen. When a Beziehung richtig gut funktioniert, auch in privaten, dann werden sie darauf schauen, dasselbe machen. Sie wissen, dass gemeinsame Ausflüge gut funktionieren, dann werden sie mehr gute Ausflüge machen. And irgendwann kippt der Punkt. Und dieser Punkt kippt fast immer unbemerkt. Wir merken es nur sehr selten in Freundschaften, wir merken es leider noch viel seltener in Beziehungen. Dieser Punkt des Kippens. Dieser Punkt, wenn die Dinge nicht mehr gut laufen. Und wir merken es noch viel schlechter, so scheint es mir oder so erlebe ich es. Bei ganz, ganz vielen Kunden im Moment, wir erleben es noch viel schlechter im Business. Es gab vor vielen Jahren, ich glaube, das muss mittlerweile 20 Jahre her sein, ein amerikanisches Buch, Who Moved My Cheese? Dieses Buch habe ich damals auf Deutsch übersetzt. Mittlerweile, glaube ich, gibt es das sogar schon ganz offiziell übersetzt, aber sehr, sehr schlecht. Who moved my cheese ist ein Buch über zwei Mäuse. Und diese beiden Mäuse gehen jeden Tag zu einem großen Käseberg, fressen sich dort voll und gehen wieder nach Hause. Und sie machen sich das zur Gewohnheit. Sie gehen jeden Tag, schultern ihre Sportschuhe, machen sich auf zum Käseburg, um auf diesem Käseberg besser turnen zu können, nehmen vielleicht sogar schon ihre Mäusekinderbilder mit um tagsüber, während sie die Zeit am Käseberg verbringen, auch gut unterhalten zu sein und eine Erinnerung daran zu haben, dass sie am Abend wieder zurückgehen in ihre Mäusewohnung. Und jeden Tag kommen sie zu diesem Mäuseberg. Not. Ein paar Krümmel sind noch da. And the Maus sagt sofort zum anderen: Wer hat uns den Käse weggenommen? And beginnt darüber zu philosophieren. Denn es kann doch nicht sein, dass uns jemand einfach den Käse wegnimmt. We have doch ein Recht auf Käse. Es muss doch genug Käse für alle da sein. Es war doch gestern Käse da. Warum ist dann heute kein Käse da? And the andere Maus sagt, ich befürchte, wir haben den Käse gegessen. Und es ist uns nicht aufgefallen, denn der Käse war gut. Wir haben nicht hingeschaut und wir haben nicht gesehen, dass dieser Käse immer weniger wird. Wir müssen uns aufmachen, um neuen Käse zu finden. Nein, sagt die andere Maus. Einen Teufel werden wir tun. Wir werden ganz sicher jetzt nicht einen neuen Käse suchen. Wir werden jetzt warten, bis der neue Käse wiederkommt. Der muss doch irgendwann wiederkommen. Und genau das ist der Punkt, den ich unfassbar stark in unserer Kultur erlebe. Dieses Warten, dass es irgendwann wieder zurückkommt. Ich erlebe es im Augenblick bei ganz vielen meiner Kunden. Ich erlebe es in ganz vielen Beziehungen, in vielen Freundschaften. Irgendwann muss es doch wieder besser werden. Und es wird nicht besser. Und die Frage, wann beginnen sie, sich aufzumachen, um einen neuen Käse zu suchen? Sei es in Ihrer Beziehung, sei es in Ihrer Freundschaft, sei es in Ihrem Business. Das ist eine sehr berechtigte Frage. Denn ich habe noch nie erlebt, dass der Käse von selbst wieder zurückkommt. Und an diesem Punkt, und das mag schon sein, dass ich in den letzten Wochen und Monaten immer vehementer werde mit dieser Überlegung, wir müssen neuen Käse finden. Denn es hat sich nicht nur der Käse verändert, es ist nicht nur der Käse weg im Moment, sondern es ist noch ein zweiter Punkt dazugekommen. Und den vergessen wir oft oder wir sehen ihn nicht einmal. Die Logik des Käse-Suchens, die hat sich verändert. Das heißt, nicht nur der Käse ist weg, sondern wir müssen auch auf eine neue Art und Weise Käse suchen. Und dann wird es richtig komplex. Und das erlebe ich aktuell bei meinen Kunden. Wenn sie sich heute Wirtschaft ansehen in Europa, dann werden sie erleben, es gibt zwei Gruppen, bei denen es gut funktioniert. Das eine ist die Verwaltung, Verwaltung mit Krankenhäusern und allem, alles, was von Steuergeldern oder Sozialversicherungsgeldern bezahlt ist. Und eine andere Seite, das ist die wirtschaftliche, die privatwirtschaftliche Seite. Und alles, was mit Verwaltung und mit Steuerausgeben zu tun hat, mit Krankenheilung und allem sonstigen verwaltungsnahen Themen, das läuft, weil da ist das Geld da. Das nicht aus Steuern kommt, sondern das kommt aus Schulden, die die Staaten im Moment machen. Aber in der Wirtschaft ist das nicht vorhanden. Und der Punkt ist, ich glaube, es ist wichtig, eine neue Logik zu entwickeln, eine neue Logik einerseits des Käse findens, und sich aufzumachen, den Käse zu suchen. Dieses sich aufmachen, dieses konsequent zu sagen, ich baue mir, auch wenn ich denke, es schaut eigentlich noch ganz gut aus, ich baue mir schon einen zweiten Käseberg, ist eine wirklich wichtige Geschichte. Es hält uns auch ein gut funktionierendes Business nicht davon ab, einen zweiten Käseberg zu schaffen. Diese Idee zu überlegen, wie können wir sichern, dass wir, wenn es nicht so gut funktioniert, oder vielleicht wenn wir schon erste Indikatoren erleben, dass die Dinge nicht mehr so gut funktionieren, dass wir ein zweites Standbein schaffen. Das ist etwas, das wir in unserem Kulturkreis nicht gewohnt sind. Wir warten, bis der Kieseberg weg ist. Und ich behaupte, und das ist diese relationale Idee, dass wir gut daran tun, zunächst einmal erste Indikatoren zu ermitteln, das heißt zu wissen, welche ersten Warnindikatoren zeigen uns, dass wir es mit einem schrumpfenden Käseberg zu tun haben. Es kann sogar sein, dass Ihr Business ein großartiges Business ist. Aber dann sollten Sie mal das Business Ihrer Kunden anschauen. Denn wenn das Business Ihrer Kunden runtergeht, dann wird es auch für Sie schwierig. And that is nur einer von Frühwarnfaktoren, die wir heute wie selbstverständlich aus meiner Sicht im Kopf haben sollten. Das heißt, für den Fall, dass wir Frühwarnindikatoren aufleuchten sehen, die wir zuvor sehr sorgfältig definiert haben, aber auch für den Fall, dass noch gar nicht Frühwarnindikatoren aufleuchten, halte ich es für wichtig, ein zweites Standbein zu haben. Selbst in einer Beziehung. Es könnte ja sein, dass alles richtig gut läuft. Aber plötzlich gibt es einen Bruch. Und meiner Erfahrung nach tun sie auch hier immer gut, ein zweites Standbein zu haben. Nicht eine zweite Beziehung, sondern in dieser Beziehung ein zweites Standbein, also eine zweite Herangehensweise an ihre Beziehung. So etwas wie vielleicht einen Tag in der Woche, wo etwas ganz anderes passiert, wo sie etwas gemeinsam tun, das im Alltag nicht stattfindet. Und wenn sie sich zur Gewohnheit machen, in zwei Standbeinen zu denken, in zwei Herangehensweisen, dann werden sie bemerken, sie sind vorbereitet, sie sind gerüstet, sie haben Möglichkeiten auszuweichen, wenn es in einem Standbein zum Bruch kommt. Ich halte es aus dieser relationalen Idee für wichtig, immer vorbereitet zu sein, vorbereitet für eine Veränderung, die wir heute noch nicht wissen, wo und wann und in welcher Form sie passiert. Und insofern glaube ich, macht es durchaus Sinn, darüber nachzudenken, was wäre eine Alternative. Und das lege ich Ihnen für jeden Ihrer Lebensbereiche wärmstens ans Herz.