Der inspirierende Relationale Gestaltungsansatz von Dr. Sonja Radatz eröffnet uns eine neue Welt voll Gestaltungsmöglichkeiten - in allen Lebensbereichen.
Wer ein Pflaumenbäumchen setzt, hat sich bereits entschieden, was später herauskommen kann – und wundert sich anschließend, dass er trotz aller „Offenheit“ immer wieder Pflaumen erntet.
Die alte Denklogik fragt: Wie pflegen, schneiden und düngen wir das Pflaumenbäumchen noch professioneller?
Die Relationale Denklogik fragt: Wer sagt eigentlich, dass hier ein Pflaumenbäumchen stehen soll?
In dieser Podcastfolge wird klar: Wer Pflaumenbäumchen setzt, muss Pflaumen ernten - denn Methoden können immer nur hervorbringen, was bereits in ihnen angelegt ist
Denn Methoden sind eben nicht neutral. Sie enthalten bereits die klare und begrenzte Denklogik, der wir seit Jahrhunderten folgen und die leider keine zukunftsfähigen Lösumgen hervorbringen KANN - weil sie unser Denken und und unsere Lösungen von vornherein beschränkt. Wer eine Methode auswählt, hat deshalb den möglichen Ausgang schon begrenzt – meistens, ohne es zu bemerken. Und dann wird noch über die mangelnde „Veränderungsbereitschaft“ des Pflaumenbaums geklagt.
Seit einigen Monaten und Jahren, sage ich ja mal ganz ehrlich, stelle ich mir immer wieder und immer häufiger die Frage: Wie kommt es dazu, dass wir so Methoden fixiert sind? Und siehe da, das ist schon spannend, im 17. Jahrhundert mit Descartes und Bacon ist ja schon die Vorstellung entstanden, dass richtiges Vorgehen zuverlässig zur richtigen Erkenntnis führt. Das heißt, Methode wird zum Garanten von Wahrheit. Und das ging weiter im 19. Jahrhundert, Naturwissenschaft, Technik sind enorm erfolgreich. Daraus wächst die Hoffnung, dass auch Menschen, Erziehung und Gesellschaft sich nach methodischen Regeln bearbeiten lässt. Und dann kam 1900 der Telorismus, die wissenschaftliche Betriebsführung. Und seitdem und Mitte des 20. Jahrhunderts, wo die Psychologie, die Pädagogik, die Beratung und das Management sich professionalisieren, schafften Methoden und Werkzeuge Lehrbarkeit, Vergleichbarkeit und damit auch berufliche Legitimation. Und ich finde es enorm interessant, dass wir heute gerade auch in Zeiten von Unsicherheit, Zeitdruck und sozialen Medien immer mehr in die Methodenteilheit verfallen. Mittlerweile gehen wir ja so weit oder gehen viele so weit, dass sie gar nicht mehr wissen, woher ihre Methode kommt. Das heißt, es geht darum, etwas aufzuschnappen, das irgendwo interessant erscheint und zu sagen, das probiere ich jetzt. Ob das aus einer analytischen Richtung des Annehmens, der Vergangenheit kommt, ob das aus einer Richtung des NLPs kommt, ob das aus einer ganz anderen Richtung kommt, die wir vielleicht gar nicht einschätzen können. Das überprüfen wir nicht. Und wenn Sie heute in ein Buchgeschäft gehen, dann finden Sie unzählige Sachbücher. Und diese unzähligen Sachbücher beginnen typischerweise mit einer Geschichte. Sie führen uns ein in die Problematik und sie vermitteln uns für eine Problematik eine Lösung. Die Denklogik dahinter ist unausgesprochen immer die gleiche. Und dann komme ich und erkläre Ihnen, unser Problem ist die Denklogik. Denn mit der gleichen Denklogik bekommen Sie immer die gleichen Ergebnisse. Anders gesagt, wenn Sie heute ein Pflaumenbäumchen pflanzen oder aus einem Samen sehen und es kommt ein Pflänzchen heraus und Sie hegen und pflegen dieses Pflaumenbäumchen. Dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn am Ende ein Pflaumenbäumchen rauskommt. Das ist noch eine relativ einfache Geschichte. Schwierig wird es dort, wo wir heute keine Pflaumenbäumchen mehr brauchen. Sondern wir brauchen etwas ganz anderes. Aber was tun wir, um das ganz andere zu bekommen? Richtig, wir pflanzen weiter Pflaumenbäumchen. Und wir pflegen die einmal mit diesem Mittel, einmal mit dem anderen Mittel. Genau, jetzt kommen unsere Tools und Methoden rein. Und am Ende haben wir Pflaumenbäumchen. Und wir verstehen, oh, wir brauchen eigentlich gar keine Veränderung mehr, weil wir sind schon in der Sackgasse. Wir sollten ganz schnell raus aus der Sackgasse und auf einen neuen Weg. Was tun wir? Wir verwenden die Veränderungsmethodik. Wir verwenden die Transformationstools. Wir verwenden die Entwicklungswerkzeuge. Da war doch noch was. Da hatten wir doch zum Thema Organisationsentwicklung, zum Thema Strategieentwicklung, zum Thema Transformation, zum Thema Veränderung. Und wir graben das wieder aus. Wir brauchen es jetzt eigentlich, um endlich eine neue Denklogik zu entwickeln. In all den Unternehmen, die anstehen, in all unseren Köpfen, die anstehen. Aber beharrlich pflanzen wir wieder ein Pflaumenbäumchen. Und diesmal wenden wir das Tool aber vielleicht ein bisschen anders an, zum Beispiel damit es schneller geht. Wir verwenden also ein Turbowachstumsprodukt für unser Pflaumenbäumchen. Und am Ende bekommen wir wieder ein Pflaumenbäumchen. Und die Menschen bleiben immer in der gleichen Denklogik. Und dann komme ich mit einer völlig anderen Denklogik, die nicht zu der zugegebenen jahrhundertenlangen Denklogik in unserem Leben, in unserer Gesellschaft, in unseren Unternehmen dazu passt. Und eine Teilnehmerin sagte mir letzte Woche: Frau Hadardz, hätte ich das meinem Unternehmen gesagt, dass ich hier eine neue Denklogik kennen und anwenden lerne, wäre für die viel zu gefährlich gewesen. Die hätten mir nicht ermöglicht, diesen Lehrgang zu besuchen. Vielen Dank, Frau Hadderz, dass Sie mir das inkognito ermöglicht haben. Da wird es natürlich spannend. Denn was tun wir in den Unternehmen? Wir kaufen Seminare ein, die nicht gefährlich sind. Seminare, die immer in der gleichen Denklogik bleiben. Wir kaufen zum Beispiel Seminare ein, die die angstfreie Organisation begünstigen, die den Menschen ihre Angst nehmen vor Innovation in einer Unternehmenslogik, wo der Kopf des Unternehmens keine Innovation zulässt. Ja, da brauche ich nicht viel Angstfreiheit schaffen bei den Mitarbeitern. Und Ähnliches spielt sich immer weiter ab. Wir wollen möglicherweise eine neue Beziehung haben. Wir haben verstanden, dass die Beziehungen der letzten 10, 20, 30 Jahre immer unter einer Vorstellung von uns gestaltet wurden, dass Beziehung bedeutet, ich muss versorgt werden. Und genauso habe ich immer und immer wieder meine Beziehung gestaltet. Und ich war unglücklich in der Beziehung. Weil die Idee möglicherweise gar nicht vor mir gekommen ist, sondern ich habe sie ungefragt übernommen, als Denklogik vielleicht meiner Mutter oder Großmutter. Und wiederum, ich pflanze ein Pflaumenbäumchen. Ich gieße und hege und pflege im Pflaumenbäumchen. Und ich ernte Pflaumen. Und dann komme ich wieder hinweg über eine Beziehung, die nicht gepasst hat. Aber anstatt mich neu zu gestalten, anstatt zuzulassen, was in einer relationalen Denklogik, dessen Impulse Sie gerade hören, absolut möglich ist, dass Sie sich neu gestalten, dann könnten Sie überlegen, welche neuen Ideen und Leitlinien gelten denn für meine Beziehungen in Zukunft, wenn ich die von meiner Mutter oder Großmutter abgelegt habe. Und sie können einmal diese Ideen, die Sie haben, anwenden. Nicht gleich auf die nächste Beziehung, aber einmal damit leben, sich damit vertraut machen, mit dem, was sie jetzt leben wollen, mit dem, was Ihr Leben leiten sollte. Aber die Menschen, die meisten Menschen, nicht Sie natürlich, aber die meisten Menschen, sind mit Toten verpflichtet. Und sie hören sich dann ein Seminar an, wie ich mich in meinem Leben besser annehme. Weil das Seminar gerade einen netten Titel hatte. Und dann vergessen sie darauf, dass es ja eine Neugestaltungsmöglichkeit gab. Und sie drehen sich immer weiter und immer weiter und immer weiter in ihrem immer gleichen Leben, in ihrer immer gleichen Denklogik, wo sie eine Methode nach der anderen heranziehen, um Dinge besser zu verstehen, wo sie eine Methodik nach der anderen heranziehen, um ein neues Verhalten zu gestalten, immer in der gleichen Denklogik, und sie ernten immer weiter ihre Pflaumen. Und in der Zwischenzeit gehen Wirtschaften kaputt. In der Zwischenzeit erleben wir mit Erstaunen und Entsetzen, dass unser Wohlstand verloren geht. Wir versuchen, immer in unserer Pflaumenbäumchenmethodik und Logik, immer weiter diese Unternehmen zu stützen. Es werden staatliche Unterstützungen geschaffen. Und es werden Transformationen gemacht, richtig in der Pflaumenbäumchenlogik. Und mit weiterem Entsetzen schauen wir zu, dass sich die Wirtschaft kaum erholt, dass die Menschen immer mehr im Burnout sind, dass wir immer noch fröhlich Methoden und Werkzeuge konsumieren, ohne uns jemals zu fragen, welche Denklogik brauche ich, brauchen wir, braucht unsere Gesellschaft, brauchen unsere Unternehmen, um gestaltend, nicht verändernd, sondern gestaltend den Sprung auf das nächste Level zu schaffen. Der Sprung auf das nächste Level, das ist keine Pflaumenbäumchenlogik. Das ist das Zugeständnis an sich selbst. Da gibt es in der relationalen Denklogik, die keine Methodik ist, die kein Werkzeug ist, die Werkzeuge hat, aber sie ist eine Denklogik, die sich hinlänglich von all dem unterscheidet, was sie in den Fachbüchern lesen, was sie in den Seminaren hören, was sie in der Schule lernen, was sie in den Universitäten lernen und was sie bisher mitbekommen haben. Diese Gestaltbarkeit, die haben wir uns nicht nur verdient. Diese Gestaltbarkeit brauchen wir wie ein bisschen Brot. Und sie tut nicht weh. Und sie ist ganz einfach. Aber dafür müssen wir auf eine andere Denklogik umstellen. Und nicht nur ein neues Seminar besuchen.