The Actor's Tea

Theater Folge Nr. 1– Die zwölf Geschworenen

The Actor's Tea

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12 Angry Men/Die zwölf Geschworenen: Ist eine Theatergeschichte, die ursprünglich zuerst als Film geschrieben wurde. Worum es in diesem Klassiker geht und welche Verbindung Fabienne damals zu dem Theaterstück hatte, erfahrt ihr in dieser Folge.

Hosts: Hamda Ferchichi & Fabienne Michèle

Produktion und Projektverantwortung: Hamda Ferchichi

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Fabienne Michèle auf Instagram Website 

SPEAKER_04

Garage Band ist wirklich nicht mehr so mein besser Freund.

SPEAKER_01

Okay. Brauchst du was anderes?

SPEAKER_04

Ja, ich muss, keine Ahnung, ich musste cheaten, weil es ist alles upgedatet, die Software, die App, aber irgendwie kann ich keine neue neuen Files mehr aufmachen. Oh oh. Denn ich musste jetzt wie Copy-Pasten von einer anderen Folge, also rauslöschen, umbenennen. Und jetzt nehmen wir auf dieser Spur wieder auf.

SPEAKER_00

Das ist cool, das ist wie so früher so CDs oder Kassetten über Spiel.

SPEAKER_04

Wieso gibst du mir kein neues Projekt, Alter, mach doch ein neues Ding auf. Jesus.

SPEAKER_00

Oh, okay, aber hast du gut gemacht? Dankeschön. Du Hacker, du. IT-Nerd mit der Brille! Aber du kommst gut zurecht damit, ne? Mit Laptops. Das ist nicht so meine Welt.

SPEAKER_04

Mehr oder weniger, mehr oder weniger. Unileben. Muss man sich aneignen.

SPEAKER_00

Ein bisschen Word, ein bisschen Excel liest das, ne?

SPEAKER_04

Excel bin ich grottenschlecht. Excel geht gar nicht.

SPEAKER_00

Doch doch, ich hab da ein gutes Zertifikat mal gemacht.

SPEAKER_04

Ja, aber mit diesen ganzen Formeln und so. Dass du das wirklich nutzen, nutzen kannst, dass auch diese, keine Ahnung, diese Quadrate oder diese Rechtecke miteinander verknüpft sind. I don't know.

SPEAKER_00

Ja, ich fand es auch einfach nie so spannend.

SPEAKER_03

Ja.

SPEAKER_00

Aber heute habe ich zum ersten Mal, das ist auch eine total new sensation für mich, habe ich ein Word-Dokument vor mir, während wir uns gegenüber sitzen. Ja, also ich weiß nicht, inwiefern du schon weißt, was ich heute hier machen werde.

SPEAKER_04

Du hattest ja, ja, du hast das angeteased. Für mich aber.

SPEAKER_00

Ich habe es noch nicht angeteased sonst. Und ja, jetzt muss ich das, jetzt muss ich das noch einleiten. Das habe ich mir natürlich nicht vorbereitet und nicht überlegt. Tee hast du auch keinen dabei, oder um noch ein bisschen Zeit zu schicken.

SPEAKER_04

Ich bin so schlecht, aber wir haben eine tolle Überraschung für eine große, coole Folge, die bald bald kommt und da kommt der Tee.

SPEAKER_00

Nice.

SPEAKER_04

Ja, da bin ich schon alles im Aufgleisen.

SPEAKER_00

Alright, ich freue mich auch drauf. Also, dann, meine lieben Freunde, Hörerinnen und Hörer des Podcasts. Ich freue mich sehr, dass ihr wieder mit dabei seid. Denn heute werde ich euch ein Theaterstück vorstellen mit einer persönlichen Anekdote und ja, einfach noch einer kleinen Inszenierungsidee am Ende, die mir so durch den Kopf geschossen ist in Bezug auf unser Gespräch, das wir letztens mal geführt haben. Auch teilweise im Podcast noch. Von der Ideensammlung noch, vom Brainstorm.

SPEAKER_04

Vom Brainstorm, ja. Genau. Nämlich, uh!

SPEAKER_00

Hi guys! Der sollte eine Showreel-Szene aufnehmen jetzt gerade.

SPEAKER_04

Ach, und was macht er denn hier im Podcastraum?

SPEAKER_00

Keine Ahnung, was der hier im Podcastraum will.

SPEAKER_04

Ja, die erste, erste Unterbrechung. Ha. Mal gucken, ob wir das schneiden können und sonst machen wir doch einfach nahtlos weiter.

SPEAKER_00

Ja, sonst lassen wir es einfach drin. Ist auch nicht so dramatisch. Ist ein Süß, die hat mich gestern eingeladen. Das Theater. Cute. Die nächste Abschlussshow. So, Leute, es geht heute um das Stück Die zwölf Geschworenen. Der eine oder andere wird's kennen, weil das so ein Stück ist, das man teilweise in der Schule gelesen hat. Ich habe so dieses gelbe Reklambüchlein hier vor mir. Und heute reden wir über die Version von, also das Stück ist ursprünglich von Reginald Rose und wurde nicht fürs Theater geschrieben, sondern für das Fernsehen. Es war eigentlich ein Fernsehstück. Eher. Und wurde dann für die deutsche Bühne dramatisiert von Horst Putun. Und das ist die Version, über die wir heute reden werden und die ich vor Jahren mit so 13, 14 im Gymnasium mal gelesen und gespielt habe. Wir hatten da so eine coole Deutschlehrerin, die so ein Riesentheaterfan war, die hat auch die Theatergruppe geleitet und so. Und ich war ein Fan von ihr, sie war Fan von mir, ich habe das geliebt, wenn wir was gespielt haben. Und das Stück eignet sich dafür sehr, sehr gut, weil die Figuren sind eben diese zwölf Geschworenen und so. Ich werde zuerst über den Plot reden. Ich mache das heute strukturierter, als ich das sonst mache, weil ich merke schon, ich verliere mich hier jetzt gerade schon wieder. Das darf nicht passieren.

SPEAKER_04

Ja, noch kurz, wann wurde es geschrieben?

SPEAKER_00

Wann wurde es geschrieben? Das ist eine sehr, sehr gute Frage.

SPEAKER_04

Ich bin überzogen, dass im Reklame da drin steht, wann es geschrieben wurde und wann das wahrscheinlich auch die Uraufführung war.

SPEAKER_00

Mhm, mhm, mhm, mhm.

SPEAKER_04

Aber don't worry, darling.

SPEAKER_00

Alle rechte Vorbehörden, wie die es ausgebildet sind. Ich glaube, ich google das lieber kurz.

SPEAKER_04

Alles gut, das mache ich doch, dann kannst du doch mal mit dem Plot weiter.

SPEAKER_00

Zorb! Also, das Stück wird eingeleitet in einem stickigen Raum. Es ist heiß, es ist Sommer und alle wollen wieder nach Hause gehen. Zwölf Menschen, die sich nicht kennen, sitzen alle zusammen an einem Tisch und sollen eine Entscheidung treffen über das Leben eines jungen Mannes, der angeklagt wurde, seinen Vater ermordet zu haben. Es geht um Leben und Tod, um die Todesstrafe. Schuldig oder nicht schuldig sollen sie entscheiden. Die Frage des Stücks, mit der eingestiegen wird, ist eigentlich so: Wem trauen wir zu, so eine Entscheidung zu treffen. Und es beschäftigt sich sehr viel mit dem amerikanischen Gerichtssystem, wo ja oft einfach normale Bürgerinnen und Bürger als Geschworen eingesetzt werden, um Entscheidungen über das Leben anderer zu treffen, basierend auf Indizienbeweisen, die dann eingeordnet werden sollen. Jedenfalls ist die Beweislage extrem erdrückend. Es gibt Zeugen, Augenzeugen, Ohrenzeugen, Waffen.

SPEAKER_03

Waffen?

SPEAKER_00

Seltene Waffen. Anscheinend seltene Waffen.

SPEAKER_03

Seltene Waffen, okay.

SPEAKER_00

Und für die meisten ist sehr, sehr schnell in diesem Raum klar, wie hier entschieden werden sollte. Es werden jedoch nicht die Interessen des jungen Mannes verfolgt, der auf der Anklagebank sitzt, sondern hauptsächlich eigene Interessen. Es ist sehr spannend, weil die zwölf Geschworenen. Also die ganze Handlung, es passiert nicht wirklich was. Es findet alles in diesem einen Raum statt. Es geht nur darum, um diesen Austausch, um diese zwölf Männer, die miteinander diskutieren sollen und eine Entscheidung treffen.

SPEAKER_04

Cool, mir gefällt das, ja.

SPEAKER_00

Ja, es ist dieser Kammerspiel-Vibe, was eben auch sehr, sehr gut umsetzbar ist im Theater und darum auch heute immer noch sehr, sehr gut im Theater funktioniert. Die meisten und vielleicht auch du kennen die Geschichte eher unter dem Titel The Twelve Angry Men. Ich weiß nicht, ob dir das was sagt.

SPEAKER_04

Nein, nein, nein, nein.

SPEAKER_00

Es wurde 1954 als Fernsehspiel geschrieben. Soweit sehe ich dazu. Der Film kommt 1957 und mich nicht alles täuscht. Ist das bei dir auch so?

SPEAKER_04

Hey, ja, genau. Bekannte Filmversion 1957 von Sidney Lamet mit Henry Fonda.

SPEAKER_00

Henry Fonda, uh. Das hätte ich gerne noch gesehen. Die Frage ist doch einfach, warum interessiert uns das heute noch? Und das will ich noch kurz einordnen, bevor wir über die einzelnen Figuren sprechen und ich dann auch erzählen möchte, wen ich gespielt habe, weil mich das voll bewegt hat zum Beispiel. Darum habe ich das auch immer noch im Kopf, dieses Stück. Und ich sehe es auch immer wieder und das catcht mich immer wieder, weil es eigentlich nicht nur um das amerikanische Gerichtssystem geht der 1950er Jahre, sondern es geht so um dieses menschliche Urteilen. Es geht darum, dieses gemeinsame Entscheiden, diese Gruppendynamiken. Und man könnte unsere Zeit ja auch immer als eine Zeit interpretieren, in der schnell geurteilt wird, in der wir schnell unsere Entscheidungen treffen müssen, auch weil wir ja ständig konfrontiert werden mit Kommentaren. Wir müssen ja immer alles einordnen, was passiert. Darum, diese schnelle Entscheidungsfindung wird hier thematisiert und es wird auch sehr spannend darüber gesprochen, wie mit Sprache, also dass die Mächtigen in diesem Stück sind die, die sprechen können, sehr gut sprechen können. Und Sprache wird als Waffe genutzt, sie wird als Machtmittel eingesetzt und sie bewegt die Figuren. Und das ist interessant, weil das ist ja so nah an meinem Studium dran, dass ich so war, das muss ich ja muss ich ja in den Fokus nehmen.

SPEAKER_04

Sind das die speziellen Waffen? Also die Sprache, wie man kommunizieren kann und wie gut man sich artikulieren kann und so?

SPEAKER_00

Ich glaube, weil Sprache einfach, denen, die Sprache beherrschen, wird gefolgt. Und das ist in diesem Stück sehr, sehr ähnlich. Denn wenn wir zur Handlung kommen, ist der Ausgangspunkt eben dieser eigentliche Gerichtsprozess. Wir sehen keinen Mord, wir sehen den Angeklagten auch nie. Wir sehen nur diese zwölf Menschen, die darüber entscheiden sollen, ob er schuldig oder nicht schuldig gesprochen wird. Alles, was wir wissen, kommt bereits aus Sprache. Es kommt aus Erzählungen im Gerichtssaal, aus Aussagen, aus Rekonstruktionen, von Erinnerungen von anderen wieder um. Also diese Distanz. Es geht immer darum, wie nehmen wir das wahr, was kommt. Es ist spannend, weil der Jugendliche, der angeklagt wird, ein Junge aus armen Verhältnissen ist. Der angeklagt wird, diesen Vater ermordet zu haben mit einem Messer, erdrückenden Beweisen, wie ich gesagt habe, Augenzeugen, Ohrenzeugen, ein eindeutiges Messer, ein schwaches Alibi.

SPEAKER_03

Ohrenzeugen. Das Wort genial.

SPEAKER_00

Ja, man hat ihn gesehen, gehört, alles spricht dagegen. Die erste Abstimmung. Wir kommen zur Abstimmung. Keine ernsthafte Diskussion soll geführt werden. Ein Mann will zu seinem Baseballspiel gehen, andere schwitzen und sind einfach nur genervt und wollen nach Hause gehen. Weil es ist ja so klar, dieser junge Typ hat sein Vater getötet. Es war so. Alles scheint entschieden und dann sind elf Stimmen für schuldig und einer ist dagegen.

SPEAKER_04

Aber man muss einstimmig sein, ne? Ja.

SPEAKER_00

Genau.

SPEAKER_03

Ja, ja.

SPEAKER_00

Und einer ist dagegen. Aber er sagt nicht, er ist unschuldig, er sagt, ich weiß es nicht. Und mit dieser Nichtwissenheit wird eine große Verantwortung verbunden, weil alle anderen glauben einfach zu wissen. Aber er sagt, ich kann diesen jungen Mann nicht verurteilen, ohne sicher zu sein. Es kommt immer mehr Zweifel auf im Laufe des Stücks. Denn Nummer 8, das ist der Mann, der von Anfang an für nicht schuldig plädiert, bringt so diese Zweifel immer mehr auf. Er fragt nach. Aber er weiß nicht. Also er sagt nie irgendwelche Behauptungen, er stellt nichts in den Raum, sondern er fragt einfach nach, wie klar das denn alles wirklich ist. Das erste ist das Messer. Ein Wendepunkt. Denn es war ja ein sehr eindeutiges Messer, ein seltenes Messer. And plötzlich zieht während des Prozesses ein anderer, ein ähnliches Messer hervor. In diesem Gerichtssaal. Ein eindeutiges Messer. And die Gewissheit über dieses Messer, das da benutzt wurde, zerfällt vollständig. Es wird immer klar, es geht immer nur um Sprache. Also es geht immer nur Interpretationen von Dingen. Es geht immer nur darum, Beweise irgendwie sprachlich zu entkräften und nicht mehr so eindeutig formen zu können. Was ich auch immer sehr, sehr interessant fand, war, dass mit jeder Diskussion immer klarer wird, dass keiner in diesem Gerichtssaal sich objektiv entscheidet, dass jeder von seinen eigenen Erinnerungen, Vorerfahrungen geleitet wird und dass niemand da irgendwie neutral ist, dem Fall gegenüber, sondern alle ihre eigenen Erfahrungen, Erinnerungen und so weiter darauf projizieren. Und das fand ich extrem spannend, als wir das gespielt haben. Weil man so, weil ich das halt gemerkt habe, so alle kämpfen für was anderes, aber die sitzen am gleichen Tisch und sollen zusammen was entscheiden. Und im Laufe des Spiels, du siehst halt, es gibt die Opportunisten, es gibt die, die einfach Mitläufer sind, es gibt die, die dann bewusst eigene Zweifel entwickeln und sich dagegen stellen. Und dann hast du diese zwei Lager, irgendwann werden es immer mehr. Die Wahrheit verschiebt sich zunehmend zu dieser nicht schuldigen Seite von Nummer 8. Er zieht während dem ganzen Prozess durch seine Sprache, durch diese ruhige, kontrollierte Art, mit der er spricht. Es ist eine sehr Erhabene, auch, muss man sagen. Weil er im Gegensatz zu allen anderen nicht diese Aggressivität hat und auch nicht diese Emotionalität, die von der persönlichen Färbung halt kommt. Er zieht die Leute in den Bun, er geht umher im Saal und die Wahrheit folgt ihm, sozusagen.

SPEAKER_04

Der Nummer 8.

SPEAKER_00

Genau, so habe ich das immer gesehen.

unknown

Sehr schön.

SPEAKER_00

Und eben der Fall, es zerfällt einfach zunehmend Wahrheit. Es ist irgendwann weiß einfach keiner mehr, was war denn nun? Und man vergisst auch, über was man spricht und dass es noch um diesen jungen Angeklagten geht, der eigentlich seinen Vater ermordet haben soll. Obwohl das das Hauptthema ist, obwohl alle darüber reden, geht es nie darum, wirklich. Und das fand ich so genial. Weil ich mag solche Gerichtsprozesse und so weiter, aber ich fand es so genial, weil es einfach nie darum ging. Es geht immer nur um dieses Wahrnehmung versus Realität und Wahrheit und was ist überhaupt wahr. Wie sicher kann man sich sein, was wahr ist. Und das war für mich so der wichtigste Punkt, dass das Stück diese Idee von objektiver Wahrheit absolut dekonstruiert. Weil wir glauben immer, dass unsere Beobachtungen neutral sein. Aber Wahrnehmungen sind fehlerhaft, Erinnerungen sind auch Rekonstruktionen von Sachen, die passiert sind. Die sind immer beeinflusst. So werden dann auch diese Zeugen, die das gehört und gesehen haben, halt immer mehr in Frage gestellt, weil man sich immer fragt, also was hast du gesehen und woran erinnerst du dich und was ist das? Und es ist spannend, weil zuerst ist diese Gruppe als Gegner eigentlich oder als ein Konflikt an sich inszeniert gegen Nummer 8. Aber zunehmend verschiebt sich die Gruppe zu Nummer 8 gegen andere. Es ist immer so eine Frage von Sprache der Aggressivität versus diese Sprache der Kontrolliertheit und wo folgt man. Und es hat dieses ganz, ganz spannende Spiel. Dadurch, dass auch diese Figuren nicht nur Individuen und einzelne Menschen sind, sondern immer für einen Typ Persona stehen. Oder für so Idealtypen von Menschen, wie Menschen funktionieren könnten. Und da bin ich ja von der Soziologie her, ich bin immer so Idealtypen ja voll und dann gibt es dann ein Riesenspektrum wieder. Also es ist nicht so Idealtypus ist nicht gleich, wie man dann einfach ist. Es gibt schon einen Unterschied zwischen einer. Ich finde, Typisierungen finde ich einfach, wenn sie so radikal sind, finde ich das immer schwierig. Aber hier ist es eher so, dass diese Figuren für einen Idealtypus an Mensch stehen und so einen Spiegel der Gesellschaft in so einem Miniformat dieses Raumes, dieser zwölf Geschworenen einfach abbilden und zeigen, wie funktionieren Gruppen, wie funktioniert Kommunikation und wie interagieren wir miteinander und wem folgen wir? Was sind die Leute, den wir folgen? Wir haben die Demokraten, die Opportunisten, die gleichgültigen Leute, die vorurteilsgetrieben handeln, die rational handeln, die mitlaufen.

SPEAKER_01

Ja, klar.

SPEAKER_00

So. Und du hast alle diese Figuren. Und sie haben auch nur Nummern. Das ist eben auch spannend. Das sind keine Namen, das sind nur diese Nummern.

SPEAKER_04

Okay, ja. Auch interessant. Warum echt nur die Nummern? Ist das ein Symbol?

SPEAKER_00

Ich glaube schon. Ich glaube, weil es eben dieses Ding ist von, man nimmt so das Individuum raus und sagt, das ist so eine Miniaturgesellschaft. Man zeigt eigentlich so einen Blick auf so God. Weißt du, was ich meine? So der einzelne Mensch, der dahinter steht, ist mehr oder weniger egal. Einfach, sie werden alle emotional geleitet von ihrem eigenen Leben. Aber sie stehen nicht nur für sich da, sondern da ist immer mehr drin in so einer dieser Figuren und was die sagen. Das ist auch sehr spannend, weil das Stück ja mit relativ langen Monologen teilweise arbeitet oder längeren Ansprachen, gerade von Nummer 8, der dann immer wieder fragt und erzählt und es ist so, ja, Gerechtigkeit, und wie entscheiden wir das? Und dann haben wir diese Hassgespräche und diese Wutgespräche, diese Ausraster dieser verschiedenen Figuren. Es ist so spannend einfach, weil es auch so einfach umzusetzen ist.

SPEAKER_03

Liebe ich, ja. Wunderbar.

SPEAKER_00

Ich glaube, es geht einfach nicht um, es ist nicht nur ein Kriminalstück, es ist ein Stück über wie Menschen denken, wie Menschen Entscheidungen treffen und wie Menschen zusammen, wie Menschen ihre Überzeugungen verteidigen beispielsweise, wie wir mit unserem Ego kämpfen sollen und müssen, wie wir an uns selbst auch scheitern teilweise, weil diese Figuren scheitern durchweg alles.

SPEAKER_03

Durchsband.

SPEAKER_00

Durchspannt. Und das macht das Stück so echt und so unangenehm teilweise, dass ich es wirklich nur empfehlen kann. Weil wenn man nicht nur diese einzelnen Figuren sieht, sondern eben gesellschaftliche Strukturen und Muster und die andere.

SPEAKER_04

Und man sich als Zuschauer natürlich einkategorisieren kann, teilweise.

SPEAKER_00

Und man sieht sich auch selbst dann wieder in verschiedenen Figuren und in verschiedenen Situationen. Also ich glaube, das ist schon ein Riesending, das ja, diese Identifikation mit, aber nicht nur einer Figur, sondern man hat das bei mehreren.

SPEAKER_04

Ja, ja, ja, klar, klar, man trägt ja teilweise, man nee, man trägt ja verschiedene Charakterzüge in sich selbst. Also das sehe ich total.

SPEAKER_00

Ja. Und alle eben sind so, stehen für eine bestimmte Art und Weise, wie wir, wie wir denken oder wie wir miteinander leben und wie wir auch Realität wahrnehmen und darauf basierend an unsere Entscheidungen treffen. Weil das ist ja genau das Ding. Es wird dir was vorgelegt in diesem Gerichtssaal und du musst basierend auf allem, was du weißt und kennst, entscheiden.

SPEAKER_01

Ja. Ja.

SPEAKER_00

Ja. Willst du zu den einzelnen Figuren was hören?

SPEAKER_04

Hey, ja, nur noch kurz. Zu Nummer 8?

SPEAKER_00

Ja, zu Nummer 8 zum Beispiel.

SPEAKER_04

Warst du das?

SPEAKER_00

Nicht mal Nummer 3.

SPEAKER_04

Nummer 3. Nein, ich finde, das ist eine Riesenverantwortung, die man trägt aus so einem geschworenen.

SPEAKER_00

Extrem, ja.

SPEAKER_04

Also eine geschworene Person. Du sitzt da und entscheidest eigentlich mit dem Richter oder mit der Richterin zusammen, was jetzt mit dem geschieht mit dieser Person. Du hast teilweise Menschenleben in der Hand. Also es ist auch crazy.

SPEAKER_00

Ja, und das ist auch so spannend, weil das ist so die erste Frage, die ja so in den Raum gestellt wird, ist die Frage der Verantwortung des Stücks. Und dann siehst du diese Männer in diesem Raum, die alle so keinen Bock haben, da zu sein.

SPEAKER_04

Aber es geht um den Leben.

SPEAKER_00

Genau, die sind voll. Aber die schwitzen einfach. Der ist so, ja, ich will zum Baseball, scheiß mich nicht an hier. Und es ist voll krass, weil das wird so die rhetorische Frage, die immer wieder im Raum steht. Wem würden wir diese Verantwortung zutrauen, über unser Leben zu entscheiden? Puh, das Spannend. Und auch so, was passiert, wenn unterschiedliche Weltbilder auf einem engen Raum kollidieren müssen und man gemeinsam zu einer Lösung finden muss, zu einer einstimmigen Lösung?

SPEAKER_04

Das ist, finde ich, wenigstens noch gut, dass das nicht alles die gleichen Leute sind. Oder mit den gleichen Vorstellungen. Um genau bestmöglichst natürlich das Anliegen zu verteidigen oder ja, das. Aber gerne, gerne. Ja, was, was 1, 2, 3, 4, 5, 6, 6.

SPEAKER_00

Ich will nur zu Nummer 8 und zu Nummer 3 will ich wirklich was sagen, weil das sind so, also es gibt auch noch andere Figuren, die zentral sind, aber das waren die, die mich am meisten bewegt haben. Zum einen einfach Nummer 8, weil er so eben diesen Zweifel sät, diese Nichtwissenheit und diese Verantwortung übernimmt mit einem Standpunkt von Ich weiß es nicht. Und es ist spannend, weil er wird nicht inszeniert wie so klassische Helden, weil er ist nicht ein Charismatiker. Er ist auch nicht jemand, der dominant auftritt oder der lautspricht oder der viel Raum einnimmt, sondern der durch eben durch diese Kontrolliertheit und diese Ruhe und diese Zurückhaltung so übermenschlich intelligent ein bisschen wirkt. Weißt du was? Also, er hebt sich dadurch auf eine andere Ebene. Es ist eine gewisse Dominanz, aber nicht so diese, ja, ich hau ja auf den Tisch und die Leute hören mir zu, weil der ist am Anfang dieser Zurückgezogene. Und du musst dir überlegen, so eben alle sind bei dieser Abstimmung und sind so, nicht schuldig, nicht schuldig, nicht schuldig. Und dann kommt so, schuldig? Und sie gucken so und niemand weiß so, wer ist dieser Kleine, der hier jetzt? Und der sitzt einfach nur so da und ist so, ja, ich weiß es nicht. Und das ist schon so. Aber seine Stärke liegt eben nicht in dem, was er weiß, sondern in seiner Haltung, dass er Verantwortung dafür übernimmt, dass er es nicht weiß. Und das ist eigentlich das Spannende. Er hat so diese moralische Integrität, die sonst überall verloren gegangen ist. Und er ist einfach auf diesem Stand von, er ist nicht bereit, jemanden in den Tod zu schicken, wie du gesagt hast, weil es ist eine Riesenverantwortung, ohne sicher sein zu können. Nummer 3 wiederum ist genau das, was ich zuvor gesagt habe: zu dieser, man handelt aus eigener Emotionalität und aus eigener Erfahrung und nicht aus einer objektiven Wahrnehmung heraus. Denn Nummer 3 ist vielleicht die tragischste Figur des ganzen Stücks. Und den habe ich gespielt. Das ist so ein, ich weiß noch, es ist so ein Tankstellenwart gewesen, so ein richtig asozialer Typ, der wirklich so viel Hass geschürt hat. Es war alles so aggressiv. Jedes Mal, wenn er den Mund aufgemacht hat, das war alles so viel Hass. Und er ist der Letzte, der sich umentscheidet. Und es ist extrem dramatisch, wie das Ganze passiert, denn es gibt so diesen Punkt, es gibt viele Abstimmungen, werden sich immer mehr Leute dagegen entscheiden, und er bleibt darauf beharren, auf diesem schuldig. Und in einer der letzten Szenen bricht er dann zusammen und man erfährt, dass er diesen Angeklagten mit seinem eigenen Sohn in gewisser Weise verwechselt, da er selbst angegriffen wurde von seinem Kind. Er kann das nicht da nichts tun konnte.

SPEAKER_04

Er kann das nicht trennen.

SPEAKER_00

Und er konnte diese eigene Erfahrung davon nicht trennen. Er war so überzeugt davon, dass das so sein muss, bis er dann letztendlich zusammengebrochen ist. Und das ist extrem spannend, weil diese persönliche Verletzung, die ist so stark, dass es jedes objektive Urteil absolut unmöglich machen würde. Man kann die Frage stellen, inwiefern ist objektives Urteil überhaupt möglich unter Menschen? Aber weil es einfach menschlich ist zu projizieren und dass wir glaubend rational zu handeln, weil wir ja weitermachen müssen, aber er kämpft halt nicht so gegen den Angeklagten, sondern gegen seine eigene Geschichte. Und das ist extrem spannend, weil das macht er das ganze Stück lang. Aber und man merkt immer so, irgendwas ist da, weil irgendwas kann nicht sein. Du bist so emotional involviert. Es ist zu viel. Und ja, das ist so die letzte Katharsis, die dann alles aufbricht, eigentlich mehr oder weniger.

SPEAKER_04

Das ist eine Geschichte, ja.

SPEAKER_00

Ja. Und dann zerbricht diese Fassade, dass dieses Urteil nie sachlich war. Und das war spannend, weil den habe ich gespielt. Und mir hat es extrem gut gefallen. Also, ich habe es natürlich fertig gelesen, bevor wir es fertig gespielt haben. In der Schule dazu machen. Ich wusste schon so lange, dass das kommt. Ja. Das hat mich tief bewegt, weil ich den so gehasst habe, weil ich das so scheiße fand, den immer wieder zu spielen.

SPEAKER_04

Die Nummer 3, ja.

SPEAKER_00

Ja, weil es wirklich belastend war und der extrem viel Scheiß rausgelassen hat. Naja.

SPEAKER_04

Ja, und du da halt nicht dahinter stehen konntest.

SPEAKER_00

Nee, nee, nee, nee. Aber es war nicht mal wie bei gewissen anderen Nummern, beispielsweise Nummer 10 war sehr vorurteilsgetrieben, wo man so sah, okay, das sind strukturelle Sachen, die in seinem Denken schiefgelaufen sind. Und das war bei Nummer 3 nicht der Fall, weil Nummer 3 war einfach sehr selbstbezogen und sehr emotional. Er hat alles auf sich selbst projiziert. Und er war sehr in seinem Ego geklebt.

SPEAKER_04

Vielleicht eine andere Frage dazu oder sage er state was anderes. Was hat was war dann für dich schwierig an dieser Rolle? Warum wolltest du nicht oder warum war das immer so ein so anstrengend, immer wieder in diese Figur einzutauchen? Natürlich in deinem Jüngeren ich, ne? Das ist natürlich schon eine Zeit her.

SPEAKER_00

Ja, ich glaube, auf die eine Seite war es einfach anstrengend, weil diese Gruppendynamik an diesem Tisch, das hat mir nicht gut getan, das wirklich so zu spüren.

unknown

Okay.

SPEAKER_00

Ich glaube, ich konnte das einfach nicht so gut trennen, weil ich habe mich extrem gefreut, als ich gesehen habe, dass ich Nummer drei bin. Weil ich habe das ja geliebt, immer so die Bösewichte und so die Asozialen zu spielen, weil es einfach war cool, so. Ich konnte so asozial in dieser Runde sitzen. Das war alles nice. Aber dann hat dieses Ding angefangen, dass man Leute halt immer unterbrochen hat und so Leute beleidigt hat mit diesem Stück. Und da ich ja sehr eine leidenschaftliche Schauspielerin bin, dann habe ich das natürlich dann auch richtig gemacht. Aber das waren ja meine Klassenkameraden und nicht Leute wie du. Also weißt du, ja.

SPEAKER_03

Okay, okay. Es hat Unruhe gestiftet.

SPEAKER_00

Es hat Unruhe gestiftet. Es hat emotional, ich hatte diese, ich hatte einfach da schon immer dieses Ding, dass ich so war, ich habe mich immer in diese Leute reingefühlt, die so explodieren und so aggressiv sind, weil man, ich finde, da sieht man direkt, das ist einfach eine verletzte Seele. Und früher habe ich mich dem öfters dann noch bewusst angenähert, weil mir das was gegeben hat, aber das mache ich jetzt auch nicht mehr, weil reicht dann irgendwann auch. Aber wie diese Figur, da war das beispielsweise noch so. Weil eben, ich hab schnell gesehen, so, irgendwas ist da. So, der.

unknown

Krass.

SPEAKER_00

Ja, der hat einfach sein Leben versaut. Das ist halt krass.

SPEAKER_04

Also, der ist richtig am Haken. Nee, aber die Story, die muss ich lesen.

SPEAKER_00

Ja, die musst du unbedingt lesen. Es ist auch wirklich, also es ist auf ziemlich genau 100 Seiten alles gesagt. Und es ist sehr spannend, eben weil es ist in diesem Kammerspiel-Vibe, es passiert gar nichts. Es ist nur diese Hitze, diese erdrückende Spannung und diese Diskussion und diese Interaktion dieser zwölf Menschen, die sich nicht kennen und nicht mögen. Und es ist wirklich sehr, sehr spannend. Wir können ja danach noch kurz darüber sprechen, eben so, was man heute damit machen könnte, weil ich hatte ja eine Idee, warum ich das vorgeschlagen habe. Zuerst einfach nochmal will ich so sagen, weil das mein Fokus einfach war bei dem Ganzen, war immer Sprache. Dass Sprache als Machtmittel funktioniert. Weil wer spricht, kontrolliert diesen Raum. Wer spricht, erzeugt diese Dominanz. So. Und es geht nicht darum, laut zu sprechen oder irgendetwas zu müssen, sondern es geht einfach um diese. Es geht um diese Macht, die die Sprache in sich hat, wenn man die anwenden kann. Das ist schon. Also ich fände es wirklich gewaltig. Und es funktioniert ja auch sehr, sehr stark als Manipulation dann wiederum. Gerade in diesem Stück. Denn am Ende, ich weiß nicht, ich kann das schon insoweit spoilern, einfach weil ich es eh schon getan habe. Sie entscheiden sich für nicht schuldig. Sie sprechen ihn nicht schuldig. Aber man erfährt nicht, ob er es war oder nicht. Also man weiß es nicht. Die Beweise waren eindeutig am Anfang. Wir wussten, er ist schuldig. Hä? Dann ist er 100 Seiten später einstimmig nicht schuldig. Aber ist er nicht schuldig? Ich habe viele Interpretationen gelesen, wo die so waren. Doch, bestimmt war der da wirklich schuldig. Aber durch das, dass alle Menschen Vorurteile oder eigene Erfahrungen als Vorurteile genommen haben zur Entscheidungsfindung und das dann aufgeflogen ist quasi, darum hat man ihn dann doch nicht schuldig gesprochen. Aber ist das jetzt ein objektives Urteil gewesen? Oder war das sehr subjektiv, was da alles passiert ist im ganzen Verlauf? War Nummer hat Nummer 8, warum hat Nummer 8 gesagt, nee, ich weiß es nicht. Also war das eine objektive moralische Integrität? War das auch eine subjektive Wahrnehmung von der ist nicht schuldig? Hast du da eine. Also weißt du, was ich meine? Das finde ich sehr, sehr spannend. Soweit ich this in my coffee offen gelassen. And was that not so?

SPEAKER_04

I have not this stuff, heard this out of you. There are biases, there are vertices. There is not all this objective. Got it. And you have a thought can manage as a man who has 100% objective. And when many to these 100%, I have the feeling that it gets not about Gespräche. And okay, this must also Kategorisierungen, was jetzt objektiv ist natürlich, and was subjektiv. And then alles aufschreiben, but then muss man wegstreichen. Innerhalb eines Gesprächs funktioniert das nicht.

SPEAKER_00

Voll. Voll.

SPEAKER_04

Dementsprechend, ja, ne, die Sprache ist doch auch eine gute Waffe, je nachdem, wie man die einsetzen möchte.

SPEAKER_00

Dann auch wieder um das Schweigen als die Gegenmacht, wenn dann Leute ausgeschlossen werden und man nicht mehr mit ihnen spricht. Das kommt ja dann auch vor dem Stück. Dann wieder diese soziale Sanktion, so Ausschluss aus einer Gruppe.

SPEAKER_03

Diese Gruppendynamik, das ist so schön. Das ist objektiv entschieden worden.

SPEAKER_00

Eben, das ist so, also es ist echt einfach so ein Life-Experiment in Sozialpsychologie, so dieses Stück. Und das ist so spannend. Auch so dieses eben, warum und wann kippen Menschen ihre Meinungen? Wann werden sie überzeugt und wovon? Und wem folgen sie? Es ist so interessant. Und eben einfach oberflächlich könnte man sagen, das Stück feiert einfach Demokratie, aber ich finde, es ist viel mehr dahinter, weil es ist so, Demokratie ist unter Menschen und Menschen sind chaotisch und anstrengend und emotional und fehleranfällig. Und das ist so mega. Das ist einfach so eine geile Pointe. Weil es ist nicht effizient, aber es ist vielleicht gerechter, als vorschnell zu urteilen. Und so dieses Diskussionsmodell, das ist ja auch ein spannendes Modell. Und das ist so eine dramatische Version von diesem amerikanischen Gerichtssystem. Ich fand's mega interessant.

SPEAKER_04

Gab es da mal wieder ein Revival oder?

SPEAKER_00

Ich habe gerade letztens gesehen, dass sie es irgendwo gespielt haben, weil es eben auch so ein Ding ist, dass man schnell mal in einem Theaterclub oder so irgendwo spielen kann.

SPEAKER_04

Okay.

SPEAKER_00

Auch irgendwie eben ein Amateurtheater oder sonst was, gibt es das häufig, habe ich das Gefühl, weil eben es sind ja viele Themen drin, die zeitlos funktionieren. Einfach eben diese Gruppendynamiken, Sprache und so weiter, auch so Männlichkeit als Konflikt. Das habe ich mir auch noch rausgeschrieben, einfach weil das ja zwölf Männer sind, die da miteinander diskutieren, die kaum emotional offen sind und trotzdem alles emotionsbasiert entscheiden. Aber keiner spricht ja von Anfang an irgendwie offen über seine Gefühle oder irgendwas. Oder darum sind ja diese Biases, erzeugen ja so viel unterdrückende Spannung irgendwie, weil man merkt, die reden nicht richtig miteinander. Das ist so dieses Dominante, dieses Harte, diese Aggression in der Sprache, im Umgang miteinander. Es ist schon sehr stark auch von dem geprägt. Darum finde ich, funktioniert es gut. Auch so dieses klassistische Denken, das wird auch alles dekonstruiert und dieses Vorurteilsgetrieben, eben dieser junge, arme Angeklagte und so weiter, all diese Sachen, das wird auch alles aufgezeigt. Also es kommt sehr, sehr viel in dem Stück auf den Tisch, was einfach zeitlos bleibt. Weil es nicht primär um diesen Mordfall in den 1950er Jahren geht, sondern um sehr viel mehr.

SPEAKER_04

Ja, klar. Oh, bei eurer Inszenierung durfte das Publikum auch abstimmen?

SPEAKER_00

Das Ding ist, wir waren ja, also die Klasse war einfach, wir waren so 20 Leute, zwölf haben dann gespielt und dann hat man getauscht teilweise die Rollen. Also es hat, weil es einfach damit jeder mal gespielt hat oder fast jeder mal gespielt hat. Aber ich wusste gar nicht, ich glaube, es hat sonst niemand irgendwie abgestimmt. Aber ich fände es eine geile Idee, das so interaktiv zu machen, dass das Publikum mitentscheiden kann ab einem gewissen Ding und das so eine Komponente reinzubringen.

SPEAKER_04

Je nachdem, wie viele Akte das hat, so nach dem ersten, nach dem zweiten. Und dann am Schluss nochmal. Oder in der Halbzeit und am Schluss.

SPEAKER_00

Das ist eine gute Idee. Das müssen wir uns merken für unsere Inszenierung. Also für so eine Idee. Weil eben dieses Kammerspielding, das funktioniert ja super, das ist ja extrem einfach. Das ist nur diese Sprache, nur das, nur die Blicke, nur die Interaktion ist. Das könnten wir ja super umsetzen.

SPEAKER_04

So Spiele, so Stücke finde ich super.

SPEAKER_00

Eben, es ist halt Dramaturgie ohne Action.

SPEAKER_04

Ja, es ist nicht so überwältigend zum Teil. Ja, voll. Weil man alles im Blick hat oder man denkt, man hat alles im Blick. Da da! Ja, willst du noch kurz was zur Inszenierung sagen?

SPEAKER_00

Ja, ich hatte halt die Idee, dass es, dass sich das sehr viel besser eignen würde, Hear Me out, für eine physische Inszenierung, als man vielleicht zuerst denken könnte. Weil ich finde, da steckt viel mehr Bewegung und viel mehr Körperlichkeit drin, als man denkt, weil das Stück funktioniert oder basiert auf Sprache. Es geht darum, dass man miteinander spricht und doch ist der Konflikt extrem was Körperliches. Auch die haben ja auch körperliche eigene Reizüberflutungen. Also es ist eng, es ist heiß, man ist aggressiv, es ist so dieses Dominante, man wird unterdrückt teilweise, eingeengt, isoliert von der Gruppe, bedrückt von der Gruppe. Das sind ja alles körperliche Zustände, das sind alles psychologische Zustände, das sind alles Gefühle mit drin, die man körperlich darstellen kann und die sich im Körper zeigen. Auch in diesem einzelnen Raum, den man hat, dachte ich, man kann so viel ja zeigen von Gruppendynamiken und dieser Wahrheitsverschiebung einfach durch Körper, die sich durch den Raum bewegen.

SPEAKER_04

Yes.

SPEAKER_00

Und ich finde, es eröffnet eine neue Lesart, eine neue Interpretationsart des Stücks, weil man einfach diese, ja, ich weiß nicht, so diesen gesellschaftlichen Organismus, den man da in Miniaturform so hat, dass man das einfach so zeigen könnte. Und dann doch auch mit Sprache und vielleicht einzelnen Einwürfen, so wie wir das mal gesehen haben in der Art, in so einem Video, wo sie mit diesen Anzügen so auch getanzt haben.

SPEAKER_04

Ach, das, ja.

SPEAKER_00

Das habe ich eben in meinem Kopf gehabt. Ich habe den Link irgendwie gemacht, so ein bisschen. Einfach von der Art, was man alles machen könnte, weil ich aber einfach so, man könnte so viel machen. So dieses synchrone Bewegung, asynchrone Bewegung, dieses Verdrängen von Meinungen und Menschen und wer steht wo und wer, also auf welchen Ebenen. Fand ich extrem, also ergiebig einfach, gibt voll viel her. Weil eben so, wie kann man so Spannung und Machtdemonstration und Gruppenkonflikte und Entscheidungsfindungen, wie kann man das visuell zeigen? Und ich finde, es gäbe so viele Möglichkeiten mit wenig Aufwand.

SPEAKER_04

Gehe ich mit dir einig, finde ich nice. Du hast mich mit diesem Video, das habe ich dir gezeigt.

SPEAKER_00

Das hast du mir gezeigt. Ich habe es unter dem Stichwort soziale Choreografie aufgeschrieben.

SPEAKER_02

Schönes Wort. Sergerschönes Wort, ja.

SPEAKER_00

Ja, es ist zeitlos. Das Stück ist einfach nur geil. Lest's durch, Leute.

SPEAKER_04

Genau.

SPEAKER_00

Wirklich leicht zu lesen auch, finde ich. Auch wenn es eben sehr textlastig ist. Aber at the end of the day wird ja trotzdem noch dieser Kriminalfall besprochen. Und das ist ja ein Genre, mit dem wir gut zurechtkommen. Unsere moderne Gesellschaft. Da funktioniert ja alles so. Oder? Voll. Ich kann es wirklich nur empfehlen. Die zwölf geschworenen Reginald Rose.

SPEAKER_04

Genau, als erstes im TV, aber ich habe jetzt nochmals gegoogelt, im Kern Theater 1955 wurde das uraufgeführt in den USA und einige Jahre später kam das dann dann schon nach Europa, Deutschland, so um 58. Ja, ganz genau. Danke dir. Dankeschön. Danke, viel, vielmals.

SPEAKER_00

Ja, ich habe voll Freude, mich wieder so in all diese Motive und so reinzulesen, weil ich war wirklich so, es ist so viel. Es ist so viel in diesen 100 Seiten drin. Man könnte über so viel noch so lange weiterreden. Ich mir dachte, ich mache da eine Uniseminararbeit draus, weil da muss ich mich im Endeffekt halten.

SPEAKER_04

Yes, yes. Nochmal. Danke vielmals. Das ist ja eine riesen Bereicherung für die Access T-Community. Ja, lest es. Danke schön. Direkt klar. Ja, danke vielmals. Ja, wir sind Hamda Verschischi und.

SPEAKER_00

Fabien Michel, war schön, dass du da warst.

SPEAKER_04

Kommt nächstes Mal wieder zurück, hört uns und wir haben eine große, tolle Überraschung. Wir freuen uns riesig darauf. Aber noch ein bisschen Geduld muss sein. Danke.

SPEAKER_00

Ciao, ciao. Tschüss.