Krisen & Chancen - Der Insolvenzpodcast mit und von Schwentker · Bückmann

Deutschland vs. USA – Warum Scheitern hier Makel und dort Neustart ist

Schwentker · Bückmann Season 1 Episode 5

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In dieser Episode vergleichen wir den Umgang mit Insolvenz in Deutschland und den USA. Warum ist Scheitern hierzulande noch immer mit Schuld und Scham verbunden, während es in den Vereinigten Staaten häufig als Teil unternehmerischer Entwicklung gilt?

Wir sprechen über historische Hintergründe, gesellschaftliches Mindset, rechtliche Unterschiede – und darüber, weshalb eine offenere Haltung gegenüber unternehmerischem Risiko entscheidend für wirtschaftliche Dynamik sein kann.

Eine Folge über Verantwortung, Kultur und die Frage, wie wir in Deutschland mit Scheitern umgehen wollen.

SPEAKER_01

Krisen und Chancen, der Insolvenz-Podcast mit und von Schwendka Pöckner. Herzlich willkommen zu unserem fünften Podcast. Und wir haben ein wunderschönes Thema. Und zwar geht es natürlich hier um das Thema Insolvenzen und um das Thema quasi wirtschaftliche Schieflage. Und jetzt vergleichen wir das ein bisschen mit zum Beispiel den USA. Da gibt es eine grundsätzlich eine andere Mentalität, auch zum Thema Scheitern, als bei uns hier vielleicht in Deutschland. Und wir wollen darauf etwas näher eingehen. Zuvor möchte ich aber die Zeit nutzen. Wir beide kriegen diesen Podcast ohne technische Begleitung nämlich nicht hin. Und deswegen geht der Dank und der Gruß auch an unseren wunderschönen Joel raus, der hier dafür sorgt, dass alles aufgenommen wird, dass der Ton richtig ankommt und dass es auch Fotos und Videos von uns dann gibt.

SPEAKER_02

Da sage ich auch Danke.

SPEAKER_01

Genau, vielen Dank. Also, wir steigen ein. Ich selber habe in den USA bzw. in Amerika eine Zeit lang gelebt und habe auch ein bisschen das Gefühl, wie dort gearbeitet wird und wie dort Karriere und so weiter gelebt wird. Und ich erkenne, und nicht nur ich, ich glaube ganz viele erkennen, einen großen Unterschied zwischen einer Insolvenz oder einem Scheitern in Deutschland und in den USA. In Deutschland wird man begleitet von Häme und einem großen Schamgefühl, darüber haben wir auch öfter schon gesprochen. Und in den USA ist das ein Weg, ein kleiner Schritt zum Erfolg. Zur großen Karriere. Und wir kommen auch gleich nochmal, wir nennen zwei, drei Namen, die auf ihrem Weg teilweise an die Spitze der amerikanischen Macht. Man kann halten, was man will, aber auch Donald Trump hat Insolvenzen durchgemacht und is am Ende des Tages President geworden. Genau. Ob gut oder schlecht.

SPEAKER_02

Genau, das ist nicht das Thema dieses Podcasts.

SPEAKER_01

Und warum haben wir dieses Problem oder warum ist das so in Deutschland? Warum sehen wir uns dann als gescheitert? Wieso klebt dann an uns irgendwie dieser Sticker, dass man ja nicht in der Lage ist? Und wieso bekommen wir diese Häme ab und wieso haben wir dieses Charmefühl? Wieso ist das nicht einfach nur ein Schritt von ganz vielen?

SPEAKER_02

Ja, es ist in Deutschland tatsächlich anders. Also in Vorbereitung auf den Podcast habe ich mich da natürlich auch nochmal eingegroovt und auch tatsächlich Sachen recherchiert. Allein von der Sprache, von der deutschen Sprache, was bedeutet Insolvenz. Insolvenz bedeutet, man hat Schulden. Und der Wortstamm von Schulden ist Schuld. Und das ist, also die Nähe des Begriffes zu Geld, Schulden, zu dem Wort Schuld, ist wirklich negativ verbunden. Und auch ein Synonym für Schuld haben ist Verantwortung, Fehler oder auch Unrecht. Und wenn man das dann nochmal weiterspinnt, ist Schuld für ein bestimmtes Verhalten, weil man gegen Werte und gegen Normen verstoßen hat. Also Schuld, Schulden hat ganz viel mit einem moralisch verwerflichen Verhalten zu tun. Und das ist immer noch heute in den Köpfen.

SPEAKER_01

Aber das muss man ja vielleicht nochmal differenzieren. Also, wenn wir jetzt mal auf die Insolvenz dann gehen. Es gibt ja ganz verschiedenste Gründe, wieso man in die Insolvenz rutscht. Und ich glaube, man muss es ja auch wirklich individuell betrachten.

SPEAKER_00

Ganz.

SPEAKER_01

Und klar, es gibt bestimmt Menschen oder Situationen, wo Leute Fehlentscheidungen getroffen haben. Aber keiner will ja freiwillig in die Insolvenz. Keiner will ja freiwillig irgendwie, oder manchmal ist es vielleicht auch einfach nicht ordentlich nachgedacht oder wie auch immer. Aber es gibt ja auch einfach Situationen, die unglücklich gelaufen sind.

SPEAKER_02

Genau, genau.

SPEAKER_01

Wieso betrachten wir das dann nicht so?

SPEAKER_02

Ja, also genau, ich glaube, da muss man nochmal einmal in die Historie zurückgehen. Also ich habe ja gerade versucht, das mit dem Wortstamm mal zu erklären. Wir gehen von dem Wortstamm Schulden, ist der Wortstamm schuld. Aber historisch ist es auch interessant, wenn man sich das, wo kommen wir her? Und schon im Mittelalter gab es die sogenannte Ständegesellschaft. Und die waren ja alle sozial sehr ungleich verteilt. Und die Zahlungsfähigkeit war eine Frage der Ehre. Also daher kommt auch der ehrbare Kaufmann. Ein Handschlag ist noch was wert. Und wenn man kreditfähig war, dann war man vertrauenswürdig. Aber wenn man die Zahlungsfähigkeit verlor, dann war das sofort ein Vertrauensbruch. Und im späten Mittelalter sogar, wenn man Schulden hat, dann kam man in den Schuldturm. Und das heißt, säumige Schuldner wurden eingesperrt, öffentlich zur Schau gestellt, und da ran ja anknüpfend diesen Menschen mit einer besonderen Charme und Schande belegt. Das heißt, man wurde öffentlich gebrandmarkt. Und dann mit den Herausforderungen der Industrialisierung hat man dann in Deutschland darauf reagiert, es war der ganz große Wunsch nach Stabilität und Kontrolle und versus sozusagen dem unternehmerischen Risiko. Also man hat dann viel stärker den ehrbaren Kaufmann eine Zahlungsverpflichtung einzuhalten, was ja grundsätzlich auch richtig is. Aber unternehmerisches Handeln, wie du gerade eingangs gesagt hast, hat von so vielen Factoren or is from so vielen Factoren uphängig, dass einer dieser Bausteine kippen kann and then Domino Effect dazu führen kann, dass man, obwohl man es vielleicht gar nicht voraussehen konnte, as vielleicht eine Milli Möglichkeit, but really nur eine kleine Möglichkeit, dass man am Ende doch insolvent wird oder zahlungsunfähig wird, weil ganz viele Situationen sich verkettet haben. Und wie gesagt, wir kommen aus der Schuldturmhistorie, was mit einer öffentlichen Brandmarkung gleichzusetzen ist. Und wir haben uns in Deutschland bislang dafür entschieden, so mit dem Thema umzugehen, zu sagen, wir brauchen die Sicherheit, ganz wichtig, Verträge sind dazu da, das ist ja schon ein römischer Grundsatzpaktor so ein Servanda. Verträge sind dazu da, eingehalten zu werden und die Insolvenz macht ja alles platt. Aber das ist die Historie und vielleicht das jetzt einordnen, was hat denn dann Deutschland daraus gemacht? Weil Deutschland ist ja natürlich nicht isoliert und Deutschland kennt ja Amerika, macht es irgendwie anders. Und da ist es auch nochmal interessant: bis 1999 hatten wir die Konkursordnung, die kannte Insolvenz eigentlich nur als Abwicklungsinstrument. Unternehmen, die irgendwann mal eine Fehlentscheidung hatten oder eine Fehlentscheidung eines Lieferanten dazu führte, dass man Gelder nicht bekommen hat. Also tatsächlich in der Kette am Ende dann selber Zahlungsunfähigkeit wurde, da war die Konkursordnung in ihrer reinen Kultur einfach nur ein Abwicklungsinstrument. Und in den späten, also ich mache das ja schon so lange, dass ich auch noch Konkursverfahren nach zwei, also ich bin ja seit zwei, drei Verwalterin, aber da gab es natürlich noch Konkursverfahren, die ich auch erlebt habe, dann in der Bearbeitung. In der Endfassung der Konkursordnung gab es den Sequäster, auch der fortgeführt hat. Aber das war gar nicht gedeckt von den gesetzlichen Regelungen. Und dann hat sich der Gesetzgeber ja schon Anfang der 90er auf den Weg gemacht, gesagt, das müssen wir ändern. Also gerade auch im Hinblick auf Amerika, die machen es irgendwie besser, weil man schneller, weil alle Menschen, die im Schultturm verhaftet sind, um es jetzt mit dem mittelalterlichen Spruch zu machen, die sind ja auch nicht mehr, von denen kann man kein wirtschaftliches Wachstum mehr erwarten. Thema Krankheit hatten wir beim letzten Mal. Die werden häufig krank, damit sogar noch Folgekosten. Und sie werden auch dann auf staatliche Hilfe angewiesen sein. Also drei negative Folgen, die man eben ändern wollte. And dann hat man 1999 die Insolvenzordnung auf den Weg gebracht. Und da die Dinge verankert, die eigentlich, da kommen wir gleich zu, schon sehr spiegelbildlich im amerikanischen System sind, aber der Geist is not mitgekommen. Das Mindset hat sich noch nicht angepasst. Obwohl wir seit 1999 die Regularinnen haben, die auch der Amerikaner, die nennen sich anders. Aber wir haben das gleich. Aber das Mindset ist nicht mitgekommen. Und wir haben seit 1999 die Möglichkeit, Unternehmen, also grundsätzlich mal ist die Insolvenzordnung jetzt auch kein Abwicklungsinstrument mehr, sondern das, was gut ist, soll erhalten werden. Wir haben auch die Möglichkeit durch das Eigenverwaltungsverfahren, dass der Unternehmer selber im Seed bleibt, also in der Verantwortung. Wir haben die Möglichkeit, Unternehmen durch Insolvenzpläne zu sanieren. Natürliche Personen so wie du und ich aus Fleisch und Blut haben die Möglichkeit, Restschuldbefreiung zu erlangen. Das heißt, wirklich von ihren Schulden abgeschnitten zu werden. Und das gibt es alles seit 1999, aber der Geist ist immer noch verhaftet in Schultturm, Schuld, Scham und die rechtlichen Grundlagen sind lange angepasst.

SPEAKER_01

Ich möchte auch nochmal so eine kleine Kurve machen. Und zwar gehen wir jetzt mal von der Insolvenz ganz kurz weg. Einfach so zu wirtschaftlichen Chancen und so. Also man sagt ja, das ist jetzt ein bisschen veraltet vielleicht, aber vom Tälerwäscher zum Millionär. Das ist, wenn man diesen Satz sagt, dann verbindet man das mit den USA.

SPEAKER_02

Genau.

SPEAKER_01

So, da können wir 100 Leute fragen, da würden 90 sagen, ja, das ist so. Ob das tatsächlich so ist, keine Ahnung. Aber es ist ja schon so, dass man das Gefühl hat, dass a grosser, viel Arbeit, Engagement, and solche Historien and solche Lebensläufe in Amerika oder in den USA dazu führen, dass man zumindest irgendwie eine große Chance hat, was zu erreichen. So, das sind ja nicht nur Einzelfälle, das wird in Deutschland genauso sein, klar. Und es gibt auch Gegenbeispiele. Aber nichtsdestotrotz gibt es kaum ein Land, was so dafür steht, für diesen Traum, den man für sich vielleicht dann auch realisieren möchte. Und ich kenne auch, ich würde gerade sagen, auch in der Ostküste, also New York, Boston, Washington und so, das ist ja mehr so. Genau, man sagt ja in der Ostküste, wir leben, um zu arbeiten, um dann ein schönes Leben zu haben. In der Westküste, man arbeitet, um zu leben. Und da steht der Lebenswert schon sehr im Vordergrund. Was auch vielleicht so ein bisschen wetterbedingt und dann kulturbedingt ist.

SPEAKER_02

Ist ja auch ein großes Land.

SPEAKER_01

Genau, absolut. Aber nichtsdestotrotz spürt man einfach, finde ich, zum Beispiel wenn man in Boston ist, dass das MIT, das Harvard. Da sind viele Leute, die haben einen Anspruch. In New York ist Business in jeder Art.

SPEAKER_02

Druck auch richtig viel schaffen zu wollen. Genau, absolut.

SPEAKER_01

Aber am Ende des Tages hat man irgendwie den Eindruck, dass da mehr möglich ist. Dass da einfach das Potenzial, was vielleicht in einem Schlummer, da irgendwie besser genutzt wird. Und ich möchte das mit einem Zitat mal begleiten. Abraham Lincoln, lange her, aber das ist so ein bisschen die Grundmentalität, die finde ich schon in Amerika herrscht. Und ich will es jetzt gar nicht zu politisch machen, but da heißt es, oder er hat gesagt, man stärkt die Schwachen nicht, indem man die Starken schwächt. So man hat wirklich das Gefühl, dass aber auch ich sag jetzt mal in Anführungsstrichen, die Starken, what's how much is another anse have and honored, that die at the end of the day violated a bit of the body, that it's always a stuff we had besser gear.

SPEAKER_02

Genau, this is jail, this is zur Einordnung sozusagen Exkurs. But kann ich bestätigen, this is ja wer in Amerika Erfolg hat, der wird ja gefeiert. Also wenn der Nachbar ein tolles Auto fährt, weil er jetzt gerade einen super Deal gemacht hat, dann ist man stolz, weil man Nachbar von dem Typen ist. Und kann vielleicht sich mit dem auch noch irgendwie gemeinsam zeigen. Hingegen in Deutschland ist das so, oh, da wird jetzt einer erfolgreich. Und oh, ich aber nicht, kommt sofort der Abgleich, ich bin nicht mit ihm aufgestiegen und dann wird das, was der andere geschafft hat, abgewertet, um sich selber aufzuwerten oder man wertet sich auf und wertet den anderen ab. Das ist schon wirklich auch eine darin verknüpfte, ich glaube, das hängt alles miteinander zusammen, weil die Basis ist, jeder kann alles schaffen. Und wenn man frei ist von der Ideologie, sozusagen, wenn ein Fehler dann in Schuld endet, dann bin ich lieber nicht proaktiv, lieber und dann wagt sich einer raus, dann beobachtet man in Deutschland und haut eher noch auf den drauf, statt zu überlegen, dass der ja die Basis, wie du es gerade gesagt hast, schafft, dass es allen besser geht. Denn wenn einer es gut schafft, schafft er Arbeitsplätze, schafft Wohlstand in der Stadt, in der er das Business macht. Und dieses Mindset, glaube ich, hängt wirklich mit der grundsätzlichen Eigenschaft oder mit der grundsätzlichen Einstellung zusammen. Was mache ich, was ist mein Ansatz, wie entscheide oder wie bewerte ich unternehmerisches Handeln? Und unternehmerisches Handeln ist immer auch ein Risikogeschäft. Immer. Weil es kann Kunde ausfallen, es kann die Idee sterben, weil gesetzliche Normen sich ändern. Es kann immer. Und wenn wir wollen, dass Menschen aber, und das merkt man ja schon an den Aktienmärkten, die Aktienkurse sind die beste, auf lange Sicht die beste Investition, die man machen kann, weil dort einzelne Unternehmen ihr eigenes Business nach vorne treiben und das immer höher ist als Staatsanleihen und so weiter. Weil wenn jemand proaktiv agiert und dann ist das immer dauerhaft erfolgreicher. Wenn wir aber das abwerten und eher in die Defensive gehen, dann sind wir genau bei dem Thema, wo wir jetzt auch in Deutschland ein bisschen sind, lieber immer abwarten. Nur mit Abwarten schaffen wir kein Wirtschaftswachstum. Also das sozusagen bestätigenderweise hängt das alles miteinander zusammen. Wenn man jetzt auf die USA, und das ist ja sozusagen die Folge, was war das jetzt, die Darstellung mit Deutschland, was ist bei den USA, da ist die Insolvenz die eine Art der Antwort auf unternehmerisches Handeln. Also es ist durchaus realistisch, dass du fails, dass du einen Fehlschlag erleidest. Aber es ist nicht mit einer Schuld oder mit einer Scham verknüpft. Und das ist wirklich, wie gesagt, wir kommen aus dem Schultturm. Und das ist tatsächlich ein ganz anderes Mindset, was natürlich dazu führt, dass die Unternehmer in Amerika viel, viel progressiver sein können, auch wenn die natürlich durch bestimmte gesetzgeberische oder andere Verhaltensweisen, die jetzt gerade herrschen, natürlich auch eine hohe Verunsicherung haben. Also Amerika hat auch eine schwere Zeit jetzt gerade. Aber das Mindset eines Amerikaners im Verhältnis zu dem Mindset eines Deutschen ist grundlegend anders. Insbesondere was die Risiken einer unternehmerischen Tätigkeit anbelangt. Und deswegen ist natürlich ein Amerikaner, für den ist nicht damit die persönliche Schuld und Scham verknüpft, was unser Thema unserer letzten Podcast-Folge. Der muss dann nicht, der wird nicht rausgeschmissen aus dem Sportverein oder wird komisch angeguckt. Gut, das war jetzt eine Antwort auf sein unternehmerisches Fehlverhalten. Dann wird man sich anschauen, was kann man besser machen kann, woran hat es gelegen. Und bei uns in Deutschland guckt man, ah, er hat es nicht geschafft. Und die Amerikaner sagen, es wird gefragt, was war das unternehmerische Risiko? War es zu groß? Konnte man es nicht einnehmen? Warum ist der Plan nicht aufgegangen und wie geht es jetzt weiter? Das heißt, es wird ein Stück weit objektiver und weniger persönlicher und weniger emotionaler. Und dann kann man so ein Risiko auch schneller eingehen, weil man ja nicht in diesem Schulturm sitzt.

SPEAKER_01

Ich denke mal so ein bisschen, also wir leben ja in einem wunderschönen Land. Also ich will ja gar nicht, dass Deutschland da so schlecht bei wegkommt.

SPEAKER_02

Ich lebe und ja, ich lebe auch sehr gerne hier.

SPEAKER_01

Also absolut. Und da bin ich total froh drum, was für ein soziales System wir haben, was für ein Rentensystem wir haben, unsere Krankenkassen.

SPEAKER_02

Auch eine Power, wir haben eine Power. Wir müssen uns nur daran erinnern, dass dieses Land wirklich stark ist.

SPEAKER_01

Aber ich hatte das, glaube ich, schon mal gesagt, an dem Tag, als wir, da kam, also das war an einem und selben Tag, da kam bei uns die Nachricht raus, wir haben zu wenig Papier für die Wahlzettel. Und an dem Tag hat Elon Musk eine Rakete rückwärts eingepackt. So.

SPEAKER_00

Genau.

SPEAKER_01

Also, das finde ich krass. So, eins der größten Betriebssysteme dieser Welt, Windows. Das hat halt Bill Gates in Amerika, Apple, eines der erfolgreichsten Unternehmen der Welt. Also die machen da schon vieles gar nicht so schlecht, weil die einfach auch eine andere Grundhaltung für sich, ein anderes Selbstverständnis haben. So, wie gesagt, da sagt es so ein Elon Musk, so verrückt er auch sein mag. Rückwärts einparken, kein Problem. Das ist wahrnehmbar.

SPEAKER_02

Der hat ja die Vision, also ich kann es jetzt live berichten, er hat ja die Vision, auf den Mars zu gehen und der hat einfach eine Vision. Und wenn der alleine wäre, dann wird man den als Spinner abzeichnen. Aber er kann in diesem Land gibt es den Boden, Leute zu finden, die da mit ihm jetzt daran arbeiten, auf dem Mars zu fliegen. Und klar, die sind größer, wir sind ein kleineres Land als Amerika, aber das Mindset ist einfach ein besseres Mindset für Unternehmertum. Und nur wenn Unternehmer investieren, kann ein Land auch gedeihen, weil woraus soll der Staat sich finanzieren durch Unternehmen.

SPEAKER_01

Wie sieht ein Insolvenzverfahren in den USA aus? Was haben wir dafür, also wir hier, wir haben in den letzten Folgen ja sehr gut gelernt und wissen jetzt eigentlich ganz gut, wie es in Deutschland läuft. Wie läuft es in den USA?

SPEAKER_02

Ja, also ich hatte ja gerade schon gesagt, eigentlich sind wir gar nicht so weit rechtlich jetzt entfernt. Also wir kommen aus einer ganz anderen krassen Zeit mit der Konkursordnung. Aber mit der Insolvenzordnung sind wir relativ nah dabei. Ich würde einfach mal ein bisschen darstellen, was wir hier haben. Es gibt also zwei Konkursarten sozusagen. Das ist einmal die Liquidation, also tatsächlich einmal den Schnitt zu machen, weg damit. Und die Reorganisation. Das ist einfach mal so ein Überbegriff. Und dann gibt es verschiedene, die sind organisiert in Chapter. Und das ist einmal Chapter 7, also Chapter 7. Das ist die Liquidation. Das ist tatsächlich eben, das gilt für Privatpersonen wie auch für Unternehmen. Eine Privatperson wird jetzt nicht liquidiert, sondern deren Vermögenswerte natürlich. Aber da wird einmal alles gedreht, sozusagen, was an fändbaren Vermögenswerten da ist. Und mit dem Geld wird das werden die Gläubiger befriedigt. Das ist sozusagen Chapter 7. Dann gibt es Chapter 9, eigentlich nicht so sehr erwähnenswert, weil man denkt, was hat man jetzt hier mit Gemeinden zu tun? Ich finde es aber trotzdem noch gut, das auch zu erwähnen. Das ist die Restrukturierung von Gemeinden, also von Städten. Okay. Und am Beispiel, es gab ja auch mal eine sehr große Autokrise in Amerika und Autostandort Detroit war dann auch natürlich durch die Insolvenzen der Autoindustrie dort sehr gebeutelt. Und dann hat die Stadt Detroit Insolvenz angemeldet. Das ist wirklich Fremd unseres Rechtes, kennen wir nicht. Bei uns gibt es eine Maßnahme, es werden dann Sonderprogramme gefahren und wenn Gemeinden oder Städte wirtschaftlich klammen werden, dann gibt es Haushaltssicherungsverfahren und bestimmte Ausgaben dürfen die dann nur noch mit Zustimmung der oberen Behörde machen. Das ist sozusagen. Aber auch da, nee, da sagt dann eine Stadt Detroit, wir sind insolvent. Wir machen jetzt mal einen Insolvenzplan und danach sind wir wieder frisch gestärkt. Das kennen wir hier nicht. Dann gibt es das Chapter 11, Chapter 11, das ist die Restrukturierung von Unternehmen. Auch immer mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu erhalten und die Gläubigerinteressen so zu fördern, dass das Unternehmen profitabel weiterarbeiten kann und damit zukünftig wieder Gewinne erwirtschaftet. Also das ist sozusagen angelehnt an den Insolvenzplan bei uns, Eigenverwaltungsverfahren. Und sowas gibt es auch für die Privatpersonen. Die Idee mit dem Insolvenzplan muss man dann gewisse Grenzen überschreiten, aber das funktioniert auch für Privatpersonen. Und es gibt auch hier die Möglichkeit, dass sofort alles gestoppt wird, an Maßnahmen der Gläubiger, die vorher unrund geworden sind. Also ich sage jetzt mal Zwangsvollstreckungsmaßnahmen. Das nennt man dann den sogenannten Automatic Stay. Also, dass von jetzt auf gleich alles gestoppt wird. Gibt es bei uns auch, aber der Zeitpunkt ist viel später, nämlich eigentlich erst mit Verfahren zur Öffnung oder es gibt einen vorläufigen Insolvenzverwalter, wo dann Zwangsvollstreckungen auch schon eingestellt sind. Aber hier viel, viel schneller wird diese Sperre reingehauen und eben mit dem Ziel, einen Plan zu entwickeln. Dann gibt es Chapter 13, Chapter 13. Das ist tatsächlich die Sanierung von Privatpersonen mit regelmäßigem Einkommen. Also da, ich sage jetzt mal so spiegelbildlich unser Verbraucherinsolvenzverfahren, wenn die Menschen in Lohn und Brot sind. Und da ist es auch angedacht, dass diese Schulden innerhalb von drei und fünf Jahren rückgeführt werden. Wird man auch nicht schaffen. Also es wird auch der Gläubiger verlustig gehen mit dem Betrag. Aber der Schuldner gibt sich natürlich die Privatpersonen mit ihrem Einkommen erstmal in dieses Verfahren, um am Ende dann auch befreit zu werden. Und da muss man einfach sagen, die sogenannte Restschuldbefreiung gibt es also wirklich, dass man befreit wird von den restlichen Schulden, gibt es ja in Deutschland für die Privatpersonen, das Restschuldbefreiungsverfahren. Gibt es auch für die Unternehmen durch den Insolvenzplan, denn dann saniert man wirklich das Unternehmen, also die GmbH, die dann wirklich schuldenfrei wird. Und das heißt, das ist auch schon so angelegt im amerikanischen Recht. Also das heißt nicht nur den Blick auf die Unternehmen, sondern man hat sehr wohl auch die Privatpersonen, die ja vormals vielleicht auch Unternehmer waren, im Blick. Und im Grunde das, was wir mit unserem Eigenverwaltungsverfahren, Insolvenzplanverfahren, Restschuldbefreiungsverfahren haben, haben die auch anders organisiert. Aber die haben ähnlich wie wir die rechtlichen Grundlagen ziemlich zügig wieder durchstarten zu können.

SPEAKER_01

Wir hatten ja auch vor allen Folgen mal über das Hoch der Insolvenzzahlen gesprochen. Wir haben Rekordzahlen in Deutschland gehabt letztes Jahr. Hast du da irgendwelche Erkenntnisse aus den USA?

SPEAKER_02

Ja, auch da ist natürlich richtig gut hochgeschnellt. Also wir haben bei den USA auch eine Steigerung, aber wie gesagt, die sind auch natürlich jetzt die Handelspolitik, macht auch da nicht alle zum Gewinner, die die amerikanische Regierung gerade durchzieht. Aber die sind mittels dieser insolvenzrechtlichen Regelungen und dem Mindset, schneller in diese Verfahren zu gehen, schneller wieder fit. Also nochmal, wir haben auch diese Regelungen, aber bei uns werden die Anträge einfach noch viel zu spät gestellt. Und wenn ich heute weiß, ich bin in anderthalb Jahren zahlungsunfähig, weil mir ein Kunde einen langfristigen Vertrag gekündigt hat, dann weiß ich schon, ich bin in anderthalb Jahren, kann ich die Löhne und Gehälter nicht mehr bezahlen. Die seltensten Unternehmer gehen dann ins Insolvenzverfahren, sondern warten noch, ob vielleicht der weiße Ritter mit dem Schimmel und so weiter noch vorbeikommt. Und da wäre es einfach gut, frühzeitig, das ist ja auch das, warum wir hier auch werben, die Schuld und Scham abzulegen, zu sagen, das ist jetzt Fakt, die Tatsache zu akzeptieren, auch Thema ja der letzten Folge, um dann jetzt die richtige Entscheidung zu treffen, wie kann es jetzt gut weitergehen. Dass der Kunde gekündigt hat, ist nicht mehr umkehrbar, aber man kann jetzt auf der Basis alle guten regulatorischen Maßnahmen ergreifen, damit man selber als Unternehmer noch im Seed bleibt und es dann gut weitergehen kann.

SPEAKER_01

Wie ist so dein Fazit? Was wäre so dein Appell quasi an die deutsche Gesellschaft? Zu sagen, okay, hör mal, atmet da mal ein bisschen lockerer. Seht das verurteilt nicht so die Menschen, seht eher diesen unternehmerischen Geist oder wie kriegen wir das aufgebrochen, wie schaffen wir das, da vielleicht so ein bisschen, so einen Kulturswitch hinzubekommen.

SPEAKER_02

Ja, ich glaube, wenn man sich im Claren ist, wovon ein Staat lebt, denn Staat sind wir alle, ne? Du bist Staat, ich bin Staat, wir sind alle Staat. Wenn man sich überlegt, wie finanziert sich ein Staat, gibt es irgendwo einen großen Geldsack, wo jeder Staat drauf zugreifen kann? Nee, gibt es nicht. Das heißt, der Staat funktioniert ja nur der Gestalt, dass es Unternehmen gibt, die wir erfolgreich sind, wo die Unternehmen Gewerbesteuer zahlen, wo Menschen in Arbeit sind, Brot und Lohn bekommen. Das funktioniert also nur wenn es Unternehmertum gibt. Und das heißt, es ist ganz wichtig, zwei Säulen zu haben. Einmal eine Politik, die Unternehmen in ihrem Risiko fördert, dass die Rahmenbedingungen niedrige, das haben wir auch schon mal angesprochen, dass es niedrige Schwellen gibt, dass ich nicht 15.000 Paragrafen erstmal studiert haben muss, damit ich einfach ein Business machen kann, sondern wirklich ziemlich zügig reingehen kann und nicht nach 100 Jahren eine Steuernummer bekomme und dann feststelle, oh, ich habe gar nicht die Steuern abgeführt, dann nicht mehr die Liquidität habe, dann bin ich im zweiten Jahr schon pleite. Auch eben dazu gehört ein gut händelbares Steuerrecht, was eben überhaupt in Deutschland nur mit dem Steuerberater funktioniert. Da muss man sich auch die Sinnfrage stellen. Kann es nicht ein niederschwelligeres Instrument geben? Also, das meine ich, das sind die politischen Rahmenbedingungen, Unternehmertum, denn das ist das, was jedes Land stärkt und auch ausmacht. Also die politischen Rahmenbedingungen und auf der anderen Seite wirklich daran zu arbeiten, und das ist ja, das ist das, warum wir den Podcast ja auch machen, von diesem Schuldmakel wegzukommen. Wer Unternehmer is, kann scheitern. Und dann das Scheitern nicht als schuld zu verstehen, sondern als eine Möglichkeit, eine mögliche Antwort auf unternehmerisches Handeln.

SPEAKER_01

Jetzt hast du ja ein paar Sachen beschrieben, die für mich total schlüssig wirken. Und das werden die ja in Berlin ja auch verstehen. Also das ist ja keine Raketenwissenschaft. Richtig. Aber irgendwie scheinen wir ja schon. Also, ich habe nicht den Eindruck.

SPEAKER_02

Ja, also ich glaube, wir jetzt an so einem Punkt stehen, wo man ganz viele Dinge wirklich nach dem Zweiten Weltkrieg. We have Deutschland wirklich zu einem sehr erfolgreichen Land gemacht. Und wir haben das natürlich geschafft with unserer Art wie wir sind. Wir sind ja sehr Lili, also we sind ja sehr conform, we are structured. That has all, sehr geholfen ineserst. Jetzt sind aber andere Aufaben, and that is the Deutsche, glaube ich, per se not so gut gefittet, weil er sehr in Normen and in Beschränkungen denkt. And we must anfangen, unsere System, and that sound the Gesundheitssystem, the Bildungssystem, really destruktiv, that is my meinung, aufzubrechen and uns nicht zu fragen welche norm can weg, sondern wirklich komplett neu zu denken. We sind heute in einer ganz anderen Welt als wir 45 sind. Wir sind total global vernetzt. Es wird jetzt sehr stark wieder aus meiner Einschätzung sehr stark auch wieder lokal viel stattfinden, was ich auch gut finde. Aber wir müssen anfangen, unsere Systeme nach nicht zu überlegen, welche Norm kann weg. Gibt es ja in Brüssel auch, wenn eine neue Norm, müssen vier gehen. Das ist aus meiner Sicht noch zu wenig. Wir müssen uns wirklich die Frage stellen: welches Wirtschaftswachstum hat Deutschland und was können wir uns als Staat damit leisten? Und wie viel wollen wir davon? In Rüstung, in Bildung, in Innovation parken. So wird es, glaube ich, funktionieren.

SPEAKER_01

Ja, ich versuche optimistisch zu sein.

SPEAKER_02

Ich bin optimistisch und zuversichtlich, weil nicht nur wir denken laut, sondern es denken und es werden auch die richtigen Leute.

SPEAKER_01

Genau, also mein Handeln wird nicht durch oder von Berlin aus gelenkt. Also ich versuche weiter unternehmerisch zu denken, unternehmerisch zu handeln und meinen Anteil dessen zu leisten. Genau, das tue ich auch mit Steuerzahlung.

SPEAKER_02

Genau, das tue ich auch und Arbeitsplätze zu schaffen und gute Rahmenbedingungen für einen gesunden Arbeitsplatz zu schaffen. Das ist ja auch mein Antrieb. Und wir können in unserem Bereich wirksam sein und wenn jeder in seinem Bereich wirksam ist, dann sieht die Welt morgen schon besser aus.

SPEAKER_01

Gutes Schlusswort, da möchte ich gar nicht mehr so viel zu sagen. Was wir aber noch sagen wollen, ist, wie geht es in der Folge 6 weiter? Und ich freue mich sehr auf die Folge, weil da geht es sehr explizit um diese Insolvenzkanzlei. Und zwar auch, wie sieht diese Zukunft aus? Also so ein Unternehmen, das kann ich ja auch für mich sagen, man möchte ja, dass das unendlich so weitergeht. Das ist ja das eigene Baby und darüber macht man sich tagtäglich Gedanken. Und da macht man sich natürlich auch irgendwann mal Gedanken darüber, wie soll dieses Unternehmen aufgestellt sein, vielleicht in 10, 20 und 30 Jahren. Und darüber möchte ich mit dir in der kommenden Folge reden und ich bin sehr gespannt, wie du die Zukunft dieses Unternehmen siehst.

SPEAKER_02

Yeah, ich freue mich, dass mit dir zu teilen.

SPEAKER_00

Krisen und Chancen, der Insolvenz Podcast mit und von Schwendker Pöttman. Erfahren Sie mehr rund um das Thema Insolvenzverwaltung auf rae-spe.de Redaktion Tobias Höckner und Tanja Böttmann. Produktion aus Antike