Ego Unplugged

Warum machen wir eigentlich Musik?

Sebastian Walker

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0:00 | 1:54:44

Warum machen wir eigentlich Musik?

Geht es wirklich um Ausdruck…
oder doch darum, gesehen zu werden?

In dieser Folge spreche ich mit Katrin Medde ehrlich darüber, was hinter Musik wirklich steckt:
Ego, Anerkennung, Sehnsucht und der Wunsch, endlich „genug“ zu sein.

Wir reden über:

warum viele Musiker (unbewusst) Anerkennung suchen
den Unterschied zwischen Ausdruck und Kompensation
warum Musik so eng mit Psychologie verbunden ist
ob es überhaupt „schlechte“ Musik gibt
und was passiert, wenn das Ego plötzlich auf dem Rücksitz sitzt

Eine Folge über Musik 
die eigentlich gar nicht nur von Musik handelt.


SPEAKER_02

Wenn du natürlich Musik machst, um im Außen zu wirken. Das ist Ego. Und selbst das wäre aber vollkommen erlaubt, weil das Ego zu uns gehört. Es ist halt die Frage, ob es hinten angeschnallt im Auto sitzt oder vorne auf der Motorhaube und yay, volle Kraft raus.

SPEAKER_01

Wo fängt die Grenze an, an der Musik gut ist und an dem sie schlecht ist?

SPEAKER_02

Für mich hat erstmal ja jede Art von musikalischer Ausdrucksform eine Berechtigung. Ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, ich hatte mit Sicherheit auch schon an irgendeinem schlechten Song so richtig Spaß. Ich finde es immer schwierig, als Musiker leben wir, muss ich ganz ehrlich sagen, in Deutschland im Schlaraffenland. Es ist einfach so. Hier kann sich jeder die Gitarre umschnallen und sagen, ich bin Berufsmusiker.

SPEAKER_01

Ich kenne dich jetzt seit, warte, lass mich überlegen, ich hab neulich überlegt, ich glaube 16 Jahre sind es jetzt. 16 Jahre kennen wir uns jetzt schon. Ich weiß noch, das sage ich jetzt auch ganz offen, als ich dich damals kennengelernt habe, ich war so fasziniert. Ich weiß nicht, du hast im Zimmer nebendran unterrichtet. Ich habe Gitarre angefangen im MMC und du hast im Zimmer nebendran unterrichtet. Und ich dachte mir nur so, boah, krass, hey, was für eine Stimme da rauskommt aus diesem, ich formuliere es ganz, ich meine es wirklich liebevoll, aus diesem kleinen, wunderbaren Geschöpf. Und das war für mich damals echt richtig krass. Und seit dem Tag, die Faszination ging nie für mich weg irgendwie. Was für eine Stimme du hast. Ist einfach krass. Einfach mal als Kompliment.

SPEAKER_02

Dankeschön, danke schön.

SPEAKER_01

Unbedingt.

SPEAKER_02

Ich beruht tatsächlich auf Gegenseitigkeit. Ich fand dich ziemlich cool. Also an der Musikschule angekommen war es für mich so, wie wird es sein? Ich hatte gerade bei der anderen gekündigt, weil es mir einfach zu weit weg war.

SPEAKER_01

Wo war das? In Kannstadt hinten?

SPEAKER_02

Nee, noch weit in Schwäbisch gemünd.

SPEAKER_01

Um Himmelswillen.

SPEAKER_02

Genau. Ganz aktuelle Musikschule, alles schön ander, aber es war dann irgendwann die Zeit rum. Als ich dann nach Feingen bin anders, dachte ich, oh cool, da ist ein cooler Dude. Und dann habe ich dich eben so spielen und gedacht, huuh, nice.

SPEAKER_01

Yeah.

SPEAKER_02

We waren zu cool for this. We hadten beide in a Ray-Ban and verrates.

SPEAKER_01

Oh mein Gott, das habe ich total vergessen.

SPEAKER_02

Hosen mit Löchern und wir sind da reingelaufen wie die Götter.

SPEAKER_01

Das ist schon ein gefährliches Alter fürs Musik, ja genau, für Rock'n'Roll. Anfang Mitte 20, da hat man schon so das Gefühl, man hat es richtig verstanden. Ja, aber auf allen Bereichen. Also und auch wirklich ganz ungefilterter Wahnsinn. Also das muss ich echt sagen. Also wirklich, wenn ich heute zurückdenke, also ich begegne mir natürlich schon auch mit einer gewissen Liebe und so. Und ich weiß auch, das war alles auch eine anstrengende Zeit und da ist extrem viel Unsicherheit überspielt und so. Aber es ist schon, man ist schon eine nervige Backe. Es ist schon manchmal schlimm. Heute weißt du, woher das kommt, weißt du, diese Unsicherheit. Und dass du das auch überspielen willst, aber je lauter du, weißt du, das war auch in dieser Musikschule, das war ja so ein Gang, das waren, ich weiß nicht, zehn, elf Räume in diesem Flur. Rechts und links überall kam Lärm und Krach. Und manchmal hat man sich in der Kantine getroffen und du konntest wirklich das Barometer aufstellen. Wir haben am lautesten in dieser Kantine geschrien, ja, da hast du schon gewusst, da ist die größte Selbstwert-Thematik in der Ecke. Das war wirklich so. Also es ist echt spannend. Aber ich erinnere mich gerne zurück. Es war auch schön tatsächlich.

SPEAKER_02

Und mutig auch. Also ich muss auch sagen, mutig. Also wir hatten schon einfach Lust und wir waren mit Leidenschaft dabei. Und ich weiß einfach noch, dass wir es ziemlich toll fanden, alles auszuprobieren und es dann wirklich auch auszuchecken, bis es funktioniert. Das hatten wir auch, diesen Ehrgeiz. Also wir wollten es schon wissen auch.

SPEAKER_01

Aber ich weiß nicht, ob das. Also für Mut gehört für mich immer so ein bisschen Angst dazu. In dem Alter spielt, finde ich, viel Naivität eine Rolle. Weißt du, was ich meine? Für Mut brauchst du Angst. Und ich glaube, bei mir gab es zum Beispiel dann auch eine Zeit lang, gerade zu der Hochphase, als ich dann beim MMC war, oder ich weiß nicht, wie es dir ging, aber irgendwann so als Musiker ist das dann auch gefühlt. Für mich war das so die einzige Flucht nach vorne. Es gab keine Alternative. Du willst ja Musiker werden. Du bist Musiker, du machst jetzt Musik und mit Jobs hat es nicht funktioniert. Studium, Ausbildung, das war alles nicht meins und ich wollte irgendwas. Und dann, weißt du, da ist ja dann nicht so, ich mache jetzt das oder das, sondern das war das und dann bist du da voll all in gegangen. Weißt du, wie ich mein? Ich weiß nicht, wie es bei dir war. Wie war es bei dir?

SPEAKER_02

Wie weit soll ich zurückgehen?

SPEAKER_01

Unbedingt so weit wie du möchtest. Am besten.

SPEAKER_02

Also ich bin in einer italienischen Großfamilie aufgewachsen. Und ich muss sagen, wenn man da Gehör finden möchte, dann muss man recht laut sein. Und was ich auch schön fand, ist, dass wenn es mir zu laut geworden ist, dass ich die Musik als Möglichkeit empfand, dass plötzlich so eine gewisse Aufmerksamkeit und Stille entsteht. Und wenn es dann laut geworden ist, dann weil alle zusammen schwingen und alle mit eingestimmt haben und gesungen haben. Und das fand ich toll. Das heißt, für mich war Musik und die Qualität von Musik, was es mit mir macht und mit dem Außen auch macht und wie es verbinden kann, recht früh da. Deshalb wusste ich, das begleitet mich so oder so. Dann habe ich mit acht Klavierspielen angefangen, mit neun Gitarre angefangen und hatte Eltern, die das sehr unterstützt haben. Und mit zwölf bin ich dann in den Gesangsunterricht. Und dann weiß ich noch, dass ich irgendwann mal gemerkt habe, die Gitarre und Klavier sind eher Begleitinstrumente. Und was mir wichtig war, war wirklich zu singen und zu erzählen. Und nicht nur zu beschreiben, was im Außen passiert und warum es mich bewegt, sondern auch möglichst versuchen, mit diesen immensen Impulsen auch wirklich klarzukommen, weil die mich fast überwältigt haben im Außen und auch so als Teenager.

SPEAKER_01

Du meinst die Welt als solches?

SPEAKER_02

Absolut, ja. Und ich glaube, wenn wir von Mut reden und von einer gewissen Angst, die dann später beruflich kam, das können wir, glaube ich, heute sagen, weil wir wissen, was es bedeutet, selbstständig zu sein, weil wir wissen, was es bedeutet, wirklich auch eine Verantwortung zu tragen, musikalisch. Dass wir was, wenn wir so einen Redestock haben, wir natürlich auch achten müssen, was geben wir in die Welt hinaus. Aber ich muss behaupten, als ich jung war, ging es mir jetzt erstmal um die Freude und um die Ernsthaftigkeit, dass das um Himmels Willen doch bitte alle anstecken soll. Dieses Verbindende, dieses Freudige oder auch diese Möglichkeit, an seine Emotion überhaupt heranzukommen. Und das fand ich spannend. Und ich glaube da, das meinte ich auch mit irgendwie auch mutig, dass wir in so jungen Jahren dann Musik zum Beruf gemacht haben, weil wir so daran geglaubt haben. And natürlich hat es mit Sicherheit auch mit Selbstdarstellung to do and very ego mit Sicherheit. Würde aber trotzdem behaupten, dass die Absicht dahinter erstmal this quality was: Wow, guck mal, what music can, wie it's me in a time to be a song to my click and to the summer 1996. We mean as I then with 16 a producent kennengelern, heute was a very freedom and music, but I think what he all gave, but he had me damal at 16 so much on the hand genommen and songwriting begleited. So I'm so this studio-seite kennenler and been then in this live-spieling gegancy. And I've been my Abitur gemacht, been viel auf Reisen gewesen and prüft, was Musik machen. Auf jeden Fall. Ich habe nach dem Abi auch an die Pop-Academie und an die Jazz und Rock Schule in Freiburg and ich wollte schon wissen: mir war klar, ich möchte Musik zum Beruf machen möchte, habe aber währenddessen das eigentlich schon gemacht. Ich hatte schon in Coverbands gespielt, in einer Galaband gespielt. Ich hatte schon für eine Werbung einen Jingle gemacht im Studio. Das hat sich entwickelt, weil ich zur richtigen Zeit die richtigen Leute einfach schon kennenlernen durfte. Wenn ich zurückblicke, muss ich sagen, ich hatte ganz, ganz viel Glück und ganz arg viel Unterstützung. Egal wer mich begleitet hat, es waren natürlich eine Handvoll Menschen. Aber ich wurde direkt dahin geführt in diesem Beruf. Und zwar recht vielfältig. Durch die Studioarbeit, durch das Live-Spielen, durch das selber Spielen. Und dann irgendwann war für mich klar, ich möchte eine pädagogische Ausbildung auch haben.

SPEAKER_01

Warum pädagogisch?

SPEAKER_02

Weil ich für mich festgestellt habe, so wie ich manchmal unterrichtet worden bin, hatte ich Schwierigkeiten, abgeholt zu werden. Ich bin jemand, der ist Autodidakt, ich bin jemand, der hat mit Noten bis heute Schwierigkeiten. Klar kannst du mir eine Partitur hinlegen und kannst sagen, Katrin, die muss ich nächste Woche können, dann bereite ich mich eine Woche drauf vor und dann kann ich dir auch spielen. Das ist nicht das Problem. Aber es würde schneller gehen, wenn du mir das kurz vorspielst oder ab spielst auf einer CD und oder ne, und dann spiele ich es dir nach. Also dieses Talent hatte ich sehr früh entwickelt. Und da bin ich sehr dankbar für, weil es natürlich viel schneller geht. Und somit konnte ich für mich aber nie wirklich richtig abgeholt werden von bestimmten Lehrern. Und es war mir wichtig, wenn ich Gesang unterrichte, dass ich natürlich besten Willens all mein Wissen weitergebe, aber vor allem versuche, die Sprache meines Gegenübers wahrzunehmen und mit dieser Sprache ihn durch den eigenen Körper und durch die eigenen Absichten zu führen.

SPEAKER_01

Aber das Pädagogische ist ja dann, also dieses Lehren, dieses Botschaften, ist ja eigentlich was ganz anderes wie dieses klassische Musikersein, so ein bisschen. Also ich habe immer so das Gefühl gehabt bei vielen, dass das Unterrichten ein Mittel zum Zweck war. Also auch in der Musikschule, wenn ich jetzt die Lehrer immer um mich herum angeschaut habe oder auch in den Schulen, wo ich selber dann schon gemacht habe und so, dass die Leute, die wollen auf die Bühne, die wollen Musik machen, die wollen sich ausdrücken, die wollen das Musik sein Leben und es gibt verschiedene Arten, damit umzugehen. Aber am Ende wollten die meisten immer Musik machen. Und selten kam jemand dann um die Ecke, der dann gesagt hat, weil das ist ja schon, das sind zwei verschiedene Dinge für mich. Das eine ist das Unterrichten, das Weitergeben. Das andere ist, dass ich Musiker, ich mache Musik, das andere ist ein Musiklehrer. Und kam das bei dir schon früh dann, dass du gesagt hast, du möchtest auch das weitergeben? Oder war das einfach so? Absolut. Es war nicht Mittel zum Zweck.

SPEAKER_02

Überhaupt nicht.

SPEAKER_01

Spannend.

SPEAKER_02

Ich würde behaupten, dass es Mittel zum Zweck war, um zum Beispiel meine Alben zu finanzieren. Es war Mittel zum Zweck, um überhaupt von der Musik leben zu können. Das muss man ganz realistisch sagen. Absolut. But what bedeutet Mittel zum Zweck? Wenn ich von Musik umgeben, egal ob in Lehren, egal ob im Componieren, egal ob im selber musizieren, it beinhalted for me this. Alles was to the Berufsbild, Musikerin heard, was for me the thing that means. And that's the lehren. And it is a Mittel zum Zweck, um leave zu können. That's auf jeden Fall. Also muss man ganz klar sagen. Das hat mich unheimlich unterstützt. But the Liebe to unterrichten, die habe ich nie aufgegeben. Und ich habe vielleicht mal, je nachdem, wie viele Auftritte da waren, mal zwei Tage unterrichtet, dann mal drei, dann mal wieder nur ein. Also das mag sein. Aber ich könnte es nicht ganz lassen. Es ist für mich ganz arg spannend und auch schön zu wissen, dass diese Liebe zur Musik oder auch Musik zu komponieren oder auch das Herz auf die Zunge zu legen und raus damit, dass man das weitergeben kann und dass man die Leute damit auch so ein bisschen zünden kann. So, hey, das hat eigentlich jeder in sich. Die haben Lust zu singen. Man hat Lust, Dinge zu formen mit den Händen oder auch zu malen. Also sich kreativ in jeder Art auszudrücken, finde ich, is in uns drin. Ja, wenn wir ein bisschen Lärm hören, das ist der Hund, der hat sich wahrscheinlich gerade hingelegt, oder?

SPEAKER_01

Auch gut.

SPEAKER_02

Ist in Ordnung. Ins Klavier hinein, oder? Ins Klavier hinein. Das ist mein Hund.

SPEAKER_01

Finde ich gut. Das ist spannend. Ich sehe es ungefähr so ähnlich, aber ich würde das gerne noch ein bisschen tiefer verstehen. Glaubst du, dass jeder Mensch that in sich trägt? Diesen Zugang zur Musik, zur Kreativity, oder wie würdest du das definieren?

SPEAKER_02

I glaube that jeder den Zugang dazu hat, sich in irgendeiner Form ausdrücken zu wollen. And we have none of the sinne. We things see, we things hear, we things schmecken, we things feel. And that werten, that is etwas, das kam gesellschaftlich, das kam durch ein Schulsystem, das kam vielleicht auch durch die Eltern. But jetzt primär möchte der Mensch sich erfahren und etwas erleben und etwas erlebbar gestalten. And when man singt, das fängt schon bei den kleinen Kindern an, die einen Keller müssen und Wasser holen müssen. Und wenn sie Angst haben, weil es dunkel ist, fangen sie an zu summen. Also selbst ich habe das gemacht. Ich bin runter und na, na, na, ne, ne. Oder wenn irgendein Gruselfilm kam, den mein Cousin schon anschauen durfte und ich saß da mit auf der Couch und habe die Ohren zugehalten und habe gesummt und hatte keine Angst mehr. Und das fand ich, das hat mich sehr nah zu mir geführt. Und deshalb war mein Anliegen, wenn du dich verklangst und wenn du Musik machst, dann bist du dir sehr nahe und kannst deinen Platz, einfach als du selbst und kannst sein. Und wenn du natürlich Musik machst, um in außen zu wirken, das ist ego. Und selbst das wäre aber vollkommen erlaubt, weil das Ego zu uns gehört. Es ist halt die Frage, ob es hinten angeschnallt im Auto sitzt oder vorne auf der Motorhaube und yay, volle Kraft voraus.

SPEAKER_00

Das ist super spannend. Ja, ja, das ist super spannend.

SPEAKER_02

Das Ego, ich würde behaupten, ohne Ego, das ist sehr wichtig. Können Künstler nicht künstlerisch nach außen treten? Das bin ich überzeugt davon. Aber in welcher Absicht du Musik machst, in welcher Umsichtigkeit und wie respektvoll, das ist, finde ich, eine Aufgabe, die ich für mich als Mensch halt habe und mir vorgenommen habe, dass ich achtsam damit umgehe, mit diesem Geschenk und dieser Berufung.

SPEAKER_01

Okay, das heißt, ich würde es mal in drei Bereiche aufteilen. Der erste Bereich ist so, was hat Musik mit uns schon immer gemacht, auch so bei endogenen Völkern und so, wo man miteinander in so Klangkreisen saß. Woher kommt das eigentlich? Das zweite ist, dass wir das vergessen haben, einfach in unserer Gesellschaft, und dass man Musik macht, um eigentlich zu sich zu kommen. Und das dritte ist, dass man Musik macht, um das Ego auch ein bisschen zu leben.

SPEAKER_02

Weil wir uns ja nicht mehr erleben können. Wir werden ja bewertet, von klein auf. Und ich glaube schon, dass wenn du jetzt davon sprichst, das Ego ist nicht um sich nur zu zeigen, sondern es ist ja eigentlich fast ein Hilfeschrei, weil in irgendeiner Form vielleicht nicht gesehen worden ist. Und dann meldet sich das Ego und möchte halt, so, jetzt pass mal auf, ich zeig's jetzt mal der Welt. Tada. Und dann kommt noch, ich weiß nicht, was noch alles dazu, ich will es gar nicht werten und ich will es auch gar nicht sagen, Musiker sind vom Ego gesteuert. Überhaupt nicht. Das soll nicht aus meinem Munde kommen. Gar nicht. Aber. Aber ich glaube einfach.

SPEAKER_01

Musiker Podcast. Woher kommt die Musik? Also ich habe mal gehört, ursprünglich waren es mal so in afrikanischen Regionen, die ersten Trommeln wurden so vor ein paar tausend Jahren überliefert mit Höhlenmalereien oder so, dass daher Musik kommt. Und dann gibt es aber auch die Theorie, dass Musik eigentlich Sprache der Musik ist. Und bevor überhaupt das erste gesprochene Wort, so im Sinne von Kommunikation, aller here, das ist ein Haus, das ist ein Baum, das ist ein Stein, dass es ja Geräusche waren, dass es ja auch eine Musik war, so gesehen. Genau.

SPEAKER_02

Dann müssten wir dann anfangen, die Definition zu erfragen, ab wann kam diese Definition Musik? Weil ich kann mir vorstellen, jedes Kind, das auf die Welt kam und von der Mutter gehalten worden ist, hat dann genau so ein Summen, so eine Frequenz, die beruhigt.

SPEAKER_01

Und das ist ja eigentlich wahrscheinlich immer da gewesen.

SPEAKER_02

Exakt, und nicht nur vom Menschen, sondern von den Tieren, von den Grillen, von allem, was lebt und alles, was lebendig ist. Und ich glaube nicht, dass in irgendeiner Form wir Musik erfunden haben. In irgendeiner Form versuchen wir, Musik, wie gesagt, in uns zu finden, sie als Ausdrucksmittel zu verwenden. Wir versuchen, Musik in all oder mit aller Leidenschaft zu kombinieren und in verschiedene Formen zu bringen. Und auch durch die Genren natürlich die Gefühlswelten von sich selbst erleben zu können. Also ich kann mich erinnern, als ich im Gesangsunterricht war, so zwischen zwölf und 16 ganz intensiv. Da habe ich jedes Genre für mich mal erleben wollen. Weil es mir wichtig war, wo klingt etwas in mir? Und ich habe verschiedene Räume kennengelernt. Ich habe in mir natürlich durchs Imitieren und durch all meine Idole, eine Alanis Morissette oder also ich fand es tierisch, eine Tory Amos, eine Melissa Etheridge. Also ich hatte schon ganz, ganz tolle Sänger, die mir gezeigt haben, wie ich denn gern bitte klingen möchte.

SPEAKER_01

Okay.

SPEAKER_02

Ne Whitney Hughes, eine Morale Carey und natürlich die größten, und trotzdem war für mich klar, hey, du kannst dich imitieren und du kannst dich dadurch entdecken und auch Räume in dir entdecken, aber du findest halt nicht dich selbst. Um dich selbst wirklich zu verklanglichen, müsstest du mit deinem Ton, mit deinem Klang, mit deinem Sein, mit deinem Charakter und mit deinen Werten in dir Platz nehmen. Und dann kannst du, finde ich, anfangen zu schwingen. Und auch mit dem Außen zu schwingen und auch zu wissen, okay, was ist denn meine Melodie? Und damit dann nach außen zu gehen, macht Musik für mich schon mal zu was ganz anderem, ganz weg vom Ego, sondern einfach wieder zurück in sein.

SPEAKER_01

Meine Erfahrung vom Unterrichten, jetzt natürlich viel im Bereich Gitarre, aber dadurch, dass ich auch selber Gesangsunterricht genommen habe, dass es brutal viel mit der Psychologie zu tun hat. Also fast, also Musik machen, also zu singen. Wirklich zu singen and wie du das gesagt hast, sich selber zu hören, sich selber zu entdecken, hat mehr mit Psychologie zu tun wie jedes andere Musikinstrument gefühlt für mich, im Bereich Gesang. Weil Gesang ist ein Instrument, also per se. Aber ich merke, dass das vor allem in unserer Gesellschaft, in der deutschen Gesellschaft, dass es brutal überlagert ist, mit so Schichten an Charme und an nicht zeigen dürfen und an sei ruhig und nicht so laut sein und geh nicht bei Rot über die Ampel und so Regelüberlagerungen schon aus der Gesellschaft heraus. Weil wir haben keine Divas. Weißt du, wir haben eine Mia, einen Silbermond, eine Juli und so, weißt du, das sind also zum Beispiel gerade so dieses und hol den Vorschlag, Hammer, das ist ja jetzt was nicht, Celine Dion, Whitney Houston, also Arifa Franklin oder das sind keine Divas. Das ist nicht so, ich bin raus, ich gehe hier, ich zeige mich, ich singe das Range von unten bis oben ab und gehe mit vollem Power und Emotionen rein. Ich finde, bei uns Deutschen gibt es das nicht so. Bei uns sind so die Weiblichen, das ist so Nena oder so.

SPEAKER_06

Achso, hey.

SPEAKER_01

Ja, aber das ist nicht dieses rebellische. Für dich? Nee, für mich soll es rote Rosenregen.

SPEAKER_02

Also ich weiß nicht. Ich finde schon, dass wir ganz, ganz ausschlaggebende Vorreiter hatten, auch für ganz einzigartige Stimmen. Natürlich.

SPEAKER_01

Das mag sein.

SPEAKER_02

Also den Männer ist ja wirklich.

SPEAKER_01

Die sind ja auch alle gut. Die sind ja da, wo sie sind, nicht ohne Grund. Das hat ja alles eine Berechtigung.

SPEAKER_02

Oder du meinst jetzt wirklich so dieses.

SPEAKER_01

Ich glaube, dass der Amerikaner zum Beispiel oder der, der auch wegen mir die Südamerikanerinnen oder so, da wo ein bisschen mehr Temperament, auch die Italienerinnen und so, überall da, wo ein bisschen mehr Temperament gelebt werden darf und man sich auch zeigen darf. Dass da auch das Feuer, dass da auch das Feuer gelebt wird, in der Musik so ein bisschen mehr und auch, dass das okay ist, dass man sich zeigt.

SPEAKER_02

Ja, das stimmt. Das würde ich auch sagen. Aber das bedeutet nicht, dass es das nicht hier auch gibt, sondern es bedeutet, da hast du recht, dass hier zum Beispiel die Volkslieder oder hier auch die Schlagerszene, ja, oder die Neue Deutsche Welle. Also muss man schon sagen, sie hat halt, finde ich, dafür andere Qualitäten gesanglich mit reingebracht, die ich zum Beispiel manchmal woanders nicht gefunden habe, wie jetzt das Lyrische. Die deutsche Sprache.

SPEAKER_01

Das Land der Denker und Dichter.

SPEAKER_02

Exakt. Und wenn man jetzt bedenkt, bist du halt in Italien anders Ti, amo, Ti amo, Ti. Okay. And this has been stronger musician. We worked music. Also I've been with Holland, to the Slovakia, Cheche, Italy, to Paris, self in Uruguay and also in Kenya, in Kisumu. I have all music for me to have feststelled, music worked over all and in Paris waren the unfassbar best music. Einfach auf der Straße und ich war so perplex und dachte, um Himmels Willen, warum hört die keiner? Ich habe dort mit Marseau, glaube ich, eine Woche vor Sacre Coeur verbracht und bin dahingeschmolzen, weil der einfach fantastisch gespielt hat. Für mich war interessant zu gucken, was macht Musik, wenn ich stehe und da ein Koffer steht, was macht Musik, wenn ich sitze mit dem Menschen. Was macht Musik, wenn ich cover. Was macht Musik, wenn ich selber Eigenkompositionen erzähle? Und in Italien will jeder Interaktion. Die wollen tanzen, die wollen mitmachen. In Paris lauscht man kurz, bedankt sich und geht weiter. Ich fand's in der Tschechei war es eher so, die wollten die Rhythmen. Ich hatte so das Gefühl, die wollen rhythmen. Und in Afrika ist es immer an Bewegung geknüpft. Das heißt, das, was du singst, ist schon die Bewegung. Also sie sprechen sogar gesanglich von dieser Bewegung. Also zumindest jetzt in dem schulischen oder auch erzieherischen Lied gut. Das fand ich schon spannend. Und irgendwann habe ich für mich entschieden, was wäre denn, wenn das Außen zuschauen darf, was Musik einfach mit mir macht. Dann bin ich wieder ganz nah bei mir und das Außen kann, also ich kann sehen, dass ich Musik nicht mache, um zu oder damit, sondern sehr neutral damit agiere und das auf eine Freiwilligkeit beruht, dass das Außen mich anhört, ohne mich aufdrängen zu wollen. Das war so ein Schritt, den ich aber erstmal erfahren musste. Vorher würde ich auch sagen, war es noch ein bisschen ego geprägt und seht mich an, guck mal. Lauter, besser, größer, schneller.

SPEAKER_01

Ja, ja. Also ich denke, das ist auch ein Indikator, also ein Entzünder, ein Entzünder immer oft bei der Musik.

SPEAKER_02

Ein Motivator auch. Ist ja auch schön.

SPEAKER_01

Ja, ich weiß nicht, wie tief man da reingehen kann.

SPEAKER_02

Ich weiß auch nicht, ob ich auch abgedriftet bin von deiner Frage oder auch von dem.

SPEAKER_01

Vollkommen, aber egal. Natürlich. Ich versuche mal da die Brücke zu schlagen und trotzdem da zu antworten. Ich glaube, dass es schon auch brutal was mit Sehen und Gesehen werden natürlich zu tun hat. Und in der Prägung und diesen klassischen Irrtum halt in der Kindheit, dass man halt nicht okay ist, so wie man ist. Und wenn man dann Musik macht und dann gesehen wird und dann Anerkennung bekommt, dann fühlt sich das halt einfach hervorragend an. Prinzipiell mal für jeden Menschen, glaube ich. Aber ich glaube natürlich für jemanden, der das Gefühl hat, er ist nicht in Ordnung, natürlich noch mehr. Und deswegen glaube ich, dass die Musik schon auch immer so ein Teil oft spielt. Nicht immer, aber oft, ich kenne auch Musiker, die haben wirklich im Proberaum gelebt. Wirklich im Proberaum gelebt. Ich habe auch mal im Proberaum gelebt, aber die haben das. Ja, ja, ich irgendwann hole ich auch mal die Geschichten raus. Aber ich meine wirklich so auch so Richtung 30, dann noch so, nicht was mit 19, 20, sondern einfach gesagt haben, okay, ich nehme nicht teil an diesem gesellschaftlichen Leben. Ich lebe im Proberaum und ich spiele meine Konzerte am Wochenende, ich unterrichte unter der Woche, und du richtig gemerkt hast, die sind jetzt aber auch nicht sensationsgeil oder so. Die sind sehr introvertiert eigentlich. Die wollen einfach nur Musik machen. Die wollen einfach, da fühlen die sich wohl. Könnte man jetzt wieder psychologisch in die Tiefe analysieren und sagen, ja, das ist eine Verkapselung, da nimmt man sich raus aus der ganzen Geschichte, bla bla bla. Aber ich glaube schon, dass die, dass die einfach, dass es wirklich Leute gibt, die einfach sagen, mit Musik fühle ich mich selber, da fühle ich mich wohl, da möchte ich sein.

SPEAKER_02

Eine safe Zone.

SPEAKER_01

So, Punkt. Und dann gibt es natürlich das krasse andere Extrem, die andere Seite natürlich, die rausgehen und ich bin Rock'n'Roll und voll tätowiert und deutsche Romantik, ich leide und was habe ich auch alles schon gesehen.

SPEAKER_02

Dieses Ich Leide, finde ich ein, da würde ich gerne einhaken, wenn ich darf.

SPEAKER_01

Unbedingt.

SPEAKER_02

Dieses Gespräch hatte ich kürzlich mit meinem Produzenten und ganz toller Mensch und auch Ratgeber und Freund. Und ich fand es spannend, weil für mich gibt es diese zwei Möglichkeiten. Es gibt die Musiker, die auf der Bühne leiden und die Menschen dabei zuschauen lassen. Und dann gibt es aber auch die Menschen, die etwas erlebt haben und dieses Wissen weitergeben. Im besten Fall kann es dann jemand hören, entweder auch natürlich draus lernen oder sich berührt fühlen und bewegt fühlen. Und ich glaube, ich wollte auf der Bühne nie wieder leiden wollen, sondern voller Freude erzählen, was ich erlebt habe oder was jemand erlebt hat and was mich berührt hat und die Bilder so groß erschaffen, musikalisch and auch lyrisch, dass ich jemanden darin finden kann, weißt du?

SPEAKER_01

Meinst du das lyrisch, so auf der Bühne, dann dadurch, dass die Texte geschrieben werden, so wie er das empfindet, auch oder sie? Oder wie meinst du das?

SPEAKER_02

Für mich ist erstmal, Musik kann ich dir gar nicht sagen, ich schalte ja nicht ein und wieder ab. Natürlich kannst du eine Auftragskomposition machen, beruflich, und dich dann bewusst hinsetzen und dich in die Kreativität begeben. Aber für mich war es eine Qualität schon immer, dass ich morgens aufstehe, meine Hände aufs Klavier lege und dann fließen das, was passiert. Und da kann was dabei entstehen oder nicht. Und dadurch, dass ich das tue, widme ich mich dieser Kreativität und widme ich mich, dass ich vielleicht ein Lied pflücken kann. Wer weiß, woher? Weil ich frage mich selber, woher kommen die Melodien, woher kommen die Themen? Natürlich aus dem Leben, aus den Begegnungen und aus den Themen, die mich jetzt gerade bewegen und berühren. Aber trotzdem bedarf es natürlich dem Mut, dass du sagst, gut, das Thema picke ich jetzt raus und das mache ich jetzt fertig. Und das ist harte Arbeit. Es ist harte Arbeit, sich damit zu konfrontieren, welche Geschichte möchte ich erzählen, wie möchte ich sie erzählen, aus welcher Perspektive möchte ich sie erzählen? Wie möchte ich sie musikalisch ausschmücken? Welcher Rahmen passt musikalisch? Also schreibe ich und komponiere ich an der Gitarre, wird es nachher doch das Klavier, möchte ich es rhythmetisieren oder soll das ganz nah an der Geschichte sein und einfach Singer-Songwriter aufgenommen werden. Du hast einfach viele Möglichkeiten. Am Ende des Tages zählt einfach, dass man es tut und dass man das auch macht. Dass wenn da in der Pipeline etwas ist, was sich zeigen möchte, was ausgesprochen werden möchte, was verklanglicht werden möchte, dass man dem folgt. Und der Rest ist harte Arbeit wirklich. Das ist Disziplin und es ist dann auch natürlich auch die Prüfung der Absicht. In welcher Absicht vollende ich dieses Lied, was mache ich mit diesem Lied? Bringe ich es nach außen oder ist es jetzt einfach mein Thema? Habe ich es für mich geschrieben? Ist es ein Schnipsel, was bei mir im Ordner, wie tausende anderer Schnipsel, auf meinem Rechner landen? Oder hat es tatsächlich das Potenzial, dass ich sage, damit möchte ich nach außen? Ja, das sollen die anderen auch hören. Und das finde ich schon spannend. Also für mich ist es erstmal den Mut zu haben, sich täglich der Musik zu widmen und sich wirklich ans Instrument zu setzen, ohne mit der Absicht, dass was entstehen muss, sondern mit dem Vertrauen, da kommt etwas, da finde ich etwas in mir oder das Leben schickt mir etwas, was es wert genug ist, verklanglicht oder auch ausgesprochen zu werden.

SPEAKER_01

Ich habe ein sehr haltlos Thema in dem Bereich, wo ich mal spannend fände würde, jetzt deine Meinung dazu zu wissen, weil man kann sich da jetzt natürlich auch auf ganz, ganz gefährliche Ebenen begeben, indem man sagt, wo fängt die Grenze an, an der Musik gut ist und an dem sie schlecht ist. Obwohl, vielleicht in dem Bereich, wo man where auch immer das definiert, die Musik schlecht ist oder schlecht gemacht, aber die Leute trotzdem Spaß dran haben, was darf es sein, was nicht? Ich weiß, du würdest wahrscheinlich sagen, alles darf sein, aber ich verfolge da so ein bisschen manchmal einen etwas groberen Ansatz. Was ist deine Meinung dazu? Würdest du sagen, wenn du auf so eine Coverband, wenn du so eine Coverband siehst, die jetzt eine Firmenband, die da oben steht und die Sängerin singt schief und der Schlagzeuger ist nicht richtig im Takt, aber die haben da Spaß. Wo liegt die Grenze für dich? Wo sagst du, okay, das ist noch erlaubt? Das ist erlaubt.

SPEAKER_02

Also grundsätzlich ist jede Art von Bewertung oder jede Art von jetzt mal Grenze, die ich jetzt ziehen würde, einfach meine Meinung. Und die Meinung kommt von meins. Und sonst hieß es Deinung, aber für mich hat erstmal ja, jede Art von musikalischer Ausdrucksform eine Berechtigung. Punkt eins. Punkt zwei, ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, ich hatte mit Sicherheit auch schon an irgendeinem schlechten Song so richtig Spaß. Ich selber habe ganz viel Covermusik gemacht, wirklich ganz viel Covermusik. Und mein Anspruch war, diese so respektvoll wie möglich und so gut wie möglich umzusetzen. Einfach aus Respekt dem gegenüber, der es komponiert hat. Punkt eins. Und Punkt zwei, mir selbst einfach treu zu bleiben, dass ich für mich das in meiner Art und Weise interpretiere. Und da waren auch Lieder dabei, die ich vielleicht manchmal sogar gar nicht mochte. Und für mich aber klar war, hey, das ist jetzt meine Verantwortung, da mache ich jetzt trotzdem die Party und genau das, was es jetzt gerade braucht, um in der Unterhaltungsmusik diesen Job zu beenden. Also ich habe zum Beispiel, um mein Studio Equipment oder um auch meine Instrumente finanzieren zu können, tatsächlich sogar zwei Jahre lang auf dem Kantstatter Vasen gesungen. Also ich habe diese Zeit mitgemacht im Bierzelt. Und ich muss sagen, es war die beste Schule, die ich jemals erlebt hatte.

SPEAKER_01

Da sehe ich dich auch. Also künstlerisch.

SPEAKER_02

Genau, also da gehöre ich genau hin. Also ohne das werten zu wollen, das braucht ganz viel Konditionen. Das braucht ganz viel Stabilität, dass du dich da nicht darüber empörst, dass da jemand betrunken deine Musik hört. Die haben alle zwei Maß-Intus und krölen dich an und schauen überall hin, nur nicht auf dein Gesicht. Und dann ist es tatsächlich so, dass aber aus 70 Prozent wirklich Spaß haben am Mitsingen und dort eine gute Zeit verbringen. Und die will ich nicht in irgendeiner Form Maßregeln oder sagen, das sei nicht gut oder nicht erlaubt. Oder, oder, oder. Ich habe für mich nur festgestellt, ich finde es eine Sache von Achtung und Respekt, wenn jemand etwas erzählt, egal ob musikalisch, egal ob nur instrumental, dass ich da lauschen möchte. Und dass wenn ich mich freiwillig mich dahin begebe, dass ich den Anstand habe, das anzuhören. Ich kann sagen, das gefällt mir nicht und kann danach gehen und sagen, ja gut, war jetzt nicht meins. Aber den Teufel werde ich tun und sagen, da, da, da, da. Also es gibt Musik, die, finde ich, in meinem Körper wirkt und mir zeigt, dass sie mich berührt, weil da kriege ich Gänsehaut. Und es gibt Musik, die mich einfach nur nicht einmal mit dem Fuß wippen lässt. Und wo ich tatsächlich auch merke, die würde ich weder im Alltag hören und ich würde sie noch nicht an meinem Auto hören, weil ich sie wegskippen würde. Und trotzdem würde ich nicht sagen, das ist schlechte Musik. Sondern das ist Musik, die mit mir nicht in Resonanz geht.

SPEAKER_01

Oh, das ist ein ganz heitliches Thema. Ja, okay, dann.

SPEAKER_02

Wir sind ganz schnell dabei, dass wir natürlich gern werten wollen. Dass wir sagen wollen, da hat das rote Pferd sich plötzlich umgedreht und dann wollen wir sagen, das ist schlecht. Aber dann fangen wir mit den Kinderliedern an.

SPEAKER_01

Deswegen, ich wollte gerade sagen, ja, ja, man muss schon ein bisschen. Wo ich dann aussagen muss, es ist ja immer auch irgendwie so ein bisschen mit, also gerade wenn wir jetzt mal Vasen als Beispiel nehmen, okay, das ist ja fast schon Kultur bei uns, wobei man jetzt auch mal wieder definieren müsste, was ist Kultur, wie man. Hier mit Willen. Ja, was, wie lange gibt es denn?

SPEAKER_02

Die Trinkkultur, oder was?

SPEAKER_01

Genau, das ist der Punkt. Darauf will ich eigentlich hinaus. Das ist, wenn du dann Musik damit verbindest, dass du in ein Zelt reingehst und da irgendwie deine, ich weiß nicht, ein, zwei, drei halbe trinkst oder je nach Geschlecht, Körper, Statur, was man halt verträgt, bis man sich dann halt sich in so ein Delirium getrunken hat und dann da halt mitgrölt und dann das total toll. Ich verstehe das Gefühl, ich hab das ja auch schon gemacht. Ich kenne ja das Gefühl, dass du reingehst und diese Verbundenheit mit anderen Leuten und die Hemmungen fallen und es ist ausgelassen, es ist irgendwie schön. Aber basal dafür ist ja der Alkohol. Also ich weiß nicht, hast du schon mal ein Oktober- oder ein Volksfest gesehen, wo die Leute.

SPEAKER_02

Also ich habe dort, wie gesagt, zwei Jahre lang auf der Bühne gesungen mit einer tollen Truppe. Und ich habe das Glück, dass wir auch abends zum Parkplatz begleitet worden sind von der Vasenwache. Ich bin nur dankbar, dass das damals so war, weil ich wirklich gemerkt habe, wie das auch kippen kann. Total. Aber trotzdem, wenn ich jetzt auch zu den Urvölkern zurückgehe, ich möchte nicht wissen, was die damals für Pilze gegessen. Oder ich möchte auch nicht wissen, wie beim Trommeln irgendjemand damals seinen Selbstgebrauten getrunken hat. Das sind beide, ich weiß nicht. Was Kulturen oder Traditionen angeht. Vor allem, ich weiß noch nicht einmal von dieser Tradition. Ich komme ja, wie gesagt, von meiner Mama aus Sizilien, meinem Vater aus Sardinien. Als ich so die Trachten gesehen habe auf dem Oktoberfest oder auch beim Vasen, dachte ich auch einfach für mich, okay, interessant. Ich habe selber eine getragen und dachte, wow, krass, es macht ein anderes Gefühl. Also ich fand es erstmal spannend.

SPEAKER_01

Verbundenheit.

SPEAKER_02

Genau. Und deshalb zurück zur Musik, wenn ich den Bogen wieder dahin spanne, weil du gefragt hast, gibt es schlechte Musik. Für mich gibt es ein musikalisches Handwerk. Also du kannst jetzt einen Ikea-Schrank zusammenbauen oder du kannst einen Schreinermeister, einen Schrank anfertigen lassen. Und das finde ich, diese Parallele kann man ziehen. Wenn ich mein Handwerk beherrsche, dann ist es wirklich eine Disziplin, ergründen zu wollen, spiele ich da was mit das Instrument rein oder gibt mir das Instrument was zurück oder verschmilzt es? Also in welcher Form, wie spiele ich mein Instrument? Wie gehe ich mit diesem Instrument um? Mit welcher Absicht trete ich damit nach außen? Und welche Art von Handwerk möchte ich dazulernen? Bei mir hat es nie aufgehört. Also für mich ist Handwerk, wenn ich nicht aufhöre, mich meiner Gitarre zu widmen und weiterübe, sowohl im Klavier, sowohl als auch mit der Gitarre, mit allem einfach. Es war ganz klar, dass Handwerk trotzdem bedeutet, ja, im klassischen Sinne, nicht, dass es jetzt, dass man leiden muss und sich die Finger blutig spielen muss, das überhaupt nicht. Aber es gibt einfach total berechtigt bei mir im Garten so ein Brettle, was ich drauf gemacht habe, damit ich mein Hochbeet befestige und das nagel ich da einfach rein und fertig. Und dann gibt es, ich war mal mit einem Schreinermeister zusammen, gibt's einfach unfassbar tolle Fugen, die man da machen kann und wo ich einfach, wow, staune und denke, mit was für einer Leidenschaft so ein Holzstück erstmal präpariert wird und liebevoll in die Form gebracht wird, damit es nachher so, ich weiß nicht, wie man es nennt, ist ja auch wurscht in eine Stabilität kommt. Und so greifen Töne ineinander, so greifen Akkorde ineinander und Skalen und auch Klangfarben und auch Worte, ja. Also zu komponieren, zu schreiben. Möchte ich reimen, möchte ich nicht reimen? Welche Art von Reim verwende ich? Also es ist ein Handwerk. Kann man sagen, kann man, gibt es schlechte Musik? Nein, aber es gibt einfach.

SPEAKER_01

Schlecht gemachte Musik.

SPEAKER_02

Zum Beispiel. Oder einfach nicht gut vorbereitete Musik. Das gibt es auch. Und trotzdem muss ich für mich selber auch sagen, wie oft saß ich am Lagerfeuer und hab einfach. Und genauso wusste ich aber, wenn es jetzt um die Wurst geht, hey, dann habe ich das Lied nicht nur einstudiert, sondern hocke mit der richtigen Haltung, mit einer topgestimmten Gitarre da, mit frischen Seiten und einer eingesungenen Stimme.

SPEAKER_01

Du würdest dann schon sagen, also es ist schon immer noch das klassische Thema von, ja, es gibt schlecht, es gibt keine schlechte Musik, es gibt nur schlecht gemachte Musik. Kann man so sagen. Okay, gut, da bin ich voll d'accord, das habe ich auch immer gesagt. Aber wo ist dann die Grenze? Wo beginnt die Grenze, wo wird es dann schwimmend? Ich verstehe die Frage nicht. Würdest du sagen, eine Coverband, die zum Beispiel einfach, wo keiner sein Instrument richtig beherrscht, die müssen das ja auch machen. Aber nehmen wir an, wir haben eine Coverband, relativ jung und die fangen jetzt gerade an und das klingt halt einfach noch nicht gut, weil das Handwerk einfach noch nicht gut ist. Punkt. Aber die gehen da hoch und die haben Spaß. Dann darf das ja sein, oder? Dann darf das sein? Wie lange darf das sein? Weil du gesagt hast, du widmest sich ja dem Instrument, weil man nicht.

SPEAKER_02

Ja, aber bin ich darüber zu urteilen, wie lange jemand oder ob jemand Musik machen darf oder nicht. Es darf jeder Musik machen. Es ist halt die Frage hier in Deutschland und auch in jedem anderen Land, ab wann ist man Berufsmusiker? Für mich ist man Berufsmusiker ab dem Zeitpunkt, wo man seine Berufung ernst nimmt und tatsächlich in der richtigen Absicht, mit den richtigen Werten und der richtigen Verantwortung mit Musik umgeht. So, und davon lebt. Das ist für mich eine Kunst, davon zu leben. Es gibt aber auch Menschen, die jetzt zum Beispiel überhaupt nicht das Handwerk beherrschen, zwei, drei Jingles raushauen und damit halt ihr Geld verdienen. Und alles hat seine Berechtigung und alles darf sein und jeder macht die Erfahrung und auch natürlich die finanziellen Erfahrungen und Gewinne mit der Musik, wie er es für richtig hält. Also ich bin, was die Frage angeht, deshalb so kritisch, weil ich den Glauben habe von oben betrachtet, es kommt zu jedem das, was kommen soll. Und jeder hat das Recht, sich zu erfahren. Wenn es nach außen hin wirklich schlechte Musik ist, die schon in den Ohren wehtut, dann muss ich doch selber in die Verantwortung gehen und mich dem nicht aussetzen. Aber ich kann doch dem Kerl nicht sagen, bitte mach keine Musik. Von dem her, es ist meine Verantwortung, mit was ich mich umgebe, von was ich mich umgebe, was ich höre. Es ist eine Verantwortung.

SPEAKER_01

Weil du das auch gerade so kritisch betrachtest und da auch so in die, in die, in die, in die, nicht Rechtfertigung, aber in den Bereich gehst, wo du sagst, hey, pass auf, das geht, alles darf sein. Ich bin der gleichen Meinung. Ich meine, ich habe unterrichtet, ich hatte Kiddies da sitzen, die auch teilweise fünf, sechs Jahre und wo du auch gemerkt hast, da ist vielleicht jetzt nicht die super Begabung oder die volle Zeit auch da, was der Schüler oder die Schülerin jetzt da voll rein investiert und du merkst, da passiert nicht viel oder so. Aber trotzdem hat er Spaß. Und du hast gemerkt, er kommt von der Schule nach Hause, der spielt irgendwie eine Stunde Gitarre oder kommt in den Unterricht und für den ist es mehr Therapiestunde. Da redet man so ein bisschen über die Zeit, was mit seinen Eltern nicht reden kann und so. Und dann macht man ein bisschen Musik und man hat eine Verbundenheit durch Musik, man verbindet man sich ja, man spricht miteinander und das klingt nicht super geil, aber es macht Spaß und es lässt Druck ab und man kommt zu sich. Vollkommen, ich bin bei dir. Mich interessiert es einfach nur, weil ich immer wieder auch mit anderen Leuten drüber rede. Und es ist ein Handwerk. Und wenn ich jetzt zum Schreiner gehe und einem Schreiner sagt, bitte mach mir einen Tisch und der sagt, ja klar, logisch, mach ich am Wochenende immer gerne. Und der geht am Wochenende in seine Kammer und bringt dir halt so ein Humor Simpson-Gewürzregal-Schräglage daraus. Und stellt das hin und sagt, guck mal hier, das habe ich gemacht für dich. Und du, hey, cool, hast du Spaß dabei gehabt? Ja, total. Das freut mich. Weißt du, aber du hängst dir das nicht an die Wand. Exakt. Und deswegen, es ist schon so. Also Musik, ja, aber bei Musik, finde ich, ist es umstrittener. Bei einem Schreiner oder bei einem Elektriker oder bei einem alles, was mit Handwerk zu tun hat, würdest du das niemals zulassen. Ich würde niemals zu mir nach Hause einen Elektriker kommen lassen. Das meine ich ja. Der da nicht einen Schein dafür hat.

SPEAKER_02

Ja, aber dann dürftest du zum Beispiel, wenn du weißt, da ist Musik, die dir nicht entspricht oder die du nicht gut findest, dann dürftest du da einfach nicht hingehen, fertig. Dann darfst du dich nicht beklagen, dass es die Musik gibt, ne? Also dass erstmal ein Schreiner, bevor er ein Schreinermeister ist, auf dem Weg ist und erstmal vielleicht noch ein paar krumme Dinge da zaubert. Das ist einfach klar.

SPEAKER_01

Ja gut, ich meine, der macht ja witzigerweise, die machen ja teilweise dreijährige Ausbildung oder so. So dreijährige Ausbildung im Handwerk und dann sind die da gut drin. Oder wer ist das? Gesellen? Ich bin da gar nicht gut drin, aber Gesellen sind das dann, oder? Und dann müssen sie noch Meisterschule und dann ist es irgendwie fünf Jahre und dann bist du Meister. Wenn ich jetzt fünf Jahre Gitarre spiele, das ist auch nichts.

SPEAKER_02

Ich finde, wir müssen von dem Beruf reden oder von der Musik an sich. Wenn wir von Kunst an sich reden, darf Kunst erstmal alles. Und wenn wir von Ausdruck und von erlebbarer, sagen wir mal, Kreativität reden, darf das auch alles. Und sofern ich im Außen keinen Schaden anrichte. Jetzt ist die Frage, was bedeutet im Außen Schaden anrichten? Ich war bei einer Kunstausstellung, das war eine Installation und da war total krass. Da hat irgendjemand dann plötzlich Sachen verbogen und hochgeworfen und runter und es war nach zwei Minuten zu Ende und es gab einen tobenden Applaus. Und da muss ich nicht sagen, die Kunst war schlecht, sondern ich habe es halt nicht verstanden.

SPEAKER_01

Ja, ja, ja.

SPEAKER_02

Aber sei mal dahingestellt. Da bin ich auch für die Stadt. Alle waren total, oh mein Gott, ja, das war so toll. Ja, als ich die Presse in der Presse dann sowas gelesen habe, was da alles so dahinter steckt, dachte ich, gut, wenn ihr das da drin gesehen habt, dann ist es ja toll. Mich hat es jetzt nicht berührt. Aber um zur Musik zurückzukommen. Mich fasziniert Musik deshalb oder es bewegt mich deshalb, weil es einfach schwingt und ich der Meinung bin, dass alles eine Frequenz hat. Eine Energie hat und ich habe meine Energie dadurch so ein bisschen pendeln können und auch in die richtige Bahn gebracht. Und ich kann ja nur erzählen, was Musik mit mir macht. Oder wie welche Absicht ich habe beim Musizieren. Das kann ich sagen. Und alles andere obliegt den Meinungen oder den Wertungen. Und gehe ich, wie gesagt, ungern rein, weil ich einfach der Meinung bin, dass man Kreativität für mich nicht bewerten darf. Man kann ein Handwerk bewerten. Man kann, wenn man von einem Beruf spricht und da eine Summe aufruft, kann man Kriterien aufstellen, wie eine Summe zustande kommt. Und auch dies obliegt natürlich, da haben wir Vorlagen dafür und an die richtet man sich.

SPEAKER_01

Ja, da bin ich tatsächlich auch bei dir. Ich glaube, bei der Musik ist es nur noch ein bisschen vorgegebener. Also das, was du jetzt zum Beispiel angesprochen hast, Kunst. Also sowas wie solche Aktionen oder ich hab neulich habe ich mal irgendjemand seine Fäkalien in Beton eingegossen und dann mit Goldpapier ummantelt und dann war das auch irgendwie ein Kunstwerk. Ich habe mir mal, ich habe so einen Kollegen, der hat Fotografiestudiert in München und der hat sich mit sowas mal eine Zeit lang befasst, hat auch so ganz extravagante Fotos gemacht und so. Und mit dem habe ich immer wieder Kontakt. Das schickt mir ab und zu Sachen, wo Leute dann Kunst machen. Oder eine Frau, die sich dann irgendwie, ich weiß nicht, auch irgendwie wehtun lassen hat für einen Tag oder sowas, weißt du? Was dann auch in so einem Museum war, was auch Kunst. Okay, alles darf und so. Das ist ja wirklich abstrakt, hat ja auch den Begriff dann. Bei der Musik zum Beispiel in unseren breiten Graden, ja, da haben wir diese zwölf Töne und es gibt eine gewisse Struktur und eine gewisse Vorgabe, Strophe, Refrau Bridges und so. Und die Leute sind daran gewöhnt, die kennen das, die kommen damit auf die Welt, die kennen die Kinderleader, die kennen die Tonleiter und Dur und dann sind die daran gewöhnt und dann finden die das gut und da haben sie immer wieder eine Resonanz, weil Emotionen ja auch verbindet mit Vergangenheit, mit Emotionen und da kommen die Menschen immer wieder rein. Deswegen, da ist es schon Handwerk, finde ich mehr, wie jetzt zum Beispiel in der anderen Kunst. Weil diese zwei Bereiche, wenn man die mal trennen würde, wenn man sagt, Kunst, weiß ich nicht, sowas Kunst, also Museumskunst, wenn du so willst. Wobei auch da wieder Bilder natürlich auch, Ölgemälde und so. Also ich weiß nicht, es ist, ich glaube, schwierig, das zu differenzieren. Für mich ist es schwierig.

SPEAKER_02

Für mich gibt es schon eine Möglichkeit zu differenzieren, das eine ist Kunst und das andere ist von Kreativität reden.

SPEAKER_00

Okay.

SPEAKER_02

So. Und dann gibt es Musik im musikalischen Sinne, was Musik mit einem macht. Oder es gibt Musik kreieren, kompositorisch. Und dann reden wir tatsächlich auch, wenn wir eine Struktur haben oder wenn wir halt ein Genre haben, wie die Popularmusik, ja, wie du sagst, da hat man Formen. So, und dann kann man sagen, ob man diese super eingehalten hat, ob man eine super Hookline hat oder und so weiter und so fort. Aber das sind alles Sachen, die haben mich schon immer, wenn ich ehrlich bin, nicht so ganz gecatcht. Mich hat eher gecatcht, ob die Kreativität, ob die Lebendigkeit, ob etwas, was berührt oder ob etwas, was sehr authentisch ist, weil es mich zu dem auch Künstler teilweise näher hingebracht hat. Also mir erlaubt hat, jemanden kennenzulernen über seine Kunst. Das hat mich interessiert.

SPEAKER_01

Was ich auf jeden Fall glaube, oder was ich auch schon gespürt habe, und da bin ich überzeugt davon: 98% der Menschen haben einen Zugang zu Musik. Weil auch kommen Menschen zu mir und sagen, ich bin total unmusikalisch. Und dann sage ich, nee, bist du nicht. Du bist nicht unmusikalisch, du hast einfach, du bist nicht rangeführt worden. Punkt. Da bin ich fest überzeugt davon. Es gibt zwei Prozent, wo vielleicht Vertratungen im Gehirn irgendwie, aber das ist, ich habe vielleicht in meinem Leben einen getroffen, der wirklich, wo ich gesagt habe, magst du Musik? Nö.

SPEAKER_02

Solange ein Herz schlägt, ist Musik da.

SPEAKER_01

So, das ist Takt, da ist Rhythmus, da ist Frequenz, da ist alles da. Deswegen. Und ich glaube, 98 oder 99 Prozent aller Menschen haben einen Zugang dazu und das würde jedem gut tun, seinen Weg zu finden in die Musik, in welcher Form auch immer. Oder da den Bezug mal zu suchen für sich. Dafür sind ja auch so Sachen wie zum Beispiel Musikschulen oder so.

SPEAKER_02

Es ist eine Form, sicher. Die anderen machen es über Sport. Oder machen das über das Tanzen.

SPEAKER_01

Tanzen. Genau, ja, ja, bin ich bei dir. Ich glaube, jeder hat da einen Zugang dazu und ich glaube, jeder hat es verdient, einen Zugang. Und das ist ein schöner Zugang zu sich selber. Es ist eine der Möglichkeiten, zu sich selber zu kommen. Und für mich eine der schönsten. Musik ist eigentlich das schönste Hobby der Welt. Ich habe es zum Beruf gemacht eine Zeit lang. Es war heute im Nachhinein, ich will nicht sagen, falsch war die Erfahrung, hat mich da hingebracht, wo ich heute bin. Aber es hat natürlich mein Hobby weggenommen. Das war schade. Weil du dann plötzlich nur noch, ach, kannst du mal da spielen, kannst du mal hier spielen, deine Freunde Wochenende nur noch unterwegs, alle haben Wochenende, du bist auf Konzerten unterwegs, fährst zehn Stunden durch Deutschland mit einem, wie war es das schönes Beispiel? Man fährt mit 5000 Euro Equipment in einem 500-Euro-Auto für einen 50-Euro-Kick. Das habe ich einfach sehr lange gemacht. Und du auch. Und wir wissen, was das bedeutet. So, und man nimmt sich das Hobby weg. Deswegen, aber Musik ist für mich das schönste Hobby der Welt. Und da komme ich auch langsam wieder hin, so für mich. Ich würde es nicht Hobby nennen. Nein, was ich nicht mehr so gut habe.

SPEAKER_02

Nee, habe ich auch nie gemacht. Ich habe es für mich immer Berufung genannt, tatsächlich. Also ich habe es so gut.

SPEAKER_01

Okay, aber dann machst du es ja, dann ist es ja das, was dich ruft. Ja. Das, was dich gerufen hat in der Person. Und du hast es aber zu deinem Job gemacht.

SPEAKER_02

Würde ich so auch nicht sagen.

SPEAKER_01

Nein, okay.

SPEAKER_02

Ich habe einen Teil davon zum Job gemacht. Und ich habe, wenn ich so drüber nachdenke, dadurch, dass ich das ja mit meinen Eigenkompositionen zu 80 Prozent gemacht habe, dann nicht als Job gesehen, sondern tatsächlich als kreativer künstlerischer Output zu unterrichten, ist mein Job. Workshops zu geben, mein Handwerk so zu schleifen und mich stetig fortzubilden und das weiterzugeben, das ist mein Job. Wenn ich eine Auftragskomposition kriege oder mich jetzt, mich hat Daura Hernandez-Garcia, eine Tänzerin, die hat mich gefragt für ihr Stück People Holding Things, ob ich die Musik dazu komponiere. War ganz arg spannend. Und das habe ich gemacht. Das ist ein Job, den ich mit Liebe and Creativity and Muse authentisch ausübe. But the music, die ich jetzt zum Beispiel componiere anders, the art and we are in which ich lehre, this is key, but for me, this are my werte, this is my lebensar.

SPEAKER_01

Kommst du da jemals an den Punkt, wo du das hinterfragt hast?

SPEAKER_02

Yeah, I have hinterfragt, ob ich mich werten möchte, finanziell. Weil du musst dir einen Preis geben oder die Gesellschaft gibt dir einen Preis. Und dann habe ich aufgehört, die Gesellschaft mir einen Preis geben zu lassen und habe für mich einfach Kriterien aufgestellt. Ganz simpel, wie es jede Firma und jedes Unternehmen auch macht, wie Aufwendungen, Anfahrt, Zeit, Equipment, Abschreibungen, Fahrtkosten, Pauschalen oder das Essen. Alles habe ich angefangen aufzulisten. Und dann kam eine Summe und dann habe ich mir eine Summe noch drauf erlaubt, drauf zu buchen und die war Übezeit. So, die variiert nach wie schnell komme ich zu meiner Kreativität, wie schnell muss ich mein Handwerk abrufen können. Und dann kann es auch sein, dass du für einen Job mal so eine Summe aufrufst und für den Job so eine Summe aufrufst. Ich finde es immer schwierig, als Musiker leben wir, muss ich ganz ehrlich sagen, in Deutschland im Schlaraffenland. Es ist einfach so. Hier kann sich jeder die Gitarre umschnallen und sagen, ich bin Berufsmusiker. Das kannst du woanders nicht. Da bist du ein Straßenmusiker. Ja, okay. Oder so viele Förderungen, wie wir hier in Deutschland haben, das ist ein riesiges Geschenk. Das gibt es vielleicht noch in der Schweiz, aber ansonsten, wenn du nach Italien gehst und das weiß ich, da hast du keine Förderung von irgendeiner Kunststiftung oder ein Stipendium, was du hast, um deine Projekte. Oder kennst du Sozialkasse und so. Oder die KSK, die dir ermöglicht, überhaupt, krankenversichert zu sein und rentenversichert zu sein. Hast du vollkommen erkannt. Also deshalb erstmal Dankeschön an dieses System, was es mir ermöglicht hat, mein Handwerk zum Beruf zu machen.

SPEAKER_01

Seit ich denken kann, da habe ich das noch nie von dem Musikern gehört, aber wenn man das so betrachtet, wie du da sagst, dann ist was dran, ja. Weil normalerweise ist es einfach nur so, als Musiker zu überleben, ist ultra hart und so. Aber ist es ja auch. Aber in Deutschland, dass es verhältnismäßig in Deutschland einfacher ist, wie zum Beispiel in anderen EU-Ländern, habe ich nie drüber nachgedacht. Habe ich auch keinen Referenzwert dazu.

SPEAKER_05

Ist es.

SPEAKER_01

Aber wenn ich in Kroatien durch die Straßen laufe, was da für Straßenmusiker stehen, das ist abartig. Ja. Das sind hochtalentierte Menschen. Straßenmusiker. Ja, das sind Straßenmusiker, genau.

SPEAKER_02

Weißt du, wie ich meine? Und das meine ich so, wir schimpfen ganz oft und ich habe keinen Grund zu schimpfen. Also ich fühle mich unfassbar beschenkt und reich. Und ich habe das Privileg, einen Beruf ausüben zu dürfen, der aus der Leidenschaft und einer Berufung entspringt. Und da bin ich einfach nur dankbar. Und ich hoffe, ich mache es irgendwie anständig und dass es im Außen irgendjemand bewegt oder auch berührt. Aber letztendlich, es gibt Bereiche, da habe ich eine Verantwortung im pädagogischen Sinne, mich fortzubilden, im physiologischen Sinne, auch in der Art und Weise, wie ich mit Menschen umgehe. Und das sowohl als Musikerin als auch als Gesangslehrerin. Aber letztendlich kann ich einfach nur dankbar sein, dass ich die Möglichkeiten habe, mich darin vorzubilden, dass ich die Möglichkeiten habe, darin unterstützt zu werden und auch noch das als Beruf ausüben zu dürfen und dafür ein Honorar zu kriegen. Also muss ich sagen, woanders ist man Straßenmusiker oder leidet auf der Bühne.

SPEAKER_06

Weißt du, wie ich mein?

SPEAKER_02

Ich muss trotzdem behaupten, und da sage ich danke an mich selbst, dass ich die Disziplin und ich kann jetzt nicht sagen, dass die Eier hatte, aber die Eierstöcke hatte, um mich da behaupten zu dürfen. Und seit 2007 lebe ich von der Musik. Vom Unterrichten, vom Komponieren, vom Auftreten, damals natürlich auch von Coversongs, von Auftragskompositionen. Und da muss ich sagen, bin ich stolz auf mich, dass ich das immer noch mit Freude mache und mit auch dieser Demut und Dankbarkeit. Ich habe es geschafft, das Ego auf die Rückbank zu spannen. Ich habe trotzdem Lust auf die Bühne zu gehen und Rock'n'Roll, ne? Keine Frage. Aber ich habe es, ja, das Anliegen ist diesmal ein anderes. Ich glaube, früher war es, mich wirklich erfahren zu dürfen und auch mich zu zeigen als junge Frau. Und das ist jetzt halt, ich weiß, glaube ich, jetzt, wer ich bin. Es wird sich natürlich immer wieder die Frage aufkommen, aber ich weiß trotzdem jetzt, wer ich bin.

SPEAKER_01

Da war richtig gut. Ich glaube, ich weiß, wer ich bin. Aber das würde ich genauso mitnehmen. Das steht auch am Tempel von Delphi. Erfahre vielleicht, wer du bist. Oder ist es gut? Das ist ein spannendes Thema.

SPEAKER_02

Was mich erwischt. Also man glaubt immer zu wissen.

SPEAKER_01

Ich glaube, ich werde daran forschen, bis ich irgendwann tot umfahre.

SPEAKER_02

Exakt eine Lebensaufgabe.

SPEAKER_01

Und dann, wenn ich dann in die elfte Dimension wieder als kollektives Lebewesen übergehe, werden die Kollegen sagen, und wie war's? Und ich so, ja, so wie die meisten halt berichten. Man weiß nicht, was man sehr gut wieder Schwabe sagt.

SPEAKER_02

Hauptsache nicht in 3D.

SPEAKER_01

Ja, genau, 3D. Das Thema, dass du, und das finde ich gut, dass du das ja, also ich freue mich total für dich. Ich finde das richtig geil und ich freue mich für jeden Musiker, der richtig nicht mit 22, sondern auch, weißt du, mit du jetzt, ich hast dieses Jahr dann 40 sind gefeiert und einfach hinst und sagst, Wie kannst du das vor Publikum sagen?

SPEAKER_02

Kleiner Spaß ist es.

SPEAKER_01

Ja, ich piep das raus.

SPEAKER_02

Lass es trainieren, Jan. Du bist voll stolz drauf nach Hörner.

SPEAKER_01

Ja, ich wollte gerade sagen, also bitte, guck mal, hier: 40.

SPEAKER_02

Das sind Zahlen haben mich noch nie so ganz interessiert, wenn ich ja liebe.

SPEAKER_06

Ist wirklich sehr.

SPEAKER_01

Ja, ich weiß. Alles gut. Zwischen 20 und 40.

SPEAKER_02

Ja.

SPEAKER_01

Ich habe die Frage, ich stelle die gerne anderen Musikerkollegen.

SPEAKER_02

Ja, bitte. Meine Lieblingsfarbe ist gelb.

SPEAKER_01

Ja. Sehr schön.

SPEAKER_02

Ja, gut.

SPEAKER_01

Für die Zuhörer, ich hoffe, das hat euch auch interessiert. Und würde zurück zu meiner Frage, zwischen 20 und 40. Da passiert meistens so ein Bruch. Im Chinesischen sagt man auch, es gibt so eine genannte Resignationsphase, hat man im Leben. Normalerweise sagen die zwischen 40 und 50. Ich habe das Gefühl, bei Musikern passiert das zwischen 20 und 40. Aus meiner Erfahrung heraus. Da kommt irgendwann so ein Bruch, da kommt man raus aus diesem, das Ego sitzt auf den Beifahrersitz und geht auf einmal auf den Rücksitz.

SPEAKER_02

Du meinst Motorhaube und Rücksitz?

SPEAKER_01

Ja, in dem Fall Motorhaube vorne drauf gespannt, wie im Mercedes stand. Genau. Und dann kommt es erstmal wahrscheinlich meistens durch so eine Überregulation in den Kofferraum.

SPEAKER_06

Ja.

SPEAKER_01

Und dann darf es mitfahren. Okay.

SPEAKER_03

Exakt, ja, schön aus.

SPEAKER_01

Und dieser Resignationsphase, die passiert meistens bei den Musikern irgendwo, ich sag mal, zwischen 30 und 40 in der Regel. Und da kommt so eine Phase, wo man alles hinterfragt, finde ich. So ging es mir und manchmal, auch wenn ich mit anderen Musikern rede, höre ich das immer wieder so. Hattest du A diese Phase und B, wie war die bei dir?

SPEAKER_02

Hui, okay. Also ich hatte diese Phase auf jeden Fall.

SPEAKER_00

Gut.

SPEAKER_02

Wie viele Jahre ist er her? Ich würde sagen, so mit 32, 33. Und da habe ich für mich so ein bisschen, da war ich echt müde. Ich war ausgelaugt. Ganz arg ausgelaugt. Ich habe viel gespielt. Ich habe versucht, alles richtig zu machen. Ich habe versucht, in irgendeiner Form, wie Moss hier im Schwabeländl macht, auch Rücklagen beiseite zu legen. Das habe ich nicht geschafft. Und ich war ganz traurig darüber, dass ich so viel Engagement gezeigt habe in jedem Bereich. Und irgendwie richtig Gas gegeben. Genau, ich habe richtig Gas gegeben. Und ja, man war im Radio und auch mal im Fernsehen und irgendwie hat man trotzdem nicht die große Tour gespielt. Und ich war ganz traurig. Und ich habe ganz, aber hey, man muss trotzdem sagen, ich war stolz auf mich. Ich habe bis zu 60 Mal im Jahr gespielt. Und Gott sei Dank nicht für 50 Euro. Ich hatte trotzdem immer Größeres vor. Und ich hatte so diese Wunschvorstellung, ich möchte einmal eine große Tour spielen und spüren, wenn man auf der Bühne ist und der andere Musiker so 15 Meter entfernt ist. Und das Problem sind die Texte. Genau, ne? Das haben sie Gott sei Dank auch so gemacht. Also, da habe ich Glück. Aber das war ein Wunsch von mir. Und ich traue dem nicht hinterher. Überhaupt nicht. Aber da war es so eine Stelle, wo ich aufgehört habe, darauf zu warten, dass das Außen das macht. Und auch zu bewerten, ob ich nicht genug getan hätte. Sondern ganz klar weiß, so, das, was passiert, das sage ich danke. Das andere mache ich so oder so, ob auf der Bühne oder nicht auf der Bühne. Dass ich Musik spüre, das macht es auch so oder so. Klar, ob ich jetzt die Erfahrung mache, im Tourliner irgendwo zu liegen, ich habe es ja nicht gemacht. Ich habe in meinem Opel Korsa geschlafen auf dem Festival, das habe ich gemacht, aber.

SPEAKER_01

Ja, wer nicht?

SPEAKER_02

Exakt.

SPEAKER_01

Bei mir war es ein Fest, aber auch okay. Eins, eins lech.

SPEAKER_02

Ja, es gab diesen Moment, wo ich geschwind mal gucken musste, jetzt sortier dich mal, warum machst du das? Und jetzt sortier dich mal, warum möchtest du so gesehen werden? Warum bist du so laut? Und ich habe immer gesagt, wenn ich meine Lieder gehört habe, die so gerade die ersten Alben verschreiten die so rum. Jeder hat mich dafür aber so applaudiert, die kleine, die kleine Frau, und da kommt so eine kleine und es kommt so eine Stimme raus. Irgendwann konnte ich den Spruch gar nicht mehr hören, weil ich dachte so, hä? Und dann war mir klar, wow, was auch das die ganze Zeit mit mir gemacht hat. Bis ich so meine Größe von meinem Inneren bemessen habe und auch für mich gesagt habe, es ist mir gar nicht so wichtig, was ein großes Konzert oder kleines Konzert ist. Allein die Möglichkeit zu haben, mich auszudrücken und dass freiwillig Menschen Lust haben und Freude daran haben, mit mir in Konversation zu gehen, fand ich großartig. Und dann ist mir auch egal, ob ich vor einer Person oder vor 10.000 spiele. Aber die Stelle gab es, wo ich einfach traurig war, weil das nicht funktioniert hat. Aber ich habe es nicht hinterfragt, dass es das Richtige war oder dass der Weg der richtige war oder dass es, ob es genug war oder nicht, sondern es war genau das, was ich geben konnte. Es war genau das, was ich tun konnte. Und es war, ja, also die Schuhgröße hat gepasst, in denen konnte ich gerade noch so laufen. Wer weiß, hätte ich jetzt größere Schuhe gekriegt, dann wäre ich gestolpert. Hätte ich eine größere Tourangebot gekriegt, vielleicht hätte ich es gar nicht gepackt. Vielleicht will ich gar nicht beim Rewe erkannt werden. Und oh, das ist die Katrin. Also definiere erfolgreich als Berufsmusikerin, mit deiner Berufung zu leben oder berühmt zu sein. Und ich würde behaupten, früher hatte ich den Wunsch, berühmt zu sein. Das habe ich gar nicht mehr. Gar nicht. Also null. Und das ist für mich so eine Erleichterung gewesen, das zu erkennen.

SPEAKER_01

Es gibt so zwei Wege. Es gibt die Leute, die werden dann so davor berühmt, wirklich berühmt. Und es werden die lieber nicht berühmt. Aber ich habe das Gefühl, die Berühmten, die machen den gleichen Weg durch. Allerdings nicht so soft wie du, aus Erfahrungen oder Biografien. Also ich weiß jetzt nicht, du bist jetzt nicht super in die Tiefe gegangen, wie du das dann, wie dann das Leid dich in die Tiefe geführt hat, aber was die Erkenntnis war dahinter, danke dafür. Und wenn du dann zum Beispiel so Dokumentationen siehst, auch mit einem Robbie Williams, der mit Panikattacken auf die Bühne geht und da eigentlich gar nicht kann und total im Alkoholismus im Hotel hängt und sowas und total nervig am Ende ist und so, wo man dann denkt, der hat es doch geschafft. Da ist Musiker, der ist raus, der hat gesungen, baba baba, der hat es sich gegeben, der ist super berühmt geworden und dann merkst du, eine Doku 20 Jahre später kommt raus, dem ging es hundzelend.

SPEAKER_02

Also wenn du ein bisschen mehr Drama willst, bei mir tatsächlich.

SPEAKER_01

Ein bisschen mehr Drama. Ich möchte die Wahrheit. Fakt.

SPEAKER_02

Okay, die Wahrheit war, ich war auf dem Weg in die Jason-Rocks-Schule Freiburg. Und ich habe bei Donna Mac Eelroy, das ist die Gesangslehrer von Mariah Carey, einen unfassbar teuren Fortbildungsgang gebucht. So, und dann bin ich dorthin gefahren und es hat aber nicht sein sollen, weil ich hatte einen Autounfall gemacht. Mein Auto hat Feuer gefangen. Und tatsächlich gab es so eine Art auch Aufprall und es kam zu einem Schleudertrauma und mein Kehlkopf schloss nicht mehr richtig. Das hat man aber erst später festgestellt. Und ich verlor tatsächlich so ein bisschen die Möglichkeit zu singen. Also tatsächlich ist passiert, dass durch das Nichtschließen des Kehldeckels es zu einer Stimmbandverätzung kam. Und die kam aber schleichend. Durch die Magensäure. Genau. Und das habe ich auch nicht gemerkt, weil ich hatte jetzt keinen blöden Geschmack im Mund. Das war so minimal, aber tatsächlich über eineinhalb Jahre habe ich gemerkt, das war ein Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben. Jetzt weiß ich, woher das Ganze kam, aber auf der Suche, du wirst immer heißer, du wirst immer heißer. Irgendwann habe ich nur, ne, ich konnte gar nicht mehr wirklich singen. Und dann wird dir bewusst, wer bin ich denn ohne Stimme? Und was passiert denn, wenn Katrin nicht so toll singt? Und dann bin ich an das Lichtenberger Institut für angewandte Stimmphysiologie und musste lernen zu fühlen, was da drin abgeht. Ich musste the Körperbiology, physiology für mich wahrnehmen lernen, was ein riesiger Schmerz ist. When Frequenzen dich an Stellen berühren, wo du merkst, whoa, ja, also bin ich heute noch zutiefst berührt davon. Und ich musste lernen, die Stimmfunktion zu begreifen. Nicht emotional, sondern wirklich nur physiologisch. Was passiert im Kehlkopf? Warum ist ein Leistungssportler am Schwitzen und ein Pianist bei Konzertbedingungen mit den gleichen Schwitzen? Hilf mir.

SPEAKER_01

Die gleichen Konditionen. Genau, ne?

SPEAKER_02

Und das war so krass, und dieses Institut hat mich nur phonieren lassen. Also es bedeutet tönen lassen. Du hast nur A'sungen oder U's. Und ich war so sauer, weil ich wollte mich singen lernen. Ich wollte mich wieder mich ausdrücken lernen und rock and roll und my stimulation zurück. And nee, ich habe einfach zwei Jahre lang nur Us und A's gesungen und musste lernen, ob ich gerade in der Nase fastial, muskulär, semi-permeable den Klang durch meine Membranen schicke. Ich musste lernen, dass hier oben das Zungenbein ist und dass diese Lamellen da hochziehen. Ich musste lernen, dass das Schildknorbel, Stellknorbel, Ringknorbel nur ein Gehäuse ist und da drin so viel abgeht und das mit dem Atmen zu tun hat. Und das Atmen hat mit dem Nervus Vagus zu tun. Und der Art und Weise, wenn ich mich konzentriere, halt die Luft an. So, und wie ganz physicalisch war klar, Klang entsteht dadurch, dass Luft einen subglottischen Druck erzeugt and the stimul to bewegen bringt. But mir bleibt in the luft weg, weil ich einfach mich nicht verbalisieren konnte, wie ich es gern gewünscht hätte. Und zwar gesanglich. Natürlich konnte ich noch irgendwie reden. Aber es war, ich war nicht mehr die Sängerin Katrin, es hat sich nicht mehr so angefühlt und ich war ganz traurig. Und ich habe dort dann später das Vier plus 1 Seminar gemacht und dann noch mal acht Jahre später die komplette Fortbildung. Das ist auch die Art und Weise, wie ich unterrichte. Da fließt sehr viel mit ein. Also erstens mit einer Fragepädagogik und mit dem Ansatz nicht Klang zu erzeugen, sondern Klang zu empfinden. Die Stimmfunktionalität nicht zu stören, sondern sie zu unterstützen, darin wirklich Vibration ausüben zu können.

SPEAKER_01

Aber du hast das jetzt gerade sehr, sehr mechanisch alles erklärt. Das waren jetzt total die physikalischen Grundgesetze und.

SPEAKER_02

Aber das ist das, was ich, mit was ich konfrontiert war. Also das Drama innerlich, emotional, an Wert, ne? Also wer bin ich denn, was mache ich denn, wenn ich nicht singen kann? So, ich habe ja jetzt nach dem Abi, ich habe ja weder Jura studiert, noch habe ich irgendein anderes Handwerk außer Musik gelernt. Und dann zu sagen, dass ich genug bin, so wie ich bin. Auch wenn ich nichts tue, nichts, dass ich die Berechtigung habe, zu leben, zu lieben, zu schmecken, zu riechen, zu sehen und zu hören. And mich auszudrücken. Auch wenn ich in dem Augenblick nichts kann.

SPEAKER_01

Wie hast du die Erkenntnis erlangt?

SPEAKER_02

Indem man mir genommen hat, was ich kann. And this war ein Geschenk. Heute würde ich sagen, das größte Geschenk der Welt.

SPEAKER_01

Das wollte ich gerade sagen. Oft ist es ja so, dass Menschen sich in so einem goldenen Käfig bewegen sehr lange.

SPEAKER_02

Und aufgehört habe zu werten. Natürlich bewerte ich Dinge und habe einen Perfektionismus und möchte Dinge richtig machen. Aber ich mach halt, was ich kann und so gut wie es geht. Und mehr kann ich nicht tun.

SPEAKER_01

Was heißt, du bewertest die Dinge nicht mehr? Was meinst du damit?

SPEAKER_02

Selbst den Klang bewerte ich nicht. Ich kann dir sagen, dass es gerade heller sein darf oder dass es dunkler sein darf, dass es ein bisschen runder sein darf oder dass es ein bisschen spitzer sein darf, dass es ein bisschen weiter vorne oder weiter hinten ist. Es sind Qualitäten, die wir haben. Und es kann sein, dass die eine Qualität gerade nicht genutzt wird und dann lade ich sie ein. Klar, wenn jemand Intonationsschwierigkeiten hat, kann ich sagen, dass sie jetzt gerade falschen krumm. Das finde ich aber unfassbar, wie schmerzhaft das ist. Ohnehin, dass wir in einem Wertesystem aufgewachsen sind, natürlich kann es eine Motivation sein, ganz radikal zu akzeptieren, pass mal auf, da ist Talent oder da ist nicht Talent. Dem kann ich, muss man realistisch, ne? Wenn da jemand ist und der wird gerade auf eine Musical-Schule vorbereitet, dann muss ich dem ganz klar sagen, pass auf, wir müssen noch an dem, dem, dem, dem, dem arbeiten. Aber ich werte das dann nicht, sondern ich kann dann einen Zeitplan aufstellen und kann sagen, du wirst so und so und so und so und so mit dem und dem umgehen. Und das kann ich machen. Und da bemühe ich mich, dass ich das mit mir auch so tue.

SPEAKER_01

Meine Erfahrung ist, dass dieses Bewerten, und ich bin ja bei dir, ich bemühe mich da auch stets drum. Ich habe, hatte auch was mit Verstand und dem Gefühlen zu tun in einem selber und so. Und wie man das auch miteinander trennt, dass der Verstand nicht immer die Wahrheit ist oder eigentlich gar nicht die Wahrheit, ein super Werkzeug, aber halt kann auch ein Hammer sein, ne?

SPEAKER_04

Ja.

SPEAKER_01

Und überall sind nur noch Nägel. Das funktioniert immer so lange, bis man zu seinen Eltern nach Hause kommt. Ich kann ja der ausgeglichenste sein und bin dann so voll im Zen und habe morgens meditiert und ist alles gut und so. Und dann kommt mein Vater zum Grillen und das ist dann irgendeine Stunde ganz gut. Und dann sagt er irgendwas, wo ich dann merke, da wurde wieder ein Knopf gedrückt. Und ich kann mittlerweile bewusst wahrnehmen, aber er ist trotzdem da. Und das Werkzeug rattert trotzdem. Und ich bin trotzdem im Werten. Und es gibt dann auch Tage, an denen geht es dann halt doch nicht.

SPEAKER_02

Natürlich, und es gibt ja auch Tage, da ist alles scheiße. Und das muss man ganz klar sagen. Und es gibt auch Tage, wo ich.

SPEAKER_00

Und das bewerte ich dann trotzdem nicht. Natürlich, ich bin dann trotzdem noch trotzdem.

SPEAKER_02

Es gibt eine Bewertung der Sachlage. Dann gibt es eine, und das muss man können, ja. Ich muss gucken, mit wem bin ich gerade umgeben, wen kann ich wo abholen und von wem kann ich was erwarten, nämlich von keinem. So, außer von mir selbst. Aber ich muss trotzdem die Lage einschätzen lernen. Und zwar sowohl zwischenmenschlich als auch mit Kompetenzen. Also ich weiß noch, in meiner Brust schlagen zwei Herzen, eine für die Tierwelt und eine für die Musik. Und ich habe mich ausbilden lassen zum Equin-Coach. Das heißt, das ist kein Leadership-Training, ich mag das Wort überhaupt nicht, sondern es erforscht einfach gruppendynamische Prozesse, wie in einer Herde, weil Pferde dem Menschen sehr nah sind. Es sind Fluchtiere, keine Raubtiere, deshalb kann man das mit Hunden nur bedingt. Also ich lerne sehr viel durch Alvi, muss ich sagen, aber es ist ein Riesenunterschied. Und eine Sache habe ich wirklich gelernt. Immer dann, wenn ich versuche, das Außen zu bewegen, kann es gut sein, dass ich scheitere. Wenn ich aber versuche, mich in Bewegung zu setzen, dann bewegt sich das Außen mit. Also ich beurteile eine Sachlage. Sie zu bewerten, das kann man machen nach gewissen Kriterien und das ist ein Können, um Himmels Willen. Also das sollte man, also den Verstand bitte nutzen. Es ist nur wichtig, dass der Verstand irgendwann mal auch Richtung Herz rutscht oder sich die beiden zumindest mal die Hand reichen, weil ansonsten haben wir ein Problem, weil wir halt in einer Gesellschaft leben, die dann nicht mehr gemeinsam schwingt, sondern wo jeder halt meint alleine irgendwas. Jetzt trifft dich ab in ein zu großes Thema, merke ich gerade.

SPEAKER_00

Nee, ich mach's nicht. Doch.

SPEAKER_02

Ich mach's nicht.

SPEAKER_01

Doch, tu es nicht.

SPEAKER_02

Wir nicht wissen, wie lange wir hier schon sitzen.

SPEAKER_01

Es ist völlig egal, es ist spannend. Ich bin da bei dir. Wir entfernen uns immer mehr von miteinander.

SPEAKER_02

Seine Kompetenzen kennenzulernen. Und ich mag, dass man lernen sollte, auch Dinge zu beurteilen. Und dass man die Ruhe hat, auch zu gucken, wie finde ich meinen Platz, zum Beispiel in der Gruppendynamik. Deshalb bin ich zu dem Pferden mit dem Thema Pferdecoaching gekommen. Ich glaube, wenn man gruppendynamisch die Menschen betrachtet, dann ist es wichtig, dass jeder weiß, wo er steht und welche Qualitäten er mitbringt. Und nicht immer versucht, an dem anderen die Qualitäten zu bemängeln, sondern das ist eine sportliche Herausforderung für Menschen. Aber das finde ich toll. Und das ist eine Aufgabe, der widme ich mich für mich und das will ich versuchen. Und das ist etwas, wo ich hoffe, dass es jeder auch ein Stück weit macht.

SPEAKER_01

Weiß ich nicht.

SPEAKER_02

Ob jeder die Hausaufgaben macht, weiß ich nicht, aber es wäre wünschenswert.

SPEAKER_01

Das ist das Thema mit ich habe es neulich, bitte nagel mich nicht auf die Zahlen fest. Wenn es gibt, versuche ich irgendwo Quellen unten reinzumachen. Aber irgendwo habe ich das neulich in einem Video gehört, dass wir seit 1991 so und so viel Prozent CO2 eingespart haben, wir als Deutsche. Aber die Welt so und so viel hochgegangen ist. Und das Äquivalent dazu war völlig auf Wahnsinn. Also wir sind irgendwie 10 Prozent oder 5% in der ganzen Welt an CO2, aber der Rest macht halt 95 Prozent und die haben es halt verdreifacht, während wir es halt um 30 Prozent gesenkt haben oder sowas. Also weißt du gar nichts. Und deswegen, Menschen sind einzelns Individuum, wenn wir beide uns unterhalten, jetzt wird es ein bisschen böse, aber ich sag's jetzt einfach, das ist meine Meinung. Und es ist nicht, es ist einfach Menschheit, das ist halt einfach Herdendynamik, wie du es gerade gesagt hast. Wenn wir beide jetzt hier unterhalten, können wir ein recht intelligentes Gespräch führen, zumindest subjektiv betrachtet. Okay, stehe ich mir ein. Wenn jetzt noch jemand zweites und noch ein drittes und ein viertes und ein fünftes dazu kommt, geht das auch noch, aber spätestens ab sieben wird es komisch. Es wird, ja, es wird, dann werden Menschen, finde ich, je höher die Anzahl der Menschen ist auf einem Fleck, desto dümmer wird es.

SPEAKER_02

Weil wir nicht gelernt haben, zuzuhören. Wir sind damit beschäftigt, gern das zu sagen, was wir schon kennen und was wir schon.

SPEAKER_01

Genau, und das ist der Punkt. Immer der lauteste wird immer gewinnen. Weil du kannst ein Glas Wasser haben und das ist wunderbar. Und dann schüttest du einen Schluck Cola rein, das Wasser ist drüb. Und dann musst du ganz viel Wasser nachlernen, dass das Wasser wieder klar wird. Ganz, ganz viel, exponentiell viel. Und genauso ist es auch mit Gruppendynamiken für mich. So ein Donald Trump oder andere werden immer da oben sein, weil diese attitude und dieses lauter und nach vorne und hier.

SPEAKER_02

Aber vielleicht muss es sein, dass der Mensch die Eigenverantwortung kommt, um darauf zu achten, dass bitte sein Glas Wasser nicht getrübt wird. Und es wird immer wieder getrübt.

SPEAKER_01

Das geht aber nicht im Kollektiv. Ich glaube, es sind ein bisschen zu viele Menschen, die so ein bisschen.

SPEAKER_02

Das meine ich. Es geht auf keinen Fall im Kollektiv. Deshalb nehme ich das so ernst, diese Verantwortung zu haben, dass ich mein Bestmöglichstes gebe, zu prüfen, in welchen Absichten ich Dinge sage.

SPEAKER_01

So, und das ist, da bin ich bei dir. Es gibt drei Verantwortungsbereiche. Es gibt deinen Verantwortungsbereich, es gibt den von deinem Gegenüber und es gibt den allgemeinen. Genau. Und ich glaube, du kannst nur deinen Anfang, dann kannst du Einfluss nehmen für dich selber, für dein Gegenüber, vielleicht noch ein bisschen, aber vielleicht fünf Prozent von dem, was du für dich selber machen kannst. Der Ansatz ist lüglich.

SPEAKER_02

Aber das geht zum Beispiel auch, finde ich, energetisch. Also das ist so dieses Sprichwort, wie es in den Wald hineinschreit, zu schreit, ist zurück. Und das finde ich absolut der Fall. Ich glaube wirklich die meiste Zeit tatsächlich mit einem Lächeln im Gesicht. Und ich liebe das, wenn ich jemanden damit anstecken kann. Das ist nicht immer der Fall. Es gibt auch Tage, da bin ich total. Ja, ich bin. Und es gibt, ja, ich weiß, du kennst mich da. Und dann gibt es Tage, da bin ich auch ganz arg zickig. Und Tage, wo ich gerade mit Alvi mal die Diskussion habe. Ich habe zehn Monate alten kleinen Rüden aus Rumänien adoptiert und der zeigt mir jetzt gerade, was Sache ist. So und wie ruhig ich denn wirklich bin und wie konsequent, und zwar liebevoll konsequent, nicht streng, aber liebevoll konsequent. Und wie diszipliniert, wo ich dachte, ich bin ja so diszipliniert.

SPEAKER_01

Nee.

SPEAKER_02

Nee. Manchmal nicht. Und das ist so, ich finde, bei allem, was man tut, muss man auch einfach ein bisschen, nicht ein bisschen, richtig viel Humor haben. Man braucht richtig viel Humor, um momentan mit den Weltgeschehen, um momentan auch mit den eigenen Themen, die vielleicht das Alter auch mitbringen, wo man jetzt plötzlich die Kraft hat, hinzuschauen und auch den Willen hat, ich möchte nicht Symptome irgendwie die ganze Zeit weg haben, sondern ich möchte an die Ursache rangehen.

SPEAKER_01

Okay, das sind jetzt viele Themen, die gerade aussehen. Du hast jetzt gerade, ich glaube, vier Themen übereinander geschnitten. Ich lass uns nochmal einen Schritt zurückgehen. Ja, an dem Punkt, an dem ich, an dem ich meine, und das ist wirklich, ich meine das nicht pessimistisch. Ich meine das auch nicht misanthropisch und auch in keiner Art und Weise irgendwie, dass das alles scheiße, nihilistisch wäre oder sowas. Ja, das waren schon wieder drei komische Begriffe. Aber ich bin kein, ich bin kein Krieskram, der jetzt sagt, wenn Menschen, wenn zu viele Menschen im Raum sind, sind alle dumm. Das möchte ich damit nicht sagen. Ich glaube, evolutionär, habe ich das mal gehört, sind so 150, 160 Menschen in der Sippe, in einem Stamm. Das ist das, was wir überblicken können.

SPEAKER_02

Ah ja, das habe ich auch gehört.

SPEAKER_01

Genau, da gibt es noch so eine Eigendynamik, dafür sind wir Menschen ausgelegt, so viele Gesichter, da können wir uns auch gut merken. Namen und Strukturen zusammenhänge, bla, bla, bla. Top. Da leben wir aber nicht mehr.

SPEAKER_02

Im Zeitalter von Social Media kriegen wir mit, was in China passiert. Wir kriegen mit, was in Amerika passiert.

SPEAKER_01

Und da fängt dann schon der Begriff, das wäre schon der nächste Begriff, da fängt bei mir zum Beispiel, meinem Bereich Gedankenhygiene an. Ich habe ein unfassbares Privileg, dass ich in Deutschland lebe.

SPEAKER_04

Ja.

SPEAKER_01

Muss man einfach mal anerkennen. Wir sind in Deutschland unfassbar privilegiert. Dass wir uns beschweren können über die Sachen, super, voll geil. Und dass wir auf die Straße gehen können. Alles großartig. Aber bei mir ist es mittlerweile sogar schon an der Größe, wenn du so einen gewissen ADRS-Anteil hast und dann mal da die Nachrichten und hier mal was und da mal Social Media, wie viel Scheiße auf dieser Welt eigentlich passiert.

SPEAKER_05

Wie viel Lärm.

SPEAKER_01

Wie viel Lärm. Und da fängt dann der Bereich Gedankenhygiene bei mir an, wo ich sage, so boah, ich möchte damit, da muss ich aufpassen.

SPEAKER_02

Ist das der nächste Überbegriff für uns?

SPEAKER_01

Ja, könnte man so sagen. Es gibt da Gedankenhygiene, weil man einfach merkt, hey, was tue ich mir noch an? Also was gucke ich mir wirklich an, weil die Medien, also ich bin ja so, Waschmaschinen leben länger mit Kalgo und Ding, Ding. Das funktioniert bei mir. Das geht bei mir rein und dann gehe ich rein und kaufe mir Kalgon oder kauf mir Odolmet 3 oder was auch immer, ja. Hier die Werbung, bitte. Ihr Mundspüler fast. Nee, und das merke ich schon, dass mich das beeinflusst. Und dass es dann mir schlechter geht davon. Natürlich. Und dass man sich mal, also ich versuche schon immer anzuhalten und zu sagen, sei dankbar. Und werde dir auch dessen Privileg bewusst. Ich meine, vor 70 Jahren hatten wir noch keine heißen Duschen nie dem Haus und so, das war kein Standard. Und davor gibt es uns 250.000 Jahre. Von was reden wir eigentlich? Von was reden wir hier eigentlich? Deswegen, wir sind super privilegiert. Und dafür bin ich super dankbar. Aber ich weiß auch, dass viele Menschen, und wir sind zu viele, dann oft, das führt zu Problemen. Ich habe mal gehört, sogar in U-Bahn-Schächten werden diese Pfeiler so gebaut, weil in der Panik der Mensch primitive wird. Der wird dann und dann rennen alle und rennen sich über den Haufen. Da ist keine Struktur, da ist kein, oh, warte mal, geh doch du bitte vor. Und langsam ist flüssig, flüssig ist schnell. Das macht keiner in der Panik. Wir Menschen sind in einem großen Haufen pures Chaos, pure Entropie, Zerfall, Chaos. Und deswegen, ich weiß nicht, ja, wir haben die eigene Verantwortung für uns selber. Und ich bin da auch oft in einem, ich bin da auch oft in einem sehr großen Dilemma, wo ich denke, wie weit ziehe ich die Verantwortung? Weißt du, so von meinem Verhalten. Ab wann fange ich an, gewisse verarbeitete Lebensmittel nicht mehr zu essen, weil geht der Umgang damit und so, weißt du, du bist ja auch und ernährst dich sehr vegetarisch, ne? Und das sind alles so Themen mit Eigenverantwortung in der Gesellschaft, in der wir leben. Wo fangen wir da an, wo hören wir da auf?

SPEAKER_02

Ich nehme jetzt mal einen Begriff, nur Gedankenhygiene und den finde ich sehr wichtig. Weil wir das, ähm, da glaube ich dran, dass es das Gesetz der Polarität und das Gesetz der Anziehung auch. Und da glaube ich dran. Und ich weiß einfach mit dem, was mit den Themen, womit ich meinen Geist nähere, diese Energie und Frequenz habe ich dann im Körper. Und das tue ich dann und gebe ich auch weiter nach. Absolut. Ich zum Beispiel, ich schaue nur Freitagsnachrichten. Wirklich nur freitags. Und dann finde ich es prekär und ganz arg furchtbar das Weltgeschehen. Und dann kann man auch mal an der Menschheit zweifeln. Und dann tut's weh. Und dann bin ich verstimmt im wahrsten Sinne des Wortes. Und dann gibt es aber Momente, wo ich dann sage, okay, ich kann realistisch nur mich ändern. Ich kann mich von der Frequenz und von der Energie und von dem Umgang, von der Umsichtigkeit, von Respekt and von der Dankbarkeit anders nur an mir arbeiten. Dann an meinem nahen Umfeld, Familie, Freunde, then in my system, we're in my music school, then in my mind. And these shit, die ich and mehr nicht. Danach kommt, wenn man sich widmet, eine Ohnmacht, eine Traurigkeit, eine Frustration, eine Depression and eine Lethargie. And that möchte ich mich nicht aussetzen. And deshalb versuche ich so arg voller Freude, voller Dankbarkeit und voller Umsichtigkeit, das zu machen, was ich am besten kann.

SPEAKER_01

Das ist wunderschön.

SPEAKER_02

Und das versuche ich. Und das Bild wird immer größer. Und ich also ganz ehrlich, ich bin, mein Körper hat mich dahin gebracht, dass ich mich vegan ernähre daheim. Und trotzdem liebe ich aber Pizza und ich liebe Formaggio. Ist doch klar. Also, und dann kann ich das auch mal essen. Aber ich bin dankbar und ich bin demütig. Und das heißt aber nicht weniger, dass ich damit Schaden anrichte. Also wir sind in einem Zeitalter, wo eine vegane Ernährung nach wie vor trotzdem eine Mangelernährung ist, muss man ganz klar sagen. Aber wir haben doch Lösungen dafür gefunden. Es geht einfach für ein bewusstes Leben. Und das versuche ich. Und das versucht jeder auf seine Art und Weise. Der eine hat vielleicht einfach ein Fliegt zum Beispiel nicht, der andere ernährt sich vegan, der andere hat nur Klamotten aus nachhaltigen Stoffen. Also jeder macht es so gut, wie er es kann und wie er es kann. Und deshalb versuche ich nicht mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und zu sagen, ess do jetzt mal bitte weniger Fleisch. Um Himmels Willen bin ich die letzte. But ich kann nur von mir reden. Ich habe mich immer wohler gefühlt, als ich ein Bewusstsein dafür entwickelt habe, dass ich teilweise sogar nach Farben ist. Also ich versuche zu spüren, auf was ich Lust? Was zieht mich an? And when man wirklich mal einfach mal so einen Reset-Knopf gedrückt hat am Körper, da langt einfach mal entweder Fasten oder dass man mal auf Zucker wirklich mal vier Wochen verzichtet und dann plötzlich merkt, Moment mal, so funktioniert der Körper. Wieder ein anderes Thema hat aber mit Schwingung zu tun und hat auch mit Bewusstsein zu tun. Einfach, wie wirke ich im Außen. Ich habe das auch künstlerisch versucht umzusetzen mit den Soul Sound Sessions. Kann man auch auf der Webseite nachlesen. Es war ein schönes Projekt, würde jetzt den Rahmen sprengen, aber da geht es genau um das so. Gedankenhygiene fängt dann an, wenn ich mir bewusst werde, welche Konsequenzen mein Handeln hat und mein Denken hat. Weil es fängt an mit dem Denken, get über in meine Worte, get über in meine Taten. Und mir hilft ganz ehrlich ganz viel Natur und Tiere. Authentischer könnten sie nicht sein. Und mir hilft es, dass ich ganz tolle Freunde und Menschen um mich herum habe, mit denen ich eine gute Zeit verbringe und schöne Gespräche führen kann, auch mit dir. Und da bin ich dankbar für. Und das macht Spaß. Da kannst du dann philosophieren und immer noch mehr lernen oder wirst auf, kriegst Impulse, auch nochmal über Dinge nochmal nachzudenken. Das ist toll. Also auch damit bringt man was ins Rollen.

SPEAKER_01

Ich bin bei dir. Es ist eine multifaktorielle Geschichte, gerade diese Gedankenhygiene. Und auch hier, wie alles, führt meistens immer auch so ein bisschen dann das Leid in die Erkenntnis. Also was du gerade auch vorher gesagt hast, einfach dieses, man kommt dann in dunkle Passagen, je weiter man rausgeht in die Welt und je mehr man anfängt, den Weltschmerz auf sich zu laden und nur wer das selber schon mal erlebt hat, gefühlt hat, ich glaube, dadurch lernst du erst tatsächlich, was es bedeutet, diese Gedankenhygiene für sich selber. Weil man wird sich dessen ja erst bewusst, wenn man gemerkt hat, wie scheiße es einem auch geht. Und das ist auch multifaktorell, aber das ist ein Teil davon.

SPEAKER_02

Das ist die Dualität, in der wir leben, mit hell und dunkel und richtig und so weiter. Das ist ein Teil davon. Und klein und groß. Genau. Und schwarz und weiß.

SPEAKER_01

Und es gibt diesen schmalen Grat, abwo man sich abkapselt und sagt, leckt mich alle?

SPEAKER_02

Oh, das habe ich oft. Ja, ja, aber das ist Me-Time, brauche ich ganz arg.

SPEAKER_01

Das ist in Ordnung, das meine ich nicht damit. Ich meine damit so Leute, die wirklich so Prep-mäßig dann sich einschließen, mit der Gesellschaft nichts mehr zu tun haben würden. Dann immer weniger Freunde und sowas. Und dann hören sie sich Nachrichten an und dann ziehen sie am besten noch ins Ausland. Ich hab so einen Kumpel, der ist komplett Aussteiger. Weißt du, der war bei Corona, der ist komplett raus, der hat sich rausgenommen, der hat krasseste Konstrukte und so, hat das Land verlassen und so, auch weißt du, und da merkst du, da ist so viel Schmerz, so viel Leid und so viel Angst vor dem, was da ist, weißt du? Wir haben ja drei Arten, mit Angst umzugehen: Flucht, Angriff und Erstarren. Und der ist so Flucht, total. Und das ist von außen dann, wenn du das siehst, wenn du das selber schon ein bisschen erlebt hast und bewusst darüber geworden bist und dafür aufpasst, dass das nicht mehr passiert und du siehst aber bei jemand anders, wie der dessen sich nicht bewusst wird, sondern da richtig reinfällt. Und so richtig sich abkapselt und dann über Jahre hinweg auch mit niemandem mehr richtig redet und so. Das ist schon echt, das tut mir zum Beispiel weh. Da würde ich, da kommt bei mir so ein Beschützerinstinkt, wo ich mir denke, wo ich gerne eine Hand reichen würde, wo ich einfach auch gelernt habe, auch über die Jahre, kannst du nicht.

SPEAKER_02

Es macht traurig. Das ist einfach, das ist einfach die Realität. Es macht mich traurig, jemanden zu sehen, der gerade mit seinen Themen konfrontiert ist. Und dass jeder andere Themen hat, ist klar. Und da gibt es keine Schuld und keinen Charme, sondern hoffentlich Begleiter, die einen dann so nehmen, wie man isst. Oder die auch in die Eigenverantwortung gehen können. Die, wenn ich das dann irgendwann nicht mehr anschauen kann, dann kann ich nur sagen, hey, ich bin da, wenn du was brauchst, so, aber nimm mich dann raus.

SPEAKER_01

Ja, genau. Da sein.

SPEAKER_02

Einfach da sein.

SPEAKER_01

Wenn es drauf ankommt. Das ist auch meine Erfahrung, meine Lektion.

SPEAKER_02

Und mehr kannst du nicht tun.

SPEAKER_01

Das stimmt.

SPEAKER_02

Es gibt einen anderen Bereich, der hat mit Werten zu tun und mit Stellungnahme. Und auch mit zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Blödes Beispiel, ich war in der U-Bahn und hab einfach gesehen, wie eine Frau blöd angefft wird. Und dann setze ich mich einfach neben die Frau und sage, hey, ist alles klar? Dann habe ich vielleicht ein Problem. So, ne? Oder dass wenn meine Nachbarin die schweren, die ist schon, muss man sagen, über 80, ne, dann die schweren Tüten holt und selber noch einkaufen geht, Chapeau, dann ist es für mich selbstverständlich, dass man da einfach die Tüten nimmt und sagt, Frau Holm, darf ich? Hochhelfen. So darf ich die hochtragen. Und dann kann sie auch sagen, nein, das mache ich allein, das mache ich schon seit 80 Jahren. Und dann ist auch richtig. Aber dann habe ich für mich meinen Teil der Umsichtigkeit erfüllt, indem ich gefragt habe, hey, ich frage jetzt die Dame, ob. Und das sind für mich so Grundwerte und auch Erziehungsdinge, die macht man so. Ich mag diesen Satz überhaupt nicht, das macht man so, aber da bin ich sehr dankbar, dass es meine Eltern mir mitgegeben hat, wie man sich Älteren gegenüber verhält.

SPEAKER_00

Weißt du?

SPEAKER_02

Und das ist etwas, was auch kulturell in Italien so ist. Die Nonna, die lebt dort im Haus und die wird nicht abgeschoben. Ganz ehrlich, wir haben unsere Nonna, die hat im Haus gewohnt und die war dann irgendwann trotzdem im Altersheim, weil sie da einfach besser ging, auch wohnungszähnis. Aber worauf ich hinaus möchte, ist, dass es Sozialkompetenzen gibt, die man schon haben sollte, finde ich. Und an denen man arbeiten dürfte, an Empathie, an Umsichtigkeit.

SPEAKER_01

Ich glaube, es gibt zwei Bereiche. Ich habe das auch mal irgendwo gelesen. Wenn ich Quellen finde, tue ich sie unten in die in die Beschreibung rein. Aber das Moral ist zum Beispiel eine Erziehungsstruktur, die durch die Gesellschaft, durch seine Eltern geprägt wird. Und eine Ethik, das bringt deine Seele mit.

SPEAKER_03

Genau.

SPEAKER_01

Das heißt, eine Ethik ist einfach dieses Grundverständnis davon, dass dich umzubringen, das ist scheiße. Okay, dann brauche ich kein Gesetz dafür. Was Moses den Berg runterträgt, oder das müssen mir meine Eltern nicht erklären, das sollte eigentlich, das ist eigentlich selbstverständlich in uns veranlagt. Wir haben ein tiefes Verständnis, ein ethisches, tiefes Verständnis. Das ist ja alles gut. Also du weißt, was ich meine. Also dieses tiefe ethische Verständnis, das ist immer da, so habe ich das mal gelesen, das fand ich sehr spannend. Was dazu geformt wird, ist Moral. Also in arabischen Ländern ist es okay, da hat man sieben Frauen oder Mormonen und so, das ist, so wird sind die erzogen. Das ist für die völlig normal. Oder in dem Land essen sie das und in dem Land essen sie das. Brauche ich jetzt nicht auf Beispiele eingehen, jeder weiß, was ich meine. Das ist immer das, wo mir uns dann immer, wo es dann immer schwierig wird, weißt du? Weil Moral ist einfach, es hieß auch mal, philosophisch Moral ist die Erfindung der Obrigkeit, um den Pöbel bei Laune zu halten. Das heißt, die da oben, die haben Völlerei, fressen sich voll, saufen die Kaiser und die Könige und leben und saus und brauchst und weißt du oder spätrömische Dekadenz, da wird die Feder nach dem Essen in den Rachen, damit man weiteressen kann und so, weißt du? Während da das Volk hungert. Und das ist aber gut, weißt du, dass das dich hungern. Das gehört fast schon in einen biblischen Kontext. Und das ist auch ein spannendes Thema eigentlich. Mit gerade wenn du sagst, hilft man der Frau über die Straße? Selbstverständlich. Absolut. Ist das ethisch oder ist das moralisch? In dem Fall, bei mir ist natürlich beides irgendwie gefühlt. Für mich auch. Das ist aber eigentlich schon ethisch veranlagt. Also, wenn du siehst, wie ein anderes Lebewesen leidet, glaube ich, liegt es in unserer Natur, dass wir dem helfen wollen, dass es das nicht tut. Empathie ist ja eigentlich in jedem vorhanden. Also eigentlich schon bei Babys ja auch teilweise.

SPEAKER_02

Also eine Sache ist klar, wenn wir jetzt Generationen mal überspringen und dann höre ich mir manchmal an, wie zum Beispiel mein Opa damals andere Erziehungsmaßnahmen hatte, jetzt wie zum Beispiel mein Vater, dann ist heute liebevoll in vielen Büchern ausgedrückt. Man kann nur so viel Liebe weitergeben, wie man Liebe selbst erfahren durfte. And wie man das auch gelernt hat. Und trotzdem glaube ich, es gibt eine bedingungslose Liebe, die we here auf Erden, außer bei den Tieren, noch nicht für uns ganz erfüllt haben. And we can versuchen, dem nahe zu kommen. We can versuchen Empathie zu erlernen, auch das kann man erlernen. Nehme ich mit Bewusstsein. Ich muss mir bewusst machen, dass wenn ich eine Pflanze ansehe, ich mich daran erfreue. Und wenn ich sie abschneide und in eine Vase setze, ja, klar, freue ich mich dann auch. Aber ich habe etwas getan, ich habe eingegriffen. Und genauso ist es mit dem Essen. Oder mit dem Fleischessen oder mit dem Gemüse essen. Es ist ein Sterbevorgang, das muss man ganz klar wissen. So, ne? Ich weiß es, ich habe mein Hochbeet und ich pflanze da ein und ich sehe den Prozess und dann esse ich es ja. Also, so. Und dann bedanke ich mich. So, fertig. Aber es hat was mit dem Bewusstsein zu tun, dass ich das weiß, was dieser Weg war.

SPEAKER_01

Ich glaube, Empathie bezieht sich eher auf dieses, ich kann mich reinversetzen das Gegenüber. Ich kann mich jetzt schwerer in ein Brokkoli reinversetzen wie in die Frau Hummel als Beispiel. In dem Kontext. Weißt du, was ich meine?

SPEAKER_02

Ja, und trotzdem, wenn ich.

SPEAKER_01

Wenn wir den Namen überhaupt sagen dürfen. Wie alt ist sie? Über 80. Glaubst du, sie hört Podcasts?

SPEAKER_02

Ich weiß es nicht.

SPEAKER_01

Vielleicht guckt sie sich nicht an.

SPEAKER_02

Vielleicht weißt du aber ja auch gar nicht, ob sie Frau Hummel heißt und ich habe das schon in Weise Voraussicht so genannt.

SPEAKER_01

Möglicherweise. Möglicherweise. Also Frau Hummel, ich kann mich in Frau Hummel besser reinversetzen, weil mir manchmal echt alles wehtut, wenn ich morgens aufstehe. Und dann weiß, dass es mir auch schwer fallen würde, zwei Teilen.

SPEAKER_02

Ja, stimmt, ich habe weit ausgeholt mit meinem Essen und überhaupt. Aber es hat ja nichts damit zu tun, es hat trotzdem damit zu tun, dass Empathie, finde ich, etwas ist, ja, was nicht jeder hat, finde ich. Und das weiß ich. Empathie muss man lernen.

SPEAKER_01

Genau, so. Und da ist das.

SPEAKER_02

Und das hat schon mit Wertevorstellungen zu tun und mit auch einem Vorleben zu tun. Wenn ich mich empathisch verhalte, das ist ja, wir kennen alle das Beispiel, wenn jemand sagt, oh, dann kommen die anderen auch, was ist da passiert? Und ich meine jetzt nicht die Unfallgucker auf der B27, sondern tatsächlich, dass etwas, was berührt und ich zeige mein Berührtsein von einer Thematik, kann jemanden dazu bringen, das auch zu spüren.

SPEAKER_01

Ich hab eine philosophische Frage noch zum Thema Musik, was mich auch interessiert, was deine Meinung dazu ist. Wir haben hier in der westlichen Welt, ich bin mir nicht sicher, ich rede jetzt wahrscheinlich wirklich, also es könnte gut sein, dass ich Schwachsinn rede, aber irgendwo war mal jemand, der gesagt hat, also pass auf, das sind jetzt hier diese acht Ganztonschritte und diese fünf Halbtonschritte und vier und je nach Tonart, ne, zistis, fisk und so. Yeah, wurscht. Yeah, whatever. Und wir bewegen uns in diesem Bereich. Und das ist die Musik, die wir machen mit diesen Tönen. Wenn du jetzt zum Beispiel in die arabischen Länder gehst, da wird es spannend. Die haben zum Beispiel ganz andere Halbtonschritte. Die gehen auch Herzfrequenzen teilweise. Das sind ganz andere Tonleiter und auch andere Töne.

SPEAKER_02

Auch andere Laute.

SPEAKER_01

So. Und das heißt, das eine ist die Musik in der Welt und die Chinesen zum Beispiel oder die Japaner, die arbeiten auch sehr viel mit Pentatonik, wir gehen jetzt nicht zu tief rein. Pentatonik ist eine sehr universelle Sprache. Das hat man Bobby McFerrin auch mal gezeigt in so einem Ding. Aber das ist alles so recht verbunden miteinander. Auf der ganzen Welt, also die westliche Welt. Aber das sind ja nicht alle Frequenzen, das sind nicht alle Töne, die es gibt. Ich muss mich da auch nochmal damit auseinandersetzen.

SPEAKER_02

Dann gibt es noch die Solfento.

SPEAKER_01

So, genau, richtig. So, und das ist eigentlich, also was ich damit sagen will, ist, wir hören hier Musik und mit der machen wir schon brutal viel. Wir machen von, ich sag's jetzt ganz vorsichtig, von Schlager oder von Kinderliedern, okay. Ich mach Kinderlieder, Kinderlieder bis hin zu Jazz und klassische Musik, die, also Vivaldi oder Bach Mozart, alles mit diesen zwölf Tönen gemacht. Aber es gibt ja viel mehr. Die hören sich für uns halt bloß irgendwie an. Aber.

SPEAKER_03

Das stimmt.

SPEAKER_01

Ja, genau. Aber so Dode Kakophonie, Zwölftonmusik oder so, von Schumann und sowas, wo du denkst so, jeder Turm muss einmal erscheinen, bevor der andere wieder so kommunistisches Musikprinzip. Theoretisch geil, praktisch.

SPEAKER_02

Why?

SPEAKER_01

Warum macht jemand sowas? Was glaubst du, was glaubst du, glaubst du, das ist eine natürliche Harmonie, die da entstanden ist und die bei uns einfach funktioniert? Oder würdest du sagen, nee, das ist halt irgendwie so passiert in der Menschheitsgeschichte? Und aber wir, wir enthalten uns da was total krasses.

SPEAKER_02

Also ich mach's jetzt ganz einfach, ich wurde einfach da hineingeboren. Ja, ich auch.

SPEAKER_01

Deswegen, wenn du mit Queen aufwächst und meine Entstehung.

SPEAKER_03

Ich bin mit Clear Dance Clear Waters aufgewachsen.

SPEAKER_02

Und mit sardischer Musik und mit Popmusik. Ja. Und klassische Musik hat mich immer zutiefst berührt und bewegt. Und ich habe durchs Klavierspiel meiner Mutter und auch als ich Klavier angefangen habe zu spielen, wurde ich erstmal an die klassische Musik herangeführt. Ich bin total traurig. Eigentlich hätte ich wäre ich da auch gerne länger drin geblieben. Aber mein Weg führte mich in die Popularmusik und in das Singer-Songwriter gut. Und es fasziniert mich, wenn ich Musik höre, die jetzt mehr Frequenzen spielt. Ich finde es unfassbar großartig, dass es das gibt und dass man auch das immer wieder tun sollte, so eine Musik zu hören und sich da wirklich auch mal dafür zu öffnen.

SPEAKER_01

Wir sind ja nur nicht gewohnt. Exakt. Deswegen hört es sich für uns ja komisch an. Aber per se ist es ja nicht komisch, eigentlich. Ich finde es nicht komisch, ich finde es schön.

SPEAKER_02

Es ist ungewohnt. Das ist so wirklich. Und das meine ich. Und auch wieder die Frage, in welcher Absicht man Musik hört. Es ist gerade Hintergrundmusik, ist gerade Berieselung, bin ich bei dir. Will ich in eine andere Zeit rutschen, möchte ich Musik gerade hören, weil ich mir was aneignen möchte und gucken will, wie das Arrangement ist. Es gibt so viele Arten, Musik wirklich aufmerksam zu hören. Ich habe einen Schallplattenspieler und lieb es, dass du mal eine Schallplatte komplett anhörst und dann macht es, wenn es fertig ist und fertig. Und ich habe einen CD-Spieler noch in meinem Auto und ich find's voll geil.

SPEAKER_01

Gibst du, du stehst an dem Ding und machst du, oder? Das wäre das allererste, was ich tun würde, wenn du. Genau. Voll gut. Okay, ja. Ich habe Mama so eine total verrückte Theorie, Musik macht damit uns was, Musik macht eine Schwingung, Musik ist eine Frequenz. Wir haben ja sogar mal dort den Kammerton mal von 430 auf 440 angehoben.

SPEAKER_02

432, ja. Das ist eigentlich prekär, weil das eine bewegt das Herz und das andere bewegt den Kopf. Und in einer Wirtschafts- und in einer recht kapitalistischen Gesellschaft.

SPEAKER_01

Ja, und das ist verrückt. Das ist total crazy. Und man weiß es mittlerweile auch. Und es ist auch wieder voll im Common auf YouTube. Gib mal allein, 432 Herzmusik. Es ist, alle machen die Musik wieder runter.

SPEAKER_02

Ich habe meinen Klavierstimmer gefragt, ob wir das nicht machen können. Und er ist so, Katrin, das macht doch gar keinen Sinn. Und wenn du da mit einem Gitarristen spielst, dann kannst du ja gar nicht mehr spielen. Ja, hat er recht. Also wir sind niemals so gestimmt.

SPEAKER_01

Mir egal.

SPEAKER_02

Ich habe eine Gitarre, die so gestimmt ist. Und das ist okay. Und mit der spiele ich und das macht etwas mit mir.

SPEAKER_01

Ich auch.

SPEAKER_02

Und das ist voll schön. Und da kann man dran glauben oder nicht, man muss es einfach erleben und erfahren. Und dann kann es sein, dass es jemanden da auch anders berührt oder anders in Bewegung bringt. Aber ja.

SPEAKER_01

Wir werden es nicht feststellen. Ich kann es jetzt auch nicht nachweisen. Auch nicht, ob wenn wir mehr schiefe Töne hören, subjektiv schiefe Töne hören würden, ob wir dann vielleicht psychologisch uns weiterentwickeln würden, schneller. Wenn man das ist. Keine Ahnung, was das machen würde. Frequenz macht ja viel aus. Also du hast jetzt vorher von diesem Pferdecoaching geredet. Du hast auch das Lichtenberger-Institut und auch alle möglichen anderen Sachen. Gib mir mal ein Quick Overview, weil ich habe tatsächlich, ich bin ganz ehrlich, ich habe über die Jahre den kompletten Überblick verloren.

SPEAKER_02

Okay.

SPEAKER_01

Was hast denn du eigentlich alles jetzt? Ich weiß, gesellschaftlich, Diplome in der Wand, aber du hast das ja alles gemacht. Das ist ja Wissen, das ist ja.

SPEAKER_02

Ja. Also primär hat man das, glaube ich, für sich selber gemacht, muss man ganz ehrlich gesichert.

SPEAKER_01

Das hast du alles gemacht, weil ich, das ist ja brutal, was du. Ich war aber einmal dabei bei diesem Pferde-Coaching. Ich habe das ja mal mitgemacht. Ich fand das super spannend.

SPEAKER_02

Ich fand es auch mega, dass du mitgekommen bist.

SPEAKER_01

Ich bin offen. Ich habe mit Pferden gar nichts zu tun, aber du hast gesagt, ich bin. Hammermäßig. Ja, ich gehe zu dem Coaching, da lernt man das Pferde spüren, was du ausstrahlst. Und das komm mit und ich.

SPEAKER_02

Pferde spiegeln, was du ausstrahlst. Genau.

SPEAKER_01

Also wenn du, wenn die merken, du hast Schiss und du kannst sie nicht führen, dann hören die auch nicht auf dich.

SPEAKER_02

Also ich muss ja ein bisschen ausholen.

SPEAKER_01

Ja, gerne.

SPEAKER_02

In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Und zwar schon immer für Tiere und Natur.

SPEAKER_01

Hast du vorher gesagt, ja? Genau.

SPEAKER_02

Und für Musik. Und ich bin an einen Punkt gekommen, wo ich einfach gemerkt habe, gruppendynamisch habe ich keine Stabilität. Ich finde gerade meinen Platz nicht. Das kann in der Band sein, das kann im Freundeskreis sein. Ich habe mich einfach dabei ertappt selber, dass ich manchmal anpasse. Ein Stück weit finde ich das ja eine tolle Qualität. Ich habe auch, das Thema war schon mal Thema. Das war 2011, als ich das Lied Chameleon geschrieben habe auf meiner ersten zweiten Platte. Und ich finde es deshalb spannend, weil ich irgendwann mal dachte, jetzt komm, jetzt gehst du mal an die Thematik ran. So, inwieweit ist es eine Qualität und inwieweit ist es Selbstbetrug? Und versuche ich irgendwie das Außen zu bewegen und ein Verständnis aufzubauen. Bitte versteht mich. Ohne wirklich meinen Standpunkt und meine Position einzunehmen. And ich bin darauf gekommen über eine Freundin, die gesagt hat, Katrin, ich habe mich als A Queen Coach ausbilden lassen. And that hört sich jetzt total spannend an. Es ist nichts anderes als wirklich Tools an die Hand zu bekommen, wie man selber spürt, wo man steht, wie man wirkt, was man ausstrahlt und in welcher Absicht man Dinge tut. Im besten Fall nimmt man sich da tatsächlich Pferde hinzu. Denn sie spiegeln ein, sie sind Herdentiere und Fluchtiere und prüfen akribisch genau, in welcher Absicht du kommst, erstens, und ob du das Potenzial hast, sie zu führen. Und wenn du sie einfach nur dahin ziehst, dann kann ich dich enttäuschen, so ein 500-Kilo-Tier kannst du nicht ziehen. Da komme ich an meine Grenzen. So, ein anderer auch. Es braucht tatsächlich viel Liebe und viel Selbsterkenntnis und auch ganz viel, ich würde sogar sagen, Korrektur, wieder Adjustment mit sich selber, um zu begreifen, wow, wann mache ich gerade People pleasing? Ja, und locke das Pferd. Ja, komm, ja komm, ne? Und wann bin ich mir einfach meines Planes so bewusst, dass ich sage, hey, ich lauf da hin, kommst du mit? Und das war wichtig, es war wichtig im musikalischen Sinne, im Team Persönlichkeitsbildungsprogramm. Absolut, ja. Nur habe ich dadurch viele Tools an die Hand gekriegt. Richtig viele Tools. Und da geht es auch ins Psychologische hinein, ins Begleiten. Und ich habe versucht, es in mein musikalisches Lehren mit einzubinden. Dass ich musikbegleitend und klangbegleitend jemanden ein bisschen näher zu sich selbst bringe. Irgendwann habe ich festgestellt, dass jeder blinde Flecken hat. Oder irgendjemand bei bestimmten Frequenzen anfängt einfach auch zu weinen, weil er tief berührt ist und sich dann fragt, warum? Ich weiß gar nicht, warum ich jetzt weine. Das Thema tangiert mich gar nicht. Und dann habe ich mich für Frequenzen interessiert und habe angefangen mit Stimmgabeln und Klangschalen zu gucken, was macht es im Körper in welchem Bereich, mit welcher Stimmung tatsächlich. Und wie hilft Schwingung und bestimmte Frequenzen, dass man aus seiner Verstimmung kommt, sozusagen. Durch Stress, durch Druck, durch Verspannung. Klar kann man da auch zu Masseur gehen, andere gehen zur Akupunktur, aber ich fand es immer furchtbar, weil ich dann für mich feststellen durfte, auch in diesem Fortbildungsgang, wie toll ist das, dass du nicht invasiv arbeiten musst, sondern einfach eine Stimmgabe drauflegst und diesen Bereich, diesen Akupunkturpunkt beschwingt. That's the first one that was with an interesse angefangen, a personal nature. That she then ausgebaut, gefestigt, and then we have. Irgendwann was by the thematic, I tell you one or two friends, in the house. I have beschäftigt and this organ a pendantkörper hat, which man as Hilfe stellar nehmen kann. It comes aus der trauma-integrierten Pädagogik. And tatsächlich, ich als Gesangslehrerin, habe dann gelesen, der Kehlkopf hat sehr viel mit dem Becken zu tun. And ich hatte dann im Gesangsunterricht ein bis zwei Kandidaten, wo ich dachte, wow, ich möchte gar nicht so arg an den Kehlkopf rangehen oder so arg an die Körperhaltung and immer sagen, was sie zu tun haben, sondern möchte sie spüren lassen, wo vielleicht eine Comfortzone is, welche nicht triggered and welche dem getriggerten Bereich zeigen kann, wie es erlöst werden könnte. Also der Körper learned in einen Selbstheilungsprozess to get, in dem er erstmal learned to feel and it to feel and a pendant has quite the good drauf legt. I don't know if it's this rich ausgedrückt.

SPEAKER_01

I think I can find it.

SPEAKER_02

I have got it. The music, the frequency, and the art of fragrance pedagogy. Simple ausgedrückt, I have music and I feel people doing their hands, in demand the rich frame stuff, recht buildhaft and recht physiological. For me, I have this process erleben dürfen. Der trauma-integrierten Pedagogik oder auch der.

SPEAKER_01

This is eh meine größte Erfahrung gewesen. Ich war ja auch bei Coachings in meinem Leben schon alles mögliche. And immer when du selber erst erlebt hast.

SPEAKER_02

Dann erst kannst du überhaupt. And manche Dinge macht man auch einfach for sich selber. Das heißt, also in meinem Unterricht ist ein klassischer Gesangsunterricht bei mir und with viel, viel, viel Input aus dem Lichtenberger Institute, hauptsächlich geschmückt mit einer Frage pedagogic. Und mein Ziel ist, die Stimmfunktion nicht zu stören, sondern wirklich auch verschiedene Stilmittel an die Hand zu gemacht und dass jemand wirklich mit der Stimme im Körper Platz nehmen lernt und gerne und vertrauensvoll sich nach außen zeigen.

SPEAKER_01

Aber da sind wir jetzt wieder beim Anfang vom Podcast. Das ist ja schon echt wirklich eine Mischung aus die Reise zu sich selbst auf einer psychologischen Ebene. Also so ein Gesangsunterricht, also ja klar, man nimmt Strohhalm in den Mund und macht und macht ein bisschen Gesangsüber und Klavier. Das ist das eine, was man so kennt, wenn man über Gesangsunterricht nachdenkt. Das, was die meisten an dem Bild im Kopf haben und so. Aber das, was du ja auch beschreibst und das, was du auch machst, ist ja schon sehr, sehr tiefgehend seinen eigenen, seine eigene Stimme zu finden und sich selber richtig kennenzulernen. Und das ist ja schon auch nochmal ein bisschen eine andere Nummer. Kann man eigentlich schon sagen, oder?

SPEAKER_02

Ich kann mich glücklich schätzen, dass sich Menschen mit mir auf diesem Weg begeben und Lust haben, sich so in dieser Tiefe ergründen zu wollen.

SPEAKER_01

Die Schüler, die du hast, die hast du ja teilweise seit zehn Jahren. Das ist ja auch brutal. Also bei dir wechseln ja, also bei uns in der Schule jetzt hier wechseln ja, keine Ahnung, ich glaube, da haben jetzt vier Schüler oder so gewechselt in zehn Jahren oder fünf, wenn es hochkommt. Das ist ja auch so. Die Leute, die bei dir dann sind, die sind sehr, sehr, sehr lange bei dir. Du begleitest die ja über so einen richtigen Prozess.

SPEAKER_02

Also ich schick sie ja auch immer gelegentlich weg und sage immer, macht Workshops, keine Sorge, ich schicke sie nicht aus der Musikschule. Aber ich sage immer, es gibt viele Wege nach oben. Und es ist halt die Frage, möchte man sich die Blumen anschauen, möchte man sich auf die Weide setzen, möchte man die Aussicht genießen, möchte man den sportlichen Aspekt sehen und alles darf. Und wenn ich jemanden habe, der jetzt durchweg Skalen singen möchte, dann schicke ich ihn zu einer Kollegin, weil ich das zum Beispiel gar nicht mache. Ich mache es auch, aber nicht so intensiv. Und dann ist es wirklich so, dass jeder Unterricht individuell ist. Also grundsätzlich ist es recht einfach ausgedrückt, die Schulung, die Stimmfunktion und die Stimmlippenbewegung in eine richtige Bahn zu lenken, dass man nicht heißer wird, dass man einen brillanten, klaren, hochschwingenden Klang vollzieht. Und ich glaube, allgemein geht es um Stimmung. Stimmung mit sich selbst, Stimmung im Außen, Stimmung mit Themen. Und ich finde es schön, wenn man ein Werkzeuge kriegt, eine Verstimmtheit wieder aufzulösen. Und wenn wir es aber jetzt ganz schön an dem Beispiel sehen, was du vorhin gesagt hast, dass es verstümmte Töne auch ganz auch schön sind, dann ist es toll, dass es das braucht auch. Es braucht ein Verstimmtsein, damit ich merke, ach, jetzt bin ich wieder in Stimmung. Und deshalb mag ich Musik. Und deshalb mag ich es auch, dass Menschen in völlig unterschiedlichen Lebensphasen sind und sich gegenseitig begleiten können und Impulse geben können und dass jede Art von Lebensphase, glaube ich, auch eine gewisse Tiefe mit sich bringt. Oder auch mal einfach nur Spaß und Rock'n'Roll und Reiselust und dann wieder ein bisschen Ego auf der Motorhaube. Und so sind es halt, so ist eben das Leben.

SPEAKER_01

Gibt es eine Frage, die du dir gewünscht hättest, dass du dir gestellt wird heute?

SPEAKER_02

Mir?

SPEAKER_01

Ja, aber die nicht gestellt wurde, wie es musikalisch weitergeht. Okay, wie geht es musikalisch weiter bei dir? Ja, ich hab's nicht auf dem Stamm gehabt, aber du hast recht. Wir haben jetzt.

SPEAKER_02

Also ich habe jetzt tatsächlich in meinem, ich habe angefangen mit einer EP mit Katrin Mede und Band und dann ging es weiter zu meinem Live-Album und dann ging es weiter zu meinem ersten Deutsch-Pop-Album. Damals mit dem Schlagzeugwechsel mit Alex Menicini. Und dann habe ich mit Alex Menicini die Band Kanda gegründet. Das war schön, mit Jörg Orlamünder. Und das hat total Spaß gemacht und da haben wir jetzt auch die zweite Person. Platte aufgenommen und die soll natürlich auch nach außen getragen werden. Da sind wir dran. Und trotzdem habe ich gerade den Impuls, ganz arg wieder eine Solo-Platte zu machen. Und das möchte ich angehen. Und da wird es tatsächlich um all diese Themen gehen. Also es geht um die Vergangenheit, es geht um die Zukunft, es geht um das Miteinander, es geht um Philosophie, es geht um die Natur, wie sie sich ihren Weg bahnt.

SPEAKER_01

Man könnte also sagen, du verarbeitest den kompletten Podcast auf dem Album.

SPEAKER_02

Voll schön gesagt. Vielleicht. Who knows? Wir werden es sehen, ihr müsst dann reinhören. Nee, tatsächlich ist das jetzt gerade so ein bisschen der Weg.

SPEAKER_01

Ich bin auch echt gespannt. Ich muss dir auch sagen, mein Compliment. Kanda habe ich ja damals mitbekommen, als es dann so auf einmal war halt nicht mehr Katrin Madden oder Katrin Madden Bands, sondern du hast dann plötzlich so einfach dieses Ego auf den Rücksitz gespannt und gesagt, ich habe jetzt einfach Kanda. Und da kam was raus, was ich echt nicht, das habe ich nicht erwartet. Also es war richtig cool, es war richtig schön. Und auch mit dem Alex kenne ich ja auch schon eine Weile, schon sehr lange sogar. Und dass der dann da auch plötzlich angefangen hat zu rappen und so bei Liedern oder so da hinten. Also das hat total, war richtig neugierig dann auch. Mich wundert es, dass du, dass das nicht im Radiohoch in Runde gelaufen ist. Es war wirklich gute Musik. Es war einfach, oder es ist gute Musik, einfach tatsächlich. Es war gut produziert, es ist gute Musik.

SPEAKER_02

Es ist gut produziert.

SPEAKER_01

Ja, es ist gut produziert und es ist gute Musik. Und man kann wirklich, man muss es auf jeden Fall mal reinhören. Gerade Rückenwind zum Beispiel finde ich einfach immer noch eine coole Nummer. Und bei Alina, bei meiner Frau, da lief das auch in der Playlist letzten Sommer zum Beispiel, wo wir im Urlaub waren, lief das hoch und runter. Cool. Und das hat ja auch echt lange Ohrwurm. Also sehr, sehr gut. Cool. Finde ich schön.

SPEAKER_02

Also das sind so die Pläne. Also ich hoffe, mich weiter fortzubilden nach wie vor. Und alle Themen, die ich spannend finde, die finden mein Majetie, weil ich grabe. Dann auch so eine Fortbildungsreihe oder Seminarreihe. Aber jetzt erstmal habe ich meinen Hundewelpen und vor, dieses Solo-Album aufzunehmen.

SPEAKER_01

Die letzten zwei Fragen. Ein Tipp für jemanden, der jetzt auch anfängt, Musik zu machen, so in deiner Situation von damals, was für den wichtigsten Tipp oder Tipps, wenn du willst, würdest du dir mitgeben? Oder ihr?

SPEAKER_02

Tatsächlich, sich selber treu zu bleiben und sich mit der Musik und auf anderen Bühnen, wenn man eingeladen wird, umsichtig zu verhalten. Zu berücksichtigen, dass ein Tonmann, ein Toningenieur, ein Lichtmann, ein Veranstalter, ein Gastronom, dass ganz viele Menschen an so einer Veranstaltung beteiligt sind. Und dass man da gemeinsam den Abend gestaltet.

SPEAKER_01

Schöner Tipp. Ich würde da sogar gerne noch was ergänzen. Der Tonmann ist der wichtigste Freund von dir. Denk daran. Wenn du dich mit dem nicht, also ja, mit dem musst du dich verstehen. Sonst klingt's scheiße. Wortwörtlich. Gut, und der Tipp fürs Leben. Fürs Leben aus deiner.

SPEAKER_02

Humor. Ach, bitte ganz viel Humor. Ganz viel Musik, äh, ganz viel Humor, Musik und Pasta. Genau.

SPEAKER_01

Ganz viel Humor, Musik und Pasta. Finde ich richtig gut. Und vor allem für eine sizilianisch-blütige Dame.

SPEAKER_02

Sardische, such dir was aus. Ich glaube, ich bin zu 50% Deutsch, 25% Sizilienisch und 25% Sardin.

SPEAKER_01

Okay, alles klar. Das heißt, Musik, Humor und Pasta.

SPEAKER_03

Ja.

SPEAKER_01

Finde ich richtig gut. Katrin, vielen, vielen Dank, dass du da warst. Ich bin mir sicher, wir werden bestimmt nochmal eine Folge mal miteinander machen, wo wir dann über die Themen reden, wo du heute nicht reden wolltest. To be continued.

SPEAKER_03

Definitiv bin am Start.

SPEAKER_01

Und genau, ich bin gespannt. Vielen Dank, dass du da warst.

SPEAKER_06

Danke.