Ego Unplugged

Musik als Überlebensstrategie – Andreas Kümmert im ehrlichen Gespräch

Sebastian Walker

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0:00 | 1:45:36

Was passiert, wenn dein größter Traum wahr wird – und dich gleichzeitig zerstört?
In dieser Folge von Ego Unplugged spricht Andreas Kümmert so offen wie selten über seinen Weg:
vom gefeierten „The Voice“-Gewinner über den Absturz mit Drogen und innerem Druck – bis hin zu einem echten Neuanfang als Vater und Mensch.
Es geht um:
– Mobbing in der Jugend und Musik als Überlebensstrategie
– den plötzlichen Erfolg und was er wirklich mit dir macht
– die Schattenseiten von Ruhm, Erwartungen und Öffentlichkeit
– Drogen, Absturz und der Kampf zurück ins Leben
– warum „gesehen werden“ nicht dasselbe ist wie „echt sein“
– und wie man wieder zu sich selbst findet
Ein Gespräch über Wahrheit, Schmerz, Ego und das, was bleibt, wenn der Lärm leiser wird.
🎧 Für alle, die spüren, dass Erfolg nicht alles ist – und dass echte Veränderung von innen kommt.

Kapitel:
00:00:00 Intro
00:01:10 Kindheit & der Ursprung der Musik-Leidenschaft
00:01:55 Guns N’ Roses mit 6 – der Wendepunkt
00:03:00 Erste Bands, Schlagzeug & Nirvana-Phase
00:07:43 150 Shows im Jahr – Leben als Straßenmusiker
00:09:09 Alltag zwischen Musik, Kindern & Realität
00:10:23 Beziehung & warum Musiker oft scheitern
00:15:21 „Die große Liebe gibt es nur einmal“
00:17:25 Mobbing, Gewalt & Musik als Überlebensstrategie
00:25:39 Bühne, Trance & wenn die Verbindung fehlt
00:27:32 Eskalation: Streit, Anzeige & Ausnahmezustand
00:31:23 The Voice – der Weg auf die große Bühne
00:42:51 Über Nacht berühmt – Leben komplett verändert
00:46:24 Drogen, Absturz & der Preis des Erfolgs
00:53:16 Neuanfang: Liebe, Kinder & kompletter Cut
01:00:01 Erfolg, Druck & Eurovision-Eskalation
01:03:07 Hass, Panikattacken & psychischer Zusammenbruch
01:08:07 Der Moment: Warum er Nein gesagt hat
01:11:14 Therapie, Angst & zurück ins Leben
01:20:13 Bühne trotz Angst – warum Musik heilt
01:22:08 Was Erfolg heute wirklich bedeutet
01:24:20 Umgang mit Kritik & Social Media
01:28:28 Tipps für Musiker: Der echte Weg
01:31:31 Die wichtigste Erkenntnis über das Leben
01:33:22 Outro

Andreas Kümmert :

SPEAKER_01

Ich fange einfach an schnacken. Ich weiß nicht so genau, wann ich direkt reingehe. Ah, so, ja, wir hören uns gut. Super. Ja, ist richtig gut. Ich mache immer noch so einen kleinen Timer an, damit man so ein bisschen Überblick hat. Weil Mama verliere ich mich, aber ich habe so das Gefühl, so bei maximal zwei Stunden geht mein Hirn bei mir Feierabend. Okay, ich habe jetzt mit einer gerechnet, aber. Genau. Ich habe auch schon eine gemacht und hab dann auch gemerkt, es reicht auch so. Das muss jeder für sich selber dann wissen. Du sagst einfach, wenn es ja auch zu viel wird. Ja, easy. Okay. Cool, sind wir richtig drauf. Du bist gut im Winkel. Ja, bei dir sieht es gut aus. Dein Glas würde ich, wenn es okay ist, hier hinstellen. Das ist, glaube ich, cooler. Ich habe ein bisschen was hier drauf.

SPEAKER_02

Kohlewinkel, okay.

SPEAKER_01

Cool. Gut angekommen, ja? Ja. Ja. Zweieinhalb Stunden hast du gesagt, ne?

SPEAKER_03

Genau, zweieinhalb Stunden Anfahrt. Viele Blitzer hier in der Uni. Das ist eine Kartal.

SPEAKER_01

Ja, absolut. Tatsächlich, wenn du von hier nach Nuttingen Richtung Stuttgart fährst, dann ist er hier in jedem Ort ein 30er Blitze. Die haben alles zur 30er-Zone hier gemacht. Klar. Das bringt halt Geld, ne? Das stimmt auch wieder. Ich hab, ich würde tatsächlich mal easy anfangen. Ich überlege gerade, ob ich von der einen Seite anfange. Ich fange von der einen Seite an. Wie kamst du zur Musik? Wie hat das bei dir angefangen? Was waren so die ersten Berührungspunkte bei dir mit der Musik?

SPEAKER_03

Also die ersten Berührungspunkte waren in meiner Kindheit. Mein Vater hat eine große Plattensammlung gehabt und ich hatte da sehr früh Zugang zu und konnte da frei drüber verfügen, auch wenn er auf der Arbeit war und so und konnte mir halt alles durchhören. Das waren so die ersten Berührungspunkte, da war ich so fünf, circa. Und dann irgendwann bin ich mit meinem Vater in den Plattenladen gegangen und er meinte, ich darf mir was aussuchen. Und dann habe ich so rumgeguckt und da ich nichts kannte, weil ich konnte halt auch nicht lesen und so, habe ich mir eine Kassette ausgesucht nach dem Cover Artwork. Okay. Und das war die Use Your Illusion One von Guns N' Roses. Und die habe ich dann gesagt, Papa, die will ich. Dann habe ich die zu Hause angehört und das hat so ziemlich alles verändert eigentlich für mich. Wie alt warst du da? Da war ich sechs. Mit sechs? Ja. Ich kann mich da gar nicht dran erinnern. Mit sechs schon. Ja, ich hab halt. Wahnsinn. Ich hab sonst so, ne, bin ihr mit Blümchen und so. Kann ich auch noch.

SPEAKER_00

Leonie Löwen hat es gesagt. Ja, genau. Die ganzen Roses mit Sex ist angestellt.

SPEAKER_03

Das hat wirklich so ziemlich alles verändert. Das war wie so, es hat sich offenbart für mich. Ja. Auch wenn man das vielleicht in dem Alter noch nicht so konkretisieren kann und auch noch nicht so ausdrücken kann. Aber ich wusste, das ist genau das, was ich machen will. Weil das einfach, ja, das hat halt mit der Gehirnchemie irgendwas gemacht. Da war Wut, da war irgendwie Ausdruck in der Mucke, ne? Und das war beängstigend, das hat einem Angst gemacht, so als Kind, aber auch, es war so anziehend, auch so wie ein Horrorfilm, so ein bisschen. Also beängstigend und, aber faszinierend halt. Und da habe ich angefangen, so dann in der Grundschulzeit, mir so halt Bücher irgendwie von meinem Vater besorgen zu lassen und auch so Rockzeitschriften, was war das damals, die Rock Hard und solche Sachen. Hab angefangen, da immer rumzulesen und zu gucken. Und ja, hab mit neun Jahren angefangen, Schlagzeug zu lernen. Mit neun. Mit neun, ja. War dann natürlich ein riesen Mad Sorum-Fan, weil der halt die User Illusion-Platten eingetrommelt hat. Und ja, dann so mit 12, 13 habe ich Unterricht bei einem anderen Schlagzeuglehrer gehabt, der mich dann auf Nirvana gebracht hat. Und dann war so, das hat auch meine komplette Jugend angeprägt. Welches Bauer bist du?

SPEAKER_01

86. 86, das heißt, als du. Ja, das heißt, Nirvana war bei dir, wie alt warst du? Da warst du so 8, 9, 10 und dann war ja Nirvana schon so für zwei, drei Jahre am Start. Die waren gerade so richtig groß, so zu der Zeit dann, ne?

SPEAKER_03

Ja, also ich glaube, ich bin erst auf die gekommen, wie gesagt, da war ich so 12, 13, da war der, da war der Cobain schon tot. Das war so 98, 99, so bin ich dann auf die.

SPEAKER_01

Ich muss eingestehen, auch wenn, wenn ich damit jetzt vielleicht Unmut auf mich ziehe, aber die Crunch-Zeit, ich hatte ein bisschen Soundguarden, so, das war schon so meins. Chris Cornell habe ich auch später mit Audioslave und so super gefeiert. Aber Nirvana, in meiner Klasse gab es so eine Clique. In einer Folge hatte ich auch die Daddy Leni mit der Metallica ACDC, so Rock'n'Roll und auch ganzen Roses und so. Und dann gab so die andere Clique, das war so Nirvana und Jimi Hendrix und so. Und ich hatte damals nicht so die Berührungspunkte damit. Aber bei dir war das schon, du also du bist von, weil das ist untypisch so für mich, finde ich, von ganzen Roses zu Nirvana dann rüber.

SPEAKER_03

Ja, wie gesagt, das war so lehrerspezifisch dann. Ich habe halt dann einen relativ jungen Schlagzeuglehrer gehabt. Der war, da war ich, wie gesagt, 13, der war vielleicht 20 oder so und hat halt, war halt riesen Nirvana-Fan und hat mir ganz viel Musik gezeigt, auch so Silver Chair und so Zeug. Okay, cool. Und ja, das hat schon, war schon prägend.

SPEAKER_01

Dave Grohl war natürlich auch schon eine Hausnummer. Ja, mega, mega Trummler. Ja, absolut. Ja, crazy. Und das war aber Schlagzeug und du hast ja dann irgendwann noch Gitarre angefangen, ne? Aber wie alt warst du bei Gitarre?

SPEAKER_03

Das dürfte so um die Zeit gewesen sein, wo ich eine Wana entdeckt habe, so 12, 13.

SPEAKER_01

Das heißt, du hattest Schlagzeugunterricht und hast dann auch Gitarre gleichzeitig gelernt.

SPEAKER_03

Ich habe so meine ersten Bands oder Bandversuche halt gestartet. Und der Gitarrist hat sein Equipment bei uns gehabt, immer im Keller. Wir hatten so einen Probekeller, zum Glück bei uns zu Hause, das war möglich. Und mein Bruder hat irgendwann, ich habe einen kleinen Bruder, der hat irgendwann eine Gitarre, so eine Kindergitarre bekommen, so eine, was weiß ich, wie man die nennt, so Dreiviertelgitarren halt. So eine klassische Gitarre. Und der hat aber überhaupt kein Interesse daran gehabt. Und ich habe mir die dann genommen irgendwann und hab versucht, halt darauf mir Sachen rauszuhören, so autodidaktisch und halt nach Gehör. Ein hab ich das in Nirvana Anplugged bekommen, irgendwo her, und hab da halt, ne, da ist der erste Song ist halt sind halt zwei Akkorde nur, die Strophe, ne? Und das hab ich dann angehört, ich habe das dann angefangen, mir reinzuziehen die ganze Zeit und hab Unmengen Zeit da reingesteckt, mir das selbst rauszuhören. So, ich hatte jetzt nie wirklich Gitarrenunterricht oder so. Wo kam der Gesang dann rein bei dir? Der Gesang kam auch ungefähr zu der Zeit. Wir waren eine Punk-Band, da habe ich noch Schlagzeug gespielt eben in der Band. Und wie gesagt, der Gitarrist hat sein Equipment immer da gelassen und so. Und da habe ich halt rumprobiert. Neben der Akustikgitarre von meinem Bruder. Und keiner wollte so wirklich singen.

SPEAKER_02

Ja, okay.

SPEAKER_03

Und ich hab dann irgendwann gesagt, dann probiere ich es halt vom Schlagzeug auch. Dann Groll gemacht. Ja, so und hab dann, und dann hatten wir, ich hatte noch so aus meiner Kindheit so einen Casio-Kassettenrekorder. So Spielzeug oder Fischer Price war das, glaube ich, sogar. Fischer Price. Und da war so ein Mikro dran, da musstest du draufdrücken und dann ist das quasi aus dem Radio rausgekommen, aus diesem Kassettenrekorder. Und das habe ich dann irgendwie, das habe ich dann irgendwie an so ein Beckending dran gemacht, an einem Beckenstand oder so, festgeklebt und habe das so als kleine Box verwendet und habe von da aus vom Schlagzeug gesogen.

unknown

Verrückt.

SPEAKER_01

Also so die harte Punk-Schule eigentlich. Total, voll die harte Punktschule. Ist aber cool. Hat aber gut funktioniert. Okay, und dann, ich meine, du bist ja irgendwann dann zu Voice gegangen damals, aber davor hast du ja schon lange Banderfahrung gehabt. Und wie alt warst du bei The Voice? Be The Voice war ich 27. Okay, das heißt, da lagen dann schon so, man kann eigentlich sagen, gute zehn Jahre Musik machen oder eigentlich zwölf, aber sagen wir mal so mit Band aktiv wahrscheinlich, so mit 16.

SPEAKER_03

Ja, auch Solo. Ich habe vorher Solo irgendwie zehn Jahre schon davon gelebt. So absolut. Schon gelebt, auch davon. Okay. Eigene Songs geschrieben dann? Eigene Songs geschrieben, viel Cover-Sachen. Ich habe im Jahr 150 Shows gespielt und so Pubs und kleinen Kneipen und so. Oft halt nur als der Depp, der da rumhockt und halt ein bisschen Klimpert. Die vier Stunden-Sets und so, ne?

SPEAKER_01

Ja, wobei das auch eigentlich echt Wahnsinn ist. Also ich heute denke ich mir so, boah, man saß da vier Stunden, fünf Stunden lang hat Musik gemacht. Ich meine, ja, es war eine andere Zeit, man hat es ja geliebt, aber eigentlich ist es Wahnsinn. Weil du Stimme, Finger bist und dann nachher für ein Appel und ein Ei und Hauptsache gespielt, ne?

SPEAKER_03

Genau.

SPEAKER_01

Es ändert sich dann die Älter, man wird, finde ich. Aber als ich 20 war, wollte ich auch überall zocken, einfach nur raus. Ja, klar, Erfahrung sammeln. Ja, ja, total. Das ist crazy. Wie, ähm, wie ist das, wie, nimm mich mal mit, so bei so einem Tagesablauf heute, wie ist es heute bei dir? Wie sieht deine Woche als aktiver aus? Bist du immer noch aktiver Musiker und machst das ja beruflich, verdienst damit dein Geld? Und wie sieht eine Woche und ein Tag bei dir aus?

SPEAKER_03

Also eine Woche sieht bei mir so aus, dass ich, ich habe ja zwei Kinder mit einer Dame, mit der ich nicht mehr zusammen bin. Mit der spreche ich sonntags meistens die Woche ab, wann ich irgendwo bin, wann ich da bin.

SPEAKER_02

Ja.

SPEAKER_03

So, ich bin meistens Freitag, Samstag unterwegs. So, gestern waren wir in Lübeck zum Beispiel. Ich bin heute Nacht noch heimgeballert von Lübeck sechs Stunden. Und ja, dann hole ich meistens Sonntag, wenn ich da bin, die Kinder. Bring die wieder zurück abends. Dann am nächsten Tag wieder und dann irgendwann kommt halt das Wochenende und ich arbeite und bin unterwegs. Arbeitest du nur am Wochenende oder arbeitest du auch nur der Woche? Also bürokratischen Scheiß muss ich natürlich unter der Woche auch machen. Aber das mache ich halt, ich bringe die Kinder um sieben zurück und dann arbeite ich halt noch so bis was weiß ich, 0 Uhr, 1 Uhr an Bürozeugs.

SPEAKER_01

Machst du dann schon auch noch.

unknown

Ja.

SPEAKER_01

Okay, bist du dann schon so eine Nachteule, kann man auch schon sagen. Ich stehe auch dazu. Aber mit Kindern ist es natürlich nochmal eine ganz andere Herausforderung, ne?

SPEAKER_03

Klar, aber ich meine, die Kinder leben nicht bei mir, die leben bei der Mutter.

SPEAKER_01

Und von daher funktioniert das aktuell noch. Das ist eigentlich ein ganz anderer Themenblock, auf den ich erst später eingehen wollte. Aber interessiert mich jetzt natürlich dann schon, weil das Thema mit großer Bereich. Ich habe das mit Musikern, wenn ich mit Musikern interviews mache, or jetzt auch podcasts hatte my erfahring out with bands, in denen I spent, that can mean feedback dazu give. But when you music with family will, is it when you just not unbedingt, sag ich mal, voll Rock'n'Roll Star bist and you're ganz auf den Bühnen unterwegs, aller Dave Growl, Foo Fighters, or so, is it brutal schwierig. Meine Erfahrung ist, wenn ich in der Band gespielt habe und ich habe ein paar Bands gespielt, die Leute über 40, 50, sind alle geschieden, haben ein, zwei, drei Kinder, aber ich habe seltenst einen Musiker kennengelernt in meiner Laufbahn, seltenst. Der wirklich sagt, okay, gut, ich habe meine zwei Kiddies und bin verheiratet und kann nebenher Musik machen. Es gestaltet sich brutal schwierig, ne? Weil der Rhythmus konträr ist zum Alltag der Kinder und der Frau. Wie war das bei dir? Ist es auch ein Thema gewesen? Oder wie hast du das erlebt? Also zur Trennung hin, oder? Wahrscheinlich, ja. Also oder muss ich sagen, ich hatte was mit Musik zu machen zu tun.

SPEAKER_03

Weil ich war von Anfang an, als die Kleinen geboren wurden, immer da. Und wenn ich Kicks hatte, die bei uns in der Nähe waren, bin ich danach noch hin und habe mich die Nacht um die Kinder gekümmert. Also ich habe mich da total eingebracht und es hat halt einfach irgendwann nicht mehr funktioniert von ihrer Seite. Und sie hat sich halt getrennt. Das war ziemlich kurz nach der Geburt unserer Tochter. Und ja, dann reißt sie einem natürlich erstmal den Boden unter den Füßen weg. Und man muss halt gucken, wie man das trotzdem handhabt. Weil man ist ja trotzdem Eltern. So. Aber ja, die Dame ist mir nicht sehr wohlgesonnen und es gestaltet sich oft schwierig. Aber ich will jetzt auch kein schlechtes Wort eigentlich verlieren darüber, weil ich bin auf jeden Fall da, täglich für meine Kinder. Und ich bin immer erreichbar für meine Kinder. Die sind jetzt, die haben jetzt noch keine Telefone, das sind zwei und drei. Wir werden im Mai drei und vier. Die sind nicht mal ein Jahr auseinander. Das heißt, wir haben direkt nachgelegt.

SPEAKER_02

Okay, ja, nachgelegt.

SPEAKER_03

Und ja, also ich bin auf jeden Fall, wenn es jetzt nachts anrufen würde zum Beispiel und würde sagen, ich muss kommen, weil irgendwas ist, dann wäre ich sofort da. Ich bin immer erreichbar dann. Und bin, wie gesagt, zwischen Sonntag und Donnerstag auch jeden Tag bei den Kindern.

SPEAKER_01

Das heißt, du würdest nicht sagen, dass es tatsächlich an der Musik lag.

SPEAKER_03

Das würde ich nicht sagen, weil ich meine, der finanzielle Income, der kam ja zu oder kommt auch nach wie vor zu 80, 90 Prozent von mir. Und das ist, das liegt ja daran, dass ich eben das mache, was ich mache. Und sie hat mich so kennengelernt, so auch aufgrund dessen. Also sie kannte mich halt aus Voice und so und war dann ein Riesenfan. Und also ich glaube nicht, dass das irgendwas damit zu tun hatte. Okay. Es liegt einfach daran, dass sie halt, denke ich, mit sich und ihrer Lage nicht mehr zufrieden war und das nicht mit dem vereinbaren konnte, wie ich bin.

SPEAKER_01

Wie ist deine Erfahrung im Umfeld zu dem Thema, was ich gerade gesagt habe? Dass du die Erfahrung hast, weil du bist jetzt auch lange im Musikbusiness. Es trennt sich ja oft, ist dann so mit 30, werden die Leute da der Anzugträger oder bleiben noch weiter in der Musik. Und wenn die dann in der Musik weiter bleiben, hast du auch das Gefühl, dass dann da brutal viel Trennungen sind? Oder hast du viele Musikerkollegen, wo du sagst, nö, die sind verheiratet, haben ihre Kinder daheim und alles cool?

SPEAKER_03

Ich glaub, das funktioniert beides. Geht sowohl als auch. Also ich kenne Musiker, die zwei, drei Kinder haben und nach wie vor mit ihrer Frau zusammen sind. So, wo die Frau auch realisiert, was da passiert, weil oft ist es ja dann so, dass das so ein bisschen geschmälert wird, seitens der Dame. Und gesagt, ja, was willst du dich mal langsam aufhören mit deinem Hobby? So ungefähr. So wie das auch, sag mal, der Konsens der Gesellschaft sieht. Aber es gibt da durchaus Frauen, glaube ich, die realisieren, was da passiert. So wenn man auf der Bühne steht und wenn man schreibt und eben, was das auch mit Leuten im Publikum macht und warum das überhaupt funktioniert. Aber klar, es gibt natürlich auch eben die Leute, die sagen: Nee, entweder du suchst dir jetzt mal langsam einen Steady Job, so ich bin weg. Gibt's auch, klar.

SPEAKER_01

Ja, ja. Witzigerweise eher so habe ich die Erfahrung gemacht.

SPEAKER_03

Ja, aber man muss natürlich auch echt fairerweise dazu sagen, es ist ja fast trendy mittlerweile, dass die, also die Leute bleiben ja nicht mehr zusammen. Die machen Kinder, ja, und dann wird sich halt getrennt. Und es wird immer der kleinstmögliche Grund irgendwie dann manifestiert und wird gesagt, naja, gut, dann trennen wir uns halt, statt daran zu arbeiten. Was ja durchaus möglich ist, wenn da der Wille und die Liebe da ist. Aber für viele ist es dann halt so, die sagen, nee, das ist mir jetzt zu anstrengend, ich lebe nur einmal. Meine Erfahrung mit Frauen und mit dem, wenn ich mich so beleze im Internet und wenn ich mir irgendwelchen Content auf YouTube von irgendwelchen Content Creatern angucke, die halt jetzt zum Beispiel in die feministische Richtung gehen, die mein Eindruck ist halt, die Dame sagt, Nö, I can do better. So, ich habe was Besseres verdient. Aber ob die damit wirklich glücklich werden, weiß ich nicht. Weil ich glaube halt, so eine große Liebe gibt es im Leben nur einmal. Und wenn die weg ist, dann wird für immer was fehlen auf beiden Seiten. Der eine gesteht sich das vielleicht ein bisschen früher ein und beim anderen wird es ein bisschen später eintreten, wo man merkt, ey fuck, ich hab da irgendwie was krasses verloren, was ich so nicht mehr finde. Meine zweite Hälfte so.

SPEAKER_01

War sie deine erste Größe oder meinst du, hattest du eine andere, wo du das jetzt erst?

SPEAKER_03

Ich würde schon sagen, die war, dass sie meine große Liebe war.

SPEAKER_01

Ja, okay. Was glaubst du, warum ist das so? Warum bewegen wir uns dahin als Gesellschaft? Ist ja nicht nur in Deutschland so. Statistiken weltweit sind ja so. Naja, weil man halt vermittelt bekommt medial und also auch eben gesellschaftlich, dass man immer noch was Besseres bekommen kann.

SPEAKER_03

Immer noch was Besseres. Aber und der Punkt ist aber ja, das kann ja möglich sein, dass das objektiv besser ist. Aber ob das dann subjektiv auch so ist, das weiß ich nicht. Die Leute verlieren sich einfach immer mehr, denke ich. Die gehen immer weiter weg von dem, was sie eigentlich sind, so, von ihrem Innersten, und versuchen, ja, wie soll man das sagen, halt dem Trend zu folgen. Aber das war ja mehr oder weniger schon immer so.

SPEAKER_01

Ja, es ist ein sehr, sehr komplexes Thema. Ein sehr, sehr komplexes Thema. Und man kann super einfach in jede Richtung schlagen. Also im Sinne von, du kannst hingehen und kannst sagen, alles klar. Weißt du, die geringste Scheidungsrate auf der Welt haben schwule Männer, ja. Also die geringste Scheidungsrate auf der ganzen Welt. Und die krasseste ist bei homosexuellen Frauen, also bei lesbischen.

SPEAKER_03

Genau, da ist auch so, glaube ich, die häusliche Gewalt am höchsten.

SPEAKER_01

Witzigerweise, ja, das ist statistisch, also einfach die Statistik dahinter ist erschreckend.

SPEAKER_03

Und dann siehst du das und sagst du, du musst leider kurz hier mal Nasenspray benutzen, kannst du aber drin lassen, ne? Benutzt Nasenspray ist wichtig. Macht das, ja. Nee, ich bin halt, ich bin aktuell erkältet und eigentlich auch. Ja, ich bin auch ein bisschen angeschlagen.

SPEAKER_01

Sehr abhängig von Nasenspray. Ja, macht das, ist alles gut. Meine Holdemeid auch. Genau, nochmal zurück. Du kannst auf jede Seite einschlagen in der Richtung. Die krasseste Scheidungsrate haben, so habe ich es jetzt auch ein, zweimal nachgelesen und es wird auch immer wieder so publiziert auf verschiedenen Formaten, dass die krasseste Scheidungsrate bei schwulen Männern ist. Die geringste Scheidungsseite und andersrum bei den Frauen ist die größte. Und deswegen, du kannst jetzt voll einfach auf die Frauenseite schlagen und sagen, die Frauen sind das Problem. Genauso kannst du hingehen und sagen, die Männer, Chauvinismus und Patriarch und Papa und kannst du in jede Richtung kannst du reinschlagen. Aber ich merke, dass es eine Verschiebung gibt gerade in der Welt. Und die letzten Jahrzehnte sind sehr, sehr anspruchsvoll, dass jeder wieder seinen Platz findet, so ein bisschen, oder überhaupt mal einen Platz findet. Weil der davor war ja auch nicht richtig. Aber so wie es jetzt gerade ist, ist es auch sehr, sehr anstrengend. Und genauso wie ein Pendel gerade voll auf the other side ist, habe ich das Gefühl, we are voll in the other side. A clear group dictates a growth. And we can irgendwie wieder einen Pendel finden. And I think this will von alleine passieren, but I know what you mean. It is anspruchsvoll. Es ist ein sehr, sehr anspruchsvolles Thema. Surchaus, klar. This Musikthema bei dir nochmal. Ich frage dich jetzt was und dann sage ich dir vielleicht danach auch, warum ich das gefragt habe. War für dich Musik Ausdruck, Überlebensstrategie oder beides?

SPEAKER_03

In erster Linie am Anfang, glaube ich, Überlebensstrategie. Weil ich war in der, ab meiner Schulzeit, so war ich, ich würde jetzt, ich benutze das Wort Opfer sehr ungern, weil. So sehe ich mich jetzt auch nicht. Aber ich wurde halt gemobbt, so und ich meine jetzt nicht im Sinne von wie, du wirst so mit Papierkügelchen beworfen und jemand beschimpft dich, sondern ich wurde tatsächlich so über eine ganze Zeit lang täglich vermöbelt, so.

SPEAKER_02

Echt? Körperlich?

SPEAKER_03

Ja, ja, körperlich angespuckt. Oder mein Pausenbrot weggenommen, lauter so ein Scheiß. Also, und das ging halt über eine ganze Weile hin. Und das Einzige, wodurch ich mich eigentlich verstanden gefunden habe, gefühlt habe, war irgendwie in der Musik so und Literatur auch. Und auch um das besser zu verstanden, Warum gibt es Menschen, die sowas machen. Ja, so damals war mir das noch nicht so bewusst, dass das da, dass das viel mit eigener Unzulänglichkeit zu tun hat, die sie halt kompensieren, indem sie nach unten treten, so wie so wie der Diederich in, wie heißt das Buch? Der Untertan Mann, glaube ich, hat es geschrieben. Einfach nach. Die Leute buckeln nach oben und treten nach unten. Und wenn du jetzt so ein dicklicher kleiner Junge bist, der da in die Schule kommt, der hat jetzt vielleicht nicht die allerteuersten Klamotten an, weil er aus einer mittelschichtlichen, sag ich mal, Familie kommt, hart arbeitend zwar, aber halt Mittelschicht. Und ich habe oft irgendwie die Klamotten von Freunden, von meinen Eltern, von den, also von den Kindern halt aufgetragen und so. Das war mir aber jetzt auch nicht wichtig. Ich habe mich nie durch meine Klamotten oder so definiert. Und wenn man halt irgendwie so relativ häufig oder fast täglich auf die Fresse kriegt, so in der Schule, ne? Und auch das nichts hilft, wenn man sich irgendwie seit, also wenn pädagogische Wege da auch nicht greifen oder meine Eltern, die da hingegangen sind, sich beschwert haben und die Lehrer sagen, ja, wir sehen das nicht, wir haben das nicht gesehen, was sollen wir da machen? Und dann findet man halt in dem halt, was man, was am natürlichsten auch auf jemanden wirkt. Und das war die Musik bei mir. Das hat ja schon einen Halt gegeben in dem Moment an. Mein Vater hat Musik gemacht, schon immer so. Und ich habe das immer mitgekriegt. Und wie gesagt, die Plattensammlung von meinem Vater hat tolle Sachen dabei gewesen.

SPEAKER_01

Welchem Alter hat das angefangen, das mit dem Mobbing? Ich würde sagen, so im frühen Teenie-Alter, würde ich sagen. 13, 14, 12, 13. Und das ging die ganze Schule, wie lange ging das?

SPEAKER_03

Das ging irgendwie so lang, bis ich irgendwann das Oberhaupt von denen. So, das war so in der, ich glaube in der siebten Klasse habe ich das gemacht. Dann ist man wie alt? Siebte Klasse ist, glaube ich, 12. Dann war es vielleicht, ich habe die vierte zweimal gemacht. Okay, vielleicht 14, 15, ja. Okay. Auch aus übrigens aus gewalttätigen Gründen. Ich hatte da einen gewalttätigen Lehrer.

SPEAKER_02

Ja, okay.

SPEAKER_03

Und vor dem hatte ich solche Angst, dass ich dann in der vierten Klasse quasi ganz lange nicht zur Schule gegangen bin. Wahnsinn. Ich bin immer so irgendwo zur Haustür raus und woanders hin. Und dann, wenn meine Eltern auf der Arbeit waren, wieder rein und hab quasi Schule geschwänzt, deswegen musste ich die vierte dann nochmal machen. Deswegen, wegen dem Alter. Ja, das ging so lange, bis ich mir irgendwann so dieses Oberhaupt geschnappt habe von denen und hab den mal gepackt und hab gesagt, wenn du nicht damit aufhörst, dann schleiche den Schädel ein. Und von da an ging es eigentlich, hat sich das so ein bisschen gewendet. Und ich hab halt, man muss sich halt irgendwie leider immer Ansehen verschaffen. Und das geht halt, wenn man gewalttätig angegangen wird in dem Alter, gerade so, ne, wenn du so ein kleiner, pubertärer Testo-Typ bist, dann muss man sich denen halt schnappen, muss ihm sagen, entweder du hörst damit auf oder das wird ganz böse Konsequenzen für dich haben. Und dann hat es aufgehört nach und nach.

SPEAKER_01

Es hört sich an, als ob du Glück hattest, dass du da deine eigene Wahrnehmung und deine Selbstwert da verteidigen konntest und dafür dich einstehen konntest und dass das dann Wirkung gezeigt hat. Bei vielen ist das ja nicht so. Und die tragen das dann ihr Leben lang als ganz krasse Wunde. Und da entstehen ja auch so wirklich Trauma und Traumatat raus, dass du, dass viele Dinge in deinem alltäglichen Leben, die du tust, werden dadurch bestimmt. Das ist richtig traurig. Das ist echt Aus- und Herzensthema von mir, was ich ganz, ganz, ganz, ganz schlimm finde, dass wir da. Ich wurde auch gemobbt. Viele von meinen Freunden wurden auch gemobbt. Manchmal hat man auch das Gefühl gehabt, das gehört halt so ein bisschen dazu. Das ist halt so, weißt du, aber und das macht ja einen stärker und bla bla bla und so. Und ja, wie du auch sagst, so die schlagen von oben nach unten und haben ihre eigenen Themen. Mag alles sein, aber trotzdem ging es einem ja richtig scheiße.

SPEAKER_03

Ja, klar.

SPEAKER_01

Weißt du? Dieses Erklären, warum das so ist, dieses Konzeptionalisieren und so, ja, okay, cool. Aber die Emotion dahinter damals, die ist trotzdem einfach richtig beschissen.

SPEAKER_03

Klar, und die, ich meine, so wie du schon gesagt hast, man trägt es natürlich trotzdem auch noch mit sich rum. Auch wenn man wenn man sich irgendwann eben darüber hinaus erhoben hat und gesagt hat, es reicht jetzt. Aber trotzdem sind das ja Narben, die man mit sich trägt. Aber es kann, man kann das auch eben ins Hilfreiche umwandeln und sagen, ich hab mich gewehrt, ich habe dadurch erkannt, dass nur durch Aktion eine gewisse Reaktion auch dann entsteht.

SPEAKER_01

Du hast das so ein bisschen zu deiner, ja, du hast, du hast es geschafft, das umzuwandeln oder dich da zu behaupten. Das ist wie gesagt sehr wertvoll. Also blöd, dass das immer mit Gewalt sein muss. Ja. Und Druck erzeugt nur Gegendruck. Aber besser wie Hertha drunter zu leiden in der Zeit. Das heißt, du bist aus mit dem Thema, hast du das auch in Songs und so zu der Zeit dann auch verarbeitet? Hast du das mit reingenommen, künstlerisch?

SPEAKER_03

Also aber hauptsächlich Wut erfüllt so.

SPEAKER_01

Absolut, ne? Ja. Kann ich nachvollziehen. Deswegen auch Überlebensstrategie. Ich glaube, da kommen viele dahin über den Weg. Nicht alle. Ja. Ich freue mich total, wenn. Ich beneide das ja auch so ein bisschen, wenn Menschen sagen, die Musik, das hat sofort was berührt und dann bin ich da rein. Und dann auch alles da, aber schon auch Überlebensstrategie. Man hat zu seinem Selbstwert daraus gewonnen. Man ist raus, man wurde gesehen, man hat eine Anerkennung bekommen und man hatte so eine Art, so, da bin ich was. Das kann ich gut. Der Rest bin ich scheiße. Schule kacke, das Kacke, hier, da, da, da. Aber Musik, das kann ich. So, da kann mir, oder da kommt keiner und sagt, hm, weißt du? Korrekt, ja. Ich kann das gut nachvollziehen. Wie ging das dann für dich weiter? Hast du dann, hast du denn Ausdruck für dich da drin später gefunden, wieder? Oder war das immer für dich da, dann, weil wir gerade drüber gesprochen haben? Wie lange hast du gebraucht, um das zu realisieren, dass es auch für dich eine Überlebensstrategie war?

SPEAKER_03

Ich glaube, dass das damals auf jeden Fall unbewusst war. Und es halt im Nachhinein, wenn man so darauf zurückblickt, realisiert, dass das halt so war.

SPEAKER_01

Ja. Da passiert dann nämlich so ein Punkt, an dem man das dann realisiert. Wo ist der bei dir gewesen?

SPEAKER_03

Das kann ich gar nicht genau sagen. Also ich weiß, dass ich damals da sehr viel für mich draus gezogen habe, aber ich konnte das nicht konkret definieren, was es jetzt eben war. Okay. Und ob ich, also wie gesagt, zu dem Zeitpunkt damals habe ich nicht gedacht, ey, das braucht das ist, weil ich, ne, ich muss überleben so und das stützt mich in dem, sondern das kam, denke ich, auch erst später dann. Aber wann der Punkt genau war, kann ich vielleicht Mitte 20 so, wo ich gedacht habe, ja, das hat schon alles irgendwie seinen Sinn gehabt, warum das so gelaufen ist?

SPEAKER_01

Okay, dann eine Frage, die mich persönlich immer interessiert bei Musikern, wenn du auf die Bühne gegangen bist und auch immer noch tust. Es ist, manche sind so, manche sind so, bist du so ein, so bist du schon auch so ein Draws-Tipp, ne? Du gehst da hoch und dann bist du da in diesem Ding drin, in diesem Film. Im Idealfall. Im Idealfall, genau. Deswegen da die Frage, interessant. A, wie fühlt sich das für dich an? Und B, hattest du auch schon Konzerte, wo das nicht so war und wie hat sich das angefühlt?

SPEAKER_03

Ich habe viele Konzerte gehabt, wo das nicht so war. So, wo ich auch gemerkt habe, ich komme nicht in diese, in diese Trance, wie du es genannt hast. Ich kann nicht loslassen und kann mich da nicht drin verlieren, so wie das eigentlich sein sollte. Und wenn das nicht passiert, dann springt es auch nicht über. Und so kommt es mir jedenfalls vor. Und dann gibt es auch, dann gibt es auch keine Verbindung zum Publikum. Und dann sind alle gelangweilt und irgendwann frustriert. Und dann werde ich auch immer frustrierender und oder frustrierter und die Leute merken es auch. Und dann ist das halt so eine, dann entsteht so ein sehr negativer Vibe. Aber im perfekten Fall ist es so, dass ich da, dass ich hochgehe, die Gitarre in die Hand nehme und dann halt so während des ersten Songs so komplett loslassen kann. Und dann ist die Energy gut. Und die Leute resonieren, oder das, was wir machen, resoniert mit den Leuten. Und das Feedback von den Leuten resoniert mit unseren Seelen dann auf der Bühne.

SPEAKER_01

Das ist ja der Idealfall. Yeah, genau. Aber du hattest auch schon die andere jetzt auch nicht nur einmal die Erfahrung gemacht. Ja, also ich habe ganz viel schon erlebt.

SPEAKER_03

Leute, Leute, die provoziert haben, Leute, die extra laut waren, so und wo ich dann irgendwann gesagt habe, entweder ihr haltet jetzt die Schnauze oder ich gehe. Also es gab da auch schon, es gab eine Zeit, wenn ich dann eben merke, ich werde immer frustrierter, dann werde ich halt auch wütend, so ja. Und dann werde ich wütend auf mich selbst, weil ich es nicht hinkriege. Okay. Weil ich nicht loslassen kann und weil die Leute nicht das realisieren können, was ich da mache. Und dann, ja, da kam es auch schon dazu, dass ich irgendwie gesagt habe, haltet jetzt mal die Fresse. Und ja, es gab eine spezifische Situation. Da waren irgendwie so ein paar Mädels so laut. Und dann habe ich halt irgendwann gesagt, die sollen jetzt mal die Schnauze halten oder gehen. Und dann haben die angefangen, mich zu beschimpfen. Ja, fick dich doch und so. Also so richtig heftig, ne? Oh, das müssen wir wahrscheinlich schneiden. Weiß ich nicht. Ich lasse sie mal. Und ich habe dann auch derlei verbale Entgleisungen denen gegenüber losgelassen. Es ging dann so weit, dass die richtig ausgeflippt sind, auf mich loswollten und rausgetragen mussten. Echt? Und dann wurde ich wegen sexueller Nötigung angezeigt von denen. Nein.

SPEAKER_01

Sowas kam auch schon vor. Du sitzt auf der Bühne, bist der Künstler und sagst, sie sollen ruhig sein. Sie kacken dich an und dann zeigen sie dich an wegen sexueller Nötigung.

SPEAKER_03

Ja, genau, genau. Also ich habe ihnen halt Filatio angeboten. Das kann man wahrscheinlich drin lassen. Ja, ja, absolut. Aber sie haben eigentlich angefangen mit diesen sexuellen Andeutungen und deswegen habe ich. Ah, okay. Du bist dann darauf eingestiegen. Ja, wir haben das alles gefilmt, zum Glück. Wir hatten die Show gefilmt und deswegen wurde das dann auch natürlich als Beweismaterial verwendet und natürlich fallen gelassen. Es war ja ganz klar, wer der Aggressor war.

SPEAKER_01

Das ist ja krass. Also es erwischt ja dann bald wirklich jeden, oder? Es erwischt er dann bald wirklich jeden. Also es ist schon zehn Jahre her auf jeden Fall. Trotzdem. Krass. Du hast vorher gesagt, bevor die Bühne gehst, ich hab mir bewusst jetzt nicht alles durchgelesen, aber was ich schon einmal vor ein paar Jahren schon mal gehört hatte, mal in einem Interview gehört, deswegen jetzt nicht aktuell, aber mal vor Jahren, das du schon auch. Und da kann ich mich dazu bekennen. Immer noch Bühnen und Angst so ein bisschen hast du, diesen Panel. Wie gehst du damit um mittlerweile? Ich meine, das ist jetzt auch schon 25 Jahre, ne? Ja, ja. Also bei mir genau das gleiche. Aber wie gehst du damit um?

SPEAKER_03

Ich hab das Gefühl, dass ich das brauche, um halt überhaupt reinzukommen. Weil wenn halt, wenn man auf die Bühne geht und man hat das Gefühl, das macht gar nichts mit einem. Ja. Und es ist nicht so eine leichte Übelkeit da und man ist auch nicht aufgeregt, dann glaube ich, dass das sinnlos ist.

SPEAKER_00

Ha, okay, okay, spannend.

SPEAKER_03

So, dann ist man, dann kannst du dann ist es eigentlich nichts anderes, als wenn du in die Fabrik gehst jeden Tag, glaube ich. Weil da bist du ja auch nicht aufgeregt, wenn du dich dann ans Fließband oder so stellst. Oder wenn du zu, wenn du deinen Job bei Aldi machst oder so. Ich glaube, dass das halt wichtig ist, dieses Gefühl überhaupt noch zu haben. Und das macht dir auch so ein Stück weit abhängig, so diese Stage Fride. Ja, ja.

SPEAKER_01

Das ist ja dann eigentlich eher Nervosität. Ich würde dann weniger sagen, Angst. Also ich glaube, es gibt schon einen Unterschied zwischen ein bisschen Bühnennervosität, ein bisschen Anspannung, so wie bei dem Fallschirmspringer, das sollte der haben, bevor er aussprechen. Wenn nicht, sagt man ja, dann lass es. Das ist nicht gut. Ich spreche aber tatsächlich eher so von so wirklich, dass du sagst, okay, ich habe Bühnenangst, zum Beispiel auf der Bühne Angst zu bekommen oder sowas. Das hattest du jetzt nicht so in der Konstellation, sondern es war einfach so die Aufregung. Genau. Ja, okay. Ja, aber die finde ich auch, die gehört dazu. Und ich kenne Musiker, viele von alten Coverbands ruhig gespielt, die auch richtig eingespielte Hasen sind, die sagen, die haben das nicht. Und ich echt, nee, aber geh da hoch und mach halt seinen Job. Ich kenne da auch mal. Okay. Okay. Aber ich, nee.

SPEAKER_00

Also wenn ich vor der Bühne stehe, dann bin ich immer noch so. Und selbst wenn es bloß ein Papp ist mit 30 Leuten, mir geht voll die Fliege. Also ist bei dir auch so, oder? Ich glaube nicht, dass es weggeht.

SPEAKER_01

Das sollte auch bleiben. Ich glaube, das sollte auch einfach bleiben. Okay, zu dem Thema, was ich vorher hatte. Ich habe mir da nicht so viel reingezogen. Ich nehme mich mal mit, du warst ja bei diesem The Voice. Wie lief das ab damals? Wie hast du dich da beworben? Wurdest du beworben? Wie läuft so ein Tag dort ab? Wie lief das Casting? Ich habe da keine Ahnung. Wirklich, bin da komplett raus. Okay. Und ich habe da auch nichts verfolgt. Ich hab, ich glaube, die erste Staffel damals angeschaut, wo ich nicht ob es die erste war, wo Percival dabei war und noch so eine Sängerin. Ich glaube, das war die zweite, ja. Wahrscheinlich. Genau, Percival, der war dabei und dann war noch so ein Giovanni mit so einem Fliege, so ein Blonder. Die waren in dieser Staffel mit dabei. Ich hab den Namen schon vergessen, es ist ja wirklich jetzt dann bald über die Karte her. Aber die waren super gut und danach, weiß ich nicht, ich habe kein Fernsehen mehr gehabt. Sie habe das dann irgendwie nicht mehr so verfolgt. Aber nimm mich mal mit, wie läuft das up bei The Voice? Also ich war vorher bei einem kleinen Label aus Winnenden.

SPEAKER_03

Winnenden? Ja. Um die Ecke hier. Ja, ja. Cool. Okay. Und hab da eine Platte veröffentlicht, meine zweite damals. Und hatte da auch seitens dieses Labels einen Manager, quasi der, mit dem ich so ein Manager-Künstler-Verhältnis halt hatte. Und wir haben dann überlegt, was wir jetzt machen, um den nächsten Schritt halt zu gehen, um wie man am geschicktesten mediale Präsenz bekommt und so das Produkt vermarktet halt. Und seine Musik vermarktet, um einfach überregional auch, also ich war vorher auch in ganz Deutschland unterwegs, das hat halt keinen gejuckt. Ich hab halt einen Paps gespielt. Ja, ja, ja, klar. Cool. Aber du hattest einen richtigen Manager und da hast du richtig Gedanken gemacht. Wir haben uns da richtig Gedanken drüber gemacht und sind dann da hin. Es gab da erst so ein Forecasting, da ist dann, glaube ich, sind irgendwie so zwei Vocal Coaches. Ein AR von Universal war dann da dabei und noch irgendjemand anders, ich weiß es nicht. Da fährt man hin, trallert halt vor und dann fährt man wieder heim. Dann kriegt man irgendwann halt die Benachrichtigung, ob man zu den Blind Auditions eingeladen wird oder nicht. Bei mir war das der Fall. Wo ist man da hingefahren? Nach Köln oder wo? Wo dieses Forecasting war, weiß ich gar nicht mehr genau. Das war auf jeden Fall, das gab in verschiedenen Regionen und ich habe halt das. Es war, glaube ich, in Hessen bei uns dann. Okay, das war so in der Nähe so gesehen. Und da bist du hin oder waren drei Leute? Da waren dann so drei, vier Leute an dem Tisch gesessen, du bist reingegangen, tralala, der nächste und so. Da hast du noch nichts quasi, da hast du noch keine Rückmeldung bekommen.

SPEAKER_01

Okay, die haben nichts gesagt dazu, hast du eine Gitarre dabei? Hast du dann ein Playback oder. Nein, ich bin da mit Gitarre hin. Und hast dann, was hast du gesucht damals?

unknown

Boah, das weiß ich nicht.

SPEAKER_01

Weißt du gar nicht mehr. Was Eigenes oder was gekauft? Wahrscheinlich was. Ich glaube, was Eigenes sogar. Ah, okay, cool. Okay.

unknown

Okay.

SPEAKER_03

Und wie lange hat es gedauert, bis du Feedback bekommen hast? Ein paar Wochen so. Wir sind wieder nach Hause gefahren und ein paar Wochen später hieß es dann, ja, sie können zum Recall, äh, nicht Recall, ja. Sie können zur Blind Audition eben erscheinen und da ihr Glück versuchen hat. Dann fährt man da einen Abend vorher hin. Als du die Nachricht bekommen hast. Ja, also, als ich die Nachricht bekommen habe. Als du die Nachricht bekommen hast, deine Emotionen. Ja, eigentlich, ich habe mich gefreut.

SPEAKER_01

Warst du aufgeregt?

SPEAKER_03

Ja. Ich hätte mich so eingeschissen. Hab ich auch. Also ich habe die Nacht vorher nicht gepennt. Ja, keine Chance, ich hätte nicht gepennt. Okay, ja. Ich habe das völlig anders eingeschätzt auch. Ja, inwiefern? Mich selbst halt. Dich selbst. Ja, also ich hab, man ist dann da, man fährt da frühest um acht hin dann, so in diese, das ist, glaube ich, im Adlershof war das in Berlin. Die sind einen Abend vorher hingefahren und frühest um acht musst du dann dort sein.

SPEAKER_01

Ja.

SPEAKER_03

Und dann hängst du dann den ganzen Tag ab.

SPEAKER_01

Ja, ist so, ne?

SPEAKER_03

Machst da so ein paar O-Töne, ne, so da kurze Interviews.

SPEAKER_01

Die kommen dann so mit Kameras dazwischen und sagen, dann sag doch mal, warum du hier bist. Genau, genau solche Sachen.

SPEAKER_03

Das ist halt, da sind natürlich ganz viele Leute, weil das, da sind ja quasi alle Kandidaten noch da. Ja. Und irgendwann nachmittags um vier oder so, die haben da an dem Tag, glaube ich, drei Sendungen aufgezeichnet. Ah ja.

SPEAKER_01

Also drei Blind Audition-Sendungen. Das heißt, die, wie lange geht eine Sendung? Eine Stunde, anderthalb, zwei oder was? Ja, sowas. Das heißt, die sitzen da wirklich ganz Stunden und filmen da.

SPEAKER_03

Und hören sich die ganze Zeit irgendwelche Leute annehmen. Ob man da jetzt dann noch so mit frischem Ohr rangehen kann, weiß ich nicht.

SPEAKER_01

Nee. Okay. Und dann bist du erst mittags um vier dran gekommen. Genau. Wie lange ging es dann noch? Wie lange ging die Aufzeichnung an dem Tag? Weißt du das? Warst du der letzte dann? Das weiß ich nicht. Ich glaube nicht. Nicht, okay. Aber du kamst auf jeden Fall dran. Okay, und dann?

SPEAKER_03

Ja, dann bist du kurz vorher nochmal bei so einem, bei deiner Vocal Coach halt.

SPEAKER_01

Bist du, die geben dir nochmal einen Vocal Coach hin, oder wie?

SPEAKER_03

Denn du, du, du. Genau. Okay, und dann kommst du alle. Du singst da kurz mal deinen Song an und dann sagen die, ja, alles gut, das wird schon und so. Dann gehst du auf die Bühne.

SPEAKER_01

Aber als du bei deinem Vocal Coach warst, du hast ja dann Rocketman gesungen. Und als du das bei deinem gesungen hast, hat er dann schon gesagt, Digga. Was war das mit dir los?

SPEAKER_03

Es war eine Dame, das war eine Dame und die hat gemeint, ja, mach dir mal keine Sorgen. Und schon. Und das klang für mich aber eher so wie, ja, das sagt die halt zu jedem, weil die darf ja gar nichts anderes sagen. Verstanden. Und dann. Da kam der innere Kritiker in dir raus und hat selbst sehr selbstkritisch. Aber auch nach wie vor, wenn ich an einem Abend jetzt ein paar, wenn ich merke, meine Stimme wird heiser oder so, dann bin ich, bin ich sehr selbstkritisch. Und sage, ja, das war scheiße, die zweite Hälfte von der Show oder so.

SPEAKER_01

Okay, ja. Aber die hat das auf jeden Fall gesagt und du warst.

SPEAKER_03

Genau, ich bin dann dahin. Dann stehst du da halt rum und dann sagen die, ja, jetzt kannst du vorgehen.

SPEAKER_02

Ja.

SPEAKER_03

Dann gehst du halt vor und stellst dich da hin. Und die siehst ja nur diese Stuhlläden.

SPEAKER_01

Genau. Und halt Publikum. Ist schon aber auch was los, ne? Ist schon Publikum da. Da ist Publikum da.

SPEAKER_03

Ja, ja, okay, okay. Ja, und dann geht's los. Ja, genau, das habe ich vergessen. Du probst natürlich den Song mit der Band vorher.

SPEAKER_01

Ja, das machst du.

SPEAKER_03

Wo probst du denn da? Das ist im gleichen Gebäude, das ist ja so ein riesen Gebäudekomplex. Aber halt in so einem kleinen Proberaum. Und da hast du auch nur einen Take. Du kommst da rein, die sagen, ah ja, okay, du bist der und der. Die und die Nummer und dann. Ist das an dem Tag?

SPEAKER_01

Das ist auch an dem Tag, genau. Und die Band ist aber, obwohl, die nehmen ja noch nicht auf, aber sind die da schon morgens dann noch bei dir oder wie? Die sind quasi morgens schon da. Ja.

SPEAKER_03

Und ich glaube, ab Mittag fangen halt diese Aufzeichnungen an. Ich glaube, bis dahin muss halt jeder mal seinen Song durchgeprobt haben.

SPEAKER_01

Okay, alles klar. Gut. Okay, warte ganz kurz.

unknown

Okay.

SPEAKER_01

Okay, und dann bist du da 16 Uhr, du gehst rein, du singst und für die Leute, die das noch nicht gesehen haben, das ist Wahnsinn. Du bist ja da hoch, du hast ja vollkommen abgeliefert. Das weiß ich noch. So habe ich dich ja auch das erste Mal gesehen. Und ich weiß noch, die haben ja dann gesagt, das habe ich nie wieder irgendwo gehört. Ich muss dazu sagen, wie gesagt, ich habe Boys nicht angeguckt, aber ich habe das nie gehört oder dass das wieder so vorkam, dass die gesagt haben, spiel nochmal. Die wollten von dir ja nochmal eine Zugabe haben bei einer Blind Audition. Wie krass ist das denn?

SPEAKER_03

Ja, das ist natürlich in dem Moment völlig surreal. Oder die ganze Nacht vorher konnte ich kaum pennen. Dann war ich den ganzen Tag Red Bull gesoffen. So, war da so einfach wie auf Sendungen dabei.

SPEAKER_01

Und du bist da hoch und du hast komplett abgeliefert und dich sind aufgestanden. Haben sich umgedreht, standen auch. Ich weiß nicht mehr, ich kann glaube ich noch von irgendeiner Sängerin. War es? Die war dabei. Die hat, glaube ich, so, die war total schockiert, so was passiert hier in diesem Snippet, und dann haben die wirklich gesagt, spiel das bitte nochmal. Oder musstest du nochmal spielen? Ich habe das nie wieder gehört, dass jemand nochmal spielen musste. Krass. Und aber dann, als du, als sie gesagt haben, so sing bitte nochmal. Was hast du da im Moment gedacht?

SPEAKER_03

In dem Moment war ja im Prinzip schon klar, dass sich alle umgedreht haben. Ja, ja, genau. Dass du eigentlich abgeliefert hast. Es gibt einem natürlich dann schon nochmal so einen Schub. Und ja, was habe ich gedacht? Ich habe einfach gehandelt. Wir hast du gefühlt. Überwältigt. Weil du halt, ich bin da halt hoch und hab gedacht, naja, hoffentlich dreht sich wenigstens einer um.

SPEAKER_01

Und dann ging das ab. Ja, ja, genau. Hast du danach so einen Realitätscheck gehabt, wo du dachtest, vielleicht bin ich doch nicht so scheiße? Oder was auch immer. Dein innerer Kritiker von dir zu dem Zeitpunkt dachte, der dachte, vielleicht dreht sich hoffentlich einer um und als sich dann alle umgedreht haben.

SPEAKER_03

Also ich finde nach wie vor, dass die Blind Audition nicht so geil war, ehrlich gesagt. Weil man hört halt schon so, dass die Stimme nicht stabil ist, dass ich total aufgeregt bin und so, das hörst du halt.

SPEAKER_01

Die Energie war halt voll da.

SPEAKER_03

Genau, und das ist halt der andere Punkt. Die Leute haben halt offensichtlich gecheckt, dass da was, dass da Energy irgendwie. Ja, ja. Dass dann eine Resoniert, da resoniert irgendwas.

SPEAKER_01

Wenn einer sich umdreht oder zwei, okay, es ist gut, aber es haben sich alle umgedreht und sie wollen eine Zugabe. Also weißt du, ob du das jetzt gut oder schlecht findest. Ich meine, die hast du alle weggeblasen. Ob das jetzt dein State of the Art ist oder nicht, ich sag mal dahingestellt. Aber das war ja brutal. Und deswegen gab es da nicht dann diesen Moment, wo, ich meine, ich kenne es auch, ich hatte auch gute Konzertmomente, und aber ich hatte schon auch dann manchmal Momente, wo ich runter von der Bühne kam, Leute kamen und ich habe mir noch ein Video angeguckt und dachte mir, ja, war schon wirklich gut. War schon, hattest du das wenigstens ein bisschen? In dem Moment dann, meinst du? Oder vielleicht nach der Bühne dann so, wo du dann runtergekommen bist, weil dann ist er erstmal Adrenalin, ne? Da kommst du von der Bühne, ist Zug. Aber so abends im Hotel dann in Berlin, warst du im Hotel dann? Ne, wir sind danach wieder zurückgefahren.

SPEAKER_03

Sechs Stunden wieder runtergefahren. Ja, wir waren am Abend vorher quasi im Hotel und dann nach den Auditions.

SPEAKER_01

Mit wem bist du hingefahren?

SPEAKER_03

Wer war da dabei? Meine Eltern waren dabei, ein paar Freunde.

SPEAKER_01

Also Mom, Dad und mal zwei, drei Kumpels, oder wie? Genau, genau. Also das heißt. In einem Hotel halt.

SPEAKER_03

Und ihr wart mit zwei Autos oder mit einem Auto? Wie seid ihr? Wir sind da, glaube ich, mit so einem, wir haben uns, glaube ich, so einem Bus geliehen.

SPEAKER_01

Also und ihr wart alle im Bus und ihr wart auf dem Weg nach Hause. Und die haben das ja gesehen. Ja. Was ging in dem Bus ab?

SPEAKER_03

Ja, die fanden das natürlich voll geil alle. Ja, die war voll. Ich glaube auch geiler als ich.

SPEAKER_01

Ich bin total, ich merke, ich bin voll gehypt. Ich denke mir so, war geil, Lolder. Ja, schon. Aber die anderen fanden es cooler wie ich.

SPEAKER_03

Ja, das hat echt ein bisschen gedauert auch. Also der Moment, der krasseste Moment ist eigentlich dann gewesen, der Abend, das ist ja, das wird im August oder so wird das aufgenommen. Oder nee, Quatsch, früher schon. Das wird, glaube ich, im Mai oder so aufgenommen. Und im August oder September läuft das erst. Das heißt, da ist ewig Zeit dazwischen. Und dann machst du ja so wieder deinen, du machst ja deinen Alltagstrott weiter, weil das weiß ja zu dem Zeitpunkt auch noch keiner, dass du dabei bist. Dass du da in der Glotze warst. Ja, ja, ja. Und spielst halt weiterhin so deine, was weiß ich, Konzerte, kleine Gigs. Genau, deine vier, fünf Shows im Monat oder mehr. Und da ist halt die Resonanz nicht da. Nee, ist ja nicht. Genau, weil du bist ja weiterhin wieder dieser Papp-Typ. Genau. Wo halt Leute im Publikum sind, die sagen, ich will nochmal Country Road, yeah, yeah, yeah. Oder Wonder Wall oder so. Wonder World! Ja, genau. Und das passiert ja dann erstmal wieder monatelang. Und das heißt, du hast gar nicht, ich hatte jetzt gar nicht die Möglichkeit, mir darauf überhaupt irgendwas einzubilden. Ja, verstanden. Weil ich ja sofort wieder geerdet wurde. Also ich bin ja sofort die nächsten Tage wieder in die Pubs und hab da mein Geld verdient. Miete zahlen muss ich ja auch. Und der krasse Moment war dann eigentlich erst in der Nacht von der Ausstrahlung, als das ausgestrahlt wurde. Irgendwann, 2015 oder so. Von da an hat sich eigentlich alles verändert. Weil du hast, du konntest so auf Facebook gehen und ich hatte da ja so eine Page quasi, wie jeder andere, da hatte ich 2000 Follower. Zu dem Zeitpunkt. Und dann konntest du das so refreshen immer. Und dann waren wieder tausend mehr. Wieder tausend mehr, wieder tausend mehr, wieder tausend mehr. Und dann waren es am Ende des Abends 100.000 oder so. Ja, völlig krass. Also völlig verspult alles. Ja, ja. Und dann kriegst du dann Leute deine Telefonnummer raus oder ich habe vergessen, die von meiner Homepage zu nehmen oder so. Dann wirst du dauernd angerufen von irgendwelchen Blättern, ne, Presse und so. Okay. Du wirst auf der Straße erkannt, das war alles völlig von jetzt auf gleich. So gehst du halt am nächsten Tag zur Bank und willst halt deine Kontoauszüge holen. Und dann laufen da halt so Schulkinder vorbei und er kenne dich und fangen an zu kreischen und so, ah, ich will ein Foto und so. Und du bist aber noch so voll in dem Film. Ich bin, ich spiele ja einen Papst. Ja. Und das überhaupt erstmal klar zu kriegen, das ist eigentlich in dem Moment unmöglich. Was das für einen Impact hat, das war mir zu dem Zeitpunkt auf jeden Fall nicht bewusst. Weil ja bis zur Ausstrahlung war ja alles noch normal. Aber ich wusste ja schon, dass ich da weiter bin. Ja, okay. Aber nachdem das alle gewusst haben, hat sich natürlich alles auch um mich rum verändert. Das war völlig gestört. Ja, krass.

SPEAKER_01

Richtig krass. Ja, komm mal noch ein Stück. Ja, genau. Damit das blaue Licht nicht. Okay, das bedeutet, du hattest da wirklich diesen richtigen klassischen Rockstar-Moment, kann man eigentlich sagen. Oder den Hype halt. Den Hype total mitgenommen. Der sagt ja immer, don't believe the Hype, ne? Ja, gut. Aber er ist ja da gewesen. Der war da. Die Kinder haben dich auf der Straße erkannt, die Blätter haben dich angerufen. Wie waren die ersten Tage danach? Was ging dir durch den Kopf? Was hast du gemacht?

SPEAKER_03

Die ersten Tage danach waren heftig. Ich habe viele Interviews gegeben. Okay. Haben die dir Geld gezahlt für die Interviews?

unknown

Nee.

SPEAKER_01

Nein? Nee. Okay. Ja, weil manchmal gibt es doch so, du hört man doch so, ah, Exklusivinterview wird so und so viel gezahlt.

SPEAKER_03

Aha, aber das ist ja eher so, wie wenn du jetzt Teil, wenn du jetzt Zeuge bei einem Mord warst oder so vielleicht. So mit diesem Exklusivinterview. Aber wenn du jetzt halt so quasi dann plötzlich so eine Person des öffentlichen Lebens bist, ist das glaube ich egal. Es tut mir leid, bin ich nicht drüber. Ja, auch nicht mehr, aber ich war ja quasi, ich habe das ja quasi so eben miterlebt.

SPEAKER_01

Ja, du bist halt voll drin gewesen.

SPEAKER_03

Okay, gut. Das heißt, dann hast du in The Machine, ne?

SPEAKER_01

Ja, in the Machine. Und war, welches Blatt oder welcher Sender war das erste Interview, wo du es gegeben hast, damals? Das weiß ich. Weißt du nicht mehr. Aber es war im laufenden Band hat wahrscheinlich, ne? Es waren halt so diese ganzen Axel-Springer-Blätter, ne? Okay.

SPEAKER_03

Bild. Ja, okay. Und da war halt auch so regionale, bei uns regionale Blätter.

SPEAKER_01

Wie heißt der Ort, wo du herkommst? Gemünden am Main. Gmünd. Und dann kam das Gmünder-Tagblatt und hat gesagt, unser Andreas.

SPEAKER_03

Ja, genau. Genau, ich sollte mich dann auch ins Goldene Buch eintragen. Genau, der Schlüssel der Stadt, oder?

SPEAKER_01

Volles Programm, oder? Volles Programm. Ach, wie geil. Und das war ja aber nach der ersten Ausstrahlung, da hast du ja noch gar nicht gewonnen gehabt, ne? Ja.

unknown

Oh mein Gott.

SPEAKER_01

Das muss ja dann vollkommen eskaliert sein. Das ist alles ziemlich heftig eskaliert.

SPEAKER_03

Ich habe dann angefangen, also ich hab, das muss ich vielleicht kurz dazu sagen, ich habe, seit ich, also ich habe Drogen, meine ersten Drogenerfahrungen mit 15 gemacht. Hab ich halt gekifft und viel Alkohol getrunken. Und dann viele Jahre nicht mehr. Und hab ja getrunken habe ich eigentlich immer bis sofort 12, 13 Jahren oder so. Und mir wurde dann während dieser ganzen, während dieses Zirkus wurde mir Koks angeboten. Und ich dachte, ja klar, probiere ich halt mal. Und dann von dem Moment an war ich halt dann die meiste Zeit eigentlich nur noch auf Pulver. Während dieser ganze, während während den Aufzeichnungen und auch während den Live-Shows, das hat sich dann gezogen bis zum Ende hin.

SPEAKER_01

Ab welcher Show? Ab der zweiten dann schon? Ich glaube ab der dritten, so. Und ab da hattest du dann so diesen Schnee im Sommer-Effekt. Genau, genau. Okay. Verrückt. Woher kam das? Von wem kam das? Im Namen sagst du nicht. Es kam intern. Intern. Also jetzt nicht von der Ecke da oben, wo das Fernsehen war, sondern von hier deiner Ecke, so von deinem.

SPEAKER_03

Nee, also aus meinem direkten Arbeitsumfeld. Okay, alles klar. In Plattenfirma, etc.

SPEAKER_01

Okay, verstanden. Also so die. Ja, genau. Und eigentlich bist du ja gar kein Schlagersänger, aber ja.

SPEAKER_03

Ja, aber man hat ja, ich meine, für mich war halt so ausschlaggebend, aber ich habe viel, ich habe ja als Kind schon viel darüber gelesen, wie die Gunners halt ganz genau so ist, was die sich reingepfiffen haben. Und dachte halt auch, gehört dazu. Gehört irgendwie dazu, du musst jetzt auch irgendwie pulvern. Und dann, man findet es halt dann auch so geil oder ich fand es halt so geil, dass ich das dann so durchgezogen habe.

SPEAKER_01

Wie hat das Gefühl für dich stattgefunden? War das, weil manche beschreiben ja, dass es so ein Ich Bin-Jetzt Gott-Gefühl entsteht. Nee, das war bei mir nicht so. Genau, weil du machst jetzt nicht den Eindruck auf dem F, dass du dann da rausgegangen bist und gesagt hast, ich habe jetzt so dicke Eier, hier guck mal alle her, wer ich bin. Sondern was für einen Effekt hat das auf dich denn?

SPEAKER_03

Also ich hab das hauptsächlich benutzt, irgendwie um zu schreiben, viel auch. Okay. Und hab, und auch, um dass dort dieses ganze, dieses ganze synthetische Fernsehzeugs zu überleben, glaube ich, so ein bisschen. Okay. Weil das ist ja alles auch nicht so echt. Die Leute sind da alle nur so scheinfreundlich und vor allem auch so Mitkandidaten und so. Das ist alles, das ist alles so ein bisschen zirkusmäßig.

SPEAKER_01

War das deine Wahrnehmung schon von vornherein so auf das ganze Thema oder wurde es durch retrospektiv betrachtet durch das Pulver verstärkt?

SPEAKER_03

Das kann ich gar nicht so sagen. Also dass das alles ein bisschen strange ist, das habe ich schon von Anfang an gemerkt. Hast du gemerkt, ja. Weil das ist halt Fernsehwelt.

SPEAKER_01

Ja, ja, ja, ja. Es ist Schnitt, Action, Kamera nochmal von vorne, Action. Und jetzt alle lachen. Hahaha. Naja, I know. Ich hatte auch meine ein, zwei Tänz hier mit dem Fernseher und hab auch schnell gemerkt, uiui. Sebastian, dafür bist du nicht gemacht. Das ist nicht deine Welt. Bleib bei der Gitarre oder irgendwas anderes, aber ich geh nicht ins Fernsehen. Okay, das heißt, du warst ab da dann eigentlich, kann man sagen, wie hart war es dann? Hat es dich komplett reingezogen, schon morgens am Aufstehen, die erste Nase, oder war es eher so ein vor der Show, zwei, drei Näschen und dann auf die Bühne?

SPEAKER_03

Ja, so, das hat bei mir dann so nachmittags angefangen. Nachmittags. Und dann hat auch so kontinuierliches Nachlegen bis nachts. Bis nachts dann. Teilweise dann mal zwei Tage durch, sodass du gar nicht schläfst.

SPEAKER_01

Ja, okay, das kommt dann auch noch hinzu, ne? Ja. Aber das ist ja auch, ich bin kein Profi im Preisbereich. Ich weiß aber, dass das zum teuersten Drogen gehört mitunter. Und das geht ja dann auch richtig in die Kohle, oder? Ich hab da viel Geld verbrannt, ja. Oder? Das ist schon, das geht schon richtig ran. Da bist du ja. Kannst du dich noch erinnern, wie viel warst du am Tag genommen? Kannst du das in Gramm titulieren? Zwei Gramm oder so? Zwei Gramm?

unknown

Ja.

SPEAKER_01

Und das über Wochen hinweg dann tatsächlich?

SPEAKER_03

Über diese ganze Zeit eigentlich, ja. Boah, krass. Das sind ja. Teilweise mehr, mal weniger. So im Schnitt würde ich sagen, anderthalb, zwei Gramm am Tag.

SPEAKER_01

Aber krass auch mehr was mitgemacht, ne?

SPEAKER_03

So, so Schleimhäuser. Ja, morgens irgendwie, wenn du in den Spiegel geguckt hast, hast du halt irgendwie durchgepulvert. Gelbe Augen und so. Kein Eis und so.

SPEAKER_01

Ja, ja, hast du voll gehabt.

SPEAKER_03

Habe ich alles durchgehabt, ja.

SPEAKER_01

Wie lange hat das gehalten?

SPEAKER_03

Ich hab also die Sendung hat ja geendet, irgendwie Ende Dezember 2013. Dann habe ich das so versucht, wieder einzuschränken. Und dann war ich ja auch vor allem wieder in einer Umgebung, wo ich nicht so leicht darangekommen bin. Und dann habe ich da, das war eigentlich dann jetzt nicht so schwer, dann damit wieder aufzuhören, ehrlich gesagt, erstmal. Aber wir sind dann halt relativ bald auf, genau, ich habe dann angefangen, mein Album aufzunehmen nach Voice. Dieses Siegeralbum halt. Da war ich dann wieder in Berlin. Da habe ich aber dann mehr gekifft. Nur ab und zu mal ein bisschen. Und eigentlich ist es dann nochmal schlimmer geworden, als die Tour angefangen hat.

SPEAKER_01

Die Tour von dem Siegeralbum, ja.

SPEAKER_03

Genau, wir waren dann, hatten ja dann wie Rockstars quasi, ein Nightliner. Ach, ja, ne, und so weiter. Völlig settings und so. Geil. Und dann hat es da wieder so ein bisschen angefangen. Da konntest du dann auch sagen, zu dem Tour-Manager, pass auf, ich will das und das. Und der musste dann losgehen und musst du das besorgen. Ach, verrückt.

SPEAKER_01

Es ist wie schon ein Klischee, ne? Es ist ein Klischee, ja.

SPEAKER_00

Man hört es immer. In der Liga habe ich tatsächlich nie gespielt.

SPEAKER_01

Deswegen, nee, kenne ich nicht. Also wir hatten auch schon mal irgendwie Booking und Management und Bababa und so und waren auch mal unterwegs mit Bussen und waren auch mal mit einem Nightliner, aber ich hatte nie einen Tour-Manager. Oder jemanden, der, der mich gesagt hat, hinfort. Oder bringet mir dies. Und glaube ich, so habe ich mich auch nie verhalten. Also ich war jetzt auch überspitzt formuliert, aber ja, okay. Ehrlich. Cool. Und dann war auf Tour, wie lange ging die?

SPEAKER_03

Die ging, glaube ich, drei Wochen oder vier.

SPEAKER_01

Okay.

SPEAKER_03

Das war dann so Januar, Februar und dann. Nee, die Tour ging erst im, ich glaube, im April los. Bis dahin hatte ich so komplett eigentlich gar nicht so.

SPEAKER_01

Hatte ich keinen Zugang auch, ne? Und dann war es auch in Ordnung. Ja. Und dann im April ging es los und dann hat es sich dann nochmal vier, fünf Wochen reingewertet. Da hat es mich nochmal reingezogen, richtig, genau.

SPEAKER_03

Und dann nach der Tour habe ich die Mutter meiner Kinder kennengelernt. Ich hatte zu der Zeit bereits irgendwie eine fünfjährige Beziehung. Und die ging gerade in die Brüche, so auch aufgrund dessen. Ich habe halt irgendwie versucht, Halt zu finden bei meiner Freundin damals. Und die hat halt sowas gesagt, wie du wolltest das doch unbedingt. Jetzt ziehst du es auch durch so. Also kaufst mir ein paar neue Schuhe. Was soll denn das? So verstanden. Also die war eher so nicht sehr, sehr unterstützend.

SPEAKER_01

Vielleicht auch selbst überfordert heute im Nachhinein betrachtet. Ja, ja klar, mit Sicherheit. Ja, ja. Weil sie war ja bestimmt auch wahrscheinlich an 25, 26 alt war sie. Ja, die war so zwei Jahre jünger als ich. Ja, also so 26, sowas. 24, 26, ja. Und dann der Freund plötzlich überall in den Nachrichten, jeder will Autogramm, alles voll, ist natürlich klar. Du wolltest Rock'n'Roll, hier ist Rock'n'Roll, jetzt mach Rock'n'Roll. Ja, genau. Gar das. Okay. Und dann war zur Tour vorbei und dann?

SPEAKER_03

Ja, dann ging das in die Brüche so mit der Dame. Und ich habe die Mutter meiner Kinder kennengelernt und hab dann komplett mit allem aufgehört. Also ich habe keine Alkohol mehr seitdem getrunken. Auch jetzt immer noch nicht. Okay. Hab damals aufgehört zu rauchen. Keine Drogen mehr.

SPEAKER_02

Ja.

SPEAKER_03

Und seitdem durchgezogen. Nee, nicht ganz. Ich habe während Corona tatsächlich 2021 gab es einen Rückfall. Da habe ich so einen Koks-Rückfall halt. Okay. Keine Kippen, kein Alkohol, aber Koks. Doch, doch, kippen auch. Alkohol nicht, aber kippen halt. Kippen und Koks, okay. Und dann habe ich erfahren, dass ich Vater werde. Und dann habe ich sofort alles, was ich hatte, tatsächlich im Klo runtergespielt und seitdem nie wieder was angerührt. Full-time Daddy und Turmucke hat.

SPEAKER_01

Schön. Cool. 2020 war das. 21. 21 war das. Okay. Das heißt, paradoxerweise ganz gut selbst reguliert.

SPEAKER_03

Ja, ich denke, wenn man halt was will, so, und dann muss man, dann erreicht man sowas auch in Sachen Süchten.

SPEAKER_01

Ja, Süchte sind schon mies. Also ja, alles.

SPEAKER_03

Ich fand Zigaretten schlimmer als Pulver.

SPEAKER_01

Bin ich gerade auch wieder dran, bin ich ganz ehrlich zu dir. Ich habe anderthalb Jahre nicht geraucht, dann auch wieder durch einen kleinen, unaufmerksamen Moment dann doch wieder reingerutscht und dann wieder zwei, drei Monate geraucht und jetzt auch schon wieder seit einem Monat nicht. Und es ist brutal. Es ist echt brutal. Es ist wirklich, und ich gebe mir wirklich, nee, was ist stets bemüht. Nein, ich meine wirklich, ich gebe mir Mühe, sondern ich sage einfach, nee, ich möchte nicht mehr rauchen. Ich finde es total bescheuert, es ist unnötig, es ist ungesund, es kostet Geld. Es macht nicht high. Ja, und ich möchte meine Tochter einfach auch nicht diesen Geruch oder irgendwas ähnliches an mich, weißt du, möchte ich, ich will es nicht, aber es ist anstrengend. Und ich weiß noch, als ich die anderthalb Jahre jetzt nicht geraucht habe, da war das, die ersten vier Monate waren ekelhaft. Und danach ging es. Und nach über einem Jahr war ich an dem Punkt, wo ich dachte, ja, okay, geht, kriege ich hin, ich brauch's nicht mehr. Wenn es mir wirklich überholt, dann nehme ich ein Ricola-Bonbon, gutes. Hast du Träume? Ja, ja, ich habe Träume tatsächlich.

SPEAKER_03

Also mein Suchtgedächtnis ist so, glaube ich, wenn du träumst, auch zum Teil aktiv. Ich hab, ich träume auch solche Sachen.

SPEAKER_01

Ja.

unknown

Verrückt.

SPEAKER_01

Ja, bei mir war es angefangen damit, dass ich dachte, das Leben besteht aus Yin und Yang und es geht darum, wenn du etwas komplett verbannst, dann ist es auch bloß wieder ein Wegschieben. Es geht darum, es zu integrieren. Und ich fand, die höchste Kunst wäre, etwas ins Leben zu integrieren, ohne der Sucht zu verfallen. Bedeutet, am Wochenende mal gemütlich eine rauchen. Muss doch möglich sein. Und so habe ich es probiert. Und das hat drei, vier Wochen funktioniert. Aber es war ein Druckschluss. Aber hey, ich hab's probiert.

SPEAKER_03

Aber grundlegend finde ich das mit dem, du musst halt auch das Negative oder das, was dich gerade belastet, in das Leben integrieren. Ja. So und das hinnehmen, so annehmen, diesen Aspekt finde ich eigentlich ganz gut, weil das sind so Sachen, die ich auch versuche momentan. Das so Dinge so hinzunehmen, weil man sie sowieso nicht ändern kann. Genau. Und dann, wenn man halt, wenn man sie ständig überdenkt und drauf rumdenkt, dann macht man sich halt selber kaputt.

SPEAKER_01

Absolut.

SPEAKER_03

Es ist auch. Das ist fürchterlich anstrengend.

SPEAKER_01

Ist es. Ist es. Und es bringt gar nichts. Aber wir sind manchmal gestrickt mit unserem ganzen Entwicklungstraumata. Ist halt einfach so. Und man arbeitet sein Leben lang, um da wieder Stück für Stück rauszukommen, einen gesunden Umgang mit sich selber zu finden, einen gesunden Umgang mit Süchten zu finden, die Süchte erstmal nicht zu verbannen, weil eine Sucht hat ja eine Funktion erfüllt. Die war ja für was da. Ja klar, die hat es ja auch nicht mehr. Eine Lücke halt geschafft. So, und bei dir damals, du hattest nicht die Kapazität, mit diesem Stress von Royce umzugehen in dem Moment, weil du es nicht beigebracht bekommen hast, wie man damit umgeht, mit so einer Situation. Und dann war natürlich die Sucht zu diesem Kokain hervorragend, weil die hat geholfen. Also deswegen, ich verteufel das nicht mit dem, oh, ich war dann voll drauf auf jeder Sendung. Nee, einfach nicht die Kapazität gehabt, damit umzugehen. Punkt. Das hat ja seinen Grund, weißt du, weil die Leute immer sagen, oh, scheiß Rauchen. Nee, das ist es nicht.

unknown

Ja.

SPEAKER_01

Für was hat es denn geholfen?

SPEAKER_03

Ich meine, das ist ein Stück weit richtig, aber andernfalls fand ich es, ich fand es natürlich eine Zeit lang auch cool, so, ne? Exakt. So weil man, weil man halt, wenn man, wenn man so, wenn man sich halt von klein auf mit diesem ganzen, mit Rock'n'Roll-Historie und so beschäftigt.

SPEAKER_01

Mit sechs Jahren ganzen Roses gehört und dann hockst du dem Nightliner und nicht im Fernsehen. Dann komm schon, dann bist du ja fast drauf konditioniert, dass du das nicht so gut. Ich verteile nichts. Cool, okay. Aber ich bin natürlich noch beeindruckter davon. Es gibt so viele Redemption-Stories in der Musikszene, dass du da einfach dann auch gesagt hast, okay, und spätestens beim Kind, cut. Und seitdem einfach schon ein paar Jahre her. Interessant wäre jetzt, wenn wir noch kurz einmal einen Schritt zurückgehen. Du warst also diese September wurde das aufgenommen. Mai. Oder August, Mai, okay. Und im September wurde es ausgestrahlt. Okay, und im September wurde es ausgestrahlt. Dann musstest du ja hoch zu den Sendungen fahren. Dann warst du da, hast Party gemacht, Rock'n'Roll, waren vier Sendungen, wie viele waren es? Fünf?

SPEAKER_03

Ich weiß es gar nicht. Also die ersten paar sind Aufzeichnungen, glaube ich, bis zur dritten. Und dann ist es live.

SPEAKER_01

Und dann ist es live. Okay. Und dann hast du in den letzten, wie gesagt, ich habe nicht alles gesehen, aber dann hast du da gewonnen. Das war dann wahrscheinlich September, Oktober, Dezember dann wahrscheinlich. Dezember, ja.

SPEAKER_03

23. Dezember oder so. Nee, nee. Doch? Nee, warte mal. 21. Dezember war quasi die Finalshow.

SPEAKER_01

Okay, 21. Dezember. Und dann ist es richtig eskaliert, ne? Als dann die letzte Sendung, und dann hieß es so, du bist jetzt ja Voice of Germany.

SPEAKER_03

Genau.

SPEAKER_01

Das war nicht das mit deine Tausend am Tag, sondern da ist es dann nochmal, oder war das da auch, war das. Ja, das hat sich relativ bald dann eigentlich eingependelt.

SPEAKER_03

Also wir sind jetzt dann nicht irgendwie in den Millionenbereich gerutscht oder so. Wir hatten dann mal, was weiß ich, 150.000 oder so.

SPEAKER_01

Okay, alles klar. Okay. Und dann hast du deinen Song gemacht, deine Platte aufgenommen, dann bist du auf Tour gegangen und dann kam mir nochmal diese Geschichte, das habe ich dann, das war das Einzige, was ich dann nochmal gehört habe, habe ich aber auch null verfolgt. Ich habe bloß gehört, Andreas kümmert, macht nicht beim Eurovision Song Contest mit. Wann war diese Sendung? War die ein halbes Jahr? 2015 war das, zwei Jahre später. Zwei Jahre später. Oder anderthalb, weil. Du warst anderthalb Jahre auf Tour, Rock'n'Roll, Presse, hast Vollgas gegeben. Und das lief auch gut? Das lief gut, ja. Konzerte ausverkauft?

SPEAKER_03

Ja, die, also zumindest halt die erste, die erste Rutsche, so. Letztes Jahr wieder nach der Hype. Das pendelt sich so ein. Wir spielen jetzt aktuell immer noch so zwischen, ich glaube, 300 und 500er Läden.

SPEAKER_01

Okay. War das, was war, was war die Hochzeit damals? Zweinhalb. Zweieinhalb. So LKA Stuttgart, so die Ecke Größe oder Vizimann, oder? Ja, genau, Vizimann haben wir gespielt. Cool. Also schandamtlich. Und dann bist du. Wie hat das mit dem Eurovision angefangen? Wie kam das zustande? Ich hatte ja ein Album veröffentlicht.

SPEAKER_03

Ja. Und das stand so ganz kurz vor Gold. Und dann haben wir aber die Verkäufe nachgelassen, so weil auch kein Hype mehr da war.

SPEAKER_02

Okay.

SPEAKER_03

Dann hat man eben seitens der Plattenfirma wieder überlegt. War das der aus Winnenden? Nee, nee, das war, ich war ja dann, ab dem Moment war ich aus Winnenden raus bei Universal.

SPEAKER_01

Interessant, da gehen wir gleich nochmal drauf ein.

SPEAKER_03

Aber ja, okay. Und die haben halt gesagt, das könnte man machen, um das anzuschieben, nochmal, das Album. Und so, ja, ich hab dann halt darauf eingelassen. War aber in dem Moment. War in dem Moment natürlich, ich war nach diesem ganzen Hype und dieser ganzen Drogenscheiße so und dann neue Beziehungen und war eigentlich einfach zu labil. Und hab das nicht gepackt. Und das ist mir im Prinzip da schon bewusst geworden, als ich dort hingekommen bin, als ich wieder gesehen habe, wie synthetisch das alles ist.

SPEAKER_01

Was heißt zu labil? Die kamen auf dich zu, dieses Label hat gesagt, wir melden dich da jetzt an oder was? Ja, ich hab da schon zugestimmt. Also ist es nicht. Nee, alles gut.

SPEAKER_03

Ich dachte halt, ich dachte halt, ich pack das so. Okay. Aber letzten Endes war das dann halt so heavy. So, mir ging es damit so schlecht. Auch so.

SPEAKER_02

Ja.

SPEAKER_03

So vorher haben wir halt auch so diese ganz, du hast ja erstmal so einen Hype, wenn du bei so einer Show warst. Und natürlich gibt es auch Leute, die da hassen, ne? Ist ja klar. Und ab als bekannt gegeben wurde, dass ich Teilnehmer da bei diesem Eurovision sein werde, da kann man immens viel Hass. Echt. So auch wieder Äußerlichkeiten, so Kriticke und so, was soll das? Echt. Und einer hat mir geschrieben, er hofft, dass ich da auf der Bühne einen Herzinfarkt bekomme und vorreck. Das war so an dem Tag, als dieser Eurovision war. Und das hat mich, warum auch immer, hat mich das so hart getroffen, so weil ich gedacht habe, warum wünscht jemand so einem, jemandem was, ne? Und deine Familie, bla bla bla. Und dann, keine Ahnung, das hat mich auf jeden Fall so auch wieder zurückversetzt, so, weil du vorhin gesagt hast, ja, hier ungeheilte Traumata, so aus der Kindheit oder Schulzeit. Das hat mich da wieder zurückgekickt. Und ich dachte so, Moment mal, was geht denn jetzt ab? Wem habe ich was getan? Ja, genau, wem habe ich überhaupt was getan? Und dann habe ich da versucht, das durchzuziehen. Und habe aber gemerkt, wenn ich das mache und diesen Sieg annehme, dann überlebe ich das wahrscheinlich nicht. Ich kann damit dann nicht umgehen in dem Moment. Mit diesem ganzen Hass, der dann wahrscheinlich auch kommt. Und das Lustige ist ja, der richtige Hass kam dann ja erst nachdem ich das abgesagt habe. Das ist krass, ne? Das ist ein Paradox passiert.

SPEAKER_01

Ja.

unknown

Fuck.

SPEAKER_01

Bedeutet, hattest du, wo ist das an dem Tag hat er das geschrieben, dieser, wo auf Instagram, Facebook. Auf Facebook oder so, ja. Auf Facebook. Und Tage davor auch schon. Ja, ja. Das war so ein richtiger.

SPEAKER_03

Ja, dass du so ein Pulk anhast, der da auf einen einprasselt. Und na klar, man sagt sich dann immer, das sind einfach die eigenen Unzulänglichkeiten, die die auf andere abwälzen. Und du bist die Projektionsfläche für ihren eigenen Selbsthass. Klar denkt man das in dem Moment, aber du kannst es ja trotzdem nicht irgendwie processen.

SPEAKER_01

Nein, das ist genau das Thema, weißt du, das ist ja bad energy, ja. Ja, so. Und nur weil du versuchst, wieder irgendwelche Konzeptualisierungen und sowas und das Ganze hier so logisch und ah. Und ich kenne das ja auch, man flüchtet sich dann gerne in Intellektualisierungen, in ich verstehe das nach dem psychologischen Aspekt, warum das passiert und hier und da, aber trotzdem ist es ja negative Energie. Ja, klar. Und jeder hat da seine Konstitution, wie du damit umgehst, seine Ressourcen. Und an manchen Tagen kann ich das richtig gut, und an manchen Tagen kann ich das gar nicht. Als ich mit diesem Podcast angefangen habe, den ersten Kommentar, den ich bekommen habe, das war ein richtig negativer Kommentar. Und ich weiß noch, ich habe zu mir gesagt, bevor ich anfange, in die Öffentlichkeit zu gehen, mich zu zeigen, werdet ihr klar darüber, dass das passiert. Und du denkst dann, okay, es wird passieren und dann passiert es, und du denkst, ja, klar, war ja logisch, dass das passiert, aber es haut dich trotzdem an.

SPEAKER_03

Ja, klar.

SPEAKER_01

Es fickt dich trotzdem an.

SPEAKER_03

Das ist wie, ja, ich begreife, warum das so ist. Ja, ich verstehe es. Aber es fühlt sich halt, das Gefühl ist ambivalent zu dem Ratio halt.

SPEAKER_01

Ja. Und es ist ja auch völlig weg von der Menschlichkeit als solches. Diese Form der Vipes und Hypes, die wir dadurch leben, das ist ja, weiß nicht, vielleicht 150, 200 Jahre alt, wegen mir hat das vielleicht Mozart noch zum Teil, aber so dieses richtig Krasse, sodass hunderttausende von Menschen, Millionen von Menschen dich kennen und davon dann halt die 5% auch dabei sind, die halt sagen, den finde ich richtig, richtig scheiße. Das gab es ja früher in der Sippe oder im Stamm so nicht. Da hat man sich miteinander ausgesetzt und hat gesagt, das mag mich nicht, okay, du magst mich nicht, kein Problem. Dann gehen wir es aus dem Weg. Genau. Und dann hat man mit den anderen 150 was zu tun gehabt und mit dem einen halt nicht so viel und dann war es auch okay. Aber da ist durch die Vernetzung, ne? Durch die Vernetzung und durch diese Globalisierung und durch die Technik von Social Media und und und und es ist halt krass, dass du halt auf dein Handy raufgehst und das sind halt 20 Kommentare über die Leute, die den Tod wünschen. Die sagen, geh auf die Bühne, ich hoffe, du stirbst heute Abend auf der Bühne. Wie pervers ist das denn? Ja, sagt halt ziemlich viel über die Gesellschaft aus. Ein bisschen schon. Okay, also das hatte ich geerwischt, verstehe ich. Und dann hast du an dem Tag ein richtiges Scheißgefühl gehabt. Bist auf die Bühne, hast gewonnen und dann in dir, wie war das Gefühl im Moment, wo du gewonnen hast? Was ist in dir passiert?

SPEAKER_03

Also ich habe mir ganz ehrlich gewünscht, dass ich nicht gewinne. Klar, aufgrund dessen, was ich da halt emotional durchlebt habe an dem Tag. Das Gefühl war, okay, du musst jetzt, musst du es jetzt sagen, sonst, äh, sonst geht die Maschine weiter. Ja. Und die saugt dich und die saugt dich runter.

SPEAKER_01

Es gab ja ein paar Leute, ich war das nicht so, dass die damals gesagt hätten, dass man es erst nach der Sendung hätte sagen sollen oder irgendwie, was war da dann die Kritik?

SPEAKER_03

Ich glaube, das war ja das Ende der Sendung, oder?

SPEAKER_01

Oder nee, im Sinne von an dem Abdrehen, Feierabend gutes, dann zum Management laufen und sagen, ich kann nicht. Also sie haben den Fuß gebrochen oder whatever. Es war ja schon mutig, in der Sendung hinzustehen und zu sagen, hey, ich bereise jetzt die Integrität und sag euch, ich möchte das nicht machen. Wäre einfacher gewesen, Sendung fertig, alles klar, Dankeschön, auf Wiedersehen und dann runtergehen zum Management und sagen, hey, sagt denn, ich habe mir den Fuß gebrochen oder die Stimmenbänder müssen operiert werden, ich kann nicht. Whatever. Wie war das für dich?

SPEAKER_03

Also im Prinzip ist es so. Sag ich jetzt mal. Ich sag das jetzt einfach, es ist mir scheißegal. Ich habe das vorher schon gesagt, dass ich das nicht kann. An dem Tag selbst. Auch zur Produktionsfirma. Und dann wurde eben so abgewiesen, die haben abgewogen und realisiert, die hatten ja den Einblick auf die Anruferzahlen. Gut, wenn du gewinnst, dann musst du das selber klären. Haben die zu denen gesagt, dann musst du, ich meine, wenn du da jetzt gewinnst und du willst es nicht machen, dann musst du das selber sagen. Und wir unterstützen dich dann zwar, aber wir können das nicht so aussehen lassen, als wäre es kein Fernsehen.

SPEAKER_01

Haben die tatsächlich zu dir gesagt? Naja, so nicht wortwörtlich, aber so. Das heißt, du bist damals schon hingegangen und hast gesagt, hey Leute.

SPEAKER_03

Ich hab vorher mittags schon oder nachmittags schon gesagt, ich mag das nicht. Ich kann, ich möchte das nicht.

SPEAKER_01

Was war das für ein Gefühl, dass du da nicht kannst, weil der Shitstorm so heftig war oder weil es dir einfach allgemein scheiße ging? War das dies, weil du gesagt hast, vorher auch mit dem Kampf gemacht.

SPEAKER_03

Die ganze Kombi, ja. Das war einfach zur falschen Zeit, am falschen Ort.

SPEAKER_01

Okay, okay. Und du hast einfach gesagt, okay, ich kann das nicht. Und du bist auch zu denen gegangen und hast gesagt, lass mich bitte in Ruhe. Ich. Du wolltest wahrscheinlich gar nicht auf die Bühne gehen, oder?

SPEAKER_03

Naja, ich hab halt mich mit denen hingesetzt und hab denen das erklärt und dann hat man halt versucht, irgendwie eine Lösung zu finden. Wenn es so weit kommt, dass ich da gewinne. Dann habe ich gesagt, ich hoffe einfach, ich gewinne da nicht. Ja. Verrückt, aber ja, okay. Und dann kam es eben zu dem Punkt und dann, klar, dann muss ich halt die Eier haben und musst das selber klären. Und das habe ich ja dann auch gemacht.

SPEAKER_01

Ich habe gesagt, es geht nicht. Ich kann. Wollten die, dass du dann das in der Sendung noch sagst, dass du das nicht machst? Oder hast du vor. Hast du.

SPEAKER_03

Naja, die haben schon gesagt, wenn du das wirklich nicht kannst, dann musst du das, dann musst du dich da halt auch, musst du für gerade stehen. Was ja auch völlig verständlich ist eigentlich. Ja, absolut. Die haben ja auch ihre Regularien so, ne?

SPEAKER_01

Okay, also das war auf jeden Fall, man kann sagen, eine beschissene Situation. Beide Seiten. Für die bestimmt nicht einfach, für dich haben wir ja jetzt gerade hier ausführlich besprochen. Wie war es danach? Du bist von der Bühne runter in dem Moment? Ich bin von der Bühne runter und hab gedacht, okay, ja, dann lass mal heimfahren.

SPEAKER_03

Ja? Ich bin ins Auto und ich habe gedacht, was soll passieren jetzt? Ja, gut. Okay. Völlig naiv, bin ich nach Hause gefahren. Hab geschlafen. Am nächsten Tag wollte ich meine Eltern besuchen. Irgendjemand hat in den Jahren, in den Jahren oder während Voice bei Google Maps markiert, wo meine Eltern wohnen. Weil er dachte, ich wohne da auch. Und das habe ich aber nicht gewusst zu dem Zeitpunkt. Und dann fahre ich da so quasi zu meinen Eltern in diese. Das ist auf dem Dorf, ne? Muss sie reinziehen. Ja, ja, ja. In dem Dorf leben, wo meine Eltern gewohnt haben, was weiß ich, wie viele da leben? 1500 Leute oder so. Okay, wirklich Dorf. Das ist wirklich ein Dorf. Fahre ich in die Straße rein und dann sehe ich da schon irgendwie so Übertragungsautos, so Ü-Wagen, ne? Nein. So RTL und was weiß ich. Und dann bin ich halt zurück, habe ich gedreht, bin zurückgefahren, wieder nach Hause und hab mich da verbarrikadiert. Dann haben die gewartet, bis meine Mutter von der Arbeit kommt, haben versucht, die zu interviewen. Mein Vater wurde interviewt auch, der war dann auch in der Bild-Zeitung und so. Völlig crazy, alles. Und das. Was hat der gesagt zur Bild-Zeitung? Ich weiß es nicht mehr. Weil die haben den halt abgefangen, als wenn er von der Arbeit kommt, abends ja völlig gaga. Der hat, glaube ich, gesagt, er weiß auch nicht, was er jetzt dazu sagen soll, weil es ist ja seine Entscheidung so ungefähr. Gar nicht. Also das war schon, das war schon crazy. Und dann hast du dich barrikadiert. Dann habe ich mich eine Zeit lang verbarrikadiert. Meine Eltern haben sogar für mich eingekauft.

SPEAKER_02

Okay.

SPEAKER_03

Und dann musste ich den, musste ich halt überlegen, was mache ich jetzt? Ich komme nicht mehr klar. Und hab dann eingestanden, dass ich ein Problem habe. Dass ich psychische Probleme habe, offensichtlich. Weil mir ging es halt richtig dreckig. Ich hatte Panikattacken zu der Zeit schon auch. Okay. Krass. Und bin dann zum Arzt gegangen und hab mich eben überweisen lassen und hab dann eine Therapie gemacht, irgendwie zwei Jahre lang. So ambulant, halt so einmal die Woche, so Verhaltenstherapiegespräche. Hab Psychopharmaka verschrieben bekommen. Welche hast du da gekriegt? Es hat angefangen mit Doxipin.

SPEAKER_02

Okay.

SPEAKER_03

Das habe ich genommen und mittlerweile nehme ich verschiedene, aber.

SPEAKER_01

Okay. Aber das bedeutet, in der Phase danach, als die dann so deine Haustüren alles verbarrikadiert haben, hast du dir eingestanden, dass du ein Problem hast? Oder weil, weil. Das ist ja auch von der Druck von außen, ne?

SPEAKER_03

Klar, aber ich hatte halt, ich habe zu dem Zeitpunkt schon gemerkt, dass ich halt immer häufiger so Angstzustände habe, auch so. Und schon auch vor dieser ganzen Eurovision-Sache. Das heißt, eigentlich an dem Zeitpunkt, als die Kandidaten bekannt geworden sind, die da teilnehmen und dieser ganze Hass angefangen hat, habe ich gemerkt, so ich hatte manchmal das Gefühl, ich kann nicht mehr atmen, ich glaube, ich sterbe so. So richtig Panikattacken hat. By The Voice. Nee, nee, bei diesem Eurovision Contest. Das wurde im Januar bekannt gegeben, 2015, und im März war diese, war diese Show. Und davor hattest du aber noch nie Panikattacken. Das kam mit dem US. Das kam mit diesem ganzen Hass, der da. Und dann fängst du ja auch an, dich völlig zu hinterfragen und so, bin ich überhaupt, also ist das alles real, was hier gerade abgeht?

unknown

Krass.

SPEAKER_03

Und dann, ja, kam es halt immer häufiger zu solchen Panikattacken, so dass ich auch teilweise gar nicht mehr aus dem Bett raus bin, so über Tage.

SPEAKER_01

Das waren ja dann schon so fast schon depressive Episoden dann so gesehen.

SPEAKER_03

Genau, genau. In Kombination halt mit diesem Panik, ja.

SPEAKER_01

Ich glaube, ich sterbe, ich überventiliere und so. Ja, das heißt, klassische Angstzustände, Panikattacken und dann natürlich dann so, hat sich dann da auch so eine Angststörung draus gebildet, dass du am Anfang, ich kann nicht mehr raus und dann irgendwann nicht kann ich mehr ins Auto, ich kann nicht mehr das oder wie, wie. Ja, also jetzt nicht so extrem.

SPEAKER_02

Ja.

SPEAKER_01

Aber wie gesagt, es gab Tage, da konnte ich nicht aus dem Bett.

SPEAKER_03

Wie war das dann mit der Musik? Wie hat das dann funktioniert? Ich glaube, ich habe zu dem Zeitpunkt einige Sachen abgesagt. Schon, ne?

unknown

Krass.

SPEAKER_03

Und mich dann in Therapie gemacht und dann weiter. Wieder in die Therapie. Ich war bei diesem einen Therapeuten quasi zwei Jahre. Immer wie gesagt, ambulant, einmal die Woche. Und dann ist er, glaube ich, in Rente und ich musste wechseln und bin aber mit dem neuen nicht so klargekommen. Und dann habe ich das abgebrochen. Damals. Jetzt aktuell bin ich in Therapie wieder. Aber halt einfach, um mich selbst zu ordnen und selbst zu realisieren, was ist da die letzten Jahre passiert, Trennungsschmerz etc.

SPEAKER_01

Aber die Panikattacken, wie lang sind die dann akut gewesen von diesem?

SPEAKER_03

Das ging ein paar Monate tatsächlich. Aber halt, aber halt jetzt nicht so, dass ich das jeden Tag hatte, sondern das kam völlig unvermittelt halt. So aus dem Nichts, klar. Auch mal beim Autofahren, dass du dachtest so, oh fuck, musst du rausfahren.

SPEAKER_01

Das ist halt im Manchester, da entsteht dann dann so richtige Angststörungen. Angst vor der Angst.

SPEAKER_03

Ja, genau. Du fängst dann auch irgendwann an. Was ist, wenn das wieder passiert?

SPEAKER_01

Ist das, wenn ich wieder Angst bekomme? Wie du sagst, Angst vor der Angst. Angst vor der Angst, genau. Und das ging dann monatelang. Das ging ein paar Monate, ja. Aber du hast das dann innerhalb von Monaten wieder in den Griff bekommen. Die halt mit Psychopharmaka halt. Und Therapie. Wie lange hast du die Tabletten, nimmst du immer noch? Ich nehme quasi seit über zehn Jahren, nehme ich die, ja, seit 2015. Und damit hast du es jetzt ganz gut im Griff, würdest du sagen. Und du hattest zwei Jahre Therapie und dann jetzt acht Jahre jetzt nicht mehr und jetzt hast du.

SPEAKER_03

Genau, nach der Trennung so und nach dem, was alles damit in Verbindung war, das hat mich ziemlich untergerissen nochmal.

SPEAKER_01

Ja, okay, krass. Das war also alles in die. Aber das verrückt, dass das mit diesem Eurovision-Song-Contest dann, dass das dich dann so getriggert hat in dem Moment.

SPEAKER_03

Ja, oder beziehungsweise. Genau, die Reaktion der Leute, also, weil man denkt, was habe ich denn getan? Ich sing ja nur.

SPEAKER_02

Ja.

SPEAKER_03

Ich habe ja niemandem was gemacht. Klar, ich sehe nicht so aus wie jeder 0815-Typ. Aber ich sing doch eigentlich ganz gut. Also, wo ist dein scheiß fucking Problem?

SPEAKER_01

Ja, es ist traurig, ne? Ja. Es ist wirklich traurig. Dass die Leute, die dann da sitzen, ja, natürlich ist das psychologische Profil einigermaßen bekannt, warum die Leute, die diesen Scheiß als Kommentar drunter schreiben, aber was das für Konsequenzen hat für Menschen. Weißt du, es siehst ja jetzt auch, du bist ja nicht nur du da alleine damit, da gibt es ja ganz viele Menschen da draußen, die, ich hab, irgendeine hat mal gesagt, sie ist nicht auf Instagram, eine berühmte Schauspielerin. Und die hat es gesagt, und den Spruch fand ich sehr witzig. Sie hat gesagt, ich bin psychisch nicht stabil genug, um das zu handeln. Ganz einfach. Ich bin gerne Schauspielerin, ich mache das super gerne. Aber wenn ich da die 25 Hasskommentare, die jeder irgendwie drunter hat, lesen würde und ich würde sie lesen, ich würde es mitbekommen, mich wird das einfach zu sehr mitnehmen. Ich könnte es nicht. Punkt. Und so ist es. So ist es, ja. So ist es. Und an guten Tagen geht's und an schlechten vielleicht auch dann einfach nicht. Vielleicht war das einfach eine schlechte Phase damals, auch die dich dann da halt irgendwie. Ja, klar. Ich war halt nicht stabil genug. Ja. Aber in dieser Phase war ja dann dieses Shitstorm dann auch noch so heftig. Das war ja dann doppelt gemoppelt, genau. Wie hat das dann, ist es dann so langsam abgeklungen? Oder wie lang lief das dann noch?

SPEAKER_03

Ich habe mich einfach gezwungen, aufzuhören, das zu lesen. So, und dann flacht es ja auch wieder ab. Ja, ja. Den Leuten wird ja irgendwann langweilig und die fangen halt, weil sobald, der Punkt ist ja, ich habe am Anfang halt dummerweise drauf reagiert und hab geantwortet. Und dann ist das ja, dann hört das nicht mehr auf.

SPEAKER_01

Dann hast du verloren, ja. Spirale. Genau. Dann gibst du den Leuten ja eine Bühne auf der anderen Plattform.

SPEAKER_03

Genau, genau, genau.

SPEAKER_01

Durch dein Talent.

SPEAKER_03

Und das ist halt was, mir hat mal einer gesagt, soziale Medien, das ist eine Einbahnstraße. Du gibst da das Preis, was du preisgeben willst, aber es ist irrelevant, was die Leute darauf sagen. Und wenn du das so betrachtest, so du benutzt es einfach nur als One-Way-Street. So, du raust deinen Content raus, aber du liest die Kommentare nicht. Dann hast du im Prinzip das erreicht, was du erreichen willst, nämlich du gibst eine Information auf meinetwegen eine Veröffentlichung oder auf die Veröffentlichung von so einem Podcast. Gibst du raus. Und was die Leute dazu schreiben, ob das jetzt gut oder schlecht ist, ist egal. So, weil die ja, du kennst die ja gar nicht. Das stimmt. Es ist schön, dass manche freuen sich wahrscheinlich, wenn du dann irgendwie, wenn ein netter Kommentar ist. Aber wenn du den netten Kommentar liest, dann musst du auch den schlechten lesen. Und das ist halt der Punkt.

SPEAKER_01

Ich hab von einem meiner Mentoren, der hat mal was zu mir gesagt und das nehme ich da auch mit. Vor allem, wenn ich zum Beispiel mit Kunden, mit Coaches oder Klienten oder so gearbeitet habe, war einer seiner goldenen Regeln, und das hat er auch auf social media bezogen. Der hat gesagt, wenn was Gutes passiert, wenn du ein Coach that sagt, boah, du hast mir voll geholfen, that's richtig geil, vielen, vielen Dank, dass du das gemacht hast. Dann danke, gerne und abgeben. Und wenn dann jemand kommt und sagt, hey, du konntest mir gar nicht helfen, ich fand die Stunde total beschissen. Ich habe mein Bestes gegeben, danke, abgeben. None of my business. So this ego, hey, ich nehme die Komplimente genauso wie die schlechten Sachen. Also ein bisschen komprimieren und sagen, hey, alles gut, findet bei dir statt. Wenn ich dir helfen konnte, schön. Ich bin bei mir, ich gebe das Beste, was ich geben kann, gutes. Und er hat auch gesagt: genauso mit Instagram oder Social Media, gib den Leuten nicht die Plattform. Das ist ja deine Mühe, dein Talent, deine Fähigkeiten, die du hast. Und auf dieser Plattform nehmen sich manche Menschen das Recht heraus, dann ihren Hate zu verbreiten. Und das ist nicht. Genau, und du gibst denen ja dann auch eine gewisse Relevanz. Exakt. Das ist, ja, finde ich auch gut. Aber wie gesagt, das ist auch schön. Okay. Heftig, heftiges Thema. Und das hat dann wie lange gedauert, bis du wieder auf die Bühne gegangen bist? Nicht allzu lange eigentlich. Nein. Zwei Monate oder so. Echt? Also ich bin. Mit Angststörung, mit ich beim Autofahren mal Panik gekriegt und so weiter.

SPEAKER_03

Ich bin halt, ich bin halt selten selber gefahren. Und lustigerweise, dass auf der Bühne, wenn ich in diesem Flow war, in dieser Energie, da ist sowas überhaupt nicht zustande gekommen. Man sagt ja auch, wenn du singst, hast du gar nicht die Möglichkeit, Angst zu haben. Weil du, weil quasi die Regionen im Gehirn, die angesprochen sind, oder die, die, die quasi dafür verantwortlich sind, dass du singst, die sind nicht oder was weiß ich, sind nicht kompatibel mit denen, die halt für deine Angst und so sind.

SPEAKER_01

Genau, ich hab das auch mal gehört, gibt es neurobiologisch, gibt es dazu Studien, dass wenn du merkst, da die Amygdala fängt an, Cortisol, Adrenalin, alles so verrückt zu spielen, dann gehen Singen rein, das beruhigt die Areale. Gibt es tatsächlich auch Techniken darüber. Aber trotzdem ist es faszinierend, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wenn du Angst vor der Angst hast, Nervosität fühlt sich im Körper genauso an wie Angst in erster Linie erstmal so. Das ist die gleiche Körperreaktionen. Und wenn du dann schon so Angststörungen hast und merkst, blapp, und dann gehst du vor die Bühne und dann kommt diese Nervosität, was du ja vorher auch beschrieben hast, dann hatte ich damals die Erfahrung gemacht, dass das Gehirn das nicht differenzieren konnte. Mein Gehirn hat dann nicht gemerkt, oh, das ist Aufregung, sondern ich dachte mir, oh fuck, oh fuck, ich muss auf die Bühne und ich will ja eigentlich gar nicht sein. Obwohl das eigentlich das Schönste ist auf dieser Welt. Aber so, ja, keine Ahnung. Herzlichen Glückwunsch. Ich freue mich für dich, ohne Witz. Wirklich, ernsthaft. Ich finde das cool, dass der Zugang dafür noch geblieben ist. Ist echt cool. Okay, also zwei Monate später wieder auf Tourism.

SPEAKER_03

So ein Cortisol-Spiegel, der aus, also Cortisol, wenn das ausgeschüttet wird, das kann ja auch eigentlich was Positives haben. Das ist ja bei jeder, wenn, deswegen schreien Frauen ja oder beschimpfen, während sie Gebären oder so, ne? Weil das halt Cortisol ausschüttet und das kann ja auch Schmerzendophine sein oder sowas.

SPEAKER_01

Ja, alle Hormone in ihrem Körper haben ihre Daseinsberechtigung. Also alles. Es gibt kein schlechtes Hormon. Deswegen. Nach dem ganzen Wahnsinn. Nach dieser ganzen. Das ist ja wirklich verrückt. Wie definierst du heute Erfolg für dich? Wenn meine Kinder lachen.

SPEAKER_03

Also ohne jetzt muss ich nicht lange drüber nachdenken. Wenn meine Kids glücklich sind. Weil ich bin in dieser Zeit, seitdem ich Vater bin, ist dieses andere zwar noch relevant, aber nicht mehr so wie früher. Weil du halt weißt, du hast jetzt komplett anderes. Das ist so dein Biggestit. Wenn du absolut, ja. Das geht nicht gerade. Scheißegal, ob du jetzt noch einen Hit schreibst oder nicht. Bigger geht's nicht mehr. Ist so, ne? Das ist so für mich eigentlich Erfolg, wenn meine Kids bei mir glücklich sind. Wenn ich die abhole und die sagen, ey Papa, ich will mit dir mit. Du bist ein geiler Typ, so. Papa, ich mag dich. Ja, genau. Das ist eigentlich so das Größte. Und so auf beruflicher Ebene natürlich, wenn du, ja, wenn die Leute halt, wenn es resoniert, wenn du was freigebst, so Energy und die Leute merken, da passiert was auf der Bühne und das hilft mir. So Leute kommen, wenn Leute zu mir kommen an Merch stand nach einer Show und sagen, ich hab dich gefühlt mit meinem ganzen Herzen. Das ist eigentlich, das ist Erfolg. Ob du jetzt am Abend 1000 Euro verdienst oder 50. Klar, Geld ist wichtig zum Leben, aber das andere ist halt wichtiger. Und ich glaube, dass das einhergeht. Wenn du halt. Ich glaube, wenn du was Gutes machen willst und was Gutes erschaffen willst, dann kommt das Geld irgendwie schon. Ja, da ist was dran. Something will come up.

SPEAKER_01

Denke ich mal. Ja, die Frage, was dir mittlerweile wichtiger geworden ist wie Karriere, hat sich damit beantwortet. Ja. Von meiner Liste nicht mehr. Finde ich gut. Finde ich richtig schön. Wie gehst du heute mit um, mit Kritik? Ich lese keine Kritik. Du gar nicht mehr. Ich lese das Ganze. Und wenn jetzt jemand kommt und sagt, du, also ganz ehrlich, der Song, der war cool, aber der richtige Katastrophe.

SPEAKER_03

Sowas gibt's. Aber das ist eher so im Sinne von, ey, die Show war echt schön, aber du hast den und den Song nicht gespielt und das fand ich nicht so gut. Okay. Und wie gehst du damit um, wenn sowas auf dich zukommt? Dann sage ich, es war zu mir leid. Nee, es tut mir leid, hättest du schreien müssen, dann hätte man vielleicht gespielt. Tatsächlich. So was sag ich dann. Okay. Oder wenn wir uns das nächste Mal sehen, spielen wir den oder so.

SPEAKER_01

Okay, okay, cool. Was ist für dich jetzt noch dann, was du in den nächsten Jahren nicht mehr mitmachen wollen würdest, wenn jetzt zum Beispiel wieder was auf dich zukommt? Würdest du nochmal irgendwas in die Richtung machen, wenn jetzt jemand kommt und sagt, komm, hier, Fernsehen, mach nochmal, wir haben da nochmal ein cooles Format.

SPEAKER_03

Also ich denke in der aktuellen Lage, in der ich mich befinde und mit dem, man will ja auch irgendwie seine Kids stolz machen so und sagen, ey, das ist mein Papa.

SPEAKER_02

Ja.

SPEAKER_03

In dem Fall wahrscheinlich ja. Okay. Aber das muss dann schon so laufen, dass ich da auch die Zügel mit in der Hand habe. Also ich lasse mich nirgendwo hinstellen und die Leute sagen, ey, singt den und den Song und sag mal das und das.

SPEAKER_01

Das würde ich nicht machen.

SPEAKER_02

Okay.

SPEAKER_01

Weil das Thema Fochenfocher, was ich noch ganz kurz nachhaken wollte, da war dieser Typ der in Winnenden Plattenfirma. Darfst du das Label sagen? Seven Ass. Nein, Hans derer. Da Hansi. Hansi, Grüße gehen raus. Hansi, Servus. Mit meiner, mit einer meiner, nicht meiner, ich habe in einer Punk-Band gespielt. Wenn euch das Video jemals Marcy sieht, hallo Marcy. Und hallo Werner, gut. Das war damals, ich weiß gar nicht, Youngsterball, keine Ahnung. Egal. LKA aber so ein Newcomer-Contest und da haben die damals gewonnen. Ich war dann in dieser Band, ich habe da mitgespielt und die hatten auch dann so einen Mini-Vertrag, auch mit dem Hans damals. Und ja, 15 Jahre nicht mehr gesehen, aber ich hatte ein, zwei Gespräche, ich kenne ihn, kenne ihn, ja. Und er hat dich ja dazu gebracht, dorthin zu gehen.

SPEAKER_03

Ja.

SPEAKER_01

Und dann bist du dort gewesen und dann auf einmal war halt andere Plattenfirma am Start, ne?

SPEAKER_03

Naja, das war eigentlich klar. Das war dem, glaube ich, auch klar, so, dass ich, dass ich da ja unterschreiben muss dann. Aber er hat ja trotzdem, ich meine, er hat ja, er hat ja die Verlagsrechte quasi an dem Album, was ich bei ihm gemacht habe. Oder vom zweien sogar. Und deswegen hat er da, glaube ich, auch schon von profitiert. War dann okay für ihn. Denke ich doch. Ich hab ihn Jahre später, habe ich ihn mal wieder gesehen, da hat er, glaube ich, irgendeine Show mal für mich gebucht. Tatsächlich. Und also ich hab jetzt keinen Groll gegen ihn. Ich weiß schon, dass er wie er sein kann so. Und ne? Ich lade ihn mal noch ein.

SPEAKER_01

Ja, ich glaube, ich glaube, ich habe sogar noch irgendwo die Nummer. Ich rufe dich an, Hans. Okay, cool. Also ihr seid cool miteinander. Und ihr bist dann damals zu der Firma dann gegangen. Was war Universal, hast du gesagt? Universal. Wie lange warst du dabei, Dennis, unter Vertrag?

SPEAKER_03

Oh, bei denen war ich tatsächlich dann fünf Jahre. Ich habe bei denen ein paar Alben gemacht. Die haben mich nicht gedroppt, so auch. Wenn das zweite Album wahrscheinlich schon nicht mehr so erfolgreich war. Die haben trotzdem, das muss ich denen echt zugute heißen, die haben trotzdem daran geglaubt, was ich mache. Cool. Und das ist halt bei so einem Major-Label nicht so alltäglich.

SPEAKER_01

Ich würde gerade sagen, Props gehen raus, ne? Ja. Wirklich cool. Hätte ich auch nicht gedacht. Wenn heute ein letztes Konzert wäre, was würdest du sagen, was würdest du spielen? Ich würde was würde ich spielen.

SPEAKER_03

Ich würde unter anderem den Song spielen, den ich geschrieben habe. Als ich erfahren habe, dass ich Papa wäre. Den habe ich quasi für meinen Sohn oder für meine Kids geschrieben. Der ist Spaceship. Was würde ich sagen? Thanks for all the shoes and good night. Das ist ein NoFX-Album. Sorry. Ja, ja, ja. Was würde ich sagen? Ich würde sagen, ey, danke für eure Unterstützung. Danke, dass ihr das Gefühl habt, was ich gemacht habe. Danke, dass ihr daran geglaubt habt und passt auf euch auf.

SPEAKER_01

Schön. Die letzten zwei Abschlussfragen haben immer die gleichen. Wenn jetzt jemand sagt, ich möchte auch Musik machen, ich möchte genau das machen, was Andreas da macht, Tipps für den Nachwuchs. Tipps für den Nachwuchs. Tipps für den Nachwuchs. Viel Geduld.

SPEAKER_03

Sehr viel Spielen und zwar alles, was geht. Also auch, wenn einer sagt, spiele doch mal hier. Auf der Straße spielen, ganz wichtig. Okay, cool. Habe ich ganz oft gemacht.

SPEAKER_01

Ja, habe ich auch gemacht. Gut.

SPEAKER_03

Ganz egal, wie unangenehm das ist. Man muss sich dazu zwingen. Ich musste mich oft dazu zwingen, auf die Straße zu gehen und zu spielen, weil man immer das Gefühl hat, man ist so, man wird so ein bisschen belächelt von all. Die Prüfung, das ist aber wichtig. Ganz viel mit anderen Menschen zusammenspielen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man, dass Musik auch eine Art von Kommunikation ist, quasi Sprache. Genau. Und dann jede Pisskneipe spielen, die es gibt. Jeden Streuen nehmen und dann einfach kontinuierlich dranbleiben.

SPEAKER_01

Das nehme ich mit, finde ich cool so. Einfach machen, rausgehen, sich zeigen auf die Straße, in die Kneipe. Drauf scheißen, was andere sagen. Darauf scheißen, was die andere sagen.

SPEAKER_03

Auch wenn der Papa sagt, mach doch lieber eine Lehre. Ja. Wenn du das wirklich willst, dann musst du das machen. Weil es gibt halt nur diese eine Chance. Du bist halt nur einmal 15, 16 und musst dich entscheiden, was du für den Rest deines Lebens machst. Muss man nicht, aber. Ja, ja, ich würde sagen, dass man noch was anderes machen, aber ja. Ja, aber das ist ja so eigentlich State of the Art. Das macht ja eigentlich fast jeder so. Das ist auch das, was die Gesellschaft von einem erwartet. Schule und dann musst du wissen, was du machst. Und wenn du es halt, dann, keine Ahnung, studierst halt BWL oder so und willst es gar nicht, aber du machst es halt, weil es alle machen. Aber du wirst halt damit nicht glücklich. Du musst eigentlich das machen, was dich erfüllt.

SPEAKER_01

Ja, es ist nicht so einfach, weil ich weiß, es ist nicht so einfach, weil das Musik machen ist ja auch nicht alles, was dich glücklich macht daran. Das ist ja auch das Thema, wenn immer so, mach das, was das glücklich macht und da folge deinen Träumen und so. Ja, unterschreibe ich. Mach das auch auf jeden Fall, aber geh nicht davon aus, dass dich das die ganze Zeit glücklich macht. Oft ist es so, dass die Musik.

SPEAKER_03

So meine ich das, glaube ich, auch nicht. Weil du das eher so wie, dass das halt der Impuls, der in dir ist.

SPEAKER_01

Ja.

SPEAKER_03

Und genau. Du hast das Gefühl, du musst das machen.

SPEAKER_01

Ja, ja, ja. Dem folgen, auf jeden Fall, weil da kommt die Energie her. Das kann ich unterschreiben. Die Energie kommt von diesem Impuls. Wenn du dem nachgehst, dann bist du Energie geladen. Dann bist du auch, finde ich, gefühlt im Leben mit beiden Füßen auf eine Art und Weise verankert. In dem Moment, wo du das nicht tust, ist es vielleicht sicherer, aber ich merke dann, also paradoxerweise, brenne ich dann aus. Dann brenne ich aus. Weil die Leute immer sagen, man muss brennen, um auszubrennen. Nee, finde ich nicht. Ich finde, man kann auch richtig ausbrennen, wenn man einen Job macht, der einem komplett gegen den Strich geht. Letzter Tipp fürs Leben. Oder Tipps fürs Leben. Aus deiner Erfahrung, aus deinem Wahnsinn heraus, alles, was du mitgemacht hast, was sind deine Tipps fürs Leben? Tipps fürs Leben.

SPEAKER_03

Erwarte nicht, dass du, je älter du wirst, desto mehr verstehst. Also ich habe als Kind immer gedacht, wenn ich mal 20 bin, dann begreife ich, warum wir geboren werden und warum wir sterben. Und wenn ich mal 30 bin, dann mit Sicherheit. Und dann habe ich auch keine Angst mehr vor dem und dem. Aber du wirst es nie, du wirst dieses Enigma nie lösen. Du kannst es nicht begreifen, warum du lebst. Und alles, was dir angeboten wird, im Sinne von Religion, das sind nur Glaubensangebote. Du kannst es nicht belegen. Wenn du für dich da was drin findest, meinetwegen, wenn du halt an Gott glaubst und da Energie draus ziehen kannst, dann kannst du das gerne machen, aber du wirst nie belegen können, dass das auch existiert. Und alles, jede Religion und jede Philosophie, das sind nur Glaubensangebote.

SPEAKER_01

Also auf dem ersten Absatz, das finde ich richtig gut.

SPEAKER_00

Glaub nicht, dass wenn du älter wirst, dass du es dann da hinten irgendwie verstehst. Das ist so Sokrates. Ich weiß, dass ich nichts weiß, so mäßig.

SPEAKER_01

Kann ich 110% unterschreiben. Finde ich richtig gut. Je älter ich geworden bin, je mehr ich dachte, jetzt verstehst du, das mehr habe ich geblickt. Ich verstehe gar nichts. Das ist völliger Wahnsinn. Ich versuche einfach nur irgendwie zu sein mittlerweile. Finde ich richtig gut. Also erwarte nicht, dass du es später verstehst. Finde ich super. Okay. Gut, es kommt noch eine kleine Abschlusssache. Wie immer, aber ich bedanke mich von tiefstem Herzen. Ich fand es richtig cool, vor allem, dass du die ganze Strecke hierher gefahren bist. Gerne. Total angenehm hier. Ja, ich fand es richtig gut und auch tolles Gespräch. Vielen, vielen Dank. Danke. Ich hoffe, wir wiederholen das mal. Gerne. Super.

unknown

Okay.

SPEAKER_01

Jetzt pass auf.

SPEAKER_00

Okay, komm. Wir tun es jetzt einfach.

SPEAKER_05

Vielen Dank.

SPEAKER_00

Danke auch. Ey, ich hab noch nie gespielt. Voll geil. Ich hab' den auch noch nie gespielt.

SPEAKER_01

Ich muss den Covern abends mal irgendwo in der Pap. Geil ist geil. Danke dir.

SPEAKER_03

Kann ich einfach erziehen, oder?