Eindrücke - Menschen teilen ihre Herzenseindrücke

Mit Pippa auf der Bühne des Lebens

Kathrin Antifakos

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

0:00 | 42:39

Pippa ist letztes Jahr im Juli 2025 ins Wallis gezogen. Sie hat Gesang und elementare Musikpädagogik studiert.

Nach der Ankunft hier im Wallis, nach 6-8 Wochen war ihr langweilig, vorher arbeitete sie für den Lokalfunk und das Land NRW unter der Woche hat sie zuvor mit 350 Menschen gearbeitet. Sie erzählt davon wie sie langsam angekommen ist, ihr Studio hier in Visp gefunden hat, ihren Raum für Selbstentwicklung.

Lange im Lokalfunk gearbeitet und dadurch vielen Menschen den Rahmen geboten um sich vorzustellen und mit ihrem Warum und wo sie hingehen begleitet. Jetzt möchte sie dies auch hier im Wallis als verbindendes Element mit Musik machen.

Der Frauenkreis ist ein Format, für Frauen unterschiedlichen Alters und Herkunft um in den Austausch zu gehen. Das letzte Mal Selbstfürsorge heute Abend Thema die Archetypen der Frau.

Ihr Angebot : Von der Bühne, für die Bühne des Lebens! Für verschiedene Altersgruppen.

Schulungen 1:1. Fokus Hilfe zur Selbsthilfe, dein Leben selbstwirksamer zu gestalten. Es geht darum, die Menschen zu begleiten, ihre eigene Wahrheit zu leben. Aus der Selbstliebe und der Motivation für sich Selbst. Es braucht Mut zur Veränderung und sie erzählt wie das in fünf Schritten geschieht.

Pippa erzählt aus ihrer Biografie. Sie hat sechs Geschwister und ist in der Mitte. Von ihrer Lieblingsoma hatte sie sehr wahrscheinlich die Bipolare Erkrankung mit auf den Weg bekommen. Mit zwanzig hatte Pippa ihre erste depressive Episode und musste ihren Auslandsaufenthalt abbrechen. Ihre erste manische Phase folgte. Zehn Jahre hat Pippa gelernt, mit der Erkrankung zu leben. Seit sechszehn Jahren ist sie mit dem Lerngeschenk unterwegs. Mit einer Affekterkrankung ist die Selbstfürsorge  enorm wichtig. Sie erzählt über stabiles Leben, Sport, Bettzeiten, Umfeld mit Feedback und dass man den Menschen hinter der Diagnose nicht vergisst. Pippa ist Brückenbauerin damit die Bi Polaren Erkrankungen auch sichtbar werden. Mensch mit Störungsverhalten finden oft nicht das Verständnis in der Gesellschaft. Sie spricht über, Verlust, Einsamkeit und über Scherben zu laufen. Ein stabiles Netz und dass die grossen Peaks nicht mehr stattfinden. Es liegt auch Abschied und Trauer auf ihrem Weg.


Pippas Website https://www.pippacrash.com/studio-1-selbstentwicklungsraum/


SPEAKER_02

Herzlich willkommen bei Eindrücken und teilen ihre Herzenseindrücke. Ich bin heute wieder mal ein bisschen umgekehrt zur Zentralschweiz in Wallis. Ich bin eingeladen worden auf einer Frau gekreis und habe dann weine Idee, du bist so eine spannende Persönlichkeit, du bringst so viele interessante Sachen hier in Swallis. Ich hatte dich echt gern im Podcast. Und du hast dann gerade sofort und so übergibe ich dir wie das Mikrofon im Sinne, du kannst dir selber einen Moment vorstellen. Was für irgendein Raum, dass wir? Mit was, dass du unterwegs bist.

SPEAKER_00

Also hallo, erstmal, danke schön, dass ich heute bei dir sein darf. Ich habe mich sehr gefreut, dich kennenzulernen. Ich liebe deine Energie und ich glaube, Energie ist einfach ansteckend. Ich bin letztes Jahr im Juli ins Wallis gekommen und ich war mir nicht sicher. Wir hatten den Wunsch, Familie zu gründen. Das war der Grund, warum ich auch gesagt habe, okay, ich schließe mich an bei diesem Berufswechsel nochmal. Und da man ja nicht weiß, wann man schwanger wird, war ich am Anfang viel mit den Hunden draußen und habe Musik gemacht. Ich komme aus dem künstlerischen Bereich. Und irgendwann sah ich diese wunderschönen Räume in Visplaire stehen. Große Fenster, tiefe Möglichkeiten zu sitzen, an den Fenstern auf den Fensterbänken. Und ich konnte mir vorstellen, dass es ein schöner Bewegungsraum ist, um Selbstentwicklung zu machen. Und zwar mit Kindern, aber auch mit Erwachsenen, um die auf ihrem Weg zu begleiten. Und da ich ja Gesang studiert habe und elementare Musikpädagogik und lange jetzt im Lokalfunk gearbeitet habe, viele Menschen einfach den Rahmen geboten habe, um sich vorzustellen, zu zeigen, was ihr warum ist, wo sie hingehen, habe ich mir gewünscht, das hier auch im Wallis quasi so als verbindendes Element mit der Musik zu machen. Und jetzt habe ich hier diese wunderschönen Räumlichkeiten. Heute Abend sehen wir uns hier auf einem Frauenkreis. Das ist ein Format, was ich sehr, sehr liebe, weil Frauen aus unterschiedlichen Generationen, aus unterschiedlichen Herkünften sich miteinander austauschen. Und das befruchtet sich einfach wunderbar. Und manchmal hat man ein Thema. Letztes Mal hatten wir das Thema Selbstfürsorge. Das ist so ein Herzensthema von mir. Und heute werden wir das Thema haben: die Arschetypen der Frau.

SPEAKER_02

Sehr spannend, also da freue ich mich heute Abend. Ich kann mir jetzt noch nicht so ganz vorstellen, was da innen alles läuft. Pippa, wie ist das? Ist das mit Kind, Angebot? Was machst du da genau für Angebot?

SPEAKER_00

Also das Angebot ist quasi die Tools von der Bühne für die Bühne des Lebens. Das heißt, wir haben verschiedene Altersgruppen und es geht nicht darum, dass ich dir nur beibringe, Noten zu lesen oder Instrumente zu spielen, sondern es geht darum, dass du über die Tools der Kunst Raum einnimmst. Dass du den Selbstausdruck, der in dir steckt, quasi nach außen trägst. Und Kinder können durch das szenische Spiel in verschiedene Rollen schlüpfen und sich ausprobieren. Das heißt, sie haben auch emotionale Qualitäten, die sie im Spiel neu erleben dürfen. Und das funktioniert natürlich in verschiedenen Konstellationen, zum Beispiel Eltern-Kind-Gruppe, da geht es viel dann noch mehr um Bindung. Die Kinder zwischen drei und vier sind so in der explorativen Phase. Die dürfen dann einfach mal Rollen tauschen. Und je älter sie werden, werden sie dann natürlich auch noch kreativ im Prozess. Das heißt, sie schreiben eigene Rollen, denken sich etwas aus, produzieren die Texte selbst. Wir variieren dann auch zu Musiken, da geht es um Tanz und Bewegung. Und all das hilft halt später im Leben, sich auch auszudrücken. Zum Beispiel bei der Bewerbung, bei dem ersten Mal, dass man eine Wohnung haben will. Es geht ja immer um den ersten Eindruck eines Menschen. Und da hat man natürlich die Stimme, man hat aber auch alles, was man sehen kann. Das heißt die Mimik, die Gestik, wie sitzt du, wie läufst du, wie leuchtest du. Und all diese Dinge können die Menschen hier bei mir im Selbstentwicklungsraum in Visp einfach lernen und ausprobieren, in einem geschützten Rahmen, wo jeder sein darf, wie er ist.

SPEAKER_02

Und ich bin jetzt so mega interessiert daran, danke für das, was du erzählt hast. Interessiert daran, wie machst du denn das mit den Erwachsenen?

SPEAKER_00

Mit den Erwachsenen, ja. Ja, wir haben ja hier die Lonza, das ist ja so ein biotechnologisches Unternehmen. Das heißt, dort haben wir ja sehr viele hochqualifizierte Menschen, die in ihren Sparten Experten sind. Und Experte sein bedeutet ja auch immer, dass man einen Fokus hat. Und wichtig ist Kommunikation in allen Lebensbereichen. Und zum Beispiel die gewaltfreie Kommunikation, in der ich mich auch lange vertieft habe, hilft halt oft zu sehen, aha, wir alle Menschen haben grundsätzlich die gleichen Bedürfnisse. Und da verstehen wir uns auch. Das Problem ist meistens die Strategie zur Erreichung der Bedürfnisse. Und da kommen wir in Konflikte. Und auch auf so einer hochqualifizierten Ebene dann zu schauen, wie können wir Kommunikation nutzen, um zu sehen, ah, was ist denn eigentlich das Bedürfnis dahinter? Ah, Ruhe, okay, das kenne ich auch. Wie hat er denn versucht, dieses Bedürfnis jetzt umzusetzen? Ah, das hat mir aber nicht gefallen, dass er in den Rückzug gegangen ist. Und dass man dann wieder quasi über das Verständnis des ursprünglichen Bedürfnisses wieder in die Kommunikation kommt, über die Strategie, die man vielleicht auch in Teambuilding-Maßnahmen dann anpassen kann. Und da kann man natürlich viel auch szenisch, spielerisch oder halt einfach aus dem Improvisatorischen anwenden, damit eine Gruppe wieder zueinander finden kann. Einfach mal außerhalb des eigenen Settings, dass die mich zum Beispiel buchen. Wir haben hier im Raum Möglichkeit für 16 bis 20 Leute, aber es gibt auch im La Post Möglichkeiten, größere Kongressräume zu mieten, um dann einfach wieder Teambuilding-Maßnahmen zu schaffen, dass das Team wieder in die Kommunikation kommt, weil oft werden Konflikte abgegeben an den Manager und dann wird nur noch über den Manager kommuniziert. Kann man sich gar nicht vorstellen auf den ersten Blick, ist aber oft leider so. Ja, und Kommunikation, sein Thema zu präsentieren, etwas zu verkaufen, wenn ein Kunde aus Amerika kommt oder so, das dann nochmal zu üben, wie ist die Körpersprache? Das heißt ja nicht, wenn ich Experte bin in meinem Thema, dass ich es auch verkaufen und vergrößern kann. Und Bühne bedeutet für mich ja meistens Distanz von 60 Meter überbrücken und das groß machen, was ich quasi transportieren will. Und da geht es viel davon, sich zu lösen, von geschriebenem Text in die gesprochene Sprache zu kommen. Wie texte ich gesprochene Sprache? Wie möchte ich das Publikum ansprechen, wie spreche ich Adressaten orientiert, all sowas? Das kann man bei mir trainieren. Gibt es also Ace-zu-Ace-Peratiger, wo du denn auch bietisch? Ja, ich trainiere auch eins zu eins mit dem Fokus vor allem Hilfe zu Selbsthilfe. Das ist keinersatz für psychologische Betreuung. Das heißt, es ist auch immer wichtig zu wissen, gibt es eine Grunderkrankung, ist der Mensch gerade in einer akuten therapeutischen Begleitung. Das ist immer eine Grundlage medizinischer Natur, das muss man einfach wissen. Ob der Mensch dann vielleicht auch Trigger hat, die ihn vielleicht retraumatisieren können. Das gehört natürlich in Fachhände. Aber es gibt natürlich auch Trainings, die dir einfach helfen, dein Leben selbstwirksamer zu gestalten. Und meine Mission ist einfach, Menschen dazu begleiten, dass sie sich trauen, ihre eigene Wahrheit zu leben. Das heißt, wenn sie in ihrer Familie immer angepasst gelebt haben oder in ihrem Umfeld, dass sie dann wirklich herausfinden, was gehört denn eigentlich zu mir, was sind denn eigentlich meine Gedanken, was ist mein Warum und was möchte ich in der Welt für einen Beitrag leisten.

SPEAKER_02

Wow, wow. Es ist ganz reich. Also es hört sich ja einfach so interessant an, auch, dass die Menschen wirklich sich entwickeln können, ihr Potenzial noch herausbringen können, oder?

SPEAKER_00

Und das ist nie zu spät. Es gibt immer wieder Menschen, die ein neues Ja zu sich finden, wenn man sich für sich selber öffnet und auch in der Stille ist. Und ich finde es zum Beispiel ganz beeindruckend, auch Menschen zu begleiten, die sagen mit 64, ich trenne mich nochmal von meinem Partner. Ich möchte lieber in der Stadt wohnen. Ich kann mir nicht vorstellen, auf dem Land zu wohnen oder so. Und die dann aus der Selbstliebe heraus und aus der Motivation für sich selbst, nicht gegen den anderen, nochmal für sich selbst einen neuen Weg beschreiten wollen. Und dafür braucht es manchmal Mut. Und Veränderung hat immer so fünf Schritte. Das heißt, man muss erstmal ins Bewusstsein kommen, was nagt denn da an mir, was ist die Unruhe, dann wo kommt das her? Warum bin ich so angepasst? Ist das vielleicht ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit, dass ich mich da nicht um mich kümmere? Und dann kann ich das loslassen, in die Neuausrichtung gehen und dann ins Tun kommen und für mich einstehen. Wow, schön, schön.

SPEAKER_02

Und jetzt bist du ja noch gar nicht so lange hier.

SPEAKER_00

Ja, ich bin dann im Juli hier angekommen, sah diese wunderschönen Räume. Nach sechs bis acht Wochen war mir schon langweilig, weil ich, wie gesagt, für den Lokalfunk und für das Land NRW unter der Woche mit 350 verschiedenen Menschen gearbeitet habe, in Schulkooperationen, habe ich Grundmusikalisierung gemacht und Musiktheater. Für den Lokalfunkradio habe ich quasi Live-Bühne moderiert. Und dann fehlten mir die ganzen Sozialkontakte. Und nachdem ich dieses wunderschöne Studio mieten durfte hier, kamen immer mehr Menschen mit der gleichen Energie zu mir. Es war ganz schön, wie ich hier eingeräumt habe, hatte ich an den ersten Monaten einfach wie eine Ausstellungsfläche gestaltet. Ich habe Kostüme in den Raum gelegt und eine Szenerie-Landschaft, sodass man sehen kann, dass es musikalisches geschehen kann, habe quasi mit bunten Linien, Noten abgebildet und die großen Fenster dekoriert. Und eines Tages, als ich einräumte, kam eine indische Frau auf mich zu. Sie müssen die Ladenbesitzerin sein. So habe ich mir die Person vorgestellt, die diese Energie hier in dieses Ort bringt. Und das fand ich so schön, dass es einfach spürbar ist, dass da eine kreative Energie ist, die einfach was geben will.

SPEAKER_02

Wie ist es mit den Kontakten? Kommst du dich jetzt schon gut vernetzen hier oder bist du einfach immer noch dran?

SPEAKER_00

Also ich denke, das ist ein Prozess. Vor allem, weil die Schulinstitutionen doch sehr geschützt sind. Also in Deutschland kann man einfach Angebote machen für umsonst oder eine musikalische Pause oder man stellt sich vor in einer Schule. Und hier braucht es einfach ein bisschen mehr Zeit und Vertrauensarbeit. Und ich war sehr dankbar, dass ich den lokalen Schuldirektor treffen durfte. Er hat sich sehr viel Zeit genommen und auch seine Schulleiter quasi mit mir vernetzt, dass wenn die Interesse haben an Kooperationsprojekten, gerade Sprachbildung, Konzentrationstraining, all sowas, kann man ganz gut über diese Prozesse mit den Gruppen erarbeiten, dass das peu à peu möglich sein wird. Und jetzt vor kurzem hatte ich sogar die Gelegenheit mit der Spielstätte La Post eine Kooperation zu gestalten, auch für das kommende Jahr. Wenn mir das jetzt noch gelingt vor meiner Entbindung, darf ich sogar noch im Mai bei den Schauspielworkshops für Kinder zwischen 12 und 16 das Vocal-Training übernehmen an der Spielstätte und dann im kommenden Jahr die jüngeren Altersgruppen übernehmen. Das heißt, es braucht ein bisschen, es ist hier im Wallis so, dass es eins zu eins geht. Das heißt, die Menschen sind noch im echten Kontakt und Austausch. Das hat Vor- und Nachteile. Ich mochte schon immer auch kleinere Institutionen oder in der Stadt, wo ich vorher lebte, Wuppertal, das ist eine Großstadt, aber das Netzwerk, das Künstlerische, ist klein. Das heißt, Menschen reden miteinander und hier ist das genauso. Das heißt, das braucht ein bisschen, aber dann wird es wie ein Lauffeuer sein, glaube ich, dass die Menschen sich anstecken lassen, mutig sind und einfach mal reinkommen und selbst erfahren, was denn da vielleicht noch auf sie wartet. Ich glaube, das braucht auch immer wieder Mut. Dass man sagt, aha, Selbstentwicklung, was ist das denn? Was ist denn überhaupt, dass ich das wirklich dann noch was auf mir rauskitzeln kann? Das braucht ein bisschen Überwindung.

SPEAKER_02

Ja, das ist so dein berufliches Feld, dass du zurück zum Radio möchtest, war das kein Thema hier in der Schweiz?

SPEAKER_00

Ich habe jetzt acht Jahre Lokalfunk gemacht und war jetzt quasi an meinem Redakteurenschein halt das nächste gewesen. Und für mich war klar, danach geht es zum bewegten Bild. Also ich wäre dann zum Fernsehen gewechselt. Und dann war halt die Frage nochmal Familiengründung, ja oder nein. Und das war für uns klar, dass es ein Wunsch ist. Und wenn man dann halt nochmal zum bewegten Bild wechselt, ist dann die Situation einfach klar, dass man da fünf, sechs Jahre am Stück arbeitet und dann wäre das Thema Familie nicht mehr für uns möglich gewesen. Und hier zum Lokalfunk zu wechseln, das wäre jetzt einfach auch wegen meiner Sprachkompetenz. Das war Lisa-Deutsch, wäre das wahrscheinlich eine schwierige Sache. Da wäre ich wahrscheinlich dann in den Nachrichten und dafür bin ich einfach zu energetisch. Man würde mir unglaublich viel wegnehmen von meiner Fähigkeit zu moderieren. Das wird mich dann doch ein bisschen traurig machen. Ich könnte Nachrichten sprechen, klar. Das hat man in der Ausbildung gelernt, aber das ist nicht das, was mich interessiert. Mich interessieren Menschen und ihre Geschichten und ihr Warum. Und das möchte ich gerne groß machen. Ich war immer schon gerne ein Briefträger, der anderen Menschen den Rahmen gibt und nicht unbedingt nur gerne das Bild.

SPEAKER_02

Und wenn wir so einen Bogen machen zu Geschichten, gibt es da so Geschichten aus deiner Kindheit oder etwas, das dich dazu bewogen hat, wirklich dann die Ausbildungen zu machen, die du gemacht hast. Ja. Vielleicht gibt es da eine, mehrere Geschichten, vielleicht etwas, was dir einfällt, was du gerne teilst.

SPEAKER_00

Also ich bin ein Kind von sieben Kindern, das Kind der Mitte, die vier von sieben, and ich habe fünf Brüder. Am Anfang sang ich in einem Knabenchor, weil der Chorregent eine Tochter bekam, gehörte ich zu den ersten Generationen, ein Mädchen, die dort singen durfte. And mit 16 war dann die Stimme, die mutierte dann und man konnte hören, dass ich eine Frauenstimme entwickelte. Und dann wechselte ich zum Jugendopernchor. Also es war immer schon so diese Polarität mit Jungs groß werden in einem Frauenkörper. Was bedeutet das eigentlich? Und wie passe ich da rein? Und im jungen Chor musste ich einen Zopf tragen und man durfte sich nicht herrichten, sondern musste sich da einfügen ins Bild. Und auch in der Familie wollte ich lange einfach ein Junge sein. Auch der jüngere Bruder nach mir war ein Junge. Und dann kam erst zeitversetzende jüngere Schwester. Und das hat alles ein bisschen gebraucht, bis ich diese Weiblichkeit auch in mir gefunden habe. Das fand ich ganz spannend so auf der Reise. Und ich hatte das Glück, meine Großeltern noch mitzuerleben und hatte sehr, sehr starke Frauen in der Generation drüber. Das sind ja Frauen ganz unterschiedlicher Art gewesen. Auf der einen Seite habe ich eine Großmutter, die die Flucht erlebt hat, die ihr erstes Kind im Krieg verloren hat, die gehungert hat und dann in Augsburg quasi in diese Weber-Dynastien kam. Und auf der anderen Seite hatte ich eine andere Großmutter, die sehr gebildet war, die in einem Arzthaushalt lebte, die ein ganz anderes Leben genoss. Und diese Frau, meine Lieblingsoma auch, war ein besonderer Mensch, sehr belesen, sie liebte die Tiere, die Blumen. Aber sie war auch gern für sich, sie war sich oft selbst genug, sagte man früher. Was das damit auf sich hatte, wusste man damals noch nicht so genau. Man hat das noch beschönigt und kannte die Worte noch nicht. Heute weiß ich, was mit der Oma los war und die hat mir auch so ihr Lerngeschenk mitgegeben. Die hat, würde ich heute sagen, beobachtend, hatte sie wahrscheinlich die gleiche Herausforderung wie ich mit in ihr Leben bekommen, eine bipolare Erkrankung. Und mit dieser bipolaren Erkrankung ist es halt so, also viele Menschen kennen ja depressive Phasen, das sind so ganz schwermütige Phasen. Jeder Mensch hat so ein bis zwei depressive Phasen sowieso in seinem Leben. Aber ein bipolarer Mensch hat auch diese Hochphasen, diese euphorischen Phasen. Und bei meiner Großmutter war das halt einfach gedeckelt. Es gab einen großen Lebensstandard, es gab viel Geld in der Familie, da fiel das einfach nicht auf und wenn es ihm nicht gut ging, fuhr sie auf Kur. Und Jahre später, als ich 20 war, wurde ich das erste Mal selber krank, hatte eine schwere depressive Episode, auch noch durch den Hashimoto verstärkt, bis hin zu koordinatorischen Störungen. Und war damals auf meinem Auslandsaufenthalt in Neuseeland und musste nach Hause reisen. Und zu Hause wussten meine Eltern, obwohl die auch im medizinischen Bereich sind, nichts damit anzufangen. Sehr katholisch, also war Ora et labora, also wenn du bei uns wieder zu Hause im Haushalt hilfst und tust, wirst du wieder gesund. Und es wurde immer schlimmer, ich war schon über fünf Wochen fast schlaflos. Und dann kam ich Gott sei Dank in ein Krankenhaus. Es hat lange gedauert, weil so eine zweite Phase, um wirklich herauszufinden, was das für eine Erkrankung ist, kann sehr zeitversetzt kommen. Und dann hatte ich anderthalb Jahre später meine erste manische Episode. Und das war sehr herausfordernd, weil viel Schlaflosigkeit und man ist unkonzentriert und irgendwann hat man auch größtenwahnsinnige Ideen, man kauft Sachen, die man nicht braucht und hat Fantasien und das kann hingehen bis zu psychotischen Episoden, wo Menschen dann, also Männer denken dann manchmal, wenn sie sehr religiös sind, sie sind Gott oder sie sind Hitler oder irgendwelche großen historischen Figuren. Und dann braucht man auch Medikation am Anfang. Und das hat dann eine Weile gedauert, bis ich mit dieser Herausforderung leben lernen konnte. Was ganz spannend ist, was ich retrospektiv gut sagen kann, dass es immer in meinem Leben schon Momente gab, dass Eigenschaften Symptome eigentlich waren. Das heißt, das Wichtige ist, wenn man einen Menschen kennenlernt, der eine Grunderkrankung hat, dass man ganz genau weiß, was sind Symptome einer Erkrankung und was ist der Mensch hinter der Erkrankung. Und all die Jahre, ich habe dann zehn Jahre gelernt, mit dieser Erkrankung zu leben, weil das Wichtigste ist, dass man lernt, Anspannungsbereiche zu regulieren, damit die Erkrankung nicht mehr ausbricht. Das heißt, je länger man die Phasen dehnen kann, in denen man gesund ist, desto weniger häufiger bricht diese akute Phase aus. Und das gelang mir dann peu à peu immer besser. Ich hatte dann auch eine Weile Abstand zu meiner Familie gebraucht, weil da auch immer wieder Informationen reingespielt haben und es wirklich schwer ist, in der Familie zu therapieren. Da entstehen Fehler und es ist immer wichtig, dass man diese Dinge in objektive, externe Hände abgibt. Und dann habe ich über die Zeit herausgefunden, was es denn braucht. Und mit so einer schweren Erkrankung in Deutschland war ich zunächst 70 Prozent schwerbehindert eingestuft, was es braucht, um damit leben zu können. Weil meine Wahrheit war es damals nicht im Krankenhaus, als ich wieder peu à peu durch die Medikamente gesund wurde, dass ich mich mit einem stationär betreuten Wohnen für mein Leben lang zufrieden gebe. Das wäre eine Möglichkeit gewesen. Und am Anfang ist man ja in seinem Selbstvertrauen so verunsichert, weil man erkrankt ist, man ist steuerungsunfähig vorgesetzt, das heißt auch nicht gerichtsfähig, wenn da irgendwas passiert, dass man dann erstmal wieder sich vertrauen lernen darf. Und jetzt bin ich seit 16 Jahren mit diesem Lerngeschenk unterwegs und habe für mich herausgefunden, was es braucht, welche Tools braucht, damit man gesund leben kann mit so einer Grunddiagnose. Und dieses Wissen, das gebe ich auch gerne weiter. Ich habe letztes Jahr angefangen auf Instagram, extra für Bipolare und Menschen mit Affekterkrankungen zu posten. Affekterkrankungen sind alle Erkrankungen, in denen Menschen ein Problem haben mit der Deregulierung von Emotionen. Das heißt, im Neuro, also im Gehirn funktioniert die Datenübertragung einfach nicht. Man kann sich das vorstellen wie eine Übersteuerung. Und es gibt aber viele Möglichkeiten, um diesen Menschen zu helfen, dass sie Tools haben, in die Kraft zu kommen, damit ihre Störungsmuster nicht auftreten. Und für mich war da Selbstfürsorge das größte Thema, weil auch Helfende auszusuchen, ist eine Herausforderung. Weil viele Menschen füllen sich ihre Fässer auf, dadurch, dass sie anderen helfen, aber das ist keine richtige Hilfe, weil diese Menschen werden dann zur Krücke eines Menschen, der erkrankt ist und die destabilisieren den Menschen dann noch mehr. Das bedeutet, dieser Mensch wird dann als wie ein Muskel, wenn ich den nicht benutze, wird der Muskel immer schwächer und schwächer. Und das heißt, das ist eine Form von Co-Abhängigkeit, die dem Menschen nicht dient in seiner Entwicklung. Und ich durfte lernen, was es bedeutet, selbstfürsorglich zu sein. Und ich glaube, das ist ein riesengroßer Schatz zu unterscheiden zwischen Egoismus und Selbstfürsorge. Selbstfürsorge bedeutet, ich, zum Beispiel wie im Flugzeug, Akutsituationen, Sauerstoff in der Luft fällt, ich versorge erst mich mit Sauerstoff und danach helfe ich den Menschen um mich herum. Und das ist, glaube ich, so das Größte, was mir einfach weitergeholfen hat im Leben und was ich auch anderen Menschen weitergebe, die immer so im Außen sind, innen Strategien zu finden, um in die Selbstführung zu kommen. Und das egal mit welchen Grundvoraussetzungen. Da bin ich inspiration für viele Menschen geworden, die am Anfang doch so einen Stempel bekommen haben, der sehr endgültig war.

SPEAKER_02

Wie sieht es bei dir jetzt noch mit Medikamenten aus? Musst du, brauchst du Medicamente, dass du stabil bleibst, or konnten die Medikamente ausschleichen?

SPEAKER_00

Also das Wichtige war für mich, als ich den Wunsch hatte, schwanger zu werden, dass ich schon lange mit der Erkrankung unterwegs bin. Also man sagt, and ich würde das auch niemandem raten, es gibt Stimmungsstabilisatoren. Das sind Medikamente, die die Peaks abschneiden, diese Erkrankung. Das heißt, die Erkrankung hat immer noch diese Schwankungen, aber die Höhen, die ganz krassen Höhen und die ganz krassen Tiefen werden dadurch reduziert. Und ich würde niemandem raten, der neu ist mit der Erkrankung, dass er ohne diese Medikamente durch die Welt geht. Weil das ist wie wenn man zum Beispiel sagt, ich bin Brillenträger und ich diskutiere jeden Tag neu, ob ich mich ins Auto setze und meine Brille anziehe oder nicht. Also es geht ja darum, dass ich Teilhabe sichere für mich, aber auch mein Umfeld schütze, dass ich quasi in meiner besten Qualität am Leben teilnehmen kann. Und als dann klar war, dass ich jetzt schwanger werden möchte, war für mich notwendig, dass ich peu à peu die Medikamente absetze. Das heißt, ich habe 2022, mein erstes Medikament abgesetzt und dann letztes Jahr im Januar mein zweites Medikament. Aber wie gesagt, ich habe die Medikamente 15 Jahre genommen. Und das war dann tatsächlich für mich auch keine große Herausforderung, weil mein Leben rundherum und meine Skills, die ich mittlerweile habe, um mit Frühwarnzeichen gut leben zu können und die auch gegenregulieren zu können, dass ich das dann quasi für mich im Griff hatte. Für andere Menschen, die zu früh in die Entscheidung kommen oder selbst Medikamente an- und absetzen, würde ich immer sagen, tu es nicht. Weil je schneller du wieder krank wirst, je häufiger sich diese Episoden aneinanderreihen, desto labiler wirst du. Und wir haben hier in Deutschland den Vorteil und auch in der Schweiz, dass wir diese Netzwerke haben und an Medikamente kommen. Ich kenne ganz viele Bipolare, Kanye West ist ein Riesenbeispiel, es gibt ganz viele große Künstler auch. Aber ganz viele Menschen in Amerika haben nicht diese finanziellen Möglichkeiten, die haben nicht das Gesundheitssystem, zu sagen, ich gehe in eine Klinik, ich mache eine ambulante Begleitung, ich bin im ambulant betreuten Wohnen. Und also ich finde, das ist schon fast unterlassene Hilfeleistung für sich selbst, wenn man sich nicht die Unterstützung gibt, die es braucht, um quasi durch Psychoedukation diese kognitiven Dinge zu lernen, die es dann später ermöglichen können, ein medikamentenfreies Leben zu führen. Aber nicht am Anfang.

SPEAKER_02

Das würde ich niemandem empfehlen. Also hättest du auch die Möglichkeit, wieder Medikamente zu nehmen, wenn es dann wieder Veränderungen geben würde.

SPEAKER_00

Ja, also das würde ich auf jeden Fall tun und ich würde es auch empfehlen, man geht ja davon aus, dass so eine Erkrankung ausbricht bei großen Veränderungen. Das heißt, der Lebensabschnitt der Jugend war vorbei, ich bin ins Ausland gegangen, die erste Liebesbeziehung ging in die Brüche. Dann kann sowas ausbrechen. Das schläft schon immer in dir. Symptome waren bestimmt auch immer mal hier und da zu sehen. Aber dann kann sowas ausbrechen. Und dann habe ich viel gesehen bei Menschen in Kliniken, in Einrichtungen, dass sowas nochmal ausbricht, wenn der Lebensinhalt sich verändert. Zum Beispiel bei Frauen in den Wechseljahren, bei Frauen, die aus dem Elternsein plötzlich sich neu definieren müssen. Das heißt, wenn so Identitätsfragen nochmal auftreten, das kann den Menschen sehr verunsichern. Oder wenn ein großer Verlust durch einen Liebespartner oder einen Elternteil ins Haus steht, dann kann der Mensch nochmal so destabilisiert werden, dass sowas nochmal richtig akut wird. Natürlich gibt es auch Menschen, die nie in so eine Stabilität kommen, weil sie nicht die Dinge tun, die es braucht, um diese Rahmenbedingungen zu gestalten, dass du ein stabiles Leben führen kannst. Dazu gehört zum Beispiel Schlaf, früh schlafen gehen, gerade mitteleuropäischer Zeit die Zeit zwischen 10 und 3 Uhr, Sport machen, sich viel bewegen an der frischen Luft, reizarm leben, frühabends reizam in die Nacht kommen, sich ein Umfeld zu gestalten, was dir Feedback geben kann, was dir sagt, okay, ich bemerke, deine Gedanken, die springen, du, du verbringst Zeit mit fremden Menschen, die ich sonst noch nie gesehen habe. Es kommen dauernd Pakete an und du kaufst Sachen, die du nicht brauchst. Du hast 16 Sektkühler gekauft im Sonderangebot, ja, Papa Antiportas, ja, mit den Senfgläsern, gutes Beispiel. Also all solche Dinge, dass man ein Netzwerk hat, dass man eine Gesundheitshygiene hat, eine Routine und viele Abläufe, die dich einfach stützen. Es gibt Menschen, die schaffen das nie dorthin. Und dann muss man auch wirklich die Einsicht haben, ein Meter als Nichtschwimmer im tiefen Wasser ist tödlich. Und solche Menschen, für die ist das dann wichtig, dass es sowas gibt wie stationär betreutes Wohnen. Das hat alles seine Berechtigung. Aber da jeder eine andere Ressource hat, kann es sein, dass ein Mensch mit der gleichen Erkrankung und ganz anderen Ressourcen ein ganz anderes Leben gestalten kann. Es ist ein bisschen so, wenn ich sage, der Deutsche und der Deutsche. Ja, der Deutsche in Hannover ist ein ganz anderer Deutsche wie der Deutsche in Bayern. Und so ist das auch mit Erkrankung. Nur weil jemand die gleiche Grunderkrankung hat, heißt das nicht, dass für ihn das Leben genauso laufen muss und den gleichen Stempel bekommen muss im Krankenhaus, wie ein anderer Mensch, der ganz andere Ressourcen mitbringt.

SPEAKER_02

Wow, danke schön. Da hast du jetzt ganz vieles geteilt. Und ich denke, es ist ganz wichtig, das auch nach außen zu tragen, weil das deine Erfahrung ist, die du gemacht hast.

SPEAKER_00

Ja, was mir jetzt aufgefallen ist in dieser Online-Beratung, dass es doch tatsächlich fast mehr Angehörige gibt von Affekt-Erkrankten, die Hilfe brauchen, weil die so unglaublich falsch helfen. Und der Erkrankte, der am Anfang gar nicht weiß, was ist Krankheit, was bin ich eigentlich gewesen, der da erstmal zehn Jahre vielleicht braucht, um gut im Fahrwasser zu sein, natürlich um Hilfe schreit, aber gar nicht weiß, was Hilfe für ihn eigentlich bedeutet und dann in der Hysterie Angehörige einfach vieles falsch machen. Und dann halt auch zu verstehen, wirklich zu studieren und sich damit auseinanderzusetzen, was sind die Symptome und wie kann ich mich als Angehöriger schützen, wie kann ich mir so einen Panzer bauen, dass ich quasi eine Distanz zu dem Geschehen schaffe, ohne es persönlich zu nehmen, weil da eine Störung vorliegt. Und da kann ich natürlich jetzt helfen, wo meine Familie damals alleine war. Weil ich den Menschen als Angehörigen sichtbar machen kann, was gehört denn da und sie auch daran erinnern kann, wen habt ihr denn da vorher geliebt? Was waren denn die guten Eigenschaften an den Menschen, dass sie den Menschen hinter den Symptomen nicht vergessen? Weil das wirkt dann manchmal so ganz aggressiv oder verstörend, was da gesagt wird. Aber wenn ein Mensch steuerungsunfähig ist, dann handelt er nicht nach seinen Werten und seinen Idealen, sondern da ist wirklich eine Krankheit am Werk, die diesen Menschen quasi fremd steuert. Und das kann sehr heilsam und versöhnlich sein. Also ich bin jetzt seit über einem Jahr in der Begleitung eines Paares. Er ist akut immer wieder manig, weil er Angst hat vor der Depression, übernächtigt er, konsumiert Alkohol, weil er Angst hat, dass es jetzt kippt, irgendwann, weil der Körper in der Erschöpfung ist. Und diese Partnerin hatte diesen Mann kennengelernt, von Anfang an wissend, dass er diese Diagnose hat, aber nie eine Akutphase begleitet. Und dann nach drei Jahren wunderschöner Zeit mit dem tollsten bricht diese Erkrankung aus. Und das ging ja alles ins Herz, was er gesagt hat. Der brauchte sie plötzlich nicht mehr und fand alle anderen interessant und größenwahnsinnige Ideen. Und dann brauchte sie jemanden, der übersetzt, der ihr hilft, zu verstehen, was daran Symptome sind. Weil es ist immer noch die gleiche Verpackung an Mensch, die da mit dir redet, aber der eigentliche Mensch ist irgendwo nicht da. Der ist eigentlich auf Hawaii. Und da sitzt ein sehr fremdgesteuerter, kranker Mensch. Und dass man das dann auch wirklich sehen kann und dann wie so ein Superheldenanzug, eine Rüstung, wie bei den Power Rangern sich anziehen kann, dass man das zwar sieht, was da passiert, aber dass man sich professionell auch ein bisschen davon distanzieren kann, was da kommuniziert wird, um sich zu schützen, um dann wirklich ein guter Helfer zu sein, damit die Menschen nicht ihr komplettes Umfeld verlieren, um wieder anzudocken. Es gibt dann auch immer wieder klarere Momente. Und gerade wenn jemand nicht einsichtig ist und keine Medikamente nehmen will in so einem Akutzustand und leider noch nicht fremd oder eigengefährdend ist, dann kann auch keine Behörde helfen. Und dann gibt es Momente, zum Beispiel, da bemerkt man, der nimmt jetzt alkoholisiertes Auto. Ja, dann ist man nah dran. Und wenn es dann noch keine Sicherungsstrukturen gibt, wie ein rechtlicher Betreuer, der dann einfach bei der Polizei anrufen kann, sodass es dann einen Beschluss gibt über einen Richter, dass die Person sechs bis acht Wochen ins Krankenhaus kommt. Weil man ja vorher nur diese drei Jahre rosige Zeit hat, dann ist man sehr hilflos und man will denjenigen ja auch nicht ausliefern. Das heißt, da darf man schauen, okay, aber in welchem Auftrag bin ich jetzt? Bin ich dann plötzlich auch plötzlich co-abhängig, wenn ich die anderen Menschen nicht schütze und der jetzt ins Auto steigt? Also, dass man dann schaut, welche Möglichkeiten habe ich, wer kann mir da helfen, wie kommuniziere ich mit dem Netzwerk, drumherum, mit den anderen Menschen. Welche guten Entscheidungen treffen wir dann für uns und für die lange Sicht?

SPEAKER_02

Das könnte ja dann auch ganz viel Verlust bedeuten, oder? In solchen Phasen, dass der ganze Freundeskreis dann wegfällt.

SPEAKER_00

Ja, ich habe meinen Manika kennengelernt, der war Manager, hatte eine große Firma und er wachte mal nicht auf und war sehr wütend und sehr aggressiv. Der hat den Bagger genommen und hat die ganzen Autos seiner Angestellten mit der Schaufel zerschlagen. Er haftet dafür nicht. Es gibt keine Versicherung, die dafür haftet. Er ist nicht schuldfähig. Und das sind dann halt Dinge, die passieren. Das können halt Menschen, die keinen Zugang haben, die keine Brücke gebaut bekommen durch Menschen wie mich, die anfangen zu sprechen, zu erklären. Die können dann da keinen Zugang finden und keine versöhnlichen Gefühle etablieren. Und das ist halt so schade, weil uns sieht man das halt nicht an, Menschen mit einer Erkrankung dieser Art. Wir haben keine Narbe, wir haben den Rollstuhl nicht. Und trotzdem ist das Rollstuhlbeispiel, finde ich, trotzdem sinnführend, weil niemand würde jemand anschreien und sagen, ey, das sind nur zwei Stufen, jetzt stell dich nicht so an, das kriegst du hin. Mit einem Rollstuhlfahrer, da weiß man auch, wenn man morgens hektisch ist und der Busfahrer muss anhalten, aussteigen, die Klappe hinten ausfahren, dass der hochrollen kann. Jeder ist vielleicht morgens gehetzt, aber trotzdem gibt es dafür Verständnis. Ein Mensch, der ein Störungsverhalten zeigt, was aneckt, und die Verpackung wirkt aber so, als wäre der Mensch funktional, der findet nicht das Verständnis, wenn er die Worte und die Sprache, um sich verständlich zu machen, noch gar nicht gelernt hat. Und das sorgt natürlich für Einsamkeit, das sorgt für Verlust, das sorgt dafür, dass man auf Scherben läuft. Bei Frauen ist zum Beispiel der Bereich der Nymphomanie im Manischen halt auch mit drin, super gefährlich. Frauen schlafen dann mit wildfremden Menschen, sind dann nicht in der Lage, sich vor sexuellen Erkrankungen zu schützen. Und dann hast du plötzlich als junge Frau irgendwelche wildfremden Männer nach so einer Phase, die dann immer noch bei dir klingeln und denken, du hast dich in sie verliebt. Und dabei ist das, nach der Erkrankung ekelst du dich. Und willst damit nichts mehr zu tun haben. Und das Schlimme ist ja, nach so einer Erkrankungsphase dieser Art, du hast alle Erinnerungen noch. Es ist so, als hat jemand mit deinem Körper Party gemacht. Aber es ist nicht wie in einem Rausch, dass du dich nicht mehr erinnerst, sondern die Erinnerungen bleiben. Und das kann durchaus dann auch noch Material sein, was dich irgendwie verstört im Nachgang. Und da braucht man wirklich gute Menschen um sich rum, die das versorgen können.

SPEAKER_02

Auch ein stabiles Netz, das bleibt trotz diesen Schwankungen, oder?

SPEAKER_00

Trotz der Erkrankung. Ja, also wünschenswert ist ja irgendwann, dass diese großen Peaks nicht mehr auftreten. Das liegt dann wirklich auch an dem bewussten Gestalten der eigenen Lebensroutine und das fordert eine Bereitschaft, dass man das Leben nicht so führen kann wie andere. Also für mich war irgendwann relativ schnell klar, dass diese Opernabende in der Nacht nach hinten raus nicht möglich werden. Ich habe das Stimmmaterial, man sagt, ich habe viel Metall in der Stimme, man geht davon aus, dass die Stimme jugendlich dramatisch wird. Von der Physiognomie sehe ich auch aus wie jemand, der zum Beispiel gut nach Breuth passen würde. Ich hatte damals auch ein Stipendium von der Richard-Wagner-Stiftung. Die Sache ist aber die, ich weiß, wir proben auf dunklen Probebühnen ohne Tageslicht stundenlang. Dann haben wir eine Mittagspause im Gelände, abends geht es wieder auf die Bühne und nach der Bühnenzeit ist der Abend sehr lang. Das heißt, man kommt nicht reizam in die Nacht. Und dieser Dauer, dieser Dauerstress, diese Rahmenbedingungen wären einfach nicht gesund für mich. Und das sind dann so Momente im Leben, da darf man sich nicht gegen die Wellen des Lebens stellen, sondern man muss mit den Wellen gehen, um das anzunehmen und darf dann schauen, okay, wie kann ich denn anders einen Schatz für die anderen Menschen sein? Wie kann ich anders dienen? Und dann, das hat was mit Abschied nehmen auch zu tun und trauern, dass man sagt, okay, das wird wahrscheinlich nicht mein Weg sein. Vielleicht gibt es andere Möglichkeiten, andere Rahmen, wo ich singen und spielen kann. Aber dieser Dauerbetrieb in so einem Regelhaus, das würde nicht funktionieren. Das ist einfach dann nicht verträglich mit den Herausforderungen, die man hat.

SPEAKER_02

Ja, jetzt steht ja bei dir kurz die, ja, schon bald kriegst du ein Kind. Ja, das kann ja auch ganz viel machen. Hast du dich da besonders vorbereitet?

SPEAKER_00

Also die Wahrheit ist, dass ich mir lange die Frage gestellt habe, auch in Erkrankungsphasen, ist es gut, dass es Menschen gibt wie uns? Und ich glaube, das war die schmerzhafteste Frage, die ich mir stellen durfte, weil in schweren depressiven Phasen fühlt man sich unglaublich wertlos. Und wenn man lange krank ist, hat man auch das Gefühl, man ist eine Last. Und mit deutschem Hintergrund, sich solche Fragen zu stellen, ab wann ist Leben lebenswert und welche Menschen sollten hier sein und sollten Menschen mit Beeinträchtigungen hier leben und man selber ist vielleicht so ein Mensch. Ich habe vielleicht lange auch gar nicht gedacht, dass ich so wertvoll bin, dass ich irgendwann einen Partner finde, der sagt, ich möchte genau mit dir ein Kind haben. Und von daher war das für mich eher die Herausforderung, als die Schwangerschaft selber zu gestalten, dass ich mir darüber im Klaren werden musste, warum Menschen mit dieser Erkrankung wertvoll sind und warum ich meine Oma so geliebt habe und warum meine Freunde mich so schätzen. Und dass es wirklich wichtig ist, dass wir uns ab und zu einen warmen Regen schenken lassen, dass andere Menschen dir sagen dürfen, warum du für sie ein Licht bist, warum du für sie ein Leuchtturm bist und was deine Wertigkeit ist neben dieser Krankheit, die du dich dir nicht ausgesucht hast, ja. Also es gibt ja Menschen, die verursachen irgendetwas, weil sie bewusst sich schaden oder so. Aber manche Krankheiten sind ja nicht auf Bestellung gekommen, sondern das ist einfach etwas, das bekommst du einfach wie ein Kreuz mit in dein Leben, um dann später vielleicht zu verstehen, dass das eigentlich dein großes Licht ist, weil du damit, mit den Schätzen, die du auf dieser Reise, um damit zu leben, für dich erarbeitet hast, für andere dienlich sein kannst. Und als ich diese Frage für mich geklärt habe, dass ich gedacht habe, ja, doch, auch mein genetisches Material ist wertvoll und warum nicht? Ich habe so viele Menschen, die sagen, dass sie gerne mit mir zusammen sind. Und dann habe ich diesen Mann gefunden. Und dann war der Rest eigentlich ein Spaziergang. Aber das war wirklich, das war eine Frage, die hatte ich oft. Ist es sinnvoll, dass es Menschen gibt, die anderen so zu Last fallen? Und dass, wenn man dann irgendwann sieht, dass man vielleicht auch Geschenk ist und nicht nur Last, dann kann sich das drehen.

SPEAKER_02

Wow, wunderschön, dass du dir ganz viele Gedanken gemacht und gut nachgespürt. Wo geht es durch? Ich spüre, dass wir so langsam den Bogen machen oder den Kreis schließen. Möchtest du noch etwas in die Welt hinaussprechen, was du einfach so gerne jetzt hier im Podcast noch teilen möchtest? Vielleicht irgendetwas, was gerade wichtig ist für dich, was jetzt in die Welt rausgehen soll, darf?

SPEAKER_00

Ja, also ich arbeite im Moment an einem neuen Format. Das heißt, dein Ja zu dir, was eine Brücke zu anderen braucht oder brauchte. Das kann alles sein. Also ich habe schon Frauen begleitet, die sich irgendwann bewusst für eine Abtreibung entschieden haben, die plötzlich da ins Kreuzfeuer geraten sind. Es kann aber auch sein, dass du dich in den Bruder von deinem ehemaligen Partner, der an Alkoholismus gestorben ist, verliebt hast, weil du ih all die Jahre quasi als helfende Hand an der Seite hattest und dann später verkünden musstest in deiner Familie, dass du jetzt nach dem Tod, nach dem Ableben mit dem Bruder den Weg weitergehst. Also ich begleite Menschen in ihrem Selbstausdruck darin, in dem Format für ihre Wahrheit aufzustehen, zu erzählen, wo sie für sich entschieden haben, ja, das ist meine Wahrheit und ich möchte dafür aufstehen und das auch kundtun und damit leben, egal wer danach noch zu mir Ja sagt. Solche Menschen würde ich gerne abbilden und wenn du dich da angesprochen fühlst und ein großes Ja zu dir selbst gefunden hast und weißt, dass du da mit anderen Menschen Inspiration sein kannst, dann würde ich mich total gerne mit dir verknüpfen und connecten, um das abzubilden, was da in dir so leuchten darf jetzt.

SPEAKER_02

Wie bildest du das genau ab dann? Gibt es da wie ein, machst du wie ein Buch oder gibt es einen Film oder sind es einfach Session?

SPEAKER_00

Genau, also ich komme zu den Menschen nach Hause, ich begleite die, die zeigen mir so ein bisschen ihr Lebensumfeld und erzähle mir einfach, was das Leben ihnen so abverlangt hat. Und ich filme das und wir sprechen darüber und dann mache ich so kleine Einheiten, dass die Menschen sich einfach darstellen können, so Kurzvideos und sammle das dann quasi wie in so einem Format auf YouTube. Und dann peu à peu wird daraus wahrscheinlich ein großes Podbury entstehen an einer Collage von Menschen, die sich für sich entschieden haben und deren Energie dann die Menschen folgten, die sich von ihnen anstecken lassen.

SPEAKER_02

Wow, das fühlt sich so schön an. Ja. Herzlichen Dank, Pipa. Sehr, sehr gerne. Ein grosses Dankeschön, dass du dir die Zeit genommen hast, dass ich dich da ausfragen darf und dass du mich so mir so viel erzählt hast und den Podcast hören. Ein herzliches Dankeschön, Dina.

SPEAKER_00

Ich danke dir für deine Zeit und bin gespannt, wen ich über deine Energien so in mystraht begrüßen darf.

SPEAKER_02

Ja, und ich freue mich jetzt noch auf this abend, dann noch in den Frauenkreis rein zu tauchen. And verabschiede mich jetzt from the podcast. Ich wünsche euch a wonderful time and auf an. Tschüss!