Sabeas Traum
Sabeas Traum ist der dritte Roman in der "Sabea"-Serie des Berner Schriftstellers Markus Stadler. Er ist 2026 erschienen und im regulären Buchhandel erhältlich oder direkt bei amazon bestellbar.
Die Story handelt von der materiellen Armut von Pflegestudierenden, aber auch von Freundschaft sowie der Weiterentwicklung des Anthropomorphismus, des Versuchs, Pflegefachpersonen aus ökonomischen Gründen durch deren digitale Zwillinge zu ersetzen.
Sabeas Traum
Sabeas Traum - 4. Episode - Flurina denkt nach
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Wir bekommen einen kleinen Einblick in Flurinas engagiertes Leben und in ihre Gedanken. Während sie zu Bett geht, tobt in Sabeas Haus der grösste Streit seit Jahren zwischen Sabea und Ambrosius.
Sebas Traum Der Podcast Autor Markus Stadler Sabeas Traum sowie die beiden vorangehenden Romane Sabeas Haus und Sabeas Baby sind im regulären Buchhandel erhältlich oder bei Emerson bestellbar. Viertes Kapitel Florina denkt nach. Ein feuchter Nebel hatte sich über die hohen Bäume, Fahne und Pilze gelegt, die Florinas Nachhauseweg durch den Wald säumten. Florinas Haar kringelte sich wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und schimmerte matt. Ihr Anorak hatte beinahe dieselbe Farbe wie bestimmte Tannen, an deren Stämmen das Moos entlang kroch, und Florina wurde so Teil des geheimnisvollen Waldes, in dem Sabeas Haus stand. Sie hielt inne und wandte sich noch einmal dem Holzhaus zu, das seit der Sanierung wie eine kleine Trutzburg inmitten der eigenwilligen Natur wirkte. Florina hätte nicht zu sagen vermocht, wie gerne sie auch so gelebt hätte, in einem Wald und doch nahe genug an den Annehmlichkeiten der Zivilisation, die Bühlwell und die umliegenden Dörfer boten. Bei Fuß, Nala! Das folgsame Riesenschnauzerweibchen rannte auf Florina zu, diese kraulte sie hinter den riesigen Ohren. Dann entfernten sie sich von Sabeas Haus, Florina und Nala, ein unzertrennliches Gespann. Florina hielt inne, die Idee, die sie in diesem Moment durchzuckte, war so gewaltig, dass sie sich auf einen Baumstrunk setzen musste. Soeben hatte die junge, engagierte Pflegefachfrau eine Vision gehabt, eine Vision, der sie im selben Moment so viel Raum wie möglich schaffen wollte. Florina hatte sich vorgestellt, wie es wäre, wenn in der Nähe des Pflege- und Alterszentrums Elfenberg ein kleines Dorf errichtet werden könnte, das ausschließlich den Studierenden vorbehalten war. Die Wohnungen sollten kostenfrei sein und alle auf einen großzügig angelegten Innenhof führen, wo man sich am Abend zum Lernen oder auch zum Feierabendbär treffen konnte. Ein Dorf von Gleichgesinnten, eine Art Pflegewohngemeinschaft. Zugleich blieb Florina auf dem Teppich der Realität. Ein Haus mitten im Wald, wie das von Sabea, würde heutzutage niemals mehr eine Baubewilligung erhalten, geschweige denn ein ganzes Dorf. Da halfen auch Beziehungen zum Dorfpräsidium und zur kantonalen Verwaltung nicht weiter. Aber da gab es den Bühlgraben, von dem das Dorf Bühlwil seinen Namen hatte. Durch ihn hindurch floss die Bühl, ein kleiner Bach, der im Sommer Erholung bot und im Winter, je Kälteeinbruch, sogar mit Schlittschuhen befahren werden konnte. An einer Stelle war das Bachbett der Bühl ungewöhnlich breit, und dahinter befanden sich mehrere Quadratkilometer unbewirtschaftetes, verstepptes Land, das wegen eines Erbstreits zwischen zwei Bauern seit vielen Jahren nicht gepflügt und nicht besät wurde. Florina wusste zu wenig Bescheid über die Situation, aber noch während sie auf dem Baumstrunk saß, reifte in ihr die Überzeugung, dass sie da an etwas richtig Großem dran war. Wenn schon das Pflege- und Alterszentrum Elfenberg wie ein Leuchtturm in die Schweiz hineinstrahlte, wenn schon das Geburtshaus ein Erfolg war, warum sollte sich nicht ein neues Lebensmodell für Studierende entwickeln lassen, das womöglich auch in anderen Kantonen Schule machen konnte? Florina erinnerte sich vage, dass ihr ältere Kolleginnen erzählt hatten, es hätte früher Pflegeschulen gegeben, in denen der Unterricht nur im Erdgeschoss stattgefunden hatte. In den oberen Stockwerken befanden sich Zimmer, kleine Küchen und Gemeinschaftsduschen, und so wurde, zu sehr bescheidenen Mietpreisen, das gemeinschaftliche Leben zelebriert und die Identität zum Beruf gefördert. Klar war es, wie Florina vernommen hatte, zum einen oder anderen Skandal gekommen, meistens wegen Männerbesuchen. Aber in vorangehenden Jahrzehnten hatte man solche kleinen Zwischenfälle einfach weggesteckt und das Zusammenleben aufrechterhalten. Dies hatte darin gegipfelt, dass der Feuerweiher im Innenhof einer der früheren Schulen in den Mittagspausen zum Schwimmen und Sonnenbaden genutzt wurde, wovon auch die örtliche Feuerwehrkenntnis hatte. Gegenüber all den jungen angehenden Krankenschwestern, wie man sie damals nannte, wurden aber beide Augen zugedrückt und dem fröhlichen Treiben der Lauf gelassen. Tief in ihrem Bauch, und vor allem in ihrem Herzen spürte Florina, dass sie Daria etwas schuldete, und nicht nur Daria, sondern auch den zahlreichen Studentinnen und Studenten der Pflege oder anderer Gesundheitsberufe, die oftmals ein allzu kerkliches Leben führten, das der galoppierenden Inflation wehrlos ausgesetzt war. Nala schmiekte sich an den Waldboden, legte den Kopf zwischen die Tatzen und schaute mit ihren großen braunen Hundeaugen zu ihrer Herrin hoch. Im Blick der Riesenschnauzer Dame lag etwas Resigniertes, denn Nala erlebte ihre Florina immer mal wieder nachdenklich, geistesabwesend, und in solchen Momenten gab es für sie nicht einmal einen Hunde bisquiet zu holen. Solche Momente galt es zu überwinden, denn Nala wusste sich geliebt. Irgendein Mal würde Florina aus ihrer Gedankentrance wieder hochschrecken und sich umso hingebungsvoller um sie kümmern. Allmählich senkte sich der Nachthimmel über den Wald, und so machte sich Florina auf den Weg nach Hause. Am nächsten Tag hatte sie frei und würde sich als allererstes einen Notizblock kaufen, indem sie erste Ideen für ihr Projekt, das eigentlich noch gar keines war, festhalten wollte. Sie duschte, wusch ausgiebig ihr Haar und schlüpfte in ihren neuen azorblauen Pyjama. Florina hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, sich immer als erstes der Körperpflege zu widmen, wenn sie nach der Arbeit nach Hause kam, damit sie anschließend alle Zeit der Welt hatte, um sich ihr Abendessen zuzubereiten und eventuell noch Pläne für politische Aktivitäten zu schmieden, mit denen sie ihre geliebten Studierenden unterstützen wollte. Zu Bett ging Florina eigentlich immer viel zu spät, jedenfalls nie vor 23 Uhr, egal, ob eine Tagsschicht oder ein freier Tag bevorstand. Aber Florina spürte in sich so etwas wie ein niemals ruhendes, kleines Kraftwerk, das ihr Energie schenkte, ihr aber zugleich auch Energie nahm. Ihr Schlaf war jedenfalls immer tief und traumlos. Dieses Mal musste es sein, eine Käsemischung, die sie in die Mikrowelle schob und in die sie wenig später genussvoll Weißbrot hineintunkte. Die meisten Menschen auf der Welt verstehen nicht, wie Schweizerinnen und Schweizer an einer derart archaischen Mahlzeit, nämlich geschmolzenem Käse auf Brot, Freude empfinden können, aber sei es drum. Florina goss einen Schwarztee auf, setzte sich an den Küchentisch und spann ihre Gedanken weiter, nicht ohne Nala zuvor mit Wasser und Hundeflocken zu versorgen. Sie wurde traurig, als ihr in den Sinn kam, wie sie einst Darias in die Freuden des Rituals eingeführt hatte. Darias Zweifel waren zwar bestehen geblieben, aber sie hatte ihr Weißbrot restlos aufgetunkt. Dann setzte Florina sich in ihr einfach eingerichtetes Wohnzimmer und breitete auf dem Tisch vor sich Unterlagen aus. Endlos lange hatte sie recherchiert, nur um etwas herauszufinden, das sie schon vorher gewusst hatte, alle 26 Schweizer Kantone finanzieren ihre Pflegestudierenden nach unterschiedlichen Kriterien. Grundlage bildet eine sogenannte Pflegeinitiative, die einst vom Volk angenommen worden ist und unter anderem zum Ziel hat, mittels einer fairen Ausbildungsfinanzierung mehr Menschen zur Wahl eines Gesundheitsberufes, insbesondere des Pflegeberufs, wo der größte Fachkräftemangel herrscht, zu bewegen. Das Gesamtsystem mit all seinen Abhängigkeiten, angefangen bei sehr unterschiedlichen Arbeitsbedingungen in den einzelnen Betrieben bis hin zur eher spezifischen Frage, ob etwa der Kleiderwechsel in der Garderobe zur Arbeitszeit zählt oder nicht, ist aber derart weit verzweigt und verworren, dass Kopfschmerzen oftmals bereits beginnen, bevor man anfangen kann zu denken. So erging es auch Florina. Ihre Schläfen pulsierten und sie beschloss, sich ausnahmsweise bereits um 9 Uhr ins Bett zu legen. Was Florina nicht wusste, in Sabeas Haus tobte der größte Streit seit vielen Jahren. Ambrosius zeigte kein Verständnis dafür, dass Sabea sich mit Florina einließ, galt diese doch als widerspenstig und gar gefährlich, wenn es darum ging, dass der Oberarzt seine Abteilung mit den digitalen Zwillingen ungestört weiterentwickeln konnte. Zusehends war es ihm gelungen, die Pflegeroboterinnen und Roboter mit immer neuen Daten zu füttern, aus denen die Maschinen zusätzliche Erkenntnisse gewannen, sodass sie mittlerweile auch von den Bewohnerinnen und Bewohnern außerhalb der Abteilung Klosterblick akzeptiert wurden. Zum Teil als willkommene Abwechslung, aber auch als noch willkommenere Unterstützung bei pflegerischen Tätigkeiten wie etwa bei der Mobilisation nach kinestätischen Prinzipien. Sabea saß kleinlaut am Tisch. Das Paar hatte sich einst geschworen, niemals vor den Kindern zu streiten, damit diese keine frühkindlichen Traumata davon trugen. Sabea und Ambrosius hatten sich auch leidlich an die Abmachung gehalten. Bis zu jenem Abend, an dem Sabea Ambrosius von Florinas Besuch erzählte. Zu allem kam hinzu, dass die kleine Gratia einen ihrer epileptischen Anfälle hatte, die in letzter Zeit seltener geworden waren, aber umso heftiger wurden und länger dauerten. Ambrosius verwandelte sich sofort in den Arzt, der er war, Sabea wurde zur Pflegefachfrau, die sie war. Sie verabreichten Gratia Phenobarbital, Sabea nahm das Kleinkind schützend in ihre Arme. Jedes Mal brach es ihr fast das Herz, die kleine Gratia so zu sehen. Nur allzu gut erinnerte sie sich an Sarah, die verstorbene, schwer kranke Schwester von Bettina, ihrer Hebamme. Nun bekam sie eine Ahnung davon, unter welcher Belastung Bettina ihre Kindheit und Jugend verbracht hatte, immer davon ausgehend, dass Sarah jederzeit sterben konnte. Knorrend verzog sich Ambrosius ins Badezimmer. Er hatte genug gesagt, seinen Unmut geäußert, und er war davon überzeugt, dass die gewissenhafte und loyale Sabea künftig Abstand von Florina nehmen würde. In der Tat war die Abteilung Klosterblick, die Station mit den digitalen Zwillingen, ein Bereich im Pflege- und Alterszentrum Elfenberg, um den sich allzu viele Fragezeichen rangten. Geschickt war es den Involvierten bis dahin gelungen, die Medien fernzuhalten und allzu neugierigen Fragen auszuweichen. Schließlich wurde ein wesentlicher Teil des Elfenberger Finanzmotors dadurch in Schwung gehalten, dass auf der Abteilung Klosterblick digitale Kopien längst verstorbener Patientinnen und Patienten gepflegt und betreut wurden. Menschen ohne Angehörige, die niemand vermisste, zu minimalen Betriebskosten durch Pflegeroboterinnen und Roboter betreut, konnte für diese Bewohnerinnen und Bewohner über Jahre den Krankenkassen der volle Taxpunktwert verrechnet werden, obwohl die Bewohnerinnen und Bewohner Originale längst unter der Erde lagen oder in einem zum Elfenberg gehörenden Hochofen eingeäschert wurden, damit allfällige Spuren verwischt werden konnten. Sabea wischte Gratias Speichel weg und stellte erleichtert fest, dass sie sich entspannte. Du sollst wieder Gratia sein. Die kleine Marion war fast die einzige, die Zugang zu Gracias Lebenswelt fand. Sie kümmerte sich rührend um die kleine kranke Schwester und besaß eine schon fast unnatürliche Intuition, wenn es darum ging, für Gratia genau das Richtige zu tun. Marion kuschelte sich auf dem Wohnzimmersofa vor dem Kamin an Sabea, die noch immer die kleine Gracia in den Armen hielt. Das Bild wäre anwesenden Menschen ans Herz gegangen, während im ersten Obergeschoss ein erzürnter Oberarzt ins Bett kletterte und nicht einschlafen konnte.
SPEAKER_03Lay night fluorinos on the night. Open all the time. So impatient she can sometimes cry. She says I'm here in pain monster. Gives a little burning and a whole level. She wants to not show her on a friend. Keeps a little eye burning in a world that I forget your name. Cause you stay.