Sabeas Traum

Sabeas Traum - 12. Episode - Isabel und die zwei versteckten Bunker

Kevin MacLeod Season 3 Episode 14

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In Sabeas Haus steht der Haussegen schief. Als Sabea Ambrosius von Flurinas Plänen erzählt, vom Studierendendorf an der Bühl, rastet er vollends aus. Als Medizinstudent hätte er auch harte Zeiten erleben müssen. Ambrosius scheint nicht zu verstehen, warum man Pflegestudierende vor Armut schützen sollte. Dann klingelt es. Vor der Tür stehen Flurina und Isabel, die Historikerin. Ambrosius ist von der Frau hingerissen, was Sabea nicht entgeht.

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Sabejas Traum Der Podcast Autor Markus Stadler Sebias Traum sowie die beiden vorangehenden Romane Sabeas Haus und Sabeas Baby sind im regulären Buchhandel erhältlich oder bei Amazon bestellbar. 12. Kapitel Isabelle und die zwei versteckten Bunker. Während sich die Studierenden, Samira, Jean und Lena immer besser verstanden und einander sehr zugetan waren, nahmen die Spannungen in Sabeas Haus zu. Die sehr sensible Florina ahnte, worum es ging. Ambrosius fürchtete um die Weiterexistenz der Abteilung Klosterbleck, auf der digitale Zwillinge am Werk waren, und zwar nicht nur Pflegefachpersonen, sondern auch Bewohnerinnen und Bewohner, deren Originale verstorben waren, die aber als digitale Kopien auf eben dieser Station ihre Existenz fristeten. Je mehr Zeit ins Land ging, desto eher wurde es auf Ambrosius und den restlichen Geschäftsleitungsmitgliedern klar, dass die Entwicklung digitaler Zwillinge nicht bis in alle Ewigkeit würde geheim gehalten werden können. Es grenzte bereits jetzt an ein Wunder, wie problemlos sich die Abteilung Klosterblick in den Alltag des Pflege- und Alterszentrums Elfenberg einfügte. Florina war gegenüber der Entwicklung digitaler Zwillinge sehr kritisch eingestellt, hielt sich aber weitgehend heraus. Sie befürchtete, dass durch die tiefen Betriebskosten von 4,45 pro Stunde die Studierenden eines Tages überflüssig werden könnten, vor allem solche, die am Anfang der Ausbildung standen wie Lena, die von allem nichts ahnte. Die offensichtliche Freundschaft zwischen Sabea und Florina verunsicherte Ambrosius zunehmend. Hinzu kam, dass ihn die kranke Gratia stärker belastete, als er es wahrhaben wollte. Gerade eben erst hatte er von einem kleinen Mädchen erfahren, dem ein Herz verpflanzt worden war. Unter sehr anspruchsvollen Hygienebedingungen würde das Kind zu Hause bei seinen Eltern leben können. Deren Angst vor einer Abstoßungsreaktion und vor allem vor einer Infektion war enorm. Dem Mädchen würde so oder so ein neues Herz eingesetzt werden müssen, wenn es 15 Jahre alt sein würde, sofern sich denn eines fände. Auch mit einem neuen Herzen würde das Kind im besten Fall 30 Jahre alt. Für Ambrosius war ein derartiges emotionales Wechselbad unvorstellbar. Und dennoch steckten Sabea und er mit der kleinen Gratia in genau derselben Situation. Die Symptome der Gamma-Propeller-Proteinassoziierten Neurodegeneration, die Stoffwechselkrankheit, unter der Gracia lit, würden sich nicht für alle Zeiten lindern lassen. Sabea, Marion und Ambrosius würden sich voraussichtlich von Gratia verabschieden müssen, bevor diese 30 Jahre alt war. Ambrosi war ein praktisch veranlagter Mensch, der viel Optimismus verströmte. Für ihn war jedes Problem eine Frage der Technik und somit lösbar. Und jetzt war er mit Unwägbarkeiten wie mit der Abteilung Klosterblick und seiner kranken kleinen Tochter konfrontiert. Das zerriss ihn innerlich beinahe. Als ihm Sabea eröffnet hatte, sie denke mit Florina zusammen über ein Studierendendorf am Rand von Bühlwil, im Bereich des Bühlgrabens, nach, rastete er vollends aus. Anschaulich hatte ihm Sabea ihren Traum dargelegt. Mehrere Quadratkilometer unbewirtschaftetes, verstepptes Land beim Bühlgraben, das wegen eines Erbstreits zwischen zwei Bauern seit Jahren nicht gepflügt wurde. Die Bühl, der kleine Fluss, der im Sommer Erholung bot, würde die Studierenden glücklich machen. Sabea schwebte, nach mehreren Unterhaltungen mit Florina, ein Dorf in einfacher Holzbauweise vor. Es sollten Bungalow entstehen, die in verschiedenen Ausführungen in Fertigteilen bestellt werden können. Entweder handelte es sich um originell gestaltete Wohnungen mit einem oder mehreren Schlafräumen, Einbauküche und Sanitäranlagen, oder um eine Sauna im selben Stil, die den Studierenden ebenfalls zur Verfügung stehen sollte. Ein voll ausgestatteter Bungalow kostete in der Luxusausführung etwa 80.000 Schweizer Franken, was aus der Sicht von Sabea ein überschaubarer Preis war. Sie hatte längst einen Katalog bestellt und mit Florina darüber gebrütet, und die beiden Frauen waren sich einig. Ein Studierendendorf war genau das, was Bühlwill noch fehlte, wenn es darum ging, Studierende vor Armut während der Ausbildung zu schützen und ihnen Geborgenheit und auch eine gewisse Sorglosigkeit zu ermöglichen. Allerdings war Sabea nicht einmal klar, ob es sich beim Bühlgrab Mareal überhaupt um Bauland handelte, das anderweitig genutzt werden dürfte, als es versteppen zu lassen, wie das zurzeit der Fall war. Die Abklärungen durch die beiden Dorfpolizisten Weckerli und Schneider waren aber inzwischen weit fortgeschritten und es sah danach aus, dass die Ausnahmebaubewilligung erteilt werden würde, sobald die erbrechtliche Situation geklärt war. Als Medizinstudent habe ich auch vieles entbehrt, knurrte Ambrosius. Und man könnte zunehmend den Eindruck gewinnen, es seien nur die Pflegefachpersonen, die mit ungenügenden Arbeitsbedingungen konfrontiert sind. Frag doch mal die Assistenzärzte und Ärztinnen, wie es denen so geht, verdammt nochmal. Darauf konnte Sabea nichts entgegnen. Sie seufzte, stand auf, ging in die Küche und Gostywasser auf. Dann stutzte Ambrosius. Hast du Bühlgraben gesagt? fragte er Sabea, nun schon wieder ein wenig freundlicher. Hast du gewusst, dass es in dieser Gegend zwei versteckte Bunker gibt? Sabea verdrehte die Augen. Sie hatte in den ehemaligen Korridoren, die unter dem Dorf verliefen und auch das Nonnen und das Mönchskloster miteinander verbunden hatten, Schlimmes erfahren müssen. Sie wollte nichts mehr mit Katakomben, Höhlen, Gruben und Schächten oder Bunkern zu tun haben. Dann klingelte es. 18.30 Uhr, knurrte Ambrosius. Ich lasse mir diesen raren Familienabend nicht nehmen. Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass du diesen Familienabend genossen hast, entgegnete Sabea giftig. Ihr Verhalten Ambrosius gegenüber hatte sich in letzter Zeit geändert. Sie widersprach ihm viel öfter, und zwischendurch stellte sie fest, dass sie Streitigkeiten mit ihm weniger aus der Bahn warfen als früher. Noch immer war sie die warmherzige, verständnisvolle Frau, als die sie alle kannten und wofür sie alle liebten. Aber alles, was sie in den letzten Jahren erlebt hatte, von den unterirdischen Korridoren, die überschwemmt worden waren, über die zweimalige Entführung ihrer kleinen Marion bis hin zu Grazia mit ihrer verkürzten Lebenserwartung, hatte sie härter werden lassen. Sabea war nicht mehr zu jedem Kompromissbereit. Sie stand auf und öffnete die Haustür. Als sie sah, wer dort stand, strahlte sie. Da standen nicht nur Florina in ihrem abgewetzten grünen Anorak und Nala, ihr Riesenschnützer, sondern auch eine junge Frau, die Sabea noch nie gesehen hatte. Das ist Isabel, stellte Florina sie vor. Isabelle arbeitet beim Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Sie ist Historikerin. Die Betonung legte sie auf Historikerin, sodass Sabea zu hören vermeinte, Florina sei stolz auf diese Isabel. Rein mit euch in die gute Stube, sagte sie einladend. Ambrosius war mit den beiden Töchtern zu Gange, und Sabea holte in der Küche vier Tetassen und Gebäck. Sie genoss es, dass Florina zu den Frauen gehörte, die einfach so auftauchten, ohne vorherige Anmeldung. Florina war herzerfrischend spontan und hätte es Sabea auch nicht übel genommen, wenn diese ihr gesagt hätte, ein Treffen sei gerade nicht möglich. Isabel kennt sich mit Bunkern aus, sagte Florina eifrig. Mit versteckten Bunkern auch. Ich habe recherchiert. Dort, wo wir beim Bühlgraben das Studierendendorf bauen möchten, existieren zwei Militärbunker. Die Schweiz verfügt über etwa 30.000 Bunker, sagte Isabel bedeutungsvoll. Florina hat mich in eure Ideen und Pläne eingeweiht, fügte sie an. Die beiden Bunker und das umliegende Land stehen zum Verkauf. Sabea schluckte leer. War das möglich? Eben erst hatte sie sich vorgenommen, beim Grundbuchamt nachzufragen, wie es mit dem Erbstreit der beiden Bauern stünde, denen das Land gehört hatte, das nie richtig bewirtschaftet worden war. Nun stand es also zum Verkauf, was allerdings noch lange nicht bedeutete, dass dort auch gebaut werden dürfte. Dann kam Ambrosius zurück. Marion singt Grazia gerade ein Schlaflied, sagte er. Ich gehe später noch einmal hoch zu den beiden. Als er Florina sah, runzelte er die Stirn. Beim Anblick von Isabelle glätteten sich allerdings seine Falten. Was ihm sofort auffiel, war ihre unterschiedliche Augenfarbe. Isabelles rechte Iris war von einem sanften Braunton, ihre linke Iris wies einen faszinierenden Farbverlauf vom Braunen ins Grüne auf. Isabelle hatte perfekt gezeichnete Lippen, die von einem geheimnisvollen Lächeln umspielt wurden. Ihr feines dunkelblondes Haar war zu einem adretten Pferdeschwanz gebunden, und im linken Ohrläppchen leuchtete ein hübscher rosa Stecker. Isabelle trug ein eng anliegendes, großzügig ausgeschnittenes Kleid mit einem weiß-rosafarbenen Blumenmuster. Ambrosius musste sich beherrschen, um nicht auf ihre Brüste zu starren, über denen sich der Stoff spannte und die das Blumenmuster verzerrten. Dann ruhte sein Blick auf Isabells charaktervollen Händen, deren Rücken mit gut sichtbaren Venen durchzogen war. Es waren die schönsten Hände, die er jemals an einer Frau gesehen hatte. Ist etwas, fragte Isabel verunsichert. Ich bin Ambrosius, sagte er. Und als Arzt habe ich manchmal die Eigenschaft, mein Gegenüber mit Blicken zu analysieren. Florina räusperte sich befremdet. Er hat manchmal eine etwas spezielle Art, schub sich Sabea dazwischen, aber eigentlich ist er ein lieber Kerl und ein toller Gesprächspartner. Ambrosius hatte sich wieder gefasst. So etwas wie soeben war ihm im Leben erst zweimal passiert. Das erste Mal war die Begegnung mit Sabea im Stationszimmer des Pflege- und Alterszentrums Elfenberg gewesen. Den ganzen Tag hatte sein Kopf gerauscht, und er hatte Raum und Zeit vergessen, was für einen Arzt problematisch sein kann. Die zweite Begegnung hatte mit Amira, einer Schlangenbeschwörerin, stattgefunden, die Teil des Bühlwiler Jahrmarkts gewesen war. Wie vom Donner gerührt hatte er vor ihr gestanden, wie ein kleiner Junge vor einer elektrischen Eisenbahn. Amira hatte ihn vollends hypnotisiert, und zwar so, dass er die kleine Marion, seine Tochter, höchster Gefahr ausgesetzt hatte. Frauenabsenzen, sagte er manchmal zu sich selbst, ich leide unter Frauenabsenzen. Aber diese Absenzen hielten sich in überschaubarer Zahl. Zusammen mit Sabea waren es in den letzten sechs Jahren drei Frauen gewesen. Sabea, Amira und jetzt diese Isabelle. Von einem Moment auf den anderen war Ambrosius zugänglich. Er scherzte mit den drei Frauen, und in seinem Herzen hatte sich eine Schleuse geöffnet. Ambrosius hörte fasziniert zu, als er von den versteckten Bunkern erfuhr und dass das Land käuflich sei. Auch Florinas Schwärmerei wegen der Bungalobauweise ging auf ihn über. Sabea schaute ihn mit großen Augen an. Aber Ambrosius war schon immer ein spezieller Mann gewesen. Nicht ganz von dieser Welt, und doch Teil davon, wenn es um die Interessen seiner Familie ging. Noch immer war Sabea gerührt, als sie sich daran erinnerte, wie Ambrosi draußen im Garten stundenlang an einem Treibhaus herumgewerkelt hatte, das nun die Cyania Heluences beherbergte. Die Pflanzenbestandteile konnten getrocknet werden und die Symptome lindern, unter denen die kleine Gratia litt. Nur zaghaft nahm die höfliche, diskrete Isabelle das Gespräch auf. Sabea, Ambrosius und Florina kannten sich schon länger, sie selbst saß erst seit einer halben Stunde mit am Tisch im Wohnzimmer. Mit ihrer warmen Stimme, die Herzen öffnen konnte, erzählte die gebürtige Thunerin von ihrem Beruf im Immobilienbereich des eidgenössischen Militärdepartements und ihrer Leidenschaft als Historikerin. Für Ambrosius war sie die erste Frau, die beim Militärdepartement arbeitete und die er nun persönlich kennenlernen dürfte. Für sich beschloss er, die drei Frauen zu unterstützen und in den nächsten Tagen mit dem Grundbuchamt sowie mit der Bank Kontakt aufzunehmen, damit das Land beim Bühlwieler Graben erworben und seinem neuen Zweck, einem Studierendendorf, zugeführt werden konnte. Er konnte sich gut vorstellen, dass nicht alle Elfenberg-Geschäftsleitungsmitglieder von den Studierendendorfbauplänen begeistert sein würden. Mit ihnen würde er noch reden müssen. Was ist mit dieser Frau, wollte Sabea später vor dem Einschlafen wissen. Aber Ambrosius schlief bereits und wurde im Traum erneut mit Isabel konfrontiert. Er befand sich mit ihr in einem engen, feuchten Militärbunker und legte die Hände an ihre Hüften, während Isabel langsam ihr Kleid über die Schultern streifte. Der darauffolgende Kuss fühlte sich sehr authentisch an, und Ambrosius vermeinte sogar, Isabels Parfüm einzuatmen.